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April 21 2011

17:03

IndyCar: Analyse Long Beach

Ein bekanntes Sprichwort lautet: 1. kommt es anders und 2. als man denkt. Unter diesen Motto stand am Wochenende der jährliche Aufgalopp der Indy Car Series beim Toyota Grand Prix of Long Beach. Bereits im Vorfeld des Rennen wurden hohe Erwartungen geschürrt, woran die beiden Rückkehrer Paul Tracy und dessen Lieblingsgegner Sebastian Bourdais sicher nicht ganz unschuldig waren.

Nach den freien Trainings sah alles noch so aus, als würde das Wochenende seinen üblichen Verlauf nehmen. Vorne weg fuhren die beiden Teams des Todessternes in Person von Will Power und Ryan Briscoe welcher 2 Trainings gewinnen konnte, dicht gefolgt von Ryan Hunter Reay und den anderen Wagen der beiden Big Teams. Dieser Trend setzte sich auch im Zeittraining fort, aber bei Leibe nicht mehr so stark wie man erwartet hatte bzw. dauerte nur bis zum vorletzten Segment. So schafften es Dario Franchitti und Scott Dixon als 7. und 8. nicht sich fürs Firestone Fast 6 zu qualifizieren, da sie in aller letzter Sekunde noch von Justin Wilson verdrängt wurden. Etwas überaschend verpasste auch Ryan Briscoe das Fast 6 als 12. und letzter der 2. Runde, während sich Will Power vor RHR, dem überaschend starken Mike Conway, Oriol Servia im überaschend starken NH-Dallara und Justin Wilson die Pole sichern konnte während Helio die 6 Fahrer komplettierte.

Dass mit Newman Haas in dieser Saison auf den Rundkursen zu rechnen scheint, bestätigte auch James Hinchcliffe auf P11, hinter Tony Kanann im besten KV. Beste Dame wurde Simona de Silvestro im HVM auf Startplatz 18, noch vor Matos und Patrick, während sich Sebastian Bourdais und Pault Tracy nur mit den Startpositionen 21 bzw. 25 begnügen mussten. Ein herber Rückschlag für beiden schon vor dem Rennen, da man in Long Beach schon traditionell nur sehr schwer überholen kann und sich die beiden Rückkehrer sicher mehr ausgrechnet haben.

Somit war alles perfekt für das Rennen angerichtet und auch die anfänglich befürchteten Regenschauer blieben – so viel sei schon mal gesagt, aus.

Leider vermasselte sich Ana Beatriz das Rennen schon vor dem Start, als sie sich in der Einführungsrunde ausgangs der Fountain Kurve drehte und den Motor dabei 2 mal abwürgte, was bedeutete, dass sie von ganz hinten beginnen musste.
Den Start konnte Will Power gewinnen, nachdem er sehr früh ausgangs der Hairpin aufs Gas trat und sich nur die ersten 2 Reihen in Formation bringen konnten, vor Ryan Hunter Reay und Mike Conway, während sich Oriol Servia auf Platz 4 halten konnte und auch die anderen Piloten mehr oder unverändert zu ihrer Startposition durch die ersten Kurven kamen, denn der befürchtete Massencrash in Turn 1 blieb nämlich aus.

So blieb dann auch alles bis zur 7. Runde mehr oder weniger unverändert, bis Ryan Briscoe – immer noch auf Platz 12 liegend sich entschlossen hat an die Box zu kommen, harte Reifen zu nehmen und somit out of Seqenze zu gehen, denn die ersten Stopss wurden nach normalen Rennverlauf erst gegen Runde 27 erwartet. Da Brisoce aber einen ordentlichen Vorsprung auf Platz 13 derweil herausfahren konnte blieb er nach dem Stopp unverändert auf Platz 12.
Währenddessen konnten sich Power, RHR und Conway etwas vom Rest des Feldes absetzen und gute 5 Sekunden Vorsprung auf das Duo Orial Servia und Justin Wilson herausfahren.

Leider blieben die folgenden 10 Runden ohne Ereignisse und er einzige Fahrer, welcher etwas Boden gut machen konnte, war Bourdais, der sich in Runde 17 Simona de Silvestro und damit Rang 18 holen konnte.

Mehr Action gab es dann allerdings erst ab der 24. Runde, als auf einmal Justin Wilson in der in der Hairpin quer stand, nachdem er von Helio Castroneves (welcher nochmals von sich reden machen wird) leicht angestoßen wurde. Dies nutzten sofort Ryan Briscoe, Tony Kanann, Alex Tagliani und Helio um in die Box zu kommen, da sie fest mit einer bald ausgerufenen Full-Course Yellow rechneten. Da aber Justin Wilson den Rückwärtsgang einlegen konnte und somit die Stelle schnell räumen konnte, schien es so als haben sich diese Herren getäuscht.

Aber da man im Leben manchmal Glück hat, wurde 1 Runde später Simona de Silvestro von PT an der selben Stelle angestupst, was ebenfalls einen Dreher zur Folge hatte und diesmal aber eine Full-Course Yellow ausgelöst hat. Für Simona war das Rennen somit schon sehr frühzeitig gegessen, da sie bald vom PaceCar überrundet wurde und somit das Rennen nur mit Rundenrückstand wieder aufnehmen konnte.
Auch PT kam nicht ohne Folgen davon, denn er erhielt im Gegensatz zu Helio eine drive Through was ihn ans Ende der Lead Lap befördert hatte, was aber nicht viele Postionen waren, denn er hielt sich eh nur ab Position 20 aufwärts auf.

In dieser Gelbphase kamen nun natürlich all jene zum tanken welche nicht vorher auch schon beim tanken waren und somit war in der Boxengase ordentlich Betrieb vorprogrammiert, was nicht ohne Folgen blieb. Zum einen verpasste Mike Conway beim 1. Versuch die Box um einen guten Meter weil er sich verbremste, was dazu führte dass er nicht betankt und somit ein 2. Mal zum Service kommen musste. Blieb dieser Vorfall noch ohne Folgen außer dass er auf Platz 21 zurückfiel und man meinte das Rennen sei auch für ihn gelaufen, blieb ein 2. Vorfall definitiv nicht ohne Folgen.

Nachdem Bourdais und Marco Andretti dicht beinander zum Service kamen, hatte Marco beim ausfahren aus seiner Box als das Go-Signal kam einen Moment lang nicht aufgepasst und den nebenihm fahrenden Bourdais komplett übersehen was eine Kollision in der Pit Road zur folge hatte. Das Rennen war für Seabass sofort gelaufen, da er einen mittelschweren Aufhängungsschaden hatte, da halfen ihm auch die Entschludigungen von Andretti nix und auch Marco musste kurze Zeit später das Segel streichen, nachdem man noch versucht hatte das Rennen wieder aufzunehmen. Jedoch war der Schaden auch an seinem Auto nach seinem Aussetzer zu groß.

Die Führung hatte nun aufgrund der Ereignisse Alex Tagliani vor Ryan Briscoe und Will Power übernommen, während Ryan Hunter Reay auf P4 vor Helio Castroneves und Dario Franchitti lag. Oriol Servia hat leider ein paar Positionen verloren und lag zu diesem Zeitpunkt auf Platz 7, noch vor Scott Dixon und James Hinchcliffe während Vitor Meira die Top 10 komplettierte. Danica Patrick lag als beste Dame auf P.15, 8 Plätze besser als Paul Tracy welcher dieses Wochende sicher gerne ganz schnell vergessen möchte, denn auch im weiteren Verlauf verlief es für ihn katastrophal und es sprang am Ende für ihn nicht mehr als ein 16. Platz heraus.

Beim folgenden Restart musste Alex Tagliani die sitting duck spielen, denn er wurde sofort von Ryan Briscoe und Ryan Hunter Reay kassiert, nachdem dieser erst Will Power eingangs Turn 1 überholen konnte. Jener Will Power konnte dann aber auch Tags schnell überholen. Unterdessen konnte sich Ryan Briscoe als einziger auf den schnelleren Reds sich etwas absetzen, denn seine Strategie ging bis jetzt perfekt auf.

Auch jetzt zog sich das Feld wieder sehr schnell auseinander, was dazu führte dass es auch hier kaum Überholmanöver gab und man wie auf einer Perlenschnurr druch die Straßen fuhr und auch an der Spitze gab es kaum Duelle, so fuhren die ersten 3 jeweils mit gut 1 Sekunde Abstand vor sich her. Die einzige Ausnahme bildetete aber Mike Conway für Andretti Autosport welcher an jenem Tag über ein Bomben-Auto verfügte und sich Stück für Stück wieder nach vorne arbeiten konnte.

Erst ab Runde 42 entwickelte sich wieder etwas Spannung, denn Justin Wilson kam in die Box auf P13 liegend zum Service, da er keine Möglichkeit besaß sich weiter nach vorne zu arbeiten. Ob diese Entscheidung sinnvoll oder nicht war, darüber kann man streiten denn das Fuel Window war hier 25-30 Runden und kurz Halbzeit hätte er es somit nicht ins Ziel geschafft. Aber hätte wäre wenn, in Runde 62 hat Justin Wilson beim anbremsen einen Achsschaden als ihm beim anbremsen von Turn 8 auf die Gegengerade das Heck wegging. Er schlug zwar nur leicht ein, jedoch war die Hinterachse dermaßen kaputt dass das Aus besiegelt war.

In Runde 54 läuteten dann Tony Kanann und Oriol Servia die Phase der 2. und letzten Stopps ein und nacheinander kamen dann auch alle Piloten zum Service rein, welche im Gegensatz zu den 1. Stops diesmal ohne Probleme verliefen. Jedoch konnte Will Power eine Runde länger als Ryan Hunter Reay draussen bleiben, was dazu führte dass er beim anbremsen von Turn1 die 2. Position erobern konnte, was zu diesem Zeitpunkt eine Penske Doppelführung bedeutete da Ryan Briscoe seinen Platz an der Sonne verteidigen konnte. Jedoch sah man dann in den folgenden Kurven den Unterschied zwischen kalten und warmen Reifen mehr als deutlich, sodass RHR sich wieder Platz 2 zurückerobern konnte.

Quizfrage: “Was gehört zu jedem normalen IndyCar Rennen dazu was wir bisher im Verlaufe des Rennen nicht haten ?” – Richtig ein Crash. und die 2. Frage lautet: “Von wem ?” auch wieder richtig, von E.J Viso in Diensten von KV Racing welcher seinen Dallara im 60. Umlauf in die Reifen setzte und somit mit KV-Kleinholz Nummero 8, wovon alleine 7 auf seine Kappe gehen (!!!) eine local yellow auslöste, als er beim anbremsen der links vor der Haarnadel sehr optimitisch nach innen zu Danica Patrick zog, worauf sich die Wagen berührten und er nach rechts in die Reifen abbog.

In Runde 62 kam es dann zum schon vorher angesprochenen Unfall von Justin Wilson welcher aber nun eine Full-Courese Catuon auslöste. Diese Caution sollte aber dann beim restart von rennentscheidender Bedeutung sein. Aber der Reihe nach. Vor dem Restart lag Briscoe, vor RHR, Power und Castroneves während sich Servia auf Platz 5 vor Dario und Scott Dixon platzieren konnte. Mike Conway war derweil der “biggest mover” und fand sich auf Platz 11 vor dem Restart wieder.
Beim Resart in Runde 66 konnte sich Ryan Briscoe durchsetzen, während Will Power versuchte sich aussen an RHR in Turn 1 zu bremsen. Dies gelang jedoch nicht und so wollte Will Power hinter RHR in Turn 1 biegen. Wollte deshalb weil Helio dachte “hey da ist ja eine Lücke, die ist zwar 40m vor mir und Will Power zieht da gleich rein, aber was Matt Jackson, Jason Plato und Co in der BTCC können, das kann ich doch auch!” So verlegte Castroneves seinen Bremspunkt einfach mal um gute 30m nach vorne. Will Power zog natürlich nach innen in Turn1, da da natürlich (noch) niemand war. Als er innen in Turn war, rauschte ihm jedoch Helio natürlich ins Heck und drehte somit sich und den auf Platz 3 liegenden Will Power weg.
Da aber beide keine Schäden davon trugen, konnten sie das Rennen sofort wieder aufnehmen und es wurde keine Caution ausgelöst.

Eine vorsichtig ausgedrückt “sehr optimistische” Aktion von Helio, da sich nach diesem Unfall beide auf Platz 12 und 13 wiederfanden. Dass Helio dieses Jahr anscheinend gerne sehr auf Verdacht in die Kurven beim restart bremst, konnte man ja schon in St. Pete sehen, aber hier räumte er seinen eigenenden Teamkollegen ab, welcher sicher höchstwahrscheinlich auf das Podest gekommen wäre. Für Will Power sprang am Ende ein 10. Platz raus, deutlich weniger als man sich in seinem Lager erhofft hatte.
Ein weiterer Verlierer dieser Aktion war Scott Dixon, welcher sich dabei die vordere linke Spurstange verbogen hatte. Jedoch konnten seine Mechaniker dieses Teil an der Box sehr zügig wechseln, so dass er auf Platz 18 mit 1 Runde Rückstand ins Ziel rollte.

Eine Runde später zeigte sich, dass die Entscheidung, noch schnell ein paar Dallara-Aktien zu kaufen absolut die richtige Entscheidung war, denn Takuma Sato kollidierte mit Charlie Kimball leicht, was dazu führte dass beide nicht sofort die Stelle räumen konnten und somit eine weitere Gelbphase zur Folge hatte. Während für Chalie Kimball, Teamkollege von Rahal bei Ganassi das Rennen sofort zu Ende war, kam Sato mit 4 Runden Rückstand ins Ziel.

Profiteure der Unfälle war zum einen Daio Franchitti welcher sich nun auf einmal auf Position 4 fand, vor Alex Tagliani und James Hinchcliffe, während Mike Conway bereits auf Position 6 lag, vor seiner Kollegin Danica Patrick und Orial Servia im 2. Newman/Haas Auto.

Beim Restart in Runde 70 schlug dann endgültig die Stunde von Mike Conway. Als Alex Tagliani aussen denn 3. Dario Franchitti angreifen will, schafft es Mike sich auf P4 reinzudrücken nur um dann kurze Zeit sogar Dario von Platz 3 zu verdrängen. Ziemlich zeitgleich, bekamm der bis dato beste Fahrer von Andretti Autosport, Ryan Hunter Reay Probleme mit der Bordelektronik sodass er auf einmal keine Vortrieb mehr hatte und aufgeben musste.
Da aber Ryan Briscoe nur 1,5 Sekunden Vorsprung auf Mike Conway hatte, war die Jagd auf Platz 1 eröffnet.

Etwas mehr als 1 Runde später hatte Conway den Rückstand bereits aufgeholt und holte sich eingangs Turn 7 beim anbremsen den Australier, welcher sich kaum zur Wehr setzen konnte, denn Mike hatte zu diesem Zeitpunkt ein unglaublich gutes Auto und konnte seinen Vorsprung daher innerhalb kurzer Zeit auf mehrere Sekunden ausbauen.

So gewann Mike Conway vöölig überaschend das Rennen vor Ryan Briscoe welcher dank kluger Strategie am Anfang von 12 auf 1 fahren konnte. 3. wurde Dario Franchitti als bester Ganassi Pilot, denn die anderen 3 bleiben mit Rahal auf 3, Dixon auf 18 und Kimball mit seinem Ausfall absolt unter den Erwartungen. Platz 4 ging an Indy-Rookie James Hinchcliffe welcher in seinem 2. Rennen völlig überaschend noch fast aufs Podest gekommen wäre, vor dem erfahrenen Alex Tagliani.
Dieser Erfolg wird Tags sicher auch gut tun, denn sein Teams stand kurz vor Beginn vor dem Aus, bevor es noch von Sam Schmidt aufgekauft wurde. Platz 6 ging an Oriol Servia im 2. Newman Haas welcher Danica Patrick als beste Dame auf Platz 7 verweißen konnte. Achter wurde Tony Kanann im KV, der wieder der einzige KV-Pilot war der ohne Unfall auskamm. Die Top 10 wurde noch von Vitir Meria und Will Power komplettiert, während R. Matos einen grundsoliden 11. Rang nach Hause fahren konnte.

Auf 12 und 13 fanden sich somit die schon angesprochenen Rahal, (welcher bis jetzt ziemlich unter seinen Möglichkeiten liegt) und Helio Castroneves. Platz 14 holte sich der Kollege von Bourdais, James Jakes welcher damit immerhin Paul Tracy in Schacht halten konnte. Mann kann für PT und Jay Penskes Dragon Team nur hoffen, dass sei bei ihrem nächsten Einsatz in Texas die Probleme gefunden haben und auf Speed kommen können, denn in Sao Paulo und Indy wird PT nicht im Dienste von Rogers Sohn stehen.
platz 17 ging an den enttäuschenden Jr Hildebrand, welchen man vor der Saison auch eher weiter vorne erwartet hätte.

Ein ebenfalls sehr schelchtes Wochenende hatte wie schon angesprochen Simona de Silvestro, was sehr schade war, denn bei diesem Rennverlauf hätte es durchaus weiter nach vorne gehen können, aber man war die ganze Zeit auf der Suche nach dem Speed. Hoffentlich hat man ihn bis Sao Paulo am 1. Mai wieder gefunden.

In der Meisterschaft führt nun Dario Franchitti mit 122 Zählern 5 vor Will Power, bevor Tony Kanaan mit 87 Zählern auf Platz 3 folgt. 4. ist nun Oriol Servia vor dem vorgerückten Mike Conway und Alex Tagliani für Sam Schmidt auf Platz 6, während sich Dixon, de Silvestro und Ryan Briscoe Platz 7 teilen.

In der Andretti Road Course Wertung sieht es gleich aus, denn bisher standen noch keine Ovale auf dem Programm und das wird auch so bleiben, denn am nächsten Wochenende pausiert die Indy Car Series, bevor es am 1. Mai in Sao Paulo zum letzten Lauf vor dem Indy 500 kommt.

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March 24 2011

06:24

IndyCar Series: Saisonstart in St. Petersburg

Eine teils chaotische, teils erfreuliche Off-Season geht endlich zu Ende – am Sonntagabend kehrt die IndyCar Series zurück auf die Strecke. Das dürfte spannend werden, denn seit dem Finale 2010 hat sich einiges getan.

Eine stille Winterpause sieht anders aus: Die IndyCar Series bedachte seit der Meisterschaftsentscheidung in Homestead Fans und Medien mit einem steten Fluss an Neuigkeiten, wie das sonst sogar während der laufenden Saison ungewöhnlich ist. CEO Randy Bernard hat bewiesen, dass er weiß, wie man mit der zuletzt eher unscheinbaren Monoposto-Serie Aufsehen erregt. Ob seine Ideen auch auf der Rennstrecke funktionieren, das muss sich allerdings noch beweisen. Immerhin: Zum Saisonstart stehen 25 Fahrer bereit, die meisten davon werden wohl das ganze Jahr lang dabei sein. Ein paar alte Stars haben es in die Serie zurückgeschafft, wenn auch zum Teil in letzter Minute. Zusammen mit einigen interessanten Rookies bescheren sie der IndyCar Series das wahrscheinlich stärkste Starterfeld seit CART-Zeiten.

Spannende Zeiten also auch für Fans, daher eine kurze Zusammenfassung der Meldungen aus dem Winter – für alle, die in der Off-Season nicht ganz so aktiv waren wie Randy Bernard. Eine Vorschau auf das Rennen in St. Petersburg folgt dann weiter unten.

Neue Hersteller

Auch, wenn sich die Nachricht eher auf die kommende Saison bezieht, als auf die aktuelle: Die wichtigste Meldung des Winters war wohl die Rückkehr von Chevrolet in die IndyCar Series. Der US-Hersteller wird dabei 2012 nicht nur Motoren liefern, sondern auch selbst eines jener Aero-Kits anbieten, mit denen die Teams das Standard-Chassis von Dallara erweitern können. Gleiches hat auch Lotus angekündigt, die ab kommendem Jahr als dritter Hersteller in der Serie aktiv sein werden. Richtig gelesen: Der in malaysischer Hand befindliche Sportwagenhersteller hat angekündigt, nicht nur ein Aero-Kit zu liefern, sondern auch einen Motor. Woher der kommen soll, wurde bisher allerdings nicht enthüllt. Als vierter Hersteller könnte auch noch das französische ORECA-Team dazukommen. Dort will man sich allerdings mit der Fertigung von Aero-Kits bescheiden.

Teams und Fahrer 2011

Gleich vorneweg eine kurze Entschuldigung: Die IndyCar Serie bietet leider zur Stunde noch keine Fotos aus St. Petersburg an. Bei den Bildern unten handelt es sich daher um Aufnahmen vom Test am Barber Motorsports Park in der vergangenen Woche. Dort waren leider nicht alle Teams und Piloten anwesend, von manchen gibt es also leider keine Bilder. Auch bei den Lackierungen könnte es also noch Änderungen geben. Die IndyCar Serie veröffentlicht normalerweise vor Rennstart einen Spotter’s Guide auf indycar.com. Den werde ich nachreichen, sobald bzw. sofern er verfügbar wird.

Penske

Die Mannschaft unter der Leitung von “Captain” Roger Penske wird wohl auch 2011 zu den Favoriten im Starterfeld zählen. Das haben auch die Ergebnisse der Testfahrten in Alabama noch einmal unterstrichen. Bei den Piloten hat sich nichts verändert, auch in diesem Jahr greifen Helio Castroneves, Will Power und Ryan Briscoe ins Lenkrad. Abseits der Ovale ist wohl Power der schnellste aus diesem Dreiergespann, als besserer Allrounder könnte sich aber einmal mehr Castroneves erweisen. Ryan Briscoe hat in der vergangenen Saison nicht so wirklich überzeugt, und wird in diesem Jahr etwas kräftiger aus Gaspedal treten müssen, wenn er sich die Gunst des Captains erhalten will.

Ganassi

Das zweite Top-Team der IndyCar Series hat sich über den Winter verdoppelt. Neben dem bisherigen Fahrergespann Dario Franchitti und Scott Dixon (die wieder in den klassischen, links abgebildeten Target-Farben starten), treten 2011 auch Graham Rahal und Charlie Kimball für Ganassi an, die jeweils von anderen Sponsoren unterstützt werden. Weil Target aber keine Konkurrenz im gleichen Team wollte, musste man bei Ganassi zu einem etwas ungewöhnlichen Trick greifen – und einfach ein zweites Team eröffnen. Offiziell wird man zwar nicht müde, die Unabhängigkeit der beiden Teams voneinander zu betonen. Inoffiziell darf man aber wohl schon davon ausgehen, dass sich die Verantwortlichen der beiden Teams gelegentlich mal über den Wag laufen werden. Und dabei wohl nicht nur über Baseball reden. Bei den Test hatte man noch ein paar Probleme, bei den Rennen darf man aber auch in diesem Jahr die Mannschaft vorne erwarten. Fahrerisch sind von Franchitti und Dixon wohl auch in dieser Saison wieder konstant gute bis sehr gute Ergebnisse zu erwarten. Auch Rahal hat in der Vergangenheit (vor allem 2009 bei Newman/Haas) schon Talent bewiesen. Inwieweit auch Charlie Kimball mithalten kann, muss sich noch weisen.

Andretti Autosport

Einige Überraschungen bot über den Winter die traditionell dritte Kraft der IndyCar Series. Erst wurde Tony Kanaan freigestellt (und ihm “erlaubt, mit anderen Teams zu verhandeln”) – vermutlich deshalb, weil man sich sein hohes Gehalt nicht mehr leisten konnte. Und dann tritt man 2011 doch wieder mit vier Fahrern an: Marco Andretti und Danica Patrick waren ohnehin schon gesetzt, Ryan Hunter-Reay konnte auch genügend Sponsoren auftreiben, um sich im Team zu halten. Keiner der drei hat bisher das Talent gezeigt, konstant um Siege oder gar Meisterschaften mitzufahren. Aber: Alle sind solide Piloten, und auf ihre Art wichtig für die Serie. Erstaunlich ist dagegen die Verpflichtung des beim Indy 500 schwer verunglückten (aber mittlerweile wohl wieder genesenen) Mike Conway. Der Brite hat zwar in diversen Juniorserien gute Leistungen gezeigt, in der IndyCar Series konnte er allerdings bislang (außer beim schicksalsvollen Indy 500) nicht wirklich überzeugen. Und seit seinem Unfall fehlt ihm überhaupt jegliche Erfahrung im Auto. Ein erfolgreiches Comeback wäre ihm zu vergönnen – bis es soweit ist, muss man aber vermutlich noch ein paar Rennen Geduld haben. Abzuwarten bleibt außerdem, ob es das Team nach einer sehr mäßigen Saison 2010 wieder schafft, an alte Stärken anzuknüpfen.

KV Racing

Mit drei Piloten geht das Team von Kevin Kalkhoven und Jimmy Vasser an den Start. Zur bisherigen Stammmanschaft mit EJ Viso und Takuma Sato ist in letzter Sekunde noch ein weiterer großer Name gestoßen. Der bei Andretti entlassene Tony Kanaan hat es am Wochenende vor dem Saisonstart geschafft, ausreichend Sponsoren für eine volle Saison im Teams zu sammeln. Das könnte sich für beide als gutes Geschäft erweisen: KV wird von der Erfahrung des Tony Kanaan (vor allem in Fragen der Abstimmung) gewiss profitieren, der Brasilianer bekommt von KV Racing ein in seinem Speed womöglich unterschätztes Autos zu Verfügung gestellt. Das mag zwar in dieser Saison noch nicht für Siege reichen – wenn Sato und Viso aber ihr Temperament diesmal etwas öfter in Zaum halten können, als im vergangenen Jahr, dann könnte das Team durchaus einen Sprung nach vorne machen.

Dreyer & Reinbold

Ein weiteres Team aus dem Bereich “solides Mittelfeld”, das sich 2011 nach oben entwicklen könnte. Justin Wilson ist ein Pilot, der gewiss immer wieder einmal für eine Überraschung gut ist – ganz besonders auf den Rundkursen. Außerdem hat man sich mit Ana Beatriz verstärkt. Die Brasilianerin bringt einige Sponsoren an Bord, und konnte auch bei ihren Einsätzen in der vergangenen Saison durchaus Potenzial beweisen. Sie könnte sich also als gute Mischung aus Pay-Driver und solider Pilotin herausstellen. Beim Indy 500 wird außerdem Haudegen Paul Tracy für Dreyer & Reinbold an den Start gehen. Weitere Einsätze sind in Planung, aber bisher nicht fix. Beim Saisonstart ist der Kanadier jedenfalls nicht dabei.

Dale Coyne Racing

Eine faustdicke Überraschung gibt es beim ewig unterfinanzierten Traditionsteam: Champ-Car Dominator (und Toro-Rosso Mittelfeldpilot) Sebastian Bourdais kehrt in den US-Rennsport zurück. Allerdings nicht für die ganze Saison: Der Franzose wird aus Sponsormangel und wegen Terminkollisionen mit seinen Sportwagen-Projekten bei den Oval-Rennen nicht antreten. Dass Bourdais mit den amerikanischen Open Wheelern und hemdsärmeligen Stadt- und Rundkursen gut zurecht kommt, hat er bewiesen. Unklar ist dagegen, ob die Autos von Dale Coyne gut genug sind, um ein ernsthafter Kandidat auf die Mario Andretti Rundstrecken-Trophy zu sein. Ebenfalls unerwartet ist der zweiten Pilot: James Jakes, bisher bekannt aus GP2 und GP3 hat wohl einen zahlungskräftigen Sponsor gefunden, und wird die gesamte Saison mit dabei sein.

Newman/Haas Racing

In 50%-Stärke startet die Mannschaft von Newman/Haas in St. Petersburg in die Saison. Ursprünglich hatte man gehofft, Oriol Servia und James Hinchcliffe zu verpflichten – schließlich hat es aber nur Servia geschafft, die nötigen Sponsorgelder aufzutreiben. Das ist schade, denn beim Test in Alabama waren beide sehr gut unterwegs. Hinchcliffe hofft nun, bis zu einem der kommenden Rennen ausreichend Gelder zu finden, um doch noch in die Serie einsteigen zu können. Immerhin hat Newman/Haas mit Oriol Servia aber einen erfahrenen und meist schnellen Piloten verpflichtet, mit dem man hoffen kann, das Abschneiden vom vergangenen Jahr (als der Pilot Hideki Mutoh hieß) vergessen zu machen.

Der Rest

Fans von Simona de Silvestro dürfen sich auch in dieser Saison auf ein dauerhaftes Antreten der Schweizerin freuen. Einziger Wehrmutstropfen: Ihr Sponsor, “Nuclear Clean Air Energy”, ein Projekt, das für “sauberen” Atomstrom werben soll, dürfte sich momentan nicht an der Spitze seiner Popularität befinden. Alex Tagliani und das FAZZT-Team sind auch wieder mit dabei – allerdings nach Kauf durch Sam Schmidt unter dem Namen von dessen Team “Sam Schmidt Motorsports”. Sebastian Saavedra wird die gesamte Saison bei Conquest Racing bestreiten, Raphael Matos hat in letzter Minute einen Deal mit dem neuen AFS Racing zustande gebracht. Vitor Meira bleibt bei Foyt. Und JR Hildebrand bei Panther Racing vervollständigt ein starkes und wieder etwas US-lastigeres IndyCar Feld. Sarah Fisher Racing wollte eigentlich die gesamte Saison mit Ed Carpenter bestreiten, musste sich nach einen Crash beim Testen aber für dieses Wochenende zurückziehen. Bleibt zu hoffen, dass die Mannschaft bald wieder dabei sein kann.

Nicht dabei sind beim Saisonstart der schon erwähnte Paul Tracy – und Dan Wheldon, der sich im Streit von Panther Racing getrennt hat. Der Brite scheint bei der Suche nach einem neuen Cockpit keine große Eile an den Tag zu legen, und wird nach eigener Aussage nur dann wieder in die Serie einsteigen, wenn er ein Angebot von einem konkurrenzfähigen Team bekommt.

Der Kalender

Nach dem Saisonstart am kommenden Wochenende geht es im Zwei-Wochen Takt mit Rennen am Barber Motorsports Park, in Long Beach und dem Brasilien-Lauf in Sao Paulo weiter.

Ohne vorheriger Übung auf einem Oval beginnt dann der Monat Mai, und damit die Vorbereitung auf das Indy 500 am 29.5.

Zwei Wochen später gibt es die erste Kalender-Neuerung – und die ist durchaus als Experiment zu bezeichnen. In Texas wird es nämlich zwei Rennen geben, die am selben Tag stattfinden werden. Die Punkte dafür werden ganz einfach geteilt, die Startaufstellung für das zweite Rennen wird ausgelost. Das kann spektakuläres Rennen geben – aber auch ebenso spektakulär in die Hose gehen. Es ist sicher nicht schlecht, frischen Wind in die Serie zu bringen. Ob man das aber unbedingt auf die High-Speed Oval in Texas machen muss, ist eine andere Frage.

Nur eine Woche danach feiert Milwaukee die Rückkehr in den IndyCar Kalender – ein Ort der Tradition aber auch der kleineren Geschwindigkeiten und nicht immer wahnsinnig spannenden Rennen. Danach folgt Iowa, bevor es im Rahmen der Kanada-Tournee wieder auf die Rundkurse geht. Zuerst startet die Serie in Toronto, zwei Wochen später auf dem völlig umgebauten Flugplatzkurs in Edmonton.

Wieder zurück in den USA folgt der Klassiker von Mid-Ohio. Dann steht wieder eine “Premiere” auf dem Programm: Das erste größere Open-Wheel-Rennen auf dem New Hampshire Motor Speedway in Loudon seit mehreren Jahren. Besonderheit: Damit die Teams nicht umbauen müssen, wird auch dort in Road-Konfiguration fahren.

Es folgt eine weitere Premiere: Das erste Rennen auf dem neuen Stadtkurs in Baltimore. Dort hatte man wohl über den Winter finanzielle Anlaufschwierigkeiten. Nach aktuellem Stand wird die Strecke aber rechtzeitig fertig.

Für die letzten drei Rennen der Saison folgen dann wieder Ovale. Zunächst plant man, in Motegi zum vorerst letzten Japan-Auftritt der Serie anzutreten. Dass man dort ab 2012 nicht mehr antreten wird, haben INDYCAR und Motegi-Betreiber schon vor einiger Zeit bekannt gegeben. Ob man sich nach Erbeben und Tsunami heuer wirklich noch einmal auf die Reise macht, darüber gibt es im Moment noch keinen Beschluss.

Als vorletztes Rennen der Saison steht Kentucky auf dem Programm, wo es in letzter Zeit immer spannende Rad-an-Rad Duelle gegeben hat.

Schließlich folgt das Finale am baulich recht ähnlichen Oval in Las Vegas, für das sich Randy Bernard allerdings einen besondere Dreh einfallen hat lassen: Bei der Veranstaltung mit dem bescheidenen Titel “IndyCar World Championship” werden neben den regulären IndyCar Piloten noch fünf weitere Fahrer aus anderen Serien antreten. Sollte einer dieser fünf das Rennen gewinnen, winkt ein Preisgeld in der Höhe von 5 Millionen Dollar. Im Sommer soll ein Komitee entscheiden, welche Fahrer antreten dürfen. Bis dahin gibt es nur Spekulationen – etwa um den ehemaligen F1 und CART Piloten Mark Blundell, den Motocross Star James Stewart oder möglicherweise sogar Alex Zanardi.

Neue Regeln

Mit dem Ziel, eine bessere Show zu liefern, wurden in der Winterpause außerdem einige neue Regeln beschlossen: Commitment Cone, Double-File Restart, Einführung einer “Lucky Dog”-ähnlichen Regel, eine Höchst-Teilnehmerzahl von 26 Autos.

Oder auch nicht: Denn nach heftigen Beschwerden zahlreicher Fans wurden “Lucky Dog” und das 26-Starter Limit wieder gestrichen. Ausnahme: Auf Kursen, in denen die Pitlane nicht lang genug ist, etwa in Mid Ohio, wird es weiterhin eine Beschränkung des Startfeldes geben.

Geblieben ist die neue Regelung für Restarts: Die werden ab sofort in Double File absolviert. Außerdem wird die grüne Flagge deutlich später fallen als bisher. Die Autos werden also beim Überqueren der Zielflagge wieder näher beieinander liegen. Das sieht spektakulärer aus, ist bei den Teambesitzern aber nicht besonders beliebt, weil es auch zu einer Häufung an teurem Schrott führen könnte.

Vorschau: St. Petersburg

Wie das ganze in der Praxis funktioniert, werden wir am Wochenende in St. Petersburg sehen. Die IndyCar Series gastiert dort schon zum siebten, zählt man ein Champ Car Rennen 2003 dazu sogar schon zum achten Mal. Der Kurs liegt einigermaßen pittoresk in der 250.000 Einwohner-Stadt am Golf von Mexiko. Die Kursführung ist aber leider auch ziemlich eng. Die Rennen sind daher nicht immer wahnsinnig spannend. Mit etwas Glück und ein bisschen Regen wird das ganze allerdings schon wieder interessanter – so etwa 2008, als Graham Rahal das zweite Rennen nach der Wiedervereinigung von IRL und Champ Car Series gewann. Im vergangenen Jahr war es dann doch etwas zu viel des Guten, so dass der Lauf wegen Überflutungen auf den Montag verschoben werden musste. Gewonnen hat dann Will Power – der vierte Penske-Sieg in sechs Jahren. Heuer soll es aktuellen Wetterberichten zufolge trocken bleiben.

Zum Kurs selbst: Nach der Start/Zielgerade, die über eine für das Rennen stillgelegte Landebahn führt, geht es in eine recht enge Rechtskurve, wo in der Vergangenheit die meisten Überholmanöver stattgefunden haben. Es folgt eine kürzere Gerade, an deren Ende eine 90 Grad-Kurve auf die Fahrer wartet. Überholversuche gibt es dort immer wieder, gelungene Überholmanöver eher selten. Gelbphasen dafür wieder ziemlich häufig. Nach einem kurzen, ziemlich eckigen Intermezzo geht es entlang der Promenade in zwei schnelle Linkskurven und eine schnelle Schikane. Diese Passage ist landschaftlich besonders schön am Meeresufer gelegen – merkwürdig, dass dort nie Kameras postiert sind, die das entsprechend einfangen. Überholmanöver sind dort nicht zu empfehlen, und Fehler auch nicht – denn die Wand ist ziemlich nah. Über eine langgezogene, mittelschnelle Kehre geht es dann wieder zurück auf Start und Ziel. Wer sich hier einen Fehler erlaubt, läuft Gefahr, überholt zu werden. Die Versuchung für hinterherfahrende Piloten, beim Vordermann in NASCAR-Manier “anzuklopfen” scheint ziemlich groß zu sein. Helio Castroneves hat das am Ende einer SC-Phase vor ein paar Jahren mit Scott Dixon erfolgreich praktiziert. Ein aktuelles Onboard-Video hat die IndyCar Series zwar noch nicht veröffentlicht. Die Kursführung hat sich aber seit 2009 meines Wissens nach nicht verändert, so dass ich hier einfach die Onboard-Vorschau vom letzten Jahr, begleitet von Ryan Briscoe, poste.

Leider auch neu: Kein Stream

Alles in allem also gute Voraussetzungen für eine spannende Saison. Für Fans im deutschen Sprachraum hat die Sache aber leider einen Haken: Die Serie wird auch heuer (nach derzeitigem Stand) auf keinem Sender übertragen. Und auch den offiziellen Internet-Stream, der zwar nicht besonders gut, 2010 aber trotzdem oft die einzige Rettung war, gibt es auf Geheiß des amerikanischen Rechteinhabers Comcast/NBC (den neuen Versus-Besitzern) heuer nicht mehr.

Für die USA ist das verständlich, denn die INDYCAR hatte offenbar nie die Rechte, ihre Rennen im Internet zu streamen. Versus hat das wohl bisher trotz schlechter Quoten geduldet. Weil aber die Fans offenbar immer in der Werbeunterbrechung den Stream angeschalten haben, hat man diese Praxis nun beendet.

Weniger verständlich ist dagegen, wieso man auch die Trainings und die nicht im TV übertragenen Qualifying-Sessions mehr zeigen will. Und völlig unverständlich ist, wieso man nicht gegen Gebühr einen Stream des von ESPN produzierten internationalen Feeds der Serie in jenen Ländern anbietet, wo die Rechte für die IndyCar Serie nicht verkauft wurden. Leider ist man im Moment derartig auf den Aufbau einer amerikanischen Fanbase konzentriert, dass man es noch nicht mal geschafft hat, eine Liste der internationalen Broadcaster auf die Homepage zu stellen. Stattdessen gibt es dort noch immer jene vom vergangenen Jahr. Wird man sich also wieder in den Untiefen des Internets umsehen müssen, wenn man das Rennen trotzdem sehen will.

27.03.2011 LIVE 18:30 Uhr IndyCar Series St. Petersburg ABC LIVEx 23:00 Uhrx Asian F BMWxxx Bud Shootout Practicex sky sport2x
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Reposted byLegendaryy Legendaryy

September 06 2010

16:44

Kentucky Indy 300: Helio-Man Returns

Nicht dauerndes Rad-an-Rad, aber viele schöne Zweikämpfe: Zum 200. Rennjumbiläum haben sich die Indycars in Kentucky auf klassische Oval-Kost besonnen. Gut so!

Am Ende war es mal wieder gut, dass US-Ovale mittlerweile in stabile Zäune investieren – wie in seinen besten Jugendzeiten ließ sich Helio Castroneves von den Fans für seinen zweiten Saisonsieg feiern. Das ganze Penske-Team dürfte allerdings nicht in Jubelstimmung verfallen sein: Denn erstens wird manchnen aufgefallen sein, dass Castroneves seinen Sieg im Grunde einem Fehler seiner Mannschaft verdankt. Zweitens konnte Will Power trotz guter Vorstellung wieder nur den enttäuschenden achten Rang einfahren. Immerhin schaffte es Dario Franchitti auch nur auf Platz fünf – damit ist die Meisterschaft auch zwei Rennen vor Schluss immer noch völlig offen.


Der Dank dafür gebührt vor allem der starken Vorstellung von Panther Racing: Schon am Freitag hatte Ed Carpenter mit der Pole Position überrascht, am Samstag fuhr er dann zum zweiten Mal in Folge in Kentucky auf Rang zwei. Direkt dahinter vervollständigte Dan Wheldon das großartige Mannschaftsergebnis. Und hätte Penske nicht den angesprochenen Fehler gemacht, hätten die beiden durchaus auch gewinnen können.

So waren sie allerdings chancenlos. Weil Helio Castroneves nämlich nach einem verpatzten Boxenstopp den Eindruck hatte, dass ein Rad locker sei, fuhr er unter Gelb noch einmal in die Box – und war somit out of sequence. Und genau das sollte sich am Ende als versteckter Segen erweisen. Denn als alle andern ein paar Runden vor Schluss noch zum “Splash & Dash”-Stop gen Box abtauchten, konnte Helio draußen bleiben. Und gewann schließlich mit 13 Sekunden Vorsprung.

Ein Abstand, der den falschen Eindruck vom Rennen vermittelt: Denn über 195 der 200 Runden gab es im gesamten Feld immer wieder spannende Positionskämpfe. Anders, als noch in Chicago bleib der Pulk allerings nicht im halsbrecherischen Zentimeter-Abstand. Stattdessen zog sich das Feld immer wieder etwas auseinander, die Duelle fanden oft in Zweier- und Dreiergruppen statt. Das mag für etwas weniger Nervenkitzel sorgen – vernünftigerweise muss man aber anerkennen, dass es sich die Indycar unter einem Sicherheits-Gesichtspunkt eigentlich nicht leisten kann, oft so zu fahren, wie in Chicago. Denn so spannend das auch sein mag: Es ist nicht auszudenken, was passieren würde, sollte bei so einem Lauf mal wirklich ein Auto in Richtung Tribüne abheben.

Aber auch in Kentucky gab es ein paar haarige Momente. Vor allem Simona de Silvestros frontaler Einschlag in die Infield-Leitplanke nach der Kollision mit Meira und Briscoe war nicht schön anzusehen – gut, dass die Schweizerin dabei unverletzt bleibt.

Ein unschönes Wochenende erwischte auch einmal mehr Takuma Sato, der sich direkt nach dem Start recht unsanft in Richtung Außenwand verabschiedete. Ich bleibe nach wie vor überzeugt, dass der Japaner das besser kann. Aber wenn der Knoten nicht sehr bald platzt – idealerweise beim Honda-Heimrennen in zwei Wochen – wird er wohl im kommenden Jahr vor ziemlich schwierigen Vertragsverhandlungen mit KV-Racing und Lotus stehen.

Ein gutes Rennen erwischte dagegen einmal mehr die Mannschaft von Andretti Autosport: Tony Kanaan auf Platz vier, Marco Andretti auch sechs und Danica Patrick auf neun lieferten ordentliche Leitungen ab. Etwas auf der Reihe fällt leider Ryan Hunter-Reay, der seinen Wagen in Runde 174 abstellen musste. Verblüffend: Just seitdem klar ist, dass er die ganze Saison fahren darf, bringt der Texaner keine Resultate mehr auf die Reihe.

Nicht so schön sind auch ein paar Gerüchte, durch den Paddock schwirren: Demnach soll Andretti Autosport in Chicagoland  mit regelwirdigem Flügelwerk erwischt worden sein. Strafen wurden nicht ausgesprochen, und die IRL schweigt dazu. Dass sich die Teamverantwortlichen nicht durchringen konnten, zu dementieren, sondern stattdessen keinen Kommentar zur Causa abgaben, legt nahe, dass vielleicht ein Körnchen Wahrheit hinter der Geschichte steht. Oder, dass man die Anglegeheit für so lächerlich hält, dass man sie lieber keines Kommentares würdigt.

Andere Gerüchte sind erfreulicher: Die Serie soll nämlich nach langen Gesprächen doch vor einem Vertragsabschluss mit dem Las Vegas Motor Speedway über die Austragung des Saisonfinales stehen. Bis Freitag wird es wohl Klarheit geben, dann soll nämlich der lange erwartete Kalender für die kommende Saison veröffentlicht werden. Schon bekannt: Auch 2011 wird es wieder 17 Rennen geben – das hat der derzeit zu Gesprächen in Europa weilende Serien-CEO Randy Bernard bereits bestätigt.

Zum Schluss noch ein Blick auf die Meisterschaft: Will Power (552 Punkte) hat trotz anhaltendem Pech immer noch 17 Zähler Vorsprung auf Dario Franchitti (535). Ein Rechenbeispiel: Sollte er bei den kommenden Rennen mit der gleichen Rate Punkte verlieren, gewinnt er die Meisterschaft mit fünf Punkten Vorsprung. Für einen Sieg von Scott Dixon (469) würde es schon ein mittleres Wunder brauchen, Helio Castroneves (418) ist, wenn ich mich nicht verrechnet habe, bereits chancenlos.

In der “AJ Foyt Trophy” führt ein Rennen vor Schluss Dario Franchitti (228) 27 Zähler vor Scott Dixon und 29 vor Helio Castroneves. Bereits ein 16.Rang in Motegi würde Franchitti zum sicheren Gewinn reichen.

Ob er das auch wirklich schafft, werden Schlafrhythmus-Samurai, Nespresso-Werbeträger und die berühmten “echten Fans” in knapp zwei Wochen, am Sonntag, 19.9., ab 5 Uhr Früh erfahren.

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August 30 2010

16:09

Indycar Chicagoland: Verdienter Sieger?

Über fast zwei Stunden haben die Indycars Samstagnacht all das geboten, was sich Fans vom Rennen in Chichago erwartet hatten. Aber: Hat am Ende vielleicht “der Falsche” gewonnen?

In der Indycar-Meisterschaft wird es nochmal spannend. Soviel ist nach dem ersten von vier Ovalrennen zum Ende der Saison jetzt endgültig klar. Und das, obwohl Miesterschaftsleader Will Power über weite Strecken des Laufes deutlich besser unterwegs war, als sich manche vom australischen Rundkursprofi erwartet hatten. Doch dann machte sein Team einen entscheidenen Fehler – und schon hatte Rennsieger Dario Franchitti Powers Meisterschaftsvorsprung halbiert. Aber auch sonst ging es am Eineinhalb-Meilen Oval von Joliet, Illinois wieder mal sehr ordentlich zur Sache.


Sollten die Meldungen, wonach die Indycars kommende Saison nicht mehr nach Chicago zurückkehren, wirklich stimmen, dann hat sich die Strecke mehr als stilvoll verabschiedet: Über weite Strecken gab es – vor allem im Spitzenfeld – unglaublich spannende Duelle, zum Teil fuhren die Wagen in zwei Dreierreiehen hintereinander her. Auch die TV-Kommentatoren schienen es manchmal kaum fassen zu können, wie knapp es in der Gruppe von zehn bis 15 Autos zuging. Es waren zwar wiedermal die Autos vom “Todesstern” dominant – allerdings waren einige Verfolger diesmal deutlich näher dran, als das in dieser Saison bisher oft der Fall war.

Wirklich Ton angebend war eigentlich nur eines der beiden Teams: Penske. Vor allem Ryan Brsicoe und Will Power sahen lange Zeit wie die fast schon sicheren Sieger aus. Die beiden Ganassi-Wagen suchten ihr Glück wieder mal eher in der Strategie – und zumindest Dario Franchitti sollte am Ende damit Recht behalten.

Als sich nämlich 30 Runden vor Schluss alle anderen Fahrer beim letzten Boxenstop Sprit und Reifen holten, pokerte Franchitti mit einem reinen “Splash and Dash”-Service. Die Entscheidung spülte den Schotten aus dem vorderen Mittelfeld an die Spitze – und die sollte er schließlich trotz heftiger Angriffe der Verfolger nicht mehr abgeben.

Der Sieg ist also weniger dem reinen Speed, als cleverem Agieren auf der Strecke geschuldet. Aber ist Franchitti deswegen wirklich ein unverdienter Sieger? Ich finde nicht – Strategie war schon immer ein bedeutender Teil des Erfolges bei Ovalrennen. Und niemand hat in den vergangenen Jahren derartig viele clevere Entscheidungen getroffen wie das Team von Chip Ganassi. Auch das verdient, meine ich, Anerkennung.

Und das allein hätte an der Meisterschaft auch noch nicht viel verändert: Will Power lieferte dahinter nämlich eines der besten Ovalrennen seiner Karriere und war das ganze Rennen lang in der Spitze dabei. 17 Führungsrunden sprechen eine deutliche Sprache für jemanden, dessen beste Ovalresultate davor zwei fünfte Plätze in Indianapolis 2009 und Iowa 2010 waren.

Gewonnen hätte er am Ende wohl ohnehin nicht. Dass es aber gar nur für Platz 16 reichte, ist höchst unverdient. Grund war ein Problem beim letzten Boxenstopp, als nicht ausreichend Ethanol in den Tank floss. Daher musste Power wenige Runden vor Schluss den Kampf um den Sieg in Richtung Box verlassen. Resultat: Dario Franchitti holte ganze 30 Punkte auf, und liegt drei (Oval-)rennen vor Saisonschluss nur noch 23 Zähler zurück.

Dominator des Rennens war aber eigentlich ein anderer Penske-Fahrer: Ryan Briscoe, der 2005 hier bei einem Horrorunfall fast ums Leben gekommen wäre, führte das Rennen für 113 Runden an. Er hätte auch am Ende noch das Zeug gehabt, um zu gewinnen. Doch dann wurde er zweimal am Kurveneingang nach oben gedrückt, musste vom Gas gehen – und fand sich schließlich auf einem enttäuschenden elften Rang wieder.

Positive Überraschung des Rennens waren die Andretti Autosport Wagen: Marco Andretti auf Rang drei, Ryan Hunter-Reay auf vier und Tony Kanaan auf fünf konnten wieder einmal beweisen, dass das Team im Oval in Punkto Rennspeed fast zu alter Stärke zurückgefunden hat. Wenn die Mannschaft es fertig bringt, jetzt auch noch die Performance im Qualifying zu verbessern, muss man ihnen bei den kommenden Rennen ernsthafte Siegchancen zugestehen.

Einzig Danica Patrick, die sich nach ihren schwachen Vorstellungen auf den Rundstrecken doch so auf die Oval-Rückkehr gefreut hatte, lieferte abermals eine ziemlich enttäschende Vorstellung und landete am Ende nur auf Rang 14.

In bestechender Oval-Form ist weiterhin das Team von Panther Racing: Dan Wheldon hätte um ein Haar gewonnen, und landete schließlich um Haaresbreite hinter Franchitti auf Platz zwei. Auch das zweite Autos des Teams, der in Kooperation mit Vision Racing eingesetzte Bolide von Ed Carpenter, konnte sich beim Comeback lange in der Spitzengruppe halten. Leider fiel er am Ende aber mit technischen Problemen aus.

Viel Freude dürften mit dem Rennen auch die Sponsoren von Sarah Fisher gehabt haben: Im Zuge der ersten Boxenstopps ging Fisher out of sequence – und lag kurzzeitig sogar in Führung. Die war sie zwar nach dem Restart schnell wieder los – in der Spitzengruppe konnte sie sich allerdings noch eine ganze Weile halten. Dass sie sich so tapfer gegen die heranstürmenden Spitzenfahrer wehrte, dürfte diese zwar wenig gefreut haben – aber wenigstens war der “Dollar General”-Wagen so mal ein paar Runden lang im Bild.

Ihr eigener größter Feind waren wiedermal die Piloten von KV-Racing. Die Autos waren – wie eigentlich immer – für anständige Punkteplätze gut, aber einmal mehr scheiterten Moraes, Viso und Sato an ihrem Übermut. Sato und Viso kollidierten in der Box, Moraes verlor eine mögliche gute Platzierung nach einer Durchfahrtsstrafe. Vielleicht sollte doch mal jemand aus der KV-Führungriege den drei Sponsorlieferanten nahelegen, dass man die Rennen auch beenden sollte. Mit derart wenig Platzierungen und derart viel Kleinholz kann es jedenfalls nicht länger weitergehen. Der Status quo ist eine fast schon unglaubliche Verschwendung eines gutes Teams und dreier im Grunde sehr talentierter Piloten.

Ein positives Wort muss man, finde ich, mal nach der vielen Kritik über die Versus-Übertragung verlieren. Klar – es gab mal wieder viel Werbung, und nicht immer zum idealen Zeitpunkt. Von den grottigen Übertragungen, wie sie in dieser Saison etwa schon mehrfach auf ABC zu sehen waren, war man aber weit entfernt. Was die beiden Sender vor allem unterscheidet: Versus hat nicht besonders viel Geld, man merkt aber, dass sie sich bemühen. ABC/ESPN hätten das Geld, stehen der Serie außerhalb des Indy 500 aber mit demonstrativer Gleichgültigkeit gegenüber.

Weiter geht es am kommenden Samstagabend mit dem Rennen in Kentucky – eine Vorschau folgt noch in den nächsten Tagen.

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August 24 2010

21:51

IRL: Analyse Sonoma 2010

Ein eher schwaches Rennen lieferte die IRL in Kalifornien ab, dass Versus noch weiter verstümmelte.

Die puristischen IRL-Fans atmen auf. Endlich sind die Rundstreckenkurse vorbei und die Ovale stehen bis zum Ende der Saison auf dem Programm. Wenn man sich das Rennen in Sonoma angesehen hat, kann man den Rundstreckenhassern nur Recht geben. Überholmanöver gab es kaum, vorne tat sich lange Zeit überhaupt nichts und Überraschungen waren Fehlanzeige. Der einzige, dem das Recht gewesen sein dürfte, war Will Power, der fast ungefährdet einen weiteren Sieg einstreichen konnte. Aber auch bei Ganassi war man nicht unzufrieden, weil man mit den Plätzen zwei und drei den Schaden relativ gering halten konnte. Genervt hat aber nicht nur das langweilige Rennen, sondern auch der Sender Versus.


Natürlich ist da erst einmal die “Cinderella” Story um Will Power. Die Amis lieben ja sowas, dementsprechend verging kaum eine Stunde, in der nicht erwähnt wurde, dass Power genau hier und genau vor einem Jahr seinen schweren Unfall hatte, bei der sich zwei Wirbel brach. Und irgendwie ist man auch froh, dass es noch solche Geschichten im Rennsport gibt. Dass ein Team seinen dritten Fahrer die Treue hält, auch wenn Experten und Sponsoren skeptisch sind. Der Sieg von ihm in Sonoma ist also allein aus dem Grund schon verdient.

Er war allerdings an diesem Wochenende auch nicht zu schlagen. Bis auf einen ganz kleinen Wackler in der Qualifikation, als er erst in letzter Sekunde die Pole-Gruppe erreichte, war Power nicht zu schlagen. Weder beim Restart, noch im Rennen leistete er sich eine Unsicherheit. Er hatte sogar noch die Zeit, zu Beginn der Stints seine Reifen zu schonen. Zunächst hielt er die Konkurrenz auf 1.5 Sekunden Abstand, als denen dann die Reifen eingingen, legte er wenig nach und vergrößerte den Vorsprung nach Belieben. Weder seine Teamkollegen, noch die Ganassi Piloten waren in der Lage Power zu gefährden.

Überraschend war allerdings, wie schwer sich die Penske Piloten am Wochenende taten. Helio Castroneves macht aber schon seit einigen Wochen einen etwas lustlosen Eindruck, Ryan Briscoe kämpfte, versuchte es mit einer “Out-of-sequence” Strategie, aber die Cautions fielen so unglücklich, dass er am Ende, wie alle anderen, dann doch im gleichen Fenster unterwegs war.

So hatte das Rennen also noch nicht mal die Spannung, dass es am Ende bei einem mit dem Benzin knapp werden könnte, was die Sache nicht besser machte. Dabei war der Start sehr spektakulär, weil Betrand Baguette und Dan Wheldon sich ins Gehege kamen. Wheldon bezahlte die Berührung mit einer Überschlag, der gefährlich nah an der Boxenmauer stattfand. Die Sache “offenes Cockpit” und “schmale Boxenmauer” will man ja nicht wirklich sehen. Wheldon konnte aber unverletzt aussteigen. Im weiteren Verlauf des Rennens sorgten Simona di Silvestro und Marco Andretti für die einzigen Aufreger aus sportlicher Sicht. Die Schweizerin legte sich mit dem KV Team an. Erst bugsierte sie Mario Moraes in der Schikane recht unsanft ins Off, ein paar Runden später war es EJ Viso, der di Silvestro mit einem fast identischen Manöver in Turn 2 aus dem Weg räumte. Viso gelang noch das Kunststück, Mutho und Baguette anzurempeln, was Paul Tracy zu dem hübschen Satz:”The kv team has hit everything but the helicopter today” anregte.

Andretti hatte, wie das gesamte Team, mal wieder ein maues Wochenende. Danica Patrick und Rundstrecken sind ja auch eher wie Feuer und Wasser und Marco Andretti hatte die Quali verhauen. Zwischendurch probierte man es auch mal mit einer etwas anderen Strategie, doch Marco machte ein besseres Ergebnis auch zunichte, weil er erst JR Hildebrand rammte, später eine Berührung mit EJ Viso hatte. Am Ende wurde er nur 12. Ryan Hunter-Reay lag zwischenzeitlich zwischen den “Todesstern” Teams, konnte aber auch nichts ausmachen. Tony Kanaan fuhr ebenfalls unauffällig, wurde aber vor RHR auf Platz 7 immerhin bester Andretti-Pilot. Bester “Nicht Penske, nicht Ganassi” Pilot wurde Justin Wilson, der auf Platz 6 einlief.

Weil die Rennleitung Milka Duno mal nicht aus dem Rennen genommen hatte, sorgte die aus Dankbarkeit dann gleich für eine letzte Safety Car Phase ein paar Runden vor Schluss. Es gab also einen netten Shootout, der ab Runde 7 los ging. Power konnte sich nicht von Scott Dixon lösen, der dem Penske-Mann mehrfach im Zentimeterabstand im Genick hing. Endlich hatte das Rennen also einen echten Spitzenkampf, auf den man so lange verzichten musste. Es wäre eine nette Entschädigung gewesen, doch Versus entschloss sich mitten im Zweikampf und vier Runden vor Schluss noch mal eine Werbepause einzulegen. Ein deutlicheres “Fuck you” in Richtung der Fans kann man glaube ich nicht abgeben.

Tatsächlich kann man erst kurz vor der “white flag” wieder aus der Unterbrechnung zurück. Passiert war nichts, aber wenn man drei Minuten lang nicht mal einen Split-Screen sieht, ist die Spannung natürlich weg. Danke, Versus.

In der Meisterschaft sieht es weiter eng aus für Power. Wenn man nach seinen bisherigen Ergebnissen auf den Ovalen ausgeht, wird sehr, sehr schwer für ihn, den Titel zu holen.

1. Will Power 514
2. Dario Franchitti 455 -59
3. Scott Dixon 419 -95
4. Ryan Briscoe 384 -130
5. Helio Castroneves 370 -144

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August 20 2010

20:55

IRL: Vorschau Infineon Raceway 2010

Etwas spät und heute mal in einer verkürzten Form ein Blick auf das IRL Rennen in Sonoma.

Die IRL Saison ist zwar noch lange nicht zu Ende, aber man ist im letzten Drittel der Saison angekommen. Mit dem Rennen in der Nähe von San Francisco sind gerade mal noch 5 Läufe zu absolvieren, also gibt es nicht mehr so viele Punkte, die man einsammeln kann. In der Meisterschaft führt im Moment Stehaufmännchen Will Power vor Dario Franchitti mit gerade mal 39 Punkten. Was, dank des etwas schrägen Punktsystems der IRL ein Wimpernschlag ist. Scott Dixon mit 82 Punkten Rückstand schon etwas viel Abstand, aber chancenlos ist er sicher nicht. Der Abstand von Ryan Briscoe beträgt dann aber schon 109 Punkte, was dann doch etwas viel ist. Die Meisterschaft wird sich also zwischen den ersten Drei entscheiden, und das Rennen am Infineon Raceway könnte eine kleine Vorentscheidung zugunsten von Will Power bringen. Dabei schien vor genau einem Jahr seine Karriere noch beendet.


Denn vor ziemlich genau einem Jahr verunfallte Power im Training so schwer, dass er sich zwei Wirbel im unteren Lendenbereich brach. Er schrammte haarscharf an einer Querschnittslähmung vorbei und zunächst war nicht mal sicher, ob er überhaupt wieder fahren konnte. An der Stelle muss man dem Penske Team auch mal Respekt zollen. Andere Teams hätten Power vielleicht fallen lassen, nicht mehr an ihn geglaubt. Er war eh “nur” der dritte Mann im Team, dessen Wagen keinen vollen Sponsor hatte. Roger Penske hat zu ihm gehalten, ihm auch 2011 einen Wagen verschafft und das obwohl das Sponsoring alles andere als gut war. Um so schöner, dass Power ein Jahr später als Meisterschaftsführender an den Start geht.

Power gilt auch als Favorit für das Rennen. Als Strassenkursexperte ist ein Sieg in Sonoma auch dringend nötig, denn die letzten vier Rennen sind allesamt Ovale und auf denen hat Power in diesem nicht einziges Mal gewonnen. Überhaupt waren seine Ergebnisse in den Ovalen allesamt nicht beeindruckend. In Kansas wurde er 12., danach folgten ein achter Platz beim Indy 500, Platz 14 in Texas und ein fünfter Rang in Iowa. Franchitti gewann in Indianapolis, Dixon in Kansas und beide sind extrem gute Oval-Piloten. Leicht wird es also nicht für Power, seinen schmalen Vorsprung ins Ziel zu retten.

Um so wichtiger wäre ein Sieg in Sonoma, aber das Ganassi Team ist auch nicht gerade erst aufgewacht. Franchitti konnte mit seinem Sieg in Mid-Ohio wichtige Punkte sammeln und sein Optimismus nach dem Rennen war mit Sicherheit auch darauf ausgerichtet, dass mit Chicago, Kentucky, Montegi und Homestead vier Ovale kommen, die ihm und dem Ganassi-Team allesamt liegen. Das einzige Problem was man im Team hat, ist halt der Umstand, dass beide Piloten noch Chancen auf den Titel habe. Chip Ganassi lässt seine Fahrer das unter sich austragen, so lange sie sich nicht in die Kiste fahren. Bei Penske hat aber realistischerweise nur noch Power Chancen, also könnte Helio und Ryan den dritten Mann im Team unterstützen. Das geht auf Ovalen ja relativ leicht, aber auch am Wochenende besteht eine gute Chance, der Konkurrenz ein paar Punkte weg zu nehmen.

Hinter Penske und Ganassi dürfte weiterhin Andretti versuchen, Boden gut zu machen. Die Saison lief bisher, bis auf den Sieg von Tony Kanaan in Iowa, eher bescheiden. Danica Patrick war selten zu sehen, Marco Andretti kam auch nicht auf Touren. Während das bei der Dame Ergebnisse ja eher nebensächlich erscheinen, hat man vom jüngsten Spross des Andretti-Clans doch etwas mehr erwartet. Marco wirkt allerdings auch müde und macht einen angespannten Eindruck. Selbst in den Interviews vor dem Rennen merkt man ihm an, wie sehr unter Druck steht, wie viel die Anspannung ihm abverlangt. Opa Mario hat schon mehrfach angemahnt, dass der Junge mal woanders fahren sollte, zum Beispiel in der GP2, wo Bernie Ecclestone ihm sicher einen guten Platz verschaffen könnte. Aber Vater Michael Andretti sieht das, wohl auch auf Grund seiner Erfahrungen in der F1, etwas anders. Aber irgendwas wird passieren müssen, denn man wird das Gefühl nicht los, dass da gerade ein eigentlich sehr talentierter Fahrer sich langsam verheizt.

Gespannt darf man sein, wie sich Simona di Silvestro am Wochenende schlagen wird. Ich bin ein wenig überrascht, wie gut die Schweizerin in ihrer ersten Saison sich schlägt, und das in einem Team, dass sicher nicht zur Spitzenklasse gehört. Immerhin lässt sie an fast jedem Wochenende reihenweise arrivierte und deutlich erfahrenere Piloten hinter sich und dass muss man auch erst mal können.

Kurz zur Strecke: Der Kurs in Sonoma ist bekannt, da die NASCAR ja gerade da war. Allerdings fährt die IRL die “Inner Loop” Variante. Nach Turn 3 geht es nur kurz geradeaus, dann biegt man rechts ab und fährt dann später den lang gezogenen Turn 8. Auch in den Esses fahren die IRL aus Sicherheitsgründen etwas anders, und werden durch eine Schikane eingebremst. Der Kurs ist nicht leicht, zumal der Sand am Rand gerne auf die Strecke weht, was die Sache rutschig macht.

Da die NASCAR in der Nacht von Samstag auf Sonntag unterwegs ist, hat die IRL den Sonntagabend fast für sich allein. Nur die ALMS überschneidet sich leicht mit dem Rennen.

August 10 2010

16:14

Indycar: Wenig Spannung in Mid Ohio

Besonders aufregend war das Rennen am Sonntag ja nicht gerade. Einzig in der Startphase wurde ein paar Mal überholt – und in den letzten Runden weckte das Duell um den Sieg noch einmal kurz aus dem Schlaf.

Wenn sich auch eingefleischte IRL-Fans lieber das NASCAR-Finish in Watkins Glen ansehen, als die Indycars, dann handelt es sich beim Rennen wohl nicht grade um einen Thriller. Über weite Strecke hatte der Lauf in Mid Ohio vielmehr den Spannungsgrad des BR-alpha Nachtprogramms. Immerhin: Am Ende wurde es dank Will Powers couragierter Angriffe auf Leader Dario Franchitti  noch einmal spannend. Aber auch da gab es am winkeligen “Sports Car Course” am Ende kein vorbeikommen – auch, wenn der Australier schneller wirkte. Power darf sich aber trösten: Denn zumnidest mit einem Titel wird er in Zukunft höchstprominent in der Indycar Historie aufgeführt sein.

Die “Mario Andretti Trophy”, also die Rundkurs-Meisterschaft, ist ihm eine Runde vor dem Saisonabschluss nämlich nicht mehr zu nehmen. Doch auch da war die Luft im eigentlichen Rennen schon draußen – denn schon Powers Pole vom Samstag reichte für den Gewinn dieses Titels.

Doch zurück zum Rennen: Zumindest in der Anfangsphase gab es nämlich doch etwas Spannung. Hauptverantwortlich dafür: Takuma Sato, der sich nach einer tollen Qualifikationsleistung (P3) beim Start hinter Power auf den zweiten Rang schob. Diesen Platz verlor er zwar schnell wieder an Dario Franchitti, das Tempo der Spitzengruppe konnte er in Folge aber recht gut halten. Schade für den Japaner, dass er beim ersten Boxenstopp massiv Positionen verlor, und sich dann beim Restart selbt aus dem Rennen kegelte.

Weitere Überraschung: Alex Tagliani hat mal wieder Führungsluft geschnuppert. Dank einer cleveren Boxenstratiegie hatte sich der Kanadier nach dem ersten Stint an die Spitze gearbeitet, wo er bis zur letzten Runde der Boxenstopps auch bleib. Weil er dabei aber zwei Runden vor Power, Franchitti und Castroneves rein musste, verlor er mit den kalten Reifen ein paar Positionen. Trotzdem: Rang vier ist für Tagliani und das neu gegründete FAZZT-Team ein super Ergebnis – ganz besonders auf einem Rundkurs.

Auch eine lobende Erwähnung verdient hat sich Simona de Silvestro. Rang acht, nur geschlagen vom Todesstern, Tagliani und Matos ist für die Schweizerin aus dem nicht eben finanzstarken HVM Team ein tolles Ergebnis. Ein, zwei zusätzliche Ränge wären aber bei einem besseren letzten Boxenstopp schon noch drinnen gewesen – im Mittelteil des Rennens konnte sie sich sogar (mit gleichem Stoprhythmus!) vor Scott Dixon halten. Schon in Edmonton hatte sie für ihr gutes Qualifying eine Menge Komplimente eingeheimst – die Rennvorstellung in Lexington war aber sicher nochmal eine Klasse besser. Man darf gespannt sein, was de Silvestro in Sonoma zeigen kann.

Trotz fünf verschiedenen Wegen zum Sieg weiter enttäuschend: Andretti Autosport. Marco Andretti landete als bester Pilot auf Rang neun, Ryan Hunter-Reay auf Platz 10. Tony Kanaan, dem auch der Sieg in Iowa nicht aus seinem fundamentalen Formtief geholfen hat, beendete das Rennen gar nur auf Position 17. Der vierte im Bunde, Adam Carrol, konnte seine tolle Leistung vom Serien-Einstand in Watkins Glen nicht bestätigen, und lief nach farbloser Fahrt auf Platz 19 ein. Damit war er immer noch zwei Ränge vor Danica Patrick, die als letzte in der Führungsrunde ins Ziel kam.

Bei KV Racing holte Mario Moraes nach Satos Ausfall zumindest noch ein paar Kohlen aus dem Feuer – Rang 12 entspricht aber gewiss nicht den Erwartungen des Teams. Unter den gegebenen Umständen ist Moraes’ Renn-Leistung trotzdem nicht so übel: Nach einem Unfall am Samstag in der neu verkleinerten Boxengasse (mehr dazu in der Vorschau) musste seine Boxencrew mit zwei Mann weniger auskommen. Fast schon erwartungsgemäß: Teamkollege EJ Viso nahm sich mit einer reichlich unklugen Kollision mit Justin Wilson in Runde 22 einmal mehr selbst aus dem Rennen.

Das Duell der beiden Neulinge entschied ganz klar JR Hildebrand für sich, der mit Rang 16 ein recht achtbares Ergebnis einfahren konnte. Francesco Dracones Einstand lief erwartungsgemäß mau: Nachdem er sich in der ersten Hälfte des Rennens immerhin in der Führungsrunde halten konnte, lieferte er dann in Folge gleich zwei Dreher hintereinander, die jeweils in Gelbphasen mündeten.

Milka Duno stand einmal mehr beim Überholen im Weg, zeigte sich sonst aber gegenüber ihren bisherigen Saisonvorstellungen etwas verbessert. Folglich musste die Renneleitung diesmal auch keine “Handlingprobleme” verordnen – Duno konnte das Rennen mit vier Runden Rückstand immerhin beenden.

Ein paar Neuigkeiten für die kommende Saison und darüber hinaus wurden in Mid Ohio ebenfalls bekannt: So hat Hondy nun auch offiziell verlautbart, dass man für 2012 einen Turbomotor nach neuen Reglement für die Serie bereitstellen wird. Auf zusätzliche Motorenhersteller wartet man bei der Indycar weiterhin vergebens – mittlerweile ist davon die Rede, dass es womöglich erst 2013 Konkurrenz für Honda geben könnte.

Außerdem haben sich im Rahmen des Rennens die Teamowner zu Gesprächen mit Dallara getroffen – und dieses sehr enttäuscht (weiter unten) wieder verlassen. Die italienische Chassis-Schmiede scheint in Punkto Details noch nicht sehr viel Auskünft geben zu wollen bzw. (wahrscheinlicher) können.

Und CEO Randy Bernard hat sich im Interview mit planet-irl.com wiedermal zum Kalender 2011 geäußert. Viel Neues hat er allerdings nicht verraten: Das Premierenrennen in Baltimore wird wohl ein anderes Austragungsdatum erhalten, als bisher verlautbart. Motegi bleibt im Kalender, und wird antiklimatischerweise wieder gegen Ende der Saison stattfinden. Gegenüber USA Today hat Bernard außerdem verraten, dass insgesamt 24 Streckenbetreiber Interesse an der Indycar Series gezeigt hätten – im kommenden Jahr wird es aber aus Kostengründen trotzdem eher bei 17 oder 18 Veranstaltungen bleiben. Mehr Gewissheit in Form eines provisorischen Kalenders soll es bis Ende August geben – bis alle Rennen bestätigt sind, könnte es aber bis Mitte September dauern.

Noch schnell ein Blick auf die Gesamt-Meisterschaft: Dort konnte Franchitti (420 Punkte) seinen Rückstand auf Will Power (461) etwas verringern. Mit nur noch einem Rundkurs aber vier Ovalen auf dem verbleibenden Kalender sieht es für den Schotten in Sachen Titelverteidigung also gar nicht so schlecht aus. Aber auch Scott Dixon (379) und Ryan Brscoe (352) haben mit etwas Glück – etwa einer Kollision zwischen Power und Franchitti – noch Außenseiterchancen. Dahinter hat sich Helio Castroneves (340) wieder an Ryan Hunter-Reay (336) vorbeigeschoben.

Das nächste Rennen ist der Rundkurs-Saisonabschluss in einenhalb Wochen im schönen (aber nicht zwingend überholfreudlichen) Sonoma Valley.

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August 06 2010

16:17

IRL: Vorschau Honda Indy 200 Mid-Ohio

Nach dem Eklat von Edmonton geht die IRL in Mid Ohio in die nächste Runde. Der Kurs hat in den vergangenen Jahren nicht wirklich für Spannung gesorgt, diesmal gibt es zumnidest ein paar positive Vorzeichen.

Nicht ganz umsonst heißt die Strecke, auf der die Indycars am Wochenende Station machen “Mid Ohio Sports Car Course“. Die Bahn ist zwar technisch herausfordernd, interessant zu fahren, und macht auch Spaß beim Zusehen. Aber für Rennaction mit Single-Seatern ist sie einfach nicht geschaffen. Die Überholmöglichkeiten sind rar – und das konnte man den meisten Rennen dort auch anmerken. Das ist auch in diesem Jahr zu befürchten. Allerdings gibt es auch einige Faktoren, die diesmal etwas mehr Spannung versprechen könnten. Denn zumindest die Anzahl derer, die für Action sorgen könnten, ist so groß, wie außerhalb des Indy 500 schon lange nicht mehr. 27 Fahrer werden am Wochenende an den Start gehen, darunter auch zwei neue Gesichter. Nur einer der beiden Piloten dürfte allerdings auch das Zeug zum Erfolg haben.

Damit alle Fahrer am Rennen teilnehmen können, musste die Indycar sogar kurzfristig ihre Regeln ändern. Denn während an Indycar-Rennen außerhalb des Indy 500 sonst 28 Autos zugelassen sind, waren bisher in Mid Ohio (so wie auch in Toronto) nur 26 Starter erlaubt. Grund ist die beengte Boxensituation auf der schon etwas in die Jahre gekommenen Rennstrecke. Um doch 27 Wagen zulassen zu können, musste man die Länge der einzelnen Boxen von 40 Fuß (ca. 12m) auf 35 (ca. 10,5m) verkürzen. Zum Vergleich: Die Autos selbst haben eine Länge von 16 Fuß (ca. 4,9m). Es könnte also sein, dass die Pitstops beim Rennen diesmal wegen des Platzmangels noch etwas kollisionträchtiger sind, als sonst.

Die Situation in den Boxen wird sich damit sehr gut mit der sonstigen Erfahrung auf dem “Mid Ohio Sports Car Course” decken: Es ist, für die Indycars, fast überall etwas zu eng. Und dafür dann eigentlich auch wieder ziemlich schnell. Wegen der Höhenunterschiede gibt es außerdem einige uneinsichtige Kurven, gleich mehrere der Ecken sind so gebaut, dass sie an der Spitze eines kleinen Hügels liegen. Das macht die Strecke anspruchsvoll – aber auch nicht ganz ungefährlich. Vor allem auch deswegen, weil, USA-typisch, nicht überall ausreichend Auslauf zur Verfügung steht. Und weil das alles so flüssig gestaltet ist, fehlen leider auch die Überholmöglichkeiten. Probieren kann mans vor den Esses nach der langen Gegengeraden, auf der traditionell auch der Start abgehalten wird. Und womöglich in der vorletzten Kurve vor Start und Ziel, die so wie die legendäre Passage in Road America Carousel heißt, aber deutlich langsamer zu durchfahren ist. Über die Jahre kann ich mich an beiden Stellen aber an mehr fehlgeschlagene als gelungene Manöver erinnern. Zum besseren Überblick hier noch eine Onboard-Runde mit Marco Andretti.

In den vergangenen Jahren war die Strecke fest in Ozeanischer Hand: Beim Debut 2007 und im vergangenen Jahr konnte sich Scott Dixon durchsetzen, 2008 hatte Ryan Briscoe die Nase vorn. Anders, als auf manch anderen Rundkursen hat in Mid Ohio also bisher immer ein Auto der beiden Top Teams gewonnen. Und wenn im Qualifying und beim Start alles gut geht, dann sind diese beiden Teams wohl auch heuer die großen Favoriten. Konkret wird wohl, wie auf allen Rundkursen, wieder zuallererst mit Will Power zu rechnen sein, der beim vorletzten Rundkursrennen der Saison nur mehr ein paar Pünktchen braucht, um sich die “Mario Andretti Trophy” zu holen. Aber auch Helio Castroneves hat hier in seligen CART Zeiten schon zweimal triumphieren können.

Den letzten Sieg eines noch aktiven Teams abseits von Penske und Ganassi holte im Jahr 1991 Michael Andretti für Newman/Haas Racing. Und das Team könnte auch diesmal zu den Geheimtipps zählen. Denn zum zweiten Mal nach Toronto greift Graham Rahal für die Mannschaft ins Lenkrad – Auftritte bei allen folgenden Rennen (außer Kentuky) werden folgen. Weitere Geheimfavoriten: Wie immer Justin Wilson, der hier allerdings nie wirklich auf Touren gekommen ist; Die KV-Mannschaft (vor allem, sofern sie ein gutes Wochenende erwischen, Sato und Viso); Und natürlich Andretti Autosport, die gleich mit fünf Autos an den Start gehen werden – Adam Carrol wird nämlich zum zweiten Mal nach seinem sehr beachtlichen Debut in Watkins Glen ins IRL-Cockpit steigen.

Ganz neu dabei: J.R. Hildebrand. Der Indy Lights-Meister 2009 kommt im Auto des noch immer rekonvaleszenten Mike Conway endlich zu seinem ersten IRL-Einsatz. Ein wenig Eingewöhnungszeit muss man ihm wohl zugestehen – sofern er in nächster Zeit aber noch ein paarmal starten darf (Sonoma ist schonmal fix), dann würde ich ihm durchaus ein paar solide Leistungen zutrauen. Zu hoffen wäre es, denn etwas mehr US-Vollzeitpiloten würden der Indycar Series ja nicht unbedingt schaden.

Das zweite neue Gesicht ist der Italiener Francesco Dracone, der bei Conquest Racing das Auto von Sponsoren-Pleitier Mario Romancini übernimmt. Zu viel sollte man sich von Dracone aber vielleicht nicht erwarten. Denn, ganz abgesehen davon, dass sich seine bisherige IRL-Erfahrung in einem kürzlich absolvierten Test erschöpft: Er konnte auch in keiner anderen Serie so richtig überzeugen. Zuletzt war er einige Jahre in der Euroseries 3000 unterwegs, wo seine besten Platzierungen drei fünfte Plätze und der Gesamtrang sieben (2009) waren.

Gelegenheits-Starter Jay Howard, der in Mid-Ohio das Auto von Sarah Fischer fährt, komplettiert das Feld.

Einen Abschluss hat mittlerweile die Affäre rund um das angebliche Blocking-Manöver von Helio Castroneves gefunden. Die IRL bleibt vorerst bei der Regel, die in Zweikämpfen den verteidigenden Fahrer verpflichtet, die normale Rennlinie zu verwenden, und eine imaginäre Linie in der Mitte der Strecke nicht zu überfahren. Brian Barnhart ist auch weiterhin in Amt und Würden – hoffentlich schafft er es endlich, die Regel (wenn sie schon existieren muss) wenigstens konsistent umzusetzen. Castroneves hat sich für sein Verhalten nach dem Rennen entschuldigt. Trotzdem wurde er mit einer Strafe in der Höhe von 60.000 US$ und verschärfter Beobachtung bis zum Ende der Saison bestraft.

Lotus, in dieser Saison ja schon als Partner des KV-Autos von Takuma Sato in der Serie vertreten, haben gegenüber Autosport ihr Interesse daran bestätigt, ab 2012 Aero-Kits für das neue Dallara-Chassis zu entwerfen. Motorsport-Direktor Claudio Berro spricht bereits von konkreten Plänen, und davon, dass man dies als “natürliche Evolution” des Indycar-Engagements sehe. Hoffen wir mal, dass sich noch weitere Hersteller finden, die sich dieser Meinung anschließen können.

Der Lauf in Mid Ohio wird in den USA von Versus übertragen, man darf also 1) auf fachkundige Moderatoren, 2) auf einen anständigen Stream in der Racecontrol, und 3) auf zahlreiche Wiederholungen der Worte “Linda”, “awesome” und “selfish” in den Werbepausen hoffen. Für Rundstreckenfreunde etwas bitter: Das Rennen findet parallel zum NASCAR-Lauf in Watkins Glen statt, was auch die Verfügbarkeit brauchbarer Streams ein wenig einschränken könnte. Start des Qualifyings am Samstagabend ist um 18:30, das Rennen selbst beginnt am Sonntag um 20:30 (Green mutmaßlich um 21:00). Fans der Indy Lights können das Rennen der Nachwuchsserie um 18:30 (alles MESZ) in der Racecontrol verfolgen.

June 01 2010

06:30

Indy 500: Knapp an der Katastrophe vorbei

Ein dominanter Dario Franchitti hätte dem Rennen fast die Spannung genommen – die starken Andretti-Autos und der Benzinpoker sorgten dann doch nochmal für Unterhaltung. Und Mike Conways Crash zeigte deutlich, wie gefährlich Open-Wheel Ovalrennen immer noch sind.

Am Ende wurde es doch nochmal knapp: Nachdem Dario Franchitti den Großteil des Rennens nach Belieben dominierte, hätte ihm der Spritpoker am Ende fast noch den Sieg gekostet. Das sorgte immerhin für ein wenig Spannung in einem sonst eher taktisch geprägten Ovalrennen. Immerhin:  Auf den Plätzen hinter dem Schotten tummelten sich Fahrer, mit denen man nicht wirklich rechnen durfte. Vor allem Andretti Autosport überraschte mit einer starken Performance. Wenig Grund zur Zufriedenheit hat dagegen Roger Penske: Fehler von Team und Fahrern kosteten allen drei Wagen eine Spitzenplatzierung. Dass man sich bei aller Spannung vielleicht etwas überlegen sollte, um den Spritpoker auf Ovalen einzudämmen zeigte dann der Crash von Mike Conway. Der Brite hatte noch viel Glück im Unglück. Ein etwas anderer Einschlagswinkel hätte für die große Katastrophe gesorgt.

In gewisser Weise erfüllte das Rennen schließlich doch die Erwartungen: Viele waren davon ausgegangen, dass die Penske und Ganassi-Autos den Klassiker dominieren würden. Dass dann aber nur einer der Wagen so deutlich vorausfahren würde, ist schon eine Überraschung. Vor allem Franchittis Vorsprung auf Scott Dixon war verblüffend. Der Kiwi verlor zwar auch zahlreiche Plätze wegen eines lose montierten Vorderrads – auch ohne diesen Fehler seiner Boxencrew war er aber nie eine Bedrohung für den amtierenden IRL Meister.

Klarer war da die Sache schon bei Penske: Dort wären die Fahrer – allen voran Helio Castroneves – vielleicht näher an Franchitti drangewesen. Schließlich verhinderten aber zahlreiche Fehler ein gutes Ergebnis. Mit Will Power auf Rang acht als besten der drei Piloten wird die erfolgsverwöhnte Truppe sicher nicht zufrieden sein können. Zumal man ja auch immer noch auf der Suche nach einem Hauptsponsor ist.

Damit zu den positiven Überraschungen: Da wäre allen voran Andretti Autosport. Damit, dass das Team so gut mithalten kann, hätte nach den riesigen Problemen beim Qualifying vor einer Woche wohl kaum jemand gerettet. Vor allem Tony Kanaan, der sich von Startplatz 33 zeitweise bis Rang zwei vorkämpfte zeigte eine äußerst beeindruckende Leistung. Gut dabei war aber auch Marco Andretti, der sein bestens Ovalrennen seit langen ablieferte, und am Ende mit Rang drei belohnte wurde.

Eher diskret unterwegs war Ryan Hunter-Reay: Der im bisherigen Saisonverlauf konstant beste Andretti-Pilot war brav im Mittelfeld unterwegs. Sein Rennen endete zwar mit einem Paukenschlag, bis zur letzten Runde blieb er aber ziemlich unauffällig. Danica Patrick war zwar wieder mit dem Auto nicht zufrieden, schaffte aber am Ende trotzdem mit Rang sechs ihre beste Saisonplatzierung. In guter Erinnerung wird sie den Mai 2010 dennoch nicht behalten: Auch vor dem Rennen waren wieder vereinzelte Buhrufe von den Tribünen zu vernehmen. Für jemanden, der so an Schulterklopfer und positiven Medienhype gewöhnt ist, sicher eine charakterbildende Erfahrung.

Ein tolles Rennen erwischte Dan Wheldon: Fast die ganze Zeit war der Brite im vorderen Feld unterwegs, sparte dabei aber ausreichend Sprit, um am Ende fast noch Franchitti angreifen zu können. Nach eher unauffälligen Rennen auf den Rundkursen schient die Truppe von Panther Racing auf den Ovalen wieder zu Form aufzulaufen.

Beeindrucken konnte auch das Rahal-Letterman-Team: Niedmand hätte gemerkt, dass seit dem Indy 500 im vergangenen Jahr kein IRL-Wagen der Truppe mehr auf der Strecke war. Trotzdem konnte man zahlreiche etablierte Teams schlagen, und sich über weite Strecken im Vorderfeld halten. Schließlich wurde Graham Rahal mit einer eher fragwürdigen schwarzen Flagge aus den Top 10 entfernt: Der US-Pilot hatte im Zweikampf mit Dan Whelon wohl zu oft die Linie gewechselt. Für europäische Verhältnisse sah das Manöver nicht strafwürdig aus – andererseits zeigt der Unfall von Conway, dass man bei der IRL schon richtig handelt, wenn man unter allen Umständen Duelle zu vermeiden versucht, die so gefahren werden, dass sich die Räder der Autos berühren könnten.

Bester Rookie war am Ende Mario Romancini (Platz 13), der der Duell mit Simona de Silvestro (14) knapp für sich entscheiden konnte. Verdient hätten den Sieg in der Rookie-Kategorie aber beide: Romancini konnte nach bisher eher mittelmäßigen Fahrten am Bump Day und im Rennen endlich zeigen, dass er doch über mehr Talent verfügen dürfte, als bisher zu sehen war. Aber auch Simona de Silvestro lieferte auf dem kräfteraubenden Indianapolis Speedway bei ihrem erst zweiten Lauf auf einem Oval eine tadellose Leistung ab.

Auch Justin Wilson und Mike Conway waren in den Dreyer&Reinbold Wagen gut unterwegs, und konnten über 199 Runden das beste aus ihrem Material machen.

Conways Unfall in der letzten Runde führte dann plastisch vor Augen, wie gefährlich Open-Wheel Ovalrennen immer noch sind: Dem vor ihm fahrenden Ryan Hunter-Reay ging in der letzten Runde plötzlich der Sprit aus, Conway konnte nicht mehr ausweichen, und fuhr auf. Der Wagen stieg in Richtung Fanzaun auf und brach beim folgenden Einschlag in mehrere Teile. Glücklicherweise blieb immerhin das Monocoque intakt. Conway brach sich bei dem Unfall das linke Beim und einen Brustwirbel. Als Folge muss er nun drei Monate lang einen Stützgips für den Rücken tragen – die Saison ist wohl gelaufen. Ryan Hunter-Reay verletzte sich ein paar Bädner im Daumen, und musste sich ebenfalls einer Operation unterziehen. Er soll aber schon am kommenden Wochenende in Texas wieder dabei sein.

Das alles ist übel – Trotz der teils schweren Verletzungen hatten beide Fahrer aber noch immenses Glück im Unglück. Denn hätte sich Conways Wagen nach dem Abheben etwas anders bewegt, wäre er mit dem Helm im Fangzaun gelandet – und ob er in dem Fall noch unter und weilen würde, muss bezweifelt werden. Auch Hunter-Reay hatte riesiges Glück: Conways fliegendes Auto traf seinen Boldien in Helmhöhe. Die Fahrgastzelle hat Kratzer vor und hinter dem Helm. Nur Hunter-Reays Kopf bleib durch schieries Glück verschon. Auch hier gilt: Hätte ihn der Wagen am Kopf getroffen, wäre die Katastrophe wohl unvermeidlich gewesen.

So ist die IRL noch einmal entkommen. Trotzdem sollte man sich bei allem Spektakel, das ein Tankdrama bringt vielleicht überlegen, ob man das weiterhin riskieren will. Denn kein Fahrer kann schnell genug reagieren, um auf einem Oval einem unmittelbar davor langsamer werdenen Auto noch angemessen auszuweichen. Unfälle wie der vom Sonntag können wohl nur vermieden werden, wenn man etwas am Tankregelemnt ändert. Eine Prüfmenge, die nach der Zieldurchfahrt noch vorhanden sein muss, würde nichts von der Spannung eines Spritpokers nehmen – denn ob es dabei darum geht, das gerade noch mit Sprit oder “gerade noch mit 5 Litern” ins Ziel zu kommmen ist für die Spannung unerheblich. Sie könnte das Risiko solcher Unfälle aber massiv verringern.

In der Meisterschaft hat sich auch nach dem Indy 500 wenig getan: Will Power führt weiterhin relativ deutlich – auch, wenn der Vorsprung wegen des magern Platz Acht in Indy etwas gesunken ist. Dahiner lauert nunmehr Dario Franchitti, der seinerseits vom Teamkollegen Dixon verfolgt wird.

Das nächste Rennen findet schon Samstagnacht in Fort Worth, Texas statt. Eine ausführliche Vorschau darauf folgt gegen Ende der Woche.

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May 25 2010

06:00

Indy 500 Qualifikation: Die Analyse

Das Qualifying für das Saisonhighlight der IRL ist gelaufen, das Zusehen hat sich gelohnt. Denn während der Pole Day noch einigermaßen unspektakulär verlief, gab es zum Ende des Bump Day dann doch noch jede Menge Spannung.

Tony Kanaan muss am Bump Day um seinen Startplatz bangen. Paul Tracy scheitert an der Qualifikation. Sebastian Saavedra zerstört erst sein Auto – und ist am Ende doch beim Rennen dabei. Und Danica Patrick wird von der Tribüne ausgebuht. Die IRL wollte das Qualifying entstauben und wieder spannender machen – die Bemühungen wurden belohnt, vor allem die letzte Stunde des Bump Day wird man wohl so schnell nicht wieder vergessen. Der Pole Day war im Vergleich etwas weniger spektakulär. Aber auch vorne sind ein paar Autos aufgetaucht, die man nicht unbedingt dort erwartet hätte.

Sieger

Die erste Reihe ist noch überraschungsfrei: Die zwei Indy 500 Sieger Helio Castroneves und Dario Franchitti und der Meisterschaftsleader Will Power. In der zweiten Reihe stehen Ryan Briscoe und Scott Dixon – auch die hätte man dort erwartet. Doch zwischen den beiden wartet schon die erste große Überraschung: Alex Tagliani hat das Auto des in dieser Saison neu eingestiegenen FAZZT-Teams auf Platz fünf gestellt. Auch, wenn das Mannschaft nicht gänzlich neu ist, sondern den Shop von Marty Roth übernommen hat: So weit vorne hätte die Truppe auf einem Oval sicherlich kaum jemand erwartet.

Die zweite Cindarella-Story ist Graham Rahal: Bis vor wenigen Wochen war völlig unklar, mit welchem Auto der Sohn von Rennlegende Bobby das Indy 500 bestreiten würden. Für die ganze Saison konnte er nicht genug Sponsorengelder zusammekratzen, auf den Straßenkursen hielt er sich mit Gelegenheitsdrives für Sarah Fischer Racing im Gespräch. Für Indy hatten die Experten bei Newman-Haas erwartet. Doch der Deal kam nicht zustande, und Graham musste sich anderswo umsehen. Schließlich landete er beim familieneigenen Rahal-Letterman Team, das seit dem Indy 500 im vergangenen Jahr kein IRL-Rennen mehr bestritten hat. Umso erstaunlicher also, dass Rahal das Indy 500 von der siebten Position aus in Angriff nehmen wird.
Die dritten Reihe komplettieren Ed Carpenter und Hideki Mutoh – vor dem Training auch eher noch Geheimtipps.

“Zweite Sieger”

Gar nicht nach Wunsch lief es dafür für Andretti Autosport. Als schnellster Fahrer aus dem Siegerteam vergangener Jahre platzierte sich Marco Andretti auf Rang 16, einen Rang vor Ryan Hunter-Reay. Veteran John Andretti konnte sich immerhin sicher qualifizieren und startet von Rang 28. Danica Patrick und Tony Kanaan hatten dafür überhaupt ein Wochenende zum Vergessen.

Patrick konnte sich am immerhin am Sonntag locker für Platz 24 qualifizieren – das Qualifying lief für sie also aus sportlicher Sicht nicht gerade glänzend, aber durchaus noch solide. Dass sie das Wochenende dennoch in schlechter Erinnerung beahlten wird, hat allerdings einen anderen Grund. Als sie am Samstag an der Strecke etwas kritisch interviewt wurde, meinte sie “[...] it’s not my fault. The car is not good.” Anders ausgedrückt: Schuld sei das Team. Das kam beim Publikum an der Strecke gar nicht gut an. Folge: Buhrufe für für die merklich verdutzte Rennfahrerin. Danica wirkte noch immer völlig perplex, als sie etwas später dazu interviewt wurde. Auch, wenn der Hype um ihre Person ihr Können übersteigen mag – ihre Reaktion am Samstag halte ich für nachvollziehbar: Patrick wurde jahrelang als großer Star IRL aufgebaut, jeder kleine Erfolg wurde bejubelt. Jetzt lassen auch diese kleinen Erfolge auf sich warten – und die Schulterklopfer haben sich plötzlich aus dem Staub gemacht.

Aber auch, wenn es stimmen mag, dass Andretti Autosport schon mal konkurrenzfähiger war – clever ist ihre Kritik am Team ganz sicher nicht. Das Klima scheint schon zu leiden. Zumindest hat sich Tony Kanaan bereits berufen gefühlt, ihr über die Medien auszurichten, sie müsse ihre Einstellung ändern. Was natürlich auch von Kanaan kein wirklich cleverer Zug ist. Wie bei Patrick ist aber auch seine Frustration nachvollziehbar. In allen Trainings war der Brasilianer vorn dabei, das Team setzte ihn sogar in die Autos seiner Kollegen, um Tipps für die Abstimmung zu bekommen. Und dann die Enttäschung: Ein Dreher samt Mauerkontakt am Pole Day, das selbe noch einmal am Sonntagmorgen – und schon musste Kanaan um die Qualifikation bangen. Am Ende ging es dank eines passablen Versuchs etwa 30 Minuten vor Ende doch noch einmal gut, wenn auch denkbar knapp: Der Brasilianer wird das Rennen von Rang 32 aus in Angriff nehmen müssen.

Nur unwesentlich besser lief es für Takuma Sato. Der ehemalige Formel 1 Pilot zerstörte ebenfalls am Samstagmorgen seinen KV-Racing-”Lotus” und musste am Bump Day um die Qualifikation fahren. Schließlich reichte ein dramatischer Run in den letzten Minuten für Platz 31.

Besonders unglaublich war aber der Kampf um den letzten Startplatz am Ende des Bump Day. Erst zerstörte der auf dem Bubble-Platz 33 qualifizierte Sebastian Saavedra beim Trinaing sein Auto – sollte ihn also jemand überholen, würde er keine Zeit mehr haben, seine Zeit zu verbessern. Dann kamen die Versuche von Kanaan und Sato – Saavedra war draußen, vor ihm “on the bubble”: Mario Romancini.

Und dann fuhr Romancini einen Versuch, seine Zeit zu verbessern. Da der Nachwuchspilot zu diesem Zeitpunkt noch qualifiziert war, konnte kaum jemand verstehen, wieso er das Risiko einging, seine Zeit streichen zu lassen. Doch der Poker lohnte sich, Romancini schaffte die sichere Qualifikation auf Rang 27, alle anderen rutschten nach unten. Als nächster Pilot versuchte der auf den Bubble-Platz abgerutschte Paul Tracy den gleichen “Präventivschlag” – und scheiterte.

Und dann stand eine Minute vor Trainingsende Jay Howard auf Platz 33 – und vor einer riskanten Wahl: Würde er einen neuen Trainingsversuch wagen, wäre die schon gefahrene Zeit weg. Ohne einen neuen Trainingsversuch wäre allerdings Paul Tracy an der Reihe, und könnte veruschen, ihn aus der Startaufstellung zu bumpen. Howard entschied sich dafür, das Schicksal selbst in die Hand zu nehmen, und zu fahren – und schaffte es nicht. Der letzte Startplatz ging damit an den schon sicher draußen geglaubten Sebastian Saavedra, der im Infield Care Center von seinem Glück erfuhr.

Eine bittere Pille für Howard und Sarah Fischer Racing. Das kleine Team hatte wohl fix mit der Qualifikation beider Autos für das Indy 500 kalkuliert – im Interview direkt nach Trainingsende erklärte die völlig aufgelöste Sarah Fischer jedenfalls unter Tränen, dass sich das Ergebnis sehr nachteilhaft auf den Rest der Saison auswirken würde.

Äußerst schade ist die Sache auch für Paul Tracy: Anders als im vergangenen Jahr hatte der Kanadier diesmal nur einen Deal für das Indy 500, nicht auch für die Läufe in Edmonton und Toronto. Die Nichtqualifikation lässt befürchten, dass es wohl der letzte Auftritt von Tracy in dieser Saison war. Und ob er es mit diesem Ergebnis in kommenden Jahren noch einmal schafft, die nötigen Gelder für das Indy 500 aufzutreiben, steht in den Sternen.

Trotz dieser Wermutstropfen:  Die Qualifikation lässt diesmal wieder ein spannenderes Indy 500 hoffen, als es das Rennen vom vergangenen Jahr war. Eine ausführliche Vorschau folgt gegen Ende der Woche.

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April 29 2010

20:30

IRL: Vorschau Kansas

Nach vier Rund- und Straßenkursen in Folge beginnt bei der IRL langsam die Vorbereitung für das Indy 500. Am Wochenende steigt in Kansas das erste Ovalrennen der Saison.

Mitten im Herzen der USA besucht die Indycar Series bereits ihre fünfte Station in diesem Jahr. Spannend wird es Samstagnachmittag (!) in Kansas beim ersten Ovalrennen der Saison allemal – denn schon hier werden die ersten Karten für das Indy 500 auf den Tisch gelegt: Schon am Samstag wird man abschätzen können, ob sich auf den Ovalen die Dominanz von Penske und Ganassi aus dem vergangenen Jahr fortsetzt, oder ob andere Teams es geschafft haben, über den Winter zur Spitze aufzuschließen. Für zusätzliche Würze sorgt eine ab sofort gültige Regeländerung der IRL: Bereits in diesem Jahr werden nämlich zwei zusätzliche Meistertitel verliehen.

Im vergangenen Jahr war das Rennen auf dem nur mäßig überhöhten 1,5 Meilen Speedway nahe Kansas City nicht ganz so spannend. Es war vielmehr eher eines der Ovalrennen, bei denen man einen kräftigen Energydrink ganz gut gebrauchen konnte, um über die gesamte Distanz wach zu bleiben. Das muss aber für dieses Jahr kein schlechtes Omen sein. Denn erstens findet das Rennen diesmal nicht erst am späten Abend, sondern bereits um 20:00 statt (Übertragungsbeginn: 19:30). Und zweitens hat sich seit dem letzten Jahr auch sportlich einiges getan: Schon Mitte 2009 wurde der Push to Pass-Button eingeführt, und die Aerodynamik der Autos leicht angepasst, so dass auf den Ovalen nun ein engeres Auffahren möglich ist. Und außerdem haben heuer – zumindest auf den Rundstrecken – gleich mehrere Teams einen großen Teil ihres Rückstandes auf die “big two” von Penske und Ganassi aufgeholt.

Da wäre zum Beispiel Andretti Autosport. Das Team war in vergangenen Saisons auf den Ovalen immer wieder vorne dabei, hatte 2009 dann aber einen üblen Durchhänger. Auf den Straßenkursen war man heuer meist mit einem der Wagen in der Spitzengruppe – Ryan Hunter-Reay und Tony Kanaan muss man also auch in Kansas auf der Rechnung haben. Auch Marco Andretti könnte, wenn er mal wieder so einen Tag wie in Alabama erwischt ein Wörtchen mitreden. Und dann ist da ja noch Danica Patrick: Die hing zwar in den vergangenen Wochen in einem üblen Formtief – es war aber zu vernehmen, dass sie sich schon sehr auf den Beginn der Ovalsaison gefreut hat. Vielleicht findet ja auch sie zu ihrer alten Stärke zurück. Der Indycar würde es gut tun.

Sonst zu beachten: Mario Moraes, der in den letzten Ovalrennen der Saison 2009 ein paar sehr beachtliche Leistungen geboten hat. Wenn ihm KV Racing wieder ein entsprechendes Auto hinstellt, dann sollte man auch den Namen des Brasilianers beim Blick auf die Zeitenliste eher im oberen Drittel suchen. Spannend wird es auch zu sehen, was sein Teamkollege Takuma Sato bei seinem allerersten Auftritt in einem “Nudeltopf” erreichen kann. Erwarten sollte man nicht zu viel – selbst ein Montoya brauchte bei seinem Debut in der CART-Serie ein paar Rennen Eingewöhnung, um auf den Ovalen richtig konkurrenzfähig zu sein. Andererseits: Wenn der KV-Wagen wirklich so gut gehen sollte, wie im vergangenen Jahr, dann könnte auch der Japaner für eine Überraschung gut sein. Newman/Haas/Lanigan war Ende der vergangenen Saison auch nahe an der Spitze dran – ob das zunehmend marode Team aber noch einmal zu alter Stärke zurückfinden kann, scheint zweifelhaft.

Aber selbst wenn das alles nichts wird, und keines der anderen Teams konkurrenzfähig sein sollte: Penske und Ganassi stellen alleine ja auch fünf Fahrer. Wenn alle die ersten Runden überstehen, dann darf man zumindest ein schönes Duell dieser Piloten erwarten. Immerhin haben die Oval-Spezialisten Helio Castroneves und vor allem Scott Dixon schon einige Punkte Rückstand auf Tabellenführer Will Power. Der Australier fühlt sich zwar auf Straßenkursen normalerweise wohler – aber vielleicht gelingt ihm ja mit dem Wind der Tabellenführung im Rücken diesmal sein erster Ovalsieg.

In den USA läuft das Rennen wieder auf ABC, wo man die Zuseher offenbar schon mal auf das Indy 500 vorbereiten will. Für die Indycar ist das wegen der größeren technischen Reichweite eine feine Sache – und für deutsche Zuseher ist es auch nicht schlecht, weil so die Chancen steigen, irgendwo einen annehmbaren Stream des Rennens zu finden. Sofern das doch nicht möglich sein sollte, kann man die Geschehnisse auf der Strecke auch diesmal wieder in der Racecontrol auf indycar.com verfolgen. Der Übertragungstermin sollte nach derzeitigem Stand wohl halten – für Samstag ist zwar Bewölkung vorhergesagt, die Regenwahrscheinlichkeit ist aus heutiger Sicher aber gering.

Zwei neue “Meiterschaften”

Indycar-Boss Randy Bernard hat diese Woche mit einer ziemlich kurzfristigen Neuerung aufhorchen lassen: Schon in dieser Saison sollen neben dem gewohnten Indycar-Meistertitel zusätzlich zwei getrennte Trophies für die jeweils besten Fahrer auf Ovalen bzw. Rundkursen vergeben werden. Der Sieger der Rundurs-Wertung wird am 22. August in Sonoma feststehen, der Oval-Champion PR-technisch etwas ungünstig am 19.September im fernen Motegi. Das Finale in Homestead zählt nicht mehr zur Ovalwertung, so dass sich die Fans ganz auf das erhoffte Duell um die Gesamt-Meisterschaft konzentrieren können.

Für beide “Meister” werden neben den Titeln auch eigene Geldpreise verliehen – deren genaue Höhe steht allerdings zur Zeit noch nicht fest. Ebenfalls noch unklar ist der Name der neuen Trophies. Fest steht, dass Legenden des Sports als Namesgeber fungieren sollen – welche das genau sein werden, dürfen die Fans im Mai und Juni via Internet bestimmen.

Ein Ziel der neuen Meisterschaften sei es, die Vielseitigkeit der Serie zu unterstreichen, meint Bernard im Interview auf indycar.com. Ob es dafür allerdings gerade sinnführend ist, zwei getrennte Meisterschaften einzuführen, bleibt fraglich. Eingänglicher ist da schon ein Argument, das beim gewöhnlich gut informierten Indianapolis Star genannt wird: Mit den zwei Wertungen soll den kleineren Teams ermöglicht werden, zumindest genügend Sponsorengelder für eine der beiden Meisterschaften aufzutreiben. Das würde allerdings zu einem anderen Problem führen: Denn welcher Sponsor zahlt schon für die neun Rennen der Rundkurs-Meisterschaft, wenn er für weniger Geld auch die sechs Events der Oval-Trophy haben kann, die immerhin das Indy 500 beinhaltet?

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April 20 2010

06:30

IRL: Analyse Long Beach

Spannend war das, was die IRL am Wochenende in Long Beach geboten hat ja nicht gerade. Am Ende durfte sich die Serie aber trotzdem über einen Erfolg freuen.

Ein Viertel der Saison ist bei den Indycars jetzt schon wieder vorbei, und bisher fällt die Bilanz für die strauchelnde Rennserie eher gemischt aus: Schwere Organisationsprobleme aber ein tolles Rennen in Brasilien; Regenverschiebung in St. Petersburg – aber dann wiederum ein Rennen mit schönen Duellen und vielen Überholmanövern. Am Barber Motorsports Park in Alabama gab’s dann das andere Extrem: Tolle Organisation und viele Fans vor Ort – aber das Rennen war ziemlich dröge. Und so ähnlich war es am vergangenen Wochenende dann auch beim Klassiker von Long Beach. Dass die Indycar am Ende mit dem Rennen trotzdem zufrieden sein konnte, lag vor allem daran, dass mit Ryan Hunter-Reay endlich mal “der richtige” gewonnen hat.

Der sympathische Texaner profitierte dabei aber auch von Pech des Meisterschaftsleaders Will Power. Der Australier hatte das Rennen einmal mehr gut im Griff, als er beim Herausbeschleunigen aus der engen Haarnadel vor Start und Ziel kurzfristig nicht beschleunigen konnte und von Hunter-Reay und Justin Wilson überholt wurde. Anfangs dachten die Kommentatoren daran, dass Power womöglich den Speed-Limiter gedrückt, oder dass das Auto einen mysteriösen Defekt erlitten haben könnte. Wie Power nach dem Rennen zugab, ist die Wahrheit aber viel simpler: Er hatte sich ganz einfach verschalten. Gut für Hunter-Reay, der das Rennen ab diesem Zeitpunkt weitgehend dominierte.

Insgesamt scheint es bei Andretti Autosport wieder ein wenig nach oben zu gehen. Marco Andretti hatte in Alabama bis zum Tankdrama kurz vor Schluss einen starken Auftritt, und auch Tony Kanaan konnte in Long Beach immerhin den recht achtbaren fünften Platz nach Hause fahren. Sonst hat man vom Brasilianer aber schon animiertere Auftritte gesehen, als in diesem Jahr. Es wäre hoch an der Zeit, dass ihn der Erfolg seines eigentlich geringer eingeschätzen Teamkollegen Hunter-Reay wieder wachrüttelt. Abermals kein gutes Rennen hatte dagegen der vierte Andretti Autosport Wagen: Danica Patrick scheint sich gedanklich schon ein wenig von der Indycar-Szene verabschiedet zu haben, und hinterließ zum wiederholten Mal in dieser Saison einen reichlich blassen Eindruck. Dass ihr immerhin die im schwächeren HVM Wagen fahrende Simona de Silvestro diesmal nicht die Show stehlen konnte, und hinter ihr ins Ziel kam, mag nur ein schwacher Trost sein – sofern Danica das überhaupt noch interessiert.

Ein gutes Rennen zeigte dagegen schon wieder Justin Wilson. Der Brite brachte den sicher nicht gerade überlegenen Dreyer & Reinbold Dallara auf Platz zwei ins Ziel. Ebenfalls beeindrucken konnte endlich mal wieder Mario Moraes: Der Brasilianer, der gegen Ende der vergangenen Saison eine Reihe beeindruckender Resultate hingelget hat, und schon als ein neuer Star der Serie gehandelt wurde, konnte sich in Long Beach nach einer eher unauffälligen aber effektiven Fahrt den sechsten Rang sichern. Weniger toll läuft es nach wie vor für Takuma Sato: Nach einem kleinen Aufwärtstrend in der Qualifikation im Barber Motorsports Park konnte sich der Ex-Formel 1 Pilot diesmal nicht ins Quali-Segment der besten zwölf fahren. Im Rennen blieb er dann unauffällig, und kam nach Mauerkontakt mit einer Runde Rückstand auf Platz 18 ins Ziel. Schade, denn das Talent um vorne mitzufahren hätte Sato ganz sicher. In schlechter Erinnerung wird den Lauf in Long Beach auch Graham Rahal behalten. Nach verhaltener Qualifikation und einem Rennen in hinteren Teil des Feldes wurde der Jungstar in Runde 58 auch noch Opfer von Mario Romancini, der sich bei einem Überholversuch in Kurve eins massiv verschätzte und Rahal und sich selbst in die Reifenstapel schickte.

Das alles ist aber noch nichts gegen die Probleme, die Milka Duno in Long Beach hatte. Nachdem ihr im Freien Training rund zehn Sekunden auf die Spitze fehlten, wurde sie aus Sicherheitsgründen für die Qualifikiation geparkt. Als Ausfallgrund für das Rennen, das die Venezoelanerin vom letzten Startplatz aus in Angriff nehmen durfte, wird von der offiziellen Statistik etwas schmeichelhaft “Handling” angegeben. Tatsächlich hatte die Rennleitung schon vor dem Start angekündigt, sie zu wieder parken, sofern sie das Tempo der Spitze nicht mitgehen könnte. Das dürfte wohl letztlich auch geschehen sein. Duno aus dem Rennen zu nehmen war sicher nicht ganz ungerechtfertigt. Wieso man aber bei IRL erst jetzt bemerkt, dass sie das Niveau der Spitze nicht so ganz mitgehen kann, das darf man sich natürlich schon fragen. Insgesamt stecken die Offiziellen dabei in einem gewissen Dilemma: Duno verfügt über Sponsoring aus den wohlwollenden Quellen des staatlichen venezoelanischen Ölkonzerns Citgo, und füllt damit als sichere Starterin das Feld auf. Andererseits ist es – abgesehen von Sicherheitsbedenken – für das Ansehen der Serie nicht gerade förderlich, wenn da jemand dabei ist, der alle paar Runden wieder vor der Spitzengruppe auftaucht.

Währenddessen muss Long Beach Sieger Hunter-Reay noch immer darum kämpfen, die ganze Saison fahren zu dürfen: Bisher ist sein Antreten bei Andretti Autosport nur bis zum Rennen in Texas gesichert. Für die IRL wäre er eigentlich geradezu ein Traum: Amerikaner, noch dazu aus Texas, also einem der demographisch für die Indycars so interessanten Südstaaten; Ein schneller Fahrer auf Rundstrecken und Ovalen; Jemand der genau weiß, wie man mit den Medien umgehen muss – und noch dazu von Seriensponsor IZOD gefördert. Wenn er so weitermacht, dann darf man also hoffen, dass sich vielleicht doch noch jemand erweichen lässt, dem ersten amerikanischen Indycar Sieger seit Watkins Glen 2008 (damals ebenfalls Hunter-Reay) vielleicht doch den Rest seiner Saison zu finanzieren.

Dass das aber keineswegs sicher ist, zeigen sie Probleme, die Graham Rahal in dieser Saison duchstehen muss. Der Drei-Renn Stint bei Sarah Fischer ist jetzt vorbei. In Kasas wird man Rahal also wohl nicht sehen. Beim Indy 500 wird er dann vermutlich für Newman/Haas Racing ins Lenkrad greifen, die restliche Saison ist dann wieder ungewiss. Trotz mittelmäßigen Auftritten hat sich aber zumindest das Engagement für Sarah Fischer Racing für beide Seiten gelohnt: Niemand hatte vor dem Rennen in St. Petersburg ernsthaft erwartet, dass Rahal aus dem Wagen plötzlich einer Siegerauto macht. Der US-Jungstar konnte mit seinem engagierten Auftreten aber beweisen, dass er den Charakter hat, notfalls auch in ein weniger tolles Auto zu steigen, um bei den Rennen dabei sein zu sürfen. Und Sarah Fischer Racing und ihr treuer Sponsor Dollar General bekamen durch den Deal etwas zusätzliche Aufmerksamkeit.

Nach wie vor auf der Suche nach einem guten Cockpit ist auch Paul Tracy: Der Kanadier gab beim Rennen in Long Beach eine Pressekonferenz, bei der er über seine Zukunft sprach. Statt dem erwarteten Engagement bei KV Racing für das Indy 500 und die beiden Kanada-Rennen in Edmonton und Toronto konnte Tracy diemal aber nur einen Deal für das Indy 500 verlautbaren. Man mag zu Tracy und seinem oft etwas polternden Auftreten stehen, wie man will. Aber dass er den Sport bereichtert, steht außer Frage. Dass er obendrein auch nach wie vor schnell Auto fahren kann, hat er vergangenes Jahr in Toronto bewiesen. Es wäre also zu hoffen, dass sich doch noch jemand findet, der ihm ein paar weitere Rennen gönnt. Zuletzt klang sein Twitter-Feed (@paultracy3) aber eher verbittert: “I think I’m going to change my name to John , I feel like a John. / Cuz everytime I talk to a irl team owner , they ask me for $$ like a hooker”. Seiner eigenen Publicity mögen solche Sprüche eher schaden. Aber die Indycar hätten einen Charakter wie Tracy dringend nötig.

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