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February 01 2012

11:50

Grand Am: Analyse der 50. 24h von Daytona

Ein sehr annehmbares 24 Stunden Rennen mit einer fantastischen Schlussphase von 4 Stunden gab es dieses Wochenende auf dem Daytona International Speedway zu sehen. Zum guten Eindruck trugen die TV-Übertragung samt Stream, hoher Zuschauerzuspruch und ein Überraschungssieger bei.

Die Prototypen

Die Startphase verlief bei den Prototypen sehr ruhig, außer für die Truppe von SunTrustracing. Das Auto geriet früh in technische Probleme, und wenige Stunden nach dem Start musste man das Auto leider mit Motornschaden irreparabel in der Box stehen lassen. Somit war einer der Favoriten früh im Rennen ausgeschieden. In den ersten Stunden nach dem Start übernahmen erstmal die beiden Fahrzeuge von Chip-Ganassi-Racing die Führung und alle Prototypen fuhren in einem gewissen Respektabstand hintereinander her. Nach knapp 3 Stunden und den ersten Cautions wendete sich das Blatt und die #60, zu diesem Zeitpunkt pilotiert von Justin Wilson, führte das Rennen an, knapp dahinter lag die #9 von Action Express Racing und auf Platz 3 #8 von Starworks Motorsports.

Nach etwas mehr als 6 Stunden waren bei den Prototypen noch 8 Fahrzeuge in der Führungsrunde. Bei Wiedereinstieg der Tv-Stationen nach einer sehr untypischen, ruhigenen Nacht für Daytona bildeteten die Top 5 die #60 von Michael-Shank-Racing, #01 von Chip-Ganassi, #8 von Starworks Motorsports, #6 das zweite Michael-Shank Auto und die #5 von Action Express Racing. Die #02 von Ganassi hatte über Nacht ein Problem mit dem Schalthebel und verlor dadurch einige Runden und auf Grund der wenigen Gelbphasen jegliche Siegchancen. Desweiteren ließ der Gainsco-Prototyp viel Zeit nach einem leichten Kontakt mit den Reifenstapeln viel Zeit liegen. Lucas Luhr verlor den Starworks-Ford mit der #8 zwischendurch und machte erhebliche Bekanntschaft mit den Wiesen von Daytona, was dem Team fast 2 Runden kostete.

Als noch 5 Stunden zu fahren waren lag die #01 von Chip-Ganassi in Führung, dahinter die #60 von Michael-Schank, #8 von Starworks, #6 ebenfalls von Michael-Schank und die #02 von Chip-Ganassi. Durch risikofreudiges Fahren und günstige Cautions schaffte es der Wagen mit der #8 4 Stunden vor Schluss wieder zurück in die Fuhrüngsrunde. Zu dem Zeitpunkt sah es so aus, als hätte das Auto große Siegchancen, da die Fahrer die besten und konstantesten Rundenzeiten fuhren, McNish fuhr Mammut-Stints von 2×3 Stunden bis zum Morgen und die schnellste Runde des Rennens.

Als noch 4 Stunden zu fahren waren und die oben genannte Caution kam, wurde das Rennen schlagartig belebter. Vorne waren nun die #60, die #8 und die #01 in der Führungsrunde und direkt hintereinander und lieferten sich einen sehr sehenswerten Dreikampf in dem es immer wieder hin- und her ging. Eine der Szenen des Rennes lieferten McNish (#8) und Negri Jr. (#60) wenig später ab, als sie 4-Wide (!) im Oval (!!) in der Steilkurve (!!!) 2 Gt-Fahrzeuge überholten. Das waren wirklich 2 Sekunden Luft anhalten, und dass es nicht knallte lag wohl daran, dass in den Gt-Fahrzeugen 2 erfahrene Piloten saßen.

Dann spielte die #60-Crew beim Boxenstopp ihr “Ass” aus und setzten A. J. Allmendinger ans Steuer, der das Rennen zu Ende fahren sollte, während McNish im Auto mit der #8 blieb. Die beiden konnten sich zu dem Zeitpunkt leicht vom Ganassi-Auto mit der #01 absetzen. McNish hatte nach dem Stop die Führung übernommen doch Allmendinger biss sich fest und versuchte ihn einmal  außenherum an der Einfahrt zum Infield zu überholen, wo ihn McNish zwar hart aber fair abdrängte. 2 Runden später folgte dann wohl die gefährlichste Aktion des Rennens. Allmendinger und McNish fahren Side-by-Side und natürlich mit Höchstgeschwindigkeit im Oval und Allmendinger drängt McNish etwas nach oben, dabei berühren sich die Autos leicht. Diese Berührung kann man durchaus Allmendinger zurechnen, auch wenn dazu immer 2 gehören. Bloß was McNish dann auf der Geraden macht, geht gar nicht: Er fährt Allmendinger bei Vollspeed ziemlich heftig in die Seite. Wäre dort jemand anderes als der ovalerfahrene Allmendinger am Steuer gesessen, hätte das auch ganz böse ausgehen können. Gut, dass es danach eine Caution wegen Debris gab.

Beim nächsten Boxenstop wurde McNish gegen Lucas Luhr getauscht. Dort machte die Ganassi-Truppe von der #01 fantastische Arbeit, und schob sich beim Boxenstop sowohl vor die #60 als auch vor die #08. Danach fuhren die 3 Prototypen in einem gewissen Respektabstand von 2 Sekunden bis eine Stunde vor Schluss des Rennens. Dann kam es unter grün zu den vorletzten Boxenstops, bei denen Pruett das Auto kaum vom Platz wegbekam. Es stellte sich schnell heraus, dass er nur noch die Gänge 3-5 hatte, weswegen er auch das Geschwindigkeitslimit in der Boxengasse überschritt, weil der Limiter nur im ersten Gang funktionierte. Die Folge war eine Durchfahrtsstrafe. Wenig später stellte sich heraus, dass man das Getriebe wechseln musste, und das dauerte einige Runden. Damit waren auch dem zweiten Ganassi-Auto jegliche Siegchancen durch technische Probleme genommen. Montoya brannte zwar zu dem Zeitpunkt in der #02 eine schnelle Runde nach der anderen in den Asphalt, das Auto sollte allerdings bis zum Schluss eine Runde zurück bleiben.

Durch das Zurückfallen der #01 hatte sich für die letzte Stunde der Kampf um die Führung auf einen Zweikampf reduziert, auch wenn nun auch durch günstige Cautions und guter Leistung das zweite Fahrzeug von Michael-Shank-Racing (#6) wieder in der Führungsrunde auftauchte, in den Zweikampf vorne eingreifen konnte das Auto jedoch nicht mehr. Nun kam die Glanzsstunde von A. J. Allmendinger, der es schaffte, Ryan Dalziel, der den Schlussstint für die #8 fuhr, immer sicher auf mindestens 5 Sekunden Distanz zu halten und so das Rennen für die Truppe von Michael-Shank-Racing  zu gewinnen. Es war nur fair von der Grand-Am, dass sie am Ende keine Cautions mehr gab, die auch nicht unbedingt nötig waren, um nicht in den Zweikampf einzugreifen.

Michael-Shank-Racing schafft es also mit einer fantastischen Leistung die Plätze 1 und 3 bei den 24h von Daytona herauszufahren. Ich hoffe, dass dies dem Team auch hilft ihr Indycarprogramm zu finanzieren. Auf Platz 2 kommt mit einer ebenfalls sehr starken Leistung das Starworks Auto mit der #8 ins Ziel und die beiden Ganassiautos verpassen das Podium knapp. Allgemein war es nach den Practice-Sessions sehr überraschend, dass die Ford-Rileys so gut gingen, während die neuen sehr hübschen Corvette-Prototypen leider enttäuschten. Die besten Corvetten waren die beiden Fahrzeuge von Action Express Racing auf den Plätzen 5 umd 9. Mit am enttäuschensten dürfte das Rennen für die Jungs von Suntrustracing gewesen sein, für die das Rennen eigentlich nie richtig los ging. Ein sehr unaufälliges. aber solides Rennen lieferte die #77 von Doran Racing ab, die am Ende auf Platz 7 landete.

Die GT-Kategorie

Bei einem so großem GT-Feld ist es fast unmöglich den Überblick auch nur über alle siegfähigen Autos im Rennen zu behalten, deswegen gibt es hier eine kleine Übersicht von ausgewählten Fahrzeugen. Bloß eines war vor dem Start des Rennens klar: Der Weg zum Sieg würde nur an den über 20 Porschefahrzeugen vorbeiführen, die von diversen Teams eingesetzt wurden (allein 5 von TRG). Und die bestätigten am Ende ihre Favoritenrolle.

Bei den Ferraris hatte man das Gefühl, dass ihnen speziell mit Blick auf das Risiteam und deren Topbesetzung etwas Leistung fehlte und sie sich das Leben selber schwer machten. Kurz nachdem Start kollidierten beispielsweise die #03 von Extreme Speed Motorsports mit dem Risi Ferrari (#63) der am Ende 5. werden sollte und somit bester Ferrari. Das ist zwar eine respektable Leistung, aber man hatte sich da doch etwas mehr erwartet. Der zweite Risi Ferrari hatte gleich am Anfang des Rennens einen Reifenschaden, später Motorenprobleme und fuhr im Endeffekt nur knapp 150 Runden, Platz 41. Der Waltrip Ferrari kam am Ende auf den 22. Platz, nachdem Waltrip das Auto kurz vor Ende nochmal sanft in die Reifenstapel setzte.

Kurz nach dem Start führte in der GT der Brumos Porsche (#59), dahinter lag der Porsche mit der #(44) von Magnus Racing und der Alex Job Racing Porsche mit der #23, wovon auch 2 am Ende aufs Treppchen klettern sollten. Die #44 von Magnus Racing gewann das Rennen mit einer bärenstarken Leistung vor der #67 von TRG, die sich über Nacht nach vorne arbeiteten und der #59 von Brumos Racing. Die 3 Fahrzeuge lieferten sich immer wieder ansehnliche Duelle um die Spitze über fast das gesamte Rennen.

Der Flying-Lizzard-Motorsport-Porsche lag die ganze Zeit gut im Rennen, bis er leider von einem Reifenschaden aufgehalten wurde und jegliche Siegchancen dahin waren, am Ende wurde es nur Platz 15 für die sehr ambitionierte Truppe. Der Porsche von Franz Engstler war leider kaum in Bild und erreichte das Ziel nur als 34.

Gut unterwegs waren zwei der drei Camaros. Die #57 von Stevenson Motorsports kam auf Platz 4 und war in der gleichen Runde wie der Drittplatzierte Brumosporsche. Auf Platz 9 kam der Autohaus Motorsports Camaro mit der #88 ins Ziel. Der dritte Camaro im Feld von Stevenson Motorsports (#75) wurde 30.

Der am besten besetzte Mazda, eingesetzt von Speedsource (#70), wurde auch gleichzeitig Bestplatzierter als 6. Trotz einiger kleinerer Probleme erreichte der Dempsey Racing Mazda (#40) Platz 10. Das zweite Auto von Dempsey Racing mit der #41 wurde leider bei einem Unfall sehr stark beschädigt und kam nur auf Platz 27.

Die BMW M3 erlebten dagegen ein eher schwaches 24 Stunden Rennen. Die 2 von Turner Motorsports eingesetzten Fahrzeuge kamen wegen diversen Problemen unter anderem mit der Motorenkühlung nur auf die Plätze 16 und 43. Einen rabenschwarzen Tag erlebten die beiden Audis. Allen voran, wie leider erwartet, der von Oryx Racing, der zwar nur einen Platz schlechter (32) als der von APR eingesetzte platziert war, aber in etwa 5 Cautions auslöste, entweder durch Fahrfehler oder technische Probleme.

Allgemein bot das GT-Feld wieder tolle Action und natürlich jede Menge Überholmanöver, klasse Positionskämpfe und am Ende ein ebenfalls knappes Finish, die ersten beiden lagen im Ziel auch nur 10 Sekunden auseinander.

Die Übertragung und das Drumherum

Hier muss man Speed und Radio Le Mans ein Lob aussprechen. Auch wenn die Werbung während der TV-Strecke von Speed etwas nervig war, hat man doch eine vernünftige TV-Übertragung auf die Beine gestellt. Leider kam mir die GT-Klasse etwas zu kurz, aber das ist ja meistens so. Am besten war allerdings der Stream während der Nacht, der ausnahmsweise mal nicht “geoblocked” war. Dieser hatte eine gute Qualität (1300 kbits) und 4 Kameras zur Auswahl: Turn 2, Bus Stop, Turn 4 und die Roof Cam ! Die Roof Cam muss ganz oben auf der Haupttribühne gestanden haben und wurde die ganze Nacht, also über 7 Stunden von einem Kameramann (!) , genannt Ray Ray, bedient, der die ganze Zeit fantastische Bilder lieferte. Es war nämlich möglich durch die Position der Kamera die gesamte Strecke abzudecken und absolut großartige Panaromabilder zu produzieren. Der Stream war werbefrei und übernahm den Radio Le Mans Kommentar, der ja immer großartig ist. Hier kann man nur sagen: bravo Speed!

Sehr positiv für die Grand-Am waren auch die Zuschauerzahlen. Auch wenn die zugegebenermaßen sehr großen Tribünen immer noch sehr leer waren – das Infield war komplett ausverkauft, es waren so viele Zuschauer vor Ort, wie nie zuvor. Alles in allem war es ein tolles Rennen ohne schwere Unfälle mit einer sehr guten Übertragung und sehr ansprechender Action. Ein gelungener Start ins Motorsportjahr 2012.

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June 09 2011

05:00

Vorschau: 24h von Le Mans, Teil III – Die GTE-Pro

Noch vor wenigen Jahren war die GT2 eine reine Porsche vs. Ferrari-Veranstaltung. Neben dem Namen hat sich auch das inzwischen geändert. Und auch hier sind die Favoriten alles andere als klar…

Die GT1 gibt es nicht mehr, die GT2 heißt nun GTE – für GT Endurance – und ist in eine Profi- und eine Amateurs-Kategorie aufgeteilt. Vor allem die Pro-Klasse setzt die Blüte der GT2 aus dem letzten Jahr fort, die bisherigen Trainingsergebnisse zeigen, dass es sogar noch spannender werden könnte als 2010. Ferrari, BMW und Corvette streiten sich hier um die Spitze, und auch Porsche scheint nach bisher durchwachsener Performance beim Saisonhighlight wieder mit bei der Musik zu sein. Aston Martin dagegen schwächelt, und für Lotus gelten beim Le Mans-Debüt andere Ziele. Aber eins nach dem anderen…

Sechs Exemplare des neuen Ferrari F458 werden am Samstag am Start stehen. Der neue Bolide hat sowohl in der GTE- als auch in der noch jüngeren GT3-Version bereits einige Erfolge vorzuweisen, dabei ist er noch nicht einmal ganz ausgereift. So sieht man in Maranello noch Defizite bei der Abstimmung des Motors sowie beim Luftwiderstand, was besonders auf dem Circuit de la Sarthe mit seinen endlosen Geraden hinderlich ist; die Topspeed-Messungen aus den Mittwochs-Sessions bestätigen das: im ersten Training war der Farnbacher-F458 als schnellster Ferrari Zehnter in der Radarfalle, im ersten Qualifying schafften es zwei F458 in die Speed-Top 10. Gute Rundenzeiten verhinderte das jedoch nicht.

Als problematisch hat sich in der noch jungen Saison auch schon das ein oder andere Mal die Kühler hinter der Frontschürze erwiesen, die nicht jeden Kontakt überlegen. Überhaupt ist natürlich die Standfestigkeit noch unklar – zwar wird es natürlich entsprechende Testfahrten gegeben haben, doch bekanntermaßen sind 24h unter Rennbedingungen mit über 50 Konkurrenten auf der Strecke immer noch etwas anderes.

Bei den 6h-Rennen in Le Castellet und Spa schafften es die meisten Ferrari problemlos über die Distanz – und siegten. Beim doppelt so langen Rennen in Sebring gelang das nur einem Fahrzeug von AF Corse, das auf Rang 5 landete. Ob die – teils elektronischen –  Probleme, die damals auftraten, inzwischen behoben wurde, wird sich zeigen müssen.

Die stärksten Ferrari dürften die #51 von AF Corse (Giancarlo Fisichella, Gianmaria Bruni, Toni Vilander), der gelbe JMW Motorsports-Wagen (Rob Bell, Tim Sugden, Xavier Maassen) und der Hankook Farnbacher-F458 (Dominik Farnbacher, Allan Simonsen, Leh Keen) sein. Diese drei lieferten bei den bisherigen Läufen die besten Vorstellungen ab, wenn auch mit leicht veränderten Fahrerbesetzungen.

Vor allem bei JMW fällt auf: Nachwuchsmann James Walker, der bisher eine gute Debütsaison ablieferte, darf nicht ans Steuer, stattdessen treten Le Mans-Veteran Tim Sugden (dieses Jahr auch Zweiter in der GT-Klasse bei den 24h von Daytona) und GT1-Pilot Xavier Maassen mit Stammfahrer Rob Bell an.

Wie üblich sind die drei Top-Teams auf unterschiedlichen Reifen unterwegs – das sorgt für zusätzliche Spannung, auch wenn keiner der drei Hersteller einen signifikanten Vorteil zu haben scheint, auch wenn in Le Castellet die Dunlops phasenweise ein wenig besser gingen – auf jeden Fall ein zusätzliches Spannungselement über die extreme Distanz. JMW hatte jedoch, wie einige andere Dunlop-Teams auch, im ersten Training mit Reifenschäden zu kämpfen und erlebte einen schlechten ersten Tag im hinteren Mittelfeld.

Mit Luxury Racing ist ein weiteres nominell stark besetztes Ferrari-Team am Start (ebenfalls auf Michelins); doch bisher konnte die aus der GT Open zugewanderte Mannschaft nicht wirklich überzeugen, wobei teilweise auch einfach das Glück fehlte. Dennoch: Anthony Beltoise, Jean-Denis Deletraz und Francois Jakubowski in der #58 und vor allem Stéphane Ortelli, Frédéric Makowiecki und Jaime Melo in der#59 sollte man auf dem Schirm behalten!

Der sechste Ferrari ist ein zweites AF Corse-Auto, das allerdings eine Kooperation mit Michael Waltrips US-Team darstellt: er und sein Co-Owner Robert Kaufman denken darüber nach, 2012 auf Vollzeit-Basis in den Sportwagen-Motorsport zu expandieren. Der zweimalige Daytona 500-Sieger kam durch Kaufman angestachelt im letzten Jahr auf den Geschmack, bei den 24h von Spa erreichten die beiden immerhin Gesamtrang 5 bzw. Rang 3 in der GT2-Klasse; die langsamen ersten Trainingsrunden zeigen jedoch, das Waltrip noch einige Erfahrungen sammeln muss. Dritter man auf dem mit gelben Flammen verzierten roten Auto wird GT Open-Fahrer Rui Aguas sein.

Die härteste Konkurrenz für die genannten drei Ferrari dürfte aus dem Hause BMW kommen. Die Bayern hatten mit dem über den Winter runderneuerten Wagen einen grandiosen Saisonstart mit dem Doppelsieg in Sebring sowie dem Sieg im folgenden ALMS-Lauf in Long Beach. In Spa fuhren die beiden M3 GT dann lediglich mit, und viele vermuten, dass man absichtlich gemauert hat. Schließlich war bekannt, dass der ACO nach Spa die Balance of Performance neu bemessen würde und im letzten Jahr war den BMW eine Woche vor dem großen Rennen ein kleinerer Restriktor verpasst worden, was auf wenig Verständnis stieß und alle Chancen kostete.

Entsprechend sollte man davon ausgehen, dass die beiden von Schnitzer betreuten Wagen, die #55 mit den Ex-WTCC-Assen Augusto Farfus und Jörg Müller sowie Dirk Werner und die #56 mit Andy Priaulx (dreimaliger WTCC-Meister), Dirk Müller und Joey Hand, schneller sein werden als in Spa – auch die konkurrenzfähigen Zeiten am Testtag (Plätze 3 und 7) lassen das vermuten. Hand ist der einzige Le Mans-Rookie im Aufgebot, Dirk Müller der erfahrenste mit drei Teilnahmen, aber bisher eher wenig Erfolg. Aero-Updates über den Winter und der umschiffte BoP-Felsen könnten das bald ändern. Die Plätze 1 und 2 bzw. 1 und 3 in den Trainings bestätigen dieses Bild.

Zu den Siegkandidaten müssen allerdings auch die beiden wie immer von Pratt & Miller eingesetzten Werks-Corvettes gerechnet werden, von denen eine im vergangenen Jahr bis zum späten Vormittag auf Siegkurs lag, ehe Anthony Davidson sie auf seiner Aufholjagd von der Strecke räumte. An der ILMC nimmt das Team nicht teil, hat in diesem Jahr bisher also nur die beiden ALMS-Rennen bestritten, das allerdings einigermaßen erfolgreich: in Sebring reichte es für die Ränge 3 und 4, in Long Beach für den zweiten Platz, jeweils hinter BMW.

Da die Logistik die Teilnahme am Testtag kurz nach dem Long Beach-Lauf mit den beiden Werksautos verhinderte, flogen nur die Fahrer und einige Mechaniker nach Frankreich und arbeiteten mit der Larbre-Corvette am Setup. Als achtschnellstes GTE-Fahrzeug bei den Probefahrten fehlten gut 4 Sekunden auf den schnellsten Ferrari, obwohl der Wagen laut Teamchef Doug Fehan den Spezifikationen der aktuellen Wagen entspricht. Mit den aktuellen Werkswagen jedoch waren am Mittwochabend Top-Platzierungen drin, die viel Hoffnung machen.

Am Steuer der #73 werden die Stammfahrer Olivier Beretta und Tommy Milner sowie zusätzlich Antonio Garcia sitzen. Milner ist der Neuling im Team, ersetzt den nun in kleineren US-Serien fahrenden Johnny O’Connell. Obwohl erst 25 Jahre alt, ist Milner kein Le Mans-Neuling, trat schon 2006 und 2007 für Panoz dort an. Oliver Gavin und Jan Magnussen pilotieren die #74, hinzu kommt Ex-Porsche-Werksfahrer Richard Westbrook, der dieses Jahr sonst in der GT1-WM für Nissan fährt – ein sehr starkes Lineup.

Porsche bringt gegen diese Phalanx neuerer Autos fünf seiner bewährten, aber in die Jahre gekommenen 997 GT3 RSR an den Start. Die bisherige Performance in dieser Saison ließ vermuten, dass die Wagen rein vom Speed her keine Chance haben, doch an der Sarthe scheinen die 911er recht gut zu laufen, vielleicht auch dank einiger speziell für Le Mans bereitgestellter Updates, wie etwa einem Low Drag-Splitter; die anderen Hersteller haben allerdings auch Spezialteile mitgebracht. Zuverlässigkeit könnte dennoch, wie 2010, das entscheidende Ass im Ärmel der Stuttgarter sein.

Damals siegten Marc Lieb, Richard Lietz und Wolf Henzler im Felbermayr Proton-Porsche, und die drei Werksfahrer dürften in der #77 auch in diesem Jahr wieder als stärkstes Porsche-Trio anzusehen sein. Der zweite Wagen (#88) des schwäbischen Teams ist zwar mit Nick Tandy (2010 knapp Zweiter und aktuell Tabellenführer im Porsche Supercup), Abdulaziz Al-Faisal (aktuell GT3-EM im Schubert-BMW) und Bryce Miller (ALMS, Grand-Am, letztes Jahr Le Mans für JMW) zwar interessant, aber doch etwas schwächer besetzt.

Der zweite enorm starke Porsche ist der des US-amerikanischen Flying Lizard-Teams. Jörg Bergmeister und Patrick Long sind beide Werksfahrer und nach Jahren gemeinsamer ALMS-Titelkämpfe ein eingespieltes Duo, hinzu kommt Ex-Porsche- und Audi-Werksfahrer Lucas Luhr, der dieses Jahr seine Brötchen hauptsächlich in der GT1-WM (Nissan) und VLN verdient.

Dieser sowie der Amateur-Wagen des Teams haben für das 24h-Rennen spezielle Lackierungen vom US-Künstler Troy Lee verpasst bekommen, in den Komplementärfarben Orange (Pro) und Hellblau (Am), auf denen die Flaggen und Namen aller bisherigen Porsche-Le Mans-Gesamtsieger zu finden sind.

Für das französische IMSA Performance Matmut-Team teilt sich Werksfahrer Patrick Pilet mit Raymond Narac und Nicolas Armindo, die in dieser LMS-Saison gemeinsam die GTE-Am bestreiten und in Spa siegten, das Steuer. Narac hat einen Le Mans-GT2-Sieg aus dem Jahr 2007 vorzuweisen, Armindo ist hierzulande als aktueller Champion des Porsche Carrera-Cups gut bekannt. Ein schwerer Unfall früh im ersten Training könnte jedoch bereits das Le Mans-Wochenende für das Team beendet haben: Narac flog eingangs der Porsche-Kurven heftig ab, er selbst ist unverletzt, der Wagen jedoch stark beschädigt.

Letztes Porsche-Team im Bunde ist Prospeed Competition aus Belgien. Mit Marco Holzer sitzt hier ein Werksfahrer-Neuling hinterm Lenkrad, der aber in beiden Sessions mit schnellen Runden die Porsche-Meute anführte (P4 und P7). Seine Teamkollegen sind Jaap van Lagen (Le Mans-Rookie, aktuell Fünfter im deutschen Porsche Carrera-Cup, vorher WTCC für Lada) und der erfahrene Marc Goossens, der aber schon ein weniger über seinen Karriere-Zenit hinaus zu sein scheint – ob dieses Lineup mit den absoluten Top-Trios über die Distanz mithalten kann, ist eher anzuzweifeln.

Bleiben noch die britischen Wagen. Für Aston Martin sind die 24 Stunden 2011 ein Rückschritt in die Mittelmäßigkeit. Hatte man im Vorjahr mit JMW (GT2) und Young Driver AMR (GT1) noch zwei konkurrenzfähige Teams im Aufgebot, tritt dieses Jahr nur GT4-Aufsteiger Jota Sport mit einer Pro-Am-Besatzung in der Pro-Klasse an. Außerdem haben die Neuerungen am Wagen und Motor nicht so gut funktioniert wie erhofft.

Sam Hancock fuhr im vergangenen Jahr bereits den LMP1-Prototypen für Aston Martin, Chris Buncombe kann bereits einen LMP2-Klassensieg aus dem Jahr 2007 aufweisen; der Teambesitzer und „Entrepreneur oft the Year“ des Jahres 2010 betätigt sich seit 2007 im Motorsport und hat im GT4 Euro-Cup sowie bei den 24h von Spa Erfolge gesammelt, ist aber dennoch langsamer als die Vollprofis in dieser Klasse.

Aber auch die neue Version des V8-Motors macht mehr Probleme als die des Vorjahres, als  JMW gegen Ende der Saison siegfähig war – weder die Balance of Performance-Neueinstufung in Form eines 10mm kleineren Gurneys, noch der neue Low-Drag Heckflügel hat den extrem schwachen Topspeed verbessern können. 13 km/h fehlen auf die Top-Autos der eng beisammen liegenden Klasse; dank gutem Kurvenspeed schaffte es Sam Hancock dennoch auf die Ränge 10 und 11.

Dennoch ist es traurig, dass mit Young Driver AMR, das deutlich stärkere und mit drei Profis besetzte Aston Martin-Team, es nicht ins Rennen geschafft hat, sondern auf der Reserveliste hängen blieb. Das Paderborner Team kann die LMS-Saison wegen Überschneidungen mit der GT1-WM nicht komplett bestreiten, kämpfte aber bei seinem bisher einzigen Auftritt in Le Castellet lange mit den Ferraris um den Sieg.

Selbst die beiden Lotus Evora waren auf den Geraden schneller als die Aston Martin Vantage. Deren Renndebüt fand in Spa statt, der Rollout gar erst einige Tage vor dem Le Mans-Testtag, wo dann 10 Sekunden auf die Klassenbesten fehlten. Einige Schritte vorwärts dürften die Briten seitdem gemacht haben, zudem hat der ACO dem Wagen nach dem Debüt große Zugeständnisse in der Balance of Performance gemacht: ganze 50kg dürfen ausgeladen, und ein um 1,4mm größeren Restriktor eingebaut werden.

Eingesetzt werden die beiden Fahrzeuge vom österreichischen JetAlliance-Team, für Le Mans werden sie auch in deren Farben, hellblau und silber, lackiert sein. Von der Fahrerbesetzung her gehört jedoch nur die #65 mit Entwicklungsfahrer Johnny Mowlem sowie Ex-F1-testfahrer James Rossiter und Sportwagen-Nachwuchsmann Jonathan Hirschi in diese Klasse. Die #64 ist mit Martin Rich, Oskar Slingerland und John Hartshorne komplett mit Gentleman-Fahrern besetzt und wäre eigentlich in der Amateur-Klasse besser aufgehoben, wo Neuwagen allerdings nicht antreten dürfen.

9 Sekunden fehlten dem Profi-Auto in der ersten Quali auf die Klassenspitze, doppelt so groß war der Rückstand des mit Amateuren besetzten Wagens. Doch das Ziel kann für beide eh nur sein: so weit wie möglich kommen und möglichst viel Erfahrung mit dem Wagen sammeln. Eine falsche Einstellung der Klimaanlage (laut Radio Le Mans) sorgte in Spa für den Ausfall eines Wagens, der zweite schaffte es ohne größere Probleme über die 6h-Distanz. Das lässt hoffen, dass ein Überqueren der Ziellinie am Sonntag um 15 Uhr vielleicht nicht ganz außer Reichweite ist – zu wünschen wäre sowohl Lotus als auch JetAlliance ein erfolgreicher Wiedereinstieg allemal.

Neben der durchgängigen Eurosport-Übertragung gibt es weitere Services und Hilfsmittel, um jede Minute des Events aufzusaugen: Radio Le Mans</a>, die wie immer live berichten (englischsprachig), die <a http: href=" http:="" plugins="" target="\" wordpress="" wordpress-feed-statistics="" wp-content="">offizielle Seite des ACO mit News und Live-Timing oder denTracker von Thomas Baekdal</a> mit Timing, Twitter und anderen Diensten, auch für unterwegs. Den a<a href=" http:="" plugins="" target="\" wordpress="" wordpress-feed-statistics="" wp-content="">Spotter Guide von Alan Blackmore sollte man auch immer in Griff- oder Klickweite haben. Und wie im letzten Jahr werden wir hier im Racingblog wieder in aller Ausführlichkeit berichten, mit Liveblog für die kompletten 24 Stunden sowie voraussichtlich auch einige der Quali-Einheiten.

Außerdem bieten die drei Werksteams von Audi</a>, <a http: href=" http:="" plugins="" target="\" wordpress="" wordpress-feed-statistics="" wp-content="">Peugeot und hier</a> nachzulesen, den zweiten (LMP1) a<a href=" http:="" plugins="" target="\" wordpress="" wordpress-feed-statistics="" wp-content="">hier.

JPB_1124A_DSC_5795 JPB_1124A_701_4388 JPB_1124A_701_4270 JPB_1124A_701_4077 JPB_1124A_701_4045 JPB_1124A_701_4004 JPB_1124A_701_3875 24h Rennen - Le Mans 2010 24h Rennen - Le Mans 2010 24h Rennen - Le Mans 2010 24h Rennen - Le Mans 2010 24h Rennen - Le Mans 2010 24h Rennen - Le Mans 2010 ACA_1124A_D31_3849 MJA_1124A_MJA_4911 [1600x1200]

(Bilder: ACO, Audi)

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