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December 06 2011

06:59

Formel Eins: Rückblick 2011 – Teams

Der erste Teil des Saisonrückblicks das Jahres 2011 dreht sich um die Teams. Was haben sie falsch, was richtig gemacht?

So eine Saison ist für die Teams mittlerweile recht lang geworden. Die in die Länge gezogene Saison bedeutet, dass man, abgesehen von der dreiwöchtigen Zwangspause im August, von Februar bis Ende November unterwegs ist. Dazu kommen die intensiven Arbeitswochen im Winter, in denen am neuen Wagen gearbeitet wird. Eine richtig lange Pause gibt es nicht mehr, durch die Kostenbeschränkung und Testverbote ist es nicht leicht, verlorenen Boden wieder gut zu machen. Das mussten 2011 gleich einige Team erleben, die einen miserablen Start in die Saison hatten. Aber es gab auch Überraschungen, vor allem im Mittelfeld, wo mir vor allem ein Rennstall aufgefallen ist. Schwer lief die Saison für die drei “neuen” Teams, die nicht wirklich vom Fleck kamen.

Red Bull

Was soll man sagen: Beide WM-Titel, Rekorde bei den Pole Postionen und den schnellsten Runden. Da hat man offenbar alles richtig gemacht. Das Konzept des RB7 ist nicht neu, aber Adrian Newey hat vor allem im Heck einiges zum Vorjahr verändert. Das führte zu Beginn der Saison allerdings zu Problemen, denn das KERS funktionierte nicht. Das enge Heck ließ das KERS überhitzen, so dass die Fahrer das System zunächst nur am Start nutzen konnten. Da aber gerade zum Start der Saison die Konkurrenz weit abgeschlagen war, konnte Red Bull den Fehler ungestraft begehen. Grosse Schwachpunkte gab es im Team nicht. Die Technik spielte, bis auf den mysteriösen Reifenplatzer in Abu Dhabi, immer mit, die Strategie funkionierte auch meist gut, zum Mal man bei Vettel eh kaum was falsch machen konnte. Größter Schwachpunkt bei Red Bull war ausgerechnet Mark Webber. Warum er in diesem Jahr nicht Schritt halten konnte, ist weiter unklar. Vielleicht lag es an den Pirelli-Reifen, vielleicht daran, dass der RB7 ganz auf den Stil von Vettel zugeschnitten war. Webber wird das Fahren nicht verlernt haben, man darf gespannt sein, wie es für ihn 2012 laufen wird. Aber auch mit den kleinen Problemen verdient sich Red Bull die Topwertung.

10 von 10 Punkten

McLaren

McLaren warete zu Beginn der Saison mit einer Überraschung auf, in dem sie L-förmige Seitenkästen an ihren Wagen geschraubt hatten. Mit dieser aerodynamischen Lösung standen sie exklusiv da, allerdings machte die auch massiv Probleme. Bei den Tests hatte der Wagen auf der Hinterachse keinen Grip, die Technik spielte auch nicht mit. Jenson Button erwähnte später in der Saison, dass man die erste volle Renndistanz in Australien fuhr, wo man einen völlig ungetesteten Unterboden einsezte. Es dauerte bis in den Mai, bis man die Probleme halbwegs im Griff hatte. Dazu kam ein Lewis Hamilton, der etwas von der Rolle war. Seine Verhalten auf der Strecke brachte ihm eine Dauerkarte bei den Kommissaren ein, dazu die Privatfehde mit Felippe Massa. Nur Jenson Button und das Entwicklungsteam schienen dann noch zu funktionieren. Immerhin gelang es den Briten, dass man den Abstand zu Red Bull bei einigen Rennen im Herbst auf “Null” setzen konnte, was auf zumindest für 2012 hoffen lässt. Auch der zweite Platz in der WM-Wertung ist nach dem schlechten Start ein respektables Ergebnis. Vermutlich wäre auch nicht mehr drin gewesen, wenn der Wagen ab Australien funktioniert hätte, dafür war Red Bull einfach zu stark. Aber die WM wäre sicher spannender gewesen.

7 von 10 Punkten

Ferrari

Schon bei der Präsentation des diesjährigen Ferrari dachte ich “Hmm, das sieht sehr konservativ aus. Ich hatte noch damit gerechnet, dass man zu den Tests die “echte” Aerodynamik zeigen würde, aber da passierte bekanntermaßen nicht mehr viel. Was sich auch über die gesamte Saison nicht ändern sollte. Der konservative Ansatz erlaubte wenig Verbesserungen, dazu kamen die Probleme mit dem Windkanal, der falsche Daten lieferte. Ferrari schmiss den Verantwortlichen Chef-Designer Aldo Costa dann im Sommer auch raus. Die Hauptprobleme des Ferrari lagen im Bereich des Unterbodens, der Luftführung und des Hecks. Nur in dem Rennen, in dem der heiß angeblasene Diffusor verboten wurde, konnte Ferrari einen Sieg erringen. Dazu kamen auch Probleme mit den Pirelli. Bei der Konstruktion der Aufhängung hatte man sich vertan, weil man wohl dachte, dass die Pirelli schneller abbauen würden. Zwar führte die Reifenschonung des F150 zu ein paar Vorteilen bei der Strategie, sobald die Medium oder harten Reifen auf dem Wagen waren, ging aber nichts mehr, weil die Temperatur der Reifen in den Keller fiel. Ferrari gelang es anders als McLaren nicht, die Probleme zu lösen. Dafür hätte man ein neues Chassis bauen müssen, samt neuen FIA-Chrashtest usw. Eine Seuchensaison, dazu ein Massa weit ab seiner Möglichkeiten. Nur Alonso schien wie immer die Konstante zu sein. 2012 wird man mehr bieten müssen. Ich schliesse mich der Bewertung von Luca di Montezemolo über sein Team an.

5 von 10 Punkten

Mercedes GP

Im Grunde hat sich Mercedes GP nicht vom Fleck bewegt. Im Gegenteil – rein Punktemäßig war 2011 ein Rückschritt. 2010 holte man 214 Punkte, 2011 nur 165. In der Quali und im Rennen war man weiterhin rund 1.5 Sekunden von Red Bull weg, gegen Ende der Saison war es teiweise etwas weniger. Der W02 funktionierte hinten und vorne nicht richtig, außer bei der Höchstgeschwindigkeit. Wie Ferrari hatte man Probleme, Temperatur in die Reifen zu bekommen, auch der Abtrieb am Heck stimmte nicht. Dass Ross Brawn in zwei aufeinanderfolgenden Jahren so daneben lag, war schon eine Überraschung. Ein Grund für die mangelnde Performance und die Weiterentwicklung war wohl das knappe Budget, dass Mercedes zur Verfügung stellt. Erst ab Mitte der Saison schien man gewillt zu sein, den Geldhahn weiter aufzudrehen, allerdings nicht mehr für die 2011er Saison. Die Fahrer lieferten meist solide Ergebnisse ab und holten die Plätze 5 bis 8. Mehr war einfach nicht drin. Die Probleme von Mercedes sind nicht leicht zu identifizieren, immerhin hat man mit Aldo Costa jemanden an Bord geholt, der zusammen mit Ross Brawn bei Ferrari sehr erfolgreich war.

5 von 10 Punkten

Renault

Die Franzosen warteten zunächst mit einem interessanten Konzept auf. Der nach vorne verlegte Auspuff schien eine geradezu sensationelle Lösung zu sein, weil er erlaubte, dass man mit den Auspuffgasen den Unterboden zusätzlich anströmen konnte, um mehr Abtrieb zu erhalten. Zumindest in der Theorie klang das gut, in der Praxis führte es dazu, dass der Wagen vor allem auf langsamen Kursen nicht konkurrenzfähig war. Trotz eines deftigen “Mapping Overruns”, fehlte dem Chassis einfach der Abtrieb im Heck. Hinzu kam der Unfall von Kubica, der dem Team moralisch schwer geschadet hat. Aber auch mit Kubica wäre man wohl nicht weiter gekommen. Der Auspuff funktionierte nicht, ihn wieder nach hinten zu verlegen ging auch nicht, weil man dafür das Chassis hätte umbauen müssen. Weil man deswegen nicht weiter entwickeln konnte, fiel Renault immer weiter zurück. In der ersten Saisonhälfte, bis zum GP von Deutschland, holte man 66 WM Punkte, danach nur noch 7 Punkte. Die Entlassung von Heidfeld war ebenfalls keine gute Entscheidung. Auch wenn der Deutsche in der Quali die bekannten Schwächten zeigte, war im Rennen immer eine Bank. Senna konnte da nicht mithalten. 2012 ändert man den Namen in “Lotus” und hat Räikkönen an Bord. Es wird aber schwer für Renault/Lotus. Denn während die anderen Teams das Konzept der 2011er Wagen weiter entwickeln und über viele Daten verfügen, muss Lotus komplett von vorne anfangen.

3 von 10 Punkten

Force India

Die Inder sind für mich die Überraschung des Jahres. 2010 verlor man fast die gesamte Aero-Abteilung an Sauber und Team Lotus und man musste 2011 von vorne anfangen. Der Wagen war keine Sensation und tat sich vor allem in der Saisonhälfte sehr schwer. Doch ab dem GP in Deutschland ging es massiv aufwärts. Offenbar hatte neue Design-Team eine paar Lösungen gefunden und war in der Lage, verlorenen Boden gut zu machen. Auch die Formsteigerung von Adian Sutil spielte sicher eine Rolle. Am Ende war man in der Lage, Renault locker hinter sich zu lassen und Mercedes konnte man das ein oder andere Mal ärgern. Für ein Privatteam ist das eine erstaunliche Leistung und es ist fast ein wenig schade, dass Force India nicht schon zum Start der Saison so gut drauf war. Durch den Einsteig des Investors “Sahara” kommt auch viel Geld ins Team, man darf gespannt sein, was Force India 2012 leisten kann.

7 von 10 Punkten

Sauber

Im Gegensatz zu Force India, hat mich das Team von Peter Sauber in diesem Jahr enttäuscht. Der Entwurf vom hoch gehandelten Nachwuchsdesigner James Key war zu konservativ, dazu kam eine strategische Fehlentscheidung. Im Mai verließ sich Peter Sauber auf die Aussage der FIA, dass der “hot blown diffusor” verboten würde. Sauber entschied, den Wagen nicht umzubauen, am Ende entschied sich die FIA aber anders. Die Saison von Sauber war damit gelaufen, das Geld, später in der Saison den Wagen noch umzubauen, wollte man nicht einsetzen. James Key gelang es immerhin, den Wagen in den letzten Rennen so schnell zu bekommen, dass man in der WM-Wertung noch knapp vor Toro Rosso bleiben konnte, aber Force India musste man sich klar geschlagen geben. Kobayashi hatte zudem eine zähe Saison, während Sergio Perez mich eher positiv überrascht hat. Aber im Grunde ist Sauber weit hinter den Erwartungen geblieben.

4 von 10 Punkten

Toro Rosso

Der “arme Bruder” von Red Bull überraschte bei den Tests im Winter, mit einem eigenartig gestalteten, zweiteiligen Unterboden. Doch das Konzept funktionierte nicht sonderlich gut, da grundsätzlich nicht genug Abtrieb aufgebaut wurde. Das führte immerhin dazu, dass man auch die Reifen die schonte, was der Strategie half. Die meisten Punkte konnte man erringen, weil man einmal weniger Rennen stoppte und dennoch auf den Long Runs konkurrenzfähig war. Zur Mitte der Saison schien sich das Blatt zu wenden und vor allem Jamie Alguersuari konnte einige gute Ergebnisse einfahren. Es folgte ein kleines Tief, dann ein fast mysteriöser Aufschwung, bei viele gerüchteten, Red Bull habe die Daten-Tore aufgemacht. Weil man die letzten beiden Rennen versemmelte, reichte es dann nicht für Platz sieben in der WM. Verdient wäre es durchaus gewesen, Toro Rosso legte keine schlechtere Saison als Sauber hin. Vor allem, weil das Team kaum Erfahrung mit dem Bau eigener Chassis hat, war die Saison durchaus erfolgreich. Für 2012 hat man mehr Ingenieure eingestellt, vielleicht kommt ja dann der Schritt nach vorne.

5 von 10 Punkten

Williams

Was für eine schreckliche Saison. Noch nie hat das Williams-Team derartig schlecht abgeschnitten. Der 9 Platz in der WM ist für das Traditionsteam eine Katastrophe, nicht nur aus PR-Gründen. Die Gründe für das schlechte Anschneiden sind vielfältig. Klar, man hat sich bei der Konstruktion des neuen Wagen ebenso verhauen, wie Renault. Die Idee, dass Heck so flach wie möglich zu machen, damit es besonders gut angeströmt wird, funktionierte nur in der Theorie. Rubens Barrichello beschwerte sich schon bei den Tests, dass der Wagen unfahrbar sei. Dazu kamen die schweren Managementmängel. Sam Michael war nicht nur Chef-Entwickler, sondern leitete auch Teile der Firma und war defacto Teamchef. Die Überlastung konnte nicht gut gehen, der komplette Neuaufbau des Management folgte dann. Nicht wenige geben dem Williams Geschäftsführer Adam Parr eine große Mitschuld, da dieser sich angeblich zu wenig um die Team-Entwicklung kümmert und die Verantwortung wegschieben würde. Man hat mit Mike Coughlan zwar einen sehr talentierten Chef-Entwickler geholt, weil aber Sam Michael und Patrick Head nicht mehr im Team sind, fehlt ein erfahrener Team Chef. Das macht die Aussichten für 2012 nicht gerade besser. Was mich ebenfalls stört, und ein Zeichen für schlechtes Management ist: Die Fahrerfrage. Maldonado ist ein Pay-Driver, wenn auch einer der besseren Sorte. Das man Barrichello nicht mehr haben will, war spätestens dann klar, als der von Maldonado öfter geschlagen wurde. Dennoch ist es dem Team nicht gelungen schon Mitte 2011 einen Ersatz zu präsentieren. Jetzt wartet man wohl auf die Freigabe von Sutil, was für die Designer schlecht ist, weil die Sitzanpassung wichtig für die Weiterentwicklung ist.

0 von 10 Punkten

Team Lotus

Den neuen Wagen stellte man mit viel Pomp und Krach vor, aber am Ende war man doch wieder enttäuscht. Tony Fernandes hatte sich vorgenommen, sein Team 2011 zumindest regelmäßiger in Q2 zu bringen, aber davon war man weit, weit entfernt. Die Entwurf von Mike Gascoyne war ein Fehlschlag und obwohl man Renault statt Cosworth im Heck hatte, konnte man nicht auf Mittefeld aufschliessen. Das Team ist komplett neu aufgebaut und existiert gerade mal zwei Jahre, aber mit dem Geld, was man zur Verfügung hat, und dem Rahmenbedingen, die Tony Fernandes geschaffen hat, hätte mehr drin sein müssen. Dem Lotus fehlte es in allen Bereichen: Abtrieb, Topspeed, Reifen. Zwar gelang es Gascoyne gegen Saisonende etwas näher an hintere Mittelfeld zu rücken, was ein gutes Zeichen ist, aber richtig überzeugend war das noch nicht. Auch bei Lotus hat man Veränderungen in der Managementstruktur vorgenommen. So muss Dieter Gass, ein Vertrauter von Mike Gascoyne noch aus Toyota-Tagen, gehen. Angeblich hat Fernandes auch Gascoyne ein Ultimatum gestellt: Entweder, man ist 2012 im Mittelfeld, oder man sucht sich einen neuen Designer. Mit Mike Smith hat man da auch schon einen Mann in den eigenen Reihen. Eine weiterer Schwachpunkt bei Lotus ist Jarno Trulli. Warum Fernandes an ihm auch nach dieser schlechten Saison festhält, ist allen ein Rätsel. Kovalainen ist sicher kein schlechter Mann, könnte aber vielleicht noch besser werden, wenn er mehr Konkurrenz im Team hätte. Ein Romain Grosjean wäre meiner Meinung nach der genau der Richtige. Im Moment schaut es aber so aus, als ob Daniel Ricciardo von Red Bull bei Lotus/Caterham geparkt wird.

4 von 10 Punkten

HRT

Ach, was soll man über das kleine Team schon sagen. Mit wechselnden Besitzern, Fahrern und Sponsoren, ohne Geld und einem Chassis, dass von 2009 stammt und schon damals kein Geniestreich von Dallara war. Das erstaunliche ist, dass HRT trotz all dieser Beschränkungen nicht komplettes Schlusslicht ist. Colin Kolles, der gelernte Zahnarzt, führt das Team aus seiner Werkstatt nahe München und macht das wirklich gut. Das man bei derartig schwierigen Begleitumständen kaum in der Lage ist, einen Schritt nach vorne zu machen, ist kein Wunder. Eigentlich sollte der 2012 kommen. Man hatte Geoff Willis als Berater verpflichtet, der sprang dann aber im Herbst wieder ab. Ob und wie man ein neues Chassis entwickelt, ist nicht bekannt, aber eigentlich muss man, denn mit dem fünfmal umgebauten Dallara-Deriverat wird man wohl nicht mehr weit kommen. Zu den Fahrern kann man wenig sagen (dazu mehr im zweiten Teil), ausser, dass Liuzzi einen guten Job gemacht hat.

3 von 10 Punkten

Virgin

Am Gesichtsausdruck von Timo Glock konnte man immer schön sehen, wie es mit Virgin lief: Gar nicht. Der zweite, komplett per CFD entwickelte Wagen, war zu Beginn der Saison so langsam, dass man für einen Momant überlegte, das letztjährige Chassis einzusetzen. Schon nach den Tests war klar, dass man die Saison vergessen konnte und noch vor dem Start der Saison machte Gerüchte die Runde, dass man auf die Dienste von Nick Wirth verzichten würde. Im Mai folgte dann auch die Trennung, die CFD-Abteilung der Firma von Wirth kaufte man allerdings auf. Dazu kam, dass das Team zusätzlich mit massiven Technik-Problemen zu kämpfen hatte. So konnte das nichts werden. Bitter ist allerdings, dass man sich zum zweiten Mal hintereinander sogar HRT in der Teamwertung geschlagen geben musste. 2012 soll alles besser werden. Der merkwürdige russische Autohersteller Marussia pumpt, von woher auch immer, viel Geld ins Team, dazu kommt eine sehr weitgehende technische Partnerschaft mit McLaren. Wie auch immer: Es kann nur besser werden.

0 von 10 Punkten

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July 07 2011

15:30

Formel Eins: Vorschau GP England 2011

Alles neu beim britischen Grand Prix in diesem Jahr. Neue Boxenanlage, neue Start/Zielgerade und neue Regeln bezüglich des “hot blown diffusor”.

Silverstone ist wie gemacht für den Red Bull, denn es gibt viele ultraschnelle Kurven, darunter die berühmten Maggotts, Becketts, Chapel, dazu noch Stowe, Club, Abbey und Copse. Oder anders gesagt: Wer soll denn Red Bull hier schlagen? Die Antwort könnte lauten: Die FIA. Denn die hat in ihrer unendlichen Weitsicht beschlossen, den sogenannten “hot blown diffusor” zu verbieten. Zur Erklärung: Man unterscheidet zwischen einem “cold blown” und “hot blown diffusor.” Erster bekommt einfach die Luft per Sidepods und Unterboden zugeführt, letzterer wird direkt vom Auspuff angeblasen. Die Teams nutzen dazu auch noch eine Lücke im eigentlich striktem ECU-Reglement, die es ihnen erlaubte den Motor auch dann auf hohen Drehzahlen zu halten, wenn der Fahrer vom Gas ging. Das Mapping ist seit Valencia weg, nun müssen alle Teams auch ihre Auspuffführung umbauen. Aber wen trifft das Verbot denn nun wirklich?

Die gute Nachricht ist: Weder Williams, noch Lotus, HRT oder Virgin sind betroffen. Scherz beiseite, tatsächlich müssen vor allem alle Top Teams umbauen. Red Bull, McLaren, Ferrari, Mercedes und Renault hatten das Mapping und die veränderte Auspuffführung im Programm, wobei Ferrari, Mercedes und McLaren besonders viel Geld rein gesteckt haben, weil sie diese Variante zum Start der Saison nicht im Auto hatten. Besonders betroffen ist aber Renault, deren revolutionäres Abgassystem nun leider überflüssig ist. Da man die gesamten Seitenkästen inkl. Kühler usw. auf den nach vorne gerichteten Auspuff ausgerichtet hatte, stehen dem Team größere Umbauarbeiten bevor, die man vermutlich nicht bis Silverstone wird erledigt haben können.

Ein Fragezeichen steht hinter Red Bull, die das System seit Beginn des Jahres im Wagen hatten. Die müssen nun das aerodynamisch empfindliche Heck verändern und vermutlich werden sie die Auspuffgase am Diffusor vorbei leiten, in dem sie die Endrohre rechts und links daneben legen werden. Ich bezweifele aber, dass der RB7 deswegen viel an Performance verlieren wird. Das extrem enge Heck bietet wenig Luftwiderstand, die Luft kann ungehindert um Diffusor gelangen. Vielleicht verliert man ein paar Zehntel, aber das geht den anderen ja auch so. Da der “heisse” Diffusor den vorhandenen Abtrieb nur verstärkt hat, sollten die guten Abtriebswerte des RB7 nicht weiter betroffen sein.

Das sind, wenn ich denn recht habe, schlechte Nachrichten für Ferrari und McLaren. Die Briten haben lange an ihrem Heck rum gebastelt, nur um jetzt wieder alles auf Anfang setzen zu können. Button scherzte schon, dass man immer den Vorteil habe zu wissen, wie schlecht sich ein Heck anfühlen kann, weil man das ja schon im Winter ausgiebig getestet hatte. Dennoch ist man bei McLaren zuversichtlich, dass beim Heim GP um den Sieg mitfahren wird.

Ferrari ist ebenfalls optimistisch, zu mal man mal wieder ein großes Update mitbringt. Außerdem ist man erleichtert, dass Pirelli die Varianten Soft/Hard nach England schnleppt. Zwar mag der F150 die harte Mischung nicht, dafür ist er auf der soften Mischung um so besser. Doch der Wagen schleppt weiter das Manko mit sich rum, einfach zu wenig Abtrieb zu produzieren und das Verbot des “hot blown diffusor” wird dem Team nicht helfen. Auf dem letzten Kurs mit schnellen Kurven, in Barcelona, wurde Alonso überrundet.

Mercedes hat die WM und eine Top 3 Platzierung in der Team-Werung schon abgeschrieben. Man wird weiter versuchen zu Ferrari aufzuschließen um sich gleichzeitig Renault vom Hals zu halten. Der MGP 02 leidet nicht nur unter seinem enorm kurzen Radstand, sondern auch unter Kühlungsproblemen, weswegen die Seitenteile des Wagens immer noch die Kiemen aufweist. Das stört die Aerodynamik und vor allem die Anströmung des Hecks, weswegen sowohl Rosberg als auch Schumacher im Rennen immer wieder Probleme mit dem Verschleiß der Reifen auf der Hinterachse haben. Immerhin stimmt der Topspeed, was ja in Silverstone nicht gerade unwichtig ist.

Dahinter dürfte es dann eng werden. Renault ist wie gesagt schwer einzuschätzen, dafür sollte Force India die schnelle Strecke liegen. Obwohl dem Wagen Grip fehlt, sollte man di Resta und Sutil für Punkte im Auge behalten. Sauber sah in den letzten Rennen schwach aus, offenbar hat man sich bei der Entwicklung in eine falsche Richtung bewegt. Dass die Force India plötzlich schneller sind, dürfte nicht normal sein, nachdem man mit James Key ja eigentlich den richtigen Mann im Team hat.

Ebenfalls verbessert hat sich Toro Rosso, die in den letzten Rennen in die Punkte kamen. Alguersuari leidet weiterhin unter eine Quali-Schwäche, was vermutlich mit den Pirelli Reifen zu tun hat, die er nicht so gut wie Buemi auf Temperatur bekommt. Rollt der Spanier aber erst einmal, kann er mit seinem Teamkollegen auch wieder mithalten.

Williams hat die Saison zwar noch nicht aufgegeben, aber die vielen Umbesetzungen und Neustrukturierungen im Team dürften der Entwicklung nicht helfen. Der FW33 ist eine Krücke und er wird es vermutlich, trotz seines sehr interessanten Konzeptes, auch bleiben. Aus England hört man aber, dass Barrichello vermutlich noch eine Saison dran hängen wird. Ob das so eine gute Entscheidung ist? Nichts gegen Maldonado, der sich gut entwickelt hat, aber wenn der schon im dem guten Rubens auf Augenhöhe ist, dann sollte man vielleicht mal nach einem schnelleren Mann Ausschau halten (Webber?)

Und zu Schluss die drei Hinterbänkler. Lotus fehlen immer noch rund 8 Zehntel in der Quali, aber das ist schon ein ziemlich großer Schritt, denn die Malayen da gemacht haben. Im Rennen bricht die Performance dann komischerweise so weit ein, dass die Virgin durchaus mithalten können, aber in Silverstone erwarte ich von Lotus etwas mehr, weil sie das klar bessere Chassis haben.

Etwas umgewöhnen muss man sich, was die Strecke angeht. Die neue Boxenanlage ist fertig und die Start/Zielgeraden ist nun auf der anderen Seite der Strecke. Man startet nun im ehemals hinterem Teil der Strecke und die erste Rechts nebst folgender Schikane dürfte beim Start interessant werden. Auch runter zu Brooklands sollte das Feld weiter eng zusammen sein. Dort, auf der nen Wellington Straight genannten Gerade, wird auch die DRS-Zone sein: der Messpunkt dafür ist vor dem Arena-Komplex, also zwischen den Turns 2 und 3, aktiviert werden darf das System ausgangs der Arena, aber noch vor dem schnellen Knick, der auf die Gerade führt.

Pirelli erwartet mal wieder drei Stopps und da es für britische Verhältnisse am Wochenende warm werden soll (24 Grad) dürften die “Soft” eine große Rolle im Rennen spielen. Die Reifen werden durch die vielen schnellen Kurven arg belastet, also könnte das zu interessanten Strategieentscheidungen führen. Der Motor wird in Silverstone logischerweise auch hoch belastet. Der Vollgasanteil ist hoch, also wird das KERS auch viel arbeiten müssen. Das könnte dann unter Umständen bei einigen Teams entscheidend werden, denn bei Red Bull, McLaren und Mercedes gab es ja immer mal wieder Probleme mit dem System.

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July 06 2011

05:54

Newshappen-Sammlung für 06.07.

// Williams arbeitet weiter an einem Comeback. Nachdem man das gesamte technische und aerodynamische Führungspersonal ausgewechselt hat, ist nun der Motor dran. Ab 2012 fährt man wieder mit Renault-Power, baut aber das Getriebe weiter selber. Die Entscheidung, Cosworth zu verlassen, stand schon im letzten Winter zur Debatte, da kam man aber nicht aus dem laufenden Vertrag raus. Dem britischen Motor sagt man nach, dass es ihm etwas an Leistung fehlt, vor allem das Drehmoment soll schlechter sein. Da bei den eingefrorenen Motorenregeln jede minimale Verbesserung Gold wert ist, macht der Wechsel durchaus Sinn. Allerdings hat der neue Deal auch einen anderen Hintergrund. Offenbar will sich Williams schon für 2014 aufstellen, wenn die neuen Motoren kommen. Cosworth beliefert damit nur noch HRT und Virgin und die Gerüchte besagen, dass man keinen V6-Turbo bauen wird. (Don)

// Virgin-Marussia hat die Woche einen Deal mit McLaren bekannt gegeben. Man wird deren Windtunnel und die Simulatoren nutzen können. Auch eine weitere technische Beratung durch McLaren, so sehr es die Regeln zulassen, ist geplant, die wird aber nicht so weit gehen, wie McLaren mit Force India zusammenarbeiten. Dort liefern McLaren und Mercedes quasi die gesamte Technik. Des Weiteren hat Virgin die F1-Abteilung des ehemaligen Chef-Designers Nick Wirth gekauft, dessen reine CFD-Konstruktionen zwar nicht gezündet haben, aber auch nicht so schlecht war. Offenbar will man mit dem Kauf die Zukunft absichern. Interessant sind die Investionen nicht nur wegen der Zusammenarbeit mit McLaren, sondern auch, weil das Geld nicht von Richard Branson, sondern von Marussia kommt. Die Russen wollen offenbar ihre Investition in die F1 erweitern. (Don)

// Neuigkeiten gibt es auch von HRT. Dort hat ein Investor namens Thesan Capital die Mehrheit von José Carrabante übernommen, dem der Laden bisher gehörte. Hinter Thesan steckt die japanische Nomura Holding, die die Investmentgesellschaft kontrolliert. Thesan hat sich eigentlich auf das “Leverage” Business eingestellt. Man kauft marode Firmen zu kleinen Preisen auf und schaut dann, ob sie sanierungsfähig sind, oder doch Heuschrecken-artig ausgeschlachtet werden. Etwas undurchsichtig ist, was Thesan jetzt eigentlich mit dem Rennstall will. Eine Sponsorfläche für die aufgekauften Firmen, darunter eine Pizza-Kette? Man darf nicht vergessen, dass das Team nur auf dem Papier spanisch ist. Vorbereitet werden die Wagen in den Räumen von Colin Kolles, dem Teammanager, dem man nachsagt, dass er die Chassis auch besitzt, nachdem er sie von Dallara abgekauft hat, weil Carrabante kein Geld mehr hatte. (Don)

// Noch mal HRT, wo nun ab diesem Wochenende Daniel Ricciardo fahren soll. Wen er ersetzt, ist nicht klar, aber die Möglichkeit ist besteht, dass Liuzzi mal wieder dran glauben muss. Karthikeyan wäre eigentlich der logische Kandidat, aber der bringt die Sponsorgelder von Tata mit. Red Bull wird dafür bezahlen, dass man Ricciardo unterbringt, was Karthikeyan wieder in Bedrängnis bringen könnte. Das Red Bull Ricciardo bei HRT “parkt” dürfte einerseits Buemi und Alguersuari bei Toro Rosso entlasten, zeitgleich wird aber auch klar, dass man Ricciardo testet um zu sehen, was er drauf hat. Nur zur Info: Ein gewisser Alonso wurde von Briatore auch mal bei Minardi eingesetzt um zu lernen. Bei Red Bull hält man sich damit alle Türen offen. Man kann 2012 wieder Mark Webber einsetzen, man kann, wie damals bei Vettel, das Risiko einer Verpflichtung eingehen. Webber, der seit Wochen in den Medien sagt, wie gerne er weiter für Red Bull fahren würde, hätte außer Ferrari kaum Optionen bei einem Top Team. Angeblich war er schon in Maranello, angeblich hat Ferrari kein Interesse. Man darf aber nicht vergessen, dass Webber seit Jahren bei Red Bull ist und die Technologie der Wagen bestens kennt. Er würde Informationen mit bringen, die Ferrari durchaus interessieren könnten. (Don)

// Team Lotus hat einen neuen “Sponsor”. Das Logo des Herstellers Caterham wird ab dem GP in Silverstone auf den Autos kleben. Der Deal ist in sofern kein richtiger Sponsordeal, weil Caterham seit ein paar Monaten Tony Fernandes gehört. (Don)

// Die FIA hat den Einsatz der V6-Turbos ab 2014 abgesegnet. Die Höchstdrehzahl wird 15.000 U/min betragen, was den Autos hoffentlich auch mal wieder einen etwas besseren Klang gibt. Obwohl ich mir nicht vorstellen kann, dass 1.6 Liter Motörchen gut klingen, V6 hin oder her. (Don)

// Porsche wird ab 2014 wieder bei den 24H von Le Mans antreten. Der Schritt war seit einigen Wochen erwartet worden, da man wohl schon angefangen hat, Personal zu rekrutieren. Porsche hat nicht gesagt, mit was für einem Motor man in Le Mans antreten wird, aber die Vermutung liegt nahe, dass es ein Benziner/Hybrid sein wird. Das Audi-Engagement steht deswegen nicht zwangsläufig auf der Kippe, da der VW-Konzern offenbar schauen wird, welches Reglement (Diesel/Hybrid) von der FIA und dem ACO in Zukunft bevorzugt wird. Hinter dem dann doch recht kostenintensiven Einsatz (angeblich hat Audi die Entwicklung des R18 nebst Einsatz über 80 Millionen Euro gekostet) steckt wohl Ferdinand Piech, der beide Marken in der Serie sehen möchte. (Don)

// Ebenso interessante, wie traurige Zahlen gibt es von IRL zu berichten. “The Daily Planet” gibt an, dass das Rennen in Iowa, das ja nun wirklich zu den besseren der Saison gehörte, gerade mal 500.000 Zuschauer auf Versus verfolgten. Das sind Zahlen, die Eurosport in Deutschland mit der Le Mans Serie erreicht. Versus hat eine technische Reichweite von 80.000.000 Millionen Zuschauern, was das Debakel noch deutlicher macht. (Don)

// Die 24H von Spa werfen immer mehr ihre Schatten voraus. Marc VDS hat nun angekündigt bei dem Rennen nicht wie zu erst gemeldet 2 Ford GT3 an den Start zu bringen, sondern ersetzt einen Ford GT3 durch einen BMW Z4 GT3. Pilotiert wird das Auto von Bas Leinders, Marc Hennerici und Maxim Martin. Als offizielen Grund gibt man die Leistungsfähigkeit des Wagens an, inoffiziell soll es aber wohl auch bei Marc VDS wohl zu Problemen mit den Ersatzteilen kommen, da Matech seit seiner Pleite wohl auch kaum mehr Ersatzteile liefern kann/will/darf. (Flo aus N)

// Nach 2005 kehr die IndyCar Series 2012 wieder auf den Auto Club Speedway in Fontana zurück. Zur Erinnerung: dies ist genau jende Strecke auf der Gil de Ferran mit seinem Penske damals noch unter CART-Banner den bis heute gültigen “closed-course record” von sage und schreibe 388,454 km/h hält. Allerdings heist es für uns wohl sehr lange wach bleiben oder früh austehen, denn das Rennen, welches im Herbst über die Bühne gehen soll, soll ein Nachtrennen werden. Dies bedeutet auch die Rückkehr der ISC, welche die meisten Tracks der Nascar inne hält, denn in diesem Jahr fährt man auf keiner der Strecken. (Flo aus N)

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June 14 2011

08:31

Formel Eins: Analyse GP Kanada 2011

Das Rennen in Montreal ist immer für viel Abwechslung gut, doch was man Sonntag sehen konnte, war Drama und Rennaction pur.

Im Grunde konnte man das enttäuschte Gesicht von Vettel auf dem Podium verstehen, doch eigentlich hätte er lachen müssen. Mal wieder ein zweiter Platz, dazu hatten sich alle Konkurrenten im Rennen selbst eliminiert, sieht man mal vom Mann ab, der auf dem Podium links neben ihm stand und übers gesamte Gesicht strahlte. Jenson Button war ein unfassbares Rennen gelungen, eines, das in die Geschichte eingehen wird, eines, dass die Karriere von Jenson Button auch in vielen Jahren überstrahlen wird und zu dem er wieder und wieder befragt werden wird: “Jenson, wie war das damals in Kanada?” Ich hab zu Hause meine Bibliothek in Sachen F1-Rennen gewälzt und im Netz geforscht. Aber ich habe niemanden gefunden, der nach zwei Unfällen, einer Durchfahrtsstrafe und sechs Boxenstopps vom letzten Platz im Feld ein Rennen gewinnen konnte. Dass, was Button da geleistet hat, war einfach brillant.

Dabei hatte sein Tag nicht gerade gut angefangen. Die merkwürdige Kollision mit seinem Teamkollegen war da nur die eine Sache. Man gibt Hamilton die Schuld, der, das sieht man auf den Bildern, auch weit davon entfernt war, auf gleicher Höhe zu sein. Button hatte das Recht, eine Linie zu fahren, die auch von allen anderen Fahrer genutzt wurde. Vermutlich rechnete er damit, dass Hamilton die innere Linie wählen würde, und wollte so für die dann folgende Linkskurve wiederum seine Linie abdecken. Hamilton entschied sich aber anders. Ein Rennunfall. Einerseits. Andererseits muss sich Hamilton den Vorwurf gefallen lassen, warum mal wieder davon ausging, dass man ihm freiwillig Platz macht. Das war schon in Monaco zu sehen, wo er sehr aggressiv zu Werke ging, in Kanada war das nicht anders.

Hamilton steht im Moment schwer in der Kritik. Aus dem Paddock sind im Moment viele Gerüchte zu hören, darunter solche, die sagen, dass er bei McLaren nicht mehr sonderlich glücklich ist. Button ist es gelungen, das ehemals reinrassige Hamilton-Team, in dem er eigentlich eine Art “1b” war, mehr und mehr auf seine Seite zu ziehen. Weitere Gerüchte bringen Hamilton mit Red Bull in Verbindung. Er soll am Wochenende in einem langen Gespräch mit Christian Horner gesichtet worden sein und die Idee, dass die Österreicher, mangels eigenen guten Nachwuchs, sich eine Verpflichtung von Hamilton vorstellen könnten, ist sicher nicht völlig aus der Luft gegriffen. Dazu kommt, dass er und Adrian Newey eine Freundschaft pflegen. Zumindest heizen die Gerüchte die “Silly Season” kräftig an.

Doch zurück zu Button. Der nutzte den Chrash mit Hamilton und die darauf folgende SC-Phase zu einem Boxenbesuch und holte sich Intermediates. Er blieb bis zur Rennunterbrechung um Mittelfeld, erlaubte sich danach aber den Luxus der Durchfahrtsstrafe und viel auf den letzten Platz zurück. Sein Glück war, dass es erneut eine SC-Phase gab. Sein Abstand zu Vettel betrug 30 Runden vor Schluss rund 12 Sekunden, wuchs aber bis Runde 50, als er schon wieder auf Platz 8 lag, auf 27.893 Sekunden an. In Runde 51 kam er zu seinem letzten Stopp, nahm die SuperSoft, fiel aber nicht zurück sondern reduzierte den Abstand zu Vettel, der später kam, auf 19.691 Sekunden in Runde 54. Rund 10 Sekunden vor ihm kämpften derweil Schumacher und Webber um P2. Die 20 Sekunden hätte er vermutlich nicht mehr aufholen können, hätte es nicht in Runde 58 eine weitere SC-Phase gegeben.

Wichtig war auch, dass er nach dem Restart in Runde 60 sehr schnell an Webber und Schumacher vorbei kam. Wäre er hier hängen geblieben, hätte er Vettel nicht mehr einholen können. Die vielen SC-Phasen haben seine Aufholjagd sicher stark unterstützt, aber es bleibt dabei, dass er vom Ende des Feldes bis zur letzten Runde, fast jeden vor ihm fahrenden Piloten überholen konnte. Sein Sieg war begünstigt durch den Fehler von Vettel, als der in der Schikane leicht auf nassen Teil des Asphalts kam und nicht sauber einlenken konnte, aber er war so knapp dran, dass er auf der Geraden vermutlich eh in DRS-Reichweite gewesen wäre.

Aber trotz allem: Ein sensationelles Rennen von Jenson Button.

Ebenfalls richtig gut unterwegs war Michael Schumacher. Ihm und seinen Mercedes kam das schlechte Wetter zu Gute, man hatte eine Mischabstimmung gewählt und auf etwas höhere Abtriebswerte gesetzt. Schumacher schnitt teilweise wie in seinen besten Zeiten durch das Feld, versuchte sich auf P2 liegend beim Restart sogar kurz an Vettel, der ihn aber auskonterte. Aber mit zwei schnellen Wagen hinter sich war er auf P2 einfach eine “sitting duck”. Ohne DRS, nur mit KERS, konnte er sich gegen Webber einigermaßen wehren, aber auf Dauer war klar, dass beide würde passieren lassen müsse. Für einen Moment dachte ich noch, dass der Taktikfuchs Schumacher Webber extra vorbeilassen würde, um ihn in der letzten oder vorletzten Runde mit DRS dann seinerseits auf der Geraden zu holen, aber Webber schaffte sich auf Slicks genug Polster, um genau das zu vermeiden.

Vettel hat das Rennen aber nicht nur wegen seines Fehlers verloren. Der kam überhaupt erst zustande, weil er sich gegen Button wehren musste. Der Weltmeister gab nach dem Rennen offen zu, dass er zwischen durch nicht aggressiv genug unterwegs war, weil kein Risiko eingehen wollte. Offenbar hatte aber auch der Red Bull Kommandostand die heran rollende Gefahr in Form von Button unterschätzt, sonste hätte man ihm früher ein “Push” gefunkt.

Ferrari, die auf der Strecke ohne Hochgeschwindigkeitskurven, erstaunlich gut aussahen, hatte dann ein desaströses Wochenende. Alonso, dessen Rennen eh etwas zäh lief, schmiss Button die Tür zu, als der in einer Schikane schon neben ihm war. Der F150 blieb auf einem Curb hängen und sah etwas traurig aus. Massa, der etwas besser darauf zu sein schien und das Rennen in Runde 20 sogar mal anführte, hatte etwas Pech. Bis Runde 51 lag er bequem auf P3, dann holte er sich neue Reifen und auf seiner Outlap kam ihm Karthikeyan in die Quere. Der Inder blieb beim Überrunden brav auf seiner Spur, nur ging Massa zum Überholen mit Slicks ins Nasse und drehte sich. Der Ferrari-Mann brauchte eine neue Nase und fiel auf P15 zurück, tobte dann aber durchs Feld und holte, auch begünstigt durch die letzte SC-Phase auf dem Zielstrich noch P6 vor Kobayashi. Der Abstand betrug gerade Mal 0,045 Sekunden.

Während Button, Vettel, Webber, Schumacher und Massa zu glänzen wussten, lief es für andere schlecht. Neben Hamilton war das Wochenende auch für Rosberg, Heidfeld und Sutil eher miserabel. Warum Rosberg nicht Schwung kam ist noch nicht bekannt, er blieb blass im Mittelfeld hängen. Für Heidfeld lief es besser, er hielt Petrov endlich mal hinter sich, blieb aber dann an Kobayashi mit dem Frontflügel hängen, als der aus Turn 2 nicht direkt rausbeschleunigte. Ein unter Fahrern üblicher Trick im Apex nicht Gas zu geben, sondern einen winzigen Moment zu warten, damit der andere vom Gas geht und damit Boden verliert. Heidfeld flog dann mit defekten Flügelwerk ab.

Sutil hatte mal wieder ein schlechtes Wochenende. Paul di Resta hatte ihm in der Quali 5 Zehntel aufgebrummt, im Rennen lief es auch nicht besser. Während Sutil im Mittelfeld rumkämpfte konnte di Resta, auch dank besserer Strategie, teilweise bis auf P5 vorfahren, bevor er sich in Runde 42 seinen Flügel an Wagen von Heidfeld zerstörte. Sutil zerdepperte seinen Flügel ebenfalls und stellte den Wagen dann später nach einem Zweikampf verbogen in der Box ab. Für Sutil wird die Luft langsam dünn, denn zum einen sind seine Rennen in diesem eher schlecht, zum anderen düpiert ihn di Resta an fast jedem Wochenende. Wie lange wird es dauern, bis Vijay Mallya dann Nico Hülkenberg mal ausprobiert?

Kurz zu den anderen:

- Mal wieder Lob für Petrov. Der behielt alle Teile am Auto und blieb auch auf der Strecke. P5 ist ein sehr gutes Ergebnis.

- Beide Toro Rosso in den Punkten. Alguesuari auf P8, Buemi auf P10.

- Endlich mal wieder Punkte für Williams, denn Barrichello kam auf P9. Dennoch enttäuscht der FW33 weiter auf der ganzen Linie.

- Etwas mehr hätte ich mir auch von de la Rosa erwartet, der ja für Perez eingesprungen war. Das war sicher knapp, das Auto nicht auf ihn vorbereitet, aber bei dem Chaos nur P12 ist dann doch etwas wenig. Nebenbei: Esteban Guiterrez, der eigentliche Test/Ersatzfahrer von Sauber, tobte auf Twitter in Mexikanisch, dass er nicht nach Kanada eingeladen worden sei. Das löschte er dann wieder und schrieb, immer noch angesäuert “It’s a shame to hear about Montreal, hope “Checo” gets better, but I never received indication to prevent this situation. I was ready..”

- Luizzi schipperte den HRT auf P13. Vor beiden Virgin und Lotus, die wegen technischer Probleme nicht voran kamen.

In der WM sieht es so aus:

Vettel – 161
Button – 101
Webber – 94
Hamilton – 85
Alonso – 69
Massa – 32
Petrov – 31
Heidfeld – 29
Schumacher – 26
Rosberg – 26

Motorsports: FIA Formula One World Championship 2011, Grand Prix of Canada F1_Kanada_2011_1 Canadian F1 Grand Prix - Race Canadian F1 Grand Prix - Race F1_Kanada_2011_4 Canadian F1 Grand Prix - Race Canadian F1 Grand Prix - Qualifying F1_Kanada_2011_7 F1_Kanada_2011_8 F1_Kanada_2011_9 F1_Kanada_2011_10 F1_Kanada_2011_11 Formula One World Championship, Rd 7, Canadian Grand Prix, Race, Montreal, Canada, Sunday 12 June 2011. Formula One World Championship, Rd 7, Canadian Grand Prix, Race, Montreal, Canada, Sunday 12 June 2011. Formula One World Championship, Rd 7, Canadian Grand Prix, Race, Montreal, Canada, Sunday 12 June 2011. F1_Kanada_2011_15 F1_Kanada_2011_16 Motorsports: FIA Formula One World Championship 2011, Grand Prix of Canada Motorsports: FIA Formula One World Championship 2011, Grand Prix of Canada Canadian F1 Grand Prix - Qualifying Canadian F1 Grand Prix - Race Canadian F1 Grand Prix - Race F1_Kanada_2011_23 F1_Kanada_2011_24 F1_Kanada_2011_25 F1_Kanada_2011_26 F1_Kanada_2011_27 2011 Canadian Grand Prix 2011 Canadian Grand Prix F1_Kanada_2011_30

flattr this!

May 19 2011

17:24

Formel Eins: Vorschau GP Spanien 2011

Das Rennen in Barcelona stand in den letzten Jahren immer treu für eine Sache: gähnende Langweile. Das könnte in diesem Jahr anders sein.

Die Strecke in Barcelone ist auch nach dem Einbau der komplett missglückten Schikane, die zu eng ist und zu weit vor die letzte Kurve platziert wurde, immer noch nicht wirklich gut. Fahrerisch ist sie eher langweilig, es gibt ein paar Ecken (Turn 7 & 9), die durchaus kniffelig sein können. Bekannt ist Barcelona vor allem für zwei Dinge: Schnelle Kurven und die lange Gerade, die eigentlich für gute Überholmanöver stehen sollte. Das könnte in diesem Jahr dank DRS dann auch mal in der F1 klappen, da die DRS-Aktivierung vor der letzten Kurve stattfinden soll und dann knapp 800 Meter reichen wird. Damit kann man sich dann schon vor dem Anbremspunkt zu Turn 1 wieder einsortieren. Ein weiterer Faktor werden die Reifen sein, die in der Vielzahl der schnellen Kurven leiden werden. Allerdings hat Pirelli eine neue harte Mischung mit nach Spanien gebracht, die die Teams in der Türkei im freien Training schon ausprobiert haben. Die könnte aber für weitere Probleme sorgen.

Denn schon in China konnte man sehen, dass die Strecke nur schwer das Gummi aufnahm. Das Phänomen hat man hier und da schon mal gesehen, eine etwas länger haltende harte Mischung, wie sie Pirelli nun dabei hat, könnte das Problem auch in Spanien haben. Die Teams rechnen meist damit, dass eine Strecke das Gummi irgendwann annimmt, was den Reifenverschleiss und die Rundenzeiten verändert. Eine gute mit Gummi ausgestattete Strecke kann durchaus mal 5 Zehntel schneller sein, was die Kalkulation für die Boxenstopps verändert. Geht man am Schluss mit harten Reifen raus, hofft man, dass der Zeitverlust gegenüber jenen Fahrern, die mit “Weich” unterwegs sind, sich einigermaßen in Grenzen hält. Man wird am Freitag und Samstagmorgen sehr genau die Longruns beobachten müssen. DRS und KERS werden in Spanien sicher eine große beim Überholen spielen, aber vor allem der Abbau der weichen Reifen wird wieder für viel Nachdenken sorgen. Drei Stopps sollten, auch wegen der kurzen Ein- und Ausfahrt, auf jeden Fall zu sehen sein.

Auf dem Papier ist Red Bull wieder klar vorne. Nach der dominanten Vorstellung von Vettel in der Türkei und die dann doch eher enttäuschenden Performance von McLaren, sollte man sein Geld vermutlich wieder auf “Blau” setzen. Aber – wie jedes Jahr bringen alle Team jede Menge neuer Teile mit nach Katalonien. McLaren hatte das schon angekündigt, ebenso Mercedes, Sauber und Lotus. Red Bull wird da mit Sicherheit nicht tatenlos zu sehen und vor allem das immer noch kränkelnde KERS verbessert haben. Da Barcelona die Referenzstrecke aller Teams ist und man jede Menge Daten hat, sollten die Updates zumindest hier funktionieren. Das könnte das Feld vorne etwas enger zusammenrücken lassen, aber ob man an Red Bull ran kommt, ist dann wieder etwas anderes.

Ferrari war in der Türkei zumindest im Renn-Trimm dran, weil sie mit den Reifen am Besten umgehen können. Den Angriff auf Platz Eins hatte sich das Team mit einer, kann man nicht anders sagen, bescheuerten Strategie in der Quali vermasselt, als sie Massa ohne Not in Q1 noch mal mit den weichen Reifen auf die Strecke schickten, die dann am Ende im Rennen gefehlt haben. Bei Ferrari ist gerade sowieso Feuer unterm Dach. Der bisherige Chef der Aerodynamik-Abteilung, Marco de Luca, wurde wohl sanft auf einen anderen Posten geschoben, wer da jetzt am Steuer sitzt, ist nicht bekannt, aber könnte sein, dass Nikolas Tombazis (Chefdesigner) oder Pat Fry (Chefingenieur) die Zügel in die Hand genommen haben. Durch gesickert ist auch, dass Ferrari dann doch wieder mit einer kompletten B-Variante des Wagens kommen wird, dieses Mal zum Grand Prix von Kanada.
Verkündet wurde ebenfalls, dass man Fernando Alonso bis 2016 an sich gebunden hat, Montezemolo bestätigte in einem Interview (Link weiter unten) auch, dass Massa 2012 fahren wird. Was Sinn macht, auch wenn im ersten Moment komisch klingt. Aber wen sollten sie holen? Wunschkandidat Kubica ist raus, Rosberg bleibt wohl bei Mercedes, Hamilton und Button sind fest bei McLaren. Beim Nachwuchs drängt sich nur Kobayahsi auf, den man natürlich gerne in einem Ferrari sehen würde. Der eigene Nachwuchs (Bianchi, Bortolotti) ist noch lange nicht so weit. Ungewöhnlich ist die Ankündigung aber schon. Denn zum einen lief der Vertrag von Alonso noch bis Ende 2012 zum anderen pflegt Ferrari seine Fahrerbesetzung immer erst in Monza bekannt zu geben.

Aber, wie man es auch dreht und wendet – ich rechne nicht damit, dass Ferrari oder ein anderes Team in Barcelona an die Red Bull heran kommen wird. Das wäre vielleicht noch der Fall gewesen, wenn es richtig heiss geworden wäre, aber es sind maximal 24 Grad für denn Renntag angesagt, also bestes Motorsportwetter.

Das Mittelfeld spare ich mir diese Woche mal, da gibt es, bis auf ein großes Update bei Sauber, nicht viel zu berichten.

Interessanter wird es dann wieder weiter hinten. Mike Gascoyne hat für Lotus neue Teile angekündigt, die seiner Meinung nach rund eine Sekunde bringen würden. Damit wäre man dann wirklich mittendrin im Mittelfeld und könnte in der Quali sogar Williams oder Toro Rosso unter Druck setzten. Allerdings sind die Schätzungen von Gasconye immer etwas optimistisch, aber der Aufwärtstrend von Lotus ist klar zu sehen.

Weniger gut läuft es bei Virgin. Das “neue” Design (von dem ich immer noch nicht glaube, dass es wirklich neu ist) funktioniert hinten und vorne nicht. Im Grunde hat man keinen Schritt nach vorne gemacht, im Gegenteil. Selbst der runderneuerte HRT, der immer noch auf dem eher unterentwickelten Dallara-Konzept beruht, ist nicht langsamer als die Virgin. Das sieht nicht gut aus für die Truppe, ich glaube auch nicht, dass man in Spanien einen großen Schritt wird machen können. Vielleicht sollte man sich doch mal einen Windkanal mieten.

Spannender als die Rangfolge in der F1 sind gerade auch die Hintergrundgeschichten, die in der F1 los sind. Da wird ja bekanntlich an vielen Fronten gekämpft.

CVC Verkauf
Da gibt es wenig konkrete Neuigkeiten. Offenbar hat die “News Corp.” ihre PR-Veranstaltung auf “sky” erst einmal eingestellt, jedenfalls hatte der Journalist Mark Kleinman in letzter Zeit wenig Neues zu berichten. Das interessantes ist ein Interview, dass Luca di Montezemolo CNN gegeben hat, in dem er sich relativ detailliert zu den Möglichkeiten der Teams äußert. Kurz zusammen gefasst sind in seinen Augen folgende:

1. Man erneuert den Vertrag mit der CVC (das Concorde Agreement) und alles bleibt, wie es ist.
2. Man schließ einen Vertrag mit einem anderen Anbieter, bzw. gründet eine eigene Vermarktungsfirma.
3. Man sucht einen neuen Verwalter, würde dann also Bernie Ecclestone los werden.

Montezemolo favorisiert wohl klar eine Mischung der Varianten 2 und 3. Neue Inhaber, mehr Rechte und Geld für die Teams, neuer Verwalter. Das wird aber so einfach nicht sein, denn laut diverser Gerüchte verschiebt Ecclestone im Moment die Rechte innerhalb seines Firmenimperiums. Er hatte schon vor Wochen gesagt, dass es wohl weniger um eine freundliche Übernahme gehen würde, sondern das da was anderes im Hintergrund kocht. Die italienische Presse spricht schon von einer “Piraten-Serie”, was aber nicht gehen wird, weil die CVC/Eccelstone auf allen Rechten, samt langfristigen Verträgen mit den Kursen sitzt. Passieren wird im Moment aber nichts, nur das Schachspiel ist los gegangen und alle bringen ihre Figuren in die Startposition.

Blown Diffusor
Es gibt jede Menge Gerüchte, dass die FIA so schnell wie möglich die “blown diffusor” verbieten möchte, um die Kurvengeschwindigkeiten runter zu bekommen. Das ist aber nicht so ganz richtig. Der FIA geht es weniger darum, dass die Diffusor generell angeblasen werden, sondern dass Red Bull, Ferrari und Renault Techniken entwickelt haben, die es erlauben, dass der Diffusor auch dann angeblasen wird, wenn man vom Gas wird. Im Grunde hält man einfach automatisch die Drehzahl hoch, so dass die Auspuffgase auch dann weiter auf den Diffusor drücken, wenn man vom Gas geht oder durch eine Kurve fährt. Das kostet jede Menge Sprit, soll aber bis zu 30% der aerodynamsichen Effizienz aus machen.

Der FIA ist der Mehrverbrauch ein Dorn im Auge, außerdem kostet das System wieder Geld. Man wollte dieses nicht durch die Fahrt verursachte Anblasen in Spanien verbieten, hat die Entscheidung aber jetzt in den Juni verschoben, wenn der technische Rat der FIA zusammen kommt. Komplett verbieten kann man das Anblasen eh nicht, dafür müssten die Teams in der Saison ihre Autos komplett umbauen, was keinen Sinn macht.

Adrian Sutil
Fällt unter den Bereich “Gossip”, der hier ja selten zu finden ist. Bekanntermaßen hat es in China eine tätliche Auseinandersetzung zwischen Sutil und Eric Lux von Renault gegeben, bei der der Renault-Mann verletzt wurde. Was auch immer passiert sein soll, Sutil hat wohl Mist gebaut und wird nun von Lux auch rechtlich belangt. Das ist unschön, aber die F1 wäre nicht die F1, wenn es gleichzeitig nicht auf Gerüchte geben würde, dass Force India die Angelegenheit dazu nutzen möchte, Sutil los zu werden. Der tut sich in diesem Jahr sehr schwer gegen den Newcomer Paul di Resta, gleichzeitig hat man mit Hülkenberg einen Mann im Kader, dessen Qualitäten bekannt sind. Angeblich will Mercedes Hülkenberg spätestens 2012 bei Force India einsetzen, man hätte aber auch nichts dagegen, wenn er früher zum Einsatz kommen würde, da man dann sehen könnte, wer das Zeug für ein Mercedes Cockpit hat. Force India hat sich dann beeilt zu sagen, dass man an Sutil festhalten möchte. Wenn ich mich recht erinnere hat man das auch Liuzzi im Dezember 2010 gesagt.

Abschließend noch die Meldung, dass RTL die Übertragungsrechte der F1 bis Ende 2015 gesichert hat. Das wurde heute, etwas überraschend, bekannt gegeben. Überraschend deswegen, weil solche Deals meist erst im Herbst über den Tisch gehen, aber könnte sein, dass Ecclestone auch hier seine Schachfiguren schon mal setzt.

May 09 2011

06:23

Formel Eins: Analyse GP Türkei 2011

Auch wenn vorne alles von Anfang klar war, es war ein sehr abwechslungsreiches Rennen, bei dem man vor lauter Boxenstopps und unterschiedlichen Reifenstrategien etwas den Überblick verlieren konnte.

Sebastian Vettel ist “on the roll”, wie man in England sagt. Vier Rennen, 3 Siege, ein zweiter Platz. Besser kann man eine Saison kaum starten und die Art und Weise wie Vettel in der Türkei seinen Sieg eingefahren hat, war schon bemerkenswert. Im Freitagstraining zerlegte er noch seinen Einsatzwagen und konnte das zweite freie Training nicht fahren. Samstag reichten ihm ein paar Runden im dritten Training, seine Bestzeit in der Quali fuhr er mit nur einem Versuch und haute seinem Kollegen gleich noch 4 Zehntel aufs Dach. Schon das zeigte, dass er trotz des Unfalls sein Selbstbewusstsein nicht verloren hatte. Im Rennen hatte er dann weniger Probleme. Dafür war hinter ihm die Hölle los. Ferrari, McLaren und Mercedes wechselten die Postionen, wie manche Politiker ihre Meinung vor einer Wahl. Ferrari war dabei erstaunlich stark.

Am Start setzte sich Vettel auf der sauberen Linie locker durch, während Webber neben ihm auf der schmutzugen Seite kaum voran kam. Das erlaubte Rosberg sich zwischen die beiden Red Bull zu quetschen, während Webber noch sehen musste, dass Hamilton nicht noch durch schlüpfte. Der übertrieb es aber etwas, und musste im Zuge auch noch Alonso und Jenson Button vorbei lassen. Zwischen den beiden McLaren-Männern entwickelte sich daraufhin ein sehr herzhaftes Duell über mehrere Runden. Martin Whitmarsh beklagte nach dem Rennen zwar ein wenig, dass derartige Duelle viel Zeit kosten, aber auf der anderen Seite sei das eben auch die Art, wie man Motorsport betreiben würde. Eine schöne Einstellung, zu dem hätte es auch nichts geändert, wenn man Button oder Hamilton eingebremst hätte. Denn McLaren war in der Türkei einfach nicht gut drauf. Hatte man vor drei Wochen in China noch den schnellsten Wagen, hatte sich die Sache in der Türkei geändert. Schuld daran waren, so Withmarsh, dass man nicht alle Updates dabei hatte, die man gerne eingesetzt hätte.

Tatsächlich sah es aber so aus, als habe man eher Probleme mit den Reifen gehabt. Die weichen Reifen hielten auf dem Wagen nicht sonderlich lange, Hamilton wurde per Funk angewiesen, dass er besondern im langen Turn 8 aufpassen sollte, da die Reifen zu sehr abbauen würden. Button erging es nicht anders, was dann dazu führte, dass die McLaren recht schnell an die Box kommen mussten. Immerhin splittete McLaren die Strategie um möglichst viel aus dem Rennen noch rausholen zu können. Hamilton wurde, wie fast alle andere, auf eine 4-Stopp-Strategie angesetzt, bei Button versuchte man es mit drei Stopps, was sich am Ende als keine gute Idee herausstellte, da er noch von Rosberg aufgeschnupft wurde.

Aber egal, wie sehr sich McLaren auch anstrengte, an Ferrari kam man überraschenderweise nicht heran. Alonso hatte einen brauchbaren Start und profitierte vom Fehler von Hamiliton, der ihn hinter Webber und Rosberg brachte. Aber dort war für ihn nicht Schluss. Der Ferrari ging mit vollen Tanks und weichen Reifen extrem gut und er ließ die beiden vor ihm nicht wegfahren. Massa steckte im Verkehr, zeigte aber auch eine ansprechende Leistung und hatte einige spannende Zweikämpfe. Es war aber Alonso, der sich im Rennen zu einer echten Gefahr für die Red Bull entwickelte. Gegen Mitte des Rennens schnappte er sich, etwas überraschend, Webber auf Platz 2 und machte Jagd auf Vettel. Der konterte aber die Zeiten des Spaniers, gleichzeitig ließen die Reifen am Ferrari keine besseren Zeiten mehr zu. Alonso meinte nach dem Rennen, dass er vielleicht Vettel hätte unter Druck setzen können, wenn er am Start weiter vorne gestanden hätte. Ich bezweifel das, da Vettel während des gesamten Rennens eigentlich nie richtig pushen musste. Das zeigte sich bei den Rundenzeiten, wo Webber zwei Zehntel als Vettel war. Der Deutsche hätte also deutlich zulegen können.

Während Ferrari wie Phönix aus der Asche aufstieg, ging Mercedes im Rennen ein wenig unter. Rosberg konnte seinen zweiten Platz nur kurz halten, da seine weichen Reifen wohl anfingen sich aufzulösen. Man beschloss Rosberg zweimal hintereinander auf harte Reifen zu setzen um einerseits kein Risiko einzugehen, andererseits hatte man eh nur noch einen Satz weichen Reifen, den man sich für das Ende aufsparen sollte. Rosberg war damit zur Mitte des Rennens ziemlich chancenlos und musste die McLaren und Massa ziehen lassen. Eine Zeit lang lagen sogar die Renault vor ihm. Da Massa zweimal Probleme an der Box hatte, konnte sich Rosberg vor ihm halten. Ohne dessen Probleme wäre Massa vor ihm gewesen. Miserabel lief es mal wieder für Schumacher. Er kam zwar gut weg und lag vor beiden Renault, doch Petrov war Ende der langen Geraden neben ihm und klar vorbei, als Schumacher sich wehrte. Petrov rasierte Schumacher den Frontflügel ab und der Deutsche bog direkt in die Box ab, was sein Rennen zerstörte. Zwar wäre am Ende vermutlich auch nicht mehr als P7 raus gekommen, aber immerhin wären das Punkte gewesen. Erstaunlich war nicht nur die schlechte Form von Schumacher, sondern auch der schlechte Rennspeed des Wagens. In China sah das noch anders aus, vermutlich hat der Mercedes ein ähnliches Problem wie der McLaren, dass er die Reifen zu schnell auffrisst. Dennoch war die Fahrt von Schumacher im Bereich “unschön”. Die Gerüchte, dass Mercedes sich spätestens im Herbst nach einem neuen Fahrer neben Rosberg umsehen möchte, werden immer dichter.

Weiter hinten lagen dann die Renault. Die Euphorie nach den Tests ist längst vergangen, dem Wagen fehlt es grundsätzlich an Speed und man kann auch nicht erkennen, dass es einen Vorwärtstrend gibt. Heidfeld prügelte sich das gesamte Rennen mit Petrov, der ihn teilweise schlecht aussiehen ließ. Zwar schnappte sich der Deutsche gegen Ende seinen Teamkollegen, aber das brachte ihm dann auch nicht mehr viel. Renault hat ein wenig den Anschluss an die vier Top Team verloren und muss sehen, dass man irgendwie wieder ran kommt.

Einen Lichtblick hatte Williams. Barrichello hatte die Top 10 nur knapp verpasst, im Rennen lief es aber nicht ganz so gut. Der Rennspeed des FW33 ist auch noch nicht da, wo er sein sollte, weswegen Barrichello mit stumpfen Waffen kämpfte und am Ende auf Platz 15 landete. Deutlich besser lief es für Kamui Kobayashi im Sauber. Dessen Einspritzpumpe hatte in der Quali versagt und er musste von ganz hinten starten. Nach einer halben Runde war er auf P19, danach sammelte er einen nach dem anderen ein. Gegen Ende wurde es zwar auch für ihn zäh, aber immerhin schob er sich auf Platz 10 vor. Eine starke Leistung. Ich bin mir sicher, dass der Japaner im nächsten in einem deutlich besseren Wagen sitzen wird. Ein Kandidat für Renault oder Mercedes ist er alle Mal.

Sebastian Buemi muss man auch erwähnen. Der Schweizer fuhr ein unauffälliges Rennen, kam aber aber am Ende auf P9 ins Ziel, weil er mit einer Drei-Stopp-Strategie unterwegs war. Sein Kollege Alguersuari kämpfte lange mit Schumacher um den sagenhaften Platz 11, muss aber am Ende einen Fehler drin gehabt haben, denn er taucht in der Wertung nur auf P16 auf.

Ein gutes Rennen zeigten die Lotus. Kovalainen spülte es zwischenzeitlich bis auf P12 nach vorne, doch am Ende zog der Rest des Feldes doch wieder vorbei. Zwar verbessert sich Lotus kontinuierlich, aber vom Mittelfeld ist man immer noch etwas entfernt. Auf der anderen Seite: Im Rennspeed ist der Lotus nur rund 3 Sekunden langsamer als die Spitze, was kein schlechtes Zeichen ist, und zeigt, wie eng es im Rennen zu geht.

Völlig es Chaos herrscht bei Virgin. Das Update funktioniert hinten und vorne nicht und Glock konnte das Rennen gar nicht erst starten, weil sein Getriebe in der Einführungsrunde kaputt gegangen ist. Pech, aber es zeigt auch, wo Virgin steht. D’Ambrosio rettet das Wochenende, weil er sich vor den HRT halten konnte.

Es war ein sehr abwechslungsreiches Rennen. Es gab irrsinnig viele Überholmanöver und über 80 Boxenstopps. Zwischenzeitlich verlor man ein wenig den Überbblick, wer denn jetzt eigentlich wo lag. Und das ging den Zuschauern zu Hause so, die auf das Livetiming und die Kommentatoren zurückgreifen konnten. An der Strecke war man als Zuschauer vermutlich relativ aufgeschmissen.

Dass DRS funktionierte offenbar bei allen ausnahmsweise gut und man sah dank des Systems auch etliche Überholmanöver. Allerdings – eventuell hat die FIA die Sache mit dem Überholen etwas übertrieben. Die Kombination aus DRS, KERS und den Reifen macht die Sache etwas zu leicht. Rosberg war völlig chancenlos, als Webber an ihm vorbei ging und der konnte nichts machen, als Alonso an ihm vorbeiflog. Nun mag die Strecke in der Türkei wegen des hohen Reifenverschleiss etwas besonderes sein und man sollte nach all den langweiligen Jahren in der F1 vielleicht vorsichtig sein. Aber ein bisschen weniger wäre vielleicht nicht schlecht und hätte dann auch wieder mehr mit Motorsport zu tun. Auf der anderen Seite müssen sich die Teams an die neuen Regeln eben auch etwas besser anpassen. DRS und KERS half Webber überhaupt nicht, als er hinter Rosberg steckte. Erst als dessen Reifen aufgaben, kam Webber leichter vorbei.

Aber vermutlich würde es der Konkurrenz auch nicht helfen, wenn man das DRS jederzeit einsetzen könnte. Vettel fährt im Moment in einer eigenen Liga. Er hätte 100 Punkte auf seinem Konto, wenn Red Bull in China nicht den leichten Strategiefehler gemacht hätte. Die Dominanz erinnert im Moment an die Saison 2009, als Jenson Button im BrawnGP alles in Grund und Boden fahren konnte. Im Gegensatz zu Brawn damals hat Red Bull aber die Ressourcen vorne bleiben zu können und hinzu kommt, dass sich McLaren, Ferrari und Mercedes gegenseitig die Punkte wegnehmen. Im Moment scheint Red Bull unschlagbar zu sein, aber das kann ich in der F1 bekanntlich ja an jedem Wochenende ändern.

F1 Grand Prix of Turkey - Race F1_Race_Tur_2011_24 F1_Race_Tur_2011_22 F1_Race_Tur_2011_1 F1_Race_Tur_2011_2 F1_Race_Tur_2011_3 F1_Race_Tur_2011_4 F1_Race_Tur_2011_5 FORMULA 1 / DHL TURKISH GRAND PRIX F1_Race_Tur_2011_7 Formula One World Championship, Rd 4, Turkish Grand Prix, Race, Istanbul Park, Turkey, Sunday 8 May 2011. Formula One World Championship, Rd 4, Turkish Grand Prix, Race, Istanbul Park, Turkey, Sunday 8 May 2011. Formula One World Championship, Rd 4, Turkish Grand Prix, Race, Istanbul Park, Turkey, Sunday 8 May 2011. Formula One World Championship, Rd 4, Turkish Grand Prix, Race, Istanbul Park, Turkey, Sunday 8 May 2011. F1_Race_Tur_2011_12 F1_Race_Tur_2011_13 Motorsports: FIA Formula One World Championship 2011, Grand Prix of Turkey Motorsports: FIA Formula One World Championship 2011, Grand Prix of Turkey Motorsports: FIA Formula One World Championship 2011, Grand Prix of Turkey F1 Grand Prix of Turkey - Race F1 Grand Prix of Turkey - Race F1 Grand Prix of Turkey - Race F1 Grand Prix of Turkey - Qualifying F1_Race_Tur_2011_23 F1_Race_Tur_2011_25 2011 Turkish Grand Prix F1_Race_Tur_2011_27 2011 Turkish Grand Prix F1_Race_Tur_2011_29 F1_Race_Tur_2011_30

May 05 2011

16:31

Formel Eins: Vorschau GP Türkei 2011

Zum vermutlich vorerst letzten Mal absolviert die Formel Eins in der Türkei einen Grand Pirx. Das ist ein wenig schade, denn die Strecke gehört zu den Besten, die es im Kalender gibt.

Es war relativ ruhig in den drei Wochen Pause, was vermutlich auch daran lag, dass man zu Hause in den Werkstätten fieberhaft gearbeitet hat. Es wird erwartet, dass fast alle Teams, mit Ausnahme von Toro Rosso, mit sehr vielen neuen Teilen im Gepäck starten werden. Richtig viel gearbeitet wurde bei Ferrari, wo der Haussegen nach dem verpatzten Start mal wieder schief hängt. Offenbar liegen die Probleme bei den Italienern gleich auf zwei Ebenen. Zum einen hat im Winter Probleme mit dem Windkanal gehabt, nach dem man von einem 50% auf ein 60% Modell umgestiegen ist. Zum anderen hat man erkannt, dass man einfach nicht aggressiv genug gewesen ist, verglichen mit der Konkurrenz von McLaren und Red Bull. Das dann doch sehr konservative Design bietet wenig Fehlermöglichkeiten, führt aber auch dazu, dass man es nur schlecht verbessern kann. Jetzt muss man sehen, wie das hin bekommt, ohne einen neuen FIA-Chrash Test haben zu müssen, was einige Zeit in Anspruch nimmt. In der Türkei versucht man erst einmal mit neuen Front- und Heckflügeln. Aber die anderen Teams haben ja auch nicht geschlafen.

Red Bull hat laut Helmut Marko die Überhitzungsprobleme des KERS in den Griff bekommen. Der RB7 litt unter unter den aerodynamisch zwar guten, aber eben auch zu kleinen Seitenkästen. Offenbar hat man die Batterie nun Richtung Getriebe verlegt, wie sich das System dann im Rennen schlagen wird, ist dann wieder eine andere Frage. Auch in Aerodynamik soll es kleinere Updates geben.

Bei McLaren fummelt man weiter am Auspuff und der Bodenplatte herum. Nachdem man alle “exotischen” Lösungen kurz vor dem Saisonstart verworfen hatte, der Wagen aber auch mit der konservativen Auspufführung extrem schnell ist, hat man sich wieder an den Auspuff gewagt. Offenbar hat man die blown diffusor Variante verbessert, ebenso den Unterboden. Der McLaren ging in der Vergangenheit in der Türkei immer recht gut, er sollte auch in diesem Jahr die Red Bull unter Druck setzen können.

Wie es dann dahinter aussieht ist schwer zu sagen. Renault hatte ein desaströses Wochenende in China, während man in der Woche zuvor die Konkurrenz unter Druck setzen konnte. So richtig klar ist es nicht, warum der Renault in China nicht funktioniert hat, aber die schnellen Kurvenpassagen in der Türkei sollten eigentlich wieder passen.

Genau anders herum war es bei Mercedes, wobei die ihre verbesserte Form auf die Updates zurückführen, die man in China dabei hatte. Die Deutschen haben die letzten Wochen vor allem daran gearbeitet, die technischen Probleme bei KERS und dem DRS-System in den Griff zu bekommen. Auch war man ja lange mit einem recht einfachen Frontflügel unterwegs, aber auch hier will man nachlegen. Jedenfalls dürfte das Rennen zwischen Renault, Mercedes und Ferrari in der Türkei sehr eng werden.

Bei den Teams im Mittelfeld hatte Sauber bisher den besten Speed, knapp gefolgt von Force India. Beide bringen ebenfalls Updates mit und hoffen einen Schritt nach vorne gemacht zu haben. Bei den Indern mangelt es ja nicht an Rennspeed, nur in der Quali ist man schwach, was dann wieder zu den Problemen im Rennen führt. Von den Rundenzeiten her liegt man gut, man muss nur versuchen, die Reifen etwas schneller auf Temperatur zu bekommen.

Bei Toro Rosso ging es auch viel hoch und runter, das enge Budget erlaubt es ihnen aber nicht bei jedem Rennen eine Vielzahl von neuen Teilen anzuschleppen. Offenbar bleibt der Wagen bis Monaco unverändert, was sich auf die Performance niederschlagen könnte. Denn von hinten naht durchaus Lotus, deren Wagen komischerweise bei niedrigen Temperaturen aber nicht so gut funktioniert.

Williams ist das große Fragezeichen. Noch-Team-Director Sam Michael spricht davon, dass man vermutlich nur ein paar kleine Änderungen am Wagen benötigt, damit der FW33 gut läuft, aber mittlerweile glaube ich das nicht mehr. Der Abstand nach vorne beträgt satte 2.5 Sekunden, die bekommt man nicht mit ein paar neuen Aero-Teilen wieder in den Griff. Barrichello schimpfte schon bei den ersten Tests über die Unfahrbarkeit des Wagens, da scheint ein grundsätzliches Problem mit der Aufhängungsgeometrie vorzulegen. Immerhin bringt man einen neuen Heckflügel mit.

Virgin kündigt seit einigen Tagen per Twitter an, dass man den Wagen einem “großen Update” unterzogen hat, und dass man überhaupt die ganze Technik-Abteilung umkrempelt. Im Grunde ist der “neue” Virgin auf dem Stand vom letzen Jahre, nur soll er noch schlechter zu fahren sein, wenn man dem mittlerweile ziemlich frustrierten Timo Glock glauben darf. Mal sehen, was die Engländer da noch aus dem Hut zaubern, immerhin lief der Wagen in den Rennen nicht schlecht, wenn auch weit weg vom Mittelfeld. Was auch für HRT gilt, aber da wird sich wohl auch so schnell nichts ändern.

Strecke und Strategie
Der Kurs ist grandios, vor allem die legendäre Kurve 8, eine dreifach-Links, die voll gefahren werden kann. Das besondere in diesem Jahr wird sein, wie die Pirelli die Kurve vertragen. Der Reifenhersteller hatte ihr extra getestet, damit beim Rennen alles gut geht, aber unterschiedliche Chassis mit verschiedenen Sturz- und Luftdruckwerten sind immer noch schwer einzuschätzen. Pirelli hat ausgerechnet, dass die Kurve für 40%(!) des gesamten Reifenverschleiß in einer Runde zuständig ist. Das bedeutet auch, dass in der Kurve mit nachlassenden Reifen extrem viel Zeit verlieren kann. Die Pirelli lösen sich zwar nicht auf, bauen aber so ab, dass der Wagen ordentlich ins Rutschen kommt, was in der Kurve nun überhaupt nicht haben kann.

Das wird sich auf die Strategie niederschlagen. Alles andere als eine Drei-Stopp-Strategie wäre eine Überraschung, selbst für Sauber, die ja sehr schonen mit den Reifen umgehen. Die Frage ist aber auch, wann man seine Stopps setzt. In der Anfangsphase, wenn die Tanks voll sind, ist die Belastung auf die Reifen höher, man neigt also dazu, einen kurzen ersten Stint zu fahren. Doch danach wird es interessant, denn wer am Ende die frischeren Reifen hat, könnte selbst mit viel Abstand noch ganz nach vorne fahren.

DRS gibt es auch wieder, gemessen wird am Anbremspunkt nach der Kurve 8, was etwas unglücklich ist, weil man meist Abstand halten muss um die Passage gut nehmen zu können. Aktiviert wird das DRS vor dem Knick auf der langen Gegengerade (siehe Grafik), was aber auch die beste Überholstelle ist.

Die Übertragungszeiten sind endlich mal wieder wie man es gewohnt ist, das Wetter allerdings nicht. Die Chancen, dass es am Freitag regnet, stehen nicht schlecht, auch am Samstag könnte es noch nass sein. Für Sonntag sind (im Moment) die Prognosen so, dass es trocken bleibt. Die Temperaturen sollen zwischen 15 und 22 Grad liegen, also eher kühl.

April 11 2011

06:19

Formel Eins: Analyse GP Malaysia 2011

Es gab keinen Regen in Sepang und so konnten die Teams zum ersten Mal sehen, wo ihre Wagen wirklich stehen. Und das Ergebnis wird den meisten nicht gefallen. Red Bull ist dagegen selbst ohne KERS nicht zu schlagen.

Als Sebastian Vettel nach dem Rennen aus dem Wagen, war er nass geschwitzt, aber nicht er sah relativ frisch aus. Nach 56 Runden bei brütender Hitze schien er locker, gelöst und freudig entspannt. Kein Wunder, zum einen hatte er gerade das Rennen gewonnen, zum anderen gab im Rennen keinen Moment, in dem er nicht Herr der Lage war. Vettel cruiste zwar nicht zum Sieg, dafür musste er zu sehr auf Reifen und Konkurrenz aufpassen, aber wie viel Luft er noch nach oben hatte, zeigt ein Rundenzeitenvergleich mit Mark Webber, der seinen RB7 wegen des schlechten Starts deutlich mehr ausquetschen musste. Während Vettels beste Rundenzeit eine 1.41.539min war, zeigte Webber in Runde 46 mit neuen Reifen und leeren Tank eine 1.40.571min. Wohl gemerkt ohne KERS, das wäre also noch schneller gegangen. Vettel hätte also deutlich zulegen können. Die Konkurrenz hält sich mit Durchhalteparolen über Wasser.

Erstaunlicherweise lief es für Ferrari im Rennen besser, als in der Quali. Massa und Alonso waren auf einer eher konservativen Dreistopp-Strategie, die ziemlich identisch mit der von McLaren und Renault war. Auch was die Rundenzeiten anging, lag Ferrari plötzlich auf der Höhe von McLaren, wie die Rundenzeiten der FIA zeigen (pdf)

Als Beispiel habe ich mal ein paar Runden aus dem ersten Drittel des Rennens genommen, also als die Tanks noch gut gefüllt waren und die Reifen stärker gefordert waren. Sowohl Hamilton, als auch Alonso hatten weiche Reifen drauf:

HAM
14 1:45.676
15 1:44.079
16 1:45.445
17 1:44.102
18 1:43.388
19 1:43.304
20 1:43.299
21 1:42.919
22 1:42.966
23 1:43.009

ALO
16 1:44.128
17 1:44.478
18 1:43.511
19 1:42.602
20 1:42.739
21 1:43.121
22 1:43.012
23 1:43.042
24 1:43.360
25 1:43.496

Die Unterschiede sind recht klein, sieht man mal von der 1:45er Runde von Hamilton ab, die vermutlich mit einer Überrundung zusammen hängen. Interessant auch ein Vergleich mit Heidfeld:

HEI
15 1:45.316
16 1:45.109
17 1:44.767
18 1:44.399
19 1:43.832
20 1:43.531
21 1:43.204
22 1:47.084
23 1:43.586
24 1:44.136
25 1:44.677

Renault hat also noch etwas Arbeit vor sich, so ganz kann man nicht mithalten. Vor allem verliert man viel Zeit, bis die Reifen auf Temperatur sind, insgesamt hat man nicht ganz den Speed von McLaren oder Ferrari. Dennoch lieferte Heidfeld ein sehr gutes Rennen ab. Allein sein Start war sensationell, vielleicht wäre sogar der zweite Platz drin gewesen, wenn beim ersten Stop nicht etwas schief gegangen wäre. Heidfeld fuhr souverän und abgeklärt, seine Rundenzeiten blieben auch mit abbauenden Reifen konstant gut und er ließ sich am Ende auch nicht vom heranstürmenden Webber außer Ruhe bringen und nutzte sein KERS geschickt, so dass Webber keine echte Chance hatte. Zumindest hat er gezeigt, dass er es noch drauf hat und der dritte Platz ist die gerechte Belohnung für ein gutes Rennen.

Ferrari hat wiederum im Rennen die Möglichkeit, aus eigener Kraft aufs Podium zu kommen, aber wegen der schlechten Performance in der Quali muss man sich immer an McLaren und Renault vorbeischieben, was nicht geht, ohne die Reifen hoch zu belasten. Hätte Alonso weiter vorne gestanden, wäre auch Platz 2 drin gewesen. Man weiß also was geht, aber Ferrari wirkt nicht so, als würde man sich klaren darüber sein, wie man das Problem angehen soll. Massa meinte nach dem Rennen wenig diplomatisch

“We definitely have to improve the car, but it’s equally true that our race pace is very
different to our performance in qualifying. That’s a positive, but we know that grid position is
nevertheless very important, so we have to move forward on this front.”

McLaren hat derweil mit dem Reifenverschleiss zu kämpfen. Sowohl Button als auch Hamilton kamen von allen Topteams als erste zum Stopp und fuhren auch nur einen kurzen zweiten Stint. Danach schonte man die Reifen etwas mehr, aber sowohl Button als auch Hamilton hatten den längsten letzten Stint, der bei Hamilton dann wegen des Unfalls mit Alonso verkürzt wurde.

Die FIA belegt Hamilton nach dem Rennen mit einer 20 Sekunden Strafe, weil er zweimal die Linie gewechselt hatte, als Alonso vorbei wollte. Der Spanier bekam aber auch die gleiche Strafe, weil er Hamilton beim Überholmanöver berührt hatte. Die letzte Strafe empfinde ich als Quatsch, weil es ein reiner Rennunfall war und nicht absichtlich geschah. Zu dem bestrafte sich Alonso damit selber schwer. Immerhin – an seinem Ergebnis ändert sich deswegen nichts, nur Hamilton fiel einen Platz hinter Kobayashi zurück.

Das Ferrari und McLaren mit dem Ergebnis nicht zufrieden sind, ist klar. Aber viel schlimmer ist aber die Tatsache, dass man null Chancen auf einen Sieg hat, wenn die Red Bull keine technischen Probleme haben. Deutlich wird die Überlegenheit von Red Bull auch, wenn man sich das Rennen von Mark Webber ansieht. Am Start versagte sein KERS, was auch über das Rennen nicht mehr starten wollte. Die Konkurrenz flog an ihm vorbei und er war nur auf P10 nach der ersten Runde. Dann lieferte er sich ein herzerfrischendes Duell mit Kobayashi, der Webber auf jeder Gerade stehen ließ, bevor sich Red Bull entschloss den Australier früh reinzuholen. Er fiel bis auf Platz 17 zurück, erlaubte sich als einziger eine 4-Stopp-Strategie und hätte sich am Ende fast noch den dritten Platz geholt. Selbst Button wäre noch in Reichweite gewesen, wenn das Rennen nicht zu Ende gewesen wäre. Und durch den vierten Stopp hatte Webber noch einmal rund 21 Sekunden verloren.

Besonders ernüchternd war das Rennen für Mercedes, die mit sehr großen Sorgen abreisen. Der Rennspeed des Wagens ist schlicht unterirdisch und man liegt hinter Red Bull, McLaren, Ferrari und Renault. Und zwar deutlich. Schumachers Zeiten:

MSC
16 1:45.112
17 1:45.604
18 1:44.639
19 1:44.305
20 1:44.212
21 1:43.910
22 1:44.316
23 1:44.344
24 1:44.852
25 1:45.414
26 1:44.878
27 1:45.971

Der Abstand zu Ferrari und McLaren beträgt über den Daumen gepeilt eine bis 1.5 Sekunden im Rennen. Allerdings muss man dazu erwähnen, dass Mercedes auch Fehler bei der Strategie machte. Man spekulierte darauf, dass es regnen würde, und ließ Schumacher etwas länger draußen, als es gut war. Das bedeutete, dass seinen sechsten Platz verlor und sich im Mittelfeld wieder fand. Sein Weg zurück in die Punkte war hart und blieb fast unbemerkt. Wie schlecht der MGP02 zurzeit läuft konnte man an Rosberg sehen, der einen katastrophalen Start hatte und im hinteren Mittelfeld stecken blieb. Während sich Mark Webber aus der schlechten Position mit guten Rundenzeiten retten konnte, blieb Rosberg einfach stecken. Er hatte einfach nicht den Wagen um sich lösen zu können und blieb im Rennen blass. Da wartet viel, viel Arbeit auf Mercedes, die mit zu schnell abbauenden Reifen zu kämpfen haben. Das Mindestziel müsste lauten, dass man auf Augenhöhe mit Ferrari und McLaren ist, aber das wird schwer werden.

Zwei Teams sollte man noch erwähnen. Force India schnappte sich dank des spektakulären Aussetzers von Petrov (Flugeinlage galore) mit Paul di Resta einen Punkt. Der Schotte sicherte sich P10 mit einem unauffälligen Rennen und sehr konstanten Rundenzeiten. Adrian Sutil kam nur auf P11, was auch daran lag, dass er in der Quali hinter Di Resta gelandet war. Dennoch ein sehr gutes Ergebnis für die Inder, deren Wagen ja nicht der schnellste ist. Immerhin ließ man auch die weiter vor ihnen gestarteten Toro Rosso hinter sich, die im Rennen mit zu schnell abbauenden Reifen zu kämpfen hatten und chancenlos waren.

Desaströs und katastrophal ist die Lage bei Williams. Der Speed, den Barrichello zeitweise in Australien noch zeigte, war in Sepang zu keiner Zeit. Man scheiterte um ein Haar mit beiden Wagen in Q3, im Rennen ging überhaupt nichts. Barrichello hatte in der ersten Runde eine Berührung, die seinen Hinterreifen und wohl Teile der Hydraulik beschädigte. Maldonado stellte den FW33 schon nach 8 Runden ab, weil der Motor Fehlzündungen hatte. Schlechter kann ein Rennen kaum laufen, deprimierend war auch der mangelnde Speed des Williams.

Ganz hinten zeigte immerhin Lotus, dass man noch Potential hat. Kovalainen landete dank der vielen Ausfälle auf P15, war aber nur 0,5 Sekunden hinter Alguersuari im Toro Rosso, was ein wirklich gutes Ergebnis ist. Virgin fuhr ein eigenes Rennen und schaute, dass man nicht im Weg rumstand. HRT verlor beide Wagen mit technischen Problemen.

Insgesamt ein interessanter, aber nicht weltbewegender Grand Prix, der zeigte, wo die Teams stehen. Es wird, je nach Asphalttemperatur, sicher Verschiebungen geben, aber die Abstände im Rennen sind teilweise schon erstaunlich. Red Bull nutzte das KERS mehr oder weniger nur am Start, man braucht das System dort, aber ansonsten nicht wirklich. Der Abtrieb des RB7 ist so hoch, dass man die Zeit in den schnellen Kurven holt.

Die nächsten zwei Rennen sind mit China und vor allem der Türkei wieder Strecken, die über viele schnelle Passagen verfügen. Red Bull wird sich nur selbst schlagen können, und die Chance, dass Vettel weitere Siege einfahren wird, ist sehr groß. Im Rennen gibt es im Moment kein Team, das die Österreicher schlagen kann.

Malaysian F1 Grand Prix - Race F1_Quali_MAL_2011_19 F1_Quali_MAL_2011_18 F1_Quali_MAL_2011_17 F1_Quali_MAL_2011_16 F1_Quali_MAL_2011_15 F1_Quali_MAL_2011_14 Motorsports: FIA Formula One World Championship 2011, Grand Prix of Malaysia Motorsports: FIA Formula One World Championship 2011, Grand Prix of Malaysia Malaysian F1 Grand Prix - Race Malaysian F1 Grand Prix - Race Malaysian F1 Grand Prix - Qualifying F1_Quali_MAL_2011_8 F1_Quali_MAL_2011_7 F1_Quali_MAL_2011_6 F1_Quali_MAL_2011_5 F1_Quali_MAL_2011_4 F1_Quali_MAL_2011_3 F1_Quali_MAL_2011_2

April 09 2011

16:32

Formel Eins: Quali-Analyse GP Malaysia 2011

Wenn es geregnet hätte, dann wäre der Text wohl nicht entstanden. Aber so hatte die Formel Eins endlich ihren ersten richtigen Vergleichstest auf einer Standard-Strecke.

Überraschend ist das Ergebnis nicht, wenn man sich nur die Positionen auf dem Papier anschaut. Doch ein Blick auf die Zeiten verrät das ganze Glück und Elend der Top 5 Teams. Das Vettel es so schwer haben würde den RB7 auf Pole zu stellen, war über das Wochenende nicht zu erahnen. Zwar war McLaren in allen freien Sessions durchaus auf Augenhöhe mit den Red Bull, doch die hatten immer einen relativ schwachen zweiten Sektor. Und genau dort ist der Bereich mit den schnellen Passagen, bei dem sich die Tankfüllung besonders bemerkbar macht. Die Vermutung war, dass die Bullen ihre schnellen Zeiten immer noch mit jede Menge Sprit im Tank gefahren haben. Das stimmte wohl auch, doch am Ende kam raus, dass McLaren genauso gepokert hatte. Hamilton und Vettel waren quasi gleich schnell.

Die Zehntelsekunde, die Vettel dem McLaren abgenommen hat, ist nicht der Rede wert. Der Abstand zwischen beiden Teams ist derartig gering, dass er zumindest auf einer schnellen Runde und bei diesen Temperaturen nicht messbar ist. Wie das auf den Long Runs aussieht, wird man sich morgen anschauen lassen. In den Trainings schauten die Red Bull etwas besser aus, wenn man sich die Menge der Runden anschaut, in denen sie konstant unterwegs waren. McLaren konnte eine gewisse Zeit mithalten, hatte aber schneller Probleme mit den Hinterreifen. Auf die Distanz gesehen sollte Red Bull also auf dem Papier besser sein, aber viel wird auch davon abhängen, wie der Start verläuft. Vettel hat in den letzten Rennen (auch 2010) immer sehr saubere Starts hinbekommen, aber ab und hakt es eben auch mal. Das sieht man bei Hamilton ganz selten. Zudem ist die Strecke zu breit und es gibt zwei Linien in die Schneckenkurve rein. Man kann Außen abdecken, was einem dann im weiteren Verlauf hilft, oder innen, was dem Gegner zwingt es außen herum zu versuchen. Die Sache ist auch nicht beendet, bis man Turn 4 erreicht, erst da gibt es wirklich nur eine Linie.

Das Button etwas langsamer als Hamilton ist kennt man ja, sollte aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass er ein ernsthaft Siegkandidat ist. Wenn er nicht hinter Webber kleben bleibt, kann er reifenschonender hinter den beiden Führenden fahren und versuchen etwas Zeit zu schinden. Unmöglich ist das nicht, zu Mal seine Rennpace auch nicht schlechter ist, als die von Vettel oder Hamilton. Sollten die beiden sich vorne in einen Kampf verzahnen, steigen die Chancen des Weltmeisters von 2009.

Webbers Abstand zu Vettel ist mir mit 3 Zehnteln etwas zu groß, aber in Australien hatte er ja auch schon Probleme. Vielleicht hat er einfach noch Probleme, sich mit dem neuen RB7 anzufreunden, oder der Wagen passt hinten und vorne nicht auf seinen Fahrstil. Schon bei den Tests sind mir seine teilweisen bescheidenen Zeiten aufgefallen, irgendwie schafft es Webber bisher nicht, den Wagen so auszuquetschen, wie man das von ihm gewöhnt ist. Er wird versuchen den dritten Platz zu retten, es sei denn, er kann sich beim Start sogar an Hamilton vorbeiquetschen, was nicht unmöglich ist, weil der Brite auf der schmutzigen Seite starten muss.

Geradezu ernüchternd ist das Ergebnis von Ferrari. Eine knappe Sekunde hat Vettel den Italienern aufgebrummt, selbst der “langsame” Webber war noch 0,6 Sekunden schneller. Der F150 ist langsam und geht zu aggressiv mit den Reifen muss. Alonso ist das, was man eine “sitting duck” nennt – er kann sich nicht wehren. Nach vorne wird morgen nichts gehen und er muss höllisch auf Heidfeld und Petrov aufpassen. Die Long Runs der Renault am Freitag waren außerordentlich gut, Petrov hat schon in Australien gezeigt, dass der Renault schnell genug ist, um einen Ferrari mit frischeren Reifen einigermaßen auf Distanz zu halten. Ein Podium wird für Renault diesmal nach Lage der Dinge nicht möglich sein, aber ich schätze, dass sie Ferrari hinter sich lassen können.

Mercedes lieferte mal wieder eine schwache Vorstellung ab. Beide Piloten hatten Probleme mit dem DRS, was bei Schumacher unter anderem dazu führte, dass er nicht in Q3 kam. Sein Abstand zu Heidfeld in Q2 betrug 0,224 Sekunden, wenn man bedenkt, dass das DRS zwischen 0,5 und 0,7 Sekunden bringen soll, sieht man, was möglich gewesen wäre. Rosberg, bei dem das System in Q2 wohl ging, distanzierte Schumacher um knapp 0,5 Sekunden. Da beide während des gesamten Wochenendes ziemlich gleich schnell waren, dürfte das einiges erklären. Warum Mercedes als einziges Team Probleme mit der Funktionalität des DRS hat, ist rätselhaft. Bei Barrichello funktionierte es in Melbourne auch einmal nicht, was aber an einer fehlerhaften Programmierung der FIA lag. Wegen eines, zumindest in diesem Jahr, Standardsystem nicht in Q3 zu kommen, ist schon erstaunlich. Rosberg hatte in Q3 wohl ähnliche Probleme, denn er verfehlte seine Zeit aus Q2 um satte 5 Zehntel. Allerdings wäre auch mit seiner Zeit aus Q2 keinen Platz weiter nach vorne gekommen. Der Abstand zu Spitze beträgt satte 1.5 Sekunden, zu Ferrari sind es immerhin nur 0,5. Dennoch – der Anspruch muss ja sein, Ferrari zu schlagen und auch davon ist man weit entfernt. Nicht mal Renault hat man im Griff.

Kobayashi rundet die Top 10 ab. Der Japaner schaffte mal wieder recht locker den Einzug in Q3 und sollte damit morgen ein Punktekandidat sein. Immerhin hielt der Sauber auch beide Toro Rosso hinter sich.

Erstaunlich langsam waren beide Williams. Maldonado blieb schon in Q1 hängen, Barrichello ging sang- und klanglos in Q2 unter und kam nur auf P15. Offenbar ist man sich bei Williams auch nicht sicher, voran es gelegen haben könnte. In der PR-Mitteilung von Williams sagt Barrichello, dass seine Runde die beste des gesamten Wochenendes gewesen sei, auch spricht nicht von Problemen am Wagen. Offenbar wartet da noch sehr viel Arbeit auf Williams.

Im gleichen Nirwana rudert Force India herum. Das neue Chassis ist keine Offenbarung, trotz Mercedes Motor und KERS. Der Abstand zu Toro Rosso betrug in der Quali immerhin 0,7 Sekunden, was einfach zu viel ist. Während man bei den Top Teams eine halbe Sekunden schon mal wegfeilen kann, ist das aus Budgetgründen weiter hinten eher nicht drin. Das könnte eine sehr zähe Saison für die Inder werden, die auch noch auf Lotus aufpassen müssen. Kovalainen fehlten knapp 5 Zehntel auf Force India, was ein deutlicher Schritt nach vorne ist. Irgendwie hat man zudem das Gefühl, dass das Lotus in der zweiten Saison in der Lage sein wird, einen weiteren Schritt nach vorne zu machen. Im Rennen dürfte der Lotus noch etwas näher dran sein.

Was man von HRT und Virgin nun nicht behaupten kann. Das der HRT überhaupt fährt ist ja schon ein kleines Wunder, noch erstaunlicher ist allerdings, dass man sich an Virgin heranrobbt. Auch die 107% Regel war kein Problem. In Q1 lag die 107% Zeit bei 1.43.516, Karthikeyan fuhr 1.42.574 min. Hätte man die Zeit aus Q3 genommen, wären beide HRT allerdings draußen gewesen. Die Zeit hätte 1.41.510 min betragen, Liuzzi schaffte aber nur eine 1.42.574min.

Fast alle gehen davon aus, dass die Teams morgen dreimal an die Box kommen, vier Stopps lohnen sich kaum, auch wenn die Gesamtstoppzeit mit 21 Sekunden eher kurz ist. Wenn man bedenkt, dass der Reifen, wenn er einmal abbaut, bis zu 3 Sekunden pro Runde verliert, braucht man also nur 7 Runden auf frischen Reifen, um die Lücke wieder zu zufahren. Denkbare wäre es also, dass es jemand versucht, zum Beispiel Ferrari, nur kommt dann halt noch der Verkehr zum Tragen.

Dies alles kann morgen sowieso hinfällig sein, sollte der befürchtete Regen einsetzen. Der war auch für heute eingeplant, kam aber nicht. Könnte aber sein, dass er dennoch kommt. Ob vor dem Start oder mitten im Rennen wird sich dann zeigen. Wegen der großen Hitze trocknet die Strecke extrem schnell ab, sollte es Mischbedingungen geben, wird das wieder einen Reifenstopporgie, die dann praktisch jeder aus den Top Ten gewinnen kann. Problematisch ist dabei, dass kaum einer Erfahrung mit den Regenreifen von Pirelli hat. Die, die sich getestet haben, sprachen von schnellen Auflösungserscheinungen, während die Intermediates brauchbar sein sollen.

Schön wäre es ja, wenn es am Start konstant leicht regnen würde, denn ich würde wirklich gerne mal einen Zweikampf zwischen Hamilton und Vettel unter nassen Bedingungen in gleichwertigen Wagen sehen.

F1_Quali_MAL_2011_3 F1_Quali_MAL_2011_1 F1_Quali_MAL_2011_2 Formula One World Championship, Rd 2, Malaysian Grand Prix, Qualifying Day, Sepang, Malaysia, Saturday 9 April 2011. Formula One World Championship, Rd 2, Malaysian Grand Prix, Qualifying Day, Sepang, Malaysia, Saturday 9 April 2011. Formula One World Championship, Rd 2, Malaysian Grand Prix, Qualifying Day, Sepang, Malaysia, Saturday 9 April 2011. Formula One World Championship, Rd 2, Malaysian Grand Prix, Qualifying Day, Sepang, Malaysia, Saturday 9 April 2011. F1_Quali_MAL_2011_8 F1_Quali_MAL_2011_9 Motorsports: FIA Formula One World Championship 2011, Grand Prix of Malaysia Motorsports: FIA Formula One World Championship 2011, Grand Prix of Malaysia Malaysian F1 Grand Prix - Practice Malaysian F1 Grand Prix - Practice Malaysian F1 Grand Prix - Practice Malaysian F1 Grand Prix - Practice Malaysian F1 Grand Prix - Practice F1_Quali_MAL_2011_17 F1_Quali_MAL_2011_18 F1_Quali_MAL_2011_19 F1_Quali_MAL_2011_20 2011 Malaysian Grand Prix - SaturdaySepang, Kuala Lumpur, Malaysia9th April 2011World Copyright: Steven Tee/LAT Photographicref: Digital Image _A8C7954 F1_Quali_MAL_2011_22

April 07 2011

15:34

Formel Eins: Vorschau GP Malaysia 2011

Der zweite Grand Prix des Jahres findet auf einer Rennstrecke statt, die Hermann Tielke gezeichnet hat. Da die meisten Strecken im Kalender mittlerweile aus seiner Feder stammen, sollte das Rennen Aufschluss über die Rangordnung in der Serie geben. Wenn es denn nicht regnet.

Malaysia steht vor allem für zwei Dinge: Große Hitze und eine hohe Luftfeuchtigkeit. Die Strecke in Sepang ist nicht schlecht, fahrerisch sehr anspruchsvoll, vor allem wegen der sehr vielen, schnellen Kurven. Die Turns 5/6, 7/8 und vor allem 12/13 werden die Aerodynamik fordern und zeigen, wer den meisten Abtrieb hat. Die meisten Beobachter gehen davon aus, dass Red Bull hier am schnellsten sein wird. Spannend ist die Frage, wer dahinter liegt. Ferrari rechnet sich hohe Chancen aus, hält den Ball nach dem eher mauen Rennen in Australien relativ flach. Sowohl Alonso als auch Massa haben in den letzten Tagen immer wieder darauf hingewiesen, dass man noch viel Arbeit vor sich hätte. Da der Abstand zwischen den Rennen zu kurz war, wird man nur kleinere Updates am Wagen haben. Größere Änderungen gibt es wohl erst in der Türkei. Vielleicht ist der Abtrieb in Sepang am Wochenende aber auch nicht so wichtig, denn die Wettervorhersage ist denkbar schlecht.

Genau Vorhersagen sind schwer zu machen. Die meisten Wetterberichte gehen von einer Regenwahrscheinlichkeit von rund 60% aus und sehen vor allem am Nachmittag Gewitter aufziehen. Heute berichteten die Teams, dass es pünktlich im 16.00 Uhrzeit Ortszeit mit dem Regen los ging. Das ist die Zeit, in der die Quali und das Rennen starten werden. Es könnte am Sonntag ziemlich hektisch werden, sollte der Regen ein paar Minuten später kommen. Bisher war der Regen aber nicht so schlimm, sondern hielt nur ein paar Minuten an. Problematisch ist auch das Tageslicht. Es wird relativ schnell dunkel, viele Unterbrechungen kann man sich also nicht erlauben, sonst muss man das Rennen mal wieder mal verkürzen. Die neuen Pirelli Regenreifen, die bisher keine guten Kritiken der Fahrer bekommen haben, dürften am Wochenende einen schweren Stand haben.

Bleibt es trocken, was ja auch sein kann, dürfte das Rennen vor allem aus Sicht der Rangfolge, spannend werden. Kein Team ist sich wirklich sicher, wo man steht, da der Albert Park in Australien kaum Vergleiche mit anderen Strecken zulässt. Ferrari war ja, etwas überraschend, in Australien nicht in der Lage gute Longruns zu produzieren, wie James Allen in seiner Kolumne im Racingblog dargestellt hat. Wenn es trocken bleibt, dürften die Belastungen auf die Pirelli in Sepang deutlich stärker werden. Zum einen ist die Strecke schneller und die Kurvenpassagen fordern die Gummis sehr, zum anderen wird die höhere Asphalttemperatur ebenfalls für einen erhöhten Verschleiss sorgen. Die Sorgenfalten bei Ferrari werden tief sein und es wird davon abhängen, wie man mit den harten Reifen klar kommt. Da es Nachts meist regnet bedeutet dies auch, dass der Gummi immer wieder von der Strecke gewaschen werden.

Zwei Teams, die ebenfalls noch darüber rätseln, wo sie denn genau stehen, sind Mercedes und McLaren. Die Briten haben nach dem kurzfristigen und offenbar erfolgreichen Umbau des MP4-26 noch nicht richtig gelernt, wie genau der Wagen funktioniert. Schnell ist er, aber wie sieht es mit dem Abtrieb in schnellen Passagen aus? Die ungewöhnliche Form des McLaren wird zum ersten Mal auf einer solchen Strecke ausprobiert, dass könnte für Überraschungen sorgen. Der gebrochene Steg des Unterbodens, der Hamilton das Leben in Australien schwer gemacht hat, ist verstärkt worden, so dass dieses Problem nicht mehr auftauchen sollte. Wie sich der McLaren aber insgesamt schlagen wird, steht noch nicht fest.

Das gilt auch für die Mercedes, die in Australien kein gutes Rennen hatten. Zum einen lief es schon in der Quali schlecht, zum anderen war das Rennen für beide Piloten so schnell zu Ende, dass man das Rennen nicht mal als Test nutzen konnte. Der Mercedes des Jahres 2011 ist scheinbar nicht schlecht, aber wie so oft fehlt halt der Speed, den Norbert Haug so gerne sucht. Man rechnet sich durchaus höhere Chancen auf den Highspeed-Strecken aus, aber wo genau man steht, wird man wohl erst nach Sepang sehen. Eine Top 5 Platzierung sollte aber durchaus drin sein, so gut schätze ich den Mercedes dann doch ein.

Ein Auge wird man auf Sauber haben müssen. Die Tatsache, dass Perez in Australien auf dem weichen Reifen 35 Runden lang gute Rundenzeiten ablieferte, dürfte in Sepang eine große Rolle spielen. Der Sauber scheint sehr gut zu gehen, sollte es also trocken bleiben könnte man eine Überraschung erleben. Vor allem Kobayashi liegen die schnellen Passagen und je nach Rennverlauf halte ich ihn für einen Kandidaten, der auch in den Top 5 landen könnte.

Ein Rätsel ist und bleibt weiter Renault. Ich hatte sie in Australien stärker erwartet, auch wenn Petrov mit seinem dritten Platz ein gutes Ergebnis eingefahren hat. Aber dennoch hatte ich nach den Tests den Eindruck, dass sie durchaus noch weiter vorne landen sollen. Das Heidfeld in Australien einen kompletten Aussetzer in der Quali hatte, sollte nicht noch einmal passieren, Q3 muss für den Deutschen möglich sein. Renault hat die Woche erklärt, dass man 10% mehr Sprit als sonst verbraucht. Schuld daran ist der “blown diffusor”, der mehr Leistung von den Motoren verlangt. Für Renault ist der Mehrverbrauch aber kein großes Problem, der Motor gilt als einer der sparsamten im gesamten Feld. Angeblich bringt man schon in Sepang ein verbessertes System des nach vorne verlegten Auspuff mit, was ebenfalls mehr Zeit bringe soll.

Zum Mittelfeld besteht eine ziemlich große Lücke. Der Speed des eigenwillig konstruierten Williams ist schwer einzuschätzen, Force India und Toro Rosso liegen ungefähr auf einem Level, aber ohne Chancen auf einen Schritt nach vorne. Lotus hängt dahinter, könnte in Sepang aber deutlich näher dran sein, als das beim ersten Rennen der Fall war. HRT und Virgin bilden das Ende des Feldes. Bei Virgin klingeln schon seit den Tests die Alarmglocken, der Wagen ist eher ein Rückschritt, denn eine Verbesserung. Angeblich arbeitet man schon an einer B-Variante, die eine komplett neue Front haben soll. Das wäre eine teuere Angelegenheit, weil Virgin dann auch einen neuen Sicherheitstest der FIA absolvieren müsste. Klar ist aber, dass der von Nick Wirth konstruierte Wagen nicht gut funktioniert. In Sepang könnte es sogar mit der 107% Regel eng werden.

Bei HRT geht man davon aus, dass man in Malaysia endlich zum ersten Rennen wird antreten können. Nachdem der neue Frontflügel von der FIA abgesegnet wurde, kann man den nun auch einsetzen, weitere neue Teile sollen ebenfalls dabei sein. Aber der Wagen hat nicht mal 20 Runden auf dem Buckel und wie man die 1.5 Sekunde große Lücke zu Virgin schließen will, ist mir auch nicht klar.

Die Strategie wird sich nach dem Wetter richten, dass ist klar. Wenn es nur zeitweise regnen sollte, wird es eine Lotterie werden, dazu kommen dann die unvermeidlichen Einsätze des Safety Car. Der Reifenverschleiß wird das nächste Fragezeichen werden. Wegen der schnellen Passagen und dem dramatisch schnellen Drop Off der Pirelli, kann schon eine Runde über mehrere Plätze entscheiden. Die Gesamtzeit für einen Boxenstopp liegt bei rund 21 Sekunden, was recht kurz ist, man könnte sich also mehrere Stopps erlauben.

Die FIA hat für Sepang auch schon die Zone festgelegt, in der man den klappbaren Heckflügel nutzen kann. Der Abstand wird 200 Meter vor der letzten Kurve gemessen, auf der knapp 900 Meter langen Start/Zielgeraden wird man den Flügel dann flach stellen können.

Pirelli hat die Klagen der TV-Stationen, Fans und Reifenspione erhört und hat der “Soft” Mischung einen güldenen Kranz auf die Flanke gepinselt.

Wegen der späten Startzeiten muss man für Quali und Rennen nicht so früh aufstehen. Beides geht um jeweils 10.00 Uhr MESZ los.

March 27 2011

21:00

Formel Eins: Analyse GP Australien 2011

Sebastian Vettel startet in die neue Saison, wie er die alte beendet hat: Mit einem Sieg. Seine Dominanz in Australien war überragend, aber das galt nur seinen Red Bull. Beide Sauber wurden nach dem Rennen disqualifiziert.

Das erste Rennen einer neuen Saison ist immer etwas Besonderes, auch wenn es nicht gerade zu den besten Läufen gehört. So war es auch in Australien, denn an der Spitze gab es nicht mal am Start die Frage, wer auf den ersten Platz liegt. Sebastian Vettel kam direkt gut weg und während sich hinter ihm der Verkehr staute. Im Grunde kam Vettel nur einmal kurz unter Druck, als Hamilton hinter ihm nach 10 Runden leicht aufholte, und die Lücke auf 2.5 Sekunden schließen konnte. Doch nach den ersten Stopps hatte Vettel schnell seinen 10 Sekunden Vorsprung, den er bis zum Schluss verwaltete. Das bemerkenswerte an Vettels Start war aber der Umstand, dass Red Bull KERS schon am Freitag ausgebaute hatte, weil das System Probleme machte. Vettel hatte seine Pole und sein Rennen also ohne KERS gewonnen, was ja immerhin bis zu 3 Zehntel pro Runde bringen kann. Für Red Bull lief es aber nicht nur gut, denn Mark Webber kämpfte mit einem Wagen, der bei weiten nicht so gut ging. Richtig Ärger gab es für Sauber nach dem Rennen.

Bei der technischen Kontrolle stellten die Kommissare fest, dass etwas mit beiden Heckflügeln nicht stimmte. Das obere flache Segment muss eine möglichst flache und gerade Fläche haben, die nicht mehr als 100mm abweichen darf. Grund dafür ist, dass man jegliche Version eines F-Schacht verbieten möchte. Ist der Flügel nach innen gebogen, kann man diesen Effekt vor hervorrufen. Gemessen wird die Abmessung mit einem Ball-ähnlichen Gerät. Offenbar war die Abweichung außerhalb der Toleranz, wie groß wurde allerdings nicht gesagt. Sauber schleppte noch drei weitere Heckflügel Versionen zur Abnahme, die dann alle in Ordnung waren. Das half aber nichts, der siebte Platz von Perez wurde ebenso aberkannt, wie der achte von Kobayashi. Das ist bedauerlich, denn Sauber zeigte ein erstaunlich gutes Rennen. Der C30 lief richtig gut, dazu ging er offenbar sehr sanft mit den Reifen um. Während die Konkurrenz meist dreimal an die Box kam, stoppte Perez nur einmal. Kobayashi war auf einer Zwei-Stopp-Strategie, die ihm hinter Perez warf.

Interessant ist dabei ein Blick auf die Rundenzeiten (pdf). Perez kam in Runde 23 rein und nahm dann die harte Mischung. Seine Rundenzeiten pendelten zunächst um die 1.31, mit leerer werdenden Tank fielen die Zeiten auf 1.30. Schaut man sich dagegen die Zeiten von Alonso, der dreimal stoppte, sehen die Zeiten von Sauber noch besser aus. Alonso stoppte das zweite Mal in Runde 27 und fuhr dann bis in Runde 42. In der Zeit Schaffte er tiefe 1.30er Zeiten. Nach dem dritten Stopp fielen die Zeiten auf Mitte 1.29 min. Das sind zwar Zeiten die teilweise bis zu einer Sekunde schneller waren, als die von Perez, aber durch den Stopp verliert man rund 20 Sekunden, also war Perez am Ende nicht viel langsamer. Das ist ein erstaunliches Ergebnis, und selbst wenn Sauber die beiden Plätze aus Australien verlieren sollte, mit denen muss in den ersten Wochen der Saison rechnen. Sauber hat noch nicht endgültig entschieden, ob man gegen die Disqualifikation Protest einlegen wird.

Die zweite positive Überraschung kam von McLaren. Die Briten hatten den MP4-26 in den letzten Wochen noch umgebaut und einen neuen Unterboden plus eine neue, nicht so komplizierte Auspuffanlage eingebaut. Das hat sich ausgezahlt, denn McLaren war wenigstens ansatzweise in der Lage, vorne mitzumischen. Die Ferrari hatte man locker im Griff, was man vor allem sah, als Button gegen Massa kämpfte. Die gute Leistung von McLaren ist zumindest ein Hoffnungsschimmer für die kommenden Rennen.

Ferrari kämpfte, aber der Wagen war einfach zu langsam. Sowohl Massa als auch Alonso prügelten den F150 um den Kurs, aber es half nichts. Man kam nicht richtig nach vorne, nur am Ende gelang es Alonso fast noch Petrov zu schnappen, der mit zwei Stopps unterwegs war und das letzte in Runde 36 stoppte. Seine Reifen waren also etwas älter, als die von Alonso und der Ferrari konnte aufschließen. Allerdings kontrollierte Petrov den Abstand einigermaßen und stoppte so den Vorwärtsdrang des Spaniers, der sich am Ende mit Platz vier begnügen musste. Massa wurde nur siebter. Ferrari zeigte sich angesichts des dann doch großen Rückstand überrascht und einigermaßen ratlos. Man geht aber davon aus, dass die Sache in Malaysia anders aussehen wird, da dem F150 die schnellen Kurven in Australien gefehlt haben.

Das Alonso nicht an Petrov ran kam, unterstreicht den guten Eindruck, den Renault im Winter hinterlassen hat. Der Russe fuhr ein sehr sauberes, unauffälliges aber schnelles Rennen. Er hielt sich auch aus allen Zweikämpfen heraus und fuhr sein eigenes Rennen, das ihm am Ende auf Platz 3 spülte. Das war aber kein Glück, sondern sauber selbst erfahren. Und selten hat man einen Fahrer so glücklich auf dem Podium gesehen. Seinen Pokal hielt er selbst noch eine Stunde nach dem Rennen bei den Interviews in der Hand. Miserabel lief es dagegen bei Nick Heidfeld. In der Quali blieb er auf Platz 18 hängen, katapultierte sich aber mit einem guten Start auf 12. Im Gedränge bekam er allerdings einen Schlag auf die rechte Seite, was seinen Seitenkasten die Motorabdeckung beschädigte. Die empfindliche Aerodynamik quittierte dies mit schlechten Rundenzeiten und Heidfeld blieb weiter unter den Möglichkeiten, die der Renault bietet.

Noch schlechter lief es für Mercedes. Schumacher kam gut weg und lag hinter Rosberg, als er einem Toro Rosso einen Schlag auf das rechte Hinterrad bekam. Der Pirelli gab daraufhin auf, offenbar war auch die Aufhängung beschädigt, so dass er in die Box fuhr. Rosberg kam auch nur bis Runde 25, als ihn ein ziemlich übermotivierter Rubens Barrichello abschoss. Das Manöver sah schon komisch aus und passte so gar nicht zu dem erfahrenen Barrichello, der sich zu dem Zeitpunkt mit Boxenstopp schon auf Platz acht vorgefahren hatte. Nach dem Rennen gab der Brasilianer zu Protokoll, dass er Rosberg gar nicht überholen wollte, dieser einfach zu früh gebremst hätte. Das könnte dann schon die Ausrede des Jahres gewesen sein, denn Barrichello traf Rosberg mitten am Scheitelpunkt. Da Maldonado mit einem nicht näher beschriebenen technischen Problem ausgefallen war, musste Williams ohne Punkte abreisen. Aber die Performance des Williams war zumindest nicht schlecht.

Weiter hinten blieb man eng zusammen. Force India zeigte eine sehr gute Rennpace, vor allem di Resta sah in einem ersten Rennen nicht schlecht aus. Er blieb an Sutil dran und ließ diesen sogar zweimal passieren, weil man unterschiedliche Strategien gewählt hatte. Dank der der Disqualifikation der Sauber rutschte man sogar auf Platz neun und zehn vor, eventuell geht es sogar noch einen Platz nach vorne. Denn nach dem Rennen zeigten Fernsehbilder, das Sebastian Buemi bei seinem Überholmanöver an Sutil mit allen vier Rädern die Strecke verlassen hatte. Das passierte nach Turn 4 auf dem Parkplatz und die FIA-Regeln sind da sehr eindeutig: Wer die mit allen vier Rädern hinter der gelben Linie ist, verschafft sich einen Vorteil. Vettel passierte zwar ähnliches als er Button überholte, aber er rutschte an der gleichen Stelle über die Linie, als er an Button schon vorbei war. Force India hat gegen Buemi Protest eingelegt, zur Stunde gab es da keine Entscheidung.

Am Ende war es also Vettel, der locker und verdient gewinnen konnte, denn er hat am Wochenende bis auf die schnellste Runde alle Tabellen angeführt. Warum es bei Mark Webber nicht lief, bleibt ein Rätsel. Adrian Newey meinte nach dem Rennen, man habe bei Webber eine zu große, einseitige Abnutzung der Reifen festgestellt, was auf eine falsche Abstimmung hinweist. Aber was genau los war, wusste Webber, der komplett frustriert war, auch nicht sagen. Er habe alles gegeben, der Abstand sei einfach nicht normal, er habe nicht mal die Ferrari halten können. Angesichts der totalen Dominanz von Vettel und dem Umstand, dass Webber im Rennen auf Augenhöhe seine Rundenzeiten drehen kann, wird wohl irgendwas am Wagen falsch gewesen sein.

Überrascht hat mich im Rennen, wie oft Red Bull, McLaren und Ferrari stoppen mussten. Gerade von Ferrari hatte ich nach den Tests erwartet, dass sie weniger Probleme mit den Reifen haben, aber das war nicht der Fall. Bei Red Bull sah es auch nicht so gut aus. Vettel klagte schon nach 10 Runden über nachlassende Hinterreifen und er hatte nicht mal KERS an Bord. Vielleicht war der Reifenverschleiß ein Grund, warum Red Bull das System aus dem Wagen verbannt hat. Der hohe Verschleiß der drei Top Teams dürfte vor allem beim nächsten Rennen in Malaysia interessant werden. Doch ist der Asphalt aggressiver und die Temperaturen dürften auch 15 Grad höher sein. Da Pirelli die gleichen Mischungen nach Malaysia bringt, kann man sich vermutlich jetzt schon auf eine Boxenstopporgie freuen. Man wird aber abwarten müssen, ob zum Beispiel Ferrari die Reifen bei hohen Temperaturen besser schont als Red Bull.

Ein paar Worte noch zur Übertragung von sky. Ich habe die Vorberichterstattung nicht komplett gesehen, aber die Nachberichterstattung war eine Katastrophe. Ein wenig Schumacher, ein wenig Rosberg, ein wenig Sutil dazu drei Worte von Hülkenberg und Norbert Haug. Fertig war die Laube. sky beklagt sich, dass man keine neuen Zuschauer mit der Formel Eins anlocken kann aber wenn man die Nachberichterstattung sieht, dann fragt man sich, warum jemand 35 Euro dafür im Monat ausgeben sollte. Kaum Interviews, keine wirkliche Analyse und außer Haug hatte man niemanden exklusiv im Interview. Was vermutlich daran liegt, dass sky nur mit zwei eigenen Kameras nach Australien geflogen ist. Dagegen feuerte die BBC mal wieder aus allen Rohren und hatte die übliche Besetzung am Start, die wie gewohnt gut und selbstsicher unterwegs war. sky wirkte dagegen wie ein Fan, der hinter dem Zaun seine Stars bewundert. Die eigentliche Kommentierung des Rennens durch Schulz/Surer war wie immer sehr gut, da gab es nichts auszusetzen. Aber sky kann sich nicht alleine auf diese beiden Zugpferde verlassen und den Rest vernachlässigen. So gewinnt man keine Kunden.

GP_Aus_GP_2011_15 GP_Aus_GP_2011_1 GP_Aus_GP_2011_2 GP AUSTRALIA F1/2011 GP_Aus_GP_2011_4 GP_Aus_GP_2011_5 FORMULA 1 / QANTAS AUSTRALIAN GRAND PRIX Motorsports: FIA Formula One World Championship 2011, Grand Prix of Australia Motorsports: FIA Formula One World Championship 2011, Grand Prix of Australia Motorsports: FIA Formula One World Championship 2011, Grand Prix of Australia Australian F1 Grand Prix - Practice Australian F1 Grand Prix - Practice Australian F1 Grand Prix - Qualifying Australian F1 Grand Prix - Practice Australian F1 Grand Prix - Practice GP_Aus_GP_2011_16 GP_Aus_GP_2011_17 GP_Aus_GP_2011_18 GP_Aus_GP_2011_19 GP_Aus_GP_2011_20 GP_Aus_GP_2011_21 GP_Aus_GP_2011_22 GP_Aus_GP_2011_23 GP_Aus_GP_2011_24 aus-f1-2011-chart

Bilder: FerrariF1, SauberF1, Renault, Team Lotus, McLaren, Red Bull/Gepa, STR/Gepa, Virgin, HRT, Williams, Mercedes, Force India

March 26 2011

17:00

Formel Eins: Quali Analyse GP Australien 2011

“Boom”. Das beschreibt das Ergebnis der Qualifikation in Australien wohl am genausten. Red Bull war eine Klasse für sich und die seine schnellste Runde Vettel auch noch ohne KERS. Weil er kein richtiges an Bord.

Nach der ersten Qualifikation des Jahres gab es nur zwei zufriedene Gesichter, der Rest schaute drein, als habe man ihnen gerade gesagt, dass sie es eh mit dem Weltmeistertitel vergessen können. Nur Vettel und Hamilton blickten zufrieden in die Runde. Wobei der Brite vermutlich deswegen so erleichtert wirkte, weil er der einzige war, der Vettel halbwegs folgen konnte. Mclaren hat aus der Großbaustelle MP4-26 innerhalb von zwei Wochen ein wirklich gut gehendes Auto gezaubert, weil man einen großen Teil der experimentellen Neuentwicklungen wieder aus dem Wagen geschmissen hat. Doch außerhalb von Reihe Eins herrschte fast ausschließlich großer Katzenjammer. Webber, dem Vettel fast 9 Zehntel abgenommen hatte, wirkte zerknirscht, Alonso wusste nicht so wirklich, was er zu den 1.4 Sekunden Rückstand sagen sollte und bei Mercedes verstand man die Welt nicht mehr. Doch trotz der großen Abstände könnte das Rennen enger werden.

Vettel fuhr seine schnellste Zeit gegen Ende der Qualifikation und legte gleich zwei Runden hin, die fast aufs Zehntel gleich schnell waren. Das zeigt auch, dass der Red Bull so schlecht nicht mit den Reifen umgeht. Die Sensation ist allerdings, dass Vettel seine Zeit ohne KERS gefahren ist. James Allen spekulierte als erster, dass Red Bull gar kein “richtiges” KERS an Bord hat. Stattdessen setzt man wohl auf ein “Start only KERS”, das heißt, dass die Batterie für KERS in der Box aufgeladen wird, und nur einmal, nämlich beim Start, abgerufen werden kann. Red Bull äußert sich zu den Gerüchten nicht, dementiert aber auch nur schwach. Offenbar denkt man, dass man auf den recht kurzen Geraden in Australien kaum in die Verlegenheit gerät, überholt zu werden. Ob dem dann wirklich so ist, wird sich morgen zeigen. Aber es wäre schon ein Hammer, wenn Red Bull ohne KERS einem Mclaren 8 Zehntel abnehmen kann.
Ungewöhnlich ist auch, dass Webber mehr als acht Zehntel auf den Deutschen verloren hat. Das ist dann doch etwas viel und Webber zeigte sich nach der Qualifikation völlig überrascht über den Abstand. Er hatte keine Erklärung, wo er die Zeit verloren hatte. Vettel zeigte sich zufrieden und denkt auch, dass es für das Rennen gut aussieht, da sich der Reifenverschleiss in Grenzen hält.

Bei McLaren lief es das gesamte Wochenende richtig gut. Überraschenderweise war man von Anfang an vorne mit dabei, was angesichts der zäh verlaufenden Tests überraschend ist. Das Hamilton seinem Teamkollegen Button knapp vier Zehnteln abnehmen kann, scheint auch etwas viel, allerdings ist nicht klar, ob Button auf gebrauchten Reifen unterwegs war. Im Rennen wird der Abstand nach vorne auch kleiner sein, was das Rennen spannend machen könnte.

Der Verlierer der Quali war aber nicht Webber oder Schumacher, sondern Heidfeld. Der Deutsche schaffte nicht einmal mehr den Sprung in Q2 und lag in der ersten Quali-Session knapp 1.7 Sekunden hinter seinem Teamkollegen Petrov. Das ist dann selbst für die bekannt notorische Quali-Schwäche von Heidfeld etwas sehr viel. Nach der Quali bekannte Heidfeld, dass sein KERS für Probleme sorgte und er deswegen eine Runde nicht fahren konnte. Sein letzter Versuch endete dann im Verkehr und er verpasst Q2 um 17 Tausendstel. Mag Pech gewesen sein, aber das Ergebnis ist trotzdem desaströs. Denn Petrov, der ja nun nicht gerade unter dem Verdacht steht, ein Top 5 Fahrer zu sein, knallte den Renault problemlos auf Platz 6 in der Startaufstellung und die unfaire Frage “Was hätte Kubica” gemacht” ist natürlich da.

Bei Ferrari lief es ebenfalls recht zäh. Der gute Speed aus den Tests ist weg, zumindest, was eine schnelle Runde angeht. Massa klebte in Q1 lange auf Platz 18, fand dann aber doch noch die nötige Sekunde um weiter zu kommen. Im der restlichen Quali blieb Ferrari weiter unter dem Radar. Massa wurde am Ende achter, Alonso kam auf Platz 5. Der Spanier meinte am Ende, dass man überrascht sei, sich aber auf die Rennpace verlassen würde. Auf jeden Fall ist Ferrari morgen nicht in der Lage, um den Sieg zu fahren, es sei denn, sie können mit einem Stopp durchfahren und dabei gute Rundenzeiten abliefern.

Hängende Köpfe gibt es auch bei Mercedes. Schumacher, der eigentlich sehr optimistisch wirkte, schaute nach dem Rennen ziemlich sauer drein. Egal, ob wir siebter oder elfter sind, wir sind nicht da, wo wir sein wollen.”. Rosberg setzte sogar hinzu “Da ging nicht mehr, erschreckend.” Dabei hatten die Mercedes in allen vorherigen Sessions gar nicht schlecht ausgesehen und offenbar hatte selbst Schumacher mit einem Start in den ersten drei Reihen gerechnet. Doch am Ende kam Rosberg auf sieben und Schumacher war nur elfter. Noch schlimmer wird, es wenn man weiß, das Schumacher und Rosberg in Q2 schon mit weichen Reifen unterwegs waren. Selbst wenn die gebraucht waren – Schumacher gelang es nicht, die 1.25.9 min zu unterbieten, Rosberg war in Q2 auch nur 3 Zehntel besser, hatte aber wohl ein funktionierndes KERS an Bord, während es bei Schumacher Probleme gab. Mit KERS hätte Schumacher vermutlich Q3 erreicht, allerdings muss der elfte Startplatz kein Nachteil sein, denn der Ex-Weltmeister kann auf frischen Reifen starten, während der Rest vor ihm gebrauchte hat. Wenn die Rennpace stimmt, sind Punkte auf jeden Fall drin, mehr aber nicht.

Zwei Überraschungen gab es am Ende dann doch. Sebastian Buemi schlich sich in Q3 und belegte dort den zehnten Platz. Sein Teamkollege Alguersuari kam immerhin auf die 12. Position. Eine Position vor ihm steht Kamui Kobayashi im Sauber. Wenn man bedenkt, dass Sauber mit Ferrari-Technik unterwegs ist, und Massa nur 0.178 Sekunden schneller war, dann ist schon bemerkenswert. Noch besser wirkt die Zeit, nachdem Kobayhashi erwähnte, dass er nur einen Satz gebrauchter weicher Reifen hatte. Neue Reifen bringen wohl um die drei Zehntel. Perez sah zunächst ähnlich stark aus, verlor aber in Q2 knapp sieben Zehntel auf den Japaner.

Weiter hinten gab es wenig Überraschungen. Williams, die eigentlich nicht schlecht unterwegs waren, verloren Rubens Barrichello direkt zu Beginn von Q2, als sich dieser einen seiner seltenen Fehler erlaubte und den FW33 in den Kies setzte. Das Maldonado in Q2 hängen blieb, war dann nicht weiter überraschend.

Die Schlusslichter bleiben Lotus, Virgin und HRT. Lotus überraschte negativ, weil man die guten Testeindrücke nicht umsetzen konnte. Kovalainen fehlten 2 Sekunden auf Heidfeld auf Platz 17, was bei den Grünen für enttäuschte Gesichter sorgte. Besser lief es dagegen bei Virgin, die sich im Training noch weit von Lotus weg sahen. Glock fehlten zwar 0.5 Sekunden auf Kovalainen, aber das war weniger Abstand, als befürchtet hatte. Auch die 107% Barriere wurde einigermaßen sicher genommen. Neuling D’Ambrosio blieb vier Zehntel über der Grenze.

Nicht starten werden beide HRT. Zwar schafften es die Mechaniker beide Wagen in Q3 starten zu lassen, aber die Zeiten waren wirklich zu schlecht. Zwei Sekunden war Liuzzi langsamer als der letzte Virgin, 1.6 Sekunden, damit man die 107% Grenze geschafft hätte. Klingt desaströs, aber angesichts der Tatsache, dass beide HRT in Q3 ihre ersten Runden gedreht haben, ist das gar nicht mal so schlecht. Vielleicht klappt es ja in Malaysia.

Das morgige Rennen dürfte aber etwas enger werden, als es die Quali vermuten lässt. Die Pirelli Reifen halten bei den niedrigen Temperaturen deutlich besser durch und alle Teams konnten längere Stints fahren, als man das vermutet hat. Teilweise wurden 25 Runden absolviert, was knapp die Hälfte der Renndistanz von 58 Runden ist. Im Verdacht, eventuell nur einen Stopp zu absolvieren zu müssen, stehen Ferrari und Mercedes, die bei den Tests ähnliche Zeiten abgeliefert haben. Bei McLaren und Red Bull rechnet man mindestens mit zwei Stopps, was dann auch schnellere Zeiten im Rennen garantieren würde. Ferrari sieht durchaus Chancen auf ein Podium, wobei es schwer werden wird, die Mclaren auf der Strecke zu schlagen.

Alle Runden- und Sektorenzeiten gibt es bei der FIA.

Australian F1 Grand Prix - Qualifying GP_Aus_Quali_2011_1 GP_Aus_Quali_2011_2 GP_Aus_Quali_2011_3 GP AUSTRALIA F1/2011 Motorsports: FIA Formula One World Championship 2011, Grand Prix of Australia Motorsports: FIA Formula One World Championship 2011, Grand Prix of Australia FORMULA 1 / QANTAS AUSTRALIAN GRAND PRIX GP_Aus_Quali_2011_8 Formula One World Championship Formula One World Championship Formula One World Championship Formula One World Championship Formula One World Championship GP_Aus_Quali_2011_14 Australian F1 Grand Prix - Practice Australian F1 Grand Prix - Qualifying Australian F1 Grand Prix - Practice Australian F1 Grand Prix - Practice GP_Aus_Quali_2011_21 GP_Aus_Quali_2011_22 GP_Aus_Quali_2011_23 GP_Aus_Quali_2011_24 GP_Aus_Quali_2011_25 GP_Aus_Quali_2011_26 GP_Aus_Quali_2011_27
Bilder: FerrariF1, SauberF1, Renault, Team Lotus, McLaren, Red Bull/Gepa, STR/Gepa, Virgin, HRT, Williams, Mercedes, Force India

March 21 2011

06:58

Formel Eins: Vorschau 2011 – Die Teams

Es geht, mit ein wenig Verspätung, wieder los. Der ausgefallene Grand Prix von Bahrain war für einige Teams offenbar Gold wert, denn bei den Tests sah nicht alle gut aus.

Es gibt viel neues in diesem Jahr. Der bewegliche Frontflügel ist weg, dafür kann man den Heckflügel jetzt in bestimmten Situationen flacher stellen. Doch die wichtigste Änderung betrifft wohl den Diffusor. Der darf nur noch einfach und nicht doppelt gebaut sein, was die Konstruktion des gesamten Hecks verändert. Dazu kommen die neuen Reifen von Pirelli, die auf Wunsch der FIA eine völlig neue Mischungen anliefern. Während die Bridgestone auch mal ein ganzes Rennen durch gehalten haben, zerbröseln die Pirelli schon nach wenigen Runden. Das wird die Strategie aller Teams in diesem Jahr komplett ändern, aber dazu dann am Donnerstag in der Vorschau mehr. Heute geht es erstmal um die Form der Teams, die ich so sortiert habe, wie ich sie im Moment zum Saisonstart sehe.

Eins noch vorweg: Während es vorne schon eng ist, kann man im Mittelfeld kaum sagen, wer da die Nase vorne hat. Im Grunde wird es bis in den Mai dauern, bis man einen einigermaßen sicheren Überblick haben wird. Das Problem ist auch, dass sich die Rangfolge wegen der neuen Reifen praktisch in jedem Rennen ändern kann. Keiner weiß, wie die Pirelli auf den verschiedenen Asphaltsorten und Temperaturen reagieren werden. Kann sein, dass Williams plötzlich in China in den Top 3 ist, um beim nächsten Rennen in der Versenkung zu verschwinden. Es geht nicht mehr nur um die reine Geschwindigkeit, sondern auch darum, wie gut man mit den Reifen umgeht. Ein “langsames”, konservativ gebautes Auto kann auf einer Renndistanz einen viel schnelleren Wagen schlagen, weil die Reifen nicht so schnell abbauen. Deswegen ist die folgende Vorschau eher ein Blick in die Kristallkugel.

1. Red Bull
Die Österreicher muss man auch in diesem Jahr ganz vorne sehen. Der RB7 machte bei den Tests einen sehr guten Eindruck. Und zwar nicht nur, was die Pace angeht, sondern auch was die Stabilität der Rundenzeiten betrifft. Denn die dürfte in diesem Jahr extrem wichtig sein. Der neue Red Bull ist wohl kein “Reifenfresser” was den Strategen 2011 viel Freiheiten gibt. Die Longruns sahen sehr gut aus, und zwar bei Webber wie Vettel, was ja auch nicht unwichtig ist. Ein paar Sorgen macht aber wohl die Kühlung. Die extrem kleinen und scharf eingezogenen Seitenkästen bergen die für Renault typischen kleinen Kühler, doch bisher waren die Temperaturen bei den Tests nicht sehr hoch. Es gibt also zumindest ein kleines Fragezeichen, aber der Grundspeed des Red Bull ist über den Winter nicht verschwunden.

2. Ferrari
Der 150° Italia ist keine Schönheit, das gesamte Design wirkt, verglichen mit anderen Wagen, sehr konservativ. Den Fehler, dass man Ferrari zu schnell einschätzt, begeht man schnell, weil man die Italiener ja immer vorne sieht. Bemerkenswert war allerdings die Zuverlässigkeit des neuen Wagen und die sehr konstanten Zeiten bei den Longruns. Auch der “Drop off”, also der Zeitenverlust gegen Ende eines Stints, ist wie bei Red Bull überschaubar. Ferrari hat sich, wie letztes Jahr, für ein Basis-Design entschieden, dass man updaten kann. Allerdings will man nicht, wie 2010, eine B-Variante bauen müssen. Ob das gelingt, bleibt mal abzuwarten. Mir fehlen bei Ferrari etwas die schnellen Zeiten bei den Tests, auch wenn sie meist in den Top 5 unterwegs waren. Den Italienern traue ich zu dem zu, dass sie das “sand bagging”, also das bewusste zurückhalten der eigenen Leistung, sehr weit getrieben haben.

3. Renault
Mit Robert Kubica hätte ich Renault auf Augenhöhe mit Red Bull gesetzt. Den Renault Designer ist ein guter Wurf gelungen, und das nicht nur wegen des Auspuffs, der vorne gerichtet ist. Der ganze Wagen macht einen sehr stabilen und guten Eindruck, bei den ersten Tests im Februar war man sofort vorne dabei. Nun ist Kubica, mit dessen Input man den Wagen entwickelt hat, nicht da und auch wenn Heidfeld laut Eric Boullier sehr ähnliche Vorstellungen von einem Wagen hat, wie der Pole, ist Renault doch etwas schlechter dran. Dennoch hat man mal wieder ein Auto, dass zumindest für ein paar Podien gut ist und Heidfeld ist ein Fahrer, dem das gelingen könnte. Renault ist in diesem Jahr für mich das “dark horse” schlechthin, und das nicht nur wegen der Farbe.

4. Mercedes
Mercedes und Ross Brawn stehen unter Druck. Noch so eine Saison wie 2010 kann man sich nicht erlauben, aber der Abstand zur Spitze ist nicht so leicht zu verringern. Brawn hat sich für eine nicht ungefährliche Strategie entschieden. Erst testete man ein Basis-Chassis um eine Grundabstimmung zu finden, dann klebte man die Updates auf den Wagen. Das hat in letzten Jahr schon nicht so richtig geklappt. Der Wagen wurde erst dann besser, als man nicht mehr weiterentwickelte und die Fahrer ihre Abstimmung finden ließ. So hatten Schumacher und Rosberg fiel damit zu tun, die Updates auf den Wagen anzupassen. Kein Wunder, dass beide Piloten auch vorsichtig sind. Im schlimmsten Fall sieht man sich rund 0,7 Sekunden hinter Red Bull, was auch mein Eindruck war. Grundsätzlich habe ich aber das Gefühl, dass Mercedes zum Start der Saison besser da steht, als im letzten Jahr. Interessant dürfte sein, wie der W02 mit dem doch sehr kurzen Radstand klar kommt. Der Abstand nach vorne ist aber geringer, ein Podium sollte drin sein, wenn die Quali-Ergebnisse stimmen.

5. McLaren
Die Briten haben das mit Abstand aggressivste Design in diesem Jahr. Nase, die L-förmigen Lufteinlässe, ein komplett neues Auspuffsystem. Dazu hat man bei den Tests einen neuen Unterboden angeschleppt und einiges am Frontflügel ausprobiert. Man wird den Eindruck nicht los, dass der McLaren eine Baustelle ist. Aber eine durchaus schnelle. Das neue aerodynamische Konzept scheint durchaus zu passen, man muss es halt erst einmal komplett verstehen. Und dafür fehlte wohl die Zeit. Völlig unverständlich finde ich in diesem Zusammenhang auch die Entscheidung, dass man erst den alten Wagen mit dem Pirellis getestet hat. McLaren hat so von allen Top-Teams am wenigsten Kilometer gefahren, was sich zu Beginn der Saison rächen wird. Das Team hat die Erfahrung und die Ressourcen den Wagen an die Spitze zu bekommen, aber ich habe die Vermutung, dass man die ersten Rennen kaum eine Chance haben wird. Das könnte dann auch die WM-Chancen schmälern, allerdings ist die WM ja sehr lang und man hat im letzten Jahr bei Ferrari gesehen, was ein Zwischenspurt bringen kann.

6. Williams
Williams überrascht dieses Jahr mit einem Wagen, der ein sehr extrem gebautes Heck hat. Kein anderes Team, auch nicht der hinten sehr eng gebaute Red Bull, sind derartig knapp gebaut, wie der FW33. Die eigenartige Bauweise sorgt dafür, dass Heckflügel und vor allem der Diffusor ungestört angeströmt werden und damit mehr Abtrieb generiert. Das Team kämpfte bei den Tests zwar mit einem sehr bockigen, unruhig liegenden Wagen, zeigte aber auch hervorragende Zeiten. Bei Williams muss man allerdings immer etwas vorsichtig sein, da sie die Eigenart haben, bei den Tests schon mal etwas leichter als der Rest unterwegs zu sein. Das ist angesichts der klammen Finanzen nachvollziehbar, macht die Einschätzung des Teams aber nicht leichter. Barrichello zeigte sich zufrieden, aber nicht euphorisch. Ein weiteres Problem für Williams in der Konstrukteurs-WM dürfte der Einsatz des unerfahrenen Pastor Maldonado sein. Ob der direkt mithalten kann, möchte ich mal bezweifeln. Dennoch – wenn der FW33 ein Volltreffer ist, wird man Williams öfter in Q3 sehen. Ein Podium wird allerdings schwer werden.

7. Sauber
Nach dem Übergangsjahr 2010 muss Sauber in diesem Jahr einen Schritt nach vorne machen. Mit James Key hat man einen vielversprechenden Designer geholt, der allerdings dann auch dementsprechen unter Druck steht. Der C30 ist unspektakulär und hat einige Elemente, gerade im Bereich der Front, die an die letzten beiden Force India erinnern, wo Key ja vorher gearbeitet hat. Der Wagen wirkt konservativ, eher eine Basis für die kommenden Weiterentwicklungen im Jahr 2011. Klar, Sauber wird nicht um Siege fahren, aber der Schritt in die Top Ten sollte regelmäßig passieren. Und das wird dieses Jahr sehr schwer werden. Der C30 zeigte sich in den Tests unauffällig, aber schnell. Key ist bekannt dafür, dass seine Wagen einen guten Topspeed haben, dafür mangelt es schon mal an Abtrieb. Das Problem scheint dieses Jahr nicht da zu sein, die Zeiten der Longruns in Barcelona sahen gut aus. Dazu kommt, dass Kobayashi sicher wieder für Aufsehen sorgen wird, aber auch Perez in den Tests gezeigt hat, dass er vielleicht besser ist, als man vermutet.

8. Toro Rosso
Beim zweiten Red Bull Team muss man sehr wachsam sein. Die Idee mit dem quasi geteilten Chassis ist interessant und man zeigte sich bei den Tests sehr zufrieden. Im Grunde liegen Williams, Sauber und Toro Rosso so eng beieinander, dass die Unterschiede sich, wie im letzten Jahr, wohl nur im Tausendstel-Bereich werden messen lassen. Problematisch ist bei Toro Rosso in diesem Jahr wohl nicht das Chassis, sondern eher der interne Druck. Sebastian Buemi muss zeigen, dass er in den letzten zwei Jahren was gelernt, auch Jaime Alguersuari steht unter Druck. Denn als Ersatzfahrer hat man Überflieger Daniel Ricciardo im Team, der an einigem Freitagen unterwegs sein wird. Franz Tost hat schon vor der Saison klar gemacht, dass beide Einsatzfahrer jederzeit gegen Ricciardo ausgetauscht werden können. Ich bin kein Freund dieses Systems, da es mehr Unruhe ins Team bringt und die Fahrer zu mehr Risiken zwingt. Bei Renault hat man gesehen, dass die “hire und fire” Menatalität von Briatore dem Team nicht geholfen hat.

9. Force India
Das Team von Vijay Mallya leidet immer noch unter der erzwungenen Umstrukturierung des Design- und Aeroabteilung. Das merkt man dem neuen Wagen wohl auch an, auf den ersten Blick nicht viel anders, als das Modell des Jahres 2010 aussieht. Doch man hat schon einiges geändert und der Wagen wirkt insgesamt kompakter. Die Frage wird nur sein, ob das neue, sehr junge kaum eingespielte Entwicklungsteam mit dem Tempo mithalten kann, in dem die anderen Teams entwickeln werden. Klar, man wird sich im Mittelfeld aufhalten, aber ich sehe in diesem Jahr nicht, dass Force India der Sprung in Q3 oft gelingen wird. Ich habe eher die Befürchtung, dass man sich mehr nach hinten wird orientieren müssen, denn da drückt Lotus. Weit vorne wird man weder Sutil noch di Resta sehen. Und ob der Schotte das Zeug für die F1 hat, muss er auch erst noch zeigen. Bei den Tests machte er keinen sehr schnellen Eindruck.

10. Lotus
Von all den neuen Teams hat Team Lotus mit Sicherheit den größten Schritt gemacht. Der neue T128 sieht nicht nur gut aus, sondern war auf Anhieb auch schon schnell. Probleme machen wohl ein sehr nervöses Heck und ein damit verbundener hoher Reifenverschleiss. Das könnte sich gerade dann als Nachteil erweisen, wenn Lotus mal mit viel Glück an den Punkten kratzen wird. In der Quali wird man versuchen Q2 zu erreichen, aber der Abstand nach vorne ist doch noch so groß, dass man dafür die Hilfe der anderen Teams brauchen wird. Dennoch wird Lotus in diesem Jahr nicht mit den anderen “neuen” hinten rum kurven, sondern durchaus im hinteren Mittelfeld mit Force India kämpfen.

11. Marussia Virgin
Man hatte sich bei Virgin viel vorgenommen, zu mal man mit dem Geld von Marussia auch mehr Spielraum hat. Das Ergebnis ist alledings mehr als enttäuschend. Der Virgin MVR-02 fuhr bei den Tests nur hinterher und quälte die Fahrer zu dem mit jeder Menge Kinderkrankheiten. Teilweise kam man nur auf Installationsrunden, und das den ganzen Tag. Die Idee, den Wagen komplett per CFD zu entwickeln, zahlt sich auch im zweiten Jahr nicht aus, die Probleme des Wagens sind in allen Bereichen mehr als deutlich. Das bedeutet, dass Virgin in diesem Jahr wieder regelmäßig die letzten Plätze belegen wird. Ohne das Geld aus Russland hätte ich noch geschrieben, dass sie ein Wackelkandidat sind, aber man wird die Saison wohl überstehen.

12. HRT
Kein Geld, kein vernünftiges Auto. Was bei HRT zählt, ist der Sportsgeist. Der HRT 111 ist nur eine Weiterentwicklung des Dallara-Chassis, das im letzten Jahr schon teilweise so langsam war, dass ein GP2 Chassis mit dem Cosworth vielleicht besser gewesen wäre. Der erfahrerne Designer Goeff Willis hat sich dem HRT angenommen und vermutlich im Rahmen der finanziellen Möglichkeiten sein Bestes gegeben. Ich ziehe jetzt schon den Hut vor Colin Kolles, der es irgendwie schafft, dass das Team doch weiter existiert. Ob man die gesamte Saison überleben wird? Schwer zu sagen, es blickt kaum einer durch, wo das Geld für HRT überhaupt herkommt. Die Besetzung in diesem Jahr ist auch eher als exotisch zu beschreiben. Narain Karthikeyan ist nicht unerfahren, aber langsam. Vitantonio Liuzzi wird ihn regelmäßig schlagen, aber selbst wenn der Italiener all seine schlechten Eigenschaften ablegt wird er mit dem HRT nichts reißen können.

Fazit:
Die Vorschau ist nur eine Momentaufnahme. Die Saison ist lang, da wird sich viel ändern. Aber grundsätzlich kann man schon sehen, dass das Feld in drei Teile zerfällt. Die schnellsten, also Red Bull, Ferrari, Renault, Mercedes und McLaren, dann das kompakte Mittelfeld und am Ende kurven Virgin und HRT rum. Daran wird sich grundsätzlich auch nichts ändern. Ich glaube kaum, dass Sauber oder Toro Rosso der Sprung unter die ersten fünf gelingen wird, ebenso wenig wird ein Top Team im Nirvana der Mittelklasse versinken. Die Klassen sind also besetzt, die Frage wird nur sein, wer am Ende vorne sein wird. Da traue ich einigen Teams durchaus eine Überraschung zu. Es wird in diesem Jahr nicht leicht sein, den Konstrukteurstitel zu gewinnen und das Team, dass den Fahrer-Weltmeister stellt, wird nicht zwingend auch Team-Weltmeister werden.

February 13 2011

18:11

Formel Eins: Jerez Test Tag 4 & Fazit

Der letzte Testtag brachte wenig Neuigkeiten und nur die Erkenntnis, dass alle Teams wohl kräftig mauern.

Vier Tage wurde in Jerez am Stück getestet, doch die Beobachter tappen immer noch im Dunkeln. Bis gestern dachte man noch, dass man eine ungefähre Hackordnung erkennen würde können, heute machte Barrichello aus diese Vermutung Kleinholz. Er legte nicht nur schnellste Zeit des Tages sondern auch der gesamten vier Testtage hin, was für ein wenig Stirnrunzeln sorgte, zumal Williams in den letzten Tagen von diversen technischen Problemen gebeutelt wurde. Glatte 5 Zehntel war er schneller als die bisher beste Zeit von Schumacher, was schon ein Statement ist. Vermutlich kann man zumindest die bisher schnellsten Zeiten der Teams allesamt vergessen, denn wenn Williams 1.19m fahren kann, sollte es vorne noch mal 1 bis 2 Sekunden schneller gehen. Interessant wird es aber, wenn man sich die Übersicht aller Bestzeiten anschaut.

Barrichello fuhr seine Bestzeit heute, wie Alonso, Schumacher und Heidfeld die Tage zu vor, zu Beginn eines Stints über acht Runden. Vermutlich waren Supersofts drauf, denn auch bei ihm fielen die Zeiten schnell in den Keller. Nun weiß man zwar nicht, was Rubens noch im Tank hatte, aber ganz leer wird der nicht gewesen sein. Über den Williams FW33 ist nicht viel geschrieben worden, aber vom Konzept her ist doch etwas anders. Das sehr merkwürdige Heck hatten wir hier schon thematisiert (hier noch mal eine Analyse bei Scarbs), auffallend ist aber auch die hohe Nase des Williams. Auch wenn es fast etwas unmöglich erscheint, aber man muss vielleicht in Betracht ziehen, dass Williams eventuell einen Treffer in Sachen Aerodynamik gelandet hat. Dies gesagt, sollte man aber auch nicht vergessen, dass man nicht weiß, wer mit KERS unterwegs war und wer den Heckflügel auf der schnellen Runde ausprobiert hat, und wer nicht.

Bei Mercedes lief es heute nicht so gut. Rosberg hatte technische Probleme (er blieb liegen) und er kam nur auf 45 Runden, was ausgesprochen wenig ist. Zum Vergleich: Alonso drehte 115, Vettel 90, Barrichello 103 Runden usw. Überhaupt ist man wohl mit dem W02 immer noch nicht zufrieden. Schumacher ließ gegenüber der BBC durchblicken, dass man sich ein wenig Sorgen über den Speed machen würde. Man sei auf jeden Fall noch langsamer als die Konkurrenz und über Siege wolle er nicht sprechen. Das deckt sich mit den Beobachtungen der Kollegen von Autosport über die letzten vier Tage, den Rückstand auf ca. 5 Zehntel geschätzt haben. Deswegen muss man aber nicht den Kopf in den Sand stecken, letztes Jahr waren es ja knapp 1.3 Sekunden und 5 Zehntel kann man aufholen. Das Schumacher offenbar besser mit dem W02 klar kommt sorgte dann auch schon für die üblichen Gerüchte.

Unbeeindruckt, still und fast schon unauffällig hat Red Bull die letzten Tage verbracht. In der Zeitenliste taucht man nicht auf, vermutlich weil man weiß, dass der RB7 schnell genug ist. Man konzentrierte sich auf mittellange und längere Stints und fuhr stur das Programm durch. Daher ist es schwer, den Speed des Red Bulls einzuschätzen, aber die Rundenzeiten war sehr gut. Ein Vergleich mit Alonso zeigt, was der RB7 wohl kann. Auch hier gilt aber: Man weiß nicht, wie voll der Tank war, ob die Reifen neu oder gebraucht waren und ob KERS genutzt wurde.

Interessant ist ein Vergleich der Zeiten eines mittellangen Stints zwischen Red Bull, McLaren und Ferrari. Die liegen relativ nah zusammen, die leichte Streuung kann auf einen unterschiedlichen Reifenverschleiss hindeuten.

Alonso
25.0, 25.0, 25.0, 25.2, 24.9, 25.6, 25.7, 25.7, 25.8, 26.0, 26.0, 26.1, 26.1, 26.5, 26.6, 26.8, 27.7, 27.2, 27.7

Button
24.5, 24.9, 24.9, 25.0, 24.9, 25.1, 25.3, 25.7, 25.7, 25.3, 25.5, 25.5, 25.7, 25.8, 25.8, 26.0, 28.6, 28.5, 29.7

Vettel
26.5, 26.2, 25.9, 25.6, 25.8, 26.0, 25.7, 25.8, 26.0, 26.2, 26.1, 26.4, 26.4, 26.8, 27.0, 27.2, 28.3, 29.0, 30.7

Ich hätte die Zeiten gerne mit jenen von Schumacher verglichen, aber man sieht schon auf den ersten Blick, dass Mercedes entwerder leichter und viel schwerer unterwegs war.

Schumacher gestern:
26.5, 26.5, 27.2, 27.3, 27.2, 27.2, 27.4, 27.4, 27.5, 27.8, 28.2, 28.5, 28.6, 32.3

Schumacher vorgestern:
24.9, 23.4, 33.6, 23.6, 23.6, 23.9, 24.1, 24.1, 24.1, 24.2, 24.3, 24.9, 24.7, 25.3, 25.6, 26.4, 26.5, 26.3, 27.6

Dazu kommt, dass in Jerez über die Tage auch mehr Gummi lag und die Temperaturen schwankten. Alles Dinge, die schnell mal eine halbe Sekunde ausmachen können.

Noch ein Blick auf die anderen Teams:

Bei Renault saß heute Bruno Senna am Steuer, aber an die Zeiten von Heidfeld kam er nicht ran. Dazu kam ein Dreher. Allerdings stand der R31 auch drei Stunden in der Garage und ob Senna danach noch ein ähnliches Programm wie Heidfeld fahren durfte, ist schwer zu sagen. Jedenfalls wäre alles andere als eine Verpflichtung des Deutschen fast eine Sensation. Die Bestzeit von gestern ist zwar nicht viel wert, aber immerhin war sie da und offensichtlich kommt Heidfeld mit dem Wagen auch gut klar. Renault hat angekündigt, dass man sich nach Jerez entscheiden will. Noch mehr Fahrer wird man wohl allein aus Zeitgründen nicht ausprobieren wollen. Die wichtigste Testsession kommt ja schon nächsten Freitag in Barcelona. Da die Teams da Vergleichswerte haben, kann man dort auch gut sehen, wer wo steht.

Sauber fiel, mal gesehen davon, dass sowohl Perez als auch Kobayashi eine Aufhängung zerlegten, kaum auf, der C30 lief problemlos. Die Zeiten sind nicht schlecht, aber seit dem letzten Jahr ist Peter Sauber sicher vorsichtig geworden. Damals sah man richtig gut aus, nur im Bahrain festzustellen, dass man 2 Sekunden langsamer als der Rest der Welt war. Dennoch sind die Testergebnisse für Sauber nicht schlecht.

Bei Force India sieht auf den ersten Blick noch nach viel Arbeit aus. Und auf den zweiten auch. Das ist halt immer das Problem, wenn man als kleines Team so spät erst den neuen Wagen auf die Strecke bekommt. Sutil zeigte sich zufrieden, aber bei di Resta merkte man schon, dass er noch viel Eingewöhnungszeit braucht. Das wiederum wird der Entwicklung nicht gut tun. Immerhin lief der Force India problemlos.

Toro Rosso ist auch ein wenig unter dem Radar geblieben. Das Gefühl in Jerez ist wohl, dass der neue Wagen gut geht, aber wie gut ist eine andere Frage. Im Mittelfeld wird in der Saison vermutlich um Hunderstel gehen, deswegen kann man hier kaum eine Einschätzung vornehmen. Beide Stammfahrer ließen aber immerhin das über ihnen schwebende Damokles-Schwert namens Ricciardo hinter sich.

Lotus zeigte sich insgesamt zufrieden, aber auch hier gab es einige technische Probleme. Heute kam man wieder kaum zu fahren, weil man viel reparieren musste. Einen richtig langen Stint vom Lotus habe ich noch nicht gesehen, aber der Wagen scheint zumindest vom Gefühl er in der Lage zu sein im Mittelfeld mit zu schwimmen.

Virgin war ebenfalls zufrieden, aber gut waren die Zeiten weder bei Glock noch bei D’Ambrosio. Wenn man mal einen längeren Stint fuhr, lagen die Zeiten bei rund 1.28 bis 1.30min. Der Wagen ist aber auch noch neu, also wird Barcelona abwarten müssen.

1 Barrichello Williams 1m19.832s
2 Kobayashi Sauber 1m20.601s +0.769
3 Alonso Ferrari 1m21.074s +1.242
4 Buemi Toro Rosso 1m21.213s +1.381
5 Senna Renault 1m21.400s +1.568
6 Kovalainen Lotus 1m21.632s +1.800
7 Rosberg Mercedes 1m22.103s +2.271
8 Vettel Red Bull 1m22.222s +2.390
9 Button McLaren 1m22.278s +2.446
10 D’Ambrosio Virgin 1m22.985s +3.153
11 Di Resta Force India 1m23.111s +3.279

Bestzeiten der Tests in Jerez aus allen Tagen:

Barrichello Williams 1m19.832s Schumacher Mercedes 1m20.352s Heidfeld Renault 1m20.361s Massa Ferrari 1m20.413s Alonso Ferrari 1m20.493s Kobayashi Sauber 1m20.601s Button McLaren 1m21.009s Hamilton McLaren 1m21.099s Buemi Toro Rosso 1m21.213s Alguersuari Toro Rosso 1m21.214s Senna Renault 1m21.400s Perez Sauber 1m21.483s Webber Red Bull 1m21.522s Vettel Red Bull 1m21.574s Kovalainen Lotus 1m21.632s Ricciardo Toro Rosso 1m21.755s Sutil Force India 1m21.780s Rosberg Mercedes 1m22.103s Glock Virgin 1m22.208s Petrov Renault 1m22.493s Maldonado Williams 1m22.591s Di Resta Force India 1m22.945s D’Ambrosio Virgin 1m22.985s Trulli Lotus 1m23.216s

108112989PG003_F1_Testing_i 108112878PG031_F1_Testing_i 2011 Formula One Testing 2011 Formula One Testing 2011 Formula One Testing bf2db321 95c42ac2 _Q0C9404 _Q0C0335 _Q0C7399 GU5G9152 F1 Testing in Jerez - Previews Formula One World Championship Formula One World Championship 665311281-335981122011 665311281-465781122011 110201tst 110190tst 110209tst 5441181160_cd5c54de76_o 5440926533_ff860cb5d0_o
Bilder: Ferrari, Mercedes, Force India, Virgin, Williams, Renault. Bilder vom Sauber und McLaren CC-Lizenz via f1photo.org

February 11 2011

20:12

Formel Eins: Jerez Test Tag 2

Am heutigen Tag gab es einigen Schrott und eine überraschende Bestzeit von Mercedes. Doch die war vielleicht gar nicht so gut, wie ein ausführlicher Vergleich zeigt.

Die Saison hat noch nicht angefangen, da steht Mercedes schon in der Kritik. Gerüchte aus dem Fahrerlager wollen von einem Wagen erfahren haben, der sich zwar gut fahren lässt, aber leider zu langsam ist. Doch heute fuhr Schumacher dann plötzlich die schnellste Zeit und konnte sogar nachlegen, als Massa ihm die Bestzeit kurzfristig abnahm. Das führte zu allgemeinen Erstaunen und der Frage, ob man vielleicht eine “Vorstandszeit” gefahren ist. Mercedes und Schumacher bestreiten das, und in dem Fall glaube ich ihnen auch. Sowohl Ross Brawn als auch Mercedes sind nicht bekannt dafür, mit solchen Zeiten zu hantieren, zu mal sie auch nichts bringen würden. Aber dennoch muss man die Bestzeit vorsichtig bewerten.

Schumacher hatte, laut eigener Aussage, bei seinen schnellsten Runden die “Super-Soft” Mischung aufgezogen. Die haben zwar auch andere Teams genutzt, das Prilli die Reifen aber noch nicht kennzeichnet weiß man halt nicht, wer sie wann drauf geschraubt hat. Auffällig ist aber, dass die Zeiten von Schumacher immer in der ersten Runde eines Stints gefahren wurden, und seine weiteren Zeiten danach stark abfielen. Dazu sollte man auch erwähnen, dass Mercedes mit KERS unterwegs war, wie das bei den anderen Teams war, weiß man nicht. Hier mal ein Vergleich der langen und mittleren Stints nach Rundenzeiten, die ich aus dem wunderbaren Chat von Autosport.com … ähm… entliehen habe. Ich kann die Investition der 2.50 Euro nur wärmstens empfehlen. Bei den Zeiten immer eine 1. … min denken, das sind keine Sektorenzeiten.

Massa:
Long. 26.2, 26.1, 26.4, 26.9, 26.5, 26.8, 27.0, 27.0, 27.2, 27.4, 28.2, 28.7, 29.3
Mid. 22.2, 21.9, 22.4, 22.7, 22.7, 22.5, 22.5, 22.7

Webber:
Long. 25.3, 25.4, 25.1, 24.8, 24.8, 24.4, 24.5, 24.9, 28.5, 24.3, 24.2, 24.0, 24.4, 24.2, 25.4, 25.0, 25.3, 25.9, 26.7
Mid. 24.3, 23.8, 23.6, 23.6, 23.4, 23.5, 23.5, 23.5, 24.1, 28.2, 23.6, 23.9

Schumacher:
Long. 24.9, 23.4, 33.6, 23.6, 23.6, 23.9, 24.1, 24.1, 24.1, 24.2, 24.3, 24.9, 24.7, 25.3, 25.6, 26.4, 26.5, 26.3, 27.6
Mid. 20.3, 21.3, 22.0, 22.6, 22.9, 23.8, 24.2, 24.2, 24.1, 24.6

Heute morgen fuhr Schumacher:
21.4, 22.1, 23.0, 23.0, 23.5, 23.8, 24.3, 24.8, 25.4, 25.5

Zum Vergleich Webber gestern:
25.1, 24.3, 23.8, 23.7, 23.5, 23.5, 23.4, 23.1, 23.0, 23.9, 23.1, 23.2, 26.6, 23.0, 23.3, 23.5, 24.1, 24.7.

Aufschlussreich sind die langen Stints. Massa war offenbar mit einem randvoll getankten Auto unterwegs, bei Webber war der Tank mindestens halbvoll. Schumacher war zunächst auf seinem langen Stint schneller als Webber, was dafür sprechen könnte, dass er leichter war. Dagegen spricht allerdings, dass seine Zeiten gegen Ende massiv einbrachen, während die von Webber sehr stabil blieben. Das könnte auch darauf hindeuten, dass der Mercedes ein Problem mit dem Verschleiss der Reifen an der Hinterachse hat, bzw. der Red Bull einfach schonender mit dem Gummi umgeht. Ferrari wiederum hat heute nicht versucht, auf Zeitenjagd zu gehen.

Von Button gibt es leider keine solche Aufstellung, aber der neue McLaren fährt zumindest auf Anhieb vorne mit und sowohl Team als auch Fahrer zeigten sich heute sehr optimistisch.

Renault beließ es wie gestern bei Systemtests. Man hat nach dem Ausfall von Kubica offenbar das Programm umgestellt und hat Petrov mehr oder weniger nur Aero- und Reifentests fahren lassen. Im Grunde sammelt man Basisinformationen. Vielleicht wartet man da auf Nick Heidfeld, der morgen in den Wagen steigen soll.

Pech hatten Sauber und Williams. Der neue FW33 scheint ein nicht unkomplizierter Wagen zu sein, was das Heck angeht. Da hat es nicht geholfen, das Maldonado das Auto in einen Reifenstapel gefeuert hat und man den gesamten Nachmittag verlor. Etwas ähnliches passierte auch Sergio Perez, der bei Sauber die Vorderradaufhängung demolierte. Für beide war der Tag damit gelaufen, was für die Teams ernorm ärgerlich ist. Jede Testrunde zählt schließlich.

Auch bei Lotus war man frustriert. Man hatte man wieder mit technischen Problemen zu kämpfen und konnte am Nachmittag nicht fahren, weil man erst mal Ersatzteile aus England einfliegen lassen muss. Der Lotus scheint nicht schlecht zu gehen, zickt aber auch kräftig rum, so das sehr viel Testzeit verloren geht. Das Testtelegramm sah dann auch dementsprechend bescheiden aus:

0900 – 0902: Run 1, Installation lap
0901 – 0944: Cockpit adjustments / general system checks
0944 – 0950: Run 2, 3 laps
0950 – 1008: Session red flagged
1008 – 1032: Run 3, 12 laps
1032 – 1058: Rear camber change
1058 – 1116: Run 4, 12 laps
1116 – 1221: Change tyre compouds – soft to medium
1221 – 1232: Run 5, 7 laps
1216 – 1259: 2nd rear camber change
1259 – 1305: Run 6, 5 laps
1313 – 1700: Mechanical fault ends session – spare parts to rectify issue arrive from factory 11/02

Nur zum Vergleich: Massa und Schumacher kamen auf mehr als 100 problemlose Runden.

Zum Schluss die guten Nachrichten: Robert Kubica geht offenbar bedeutend besser. Er hat, über seinen Manager, der Gezetta dello Sport ein Interview gegeben, dass die Autosport in Teilen übernommen hat. Unser Leser und regelmäßige Kommentator ethone war so nett, das zu übersetzen. Ich zitiere mal die wichtigsten Passagen:

“Ich will zur Rennstrecke stärker zurückkommen als jemals zuvor, weil du nach solchen Unfällen nicht mehr derselbe bist wie vorher, du wirst besser.
Das ist mir schon 2007 passier, nach dem Unfall in Kanada. Ich musste für ein Rennen aussetzen und als ich zurück kam war ich besser.”

[...]

Die Finger funktionieren, ich kann sie spüren und der Arm funktioniert auch. Aber ich habe noch weitere Operationen, letztlich weiß ich erst danach woran ich bin.
Mir tut Leid was passiert ist. Es hätte nicht passieren sollen. Ich weiß gar nicht was passiert ist, ich kann mich an nichts mehr über den Unfall selbst erinnern. Ich bin im Krankenhaus aufgewacht und alles wurde mir von meinem Manager, Daniele Morelli, der seit Sonntag hier ist, erklärt.

[...]

Ich fahre besser in der Formel 1 weil ich viele Rallies gefahren bin letztes Jahr. Rallies helfen deiner Konzentration, besonders weil es kaum noch Testtage in der Formel 1 gibt. Leistung in der Formel 1 kommt aus einer Reihe an Details.
Rallies zu fahren hat es mir erlaubt an bestimmten meiner Aspekte zu arbeiten wo es noch Verbesserungspotential gibt. Das ist wichtig in einer Saison mit 20 Rennen.”

Morelli: “Als er hier [im Krankenhaus] ankam hatte er nur noch einen Liter Blut. ‘Ruf die Eltern des Jungen an’ haben mir die Ärzte am Sonntag nachmittag gesagt. Mir ist es kalt den Rücken heruntergelaufen.”

Wir wünschen weiterhin gute Besserung!

1 Schumacher Mercedes 1m20.352s
2 Massa Ferrari 1m20.413s +0.061
3 Button McLaren 1m21.009s +0.657
4 Alguersuari Toro Rosso 1m21.214s +0.862
5 Webber Red Bull 1m21.613s +1.261
6 Sutil Force India 1m21.780s +1.428
7 Perez Sauber 1m21.857s +1.505
8 Glock Virgin 1m22.208s +1.856
9 Petrov Renault 1m22.493s +2.141
10 Maldonado Williams 1m22.591s +2.239
11 Trulli Lotus 1m23.216s +2.864

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February 07 2011

11:29

Formel Eins: Virgin MVR-02 Bilder

Virgin hat heute den neuen Einsatzwagen vorgestellt, der in diesem Jahr das Team weit nach vorne bringen soll. Der MVR-02 hat ein erstaunlich langweiliges Design.

Virgin lässt den Wagen von Nick Wirth komplett am Computer erstellen. Tests in einem Windtunnel gibt es nicht, Wirth ist der Meinung, dass die moderne CFD-Technologie einen Windkanal überflüssig macht. Viele Überraschungen bietet der MVR-02 aber nicht. Als bisher einziges Team setzt Virgin auf eine weit nach unten gezogene Nase. Während der Rest der Welt einen V-förmigen Bug als Optimum erachtet, geht man bei Virgin einen etwas anderen Weg. Die Seitenkästen haben einen schmalen Lufteinlass, sind tief eingekerbt und fallen scharf ab. Im Heck sieht man auf den ersten Blick nichts besonderes, doch auffallend ist die sehr gespreizte Hinterradaufhängung. Da ist man auf eine ähnliche Idee, wie Ferrari gekommen. Alles in allem ein eher konservatives Auto. Nach den vielen Ausfällen im letzten Jahr ist das vermutlich auch ein richtiger Weg. Man belegte den letzten Platz der Konstrukteurs WM nur, weil HRT häufiger ins Ziel kam. Das sollte sich nicht wiederholen. Ob Virgin damit aber der große Sprung nach vorne gelingt, wage ich mal zu bezweifeln.

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February 01 2011

16:45

Formel Eins: Test Valencia Tag 1

Die Saison 2011 ist mit dem ersten Test in Valencia eröffnet. Doch große Erkenntnisse gab es nicht, sieht man mal vom Renault ab.

Gestern und heute gab es eine kleine Orgie in Sachen Vorstellung der neuen Wagen. Ferrari hatte ja am Freitag den F150 gezeigt, der Rest kam dann nach Valencia und zeigte schnell die neuen Chassis. Lotus machte den Anfang, am Schluss kam dann Mercedes. Und offenbar haben die Ingenieure im letzten halben Jahr einige schlaflose Nächte. Die Kreativität, mit der die neuen Herausforderungen angegangen wurden, ist ziemlich groß, auch wenn einige Fahrzeuge zumindest von außen etwas langweilig erscheinen. Richtig auffällig waren aber drei Wagen: der neue Red Bull RB7, der Williams FW33 und der neue Renault R31.

Der Reihe nach:

Sauber C30:
Sehr konservatives Design. Die hohe Nase des Vorjahres hat man beibehalten, die Seitenkästen allerdings ebenso verändert, wie das gesamte Heck. Man hat offenbar lang und breit mit Ferrari gesprochen, denn die sehr weit auseinander gezogenen Arme der Hinterradaufhängung sind schon sehr auffällig. Ansonsten ist mir auf den Bildern, mal abgesehen vom der vermutlich häßlichsten Lackierung des Jahres, nichts aufgefallen. Nun ist James Key kein Anfänger, da wird sich also viel unter dem Wagen verstecken.

Lotus TL128:
Vom neuen Lotus gibt es noch keine richtigen Fotos. Die Malayen sind erst heute in Valencia angereist und zeigen sich morgen. Auf den wenigen Bildern von Lotus konnte man aber sehen, dass sich Mike Gascoyne dieses Jahr etwas weiter aus dem Fenster lehnt. Die Seitenkästen sind klein und sehr fließend, ähnlich wie beim RB6. Die Motorabdeckung hat er bei Mercedes geklaut.

Toro Rosso STR6:
Der Launch von Toro Rosso ist heute zwischen Red Bull und Mercedes etwas untergegangen, aber der neue Wagen hat durchaus einige interessante Lösungen. Die Nase trägt er, wie alle in diesem Jahr, sehr hoch. Man setzt auch auf den bekannten V-Kiel. Ab des Cockpits hat man sich aber für eine andere Lösung entschieden. Die Seitenkästen sind sehr lang gezogen, aber sehr scharf eingezogen. Von der Seite betrachtet, haben sie eine angedeutete Flügelform. Das Heck hat man leider nicht gesehen. Der SRT6 dürfte ein Schritt nach vorne sein.

Ferrari F150:
Wirklich revolutionär ist nichts. Die Nase ist etwas höher, die Seitenkästen sind sehr hoch angesetzt und laufen geschwunden aus. Die vordere Aufhängung sitzt wegen der neuen Nase etwas höher. Das Heck ist flach, hat aber nur eine kurze Heckflosse, ungefähr wie der letztjährige Mercedes. Ferrari spricht davon, dass es zwar ein neues Chassis ist, aber man nicht die letzte Version sieht. Die würde man erst in Bahrain zeigen. Das betrifft vermutlich vor allem den Frontflügel, der eh aus dem letzten Jahr ist, und die Heckpartie. Man werde, so Ferrari, um Laufe des Februars weitere neue Aerodynamikteile am Wagen ausprobieren und zeigen. Auffallend ist allerdings, dass das Heck nicht so oft gezeigt wurde. Offenbar hat Ferrari die Push-Rod-Aufhängung aus dem letzten Jahr, aber so genau konnte ich das nicht sehen. Auf jeden Fall hat man die Aufhängungspunke der Hinterradaufhängung deutlich weiter nach hinter gesetzt, während die vorderen gleich geblieben sind.

Williams FW33
Das Team hat auf eine Präsentation verzichtet und den Wagen direkt auf die Strecke geschickt. Auffallend vor allem das Heck. Williams hat hier auf eine sehr radikale Lösung gesetzt, in dem alle Zusatzaggregate irgendwie um den Motor packt hat. So hört die Motorabdeckung weit vor dem Heckfügel aus. Dahinter ist nichts mehr, nur die Streben der Aufhängung und ein wirklich sehr tief liegendes Differential. So was hat man lange nicht mehr gesehen und ich bin gespannt, ob sich das auszahlt.

Mercedes GP 02:
Man erwartet viel vom neuen Wagen, aber so auf den ersten Blick war ich doch etwas enttäuscht. Ross Brawn hat eine interessante Nase gestaltet, die die Entenform von Williams aus dem letzten Jahr aufgreift. Die Seitenkästen sind wie beim Ferrari F150 und dem Sauber C30 sehr hoch, wenn man das mit der Konkurrenz vergleicht. Nach hinten wirkt der Wagen auch eher konservativ, was aber keine Wertung sein soll. Man hat zumindest auf Experimente a la Williams verzichtet. Auf mich wirkt der Wagen etwas schwerfälig, allerdings zeigte sich Rosberg nach seinen ersten Runden, im Gegensatz zum letzten Jahr, sehr begeistert. Wird man abwarten müssen.

Lotus-Renault R31:
Der neue Renault ist entweder ein epochaler Flop oder eine Geniestreich. Mal abgesehen von der konventionellen Front geht man in fast allen Belangen neue Wege. Am auffälligsten ist das bei den Seitenkästen, die sanft geschwungen und tief eingekerbt bis zum Heckflügel laufen. Auch die Airbox ist mit ihren drei zusätzlichen Einlässen ungewöhnlich, weil man gerade da oben möglichst wenig Widerstand haben möchte. Die richtige Revolution steckt aber im Auto, denn Renault hat den Auspuff des Motors nach vorne gelegt. Sie kommen jetzt genau vor dem Beginn der Seitenkästen raus und blasen diese und den Unterboden direkt an. Die Idee: Die heiße, sehr schnelle Luft, soll zusätzlich für Abtrieb sorgen. Das Problem dürfte aber die Hitze des Auspuffs sein, der an den Kühlern und am Tank entlang läuft. Die beiden zusätzlichen Öffnungen an der Airbox dürften vermutlich für die Kühler sein. Ob und wie das funktioniert und ob der Wagen bei Hitzerennen nicht kollabiert wird man abwarten müssen. Immerhin: Man hat sich was getraut und wenn die Rechnung aufgeht, muss man Renault auf der Rechnung haben.

Red Bull RB7:
Adrian Newey hatte im Winter gesagt, dass man eher eine Evolution beim neuen Wagen sehen wird, Sebastian Vettel verriet mir, dass der neue Wagen “die ein oder andere Überraschung” haben wird. Auf den ersten Blick hat Newey vor allem die Front überarbeitet, doch auf den zweiten Block fallen die extrem kompakten und kurzen Seitenkästen auf. Ähnlich wie bei Williams lässt man diese sehr früh aufhören, lässt die Motorabdeckung aber bis zum Heck laufen. So kurze Sideposts habe ich lange nicht mehr gesehen, erstaunlich, dass Red Bull da noch das KERS untergebracht hat. Gerüchteweise hat Red Bull auch beim Auspuff noch ein As im Ärmel. Offenbar ändert sich da noch was bei der Heckabdeckung. Ansonsten ist der RB7 tatsächlich die Evolution, die versprochen wurde.

Testtag 1
Man darf die Zeiten nicht werten. Zum einen waren Force India, Mclaren und Virgin mit dem alten Auto unterwegs, zum anderen war es der erste Tag, da werden unterschiedliche Programme gefahren. Das Vettel die erste Bestzeit des Jahres gefahren hat, muss also nichts bedeuten. Auffallend war nur, dass sowohl der neue Red Bull als auch der Ferrari problemlos und schnell auf Speed gekommen ist. Mercedes hatten dagegen einen problematischen Tag, da sie mit einem Hydraulikproblem zu kämpfen hatten. Rosberg und Schumacher kamen so kaum zum fahren, beide zeigten sich aber angetan vom neuen Wagen und meinten, dass er viel besser zu fahren sei. Schumacher kam in seinen wenigen Runden auch auf eine okaye Zeit.

Wie gesagt, viel kann man noch nicht herauslesen. Man wird die Woche und den Test nächste Woche in Jerez abwarten müssen um etwas genaueres sagen zu können. Das gilt auch für die Pirelli Reifen, die aber scheinbar gut funktioniert haben. Offenbar mögen sie die Kälte aber nicht so, als es am Nachmittag wärmer wurde, ging es direkt besser voran.

Lohneswert ist im übrigen die Investition von 2.50 Euro in den Livedienst von autosport.com. Es gibt einen sehr guten Livekommentar und die Zeiten werden auch quasi live weiter gegeben.

Ein kleines Bonbon habe ich aber noch. Sauber hat gestern gefilmt, wie der klappbare Heckflügel funktioniert.

1 Vettel Red Bull 1m13.769s
2 Hülkenberg Force India 1m13.938s +0.169
3 Paffett McLaren 1m14.292s +0.523
4 Di Resta Force India 1m14.461s +0.692
5 Alonso Ferrari 1m14.553s +0.784
6 Kobayashi Sauber 1m15.621s +1.852
7 D’Ambrosio Virgin 1m16.003s +2.234
8 Schumacher Mercedes 1m16.450s +2.681
9 Barrichello Williams 1m17.335s +3.566
10 Petrov Renault 1m17.424s +3.655
11 AlguersuariToro Rosso 1m17.774s +4.005
12 Karthikeyan HRT 1m18.020s +4.251
13 Rosberg Mercedes 1m19.930s +6.161

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Bilder: Red Bull, MercedesGP, WilliamsF1, Ferrari. Heck Williams Scarbs, photof1.org

January 06 2011

08:26

Formel Eins: Die Präsentationen

Normalerweise drängen sich im Januar die Termine der Teams, die ihre neuen Wagen vorstellen. Doch in diesem Jahr scheint man sich das zu sparen.

Offensichtlich hat sich die FOTA abgesprochen und es wird keine großen Einzelpräsentationen geben. Stattdessen werden die meisten ihre Wagen entweder in Valencia oder eine Woche später in Jerez der Öffentlichkeit zeigen. Schade, die Präsentationen haben die Vorfreude immer etwas gesteigert. Im Moment sieht die Liste also noch leer aus:

Red Bull RB7
Ferrari Project 662 – Ende Januar
McLaren MP4-26
Mercedes W02
Renault R31 – Ende Januar
Williams FW33
Force India VJM04
Sauber C30 – 31.01. 11.15h, Valencia
Scuderia Toro Rosso STR6 – 01.02, Valencia
Team Lotus-Renault T128
HRT F111
Virgin Racing

Tests
01.02. – 03.02 Valencia
10.02. – 13.02 Jerez
18.02. – 21.02. Barcelona
03.03. – 06.03. Bahrain

December 25 2010

09:40

F1 Saisonrückblick II: Die Teams

Nicht viele Teams habe sich dieses Jahr mit Ruhm bekleckert. Im Grunde hatten alle dieses Jahr den einen oder anderen Aussetzer. Mein Team des Jahres ist daher vielleicht für einige eine Überraschung.

Die Saison 2010 bot mangels großer Regeländerungen die Chance die bewährte Technik zu verbessern, oder aufbauend auf den Erfahrungen des Vorjahres ein Chassis zu bauen, dass den eigenen Erwartungen besser entsprechen würde. Das führte zu meist ähnlichen Ansätzen beim Design, wobei Red Bull klar vorgab, wohin die Reise geht. Erstaunlicherweise kopierte niemand das Design des Vorjahres Siegerwagens, dem Brawn. Selbst Ross Brawn verwarf das alte Chassis und ging mit neuen Ideen an den Start. Schwer hatten es die neuen Teams, die keinerlei Erfahrungen und kaum Geld zur Verfügung hatten. Das ihr Rückstand groß sein würde, war klar, aber es war dann doch etwas schockierend wie hoch er am Ende war.

Die Reihenfolge der Teams nach der WM-Wertung 2010

1. Red Bull
Klar, man hatte das beste Auto auf der Strecke, das man im Laufe der Saison auch noch weiter verbessern konnte. Eigentlich hatte der RB6 nur eine einzige Schwäche: Den Topspeed. Der lag weit unter allem, was die Konkurrenz schaffte, aber gegen Ende der Saison konnte Red Bull dieses Manko teilweise ausmerzen. Man wurde zwar nicht viel schneller, aber der Wagen beschleunigte vor allem aus engen Kurven heraus deutlich besser als der Rest der Welt. Wären nicht die technischen Probleme gewesen, die Saison wäre deutlicher für die Bullen ausgegangen. Der Renault-Motor war eine Schwäche, allerdings gab es auch immer wieder Probleme mit Bremsen (Vettel/Australien, Montreal usw.). Etwas chaotisch zeigte sich teilweise die Teamführung. Christian Horner schien die Kontrolle ab und an aus den Händen zu gleiten, vor allem, wenn sich Vettel und Webber ins Gehege kamen (England, Türkei) oder Helmut Marko als de-facto Teamchef im Hintergrund allzu deutlich wurde. Die, zumindest von außen, merkwürdig organisierte Teamführung ist sicher auch ein Grund, warum Red Bull noch nicht perfekt funktioniert. Man darf aber nicht vergessen, dass bisher niemand Erfahrung darin hatte, wie man einen WM-Titel gewinnt. Herzstück von Red Bull ist aber nicht alleine das Team, sondern Red Bull Technology, also Adrian Newey, der ebenfalls zu erweiterten Teamführung gehört. Ob diese Dreierspitze immer so reibungslos funktionieren wird?

2. McLaren
Nach der etwas schmerzhaften Trennung von Mercedes hat mich McLaren überrascht. In den letzten Jahren hieß es immer, dass Mercedes einiges an Entwicklungsarbeit mitleistet, von daher bin ich davon ausgegangen, dass McLaren einen schlechten Start erwischt, weil es Zeit braucht, bis neue Strukturen greifen. Tatsächlich lief es besser, aber gegen Ende der Saison merkte man doch, dass der große Partner fehlte. Man hatte sich wohl mit dem F-Schacht/Unterbodensystem verzockt, jedenfalls war der Speed plötzlich weg und er kam auch nicht wieder. Vielleicht wäre mit der Unterstützung von Mercedes da eher etwas gefunden worden. Ansonsten hat mir McLaren im Jahr 1 nach der Trennung gut gefallen. Saubere Arbeit, geniale Idee mit dem F-Schacht, ruhige und souveräne Teamführung, entspannt auch in engen Situationen. Das einzige Fragezeichen was ich habe, steht hinter der Entwicklungsfähigkeit. Hat McLaren die Power in den nächsten Jahren auch ohne Partner gegen Ferrari, Red Bull oder Mercedes anzukommen?

3. Ferrari
Miserabler Start, gutes Finish. Allerdings muss sich Ferrari zum wiederholten Mal die Frage gefallen lassen, warum man im Winter so tief schläft. 08/09 verpennte man den Doppeldiffusor, 09/10 den Blown Diffusor. Man baute gute Autos, aber ohne besonders einfallsreich zu sein. Mir fiel bei der Präsentation in diesem Winter schon auf, dass das Chassis auffällig unauffällig wirkte. Die Schwäche bei Ferrari liegt wohl in der Designabteilung, auch wenn die in einem Verzweiflungsakt mit der B-Variante einiges nachholen konnte. Wenn man bedenkt, dass Ferrari nach dem Massa-Unfall seit September 2009 neue Teile im Renntrimm ausprobiert hatte, war das Ergebnis kläglich. Problematisch soll bei Ferrari die Teamführung sein. Stefano Domenicali und Luca Baldisseri werden klar vom heimlichen Ferrari-Chef Luca di Montezemolo gedeckelt, dem technischen Direktor Aldo Costa und dem Chefaerodynamiker Marco de Luca werden Schwächen zugesprochen. Das alte “Ferrari-System” das vor der Ankunft von Jean Todt herrschte, soll wieder Einzug gehalten haben. Jeder sichert sich nach hinten ab, keiner traut sich was. Angesicht des mauen Designs und den oft schwach wirkenden Entscheidungen von Domenicali könnte da was dran sein. Es wurde darüber spekuliert, dass Montezemolo das Team umkrempelt, aber das hat er bisher dementiert.

4. Mercedes-Benz
Sicher etwas enttäuschend für die Stuttgarter, aber ehrlich gesagt nicht so verwunderlich. Mercedes hat sich im letzten Jahr extrem spät dazu entschieden, BrawnGP zu kaufen. Ross Brawn steckte bis zum vorletzten Rennen im WM-Kampf, hatte keine Sponsoren und keine andere, finanzielle Rückendeckung. Das Budget für die Entwicklung des 2010er Chassis war knapp, die Ressourcen dünn. Laut einer unbestätigten Aussage von Brawn hatte er schon geplant die Saison 2010 mit einer B-Variante des Vorjahres zu starten. Mercedes hat dann auch nicht so viel Geld reingestopft, wie es vielleicht nötig gewesen wäre. Man hat wohl auf eine gute Idee von Brawn und die Erfahrung von Schumacher gebaut, um vorne dabei sein zu können. Aber schon bei den Tests zeigte sich, dass der Wagen nicht besonders gut lief. So sehr ich die Probleme zu Saisonbeginn verstanden habe, so sehr war ich verwundert, dass Mercedes überhaupt nicht vom Fleck kam. Im Grunde holte man nur leicht auf um dann den Abstand zu halten. Mag sein, dass das Chassis schon im Mai, als man den Radstand verlängerte, schon am Ende war, doch ich habe mehr erwartet. Der vierte Platz ist angesichts der Schwierigkeiten fast eine Überraschung, alarmierend ist aber der Abstand nach vorne.

5. Renault
Alle Welt setzt auf ein langes, schmales Chassis, nur Renault baut einen Panzer. Umso erstaunlicher, dass der Wagen dann auch noch so schnell war. Bemerkenswert ist auch, dass sich das Team trotz aller finanziellen Beschränkungen im Laufe der Saison so gut halten konnte. Die geleistete Entwicklungsarbeit war bemerkenswert und wäre Petrov nicht so schlecht gewesen, hätte man mit Mercedes um Platz 4 gekämpft. Das entspricht zwar auch nicht dem Anspruch des Teams, aber nach den schweren Jahren und den Skandalen war das immerhin schon mal etwas. Der erzwungene Abgang von Flavio Briatore scheint dem Team gut getan zu haben, Teamchef Eric Boullier hat richtig gute Arbeit abgeliefert. Er musste das Team neuaufbauen, mit den neuen Besitzern klar kommen und sehen, dass der Laden einigermaßen erfolgreich läuft. Das ist ihm gelungen und vor allem konnte sich Renault bis zum letzten Rennen immer wieder in Szene setzen. Zwar ging ihnen, vermutlich wegen fehlender Entwicklung, am Ende der Saison in der Quali etwas die Luft aus, aber Kubica war immer für eine Überraschung gut. Das neue Geld aus Russland und Malaysia (Group Lotus) sollte helfen, wenn die Malayen Eric Boullier denn in Ruhe arbeiten lassen.

6. Williams
Ganz klar: Mein Team des Jahres. Williams ist, auch nach dem Verkauf etlicher Anteile an den österreichischen Geschäftsmann Toto Wolff, immer noch ein Familienunternehmen. Frank Williams leitet die Sache zusammen mit Patrick Head. Sam Michaels hat als technischer Direktor viel an Profil gewonnen und man hat ein solides Team im Bereich der Aerodynamik. Der FW32 war kein Glanzstück, im Gegensatz zu den Modellen der Jahre davor war er aber von Anfang an vernünftig. Erstaunlich auch, dass man trotz enger Finanzen im Jahr immer besser wurde. Das lag mit Sicherheit auch am Input von Rubens Barrichello, dem man nicht ohne Grund ein weiteres Jahr in der F1 geschenkt hat. Eigentlich sollte man auf diesem guten Jahr aufbauen können, aber man verliert mit RBS, Philips und Air Asia drei wichtige Sponsoren. Das man Hülkenberg hat gehen lassen müssen, weil Maldonado geschätzte 15 Millionen Dollar mitbringt, hilft der Sache auch nicht. Erstaunlich ist auch, dass Williams Cosworth treu bleibt und nicht zu Renault gewechselt ist. Aber man erhofft sich von Cosworth, weil man deren Zugpferd ist, wohl eine bessere Unterstützung. 2011 wird für Williams aber schwer, das kann man jetzt schon sagen.

7. Force India

Nur knapp von Williams um einen Punkt in der WM geschlagen, was eigentlich heißt, dass es nicht schlecht gelaufen ist. Aber für Force India ging es nach der erfolgreichen zweiten Saisonhälfte 2009, dann doch eher einen Schritt zurück. Schuld daran war auch das Chaos in der Designabteilung. James Key verließ den Laden Richtung Sauber, sein Nachfolger Mark Smith und etliche weitere Mitarbeiter wurden keinen Monat später von Lotus abgeworben. Die gesamte Abteilung stand praktisch führungslos da und musste komplett neu aufgebaut werden, was bis heute nicht abgeschlossen ist. Kein Wunder, dass der Force India im Laufe des Jahres immer weiter zurückfiel. Die Updates kamen nur spärlich und vor allem sehr spät. Man kann nur hoffen, dass man sich im Hintergrund schon früh für 2011 vorbereitet hat. Auch bei den Fahrern muss sich was tun. Luizzi ist keiner, der wirklich überzeugt, Sutils Formkurve ist zu wechselhaft. Der Deutsche bräuchte vielleicht auch mal einen Kollegen, der ihn richtig unter Druck setzt. Heidfeld oder Hülkenberg wären gute Lösungen. Ich bin mir aber sicher, dass Vijay Mallya was tun muss, damit sein Team weiter nach vorne kommt.

8. Sauber
Nach dem höchstpeinlichen Ausstieg von BMW blieb Peter Sauber nichts anderes mehr übrig, als aus den Scherbenhaufen wieder ein Team zu formen. Den C29, der von BMW und seinem langjährigen Partner Willy Rampf entwickelt wurde, bezeichnete er in aller Öffentlichkeit als “Krücke”. Rampf wurde dann auch bald durch James Key ersetzt, der dem Chassis dann noch ein paar Zehntel entlocken konnte. Dazu kam, dass Ferrari offenbar die gesamte “Montagsproduktion” an Motoren geliefert hatte, jedenfalls starben die schneller, als die Sauber-Leute sie wechseln konnten. Wäre Kobayashi nicht gewesen, der für jede Menge gute PR sorgte, das Jahr wäre schlecht gelaufen. Peter Sauber hat 2010 schnell abgehakt, seit dem Frühsommer hat man C29 kaum noch etwas gemacht. Für ihn wird es entscheidend sein, wie 2011 läuft. Auch er hat, wohl aus Kostengründen, mit Sergio Perez einen Mann ran geholt, der zwar viel Geld mitbringt (Telefonica) aber keine Erfahrung hat. Immerhin hat er in der GP2 einen guten Eindruck gemacht. Peter Sauber ist für mich aber ganz klar der Teamchef des Jahres in der Formel Eins, denn er hat aus einem zerrissenen, verkleinerten und demotivierten Team wieder eine schlagkräftige Truppe geformt.

9. Toro Rosso
Nach den guten Jahren 2008 und 2009 war die letzte Saison eine ziemliche Enttäuschung für das Team. Man darf aber nicht vergessen, dass STR 2010 zum ersten Mal mit einem eigenen Chassis an den Start gehen musste. Es war zwar “nur” eine Variante des RB5, die Updates musste man aber selber entwickeln. Da man keinerlei Erfahrung in den Bereich hat, war es klar, dass man nicht mehr an die alten Erfolge würde anknüpfen können. Wie groß die Probleme mit der Konstruktion waren, zeigte sich dann in China, als Buemi im Training beide Vorderradaufhängungen gleichzeitig kollabierten. So richtig gut sah das Team nie aus, einen Schritt nach vorne konnte man auch nicht erkennen. Es mehren sich auch die Gerüchte, dass Red Bull das Team verkaufen könnte, da man nicht mehr so recht weiß, was man mit STR anfangen soll. Man kann nur hoffen, dass sie den teilweise eklatant großen Rückstand zu Force India und Sauber wieder aufholen.

10. Lotus
Von allen neuen Teams kam Lotus in diesem Jahr am sympathischsten rüber. Tony Fernandes ist jemand, der den Motorsport offenbar liebt, jedenfalls habe ich in diesem Jahr kaum jemanden erlebt, der so offen und begeistert an die Sache ran gegangen ist. Zumindest von außen sieht es so aus, als ob er alles für sein Team in die Wege leitet, was in seiner Macht steht. Ob Mike Gascoyne als technischer Direktor allerdings in der Lage ist, das Team im Mittelfeld zu verankern, ist dann wieder eine andere Frage. Ich bin kein großer Fan seiner Arbeit, seine beste Zeit hatte er bei Renault in der Alonso-Zeit, bei Toyota sah er nicht gut aus. Gascoyne hat auf Grund der kurzen Vorbereitungszeit nach eigenen Aussagen ein sehr konservatives Auto gezeichnet, an dem sich aber offenbar einiges verbessern ließ. Man holte vor allem auf Toro Rosso auf und es gelang auch, den Rückstand nach ganz vorne von 6.5 auf rund 4.5 Sekunden zu verkürzen. Trotzdem sind das immer noch Welten und Virgin war auch nicht viel schlechter. Man darf gespannt sein, was Gascoyne mit dem neuen, sehr kompakten Renault-Antrieb anstellt. Würde mich nicht wundern, wenn der Lotus T128 wie ein RB6b aussehen wird.

11. HRT
Seit dem tragischen Dahinscheiden von Forti in den 90er Jahren, kann ich mich an kein Team erinnern, dass chaotischer daher kam. Dem Besitzer ging das Geld aus, man zerstritt sich mit dem Chassis-Lieferanten Dallara, die man für das miese Design verantwortlich machte, wobei man nicht erwähnte, dass Dallara die Entwicklung des Chassis zwischen Dezember und März eingestellt hatte, weil das Team kein Geld zahlte. Colin Kolles übernahm den Laden drei Wochen vor Saisonstart als Teamchef und schaffte es tatsächlich, dass das Team in Bahrain war. Teamklamotten hatte man auch zu Saisonmitte noch nicht und Updates sind mir am HRT nicht aufgefallen. Nach dem der Deal mit Toyota geplatzt ist, muss man jetzt auch noch ein Chassis selber bauen, was angeblich teilweise in Deutschland (wohl über Kolles) und teilweise in England passieren soll. Nur: die britischen Kollegen haben so ziemlich alle Zulieferer durchtelefoniert und da weiß keiner etwas von einem Auftrag aus Spanien. Lob gibt es von meiner Seite nur für Colin Kolles und seine Mannen vor Ort, die trotz des Chaos es geschafft haben, dass das Team vernünftig funktionierte.

12. Virgin
Ich glaube, bei Richard Branson funktioniert das so: Erst hat er die Idee für ein neues Spielzeug, dann will er es unbedingt, dann hat er es und dann hat er keine Lust mehr drauf. So kommt es mir zumindest bei Virgin vor und die Abgabe der ersten Anteile an den merkwürdigen Autobauer “Marussia” (die bisher noch kein Auto gebaut haben) ist ein deutliches Zeichen. Man merkte in diesem Jahr aber auch, dass dem ehemaligen Manor F3-Team um John Booth einfach die Erfahrung fehlte. Dazu kam der mutige Versuch komplett auf CFD-Design zu setzen und den Windkanal einfach zu ignorieren. Dafür gebührt ihnen Respekt und so schlecht lief der Virgin ja nun nicht. Immerhin war mit Lotus teilweise auf Augenhöhe und die Sache mit dem zu kleinen Tank, weil sich Wirth offensichtlich verrechnet hatte, war auch schnell vergessen. Trotzdem hat man das Gefühl, dass mehr drin gewesen wäre, wenn Branson denn auch mehr Geld reingesteckt hätte. Aber da hat ihn wohl halt die Lust verlassen. Schwer zu sagen, was aus Virgin wird, würde mich nicht wundern, wenn die Russen den Laden bald komplett übernehmen.

November 04 2010

09:11

Formel Eins: Vorschau GP Brasilien 2010

Es wird mal wieder spannend in Brasilien, wo die vier Titelkandidaten um die WM kämpfen. Alonso kann es allerdings gelassen angehen.

Ferrari hat alle Trümpfe in der Hand. Wer hätte das noch vor der Sommerpause gedacht, als man eher McLaren zutraute , die Red Bull zu schlagen? Jetzt führt der Doppel-Weltmeister von 05/06 mit satten 11 Punkten in der WM und er kann die Sache etwas ruhiger angehen. Denn Red Bull hat sich immer noch nicht dazu durchringen können Mark Webber den Vorzug zu geben, was angesichts seines katastrophalen Fehlers in Korea allerdings auch in einer gewissen Weise nachvollziehbar ist. Webber war in diesem Jahr aber bisher fehlerlos unterwegs und so ein wenig moralische Unterstützung täte dem Australier im WM-Kampf sicher nicht schlecht. Aber vielleicht hat man das ja intern erledigt. Zumindest wäre vermutlich unklug, beide Fahrer sich in einem gegenseitigen Kampf aufreiben zu lassen, während Alonso dahinter amüsiert die Punkte für die WM sammelt. Aber sicher ist die Sache für Ferrari noch nicht, selbst dann nicht, wenn Alonso zweimal auf Platz 3 fährt. Und die Menge an Szenarien ist fast unüberschaubar.

Sicher raus aus der WM ist eigentlich nur Jenson Button, der 42 Punkte zurückliegt. Zwar sind noch 50 Punkte zu vergeben, aber er glaubt wohl selber nicht, dass er mit zwei Siegen und dem gleichzeitigen Ausfall aller Konkurrenten in beiden Rennen noch was reißen kann. Bleiben also Vettel, Hamilton, Webber und Alonso. Seit dem letzten Rennwochenende kursiert “Bernies Lieblingsergebnis” für das Rennen in Brasilien, dass wie folgt aussieht: Hamilton, Vettel, irgendjemand, dann Webber, während Alonso ausfällt. Das würde zu folgendem Stand vor dem Rennen in Abu Dhabi führen:

1. Alonso 232
2. Webber 232
3. Vettel 231
4. Hamilton 228

Wahrscheinlich ist das nicht, denn dafür müsste McLaren in den letzten 14 Tagen wundersamerweise wieder den Speed aus dem Frühsommer gefunden haben, was ich mal bezweifeln möchte. Dazu kommt, dass Interlagos, zumindest auf dem Papier, eher den Ferrari und den Red Bull liegen. Die haben mich in Korea etwas überrascht, denn ich hatte sie nicht so stark auf der Strecke eingeschätzt. Interlagos ist auch so ein Kurs, bei dem man nicht weiß, ob die Red Bull dort im Vorteil sind. Die langen Geraden sprechen nicht für die Bullen, das enge, und teilweise sehr schnelle Infield schon eher. Die Frage wird sein, ob sie in der Quali dort genug Zeit holen können, die sie auf der Bergaufgeraden richtig Ziel wieder verlieren werden.

Für alle Teams sorgt die anstrengende Strecke in Interlagos (Vollgasanteil 60%) bei vermutlich schwülen Temperaturen (27 bis 30 Grad sind vorhergesagt) sowieso für Kopfzerbrechen, was die Motoren angeht. Der Motor von Webber, wenn man ihn denn nach dem Unfall in Korea retten konnte, ist noch neu und hat keine GP-Distanz auf dem Buckel. Vettel braucht muss nach dem Motorschaden einen “neuen” Gebrauchten ziehen, was sein Kontingent weiter verkleinert. Alonso und Hamilton fahren ebenfalls mit angenagten Maschinen, aber da weiß ja niemand, ob sie nicht doch noch einen Motor aus dem Ärmel schütteln können, der bisher nur Freitags eingesetzt wurde. Das Risiko eines Motorschadens ist also durchaus gegeben, was die WM-Entscheidung noch unberechenbarer macht.

Ferrari kann es etwas gelassener angehen. Zum einen sollte die Strecke dem Wagen liegen, zum anderen kann man aus eigener Kraft die WM fast schon sichern, wenn man das Rennen gewinnt. Dann wären Vettel und Hamiltion aus der WM raus und Webber hätte, vorausgesetzt, er wird zweiter, 18 Punkte Rückstand vor dem letzten Rennen. Kommt Webber nur auf Platz 5 (oder schlechter) ist der Spanier schon in Brasilien Weltmeister. Auch dieses Szenario ist nicht unwahrscheinlich, allerdings konnte Webber im letzten Jahr das Rennen in Interlagos gewinnen.

Wer Lust hat, sich durch alle weiteren Varianten zu klicken, kann das bei dem sehr schönen Meisterschaftsrechner des britischen Kollegen machen.

Es ist müßig darüber nach zu denken, wie alles ausgehen könnte, da in Braslien das Wetter auch noch eine große Rolle spielen könnte. Zwar soll es trocken bleiben (Stand Donnerstag), aber wie schon oft gesehen, kommt gerne mal eine Wolke vorbei, die sich über dem Kurs entlädt. Wie das dann enden kann, kennt man aus diversen Rennen. Von “Chaos” (© Jacques Schulz) bis zu einem Abbruch ist da alles möglich. Aber auch wenn es trocken bliebt dürfte es interessant werden, denn Bridgestone schleppt Medium/Super Soft an den Kurs, was schon etwas mutig ist. Zwar ist der Asphalt eher glatt, aber wenn es richtig heiss werden sollte, darf man gespannt sein, wie lange die Medium-Reifen halten werden. Auch das viele weiche Gummi auf der Strecke gegen Ende des Rennens könnte dann für interessante Verschiebungen sorgen, denn Überholen kann man in Interlagos an mehreren Stellen relativ gut.

Und dann sind ja auch 11 weitere Teams, die ein Rennen fahren wollen. Vermutlich darf man sich wieder auf schöne Zweikämpfe zwischen Renault, Mercedes und Williams freuen, die um die Punkte fahren werden. Force India rechnet sich ebenfalls gut Chancen aus, weil wenig langsame Kurven dabei sind und Sutil dürfte vor allem bei Regen einer sein, der für einen vorderen Platz gut ist. Auch Sauber könnte, dank der Ferrari-Motoren in Brasilien gut drauf sein, was bedeutet, dass es vor allem im zweiten Teil der Qualifikation mächtig eng werden wird.

Ganz weit hinten im Feld wird langsam auch spannend. In der Wertung führt Lotus vor HRT (!) und Virgin, die einfach kein Bein auf den Boden bekommen. Zwar sind sie nicht langsamer als die Lotus, aber dafür werden sie vom Pech verfolgt. Ohne den Rammstoss von Buemi gegen Glock in Korea würde das Team vermutlich besser dastehen. Man muss sich aber schon Sorgen machen, ob das Engagement von Richard Branson nicht ein wenig zu sehr auf Sparflamme kocht.

Die Übertragungszeiten sind sehr angenehm:
Freitag: 12.55/16.55
Samstag: 13.55/16.55
Sonntag: 16:55 (Start)

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