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July 12 2011

17:06

IndyCar: Straflos in Toronto

Über mangelnde Action konnte man sich beim Rennen in Toronto beim besten Willen nicht beschweren. Aber ob der Lauf gute Werbung für die IndyCars war?

Selten hat man nach einem Rennen derart viele aufgebrachte Fahrer erlebt. Will Power etwa konnte sich gar nicht mehr einkriegen, bedachte gleich mehrere Kollegen mit deftigen Flüchen, und schimpfte auch danach auf Twitter noch kräftig weiter. Er war nicht der einzige: Auch diverse Fahrerkollegen machten aus ihren Herzen keine Mördergrube – und sonst stets loyale Fans verkündeten, sie hätten das Rennen nach der Hälfte abgeschalten. Der Großteil der Kritik galt zwar diversen Piloten. Ein wenig muss sich aber auch die Serie selbst an der Nase fassen. Denn gerade die teils schwer verständliche Kommunikationspolitik der Rennleitung war es, die bei einem ohnehin schon aufgeheizten Rennen noch zusätzlich Öl ins Feuer goss. Es kann aber durchaus auch sein, dass man dort insgeheim Freude an den Kontroversen hat.

Es ist schon erstaunlich, wie sehr sich in diesem Jahr die Kollisionen in Toronto gehäuft haben. Der Grund dafür ist nicht so ganz klar. Vor der Saison warnten Fahrer und Teams massiv vor den neuen Double File Restarts. Doch ganz abgesehen davon, dass die Fahrer mit dieser Regelung in Toronto ziemlich hemdsärmelig umgingen – keine einzige der Kollisionen hätte nicht auch in Singe File Formation entstehen können.

Vielmehr scheint ein anderer Verdächtiger von Bedeutung zu sein: Die zunehmend bizarr eingesetzte Blocking-Regel. Ursprünglich eingeführt, um das Spektakel zu erhöhen, und später unter dem Deckmantel Sicherheit verteidigt, verbietet diese Regelung den Fahrern zwar nicht, auf der Gerade direkt vor einen Konkurrenten zu fahren. Sich vor der Kurve auf der Innenbahn zu positionieren ist dagegen tabu. Die Folge: Hinterherfahrenden Piloten stechen recht optimistisch in die Lücke – und können nicht mehr rechtzeitig zurückstecken, wenn sich der Abstand doch als zu groß erweist. Der Vordermann rechnet nicht mit einem Angriff, und zieht nach innen – und es knallt.

So ähnlich würde ich auch die vielbesprochene Kollsion zwischen Power und Franchitti bewerten – eine Absicht würde ich dem Schotten, anders als viele Fans und nicht zuletzt auch Will Power, nicht unterstellen. Wenn man, wie etwa in der Formel 1, strenge Regeln anlegt und für erhöhte Disziplin auf der Rennstrecke sorgen will, dann kann eine solche Situation durchaus bestrafen. Wenn man dies, wie gestern die Rennleitung in Toronto, konsequent nicht macht, dann muss man auch Franchitti ungestraft weiterfahren lassen.

Viel schlimmer als die mangelnde Strafe an sich war aber ohnehin der Eindruck, der durch die Sequenz der Ereignisse entstand, wie sie auf Versus zu sehen war: Kollision – (Fehl?)meldung über eine Strafe für Franchitti – Interview mit ärgerlichem Chip Ganassi – Mitteilung, dass die Strafe zurückgenommen worden sei. Klar, dass man sich dann des Eindrucks nicht erwehren kann, dass die INDYCAR das Ganassi-Team nicht verärgern will, weil es für die Serie zu wichtig ist.

Auch wenn es nicht stimmen sollte. Denn noch ist etwas unklar, was bei der Rennleitung wirklich vorging. Indianapolis Star-Reporter Curt Cavin, der den Funk der Rennleitung verfolgt haben will, behauptete noch während dem Rennen, es habe zwar eine Meldung über eine Untersuchung des Vorfalls, aber niemals eine ausgesprochene Strafe gegen Franchitti gegeben. Roger Penske sagte dagegen der TV-Sendung Wind Tunnel, er habe sehrwohl am Funk eine derartige Meldung gehört.

Ungünstig (und nicht gerade couragiert) war jedenfalls das Verhalten der Rennleitung nach der Zieldurchfahrt. Einzig Driver-Steward Al Unser Jr. war für das TV zu sprechen. Und der versuchte etwas konfus die Entscheidung zu erklären – während umgekehrt Power seine Vorwürfe deutlich formulierte:

“IndyCar won’t penalize them because Chip Ganassi goes up there and gives it to them. It’s just wrong.”

Die IndyCar muss daher in den kommenden Rennen dringend vermeiden, weiter den Eindruck einer Bevorzugung der großen Teams entstehen zu lassen – zumal entsprechende Gerüchte ja auch schon nach dem Lauf in Milwaukee aufgekommen waren, als zwar Takuma Sato für ein Vergehen in der Box bestraft wurde, Dario Franchitti für einen ähnlichen (und dem Regelbuch nach eindeutig verbotenen) Lapsus aber nicht.

Team Ganassi selbst hat seinem Image in Toronto jedenfalls wenig geholfen, als Franchitti und Semi-Teamkollege Rahal beim Restart mehrere Runden lang nicht in der korrekten Double-File Position zur Start- und Ziellinie fuhren, und somit weitere Gelbrunden provozierten. Etwas verdächtig, zumal sie genau das brauchten, um ohne zusätzlichen Splash & Dash-Stop bis zum Ende durchfahren zu können. Dass in der Pressekonferenz nach dem Rennen auch noch Scott Dixon Rahals Fahrstil im Duell völlig ungeschminkt als gefährlich kritisierte, trug gleichfalls nicht zu einer positiven Wahrnehmung bei.

So oder so: Der große Sieger des Rennens heißt Dario Franchitti. Der Schotte hat seine Führung in der Meisterschaft um 35 Zähler, auf nun 55 Punkte ausgebaut. Und das auf einem Rundkurs – also in jenen Gebiet, in den sein großer Meisterschaftskonkurrent Will Power eigentlich im Vorteil sein sollte. Und auch Teamkollege Scott Dixon hat nur noch 28 Punkte Rückstand auf den Australier.

Erstaunlich mittelmäßig einmal mehr die Performance von Penske: Will Power war zwar bis zu seinem Abflug vorne dabei, Helio Castroneves und Ryan Briscoe (ebenfalls beide in Crashes verwickelt) konnten aber einmal mehr das Tempo an der Spitze nicht mitgehen.

Positive Überraschung des Rennens war Sebastian Bourdais. Der Franzose schaffte schon in der Qualifikation mit Rang sieben im Auto von Dale Coyne eine achtbare Leitung. Im Rennen konnte er sie mit dem guten sechsten Platz (trotz Problemen mit Paul Tracy) bestätigen.

Schlecht für die Wahrnehmung der IndyCar Serie dürften wohl auf Dauer die ungehemmten Twitter-Kommentare der Fahrer werden. Denn so schön die Offenheit gegenüber den Fans auch manchmal sein mag. Einen besonders professionellen Eindruck macht es nicht gerade, wenn die Fahrer sich gegenseitig als “princess” und “wanker” bezeichnen, und auch davor nicht zurückschrecken, andere Twitter-user mit diesem Bezeichnungen zu bedenken.

Und damit kommen wir zu einem weiteren Problem: Es kann nämlich durchaus sein, dass die IndyCar Serie gar nicht so unglücklich ist, über den neu gefundenen Hang zu Streitigkeiten. Und zumindest kurzfristig hat sie damit vielleicht auch Recht: Kontroversen erzeugen eben Aufmerksamkeit – die IndyCar Serie wurde gestern Abend in deutlich mehr Medien erwähnt als nach dem wesentlich hochwertigeren Rennen in Iowa. Und auch die TV-Quoten waren so gut wie schon lagen nicht mehr: Versus verzeichnete ein Rating von 0.41. Das ist zwar immer noch auf niedrigem Niveau – aber auch das beste Ergebnis seitdem man die Serie überträgt. Der Sender TSN, der die IndyCars in Kanada zeigt, vermeldet heute gar die besten Quoten für ein Toronto-Rennen seit 14 Jahren. Unglaublich: Mit etwa 550.000 Zusehern hatte man im wesentlich kleineren Kanada fast genauso viele Zuseher wie in den USA.

Auf kurze Sicht (oder als gelegentliches Ereignis) kann das durchaus funktionieren. Auf lange Sicht darf aber bezweifelt werden, ob diese Strategie zum Erfolg führt. Spätestens dann, wenn man nach Sponsoren sucht, wird man nämlich feststellen, dass sich manche Firmen nicht ganz so gern mit einem “Wanker”-Disput identifizieren lassen – ganz unabhängig davon, auf welcher Seite man nun steht.

Vorschau Edmonton

Ein wenig Zeit bleibt nun, um die Köpfe zu kühlen. Aber schon in eineinhalb Wochen macht die Serie am Schauplatz eines anderen unwürdigen Schauspiels Station: Am Flughafenkurs in Edmonton, wo Helio Castroneves im vergangenen Jahr ausrastete, nachdem ihm ein Sieg wegen angeblichen Blockierens von Will Power aberkannt wurde.

In den vergangen Jahren stand der Kurs für eher unaufregendes Racing, heuer könnte sich das aber ändern. Denn nach Finanzierungsproblemen im Winter hat ein neuer Promotor das Rennen übernommen – und musste auf einen anderen Teil des Flughafens ausweichen, weil die Stilllegung der gesamten Landebahn für das Rennen zu teuer war.

Positiver Nebenefekt: Das neue Layout (.pdf) sieht so aus, als hätte man diesmal mehr Wert auf gute Überholmöglichkeiten gelegt. Der neue Kurs hat neben einem etwas winkeligen “Infield” auch mehrere lange Geraden, die in enge Kurven münden, zwei davon sogar Spitzkehren. Dort kann man natürlich aller Voraussicht nach nicht nur gut überholen – sondern auch ganz hervorragend kollidieren. Welche dieser beiden Möglichkeiten die Fahrer wählen, bleibt abzuwarten.

 

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Fotos: INDYCAR

flattr this!

March 24 2011

06:24

IndyCar Series: Saisonstart in St. Petersburg

Eine teils chaotische, teils erfreuliche Off-Season geht endlich zu Ende – am Sonntagabend kehrt die IndyCar Series zurück auf die Strecke. Das dürfte spannend werden, denn seit dem Finale 2010 hat sich einiges getan.

Eine stille Winterpause sieht anders aus: Die IndyCar Series bedachte seit der Meisterschaftsentscheidung in Homestead Fans und Medien mit einem steten Fluss an Neuigkeiten, wie das sonst sogar während der laufenden Saison ungewöhnlich ist. CEO Randy Bernard hat bewiesen, dass er weiß, wie man mit der zuletzt eher unscheinbaren Monoposto-Serie Aufsehen erregt. Ob seine Ideen auch auf der Rennstrecke funktionieren, das muss sich allerdings noch beweisen. Immerhin: Zum Saisonstart stehen 25 Fahrer bereit, die meisten davon werden wohl das ganze Jahr lang dabei sein. Ein paar alte Stars haben es in die Serie zurückgeschafft, wenn auch zum Teil in letzter Minute. Zusammen mit einigen interessanten Rookies bescheren sie der IndyCar Series das wahrscheinlich stärkste Starterfeld seit CART-Zeiten.

Spannende Zeiten also auch für Fans, daher eine kurze Zusammenfassung der Meldungen aus dem Winter – für alle, die in der Off-Season nicht ganz so aktiv waren wie Randy Bernard. Eine Vorschau auf das Rennen in St. Petersburg folgt dann weiter unten.

Neue Hersteller

Auch, wenn sich die Nachricht eher auf die kommende Saison bezieht, als auf die aktuelle: Die wichtigste Meldung des Winters war wohl die Rückkehr von Chevrolet in die IndyCar Series. Der US-Hersteller wird dabei 2012 nicht nur Motoren liefern, sondern auch selbst eines jener Aero-Kits anbieten, mit denen die Teams das Standard-Chassis von Dallara erweitern können. Gleiches hat auch Lotus angekündigt, die ab kommendem Jahr als dritter Hersteller in der Serie aktiv sein werden. Richtig gelesen: Der in malaysischer Hand befindliche Sportwagenhersteller hat angekündigt, nicht nur ein Aero-Kit zu liefern, sondern auch einen Motor. Woher der kommen soll, wurde bisher allerdings nicht enthüllt. Als vierter Hersteller könnte auch noch das französische ORECA-Team dazukommen. Dort will man sich allerdings mit der Fertigung von Aero-Kits bescheiden.

Teams und Fahrer 2011

Gleich vorneweg eine kurze Entschuldigung: Die IndyCar Serie bietet leider zur Stunde noch keine Fotos aus St. Petersburg an. Bei den Bildern unten handelt es sich daher um Aufnahmen vom Test am Barber Motorsports Park in der vergangenen Woche. Dort waren leider nicht alle Teams und Piloten anwesend, von manchen gibt es also leider keine Bilder. Auch bei den Lackierungen könnte es also noch Änderungen geben. Die IndyCar Serie veröffentlicht normalerweise vor Rennstart einen Spotter’s Guide auf indycar.com. Den werde ich nachreichen, sobald bzw. sofern er verfügbar wird.

Penske

Die Mannschaft unter der Leitung von “Captain” Roger Penske wird wohl auch 2011 zu den Favoriten im Starterfeld zählen. Das haben auch die Ergebnisse der Testfahrten in Alabama noch einmal unterstrichen. Bei den Piloten hat sich nichts verändert, auch in diesem Jahr greifen Helio Castroneves, Will Power und Ryan Briscoe ins Lenkrad. Abseits der Ovale ist wohl Power der schnellste aus diesem Dreiergespann, als besserer Allrounder könnte sich aber einmal mehr Castroneves erweisen. Ryan Briscoe hat in der vergangenen Saison nicht so wirklich überzeugt, und wird in diesem Jahr etwas kräftiger aus Gaspedal treten müssen, wenn er sich die Gunst des Captains erhalten will.

Ganassi

Das zweite Top-Team der IndyCar Series hat sich über den Winter verdoppelt. Neben dem bisherigen Fahrergespann Dario Franchitti und Scott Dixon (die wieder in den klassischen, links abgebildeten Target-Farben starten), treten 2011 auch Graham Rahal und Charlie Kimball für Ganassi an, die jeweils von anderen Sponsoren unterstützt werden. Weil Target aber keine Konkurrenz im gleichen Team wollte, musste man bei Ganassi zu einem etwas ungewöhnlichen Trick greifen – und einfach ein zweites Team eröffnen. Offiziell wird man zwar nicht müde, die Unabhängigkeit der beiden Teams voneinander zu betonen. Inoffiziell darf man aber wohl schon davon ausgehen, dass sich die Verantwortlichen der beiden Teams gelegentlich mal über den Wag laufen werden. Und dabei wohl nicht nur über Baseball reden. Bei den Test hatte man noch ein paar Probleme, bei den Rennen darf man aber auch in diesem Jahr die Mannschaft vorne erwarten. Fahrerisch sind von Franchitti und Dixon wohl auch in dieser Saison wieder konstant gute bis sehr gute Ergebnisse zu erwarten. Auch Rahal hat in der Vergangenheit (vor allem 2009 bei Newman/Haas) schon Talent bewiesen. Inwieweit auch Charlie Kimball mithalten kann, muss sich noch weisen.

Andretti Autosport

Einige Überraschungen bot über den Winter die traditionell dritte Kraft der IndyCar Series. Erst wurde Tony Kanaan freigestellt (und ihm “erlaubt, mit anderen Teams zu verhandeln”) – vermutlich deshalb, weil man sich sein hohes Gehalt nicht mehr leisten konnte. Und dann tritt man 2011 doch wieder mit vier Fahrern an: Marco Andretti und Danica Patrick waren ohnehin schon gesetzt, Ryan Hunter-Reay konnte auch genügend Sponsoren auftreiben, um sich im Team zu halten. Keiner der drei hat bisher das Talent gezeigt, konstant um Siege oder gar Meisterschaften mitzufahren. Aber: Alle sind solide Piloten, und auf ihre Art wichtig für die Serie. Erstaunlich ist dagegen die Verpflichtung des beim Indy 500 schwer verunglückten (aber mittlerweile wohl wieder genesenen) Mike Conway. Der Brite hat zwar in diversen Juniorserien gute Leistungen gezeigt, in der IndyCar Series konnte er allerdings bislang (außer beim schicksalsvollen Indy 500) nicht wirklich überzeugen. Und seit seinem Unfall fehlt ihm überhaupt jegliche Erfahrung im Auto. Ein erfolgreiches Comeback wäre ihm zu vergönnen – bis es soweit ist, muss man aber vermutlich noch ein paar Rennen Geduld haben. Abzuwarten bleibt außerdem, ob es das Team nach einer sehr mäßigen Saison 2010 wieder schafft, an alte Stärken anzuknüpfen.

KV Racing

Mit drei Piloten geht das Team von Kevin Kalkhoven und Jimmy Vasser an den Start. Zur bisherigen Stammmanschaft mit EJ Viso und Takuma Sato ist in letzter Sekunde noch ein weiterer großer Name gestoßen. Der bei Andretti entlassene Tony Kanaan hat es am Wochenende vor dem Saisonstart geschafft, ausreichend Sponsoren für eine volle Saison im Teams zu sammeln. Das könnte sich für beide als gutes Geschäft erweisen: KV wird von der Erfahrung des Tony Kanaan (vor allem in Fragen der Abstimmung) gewiss profitieren, der Brasilianer bekommt von KV Racing ein in seinem Speed womöglich unterschätztes Autos zu Verfügung gestellt. Das mag zwar in dieser Saison noch nicht für Siege reichen – wenn Sato und Viso aber ihr Temperament diesmal etwas öfter in Zaum halten können, als im vergangenen Jahr, dann könnte das Team durchaus einen Sprung nach vorne machen.

Dreyer & Reinbold

Ein weiteres Team aus dem Bereich “solides Mittelfeld”, das sich 2011 nach oben entwicklen könnte. Justin Wilson ist ein Pilot, der gewiss immer wieder einmal für eine Überraschung gut ist – ganz besonders auf den Rundkursen. Außerdem hat man sich mit Ana Beatriz verstärkt. Die Brasilianerin bringt einige Sponsoren an Bord, und konnte auch bei ihren Einsätzen in der vergangenen Saison durchaus Potenzial beweisen. Sie könnte sich also als gute Mischung aus Pay-Driver und solider Pilotin herausstellen. Beim Indy 500 wird außerdem Haudegen Paul Tracy für Dreyer & Reinbold an den Start gehen. Weitere Einsätze sind in Planung, aber bisher nicht fix. Beim Saisonstart ist der Kanadier jedenfalls nicht dabei.

Dale Coyne Racing

Eine faustdicke Überraschung gibt es beim ewig unterfinanzierten Traditionsteam: Champ-Car Dominator (und Toro-Rosso Mittelfeldpilot) Sebastian Bourdais kehrt in den US-Rennsport zurück. Allerdings nicht für die ganze Saison: Der Franzose wird aus Sponsormangel und wegen Terminkollisionen mit seinen Sportwagen-Projekten bei den Oval-Rennen nicht antreten. Dass Bourdais mit den amerikanischen Open Wheelern und hemdsärmeligen Stadt- und Rundkursen gut zurecht kommt, hat er bewiesen. Unklar ist dagegen, ob die Autos von Dale Coyne gut genug sind, um ein ernsthafter Kandidat auf die Mario Andretti Rundstrecken-Trophy zu sein. Ebenfalls unerwartet ist der zweiten Pilot: James Jakes, bisher bekannt aus GP2 und GP3 hat wohl einen zahlungskräftigen Sponsor gefunden, und wird die gesamte Saison mit dabei sein.

Newman/Haas Racing

In 50%-Stärke startet die Mannschaft von Newman/Haas in St. Petersburg in die Saison. Ursprünglich hatte man gehofft, Oriol Servia und James Hinchcliffe zu verpflichten – schließlich hat es aber nur Servia geschafft, die nötigen Sponsorgelder aufzutreiben. Das ist schade, denn beim Test in Alabama waren beide sehr gut unterwegs. Hinchcliffe hofft nun, bis zu einem der kommenden Rennen ausreichend Gelder zu finden, um doch noch in die Serie einsteigen zu können. Immerhin hat Newman/Haas mit Oriol Servia aber einen erfahrenen und meist schnellen Piloten verpflichtet, mit dem man hoffen kann, das Abschneiden vom vergangenen Jahr (als der Pilot Hideki Mutoh hieß) vergessen zu machen.

Der Rest

Fans von Simona de Silvestro dürfen sich auch in dieser Saison auf ein dauerhaftes Antreten der Schweizerin freuen. Einziger Wehrmutstropfen: Ihr Sponsor, “Nuclear Clean Air Energy”, ein Projekt, das für “sauberen” Atomstrom werben soll, dürfte sich momentan nicht an der Spitze seiner Popularität befinden. Alex Tagliani und das FAZZT-Team sind auch wieder mit dabei – allerdings nach Kauf durch Sam Schmidt unter dem Namen von dessen Team “Sam Schmidt Motorsports”. Sebastian Saavedra wird die gesamte Saison bei Conquest Racing bestreiten, Raphael Matos hat in letzter Minute einen Deal mit dem neuen AFS Racing zustande gebracht. Vitor Meira bleibt bei Foyt. Und JR Hildebrand bei Panther Racing vervollständigt ein starkes und wieder etwas US-lastigeres IndyCar Feld. Sarah Fisher Racing wollte eigentlich die gesamte Saison mit Ed Carpenter bestreiten, musste sich nach einen Crash beim Testen aber für dieses Wochenende zurückziehen. Bleibt zu hoffen, dass die Mannschaft bald wieder dabei sein kann.

Nicht dabei sind beim Saisonstart der schon erwähnte Paul Tracy – und Dan Wheldon, der sich im Streit von Panther Racing getrennt hat. Der Brite scheint bei der Suche nach einem neuen Cockpit keine große Eile an den Tag zu legen, und wird nach eigener Aussage nur dann wieder in die Serie einsteigen, wenn er ein Angebot von einem konkurrenzfähigen Team bekommt.

Der Kalender

Nach dem Saisonstart am kommenden Wochenende geht es im Zwei-Wochen Takt mit Rennen am Barber Motorsports Park, in Long Beach und dem Brasilien-Lauf in Sao Paulo weiter.

Ohne vorheriger Übung auf einem Oval beginnt dann der Monat Mai, und damit die Vorbereitung auf das Indy 500 am 29.5.

Zwei Wochen später gibt es die erste Kalender-Neuerung – und die ist durchaus als Experiment zu bezeichnen. In Texas wird es nämlich zwei Rennen geben, die am selben Tag stattfinden werden. Die Punkte dafür werden ganz einfach geteilt, die Startaufstellung für das zweite Rennen wird ausgelost. Das kann spektakuläres Rennen geben – aber auch ebenso spektakulär in die Hose gehen. Es ist sicher nicht schlecht, frischen Wind in die Serie zu bringen. Ob man das aber unbedingt auf die High-Speed Oval in Texas machen muss, ist eine andere Frage.

Nur eine Woche danach feiert Milwaukee die Rückkehr in den IndyCar Kalender – ein Ort der Tradition aber auch der kleineren Geschwindigkeiten und nicht immer wahnsinnig spannenden Rennen. Danach folgt Iowa, bevor es im Rahmen der Kanada-Tournee wieder auf die Rundkurse geht. Zuerst startet die Serie in Toronto, zwei Wochen später auf dem völlig umgebauten Flugplatzkurs in Edmonton.

Wieder zurück in den USA folgt der Klassiker von Mid-Ohio. Dann steht wieder eine “Premiere” auf dem Programm: Das erste größere Open-Wheel-Rennen auf dem New Hampshire Motor Speedway in Loudon seit mehreren Jahren. Besonderheit: Damit die Teams nicht umbauen müssen, wird auch dort in Road-Konfiguration fahren.

Es folgt eine weitere Premiere: Das erste Rennen auf dem neuen Stadtkurs in Baltimore. Dort hatte man wohl über den Winter finanzielle Anlaufschwierigkeiten. Nach aktuellem Stand wird die Strecke aber rechtzeitig fertig.

Für die letzten drei Rennen der Saison folgen dann wieder Ovale. Zunächst plant man, in Motegi zum vorerst letzten Japan-Auftritt der Serie anzutreten. Dass man dort ab 2012 nicht mehr antreten wird, haben INDYCAR und Motegi-Betreiber schon vor einiger Zeit bekannt gegeben. Ob man sich nach Erbeben und Tsunami heuer wirklich noch einmal auf die Reise macht, darüber gibt es im Moment noch keinen Beschluss.

Als vorletztes Rennen der Saison steht Kentucky auf dem Programm, wo es in letzter Zeit immer spannende Rad-an-Rad Duelle gegeben hat.

Schließlich folgt das Finale am baulich recht ähnlichen Oval in Las Vegas, für das sich Randy Bernard allerdings einen besondere Dreh einfallen hat lassen: Bei der Veranstaltung mit dem bescheidenen Titel “IndyCar World Championship” werden neben den regulären IndyCar Piloten noch fünf weitere Fahrer aus anderen Serien antreten. Sollte einer dieser fünf das Rennen gewinnen, winkt ein Preisgeld in der Höhe von 5 Millionen Dollar. Im Sommer soll ein Komitee entscheiden, welche Fahrer antreten dürfen. Bis dahin gibt es nur Spekulationen – etwa um den ehemaligen F1 und CART Piloten Mark Blundell, den Motocross Star James Stewart oder möglicherweise sogar Alex Zanardi.

Neue Regeln

Mit dem Ziel, eine bessere Show zu liefern, wurden in der Winterpause außerdem einige neue Regeln beschlossen: Commitment Cone, Double-File Restart, Einführung einer “Lucky Dog”-ähnlichen Regel, eine Höchst-Teilnehmerzahl von 26 Autos.

Oder auch nicht: Denn nach heftigen Beschwerden zahlreicher Fans wurden “Lucky Dog” und das 26-Starter Limit wieder gestrichen. Ausnahme: Auf Kursen, in denen die Pitlane nicht lang genug ist, etwa in Mid Ohio, wird es weiterhin eine Beschränkung des Startfeldes geben.

Geblieben ist die neue Regelung für Restarts: Die werden ab sofort in Double File absolviert. Außerdem wird die grüne Flagge deutlich später fallen als bisher. Die Autos werden also beim Überqueren der Zielflagge wieder näher beieinander liegen. Das sieht spektakulärer aus, ist bei den Teambesitzern aber nicht besonders beliebt, weil es auch zu einer Häufung an teurem Schrott führen könnte.

Vorschau: St. Petersburg

Wie das ganze in der Praxis funktioniert, werden wir am Wochenende in St. Petersburg sehen. Die IndyCar Series gastiert dort schon zum siebten, zählt man ein Champ Car Rennen 2003 dazu sogar schon zum achten Mal. Der Kurs liegt einigermaßen pittoresk in der 250.000 Einwohner-Stadt am Golf von Mexiko. Die Kursführung ist aber leider auch ziemlich eng. Die Rennen sind daher nicht immer wahnsinnig spannend. Mit etwas Glück und ein bisschen Regen wird das ganze allerdings schon wieder interessanter – so etwa 2008, als Graham Rahal das zweite Rennen nach der Wiedervereinigung von IRL und Champ Car Series gewann. Im vergangenen Jahr war es dann doch etwas zu viel des Guten, so dass der Lauf wegen Überflutungen auf den Montag verschoben werden musste. Gewonnen hat dann Will Power – der vierte Penske-Sieg in sechs Jahren. Heuer soll es aktuellen Wetterberichten zufolge trocken bleiben.

Zum Kurs selbst: Nach der Start/Zielgerade, die über eine für das Rennen stillgelegte Landebahn führt, geht es in eine recht enge Rechtskurve, wo in der Vergangenheit die meisten Überholmanöver stattgefunden haben. Es folgt eine kürzere Gerade, an deren Ende eine 90 Grad-Kurve auf die Fahrer wartet. Überholversuche gibt es dort immer wieder, gelungene Überholmanöver eher selten. Gelbphasen dafür wieder ziemlich häufig. Nach einem kurzen, ziemlich eckigen Intermezzo geht es entlang der Promenade in zwei schnelle Linkskurven und eine schnelle Schikane. Diese Passage ist landschaftlich besonders schön am Meeresufer gelegen – merkwürdig, dass dort nie Kameras postiert sind, die das entsprechend einfangen. Überholmanöver sind dort nicht zu empfehlen, und Fehler auch nicht – denn die Wand ist ziemlich nah. Über eine langgezogene, mittelschnelle Kehre geht es dann wieder zurück auf Start und Ziel. Wer sich hier einen Fehler erlaubt, läuft Gefahr, überholt zu werden. Die Versuchung für hinterherfahrende Piloten, beim Vordermann in NASCAR-Manier “anzuklopfen” scheint ziemlich groß zu sein. Helio Castroneves hat das am Ende einer SC-Phase vor ein paar Jahren mit Scott Dixon erfolgreich praktiziert. Ein aktuelles Onboard-Video hat die IndyCar Series zwar noch nicht veröffentlicht. Die Kursführung hat sich aber seit 2009 meines Wissens nach nicht verändert, so dass ich hier einfach die Onboard-Vorschau vom letzten Jahr, begleitet von Ryan Briscoe, poste.

Leider auch neu: Kein Stream

Alles in allem also gute Voraussetzungen für eine spannende Saison. Für Fans im deutschen Sprachraum hat die Sache aber leider einen Haken: Die Serie wird auch heuer (nach derzeitigem Stand) auf keinem Sender übertragen. Und auch den offiziellen Internet-Stream, der zwar nicht besonders gut, 2010 aber trotzdem oft die einzige Rettung war, gibt es auf Geheiß des amerikanischen Rechteinhabers Comcast/NBC (den neuen Versus-Besitzern) heuer nicht mehr.

Für die USA ist das verständlich, denn die INDYCAR hatte offenbar nie die Rechte, ihre Rennen im Internet zu streamen. Versus hat das wohl bisher trotz schlechter Quoten geduldet. Weil aber die Fans offenbar immer in der Werbeunterbrechung den Stream angeschalten haben, hat man diese Praxis nun beendet.

Weniger verständlich ist dagegen, wieso man auch die Trainings und die nicht im TV übertragenen Qualifying-Sessions mehr zeigen will. Und völlig unverständlich ist, wieso man nicht gegen Gebühr einen Stream des von ESPN produzierten internationalen Feeds der Serie in jenen Ländern anbietet, wo die Rechte für die IndyCar Serie nicht verkauft wurden. Leider ist man im Moment derartig auf den Aufbau einer amerikanischen Fanbase konzentriert, dass man es noch nicht mal geschafft hat, eine Liste der internationalen Broadcaster auf die Homepage zu stellen. Stattdessen gibt es dort noch immer jene vom vergangenen Jahr. Wird man sich also wieder in den Untiefen des Internets umsehen müssen, wenn man das Rennen trotzdem sehen will.

27.03.2011 LIVE 18:30 Uhr IndyCar Series St. Petersburg ABC LIVEx 23:00 Uhrx Asian F BMWxxx Bud Shootout Practicex sky sport2x

July 20 2010

06:48

Indycar: Wenig grün, aber spannend

Ein ziemlich ereignisreiches Rennen haben die Indycars am Sonntag in den Straßen von Toronto abgeliefert – am Ende hat aber doch wieder Will Power gewonnen. Weiter geht es schon kommenden Wochenende in Edmonton.

“Cautions breed cautions” – das hört man bei US-Rennübertragungen ja immer wieder. In so extremer Ausprägung wie vergangenen Sonntag in Toronto kann man diese goldene Regel aber sonst selten beobachten. Sechs Cautions über eine Länge von 21 Runden sagt die Statistik – beim Zusehen hat es gewirkt, als wären es noch deutlich mehr gewesen. Trotzdem war es eines der besseren Rennen in dieser Saison: Wenn nämlich einmal Grün war, denn ging es recht anständig zur Sache. Und endlich waren vorne auch wieder mal ein paar Fahrer dabei, die man sonst eher in der Mitte des Feldes findet. Gewonnen haben dann trotzdem wieder die Favoriten.

Diesmal waren es immerhin nur Power und Franchitti, die an der Spitze die Ehre des “Todessterns” gerettet haben. Ihre drei Teamkollegen fielen allesamt dem Rennchaos zum Opfer. Als ersten erwischte es Helio Castroneves: Der Brasilianer krachte beim Überholversuch hinten in Vitor Meiras Wagen, schlug dann links in die Leitplanke ein, und schließlich auch noch frontal in die Reifenstapel. Etwas später war auch das Rennen von Ryan Briscoe vorbei, nachdem ihm Graham Rahal ins Heck gefahren war. Und in den letzten Runden fiel dann auch noch Scott Dixon einem etwas ruppigen Überholmanöver von Ryan Hunter-Reay zum Opfer.

Gar kein gutes Wochenende gab es abermals für KV Racing: Mario Moraes ist wohl am Sonntag mit dem falschen Fuß aufgestanden, und räumte in zwei verschiedenen Vorfällen gleich zwei Fahrer von der Bahn. Besonders bitter: Einer davon war Teamkollege Takuma Sato, der dringend mal eine gute Zielankunft gebraucht hätte. Entsprechend sauer zeigte sich der Japaner denn auch im TV-Interview. Später landete dann auch noch Mario Romancini nach Feindberührung mit Moraes im Reifenstapel. Dabei galt Moraes nach einigen guten Platzierung zum Ende der vergangenen Saison schon als große Zukunftshoffnung, Team-Mitbesitzer Jimmy Vasser sprach gar vom “neuen Montoya”. In diesem Jahr hat bisher noch wenig gezeigt, das diesem Ruf bestätigen würde.

Eine tadellose Vorstellung lieferte dagengen einmal mehr Justin Wilson ab. Zumindest fast. Denn leider produzierte der Brite nach einer Gelbphase auf kalten Riefen auch einen Dreher. Ein Fehler, der Wilson um einem möglichen zweiten Platz brachte – nach dem Start hatte er das Rennen sogar von der Pole Position aus angeführt. Immerhin konnte er sich in den letzten Runden von Ende der Lead-Lap wieder bis auf Rang sieben nach vorne fahren. Man darf gespannt sein, ob es nicht auf den verbleibenden Rundstrecken doch in diesem Jahr nochmal für einen Sieg reicht. Ein gehobener Geheimtipp ist Wilson allemal.

Ebenfalls erfreulich: Die Leistung von Graham Rahal. Der Kontakt mit Ryan Briscoe war zwar kein Glanzstück, aber sonst gab es ein exzellentes Rennen, das schließlich auf Rang fünf endete. Vor allem, wenn man bedenkt, wo Teamkollege Hideki Mutoh mit dem Auto des gleichen Teams so herumfährt, ist das ein deutlicher Beweis für Rahals Talent. Erfreulich für ihn. Und auch gut für die Indycars, die ja bekanntlich mit Händen und Füßen um Aufmerksamkeit ringen – wofür ein Amerikaner, der Rennen gewinnen kann natürlich ziemlich wichtig ist.

Nicht so toll lief es beim ersten von zwei Heimrennen für die beiden Kanadier im Feld: Alex Tagliani kolldierte nach einem unauffälligen Rennen mit (dem übrigens ebenso unauffälligen) Tomas Scheckter. Sein FAZZT-Team scheint sich derzeit eher nach hinten zu bewegen. Paul Tracy hatte ein sehr bescheidenes Qualifying, kam im Rennen dann aber wegen einer anderen Boxenstrategie immerhin zu ein paar Führungrunden. Die Freude der Zuseher an der Strecke währte aber nur kurz: Nach einem etwas verunglückten Zweikampf mit Simona de Silvestro landete Tracy schließlich mit einer Runde Rückstand auf Rang 13.

Die Schweizerin selbst hatte wieder mal ein recht passables Rennen. Dabei hat sie zwar von einigen Ausfällen profitiert, konnte aber über weite Strecken das Tempo der ersten Verolgergruppe mitgehen. Gegen Ende des Rennens baute das Auto allerdings ab – am Schluss reichte es immerhin noch für Rang neun.

Gut lief es auch für die zweite ernstzunehmende Fahrerin im Feld: Danica Patrick lieferte ihr mit Abstand bestes Rundkursrennen der Saison und landete schließlich auf einem guten sechsten Rang. Geschlagen wurde sie dabei von ihren beiden Teamkollegen Ryan Hunter-Reay und Tony Kanaan, für die der Lauf mit den Plätzen drei und vier ein noch etwas besseres Ende nahm. Marco Andretti auf Rang acht komplettierte schließlich eine mannschaftlich starke, wenn auch insgesamt noch nicht ganz siegverdächtige Vorstellung von Andretti Autosport.

Milka Dunos Rennen war nach acht Runden wegen angeblicher “Handling-Probleme” zu Ende, bis dahin war sie schon einmal überrundet worden. Man hört immer wieder, dass Dale Coyne Duno trotz aller Probleme im Team behalten muss, weil ihr Sponsor CITGO auch den Wagen von Alex Llloyd mitfinanziert. Das ist demnach auch der Grund, wieso die Indycar-Offiziellen noch nicht weitergreifenden Maßnahmen ergriffen haben.

Erstaunlich ist ihre schwache Performance in diesem Jahr vor allem deshalb, weil man ja 2008 und vor allem 2009 ein wenig den Eindruck hatte, sie habe sich – wenn auch am Ende des Feldes – ganz gut in die IRL eingelebt. In diesem Jahr scheint ihre Performance aber leider eher rückwärts zu gehen. Kollege Tegethoff hat im Liveblog am Samstag ja schon eine Meldung aus dem Twitter-Äther gefischt, nach der Indycar-CEO Randy Bernard gesagt haben soll, Duno schade der Glaubwürdigkeit der Serie. Man darf gespannt sein, wie lange sie noch dabei ist.

Am anderen Ende der Meisterschaftstabelle hat Will Power (377 Punte) seine Führung auf Dario Franchitti (335) mit dem Sieg wieder etwas ausgebaut. Sonst hat sich unter den ersten Zehn nicht viel getan – einzig Ryan Hunter-Reay konnte sich verbessern, und liegt jetzt mit einem Punkt Vorsprung auf Helio Castroneves als “best of the rest” auf Rang fünf. In der “Mario Andretti Trophy” dürfte Will Power der Sieg indes kaum noch zu nehmen sein. Der Australier (275) führt bereits mit 85 Punkten Vorsprung vor Hunter-Reay (190) und Franchitti (187).

Next Stop: Edmonton, AB

Weiter geht es am kommenden Wochenende mit dem zweiten Kanada-Rennen in Edmonton. Amerikanische Open-Wheeler sind seit 2005 in der Hauptstadt der Provinz Alberta unterwegs, nach der Wiedervereinigung 2008 fand hier das erste Kanada-Rennen in der Geschichte der IRL statt.

Für besonders spannende Läufe stand die einzige Flughafenstrecke im Kalender bisher bei den Indycars leider nicht gerade. Vor allem das Rennen vom vergangenen Jahr war – abgesehen von Tony Kanaans Feuerunfall in der Box – einer der größten Gähner in jüngerer Vergangenheit.

Dabei sollte der Kurs eigentlich alles liefern, was ein schönes Airport-Rennen ausmacht: ein paar breeeeeeeeeeite Geraden, die in Kurven mit mehreren Linien münden, und einen engen Streckenteil, in dem es etwas mehr auf den Fahrer ankommt. Außerdem gibt es ein paar kräftige Wellen, die eigentlich für Fehler und Überholmöglichkeiten sorgen sollten. Eine detaillierte Vorstellung gibts dann wie immer im obligatorischen Onboard-Video, das ich an dieser Stelle einfügen werde, sobald es verfügbar ist. Als Platzhalter hier inzwischen die Streckenvorstellung vom vergangenen Jahr:

An der Fahrerfront gibt es nach derzeitigem Stand wenig Neues: Tomas Scheckter wird noch einmal den verletzten Mike Conway bie D&RR ersetzen, Paul Tracy sitzt zum vorläufig letzten Mal in einem Auto von KV Racing. Nicht dabei: Graham Rahal und Adam Carroll, die erst beim folgenden Rennen in Mid-Ohio wieder an den Start gehen.

Erfreulich: Versus übernimmt nun für den Rest der Saison wieder die US-Übertragungen. Bei ABC hatte man ja zuletzt eher das Gefühl, die Indycars würden nur mehr als lästige Pflicht betrachtet. Versus hat zwar weniger Zuseher – ist aber wenigstens mit Herzblut dabei. Fans aus dem deutschen Sprachraum werden sich das Rennen weiterhin leider nur im Internet ansehen können. Zur Wahl steht dabei wie immer der legale Weg über die Racecontrol auf indycar.com (kostenlose Anmeldung erforderlich) – oder der Gang in die schattigen Ecken des Webs.

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July 15 2010

07:04

IRL: Meet the new car; same as the old car?

Die Entscheidung ist gefallen: Hersteller des neuen Autos wird wieder Dallara sein – allerdings gibt es einen Dreh, der durchaus interessant klingt. Sportlich geht es am Wochenende mit dem Rennen in Toronto weiter.

Die Spannung war groß vor der Entscheidung des ICONIC Committee. Als sie dann am Mittwoch unter großen Trara verkündet wurde, war die Reaktion erstmal gepflegtes Schweigen. Zu unübersichtlich war in den ersten Momenten die Auflösung, als dass die Fans damit auf die Schnelle etwas anfangen konnten. Dallara soll auch in Zukunft das Indycar-Chassis herstellen – allerdings nur eine Basis, die von der IRL als “safety cell” bezeichnet wird, in der Realität aber deutlich mehr (etwa auch das Getriebe) beinhalten wird. Dazu können die Teams so gennannte “Aero-Kits” von einem Hersteller ihrer Wahl kaufen. Hier soll es einen freien Wettbewerb geben. Das klingt etwas verwirrend – mit ein wenig Glück und Sachverstand könnte es aber durchaus funktionieren.

Weil die Sache etwas kompliziert ist, hier noch einmal das bisher Bekannte im Überblick: Das Basis-Chassis bzw. die “safety cell” kommt von Dallara, Aerodynamikteile von Drittherstellern. Die Autos sollen mit Fahrer ein Mindestgewicht von etwa 1380 Pfund oder 625kg haben, exakt festgelegt ist das aber noch nicht. Angetrieben werden die Wagen von 2.4 Liter Turbo-Motoren mit 550 bis 700PS und maximal 6 Zylindern, die mittels “Overtake Assist” kurzfristig je nach Strecke aber auch bis zu 100PS mehr produzieren können. Das genaue Motorenkonzept kann innerhalb dieser Spezifikationen frei gewählt werden, es wird auch hier ein Wettbewerb der Hersteller und Ideen stattfinden. Das Problem der aufsteigenden Wagen auf Ovalen soll mittles eines nicht näher spezifizierten “Wheel Interlock Prevention System” behoben werden.

Ob das Konzept tatsächlich aufgeht, wird wohl (wie auch bei den Motoren) in erster Linie davon abhängen, ob sich ausreichend Hersteller finden, die solche Aero-Kits bauen wollen. Die IRL spricht in ihrer PR-Mitteilung bewusst große Namen an: “Come on Ford, GM, Lotus, Ferrari. Come on Lockheed Martin, Boeing, General Electric.” Öffentlich zu Wort gemeldet hat sich bisher aber keine der genannten Firmen.

Wie etwa auch bei der A1GP wird das fertige Auto dann nicht mehr “Dallara” heißen, sondern ausschließlich nach dem Hersteller des Aero-Kits benannt sein. Die IRL hofft, dass es renomierte Firmen als gutes Geschäft empfinden, so quasi zu Okkassionspreis zum “Hersteller” aufsteigen zu können. Weniger toll werden die Aero-Hersteller aber womöglich das Kostenlimit von 70.000 US$ pro Stück finden, das die IRL für die Aerodynamik-Packages vorschreibt.

Verständlich ist das aber trotzdem. Immerhin war es ein erklärtes Ziel, mit dem neuen Auto die Kosten für die Teams deutlich zu senken. IRL-CEO Randy Bernard hat dazu bei der Vorstellung des neuen Wagens Reduktionen um die 45 Prozent versprochen. Konkret soll das Basis-Chassis nun 349.000 US$ pro Stück kosten, mit einem Aero-Kit von Dallara 385.000 US$. “Fremde” Aero-Kits dürfen, wie erwähnt mit maximal 70.000 US$ zu Buche schlagen. Teams dürfen die Aero-Kits auch selbst herstellen, müssen sie dann aber der Konkurrenz zum Kauf anbieten. Dank Unterstützung der Regierung von Indiana werden die ersten 28 Safety cells für Teams mit Basis im Bundesstaat sogar nur 235.000 US$ kosten. Ein deutlicher Unterschied zu den 700.000 US$, die Dallara derzeit für ein Chassis verlangt.

Ein weiteres Ziel der IRL war es, die Fertigung der Chassis näher an die Serie “heranzuholen”. Das ist gleich zweifach gelungen: Einerseits hat die IRL nun deutlich mehr Einfluss darauf, wie die Wagen in technischer Hinsicht auszusehen und zu funktionieren haben. Immerhin sind es eben nicht mehr reine Dallara, sondern eher im Auftrag der IRL von Dallara gebaute Wagen. Die IRL hat in ihrer Pressemeldung bereits angekündigt, ihre technische Kapazität deutlich ausbauen zu wollen. Dazu gehört auch der Aufbau eines eigenen technischen Mitarbeiterstabes, der für den neuen Wagen zuständig sein soll.

Andererseits ist man auch geographisch näher dran: Als Teil des Konzeptes hat Dallara versprochen, dass die “safety cells” in einer Fabrik in Speedway, IN – also nur wenige 100 Meter vom Austragungsort des Indy 500 entfernt – gebaut werden sollen. Damit werden auch 80 neue Jobs geschaffen – in diesem Zeiten ein wichtiges Argument, das angeblich auch kräftig zur Entscheidung begetragen haben soll.

Das ist eine schöne Geste von Dallara, die von den anwesenden Fans auch mit Applaus aufgenommen wurde. Allerdings: Nun muss die italienische Chassis-Schmiede bis Anfang 2012 nicht nur die Wagen, sondern vorher auch noch eine Fabrik bauen. Bei der Präsentation wurde mehrfach versichert, dass das gar kein Problem sei, und der Zeitplan stehe – das erste Auto solle im Oktober 2011 rollen. Ob das tatsächlich alles so schnell funktioniert, bleibt abzuwarten.

Die ersten Reaktionen machner Fans waren derweil nicht so toll: Wer die Facebook-Kommentare gelesen hat, die neben dem Livestream auf indycar.com durchliefen, konnte schon ein wenig Angst um die Serie bekommen. Die negative Erstreaktion mag aber auch daran gelegen haben, dass es komplizierte Konzept nicht gleich vollständig bei den Fans angekommen ist. Viele hatten sich einen kompletten Neuanfang erhofft – als dann das Wort “Dallara” fiel, hörten einige schon nicht mehr richtig zu. Weiteres PR-Manko: Wie der neuen Wagen nun wirklich aussehen wird, blieb völlig offen.

Letztendlich halte ich diese erste Reaktion auch nicht für besonders wichtig – wenn die fertigen Wagen nett aussehen, gut klingen und tolle Rennen produzieren, ist das alles sicher schnell wieder vergessen. Die Basis dafür existiert meines Erachtens mit dem neuen Konzept – ob genügend Hersteller anbeißen, muss sich allerdings noch zeigen.

Kurzvorschau: Honda Indy Toronto

Sportlich gesehen geht es schon am Wochenende weiter. Und zwar mit dem Stadtrennen in Toronto, einem jener Traditionsevents, die die Indycar aus der Erbmasse der Champcars übernommen hat. Zwischen 1986 und 2007 war die Serie dort unterwegs, als Erinnerungen bleiben Gedanken an viele tolle Rennen. Aber auch an eine besonders dunkle Stunde: 1996 stieg das Auto von Jeff Krosnoff nach einer Kollision mit Stefan Johansson auf traf zuerst einen Baum und danach zwei Streckenposten. Krosnoff und einer der Streckenposten, Gary Arvin, waren sofort tot, ein weiterer Marshall wurde schwer verletzt.

In Folge wurde die Streckensicherheit stark verbessert, die CART fuhr, wie erwähnt, auch in den Folgejahren weiter auf der Strecke. Nach der Wiedervereinigung der beiden Serien wurde 2008 nicht gefahren – seit vergangenem Jahr steht der Kurs aber wieder auf dem Indycar-Kalender. Die 2009er-Augabe lieferte ein richtig gutes Rennen – vor allem die beeindruckende Fahrt von Paul Tracy (und deren plötzliches Ende) wird vielen in Erinnerung geblieben sein. Die Zuschauerzahlen waren leider nicht ganz so gut. Vermutlich wird man dem Rennen allein wegen der guten Tradition noch etwas Zeit geben. Trotzdem: Wenn sich die Zahlen nicht verbessern, könnte auch dieser Lauf in näherer Zukunft den Umschichtungen im IRL-Kalender zum Opfer fallen.

Neben den “üblichen Verdächtigen” werden in Toronto auch ein paar gern gesehene All-Stars mit von der Partie sein. So hat Paul Tracy für dieses Rennen (und den folgenden Lauf in Edmonton) einen Vertrag mit KV Racing abgeschlossen. Tomas Scheckter wird ebenfalls mit dabei sein, und den Dreyer & Reinbold Boliden von Mike Conway pilotieren. Und auch Graham Rahal kehrt in die Serie zurück: Toronto ist das erste von sechs Rennen, dass der US-Youngster in diesem Jahr mit seinem “alten” Team von Newman/Haas Racing bestreitet.

Alle drei genannten Fahrer muss man in Toronto wohl auch zum erweiterten Favoritenkreis zählen. Paul Tracy hat ja erst im vergangenen Jahr bewiesen, dass auf diesem Kurs mit ihm zu rechnen ist. Und Rahal konnte immerhin sogar den Sarah Fisher Wagen in St. Petersburg im Mittelfeld platzieren. Ob der Newman/Haas in diesem Jahr aber für bessere Platzierungen gut ist, muss sich erst zeigen. Die bisherigen Saisonergebnisse seines Neo-Teamkollegen Hideki Mutoh waren wenig erfolgversprechend.

Ansonsten wohl wieder mit vorne dabei: Die üblichen Verdächtigen. Mit Ganassi und Penske ist bekanntlich immer zu rechnen, in der Stadt besonders mit Dario Franchitti und Will Power. Andretti Autosport war bei den bisherigen Stadtkursen auch schnell unterwegs, Ryan Hunter-Reay konnte in Long Beach sogar gewinnen. Sonst zu beachten: Viso, Wheldon, Meira, unter Umstäden Sato. Und womöglich Adam Carroll, der in Watkins Glen einen sehr beachtlichen Einstand abgeliefert hat.

(Kleines Update, 15.7., 14:50): Mittlerweile hat die Indycar Series auch wieder das obligatorische Onboard-Video hochgeladen, diesmal mit Erklärungen von Will Power. Hier ist es:

Übertragen wird auch dieses Rennen auf ABC, man kann sich also wieder auf eine qualitativ fragwürdige Broadcast-Leistung einstellen. Zumindest ist davon auszugehen, dass sie nach dem Desaster von Watkins Glen diesmal besonderen Wert darauf legen werden, nicht noch einmal den Rennstart zu verpassen. Im deutschen Sprachraum zu sehen ist das Rennen (wie auch alle Trainings, die Qualifikation und der Indy Lights Lauf) wie immer auf der Racecontrol auf indycar.com. Und in den halblegalen Untiefen des Internets.

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