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January 01 2014

08:00

Best of 2013 – Yankee

Zum Jahreswechsel schauen die Racingblog-Autoren auf das vergangene Jahr zurück und stellen ihre persönliche Highlights und Enttäuschungen zusammen.

Super GT JAF Grand Prix Fuji Sprint Cup 2013 Day 2 GT500 Start2013 war ein Auf und Ab. Ein Jahr mit vielen gemischten Gefühlen. Wir haben gejubelt, gelacht, getrauert. Auf die schönen, unterhaltsamen Momente folgten die Stunden der Trauer, die Stunden des Schmerzes. Auch 2013 forderte der Motorsport erneut seine Opfer – Fahrer, Streckenposten, Zuschauer – die viel zu früh von uns gegangen sind. Zu früh bei einer Tätigkeit die sie liebten auszuführen. Mit Schock erinnere ich mich noch an den Moment, als Allan Simonsens Tod bei den 24 Stunden von Le Mans verkündet wurde.

Ich operierte damals die ersten beiden Rennstunden in unserem Live-Ticker, hatte dementsprechend die unliebsame Aufgabe über jene Schockmeldung zu berichten. Simonsens plötzliches Ableben war der zunächst traurige Höhepunkt einer Motorsport-Saison, die bereits im Februar beim NASCAR Nationwide Series-Rennen nur knapp an einer Katastrophe vorbeischrammte. 2013 steht im Zeichen von Allan Simonsen, Sam Edwards, Wolf Silvester, Janina Depping wie auch ihrer Beifahrerin, Jason Leffler, Maria de Vilotta sowie vielen weiteren, die viel zu früh von uns gegangen sind. Überschattet wurden die letzten Tage dieses emotional hügeligen Jahres mit der schockierten Meldung über Michael Schumachers schweren Ski-Unfall, der zum Zeitpunkt des Schreibens dieses Artikels (Stand: Montag, 30.12.2013) um sein Leben kämpft. Ich hoffe inständig, dass Schumacher die Kraft und das Glück hat, dieses eine „letzte Rennen“ um sein Leben zu gewinnen.

Den richten Übergang zum eigentlichen Hauptteil dieses Artikels ist nach diesem Einstieg nur schwierig. Trotz der Trauer gab es sie doch noch, die schönen Momente im Motorsport-Jahr 2013. Momente die uns erinnern, warum wir die ganze PS-Hatz und Kreisfahrerei eigentlich schauen und lieben. Momente die uns erinnern, weshalb wir früh am Morgen respektive spät in der Nacht uns vor den Fernseher oder Stream setzen, um Rennen von aller Welt zu verfolgen.

Bestes Rennen
Das Rennen der Super GT im Sportsland Sugo. Zugegeben, ich bin da natürlich etwas voreingenommen. Doch auch so wäre meine Wahl nach Japan gefallen. Das Rennen auf der malerischen Naturrennstrecke nahe Sendai bot nahezu alles, was man sich als Motorsport- / Sportwagen-Fan wünschen konnte. Viele Zweikämpfe in beiden Klassen, Überholmanöver, Spannung, wechselhafte Witterungsbedingungen und eine höchst kuriose Szene. Tatort Rainbow-Corner in Runde 70: Im erbarmungslosen aber stets fairen Zweikampf versuchen bei Nieselregen sich der Führende Yuji Tachikawa (außen) sowie Juichi Wakisaka (innen) am Evangelion-McLaren vorbei zu quetschen. Dabei berührt Wakisaka den lila McLaren leicht, der wiederum den Zent Cerumo-Lexus von Tachikawa touchiert. Tachikawa dreht sich ins Kies, während von hinten die beiden Honda mit Takashi Kogure und Frédéric Makowiecki ein 3-wide-Manöver auf der Geraden mit Wakisaka in der Mitte aufmachen. Dabei kommen Makowiecki sowie Kogure, jeweils von außen, dem Denso Kobelco SC430 von Wakisaka zu nahe. Makowiecki berührt den Lexus, schießt quer rüber und trifft Kogure. Vier der Top-Favoriten auf den Rennsieg waren eliminiert; Wakisaka schleppte sich mit einem Schaden noch auf Position Vier ins Ziel. Am Ende fuhr das ARTA-Team von Aguri Suzuki einen Doppelsieg in der GT500 wie auch GT300 ein. Sugo wie es leibt und lebt. Viel Action sowie ein denkwürdiger Moment, der schon jetzt in die Geschichte der Super GT eingeht.

Andere, denkwürdige Rennen waren jenes der Super Formula, ebenfalls im Sportsland Sugo, der Grand Prix von Long Beach der IndyCar (Takuma Sato gewinnt als erster Japaner ein IndyCar-Rennen) sowie der Saisonauftakt der Super GT in Okayama und das Finale der Super Formula in Suzuka.

Bestes Finish
Meine Kollegen Don und Thomas haben mir schon meine Wahl für die „weiteren Plätze“ mit jenen Zieleinläufen der IndyCar in den Straßen von Sao Paulo sowie dem Indy-Lights-Finish in Indianapolis abgenommen. Meine persönliche Nummer Eins fällt aber erneut nach Japan, wenn ich auch persönlich in einer kleinen Zwickmühle stecke. Das Duell in den letzten Runden mitsamt Foto-Finish von André Lotterer und Loic Duval (0.041 Sekunden!) in der Super Formula im Sportsland Sugo war außergewöhnlich. Vorausgehend war ein spektakuläres Rennen, das wohl auch aufgrund von vier Safety-Car-Phasen stets spannend blieb. Meine Wahl fällt jedoch auf das Finale der Super Formula in Suzuka, speziell auf den zweiten Lauf. Die Ausgangslage war eindeutig: Naoki Yamamoto musste mindestens den dritten Platz erreichen, um bei Punktegleichheit den Titel vor dem aufgrund seines WEC-Engagements bei Audi nicht am Rennen teilnehmenden André Lotterer zu gewinnen. Vorausgegangen war ein Start-Ziel-Sieg Yamamotos im strömenden Regen in Lauf Eins. Der Regen spielte auch im zweiten Durchgang eine wichtige Rolle, als sich zum Ende hin wieder der Himmel über der legendären Grand-Prix-Strecke öffnete. Es folgte ein Finish, das in Punkto Dramatik jenem der Formel Eins in Brasilien 2008 in nichts nachstand.

Bester Fahrer
Die Wahl könnte so einfach sein: Sebastian Vettel dominierte die diesjährige Formel-Eins-Saison spätestens ab der Halbzeit nahezu fehlerlos. Dies erfordert Respekt und Anerkennung. Ermöglicht wurde dieser Erfolg vor allem aber auch durch den technisch absolut überlegenen Red-Bull-Boliden. Freilich muss solch ein Gefährt erst fehlerlos pilotiert werden. Doch auch wegen der Überlegenheit konnte Vettel seiner Konkurrenz nicht einmal den Hauch einer Chance lassen. Die Wahl könnte so einfach sein… Ist sie aber nicht, weshalb ich mich für „Mr. Sixpack“ Jimmie Johnson entscheide. In acht Jahren sechs Mal den NASCAR Sprint Cup bei 36 Rennen im Jahr zu gewinnen ist eine unglaubliche Leistung. Oder anders ausgedrückt: der schiere Wahnsinn. Johnsons Erfolg kam nicht von ungefähr und gewiss nicht von ihm alleine. Es ist das komplette Team rund um Crew-Chief Chad Knaus, die das Jahr über mehr als 100% gaben und zusammen mit Johnson stets Top-Resultate einfuhren.

Ebenfalls erwähnen möchte ich André Lotterer, der vielleicht etwas untergegangen vom Trubel anderer Fahrer erneut eine bärenstarke Saison fuhr, trotz hervorragender Leistungen aber aufgrund von ein bisschen Pech sein persönliches „Triple“ (24 Stunden von Le Mans, WEC, Super Formula) nicht erzielte. Im gleichen Atemzug muss man seinen Audi-Kollegen Loic Duval erwähnen, dem es zusammen mit Tom Kristensen und Allan McNish erstmals gelang beim Langstrecken-Klassiker an der Sarthe zu obsiegen sowie Team LeMans in der Super Formula mit dem Erfolg im Sportsland Sugo nach Jahren wieder auf die Erfolgsspur zu manövrieren. Die Ehrenerwähnung geht an Allan McNish, der erst kürzlich als frisch gekürter Weltmeister seine aktive Rennfahrerkarriere beendete. Der symphytische Schotte zählt zu den Größen des Motorsports, den wir hoffentlich schon bald als TV-Kommentator begrüßen dürfen. Sein Vater erzählte einst, dass er bei seiner Geburt nicht sicher war, ob Allan ein echter McNish sei. „Doch als ich seine Eier sah, da wusste ich, dass er ein echter McNish ist.“ Vielen Dank für die tollen und unterhaltsamen Jahre, Allan!

Bestes Team
Red Bull Racing, weil die lassen die Eier nicht im Pool hängen. Sagt der Vettel.

Wenn ich nun sarkastisch klingen wollte, hätte ich Michael Waltrip Racing benannt. Kein Team hat besser (lies: schlechter) beschissen als diese Truppe. Da dreht sich einer, da wird ein anderer geparkt. Und am Ende gibt es vor allem einen Dummen: Matrix Truex jr. Das Ergebnis vom Versuch ihn ungewollt mit irgendwelchen Team-Ordern in den Chase zu holen: Punkte weg. Sponsor und damit auch Job weg. Glücklicherweise fand er bei Furniture Row ein neues Cockpit.

Die ernstgemeinte Antwort fällt auf das Team rund um Jimmie Johnson und Chad Knaus bei Hendrick Motorsports. Weshalb habe ich bereits in der Kategorie zuvor erwähnt. Die Ehrenerwähnung geht an Team Cerumo in der Super GT, weil man trotz unverschuldeten Pech (u.a. in Sepang, Sugo und Suzuka) nicht aufgab und doch noch die Meisterschaft in der GT500 gewann.

Überholmanöver des Jahres
Der Dreikampf zwischen Ronnie Quintarelli, Takashi Kogure und Koudai Tsukakoshi in der Super GT zum Saisonauftakt in Okayama fünf Runden vor Schluss um den Sieg. Sollte der Timestamp nicht funktionieren, einfach bis Minute 9:30 vorspulen:

Feinde / Duell des Jahres
Sebastian Vettel und Mark Webber konnten sich noch nie so wirklich leiden. Das aber sowieso schon angespannte Team-Verhältnis wurde noch weiter belastet, als der Deutsche in der so genannten „Multi-21-Affäre“ sich nicht an die Team-Order hielt und Webber den Sieg strittig machte. Mehr als Zoff und lange Gesichter gab es bei Red Bull jedoch nicht. Ganz im Gegenteil zwischen den beiden Streithähnen Joey Logano und Denny Hamlin. Dieser Zoff endete, ausgehend von harten, kritisierenden Worten Hamlins nach dem Frühlingsrennen in Bristol, in einem schweren Unfall in Fontana, bei dem weder Hamlin noch Logano nachgeben wollten. Hamlin verletzte sich dabei schwer, so dass er für einen Großteil der Saison pausieren musste. Einen zumindest aus fahrerischen Sicht tröstenden Abschluss hatte diese „verlorene“ Saison für Denny Hamlin aber doch noch: Wieder einigermaßen genesen gewann er das Finale in Homestead-Miami.

Kostenpunkt des Jahres
Hier fällt meine Wahl eindeutig auf den kuriosen, in einem großen Blechhaufen endenden Start der American Le Mans Series in Baltimore. Glücklicherweise wurde niemand dabei verletzt.

Enttäuschung des Jahres
Enttäuschungen gab dieses Jahr so einige. Aus Motorsport-technischer Sicht ist mir allerdings besonders die Problematik zwischen Japan und Südkorea im Gedächtnis geblieben. Sowohl Super GT wie auch Super Formula haben versucht ein Einladungsrennen respektive einen Meisterschaftslauf im koreanischen Nachbarsstaat auszutragen. Ohne Erfolg. Die Absagen beider Serien kamen zwar kurzfristig und überraschend, gingen jedoch einer langen und öffentlich zumindest erfolgreich suggerierten Vorarbeit heraus. Offiziell sprachen GTA und JRP jeweils von „diversen Gründen“. Nach entsprechender Recherche konnte ich allerdings einige der genauen Streitpunkte benennen, über die ich in meiner

August 03 2013

11:00

Super Formula: Vorschau Round 4 Motegi

An diesem Wochenende findet der vierte Saisonlauf der japanischen Super Formula auf dem Twin Ring Motegi statt. Die letzte Woche verkündete Absage des Auslandsrennens in Inje, Korea, lässt das Renngeschehen allerdings ein wenig in den Hintergrund rücken. Ich habe in den letzten Tagen intensiv Recherche betrieben, um die möglichen Gründe hierfür zu erörtern.

Super Formula Motegi 2012 StartEs lässt sich aus der Pressemitteilung der Japan Race Promotion (JRP), den Verantwortlichen für die Super Formula, herauslesen, dass die Absage des sich seit 2011 in Planung befindlichen Auslandsrennens auf der neuen Strecke in Inje, Südkorea, schwer fiel. Ursprünglich als fünfter Meisterschaftslauf am 25. August geplant, flog das Rennen nur knapp einen Monat vor der Durchführung aus dem Kalender. In der Pressemitteilung erklärt die JRP, dass die Durchführung des Events aufgrund mehrerer organisatorischer Änderungen sehr schwer geworden wäre. Der erst letzte Woche getätigte organisatorische Wandel sorgte letztlich für den Wunsch seitens des Inje Speedium, das Rennen abzusagen. Ein Wunsch, den die JRP in Betracht aller Beteiligten, Fans und Sponsoren schweren Herzens annahm. Ich habe in den letzten Tagen intensiv Recherche betrieben, um die möglichen Gründe für diese Absage zu finden sowie diese zu erörtern. Mit dem Thema allein könnte man mehrere Artikel füllen, weshalb ich mich im folgendem, um nicht den Rahmen zu sprengen, auf das Wesentliche konzentriere.

Einer der Hauptgründe ist das große Durcheinander sowie Interessenkonflikt zwischen dem koreanischen Automobilverband KAA, dem Inje Speedium (nebst dessen Interessenvertretern wie unter anderem der Korea Research Foundation, KRF) und den Organisatoren des koreanischen Formel-1-Grand-Prix und somit auch den Betreibern der GP-Strecke in Yeongnam. Letztere vertreten die Meinung, dass der Betrieb von zwei Strecken mit internationalen Rennveranstaltungen eine horrende Kostenverschwendung sei. Die Angst, die sich wohl hinter dieser Aussage versteckt, ist aller Wahrscheinlichkeit mit dem etwaigen Verlust des Formel-1-Rennens verbunden. Würde sich die „Königsklasse“ aus Yeongnam entfernen, würde dies den Interessenwert der Strecke am internationalen Markt senken. Wobei man sich hierbei selbstredend die Frage stellen darf, ob der Kurs fernab der städtischen Zivilisation in irgendeiner „Sumpfgegend“ in der „irgendwann“ eine kleine Stadt mitsamt Hochhäusern entstehen sollte, jemals irgendeinen Stellenwert im internationalen Motorsport hatte. Die Super GT wollte dieses Jahr Anfang Mai ein Einladungsrennen in Yeongnam austragen, das aufgrund von Unstimmigkeiten mit den koreanischen Organisatoren ebenfalls kurzfristig abgesagt wurde. Auf der Pressekonferenz am vergangenen Sonntag im Sportsland Sugo hat Masaaki Bandoh (Chairman der GTA) allerdings verkündet, 2014 ein Rennen in Südkorea (sowie eines in Thailand) auszutragen. Der Standort stehe allerdings noch nicht fest und soll zu einem späteren Zeitpunkt benannt werden. Selbstredend wirft dies natürlich die Möglichkeit eines Gastspiels auf dem nicht nur fahrerisch interessanteren, sondern auch von der Infrastruktur besser liegenden Kurs in Inje auf.

Innerhalb dieses InteressenkonSuper Formula Fuji 2013 Joao Paulo de Oliveiraflikts wird den Verantwortlichen des Inje Speedium kein anständiges Marketing sowie Management vorgeworfen. Erkennbar ist dies an der Fehlkalkulation mit der Buchung des koreanischen Multitalents und Idols Jang Keun-suk, der als Marketinginstrument für die Eröffnung der Strecke beim Rennen der japanischen Super Taikyu Series fungierte. Der Schauspieler, Sänger und Model bekam für sein Konzert im Rahmen des Events sowie weiteren PR-Aktivitäten eine Milliarde Won (rund 670.000 Euro). Eine Investition, die sich nicht auszahlte. Obwohl keine offiziellen Zahlen veröffentlicht wurden, lässt sich an den Bildern und Aufnahmen erkennen, dass die Besucher am ersten Rennwochenende des Inje Speedium per Handschlag begrüßt werden konnten. Man wirft dem Management respektive Marketing des Inje Speedium daher Unwirtschaftlichkeit vor; es sei sprichwörtlich Geld aus dem Fenster geworfen worden. Dadurch erhärtete sich nicht nur die Anspannung zwischen den Verantwortlichen, sondern warf das Inje Speedium zusätzlich in ein wirtschaftliches Problem.

Ein weiteres Problem stellt die Baustelle rund um die Anlage dar. Zwar ist der eigentliche Kurs fertiggestellt, der Anlage fehlt es aber noch an der nötigen Infrastruktur. Das moderne Hotel für private sowie geschäftliche Gäste ist beispielsweise noch nicht komplett fertiggestellt. Reservierungen sind momentan etwa nur telefonisch möglich. Zudem besteht noch kein Netz für die TV-Kameras und somit TV-Übertragungen, wodurch das Super-Formula-Rennen nicht hätte ins japanische Fernsehen übertragen werden können. Des Weiteren benötigt die Strecke die noch immer zugesagte „Grade 2“-Lizenz der FIA. Diese wird mindestens benötigt, um ein Rennen der Super Formula auszutragen. Zwar wurde diese Lizenz der JPR bereits im Vorfeld „praktisch“ zugesagt, die entsprechende Genehmigung respektive die Unterzeichnung seitens der FIA sowie des koreanischen Automobilverbandes stehen jedoch weiterhin noch aus.Super Formula Fuji 2013 Kazuki Nakajima Kohei Hirate

Man kann den Betreibern des Inje Speedium sowie der JRP nicht vorwerfen, die Planungen für das Rennen überstürzt vorgenommen zu haben. Wie bereits eingangs erwähnt, befanden sich beide Parteien seit 2011 in vielen Gesprächen. Bei Präsentationen, unter anderem auf der “Osaka Auto Messe”, bewarben die Koreaner das Rennen in Japan. Zusätzlich erwarb das Strecken-eigene Rennteam ein FN09-Chassis, um mit einem koreanischen Fahrer beim Heimspiel einen Gastauftritt in Japans wichtigster und höchster Formel-Serien zu geben. Freilich lediglich als PR-Stunt. Denn die „gecasteten“ Fahrer hatten allesamt keine Formel-Erfahrung (beim „Casting“ saßen sie erstmals in einem Formel-3-Wagen) und wären in dem nochmals schnelleren Super-Formula-Boliden absolut chancenlos gewesen. Nach außen hin wirkte das Rennen somit als sicher. Tatsächlich gab es intern aber bereits vor der Eröffnung mitsamt dem Gastspiel der Super Taikyu viele organisatorische Wandlungen. Japanische Insider berichten, dass die JRP einen starken „Systemwechsel“ mit der Umbenennung der Strecke von Inje Autopia in Inje Speedium verzeichnete.

Der von Alan Wilson (u.a. Barber Motorsports Park, USA) entworfene und schön in die Natur eingebettete Kurs besitzt ein hübsches wie auch flüssiges Layout mitsamt einiger Höhenunterschiede. Es wäre schade, wenn der Kurs so kurz nach seiner Eröffnung zur Geisterstrecke im internationalen Motorsport mutieren würde. Es bleibt somit zu hoffen, dass die angesprochenen Konflikte beseitigt werden können. Ob es die Super Formula im kommenden Jahr allerdings noch mal in Inje probieren wird, ist fraglich. In der Pressemitteilung erklärte die JRP lediglich, dass die Austragung zukünftiger, internationaler Rennen erst diskutiert werden muss. Nicht vergessen darf man dabei aber, dass es das feste Ziel der Serie war, nach dem Namenswechsel von Formula Nippon in Super Formula im asiatischen Raum zu expandieren. Für dieses Jahr ist Japans höchste Formelserie jedoch in einer Zwickmühle. Denn nach der Absage des Korea-Rennens finden heuer lediglich sechs der sieben geplanten Meisterschaftsläufe statt. Ob es ein kurzfristiges Ersatzrennen geben wird, hielt die JRP in ihrer Pressemitteilung ebenfalls offen. Für den Lauf in Inje wurde der zweite Termin am Twin Ring Motegi in diesem Jahr gestrichen. Und an just diesem Ort trägt die Super Formula am Sonntag ihr viertes Saisonrennen aus. Eventuell verkündet die JRP dann auch die Entscheidung über ein mögliches, kurzfristig eingeschobenes Ersatzrennen. Ein Blick auf den Terminkalender des Twin Ring Motegi offenbart jedenfalls, dass die Strecke am Wochenende des 25. August zumindest frei wäre.

Super Formula Motegi 2012Weltweit ist der Twin Ring Motegi eine einzigartige Rennstrecke, da er anders als die Strecken in den USA einen separaten Oval- sowie Straßenkurs enthält, ohne dabei Kompromisse bei der Streckenführung einzugehen. Gebaut wurde der gesamte Komplex 1997 von Honda, mit dem Ziel, die CART nach Japan zu holen und das eigene Wissen im Bereich des amerikanischen Open-Wheel-Sports zu erweitern. Trotz der zwei „Zwillingsstrecken“ ist es allerdings nicht möglich, gleichzeitig zwei Rennen auszutragen, da sich der 4,8 km lange Straßenkurs die Boxengasse wie auch Haupttribüne mit dem 2,493 km langen Super Speedway teilt. Zusätzlich werden beide Kurse jeweils in anderer Richtung gefahren. Neben der CART und später der IndyCar fuhr 1998 auch der NASCAR Sprint Cup (damals noch Winston Cup) ein Einladungsrennen auf dem Oval. Das Coca-Cola 500 gewann damals Mike Skinner für Richard Childress Racing. In die NASCAR-Geschichte ging das Rennen allerdings aufgrund der Tatsache ein, dass es zum einen das erste (und einzige) Oval-Rennen der NASCAR in Japan war und zum anderen, weil Dale Earnhardt sowie sein Sohn Dale Earnhardt jr. das erste Mal zusammen in einem Rennen fuhren. Dass letzte Oval-Rennen der IndyCar fand 2010 statt. Beim Tohoku-Erdbeben vom 11. März 2011 wurde der Super Speedway leider sehr stark beschädigt. Da die IndyCar bereits davor beschlossen hatte, nach 2011 aus wirtschaftlichen Gründen vorerst keine Rennen mehr im Land der aufgehenden Sonne auszutragen, beschloss der Streckenbetreiber, das Oval nicht zu reparieren. Das letzte IndyCar-Rennen fand deshalb erstmals auf dem Straßenkurs statt, welches Scott Dixon für Chip Ganassi Racing gewann. In Europa ist der Kurs insbesondere durch den dort seit 2004 jährlich ausgetragenen Japan Grand Prix der MotoGP bekannt.

Der Straßenkurs des Twin Ring Motegi fällt für japanische Verhältnisse aufgrund seines flachen Höhenprofils eher untypisch aus. Zudem besitzt die Strecke mit ihren 14 Kurven einen Stop-and-Go-Charakter mit lediglich einer leichten Erhöhung in der Haarnadelkurve. Interessant ist die Tatsache, dass der Straßenkurs zwei Unterführungen besitzt, mit der ersten auf der kleinen Geraden zwischen Kurve 4 und 5. An dieser Stelle verlassen die Fahrer quasi unter Turn 3 des Ovals den inneren Teil der Anlage; auf der Geraden nach Kurve 11 (zwischen Turn 1 und 2 des Ovals) gelangen sie durch die zweite Unterführung – das Ganze wirkt wie die Unterführung nach der Degner vor der Haarnadel in Suzuka – wieder in den inneren Teil hinein. Dies ist nur aufgrund der Einzigartigkeit der kompletten Anlage möglich und stellt somit gleichzeitig die Besonderheit der Strecke dar.

Aus Mangel an Super-Formula-Onboard-Material im folgendem eine Onboard-Runde mit Ryo Michigami im Rockstar Dome NSX (Super GT) aus dem Jahr 2009:

Unglücklicherweise sorgt aber genau diese Einzigartigkeit der Strecke für einige Probleme für die Zuschauer vor Ort. Zum einen sitzen sie beispielsweise auf der Haupttribüne zu weit von der Start- und Zielgeraden entfernt, zudem blockiert das Oval die Sicht auf einige Kurven der Strecke, weshalb viele größere Monitore zum Verfolgen des Geschehens benötigt werden. Abseits der Haupttribünen sind die Sitze auf wenige Stellen im inneren Teil des Ovals und an der Gegengeraden des Straßenkurses limitiert. Zu allem Übel besitzt die Strecke keine besonders gute Infrastruktur. Motegi (Tochigi-Präfektur) selbst ist mit lediglich 16.403 Einwohnern (Stand 2005) und einer Gesamtfläche von 172,71km² eine relativ kleine Stadt. Zwar ist die Strecke mit dem Auto nur rund 6 km von der Innenstadt entfernt, dennoch sind die Übernachtungsmöglichkeiten, abgesehen von einem Hotel direkt an der Strecke, quasi inexistent. Des Weiteren besitzt die Strecke lediglich zwei zweispurige Straßenzufahrten, was bei Großveranstaltungen für regelmäßige Verkehrsstaus sorgt. Die Anfahrt mit dem Zug gestaltet sich ebenfalls schwierig, weil die zwei großen regionalen Zuggesellschaften JR East und Tobu Railway den Bahnhof in Motegi nicht direkt anfahren. Pläne für eine Schnelltrasse für den Shinkansen gibt es ebenfalls nicht.

Super Formula Autopolis 2013 Naoki YamamotoAuch an diesem Wochenende jagt das Super-Formula-Feld erneut André Lotterer. Der Duisburger gewann die beiden letzten Rennen in Autopolis und Fuji und führt trotz der Nicht-Teilnahme beim Saisonstart in Suzuka die Meisterschaft mit 21 Punkten an. Grund hierfür ist unter anderem das schlechte Abschneiden der direkten Meisterschaftskonkurrenten. Suzuka-Sieger Takuya Izawa sah in Autopolis wegen eines von Kazuki Nakajima ausgelösten Unfalls nicht die Zielflagge. In Fuji wurde der letztjährige Vizemeister zudem nur Fünfter. Dementsprechend verlor Izawa (15 Punkte) auch den zweiten Rang in der Tabelle an Naoki Yamamoto, dessen Formkurve seit Saisonstart mit einem vierten und zwei dritten Plätzen weiter nach oben zeigt. Mit 17 Zählern ist der Mugen-Fahrer somit der derzeit ärgste Verfolger von Lotterer. Letzterer sicherte sich beim letzten Rennen mit dem dritten Sieg in Folge auf dem Fuji Speedway den Hattrick. Schlechtes Omen für die Konkurrenz: Auch auf dem Twin Ring Motegi ist der Deutsche verdammt flink unterwegs. Im letzten Jahr triumphierte Lotterer dort bereits zum vierten Mal. Lotterer und Motegi, das passt einfach. Schließlich klettere er just an diesem Ort 2004 das allererste Mal auf die Mitte des Podiums in der damals noch JGTC genannten Super GT.

Lotterers ärgster Konkurrent könnte am Wochenende Joao Paulo de Oliveira werden. Der Brasilianer vergab seine sehr guten Siegchancen in Fuji aufgrund eines Frühstartes mitsamt darauffolgender Durchfahrsstrafe, manövrierte seinen Impul-Boliden aber in einer absolut sehenswerten Aufholjagd noch auf den sechsten Platz. Im vergangenen Jahr duellierte sich JP de Oliveira mit Lotterer bis in die letzte Runde, den Zweikampf entschied der Deutsche letztlich mit 0,6 Sekunden Vorsprung für sich. Beim zweiten Motegi-Auftritt im Sommer hatte der Brasilianer hingegen die Nase vorn. Der Sieg brachte ihn damals zurück in den Meisterschaftskampf. Ein ähnliches Ergebnis muss der Brasilianer auch am Sonntag erzielen, wenn er am Ende des Jahres im Titelkampf noch ein Wörtchen mitreden möchte. Aufgrund seines suboptimalen Saisonstarts liegt Joao Paulo de Oliveira mit 11 Punkten derzeit nur auf dem sechsten Gesamtrang. Ähnliches gilt auch für Kazuki Nakajima. Nach drei katastrophalen Saisonrennen (Fünfter in Suzuka, Ausfall in Autopolis, Achter in Fuji) befindet sich der Titelverteidiger aus dem Hause Petronas Tom’s mit fünf mageren Pünktchen nur auf dem neunten Rang. Ein Sieg ist für den Japaner deshalb absolute Pflicht.

Super Formula Fuji 2013 Koudai Tsukakoshi Ryo Hirakawa Hideki MutohEin weiterer Favorit auf den Rennsieg am Sonntag ist Loic Duval. Der Franzose gewann dank einer sehr gewagten Strategie fast das durch Nebel kurz vor Schluss abgebrochene Rennen. Auf dem Fuji Speedway war der diesjährige Sieger der 24 Stunden von Le Mans ebenfalls auf Siegeskurs, erhielt aufgrund einer Unachtsamkeit einer seiner Mechaniker beim Boxenstopp allerdings eine Durchfahrtsstrafe, die ihn auf den vierten Platz zurückwarf. In der Hektik beim Reifenwechsel hatte der Mechaniker nicht wie von den Regeln gefordert den gewechselten Reifen flach auf den Boden gelegt, sondern ihn beim Hinlegen zu stark auf den Boden geworfen, wodurch er wieder vom Boden absprang. Duvals derzeitige Leistung ist jedoch mit jener aus seinem Meisterschaftsjahr 2009 zu vergleichen. Ausgebremst wurde der Franzose in den letzten beiden Rennen (in Suzuka nahm wie er Lotterer aufgrund seines WEC-Engagements bei Audi nicht teil) lediglich durch Pech. In der Tabelle liegt Duval mit 14 Zählern derzeit auf dem vierten Rang. Wie auch André Lotterer wird Loic Duval beim letzten Saisonlauf in Suzuka (bestehend aus zwei Sprintrennen) aufgrund eines WEC-Rennens jedoch fehlen, weshalb es für ihn dieses Jahr lediglich um mögliche Rennsiege und Punkte für das Team geht. Lotterer könnte mit seiner aktuellen Dominanz (und Pech der Konkurrenz) hingegen das Unmögliche doch noch möglich machen. Die Chancen hierfür sind allerdings sehr gering, denn Lotterer würde hierfür mindestens 16 Punkte Vorsprung nach dem vorletzten Rennen im Sportsland Sugo benötigen. Sollte es keinen Ersatz für das abgesagte Korea-Rennen geben, schwinden diese geringen Chancen sogar noch mehr.

Kein gutes Rennen in Fuji erlebte Ryo Hirakawa. Mit Position 11 erreichte der talentierte Rookie  erstmals nicht in die Punkteränge in diesem Jahr. Pech hatten hingegen Tsugio Matsuda sowie Takashi Kogure. Letzterer war in den Startunfall zwischen Koki Saga und Richard Bradley verwickelt, weshalb er mit seinem ondulierten Boliden lediglich den 14. Platz erreichte. Kogure startete stark in die Saison, wurde danach aber vom Pech verfolgt. Ähnliches gilt für Tsugio Matsuda, dessen sehr gewagte Strategie beim vergangenen Rennen nicht aufging. Die durch den Startunfall ausgelöste Safety-Car-Phase nutzte Matsuda zum vorzeitigen Reifenwechsel sowie Nachfüllen des Tankinhalts. Nachdem das restliche Feld nach Rennhalbzeit zum Service abbog, fand sich der Champion von 2007 und 2008 in der Führung wieder. Mit stark abgefahrenen Reifen sowie dem Versuch so viel Benzin wie nur möglich zu sparen, musste er jedoch Lotterer passieren lassen. Drei Runden vor Schluss ging ihm komfortable auf Position Zwei liegend dann letztlich doch noch das Benzin aus. Tsugio Matsuda ist alledings auch in Motegi ein weiterer Kandidat auf die Top-Positionen.

Super Formula Motegi 2011 Takuya IzawaEin wichtiger Schlüsselfaktor wird die Qualifikation am Samstag sein. Das Überholen ist auf dem Twin Ring Motegi nur schwer möglich, weshalb eine gute Startposition ausschlaggebend ist. Anders als bei den bisherigen Saisonläufen wird das Qualifying aber nicht im dreiteiligen KO-Format ausgetragen. Stattdessen gibt es eine einzige, 20-minütige Session mit allen Fahrern. Die acht schnellsten Fahrer qualifizieren sich dabei für das anschließende Einzelzeitfahren, Special Stage genannt. Bei Temperaturen von bis zu 30 Grad (gefühlt eher 33 bis 35 dank der Schwüle) beträgt die Regenwahrscheinlichkeit lediglich 20%.

TV-Zeiten Motegi

An der derzeitigen TV-Situation hat sich wenig überraschend nichts geändert. Wer das Rennen außerhalb Japans sehen möchte, muss erneut auf die mehr oder weniger beliebte Graualternative zurückgreifen. J Sports 3 geht um 7:30 Uhr deutscher Zeit auf Sendung. Der Start zum 52-Runden-Rennen erfolgt um 8:15 Uhr.

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