Tumblelog by Soup.io
Newer posts are loading.
You are at the newest post.
Click here to check if anything new just came in.

February 24 2014

06:39

February 21 2014

15:22

February 20 2014

17:03

February 01 2014

12:25

Formel Eins: Analyse Test Jerez 2014

Die Rundenzeiten aus Jerez kann man vergessen, aber es gab doch ein paar Einblicke und Überraschungen.

TEST PRE-CAMPIONATO F1/2014 JEREZ DE LA FRONTERADie erste Überraschung dürfte das Design betreffen. Von den zehn Rennställen, die in Jerez anwesend waren, hatte jeder eine eigene Interpretation der neuen Regeln. Auffallend waren die Lösungen im vorderen Bereich, die von “schick” (Red Bull, Mercedes) über “interessant” (McLaren) bis hin zu “Oh mein Gott” (Caterham) reichen. Doch dazu später noch etwas. Geradezu katastrophal verlief der Test für Renault. Ausnahmslos alle Teams mit den Motoren von Renault hatten massive Probleme mit der Kühlung der Batterien, bei Red Bull war es besonders schlimm. Daniel Ricciardo kam bei seiner ersten Ausfahrt am dritten Tag nicht mal bis in den ersten Zeitsektor, da qualmte es schon aus dem Heck. Red Bull brach den Test dann am Freitag ab. Man hatte genau 21 Runden geschafft. Auch Toro Rosso kam nicht viel weiter, nur Caterham (!) konnte mehr Runden drehen. Die Absage von Lotus steht somit auch unter einem anderen Licht, denn offenbar ist denen das Problem schon vorher aufgefallen.

Wo genau die Probleme von Renault liegen, hat Rob White, der stellvertretende Manager des Bereiches “Technik” in einem Interview ehrlich dargestellt. Und die Probleme scheinen mit dem Turbo, den Energiesystemen und der Mechanik zusammenzuhängen. Christian Horner meinte kurz vor der Abreise, dass die Franzosen ihren Motor bis zum nächsten Test in Bahrain sicher auf dem Prüfstand verbessern würden. Nun wird Renault das neue Aggregat sicher seit mindestens 15 Monaten auf dem Prüfstand laufen haben, aber irgendetwas scheint nicht zu stimmen. Bei einem V6 können das durchaus Vibrationen sein, aber es gab auch Berichte über Probleme bei der Energierückgewinnung und den Batterien.

Klar ist, dass zumindest Red Bull ein Problem mit der Abfuhr der Hitze hat. Am Freitag versuchte man sich an Laubsägearbeiten an den Seitenkästen und fräste eine Öffnung von der Größe einer Zigarettenpackung rein. Geholfen hat es auch nichts, Adrian Newey war zudem schon Donnerstag abgereist. Der Test war also ein Reinfall, was nicht bedeuten muss, dass der RB10 ein Fehlschlag ist. Richtig ist aber, dass Red Bull einiges an Zeit auf der Strecke fehlt. Während Mercedes und Ferrari wie frisch geölte Blitze und vor allem meistens problemlos unterwegs waren, stand Red Bull nur rum.

Die Aussagen von Red Bull klangen auch nicht gerade überzeugend. Man sei sicher, dass man in Bahrain alles im Griff haben werde, hieß es. Aber offenbar handelt es sich nicht um Kleinigkeiten, die man nebenbei beheben kann.

Bei allen Teams mit Mercedes-Motoren lief es dagegen richtig gut. Sieht man mal von dem gebrochenen Frontflügel bei Hamilton am ersten Tag ab, war Mercedes selber richtig gut unterwegs. Insgesamt schaffte man 309 Runden, ein sehr guter Wert. Größere Probleme schien es nicht gegeben zu haben, am Freitag simulierte man gleich eine Renndistanz. Allein die Werte aus diesem Test dürften Gold wert sein. Denn es geht ja auch darum, die Verschleißwerte des Motors im Auto zu testen. Ein Prüfstand kann zwar eine Renndistanz simulieren, aber ein Motor reagiert in einem Fahrzeug ja immer noch mal etwas anders. Gerade der Dreck in den Kühlern macht hier einiges aus. Audi kann da ein Lied von singen. Vor zwei Jahren, als man zum ersten Mal mit dem R18 antrat, hatte man rund um die Uhr getestet. Aber halt immer alleine. In Le Mans stellte man dann fest, dass der Reifenabrieb die Kühler zusetze.

Die Tests sind also nicht nur wichtig, um herauszufinden, wie schnell man ist, sondern auch, um solche Schwachstellen zu finden. Etwas, was Red Bull dann noch machen muss.

Die Zeiten aus Jerez sind nicht so wichtig, weil sie nur schwer vergleichbar sind. Dummerweise fehlt in diesem Jahr das inoffizielle Timing bei den Tests, daher kann man keine Rundenzeitenvergleiche über die Longruns machen. Ich hoffe, dass das in Bahrain anders wird.

Interessanter als die Testzeiten ist im Moment aber immer noch das Design. Ich persönlich war teilweise erstaunt, welch elegante Lösungen gefunden wurden. Aber der Reihe nach.
(Achtung, alle Bilder sind in Höchstauflösung hochgeladen, damit man besser die Details sehen kann)

Red Bull
464823099XX00119_F1_TestingAuf den ersten Blick wirkt der Wagen erstaunlich konservativ. Newey hat sich gegen eine “Finger-Nase” entschieden und die Front nicht verjüngt. Auffallend ist der Luftauslass oben vor dem Cockpit auf Höhe des “Total”-Aufklebers. Wie im letzten Jahr wird die Nase offenbar durchströmt, der Sinn dafür ist unklar. Ein Blick auf die Seitenkästen verrät allerdings, woher die Probleme des RB10 kommen. Kein anderer Designer hat die Seitenkästen derartig stark eingezogen. Ferrari, McLaren und Mercedes haben deutlich mehr Ausbuchtungen im Heck. Das macht die Luftführung unregelmäßiger, aber dafür hat man halt mehr Luft zum Kühlen unter der Haube. Sonstige Auffälligkeiten gibt es bei der gezeigten Version nicht.

Mercedes
190388554-814212912014Auch die Deutschen haben sich für eine konservative Variante entschieden. Wie bei Red Bull fällt die Nase gleichmäßig ab und endet in einer stumpfen Form. Beim W05 fallen allerdings die beiden “Haken” an der Seite der Nase auf, die die Kameras halten. Die erinnern an die Variante, die BMW mal vor ein paar Jahren auf dem Wagen hatte. Ob die Halterung legal ist, ist dann wieder eine andere Frage. Normalerweise dürfen die Kamerabefestigungen nicht für aerodynamische Zwecke missbraucht werden. Allerdings hat sich Mercedes für eine sehr flache Variante der Front entschieden und die Kameras müssen in einer gewissen Höhe angebracht werden. Man darf gespannt sein, ob sie damit durchkommen. Das Heck des Mercedes ist breiter als beim Red Bull, zudem hat man wieder die Heckfinne ausgegraben.

Ferrari
TEST PRE-CAMPIONATO F1/2014 JEREZ DE LA FRONTERADie Italiener haben auch auf den “Finger” verzichtet, sich aber für eine andere Form entschieden. Die Nase fällt anders als bei Red Bull oder Mercedes sehr steil ab und sieht ein bisschen wie ein platt gedrückter Entenschnabel aus. Die eher harte Stufe hat aerodynamische Nachteile an der Front. Auf der anderen Seite hat die Luft nach der Stufe mehr Zeit und Platz, um um den Wagen herum zu fließen. Ich bin mir aber nicht sicher, ob sich Ferrari da einen Gefallen getan hat. In Sachen Ansehnlichkeit sicher nicht. Die Seitenkästen ziehen sehr schnell und stark nach innen, flachen aber nicht komplett ab. Mal abgesehen von der Nase ist der Wagen sehr hübsch geworden.

McLaren
_W2Q8989Das erste Top-Team, das auf den “Finger” setzt. Allerdings hat man die Nase mit langen Luftleitblechen versehen, sodass es nicht ganz so schlimm aussieht. Diese Luftführung zieht sich bis zur Aufhängung, was eine einmalige Lösung im Moment ist. Aber insgesamt macht die Front einen sehr breiten Eindruck. Die Seitenkästen sind ebenfalls etwas anders. Der MP4-29 zieht die Kästen schnell sehr stark nach innen, allerdings laufen diese auch weiter ins Heck aus, als das bei anderen Teams der Fall ist. Für Aufsehen hat die Hinterrandaufhängung gesorgt. Man hat die Aufhängungsteile so konstruiert, dass sie ein “Tränen”-Design haben und als Luftleitbleche agieren. Das sieht fast wie ein zusätzlicher Diffusor aus und soll wohl auch eine ähnliche Wirkung haben. Legal ist die Konstruktion in jedem Fall, leicht zu kopieren ist sie allerdings nicht, weil die exakte Position der Träger mit den Aufhängungspunkten am Getriebe zusammenhängt. Will ein Team das kopieren, müsste es das Getriebe bzw. dessen Verschalung neu gestalten. Das ist alles nicht so einfach, wie es klingt, denn das Getriebe ist Teil des Chassis.

Force India
Motor Racing - Formula One Testing - Day 4 - Jerez, SpainDie Inder haben eine komplett andere Lösung für die Front gefunden. Während die oben genannten Teams versuchen, die Luft um die Nase zu führen, haben die Designer bei Force India die Nase mehr oder weniger abgeschnitten. Nur Caterham trägt die Nase weiter oben. Das hat den Vorteil, dass die Luft, mal abgesehen vom “Finger”, ungestört unter das Auto kommt. Und dort kann man dann ohne Verwirbelungen besser mit ihr umgehen. Dementsprechend sieht man am VJM05 kaum Luftleitbleche am Vorderbau und auch die Kühleinlässe in den Seitenkästen sind recht klein geraten. Offenbar kommt da einfach mehr ungestörte Luft an. Die Variante ist zwar hässlich, greift aber die aerodynamischen Regeln auf, die man in den letzten Jahren verfolgt hat. Die Seitenkästen sind eher Standard, auffallend sind aber die Ausbeulungen der Motorabdeckung. Die sind erstaunlich hoch und breit ausgefallen, was dafür spricht, dass Force India die zu kühlenden Aggregate teilweise höher positioniert hat.

Sauber
GP Spanien 2013Das Auto entspricht ungefähr dem, was ich erwartet hatte. Ein deutlicher “Finger”, aber das haben die Sauber-Ingenieure sehr elegant gelöst. Auch ansonsten kann man wenig am Sauber entdecken. Die Seitenkästen sind logischerweise breiter und länger gezogen. Anders als bei anderen Teams verfolgt man jene “Cola-Flaschen”-Form sehr konsequent, die John Barnard vor knapp 30 Jahren mal eingeführt hat. Das Heck wirkt unauffällig, aber sehr schick. Dafür sieht man auch kaum Lüftungsschlitze, was dann wieder etwas überraschend ist. Auch ist die Motorenabdeckung bei weitem nicht so ausgebeult, wie das bei Ferrari der Fall ist. Eine schöne und elegante Lösung. Ob sie schnell ist und genug Abtrieb erzeugt, wird sich erst in Melbourne zeigen.

Williams
_R6T8886Die Front des Williams ähnelt der des Sauber, allerdings haben die Engländer den “Finger” etwas kürzer gehalten und sich dazu entschlossen, die Nase sanfter auslaufen zu lassen. In der Frontansicht kann man sehen, dass die Designer dabei die Höhe des T-Tray unter dem Cockpit im Auge hatten. Dort soll die Luft ankommen und unter das Auto bzw. in die Seitenkästen geleitet werden. Die sind wiederum im vorderen Bereich einfach gestaltet und fallen zum Heck hin stark ab. Dort bleiben sie allerdings etwas breiter als bei der Konkurrenz. Auch wieder auffallend ist die Entscheidung der Designer, den Bereich um den Auspuff relativ unangetastet zu lassen. Wo andere Teams den Auspuff mit der Motorabdeckung umschließen, schwebt dieser beim Williams frei. Aber vermutlich hat man hier noch nicht die letzte Variante der Abdeckung gesehen. Es ist durchaus möglich, dass Williams dem Motor zunächst etwas mehr Luft gibt.

Marussia
Motor Racing - Formula One Testing - Day 4 - Jerez, SpainWie eigentlich in jedem Jahr kommt Marussia mit einem recht hübschen Auto daher. Der “Finger” ist auch hier eher kurz, aber anders als bei Williams hat man sich für ein sehr kantiges Design der Front entschieden. Gefällt mir persönlich gut, ob es schnell ist, bleibt dann eine andere Frage. Marussia hat in diesem Jahr Ferrari-Motoren und offenbar kann man die Zusatzaggregate gut in den Seitenkästen einplanen. Das Design wirkt schlüssig und fast ein wenig langweilig. Also ähnlich wie bei Sauber. Langweilig könnte in dieses Jahr aber auch “schnell” bedeuten.

Caterham
12206526384_1b2da75a23_oEins hat das Team schon mal geschafft: Man redet über sie. Die Front des Wagens wirkt wie ein Unfall. Als ob jemand vergessen hat, den Wagen weiter zu zeichnen. Und wie bei einem Unfall muss man auch dauernd hinstarren. Und man fragt sich, ob das jetzt eine unfassbar schlechte oder geniale Auslegung der neuen Aero-Regeln ist. Wie Force India will man die Luft offenbar ungestört unter das Auto bringen, aber anders als die Inder hat man sich für eine Art Keil entschieden, den man ans Auto montiert hat. Dazu kommt, dass die Nase auch noch einen Knick hat. Ob das schnell ist? So weit ich mich erinnern kann, gab es noch keinen hässlichen F1, der am Ende schnell war. Eins ist auf jeden Fall schon mal klar: Der Caterham wird als eines der skurillsten Fahrzeuge in die Geschichte der Formel Eins eingehen. Und die meisten werden hoffen, dass man den Wagen nur selten im Fernsehen sieht. Was den Ingenieuren vorne eingefallen ist, lässt man weiter hinten vermissen. Die Seitenkästen wirken klobig, wenig ausgeformt und aerodynamisch eher ungünstig. Allerdings: Caterham war das einzige Renault-Team, dass keinerlei Kühlungsprobleme hatte. Vielleicht ist diese Lösung für den Renault-Motor die Beste.

Wie man sieht – es gibt viel zu sehen. Die Aerodynamik wird sich bis zum Start in Australien noch sehr stark verändern, aber die Grundzüge sind schon zu sehen. Und immerhin kann man sich nicht darüber beschweren, dass die Wagen alle gleich aussehen. Der echte Test wird in den Testwochen in Bahrain erfolgen. Zum einen hat man Vergleichswerte aus den Vorjahren, zum anderen wird die Hitze (dort ist es auch im Februar locker 30 Grad heiß) ein weiterer Test für die Konstruktionen werden.

624 total views, 624 views today

The post Formel Eins: Analyse Test Jerez 2014 appeared first on Racingblog.

flattr this!

December 08 2013

09:03

Formel Eins: Rückblick 2013 – Williams

Die Saison ist um, Zeit sich mal anzuschauen, wie das Jahr für die Teams so war. Ein Rückblick und eine Analyse.

Williams F1Nach der einigermaßen brauchbaren Saison 2012 hatte man eigentlich damit gerechnet, dass das Williams-Team sich 2013 weiter nach oben arbeiten könnte. Das Traditionsteam hatte sich nach der katastrophalen Saison 2011 neu sortiert und mit Mike Coughlan einen vielversprechenden Designer geangelt. Coughlan war nach seinem Rauswurf bei McLaren einige Jahre nicht in der F1 unterwegs, sondern hatte Unterschlupf beim NASCAR-Team von Michael Waltrip gefunden. Die komplette Neuorganisation des Entwicklungsteams war eine Seite, die andere Seite war die geschäftliche. Nach dem plötzlichen Abgang von Toto Wolff zu Mercedes entschied sich Frank Williams, die Geschäfte wieder in die Hände der Familie zu legen, und betraute seine Tochter Claire teilweise mit der Teamführung. Aber 2013 sollte ein Rückschlag für das Team werden.

Die Probleme zeigten sich schon bei den Tests im Winter. Richtig gute Zeiten sah man nicht, aber Williams ist auch bekannt dafür, die Tests sehr konservativ anzugehen. Doch schon damals war dem Team wohl klar, dass man sich mit dem neuen FW35 vertan hatte. Ähnlich wie McLaren hatte man sich nicht für eine Evolution, sondern für ein komplett neues Chassis entschieden. Doch der Wagen aus der Feder von Coughlan war von Anfang an eine Krücke. Was erschwerend hinzukam, war die Tatsache, dass sich die Probleme nicht durch einen Rückbau erledigen ließen. Schon beim dritten Rennen in China überlegte man, wieder die alte Auspuffanlage zu montieren, doch die passte nicht mehr ins Heck. Also blieb Williams nichts anderes übrig, als mit einem Wagen anzutreten, der komplett unterlegen war.

In der ersten Saisonhälfte fiel man komplett aus dem Mittefeld heraus. Man hatte keine Chance und irrlichterte um Platz 14 herum. Nur selten gelang ein Platz weiter vorne. Den ersten Punkt des Jahres ergatterte Maldonado in Ungarn, dann war wieder Sendepause. In den letzten Rennen brachte man im Hinblick auf 2014 schon einen Wagen ohne den Coanda-Auspuff und plötzlich lief es auch wieder etwas besser. Zumindest gelang Bottas in Austin ein achter Platz und man holte so insgesamt fünf WM-Punkte. Damit wiederholte man das schlechte Ergebnis von 2011.

Ein bisschen unverständlich ist das schon, denn die Regeln hatten sich 2013 nicht fundamental verändert, aber der Blick zu McLaren verrät, dass man sich in der Formel Eins leicht verheben kann, wenn man versucht, neue Wege einzuschlagen. Mike Coughlan kostete der Fehlschlag seinen Job, Williams verpflichtete stattdessen den ehemaligen Renault-Technikchef Pat Symonds. Der kam immerhin noch rechtzeitig im Sommer, sodass er das 2014er Auto entscheidend mitgestalten kann.

Die Fahrer zu beurteilen fällt angesichts des schwachen Chassis schwer. Von Pastor Maldonado weiß man, dass er seine lichten Momente haben kann, immerhin fiel er in diesem Jahr nicht weiter durch Kollisionen auf, was aber auch einfach damit zu tun haben könnte, dass er immer von sehr weit hinten startete und die Williams die meiste Zeit mehr oder weniger alleine unterwegs waren. So richtig glücklich war Williams mit Maldonado aber auch nicht mehr, sonst hätte man ihn kaum gehen lassen. Er nimmt damit auch gerüchteweise 30 Millionen Dollar an Sponsorgeldern mit zu Lotus, aber Williams hat die Lücke durch Massa und seinen Sponsor “Petrobas” wohl einigermaßen schließen können.

Valtteri Bottas ist schwer einzuschätzen. Der ehemalige GP3-Meister von 2011 blieb ein paar Mal in Q1 hängen, auch im Rennen sah man wenig von ihm. Sein achter Platz in Austin war allerdings eine feine Leistung angesichts des schlechten Autos. Gegen Ende seiner ersten Saison besserten sich auch seine Leistungen in der Quali und das Duell konnte Bottas mit 11:8 für sich entscheiden. Maldonado ist kein schlechter Mann in der Qualifikation, also deutet die Leistung an, das Bottas durchaus zu mehr in der Lage ist. Genaueres wird man dann im Vergleich zu Massa sehen.

Man kann jetzt schon sagen, dass 2014 ein wichtiges Jahr für Williams werden wird. Mit Massa hat man jemanden im Team, der viel Erfahrung und Know-how von Ferrari mitbringt und der als ein guter Entwickler gilt. Pat Symonds ist ein alter Fuchs, allerdings ist die Frage, ob ihm die Zwangspause geschadet hat. Williams muss es 2014 gelingen, wieder regelmäßig in die Punkte zu fahren, und das Beispiel Lotus gibt zumindest die Hoffnung, dass man dazu in der Lage sein kann.

78 total views, 72 views today

The post Formel Eins: Rückblick 2013 – Williams appeared first on Racingblog.

flattr this!

December 04 2013

07:12

Formel Eins: Rückblick 2013 – Marussia und Caterham

Die Saison ist um, Zeit sich mal anzuschauen, wie das Jahr für die Teams so war. Den Auftakt machen Marussia und Caterham. Ein Rückblick und eine Analyse.

Motor Racing - Formula One World Championship - Brazilian Grand Prix - Race Day - Sao Paulo, BrazilAls Grundlage für den Rückblick dient das Ergebnis der Team-WM in diesem Jahr. Ich fange mal hinten an, weil diese Teams sonst selten in den Fokus der Berichterstattung rücken. Marussia und Caterham fahren seit Jahren hinterher und schaffen den Anschluss einfach nicht. Was eigentlich erstaunlich ist, denn das Reglement ist einigermaßen stabil, also sollte man meinen, dass es möglich sein sollte, den Rückstand aufs Mittelfeld zu reduzieren. Aber das gelang beiden Teams in diesem Jahr erneut nicht. Stattdessen ging es noch weiter zurück.

Caterham

Dass Caterham in diesem Jahr nur den letzten Platz in der Konstrukteursmeisterschaft belegen konnte, ist schon erstaunlich. Denn immerhin bezieht man den Motor von Renault, während Getriebe und KERS direkt von Red Bull kommen. Das sollte doch eigentlich die halbe Miete sein, um ins Mittelfeld vorstoßen zu können. Doch schon bei den Tests im Februar wurde klar, dass das Team auch 2013 chancenlos sein würde. Mark Smith, ehemaliger Force-India-Designer, gelang es nicht, ein Chassis zu entwerfen, das sich mit dem Mittelfeld messen konnte. Tatsächlich konnten einem die Fahrer teilweise leid tun. Im ersten Rennen konnte man in den Cockpitaufnahmen sehen, dass der Caterham teilweise unfahrbar schien. Untersteuern am Kurveneingang, Übersteuern am Kurvenausgang. Charles Pic kam in Australien nicht mal über die 107% Hürde und auf die Marussia fehlten rund 1,4 Sekunden.

Das änderte sich mit den ersten Updates am Fahrzeug kaum und die Arbeit des Teams wirkte teilweise hilflos. Mehrfach probierte man in der Saison eine neue Front aus, mal mit, mal ohne Stufe. Man reaktivierte Heikki Kovalainen, weil das Team offenbar dem Feedback der unerfahrenen Piloten nicht traute. Immerhin gelang es Caterham, während der Saison wieder auf Marussia aufzuschließen, aber der Durchbruch blieb ihnen verwehrt. Insgesamt eine äußerst enttäuschende Leistung des gesamten Teams.

Die Fahrer wirkten zu Beginn des Jahres teilweise überfordert. Charles Pic, der 2012 im Marussia teilweise ansprechende Leistungen in der Quali gezeigt hatte, zeigte in den ersten Rennen keine gute Leistung, Guido van der Garde wirkte gar leicht überfordert. Als es dem Team gelang, den Caterham fahrbarer zu machen, lief es etwas besser, teilweise konnte man im Rennen die Marussia hinter sich lassen. Aber das ist insgesamt zu wenig für ein Team, das eigentlich schon 2012 ins Mittelfeld vorstoßen wollte.

Ob es für Caterham besser gelaufen wäre, hätte man Kovalainen und Petrov im Team behalten? In der Quali hätten beide sicherlich auch nicht mehr reißen können, aber im Rennen wäre mit der Erfahrung beider Piloten vielleicht mehr drin gewesen. Caterham hat zumindest angekündigt, dass man 2014 auf mindestens einen Piloten setzen möchte, der mehr Erfahrung mitbringt.

Marussia

10998698775_c91e03c46b_kDas britisch-russische Team ist in Sachen Finanzen schlechter als Marussia aufgestellt, aber man konnte im letzten Winter eine technische Partnerschaft mit McLaren eingehen. Damit konnte man auch den Windkanal in Woking nutzen, was Marussia offenbar geholfen hat. Die Testzeiten waren besser als erwartet, der Abstand in den ersten Rennen zu den Williams war durchaus knapp. In Malaysia gelang Jules Bianchi das Kunststück, auf Platz 13 einzufahren. Das lag auch daran, dass Alonso, Maldonado und beide Force India ausfielen, aber dennoch muss man so eine Position erst einmal schaffen. Darauf hätte man aufbauen können, doch dem Team fehlt einfach das Geld. Das letzte große Update am Fahrzeug kam laut Teamchef John Booth im Mai, seitdem gab es nur kleinere Veränderungen. Verständlich, immerhin musste man auch den Wagen für 2014 bauen und vorbereiten. Das Gefühl bleibt aber, dass das Team in diesem Jahr eine Chance verpasst hat, zumal Williams bis zum Herbst in Reichweite schien.

Dass man so gut unterwegs war, lag auch an Jules Bianchi. Der Franzose wird von Ferrari unterstützt und war erst im Februar ins Team gerutscht, nachdem die Sponsoren des eigentlichen Einsatzfahrers Liuz Razia keine Zahlung geleistet hatten. Im Endeffekt war es für Team und Fahrer ein Glücksgriff. Bianchi entpuppte sich als schneller und zuverlässiger Pilot, der in einigen Rennen eine bemerkenswerte Leistung zeigte. Es ist ein wenig bedauerlich, dass Bianchi vermutlich auch 2014 bei Marussia wird fahren müssen, da alle anderen Plätze in der F1 für ihn dicht sind.

Max Chilton hat mich teilweise positiv überrascht. Der Brite hatte sich mit viel Geld ins Team gekauft (und damit Timo Glock rausgekickt), doch seine Leistungen waren ok. Immerhin gelang ihm das Kunststück, als einziger Fahrer der Saison alle 19 WM-Läufe zu beenden. Aber insgesamt blieben seine Ergebnisse in den Rennen schwach, wie sein letzter Platz in der WM belegt. Beide Caterham-Piloten liegen noch vor ihm, in den meisten Rennen kam er weit hinter Bianchi ins Ziel. Vermutlich wird er 2014 aber erneut bei Marussia an den Start gehen.

Aber die Zukunft von Marussia scheint unsicher. Es gibt Gerüchte, dass der Teambesitzer von Marussia, der Russe Andrei Tscheglakow, an einer Fusion mit Sauber interessiert sei.

202 total views, 196 views today

The post Formel Eins: Rückblick 2013 – Marussia und Caterham appeared first on Racingblog.

flattr this!

November 24 2013

21:20

Formel Eins: Analyse GP Brasilien 2013 – Zum Abschluss alles wie immer

Zwei Tage regnete es in Strömen, doch am Renntag blieb es trocken. Anders, als in den letzten Jahren gab es wenig Stress für die Strategen, und Vettel konnte erneut sein Rennen fahren.

130115_braDie Dominanz von Sebastian Vettel lässt sich am deutlichsten an einer Zahl festmachen: 397 Punkte. So viele Zähler konnte Mercedes nicht mal mit beiden Fahrern zusammen in der WM einfahren. Anders gesagt: Selbst wenn Red Bull nur mit Vettel angetreten wäre, hätten sie den Konstrukteurstitel in diesem Jahr einfahren können. Noch ein Beispiel: Vettel wäre auch Weltmeister geworden, wenn er die ersten acht (!) Rennen komplett ausgelassen hätte. Und so wie alle Rennen seit der Sommerpause, sah auch das Rennen in Brasilien aus. Vettel auf der Pole, der sich auch durch einen besser startenden Rosberg nicht aus dem Konzept bringen ließ. Ohne DRS war sein Red Bull noch schnell genug, um noch in der ersten Runde wieder am Mercedes vorbei gehen zu können. Danach war das Rennen an der Spitze wieder gelaufen.

Eine wirkliche Chance hatte die Konkurrenz mal wieder nicht, selbst dann nicht, als Vettel wegen es etwas chaotischen Boxentopps rund 10 Sekunden verlor. Aber selbst dieser Patzer reichte nicht aus, um jemanden anderen in Führung zu bringen. Da Webber und Alonso zeitgleich in der Box waren und Vettel zuvor rund 15 Sekunden Vorsprung hatte, konnte er seine Führung bequem verteidigen, während Webber sich zweimal an Alonso vorbei arbeiten musste. Ein Sieg blieb ihm am Ende versagt, aber immerhin konnte er im letzten Rennen noch einen zweiten Platz erreichen. Und Vettel gab Webber am Ende noch ein kleines Abschiedsgeschenk: Er ließ dem Australier die schnellste Rennrunde. Nach seinem verpatzten zweiten Stopp sah es für einen Moment so aus, als könnten Webber und Alonso zu Vettel aufschließen, aber der schonte in den ersten Runden nur seine Reifen um dann später wieder seinen normalen Rhythmus aufzunehmen. Und das sah so aus, dass er pro Runde 0.5 bis 0.7 Sekunden schneller als der Ferrari von Alonso war.

Der Spanier kämpfte allerdings auch mit stumpfen Waffen. Der F138 war wie gesamten Jahr zu langsam, egal wie sehr Alonso pushte. Im Gespräch nach dem Rennen meinte Webber zu Alonso, dass dieser vor allem beim Einlenken in die Kurve sehr langsam gewesen sei, was der Ferrari-Pilot mit einem müden Schulterzucken bestätigte. Was einen deutlichen Hinweis darauf gibt, wo der Red Bull besser ist. Wenn man mit höherer Geschwindigkeit einlenken kann, ist man logischerweise auch am Ausgang etwas flotter unterwegs. Der RB9 hat einfach mehr Abtrieb, als der Rest der Welt.

Für Ferrari lief das Rennen aber endlich mal besser, als es sonst der Fall war. Alonso verlor am Start einen wichtigen Platz, konnte sich aber aber nach ein paar Runden auf P2 festsetzen. Die Mercedes konnten dem Tempo nicht folgen und hatten sich wohl mit der Abstimmung verhauen. Felipe Massa hatte einen sensationellen Start und schoss von P9 auf P6 vor. Danach kämpfte er sich bis auf P4 vor und Alonso ließ nach dem Rennen durchblicken, dass er durchaus mit dem Gedanken gespielt hatte, seinen langjährigen Teamkollegen aufs Podium zu schicken. Aber dazu kam es dann nicht, weil Massa in Runde 28 die Boxeneinfahrt zu stark anschnitt und die Rautenlinien überquerte. In der Fahrerbesprechung hatte man wohl festgelegt, dass genau dies nicht passieren sollte. Es ist nicht ganz klar, ob Massa diesen Fehler vorher schon mal begangen und die Rennleitung Ferrari schon verwarnt hatte. Jedenfalls folgte eine Durchfahrtsstrafe, die Massa mit wilden Gesten in Richtung Rennleitung kommentierte.

Die Strafe war entscheidend für den Ausgang der Team-WM. Da es für Mercedes in Brasilien überhaupt nicht lief und Hamilton wegen eines kaputten Reifens und einer Durchfahrtsstrafe weit zurück fiel, hätten P3 und P4 für Ferrari gereicht, noch an Mercedes vorbei zu ziehen. Kein Wunder, dass Ferrari am Ende etwas genervt war. Aber in beiden Fällen waren die Strafen gerechtfertigt. Massa, weil es vor dem Rennen klar war, dass die Regel bestand hatte, Hamilton, weil er beim Anbremsen rüberzog und Bottas übersah, der sich zurückrunden wollte. Die 8 Millionen, die Ferrari damit entgehen, werden auch den Italienern weh tun, aber die fehlenden sieben Punkte um Mercedes zu überholen, hat man im letzten Drittel der Saison verloren, nicht in Brasilien. Da Mercedes in diesem Jahr drei Rennen, Ferrari aber nur zwei Rennen gewonnen hat, geht der WM-Stand auch durchaus in Ordnung.

Im Rennen fielen besonders die McLaren auf. Beide starteten in den Tiefen des Mittelfelds und konnten sich während des Rennens nach vorne arbeiten. Dabei hatte in McLaren nicht mal eine besonders andere Strategie gewählt. Button fuhr zwar auf den “Hart” los, behielt dieses aber nur 21 Runden auf dem Wagen, was etwas überraschend war. Auf der anderen Seite konnte man zu diesem Zeitpunkt sehen, dass die Wagen auf den frischen “Medium” schneller waren und von hinten drückten. Das waren vor allem beide Force India und der Sauber von Guiterrez. McLaren hatte also keine andere Wahl, als die Strategie auf einen Zwei-Stopp-Plan zu ändern. Im Endeffekt zeigte sich, dass dies die richtige Entscheidung war. Button konnte aus eigener Kraft das beste Saisonergebnis für das gebeutelte britische Team rausfahren. Und McLaren damit vor der schlechtesten Saison seit 1966 bewahren. Immerhin war es immerhin noch die schlechteste Saison seit 1980, also seit dem Ron Dennis das Team von Teddy Mayer übernommen hatte. Und das im Jubiläumsjahr des Teams.

Es war ein im Mittelfeld durchaus enges und spannendes Rennen, dass die Kameras auch oft einfingen. Vor allem zwischen Force India, Sauber und Toro Rosso ging es um Sekundenbruchteile. Aber die Inder konnten im letzten Rennen trotz aller Bemühungen keine Punkte sammeln. Besser lief es für Toro Rosso, wo Daniel Ricciardo seinem Team noch einen letzten Jahr schenken konnte. Gleiches gilt für Nico Hülkenberg, der immerhin drei Zähler für Sauber holte und sich damit P10 in der Fahrer-WM sichern konnte. In der Team-WM gab es auf den hinteren Plätzen keine Änderungen mehr.

Sehr enttäuschend lief das Rennen für Lotus. Man verlor Grosjean gleich in den ersten Runden mit einem seltenen Motorplatzer und Heikki Kovalainen blieb weit hinter den Erwartungen zurück. Entweder hatte man sich mit der Abstimmung völlig verhauen, oder Kovalainen kam einfach nicht mit dem Lotus zurecht. Das er während des Rennens mit beiden Williams rumkämpfte spricht eher für die erste Variante. Im Nachhinein wäre es aber durchaus auch gerechtfertigt gewesen, Davide Valsecchi wenigstens eine Chance zu geben, aber hinterher ist man ja immer klüger. Viel Werbung hat Kovalainen für sich allerdings nicht machen können.

Auf dem Fahrermarkt geht es weiter wild zu: Hülkenberg wird mit Sauber und Force India in Verbindung gebracht. Maldonado mit Lotus und Sauber. Völlig offen ist die Lage bei Caterham, wo beide Piloten auf dem Prüfstand stehen. Sergio Perez hat die Woche verlauten lassen, dass er zu 95% ein Cockpit hat. Dies könnte bei Sauber sein, wo Guiterrez zwar in den letzten Rennen bessere Ergebnisse zeigen konnte, aber vermutlich reicht das nicht. Bei Sauber stehen also auch noch beide Cockpits zur Dispostion. Sicher ist wohl, dass Sutil bei Force India bleibt und Grosjean bei Renault. Zumindest die Zukunft von Hülkenberg soll sich in den nächsten Tagen entscheiden.

Das war dann also die Saison 2013. Wir werden in den nächsten Wochen ausführlich auf die Leistungen der Teams eingehen, aber zumindest kann man schon mal festhalten, dass es nicht die spannende Saison war, die man sich gewünscht hat. Die Dominanz von Red Bull war einfach zu groß und umso erstaunlicher war es, dass Ferrari und Mercedes zu keiner Zeit etwas dagegen setzen konnte. Es mag der Doppelbelastung durch die kommende Saison 2014 geschuldet sein, dass man die Weiterentwicklung der Fahrzeuge schon im Spätsommer mehr oder weniger einstellte, aber vermutlich wäre die Saison 2013 auch nicht viel anders gelaufen.

JFX4183 JFG8847 Marussia_9981_HiRes jm1323no117 jm1324no123 F12013GP19BRA_HZ5864 F12013GP19BRA_HZ6234 130115_bra 130117_bra 130085_bra 130087_bra 166989451XX00123_F1_Grand_P 166989451XX00135_F1_Grand_P 166989451XX00173_F1_Grand_P 166989451XX00025_F1_Grand_P 166989451XX00053_F1_Grand_P 166989451XX00099_F1_Grand_P

400 total views, 400 views today

The post Formel Eins: Analyse GP Brasilien 2013 – Zum Abschluss alles wie immer appeared first on Racingblog.

flattr this!

October 20 2013

09:49

BTCC: Analyse Brands Hatch GP

Andrew Jordan ist der BTCC-Champion 2013. Am letzten Wochenende gingen die drei letzten BTCC-Rennen des Jahres über die regennasse Bühne des altehrwürdigen GP Circuits von Brands Hatch.

hi_10461_53ca34 bzw. 35 Punkte Vorsprung auf die Markenkollegen Neal und Shedden ließen die Sache vor dem Saisonfinale zunächst recht sicher für Jordan erscheinen. Ein bärenstark auftretender Jason Plato, der den von mir vor kurzem als „Schönwetterauto“ abgestempelten MG zu zwei souveränen Siegen im strömenden Regen navigierte und der erste Ausfall für Jordan in diesem Jahr, der ihn ausgerechnet im zweiten Rennen des Tages traf, in dem er den Sack eigentlich schon hätte zu machen können, ließen die ganze Situation dann doch noch mal äußerst spannend werden und die Meisterschaft bis zum letzten Rennen der Saison offen bleiben.

hi_10439_1ec1Doch gehen wir etwas chronologisch vor. Die Qualifying-Stärke, die die MG in den letzten Rennen gezeigt hatten, konnten Plato und Tordoff auch in Brands Hatch, das sich am Samstag noch in bestem sonnigen Herbstwetter zeigte, ausspielen und sich souverän Reihe eins sichern. Die weiteren Positionen der Meisterschaftsaspiranten: Andrew Jordan und Gordon Shedden qualifizierten sich direkt dahinter in Reihe zwei auf den Positionen drei und vier. Colin Turkington mit allerdings nur noch sehr theoretischen Meisterschaftschancen fuhr seinen BMW auf Startplatz sechs. Fehlte also nur noch Matt Neal. Aber für den Dynamics-Piloten lief so ziemlich alles schief. Ohnehin gehandicapt durch einen gebrochenen Finger (Karate-Training …), der zwei Operationen vor Brands Hatch erforderlich machte, zerstörte er seinen Honda bei einem heftigen Unfall im Qualifying ausgangs Paddock Hill Bend. Ergebnis: Ein kaputtes Fahrzeug, das den Mechanikern eine lange Nacht bereitete, und ein sichtlich durchgeschüttelter Matt Neal, der letztendlich nur von Startplatz 16 ins erste Rennen gehen konnte.

hi_10440_cd94Erwähnenswert ist abseits des Meisterschaftsgeschehens noch: Der fünfte Startplatz für den im Qualifying wieder einmal sehr starken Adam Morgan, Startplatz sieben für Tom Onslow-Cole als bester Ford und der großartige zehnte Platz für Jake Hill im zweiten Rob Austin-Audi, der hier in Brands Hatch zum ersten Mal in einem NGTC-Auto saß und zu seinem erst zweiten BTCC-Rennen antrat. Die Platzierung bedeutet nicht nur eine auf Anhieb bessere Leistung als sie Will Bratt als Full-Time-Kraft das ganze Jahr über im Audi gezeigt hatte, sondern auch einen Startplatz zwei Positionen besser als Teamchef Rob Austin.

hi_10459_cf4bTrotz des strömenden Regens, der über den gesamten Rennsontag anhalten sollte, ging Rennen eins relativ unspektakulär über die Bühne. Jason Plato setzte die Pole Position in einen Start-Ziel-Sieg um. Dahinter konnte sich Shedden an Tordoff vorbei arbeiten und sich den zweiten Platz sichern. Andrew Jordan ließ in einer eher defensiven Fahrt Tom Onslow-Cole passieren und kam auf Platz fünf ins Ziel. Punkte sichern ohne im Regen unnötiges Risiko einzugehen lautete seine Herangehensweise. Eine bärenstarke Fahrt zeigte dahinter Matt Neal, der sich mit gebrochenem Finger im gerade wieder aufgebauten Honda bis auf Platz sechs nach vorne arbeiten konnte. Für Colin Turkington waren die letzten Chancen auf die Meisterschaft dagegen bereits nach der ersten Kurve dahin. Ausgangs von Paddock Hill verabschiedete sich der Meister des Jahres 2009 in einen Dreher und wurde ausgerechnet von seinem Teamkollegen Nick Foster frontal auf die Hörner genommen. Turkingtons Ausfall bedeutete zugleich den zweiten Independent-Titel in Folge für Andrew Jordan. Angesichts des Kampfes um die Gesamtwertung war dieser Erfolg aber nur schmückendes Beiwerk für den Eurotech-Piloten.

hi_10452_c326Im zweiten Rennen kam dann das große Drama. Mit einer weiteren soliden Fahrt in die Punkteränge hätte Jordan schon alles klar machen können. Aber wie das meistens so ist, wenn man sich in der „danger zone“ (O-Ton Tim Harvey) im Mittelfeld aufhält und es auch noch in Strömen regnet, kommt ganz schnell alles ganz anders. Das Drama begann bereits am Start, als Jordan hinter Rob Collard auf Platz sieben zurückfiel. Zwischen dem vor ihm liegenden BMW und Verfolger Matt Neal dahinter eingeklemmt fand sich Jordan im dichten Verkehr wieder. In Runde zwei setzte dann Áron Smith hinter Matt Neal fahrend ausgangs Graham Hill Bend zu einem Doppelüberholmanöver der beiden Honda an. Jordan, der kein Risiko eingehen wollte, ließ den Ford von Smith passieren. Ungünstigerweise versuchte Smith dann vor Surtees auch noch den BMW von Collard zu überholen, was zu einer Kollison führte und den WSR-Piloten in einen Dreher brachte. Jordan versuchte dem unmittelbar vor ihm kreiselnden BMW auszuweichen, wurde dabei aber unglücklicherweise von Matt Neal am linken Hinterrad getroffen.

hi_10445_239fEine gebrochene Aufhängung und der erste Ausfall des Jahres waren die bittere Folge. Dass auch Matt Neal weit zurück fiel und letztendlich wegen eines Feuers im Motorraum die Zielflagge nicht sehen sollte, war sicherlich nur ein schwacher Trost, denn der Champion des Jahres 2011 war ohnehin aus dem Meisterschaftsrennen raus. Stattdessen brachte sich Jason Plato mit einem weiteren Sieg völlig überraschend zurück in den Kampf um die Meisterschaft. Damit hatte vor Brands Hatch sicherlich niemand gerechnet, aber der dreifache BTCC-Champion hatte mit nur noch 15 Punkten Rückstand auf einmal realistische Titelchancen (bestärkt dadurch, dass Jordan das dritte Rennen aus der letzten Startreihe in Angriff nehmen musste). Außerdem noch mit im Titelrennen war der amtierende Champion Gordon Shedden, der es nach einem brachialen Quersteher am Start im zweiten Rennen auf Platz sieben geschafft hatte. Der Schotte hatte vor Lauf drei 20 Punkte Rückstand und musste, um seinen Titel zu verteidigen, siegen, während Jordan keine Punkte holen durfte.

Und weil diese ganze Situation noch nicht spannend genug war, zog BTCC-Direktor Alan Gow ausgerechnet Shedden auf die Pole Position für das dritte Rennen. Die Ausgangslage bot somit folgendes Bild: Shedden mit 20 Punkten Rückstand auf der Pole Position und mit der Mission zum Siegen. Plato mit 15 Punkten Rückstand auf Startplatz sieben und mit dem bisher großartig gehenden MG ebenfalls zum Siegen oder mindestens Platz zwei verpflichtet. Und Tabellenführer Jordan in der letzten Startreihe mit der Aufgabe, im Regen möglichst rasch nach vorne zu kommen und so viele Punkte zu retten wie möglich. Shedden wäre Meister gewesen, wenn er siegt und Jordan gleichzeitig keine Punkte holt. Plato wäre Meister gewesen, wenn er siegt und Jordan nicht über Rang zwölf hinaus kommt.

hi_10448_95cbDie ersten Rennrunden waren folglich vor allem davon bestimmt, zu schauen, auf welcher Position Jordan mittlerweile liegt. Und eines Meisters würdig arbeitete sich Jordan sukzessive durchs Feld, machte Position um Position gut und profitierte dabei auch von einigen Ausfällen und Ausrutschern. Bereits nach fünf Runden lag er so weit in den Punkterängen, dass der Titel so gut wie sicher schien. Letztendlich konnte er bis auf Rang neun vorfahren und kam damit sogar noch einen Platz vor Jason Plato ins Ziel, für den es in diesem Rennen mit vollem Zusatzballast überhaupt nicht lief.

hi_10465_0f43 An der Spitze siegte Shedden, auch wenn er sich zeitweise des bärenstarken Jack Goff im Gilham-Vauxhall erwehren musste, der mit Rang zwei sein bestes Saisonresultat einfuhr und dem Team von Tony Gilham somit noch ein Podium zum Saisonabschluss bescherte. Immerhin brachte der Sieg dem amtierenden Champion Shedden noch die Vizemeisterschaft ein – nur sieben Punkte hinter Jordan. Platz drei in der Meisterschaft ging an Jason Plato mit 17 Punkten Rückstand. Für Matt Neal, der bis zu seinem katastrophalen Wochenende in Rockingham weite Teile der Saison geführt hatte, reichte es letztendlich – auch wegen eines mageren 14. Platzes im dritten Rennen – nur zu Meisterschaftsrang vier. Dahinter schaffte Colin Turkington in der Debutsaison des neuen NGTC-BMW einen insgesamt respektablen fünften Platz in der Meisterschaft.

hi_10468_7785aHier alle Endstände des Jahres (pdf).</a></p> <p>a<a href=" http:="" target="\">Und hier alle Gesamtergebnisse des Wochenendes.

Brands Hatch war meiner Meinung nach ein würdiges Saisonfinale einer sehr interessanten BTCC-Saison, bei der es bis zum letzten Rennen spannend blieb. Und Andrew Jordan ist ein mehr als verdienter Champion des Jahres 2013. Nicht nur, dass sich der Youngster ohnehin zu einem der schnellsten und besten Piloten im Feld entwickelt hat und eine tolle Konstanz über den gesamten Saisonverlauf gezeigt hat; der Erfolg zeigt auch, dass ein professionell geführtes Privatteam in der Lage ist, den Titel zu holen. Der Erfolg des Eurotech-Teams rund um den Teamboss und ehemaligen BTCC- und Sportwagenpiloten Mike Jordan erinnert ein wenig an die Zeit, als das Halfors-/Dynamics Team mit den privat eingesetzten Honda Integra die Werksteams ärgern konnte und mit Matt Neal zwei Meisterschaften in den 2000er-Jahren einfuhr.

Was sonst noch war

Einige Dinge, die im Kampf um die Meisterschaft etwas untergingen, sollen nicht unerwähnt bleiben:
hi_10446_840bShaun Hollamby brachte den guten alten Golf des AmD-Tuning Teams zu einer letzten Ausfahrt nach Brands Hatch. Eigentlich hatte man sich ja einen der ehemaligen S2000-Civics zugelegt, um James Kaye noch den Kampf um den Titel in der Jack-Sears-Trophy zu ermöglichen. Eine Verletzung Kayes zur Mitte der Saison und die dominante Siegesserie von Lea Wood machten dem Plan aber einen Strich durch die Rechnung. Und so klemmte sich Teamboss Shaun Hollamby für das Finale noch mal selbst hinter das Steuer des VW. Und auch wenn der Golf über das gesamte Wochenende zu den langsamsten Autos im Feld gehörte, konnte Hollamby sich im ersten Rennen am Sonntag begünstigt durch glückliche Umstände den Sieg in der mit nur noch drei Autos besetzten Jack Sears Trophy holen. Die Konkurrenten Wood und Griffin waren im strömenden Regen in Dreher verstrickt und so gab es zum Abschied noch mal einen Pokal für den Golf. Die weiteren Siege des Tages sicherte sich dann standesgemäß Lea Wood, der bereits seit Rockingham als Meister in der Jack Sears Trophy feststeht. Wie es im nächsten Jahr mit der Trophy weitergeht, bleibt abzuwarten. Wood wird sicherlich in ein NGTC-Auto wechseln wollen und ob sich überhaupt noch genügend S2000-Autos finden, darf als fraglich gelten.

hi_10467_f0e6Die Leistung der Fords war am Brands-Hatch-Wochenende konstant gut. Tom Onslow-Cole sicherte sich im ersten Rennen den vierten Platz und die Teamkollegen Mat Jackson und Áron Smith kamen sowohl im zweiten als auch im dritten Rennen auf die Plätze drei beziehungsweise fünf. Zwar bleibt die Performance der Ford in diesem Jahr unterm Strich klar enttäuschend und deutlich hinter den Erwartungen des Teams zurück, Brands Hatch bedeutete aber immerhin einen halbwegs versöhnlichen Saisonabschluss. Hervorzuheben ist dabei außerdem Áron Smith, der sein Auto im freien Training – ähnlich wie Matt Neal im Qualifying – ausgangs Paddock Hill vehement in die Leitplanke warf und so heftig einschlug, dass es ihn aushebelte und auf die Seite warf. Auto kaputt und Fahrer ordentlich durchgeschüttelt waren neben einem Startplatz am Ende des Feldes die Ergebnisse. Gemessen daran war Smith‘ Leistung in den drei Rennen sehr respektabel.

Und 2014?

Zum Abschluss noch ein paar bestätigte Fahrer-Team-Fahrzeugkombinationen für die kommende Saison. Ein detaillierterer Bericht hierzu wird noch folgen:

- Team Dynamics hat kurz nach dem Saisonfinale bekannt gegeben, dass man für 2014 komplett neue Fahrzeuge entwickeln wird. Fest steht, dass es wieder Hondas sein werden und man weiterhin als Werksteam für die japanische Marke auftreten wird. Ein Modellwechsel ist allerdings gut möglich (Accord?). Im nächsten Monat will man konkretere Pläne vorstellen. Ob das neue Fahrzeug dann nur bei Dynamics zum Einsatz kommt oder man es auch dem Eurotech-Team zur Verfügung stellt, bleibt abzuwarten.

- Welch und Austin haben ihr Engagement in der BTCC 2014 bestätigt. Bei Welch wird man wohl außerdem einen komplett neuen Proton Persona aufbauen und will insgesamt zwei Wagen einsetzen. Austin hat bisher nur einen Audi A4 bestätigt, für den zweiten wird wohl wieder ein zahlungskräftiger Fahrer gesucht werden müssen.

- Neu im Feld sehen wir wahrscheinlich das Rotek-Team rund um US-Boy Rob Holland. Nachdem man die Ex-Arena Motorsport Ford Focus aus der WTCC gekauft hatte, diese aber dann doch nicht einsetzte, plant man für 2014 einen Einstieg in die BTCC mit zwei selbst entwickelten Audi A3. Unterstützung kommt hier von Tony Gilham, der ja irgendwie überall gerne mitmischt ;)

- Bereits beim letzten Mal erwähnt hatte ich, dass die Cicely-Mannschaft eine Mercedes A-Klasse für 2014 entwickelt. Bisher lauten die Pläne nur für ein Einwagen-Team mit Adam Morgan als Fahrer. Hier drücke ich sehr die Daumen, dass es mit der Fahrzeugentwicklung klappt, denn eine weitere Marke, noch dazu ein Mercedes, wäre eine tolle Bereicherung für die BTCC.

- Weitere Bereicherung werden wohl auch zwei Renault Megane bieten, die derzeit in der Entwicklung sind. Hier ist allerdings noch unklar, welches Team die Megane einsetzen wird. Das Projekt wurde vom Ingenieur Philip Morgan angestoßen, der die Autos bauen lassen möchte und sie einem Team für den Einsatz dann zur Verfügung stellt. Klingt alles noch etwas nebulös, aber wir werden sehen …

1,368 total views, 268 views today

The post BTCC: Analyse Brands Hatch GP appeared first on Racingblog.

flattr this!

October 11 2013

12:00

F1: Die Red Bull Traktionskontrolle erklärt

Wir haben ein wenig recherchiert, telefoniert, gelesen und nachgedacht. Und vielleicht eine Erklärung dafür gefunden, wie die “Traktionskontrolle” von Red Bull funktioniert.

F1_Spa_2013_00007Die plötzliche Siegesserie von Sebastian Vettel und Red Bull hinterlässt ein paar Fragezeichen. Der RB9 war schon vor der Sommerpause sehr schnell, immerhin konnte Vettel vier Rennen gewinnen. Aber man war bei weitem nicht so dominant, wie seit dem Rennen ins Spa. Wirklich ausschlaggebend für alle Gerüchte war das Rennen in Singapur, als Vettel teilweise zwei Sekunden schneller als der Rest der Welt war. Der Weltmeister sprach nach dem Rennen in Singapur selber davon, dass man “die Hosen runter gelassen” habe. Aber seit diesem Rennen geistern Theorien durchs Netz, was genau Red Bull da veranstaltet. Wir haben unsere Köpfe rauchen lassen und dank der Hilfe von einigen Chatteilnehmern und einem Insider in Sachen KERS haben wir zwei Varianten gefunden, die Red Bull eventuell einsetzen könnte. Dafür müssen wir aber technisch etwas ausholen…

Dass das Team auf eine Art Traktionskontrolle setzen könnte kam als Gerücht schon einmal nach dem Rennen in Kanada auf, als ein körniges Video von Mark Webber die Runde machte, in dem unterbrochene Beschleunigungsstreifen zu sehen waren. Ein mögliches Indiz dafür, dass eine Art mechanische Traktionskontrolle zum Einsatz kommen könnte. Das Gerücht ging relativ schnell wieder unter.

Grund dafür sind die strikten Regel und Kontrollen der FIA. Die technischen Regularien der FIA (pdf) sind da ziemlich klar. Die gesamte Motorsteuerung läuft über die Einheits-ECU, die den Teams von der FIA gestellt wird. Mögliche Manipulationen am Code werden regelmäßig überprüft, die Änderungen, die vorgenommen werden dürfen, müssen von der FIA abgenommen werden. Theoretisch ist es möglich einen Code in einem Code so zu verstecken, dass es bei einer oberflächlichen Überprüfung nicht gefunden ist. Auch Lücken im Code (man kennt das auch als “Zero-Day-Exploit”) könnten von begabten Hackern gefunden und ausgenutzt werden. Aber selbst verstecker Code lässt sich mit einigem Aufwand finden, und man kann sich vorstellen, was los wäre, sollte man in der ECU eines Teams eine Manipulation finden. Ausschluss aus der WM wäre die Minimumstrafe.

Wenn man also die ECU nicht überlisten kann, muss man einen anderen Weg finden. Die FIA schreibt in Sachen KERS weniger vor, als man vielleicht denken würde. Ihr geht es vor allem um die Menge an gespeicherter Energie, die pro Runde abgerufen werden kann und die Tatsache, dass man mit dem elektronischen Gaspedal nicht die Leistungsabgabe des Motors beeinflussen kann.

In den technischen Regeln gibt es zum für einen Traktionskontrolle wichtigen Punkt “5.5 Engine torque demand” zwei wichtige Passagen:

5.5.1 The only means by which the driver may control the engine torque is via a single chassis mounted foot (accelerator) pedal.

5.5.3 The maximum accelerator pedal travel position must correspond to an engine torque demand equal to or greater than the maximum engine torque at the measured engine speed. The minimum accelerator pedal travel position must correspond to an engine torque demand equal to or lower than 0Nm.

Zusammengefasst: Das Drehmoment muss bei voll durchgetretenen Gaspedal auch voll da sein, man darf zur Kontrolle des Drehmoment nichts anderes als das elektronische Gaspedal einsetzen.

Was also an der Kurbelwelle beim Motor rauskommt, darf nicht beeinflusst werden. So einfach, so klar. Weitaus weniger klar ist aber die Frage, was mit dem Drehmoment passiert, bevor es am Differential ankommt, bzw. dieses verlässt.

Die Theorie in Sachen “Traktionskontrolle” bei Red Bull setzt genau an diesen Punkt an. Damit das funktionieren kann, kommt einiges zusammen.

Zum einen muss ich wissen, wann die Reifen durchdrehen, denn genau das will ich ja vermeiden. Hierfür gibt es grundsätzlich die Möglichkeit über Sensoren die Winkelgeschwindigkeit der Räder und der Antriebswellen und vor allem die Winkelbeschleunigung, also die Änderung der Winkelgeschwindigkeit pro Zeit zu messen. Eine hohe Winkelbeschleunigung der Reifen wird angestrebt, resultiert dies in einer hohen Beschleunigung. Liegt diese aber über einem kritischen Wert, fängt das Rad an durchzudrehen und man verliert Zeit und der Reifen baut schneller ab.

Diese Datan darf man aber z.B nicht für die ECU verwenden. Red Bull hat also wohl auch eine zweite Möglichkeit gefunden, nämlich eine Messung über das dynamische Verhalten der Hinterachsgeometrie und vor allem über deren Feder und Dämpferwege. Die Dämpfer in der F1 sind wirklich winzig und gerade mal so groß wie eine Männerhand (Siehe Vergleichsbild unten). Der Federweg beträgt nur wenige Millimeter, ein großer Teil der Energie wird durch die Reifen und die Aufhängung abgefangen. Aber sie bewegen sich dennoch und man kann messen, wann ein Dämpfer komplett zusammengedrückt wird und wann er nur teilweise belastet ist. Dazu kommen dann die Werte, welche Beschleunigungs und Drehsensoren an meiner Antriebswelle bzw. an meinem Radträger liefern.

zf_2Beim Herausbeschleunigen aus einer Kurve geht ein Wagen hinten in die Knie. Je mehr Leistung abgerufen wird, desto mehr wird er auf die Strasse gepresst. So lange, bis die Reifen die Energie nicht mehr weitergeben können und durchdrehen. Man weiß also, dass die Reifen dann den besten Grip aufbauen, wenn die Dämpfer komplett auf Anschlag sind. Würde man die gesamte Leistung des Motors auf die Reifen geben, wenn die Dämpfer nicht voll belastet sind, drehen die Räder schneller durch.

Red Bull hat nun anscheinend einen Weg gefunden, diese Messungen mit dem KERS Elektromotor zu koppeln und in Verbindung mit zusätzlichen Komponenten eine Regelung aufzubauen und damit eine Traktionskontrolle aufzubauen, die über den das KERS erzeugt wird. Wie diese Traktionskontrolle nun wirklich funktioniert, dafür gibt es wohl 2 Möglichkeiten:
Variante 1:

Der E-Motor sitzt bei Renault in der Getriebe/Differentialeinheit hinter dem Motor. Theoretisch (und wir bewegen uns hier wirklich in der Theorie) ist es möglich, den E-Motor als “Schleppmotor” zu benutzen. Das heißt, er leistet einen Widerstand gegenüber dem eigentlichen Antriebsaggregat.

Anders gesagt: der E-Motor zapft eine Teil der vom Motor erbrachten Energie ab und leitet sie in die KERS-Batterie, bzw. in einen weiteren Zwischenspeicher (Kondensator, Akku). Dafür müsste der Motor über eine veränderbare Drehmomentcharakteristik besitzen. Dies kann z.B über Kondensatoren geschehen. Beim Torque Vectoring passiert nichts anderes, denn hier muss auch permanent das Drehmoment des Motors variert werden, allerdings eher um die Querdynamik zu beeinflussen. Die Funktionsweise wäre bei Red Bull dann im Ablauf so:

- Stoßdämpfer misst Kompression

- Wird über die Sensoren an Feder, Dämpfer, Rad, Antriebswelle registriert dass an den Rädern Schlupf vorherscht bzw. wird in kürzester Zeit eintreten, schaltet sich der E-Motor hinzu, der die Energie des Drehmomentes zum Teil abgreift. So wird nur ein Teil an die Räder weiter geleitetet, der Rest landet in der KERS-Batterie bzw. einem weiteren Hochleistungsakku welcher im Motor oder der Leistungselektronik versteckt wäre.

- Wird kein Schlupf mehr registriert, wird der “Bremsmotor” abgeschaltet, die gesamte Energie des Motors wird an die Räder gegeben.

kersRegeltechnisch ist das ok, aber haarig. Ich habe nichts zum Thema gefunden, wie das KERS eigentlich aufgeladen werden soll, es kann auch Energie vom Motor genommen werden. Es gibt auch keine Vorschriften, wann das KERS geladen werden darf. Es ist quasi meine Entscheidung, wann ich die Energie vom Motor wegnehmen. Logischerweise macht man das normalerweise in der Bremsphase, wo ich die Energie des Motors nicht benötige. Es spricht aber keine Regel dagegen, das beim Beschleunigen oder in einer Kurve zu machen. Dazu muss man sagen, dass die Regelmacher auch nur 2 Szenarien im Hinterkopf hatten, die absolut plausibel sind und auf denen die Regeln aufgebaut sind.

Szenario 1: Auto bremst, E-Motor läuft als Generator und gewinnt beim Bremsvorgang Energie.

Szenario 2: Auto beschleunigt, E-Motor gibt seine Energie bei der Beschleunigung ab.

Allerdings würde das Red Bull-System ein eigenes Szenario darstellen: Auto beschleunigt und E-Motor gewinnt beim Beschleunigen Energie zurück. Ein solches Szenario wird auch in der aktuellen Racecar Eng. diskutiert und dort für möglich erachtet.

Es gibt aber noch eine 2. denkbare Variante, die mit der 1. Variante gewisse Ähnlichkeiten hätte, aber doch ein paar Unterschiede bzgl. des Eingriefs und weniger Speicherkapazitt benötigen würde:

Sie wäre eine große Regelung zwischen Telemetrie, E-Motor, Motor, Fahrwerkssensoren, Leistungselektronik und (versteckten Kondensatoren). Sie würde im Prinzip wie folgt funktionieren:

- Telemetrie erkennt Schlupf an den Rädern

- E-Motor schaltet sich sofort als Schleppmotor für sehr kurze Zeit (z.B 0,1 sek) ein und gewinnt dabei Energie zurück

- Winkelbeschleunigung wurde reduziert und das Rad dreht sich perfekt.

- E-Motor gibt sofort wieder seine Energie ab, die er in Hochleistungskondensatoren gespeichert hat.

- Telemetrie erkennt wieder Schlupf

Für Variante 2 würden zwei Dinge sprechen: Zum einen die unterbrochen Streifen von Mark Webbers Auto, zum anderen aber auch das folgendes Video. Der Chatuser Fermikante hat sich mal die Arbeit gemacht und die Frequenz der Geräuschsequenz rausgefiltert und ist auf ca. 11 Hz gekommen. Xander hat später ausgerechnet, dass die Ladezeit bei 120 kmh und 1m Ladeweg 0,03 Sekunden wäre. Wenn man nun davon ausgeht, dass das Laden, das perfekte Beschleunigen des Rades und das Entladen gleich lang dauert, kommt man auf 0,09 sek, was ziemlich genau 11 Hz wären.

Das bedeutet, dass es beim Rausbeschleunigen zwei Zustände gibt: Schlupf = E-Motor greift ein. Kein Schlupf = E-Motor/Superkondensator gibt Energie frei, Schlupf entsteht, die Beschleunigungsstreifen entstehen. Und so weiter, und so fort. Die markanten Streifen, die bei Webber in Kanada zu sehen waren, sind nicht wieder aufgetaucht. Was darauf hinweisen kann, dass Red Bull das System perfektioniert hat.

In beiden Fällen ist der Trick genial. Die ECU überwacht zwar das KERS, aber es geschieht ja in beiden Varianten nichts illegales. Es gibt keine Regel die besagt wann und wie das KERS geladen wird, es gibt keine Regel, die vorschreibt wann die gespeicherte Energie abgerufen wird. Was beschränkt wird, ist die Menge der Energie, die auf einer Runde abgerufen werden kann. Ein “geheimer” Superkondensator, der zusätzlich Energie speichert, wäre illegal, wenn man ihn denn finden kann. Er lässt sich leicht als “Zwischenspeicher” oder Spannungsausgleich deklarieren bzw. über eine aufgeblähte Spannungsausgleichung oder Dämpfung verstecken(Danke an Xander für den Tipp). Nachweisen, dass er Energie abliefert, kann man vermutlich nicht. Dies sagen wir allerdings mit der Einschränkung, dass wir nicht wissen, wie die ECU den gesamten Energieverkehr überwacht. Es ist ein Unterschied, ob die ECU die Menge der aufgefangenen Energie, die Menge der gespeicherten Energie im KERS oder die Menge der Energie misst, die aus dem KERS abgerufen wird. Die KERS Batterie kann mehr Energie speichern, als man abrufen darf, weil eine Totalentleerung die Akkus schädigt. Das kennt jeder von seinem Smartphoneakku. Es wäre also logisch, wenn die ECU nur die Menge der abgerufenen Energie überwacht und auf die vorgeschriebene Menge beschränkt. Eine Restspannung bleibt auch nach Abruf erhalten, um den Akku nicht zu beschädigen. Ein dazwischen geschalteter Superkondensator, der die Energie nur 0,001 bis 0,3 Sekunden hält und diese sofort wieder abgibt, würde nicht auffallen.

Solche Systeme haben aber eins gemeinsam: Sind sind extrem schwer zu programmieren, aber vor allem auch zu verstecken und noch mehr zu kühlen. Im Falle von Red Bull müsste man die Kondensatoren bzw. die Kondensatoren, die in der Leistungselektronik versteckt sind kühlen. Da dies im wohl im Getriebehousing geschehen müsste, wäre das extrem schwer. Allerdings würde dass auch wieder zu den Überhitzungsproblemen passen, die Red Bull mit ihrem KERS-System hat.

Die Formel Eins ist nicht die einzige Serie, die mit einem KERS-System arbeitet. Auch in der WEC wird ein solches eingesetzt. Toyota setzt ein System ein, dass nur auf die Hinterachse wirkt, auch hier wird man das Problem haben, dass die zusätzliche Leistung an der Hinterachse Probleme verursacht. Audi hat deswegen zwei Elektromotoren an der Vorderachse, die quasi einen Allradantrieb ergeben und Torque Vectoring beherschen. Deswegen darf Audi sein KERS erst ab 120 km/h einschalten. Für Toyota, die nur über die Hinterachse gehen, ist das Problem also komplexer, auch hier gibt es Vermutungen, dass die abgegebene Energie mittels eines wie oben beschriebenen Systems eingesetzt wird. Die Beschleunigungsvorteile des Toyota sind in langsamen Ecken in Onboard-Aufnahmen jedenfalls gut dokumentiert.

Das sind Spekulationen, und man sollte ein paar Argumente, die gegen eine Traktionskontrolle sprechen, nicht vergessen.

- Ein solches System wäre, ob als Variante 1 oder 2 dargestellt, sehr komplex, weil das Zusammenspiel zwischen Motor, Stoßdämpfer, E-Motor, Telemetrie und KERS extrem kompliziert ist. Allein die Reaktionszeiten der Systeme sind ultrakurz, dazu kommt, dass es eine Steuereinheit im E-Motor geben muss, die diese Arbeit unentdeckt erledigen kann.

- Einen Hinweis, ob ein solches System existiert, könnte man bekommen, wenn man die Datenaufzeichnungen von Red Bull kommen könnte. Dort wird nämlich auch die Gaspedalstellung festgehalten. Die FIA müsste nur mal ein Datenblatt von Red Bull mit einem Konkurrenten vergleichen, dann würde man anhand der Gaspedalstellung sehen, ob es massive Unterschiede gibt. Auch über die Drehzahlen des Motors aus der ECU müsste man im Vergleich etwas erkennen. Bisher gab es meines Wissens keine derartige Untersuchung, was nicht heißt, dass sie nicht statt gefunden hat. Wie wir wissen, passiert so etwas auch gerne mal hinter den Kulissen. Aber auch hier gibt es die zeitliche Einschränkung, denn das alles passiert in wenigen Hundersteln. Selbst wenn man sehen würde dass man in einem Red Bull 0,2 Sekunden (20 bis 50 Meter in einer Kurve) vor der Konkurrenz aufs Gas gehen kann, kann Red Bull das immer noch mit einer besseren Aerodynamik erklären.

- Dennoch, das Risiko, was Red Bull mit einer mehr oder weniger legalen Sache eingehen würde, ist enorm. Wie jedes andere Team arbeitet man an den Grenzen dessen, was die Regeln zulassen. Man probiert auch mal Dinge aus, die etwas tiefer in der Grauzone liegen. Aber Red Bull ist bisher nicht als ein Team aufgetreten, dass bewusst betrügt. Und ich traue das auch weder Adrian Newey zu, noch glaube ich, dass Dietrich Mateschitz so etwas begrüßen würde. Die Marke Red Bull würde erheblichen Schaden nehmen und die Marke ist mehr wert, als das F1 Team.

- Ein weiteres Problem stellt die zusätzlich gespeicherte Energie da. Die Idee eines zwischengeschalteten Superkondensators ist verlockend. Man könnte sie auch in größeren Hochleistungskondensatoren innerhalb der Leistungselektronik versteckt speichern und das ganze als große Leistungsregelung deklarieren.(Hinweis vom User Xander). Es wäre quasi eine zweite KERS-Batterie, die meine gesparte Energie wieder abgibt. Allerdings wäre das tatsächlich illegal. Zum einen ist für die Speicherung ausschließlich die KERS Batterie vorgesehen, zum anderen würde es die Menge der Gesamtenergie (400 kj), die man in einer Runde speichern und wieder abgeben darf überschreiten. Es wäre vielleicht dann halblegal, wenn der Red Bull insgesamt tatsächlich nicht mehr Energie aufnehmen, bzw. abgeben würde. Wozu aber dann einen versteckten Superkondensator unterbringen?

- Wie bei allen Verschwörungstheorien gilt auch hier: Je komplexer die Materie, desto mehr Menschen sind damit beschäftigt. Je mehr Menschen damit beschäftigt sind, desto höher ist das Risiko, dass etwas rauskommt. Und die F1 ist ein Dorf in dem jeder jeden kennt. Die Rennmanipulation von Renault ist raus gekommen, die Spionageaffäre zwischen McLaren und Ferrari auch.

Der Artikel entstand mit Informationen von Racecar Engineering, Jalopnik, Axis of Oversteer ,den Chatusern Xander und Fermikante und einigen Tippgebern, die lieber nicht genannt werden möchten.

1,098 total views, 1,008 views today

The post F1: Die Red Bull Traktionskontrolle erklärt appeared first on Racingblog.

flattr this!

September 19 2013

11:23

Formel Eins: Vorschau GP Singapur 2013

Wenn es Nacht wird in Singapur, dreht die Formel Eins erst richtig auf. Sebastian Vettel könnte seine vierte WM am Wochenende schon mehr oder weniger klar machen.

singaWeltmeister kann Vettel am Wochenende natürlich noch nicht werden, aber ein weiterer Sieg, bei einem Ausfall oder einer schlechten Platzierung von Fernando Alonso, dürfte die WM schon entscheiden. Sein Vorsprung auf den Ferrari-Piloten beträgt bei noch sieben zu fahrenden Rennen schon 53 Punkte, im günstigsten Fall wären es am Sonntag nach dem Rennen dann 78 Punkte. Die Chancen, dass Red Bull auch in Singapur den Rest mal wieder weit hinter lässt, stehen gar nicht mal so schlecht und für Ferrari gibt es weitere Probleme.

Denn bisher konnten die Italiener auf engen Kursen nicht wirklich überzeugen. In Monaco holte Alonso magere sechs Punkte, in Ungarn waren 10 Zähler. Nicht gerade eine Bilanz, die Ferrari sehr fröhlich stimmen sollte. Zwar verbreitet die PR-Abteilung weiter gute Laune und spricht von “maximaler Attacke”, hinter den Kulissen sickert aber auch schon durch, dass man bei einem schlechten Abschneiden in Singapur den Fokus schon mal auf 2014 verschieben wird. Dass Ferrari aus eigner Kraft noch den WM-Titel holen kann, ist nicht ausgeschlossen, aber wer glaubt schon, dass man die restlichen Rennen der Saison alle gewinnen kann?

Dazu kommt, dass die Konkurrenz in Singapur groß ist. Mercedes hat in Monaco und in Ungarn gewonnen, der enge Kurs sollte ihnen also liegen. Nach den schlechten Ergebnissen in Spa und Monza soll auch dringend mal wieder ein Sieg hier und die Deutschen stehen auf den Wettlisten auch ganz weit oben. Rosberg, der als Spezialist für solche Kurse gilt, ist der erste Siegesanwärter. Aber selbst ein Doppelsieg der Mercedes dürfte Red Bull nicht weiter beunruhigen, denn Platz 3 sollte allemal drin sein, was auch reicht, um den Abstand zu Ferrari vergrößern zu können.

Bei Lotus hat man die Saison auch schon abgehakt. Räikkönen hat bei Ferrari unterschrieben und sein Rückstand in der WM beträgt 88 Punkte. Die beiden Nullnummern in den letzten Rennen haben die WM-Ambitionen des Finnen komplett zerstört. Beides sind schlechte Nachrichten für Teamchef Eric Boullier, der seit dem Sommer damit beschäftigt ist, das Paket für 2014 zu schüren. Nach dem Weggang des Finnen gibt es für den Franzosen zwei Varianten, was die Fahrerbesetzung angeht. Zum einen Hülkenberg, zum anderen auch Felippe Massa, der sich und sein Ferrari-Insiderwissen offenbar bei Lotus anpreist. Die Frage für Boullier ist, ob er Grosjean behalten will, oder nicht. Gleichzeitig gibt es Gerüchte, dass Renault eventuell Teile des Teams kaufen möchte. Entweder selber oder über die Marke “Infinity”. In Monza war eine ganze Horde hoher Nissan-Manager zur Gast, was die Gerüchte noch weiter angetrieben hat. Dafür müssten aber auch weitere gute Ergebnisse her, aber der Lotus funktioniert auf engen und ultraschnellen Kursen in diesem Jahr nicht.

Da könnte eher McLaren für eine Überraschung sorgen, denn die waren in Ungarn schon recht dabei. Man ist zwar immer noch weit, weit von der üblichen Form entfernt, aber in den letzten beiden Rennen machte das Auto der Briten einen zunehmend besseren Eindruck. Jedenfalls nicht mehr katastrophal. Button mag Singapur, Perez wird vermutlich wieder eher ein paar Probleme haben. Aber McLaren könnte “best of the rest” werden.

Was auch daran liegt, dass die anderen Mittelfeldteams in Singapur eher Probleme haben werden. Force India scheint für dieses Jahr weg vom Fenster zu sein, die neuen Pirelli liegen dem Wagen einfach nicht. Sauber war in Monza sensationell unterwegs, aber ob das auch auf der engen Strecke in Singapur klappt? Man darf aber nicht vergessen, dass die Schweizer dank des frischen Geldes aus Russland den Entwicklungsstau etwas abbauen konnten, was dem Wagen sichtlich gut getan hat. Toro Rosso ist schwer einzuschätzen. In Monza habe ich sie etwas weiter vorne erwartet, obwohl Ricciardo ja Punkte geholt hat. In Singapur dürfte es allerdings schwieriger werden.

Williams, Marussia und Caterham werden das Schlusslicht bilden. Vor allem der Williams ist weiterhin eine einzige Enttäuschung, denn er funktioniert auf überhaupt keiner Strecke.

Strategie

Singapur ist ein Albtraum für Techniker und Strategen. Der Kurs ist eng, hat 23 Kurven und kaum eine lange Gerade. Dazu kommen hohe Temperaturen von über 30 Grad am Abend und eine sehr hohe Luftfeuchtigkeit, die gerne mal so richtig 75 % gehen kann. Das bedeutet, dass die Motoren und vor allem die Bremsen nicht richtig abgekühlt werden. Zwar bremst man in Singapur nur einmal aus hoher Geschwindigkeit ab, aber dafür steht man permanent auf der Bremse, was den Kohlefaserscheiben nicht gefällt. Auch für alle anderen Systeme ist das Wetter eher Gift. Durch den Coanda-Auspuff sammelt sich viel Hitze unter der Abdeckung, das KERS wird zusätzlich belastet. So hatten etliche Teams im Rennen schon Probleme mit dem KERS und da denkt man ja auch und gerne an Red Bull.

Nicht leichter wird die Angelegenheit, wenn man sich die Reifen anschaut. Pirelli bringt “Supersoft/Medium” mit. Das engt die Strategie ein wenig ein, denn niemand wird die Supersoft im Rennen lange fahren wollen. Die Top Ten werden nach acht bis zehn Runden auf die Medium wechseln, was aber mindestens einen weiteren Stopp nötig machen wird. Aber auch, wenn man die Strategie umgekehrt und die Supersoft erst gegen Ende aufschnallt, wird das nicht viel ändern. Dreistopps wären auch eine Möglichkeit, halte ich aber für unwahrscheinlich, weil sich die Medium in der Saison als sehr standfest erwiesen haben.

Eine weitere Unsicherheit ist das Safety Car, das bisher bei jedem Rennen in Singapur im Einsatz war. Klassischerweise macht fast jedes liegen gebliebene Auto eine SC-Phase nötig. Im letzten Jahr musste Bernd Mayländer zweimal raus, das kann dieses Jahr auch passieren. Und wie immer kann das Rennen dann darüber entschieden werden, wer sich bei der Ausfahrt des SC dann wo auf der Strecke befindet. Man kann, wenn man Pech hat, mehrere Plätze nach hinten durchgereicht werden, wenn es gerade nicht passt.

Das alles gibt dem Rennen auch die nötige Würze, denn Überholmanöver sind in Singapur, zwei DRS-Zonen hin oder her, eher selten. Man sollte sich also auf einen längeren Grand Prix einstellen. Aber immerhin sind die Nachtbilder aus Singapur jedes Jahr sensationell schön.

Achtung bei den Zeiten. Die Quali ist um 15.00 Uhr, das Rennen aber um 14.00. Mehr bei uns im TV-Planer.

64 total views, 60 views today

The post Formel Eins: Vorschau GP Singapur 2013 appeared first on Racingblog.

flattr this!

July 28 2013

16:24

Formel Eins: Analyse GP Ungarn 2013

Der Grand Prix von Ungarn brachte vor allem die Erkenntnis, dass Mercedes auf dem Weg ist, in der Weltmeisterschaft noch ein Wörtchen mitzureden. Der Titel ist durchaus in Reichweite.

GP Ungarn 2013Das vermutlich heißeste Rennen des Jahres, die Reifen der Marke “Soft”, konstanter Druck in der Frühphase des Rennens – und doch kann Mercedes das Rennen gewinnen. Red Bull genießt mit Sebastian Vettel zwar noch einen großen Vorsprung in der WM, aber die Sache könnte noch enger werden, als es den Österreichern lieb ist. Und auch Lotus rückt Red Bull dank der neuen Pirelli auf die Pelle. Großer Verlierer des Wochenendes ist jedoch Ferrari, die mal wieder kein Bein auf den Boden bekommen haben und im Entwicklungswettkampf der vier führenden Teams offenbar unterlegen sind.

Es war schnell klar, dass sich das Rennen über zwei Dinge entschieden wird: Strategie und Reifenverschleiß. Und in beiden Punkten sah sich Red Bull eigentlich im Vorteil. Am Freitag schimpfte Lewis Hamilton noch über einen schlecht liegenden Mercedes, nach seiner Pole spielte er die Siegchancen runter und hoffte auf ein Podium. Doch offensichtlich war das eher Theater. Denn Lewis konnte in Ungarn von Anfang an die Pace bestimmen und er musste auch nicht mehr oder weniger auf seine Reifen aufpassen, als das Vettel tat. Die beiden kamen nach dem ersten Stint mit nur einer Runde Abstand in die Box, um die “Soft” gegen die “Medium” zu tauschen. Dabei war der frühere Stopp von Hamilton am Ende sogar die bessere Strategie, denn er konnte auf seiner Outlap Vettel klar distanzieren. Helmut Marko sprach nach dem Rennen von einer schlechten Inlap, die Vettel gefahren sein, Vettel wiederum erklärte, dass die Reifen in den letzten zwei Runden des Stint einfach komplett eingebrochen seien.

Für Vettel bedeutete dieser Zeitverlust allerdings, dass er das Rennen schon nach dem ersten Stopp verloren hatte. Während Hamilton vor den auf “Medium” gestarteten Jenson Button raus kam, landete Vettel hinter dem Briten und verlor dort sehr viel Zeit. Knapp 8 Sekunden werden es über die Runden gewesen sein, die der Deutsche einbüßte, wobei man Button keinen Vorwurf machen kann. Der fuhr sein Rennen und kämpfte um seine Position.

Für Vettel bedeutete dies ein weiteres Problem, wie sich allerdings erst später im Rennen rausstellen sollte. Lotus hatte Räikkönen nach einem langen ersten Stint auf eine 2-Stopp-Strategie gesetzt, die der Finne mustergültig umsetzen konnte. Ein wenig abseits der Kameras und nur sichtbar, wenn man den Zeitenmonitor verfolgte, fuhr er sehr schnelle und sehr konstante Rundenzeiten. Sein Abstand zu Hamilton war wegen seines schlechten Qualis schon kurz nach dem Start zu groß, das Ziel hieß also P2. Lotus stellte die Strategie just in dem Moment um, in dem man sah, dass Vettel sehr viel Zeit hinter dem McLaren verlor. Eine strategische Meisterleistung, aber auch eine grandiose Fahrt von Kimi, der von seinen Reifen im letzten Stint (32 Runden) genau die richtige Leistung abverlangte. In der letzten Runde, so der Finne, brachen die Medium dann ein, was man auch am tänzelnden Heck des Wagens sehen konnte.

Interessant an der Sache ist, dass Lotus Red Bull mit der Taktik unter Druck setzen konnte. Dass Vettel hinter Kimi ins Ziel kam, lag sicher auch daran, dass er hinter Button feststeckte, aber auch der anderen Seite musste Räikkönen zu Beginn des Rennens mit Alonso kämpfen und konnte seinen Speed auch nicht fahren. Mag sein, dass die Umstände (Strecke, Hitze) auch dazu geführt haben, dass Red Bull nicht wie gewohnt dominieren konnte, aber es könnte auch ein Hinweis darauf sein, dass neuen Reifen vielleicht im Moment doch nicht so recht passen. Wenn Lotus auch in Zukunft immer einen Stopp weniger machen kann, dürfte das interessante Rennen geben.

Das Ergebnis für Renault hätte noch besser ausfallen können, wenn Romain Grosjean nicht mal wieder Ärger mit den Kommissaren bekommen hätte. Bei einem Überholmanöver gegen Button, zog der Franzose etwas früh rüber und die beiden Fahrzeuge berührten sich. Ein paar Runden später zog in er einem sensationellen Manöver außen in T4 an Massa vorbei. Blöderweise lag die weiße Linie dieses Mal vor der schraffierten Fläche und er war mit beiden Rädern außerhalb der Strecke. Die Folge war eine regelkonforme Durchfahrtsstrafe, die aber sich aber ein wenig harsch anfühlt. Für die Berührung mit Button brummten ihm die Kommissare dann auch noch eine 20-Sekunden Strafe auf, die sein Ergebnis (P6) aber nicht änderte.

Ferrari hatte mit dem Ausgang des Rennens überhaupt nichts zu tun. In der Quali kam Alonso immerhin auf P5. Das ist jetzt nicht toll, aber auch nicht schlecht. Und wie man bei Mark Webber sehen konnte, kann man daraus was machen, wenn das Auto stimmt. Am Ende kam Alonso auch auf P5 raus, rund 31 Sekunden hinter Hamilton. Man verliert pro Runde also knapp 0,5 Sekunden und das ist einfach zu viel. Ferrari fährt im Nirvana hinter Mercedes, Red Bull und Lotus. Nach hinten muss man sich nicht wirklich verteidigen, nach vorne geht aber auch nicht. Das Problem für Ferrari ist, dass ihnen die Zeit davon läuft. Zwar kommen noch neun Rennen, aber die liegen wiederum so dich beisammen, dass es schwierig sein wird parallel die Entwicklung voranzutreiben. Es ist auch nicht so, dass Ferrari grundsätzlich Schwächen zeigen würde. Der Reifenverschleiß ist ok, der Topspeed usw. Auch die Fahrer berichten, dass sie mit dem Wagen grundsätzlich zufrieden sind. Der F138 ist einfach grundsätzlich zu langsam und Ferrari gelingt nicht, die Lücke nach vorne zu schließen.

Da wundert es fast nicht, dass Ungarn Gerüchte aufgetaucht sind, Alonso könnte zu Red Bull wechseln. Schuld daran war ein Gespräch von Luis Garcia, der Manager von Alonso, mit Christian Horner. Helmut Marko ließ es sich nicht nehmen, etwas Feuer unter der Sache zu machen, aber man sollte darauf nichts geben. Alonso hat bei Ferrari einen Vertrag bis Ende 2016, der eng an den Sponsorvertrag mit Santander gekoppelt ist. Red Bull wird sich Alonso auch nicht antun wollen. Hintergrund des Gespräches dürfte viel mehr Carlos Sainz jr. gewesen sein, der ebenfalls von Gracia vertreten wird.

McLaren zeigte sich in Ungarn etwas verbessert. Perez schaffte es recht locker in Q3, im Rennen lagen beide aufgrund der Zwei-Stopp-Strategie recht gut im Rennen. Für einen Moment sah es sogar so aus, als könne Button aufs Podium fahren, aber dann war der MP4/28 dann doch zu lahm und wurde von der Konkurrenz aufgeschnupft. Perez und Button kamen beide in Punkte, was insofern wichtig war, weil Force India am Wochenende patzte.

Die Inder hatten sich gegen die Änderung der Reifen mit allem gewehrt, was sie hatten. Sie wussten wohl schon, dass die neuen Pirelli dem Wagen nicht gut tun würden. Schon in der Quali blieben beide Piloten blass und schafften nicht den Sprung in Q3. Sutil hatte in seinem Rennen Pech und fiel mit einem Hydraulikproblem aus, allerdings lag er zu diesem Zeitpunkt auch nicht in Punktenähe. Paul di Resta kämpfte sich durchs Rennen, dass man sich am Ende aber einem Williams geschlagen geben musste, sagt schon einiges.

Williams gelang es in Ungarn endlich den ersten Punkt in diesem Jahr zu holen. Bedanken können sie sich da bei Pastor Maldonado, der mit einem sehr guten Start die Basis für den Erfolg legte. Man sollte das allerdings nicht überbewerten. Die enge Strecke liegt dem Williams besser, als das, was sonst so in der Saison fährt, dazu kam das Glück, dass Rosberg kurz vor Schluss liegen blieb. Aus eigener Kraft hätte Williams den Punkt nicht geholt.

Force India war während des gesamten Wochenendes nicht zu sehen. Q3 war utopisch, die Rundenzeiten auf den Long Runs schlecht. Grund mag die Strecke gewesen sein, der STR mag die schnellen Kurse lieber.

Sauber hatte ebenfalls ein, wie in diesem Jahr schon fast gewohnt, zähes Rennen. In der Quali blieb Guiterrez mal wieder in Q1 hängen, im Rennen fiel der Mexikaner früh aus. Hülkenberg lag zwischenzeitlich auf P10, verlor aber viel Boden, als er wegen einer Geschwindigkeitsüberschreitung in der Box eine Durchfahrtsstrafe aufgebrummt bekam.

Ein Wort noch zu Mark Webber, der von P10 auf P4 fahren konnte. Er startete mit den “Medium”, was sich als gute Entscheidung für den ersten Stint herausstellen sollte. Allerdings, und das habe ich nicht so ganz verstanden, setzte man Webber ebenfalls auf eine Drei-Stopp-Strategie. Entweder kann der Red Bull nicht mehr, oder man hat sich da vertan. Durch das zweimalige Wechseln auf die “Medium” verlor Webber rund 20 Sekunden an der Box, ob er die auf der Strecke auf verloren hätte, ist zumindest mal eine Frage wert.

Das Rennen war also durchaus interessant, bot packende Zweikämpfe und für Ungarn erstaunlich viele und vor allem sehenswerte Überholmanöver. Leider geht die Serie jetzt in eine vierwöchige Pause, das nächste Rennen ist erst Ende August in Spa. Die Fabriken müssen zwei Wochen geschlossen bleiben, was aber nicht bedeutet, dass keiner arbeiten wird. Vier Wochen sind viel Zeit, um den Wagen zu verbessern.

Vettel führt in der WM zwar mit 38 Punkten vor Räikkönen, Alonso hat 39 Punkte Rückstand und bei Hamilton sind es 48 Zähler. Das bedeutet, dass die WM noch längst nicht entschieden ist. Ein Ausfall von Vettel und die Sache sieht wieder anders aus. Mercedes hat mit Hamilton auch noch durchaus Chancen. Wenn deren Performance weiter so stabil ist, Vettel noch einmal ausfällt und es gelingt, immer ein oder zwei Plätze vor Vettel liegen, dann könnte es gegen Ende der Saison noch mal knapp werden. Das klingt etwas viel nach “wenn und sollte”, aber ausgeschlossen ist es nicht, dass Red Bull noch mal ins Schwitzen kommt.

In der Sommerpause gibt es von uns wie gewohnt die Halbzeitanalyse, damit es nicht ganz so langweilig wird.

2013 Hungarian Grand Prix - Saturday F1_Ungarn_2013 00007 F1_Ungarn_2013 00018 F1_Ungarn_2013 00006 Motor Racing - Formula One World Championship - Hungarian Grand Prix - Race Day - Budapest, Hungary F1_Ungarn_2013 00005 F1_Ungarn_2013 00010 F1_Ungarn_2013 00004 F1_Ungarn_2013 00017 Motor Racing - Formula One World Championship - Hungarian Grand Prix - Race Day - Budapest, Hungary Sergio Perez in action F1_Ungarn_2013 00015 Motor Racing - Formula One World Championship - Hungarian Grand Prix - Race Day - Budapest, Hungary Motor Racing - Formula One World Championship - Hungarian Grand Prix - Race Day - Budapest, Hungary F1_Ungarn_2013 00011 Jenson button in action 2013 Hungarian Grand Prix - Saturday

512 total views, 512 views today

The post Formel Eins: Analyse GP Ungarn 2013 appeared first on Racingblog.

flattr this!

December 06 2011

06:59

Formel Eins: Rückblick 2011 – Teams

Der erste Teil des Saisonrückblicks das Jahres 2011 dreht sich um die Teams. Was haben sie falsch, was richtig gemacht?

So eine Saison ist für die Teams mittlerweile recht lang geworden. Die in die Länge gezogene Saison bedeutet, dass man, abgesehen von der dreiwöchtigen Zwangspause im August, von Februar bis Ende November unterwegs ist. Dazu kommen die intensiven Arbeitswochen im Winter, in denen am neuen Wagen gearbeitet wird. Eine richtig lange Pause gibt es nicht mehr, durch die Kostenbeschränkung und Testverbote ist es nicht leicht, verlorenen Boden wieder gut zu machen. Das mussten 2011 gleich einige Team erleben, die einen miserablen Start in die Saison hatten. Aber es gab auch Überraschungen, vor allem im Mittelfeld, wo mir vor allem ein Rennstall aufgefallen ist. Schwer lief die Saison für die drei “neuen” Teams, die nicht wirklich vom Fleck kamen.

Red Bull

Was soll man sagen: Beide WM-Titel, Rekorde bei den Pole Postionen und den schnellsten Runden. Da hat man offenbar alles richtig gemacht. Das Konzept des RB7 ist nicht neu, aber Adrian Newey hat vor allem im Heck einiges zum Vorjahr verändert. Das führte zu Beginn der Saison allerdings zu Problemen, denn das KERS funktionierte nicht. Das enge Heck ließ das KERS überhitzen, so dass die Fahrer das System zunächst nur am Start nutzen konnten. Da aber gerade zum Start der Saison die Konkurrenz weit abgeschlagen war, konnte Red Bull den Fehler ungestraft begehen. Grosse Schwachpunkte gab es im Team nicht. Die Technik spielte, bis auf den mysteriösen Reifenplatzer in Abu Dhabi, immer mit, die Strategie funkionierte auch meist gut, zum Mal man bei Vettel eh kaum was falsch machen konnte. Größter Schwachpunkt bei Red Bull war ausgerechnet Mark Webber. Warum er in diesem Jahr nicht Schritt halten konnte, ist weiter unklar. Vielleicht lag es an den Pirelli-Reifen, vielleicht daran, dass der RB7 ganz auf den Stil von Vettel zugeschnitten war. Webber wird das Fahren nicht verlernt haben, man darf gespannt sein, wie es für ihn 2012 laufen wird. Aber auch mit den kleinen Problemen verdient sich Red Bull die Topwertung.

10 von 10 Punkten

McLaren

McLaren warete zu Beginn der Saison mit einer Überraschung auf, in dem sie L-förmige Seitenkästen an ihren Wagen geschraubt hatten. Mit dieser aerodynamischen Lösung standen sie exklusiv da, allerdings machte die auch massiv Probleme. Bei den Tests hatte der Wagen auf der Hinterachse keinen Grip, die Technik spielte auch nicht mit. Jenson Button erwähnte später in der Saison, dass man die erste volle Renndistanz in Australien fuhr, wo man einen völlig ungetesteten Unterboden einsezte. Es dauerte bis in den Mai, bis man die Probleme halbwegs im Griff hatte. Dazu kam ein Lewis Hamilton, der etwas von der Rolle war. Seine Verhalten auf der Strecke brachte ihm eine Dauerkarte bei den Kommissaren ein, dazu die Privatfehde mit Felippe Massa. Nur Jenson Button und das Entwicklungsteam schienen dann noch zu funktionieren. Immerhin gelang es den Briten, dass man den Abstand zu Red Bull bei einigen Rennen im Herbst auf “Null” setzen konnte, was auf zumindest für 2012 hoffen lässt. Auch der zweite Platz in der WM-Wertung ist nach dem schlechten Start ein respektables Ergebnis. Vermutlich wäre auch nicht mehr drin gewesen, wenn der Wagen ab Australien funktioniert hätte, dafür war Red Bull einfach zu stark. Aber die WM wäre sicher spannender gewesen.

7 von 10 Punkten

Ferrari

Schon bei der Präsentation des diesjährigen Ferrari dachte ich “Hmm, das sieht sehr konservativ aus. Ich hatte noch damit gerechnet, dass man zu den Tests die “echte” Aerodynamik zeigen würde, aber da passierte bekanntermaßen nicht mehr viel. Was sich auch über die gesamte Saison nicht ändern sollte. Der konservative Ansatz erlaubte wenig Verbesserungen, dazu kamen die Probleme mit dem Windkanal, der falsche Daten lieferte. Ferrari schmiss den Verantwortlichen Chef-Designer Aldo Costa dann im Sommer auch raus. Die Hauptprobleme des Ferrari lagen im Bereich des Unterbodens, der Luftführung und des Hecks. Nur in dem Rennen, in dem der heiß angeblasene Diffusor verboten wurde, konnte Ferrari einen Sieg erringen. Dazu kamen auch Probleme mit den Pirelli. Bei der Konstruktion der Aufhängung hatte man sich vertan, weil man wohl dachte, dass die Pirelli schneller abbauen würden. Zwar führte die Reifenschonung des F150 zu ein paar Vorteilen bei der Strategie, sobald die Medium oder harten Reifen auf dem Wagen waren, ging aber nichts mehr, weil die Temperatur der Reifen in den Keller fiel. Ferrari gelang es anders als McLaren nicht, die Probleme zu lösen. Dafür hätte man ein neues Chassis bauen müssen, samt neuen FIA-Chrashtest usw. Eine Seuchensaison, dazu ein Massa weit ab seiner Möglichkeiten. Nur Alonso schien wie immer die Konstante zu sein. 2012 wird man mehr bieten müssen. Ich schliesse mich der Bewertung von Luca di Montezemolo über sein Team an.

5 von 10 Punkten

Mercedes GP

Im Grunde hat sich Mercedes GP nicht vom Fleck bewegt. Im Gegenteil – rein Punktemäßig war 2011 ein Rückschritt. 2010 holte man 214 Punkte, 2011 nur 165. In der Quali und im Rennen war man weiterhin rund 1.5 Sekunden von Red Bull weg, gegen Ende der Saison war es teiweise etwas weniger. Der W02 funktionierte hinten und vorne nicht richtig, außer bei der Höchstgeschwindigkeit. Wie Ferrari hatte man Probleme, Temperatur in die Reifen zu bekommen, auch der Abtrieb am Heck stimmte nicht. Dass Ross Brawn in zwei aufeinanderfolgenden Jahren so daneben lag, war schon eine Überraschung. Ein Grund für die mangelnde Performance und die Weiterentwicklung war wohl das knappe Budget, dass Mercedes zur Verfügung stellt. Erst ab Mitte der Saison schien man gewillt zu sein, den Geldhahn weiter aufzudrehen, allerdings nicht mehr für die 2011er Saison. Die Fahrer lieferten meist solide Ergebnisse ab und holten die Plätze 5 bis 8. Mehr war einfach nicht drin. Die Probleme von Mercedes sind nicht leicht zu identifizieren, immerhin hat man mit Aldo Costa jemanden an Bord geholt, der zusammen mit Ross Brawn bei Ferrari sehr erfolgreich war.

5 von 10 Punkten

Renault

Die Franzosen warteten zunächst mit einem interessanten Konzept auf. Der nach vorne verlegte Auspuff schien eine geradezu sensationelle Lösung zu sein, weil er erlaubte, dass man mit den Auspuffgasen den Unterboden zusätzlich anströmen konnte, um mehr Abtrieb zu erhalten. Zumindest in der Theorie klang das gut, in der Praxis führte es dazu, dass der Wagen vor allem auf langsamen Kursen nicht konkurrenzfähig war. Trotz eines deftigen “Mapping Overruns”, fehlte dem Chassis einfach der Abtrieb im Heck. Hinzu kam der Unfall von Kubica, der dem Team moralisch schwer geschadet hat. Aber auch mit Kubica wäre man wohl nicht weiter gekommen. Der Auspuff funktionierte nicht, ihn wieder nach hinten zu verlegen ging auch nicht, weil man dafür das Chassis hätte umbauen müssen. Weil man deswegen nicht weiter entwickeln konnte, fiel Renault immer weiter zurück. In der ersten Saisonhälfte, bis zum GP von Deutschland, holte man 66 WM Punkte, danach nur noch 7 Punkte. Die Entlassung von Heidfeld war ebenfalls keine gute Entscheidung. Auch wenn der Deutsche in der Quali die bekannten Schwächten zeigte, war im Rennen immer eine Bank. Senna konnte da nicht mithalten. 2012 ändert man den Namen in “Lotus” und hat Räikkönen an Bord. Es wird aber schwer für Renault/Lotus. Denn während die anderen Teams das Konzept der 2011er Wagen weiter entwickeln und über viele Daten verfügen, muss Lotus komplett von vorne anfangen.

3 von 10 Punkten

Force India

Die Inder sind für mich die Überraschung des Jahres. 2010 verlor man fast die gesamte Aero-Abteilung an Sauber und Team Lotus und man musste 2011 von vorne anfangen. Der Wagen war keine Sensation und tat sich vor allem in der Saisonhälfte sehr schwer. Doch ab dem GP in Deutschland ging es massiv aufwärts. Offenbar hatte neue Design-Team eine paar Lösungen gefunden und war in der Lage, verlorenen Boden gut zu machen. Auch die Formsteigerung von Adian Sutil spielte sicher eine Rolle. Am Ende war man in der Lage, Renault locker hinter sich zu lassen und Mercedes konnte man das ein oder andere Mal ärgern. Für ein Privatteam ist das eine erstaunliche Leistung und es ist fast ein wenig schade, dass Force India nicht schon zum Start der Saison so gut drauf war. Durch den Einsteig des Investors “Sahara” kommt auch viel Geld ins Team, man darf gespannt sein, was Force India 2012 leisten kann.

7 von 10 Punkten

Sauber

Im Gegensatz zu Force India, hat mich das Team von Peter Sauber in diesem Jahr enttäuscht. Der Entwurf vom hoch gehandelten Nachwuchsdesigner James Key war zu konservativ, dazu kam eine strategische Fehlentscheidung. Im Mai verließ sich Peter Sauber auf die Aussage der FIA, dass der “hot blown diffusor” verboten würde. Sauber entschied, den Wagen nicht umzubauen, am Ende entschied sich die FIA aber anders. Die Saison von Sauber war damit gelaufen, das Geld, später in der Saison den Wagen noch umzubauen, wollte man nicht einsetzen. James Key gelang es immerhin, den Wagen in den letzten Rennen so schnell zu bekommen, dass man in der WM-Wertung noch knapp vor Toro Rosso bleiben konnte, aber Force India musste man sich klar geschlagen geben. Kobayashi hatte zudem eine zähe Saison, während Sergio Perez mich eher positiv überrascht hat. Aber im Grunde ist Sauber weit hinter den Erwartungen geblieben.

4 von 10 Punkten

Toro Rosso

Der “arme Bruder” von Red Bull überraschte bei den Tests im Winter, mit einem eigenartig gestalteten, zweiteiligen Unterboden. Doch das Konzept funktionierte nicht sonderlich gut, da grundsätzlich nicht genug Abtrieb aufgebaut wurde. Das führte immerhin dazu, dass man auch die Reifen die schonte, was der Strategie half. Die meisten Punkte konnte man erringen, weil man einmal weniger Rennen stoppte und dennoch auf den Long Runs konkurrenzfähig war. Zur Mitte der Saison schien sich das Blatt zu wenden und vor allem Jamie Alguersuari konnte einige gute Ergebnisse einfahren. Es folgte ein kleines Tief, dann ein fast mysteriöser Aufschwung, bei viele gerüchteten, Red Bull habe die Daten-Tore aufgemacht. Weil man die letzten beiden Rennen versemmelte, reichte es dann nicht für Platz sieben in der WM. Verdient wäre es durchaus gewesen, Toro Rosso legte keine schlechtere Saison als Sauber hin. Vor allem, weil das Team kaum Erfahrung mit dem Bau eigener Chassis hat, war die Saison durchaus erfolgreich. Für 2012 hat man mehr Ingenieure eingestellt, vielleicht kommt ja dann der Schritt nach vorne.

5 von 10 Punkten

Williams

Was für eine schreckliche Saison. Noch nie hat das Williams-Team derartig schlecht abgeschnitten. Der 9 Platz in der WM ist für das Traditionsteam eine Katastrophe, nicht nur aus PR-Gründen. Die Gründe für das schlechte Anschneiden sind vielfältig. Klar, man hat sich bei der Konstruktion des neuen Wagen ebenso verhauen, wie Renault. Die Idee, dass Heck so flach wie möglich zu machen, damit es besonders gut angeströmt wird, funktionierte nur in der Theorie. Rubens Barrichello beschwerte sich schon bei den Tests, dass der Wagen unfahrbar sei. Dazu kamen die schweren Managementmängel. Sam Michael war nicht nur Chef-Entwickler, sondern leitete auch Teile der Firma und war defacto Teamchef. Die Überlastung konnte nicht gut gehen, der komplette Neuaufbau des Management folgte dann. Nicht wenige geben dem Williams Geschäftsführer Adam Parr eine große Mitschuld, da dieser sich angeblich zu wenig um die Team-Entwicklung kümmert und die Verantwortung wegschieben würde. Man hat mit Mike Coughlan zwar einen sehr talentierten Chef-Entwickler geholt, weil aber Sam Michael und Patrick Head nicht mehr im Team sind, fehlt ein erfahrener Team Chef. Das macht die Aussichten für 2012 nicht gerade besser. Was mich ebenfalls stört, und ein Zeichen für schlechtes Management ist: Die Fahrerfrage. Maldonado ist ein Pay-Driver, wenn auch einer der besseren Sorte. Das man Barrichello nicht mehr haben will, war spätestens dann klar, als der von Maldonado öfter geschlagen wurde. Dennoch ist es dem Team nicht gelungen schon Mitte 2011 einen Ersatz zu präsentieren. Jetzt wartet man wohl auf die Freigabe von Sutil, was für die Designer schlecht ist, weil die Sitzanpassung wichtig für die Weiterentwicklung ist.

0 von 10 Punkten

Team Lotus

Den neuen Wagen stellte man mit viel Pomp und Krach vor, aber am Ende war man doch wieder enttäuscht. Tony Fernandes hatte sich vorgenommen, sein Team 2011 zumindest regelmäßiger in Q2 zu bringen, aber davon war man weit, weit entfernt. Die Entwurf von Mike Gascoyne war ein Fehlschlag und obwohl man Renault statt Cosworth im Heck hatte, konnte man nicht auf Mittefeld aufschliessen. Das Team ist komplett neu aufgebaut und existiert gerade mal zwei Jahre, aber mit dem Geld, was man zur Verfügung hat, und dem Rahmenbedingen, die Tony Fernandes geschaffen hat, hätte mehr drin sein müssen. Dem Lotus fehlte es in allen Bereichen: Abtrieb, Topspeed, Reifen. Zwar gelang es Gascoyne gegen Saisonende etwas näher an hintere Mittelfeld zu rücken, was ein gutes Zeichen ist, aber richtig überzeugend war das noch nicht. Auch bei Lotus hat man Veränderungen in der Managementstruktur vorgenommen. So muss Dieter Gass, ein Vertrauter von Mike Gascoyne noch aus Toyota-Tagen, gehen. Angeblich hat Fernandes auch Gascoyne ein Ultimatum gestellt: Entweder, man ist 2012 im Mittelfeld, oder man sucht sich einen neuen Designer. Mit Mike Smith hat man da auch schon einen Mann in den eigenen Reihen. Eine weiterer Schwachpunkt bei Lotus ist Jarno Trulli. Warum Fernandes an ihm auch nach dieser schlechten Saison festhält, ist allen ein Rätsel. Kovalainen ist sicher kein schlechter Mann, könnte aber vielleicht noch besser werden, wenn er mehr Konkurrenz im Team hätte. Ein Romain Grosjean wäre meiner Meinung nach der genau der Richtige. Im Moment schaut es aber so aus, als ob Daniel Ricciardo von Red Bull bei Lotus/Caterham geparkt wird.

4 von 10 Punkten

HRT

Ach, was soll man über das kleine Team schon sagen. Mit wechselnden Besitzern, Fahrern und Sponsoren, ohne Geld und einem Chassis, dass von 2009 stammt und schon damals kein Geniestreich von Dallara war. Das erstaunliche ist, dass HRT trotz all dieser Beschränkungen nicht komplettes Schlusslicht ist. Colin Kolles, der gelernte Zahnarzt, führt das Team aus seiner Werkstatt nahe München und macht das wirklich gut. Das man bei derartig schwierigen Begleitumständen kaum in der Lage ist, einen Schritt nach vorne zu machen, ist kein Wunder. Eigentlich sollte der 2012 kommen. Man hatte Geoff Willis als Berater verpflichtet, der sprang dann aber im Herbst wieder ab. Ob und wie man ein neues Chassis entwickelt, ist nicht bekannt, aber eigentlich muss man, denn mit dem fünfmal umgebauten Dallara-Deriverat wird man wohl nicht mehr weit kommen. Zu den Fahrern kann man wenig sagen (dazu mehr im zweiten Teil), ausser, dass Liuzzi einen guten Job gemacht hat.

3 von 10 Punkten

Virgin

Am Gesichtsausdruck von Timo Glock konnte man immer schön sehen, wie es mit Virgin lief: Gar nicht. Der zweite, komplett per CFD entwickelte Wagen, war zu Beginn der Saison so langsam, dass man für einen Momant überlegte, das letztjährige Chassis einzusetzen. Schon nach den Tests war klar, dass man die Saison vergessen konnte und noch vor dem Start der Saison machte Gerüchte die Runde, dass man auf die Dienste von Nick Wirth verzichten würde. Im Mai folgte dann auch die Trennung, die CFD-Abteilung der Firma von Wirth kaufte man allerdings auf. Dazu kam, dass das Team zusätzlich mit massiven Technik-Problemen zu kämpfen hatte. So konnte das nichts werden. Bitter ist allerdings, dass man sich zum zweiten Mal hintereinander sogar HRT in der Teamwertung geschlagen geben musste. 2012 soll alles besser werden. Der merkwürdige russische Autohersteller Marussia pumpt, von woher auch immer, viel Geld ins Team, dazu kommt eine sehr weitgehende technische Partnerschaft mit McLaren. Wie auch immer: Es kann nur besser werden.

0 von 10 Punkten

flattr this!

November 29 2011

09:27

Formel Eins: Analyse GP Brasilien 2011

Ein Klassiker war das nicht gerade, den man in Brasilien sehen konnte. Dafür gab es erstaunlich viel Überholmanöver und einen Überraschungssieger.

Mark Webber hatte man jetzt nicht ganz oben auf dem Podium erwartet, denn auch in Sao Paulo hatte ihn sein Teamkollege mal wieder locker im Griff. Wo Webber scheinbar auf der letzten Rille unterwegs war, nahm ihm Vettel immer noch ein paar Zehntel ab. Und auch im Rennen sah alles nach einem bequemen Sieg für den Weltmeister aus. Schnell hatte er sich paar Sekunden abgesetzt, Webber wiederum konnte Button, Alonso und Hamilton auf Distanz halten. Doch aus dem perfekten Saisonende für den Deutschen wurde nichts. Schon nach ein paar Runden meldete die Box, dass Vettel mit Getriebeproblemen zu kämpfen hatte. Vettel verlor Runde um Runde Zeit, ließ Webber passieren und verlor auch den Kontakt nach vorne. Seine Rundenzeiten waren aber immer noch so gut, dass er den Rest des Feldes locker distanzieren konnte. Hat Red Bull da etwas am Ende geschummelt und Webber den Sieg geschenkt?

Laut Christian Horner wusste man schon seit der fünften Runde, dass es ein Problem mit dem Getriebe von Vettel geben würde. Laut der Telemetriedaten verlor er Öl, das Getriebe erhitzte sich zu dem sehr stark. Man wies Vettel aber erst später an, mit dem Tempo etwas runter zu gehen, weil man abwarten wollte, wie das Getriebe sich machen würde. Gleichzeitig war man sich ziemlich sicher, dass das Getriebe nicht die volle Distanz durchhalten könnte. Webber informierte man zunächst nicht. Erst als der Ölstand neue Tiefstwerte erreichte, das Getriebe aber in Runde 30 immer noch hielt, besann man sich wohl darauf, es bis zum Ende zu versuchen. Also schob man Webber nach vorne, während Vettel versuchen sollte, den zweiten Platz zu halten, was bis zur letzten Runde wohl nicht sicher war. Soweit Red Bull.

Tatsache ist, dass Vettel nicht der einzige mit Getriebeproblemen war. Hamilton fiel mit einem zerbröselten Getriebe komplett aus, bei Paul di Resta verabschiedeten sich zwei Gänge. Am Ende einer langen Saison ist das Material ziemlich verbraucht, neue Teile können und werden nicht mehr eingebaut, weil man sonst eine Strafe riskiert. Ein neues Getriebe im letzten Rennen einzusetzen macht aus Kostengründen auch keinen Sinn. Es ist also sehr gut möglich, dass die Version von Red Bull der Wahrheit entspricht.

Es gibt natürlich viele, die der Meinung sind, dass man Webber den Sieg geschenkt habe. Doch da stellt sich die Frage: Wozu? Um Webber für seine Dienste im Jahr zu danken? Webber hatte in diesem Jahr keinen Sieg einfahren können, da Vettel ihm keine Chance ließ. Auch war und ist er sich bewusst, dass Vettel im RB7 nicht zu schlagen ist. Einem sehr kompetativen Fahrer wie Mark Webber einen Sieg zu schenken, ist eine größere Beleidigung. Und so fies ist dann Helmut Marko auch nicht.

Während Red Bull vorne ungefährdet unterwegs sein konnte, war es um Platz 3 doch etwas enger. Nachdem Ausfall von Hamilton, der ein zähes Wochenende hatte, kämpften Alonso und Button um den Trostpreis. Button machte auch am Renntag mal wieder eine gute Figur, an Alonso kam er aber nicht wirklich vorbei. Also entschloss man sich bei McLaren zu einer etwas ungewöhnliches Taktik, in dem man die “Medium” Reifen im vorletzten Stint einsetzte. Weil Ferrari mit dem “Medium” aber nicht klar kommt, diesen Satz Reifen für den letzten Stint zurück gehalten, war die Sache eher klar. Button musste zwar alles aus dem McLaren rausquetschen, aber als er an Alonso dran war, konnte der Spanier sich nicht wehren. Durch das Überholmanöver verlor er auch Platz 3 in der WM. Für den kann man sich aber eh nichts kaufen und außerdem spart er sich die weite Reise nach Indien zum FIA Bankett und der Preisverleihung in ein paar Wochen.

Von Massa sah man bei seinem Heim GP auch nichts. Er wirkte ziemlich müde, fuhr ein uninspiriertes Rennen und als sein Lieblingsgegner Hamilton weg war, passierte um ihn herum auch nichts mehr. Die Saison war mal wieder eine einzige Enttäuschung. Und wie schlecht sie war wird daran deutlich, dass Massa der erste Ferrari-Pilot seit 1981 (Didier Pironi) ist, der es in einer Saison nicht aufs Podium geschafft hat.

Weiter hinten gab es zumindest die Überraschung, dass Adrian Sutil Platz 6 holen konnte und damit Nico Rosberg schlagen konnte. Die beiden hatten etwas unterschiedliche Strategien, wobei Mercedes seit einigen Rennen mit Rosberg erstaunlich oft falsch liegt. Schumacher hatte den Rennunfall mit Senna, was beiden das Rennen zerstörte. Aber Force India zeigte mal wieder, dass man ganz klar zum fünfbesten Team geworden ist, was für einen so kleinen Rennstall eine sehr feine Leistung ist.

Sauber setzte sich, trotz einer miserablen Quali, gegen Toro Rosso in der Meisterschaft durch. Man kann sich allerdings bei Kobayahsi bedanken, der die nötigen Punkte holte, in dem er ein unauffälliges Rennen fuhr. Beide Toro Rosso liefen im Renntrimm nicht schlecht, aber auch nicht gut. Dass Petrov mit dem lahmen Renault noch vor beides Toro Rosso landete, mag dafür ein deutliches Zeichen sein.

Das vermutlich letzte Rennen von Barrichello verlief auch eher mau, mehr als Platz 14 war nicht drin. Immerhin hatte er mal seinen Teamkollegen im Griff. Das wird ihm bei Williams aber wohl auch nicht mehr helfen, denn so wie es aussieht, wird man wohl doch Adrian Sutil holen.

Ein gutes Rennen hatte mal wieder Kovalainen im Lotus. Er konnte immerhin Bruno Senna hinter sich halten, der nach der Kollison mit Schumacher eine Durchfahrtsstrafe kassierte. Aber dennoch – eine sehr gute Leistung. Tony Fernandes bekannte nach dem Rennen, dass ihm ein Stein vom Herzen gefallen sei. Der 10. Platz in diesem Jahr bedeuten, dass er endlich an der Gewinnausschüttung der Formel Eins teilhaben kann, da man im ersten Jahr ja nichts bekommt. Und die Ausschüttung ist deftig. Fernandes bestätigte 30 Millionen Dollar.

Damit ist die F1-Saison 2011 Geschichte. Es war eine lange Saison, man konnte allen Beteiligten am Ende die Müdigkeit ansehen. Und es wird ein sehr kurzer Winter. In knapp 10 Wochen geht die Testsaison schon wieder los.

(Bilder schiebe ich nach, wenn ich es schaffe)

flattr this!

October 18 2011

10:46

Formel Eins: Analyse GP Korea 2011

Red Bull hat sich in Korea den Konstrukteurstitel geholt und Vettel seinen ersten Sieg als zweifacher Weltmeister. Das Rennen war aber nicht so spannend.

Wenig überraschendes gibt es aus Korea zu berichten. Zumindest auf den ersten Blick. Interessant war das Rennen, trotz des in diesem Jahr eher üblichen Ergebnisses, aber doch, denn Red Bull sah bis zum Rennen ganz und gar nicht nach einem Sieger aus. McLaren dominierte die Trainingssessions und holte mit Lewis Hamilton auch ziemlich deutlich die Pole. Gleich 2 Zehntel knöpfte der Ex-Weltmeister dem alten und neuen Champion ab, was angesichts der sonst so auftretenden Abstände in den diesjährigen Qualifikationen schon eine kleine Überraschung war. Es sah also nach einem Rennen aus, das McLaren bestimmen würde, zumal Jenson Button in Reihe 2 lauerte und das auch nur deswegen, weil er auf seiner schnellen Runde einen deftigen Schnitzer hatte. Doch wie so oft – im Rennen kam dann wieder alles anders.

Den Start konnte Lewis Hamilton noch gewinnen, aber zwei Kurven später schnappte sich Vettel den scheinbar vorsichtig agierenden Hamilton, der die Innenlinie auch nicht konsequent zumachte. Vettel setzte sich sofort ab, was ein schlechtes Zeichen. Noch mieser lief es für Jenson Button, der am Start gleich 3 Plätze verlor und beide Ferrari und Rosberg passieren lassen musste. Lewis Hamilton versuchte immer wieder die Lücke auf Vettel zu schließen, doch selten gelang es ihm, den Abstand unter einer Sekunde zu drücken, um ihn DRS-Reichweite zu bekommen. Wie konnte Red Bull über Nacht viel Tempo gefunden haben?

Die Lösung lag vermutlich im Wetter. Am Samstag war es recht warm, der Asphalt war mit 30 Grad angenehm aufgewärmt. Am Sonntag nieselte es jedoch leicht, die Sonne verstecke sich und der Asphalt war mit 22-24 Grad deutlich kühler. Hamilton beklagte sich im Funk über eine rutschende Vorderachse und forderte sein Team auf, den Frontflügel steiler zu stellen, was ein deutliches Zeichen dafür ist, dass er die Supersoft nicht richtig auf Temperatur bekam. Für den zweiten Stopp forderte er erneut einen steileren Flügel, was das Team mit einem “Steiler geht es nicht mehr” beantwortete.

Red Bull lag das Wetter offenbar besser. Durch die notorisch etwas aggressiveren Sturzwerte auf der Vorderachse, kamen die Reifen von Vettel und Webber schneller und nachhaltiger auf Temperatur. Vettel konnte deswegen seine Führung im Laufe des Rennens immer weiter ausbauen und gondelte einem ungefährdetem Sieg entgegen, während Hamilton noch unter Druck von Webber kam. Der war deutlich schneller, kam aber aus zwei Gründen nicht vorbei: 1. Sein siebter Gang war mal wieder zu kurz übersetzt. 2. Red Bull machte den Fehler, Webber gleichzeitig mit Hamilton zum letzten Stopp an die Box zu holen. Webber wäre vermutlich mit einer schnellen Runden am McLaren vorbei gekommen. Immerhin lieferten sich Webber und Hamilton ein sehenswertes Duell, in dem man teilweise eine halbe Runde nebeneinander her fuhr.

Keine Chance auf den Sieg hatten beide Ferrari, die sich aber immerhin während des Rennens ein schönes Duell lieferten. Massa war in der Quali mal schneller als Alonso gewesen und hielt den Spanier auch hinter sich. Jedenfalls eine Zeit lang, später nutzte Alonso einen kleinen Fehler von Massa, um das Teamgefüge wieder herzustellen. Dahinter ordnete sich Rosberg ein, der im ersten Drittel des Rennens sogar vor den Ferrari gelegen hatte. Doch es war klar, dass Rosberg den langsameren Wagen hatte und ein kleiner Fehler unter Druck sorgte dafür, dass sich Rosberg wieder hinter den Ferrari befand. Überraschend musste Mercedes aber feststellen, dass man auch hinter dem Toro Rosso von Alguersuari fiel. Denn der hatte auf eine 2-Stopp-Strategie gesetzt und konnte sich 5 Sekunden vor Rosberg halten. Schumacher war nach knapp 16 Runden ausgeschieden, nachdem er von Petrov abgeschossen wurde, der sich einen sehr optimistischen Bremspunkt gesetzt hatte.

Renault war nach dem Rennen nicht gerade gut gelaunt. Platz 5 in der WM ist noch lange nicht sicher, den Force India lieft nur 23 Punkte hinter den Franzosen. Petrov war raus, Senna kam mal wieder nicht in Schwung, was Eric Boullier nach dem Rennen auch deutlich kritisierte. Man konnte froh sein, dass Force India, trotz P9 und P10 in der Quali, mit Di Resta nur einen Punkt holte, weil man sich in der Strategie verhaute und beide Toro Rosso ziehen lassen musste. Um P6 in der Konstrukteurs WM wird auch noch heftig gekämpft. Im Moment ist der Stand der Dinge so:

5. Renault 72
6. Force India 49
7. Sauber 40
8. Toro Rosso 37

Es stehen immerhin noch die Rennen in Indien, Abu Dhabi und Brasilien aus, da gibt es aber also noch genügend Punkte zu holen.

Das wird Sauber freuen, die ein rabenschwarzes Wochenende hatte. Der Wagen kam nie richtig in Schwung, im Rennen leisteten sich beide Fahrer kleine Fehler, die dazu führten, dass am Ende sogar Heikki Kovalainen im Lotus vor den Schweizern auf P14 lag. Ähnlich schlecht lief das Wochenende für Williams, wo die neue Technikmannschaft auch nicht in der Lage ist, aus dem Wagen noch irgendetwas raus zu holen.

Es war ein eher maues Rennen, sieht man mal vom Kampf zwischen Hamilton und Webber ab. Ansonsten zeigte die Strecke mal wieder, dass sie fahrerisch sehr spannend ist, aber nur wenig Überholmöglichkeiten zulässt. Die immer noch herrschende Baustellenatmosphäre macht die Sache dann auch nicht besser. Aber genau die wird man in 14 Tagen auch wieder haben, wenn auf dem neuen Kurs in Indien startet.

F1 Grand Prix of Korea - Race F1_Korea_2011_1 F1_Korea_2011_2 F1_Korea_2011_3 F1_Korea_2011_4 Formula One World Championship, Rd 16, Korean Grand Prix, Race, Korea International Circuit, Yeongam, South Korea, Sunday 16 October 2011. Formula One World Championship, Rd 16, Korean Grand Prix, Race, Korea International Circuit, Yeongam, South Korea, Sunday 16 October 2011. Formula One World Championship, Rd 16, Korean Grand Prix, Race, Korea International Circuit, Yeongam, South Korea, Sunday 16 October 2011. Formula One World Championship, Rd 16, Korean Grand Prix, Race, Korea International Circuit, Yeongam, South Korea, Sunday 16 October 2011. F1_Korea_2011_9 F1_Korea_2011_10 Motorsports: FIA Formula One World Championship 2011, Grand Prix of Korea Motorsports: FIA Formula One World Championship 2011, Grand Prix of Korea F1 Grand Prix of Korea - Race F1 Grand Prix of Korea - Race F1 Grand Prix of Korea - Race F1 Grand Prix of Korea - Race F1_Korea_2011_18 F1_Korea_2011_19 F1_Korea_2011_20 F1_Korea_2011_21 2011 Korean Grand Prix 2011 Korean Grand Prix F1_Korea_2011_24 F1_Korea_2011_25

flattr this!

October 13 2011

11:12

Formel Eins: Vorschau GP Korea

Die WM mag entschieden sein, aber das bedeutet nicht, dass die Sache deswegen unspannend wird. Vor allem in Sachen McLaren vs. Red Bull.

Die Schlappe, die Red Bull in Suzuka einstecken musste, kam schon relativ überraschend. Vielleicht lag es wirklich nur daran, dass dem RB7 in Japan die Reifen nicht passten, vielleicht ist man sehr konservativ an die Sache ran gegangen. Vielleicht ist es aber auch so, dass McLaren einen guten Schritt nach vorne gemacht hat. Die hatten im Laufe der Saison auch nicht immer Glück mit den Reifen, aber offenbar hat man etwas im Bereich der Hinterachse gefunden, dass dem Wagen deutlich geholfen hat. Das Rennen in Korea wird daher schon mal interessant werden, denn wenn McLaren wieder auf Augenhöhe mit Red Bull ist, dann muss man sie schon mal für 2012 sehr ernst nehmen. Denn im nächsten Jahr wird es kaum Regeländerungen geben, die Wagen werden also deutlich enger zusammenrücken. Und in Sachen WM gibt es zumindest noch die Entscheidung, wer Vize-Weltmeister wird.

Natürlich ist Platz 2 in der WM relativ bedeutungslos, aber eine gewisse Signalwirkung hat es eben doch. Im Moment ist es ein Vierkampf zwischen Jenson Button, Fernando Alonso, Mark Webber und Lewis Hamilton, der aber schon etwa abgeschlagen ist. Drei verschiedene Fahrer, aus drei verschiedenen Teams – das ist schon ein schönes Setting. Hätte man gerne für die WM, aber vielleicht kommt das ja nächstes Jahr.

Die besten Chancen scheint im Moment Jenson Button zu haben, der gerade auf einer Erfolgswelle schwimmt und richtig gut drauf ist. Wer hätte gedacht, dass Button in der Lage sein wird, Lewis Hamilton zu schlagen? Sein diesjähriger Erfolg, bzw. die Probleme von Hamilton, haben sicher etwas mit den Pirelli-Reifen zu tun, aber dennoch muss man den Hut vor Button ziehen, dass er vor allem im Rennen den Speed von Hamilton über die Distanz locker mit gehen kann. Button hat zu dem auch sein Standing im Team deutlich verbessert. Hamilton ist nicht mehr der uneingeschränkte Teamleader. Button ist zumindest gleichberechtigt, viele sehen ihn im Moment auch, vor allem wenn es um die Entwicklung des 2012er Wagen geht, deutlich im Vorteil. Die Designer schätzen seine klaren Rückmeldungen und Ideen, das Team seine ruhige, britische Art. Würde mich nicht wundern, wenn Button im nächsten eine echte Chance auf den WM-Titel hat.

Vorher gibt es allerdings das Rennen in Korea wo sich, den ersten Twitterbildern nach zu urteilen, nicht sonderlich getan hat. Die Strecke ist immer noch verwirrend kurvenreich, rund um den Kurs sieht es weiter aus, wie in einer Baugrube. Offenbar entwickelt sich die angedachte Marina nicht schnell, wie man wollte. Der Geschäftsführer der Anlage ist mittlerweile auch entlassen worden, wegen Veruntreuung, hieß es. Das man alles weg genommen – die Strecke hat trotzdem was, vor allem aus Sicht der Fahrer. Dieses Jahr sollte es am Renntag trocken und warm sein und nicht unbedingt zur Freude aller Teams hat Pirelli die Mischungen “Soft” und “Supersoft” im Gepäck. Das dürfte interessante Strategieansätze geben.

Red Bull war im letzten Jahr zwar stark, aber nicht unbedingt dominant. Webber warf bekanntermaßen seinen sicher geglaubten WM-Titel in den Matsch, Vettel platzte kurz vor Schluss der Motor. Red Bull hat also noch etwas nachzuholen, aber auch McLaren und Ferrari dürften auf der winkeligen Strecke um den Sieg fahren.

Dahinter tut sich vermutlich nicht so viel. Mercedes ist weiter die vierte Kraft, dahinter vermute ich in Korea Renault und Force India.

Bei den Indern hat sich in der Woche einiges getan. Nachdem Vijay Mallya vor ein paar Tagen noch jegliche Verkaufsgerüchte als “Blödsinn” bezeichnet hatte und sogar in einer eilig ausgesendeten PR-Mail klarstellte, dass Force India nicht zum Verkauf steht, hat nun genau das gemacht: Force India teilweise verkauft. Abnehmer ist die Sahara India Pariwar Firma, die 42.5% des Rennstalls für angeblich 100 Millionen Dollar gekauft hat. Der Konzern gehört zu den bekanntesten Firmen in Indien, was auch daran liegt, dass man im Bereich “Cricket” massiv unterwegs ist. Gegründet wurde Sahara erst 1975, angeblich mit einem Kapital von 43 Dollar. Sagt zumindest die Webseite von Sahara. Der Marktwert der Firma beträgt 23 Milliarden Dollar, was ja nicht gerade wenig ist. Im Paddock rätselt man ein wenig darüber, wer denn jetzt bei Force India das Sagen hat. Mallya hält ebenfalls 42.5% und soll auch weiter Teamchef bleiben. Hat er sein Team teilweise verkauft, weil er mehr Geld reinstecken will, oder weil er sich langsam aber sicher aus der Formel Eins zurückziehen möchte? Sahara hat keinerlei Ahnung von der Formel Eins, allerdings viel Know-How in Sachen Sportmarketing. Ich gehe davon aus, dass Mallya sein Team rekapitalisieren möchte um es weiter nach vorne zu bringen. Man kann von Mallya halten, was man will, aber immerhin ist es ihm gelungen aus dem demotivierten Jordan/Midland/Spyker Haufen ein schlagkräftiges Team zu formen, dass im vorderen Mittelfeld mitschwimmt und sogar in der Lage ist, ab und an Mercedes zu ärgern. Dürfte interessant werden, was das zusätzliche Geld aus dem Team macht.

Ansonsten dürfte das Rennen in Korea wenig Überraschungen bieten. Die meisten Teams sind dazu übergegangen, die restlichen Rennen als Test für 2012 zu nutzen. Ferrari hat schon bekannt gegeben, dass der neue Wagen weit fortgeschritten ist, die Updates, die nun noch folgen, sind schon Dinge, die man evtl. 2012 einsetzen will. Das wird bei anderen Teams nicht anders sein.

Die Übertragungszeiten sind wie in Japan, man wird also früh aufstehen müssen.

flattr this!

October 12 2011

11:23

F1: James Allen Strategieanalyse Japan

The Japanese Grand Prix was all about race strategy. With tyre wear much more tricky to manage than expected, throughout the field the drivers who succeeded were the ones whose teams got the strategy right, not just on race day but on qualifying day too.

(Sorry, habe die Übersetzung nicht geschafft, wegen Arbeit. Die Übersetzung kostet mich rund 1.5 Stunden und der Text kam gestern Abend sehr spät an. Da ich heute den ganzen Tag auf Achse bin, geht es leider nicht anders. Ist aber sehr lesenswert, weil James haarscharf analysiert, warum Alonso trotz eines deutlich langsameren Wagens in der Lage war, Vettel zu schlagen!)

There were some pretty contrasting races at the front. Of the top three, Sebastian Vettel’s Red Bull had the worst tyre performance and Fernando Alonso’s Ferrari had the best. Alonso was nowhere near as quick as Vettel at the start of each of the stints, but he was always the quickest of the three cars at the end of the stints, with much less tyre drop off. This gave him the opportunity to take second place, despite only having the car pace to qualify 5th. Meanwhile the race winner Jenson Button had the pace to stay with Vettel early on and was able to manage his tyres better in the opening stint so that he could pit a lap later than the world champion and emerge in front of him. But it wasn’t easy for him; as the McLaren has got quicker this year, its tyre performance has edged closer to that of Red Bull, as you would expect given that it’s putting more load through the tyres.

Getting that little bit extra: Vettel vs Button and Alonso

The top three finishers all did exactly the same strategy with three stints on used soft tyres and a final stint on new mediums. The difference was in the tyre degradation each of them suffered and the laps on which they chose to pit.

I thought as the race unfolded that Red Bull were being conservative with Vettel – knowing he only needed a point to clinch the title – and that offered a chance to Button and Alonso, which both of them took. But closer analysis shows that this wasn’t necessarily the case, given that in each stint he only pitted when the tyres started to drop off in performance. Often this season we have seen Red Bull be the first to pit when arguably there has been some life left in the tyres, but they always had enough pace in hand to make early stops and retain track position. In Japan Vettel couldn’t get away with that.

There are two ways of looking at Vettel’s strategy on Sunday; on the one hand he stopped early to try and maintain position, which could be considered conservative, but on the other hand being the first to stop was also quite aggressive because he risked running out of tyres late in the race. He went onto the mediums with 20 laps to go, while Button went three laps later and Alonso four laps later, thanks to superior tyre wear at the end of the stints on the softs. This is where he took second place from Vettel.

Vettel had a big gap at the end of his first stint (5.2s) and he only pitted because his tyres were finished (lap 5: 1:39.7s, lap 6: 1:40.0s, lap 7: 1:41.2s, lap 8: 1:41.7s). At the end of the second stint, you can see that his tyres were finished again and he was actually very aggressive at the final pitstop because he stops and comes out in traffic on the prime tyre. The newer tyre helped him, but Button had him covered all day.

How the Safety Car changed the midfield battle for points

As we have seen many times this season there was a tremendous scrap among the midfield runners for points positions behind the top three teams. It was always going to be this way at Suzuka with the high tyre wear and the strategists started planning their race on Saturday before qualifying.

We saw Kobayashi, Schumacher, Senna and Petrov all make it into the top ten in qualifying, but they did not set a flying lap time in Q3. So they had, in the Renaults’ case two sets of new medium tyres and one set of new softs for the race and, in Schumacher and Kobayashi’s case, one new set of each compound.

The key calculation here was the crossover point in lap time between the two tyres and on the day the difference between the medium and the soft was about 1.2s per lap. Schumacher and Kobayashi started on used soft tyres, while the Renaults went with new mediums. The two Force India cars meanwhile qualified outside the top ten and both started on used softs, while Sergio Perez was down in 17th on the grid and started on new mediums.

The safety car likelihood for this race was 60% and we duly got one on lap 24. The drivers who benefited were Petrov and Perez because they’d started on the medium tyre and the Safety Car won them back the time they’d lost. They were 43 seconds off the lead and over 20 seconds behind the Sutil when the Force India driver pitted, just two laps before the safety car was deployed.

The Force India drivers were on classic three-stop strategies and by lap 20 it was going well; they had three-quarters of a pitstop advantage over their rivals. But the gap went down to zero under the Safety Car and Perez and Petrov had gained track position with the Force India stops. Even with DRS and it’s difficult to overtake at Suzuka. Petrov and Perez were on new sets of options at the end of the race too, while Sutil was on the prime tyre so there was no chance to recover.

As for the two Mercedes cars, Rosberg started 23rd after a hydraulic problem in qualifying. He started on new medium tyres and ended up right behind the Force India of Sutil after the Safety Car, in 12th place. He was essentially on the same pit stop sequence as Force India, but the Safety Car closed the gap up and he had the advantage of using the option tyre at the end of the race, so was able to get ahead and claim a point in 10th place.

Schumacher, meanwhile, ran a pretty standard three-stop race with stops on laps 9, 24 and 41. Interestingly he did a 15-lap second stint on used soft tyres, which revealed that he had better tyre life than Red Bull and Hamilton, which hasn’t always been the case with Mercedes this year. He was 25s behind the leaders when the Safety Car came out, so that handed him the chance to close up. A nice long, consistent 17 lap stint on new soft tyres after the Safety Car brought him out ahead of Massa and underlined once again that the veteran is back on top form in terms of race pace, as we get towards the end of his second comeback season. His races have also noticeably improved since Jock Clear, his old rivals from Villeneuve/Williams days, became his race engineer..

What happened to Lewis Hamilton?
This was an odd race for Hamilton as he squandered a chance to start on pole by a collective team and driver timing mistake in qualifying. Then in the race his pace was well off his team mate Button’s.

A slow puncture at the end of the first stint undoubtedly lost him time (lap 5: 1:40.1s, lap 6: 1:40.8s, lap 7: 1:41.9s) and positions to Alonso and Button. And McLaren have said that it also affected the rest of his race because they made a set up change to the car before realising that it had been handling strangely due to a puncture. They say the changes gave him an imbalance.

Hamilton’s second stint was the really poor one – much worse than the others. He was right with Alonso and Button on lap 12, but by the time he made his stop on lap 20 he had dropped a load of time eight second, a second a lap in other words.

Hamilton got back a place from Massa by making an earlier pitstop and then exploiting the Ferrari’s problems with initial warm up on the mediums to pass Massa on his out lap. His pace was better on the medium tyre, but he lost too much time in the opening two stints to get a decent result.

Wear rates were pretty marginal on the soft tyres, but as always, it was the same for everyone. The puncture didn’t help, but it seems that Hamilton also suffered a bit more than the other front-runners. When the tyres are going away it’s frustrating for a driver. It’s a vicious circle: he’s trying to push, but he ends up going slower.

The Strategy Briefing and Report is written by James Allen with input and data from strategy engineers from several F1 teams and support from F1 Global Partner UBS.

flattr this!

October 10 2011

05:58

Formel Eins: Analyse Suzuka 2011

Sebastian Vettel holte sich wie erwartet die WM-Krone, doch der Red Bull war überraschenderweise nicht das dominierende Auto am Wochenende.

Selten haben sämtliche Experten vor einem Wochenende so falsch gelegen. Und auch in unserer Vorschau lagen wir (besser gesagt ich) komplett daneben. Der Red Bull war in Suzuka nicht so stark, wie das alle vermutet hatten. Stattdessen waren Ferrari und McLaren auf Augenhöhe und konnten Vettel mächtig unter Druck setzen. Das änderte zwar nichts mehr an der WM, aber die Frage ist schon, warum der RB7 auf einer Strecke, die ihm eigentlich so gut liegen sollte, nicht dominieren konnte? Die Frage ist nicht leicht zu beantworten, James Allen, der uns ja auch immer die Strategie-Analyse liefert, ist sich auch noch nicht sicher. Vermutlich gibt es aber zwei Gründe, für die eher schwache Performance des Teams.

Der erste Grund könnte der Radsturz sein. Seit Monaten vermutet man, dass Red Bull in der Quali und im Rennen mit Sturzwerten an der Vorderachse unterwegs ist, die dem Wagen erlauben, die Reifen besonders schnell auf Temperatur zu bekommen. Das hat allerdings auch den Nachteil, dass der Reifenverschleiss besonders hoch ist, was auf dem eher aggressiven Asphalt in Suzuka keine gute Sache ist. Wie man hört, hatte Red Bull mit dem Verschleiß der “Soft” Reifen zu kämpfen, weswegen man sich für eine deutlich konservativere Herangehensweise in Japan entschloss. Womit auch der zweite Grund genannt wäre: Red Bull wollte Punkte, nicht den Sieg. Man ordnete einen Sieg dem WM-Titel unter. Die Frage ist allerdings, warum Red Bull so vorsichtig war. Ein Punkt in 5 Rennen sollte ja nun kein Problem sein.

Das McLaren und vor allem Jenson Button so stark waren, hat mich auch überrascht. Button gelang die schnellste Runde im Rennen, ohne die Spritspar-Aktion am Ende des Rennens, wäre der Vorsprung gegenüber Alonso und Vettel und noch größer ausgefallen. Mehrfach wurde darauf hingewiesen, dass der McLaren ein neues DRS-System an Bord hatte, aber das allein kann nicht der Grund gewesen sein, warum Button gewonnen hat. Vielmehr war es mal wieder seine Eigenart, die Reifen besonders zu schonen, die es ihm erlaubte, den klassischen “Undercut” gegenüber Vettel zu schaffen. Da der Red Bull die Reifen schneller verbrauchte, verlor Vettel auf den Runden vor seinem Boxenstopp zu viel Zeit, und Button gelang es wiederum auf den letzte Runden das letzte aus seinen Pirelli rauszuholen. Dennoch ist es interessant, dass McLaren auf einem Red Bull Kurs so viel Zeit gefunden hat. Sollte die Briten da dauerhaft etwas gefunden haben, was die Performance des Wagens derartig verbessert, dürften dass noch interessante Rennen in diesem Jahr werden.

Button ließ sich auch durch das harte, fast etwas unfaire Manöver von Vettel am Start nicht beirren. Sein Glück war allerdings, dass sich Hamilton im ersten Stint einen schleichenden Plattfuss einfing, der er es ihm erlaubte, an seinem Kollegen vorbei zu gehen. Sonst wäre es schwer für ihn gewesen, das Rennen zu gewinnen. Hamilton seinerseits hatte mal wieder ein eher schwieriges Rennen. Durch den frühen Stopp fiel er weit zurück und verlor Zeit im Mittelfeld, besonders im Kampf gegen seinen Lieblingsgegner Felippe Massa. Die beiden werden auch keine Freunde mehr.

Ferrari sah am Wochenende nicht sonderlich stark aus, sondern lieferte nur eine solide Performance ab. Der zweite Platz von Alonso ist eher eine Überraschung und der konservativen Strategie von Red Bull zuzuschreiben. Der Abstand im Rennen zu McLaren war zwar nicht groß, es fehlten nur ein paar Zehntel, was angesichts der sonst so ausgeprägten Schwäche der Ferrari auf den Medium-Reifen, schon etwas überraschte.

Ein eher unauffälliges, aber gutes Rennen fuhr Michael Schumacher, dem das Kunststück gelang, mit einem ultra-langem Mittelstint Felippe Massa hinter sich zu lassen. Platz 6 ist eine nette Belohnung, mehr ist da im Moment nicht drin. Erstaunlich war da eher, wie lange Rosberg brauchte, um sich das aus dem hinteren Mittelfeld zu befreien. Die Idee, auf den “Medium” zu starten, war auf dem Papier gut, aber im Rennen hatte er Probleme an den Toro Rosso, den Williams und den Force India vorbei zu kommen. Es war ein hartes Rennen für den Deutschen, zumal die Zeitabstände im Mittelfeld immer knapp blieben und Suzuka jetzt nicht gerade für einen Überholmarathon bekannt ist.

Enttäuschend verlief das Rennen für beide Force India und Kamui Kobayashi. Dem Japaner fiel beim Start die Drehzahl in der Keller und statt eines guten Platz 7 kam er nach der ersten Runde nur auf P12 zurück. Teamkollege Sergio Perez schlug den Japaner mal wieder deutlich im Rennen, was mittlerweile fast schon zur Normalität geworden ist. Perez, auf den Ferrari ein Auge geworfen hat, ist entweder wirklich so gut, oder Kobayashi steckt seit Wochen in einem ziemlichen Tief. Das er am Ende auch hinter beiden Force India landete, war jedenfalls sehr enttäuschend. Bei den Indern konnte sich Adrian Sutil immerhin gegen Di Resta durchsetzen, aber beide hatten gegen Petrov im Renault keine Chance.

Völlig unter ging Bruno Senna, der das gesamte Wochenende nicht an die Leistungen der bisherigen Rennen anschließen konnte. Er versemmelte die Quali ebenso wie seinen Start und spielte absolut keine Rolle. Das war jetzt nicht gerade eine Bewerbungsfahrt für 2012 und Renault wird inständig hoffen, das Robert Kubica wieder komplett gesundet. Da man davon aber nicht ausgehen kann, sollte sich Renault vielleicht mal überlegen, Romain Grosjean ein, zwei Rennen zu geben. Der saß in Japan auch immerhin schon am Kommandostand.

Ein positives Zeichen gab es von Lotus zu vermelden. Man blieb, sicherlich auch dank der unnötig langen SC-Phase, in der Führungsrunde und hatte am Ende “nur” rund 1.20 Min Abstand zu Button. Man ist zwar noch immer ein gutes Stück vom Mittelfeld weg, aber Di Resta lag “nur” 30 Sekunden weiter vorne, was ungefähr einer halben Sekunde pro Runde im Renntrimm entspricht. Das sah schon mal schlechter aus. Man hört allerdings, das Mike Gasconye für 2012 unter Druck steht. Tony Fernandes will bessere Ergebnisse sehen und der Lotus (oder wie auch immer das Team 2012 heissen wird) soll zumindest mal in die Region um P12 vorstossen.

Das Rennen in Suzuka war ein eher maues Rennen, sehr geprägt von taktischen Überlegungen und wenig Überholmanövern. Kein Klassiker, den man sich immer mal wieder anschauen muss, aber das wird Vettel egal sein. Er hat mit seinem zweiten WM-Titel in Folge etwas erreicht, was so große Namen wie Ascari, Fangio, Brabham, Prost, Senna, Schumacher, Häkkinen und Alonso geschafft haben. Und er ist der jüngste Doppel-Weltmeister aller Zeiten. Es ist jetzt schon abzusehen, dass Vettel die 10er Jahre ebenso dominieren kann, wie das Schumacher zur Jahrtausendwende gelungen ist. Auf jeden Fall gibt es an seinem WM-Titel in diesem Jahr nichts zu rütteln. Er hat keine Fehler macht, er war der schnellste Mann auf der Strecke und hatte den besten Wagen. Aber die Luft wird dünner vorne, vor allem, weil McLaren aufholt.

Das könnte schon in diesem Jahr zum tragen kommen, denn der Titel des Vize-Weltmeisters, auch wenn er nicht viel Wert ist, ist durchaus interessant. Im Moment hat Button mit 210 Punkten die Nase vorn, dahinter folgen Alonso (202), Webber (194) und schon etwas abgeschlagen Lewis Hamilton mit 178 Punkten. Immerhin etwas, auf das man sich in den nächsten Rennen freuen kann.

F1 Grand Prix of Japan - Race F1_Japan_2011_1 F1_Japan_2011_2 F1_Japan_2011_3 F1_Japan_2011_4 F1_Japan_2011_5 Formula One World Championship, Rd 15, Japanese Grand Prix, Race, Suzuka, Japan, Sunday 9 October 2011. Formula One World Championship, Rd 15, Japanese Grand Prix, Race, Suzuka, Japan, Sunday 9 October 2011. Formula One World Championship, Rd 15, Japanese Grand Prix, Race, Suzuka, Japan, Sunday 9 October 2011. Formula One World Championship, Rd 15, Japanese Grand Prix, Race, Suzuka, Japan, Sunday 9 October 2011. F1_Japan_2011_10 F1_Japan_2011_11 Motorsports: FIA Formula One World Championship 2011, Grand Prix of Japan Motorsports: FIA Formula One World Championship 2011, Grand Prix of Japan F1 Grand Prix of Japan - Race F1 Grand Prix of Japan - Race F1 Grand Prix of Japan - Race F1 Grand Prix of Japan - Race F1 Grand Prix of Japan - Practice F1 Grand Prix of Japan - Qualifying F1_Japan_2011_21 F1_Japan_2011_22 F1_Japan_2011_23 F1_Japan_2011_24 F1_Japan_2011_25 F1_Japan_2011_26 F1_Japan_2011_27 F1_Japan_2011_28

flattr this!

October 06 2011

05:58

Formel Eins: Vorschau Suzuka 2011

Der WM-Titel für Sebastian Vettel ist quasi in der Tasche, es fehlt ihm nur noch ein Punkt. Und Suuzuka ist die Strecke, die dem RB7 am Besten liegen sollte. Wer sollte ihn also schlagen können?

Die Antwort lautet vermutlich: Niemand. Es gibt wohl kaum eine Strecke im F1-Kalender, die dem Red Bull derartig passt, wie Suzuka. Die “Esses”, die “Spoon” und die “130R” – alles Kurven, die dem RB7 auf dem Leib geschneidert sind. Im letzten Jahr betrug der Vorsprung von Vettel in der Quali auf Kubica rund 4 Zehntel, aber da hatten die anderen Team noch nicht aufgehört zu entwickeln und Ferrari hatten einen starken Einsatzwagen. In diesem Jahr düfte der Abstand zu Vettel mindestens genauso groß sein. McLaren könnte hier vielleicht etwas besser aussehen, aber dass man die Red Bull wird schlagen können, glaubt wohl keiner. Dafür tut sich schon einiges in Sachen 2012.

Besonders bei Mercedes gibt es viel Bewegung. Die Verpflichtung des Ex-Ferrari Chefdesigners Aldo Costa nebst der von Geoff Willis hat für einige Wellen gesorgt. Costa bringt eine Menge Know-How von Ferrari mit, hat allerdings noch eine Arbeitssperre bis zum Ende des Jahres. Der Italiener ist allerdings nicht ganz unumstritten. Seit er bei Ferrari für das Design der Wagen verantwortlich war, sah die Scuderia, besonders zum Start einer Saison, nie besonders gut aus. Den letztjährigen Wagen bog man auch erst wieder hin, als man eine komplette B-Version aufbaute, der F150 ist kein Spitzenfahrzeug, auch wenn man viel auf die fehlerhaften Windkanaldaten geschoben hat. Aber die Entwürfe von Costa waren bisher auch nicht das, was man als “Mutig” bezeichnen könnte. Sie waren konservativ und, wenn man es hart formulieren möchte, einfallslos. Costa schiebt, zumindest zwischen den Zeilen, die Schuld dafür auch auf die besondere Struktur bei Ferrari, wo niemand einen Fehler machen möchte, damit man bei die Montezemolo nicht Ungnade fällt. Offenbar standen sich manche Abteilungen eher misstrauisch gegenüber. Ferrari hat Costa geopfert und versucht unter Pat Fry nun wieder eine Lösung hinzubekommen, wie man sie unter Ross Brawn hatte. Wie auch immer – Costa hat immer letztes Jahr einen Wagen gebaut, mit dem man hätte Weltmeister werden können und in diesem Jahr war man teilweise auf Augenhöhe mit Red Bull.

Ferrari und McLaren haben beide WM-Titel abgeschrieben und verlegen sich nun schon auf die Saison 2012. Man testet vor allem am Freitag neue Teile, die im nächsten Jahr an den Wagen geschraubt werden sollen. Die Spannung am Wochenende dürfte darauf hinauslaufen, welches Team denn näher an Red Bull dran ist. Da sollten die McLaren einen kleinen Vorteil haben.

Mercedes liegt die Strecke in Suzuka nicht so gut, schnelle Kurven waren nicht die Sache der MGP02, auch wenn der sich Laufe des Jahres verbessert hat. Die Deutschen fahren schon seit einigen Rennen im Niemandsland. An die Top 3 kommt man nicht ran, von hinten ärgert Force India, die aber in der Teamwertung weit abgeschlagen sind.

Ein Wörtchen in Sachen Punktevergabe könnte auch mal wieder Renault mitreden. Der nach vorne gelegte Auspuff schafft zwar mehr Probleme als Antworten, dürfte aber in Suzuka für jede Menge Abtrieb sorgen. Ich bin persönlich sehr gespannt, wie sich Bruno Senna schlagen wird, der mich ehrlich gesagt bisher überrascht. Er hat aus dem Stand und nur mit der Erfahrung des HRT, das Tempo von Petrow, was man schon honorieren muss. Suzuka ist eine Fahrerstrecke, wenn er hier gut aussieht, dann dürfte er sich auch für einen Einsatz in der nächsten Saison empfehlen. Senna hat sich bisher einige Freunde gemacht. Sein Name wird bei Renault gehandelt, aber auch bei Williams, die ja immer für einen Fahrer mit guten Sponsor zu haben sind.

Die Williams selber werden mangels Abtrieb auf der Hinterachse in Suzuka schwer leiden, daran wird auch der Schaufel-artige Heckflügel nichts ändern, den man in Spa auf dem Wagen hatten. Das Team macht im Moment auch eher damit Schlagzeilen, dass man wohl an Kimi Räikkönen dran ist. Ich habe das Gerücht erst einmal für einen Witz gehalten, aber in Singapur versicherten mir verschiedene, unabhängige Quellen, dass das kein Witz ist. Offenbar will Kimi zurück und er sieht in Williams auch durchaus eine gute Chance. Bekannt ist, dass er zu einem “Privatbesuch” beim Team war, die Frage scheint auch eher zu sein, ob sich Williams auf das Wagnis Räikkönen einlassen möchte.

Zum Rennen: Suzuka fordert eine Menge vom Wagen und vom Motor. Der Vollgasanteil (siehe Daten unten) ist sehr hoch, gleichzeitig werden die Reifen massiv belastet. Auch wenn die Fehleranfälligkeit der meisten Wagen in diesem erstaunlich niedrig war, in Suzuka wird das Material ziemlich hoch belastet. Das Wetter soll am Wochenende gut sein, ideale 24 Grad und trocken. Ein Safety Car wird man eher nicht sehen, die Auslaufzonen sind in Suzuka recht üppig.

Ob das DRS eine große Rolle spielen wird, ist schwer zu sagen, da ich die DRS-Zone zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht kenne. Ich vermute, es dürfte die Start/Zielgerade sein, eine andere Variante wäre ein Messpunkt nach der Haarnadel und dann DRS runter bis zur 130 R.

Daten Suzuka:

Aero Setup: High Downforce
Top Speed: 320 km/h (mit DRS), 310 km/h ohne.
Vollgasanteil: 70% (Hoch)
Benzin: 148 kg (Mittel/Hoch)
Benzinverbrauch: 2.73 kg/Runde (Mittel/Hoch)
Zeitverlust pro 10kg Sprit/Runde: 0,385 Sek. (Hoch)
Bremsanteil: 10 % (Sehr niedrig)
Zeitverlust an der Box: 20,8 Sek (Mittel)

flattr this!

August 25 2011

15:53

Formel Eins: Vorschau Spa 2011

Nach drei Wochen Pause geht die Formel Eins Saison endlich weiter. Doch viel wird sich beim Kräfteverhältniss in der Serie nicht verändert haben.

Spa gehört zu den wenigen Kursen weltweit, bei denen fast jeder mit Zunge schnalzt. Die Traditionsstrecke hat jede Menge Kurven, die alle ihre eigenen Geschichten erzählen, die alle viel erlebt haben und die alle auf ihre Art gefährlich sind. Selbst die eigentlich so harmlose “La Source” Haarnadel kostet jedes etliche Fahrer Nerven und Plätze. Dazu kommt das Wetter in Spa, bzw. das Vorhandensein von Regen. Oder auch nicht. Ganze Heerscharen und Generationen von Meteorologen sind schon an den Regenvoraussagen gescheitert. Die sicherste Variante stammt von einem unbekannten Teamchef und lautet “Stehen die Kühe auf der Weide ist es trocken, sieht man sie nicht mehr, kommt Regen.” Die Fahrer werden andere Sorgen und vor allem keine Zeit für Kühe haben. Alonso will so viele Siege wie möglich, Vettel seinen zweiten WM-Titel und beide McLaren-Piloten wüssten gerne, ob das Auto in Belgien funktioniert.

Die Teams sollten alle in der Sommerpause gewesen sein. So lautet zumindest das “Gentlement Agreement”, denn Strafen gibt es nicht, wenn einer dabei ertappt wird, dass er doch gearbeitet hat. Doch im Grunde hält man sich dran, die Arbeiter waren alle im Urlaub aber was die besser bezahlten Mitarbeiter machen, ist dann wieder eine andere Frage. Dennoch werden die Teams eher mit kleineren Modifikationen nach Spa kommen.

Red Bull reist mit gemischten Gefühlen nach Spa. Einerseits liegt dem RB7 die kurvenreiche Strecke, andererseits sind da die Probleme mit dem Topspeed, die vor allem auf der langen Kemmelgeraden zum tragen kommen. Dafür beschleunigt der Red Bull etwas besser aus der engen La Source und dürfte in Eau Rouge nicht zu schlagen zu sein.

Ferrari ist allerdings in den letzten Rennen dran gewesen. Nicht schneller, aber dran. Seitdem Pat Fry die technische Entwicklung übernommen hat, läuft es bei den Italienern deutlich besser und weitere Fortschritte sind logischerweise nicht auszuschliessen. Alonso rechnet sich nicht ernsthaft mehr den Chancen auf den Titel aus, aber er weiß auch, dass Vettel und Räikkönen Weltmeister geworden sind, weil sie einfach hartnäckig jeden Sieg und jeden Punkt eingesammelt haben. Man weiß ja nie…. Auf der anderen Seite hat Ferrari schon durchblicken lassen, dass man sich langsam auf 2012 konzentriert und der nächstjährige Ferrari etwas revolutionärer werden wird.

Bei McLaren will man die Hoffnung auf einen weiteren Titel nicht aufgeben, zumindest, was Lewis Hamilton angeht. Jenson Button liegt 100 Punkte hinter Vettel, da wird bei noch ausstehenden acht Rennen nichts mehr gehen.Das große Fragezeichen ist aber der Wagen und wie der nun an diesem Wochenende wieder drauf sein wird. Die Briten basteln seit Silverstone an einem neuen Heckflügel, kommen aber nicht so wirklich voran. Sowohl Button, als auch Hamilton haben den Flügel schon drauf gehabt und wieder abmontieren lassen, weil die alte Variante schneller war. Was der McLaren in Spa drauf haben wird, ist schwer zu sagen, weil es auch vom Wetter abhängen wird. Sollte es regnen, dürfte es wieder eine Hamilton-Show geben.

Wenig Sorgen wird sich Mercedes machen, denn sie liegen in Sachen Speed im Nirvana zwischen McLaren und Renault. Einzig die in den letzten Rennen aufmüpfig gewordenen Force India muss man abwehren, was sich auch nicht als die leichte Aufgabe heraus gesellt, wie man es vielleicht annehmen möchte. Ein schnelles Rennauto wird aus dem MGP02 auch nicht mehr, aber angesichts des kolportierten Budgets der Deutschen, ist das Ergebnis angeblich gar nicht so verwunderlich. Michael Schumacher feiert am Wochenende sein 20jähriges “Bühnenjubiläum” in der F1, was sky und RTL sicher hier und da (sprich alle 3 Minuten) erwähnen werden. Vielleicht kann er auf seiner Hausstrecke auch Rosberg mal wieder hinter sich lassen.

Renault hat sich entschlossen, den feuerspeienden Frontauspuff bis zum Ende des Jahres im Wagen zu lassen. Vermutlich, weil ein Umbau zu teuer ist und den Wagen auch nicht weiter voran bringt. Während an der Front dann schon mal Klarheit herrscht, ist es in Sachen Fahrerbesetzung eher nebelverhangen. Etwas chaotisch isst die Lage bei den Fahrern. Bruno Senna ersetzt Nick Heidfeld in Spa, allerdings hat sich Renault nicht dazu geäußert, ob das nur für den belgischen Grand Prix gilt, oder ein längerer Einsatz werden soll. Eigentlich würde ein Einsatz von Senna in Monza in 14 Tagen mehr Sinn machen, denn die Strecke ist nicht so fordernd für jemanden, der den Wagen nicht kennt. Das Renault in Spa auf Heidfeld verzichtet, spricht wohl eher dafür, dass man ihn gar nicht mehr einsetzen möchte. Ein klassischer Zug, wie in ihn von Renault kennt, allerdings hat Heidfeld auch nicht die Erwartungen erfüllt.

Um die letzten Punkte werden sich Force India und Sauber balgen, während Toro Rosso vermutlich dieses Mal nicht ganz so gut aufgestellt ist. Dafür fehlt ihnen einfach der Speed. Williams schleppt tonnenweise Neuteile an die Strecke, man bastelt weiter am Heck des Wagens. Bringen wird das auch nichts, dafür ist der Abstand zu den ersten zehn Plätzen zu groß. Noch weiter hinten wird Lotus wieder das Tempo vorgeben und Vrigin vor HRT liegen.

In Sachen Wetter kann man, wie oben schon angedeutet, wenig sagen. Der Freitag soll eher nass werden, dass Wochenende könnte dann aber trockener werden. Aber wie gesagt – immer schön nach der Kuh schauen.
Ich bin am Freitag vor Ort, mal sehen, was ich an Liveeindrücken rüberschicken kann, und ich freue mich ganz besonders darauf, dass ich John Surtees treffen werde.

Als kleinen Teaser gibt es hier schon mal eine schönes Video von Shell, wo Surtees und Alonso ihre Spa-Versionen vergleichen.

Ein paar Daten zum Rennen:

Spa Francorchamps – 7.004 kilometres. Race distance – 44 laps = 308.052 kilometres. 19 corners in total. Average speed 238km/h.

Aerodynamic setup – Med-low downforce. Top speed 322km/h (with Drag Reduction System active on rear wing) – 312km/h without.

Full throttle – 80% of the lap (high). Total fuel needed for race distance – 150 kilos (high). Fuel consumption – 3.35kg per lap (high)

Time spent braking: 14% of lap. Number of brake zones – 6. Brake wear- Low.

Loss time for a Pit stop = 18 seconds (average)
Total time needed for pit stop: 22 seconds

Fuel effect (cost in lap time per 10kg of fuel carried): 0.38 seconds (high)

Pirelli tyre choice for Spa: Soft (yellow markings) and medium (white markings).

flattr this!

August 14 2011

06:58

Formel Eins: Die große Halbzeit Analyse

Die Hälfte aller Rennen in diesem Jahr sind vorüber und es lohnt sich mal einen Blick auf die Teams zu werfen und wie ihre Saison bisher war.

11 Rennen sind vorüber, 8 weitere folgen noch, wobei es nur noch zwei in Europa geben wird (Spa, Monza). Die restlichen Rennen finden vor allem in Asien statt (Singapur, Japan, Korea, Indien) was für die Teams eine besondere Herausforderung sein wird. Denn wegen der längeren An- und Abreise ist es schwerer Updates an den Wagen zu bringen. Die Zeit, die die Rennchassis in der Fabrik verbringen, ist kürzer, dazu kommt, dass man wegen der sehr unterschiedlichen Strecken verschiedene neue Aero-Teile bereit halten wird. Ein weiterer Grund, der Updates erschweren wird, ist schlicht und ergreifend das Geld. Will man das 2011er Modell weiter updaten oder doch lieber mehr das 12er Modell? Man sieht – wer Fehler in der Vorbereitung und in der ersten Hälfte der Saison macht, der wird bitter bestraft. Und Fehler haben viele Teams gemacht.

1. Red Bull
Auf den ersten Blick hat Red Bull alles richtig gemacht. Man hat das Chassis mit dem besten Abtrieb, das mit allen Reifen zurecht kommt, man hat einen fehlerlosen Sebastian Vettel und die Technik macht auch nicht schlapp. Doch der Erfolg des RB7 basiert auch auf der Schwäche der anderen Teams. So hat Red Bull weiter Probleme mit dem KERS, zeitweise konnte man es gar nicht einsetzen. Glück hat man auch mit den Mapping-Regeln gehabt. Die Idee der FIA, den Overrun auf 10% zu reduzieren, hätte dem Renault-Motor nicht gut getan. Es in diesem Jahr viel für Red Bull gelaufen, die hart gearbeitet haben den letztjährigen Vorsprung zu halten und zu verbessern. Auch Vettel ist in diesem Jahr entspannter unterwegs, ist aber weiter in der Lage aggressiv unterwegs zu sein, wenn es sein muss. Mark Webber ist dagegen eine Enttäuschung in diesem Jahr. Über die Gründe, warum er so weit hinter Vettel zurück gefallen ist, gibt es zwei Gerüchte. Die eine Seite nennt die Pirelli Reifen, die andere die Charakteristik des RB7, der dem Australier nicht liegen sollte. Aber – trotz allem werden Red Bull und Vettel den Titel in diesem Jahr ein zweites Mal einfahren können.

2. McLaren
Als man den McLaren MP4-26 vorstellte, dachte ich mir schon, dass es bei so einem ausgefallenem Konzept nur zwei Varianten gibt: Floppt mit Anlauf oder entwickelt sich nach den ersten Kinderkrankheiten zu einem echten Sieger. McLaren hat viel einstecken müssen in diesem Jahr. Bei den Wintertests war der Wagen praktisch unfahrbar, wie Button und Hamilton klar bestätigten. Erst der Umbau des Unterbodens, der Auspuffanlage, der Kühlung und des Diffusors führte dann zu den gewünschten Ergebnissen. Dennoch bleibt der McLaren, ebenso wie der Ferrari, eine Wundertüte. Dazu kommt, dass der Wagen zu hart mit den Hinterreifen umgeht, was die Strategie für das Team nicht immer leicht macht. Der WM-Titel dürfte weg sein, interessant ist dabei aber noch die Frage, ob McLaren über den Winter an den L-förmigen Seitenkästen festhalten wird.
Hamilton hat in diesem Jahr eine gemischte Saison. Sein Frust über den schlechten Saisonstart merkte man ihm deutlich an und er benahm sich auf der Strecke deutlich daneben. Seit dem es aufwärts geht, ist auch Hamilton wieder zufriedener. Jenson Button ging es nicht besser, er lieferte aber durchaus brillante Rennen ab. Leider hatte er zwei “Nuller”, die seine schmalen Chancen auf den WM-Titel zunichte gemacht haben.

3. Ferrari
Das dritte Mal hintereinander ist Ferrari miserabel in die Saison gestartet. Letztes Jahr konnte man wenigstens noch das erste Rennen gewinnen, in diesem Jahr musste man bis zum Rennen in England warten. Die Probleme bei Ferrari sind vielfältig. Da war das merkwürdige Problem mit dem Windkanal, den man auf 60% Modelle verbessert hatte, aber die gelieferten Werte passten wohl nicht mit den CFD-Modellen zusammen. Zum anderen ist das grundsätzliche Problem, dass man die Sache zu konservativ angegangen ist. Man hat reagiert und die Entwicklungsabteilung umgebaut. Der erfolglose Aldo Costa musste gehen, Pat Fry hat die komplette Kontrolle in Sachen Chassis und Aerodynamik übernommen. Das Ferrari trotz der Umbesetzungen erfolgreich sein konnte, ist dann schon eine Überraschung und spricht für das Team. Aber die Saison kann man natürlich abhaken.
Alonso hat in diesem Jahr mehrfach gezeigt, was er kann. Selbst mit einem schlechten F150 war oft eine Gefahr und seit dem Europa GP hat er immer auf dem Podium gestanden. Massa hingegen ist nicht gut drauf, er hat in diesem Jahr bisher nur 70 Punkte eingefahren, während Alonso 145 Punkte hat. Das Ferrari ihn 2012 nicht austauscht, hat vermutlich nur etwas damit zu tun, dass man keinen brauchbaren Ersatz findet.

4. Mercedes
Da hat man mehr erwartet. So einfach kann man die Saison von Mercedes zusammenfassen. Ross Brawn ist mit dem MGP02 schon wieder ein eher nur mittelprächtiger Entwurf gelungen, dazu kommt, dass das offensichtlich schmale Budget kaum Verbesserungen zulässt. Zumindest von außen macht der Mercedes den Eindruck, als würde er sich kaum verändern. Man kann eine lange Liste von Gründen aufführen, warum der Wagen nicht läuft (langer Radstand, schlechte Kühlung, schlechter Diffusor, zu wenig Grip vorne), aber am Ende stimmt halt das gesamte Paket nicht. Als Hoffnungsschimmer muss man aber auch sagen, dass es dem Team gelungen ist den Abstand nach vorne während der Saison deutlich zu verringern. Es waren mal 2 Sekunden, in den letzten Rennen waren dann noch rund 1.3 Sekunden. Wenn man bedenkt, dass die anderen auch schneller geworden sind, ist das ein gutes Ergebnis.
Die Fahrer blieben beide blass. Schumacher hatte Lichtblicke aber noch mehr Tiefpunkte, Nico Rosberg konnte mich bisher auch nicht wirklich überzeugen, aber das mag am Chassis liegen. Insgesamt macht das Team leider nicht den Eindruck, als könne man 2011 den entscheidenden Schritt nach vorne machen.

5. Renault
Auch Renault hat sich mit dem nach vorne gelegten Auspuff was hübsches ausgedacht, aber die Saison war eigentlich mit den Unfall von Kubica schon vorbei. Man hatte dem Polen den R27 auf den Leib geschneidert und als er weg war, hatte man den Salat. Dazu kam, dass die Idee, den gesamten Unterboden anzublasen, in der Realität nicht wirklich ausreichend funktioniert. Man hat mit einem “normalen” Auspuff experimentiert, aber die Konzeption des Wagens passt nicht dazu. Intern gab es auch jede Menge Ärger, denn sehr viele Mitarbeiter aus der Entwicklung sind in den letzten 12 Monaten gegangen. Eric Boullier hat einen eigenwilligen Führungsstil, wie man so hört. Die Verpflichtung von Nick Heidfeld war die richtige Entscheidung, aber der Deutsche konnte nicht wirklich überzeugen. Seine Quali-Schwäche ist in der heutigen F1 ein gravierender Nachteil und die Niederlagen gegen Petrov nicht schön. Der Russe wiederum fährt eine erstaunlich stabile Saison, aber ich bin mir sicher – würde Kubica im Wagen sitzen, sähe die Sache anders aus. Renault wird die zweite Hälfte der Saison damit verbringen, viele Neuteile für 2012 und Fahrer auszuprobieren. Grosjean gilt als einer, der Heidfeld noch in diesem Jahr ersetzen könnte.

6. Sauber
Der sechste Platz in der Konstrukteurs-WM ist vermutlich das Beste, was die Schweizer erreichen können. Die Top 3 sind nicht zu bekommen, Mercedes einen Schritt besser und Renault durchaus erreichbar in einigen Rennen. Und doch bin ich etwas enttäuscht. Immerhin fährt Sauber mit dem kompletten Ferrari-Antriebsstrang (Motor, Getriebe, KERS) und mit James Key hat man einen jener Designer bekommen, der zu den Besten seiner Generation zählt. Dazu hat man mit Kamui Kobayashi und dem erstaunlich schnellen Perez ein gutes Fahrerteam. Aber der diesjährige Sauber läuft nicht so gut, ihm fehlt vor allem der heiß angeblasene Diffusor, den man nicht baute, nachdem die FIA ihn zunächst verbieten wollte. Also wird man versuchen die Saison mit Stil zu Ende zu bringen und der sechste Platz ist drin, wäre da nicht das aufstrebende Force India Team.
Kamui Kobayashi hat in diesem Jahr mal wieder viel Spaß gemacht und ich hätte ihn 2012 schon gerne in einem Top Team gesehen, aber da ist ja kein Platz. 2013 könnte das anders aussehen, wenn er seine Fehleranfälligkeit noch etwas reduziert. Sergio Perez ist eine der Überraschungen in diesem Jahr. Auch wenn er nicht immer mit Kobayashi mithalten kann, da könnte ein interessantes Talent heranreifen.

7. Force India
Die Inder liefern eine durchwachsene Saison ab, aber man darf nicht vergessen, dass sie auch nicht gerade mit einem üppigen Budget ausgestattet sind. Auch hat Vijay Mallya in den letzten 18 Monate das komplette Entwicklungsteam umbauen müssen, von daher sind die guten und vor allem besser werdende schon eine kleine Überraschung. Das hat aber auch mit den Fahrern zu tun, die nach einigen Schwächen zu Beginn des Jahres, eine starke Leistung zeigen. Sutil ist nach einem unschönen Start endlich wieder auf seinem normalen Niveau angekommen, Paul di Resta liefert für seine erste Saison sehr gute Ergebnisse ab und steht vermutlich auf der Long List einiger Teamchefs. Das Problem bei Force India ist halt, dass ihnen gegen Ende des Jahre die Ressourcen ausgehen, weil man am neuen Wagen arbeitet. Aber noch haben sie durchaus eine Chance auch Sauber abzufangen, aber die ist wirklich nur sehr schmal.

8. Toro Rosso
Das B-Team von Red Bull steht zwar in Sachen Design auf eigenen Beinen, hängt aber weiter am Tropf von Red Bull. Und so richtig gut läuft es in diesem Jahr wirklich nicht. Der erste eigene Entwurf eines F1-Chassis hat vielversprechende Ansätze, aber mehr eben auch nicht. Normalerweise sollte man auf dem Niveau von Force India unterwegs sein, was im Rennen auch gelingt. Aber in der Quali liegt man doch ein gutes Stück zurück. Die Punkte hat man bisher über die Strategie und die saubere Fahrweise der Piloten holen können.
Wobei mich bisher weder Sebastian Buemi noch Jamie Alguersuari wirklich überzeugen konnten. Buemi ist der bessere Mann in der Qualifikation und sieht auch im Rennen oft besser aus. Aber die Unterschiede im Rennen sind eher marginal. Klar dürfte sein, dass einer im Winter wird gehen müssen. Vielleicht auch beide, wenn man neben Daniel Ricciardo noch einen weiteren Mann findet.

9. Williams
Sicherlich die Enttäuschung des Jahres. Der FW33, dessen Konzept auf dem Papier interessant ausschaut, ist ein totaler Flop. Und zwar ein Flop von derartigen Ausmaßen, dass man sich fragt, warum das niemanden vorher aufgefallen. Patrick Head, Adam Parr und Frank Williams haben dann das einzig richtige gemacht und schnell Konsequenzen gezogen. Sam Michael und große Teile der Entwicklung mussten gehen, man hat sich mit Mike Coughlin einen durchaus interessanten Mann geholt, der in der Lage ist, einen sehr schnellen und zuverlässigen Wagen zu bauen. Auch der Deal mit Renault bringt Williams in die richtige Richtung, auch wenn der Cosworth offenbar nicht so schlecht ist, wie sein Ruf. Zu den Fahrern kann man wenig sagen. Barrichello macht seinen Job, wirkt aber lustlos, Maldonado überrascht immer mal wieder mit einer guten, versackt aber dann im Rennen. Die 4 Punkte, die Williams hat (letztes Jahr um die Zeit waren es 40), sagen eigentlich schon alles.

10. Lotus
Für mich die zweite Enttäuschung des Jahres. Es war klar, dass man im zweiten Jahr keine Bäume würde ausreißen können, aber im Grunde ist der Abstand noch vorne zwar kleiner geworden, aber nicht so weit, dass man zumindest mit Williams mithalten könnte. Dabei hat Lotus sehr viel Geld in die Hand genommen, darunter auch für die Renault-Motoren. Auffallend ist, dass beide Wagen sehr mit technischen Problemen ausfallen, bei Kovalainen waren das immerhin 5 Ausfälle und damit ist er in diesem Jahr der Spitzenreiter auf dieser Liste. Da gibt es offenbar Qualitätsprobleme in der eigenen Fabrik, denn der Renault-Motor ist ja in anderen Teams stabil. Allerdings – Lotus fehlt der “hot blown diffusor” und KERS, wenn das kommt, ist man vielleicht in der Lage Q2 zu erreichen.
Zu Trulli und Kovalainen kann man wenig sagen. Der Finne macht den besseren Eindruck in diesem Jahr, die besseren Rennergebnisse hat aber Trulli. Tony Fernandes hat angedeutet, dass man Trulli evtl. behalten könnte. Wenn ich ihm einen Rat geben müsste, würde ich schauen, dass ich jemanden wie Hülkenberg ins Team hole.

11. HRT
Ja, in der Wertung liegt HRT wieder vor Virgin, weil Liuzzi mal ein gutes Ergebnis eingefahren hatte. Was soll man sagen – das Wunder ist eigentlich, dass das Team noch fährt, was man Colin Kolles zu verdanken hat, der die Wagen in seiner Firma nahe Ingolstadt vorbereitet. Spanisch war an dem Team nur der Besitzer, der aber gewechselt hat. Mit der Investmentfirma kommt Geld, aber bei der momentan schwierigen Wirtschaftslage muss man da vorsichtig sein. Dass HRT nicht voran kommt liegt auch am alten, kaum veränderten Dallara Chassis, das nächstes Jahr dann wohl endgültig ausgetauscht wird. In Sachen Fahrer – Luizzi macht seinen Job, Karthikeyan fiel nicht weiter auf und sein Nachfolger, Daniel Ricciardo konnte bisher nicht überzeugen, aber dem muss man sicher noch etwas Zeit geben.

12. Virgin
Die Briten stehen am Ende der Wertung, was ihrer tatsächlichen Leistung vermutlich nicht ganz entspricht. Auch Virgin hat die technische Abteilung umgekrempelt. Nick Wirth ist raus (auch wenn man die F1-Abteilung von Wirth gekauft hat) und ab 2012 arbeitet man eng mit McLaren zusammen, was dem Team sicher etwas bringen wird. Aber dieses Jahr kann man abhaken. Interessant ist, dass man Timo Glock für weitere drei Jahre verlängert hat, aber offen darüber spricht, dass D’Ambrosio wohl 2012 nicht weiterfahren wird. Man sucht offenbar einen Fahrer aus dem Mittelfeld. Das könnte ein Ex-Toro Rosso Mann werden, aber auch die diversen Ersatzfahrer wird man sich anschauen.

flattr this!

Older posts are this way If this message doesn't go away, click anywhere on the page to continue loading posts.
Could not load more posts
Maybe Soup is currently being updated? I'll try again automatically in a few seconds...
Just a second, loading more posts...
You've reached the end.

Don't be the product, buy the product!

Schweinderl