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February 09 2011

21:29

Formel Eins: Renault in der Klemme

Nach dem schrecklichen Unfall von Robert Kubica gehen die Spekulationen los, wer ihn bei Renault ersetzen soll.

Das Lotus-Renault steckt in einer schwierigen Lage. Man hat mit dem R31 ein offenbar gutes Auto, aber der Wagen, mit seinen extravaganen Lösungen bei Auspuff, Kühlung und Aerodynamik braucht auf jeden Fall noch viel Entwicklungszeit. Doch selbst im erweiterten Kader findet sich niemand, der Kubica ersetzen könnte. Petrov hat keine Erfahrung, Senna ist zwar als erster Ersatzfahrer genannt, aber auch ihm fehlt das Wissen, wie man einen neuen Rennwagen entwickelt. Grosjean ist ohne jeden Zweifel schneller als Senna, hat aber ein Jahr aussetzen müssen und in Sachen Entwicklung ist er sicher auch nicht sonderlich erfahren. Renault hat sich zwar einen bemerkenswert großen Stall von Ersatzfahrern aufgebaut, aber die Piloten sind zum Teil nur als Testfahrer gedacht, zu jung oder zu unerfahren. Senna und Grosjean hat man auch eher engangiert, um Vitaly Petrov Feuer unterm Hintern zu machen. Bleibt die Lösung, einen neuen Piloten zu engagieren.

Eric Boullier wird nichts anderes übrig bleiben, als sich auf dem Markt umzusehen. Dabei gibt es allerdings nur zwei logische Ersatzfahrer für Kubica.

Nick Heidfeld
Trotz guter Ergebnisse bei Sauber wurde er zugunsten von Sergio Perez fallen gelassen und sucht ein Team. Offenbar gab es keine vernünftigen Angebote, bzw. keine Anfragen. Er gilt als guter Entwickler, hat aber Schwächen in der so wichtigen Qualifikation. Dafür stimmt sein Speed im Rennen und er gilt als jemand, der so reifenschonend unterwegs ist, was angesichts der in diesem Jahr schneller zerfallenden Pirellis ein Vorteil sein wird. Meiner Meinung nach der im Moment beste Ersatz für Kubica.

Pedro de la Rosa
So schlecht, wie man ihn letztes Jahr teilweise eingeschätzt hat, war er nicht. Er wirkte aber in der Saison nach der langen Rennpause etwas eingerostet, und Kobayashi stahl ihm mehrfach die Show. Ein umsichtiger Pilot, dazu einer, der den Wagen nicht an jeder Ecke weg wirft. Also ein guter Punktelieferant. Sein Plus: Seit dem Oktober testet er für Pirelli die Reifen, kennt also die unterschiedlichen Mischungen bestens. Allerdings ist dieser Wissensvorteil sicher schnell aufgebraucht.

Vitantonio Liuzzi
Seit seinem Rauswurf bei Force India zu haben. Er scheint überraschenderweise bei Renault durchaus ein ernsthafter Kandidat zu sein, wenn man die Gerüchteküche so hört. An seinen guten Tagen hat er Top Ten Format, doch die sind ja eher selten, daher würde es mich wundern, wenn man ihn verpflichten würde.

Kimi Räikkönen
Der Name fällt tatsächlich in Medienkreise, aber halte ich für völlig ausgeschlossen. Zum einen gab es im Dezember dieses merkwürdige PR-Geschacher zwischen Renault und seinen Management, zum anderen hat er vermutlich schlicht und ergreifend keine Lust. Zu dem gilt er nicht das guter Entwickler und hat ebenfalls das Problem, dass er ein Jahr Pause hinter sich hat. Sicher, ein hochmotivierter Räikkönen in einem guten Wagen ist vermutlich ein Siegkandidat, aber wer glaubt ehrlich, dass sich Räikkönen dazu noch einmal aufraffen möchte?

Wie man es dreht und wendet – Heidfeld scheint die logische Alternative zu sein, wenn man die Saison nicht komplett abschreiben möchte. Immerhin hat man einige Millionen in den neuen Wagen investiert. Auf der anderen Seite könnte Renault auch das Risiko gehen und es mit Grosjean oder Senna versuchen. Kubica kann man eh nicht ersetzen, schon gar nicht dessen Fähigkeit auf einer schnellen Runde den Wagen komplett auszuquetschen. Aber vielleicht überrascht ja Grosjean, in dem er seine Chance nutzt und seinen sicher vorhandenen Speed umsetzt.

Klar ist, dass die Entscheidung schnell fallen muss, die Testwochen der Formel Eins gehen schon am Donnerstag weiter.

December 12 2010

08:32

F1 Saisonrückblick: Die Fahrer

Wie in jedem Jahr gibt es auch 2010 einen zweiteiligen Saisonrückblick, den nach Fahrern und Teams aufgeteilt ist. Teil Eins: Die Fahrer.

Die Liste der Fahrer, denen zu Beginn der Saison Chancen auf den WM-Titel zugesprochen wurde, war eigentlich recht übersichtlich. Doch tatsächlich entwickelte sich die Saison auf einem viel höheren Niveau, als man das erwartet hatte. Weil viele WM-Aspiranten patzten, erweiterte sich der Kreis der Kandidaten zeitweise auf sechs Mann. Die Menge an Fahr- und Strategiefehlern war erstaunlich hoch. Manche sagen, dass das nicht gerade für das Niveau des im Grunde recht jungen Fahrerfeldes spricht. Ich bin eher der Meinung, dass der Druck dieses Jahr erstaunlich in den Top Teams sehr hoch war. Zum einen lag das an den Teamduellen (Red Bull, McLaren Mercedes) zum anderen lag das Feld sehr eng beieinander, was zu meist spannenden Rennen führte. Nicht schlecht für eine Saison, von der man nicht viel erwartet hatte. In diesem Jahr gab es einige Fahrer, die die Erwartungen erfüllten, aber auch etliche, die nicht überzeugen konnten. Die folgende Aufstellung richtet sich nach der WM-Wertung.

1. Sebastian Vettel
Wenn man am Ende einer Saison Weltmeister ist, dann hat man alles richtig gemacht. Aber ähnlich wie bei Lewis Hamilton 2008, ist beim Vettel noch deutlich Luft nach oben, was seine fahrerischen Qualitäten angeht. Und das allein sollte seinen Gegnern schlechte Laune machen. Ein bekanntes Problem bei Vettel ist seine oftmals zu stürmische Fahrweise. Seine Unfälle mit Webber in der Türkei und Button in Spa waren zwei deutliche Zeichen. Eigentlich hatte man erwartet, dass Vettel nach den Unfällen im Vorjahr (Kubica in Australien) etwas ruhiger sei, aber der Druck im Red Bull Team führte dann unter anderem auch wieder dazu, dass Vettel hier und da etwas hektisch wurde. Eine weitere Sache, die man Vettel vor allem in den britischen Medien ankreidet, ist der Umstand, dass er bisher auf der Strecke nicht wirklich gezeigt hat, dass er überholen kann. Tatsächlich ist das aber Quatsch, denn in Silverstone zeigte er sehr wohl, dass er keine Kompromisse macht. Seine Manöver gegen Adrian Sutil machte das mehr als deutlich. Seine Stärke liegt vor allem in der Quali, wo er meiner Meinung nach im Moment kaum zu schlagen ist. Bekannt ist, dass Webber ja nun auch nicht gerade einschläft, die Messlatte ist also gegeben.

2. Fernando Alonso
Dass der Spanier mit einem zeitweise völlig unterlegenen Ferrari bis zum letzten Rennen um die Meisterschaft fahren konnte, sagt eigentlich schon alles über ihn aus. Egal, in welchem Wagen er sitzt, man darf ihn nie abschreiben. Seine Stärken haben sich in den letzten Jahren, vielleicht auch durch die eher demotivierenden Jahre bei Renault, etwas abgeschliffen, aber sie sind immer noch da. Egal ob eine schnelle Runde, oder eine konsequente Hatz auf einen Sieg. Wenn Alonso eine Chance wittert, dann ist er da. Etwas überraschend waren dieses Jahr seine Aussetzer. Der Fehlstart in China mag technisch bedingt gewesen sein, seine Abflüge in Monaco und Spa waren es jedoch nicht. Diese Fehler haben mich überrascht, auf der anderen Seite zeigten sie auch, dass ein so scheinbar kontrollierter Alonso seine Nerven auch nicht immer im Griff hat. 2011 wird man ihn vermutlich noch stärker sehen. Massa hat er zum 1b abgekanzelt und Ferrari wird den Wagen und das Team weiter um Alonso herum bauen.

3. Mark Webber
So ein bisschen ist Webber 2010 ja “Meister der Herzen”. Nicht, weil er die bessere Performance hatte, aber dem seit 10 Jahren mehr oder weniger chronisch erfolglosen Australier hätte man den Titel ebenso gegönnt, wie man das im letzten Jahr bei Jenson Button getan hat. Im Gegensatz zu Vettel hat sich Webber durch die Hinterstube der Formel Eins arbeiten müssen, auch wenn er bei Williams dann einiges an Leistung vermissen ließ. Dass er in der ersten Saisonhälfte Vettel teilweise im Griff hatte, ist schon sehr bemerkenswert und ich hatte das so nicht erwartet. Webber fehlten am Ende aber zwei Dinge zum Titel. Zum waren seine Leistungen in der Quali vor allem am Saisonende zu schwankend, zum anderen machte er seinen Fehler zum schlechtesten Zeitpunkt. Jeder Fahrer hatte 2010 mal einen Aussetzer, doch im drittletzten Rennen sollte man ihn nicht haben. Ob er 2011 noch mal die Motivation aufbringen wird?

4. Lewis Hamilton
Seit dem der Brite in der Formel Eins ist, hat er in jeder Saison für Furore gesorgt. Seine meist ziemlich kompromisslose Fahrweise hat sich in den 4 Saisons, in denen er nun schon unterwegs ist, nicht geändert. Für ihn gilt, was ich auch über Alonso geschrieben habe. In diesem Jahr schien er mir aber nicht immer auf der Höhe seiner Leistungsfähigkeit zu sein. Er machte keinen großen Fehler, fiel aber in vielen Rennen nicht weiter auf. Eine seiner Schwächen scheint im Moment die Fähigkeit zu sein, im richtigen Moment die richtige strategische Entscheidung zu treffen. Jenson Button hat ihn da teilweise vorgeführt. Auch war sein Speed im Rennen nicht immer ganz so, wie man das erwarten würde. Mir fehlte da teilweise der richtige Biss, auch wenn er bis zum letzten Rennen um die WM fahren konnte.

5. Jenson Button
Für mich die Überraschung des Jahres. Jeder hatte damit gerechnet, dass Hamilton ihn demütigen würde, aber davon war wenig zu sehen. Zwar hat Button immer noch die schwächere Qualifikation, aber im Rennen sieht die Sache dann wieder völlig anders aus. Seine Konstanz über die Distanz ist bemerkenswert und so gut, dass er damit seinen Ingenieuren erlaubt, ein wenig mit der Strategie zu spielen. Während Hamilton meist einen Peak im Rennen hat, bleibt Button bis zum Schluss auf einem Niveau. Hamilton dürfte überrascht gewesen sein, ebenso wie der Rest der Welt, mich eingeschlossen. Neben seiner Quali-Schwäche ist im diesem Jahr aber auch wieder aufgefallen, dass es Rennen gibt, in denen er scheinbar lustlos unterwegs ist (Italien/Deutschland). Button wird sehen müssen, dass er die drei Zehntel, die Hamilton in der Quali vorne ist, 2011 aufholen kann. Mit den stabileren Vorderreifen von Pirelli stehen die Chancen dafür nicht schlecht.

6. Felippe Massa
Mal wieder die tragische Figur des Jahres, aber auch mal wieder eine typische Massa-Saison. So richtig in Schwung ist er nie gekommen, nachdem man ihm den Sieg in Hockenheim geklaut hat, hat seine Psyche vermutlich einen kleinen Knick bekommen. Viele meinen, dass er den Unfall aus dem letzten Jahr nicht gut verkraftet hat, aber vermutlich ist es so, dass er sein altes Niveau wieder erreicht hat, nur ist Alonso halt ein anderes Kaliber. Es gibt Strecken, da ist Massa dran, auf anderen hat er keine Chance. Das er in diesem Jahr nur auf Platz 6 gekommen ist, hat sicher etwas mit der Strategie von Ferrari zu tun, aber es ist ihm auch nicht gelungen sich in eine Position zu manövrieren, die Ferrari die Entscheidung schwerer gemacht hätte. Anders gesagt: Er ist zu langsam gewesen und das in allen Belangen. Das wird 2011 auch nicht anders sein.

7. Nico Rosberg
Neben Button vermutlich der Fahrer, den man am meisten unterschätzt. Die Häme (“Britney”) die er so kassieren muss, dazu seine, auf den ersten Blick, bescheidenden Ergebnisse, verführen dazu, dass man ihn nicht ernst nimmt. Ich bin da anderer Meinung. Er hat, trotz aller kleinen Psychospielchen, Schumacher in diesem Jahr locker im Griff gehabt, er hat kaum Fehler gemacht und ohne ihn wäre das Comeback von Mercedes in der Formel Eins desaströs gewesen. Intern gilt Rosberg als einer der besten Qualifier, manche setzten ihn auf das Podest von Vettel und Hamilton. Richtige Schwächen sind schwer zu finden, denn der Rennspeed des Mercedes war nun nicht gerade dafür geeignet, dass er sich auszeichnen konnte. Im direkten Duell mit Schumacher hat jedenfalls auch im Rennen nicht verloren. Bleibt hat die Frage: Ist Rosberg so gut, weil Schumacher so schlecht ist?

8. Robert Kubica
Auch in diesem Jahr bin ich aus dem Polen mal wieder nicht schlau geworden. Im Grunde ist er schnell, sein Quali-Speed ist mit dem eher lahmen Renault schon bemerkenswert gut. Auch seine Konstanz im Rennen ist auffallend hoch. Aber so richtig, so durch und durch, hat er mich bis heute nicht überzeugt. Irgendetwas fehlt mir bei ihm, ich kann es nicht genau benennen. Nun ist der Renault auch in diesem Jahr nicht der Wagen gewesen, mit dem man gut überholen konnte, aber auch in den Jahren zu vor fand ich seine Leistung im Rennen immer etwas blass. Vielleicht vertue ich mich, deswegen hätte ich es gern gesehen, wenn Kubica bei McLaren oder Ferrari angedockt hätte. 2011 bleibt er aber bei Renault, und vermutlich wird es dort so weiter gehen, wie in diesem Jahr.

9. Michael Schumacher
Dass Schumacher nicht ins Auto steigt und alles in Grund und Boden fährt, war schon vor der Saison klar. Zu lang war die Pause, zu schlecht war der Mercedes schon bei den Testfahrten. Erstaunlich war es aber, dass der Ex-Meister im Laufe der Saison seinen Rückstand auf Rosberg nicht verkürzen konnte. Mal waren es 5, mal waren es 3 Zehntel, aber in dem Bereich blieb bis fast zum Ende der Saison. Interessanterweise wurde er just ab dem Moment besser, an dem Mercedes den Wagen nicht mehr weiter entwickelte. Und da zeigte sich dann, was Schumacher braucht: Viel Zeit zum Testen, viel Zeit, um den Wagen auf sich einzustellen. Wenn ihm aber der Wagen eh schon nicht passt und wenn dann dazu jede Woche noch viele Updates kommen, schwimmt er offenbar ein wenig. Das ist einerseits etwas erstaunlich, denn seine Erfahrung sollte das ja ausgleichen, andererseits hat er bei Ferrari ja immer bis zum Umfallen testen können, was er jetzt nicht mehr darf. Ich bin extrem gespannt, wie das 2011 ausgehen wird.

10. Rubens Barrichello
Der alte Mann und die Formel Eins. Was soll man zu Barrichello noch sagen. Irgendwie würde etwas fehlen, wenn er nicht dabei wäre und seine Leistungen zeigen, dass er immer genug Speed für gute Ergebnisse hat. Hülkenberg hatte er während der gesamten Saison im Griff, sein technischer Input dürfte auch dazu beigetragen haben, dass das Team in diesem Jahr nicht wie üblich ab Saisonmitte im Nirwana verschwunden ist. Also noch mal 20 Rennen mehr für den Brasilianer.

11. Adrian Sutil
Sutil ist, wie viele F1 Piloten, sehr wechselhaft, was seine Leistungen angeht. Mal ist er sensationell unterwegs (Silverstone), mal nimmt er alles mit, was nicht rechtzeitig aus dem Weg fahren kann (Korea). Er wird immer mal wieder mit einem Top-Team in Zusammenhang gebracht, aber wirklich aufdrängen tut er sich nicht. Gleichzeitig ist sein Problem aber, dass er mittlerweile schon zu lange bei Force India und deren Vorgängern ist. Es wäre mal an der Zeit, dass er in einem anderen Team zeigt, was ihn auszeichnet, aber offenbar gibt es da für ihn keine lockenden Angebote. In diesem Jahr hat er sicher unter der fehlenden Entwicklung des Wagens gelitten, aber vor allem am Saisonende zeigte ihm Liuzzi hier und da sein Heck, was ja schon etwas überraschend ist. Die Rolle des Teamleaders steht Sutil zudem auch nicht so wirklich. Will er wirklich was erreichen, muss er sehen, dass er mehr zeigt, als das, was er 2010 abgeliefert hat.

12. Kamui Kobayashi
Der Mann, der von außen betrachtet, kaum über Lenkrad schauen kann, hat in diesem Jahr den meisten Spaß abgeliefert. Seine sensationellen und knochentrockenen Überholaktionen haben die Fans mehr als einmal vor Freude in die Hände klatschen lassen. Und das alles in einem Sauber, der nicht wirklich gerade auf der Höhe der Zeit war. Und seine beiden Teamkollegen, de la Rosa und Heidfeld, hat er relativ eindeutig übertrumpft. Kein Zweifel, Peter Sauber hat da den vermutlich besten japanischen F1 Piloten, den es jemals gegeben hat. Seine Schwächen sind bekannt: hier und da etwas optimistisch, mangelnde Erfahrung. Wenn es ihm gelingt, das abzustellen, ohne den Speed zu verlieren, dann werden wir noch viel Spaß mit ihm haben.

13. Vitaly Petrov
Wenn in dieser Saison irgendwann mal in einem Sektor “Gelb” gezeigt wurde, lag man mit dem Tipp “Senna oder Petrov” nie schlecht. Der Russe zeigte in etwa das, was man von ihm schon aus der GP2 gewohnt war. Ein paar brauchbare Rennen, ein, zwei Highlights, den Rest der Zeit stand er neben der Strecke oder fiel nicht weiter auf. Eine echte Steigerung konnte man bei Petrov nicht sehen, auch wenn die letzten Rennen von ihm schon etwas besser liefen. Während man aber zum Beispiel bei Hülkenberg eine steile Lernkurve sehen konnte, fiel die beim Russen deutlich flacher aus. So richtig empfohlen hat er sich für eine weitere Saison bei Renault, die ja nun jeden Punkt brauchen, nicht wirklich. Auf der anderen Seite: Wenn er im nächsten Jahr etwas konstanter unterwegs sein sollte, ist er zumindest ein Kandidat für Punkte.

14. Nico Hülkenberg
Zäher Start, sensationelles Ende. Die Entwicklung, die zwischen beiden Polen liegt, konnte man beim Deutschen in diesem Jahr sehr gut beobachten. Zu Beginn ging gar nichts, weder in der Quali, noch im Rennen, doch im Laufe der Saison steigerte er sich in beiden Punkten. Seine Pole in Brasilien entstand mit etwas Glück, aber fahren muss man so was ja auch erst einmal. “The Hulk” ist ein mir als kluger Pilot aufgefallen. Wenig Fehler, allerdings manchmal etwas Probleme im Rennen. Er fährt vorausschauend und die Dinge, die ihm Barrichello beigebracht hat, dürften nicht geschadet haben. Umso bedauerlicher, dass Williams ihn mit Maldonado ersetzt, denn Hülkenberg bleibt dann nur die Rolle als Testfahrer bei Mercedes oder ein Platz bei Virgin, bestenfalls Force India.

15. Vitantonio Liuzzi
Meine Meinung über ihn hat sich seit seiner Zeit bei Toro Rosso eigentlich nie geändert. Er ist nicht sonderlich schnell, es fehlt ihm vor allem in der Qualifikation an Speed. Im Rennen fällt er selten auf, meist schwimmt er im Rennen nur so mit. Überholmanöver? Auffallende Rennen? Ich kann mich an keins erinnern. Sein sechster Platz in Korea war immerhin mal ein Lichtblick, den er aber der Ausfallorgie zu verdanken hatte. Kein Fahrer, den ich 2011 vermissen würde.

16. Sebastian Buemi
Es ist nicht leicht die Leistung des Schweizers zu beurteilen, da sein Team in diesem Jahr keinen guten Eindruck gemacht hat. Nominell war er besser als der Kollege Alguersuari, aber richtig aufgedrängt hat er sich in diesem Jahr auch nicht. Anders gesagt: Dafür, dass er schon seine zweite Saison gefahren hat, blieb er erstaunlich blass. Da wird 2011 deutlich mehr kommen müssen.

17. Pedro de la Rosa
Der Spanier war sicher gehandicapt durch den schlechten Wagen, den er zur Verfügung hatte. Auf der anderen Seite fand ich es doch erstaunlich, dass er nach seiner sehr langen Pause als Einsatzfahrer von Anfang an so gut unterwegs war. Zwar konnte er Kobayashi nicht übertrumpfen, aber fiel auch nicht ab. Die Performance im Rennen ließ aber zu wünschen übrig und auch als der C29 besser lief, steigerte sich de la Rosa nicht. Seine Auswechslung war vertretbar, aber es gab deutlich schlechtere Piloten in diesem Jahr.

18. Nick Heidfeld
Nach fast einem Jahr Pause wieder in einen Wagen zu steigen war sicher nicht leicht, zumal er bei Mercedes kaum gefahren ist. Dass er gleich auf das Niveau von Kobayashi kommen konnte musste man erwarten, leider war die Zeit bei Sauber zu kurz, um zu sehen, ob er hätte mehr leisten können. Für Heidfeld neigt sich die Zeit in der F1 dem Ende zu. Er hat die Ansprüche, die man an ihn gestellt hat, nie erfüllt, dazu drängen eine ganze Menge neuer Leute in die Serie. Ich kann mir aber gut vorstellen, dass er in einem LMP eine gute Figur machen kann. Seine Stärken liegen im Rennen und in der Distanz, also eigentlich perfekt für Langstreckenrennen.

19. Jami Alguersuari
Für den Spanier gilt im Prinzip das, was auch für Buemi gilt: Schwer einzuschätzen. Vom Gefühl her halte ich Alguersuari für den schnelleren der beiden, aber wirklich unterstützt hat er mein Gefühl nicht. Auch hier gilt, dass man die Saison 2011 abwarten muss. Ich traue ihm aber mehr zu, als er bisher gezeigt hat. Das Toro Rosso mit Ricciardo einen schnellen Mann verpflichtet hat, der in allen Freitagssessions unterwegs sein wird, dürfte die Sache interessant machen.

20. Heikki Kovalainen
Nach dem Rauswurf bei McLaren, wo er Hamilton nur hinterher fahren konnte, war klar, dass er eben nicht zu den allerschnellsten im Feld gehört. Trulli, nun auch nicht mehr der Jüngste, schlug ihn 2010 regelmäßig in der Qualifikation, im Rennen lagen beide allerdings oft gleichauf. Das Kovalainen noch eine Saison bei Lotus dranhängen darf ist etwas überraschend, ich hatte damit gerechnet, dass Fernandes sich für jemanden der Kategorie Heidfeld entscheiden würde. Kovalainen bleibt ein guter Mittelklasse Pilot.

21. Jarno Trulli
Sein Problem ist weiterhin der Speed über eine gesamte Renndistanz. Im Training ist er weiter einer Besten, im Rennen fehlt ihm dann oft die Konstanz. Das fällt im Lotus nicht ganz so sehr auf wie noch bei Renault oder Toyota, aber auffallend ist es doch. Lotus hält an ihm fest, weil er in der Lage ist, den Wagen in der Quali wie eine Zitrone auszupressen, was ihn vielleicht mal in Q2 und mit viel Glück in Richtung Punkte bringen könnte.

22. Karun Chandok
Der vermutlich mit Abstand witzigste und charmanteste Pilot im Paddock. Leider auch einer langsamsten. Immerhin, dass sollte nicht untergehen, hatte er Bruno Senna so gut im Griff, dass er, obwohl seit dem GP von Deutschland nicht mehr im Einsatz, wegen der besseren Plätze noch vor Senna in der WM liegt. Er hätte schon eine weitere Saison verdient, vielleicht würde die wachsende Erfahrung auch dafür sorgen, dass sich seine Grundschnelligkeit verbessern würde.

23. Bruno Senna
Um es klar zu sagen: Senna ist nicht gleich Senna. Der Neffe hatte weder in der britischen F3 noch in der GP2 auch nur ansatzweise das Talent, das sein Onkel hatte. Und er wird in diesem Leben auch nicht mehr schneller werden.

24. Luca di Grassi
Der hat mich in diesem Jahr ehrlich gesagt enttäuscht. Ich habe ihn auf Grund seiner guten GP2 Ergebnisse für jemanden gehalten, der mehr drauf hat. Aber Timo Glock, dessen Speed man auch nur schwer einschätzen kann, hat ihm klar die Grenzen aufgezeigt. Weder im Rennen, noch in der Quali konnte di Grassi zeigen, dass er mehr drauf hat. Vermutlich wird er durch D’Ambrosio ersetzt.

25. Timo Glock
Sein rätselhafter Wechsel zu Virgin macht es schwer ihn einzuschätzen. Bekannt ist, dass er in der Quali Schwächen hat, seine Rennen aber immer sehr gut waren. In diesem Jahr hatte man den Eindruck, dass es genau umgekehrt war. In der Quali gut, im Rennen selten vor den Lotus. Er hat sich im Moment bei Virgin fest gefahren und wird dort zeigen müssen, was er kann.

26. Sakon Yamamoto
Immerhin war der Japaner, der aus dem Nichts bei HRT auftauchte, nicht so langsam, wie befürchtet. In der Quali machte er Senna sogar das Leben ein wenig schwer, im Rennen war die Sache dann klar. Positiv fiel mir nur auf, dass er, trotz mangelnder Erfahrung und einem bockigen HRT, selten von der Strecke flog.

27. Christian Klien
Wenn er im Auto saß, war er schneller als Senna, Chandok oder Yamamoto, was allerdings nicht wirklich ein Gradmesser ist. Dass er nicht langsam fährt, ist bekannt, nur wie gut er wirklich ist, kann man mangels Vergleich keiner sagen. Besser als Glock oder Kovalainen? Vielleicht. Besser als Kobayashi oder Hülkenberg? Wohl eher nicht.

September 08 2010

05:47

Ferner liefen: Die Newshappen

# Karun Chandok hatte am letzten Wochenende die Ehre, die ersten Runden in einem Formel Eins auf der neuen Strecke in Korea zu drehen. Es wird viel spekuliert, ob man rechtzeitig zum Rennen überhaupt fertig wird, und nach Ansicht des Videos sind die Zweifel nicht gerade kleiner geworden. Wie man sehen kann, fehlt noch mindestens eine Asphaltlage, die Curbs und die gesamte Infrastruktur um die Strecke herum. Tribünen gibt es bisher nur an Start/Ziel. Nun sind Tribünen nicht das Problem, die kann man in einer Woche provisorisch erreichten. Weitaus schlimmer wiegt die Tatsache, dass auch vieles um die Strecke nicht fertig erscheint. Die FIA, die den Abnahmetermin eh schon in einem Verstoss gegen die eigenen Regeln weit nach hinten geschoben hat, will die Strecke nun endgültig um den 22.09 abnehmen. Keine Ahnung, wie so eine Abnahmeprozess aussieht, aber ich vermute mal, die FIA wird sehr oft beide Augen zumachen müssen. Der Kurs selber sieht zwar nicht schlecht aus, Überholmöglichkeiten gibt es aber nur am Ende der langen Geraden. (Don)


# Kamui Kobayashi, der in seiner kurzen F1-Laufbahn immer schon zwei schöne Spitznamen aufgesammelt hat (Kamikazeyashi und Cowboyyashi) wird auch 2011 für Spektakel sorgen. Das unbestritten größte Talent Japans seit Jahrzehnten wird auch weiter bei Sauber an den Start gehen. Wie es mit Pedro de la Rosa weitergeht, ist allerdings völlig unklar. Weder sein Input noch seine Ergebnisse scheinen eine Weiterverpflichtung zwingend erforderlich zu machen. Sponsoren hat er ja nun auch nicht gerade mitgebracht. Die Gerüchteküche vermeldet, dass Nick Heidfeld wieder bei Peter Sauber andocken könnte. (Don)

# Vielleicht kommt es aber auch anders: Peter Sauber wollte nämlich am Wochenende im Gespräch mit formula1.com auch nicht dementieren, dass er mit dem mexikanischen Milliardär Carlos Slim, dem angeblich reichsten Mann der Welt, über einen Sponsorenvertrag verhandelt. Dessen Telekommunikationsunternehmen Telmex unterstützt seit geraumer Zeit zwei große mexikanische Talente: Den zweiten der aktuellen GP2-Wertung, Sergio Pérez und GP3-Überflieger Esteban Gutiérrez. Sollte der Deal tatsächlich zustande kommen, wären die beiden wohl heiße Kandidaten auf das zweite Cockpit. Gutiérrez hat sogar schon einmal für Sauber getestet – als Belohnung für den Formel BMW-Titel 2008. (Vorsicht)

# Die letzten Reifensätze, die Bridgestone in ihrer Eigenschaft als F1-Ausrüster mit an die Strecke nehmen wird, werden wie folgt aussehen:

Italien: Soft & Hard
Singapore: Super Soft & Medium
Japan: Soft & Hard
Korea: Soft & Hard
Brasilien: Super Soft & Medium
Abu Dhabi: Super Soft & Medium

Mutig erscheint vor allem die Wahl für Brasilien. Wenn es da heiß ist, dürften einige Teams schwere Kopfschmerzen bekommen. (Don)

# Die Spatzen pfeifen von den Dächern, dass sich die FIA wohl entschieden hat, im kommenden Jahr keinem weiteren Formel 1-Team die Starterlaubnis zu erteilen. Demnach habe letztlich keiner der drei Bewerber (Epsilon Euskadi, Villeneuve-Durango und Stefan F1) die notwendige Kombination aus technischen Fähigkeiten und finanzieller Unterstützung präsentieren können. Klarheit wird es vielleicht schon in ein paar Stunden geben, wenn der FIA -Weltrat die Ergebnisse seiner heutigen Sitzung veröffentlicht. (Vorsicht)

# Pirelli wird vermutlich in der GP2 und in der F1 die gleichen Reifenmischungen einsetzen. Wenn sie das machen, dürfte die Nachfrage nach den Daten bei den GP2 Team rasant ansteigen. (Don)

# Wenn man sich das NASCAR-Fahrerfeld so anschaut fällt einem auf, dass es im Sprintcup kaum hispanische, farbige oder weibliche Fahrer gibt. Dies ist anscheinend auch den NASCAR-Offiziellen beim Betrachten der Entry-Lists ins Gedächtnis gerufen worden. Nicht, dass es ein neues Problem wäre, aber man könnte es mal angehen. Die Diskussionen in Charlotte dazu dürften in etwa so ausgesehen haben:

NASCAR-Marketing-Mensch-1: Hey wir haben den Auftrag für mehr hispanische, farbige und weibliche Fahrer in die NASCAR zu sorgen. Allerdings müssen wir das auch gut vermarkten können, denn unsere TV-Ratings sinken, wir brauchen neue Zuschauerschichten.
NASCAR-Marketing-Mensch-2: Das heißt wir brauchen etwas neues, innovatives, marketing-starkes mit dem wir hispanische, farbige und weibliche Fahrer in die NASCAR holen können, mmh. Ich habs wir machen eine TV-Show!
NASCAR-Marketing-Mensch-1: Ja genau und zwar Reality-Tv, eine CASTING SHOW mit hispanischen, farbigen und weiblichen Nachwuchsfahrern!
NASCAR-Marketing-Mensch-2: Super Idee!

Ähm ja oder auch nicht. Das Format “Changing Lines” sieht folgendermaßen aus: 10 farbige, weibliche und hispanische Nachwuchsfahrer aus dem “NASCAR’s Drive for Diversity Programm” treten gegeneinander an, wo sie um 4 Plätze in einem Team konkurrieren. In welcher Serie konnte ich leider nirgendwo finden. Sie leben zusammen in einem Haus und werden einer nachdem anderen eliminiert. Das Grundkonzept dahinter ist die Hoffnung, dass so Sponsoren auf die Talente aufmerksam werden und sie unterstützen. Ausgestrahlt wird das Format übrigens nicht auf ESPN, Versus oder einem anderen Sports Network sondern auf dem Sender BET. BET steht für Black Entertainement Television und ist hauptsächlich ein Musiksender für afro-amerikanische Bevölkerungsgruppen in den USA. Ich bezweifel stark, dass dieses Konzept aufgeht.Quelle</a> . (Link gefunden bei <a href=" http:="" plugins="" wordpress="" wordpress-feed-statistics="" wp-content="">www.allesaussersport.de) (Chaos)

# Freude bei Traditionalisten: 2011 werden die Indycars wieder auf der Milwaukee Mile Station machen. Wie die Autoweek recherchiert hat, wird der Deal wohl am kommenden Freitag bei der Präsentation des neuen IRL-Kalenders bekannt gegeben. Vermutlich werden dabei nur 16 der 17 geplanten Rennen vorgestellt: Wo das Saisonfinale stattfinden soll, ist nämlich noch unklar – CEO Randy Bernard verhandelt seit geraumer Zeit mit Las Vegas, als Ausweichmöglichkeit würde sich aber auch Fontana anbieten. Die sonstigen Änderungen am Kalender: Watkins Glen, Chicagoland, Kansas und Homestead fliegen raus. Baltimore, New Hamshire, Milwaukee sowie das angesprochene Saisonfinale sind dafür neu dabei. (Vorsicht)

# Die Kollegen von den TouringCarTimes berichten, dass SEAT 2011 wieder werksseitig in der WTCC einsteigen könnte. Als Antrieb würde dabei ein 1.6 Liter Turbomotor fungieren – und zwar der gleiche, den auch Schwestermarke Skoda in der IRC einzusetzen gedenkt. Wie von Don schon erwähnt, hat auch BMW in Oschersleben bestätigt, dass man den Kundenteams im kommenden Jahr einen 1.6 Liter Turbo samt Umbau-Kits bereitstellen wird. Noch nicht entschieden ist dagegen, ob die Münchner im kommenden Jahr auch ein Werksteam an der Start bringen werden. (Vorsicht)

# Wegen der Motorenumstellung soll es für die Teams im kommenden Jahr etwas mehr Vorbereitungszeit geben, als sonst: Wie motorsport-total.com in Erfahrung gebracht hat, wird die Saison 2011 erst am 20. März in Brasilien beginnen. Danach folgt Argentinien und der Beginn der Europa-Tournee. Marrakesch ist im Juni geplant, auch Oschersleben behält sein Rennen. Neu: Aller Wahrscheinlichkeit wird der drittletzte Lauf der Saison am Guandong International Circuit in China ausgetragen, bevor es dann weiter nach Japan (Suzuka) und zum traditionellen WM-Abschluss in Macao geht. (Vorsicht)

August 30 2010

06:07

Formel Eins: Analyse Spa 2010

Der Regen hielt sich in Belgien in Grenzen und würfelte das Feld nur in Maßen durcheinander. Red Bull muss sich Gedanken machen, was man jetzt mit Vettel anstellen möchte.

Das McLaren mit den gemischten und kühlen Bedingungen in Spa am besten zurecht kam, zeichnete sich schon am Freitag ab. Auch das Red Bull nicht das beste Wochenende habe würde, war schnell klar, und so kam die Pole von Webber etwas überraschend. Noch überraschender war allerdings die Tatsache, dass Vettel am gesamten Wochenende relativ schlecht unterwegs war. Aus irgendwelchen Gründen schien er ausgerechnet auf der Fahrerstrecke größere Probleme zu haben. Ob es an einer schlechten Abstimmung lag oder daran, dass Red Bull auf Grund der neuen Flügeltests der FIA doch etwas verändern müsste, ist schwer zu sagen und wird sich wohl auch erst auf den Strecken zeigen, die mehr Downforce verlangen, was Singapur sein wird. Aber auch ansonsten machte Vettel einen angeschlagenen Eindruck.


Der Unfall mit Button war vermeidbar und unnötig. Natürlich muss er es versuchen, sonst könnte er auch gleich zu Hause bleiben, aber die Art und Weise, wie er das Überholmanöver ansetzte, war, wie Eddie Jordan es bei der BBC ausdrückte, unüberlegt. Zum einen fuhr er zu dicht auf, zum anderen verriß er den Wagen in der Anbremszone zu stark. Dazu kam, so Vettel, eine leichte Bodenwelle, der den Wagen versetzte. Vettel hätte durchaus eine Chance gehabt an Button vorbei zu gehen, wenn er weiter außen etwas später angebremst hätte. Button musste die Schikane sehr spitz anfahren, Vettel hätte also mit mehr Schwung einlenken und sich neben ihn setzen können. Oder – was vermutlich noch besser gewesen wäre – er hätte einfach eine Runde warten sollen. Red Bull war im hinteren Streckenteil deutlich besser, dazu kam der leichte Regen. Das Vettel dafür dann auch noch eine Strafe bekommen hat, halte ich, nebenbei gesagt, für einen Witz. Es war ein normaler Rennunfall, kann passieren. Ebenso hätte man Liuzzi später bestrafen müssen, weil er Vettel den Reifen aufgeschlitzt hat.

Das Problem ist aber nicht das verunglückte Überholmanöver, sondern die Unüberlegtheit von Vettel. Wie in Istanbul hat er zu früh die Brechstange ausgepackt, anstatt weiter Druck auszuüben und auf einen Fehler von Button zu warten. Und der wäre bei den Bedingungen sicher gekommen. Wie man es besser macht, zeigte ausgerechnet Mark Webber hinter Kubica. Er war zwar etwas schneller als der Pole, hielt sich aber zurück und wollte seine Punkte nicht riskieren. Vettel lag zu diesem Zeitpunkt vor Webber, er hätte also Punkte gut machen können. Während Webber scheinbar auch in schwierigen Situationen, wie seinem verpatzten Start, einigermaßen ruhig bleibt, hat man bei Vettel oft das Gefühl, dass er zu viel erreichen will, auch wenn es unmöglich aussieht. Hinter Button zu warten wäre eine schlechte Option gewesen, aber immer noch besser, als bei einem wilden Bremsmanöver von der Strecke zu fliegen. Webber wirkt abgeklärter und überlegter, während Vettel immer mit dem Kopf durch die Wand will. Das kann in der sehr engen WM aber entscheidend sein und bei Red Bull dürften die Sorgenfalten groß sein. Nach dem Rennen liegt er 31 Punkte hinter Webber und wenn es in Monza wieder blöd läuft, kann er seine Titelchancen schon fast abschreiben. Red Bull, die den Deutschen lieber vorne sehen würden, werden mit wohl oder übel spätestens nach dem Ende der Europasaison schauen müssen, ob sie sich nicht auf Webber konzentrieren. Denn mit Singapur, Suzuka, evtl. Korea und mit Einschränkungen Brasilien und Abu Dhabi kommen Strecken, die dem Red Bull liegen sollten.

Ferrari war am Wochenende die Enttäuschung schlechthin. Alonso schien etwas neben der Spur, dazu haben die Italiener meiner Meinung viel zu hoch gepockert. Es war nicht sicher, ob es Sonntag wirklich komplett regnen würde. Alonso also auf eine Regen-Abstimmung zu setzen, war unnötig. Zum einen brachte ihm die Entscheidung den schlechten Startplatz ein, und damit in eine Region, wo es gerne mal kracht. Zum anderen hätte man lieber Massa auf Regen setzen sollen und bei Alonso mit den anderen Teams gehen müssen. So kam es dann, wie es kommen musste. Massa schwomm in dem von ihm nicht geliebten Regen auf Platz vier rum, Alonso wurde von Barrichello abgeräumt. Das erstaunlichste war noch, dass der Ferrari nach der heftigen Kollision überhaupt noch fuhr. Immerhin schlug sich der Williams das Vorderrad ab, als er Alonso auf den rechten Hinterreifen traf. Der Versuch von Ferrari, Alonso nach dem Crash mit Intermediates rauszuschicken, war dann nur noch pure Verzweiflung. Am Ende rundete der Abflug von Alonso das Wochenende des Spaniers dann ab, der seine Titelchancen damit auch fast begraben kann.

Besser machte es ausgerechnet Mercedes, die Regen hin oder her, beide Fahrer einfach stur draussen liessen. Dazu kam, dass Schumacher mal wieder einen seiner besseren Tage erwischt hatte und in dem Chaos der ersten Runde zusammen mit Petrov schon in Richtung Top Ten gespült wurde. Ab da konnte er allerdings nichts mehr tun, als abzuwarten. Bei dem drohenden Regen war das auch die beste Entscheidung. Man hatte nichts zu verlieren, weil es kühl war, hielten die harten Reifen problemlos durch, also hätte man theoretisch auch bis zu vorletzten Runden mit einem Reifenwechsel warten können. Der Poker ging dank des Regenschauers in den letzten 10 Runden dann auch auf, zu dem lieferten Schumacher und Rosberg sich zwei schöne Überholmanöver. Nico konnte seinen Teamkollegen am Ende allerdings nur überholen, weil der in der Eau Rouge hinter Yamamoto steckte. Rosberg hatte mehr Schwung, Schumacher machte allerdings auch nicht die Innenlinie auf der Kemmel Geraden dicht. Das Ergebnis war dann am Ende respektabel, aber man konnte auch sehen, dass die restlichen Rennen für Mercedes eher grauenhaft werden. In Monza dürfte man noch recht gut aussehen, danach wird es wohl düster, da Ross Brawn den Wagen nicht mehr weiterentwickelt.

Überraschend gut waren die Renault aufgestellt. Kubica verlor seinen zweiten Platz an der Box, Petrov nutzte das Chaos in den ersten Runden geschickt aus, und fuhr von Platz 24 auf Platz 10. Man wird sich nicht nur bei Renault fragen, wo man in der WM stehen würde, wenn man einen zweiten Fahrer hätte, der vernünftige Ergebnisse abliefern kann. Die zweite Frage ist auch: warum ist der Renault auf den Geraden so schnell, während der Red Bull quasi stehen bleibt? Die Antwort lautet vermutlich, dass der Red Bull deutlich mehr Abtrieb erzeugt und deswegen gerade in den schnellen Kurven so viel besser ist. Dafür liefert der Renault mehr mechanischen Grip, was bei nasser Strecke mehr bringt, als der reine aerodynamische Grip des Red Bull. Bei den Franzosen wird man sich die Frage stellen, ob man Petrov nicht doch mit einem schnellen und erfahrenen Mann ersetzt. Zur Wahl stehen Sutil, Glock und Heidfeld und es würde mich nicht wundern, wenn man sich für Sutil entscheidet. Der Deutsche wird langsamer als Kubica sein, aber er hat im Gegensatz zu Glock oder Heidfeld keine Quali-Schwäche, was bei dem gültigen Format der Serie extrem wichtig ist.

Aufgefallen ist mir noch eine mal wieder merkwürdige Strategieentscheidung von Williams. Barrichello war ja früh draussen, aber man hatte Hülkenberg auf Platz sieben. Plötzlich war der verschwunden, weil man recht früh die Reifen gewechselt hat. Normalerweise gehört Williams ja eher zu den Teams, die mit einem Reifenwechsel lange warten. Warum man ausgerechnet in Belgien auf einen frühen Stopp setzte, ist mir ein Rätsel. Hülkenberg hätte locker in die Punkte fahren können, denn der Speed war ja da, das konnte man in der Quali sehen.

Ansonsten:

- Sutil fuhr ein sauberes Rennen, konnte Massa aber nicht unter Druck setzen. Der fünfte Platz ist aber ein gutes Ergebnis

- Während Pedro de la Rosa bei Sauber nur auffiel, wenn er neben der Strecke war, lieferte Kobayahsi wieder ein gutes Rennen ab. Von Platz 17 gestartet, hangelte er sich auf den achten Platz. Bei Sauber wird man sich auch fragen, ob man de la Rosa noch eine zweite Saison geben wird. Der angeblich erfahrene Pilot hat gerade Mal 6 Punkte, während der Japaner 21 Zähler gesammelt hat. Und das trotz des schlechten Saisonstarts.

- Auch nicht gut sortiert war Sebastian Buemi, während Alguersuari nach der Zielflagge in den Punkten auftauchte. Allerdings wurde ihm der 10. Platz nach dem Rennen wieder aberkannt, weil er die Schikane abgekürzt hatte. Damit erbt Liuzzi den einen Punkt.

Im großen und ganzen war der erwartete, etwas chaotische Grand Prix, auch wenn das weniger am Regen lag. Das Rennen fand, bis auf die letzten Runden, ja mehr oder weniger im trockenen statt und so tat sich dann vorne auch dementsprechend wenig. Hamilton ausser bei den Restarts nie unter Druck und konnte sein Rennen relativ gelassen angehen.

In Sachen WM sieht es für den Moment so aus, als würde sich vorne ein Zweikampf zwischen Lewis Hamilton und Mark Webber entwickeln. Vettel fehlen 31 Punkte, Button 35 und Alonso 41. Da aber 25 Punkte für einen Sieg vergeben werden, kann es vorne schnell wieder eng werden. Zu dem steht Monza auf dem Programm, und da platzt ja schnell mal ein Motor.
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April 28 2010

08:00

Ferner liefen: Die Newshappen

// In der Reifenfrage für kommendes Jahr herrscht in der Formel 1 offenbar weiter Bewegung. Nachdem beim Rennen in Shanghai bereits bekannt wurde, dass sich neben Michelin auch Avon für den Reifenvertrag 2011 interessiert, scheint sich nun auch Pirelli wieder vorstellen zu können, in die Königsklasse einzusteigen. Bedingung wäre für die Italiener eine Beteiligung der Teams an den Entwicklungskosten. Wer auch immer den Zuschalg erhält: Die Reifen könnten im kommenden Jahr deutlich anders aussehen. Denn sowohl Michelin als auch Pirelli würden statt der derzeit verwendeten 13 Zoll-Felgen gerne seriennähere 18 Zoll-Räder einsetzen.

// Stefan GP hat sich offenbar von der fehlgeschlagenen Bewerbung für diese Saison erholt, und offiziell seine Bewerbung um einen Startplatz für 2011 bekannt gegeben. Und nicht nur das: Wie das serbische Team auf seiner neu designten Website verkündet, plant man auch einen Technologiepark samt F1-tauglicher Rennstrecke in der Nähe von Belgrad aus dem Boden zu stampfen. Wer einen “soft spot” für Underdogs hat, kann auf der Homepage außerdem am “We Want SGP”-Gewinnspiel teilnehmen, bei dem es darum geht, sich mit der entsprechenden Forderung an möglichst ausgefallenen Stellen fotografieren zu lassen.

// 2013 soll das Motorenreglement der Formel Eins verändert werden. Bisher riecht alles nach dem “Weltmotor”, eine 1.5 oder 1.6 Liter Turbomotor der für die nötige Leistung sorgen soll. Nun gibt es aber auch eine Eingabe von einem Projekt namens “Project 1221” eine Gasturbine zulassen zu dürfen. Es wäre nicht das erste Mal, dass man eine Turbine in der F1 einsetzt, allerdings liegt der letzte Versucht schon ein paar Jahre zurück. 1971 versuchte Colin Chapman mit dem Lotus 56B schon mal einen Versuch mit einer Turbine, was aber nicht zum gewünschten Erfolg führte. Schwer vorzustellen, dass die FIA der Eingabe zustimmt, aber der Vorteil der Turbine wäre, dass man mit Biosprit unterwegs sein könnte. Gleichzeitig würde man eine durchaus interessante technische Neuerung einführen.

// Offiziell startet die “Silly Season” in der F1 ja erst ab Monaco, aber es ist auch nach vier Rennen schon ne Menge los. Gerüchten zufolge soll sich Sauber nach einem “Pay Driver” umsehen. Namen werden da einige genannt, aber Sinn macht das nicht. Peter Sauber hat die nach eigenen Angaben die Saison 2010 durch finanziert, braucht also eher mal ein gutes Ergebnis, denn einen neuen Piloten. Bei Ferrari hieß es, dass Massa kurz vor einer Vertragsverlängerung stand, aber das scheint bei weitem nicht sicher zu sein. Luca di Montezemolo, nach seinem Rücktritt als Chef von Fiat mit deutlich mehr Zeit ausgestattet und sowieso heimlicher Teamchef von Ferrari (offiziell sitzt er nur im Aufsichtsrat), hat die Woche deutlich gemacht, das man alle Möglichkeiten auslotet, um Valentino Rossi in einen Ferrari setzen.

// Neue Spekulationen gibt es auch um die Zukunft des GP der USA: Angeblich soll Bernie Ecclestone daran interessiert sein, auf kurze Sicht mit der Formel 1 nach Indianapolis zurückzukehren, um später an den Meadowlands Komplex in New Jersey (mit Blick auf die Skyline von New York) zu übersiedeln. Die CART hat dort mal in den späten 80er-Jahren zwei ziemlich erfolglose Rennen veranstaltet – seitdem wurde das Gebiet aber von der Entertainment-Industrie besser erschlossen, so dass die Erfolgsaussichten diesmal etwas rosiger aussehen könnten.

// Die Veranstalter des “Super Carnivale” in Surfers Paradise haben neue Details zum für Oktober geplanten Rennen bekannt gegeben. Statt wie früher “große” Serien wie die Indycars oder die A1GP an die Goldküste zu locken, fährt man 2010 zwei 300km-Rennen mit den heimischen V8 Suprcars. International wird es trotzdem zugehen: Denn die Fahrer müssen sich die Cockpits in beiden Rennen mit bekannten Piloten aus anderen Rennserien teilen. Vergangene Woche wurden 18 Fahrer bekannt gegeben, die bereits zugesagt haben – und das Feld ist durchaus beeindruckend. Die IRL entsendet etwas gleich eine ganze Delegation nach Down Under, fix sind bereits Scott Dixon, Dario Franchitti, Will Power und Alex Tagliani. Auch sonst sind viele bekannte Namen dabei, zum Beispiel Jacques Villeneuve, Heinz-Harald Frentzen, Fabrizio Giovanardi, Yvan Muller, Alain Menu, Mika Salo und Sebastian Bourdais.

// Zwei zusätzliche Titel können die Piloten in der IRL schon in dieser Saison gewinnen. Wie die Rennserie gestern bekannt gab, werden zusätzlich zum Gesamt-Meistertitel auch Trophäen für den besten Oval- und Rundkurspiloten vergeben. Die beiden Trophies sollen nach Legenden des Sports benannt werden – welche Persönlichkeiten das genau sein werden, können die Fans im Mai und Juni auf indycar.com bestimmen. Die jeweiligen Titelentscheidungen fallen am 22. August in Sears Point und am 19. September in Motegi. Das Finale in Homestead soll so für den Gesamt-Champion reserviert bleiben. Sinn der Übung ist es unter anderem, sparsame Sponsoren dazu zu überreden, Teams zumindest eine halbe Saison zu finanzieren. Ob das unbedingt für vollere Starterfelder auf den Rundstrecken sorgen wird, wenn das “Kronjuwel” Indy 500 doch zur Ovalwertung zählt, bleibt dahingestellt.

// Das Oval des Daytona Speedway bekommt eine neue Asphaltdecke. Nachdem beim letzten Daytona 500 der Asphalt in Turn 1/2 bröckelte, war schon abzusehen, dass der seit 1978 (!) befahrene Asphalt nicht mehr länger nutzbar sein würde. Eine Renovierung der Strecke ist allerdings umstritten. Daytona lebt unter anderem von den Bodenwellen, die die Strecke schwer zu fahren machen. Nimmt man die weg, hat man ein zweites Talladega, was auch keiner so wirklich möchte. Man versucht jetzt die Wellen bei der Renovierung irgendwie drin zu lassen, was aber schwer zu machen sein wird. Offenbar kommt man aber um eine Neuasphaltierung nicht mehr drum herum, weil der nächste Winter den alten Asphalt endgültig zerbröseln wird.

// In der WTCC hofft man nun doch wieder auf eine Rückkehr von Lada noch in dieser Saison. Nachdem es einige Zeit so ausgesehen hatte, als habe der russische Hersteller der Tourenwagen WM endgültig “Doswidanja” gesagt, spricht WTCC-Promoter Marcelo Lotti nun davon, dass eine Rückkehr bereits ab Beginn der europäischen Saison in Monza möglich sei. In dieser Woche soll bei Beratungen des Lada Vorstandes mit Lotti Klarheit über ein mögliches Comeback geschaffen werden.

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