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September 15 2011

15:57

Vorschau: The Final Indy Japan 300

Zum vorläufig letzten Mal starten die IndyCars Sonntagfrüh in Motegi. Wegen der Erdbebenschäden steht statt dem Oval der Rundkurs auf dem Programm.

Immerhin 26 Einsatzwagen wurden auf die lange Reise nach Japan geschickt. Es wird also ein gut gefülltes Feld geben, wenn Sonntagmittag (Ortszeit) die IndyCar-Motoren zum “Final Indy Japan 300″ gestaaaaartet werden. Ein Portion Wehmut wird allerdings auch dabei sein. Schon im Winter wurde bekannt, dass sich die IndyCar Series aus Japan zurückzieht, weil Honda nicht mehr für die Kosten aufkommen will. Nicht vergessen darf man aber auch, dass Motegi unweit jener Küstenregion liegt, die im März vom großen Erdbeben und Tsunami heimgesucht wurde – als Tomikazu Fukuda, der Mann, der für den oben verinkten, vermutlich besten aller Startcommands verantwortlich ist, plötzlich andere Nachrichten an den “Partner-Bundesstaat” Indiana übermitteln musste. Beim Erdbeben wurde auch das Oval am “Twin Ring Motegi” beschädigt. Für die Reparatur will man derzeit kein Geld ausgeben, weil das an anderer Stelle dringender gebraucht wird. Daher fährt die IndyCar Series heuer erstmals auf dem Rundkurs.

Jedes Jahr seit 1998 gab es in Motegi ein Ovalrennen einer amerikanischen Serie. Zunächst war von 1998 bis 2002 die CART dort zu Gast, seit 2003 fährt nun schon die IndyCar Series dort. Besonders spannende Rennen hat der Kurs zwar, vor allem in den letzten Jahren, nicht wirklich geboten. Zumindest ein histoischer Moment wird ihn aber wohl bleibend in den Geschichtsbüchern halten. Danica Patrick gewann hier 2008 ihr erstes und bisher einziges Rennen – der erste Sieg einer Frau in einer großen Formelrennserie. 2009 verspielte Ryan Briscoe auf kalten Reifen bei der Boxenausfahrt unter Gelb seine Meisterschaftschancen. Im vergangenen Jahr gewann Helio Castroneves eine weitgehend unspektakuläre Ausgabe.

Zugegeben: Die Statistiken aus dem vergangenen Jahren sind Makulatur, zumal die Serie ja heuer nicht mehr auf dem Oval antritt. Jüngere Erfahrungen mit dem Rundkurs in Motegi hat nur einer der Starter: Der Brasilianer Joao Paulo de Oliveira, Formel Nippon Meister 2010 und vor einigen Wochen Rennsieger am Twin Ring, wird für Conquest Racing sein Debut bei den IndyCars geben.

Freuen werden sich die japanischen Fans wohl über einen weiteren Rückkehrer. Hideki Mutoh, 2010 wenig erfolgreich für Newman/Haas und heuer in der Super GT unterwegs, wird bei Sam Schmidt Racing das Auto von Martin Plowman übernehmen. Zudem ist natürlich mit Takuma Sato ein weiterer Japaner am Start – womöglich bei seinem drittletzten Einsatz in einem Honda. Nachdem er in seiner bisherigen Karriere noch nie ein von einem anderen Hersteller befeuertes Auto bewegt hat, könnte im kommenden Jahr ein Wechsel zu Chevrolet bevorstehen. Zumindest dann, wenn er bei KV Racing bleibt.

Erneut am Start ist auch, vielleicht zum letzten Mal in diesem Jahr, Giorgio Pantano, der einmal mehr den verletzten Justin Wilson im Team von Dreyer und Reinbold ersetzt. Auf den folgenden Ovalen von Kentucky und Las Vegas wird man sich wohl nach einem anderen Fahrer umsehen wollen.

Bisher als Wackelkandidaten galten James Hinchcliffe und Simona de Silvestro. Beide habe aber die nötige Sponsorunterstützung gefunden, um nach Japan reisen zu können. Hinchliffe bekommt etwas Geld von seinem Dauersponsor Sprott Asset Management, den Rest zahlt offenbar Newman/Haas selbst. De Silvestros Sponsor “Nuclear Clean Air Energy” sollte indes eher eine kurzfristige Umlackierung überdenken.

Der Kurs, den die IndyCar Series in diesem Jahr befahren wird, ist jener, auf dem auch die Moto GP, Super GT und Formel Nippon ihre Rennen austragen. Er wirkt auf den ersten Blick etwas schmal, und dürfte mit seinen vielen mittelschnellen, langgezogenen Kurven nur wenige offensichtliche Überholmöglichkeiten bieten. Allerdings: Videoschnipsel aus den japanischen Vierradserien zeigen, dass dort durchaus auch gute Duelle möglich sind. Und noch eines muss zu Gunsten der Strecke gesagt werden: Es handelt sich vermutlich um jene Strecke, die im gesamten IndyCar Kalender den höchsten Standard in Sachen Sicherheit und Modernität bietet.

Nach dem Start, der im Infield des Ovals erfolgt, geht es in eine 180-Grad Kehre, die allerdings etwas zu schnell sein dürfte, um erfolgreiche Überholmanöver zu ermöglichen. Danach folgen zwei schnelle Linkskurven, für die leider das gleiche gelten sollte.

Dann allerdings geht es auf eine schnelle Gerade, an deren Ende sich eine relativ scharfe Rechtskurve befindet. Hier könnte das eine oder andere Überholmanöver zu bewundern sein. Der folgende Streckenabschnitt verlässt dann das Oval, und führt in ein schnelles Geschlängel, das ähnlich wie der erste Sektor in Silverstone oder die Esses in Suzuka anmutet – spannend zu fahren, spektakulär aus der Onboard-Perspektive, Überholen unmöglich.

Dann allerdings folgt die längste Gerade des Kurses, an deren Ende vielleicht noch einmal das eine oder andere Überholmanöver möglich sein könnte. Eine kurzes, kurviges Verbindungsstück führt dann wieder zurück ins Infield des Ovals und aus die Start- und Zielgerade.

Das folgende Video zeigt die Strecke aus der Formel Nippon Perspektive. Es wird interessant sein zu sehen, welche der beiden Serien den Kurs schneller umrundet. Wer sich eine Zeit zum Vergleich notieren will. De Oliveira fuhr vor wenigen Wochen in 1:35.012 zur Pole.

In der Meisterschaft wird es nach Will Powers Erfolg vor zwei Wochen in Baltimore noch einmal eng. Dario Franchittis Vorsprung beträgt nur noch fünf Zähler. Alle anderen Piloten haben kaum noch Chancen. Power muss versuchen, in Japan möglichst viele Punkte Vorsprung auf Franchitti einzufahren. Denn auf den letzten beiden Strecken, den schnellen Ovalen in Kentucky und Las Vegas, sollte er gegenüber Franchitti etwas im Nachteil sein.

Las Vegas News

Das Leben ist kurz, wie man nicht nur in Las Vegas weiß. Um ein vorzeitiges Ende zu vermeiden, braucht die IndyCar Series vor allem eines: Aufmerksamkeit. Diese wollte man mit einer spektakulären 5 Millionen Challenge zum Saisonfinale in Las Vegas erreichen. Piloten aus anderen Serien wären dem Plan nach gegen die IndyCar Profis angetreten – und hätten im Falle eines Sieges den Jackpot gewonnen. Leider haben sich aber keine Piloten gefunden, die an diesem Bewerb teilnehmen wollten.

Nun hat IndyCar Chef Randy Bernard ein Ausweichprogramm vorgestellt. Indy 500 Sieger Dan Wheldon wird am Saisonfinale teilnehmen, und das Rennen von letzten Startplatz aus in Angriff nehmen. Gewinnt Wheldon, bekommt er 2,5 Millionen Dollar. Weitere 2,5 Millionen gehen an einen zufällig ausgewählten Fan.

Das Format mag aus der Not geboren sein. Es bietet aber einige Vorteile gegenüber der ursprünglichen Idee. Am wichtigsten: Im Vergleich zu IndyCar-unerfahrenen Piloten aus anderen Serien kennt Wheldon Autos und Rennsituation genau, und stellt daher keine Gefahr für die anderen Fahrer oder gar das Publikum an der Strecke dar. Wheldon weiß, was er tut, und hat eine realistische Chance, zumindest in die Nähe des 5 Millionen Bonus zu kommen – vor allem deshalb, weil er ohne Qualifying-Druck das gesamte Training zum Feilen an der Rennabstimmung verwenden kann. Dass er aus der letzten Position startet, und um Geld für einen Fan fährt, macht ihn außerdem zum Underdog – was ihm sicher Sympathien einbringen wird.

Motegi im TV

Für das Rennen in Japan gilt das gleiche, wie für fast alle anderen Läufe in diesem Jahr. Eine Übertragung im deutschen TV gibt es nicht, man muss daher hoffen, im Netz fündig zu werden. In den USA überträgt Versus das Rennen. Wegen der Zeitverschiebung spielt sich die Action leider zu recht unchristlicher Zeit ab – los geht es bei Versus um 5:30 Uhr MESZ am Sonntagmorgen, die grüne Flagge fällt wohl um 6:00 Uhr.

Foto: INDYCAR

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June 21 2011

16:43

Indycar Milwaukee: Guter Sport, schlecht verkauft

Eine klassische Strecke, viele Überholmanöver und ein interessantes Finish – was will man eigentlich mehr? Die IndyCar Series hat es trotzdem nicht geschafft, Fans auf die Tribünen zu locken. Und ABCs Dauerwerbesendung vertrieb sie von den Schirmen.

Und wieder eine vergebene Chance. Die Milwaukee Mile ist für die IndyCars historischer Grund, noch in den 1990er-Jahren strömten 50.000 Fans am Renntag der CART-Serie an die Strecke. Nach einem Jahr Pause kehrte man heuer wieder zurück. Und wurde von nur etwa 15.000 Besuchern begrüßt. Schade. Nicht zuletzt deswegen, weil das Rennen durchaus sehenswert war. Wenn man denn etwas davon zu sehen bekam. Denn wesentlich öfter als die Action von der Strecke zeigte ABC im Sonntag leider Werbeeinschaltungen. Immerhin: Die Schlussphase gab es ohne Werbeunterbrechung zu sehen. Und die lieferte, trotz eines am Ende ungefährdeten Siegers, noch einmal richtig Spannung. Abseits der Strecke brodeln derweil Spannungen zwischen den Teams.

Auch, wenn sie am Ende doch meist gewinnen – die Dominanz von Penske und Ganassi schien während den letzten Rennen zunehmend in Gefahr zu geraten. Diesmal hätte es fast geklappt: Tony Kanaan konnte an der Spitze mithalten, und lag zeitweise sogar recht komfortabel in Führung. Leider warf er den Wagen 29 Runden von Schluss mit einem Fahrfehler in die Wand, so dass Franchitti schließlich doch wieder ziemlich unbedrängt den Sieg nach Hause fuhr.

Auf Rang zwei landete Graham Rahal, der seinen Aufwärtstrend der vergangenen (Oval-)Rennen mit einem weitern starken Rennen verfestigte. Ebenso beeindruckend war abermals die Performance von Newman/Haas Racing: Oriol Seriva landete unauffällig aber effektiv auf Rang drei, James Hinchcliffe bewies mit Rang sechs erneut, dass er nicht zu Unrecht in der IndyCar Serie unterwegs ist. Besonders beim Spanier scheint es, als müsst nur der letzte Knoten noch platzen – der erste Sieg scheint heuer durchaus in Reichweite.

Auch KV Racing war wieder flott unterwegs: Kanaan hätte fast gewonnen, EJ Viso war konstant in den Top Ten unterwegs, bis auch er den Wagen etwa nach Rennmitte in der Mauer parkte. Auch der dritte im Bunde, Takuma Sato, fuhr zunächst in der Spitzengruppe mit. Bei einem Boxenstopp traf er dann aber einen Reifen (und fast auch noch einen Mechaniker), was die Rennleitung mit einer Durchfahrtsstrafe quittierte. Dass es trotzdem noch für Rang acht (in der Führungsrunde) reichte, spricht für die Performance von Team und Fahrer.

Etwas unter den Erwartungen: Team Penske. Einzig Powers guter (aber keineswegs überragender) vierter Rang rettete das Wochenende. Helio Castroneves lag zwar zeitweise in Führung – Druckverlust in einem Hinterreifen zwang ihn dann aber in die Box. Der enttäuschende neunte Rang war die Folge. Ryan Briscoe war zwar oft im Bild (weil als einer von wenigen mit einer Onboard-Kamera unterwegs), dass es ohne gröbere Probleme aber nur für Rang elf gereicht hat, ist für den Australier aber gewiss eine weitere Enttäuschung. Fährt er so weiter, ist sein Penske Cockpit für 2012 sicher in beträchtlicher Gefahr.

Die deprimierende Story des Wochenendes lieferte aber einmal mehr Simona de Silvestro. Die Schweizerin flog im Qualifying schon wieder hart in die Wand, und musste die Nacht im Krankenhaus verbringen. Für den Renntag gab es zwar eine Starterlaubnis – weder das Auto noch (wenn die Fernsehbilder nicht sehr trügen) sie selbst waren aber in wirklich konkurrenzfähiger Rennverfassung. Nach tapferem Startversuch stellte sie den Wagen elf Runden später wieder ab.

Die Meisterschaft beginnt beim nächsten Rennen quasi von neuem. Denn sowohl Will Power als auch Dario Franchitti liegen nach dem Lauf in Milwaukee gleichauf bei 271 Punkten. Mit gehörigem Respektabstand folgt dann auf Rang drei der erstaunliche Oriol Servia (198) denkbar knapp vor Scott Dixon (195) und dem dritten Ganassi in den Top fünf, Graham Rahal (176). In der Ovalwertung führt Franchitti nach drei Läufen mit 117 Zählern von Scott Dixon (111), Power (103), Rahal (94) und Servia (88).

Ein wenig Unbill gab es wieder einmal nach dem Rennen – und in beiden Fällen stand Dario Franchitti im Fokus. Denn ob Niederlage wie in Texas oder Sieg wie in Milwaukee: Kritik im Post-Race Interview scheint bei Franchitti neuerdings zum guten Ton zu gehören. Diesmal war Helio Castroneves dran, bei dem der Schotte Blocking-Manöver im Kampf im Platz eins ortete. In einem anderen Aspekt stand Franchitti selbst in der Kritik: Denn auch der spätere Rennsieger soll bei einem Boxenstopp den Reifen eines Konkurrenzteams (der Penske-Crew von Will Power) berührt haben. Anders als Takuma Sato ereilte den Schotten aber keine Durchfahrtsstrafe – angeblich gab es keine schlüssigen Videobeweise.

Und auch wenn es sie gegeben hätte: Die Chance, sie zu sehen wäre zumindest für den TV-Zuseher verschwindend gering gewesen. Denn Broadcaster ABC behandelte das IndyCar Rennen einmal mehr als Dauerwerbesendung mit kurzen Rennunterbrechungen. Dass man als Network am Ende schnell aus der Übertragung raus muss, und wenig Zeit für Nachberichte hat – verständlich. Wenn aber auch während des Rennens in jeder Sekunde zu merken ist, dass man die IndyCar Serie viel lieber nicht zeigen würde – dann kann das für keinen der Beteiligten eine weise Business-Entscheidung sein. Auch die Zuseher in den USA waren diesmal wohl nicht begeistert: Ein Overnight Rating von nur 0.9 (Erklärung zum US-Ratings-System im Indy 500 Artikel) dürfte wohl weder die Serie, noch Team und Sponsoren, noch ABC nachhaltig begeistern.

Hoffentlich tröstet man sich bei ABC nicht damit, dass auch die Besucherzahlen vor Ort ziemlich enttäschend waren. Nach der Pleite des Milwaukee-Promoters im vergangenen Jahr hat man diesmal einen handverlesenen Veranstalter aus dem Serien-Heimatstaat Indiana mit der Ausrichtung beauftragt. Auch der hatte keinen Erfolg: Nur etwa 15.000 Zuseher waren am Sonntag vor Ort. Eine Rückkehr der Serie an die Traditonsstrecke wollte CEO Randy Bernard zwar am Rande des Rennens noch nicht ausschließen, sie scheint aber zunehmend unwahrscheinlich. Zumal auch, was ja im Grunde erfreulich ist, Strecken wie Elkhart Lake und Chicagoland (die beiden einen ähnlichen Markt bedienen) offenbar gute Chancen haben, 2012 wieder ein IndyCar Rennen austragen zu dürfen.

Vorschau: Iowa

Schon in der Nacht von Samstag auf Sonntag (2:00 Uhr) steht in Iowa das nächste Rennen auf dem Plan. In früherer Zeit war das progressiv überhöhte Oval eher als Langweiler verschrien. Der Plan, dort mehrere Fahrspuren zu schaffen, schien nicht immer so richtig so funktionieren. 2010 gab es aber zur allgemeinen Überraschung ein ziemlich enges und spannendes Rennen – vielleicht hat man also nun auch in Iowa den richtigen Modus für knappes Racing gefunden. Damals gewann Tony Kanaan, vielleicht schafft ja auch in diesem Jahr ein Außenseiter die Überraschung.

In einer Hinsicht dürfen Fans jedenfalls aufatmen: Statt der desinteressierten Truppe von ABC übernimmt diesmal wieder Versus die Übertragung. Man soll den Sender ja nicht in den Himmel loben, denn auch dort könnte man manches besser machen. Im Vergleich mit ABC ist der Spartenkanal aber geradezu Oscar-verdächtig. Das gilt leider nicht für die Empfangbarkeit im deutschen Sprachraum, wo man auch am kommenden Sonntag wieder auf alternative Quellen angewiesen sein wird.

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Fotos: INDYCAR

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June 11 2011

04:03

Vorschau: IndyCar Firestone Twin 275s

Die IndyCar probiert was Neues diesen Sommer – und es ist nicht Coke bei drei Grad. Stattdessen schneidet man das 550km-Renen in Texas in zwei Teile. Das verspricht Spektakel und Unwegbarkeiten, birgt aber auch Gefahren.

Wäre es ein normales Rennen in Texas, dann würde ich jetzt über die spannende Rad-and-Rad Duelle schreiben, die auf dem ultraschnellen Speedway in Fort Worth traditionell zu erwarten sind. Ich würde vermutlich auch wieder auf die Gefahren hinweisen, die damit in Verbindung stehen – und zur Debatte stellen, ob die IndyCar dieses künstliche Zusatzrisiko wirklich braucht. Das alles könnte man auch in diesem Jahr schrieben – 2011 gibt es aber ein noch größeres Thema, das diese Fragen überschattet. Die IndyCar testet in Texas nämlich ein neues Format: Statt einem längeren Rennen wird es zwei kurze geben, die direkt aufeinander folgen. Die Startaufstellung für Lauf 2 wird nach dem ersten Durchgang ausgelost. Allemal ein interessantes Experment. Der Modus wirft aber auch einige Fragen auf.

So überraschend die Idee klingen mag, ein IndyCar Rennen in zwei Teile zu schneiden – ganz neu ist der Einfall nicht. In den späten 1960er und in den 1970er-Jahren gab es insgesamt 17 sogenannte “Doubleheader”. Zunächst setzte die USAC den Modus vor allem für Rundkurse ein, etwas später und vor allem in frühen CART-Zeiten fanden die Veranstaltungen auf Ovalen statt. Dann gerieten sie in Vergesseneheit – bis IndyCar CEO Randy Bernard in der vergangenen Saison das Runder übernahm. Der neue Chef sucht fieberhaft nach “Pillar”-Veranstaltungen, die die Serie neben dem Indy 500 tragen könnten. Dabei ist er auch zu Experimenten bereit. Die “IndyCar Word Championships” im Herbst in Las Vegas sind so ein Versuch. Und das Twin-Rennen in der Nacht auf Sonntag eben auch.

Und so soll der Renntag ablaufen: Um 19:45 Uhr Ortszeit (das ist 2:45 Uhr CEST) ist Start des ersten Rennens, die Grid ergibt sich aus den Ergebnissen der Qualifikation (siehe unten). Dieser Lauf soll 275 Kilometer (= 114 Runden) lang sein – für den Rennsieger gibt es die halbe Punktezahl eines normalen Rennens. Danach haben die Teams dann Zeit für allfällige Reparaturen – während die Zusher auf andere Weise unterhalten werden. Denn dann erfolgt in umgekehter Reihenfolge des Zieleinlaufs die Verlosung der Startplätze für den zweiten Durchgang, der ebenfalls über 275 Kilometer geht. Start des zweiten Rennens ist dann um 21:45 Uhr Ortszeit (4:45 Uhr CEST). Auch hier wird die halbe Punktezahl eines “normalen” Laufes vergeben.

Das Format verspricht sicherlich Spannung. Dass die Zuseher gleich zweimal in den Genuss eines Zieleinlaufes kommen, ist sicherlich ein großes Plus. Und die umgekehrte Startreihenfolge im zeiten Lauf sorgt gewiss  für zusätzliche Würze – immerhin kann der Sieger dann durchaus auch aus der letzten Reihe ins Rennen gehen müssen.

Ob es diese Zusatz-Spannung aber ausgerechnet in Texas gebraucht hätte, ist dann wieder eine ganz andere Frage. Die Verlosung könnte dafür sorgen, dass ein Meisterschaftskandidat an der Spitze des Feldes in den zweiten Lauf geht, und der andere ganz hinten – so richtig fair ist das nicht. Außerdem hat die Strecke auch ohne Gimmicks in den vergangenen Jahren immer äußerst spannende Läufe mit zahlreichen, teils rundenlangen Rad-an-Rad Duellen ermöglicht. Und die sind im Grunde auch dann schon gefährlich genug, wenn sie zwischen den Top-Autos stattfinden, und nicht an der Spitze des Feldes langsamere Wagen “lauern”.

Die Qualifikation

Eine erste – kleine – Überraschung gab es schon bei der Qualifikation am Freitagabend: Zum zweiten Mal in Folge nach dem Indy 500 steht Alex Tagliani auf der Pole. Das Auto von Sam Schmidt Motorsports scheint im Training weiter ganz hervorragend zu gehen – ob sie diesen Speed auch im Rennen halten können, ist weniger klar. Der Rennverlauf in Indianapolis lässt eher vermuten, dass man den Kanadier vielleicht in der vorderen Mitte des Feldes wiederfinden wird.

Dahinter lauern Dario Franchitti und Will Power. Die beiden Meisterschaftsanwärter liegen damit deutlich vor ihren Teamkollegen, die sich allesamt rund um Platz zehn wiederfinden (Dixon: 7, Briscoe 9, Castroneves 13). Vierter ist Takuma Sato, der seinen Aufwärtstrend aus den vergangenen Zeittrainings auch hier fortsetzen konnte – entsprechend strahlte Sato dann auch im Interview nach der Quali. Bleibt zu hoffen, dass es der Japaner auch einmal ins Ziel schafft. Fast schon sensationell: Platz fünf ging an Ed Carpenter im Auto von Sarah Fisher Racing – die Kombination aus dem gereiften Ovalspezialisten und dem engagierten Team scheint weiter Früchte zu tragen. Auf Rang sechs bestätigt Tony Kanaan die gute Forum vom KV Racing.

Sonst noch interessant: Rookie Wade Cunningham aus Neuseeland steht bei seinem allerersten Auftritt auf Rang acht, Danica Patrick auf zehn. Indy 500 Fast-Sieger JR Hildebrand auf Rang 11, Newman/Haas mit Servia und Hinchcliffe auf 14 und 15. Das Ganassi-Farmteam mit Kimball und Rahal auf 17 und 20. Paul Tracy geht bei einem seiner vermutlich letzten Ovalauftritte von 21 ins Rennen; Simona de Silvestro hatte im Training noch einige Probleme, und startet nur vom vorletzten Rang 29.

Ungemach

Hinter den Kulissen gärt es nach dem etwas merkwürdigen Indy 500 gleich an einigen Stellen ein wenig.

Zunächst brachte die kanadische Globe and Mail im Internet einen Artikel, in dem sie einen anonymen IndyCar-Fahrer mit der Vermutung zitierte, JR Hildbrand sei beim Indy 500 mit einem illegalen Auto unterwegs gewesen. (mehr dazu in den Newshappen) Mittlerweile wurde der Artikel von der Zeitung wieder gelöscht. Beweise gibt es für diese schwerwiegenden Vorwürfe freilich nicht. Das Thema ist aber deshalb keineswegs von Tisch, wie Nate Ryan für den Internetauftritt der USA Today berichtet.

Und als ob das nicht ungut genug wäre, hatte JR Hildebrand in der vergangenen Woche gleich nochmal kräftig Pech: Bei einem Sponsorevent verletzte sich der Amerikaner am Knie, und muss nun mit einer Schiene ins Rennen gehen. Gerüchte sprechen davon, dass er sich wohl das Krezband gerissen hat. Eine Operation dieser Verletzung wird auf lange Sicht wohl notwendig sein, im Interview mit Versus meinte Hildebrand aber, dass er das vielleicht erst nach dem Ende der Saison erledigen wird.

Neben Hidebrand schaffte es noch ein weiterer Pilot auf eher kontroversielle Weise ins Rampenlicht: Graham Rahal verlinkte auf seinem Twitter-Account die (mittlerweile gelöschte) Globe and Mail-Story über Hildebrands angeblich illegales Indy 500-Auto – und brach damit offenbar ein Tabu in der IndyCar Community. Aufgebrachte Twitter-Antworten waren die Folge. Im oben verlinkten USA-Today Artikel äußert sich Rahal zu dieser Causa. Er greift dabei Hildebrand nicht persönlich an – die Vorwürfe, Panther Racing könnte geschummelt haben, nimmt er aber nicht vom Tisch.

Das ist aber noch nicht alles: Im Interview mit Versus kritisierte Rahal dann auch noch sein eigenes Team. Das Auto sei im Qualifikationstrimm einfach zu langsam. Außerdem könne er nicht ganz verstehen, wieso sein Wagen zwei km/h langsamer sei, als jene der Teamkollegen Franchitti und Dixon. An sich eine berechtigte Frage – ob es beim Team allerdings gut ankommt, wenn man sie im TV-Interview statt bei internen Besprechungen aufbringt, ist dann aber wieder fraglich.

Schließlich gibt es noch Neuigkeiten zum Rennen in Motegi. Das soll trotz Erdbeben-Schäden an der Strecke zum geplanten Termin stattfinden – allerdings nicht auf dem Oval, sondern auf der Rundstrecke. Grund: Das Oval ist stärker beschädigt, und eine Reparatur würde zu viele Ressourcen von deutlich wichtigeren Wiederaufbau-Vorhaben in der Region abzweigen.

Dieser im Grunde eingängliche Umstand ist wiederum bei Danica Patrick auf wenig Verständnis gestoßen. Weil durch die Änderung nur noch sieben Ovalrennen im Kalender stehen (im vergleich zu zehn Rundstrecken), fürchtet sie, dass sich die Serien zu stark von ihren Oval-Wurzeln entfernt. Dass man in motegi nicht im Oval fahre, sei “enttäuschend“, so wie auch der gesamte Rennplan für 2011. Offene Kritik dieser Art ist im US-Sport eher selten – man darf also vermuten, dass Patrick damit ein konkretes Ziel verfolgt. Womöglich möchte sie den Kalender für 2012 in eine oval-lastigere Richtung bewegen – oder sich einfach eine praktische Ausrede für den Abschied in Richtung NASCAR zurechtlegen.

Im TV

Nach der eher mäßigen Leistung von ABC beim Indy 500 kommt in Texas wieder Versus zum Zug. Die Kommentatoren Bob Jenkins und Jon Beekhuis werden dabei von einem spezillen Gast unterstützt: Indy 500 Sieger Dan Wheldon saß bereits zum Qualifying mit in der Kabine, und wird auch beim Rennen als Experte fungieren. Die Übertragung beginnt laut Zeitplan um 1:30 CEST. Um etwas vom Rennen sehen zu können, wird auch diesmal wieder etwas Internet-Recherche nötig sein. Einen offziellen TV-Anbieter im deutschsprachigen Raum gibt es nicht.

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April 08 2011

16:52

IndyCar: Vorschau Grand Prix of Alabama

Nach dem etwas chaotischen Auftaktrennen in St. Petersburg fährt die IndyCar Series am kommenden Wochenende ihr zweites Saisonrennen. Und dabei sind noch einmal einige neue Gesichter am Start.

Erst zum zweiten Mal wagt sich die IndyCar Series heuer ins NASCAR-Land Alabama vor – und trotzdem wirkt der Barber Motorsports Park schon wie ein alter Bekannter. Das liegt nicht nur an den vielen Testkilometern, die Fahrer und Teams dort über den Winter abgespult haben. Die Strecke ist auch ungewöhnlich pittoresk gelegen und zudem in eine gepflegte Parklandschaft mit prägnanten Spinnen-Statuen eingebettet. Solche kleinen Details bleiben eben in Erinnerung. Leider helfen sie aber nicht dabei, das äußerst öde Rennen zu vergessen, das die Serie im vergangenen Jahr dort abgeliefert hat. Denn so schön die Strecke auch gelegen ist – eine offensichtliche Überholstelle sucht man leider vergebens. Vielleicht tragen aber die neuen Regeln rund um den Double File Restart auf der ersten “echten” Rennstrecke der Saison dazu bei, dass es diesmal etwas spannender wird.

Für Spektakel könnte außerdem ein weiterer Faktor sorgen: Ganze acht der 26 Starter waren bisher noch nicht im Rennen auf dem Barber Motorsport Park unterwegs. Für zwei, nämlich James Hinchcliffe und ChampCar und ALMS-Pilot Simon Pagenaud ist es überhaupt der erste Auftritt in der Serie.

Der Kanadier Hinchcliffe hat vergangene Woche nach langer Suche endlich einen Sponsor gefunden, und ist für das gesamte Jahr 2011 (außer Sao Paulo und, gegebenenfalls, Motegi) bei Newman/Haas untergekommen. Bei den Tests vor der Saison war Hichcliffe in Alabama schon ziemlich fix unterwegs, er könnte also womöglich für eine Überrschung sorgen.

Ziemlich kurzfristig und aus nicht ganz so freudigen Gründen ist mit Simon Pagenaud ein weiterer IndyCar Rookie dabei. Der französische Sieger des ChampCar Rennens von Edmonton 2006 ersetzt die nach ihrem Handgelenks-Bruch noch fahrunfähige Ana Beatriz bei Dreyer & Reinbold. Bis zum nächsten Rennen sollte Beatriz dann aber wieder fit sein – für Pagenaud wird es also vorerst beim einmaligen Einsatz bleiben. Teamkollege Justin Wilson, der sich ebenfalls das Handgelenk gebrochen hatte, wird mit einer Schiene an den Start gehen.

Gute Nachrichten gibt es auch aus dem Lager von Paul Tracy: Der Kanadier ist zwar beim Rennen in Alabama noch nicht dabei – er hat es aber immerhin geschafft, einen Deal über ein paar Rennen in der Saison 2011 abzuschließen. Tracy wird bei den Läufen in Long Beach, Texas, Toronto, Edmonton und Sonoma in einem Wagen des ohne Gil de Ferran wiederstandenen Dragon-Teams Platz nehmen.

Auch bei den sonstigen Startern muss man sich auf teils etwas geänderte Farben gefasst machen. So wird Vorjahressieher Helio Castroneves mit blau-roten Sponsorenaufklebern an den Start gehen, Meister Dario Franchitti überhaupt in einem blauen Wagen. Ryan Briscoe ist derweil in Penske-Gelb unterwegs. Eine vollständige Aufstellung der Wagen gibt es wie immer im Spotters-Guide auf indycar.com (Achtung, .pdf).

Bei der Performance der einzelnen Teams und Fahrer dürfte sich seit St. Petersburg wohl wenig geändert haben – Penske und Ganassi (zumindest deren A-Team) werden aller Voraussicht nach auch in Alabama den Ton angeben. Der Lauf vor zwei Wochen hat aber gezeigt, wie schnell Favoriten auch mal aus dem Rennen fliegen können. Die Voraussetzungen dafür stehen dank winkeligem Kurs sich am Sonntag wieder gut. Und sofern das passiert, sind Überrschungen nicht ausgeschlossen. Vor allem KV Racing hat mit Kanaan (und auch Sato) gezeigt, dass man der Spitze näher gekommen ist. Und wer weiß – vielleicht ist ja Simona de Silvestro wieder so gut in Form wie in St. Pete.

Die Strecke im Barber Motorsports Park wurde erst im Jahr 2003 gebaut, und ist damit eine der neuesten Rundstrecken in den USA. Ursprünglich war sie hauptsächlich für Testzwecke und private Ausfahrten von reichen Sportwagenbesitzern gedacht – was man dem Layout auch immer noch ein wenig ansieht. Letztendlich hat Besitzer George Barber die Baupläne aber immer wieder erweitert, so dass nun auch AMA Superbikes, Grand Am und eben die IndyCars dort an den Start gehen können. Der Kurs verfügt sogar über eine Grade T1-Lizenz der FIA, die Formel 1 Testfahrten erlaubt. Hintergrund: Das gescheiterte USF1 Team wollte hier seine ersten Proberunden absolvieren.

Namen hat man den Kurven leider trotzdem nicht gegeben, so dass die folgende Streckenbeschreibung mit den Turn-Nummern auskommen muss. Das ist besonders deswegen schade, weil die schnelle und flüssige Berg- und Talbahn fast nur aus Kurven besteht. Ähnlich wie zum Beispiel in Adria handelt es sich um einen Kurs, bei dem ganz offensichtlich möglichst viel Strecke auf einem kleinen Grundstück untergebracht werden sollte.

Nach der relativ kurzen Start- und Zielgeraden geht es auf die erste Kurve zu – eine schnelle Linkskurve (Turn 1), die zudem noch bergab geht. Außerdem ist die Ecke ziemlich eng, weswegen man im vergangenen Jahr den Rennstart auf die Gegengerade gelegt hatte. (Wie man heuer mit den Double File Restarts operiert, bleibt abzuwarten.) Direkt darauf folgt eine ziemlich langgezogene, fast schon Karussell-artige Rechtskurve (Turn 2 und 3), die aufmacht und danach auf eine kurze Gerade mündet. Nach nur etwa 350 Metern folgt schon die nächste 180-Grad Linkskehre (Turn 5) – keine guten Voraussetzungen für Windschatten-Duelle. Wenn sich der Vordermann aber ausgangs Turn 3 vertut, dann kann man hier trotzdem mit etwas Risiko einen Überholversuch starten. Ähnliches gilt für die Turns 7 und 8, die auf eine weitere kurze Gerade folgen. Turn 7 ist eine geradeaus druchfahrbare Bergabschikane, Turn 8 eine ebenfalls steil bergab führende enge Rechtskurve. Die einzige potenziell längere Gerade des Kurses wird dann durch die mittelschnelle Links-Rechts Kombination aus Turn 9 und 10 geteilt. Der zweite Teil dieser Gerade wurde im vergangenen Jahr als Ersatz-Startlinie verwendet. Er mündet in einen mittelschnellen links, reeeeechts, links, bergauf-bergab Komplex, der fahrerisch sicher spaßig ist, aber ebenfalls kaum Überholchancen eröffnet.

Zum Mitschauen hier die Onboard-Runde aus 2010 mit Scott Dixon:

Nach der eher mittelprächtig produzierten ABC/ESPN-Übertragung aus St. Petersburg ist der Lauf in Alabama das erste Saisonrennen für die Mannschaft von Versus. Im vergangenen Jahr hatte sich diese vor allem dadurch ausgezeichnet, dass man zwar bei den Übertragungen einen ordentlichen Job machte, dass die Quoten aber im kaum wahrnehmbaren Bereich lagen. Insofern ist das Rennen im Barber Motorsports Park nach den erfreulichen Quoten-Zuwächsen aus St. Pete der erste richtige Test dafür, ob die PR-Maßnahmen aus dem Winter auch wirklich mehr Fans vor den Bildschirm locken können.

Im deutschsprachigen Raum gibt es leider auch weiterhin keinen Sender, der die Serie überträgt. Auch bei der Problematik rund um die Abschaltung des offiziellen Streams hat sich bislang nichts verändert. Trotz offensichtlicher Bemühungen der IndyCar Spitze rund um CEO Randy Bernard ist es noch nicht gelungen, ein passendes Online-Angebot für jene Märkte zu errichten, in denen es keine TV-Übertragungen gibt. Bleibt also wieder nur die Suche in den Unteifen des Internets. Immerhin: Die NASCAR fährt ihr Texas-Rennen schon Samstagnacht, es gibt also zumindest keine Terminkollision.

(Foto: INDYCAR)

March 24 2011

06:24

IndyCar Series: Saisonstart in St. Petersburg

Eine teils chaotische, teils erfreuliche Off-Season geht endlich zu Ende – am Sonntagabend kehrt die IndyCar Series zurück auf die Strecke. Das dürfte spannend werden, denn seit dem Finale 2010 hat sich einiges getan.

Eine stille Winterpause sieht anders aus: Die IndyCar Series bedachte seit der Meisterschaftsentscheidung in Homestead Fans und Medien mit einem steten Fluss an Neuigkeiten, wie das sonst sogar während der laufenden Saison ungewöhnlich ist. CEO Randy Bernard hat bewiesen, dass er weiß, wie man mit der zuletzt eher unscheinbaren Monoposto-Serie Aufsehen erregt. Ob seine Ideen auch auf der Rennstrecke funktionieren, das muss sich allerdings noch beweisen. Immerhin: Zum Saisonstart stehen 25 Fahrer bereit, die meisten davon werden wohl das ganze Jahr lang dabei sein. Ein paar alte Stars haben es in die Serie zurückgeschafft, wenn auch zum Teil in letzter Minute. Zusammen mit einigen interessanten Rookies bescheren sie der IndyCar Series das wahrscheinlich stärkste Starterfeld seit CART-Zeiten.

Spannende Zeiten also auch für Fans, daher eine kurze Zusammenfassung der Meldungen aus dem Winter – für alle, die in der Off-Season nicht ganz so aktiv waren wie Randy Bernard. Eine Vorschau auf das Rennen in St. Petersburg folgt dann weiter unten.

Neue Hersteller

Auch, wenn sich die Nachricht eher auf die kommende Saison bezieht, als auf die aktuelle: Die wichtigste Meldung des Winters war wohl die Rückkehr von Chevrolet in die IndyCar Series. Der US-Hersteller wird dabei 2012 nicht nur Motoren liefern, sondern auch selbst eines jener Aero-Kits anbieten, mit denen die Teams das Standard-Chassis von Dallara erweitern können. Gleiches hat auch Lotus angekündigt, die ab kommendem Jahr als dritter Hersteller in der Serie aktiv sein werden. Richtig gelesen: Der in malaysischer Hand befindliche Sportwagenhersteller hat angekündigt, nicht nur ein Aero-Kit zu liefern, sondern auch einen Motor. Woher der kommen soll, wurde bisher allerdings nicht enthüllt. Als vierter Hersteller könnte auch noch das französische ORECA-Team dazukommen. Dort will man sich allerdings mit der Fertigung von Aero-Kits bescheiden.

Teams und Fahrer 2011

Gleich vorneweg eine kurze Entschuldigung: Die IndyCar Serie bietet leider zur Stunde noch keine Fotos aus St. Petersburg an. Bei den Bildern unten handelt es sich daher um Aufnahmen vom Test am Barber Motorsports Park in der vergangenen Woche. Dort waren leider nicht alle Teams und Piloten anwesend, von manchen gibt es also leider keine Bilder. Auch bei den Lackierungen könnte es also noch Änderungen geben. Die IndyCar Serie veröffentlicht normalerweise vor Rennstart einen Spotter’s Guide auf indycar.com. Den werde ich nachreichen, sobald bzw. sofern er verfügbar wird.

Penske

Die Mannschaft unter der Leitung von “Captain” Roger Penske wird wohl auch 2011 zu den Favoriten im Starterfeld zählen. Das haben auch die Ergebnisse der Testfahrten in Alabama noch einmal unterstrichen. Bei den Piloten hat sich nichts verändert, auch in diesem Jahr greifen Helio Castroneves, Will Power und Ryan Briscoe ins Lenkrad. Abseits der Ovale ist wohl Power der schnellste aus diesem Dreiergespann, als besserer Allrounder könnte sich aber einmal mehr Castroneves erweisen. Ryan Briscoe hat in der vergangenen Saison nicht so wirklich überzeugt, und wird in diesem Jahr etwas kräftiger aus Gaspedal treten müssen, wenn er sich die Gunst des Captains erhalten will.

Ganassi

Das zweite Top-Team der IndyCar Series hat sich über den Winter verdoppelt. Neben dem bisherigen Fahrergespann Dario Franchitti und Scott Dixon (die wieder in den klassischen, links abgebildeten Target-Farben starten), treten 2011 auch Graham Rahal und Charlie Kimball für Ganassi an, die jeweils von anderen Sponsoren unterstützt werden. Weil Target aber keine Konkurrenz im gleichen Team wollte, musste man bei Ganassi zu einem etwas ungewöhnlichen Trick greifen – und einfach ein zweites Team eröffnen. Offiziell wird man zwar nicht müde, die Unabhängigkeit der beiden Teams voneinander zu betonen. Inoffiziell darf man aber wohl schon davon ausgehen, dass sich die Verantwortlichen der beiden Teams gelegentlich mal über den Wag laufen werden. Und dabei wohl nicht nur über Baseball reden. Bei den Test hatte man noch ein paar Probleme, bei den Rennen darf man aber auch in diesem Jahr die Mannschaft vorne erwarten. Fahrerisch sind von Franchitti und Dixon wohl auch in dieser Saison wieder konstant gute bis sehr gute Ergebnisse zu erwarten. Auch Rahal hat in der Vergangenheit (vor allem 2009 bei Newman/Haas) schon Talent bewiesen. Inwieweit auch Charlie Kimball mithalten kann, muss sich noch weisen.

Andretti Autosport

Einige Überraschungen bot über den Winter die traditionell dritte Kraft der IndyCar Series. Erst wurde Tony Kanaan freigestellt (und ihm “erlaubt, mit anderen Teams zu verhandeln”) – vermutlich deshalb, weil man sich sein hohes Gehalt nicht mehr leisten konnte. Und dann tritt man 2011 doch wieder mit vier Fahrern an: Marco Andretti und Danica Patrick waren ohnehin schon gesetzt, Ryan Hunter-Reay konnte auch genügend Sponsoren auftreiben, um sich im Team zu halten. Keiner der drei hat bisher das Talent gezeigt, konstant um Siege oder gar Meisterschaften mitzufahren. Aber: Alle sind solide Piloten, und auf ihre Art wichtig für die Serie. Erstaunlich ist dagegen die Verpflichtung des beim Indy 500 schwer verunglückten (aber mittlerweile wohl wieder genesenen) Mike Conway. Der Brite hat zwar in diversen Juniorserien gute Leistungen gezeigt, in der IndyCar Series konnte er allerdings bislang (außer beim schicksalsvollen Indy 500) nicht wirklich überzeugen. Und seit seinem Unfall fehlt ihm überhaupt jegliche Erfahrung im Auto. Ein erfolgreiches Comeback wäre ihm zu vergönnen – bis es soweit ist, muss man aber vermutlich noch ein paar Rennen Geduld haben. Abzuwarten bleibt außerdem, ob es das Team nach einer sehr mäßigen Saison 2010 wieder schafft, an alte Stärken anzuknüpfen.

KV Racing

Mit drei Piloten geht das Team von Kevin Kalkhoven und Jimmy Vasser an den Start. Zur bisherigen Stammmanschaft mit EJ Viso und Takuma Sato ist in letzter Sekunde noch ein weiterer großer Name gestoßen. Der bei Andretti entlassene Tony Kanaan hat es am Wochenende vor dem Saisonstart geschafft, ausreichend Sponsoren für eine volle Saison im Teams zu sammeln. Das könnte sich für beide als gutes Geschäft erweisen: KV wird von der Erfahrung des Tony Kanaan (vor allem in Fragen der Abstimmung) gewiss profitieren, der Brasilianer bekommt von KV Racing ein in seinem Speed womöglich unterschätztes Autos zu Verfügung gestellt. Das mag zwar in dieser Saison noch nicht für Siege reichen – wenn Sato und Viso aber ihr Temperament diesmal etwas öfter in Zaum halten können, als im vergangenen Jahr, dann könnte das Team durchaus einen Sprung nach vorne machen.

Dreyer & Reinbold

Ein weiteres Team aus dem Bereich “solides Mittelfeld”, das sich 2011 nach oben entwicklen könnte. Justin Wilson ist ein Pilot, der gewiss immer wieder einmal für eine Überraschung gut ist – ganz besonders auf den Rundkursen. Außerdem hat man sich mit Ana Beatriz verstärkt. Die Brasilianerin bringt einige Sponsoren an Bord, und konnte auch bei ihren Einsätzen in der vergangenen Saison durchaus Potenzial beweisen. Sie könnte sich also als gute Mischung aus Pay-Driver und solider Pilotin herausstellen. Beim Indy 500 wird außerdem Haudegen Paul Tracy für Dreyer & Reinbold an den Start gehen. Weitere Einsätze sind in Planung, aber bisher nicht fix. Beim Saisonstart ist der Kanadier jedenfalls nicht dabei.

Dale Coyne Racing

Eine faustdicke Überraschung gibt es beim ewig unterfinanzierten Traditionsteam: Champ-Car Dominator (und Toro-Rosso Mittelfeldpilot) Sebastian Bourdais kehrt in den US-Rennsport zurück. Allerdings nicht für die ganze Saison: Der Franzose wird aus Sponsormangel und wegen Terminkollisionen mit seinen Sportwagen-Projekten bei den Oval-Rennen nicht antreten. Dass Bourdais mit den amerikanischen Open Wheelern und hemdsärmeligen Stadt- und Rundkursen gut zurecht kommt, hat er bewiesen. Unklar ist dagegen, ob die Autos von Dale Coyne gut genug sind, um ein ernsthafter Kandidat auf die Mario Andretti Rundstrecken-Trophy zu sein. Ebenfalls unerwartet ist der zweiten Pilot: James Jakes, bisher bekannt aus GP2 und GP3 hat wohl einen zahlungskräftigen Sponsor gefunden, und wird die gesamte Saison mit dabei sein.

Newman/Haas Racing

In 50%-Stärke startet die Mannschaft von Newman/Haas in St. Petersburg in die Saison. Ursprünglich hatte man gehofft, Oriol Servia und James Hinchcliffe zu verpflichten – schließlich hat es aber nur Servia geschafft, die nötigen Sponsorgelder aufzutreiben. Das ist schade, denn beim Test in Alabama waren beide sehr gut unterwegs. Hinchcliffe hofft nun, bis zu einem der kommenden Rennen ausreichend Gelder zu finden, um doch noch in die Serie einsteigen zu können. Immerhin hat Newman/Haas mit Oriol Servia aber einen erfahrenen und meist schnellen Piloten verpflichtet, mit dem man hoffen kann, das Abschneiden vom vergangenen Jahr (als der Pilot Hideki Mutoh hieß) vergessen zu machen.

Der Rest

Fans von Simona de Silvestro dürfen sich auch in dieser Saison auf ein dauerhaftes Antreten der Schweizerin freuen. Einziger Wehrmutstropfen: Ihr Sponsor, “Nuclear Clean Air Energy”, ein Projekt, das für “sauberen” Atomstrom werben soll, dürfte sich momentan nicht an der Spitze seiner Popularität befinden. Alex Tagliani und das FAZZT-Team sind auch wieder mit dabei – allerdings nach Kauf durch Sam Schmidt unter dem Namen von dessen Team “Sam Schmidt Motorsports”. Sebastian Saavedra wird die gesamte Saison bei Conquest Racing bestreiten, Raphael Matos hat in letzter Minute einen Deal mit dem neuen AFS Racing zustande gebracht. Vitor Meira bleibt bei Foyt. Und JR Hildebrand bei Panther Racing vervollständigt ein starkes und wieder etwas US-lastigeres IndyCar Feld. Sarah Fisher Racing wollte eigentlich die gesamte Saison mit Ed Carpenter bestreiten, musste sich nach einen Crash beim Testen aber für dieses Wochenende zurückziehen. Bleibt zu hoffen, dass die Mannschaft bald wieder dabei sein kann.

Nicht dabei sind beim Saisonstart der schon erwähnte Paul Tracy – und Dan Wheldon, der sich im Streit von Panther Racing getrennt hat. Der Brite scheint bei der Suche nach einem neuen Cockpit keine große Eile an den Tag zu legen, und wird nach eigener Aussage nur dann wieder in die Serie einsteigen, wenn er ein Angebot von einem konkurrenzfähigen Team bekommt.

Der Kalender

Nach dem Saisonstart am kommenden Wochenende geht es im Zwei-Wochen Takt mit Rennen am Barber Motorsports Park, in Long Beach und dem Brasilien-Lauf in Sao Paulo weiter.

Ohne vorheriger Übung auf einem Oval beginnt dann der Monat Mai, und damit die Vorbereitung auf das Indy 500 am 29.5.

Zwei Wochen später gibt es die erste Kalender-Neuerung – und die ist durchaus als Experiment zu bezeichnen. In Texas wird es nämlich zwei Rennen geben, die am selben Tag stattfinden werden. Die Punkte dafür werden ganz einfach geteilt, die Startaufstellung für das zweite Rennen wird ausgelost. Das kann spektakuläres Rennen geben – aber auch ebenso spektakulär in die Hose gehen. Es ist sicher nicht schlecht, frischen Wind in die Serie zu bringen. Ob man das aber unbedingt auf die High-Speed Oval in Texas machen muss, ist eine andere Frage.

Nur eine Woche danach feiert Milwaukee die Rückkehr in den IndyCar Kalender – ein Ort der Tradition aber auch der kleineren Geschwindigkeiten und nicht immer wahnsinnig spannenden Rennen. Danach folgt Iowa, bevor es im Rahmen der Kanada-Tournee wieder auf die Rundkurse geht. Zuerst startet die Serie in Toronto, zwei Wochen später auf dem völlig umgebauten Flugplatzkurs in Edmonton.

Wieder zurück in den USA folgt der Klassiker von Mid-Ohio. Dann steht wieder eine “Premiere” auf dem Programm: Das erste größere Open-Wheel-Rennen auf dem New Hampshire Motor Speedway in Loudon seit mehreren Jahren. Besonderheit: Damit die Teams nicht umbauen müssen, wird auch dort in Road-Konfiguration fahren.

Es folgt eine weitere Premiere: Das erste Rennen auf dem neuen Stadtkurs in Baltimore. Dort hatte man wohl über den Winter finanzielle Anlaufschwierigkeiten. Nach aktuellem Stand wird die Strecke aber rechtzeitig fertig.

Für die letzten drei Rennen der Saison folgen dann wieder Ovale. Zunächst plant man, in Motegi zum vorerst letzten Japan-Auftritt der Serie anzutreten. Dass man dort ab 2012 nicht mehr antreten wird, haben INDYCAR und Motegi-Betreiber schon vor einiger Zeit bekannt gegeben. Ob man sich nach Erbeben und Tsunami heuer wirklich noch einmal auf die Reise macht, darüber gibt es im Moment noch keinen Beschluss.

Als vorletztes Rennen der Saison steht Kentucky auf dem Programm, wo es in letzter Zeit immer spannende Rad-an-Rad Duelle gegeben hat.

Schließlich folgt das Finale am baulich recht ähnlichen Oval in Las Vegas, für das sich Randy Bernard allerdings einen besondere Dreh einfallen hat lassen: Bei der Veranstaltung mit dem bescheidenen Titel “IndyCar World Championship” werden neben den regulären IndyCar Piloten noch fünf weitere Fahrer aus anderen Serien antreten. Sollte einer dieser fünf das Rennen gewinnen, winkt ein Preisgeld in der Höhe von 5 Millionen Dollar. Im Sommer soll ein Komitee entscheiden, welche Fahrer antreten dürfen. Bis dahin gibt es nur Spekulationen – etwa um den ehemaligen F1 und CART Piloten Mark Blundell, den Motocross Star James Stewart oder möglicherweise sogar Alex Zanardi.

Neue Regeln

Mit dem Ziel, eine bessere Show zu liefern, wurden in der Winterpause außerdem einige neue Regeln beschlossen: Commitment Cone, Double-File Restart, Einführung einer “Lucky Dog”-ähnlichen Regel, eine Höchst-Teilnehmerzahl von 26 Autos.

Oder auch nicht: Denn nach heftigen Beschwerden zahlreicher Fans wurden “Lucky Dog” und das 26-Starter Limit wieder gestrichen. Ausnahme: Auf Kursen, in denen die Pitlane nicht lang genug ist, etwa in Mid Ohio, wird es weiterhin eine Beschränkung des Startfeldes geben.

Geblieben ist die neue Regelung für Restarts: Die werden ab sofort in Double File absolviert. Außerdem wird die grüne Flagge deutlich später fallen als bisher. Die Autos werden also beim Überqueren der Zielflagge wieder näher beieinander liegen. Das sieht spektakulärer aus, ist bei den Teambesitzern aber nicht besonders beliebt, weil es auch zu einer Häufung an teurem Schrott führen könnte.

Vorschau: St. Petersburg

Wie das ganze in der Praxis funktioniert, werden wir am Wochenende in St. Petersburg sehen. Die IndyCar Series gastiert dort schon zum siebten, zählt man ein Champ Car Rennen 2003 dazu sogar schon zum achten Mal. Der Kurs liegt einigermaßen pittoresk in der 250.000 Einwohner-Stadt am Golf von Mexiko. Die Kursführung ist aber leider auch ziemlich eng. Die Rennen sind daher nicht immer wahnsinnig spannend. Mit etwas Glück und ein bisschen Regen wird das ganze allerdings schon wieder interessanter – so etwa 2008, als Graham Rahal das zweite Rennen nach der Wiedervereinigung von IRL und Champ Car Series gewann. Im vergangenen Jahr war es dann doch etwas zu viel des Guten, so dass der Lauf wegen Überflutungen auf den Montag verschoben werden musste. Gewonnen hat dann Will Power – der vierte Penske-Sieg in sechs Jahren. Heuer soll es aktuellen Wetterberichten zufolge trocken bleiben.

Zum Kurs selbst: Nach der Start/Zielgerade, die über eine für das Rennen stillgelegte Landebahn führt, geht es in eine recht enge Rechtskurve, wo in der Vergangenheit die meisten Überholmanöver stattgefunden haben. Es folgt eine kürzere Gerade, an deren Ende eine 90 Grad-Kurve auf die Fahrer wartet. Überholversuche gibt es dort immer wieder, gelungene Überholmanöver eher selten. Gelbphasen dafür wieder ziemlich häufig. Nach einem kurzen, ziemlich eckigen Intermezzo geht es entlang der Promenade in zwei schnelle Linkskurven und eine schnelle Schikane. Diese Passage ist landschaftlich besonders schön am Meeresufer gelegen – merkwürdig, dass dort nie Kameras postiert sind, die das entsprechend einfangen. Überholmanöver sind dort nicht zu empfehlen, und Fehler auch nicht – denn die Wand ist ziemlich nah. Über eine langgezogene, mittelschnelle Kehre geht es dann wieder zurück auf Start und Ziel. Wer sich hier einen Fehler erlaubt, läuft Gefahr, überholt zu werden. Die Versuchung für hinterherfahrende Piloten, beim Vordermann in NASCAR-Manier “anzuklopfen” scheint ziemlich groß zu sein. Helio Castroneves hat das am Ende einer SC-Phase vor ein paar Jahren mit Scott Dixon erfolgreich praktiziert. Ein aktuelles Onboard-Video hat die IndyCar Series zwar noch nicht veröffentlicht. Die Kursführung hat sich aber seit 2009 meines Wissens nach nicht verändert, so dass ich hier einfach die Onboard-Vorschau vom letzten Jahr, begleitet von Ryan Briscoe, poste.

Leider auch neu: Kein Stream

Alles in allem also gute Voraussetzungen für eine spannende Saison. Für Fans im deutschen Sprachraum hat die Sache aber leider einen Haken: Die Serie wird auch heuer (nach derzeitigem Stand) auf keinem Sender übertragen. Und auch den offiziellen Internet-Stream, der zwar nicht besonders gut, 2010 aber trotzdem oft die einzige Rettung war, gibt es auf Geheiß des amerikanischen Rechteinhabers Comcast/NBC (den neuen Versus-Besitzern) heuer nicht mehr.

Für die USA ist das verständlich, denn die INDYCAR hatte offenbar nie die Rechte, ihre Rennen im Internet zu streamen. Versus hat das wohl bisher trotz schlechter Quoten geduldet. Weil aber die Fans offenbar immer in der Werbeunterbrechung den Stream angeschalten haben, hat man diese Praxis nun beendet.

Weniger verständlich ist dagegen, wieso man auch die Trainings und die nicht im TV übertragenen Qualifying-Sessions mehr zeigen will. Und völlig unverständlich ist, wieso man nicht gegen Gebühr einen Stream des von ESPN produzierten internationalen Feeds der Serie in jenen Ländern anbietet, wo die Rechte für die IndyCar Serie nicht verkauft wurden. Leider ist man im Moment derartig auf den Aufbau einer amerikanischen Fanbase konzentriert, dass man es noch nicht mal geschafft hat, eine Liste der internationalen Broadcaster auf die Homepage zu stellen. Stattdessen gibt es dort noch immer jene vom vergangenen Jahr. Wird man sich also wieder in den Untiefen des Internets umsehen müssen, wenn man das Rennen trotzdem sehen will.

27.03.2011 LIVE 18:30 Uhr IndyCar Series St. Petersburg ABC LIVEx 23:00 Uhrx Asian F BMWxxx Bud Shootout Practicex sky sport2x

March 23 2011

06:41

Ferner liefen: Die Newshappen

# Oha! Bernie Ecclestone ist beim Saisonauftakt in Melbourne nicht dabei, sondern fährt nach New York, um mit Bürgermeister Michael Bloomberg über die Austragung eines Rennens in Staten Island zu verhandeln. Wie schon Anfang Februar berichtet, gibt es dort wohl Überlegungen, eine permanente Rennstrecke in einem ehemaligen Industriegebiet zu errichten. Ecclestones Abwesenheit wird bei den Organisatoren des australischen Grand Prix sicher für zusätzliche Nervosität sorgen – das Rennen gilt als gefährdet, weil die Regierung des Bundesstaates Victoria die finanzielle Unterstützung streichen will. Organisator Ron Walker hat sich gegenüber Autosport allerdings sicher gezeigt, dass der Lauf sogar über den derzeit laufenden Vertrag bis 2015 hinaus ein fixer Bestandteil des F1-Kalenders bleiben wird. (Vorsicht)

# Karun Chandhok wird nach seinem Abschied von HRT auch beim Grand Prix von Australien auf der Rennstrecke zu sehen sein. Der indische Publikumsfavorit hat eine Rolle als Test- und Ersatzfahrer beim Team Lotus ergattert. Er wird in dieser Funktion auch in einigen freien Trainings zum Einsatz kommen – darunter auch das erste Freie Training zum Saisonauftakt 2011 am kommenden Wochenende. Chandhok war zwar während der Wintersaison schon mehrfach in Teamkleidung von Lotus in Erscheinung getreten, die Verpflichtung kommt trotzdem einigermaßen überraschend. Denn im Grund hatte das Team auch zuvor mit dem “offiziellen dritten Fahrer” Luiz Razia und den beiden Testfahrern Davide Valsecchi und Ricardo Teixeira schon mehr als genug Cockpit-Personal. (Vorsicht)

# Das französische ORECA-Team, bisher eher auf Sport- und Tourenwagen spezialisiert, überlegt einen Einsatz in der IndyCar Series ab 2012. Konkret geht es darum, dass das Team eines der Aero-Kits für die kommende Saison konstruieren könnte, die dann ein Team oder ein anderer Hersteller als eigene Konstruktion branden würde. Ein Einsatz als eigenständige IndyCar-Mannschaft scheint dagegen nicht geplant zu sein. Randy Bernard wäre an einem weiteren Hersteller offenbar sehr interessiert, ein Treffen hat bereits stattgefunden. (Vorsicht)

# Randy Bernard ist weiter auf der Suche nach vermarktbaren Stars, die zum Saisonfinale in Las Vegas um das Preisgeld von 5 Millionen Dollar fahren sollen. Neben Altstars wie Mark Blundell und Vierrad-Amateuren wie Motocrosser James Stewart ist nun ein ganz besonders großer Name im Gespräch: Alex Zanardi. Der zweimalige CART-Champion dürfte die Anfrage von Bernard zwar anfangs nicht wirklich ernst genommen zu haben, scheint nun aber doch eine Teilnahme zu überlegen. Unklar ist noch, ob der nach seinem schweren Crash am Lausitzring auf beiden Seiten Unterschenkel-Amputierte Italiener das auch darf – einige Sicherheitsfragen, etwas das schnelle Aussteigen im Brandfall scheinen doch Bedenken aufkommen zu lassen. Außerdem hat Kollege Dario Franchitti Zweifel daran, ob Zanardi mit seinen kräftig trainierten Oberarmen noch ins Cockpit passt. Andererseits: Dass das alles nicht zwangsweise ein Hindernis sein muss, und vor allem, dass er es immer noch kann – das hat er ja in der WTCC mehrfach gezeigt. (Vorsicht)

# Und damit noch einige Kurzmeldungen aus der IndyCar Series – mehr dazu gibt es morgen in der Saisonvorschau:
- Tony Kanaan hat die Cockpit-Suche doch noch erfolgreich abgeschlossen, und wird 2011 ganzjährig bei KV Racing starten.
- Bei Dale Coyne wird vermutlich Sebastian Bourdais auf den Rundkursen zu Einsatz kommen, zusätzlich das gesamte Jahr über der britische Rookie James Jakes, der zuletzt in GP2 und GP3 unterwegs war. (Auf der Entry List (Achtung, .pdf) für St. Petersburg stehen beide, die Laufzeit der Verträge ist noch nicht offiziell bestätigt)
- Besagter Entry List ist auch zu entnehmen, dass Oriol Servia für Newman/Haas starten wird. James Hinchcliffe hat es dagegen wohl trotz guter Leistungen bei den Tests nicht geschafft, die nötigen Gelder zu sammeln.
- Paul Tracy ist noch nicht so weit, und wird beim Saisonauftakt in St. Petersburg daher allenfalls als Zuschauer dabei sein. Allerdings wurde in der vergangenen Woche bekannt, dass der Kanadier beim Indy 500 für Deyer & Reinbold an den Start gehen wird. Zusätzlich arbeiten beide Seiten daran, Sponsoren für weitere Starts zu finden.
- Dan Wheldon wird in St. Pete ebenfalls nicht dabei sein, und würde auch im Laufe der Saison nur dann an den Start gehen, wenn er ein Team findet, dass seinen Anforderungen genügt.
- Die schon angekündigte “Lucky Dog”-Regel wird nach Protesten der Fans 2011 doch nicht zum Einsatz kommen.
- Die Strecke in Motegi ist nach dem schweren Erdbeben in Japan nur leicht beschädigt, zum Glück sind alle Mitarbeiter unverletzt geblieben. Ob das geplante IndyCar Rennen im Herbst stattfinden wird, wird zu einem späteren Zeitpunkt entschieden – die Verantwortlichen haben derzeit begreiflicherweise ganz andere Sorgen.
(Vorsicht)

# Der Promoter der Le Mans Series, Patrick Peter, hat a

January 26 2011

07:49

Ferner liefen: Die Newshappen

// Die Tage des Australischen Grand Prix in Melbourne könnten gezählt sein. Zumindest wenn es nach Bürgermeister Robert Doyle geht, der am Wochenende in einer Kolumne in der Herald Sun über die hohen Kosten der Veranstaltung geklagt hat. In den 1990er-Jahren habe das Event dem Image der Stadt sehr geholfen.  Nach mehr als 15 Jahren habe sich der Werbewert aber etwas überlebt – die stetig steigenden Zuschusskosten von mittlerweile 70 Millionen australischen Dollar seinen für die Steuerzahler daher nicht mehr tragbar. Ob es sich dabei nun um Verhandlungstaktik handelt, oder um eine ernst gemeinte Ankündigung: In unmittelbarer Gefahr ist das Rennen noch nicht. Den bestehenden Vertrag mit Bernie Ecclestone will die Stadt nämlich auf jeden Fall erfüllen – und der läuft immerhin noch bis 2015. (Vorsicht)

// Bei Force India ist man sich wohl immer noch nicht ganz im Klaren darüber, wer in der kommenden Saison das zweite Auto neben Adrian Sutil pilotieren wird. Autosport (Print-Edition) hat in der vergangenen Woche als fix gemeldet, dass Paul di Resta diese Position übernehmen wird – Joe Saward will derweil aber “verlässlichen Quellen” im Team erfahren haben, dass man noch immer keinen Weg gefunden habe, Vitantonio Liuzzi loszuwerden. Der Italiener scheint nämlich einen erstaunlich wasserfesten Kontrakt für die kommende Saison zu besitzen, und Teameigner Vijay Mallya ist wohl nicht gewillt, den Italiener aus diesem Vertrag herauszukaufen. Jon Noble von Autosport bleibt trotzdem dabei – und kündigt für heute, gegen 4 Uhr Nachmittags eine entsprechende Verlautbarung an. Nachtrag, 26.1., 16:20: Nun ist es offiziell: Paul Di Resta wird das zweite Cockpit neben Sutil erhalten, Hülkenberg wurde als Testfahrer engagiert. (Vorsicht)

// Bei Team Lotus verhandelt man derweil mit Karun Chandhok über ein Engagement als Testfahrer. Ziel des Inders wäre es, 2011 die Abläufe im Team zu lernen, und in der folgenden Saisons dann ein Stammcockpit  zu ergattern. Noch ist allerdings, wie auch Chandhok selbst einräumt, nichts unterschrieben. Bei der Group Lotus, dem ehemaligen Team von Renault, hat man sich derweil für 2011 die testfahrerische Expertise von Fairuz Fauzy gesichert. Pikant: Der Malaysier stand im vergangenen Jahr noch in Diensten der Intimfeinde vom Team Lotus. (Vorsicht)

// Neben dieser Tätigkeit wird Fauzy auch in der GP2 und GP2 Asia an den Start gehen. Und zwar erstaunlicherweise nicht für das mit Lotus verbandelte Team von ART, sondern bei Super Nova Racing(Vorsicht)

//F2 Meister Dean Stoneman wird in der kommenden Saison leider nicht auf der Strecke zu sehen sein. Der Brite, der eigentlich in der Formel Renault 3.5 an den Start gehen sollte, ist an Hodenkrebs erkrankt, und muss daher erstmal aussetzen. Wie man hört wurde die Erkrankung in einem frühen Stadium entdeckt, so dass es um die Heilungschancen wohl ganz gut bestellt ist. Wir wünschen jedenfalls alles Gute, und hoffen, ihn schon bald wieder auf der Rennstrecke zu sehen! (Vorsicht)

// Zwei weitere Namen aus der GP2. Joylon Palmer, Sohn des Ex-F1 Fahrer Jonathan Palmer hat bei Arden angedockt. Er überspringt die GP3 und versucht sein Glück direkt in der GP2. Ebenfalls in der GP2, dafür aber mit einem bekannteren Namen ausgestattet, ist Romain Grosjean. Der von Renault fast verheizte Nachwuchspilot hat im letzten Jahr in der AutoGP alles in Grund und Boden gefahren und versucht sich jetzt erneut am GP2 Titel, dieses Mal mit DAMS. Seinen ersten Versuch hatte er ja abbrechen müssen, weil er zu Renault gelotst wurde, die Nelson Piquet jr. raus geschmissen hatten.Don

// Seit Dezember schon fix, und jetzt auch offiziell bestätigt: Simona de Silvestro wird auch 2011 eine volle Saison in der IndyCar Series bestreiten. Am Montag hat das HVM-Team den neuen Sponsor “Entergy” (einen Stromanbieter, der sich auf Nuklearenergie spezialisiert hat und neun Kernkraftwerke betreibt) vorgestellt. Noch nicht ganz am Ziel ist derweil James Hinchcliffe – allerdings hat der Kanadier in der vergangenen Woche zum wiederholten Male für Newman/Haas Racing getestet. Und dort wiederum scheint man mit den Leistungen des Teilzeit-TV-Kommentators ziemlich zufrieden zu sein. Fehlt für einen Renneinsatz also nur noch ein passender Sponsorendeal – der derzeit aber wohl noch nicht in trockenen Tüchern ist. (Vorsicht)

// In der Nationwide Serie werden ab 2011 die Punkte anders verteilt. Da sich die Fahrer beim Einschreiben in die Saison entscheiden mussten, in welcher Serie sie punkten wollen, war eine Anpassung nötig geworden. Die Sache wird nicht unkompliziert. Punkte bekommen nur die Fahrer, die sich für die NW gemeldet haben. Fahrer aus dem Sprint Cup, die dort auch Meister werden wollen und das entsprechende Häkchen gesetzt haben, gehen leer aus. Liegen drei Cup-Fahrer auf den ersten Plätzen, bekommt der erste NW-Pilot aber trotzdem nur die Punkte für Platz 4. Die Owner Wertung bleibt jedoch unangetastet, die Cup-Fahrer können also für die Besitzer voll punkten und diesen Titel einfahren. Die NASCAR will so den Nachwuchs stärker fördern, ohne die Sponsoren zu vertreiben. Bedeutet im Umkehr im übrigen auch, dass NW-Fahrer keine Punkte mehr im Cup bekommen. Don

// Der Leiter von Fox Sports hat angemerkt, dass die Rennen der NASCAR durchaus etwas kürzer sein könnten. Alles in allem schwebt ihm ein 4 Stunden Fenster vor. 40 Minuten Vorberichte, 3 Stunden Rennen, 20 Minuten Nachberichte. Die Startzeit der Rennen ist im Moment in den USA am Sonntag um 13.00 Uhr, damit wäre man um 17.00 Uhr fertig. So würde man auch der NFL aus dem Weg gehen, wenn das Rennen mal wieder länger dauert. Allerdings – die wenigsten Rennen kratzen an der vier Stunden Grenze, wenn alles glatt läuft. Meist ist die NASCAR in 180 bzw. 210 Minuten fertig. Dazu kommen die “rain outs”, die man nicht einkalkulieren kann. In den USA wertet man die Aussage von Fox schon mal als Versuch der NASCAR klar zu machen, dass sich bei den Quoten was ändern muss, die seit Jahren langsam aber sicher absinken. Don

// Die Testfahrten der NASCAR letzte Woche in Daytona haben wenig Neuigkeiten erbracht. Die Zeiten kann man getrost vergessen, weil kaum in größeren Paketen gefahren wurde. Die Fahrer haben schon neue Spitznamen für die Strecke “Daydega” oder “Tellatona”. Nach der Neuasphaltierung sind wie befürchtet alle Bumps weg, die Splitter bewegten sich kaum einen Millimeter. Das wird dazu führen, dass man statt zu zweit, zu dritt nebeneinander fahren kann, was auf der engen Strecke sicher spaßig wird. Ein “Big One” ist vorprogrammiert, wie viele Fahrer zu Recht kritisierten. Auffallend ist auch der sehr dunkle Asphalt, der viel Hitze speichert. Die Reifen haben zwar beim Test gehalten, aber wie das im Rennen sein wird, ist eine andere Geschichte. Nicht asphaltiert wurde im übrigen das Infield, was bei den 24H von Daytona am Wochenende sicher zu Problemen führen wird.Don

// Aus der LMS gibt es zwei Meldungen: Zum einen wird Audi mit der 2010er Mannschaft wieder antreten, zum anderen hat BMW zwei M3 GT2 für die ILMC bestätigt. Don

// Porsche hat bestätigt, dass man im Kundenauftrag (also VW) an einem Vierzylinder arbeitet. Die möglichen Konsequenzen aus der Geschichte sind klar, die Gerüchte brauchten dann auch nur ca. 1 Nanosekunde. Offenbar baut man den Motor auch mit Blick auf die Formel Eins. Weswegen sonst sollte Porsche für einen Konzern an einem Vierzylinder basteln, in dem es nun wahrlich nicht an kleinen Vierzylindern mangelt. Don

August 06 2010

16:17

IRL: Vorschau Honda Indy 200 Mid-Ohio

Nach dem Eklat von Edmonton geht die IRL in Mid Ohio in die nächste Runde. Der Kurs hat in den vergangenen Jahren nicht wirklich für Spannung gesorgt, diesmal gibt es zumnidest ein paar positive Vorzeichen.

Nicht ganz umsonst heißt die Strecke, auf der die Indycars am Wochenende Station machen “Mid Ohio Sports Car Course“. Die Bahn ist zwar technisch herausfordernd, interessant zu fahren, und macht auch Spaß beim Zusehen. Aber für Rennaction mit Single-Seatern ist sie einfach nicht geschaffen. Die Überholmöglichkeiten sind rar – und das konnte man den meisten Rennen dort auch anmerken. Das ist auch in diesem Jahr zu befürchten. Allerdings gibt es auch einige Faktoren, die diesmal etwas mehr Spannung versprechen könnten. Denn zumindest die Anzahl derer, die für Action sorgen könnten, ist so groß, wie außerhalb des Indy 500 schon lange nicht mehr. 27 Fahrer werden am Wochenende an den Start gehen, darunter auch zwei neue Gesichter. Nur einer der beiden Piloten dürfte allerdings auch das Zeug zum Erfolg haben.

Damit alle Fahrer am Rennen teilnehmen können, musste die Indycar sogar kurzfristig ihre Regeln ändern. Denn während an Indycar-Rennen außerhalb des Indy 500 sonst 28 Autos zugelassen sind, waren bisher in Mid Ohio (so wie auch in Toronto) nur 26 Starter erlaubt. Grund ist die beengte Boxensituation auf der schon etwas in die Jahre gekommenen Rennstrecke. Um doch 27 Wagen zulassen zu können, musste man die Länge der einzelnen Boxen von 40 Fuß (ca. 12m) auf 35 (ca. 10,5m) verkürzen. Zum Vergleich: Die Autos selbst haben eine Länge von 16 Fuß (ca. 4,9m). Es könnte also sein, dass die Pitstops beim Rennen diesmal wegen des Platzmangels noch etwas kollisionträchtiger sind, als sonst.

Die Situation in den Boxen wird sich damit sehr gut mit der sonstigen Erfahrung auf dem “Mid Ohio Sports Car Course” decken: Es ist, für die Indycars, fast überall etwas zu eng. Und dafür dann eigentlich auch wieder ziemlich schnell. Wegen der Höhenunterschiede gibt es außerdem einige uneinsichtige Kurven, gleich mehrere der Ecken sind so gebaut, dass sie an der Spitze eines kleinen Hügels liegen. Das macht die Strecke anspruchsvoll – aber auch nicht ganz ungefährlich. Vor allem auch deswegen, weil, USA-typisch, nicht überall ausreichend Auslauf zur Verfügung steht. Und weil das alles so flüssig gestaltet ist, fehlen leider auch die Überholmöglichkeiten. Probieren kann mans vor den Esses nach der langen Gegengeraden, auf der traditionell auch der Start abgehalten wird. Und womöglich in der vorletzten Kurve vor Start und Ziel, die so wie die legendäre Passage in Road America Carousel heißt, aber deutlich langsamer zu durchfahren ist. Über die Jahre kann ich mich an beiden Stellen aber an mehr fehlgeschlagene als gelungene Manöver erinnern. Zum besseren Überblick hier noch eine Onboard-Runde mit Marco Andretti.

In den vergangenen Jahren war die Strecke fest in Ozeanischer Hand: Beim Debut 2007 und im vergangenen Jahr konnte sich Scott Dixon durchsetzen, 2008 hatte Ryan Briscoe die Nase vorn. Anders, als auf manch anderen Rundkursen hat in Mid Ohio also bisher immer ein Auto der beiden Top Teams gewonnen. Und wenn im Qualifying und beim Start alles gut geht, dann sind diese beiden Teams wohl auch heuer die großen Favoriten. Konkret wird wohl, wie auf allen Rundkursen, wieder zuallererst mit Will Power zu rechnen sein, der beim vorletzten Rundkursrennen der Saison nur mehr ein paar Pünktchen braucht, um sich die “Mario Andretti Trophy” zu holen. Aber auch Helio Castroneves hat hier in seligen CART Zeiten schon zweimal triumphieren können.

Den letzten Sieg eines noch aktiven Teams abseits von Penske und Ganassi holte im Jahr 1991 Michael Andretti für Newman/Haas Racing. Und das Team könnte auch diesmal zu den Geheimtipps zählen. Denn zum zweiten Mal nach Toronto greift Graham Rahal für die Mannschaft ins Lenkrad – Auftritte bei allen folgenden Rennen (außer Kentuky) werden folgen. Weitere Geheimfavoriten: Wie immer Justin Wilson, der hier allerdings nie wirklich auf Touren gekommen ist; Die KV-Mannschaft (vor allem, sofern sie ein gutes Wochenende erwischen, Sato und Viso); Und natürlich Andretti Autosport, die gleich mit fünf Autos an den Start gehen werden – Adam Carrol wird nämlich zum zweiten Mal nach seinem sehr beachtlichen Debut in Watkins Glen ins IRL-Cockpit steigen.

Ganz neu dabei: J.R. Hildebrand. Der Indy Lights-Meister 2009 kommt im Auto des noch immer rekonvaleszenten Mike Conway endlich zu seinem ersten IRL-Einsatz. Ein wenig Eingewöhnungszeit muss man ihm wohl zugestehen – sofern er in nächster Zeit aber noch ein paarmal starten darf (Sonoma ist schonmal fix), dann würde ich ihm durchaus ein paar solide Leistungen zutrauen. Zu hoffen wäre es, denn etwas mehr US-Vollzeitpiloten würden der Indycar Series ja nicht unbedingt schaden.

Das zweite neue Gesicht ist der Italiener Francesco Dracone, der bei Conquest Racing das Auto von Sponsoren-Pleitier Mario Romancini übernimmt. Zu viel sollte man sich von Dracone aber vielleicht nicht erwarten. Denn, ganz abgesehen davon, dass sich seine bisherige IRL-Erfahrung in einem kürzlich absolvierten Test erschöpft: Er konnte auch in keiner anderen Serie so richtig überzeugen. Zuletzt war er einige Jahre in der Euroseries 3000 unterwegs, wo seine besten Platzierungen drei fünfte Plätze und der Gesamtrang sieben (2009) waren.

Gelegenheits-Starter Jay Howard, der in Mid-Ohio das Auto von Sarah Fischer fährt, komplettiert das Feld.

Einen Abschluss hat mittlerweile die Affäre rund um das angebliche Blocking-Manöver von Helio Castroneves gefunden. Die IRL bleibt vorerst bei der Regel, die in Zweikämpfen den verteidigenden Fahrer verpflichtet, die normale Rennlinie zu verwenden, und eine imaginäre Linie in der Mitte der Strecke nicht zu überfahren. Brian Barnhart ist auch weiterhin in Amt und Würden – hoffentlich schafft er es endlich, die Regel (wenn sie schon existieren muss) wenigstens konsistent umzusetzen. Castroneves hat sich für sein Verhalten nach dem Rennen entschuldigt. Trotzdem wurde er mit einer Strafe in der Höhe von 60.000 US$ und verschärfter Beobachtung bis zum Ende der Saison bestraft.

Lotus, in dieser Saison ja schon als Partner des KV-Autos von Takuma Sato in der Serie vertreten, haben gegenüber Autosport ihr Interesse daran bestätigt, ab 2012 Aero-Kits für das neue Dallara-Chassis zu entwerfen. Motorsport-Direktor Claudio Berro spricht bereits von konkreten Plänen, und davon, dass man dies als “natürliche Evolution” des Indycar-Engagements sehe. Hoffen wir mal, dass sich noch weitere Hersteller finden, die sich dieser Meinung anschließen können.

Der Lauf in Mid Ohio wird in den USA von Versus übertragen, man darf also 1) auf fachkundige Moderatoren, 2) auf einen anständigen Stream in der Racecontrol, und 3) auf zahlreiche Wiederholungen der Worte “Linda”, “awesome” und “selfish” in den Werbepausen hoffen. Für Rundstreckenfreunde etwas bitter: Das Rennen findet parallel zum NASCAR-Lauf in Watkins Glen statt, was auch die Verfügbarkeit brauchbarer Streams ein wenig einschränken könnte. Start des Qualifyings am Samstagabend ist um 18:30, das Rennen selbst beginnt am Sonntag um 20:30 (Green mutmaßlich um 21:00). Fans der Indy Lights können das Rennen der Nachwuchsserie um 18:30 (alles MESZ) in der Racecontrol verfolgen.

June 18 2010

16:36

IRL-Vorschau: Iowa Corn Indy 250

Das vorläufig letzte Ovalrennen steht bei den Indycars am kommenden Sonntag in Iowa auf dem Programm. Und anders als in Texas werden hier auch Fans von traditionellerem Open Wheel Motorsport auf ihre Kosten kommen.

Schon zum vierten Mal ist die Indycar Series auf der Rennstrecke unweit Iowas Hauptstadt Des Moines unterwegs – und so ein richtiger Garant für tolle Rennen war das Oval bisher leider nicht. Im vergangenen Jahr war es sogar eines aus jener Serie fader Läufe, nach der sich die Fahrer schließlich gezwungen sahen, sich für das mangelnde Spektakel bei den Fans zu entschuldigen. In diesem Jahr könnte es allerdings besser laufen – immerhin gab es seitdem die Modifikationen an den Autos samt Push to Pass Button, die das Überholen erleichtern sollen. Ob das reicht, um auch am kommenden Wochenende für Spannung zu sorgen, muss man abwarten. Ein großes Problem hat die Indycar aber vorläufig schon mal abgewandt: Die zwei US-Boys Ryan Hunter-Reay und Graham Rahal bleiben der Serie vorerst erhalten.

Der Iowa Speedway wurde 2006 mit hohen Erwarungen eingeweiht: Eine der modernsten Rennstrecken der USA sollte er sein. Die progressiv mit 12 bis 14 Grad überhöhten Kurven sollten es den Fahrern ermöglichen, nebeneinander mehrere Linien zu fahren. Allein: So richtig hat das bisher nur in Ausnahmefällen wie beim grandiosen Start von Tomas Scheckter im vergangenen Jahr funktioniert. Ansonten bot die IRL dort eher Prozessionen, nicht selten kamen die Wagen schließlich mit Sekundenabständen ins Ziel. Grund: Die Aerodynamik verhinderte in den langen Ovalkurven ein zu enges Auffahren, die Geraden waren bei weitem nicht lang genug, um wieder entsprechend aufholen zu können. Aber wie schon gesagt: In diesem jahr könnte dank veränderter Technik alles besser werden. Auf anderen Ovalen hat das ja erstaunlich gut funktioniert… Mal sehen.

Doch auch, wenn das Spektakel etwas hinter dem flat-out Rennen in Texas zurückbleiben sollte – Fans werden sich damit trösten dürfen, dass es in Iowa wieder mehr auf die Fähigkeiten der Fahrer ankommt, als vor eineinhalb Wochen.

Auch auf die große Gefahr hin, mich zu wiederholen: In Iowa werden wohl wieder die Wagen von Ganassi und Penske die sein, die es zu schlagen gilt. Spannend wird dabei sein, ob die sonst so streng geführte Penske-Organisation es endlich geschafft hat, die in Indy und Texas viel zu hohe Fehlerquote wieder einigermaßen in den Griff zu bekommen. Und, ob man bei Ganassi diesmal eine Abstimmung findet, die nicht nur dann schnell ist, wenn man vorne wegbläst, sondern auch dann, wenn man im Pulk hinter anderen Autos herfahren muss. Dazu wird es nämlich dank Überrundungen auf dem vergeleichsweise kurzen Oval in Iowa wieder wesentlich häufiger kommen, als in Kansas, Indianapolis und Fort Worth.

Außerdem bleibt abzuwarten, ob es Andretti Autosport geschafft hat, den Aufwärtstrend der vergangenen Wochen beizubehalten. Im Rennen waren sie ja in Texas schon fast gleichauf mit Ganassi und Penske – der nächste Schritt müsste dazu führen, dass man auch im Qualifying die schnellsten Zeiten mitgehen kann.

Immerhin wird das Team auch weiterhin vier heiße Eisen im Feuer haben: Neben Tony Kanaan, Marco Andretti und Danica Patrick wird auch Ryan Hunter-Reay in Iowa für die Truppe antreten können. Denn zumindest für dieses eine Rennen hat sich ein Sponsor für den Texaner gefunden: Ethanol USA wird ihm den Einsatz am kommenden Wochenende ermöglichen. Entgegen meiner etwas optimistischen ersten Twitter-Meldung ist der Rest der Saison aber leider noch nicht gesichert. Michael Andretti zeigte sich aber auch diesbezüglich im Interview mit der Website von Speed TV “vorsichtig optimistisch”.

Ebenfalls dabei sein wird am kommenden Wochenende wieder Graham Rahal: Der US-Hoffnungsträger hat einen Deal mit Dreyer & Reinbold gelandet, in Iowa den verletzten Mike Conway zu ersetzen. Allerdings gilt auch dieser Vertrag wieder nur für dieses eine Rennen. Ob Rahal auch in Watkins Glen wieder in den Wagen mit der Nummer 24 steigen wird, ist noch völlig unklar. Immerhin: Rahal, der jetzt schon für das dritte Team in dieser Saison unterwegs sein wird, kann auf diese Art der vor der Saison geäußerten Kritik entgegentreten, er wäre nur daran interessiert, für ein gewinnversprechendes Team anzutreten. Die Saison mag zwar für ihn nach Punkten nicht besonders erfolgreich verlaufen: Die Sympathien der Fans hat er aber allemal gewonnen.

Auch Rahals altes Team Newman/Haas Racing darf sich am kommenden Wochenende ein besseres Ergebnis als bei den vergangenen Läufen erhoffen. Denn deren Fahrer Hideki Mutoh ist soetwas wie ein Iowa-Spezialist: 2008 landete der Japaner im Andretti-Green-Wagen auf Platz zwei, im vergangenen Jahr reichte es für Rang drei – die zwei besten IRL-Platzierungen des Piloten aus Tokio. Ob auch im etwas schwächeren Newman/Haas Team eine Podiumsplatzierung drinnen ist, darf bezweifelt werden. Aber zumindest mit einem Auge sollte man Mutoh am kommenden Wochenende gelegentlich im Blick behalten.

Sonst noch zu beachten: Alex Lloyd, der bei den vergangenen beiden Ovalrennen sehr beachtliche Leistungen zeigen konnte; Bertrand Baguette, der zumindest in Texas den Eindruck vermittelte, er habe sich langsam an sein neues Arbeitsgerät gewöhnt; Und Takuma Sato: Der Japaner konnte zwar schon gelegentliche Glanzlichter setzen – ein gutes Resultat fehlt aber noch. Schön langsam sollte er auch in den USA mal zeigen, was er so drauf hat. Sonst kann es nämlich sein, dass es auch mit der Zweit-Karriere im Land der unbegrentzen Möglichkeiten ein wenig eng wird.

Neben der Indycar Series fährt in Iowa auch wieder die gesamte Palette der “Road to Indy”-Nachwuchsklassen. Zumindest das Rennen der Indy Lights (in der Nacht von Samstag auf Sonntag um 3:30 Uhr) sollte wieder live in der Indycar Race Control zu sehen sein. Die Star Mazda fährt direkt davor um 2:15, die USF2000 um 20:30. Als sie im Rahmenprogramm des Indy 500 fuhren, wurden die Rennen der beiden Serien ebenfalls live übertragen – allerdings nicht in der Racecontrol sondern auf deren beiden Homepages. Ob das diesmal auch so ein wird, ist noch unbekannt.

Das Indycar Rennen selbst findet diesmal wieder am Sonnatg statt – Versus überträgt ab 19:30 MESZ. Bekanntlich hat sich weiterhin kein Sender gefunden, der die Serie im deutschen Sprachraum überträgt. Man wird sich also auch diesmal wieder auf den offiziellen Stream der Indycar Racecontrol oder auf einen der hoffentlich zahlreichen inoffiziellen Streams aus den Weiten des Internets verlassen müssen. Leider überschneidet sich das Ende des Rennens mit dem Start des NASCAR-Laufes, so dass sich die Suche etwas schwieriger als sonst gestalten könnte.

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