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February 01 2011

16:45

Formel Eins: Test Valencia Tag 1

Die Saison 2011 ist mit dem ersten Test in Valencia eröffnet. Doch große Erkenntnisse gab es nicht, sieht man mal vom Renault ab.

Gestern und heute gab es eine kleine Orgie in Sachen Vorstellung der neuen Wagen. Ferrari hatte ja am Freitag den F150 gezeigt, der Rest kam dann nach Valencia und zeigte schnell die neuen Chassis. Lotus machte den Anfang, am Schluss kam dann Mercedes. Und offenbar haben die Ingenieure im letzten halben Jahr einige schlaflose Nächte. Die Kreativität, mit der die neuen Herausforderungen angegangen wurden, ist ziemlich groß, auch wenn einige Fahrzeuge zumindest von außen etwas langweilig erscheinen. Richtig auffällig waren aber drei Wagen: der neue Red Bull RB7, der Williams FW33 und der neue Renault R31.

Der Reihe nach:

Sauber C30:
Sehr konservatives Design. Die hohe Nase des Vorjahres hat man beibehalten, die Seitenkästen allerdings ebenso verändert, wie das gesamte Heck. Man hat offenbar lang und breit mit Ferrari gesprochen, denn die sehr weit auseinander gezogenen Arme der Hinterradaufhängung sind schon sehr auffällig. Ansonsten ist mir auf den Bildern, mal abgesehen vom der vermutlich häßlichsten Lackierung des Jahres, nichts aufgefallen. Nun ist James Key kein Anfänger, da wird sich also viel unter dem Wagen verstecken.

Lotus TL128:
Vom neuen Lotus gibt es noch keine richtigen Fotos. Die Malayen sind erst heute in Valencia angereist und zeigen sich morgen. Auf den wenigen Bildern von Lotus konnte man aber sehen, dass sich Mike Gascoyne dieses Jahr etwas weiter aus dem Fenster lehnt. Die Seitenkästen sind klein und sehr fließend, ähnlich wie beim RB6. Die Motorabdeckung hat er bei Mercedes geklaut.

Toro Rosso STR6:
Der Launch von Toro Rosso ist heute zwischen Red Bull und Mercedes etwas untergegangen, aber der neue Wagen hat durchaus einige interessante Lösungen. Die Nase trägt er, wie alle in diesem Jahr, sehr hoch. Man setzt auch auf den bekannten V-Kiel. Ab des Cockpits hat man sich aber für eine andere Lösung entschieden. Die Seitenkästen sind sehr lang gezogen, aber sehr scharf eingezogen. Von der Seite betrachtet, haben sie eine angedeutete Flügelform. Das Heck hat man leider nicht gesehen. Der SRT6 dürfte ein Schritt nach vorne sein.

Ferrari F150:
Wirklich revolutionär ist nichts. Die Nase ist etwas höher, die Seitenkästen sind sehr hoch angesetzt und laufen geschwunden aus. Die vordere Aufhängung sitzt wegen der neuen Nase etwas höher. Das Heck ist flach, hat aber nur eine kurze Heckflosse, ungefähr wie der letztjährige Mercedes. Ferrari spricht davon, dass es zwar ein neues Chassis ist, aber man nicht die letzte Version sieht. Die würde man erst in Bahrain zeigen. Das betrifft vermutlich vor allem den Frontflügel, der eh aus dem letzten Jahr ist, und die Heckpartie. Man werde, so Ferrari, um Laufe des Februars weitere neue Aerodynamikteile am Wagen ausprobieren und zeigen. Auffallend ist allerdings, dass das Heck nicht so oft gezeigt wurde. Offenbar hat Ferrari die Push-Rod-Aufhängung aus dem letzten Jahr, aber so genau konnte ich das nicht sehen. Auf jeden Fall hat man die Aufhängungspunke der Hinterradaufhängung deutlich weiter nach hinter gesetzt, während die vorderen gleich geblieben sind.

Williams FW33
Das Team hat auf eine Präsentation verzichtet und den Wagen direkt auf die Strecke geschickt. Auffallend vor allem das Heck. Williams hat hier auf eine sehr radikale Lösung gesetzt, in dem alle Zusatzaggregate irgendwie um den Motor packt hat. So hört die Motorabdeckung weit vor dem Heckfügel aus. Dahinter ist nichts mehr, nur die Streben der Aufhängung und ein wirklich sehr tief liegendes Differential. So was hat man lange nicht mehr gesehen und ich bin gespannt, ob sich das auszahlt.

Mercedes GP 02:
Man erwartet viel vom neuen Wagen, aber so auf den ersten Blick war ich doch etwas enttäuscht. Ross Brawn hat eine interessante Nase gestaltet, die die Entenform von Williams aus dem letzten Jahr aufgreift. Die Seitenkästen sind wie beim Ferrari F150 und dem Sauber C30 sehr hoch, wenn man das mit der Konkurrenz vergleicht. Nach hinten wirkt der Wagen auch eher konservativ, was aber keine Wertung sein soll. Man hat zumindest auf Experimente a la Williams verzichtet. Auf mich wirkt der Wagen etwas schwerfälig, allerdings zeigte sich Rosberg nach seinen ersten Runden, im Gegensatz zum letzten Jahr, sehr begeistert. Wird man abwarten müssen.

Lotus-Renault R31:
Der neue Renault ist entweder ein epochaler Flop oder eine Geniestreich. Mal abgesehen von der konventionellen Front geht man in fast allen Belangen neue Wege. Am auffälligsten ist das bei den Seitenkästen, die sanft geschwungen und tief eingekerbt bis zum Heckflügel laufen. Auch die Airbox ist mit ihren drei zusätzlichen Einlässen ungewöhnlich, weil man gerade da oben möglichst wenig Widerstand haben möchte. Die richtige Revolution steckt aber im Auto, denn Renault hat den Auspuff des Motors nach vorne gelegt. Sie kommen jetzt genau vor dem Beginn der Seitenkästen raus und blasen diese und den Unterboden direkt an. Die Idee: Die heiße, sehr schnelle Luft, soll zusätzlich für Abtrieb sorgen. Das Problem dürfte aber die Hitze des Auspuffs sein, der an den Kühlern und am Tank entlang läuft. Die beiden zusätzlichen Öffnungen an der Airbox dürften vermutlich für die Kühler sein. Ob und wie das funktioniert und ob der Wagen bei Hitzerennen nicht kollabiert wird man abwarten müssen. Immerhin: Man hat sich was getraut und wenn die Rechnung aufgeht, muss man Renault auf der Rechnung haben.

Red Bull RB7:
Adrian Newey hatte im Winter gesagt, dass man eher eine Evolution beim neuen Wagen sehen wird, Sebastian Vettel verriet mir, dass der neue Wagen “die ein oder andere Überraschung” haben wird. Auf den ersten Blick hat Newey vor allem die Front überarbeitet, doch auf den zweiten Block fallen die extrem kompakten und kurzen Seitenkästen auf. Ähnlich wie bei Williams lässt man diese sehr früh aufhören, lässt die Motorabdeckung aber bis zum Heck laufen. So kurze Sideposts habe ich lange nicht mehr gesehen, erstaunlich, dass Red Bull da noch das KERS untergebracht hat. Gerüchteweise hat Red Bull auch beim Auspuff noch ein As im Ärmel. Offenbar ändert sich da noch was bei der Heckabdeckung. Ansonsten ist der RB7 tatsächlich die Evolution, die versprochen wurde.

Testtag 1
Man darf die Zeiten nicht werten. Zum einen waren Force India, Mclaren und Virgin mit dem alten Auto unterwegs, zum anderen war es der erste Tag, da werden unterschiedliche Programme gefahren. Das Vettel die erste Bestzeit des Jahres gefahren hat, muss also nichts bedeuten. Auffallend war nur, dass sowohl der neue Red Bull als auch der Ferrari problemlos und schnell auf Speed gekommen ist. Mercedes hatten dagegen einen problematischen Tag, da sie mit einem Hydraulikproblem zu kämpfen hatten. Rosberg und Schumacher kamen so kaum zum fahren, beide zeigten sich aber angetan vom neuen Wagen und meinten, dass er viel besser zu fahren sei. Schumacher kam in seinen wenigen Runden auch auf eine okaye Zeit.

Wie gesagt, viel kann man noch nicht herauslesen. Man wird die Woche und den Test nächste Woche in Jerez abwarten müssen um etwas genaueres sagen zu können. Das gilt auch für die Pirelli Reifen, die aber scheinbar gut funktioniert haben. Offenbar mögen sie die Kälte aber nicht so, als es am Nachmittag wärmer wurde, ging es direkt besser voran.

Lohneswert ist im übrigen die Investition von 2.50 Euro in den Livedienst von autosport.com. Es gibt einen sehr guten Livekommentar und die Zeiten werden auch quasi live weiter gegeben.

Ein kleines Bonbon habe ich aber noch. Sauber hat gestern gefilmt, wie der klappbare Heckflügel funktioniert.

1 Vettel Red Bull 1m13.769s
2 Hülkenberg Force India 1m13.938s +0.169
3 Paffett McLaren 1m14.292s +0.523
4 Di Resta Force India 1m14.461s +0.692
5 Alonso Ferrari 1m14.553s +0.784
6 Kobayashi Sauber 1m15.621s +1.852
7 D’Ambrosio Virgin 1m16.003s +2.234
8 Schumacher Mercedes 1m16.450s +2.681
9 Barrichello Williams 1m17.335s +3.566
10 Petrov Renault 1m17.424s +3.655
11 AlguersuariToro Rosso 1m17.774s +4.005
12 Karthikeyan HRT 1m18.020s +4.251
13 Rosberg Mercedes 1m19.930s +6.161

yvkuf _G7C5794 _G7C5798 _G7C5802 _G7C5950 _G7C5956 108112624KR002_F1_Testing_i 108112624KR003_F1_Testing_i 108112624KR017_F1_Testing_i 108112624KR020_F1_Testing_i 108112624KR021_F1_Testing_i 234239291 1054219962-253910122011 1054219962-553910122011 5406863729_6d116e558f_b 5406865819_c17ffb5c8a_b 5406866849_b5948d140f_b 5406867571_d63a8088ef_b 5407410722_3a1ffbdfde_b 5407466576_67a00cd01b_b 5407470782_fd12f4251f_b DX5J2007

Bilder: Red Bull, MercedesGP, WilliamsF1, Ferrari. Heck Williams Scarbs, photof1.org

January 31 2011

05:23

Formel Eins: Lotus TL128 Bilder

Team Lotus hat den neuen Wagen heute in aller Frühe vorgestellt. Das Design sieht viel versprechend aus, auch wenn man auf den Bildern nicht allzu viel erkennen kann.

Leider hat das Team Lotus keinen richtigen Aussand von Bildern gemacht, sondern nur ein pdf raus gegeben. Die Bilder dort sind nicht gerade sehr aussagekräftig, aber besseres Material gibt es nicht. Bemerkenswert ist die Seite mit dem Optionen fürs Farbdesign.

Aufgefallen sind mir die Seitenkästen des RB6 aus dem letzten Jahr und das am Mercedes GP W01 angelehnte Design der Lufthutze, die sehr flach geworden ist. Wenn man genau hinschaut, ist es eine blanke Kopie. Das Gascoyne die Seitenkästen so flach halten kann, weißt daraufhin, dass man kein KERS verwenden wird. Dabei dachte ich, dass der Deal mit Renault auch KERS beinhalten würde. Auch der TL128 trägt die Nase sehr hoch und lässt sie spät abknicken. Insgesamt ein schönes Auto, offenbar hat sich Mike Gascoyne ein paar Ideen von Kollegen geliehen. Von den wenigen Bildern her gesehen, wirkt der TL128 tatsächlich etwas filligraner als der am Freitag vorgestellte Ferrari F150.

Lotus_T128_8 Lotus_T128_7 Lotus_T128_6 Lotus_T128_5 Lotus_T128_4 Lotus_T128_3 Lotus_T128_2 Lotus_T128_1

March 08 2010

20:52

Formel Eins: Vorschau 2010 – Die Teams und die Motoren

Es geht wieder los mit der Formel Eins und natürlich lehnen wir uns hier auch mal wieder aus dem Fenster und versuchen die einzelnen Teams einzuschätzen

Die diesjährige Vorschau besteht aus drei Teilen. Erst werfe ich einen Blick auf die Teams, dann folgen die Fahrer und am Schluss nehme ich mir die Regeländerungen vor. Bei den Teams ist die Sache in diesem Jahr weit weniger klar, als man meinen könnte. Schon am Ende der letzten Saison gab es mit Brawn, Red Bull und McLaren gleich drei Rennställe, die ziemlich gleich auf lagen. Ferrari wäre vermutlich, wenn sie eine Chance auf einen Titel gehabt hätten, auch dabei gewesen, aber man hatte ja bekanntlich schon im Sommer 2010 die Entwicklung des Wagens eingestellt. Sowohl Badoer als auch Fisichella nutzen die restlichen Rennen um schon mal Teile für die nächste Saison zu testen. Im letzten Jahr habe ich versucht eine Rangordnung nach meinen Gefühl aufzustellen, was ordentlich daneben ging. Deswegen geht es dieses Jahr nach der FIA Startliste.

McLaren

Die stehen ganz oben, weil sie Jenson Button als Weltmeister im Team haben und damit laut Startliste mit der “1″ unterwegs sind. Und fahrerisch sind sie nominell am besten besetzt, weil man die Weltmeister von 2008 und 2009 im Team hat. McLaren muss 2010 den Verlust von Technologiepartner Mercedes verkraften. Ich schreibe mit Absicht “Technologie”, denn Mercedes hat nicht nur den Motor geliefert sondern auch an der Entwicklung des Wagens mit gearbeitet. Diesen Verlust wird man nicht über den relativ kurzen Winter gemerkt haben, aber im Laufe des Jahres könnte das zum tragen kommen, wenn es um die Weiterentwicklung und die Ressourcen geht. Prinzipiell hat McLaren bei den Tests einen enorm starken Eindruck gemacht, vor allem bei den Long-Runs. Vom reinen aerodynamischen Design scheint mir McLaren auch weit vorne zu sein, denn man hat einige sehr interessanten Entwicklungen gezeigt, vor allem im Bereich des Hecks und des Heckflügels. Ich sehe McLaren zwar in der sehr langen Saison eventuell in Problemen, sollte das Wettrüsten in der Saison wieder anziehen, denn Ferrari, Red Bull und Mercedes haben da einfach mehr Ressourcen. Dennoch gehören sie, auch wegen Lewis Hamilton zu den Titelkandidaten.

Mercedes GP

Es ist immer noch eine kleine Sensation, dass sich Mercedes in Mitten einer Wirtschaftskrise der Branche dazu entschlossen hat, einen eigenen Rennstall zu betreiben. Sicher – die sportlichen Voraussetzungen sind prächtig. Man hat das Weltmeister-Team gekauft, man hat Ross Brawn gekauft, man hat vermutlich den besten Motor und mit Michael Schumacher den Fahrer des letzten Jahrzehnts im Team. Zusätzlich hat man Nico Rosberg verpflichtet, der allerdings noch beweisen muss, wie viel Speed er wirklich hat. Ein wenig erinnert das an die Zeit, als bei McLaren John Barnard, Honda, Senna und Berger an Bord hatte. Also alles super? Ein solche Zusammenstellung bedeutet nicht unbedingt, dass alles bestens läuft. Die Budgetdecke bei Mercedes ist nicht unendlich dick, die Aufsichtsräte werden ein sehr genaues Auge auf den Aufwand haben. Schumacher und Brawn können nicht wie bei Ferrari aus dem Vollen schöpfen. Und auch Brawn hat nicht in jedem Jahr seines Schaffens ein Top-Team formen können. Erschwerend könnte sich auswirken, dass das 2010er Wagen eigentlich auf Button ausgerichtet war, nicht aber auf Rosberg oder Schumacher. Dementsprechend ist der neue Wagen eine Evolution, der auf den ersten Blick auch nicht so konsequent wirkt, wie andere Chassis. 2010 könnte für Mercedes tatsächlich ein Übergangsjahr sein, so merkwürdig das klingt. Aber liegt daran, dass die Achse Schumacher-Brawn erst wieder zusammen finden muss. Ich gehe allerdings fest davon aus, dass man Siege erringen wird. Ob es für den Titel reicht wird nicht allein von Mercedes abhängen. Da werden sie die technischen Probleme anderer Teams benötigen.

Red Bull

Auch bei Red Bull hat man sich für eine Evolution des RB5 entschieden. Allerdings sind die Eingriffe am Chassis deutlich größer, als bei Mercedes. Der letztjährige Wagen war wegen des späten Einbaus des Doppel-Diffusors ein Zwitter und keine ideale Lösung. Die vielen Motorschäden waren auch darauf zurück zu führen, dass man für den Diffusor die Luft anders leiten musste, was wohl der Kühlung des Renault nicht zuträglich war. Immerhin hatte Renault selber kaum Probleme mit dem Motor, mal abgesehen davon, dass er etwas lahm ist. Das große Plus von Red Bull in diesem Jahr ist die Konstanz. Das Team hat sich nicht verändert, Adrian Newey konnte den schon guten Wagen verbessern und beide Fahrer sind im Team geblieben. Es gab also keine Umwälzungen wie bei McLaren oder Mercedes.
Gleichzeitig bedeutet das auch: mehr Druck. Eben weil man nominell besser da steht, müsste man eigentlich von Anfang an um den Titel fahren können. Das sich mit BMW und Toyota zwei Hersteller verabschiedet haben sollte die Sache auch einfacher machen. Allerdings bleibt da der Eindruck, dass man die mechanischen Probleme immer noch nicht im Griff hat. Während bei den Tests der Ferrari lief und lief, stand der Red Bull doch gerne mal mit allerlei Kinderkrankheiten an der Box. Das muss nicht bedeuten, dass man ein Problem hat, weil man bei den Tests gerne mal die Grenzen auslotet, aber hinterlässt doch eine gewisse Vorsicht bei der Einschätzung. Ich habe aber bei Red Bull keinerlei Bedenken sie zu den Top-Titelkandidaten zu zählen. Bei mir stehen sie, im Moment, klar auf dem ersten Platz.

Ferrari

Bei Ferrari ist ja schon seit Jahrzehnten Tradition, dass man entweder komplett untergeht oder um den Titel fährt. Irgendwas dazwischen gibt es selten. Die Italiener haben den großen Vorteil, dass sie schon Mitte 2009 angefangen den neuen Wagen zu entwickeln und das man sehr früh wusste, dass man Fernando Alonso bekommen würde. Bei den Tests zeigte Ferrari eine extrem beeindruckende Konstanz. Man absolvierte mit weitem Abstand die meisten Runden und war bei den Long-Runs extrem stark. Wie es um den reinen Speed des Wagens bestellt ist, konnte man allerdings nicht so richtig sehen, von daher bleibt da ein Fragezeichen. Nächster Punkt: die Fahrerfrage. Die Mischung Alonso und Massa scheint mir doch etwas gewagt, zu mal die beiden schon aus der Vergangenheit so ihre Geschichte haben. Das könnte zu Problemen im Team führen, die die Performance beeinträchtigen. Und bei allem Respekt für Stefano Domenicali – ein Ron Dennis, der Senna, Prost, Alonso und Hamilton halbwegs bändigen konnte, ist er nicht. Zu dem scheint immer noch Luca di Montezemolo mehr Einfluss auf das Team zu haben als es vielleicht gut ist. Deswegen sind es eher die Team-internen Probleme, die in Sachen Ferrari ein wenig Skepsis hervor rufen. Und wie immer gilt zusätzlich: Wenn Ferrari gewinnt ist alles super, aber wehe man hat Probleme. Dann versinkt man gerne in einem Kleinkrieg. Man wird 2010 sicher nicht so schlecht da stehen wie 2009, aber ich bin mir keineswegs sicher, ob es für einen Titel reicht.

Williams

Es ist kein Geheimnis wenn man verrät, dass Williams nicht um den Titel fahren wird. Das ist auch nicht schlimm, denn es grenzt schon an ein kleines Wunder, dass Frank Williams und sein Team die letzten Jahre überhaupt überlebt haben. Ich habe sehr großen Respekt für das, was Williams und Patrick Head geleistet haben, denn sie waren und sind immer noch eines der letzten, reinen britischen Rennteams, deren Spirit noch aus den 70er Jahren stammt. Das ist einer der Gründe, warum ich sehr durchaus Sympathien für das Team hege. Williams ist auch ein wenig der Ken Tyrell der Neuzeit. Er hat ein Händchen für Talente und aus dem wenigen Geld, das er hat, macht er das Beste, wenn man ihn so mit Toyota, Honda und Renault vergleicht. Der neue Wagen machte bei den Tests einen soliden Eindruck. Rubens Barrichello zeigte sich per Twitter zwar nicht restlos begeistert, aber sehr angetan. Das mag auch daran gelegen haben, dass Nico Hülkenberg, vom Team mittlerweile schon mit dem Spitznamen “The Hulk” bedacht, gleich mal Spitzenzeiten hinlegte. Der Cosworth scheint im Williams gut zu funktionieren, aber man wird sicher keine Bäume ausreißen. Weil aber viel Konkurrenz weggefallen ist, wird man die Chance haben, sich auf dem fünften Platz nach den vier Spitzenteams einzuordnen. Siege traue ich ihnen nicht zu, aber einige gute Podestplätze.

Renault

Renault ist ja eigentlich nicht mehr Renault, sondern gehört einer Finanzgesellschaft aus Luxemburg. Die haben nach dem unrühmlichen Abgang von Briatore und Pat Symonds auch dann gleich die Führungsstruktur umgebaut und den Interims-Chef Bob Bell gleich wieder in die zweite Reihe geschickt. Und so Umstrukturierungen, auch im Reportwesen, sind selten förderlich für einen kurzfristigen Erfolg in der Formel Eins. Dazu kommt, dass man auf zwei neue Fahrer setzt. Kubica wird sicher wieder gut unterwegs sein, aber seine Schwäche ist die Motivation, wenn es mal nicht so läuft. Petrov – nun ja, der sah schon bei den Tests nicht sonderlich gut aus. Vier Zehntel sind heute in der Formel Eins der Unterschied zwischen Q3 und Q1. Auch beim Chassis bin ich skeptisch. Renault ist wieder einmal einen komplett eigenen Weg gegangen. Das mag mutig sein, aber im Falle Renault glaube ich eher, dass man da einen Fehler begangen hat. Dennoch ging der Wagen bei den Tests recht gut und lag vor dem Williams. Vielleicht haben die Franzosen wieder so eine Wundertüte konstruiert, die auf manchen Strecken gut funktioniert, auf anderen wieder gar nicht. Sie haben absolut keine Titelchancen, auch in der Konstrukteursmeisterschaft wird es mit Petrov sehr schwer Williams und Sauber in Schach zu halten. Eventuell könnte sich sogar Force India als problematischer Gegner erweisen.

Force India

Das indische Team hat ja durchaus einen hohen Sympathiebonus bei mir. Zum einen wegen der Folklore, zum anderen muss man auch mal sehen, was Vijay Mallya aus dem ehemaligen Midland/Spyker Team gemacht hat. Auch wenn das Finanzgebaren des Inders hier und da offenbar für Probleme gesorgt hat – man muss auch erst mal ein Team formen, dass gegen einen Ferrari in Spa um den Sieg fahren kann. Konsequenterweise ist der neue Wagen auch nur eine Evolution. Man versucht das Griplevel zu erhöhen, ohne den Vorteil auf den Highspeed-Strecken zu verlieren. Bei den Tests sah das schon mal sehr ordentlich aus, und Sutil sprach vom besten Wagen, den er bisher für Force India gefahren ist. Ein herber Verlust ist allerdings der Abgang von Chefentwickler James Key, der zu Sauber gewechselt. Das könnte sich im Laufe der Saison als Nachteil erweisen, auf der anderen Seite hat Mallya dafür gesorgt, dass seine Design-Abteilung mit jungen, guten Leuten besetzt ist, die auch mal neue Wege beschreiten. Auch zum Nachteil gereicht der Nachteil, dass man nicht mehr voll auf die Achse McLaren/Mercedes setzten kann. Dort hatte der von McLaren abgestellte James Robinson für nötigen Input gesorgt, aber der ist mittlerweile wieder weg. Also ist es schwierig, die Inder einschätzen, vor allem, weil man nicht weiß, wie es um die Finanzdecke bestellt ist. Aber für Überraschungen ist das Team sicher gut.

Toro Rosso

In diesem Jahr fährt man zum ersten Mal mit einem “eigenen” Chassis, da die FIA ab diesem Jahr unsinnigerweise den Einsatz von Kundenchassis verbietet. Die Anführungszeichen stehen aber, weil man im Prinzip, und legal, nur eine leicht modifizierte Version des RB5 einsetzt. So gut der Red Bull 2009 lief, so schlecht kam STR in Schwung. Das mag am Verlust von Gerhard Berger und Sebastian Vettel gelegen haben, und daran, dass Bourdais den ganzen Entwicklungsprozess aufgehalten hat, aber trotzdem konnte man nicht überzeugen. Mittlerweile dürften sich diese Probleme gelegt haben, aber ich bin mir trotzdem nicht sicher, ob man wieder zu alter Stärke finden wird. Das Budget ist eng, die Erfahrungen mit einer eigenen Entwicklungsabteilung wird man erst noch machen müssen, auch wenn es sicher noch unter der Hand Unterstützung von Red Bull gibt. STR wird kein leichtes Jahr haben, auch wenn man mit Buemi einen exzellenten Nachwuchsfahrer hat. Vermutlich wird man mit Force India um die Plätze fahren. Punkte sollten aber beim neuen System auf jeden Fall drin sein.

Lotus F1

Ehrlich gesagt bin ich ein wenig enttäuscht. Das Chassis, das Mike Gascoyne da hingestellt hat, gehört für mich schon jetzt zu den schlechtesten der Saison. Jarno Trulli, von Toyota nicht eben verwöhnt, beklagte sich bei den Tests schon über mangelnden Abtrieb, was kein gute Zeichen ist. Der Wagen wirkt extrem eckig, wenig ausgereift und langsam. Angeblich soll in diesem Jahr noch eine B-Variante kommen, die deutlich reifer sein soll. Enttäuscht bin ich deswegen, weil man mit Gascoyne, Trulli und Kovalainen eine erfahrene Truppe zusammen gestellt hat. Zusätzlich hat man sich mit Dieter Gassner (Ex-Toyota) einen weiteren, sehr guten Mann geholt. Ich hätte mir da einfach mehr erwartet, oder zumindest, dass man nicht so weit von STR weg ist. Gleichzeitig bietet diese Zusammenstellung aber auch die Chance, dass man im Laufe des Jahres, wenn die Zahnräder mal ineinander greifen, einen großen Sprung nach vorne machen kann. Von allen neuen Teams erwarte ich da von Lotus den größten Schritt. Einstweilen wird man froh sein, wenn man mal knapp an Punkten vorbei schrammt.

Hispania Racing Team (HRT)

Wegen der finanziellen Probleme hat man keinen Test fahren können, was eine Einschätzung schwer macht. Immerhin kommt das Chassis von Dallara, die ja nun nicht gerade zu den schlechtesten der Branche gehören. Der Wagen macht, auf den Bildern, keinen spektakulären Eindruck, wirkt aber solider als der Lotus. Die Fahrerbesetzung ist aber extrem fragwürdig. Bruno Senna halte ich für weit überschätzt. In keiner Monoposto-Serie wusste der Neffe von Ayrton Senna zu überzeugen. Das er in der GP2 Schwierigkeiten hatte mag noch ok sein, da waren auch andere nicht auf der Höhe. Aber vor allem seine Leistung in der britischen F3 war doch alles andere als viel versprechend. Karun Chandhuk – nu ja. Wegen der fehlenden Daten kann man einfach nichts zu Team sagen, aber wenn sie auf dem Niveau der anderen neuen Teams ankommen, wäre das schon ein Erfolg.

BMW-Sauber-Ferrari

Was mich ja wirklich mal ganz ernsthaft, um nicht zu sagen brennend, interessieren würde, ist die Beantwortung der Frage, warum man das “BMW” aus dem Namen nicht streicht. Es kann etwas damit zu tun haben, dass Peter Sauber, der alte Fuchs, 2010 jeder Diskussion um mögliche Punkt- und TV-Gelder aus dem Weg gehen will. BrawnGP hatte im letzten Jahr schon Sorgen, weil die FIA ihn als neues Team und nicht als genetischer Nachfolger von Honda eingestuft hatte, und man deswegen viel Geld verlor. Wie dem auch sei – Sauber hat bei den Tests einen enorm starken Eindruck hinterlassen. Das Chassis erinnert schon sehr stark an einen weiterentwickelten BMW des Jahres 2009, aber offenbar hat man über den Winter die richtigen Lehren gezogen. Unsicher bin ich mir aber trotzdem, denn die Zeiten waren schon so verflixt gut, dass man den Eindruck von “Sponsorzeiten” nicht ablegen konnte. Immerhin ist der Wagen noch schneeweiß und Peter Sauber finanziert das Team eigener Tasche (seine Aussage aus der MSa). Mit Kobayashi hat man einen interessanten Neuzugang, bei de la Rosa bin ich mir nicht so sicher. Man hat sich eine Menge McLaren Wissen mit ihm eingekauft, aber die Erfahrung der letzten Jahre hat gezeigt, dass auch ein schneller Mann wie de la Rosa seinen Schliff als Rennfahrer verliert, da er zu lange Tests gefahren ist. Ehrlich gesagt tue ich mich schwer, Sauber in diesem Jahr einzuschätzen. Wenn die Tests ehrlich waren, dann könnten sie für die ein oder andere Überraschung sorgen. Sogar Siege wären drin. Wenn nicht, versinken sie im Mittelfeld.

Virgin

Die hatte ich vor den Tests von der Struktur her schwächer als Lotus eingeschätzt, aber da habe ich meine Meinung inzwischen geändert. Der komplett ohne Windkanal hersgestellte Wagen scheint besser zu sein, als man denkt, auch wenn man noch mit technischen Problemen kämpft. Aber das sind halt technische Sachen, von der Basis her scheint der Wagen gut zu gehen. Ich bin da wirklich beeindruckt und glaube, dass Virgin durchaus Chancen hat, sich alsbald nach vorne zu entwickeln. Dazu kommt die gute Fahrerwahl. Timo Glock hat viel Erfahrung, was kleine Teams angeht und er bringt das Knowhow von Toyota mit. Luca di Grassi halte ich für einen der meist unterschätztesten Nachwuchspiloten der letzten Zeit. Die reine CFD-Entwicklung des Teams könnte zu dem dafür sorgen, dass man in Sachen Entwicklungsgeschwindigkeit den anderen neuen Teams überlegen ist. Bei günstigen Umständen halte ich Punkte für Virgin in diesem Jahr nicht für unwahrscheinlich.

Motoren

Mercedes

Die haben vermutlich den besten Motor im Feld. Im letzten Jahr war die Standfestigkeit beeindruckend. Auch der in diesem Jahr so wichtige Verbrauch soll stimmen.

Ferrari

Seit dem Grand Prix von Spanien im letzten Jahr weiß man, dass der Ferrari, wie sollte es auch anders sein, ein kleiner Säufer ist. Beeindruckend ist aber auch hier die Standfestigkeit. Ich nehme an, dass Ferrari weiterhin einen kleinen Verbrauchs und Leistungsnachteil hat, aber beides dürfte über die Saison gesehen nicht so sehr ins Gewicht fallen.

Renault

Bekanntermaßen der schwächste Motor im Feld, aber dafür soll man den besten Verbrauch haben. Da gerade Red Bull mit der guten Aerodynamik den PS-Nachteil ausgleicht und die Leistung um Rennen im Rennen nicht so ins Gewicht fällt, könnte der Renault in diesem Jahr der Motor der Wahl sein. Wenn er denn durchhält.

Cosworth

Die Briten haben den Vorteil, dass die FIA ihnen zu Beginn der Saison eine Nachjustierung zugesagt hat. Interessanterweise basiert der V8 immer noch auf dem alten Modell aus dem Jahr 2007, das man aber runderneuert hat. Von Williams hörte man so zwischen den Zeilen, dass man keineswegs enttäuscht sei. Im Gegensatz zum Toyota soll der Cosworth mehr Leistung haben und deutlich leichter zu fahren zu sein.

Zuzammengefasst: ich erwarte keine großen Unterschiede bei den Motoren, was die Leistung angeht. Die Motoren werden die Saison nicht entscheiden, zu mal Cosworth auch von keinem Topteam eingesetzt wird.

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February 10 2010

10:54

Formel Eins: Bilder Red Bull RB6

Ein paar Bilder gibt es schon, den Rest schiebe ich im Laufe des Tages nach.

So auf den ersten Blick: Das ist die versprochene Evolution des RB5. Die Nase hat einen scheinbar schärferen Knick, die Falten rechts und links sind tiefer und höher geworden. Das Problem des RB5 war aber nie der Frontbereich, sondern das Heck. Newey hat immer gesagt, dass die letztjährige Entwicklung wegen des eingeführten Doppeldiffusor, eine Notlösung gewesen sei. Die Push-Rod Aufhängung des letztes Jahres hinten war eine geniale Lösung, stand aber dummerweise der Luft im Weg, die durch den Diffusor will. Dementsprechend dürfte man das komplette Heck umgearbeitet haben. Das bedeutet auch, dass man die meisten Änderungen am Wagen vermutlich nicht sieht. Insgesamt: der RB6 macht einen konsequenten Eindruck und wirkt aerodynamisch eine Klasse weiter als zum Beispiel der Ferrari. Aber man darf sich nicht täuschen lassen: der BrawnGP des letzten Jahres sah ja auch eher langweilig aus.

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