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August 14 2011

06:58

Formel Eins: Die große Halbzeit Analyse

Die Hälfte aller Rennen in diesem Jahr sind vorüber und es lohnt sich mal einen Blick auf die Teams zu werfen und wie ihre Saison bisher war.

11 Rennen sind vorüber, 8 weitere folgen noch, wobei es nur noch zwei in Europa geben wird (Spa, Monza). Die restlichen Rennen finden vor allem in Asien statt (Singapur, Japan, Korea, Indien) was für die Teams eine besondere Herausforderung sein wird. Denn wegen der längeren An- und Abreise ist es schwerer Updates an den Wagen zu bringen. Die Zeit, die die Rennchassis in der Fabrik verbringen, ist kürzer, dazu kommt, dass man wegen der sehr unterschiedlichen Strecken verschiedene neue Aero-Teile bereit halten wird. Ein weiterer Grund, der Updates erschweren wird, ist schlicht und ergreifend das Geld. Will man das 2011er Modell weiter updaten oder doch lieber mehr das 12er Modell? Man sieht – wer Fehler in der Vorbereitung und in der ersten Hälfte der Saison macht, der wird bitter bestraft. Und Fehler haben viele Teams gemacht.

1. Red Bull
Auf den ersten Blick hat Red Bull alles richtig gemacht. Man hat das Chassis mit dem besten Abtrieb, das mit allen Reifen zurecht kommt, man hat einen fehlerlosen Sebastian Vettel und die Technik macht auch nicht schlapp. Doch der Erfolg des RB7 basiert auch auf der Schwäche der anderen Teams. So hat Red Bull weiter Probleme mit dem KERS, zeitweise konnte man es gar nicht einsetzen. Glück hat man auch mit den Mapping-Regeln gehabt. Die Idee der FIA, den Overrun auf 10% zu reduzieren, hätte dem Renault-Motor nicht gut getan. Es in diesem Jahr viel für Red Bull gelaufen, die hart gearbeitet haben den letztjährigen Vorsprung zu halten und zu verbessern. Auch Vettel ist in diesem Jahr entspannter unterwegs, ist aber weiter in der Lage aggressiv unterwegs zu sein, wenn es sein muss. Mark Webber ist dagegen eine Enttäuschung in diesem Jahr. Über die Gründe, warum er so weit hinter Vettel zurück gefallen ist, gibt es zwei Gerüchte. Die eine Seite nennt die Pirelli Reifen, die andere die Charakteristik des RB7, der dem Australier nicht liegen sollte. Aber – trotz allem werden Red Bull und Vettel den Titel in diesem Jahr ein zweites Mal einfahren können.

2. McLaren
Als man den McLaren MP4-26 vorstellte, dachte ich mir schon, dass es bei so einem ausgefallenem Konzept nur zwei Varianten gibt: Floppt mit Anlauf oder entwickelt sich nach den ersten Kinderkrankheiten zu einem echten Sieger. McLaren hat viel einstecken müssen in diesem Jahr. Bei den Wintertests war der Wagen praktisch unfahrbar, wie Button und Hamilton klar bestätigten. Erst der Umbau des Unterbodens, der Auspuffanlage, der Kühlung und des Diffusors führte dann zu den gewünschten Ergebnissen. Dennoch bleibt der McLaren, ebenso wie der Ferrari, eine Wundertüte. Dazu kommt, dass der Wagen zu hart mit den Hinterreifen umgeht, was die Strategie für das Team nicht immer leicht macht. Der WM-Titel dürfte weg sein, interessant ist dabei aber noch die Frage, ob McLaren über den Winter an den L-förmigen Seitenkästen festhalten wird.
Hamilton hat in diesem Jahr eine gemischte Saison. Sein Frust über den schlechten Saisonstart merkte man ihm deutlich an und er benahm sich auf der Strecke deutlich daneben. Seit dem es aufwärts geht, ist auch Hamilton wieder zufriedener. Jenson Button ging es nicht besser, er lieferte aber durchaus brillante Rennen ab. Leider hatte er zwei “Nuller”, die seine schmalen Chancen auf den WM-Titel zunichte gemacht haben.

3. Ferrari
Das dritte Mal hintereinander ist Ferrari miserabel in die Saison gestartet. Letztes Jahr konnte man wenigstens noch das erste Rennen gewinnen, in diesem Jahr musste man bis zum Rennen in England warten. Die Probleme bei Ferrari sind vielfältig. Da war das merkwürdige Problem mit dem Windkanal, den man auf 60% Modelle verbessert hatte, aber die gelieferten Werte passten wohl nicht mit den CFD-Modellen zusammen. Zum anderen ist das grundsätzliche Problem, dass man die Sache zu konservativ angegangen ist. Man hat reagiert und die Entwicklungsabteilung umgebaut. Der erfolglose Aldo Costa musste gehen, Pat Fry hat die komplette Kontrolle in Sachen Chassis und Aerodynamik übernommen. Das Ferrari trotz der Umbesetzungen erfolgreich sein konnte, ist dann schon eine Überraschung und spricht für das Team. Aber die Saison kann man natürlich abhaken.
Alonso hat in diesem Jahr mehrfach gezeigt, was er kann. Selbst mit einem schlechten F150 war oft eine Gefahr und seit dem Europa GP hat er immer auf dem Podium gestanden. Massa hingegen ist nicht gut drauf, er hat in diesem Jahr bisher nur 70 Punkte eingefahren, während Alonso 145 Punkte hat. Das Ferrari ihn 2012 nicht austauscht, hat vermutlich nur etwas damit zu tun, dass man keinen brauchbaren Ersatz findet.

4. Mercedes
Da hat man mehr erwartet. So einfach kann man die Saison von Mercedes zusammenfassen. Ross Brawn ist mit dem MGP02 schon wieder ein eher nur mittelprächtiger Entwurf gelungen, dazu kommt, dass das offensichtlich schmale Budget kaum Verbesserungen zulässt. Zumindest von außen macht der Mercedes den Eindruck, als würde er sich kaum verändern. Man kann eine lange Liste von Gründen aufführen, warum der Wagen nicht läuft (langer Radstand, schlechte Kühlung, schlechter Diffusor, zu wenig Grip vorne), aber am Ende stimmt halt das gesamte Paket nicht. Als Hoffnungsschimmer muss man aber auch sagen, dass es dem Team gelungen ist den Abstand nach vorne während der Saison deutlich zu verringern. Es waren mal 2 Sekunden, in den letzten Rennen waren dann noch rund 1.3 Sekunden. Wenn man bedenkt, dass die anderen auch schneller geworden sind, ist das ein gutes Ergebnis.
Die Fahrer blieben beide blass. Schumacher hatte Lichtblicke aber noch mehr Tiefpunkte, Nico Rosberg konnte mich bisher auch nicht wirklich überzeugen, aber das mag am Chassis liegen. Insgesamt macht das Team leider nicht den Eindruck, als könne man 2011 den entscheidenden Schritt nach vorne machen.

5. Renault
Auch Renault hat sich mit dem nach vorne gelegten Auspuff was hübsches ausgedacht, aber die Saison war eigentlich mit den Unfall von Kubica schon vorbei. Man hatte dem Polen den R27 auf den Leib geschneidert und als er weg war, hatte man den Salat. Dazu kam, dass die Idee, den gesamten Unterboden anzublasen, in der Realität nicht wirklich ausreichend funktioniert. Man hat mit einem “normalen” Auspuff experimentiert, aber die Konzeption des Wagens passt nicht dazu. Intern gab es auch jede Menge Ärger, denn sehr viele Mitarbeiter aus der Entwicklung sind in den letzten 12 Monaten gegangen. Eric Boullier hat einen eigenwilligen Führungsstil, wie man so hört. Die Verpflichtung von Nick Heidfeld war die richtige Entscheidung, aber der Deutsche konnte nicht wirklich überzeugen. Seine Quali-Schwäche ist in der heutigen F1 ein gravierender Nachteil und die Niederlagen gegen Petrov nicht schön. Der Russe wiederum fährt eine erstaunlich stabile Saison, aber ich bin mir sicher – würde Kubica im Wagen sitzen, sähe die Sache anders aus. Renault wird die zweite Hälfte der Saison damit verbringen, viele Neuteile für 2012 und Fahrer auszuprobieren. Grosjean gilt als einer, der Heidfeld noch in diesem Jahr ersetzen könnte.

6. Sauber
Der sechste Platz in der Konstrukteurs-WM ist vermutlich das Beste, was die Schweizer erreichen können. Die Top 3 sind nicht zu bekommen, Mercedes einen Schritt besser und Renault durchaus erreichbar in einigen Rennen. Und doch bin ich etwas enttäuscht. Immerhin fährt Sauber mit dem kompletten Ferrari-Antriebsstrang (Motor, Getriebe, KERS) und mit James Key hat man einen jener Designer bekommen, der zu den Besten seiner Generation zählt. Dazu hat man mit Kamui Kobayashi und dem erstaunlich schnellen Perez ein gutes Fahrerteam. Aber der diesjährige Sauber läuft nicht so gut, ihm fehlt vor allem der heiß angeblasene Diffusor, den man nicht baute, nachdem die FIA ihn zunächst verbieten wollte. Also wird man versuchen die Saison mit Stil zu Ende zu bringen und der sechste Platz ist drin, wäre da nicht das aufstrebende Force India Team.
Kamui Kobayashi hat in diesem Jahr mal wieder viel Spaß gemacht und ich hätte ihn 2012 schon gerne in einem Top Team gesehen, aber da ist ja kein Platz. 2013 könnte das anders aussehen, wenn er seine Fehleranfälligkeit noch etwas reduziert. Sergio Perez ist eine der Überraschungen in diesem Jahr. Auch wenn er nicht immer mit Kobayashi mithalten kann, da könnte ein interessantes Talent heranreifen.

7. Force India
Die Inder liefern eine durchwachsene Saison ab, aber man darf nicht vergessen, dass sie auch nicht gerade mit einem üppigen Budget ausgestattet sind. Auch hat Vijay Mallya in den letzten 18 Monate das komplette Entwicklungsteam umbauen müssen, von daher sind die guten und vor allem besser werdende schon eine kleine Überraschung. Das hat aber auch mit den Fahrern zu tun, die nach einigen Schwächen zu Beginn des Jahres, eine starke Leistung zeigen. Sutil ist nach einem unschönen Start endlich wieder auf seinem normalen Niveau angekommen, Paul di Resta liefert für seine erste Saison sehr gute Ergebnisse ab und steht vermutlich auf der Long List einiger Teamchefs. Das Problem bei Force India ist halt, dass ihnen gegen Ende des Jahre die Ressourcen ausgehen, weil man am neuen Wagen arbeitet. Aber noch haben sie durchaus eine Chance auch Sauber abzufangen, aber die ist wirklich nur sehr schmal.

8. Toro Rosso
Das B-Team von Red Bull steht zwar in Sachen Design auf eigenen Beinen, hängt aber weiter am Tropf von Red Bull. Und so richtig gut läuft es in diesem Jahr wirklich nicht. Der erste eigene Entwurf eines F1-Chassis hat vielversprechende Ansätze, aber mehr eben auch nicht. Normalerweise sollte man auf dem Niveau von Force India unterwegs sein, was im Rennen auch gelingt. Aber in der Quali liegt man doch ein gutes Stück zurück. Die Punkte hat man bisher über die Strategie und die saubere Fahrweise der Piloten holen können.
Wobei mich bisher weder Sebastian Buemi noch Jamie Alguersuari wirklich überzeugen konnten. Buemi ist der bessere Mann in der Qualifikation und sieht auch im Rennen oft besser aus. Aber die Unterschiede im Rennen sind eher marginal. Klar dürfte sein, dass einer im Winter wird gehen müssen. Vielleicht auch beide, wenn man neben Daniel Ricciardo noch einen weiteren Mann findet.

9. Williams
Sicherlich die Enttäuschung des Jahres. Der FW33, dessen Konzept auf dem Papier interessant ausschaut, ist ein totaler Flop. Und zwar ein Flop von derartigen Ausmaßen, dass man sich fragt, warum das niemanden vorher aufgefallen. Patrick Head, Adam Parr und Frank Williams haben dann das einzig richtige gemacht und schnell Konsequenzen gezogen. Sam Michael und große Teile der Entwicklung mussten gehen, man hat sich mit Mike Coughlin einen durchaus interessanten Mann geholt, der in der Lage ist, einen sehr schnellen und zuverlässigen Wagen zu bauen. Auch der Deal mit Renault bringt Williams in die richtige Richtung, auch wenn der Cosworth offenbar nicht so schlecht ist, wie sein Ruf. Zu den Fahrern kann man wenig sagen. Barrichello macht seinen Job, wirkt aber lustlos, Maldonado überrascht immer mal wieder mit einer guten, versackt aber dann im Rennen. Die 4 Punkte, die Williams hat (letztes Jahr um die Zeit waren es 40), sagen eigentlich schon alles.

10. Lotus
Für mich die zweite Enttäuschung des Jahres. Es war klar, dass man im zweiten Jahr keine Bäume würde ausreißen können, aber im Grunde ist der Abstand noch vorne zwar kleiner geworden, aber nicht so weit, dass man zumindest mit Williams mithalten könnte. Dabei hat Lotus sehr viel Geld in die Hand genommen, darunter auch für die Renault-Motoren. Auffallend ist, dass beide Wagen sehr mit technischen Problemen ausfallen, bei Kovalainen waren das immerhin 5 Ausfälle und damit ist er in diesem Jahr der Spitzenreiter auf dieser Liste. Da gibt es offenbar Qualitätsprobleme in der eigenen Fabrik, denn der Renault-Motor ist ja in anderen Teams stabil. Allerdings – Lotus fehlt der “hot blown diffusor” und KERS, wenn das kommt, ist man vielleicht in der Lage Q2 zu erreichen.
Zu Trulli und Kovalainen kann man wenig sagen. Der Finne macht den besseren Eindruck in diesem Jahr, die besseren Rennergebnisse hat aber Trulli. Tony Fernandes hat angedeutet, dass man Trulli evtl. behalten könnte. Wenn ich ihm einen Rat geben müsste, würde ich schauen, dass ich jemanden wie Hülkenberg ins Team hole.

11. HRT
Ja, in der Wertung liegt HRT wieder vor Virgin, weil Liuzzi mal ein gutes Ergebnis eingefahren hatte. Was soll man sagen – das Wunder ist eigentlich, dass das Team noch fährt, was man Colin Kolles zu verdanken hat, der die Wagen in seiner Firma nahe Ingolstadt vorbereitet. Spanisch war an dem Team nur der Besitzer, der aber gewechselt hat. Mit der Investmentfirma kommt Geld, aber bei der momentan schwierigen Wirtschaftslage muss man da vorsichtig sein. Dass HRT nicht voran kommt liegt auch am alten, kaum veränderten Dallara Chassis, das nächstes Jahr dann wohl endgültig ausgetauscht wird. In Sachen Fahrer – Luizzi macht seinen Job, Karthikeyan fiel nicht weiter auf und sein Nachfolger, Daniel Ricciardo konnte bisher nicht überzeugen, aber dem muss man sicher noch etwas Zeit geben.

12. Virgin
Die Briten stehen am Ende der Wertung, was ihrer tatsächlichen Leistung vermutlich nicht ganz entspricht. Auch Virgin hat die technische Abteilung umgekrempelt. Nick Wirth ist raus (auch wenn man die F1-Abteilung von Wirth gekauft hat) und ab 2012 arbeitet man eng mit McLaren zusammen, was dem Team sicher etwas bringen wird. Aber dieses Jahr kann man abhaken. Interessant ist, dass man Timo Glock für weitere drei Jahre verlängert hat, aber offen darüber spricht, dass D’Ambrosio wohl 2012 nicht weiterfahren wird. Man sucht offenbar einen Fahrer aus dem Mittelfeld. Das könnte ein Ex-Toro Rosso Mann werden, aber auch die diversen Ersatzfahrer wird man sich anschauen.

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July 27 2011

06:16

Newshappen vom 27.07.2011

// Für Nick Heidfeld wird die Luft bei Renault eng. Nachdem der Deutsche auch in diesem Jahr seine Quali-Schwäche nicht in den Griff bekommen hat und Vitaly Petrow zumindest auf Augenhöhe mit ihm unterwegs ist, sucht man bei Renault wohl nach Alternativen. Die erste Option ist Robert Kubica, aber ob der überhaupt noch mal wird fahren können, ist eine andere Frage. Um Topfahrer ins Team zu holen, fehlt es dann wieder an Performance. Aber man überlegt wohl, Heidfeld zu ersetzen. Der erste Warnschuss könnte sein, dass in Ungarn Bruno Senna den Wagen von Heidfeld im ersten Training fahren wird. Niemand glaubt, dass Senna schneller als Heidfeld ist, aber vermutlich geht es Renault im Moment schon nicht mehr allein um Punkte, sondern darum, ob es Fahrer gibt, die gutes Feedback liefern. Ganz oben auf der Liste von Renault steht aber offenbar Romain Grosjean. Das kommt nicht ganz unerwartet, hätte Renault, obwohl nicht mehr Mehrheitsbesitzer im Team, gerne einen Franzosen im Cockpit. Gerüchteweise könnte Grosjean nach Monza im Renault Platz nehmen, aber auch nur dann, wenn er den GP2-Titel gewinnen sollte.

// Berrnie Ecclestone hat die Tage zugegeben, dass er dem ehemaligen Top-Manager der Bayrischen Landesbank, Gerhard Gribkowsky, 44 Millionen Euro bezahlt hat. Allerdings gibt es unterschiedliche Aussagen darüber, weswegen er soviel Geld auf den Tisch gelegt hat. Gerhard Gribkowsky behauptet wohl, dass Ecclestone ihn bestochen hat, der Engländer spricht von Erpressung. Angeblich habe Gribkowsky ihm damit gedroht, dass er Informationen an die Behörden weitergeben könnte, die Eccelstone Probleme bei den Steuerbehörden machen könnten. Diese Anschuldigungen, so Ecclestone, seien gelogen, aber er habe nicht Jahre vor dem Gericht verbringen wollen, um Recht zu bekommen. Nun ja, kann man glauben, muss man aber nicht. Bei Gordon Mccabe gibt es eine schöne Zusammenfassung der hektischen Wochen um den Verkauf der SLEC, der damaligen Holding der F1. Das hartnäckigste Gerücht bzgl. der Zahlungen lautet im übrigen, dass Ecclestone die Summe gezahlt habe, damit die BLB ihre Anteile an die CVC verkauft und nicht an einen anderen, Bernie nicht genehmen Interessenten.

// Weil es etwas untergegangen ist: Timo Glock hat bei Virgin um drei Jahre verlängert. Das kam etwas überraschend, aber offenbar war ihm auch klar, dass er im Moment aus der Ecke, in der er steckt, nicht raus kommt. Glock setzt viel auf den Deal mit McLaren, den Virgin nun geschlossen hat.

// Diskussionen gibt es auch bei Lotus, wo Karun Chandok am Wochenende Trulli ersetzt hatte, und dabei nicht so wirklich überzeugen konnte. Lotus beeilte sich mitzuteilen, dass man mit Trulli über eine Vertragsverlängerung verhandeln würde, aber nach der ganzen Aufbauarbeit des Teams wird es wohl auch mal Zeit, dass man evtl. neue Fahrer einsetzt. Trulli wirkt in diesem Jahr schwach und verliert auch in Quali gegen Kovalainen, was ungewöhnlich ist. Die Frage ist aber, wen Lotus nehmen kann? Da bietet sich eigentlich nur ein Nachwuchsfahrer mit viel Talent an (Hülkenberg?)

// Jeff Burton bekommt einen Crew Chief. Luke Lambert ersetzt Todd Berrier. Richard Childress musste wohl reagieren, weil Burton in den Punkte nur auf Platz 25 zu finden ist. Etwas ungewöhnlich ist die Umbesetzung schon, denn Lambert ist gerade einmal 28 Jahre alt und damit etwas jung für einen Crew Chief. Berrier bleibt vorerst im Team.

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July 21 2011

15:48

Formel Eins: Vorschau Deutschland GP 2011

Die Formel Eins macht Station in Deutschland und der Nürburgring wird sich vermutlich das gesamte Wochenende von seiner besten Seite zeigen: Mit Regen.

Nach dem Rennen in England fällt eine Einschätzung der momentanen Leistungsverhältnisse nicht leicht. Die gemischten Wetterverhältnisse in Silverstone, die kleinen Fehler bei den Boxenstopps und die Änderungen am Mapping machte das Rennen sehr einzigartig. Mittlerweile ist die Formel Eins wieder zu den Mapping-Einstellungen aus der Zeit vor Valencia zurückgekehrt, allerdings mit der Einschränkung, dass man das Mapping im Parc Fermé nach der Quali nicht mehr verändern darf. Im Grunde profitieren von der Entscheidung fast alle Spitzenteams. Red Bull sowieso, aber vor allem McLaren hat durch einen kompromisslosen Umbau auf den hot blown diffusor in diesem Jahr viel gewonnen. Nur bei Ferrari ist man sich nicht so sicher.

Nach dem Sieg in Silverstone ist man bei Ferrari zwar einigermaßen erleichtert, euphorisch ist man aber nicht. Die veränderten Mapping-Einstellungen in Silverstone könnten den Ferrari geholfen haben, aber gleichzeitig hatten die Italiener auch jede Menge neuer Teile am Auto. Aus Maranello hört man, dass man in Sachen Abtrieb offenbar einiges gefunden hat, nachdem man den Fehler, der aus falschen Windkanaldaten resultierte, behoben hat. Gleichzeitig hat man mal wieder umstrukturiert und Pat Fry an die Stelle von Aldo Costa gesetzt, der das Team in dieser Woche endgültig verlassen hat. Wie ernst es Ferrari damit ist, die Strukturen neu auszurichten und gleichzeitig Ruhe ins Team zu bekommen, verdeutlicht die Aussage von Luca di Montezemolo aus dieser Woche, dass man auch 2012 mit Massa als zweiten Fahrer antreten wird. Es wird interessant zu sehen sein, wie Ferrari auf dem eher mittelschnellen Kurs des Nürburgrings klar kommen wird. Es fehlen hier zwar, bis auf das Schumacher-S, die schnellen Passagen, aber wenn der F150 hier gut geht, sollte er auch auf den kommenden Kursen ein Gegner sein.

Red Bull ist aber weiter das Team, dass die Nase vorn hat. Nach dem mittelgroßen Eklat in Silverstone, wo man gegen Ende des Rennens Mark Webber per Team Order einbremste, hat sich die Lage wieder beruhigt. Dietrich Mateschitz selber hat verkündet, dass man mit Webber noch ein weiteres Jahr unterwegs sein wird. Das nicht nur, weil Webber gute Leistungen erbringt, sondern auch, weil man keinen gleichwertigen Ersatz findet. Das Markt an guten Fahrer ist ziemlich leer gefegt. Ohne Zweifel sollte Vettel beim seinem Heim GP der erste Sieganwärter sein.

McLaren wird nach dem schwachen Auftritt in Silverstone am Ring besser aufgestellt sein, das wieder erlaubte Mapping sollte auch helfen. Dennoch ist der Wagen weiterhin eine Baustelle und man hat gegenüber Ferrari sogar an Boden verloren. Es fällt schwer dafür einen Grund auszumachen, der Wagen ist einfach generell zu langsam. Probleme gibt es auch im Team, vor allem um Lewis Hamilton herum. Der beklagte sich bei seinem Team nach Silverstone über ein “Burnout” und durfte erst einmal in den Urlaub fahren. Generell gibt es Stimmen, die sich darüber beklagen, dass Hamilton sich zu viel um seine Promi-Freunde und zu wenig um andere Sachen kümmert. Ob das so stimmt, ist dann wieder eine andere Sache, aber die Unruhe um beide Fahrer in Sachen Vertragsverlängerung tut dem Team mit Sicherheit nicht gut.

Derlei Probleme hat Mercedes nicht, dafür ist der MGP02 kein großer Wurf von Ross Brawn und alle Änderungen haben bisher den Abstand nur konservieren, aber wenig verkürzen können. Mittlerweile hat man fast das gesamte Auspuffsystem verändert, ebenso die Anströmung des Diffusor. Auffällig ist aber, dass der Wagen immer noch mehr Kühlauslässe hat, als die Konkurrenz. Das ist nicht gut für die Luftführung und kostet Anpressdruck. Sollte es am Wochenende allerdings wie erwartet nass sein, dass dürfte man wieder einen sehr starken Schumacher sehen, dem diese Verhältnisse offenbar entgegen kommen. Erstaunlicherweise sieht man im Regen, dass Schumacher, so er denn keinen Fehler macht, vom Speed her zur Spitze gehört. Es wäre ihm und dem Team zu wünschen, dass es am Ring richtig gut läuft.

Bei Renault wird man angesichts des aufgehobenen Mapping-Verbots erleichtert sein. Man hat in Silverstone gesehen, dass der Wagen schwer unter dem Verbot litt, daher sollte es am Ring deutlich besser laufen. Unzufrieden ist man bei den Franzosen dennoch, da die Saison nicht sonderlich gut läuft. Petrov macht seine Sache ordentlich, Heidfeld eigentlich auch, wäre da nicht seine leidige Quali-Schwäche, die ihm bessere Positionen versperrt. Offen spricht Eric Boullier davon, dass man auf eine Rückkehr von Robert Kubica hofft und diesen auch bei nächster Gelegenheit wieder in den Wagen setzen möchte.

Williams bastelt weiter am verkorksten FW33 und dürfte am Ring nicht auffällig werden. Gleiches gilt für Sauber, die in Sachen Entwicklung im Moment stehen geblieben sind. Toro Rosso hat sich verbessert, allerdings auch nur deswegen, weil man im Rennen mit anderen Strategien unterwegs ist.

Neuigkeiten gibt es von Lotus. Dort setzt Jarno Trulli am Wochenende überraschend aus, und wird durch Karun Chandok ersetzt. Der Inder, sicher einer der sympathischsten Fahrer im Feld, darf dann auch mal wieder ein Rennen fahren. Gleichzeitig hat Team Lotus aber klar gemacht, dass man mit Trulli auch über einen Einsatz im Jahr 2012 verhandelt. Dabei hatte man eher damit gerechnet, dass sich Lotus für 2012 einen jüngeren Fahrer holt.

Am Ring gibt es dieses Mal nur eine DRS-Zone, die die lange Gerade betrifft. Gemessen wird vor Turn 10, aktiviert wird der Heckflügel dann direkt nach Turn 11 bis zur Schikane. Je nach Wetter wird man vermutlich wieder einen abwechslungsreichen Grand Prix sehen und wenn es die in der Eifel üblichen Mischverhältnisse gibt, dürfte es richtig lustig werden.

Am Rande des Grand Prix gibt es auch eine Demo der “Save the Ring” Organisation. Viele Infos dazu findet man bei Facebook und bei Mike Frison, den ich der Einfachheithalber mal zitiere:

Treffpunkt ist die Gemeindehalle in Nürburg (neben Getränke Schmitz in der Nähe vom Hotel Tiergarten) und der Protestmarsch setzt sich um 11:45 Uhr in Bewegung.

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February 11 2011

20:12

Formel Eins: Jerez Test Tag 2

Am heutigen Tag gab es einigen Schrott und eine überraschende Bestzeit von Mercedes. Doch die war vielleicht gar nicht so gut, wie ein ausführlicher Vergleich zeigt.

Die Saison hat noch nicht angefangen, da steht Mercedes schon in der Kritik. Gerüchte aus dem Fahrerlager wollen von einem Wagen erfahren haben, der sich zwar gut fahren lässt, aber leider zu langsam ist. Doch heute fuhr Schumacher dann plötzlich die schnellste Zeit und konnte sogar nachlegen, als Massa ihm die Bestzeit kurzfristig abnahm. Das führte zu allgemeinen Erstaunen und der Frage, ob man vielleicht eine “Vorstandszeit” gefahren ist. Mercedes und Schumacher bestreiten das, und in dem Fall glaube ich ihnen auch. Sowohl Ross Brawn als auch Mercedes sind nicht bekannt dafür, mit solchen Zeiten zu hantieren, zu mal sie auch nichts bringen würden. Aber dennoch muss man die Bestzeit vorsichtig bewerten.

Schumacher hatte, laut eigener Aussage, bei seinen schnellsten Runden die “Super-Soft” Mischung aufgezogen. Die haben zwar auch andere Teams genutzt, das Prilli die Reifen aber noch nicht kennzeichnet weiß man halt nicht, wer sie wann drauf geschraubt hat. Auffällig ist aber, dass die Zeiten von Schumacher immer in der ersten Runde eines Stints gefahren wurden, und seine weiteren Zeiten danach stark abfielen. Dazu sollte man auch erwähnen, dass Mercedes mit KERS unterwegs war, wie das bei den anderen Teams war, weiß man nicht. Hier mal ein Vergleich der langen und mittleren Stints nach Rundenzeiten, die ich aus dem wunderbaren Chat von Autosport.com … ähm… entliehen habe. Ich kann die Investition der 2.50 Euro nur wärmstens empfehlen. Bei den Zeiten immer eine 1. … min denken, das sind keine Sektorenzeiten.

Massa:
Long. 26.2, 26.1, 26.4, 26.9, 26.5, 26.8, 27.0, 27.0, 27.2, 27.4, 28.2, 28.7, 29.3
Mid. 22.2, 21.9, 22.4, 22.7, 22.7, 22.5, 22.5, 22.7

Webber:
Long. 25.3, 25.4, 25.1, 24.8, 24.8, 24.4, 24.5, 24.9, 28.5, 24.3, 24.2, 24.0, 24.4, 24.2, 25.4, 25.0, 25.3, 25.9, 26.7
Mid. 24.3, 23.8, 23.6, 23.6, 23.4, 23.5, 23.5, 23.5, 24.1, 28.2, 23.6, 23.9

Schumacher:
Long. 24.9, 23.4, 33.6, 23.6, 23.6, 23.9, 24.1, 24.1, 24.1, 24.2, 24.3, 24.9, 24.7, 25.3, 25.6, 26.4, 26.5, 26.3, 27.6
Mid. 20.3, 21.3, 22.0, 22.6, 22.9, 23.8, 24.2, 24.2, 24.1, 24.6

Heute morgen fuhr Schumacher:
21.4, 22.1, 23.0, 23.0, 23.5, 23.8, 24.3, 24.8, 25.4, 25.5

Zum Vergleich Webber gestern:
25.1, 24.3, 23.8, 23.7, 23.5, 23.5, 23.4, 23.1, 23.0, 23.9, 23.1, 23.2, 26.6, 23.0, 23.3, 23.5, 24.1, 24.7.

Aufschlussreich sind die langen Stints. Massa war offenbar mit einem randvoll getankten Auto unterwegs, bei Webber war der Tank mindestens halbvoll. Schumacher war zunächst auf seinem langen Stint schneller als Webber, was dafür sprechen könnte, dass er leichter war. Dagegen spricht allerdings, dass seine Zeiten gegen Ende massiv einbrachen, während die von Webber sehr stabil blieben. Das könnte auch darauf hindeuten, dass der Mercedes ein Problem mit dem Verschleiss der Reifen an der Hinterachse hat, bzw. der Red Bull einfach schonender mit dem Gummi umgeht. Ferrari wiederum hat heute nicht versucht, auf Zeitenjagd zu gehen.

Von Button gibt es leider keine solche Aufstellung, aber der neue McLaren fährt zumindest auf Anhieb vorne mit und sowohl Team als auch Fahrer zeigten sich heute sehr optimistisch.

Renault beließ es wie gestern bei Systemtests. Man hat nach dem Ausfall von Kubica offenbar das Programm umgestellt und hat Petrov mehr oder weniger nur Aero- und Reifentests fahren lassen. Im Grunde sammelt man Basisinformationen. Vielleicht wartet man da auf Nick Heidfeld, der morgen in den Wagen steigen soll.

Pech hatten Sauber und Williams. Der neue FW33 scheint ein nicht unkomplizierter Wagen zu sein, was das Heck angeht. Da hat es nicht geholfen, das Maldonado das Auto in einen Reifenstapel gefeuert hat und man den gesamten Nachmittag verlor. Etwas ähnliches passierte auch Sergio Perez, der bei Sauber die Vorderradaufhängung demolierte. Für beide war der Tag damit gelaufen, was für die Teams ernorm ärgerlich ist. Jede Testrunde zählt schließlich.

Auch bei Lotus war man frustriert. Man hatte man wieder mit technischen Problemen zu kämpfen und konnte am Nachmittag nicht fahren, weil man erst mal Ersatzteile aus England einfliegen lassen muss. Der Lotus scheint nicht schlecht zu gehen, zickt aber auch kräftig rum, so das sehr viel Testzeit verloren geht. Das Testtelegramm sah dann auch dementsprechend bescheiden aus:

0900 – 0902: Run 1, Installation lap
0901 – 0944: Cockpit adjustments / general system checks
0944 – 0950: Run 2, 3 laps
0950 – 1008: Session red flagged
1008 – 1032: Run 3, 12 laps
1032 – 1058: Rear camber change
1058 – 1116: Run 4, 12 laps
1116 – 1221: Change tyre compouds – soft to medium
1221 – 1232: Run 5, 7 laps
1216 – 1259: 2nd rear camber change
1259 – 1305: Run 6, 5 laps
1313 – 1700: Mechanical fault ends session – spare parts to rectify issue arrive from factory 11/02

Nur zum Vergleich: Massa und Schumacher kamen auf mehr als 100 problemlose Runden.

Zum Schluss die guten Nachrichten: Robert Kubica geht offenbar bedeutend besser. Er hat, über seinen Manager, der Gezetta dello Sport ein Interview gegeben, dass die Autosport in Teilen übernommen hat. Unser Leser und regelmäßige Kommentator ethone war so nett, das zu übersetzen. Ich zitiere mal die wichtigsten Passagen:

“Ich will zur Rennstrecke stärker zurückkommen als jemals zuvor, weil du nach solchen Unfällen nicht mehr derselbe bist wie vorher, du wirst besser.
Das ist mir schon 2007 passier, nach dem Unfall in Kanada. Ich musste für ein Rennen aussetzen und als ich zurück kam war ich besser.”

[...]

Die Finger funktionieren, ich kann sie spüren und der Arm funktioniert auch. Aber ich habe noch weitere Operationen, letztlich weiß ich erst danach woran ich bin.
Mir tut Leid was passiert ist. Es hätte nicht passieren sollen. Ich weiß gar nicht was passiert ist, ich kann mich an nichts mehr über den Unfall selbst erinnern. Ich bin im Krankenhaus aufgewacht und alles wurde mir von meinem Manager, Daniele Morelli, der seit Sonntag hier ist, erklärt.

[...]

Ich fahre besser in der Formel 1 weil ich viele Rallies gefahren bin letztes Jahr. Rallies helfen deiner Konzentration, besonders weil es kaum noch Testtage in der Formel 1 gibt. Leistung in der Formel 1 kommt aus einer Reihe an Details.
Rallies zu fahren hat es mir erlaubt an bestimmten meiner Aspekte zu arbeiten wo es noch Verbesserungspotential gibt. Das ist wichtig in einer Saison mit 20 Rennen.”

Morelli: “Als er hier [im Krankenhaus] ankam hatte er nur noch einen Liter Blut. ‘Ruf die Eltern des Jungen an’ haben mir die Ärzte am Sonntag nachmittag gesagt. Mir ist es kalt den Rücken heruntergelaufen.”

Wir wünschen weiterhin gute Besserung!

1 Schumacher Mercedes 1m20.352s
2 Massa Ferrari 1m20.413s +0.061
3 Button McLaren 1m21.009s +0.657
4 Alguersuari Toro Rosso 1m21.214s +0.862
5 Webber Red Bull 1m21.613s +1.261
6 Sutil Force India 1m21.780s +1.428
7 Perez Sauber 1m21.857s +1.505
8 Glock Virgin 1m22.208s +1.856
9 Petrov Renault 1m22.493s +2.141
10 Maldonado Williams 1m22.591s +2.239
11 Trulli Lotus 1m23.216s +2.864

665311281-55081122011 4a401a6e 5776d5df 5ce74652 69608526 239611692 238953351 Formula One World Championship Formula One World Championship Formula One World Championship 665311281-175681122011 665311281-235481122011 110132tst

February 10 2011

17:18

Formel Eins: Jerez Test Tag 1

Vier Tage werden die Teams in Jerez testen. Und neben Renault scheint ein weiteres Team Probleme zu haben.

Robert Kubica geht es weiter besser. Heute konnte er die Intensivstation verlassen, allerdings nur kurz, denn am Freitag soll er ein weiteres Mal operiert werden. Dabei werden das Bein, der Ellbogen und die Schulter in Angriff genommen. Seiner Hand geht es wohl gut, laut Klinik kann er alle fünf Finger leicht bewegen. Wenn alles gut läuft, wird er in 10 Tagen das Hospital verlassen können und per Hubschrauber in eine Klinik transportiert, in der seine weiteren Verletzungen versorgt werden. Die guten Nachrichten erlauben Renault auch sich darauf zu konzentrieren, wer der Ersatzmann von Kubica werden soll. Die besten Chancen hat wohl Nick Heidfeld.

Der Deutsche wird am Samstag und eventuell am Sonntag zusammen mit Bruno Senna testen. Schon nach dem Test könnte eine Entscheidung fallen. Laut den Gerüchten aus Jerez scheint Heidfeld so gut wie sicher den Platz zu bekommen. Sollte er beim Test am Wochenende nicht komplett aus dem Rahmen fallen und zu langsam sein, oder ihm der Wagen komplett nicht liegt, wird er wohl offiziell das Cockpit besetzen, bis Kubica zurückkommt. Senna werden aber durchaus Chancen eingeräumt, Heidfeld noch einen Strich durch die Rechnung zu machen. Dafür müsste er allerdings deutlich schneller als Heidfeld sein, was keiner erwartet. Für Renault ist es wichtig, dass man schnell eine Entscheidung trifft. In vier Wochen ist Saisonstart und bis dahin wird der Ersatzpilot wenig Zeit haben, den Wagen auf seine Bedürfnisse abzustimmen, dazu muss der R31 noch weiter entwickelt werden. Es gibt also viel zu tun.

Aber nicht nur Renault hat Probleme, sondern offenbar auch Mercedes. Die Zeiten aus Valencia waren schon eher mittelmäßig, am ersten Tag in Jerez sah es nicht besser aus. Rosberg musste den Wagen zwischendurch abstellen, kam aber wieder schnell zurück. Größere Sorgenfalten dürfte der Blick auf die Rundenzeiten verursachen. Autosport postete heute Rundezeiten aus den Longruns, und die sahen nicht gut aus. Im Schnitt war man 1.5 bis 2 Sekunden langsamer als Mark Webber, der ebenfalls auf einem Long-Run unterwegs war. Natürlich kann man nicht wissen, ob der Tank des Mercedes voll war, aber aus dem Mercedes Lager sickerte inoffiziell durch, dass man mit dem Speed nicht ganz zufrieden sei. Der Wagen liegt besser und ist hat keine Probleme mit den Reifen, aber es fehlt wohl einfach Speed. Es kann natürlich auch sein, Ross Brawn komplett mauert und noch was aus dem Köcher zieht, aber im Grunde ist das seine Sache nicht.

Die eher bescheidenen Zeiten müssen nicht bedeuten, dass der W02 grundsätzlich zu langsam ist. Es kann auch daran liegen, dass man noch nicht das beste Setup gefunden hat. Eine kleine Änderung, und schon kann die Sache anders aussehen. Man wird die Woche und den Test in Barcelona abwarten müssen, aber sagen wir mal so – andere Teams scheinen weniger Probleme zu haben. Das gilt im übrigen nicht für Williams. Der neue Wagen hat noch Kinderkrankheiten, heute war der Heckflügel samt seiner komplizierten Aufhängung. Die war wohl defekt und nicht leicht zu reparieren, was das Team fast den gesamten Testtag gekostet hat. Obwohl der FW33 nicht langsam ist, scheint die sehr extreme Herangehensweise in Sachen Heck doch noch etliche Probleme zu verursachen.

Massa war heute am schnellsten, Webber hatte allerdings etwas Abstand. Dennoch fällt es auch, dass die beiden Teams mal wieder vorne liegen. Dazu kommt, dass beide absolut keine Probleme mit der Technik hatten. Ferrari hatte zu dem heute die Lacher auf ihrer Seite. Unverständlicherweise hatte man sich eine Klage von Ford eingefangen, die in der Benennung des Ferrari F150 eine Markenrechtsverletzung sehen wollten, da sie einen Pick Up anbieten, der ebenfalls F150 heißt. Man antwortete mit einer amüsanten Presseerklärung, um klar zu stellen, dass man weder einen Pick Up baut, noch vor hat, den Formel Eins in Serienproduktion zu geben.

“On the subject of the name of the new Ferrari Formula 1 car, the Maranello company wishes to point out that it has sent a letter of reply to Ford, underlining the fact that the F150 designation (used as the abbreviated version of the complete name, which is Ferrari F150th Italia) never has, nor ever will be used as the name of a commercially available product – indeed there will definitely not be a production run of single-seaters.”

Zu dem soll der Wagen schon immer den Namen “F150th Italia” getragen haben, “F150″ sei nur eine Verkürzung gewesen. Netter Konter, auf eine selten dämliche Aktion von Ford.

Die anderen Teams, vor allem Force India, Virgin und McLaren hatten heute ihre Wagen zum ersten Mal auf der Strecke. Force India beließ es mehr oder weniger bei Systemtests und kam erst gegen Ende der Session auf gute Zeiten, Glock im Virgin testete ebenfalls erst einmal vorsichtig. Für McLaren lief der Test wohl gut, immerhin kann man schon recht früh auf rechte gute Zeiten. Spekuliert wurde sehr viel darüber, wo der Auspuff am MP4-28 denn nun sitzt. Im Moment vermutet man, dass der Auslass im T-Träger unter dem Cockpit sitzt, also dort, wo die Luft unter dem Auto geteilt wird. Komplett bestätigt ist aber noch nicht.

Morgen geht es dann weiter in Jerez und die Zeiten von Mercedes wird man sich sehr genau ansehen.

1 Massa Ferrari 1m20.709s
2 Perez Sauber 1m21.483s +0.774
3 Webber Red Bull 1m21.522s +0.813
4 Ricciardo Toro Rosso 1m21.755s +1.046
5 Hamilton McLaren 1m21.914s +1.205
6 Alguersuari Toro Rosso 1m22.689s +1.980
7 Sutil Force India 1m23.472s +2.763
8 Petrov Renault 1m23.504s +2.795
9 Rosberg Mercedes 1m23.963s +3.254
10 Trulli Lotus 1m24.458s +3.749
11 Glock Virgin 1m25.086s +4.377
12 Maldonado Williams 1m34.968s

Interessant ist, was Team Lotus so an Infos raus rückt. Die geben einen detaillierten Überblick über einen Testtag:

0900 – 0902: Run 1, Installation lap
0902 – 0946: System / temperature checks / bleed brakes
0946 – 0957: Run 2, 7 laps
0957 – 1026: General setup changes / brake blanking increased
1026 – 1048: Run 3, 13 laps – successful DRS tests
1048 – 1102: 2nd increase of brake blanking
1102 – 1114: Run 4, 7 laps
1114 – 1203: Ride height / camber changes
1203 – 1216: Run 5, 7 laps
1216 – 1259: Ride height / camber changes
1259 – 1313: Run 6, 8 laps
1313 – 1400: Lunch
1400 – 1632: System changes / fault rectification
1632 – 1638: Run 7, 4 laps
1638 – 1647: Ride height change
1647 – 1659: Run 8, 7 laps

F1 Testing in Jerez - Previews 2011 Formula One Testing F1 Testing in Jerez - Previews F1 Testing in Jerez - Previews 182048_10150149017193465_292309963464_8104103_5808790_n 180321_10150149017238465_292309963464_8104104_6848848_n 168029_10150148944803465_292309963464_8103024_660045_n Formula One World Championship Formula One World Championship Formula One World Championship 110096tst 110116tst

Bilder: Ferrari, Team Lotus, Red Bull, Force India
Kleine Anmerkung: Sauber und McLaren haben bisher nicht ein Foto von den Tests veröffentlicht. Weder McLaren noch Sauber haben auf meine Anfragen reagiert. Ich suche gerade nach einer Lösung auf anderem Weg an Bilder zu kommen.

February 09 2011

21:29

Formel Eins: Renault in der Klemme

Nach dem schrecklichen Unfall von Robert Kubica gehen die Spekulationen los, wer ihn bei Renault ersetzen soll.

Das Lotus-Renault steckt in einer schwierigen Lage. Man hat mit dem R31 ein offenbar gutes Auto, aber der Wagen, mit seinen extravaganen Lösungen bei Auspuff, Kühlung und Aerodynamik braucht auf jeden Fall noch viel Entwicklungszeit. Doch selbst im erweiterten Kader findet sich niemand, der Kubica ersetzen könnte. Petrov hat keine Erfahrung, Senna ist zwar als erster Ersatzfahrer genannt, aber auch ihm fehlt das Wissen, wie man einen neuen Rennwagen entwickelt. Grosjean ist ohne jeden Zweifel schneller als Senna, hat aber ein Jahr aussetzen müssen und in Sachen Entwicklung ist er sicher auch nicht sonderlich erfahren. Renault hat sich zwar einen bemerkenswert großen Stall von Ersatzfahrern aufgebaut, aber die Piloten sind zum Teil nur als Testfahrer gedacht, zu jung oder zu unerfahren. Senna und Grosjean hat man auch eher engangiert, um Vitaly Petrov Feuer unterm Hintern zu machen. Bleibt die Lösung, einen neuen Piloten zu engagieren.

Eric Boullier wird nichts anderes übrig bleiben, als sich auf dem Markt umzusehen. Dabei gibt es allerdings nur zwei logische Ersatzfahrer für Kubica.

Nick Heidfeld
Trotz guter Ergebnisse bei Sauber wurde er zugunsten von Sergio Perez fallen gelassen und sucht ein Team. Offenbar gab es keine vernünftigen Angebote, bzw. keine Anfragen. Er gilt als guter Entwickler, hat aber Schwächen in der so wichtigen Qualifikation. Dafür stimmt sein Speed im Rennen und er gilt als jemand, der so reifenschonend unterwegs ist, was angesichts der in diesem Jahr schneller zerfallenden Pirellis ein Vorteil sein wird. Meiner Meinung nach der im Moment beste Ersatz für Kubica.

Pedro de la Rosa
So schlecht, wie man ihn letztes Jahr teilweise eingeschätzt hat, war er nicht. Er wirkte aber in der Saison nach der langen Rennpause etwas eingerostet, und Kobayashi stahl ihm mehrfach die Show. Ein umsichtiger Pilot, dazu einer, der den Wagen nicht an jeder Ecke weg wirft. Also ein guter Punktelieferant. Sein Plus: Seit dem Oktober testet er für Pirelli die Reifen, kennt also die unterschiedlichen Mischungen bestens. Allerdings ist dieser Wissensvorteil sicher schnell aufgebraucht.

Vitantonio Liuzzi
Seit seinem Rauswurf bei Force India zu haben. Er scheint überraschenderweise bei Renault durchaus ein ernsthafter Kandidat zu sein, wenn man die Gerüchteküche so hört. An seinen guten Tagen hat er Top Ten Format, doch die sind ja eher selten, daher würde es mich wundern, wenn man ihn verpflichten würde.

Kimi Räikkönen
Der Name fällt tatsächlich in Medienkreise, aber halte ich für völlig ausgeschlossen. Zum einen gab es im Dezember dieses merkwürdige PR-Geschacher zwischen Renault und seinen Management, zum anderen hat er vermutlich schlicht und ergreifend keine Lust. Zu dem gilt er nicht das guter Entwickler und hat ebenfalls das Problem, dass er ein Jahr Pause hinter sich hat. Sicher, ein hochmotivierter Räikkönen in einem guten Wagen ist vermutlich ein Siegkandidat, aber wer glaubt ehrlich, dass sich Räikkönen dazu noch einmal aufraffen möchte?

Wie man es dreht und wendet – Heidfeld scheint die logische Alternative zu sein, wenn man die Saison nicht komplett abschreiben möchte. Immerhin hat man einige Millionen in den neuen Wagen investiert. Auf der anderen Seite könnte Renault auch das Risiko gehen und es mit Grosjean oder Senna versuchen. Kubica kann man eh nicht ersetzen, schon gar nicht dessen Fähigkeit auf einer schnellen Runde den Wagen komplett auszuquetschen. Aber vielleicht überrascht ja Grosjean, in dem er seine Chance nutzt und seinen sicher vorhandenen Speed umsetzt.

Klar ist, dass die Entscheidung schnell fallen muss, die Testwochen der Formel Eins gehen schon am Donnerstag weiter.

February 07 2011

13:47

Formel Eins: Update Kubica I

Die Meldungen aus Italien besagen, dass es Robert Kubica dem Umständen entsprechend gut geht.

Manchmal ist das Leben schon merkwürdig. Eigentlich wollte ich heute einen Text über die Testtage der Formel Eins aus der letzten Woche einstellen. Und meine besonderes Aufmerksamkeit galt dabei Renault und Robert Kubica. Der Text war schon fast fertig, als der Unfall gestern passierte. Geschrieben hatte ich “Wenn Renault in Valencia keine “Vorstandszeiten” gefahren hat und man mit einem ähnlichen Programm wie Red Bull und Ferrari unterwegs war, dann könnte diese die Wiederauferstehung des Teams sein.” Auch wenn Kubica dieses Jahr wohl nicht an den möglichen Erfolgen von Renault beteiligt sein kann, wichtiger ist doch, dass es ihm offenbar besser geht. Und das scheint der Fall zu sein, denn sein Team berichtete, dass er seine Finger schon wieder leicht bewegen kann.

Laut verschiedener Meldungen hat man ihn heute kurz aus dem künstlichen Koma erweckt. Dabei war er klar, konnte reden und beklagte sich über Schmerzen in seinen Beinen und seiner Hand. Letzeres ist ein gutes Zeichen, zeigt es doch, dass der schwerverletzte Unterarm und die Hand offenbar ausreichend durchblutet werden und dass die Nervenbahnen wieder hergestellt werden konnten.

Renault vermeldet folgendes:

Robert’s general condition is much better today.

After spending the night under constant observation, he was briefly woken up by the doctors of the Santa Corona Hospital (Pietra Ligure) this morning. The Lotus Renault GP driver was then able to talk to his relatives. He was also able to move his fingers, which is encouraging for the rest of his recovery process.

Professor Mario Igor Rossello, Director for the Regional Centre of Hand Surgery at San Paolo Hospital in Savona, did not notice any swelling or infection on his right forearm, and this is another good sign, although it will be several days before it is known if the operation has been 100% successful.

In order to avoid any physical stress, Robert will be put under gentle medication in order to sleep for the next 24 hours at least. Meanwhile, the doctors will decide how they will treat his elbow and shoulder fractures. Robert may have to undergo surgery once again for this, but not for a few days.

Lotus Renault GP wishes to thank the Hospital of San Paolo (Savona) and the Santa Corona Hospital (Pietra Ligure) for their professional approach and their dedication.

Lotus Renault GP will issue another update on Robert’s condition later this evening.

Noch ist es zu früh völlig Entwarnung zu geben und ebenso wird man noch einige Tage, Wochen oder gar Monate warten müssen, bis man genau weiß, ob und wie weit er seine Hand wieder verwenden kann. In einem Interview mit der BBC sprach Renault Teamchef Eric Boullier von “mehreren Monaten” Heilungsprozess. Autosport führt weitere Verletzungen auf, darunter schwere Brüche im/am Ellbogen, der Schulter und des Beins. Dies alles muss noch mehrfach operiert werden, was aber im Moment nicht geht, weil sich sein Körper vom wohl sehr hohen Blutverlust erst einmal erholen muss. Man rechnet zwar damit, dass er die Intensivstation in den nächsten zwei Tagen verlassen kann, muss aber abwarten, wie es um den Heilungsprozess seines Arms steht.

Mittlerweile ist im Netz ein Video aufgetaucht, dass von einem direkt nach Kubica gestarteten Fahrer zeigt. Wie man sehen kann, stehen die meisten Leitplanken komplett frei und sehr hoch. Die Enden sind weder abgesichert, noch wurden sie abgeflacht. Bei 3:10min wird die Unfallstelle erreicht.

February 03 2011

19:49

Formel Eins: Test Valencia Tag 3

Letzer Tag der Testfahrten und damit auch Abschied von der von den Teams nicht gerade geliebten Strecke in Valencia. Viel Erkenntnisse hat die Woche nicht gebracht.

Mantraartig kann man eigentlich wie jedes Jahr bei den Testfahrten immer nur sagen: “Wer schnell ist, kann das nicht verstecken.” Doch schon im letzten Jahr hat man gesehen, dass die meisten Team bei den Tests ordentlich gemauert hatten. Sauber war bei allen Tests 2010 im vorderen Drittel, nur um beim Saisonstart festzustellen, dass alle anderen bei den Tests zwei Sekunden langsamer gemacht haben, als in der ersten Quali. Keiner will sich in die Karten schauen lassen, also fährt man stur sein Programm und lässt den Fahrer lieber mal früher bremsen. Das wird in diesem Jahr nicht anders werden, wie Valencia gezeigt hat. Ein paar Dinge sind aber doch auffällig.

Auf den ersten Blick liegen die Zeiten teilweise arg weit auseinander. Bei den Topteams sind es bis zu zwei Sekunden, was etwas viel ist. Aber wie gestern schon erwähnt – es ist schwer zu sagen, wer welche Strategie bei den Tests fährt. Mercedes hat neben den Funktionstests vor allem das KERS-System getestet, das man noch nicht so richtig kennt. Red Bull hat angeblich darauf verzichtet, Ferrari wiederum nicht. Trotzdem waren beide Teams auf Anhieb am schnellsten und setzten sich an Tag 1 und 2 an die Spitze. Heute legte Renault mit einer ähnlichen Zeit nach, was ein gutes Zeichen für den eigenwillig konstruierten R31 ist.

Eng sind die Zeiten dahinter geworden. Zwischen Webber und Schumacher langen gerade mal sieben Zehntel, dazwischen drängelten sich Massa, Maldonado und Perez (die Zeiten der 2010er Wagen lasse ich mal raus). Sollten alle ein ähnliches Programm gefahren haben, wäre das natürlich ein schöner Vorgeschmack auf die Saison, aber ich gehe nicht davon aus, dass man so eng beieinander liegen wird.

Interessantes gab es heute von Pirelli zu berichten. Viele Teams führen längere oder lange Stints, um den Abbau der Reifen zu studieren. Bei Button, im alten McLaren, bauten die Reifen relativ konstant rund 0.1 Sekunden pro Runden ab, bei Webber blieben sie mit abnehmender Spritmenge sehr konstant. Grundsätzlich geht Pirelli davon aus, dass die Reifen in 20 Runden rund 2 Sekunden verlieren werden. Im einem Chat-Interview mit autosport.com, sagte Paul Hembery von Pirelli, dass die Lebensdauer der Reifen, also der Zeitraum, in dem sie einigermaßen vernünftige Zeiten abliefern, auf rund 100km beschränkt sei. Man habe die Mischung der Reifen so angelegt, weil das von der FIA und den Fans gewünscht worden sei, könne aber problemlos auch Reifen herstellen, die ein ganzes Wochenende halten. Grundsätzlich gehe man davon aus, dass alle Teams im Rennen zweimal stoppen müssen. Daraus ergeben sich einige interessante Dinge:

1. Der Peak der Pirelli ist kurz. Die Top Ten müssen aber mit den Reifen starten, die sie in Q3 auf dem Auto hatten, während der Rest frische Reifen hat. Man braucht mindestens drei Runden für eine gute Qualizeit, das macht dann 3 Zehntel, die die Reifen theoretisch schon zum Start langsamer sind. Zusammen mit dem klappbaren Heckflügel könnte das also interessante Startrunden geben.

2. Wenn die Reifen so schnell nachlassen, werden Wagen und Fahrer bevorzugt, die die Reifen schönen. Wie das bei den neuen Chassis aussieht, weiß man nicht, aber bei den Fahrer ist bekannt, dass zum Beispiel Button die Reifen nicht so hart ran nimmt. Die Frage der Strategie ist in diesem vermutlich kompliziert und kann dazu führen, dass sich das Klassement am Ende noch stark verändert. Durchfahren kann man mit den Reifen auf gar keinen Fall mehr.

Was den heutigen Testtag angeht, so gab es zwei nennenswerte Probleme. Ferrari fackelte der Wagen fast ab, als eine Ölleitung brach (sagt Ferrari) und das Öl sich auf dem Auspuff entzündete. Bei Lotus kam man überhaupt nicht voran. Die defekte Servolenkung ließ sich nicht reparieren, weil man keine Ersatzteile hatte, man rollte für ein Aerodynamiktests herum, brachte aber keine Zeit zustande.

Bei Mercedes zeigte man sich zufrieden, was schon mal mehr ist, als man im letzten Jahr behaupten konnten, als sowohl Rosberg als auch Schumacher nach ihren ersten Runden ziemlich enttäuscht waren. In diesem Jahr zeigte man sich etwas zufriedener auch wenn Schumacher heute zwischen den Zeilen durchblicken ließ, dass man noch am Speed des W02 arbeiten müsse.

Alle anderen drehten relativ sorgenfrei ihre Runden, wobei der neue neue Williams mit Pastor Maldonado am Steuer durchaus schnell unterwegs war. Gestern kam das Gerücht auf, dass man sich bei Williams etwas verzpckt habe, weil der Wagen schwer zu fahren sei. Aber auch gilt dann wieder: man weiß es erst, wenn Q3 in Bahrain vorbei ist.

Nächste Woche geht es in Jerez weiter, allerdings erst ab Donnerstag.

1 Kubica Renault 1m13.144s
2 Sutil Force India 1m13.201s +0.057
3 Button McLaren 1m13.553s +0.409
4 Webber Red Bull 1m13.936s +0.792
5 Massa Ferrari 1m14.017s +0.873
6 Glock Virgin 1m14.207s +1.063
7 Maldonado Williams 1m14.299s +1.155
8 Perez Sauber 1m14.469s +1.325
9 Schumacher Mercedes 1m14.537s +1.393
10 Buemi Toro Rosso 1m14.801s +1.657
11 Karthikeyan HRT 1m16.535s +3.391

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Bilder: Ferrari, Williams, Red Bull/Gepa, Renault, Mercedes

December 25 2010

09:40

F1 Saisonrückblick II: Die Teams

Nicht viele Teams habe sich dieses Jahr mit Ruhm bekleckert. Im Grunde hatten alle dieses Jahr den einen oder anderen Aussetzer. Mein Team des Jahres ist daher vielleicht für einige eine Überraschung.

Die Saison 2010 bot mangels großer Regeländerungen die Chance die bewährte Technik zu verbessern, oder aufbauend auf den Erfahrungen des Vorjahres ein Chassis zu bauen, dass den eigenen Erwartungen besser entsprechen würde. Das führte zu meist ähnlichen Ansätzen beim Design, wobei Red Bull klar vorgab, wohin die Reise geht. Erstaunlicherweise kopierte niemand das Design des Vorjahres Siegerwagens, dem Brawn. Selbst Ross Brawn verwarf das alte Chassis und ging mit neuen Ideen an den Start. Schwer hatten es die neuen Teams, die keinerlei Erfahrungen und kaum Geld zur Verfügung hatten. Das ihr Rückstand groß sein würde, war klar, aber es war dann doch etwas schockierend wie hoch er am Ende war.

Die Reihenfolge der Teams nach der WM-Wertung 2010

1. Red Bull
Klar, man hatte das beste Auto auf der Strecke, das man im Laufe der Saison auch noch weiter verbessern konnte. Eigentlich hatte der RB6 nur eine einzige Schwäche: Den Topspeed. Der lag weit unter allem, was die Konkurrenz schaffte, aber gegen Ende der Saison konnte Red Bull dieses Manko teilweise ausmerzen. Man wurde zwar nicht viel schneller, aber der Wagen beschleunigte vor allem aus engen Kurven heraus deutlich besser als der Rest der Welt. Wären nicht die technischen Probleme gewesen, die Saison wäre deutlicher für die Bullen ausgegangen. Der Renault-Motor war eine Schwäche, allerdings gab es auch immer wieder Probleme mit Bremsen (Vettel/Australien, Montreal usw.). Etwas chaotisch zeigte sich teilweise die Teamführung. Christian Horner schien die Kontrolle ab und an aus den Händen zu gleiten, vor allem, wenn sich Vettel und Webber ins Gehege kamen (England, Türkei) oder Helmut Marko als de-facto Teamchef im Hintergrund allzu deutlich wurde. Die, zumindest von außen, merkwürdig organisierte Teamführung ist sicher auch ein Grund, warum Red Bull noch nicht perfekt funktioniert. Man darf aber nicht vergessen, dass bisher niemand Erfahrung darin hatte, wie man einen WM-Titel gewinnt. Herzstück von Red Bull ist aber nicht alleine das Team, sondern Red Bull Technology, also Adrian Newey, der ebenfalls zu erweiterten Teamführung gehört. Ob diese Dreierspitze immer so reibungslos funktionieren wird?

2. McLaren
Nach der etwas schmerzhaften Trennung von Mercedes hat mich McLaren überrascht. In den letzten Jahren hieß es immer, dass Mercedes einiges an Entwicklungsarbeit mitleistet, von daher bin ich davon ausgegangen, dass McLaren einen schlechten Start erwischt, weil es Zeit braucht, bis neue Strukturen greifen. Tatsächlich lief es besser, aber gegen Ende der Saison merkte man doch, dass der große Partner fehlte. Man hatte sich wohl mit dem F-Schacht/Unterbodensystem verzockt, jedenfalls war der Speed plötzlich weg und er kam auch nicht wieder. Vielleicht wäre mit der Unterstützung von Mercedes da eher etwas gefunden worden. Ansonsten hat mir McLaren im Jahr 1 nach der Trennung gut gefallen. Saubere Arbeit, geniale Idee mit dem F-Schacht, ruhige und souveräne Teamführung, entspannt auch in engen Situationen. Das einzige Fragezeichen was ich habe, steht hinter der Entwicklungsfähigkeit. Hat McLaren die Power in den nächsten Jahren auch ohne Partner gegen Ferrari, Red Bull oder Mercedes anzukommen?

3. Ferrari
Miserabler Start, gutes Finish. Allerdings muss sich Ferrari zum wiederholten Mal die Frage gefallen lassen, warum man im Winter so tief schläft. 08/09 verpennte man den Doppeldiffusor, 09/10 den Blown Diffusor. Man baute gute Autos, aber ohne besonders einfallsreich zu sein. Mir fiel bei der Präsentation in diesem Winter schon auf, dass das Chassis auffällig unauffällig wirkte. Die Schwäche bei Ferrari liegt wohl in der Designabteilung, auch wenn die in einem Verzweiflungsakt mit der B-Variante einiges nachholen konnte. Wenn man bedenkt, dass Ferrari nach dem Massa-Unfall seit September 2009 neue Teile im Renntrimm ausprobiert hatte, war das Ergebnis kläglich. Problematisch soll bei Ferrari die Teamführung sein. Stefano Domenicali und Luca Baldisseri werden klar vom heimlichen Ferrari-Chef Luca di Montezemolo gedeckelt, dem technischen Direktor Aldo Costa und dem Chefaerodynamiker Marco de Luca werden Schwächen zugesprochen. Das alte “Ferrari-System” das vor der Ankunft von Jean Todt herrschte, soll wieder Einzug gehalten haben. Jeder sichert sich nach hinten ab, keiner traut sich was. Angesicht des mauen Designs und den oft schwach wirkenden Entscheidungen von Domenicali könnte da was dran sein. Es wurde darüber spekuliert, dass Montezemolo das Team umkrempelt, aber das hat er bisher dementiert.

4. Mercedes-Benz
Sicher etwas enttäuschend für die Stuttgarter, aber ehrlich gesagt nicht so verwunderlich. Mercedes hat sich im letzten Jahr extrem spät dazu entschieden, BrawnGP zu kaufen. Ross Brawn steckte bis zum vorletzten Rennen im WM-Kampf, hatte keine Sponsoren und keine andere, finanzielle Rückendeckung. Das Budget für die Entwicklung des 2010er Chassis war knapp, die Ressourcen dünn. Laut einer unbestätigten Aussage von Brawn hatte er schon geplant die Saison 2010 mit einer B-Variante des Vorjahres zu starten. Mercedes hat dann auch nicht so viel Geld reingestopft, wie es vielleicht nötig gewesen wäre. Man hat wohl auf eine gute Idee von Brawn und die Erfahrung von Schumacher gebaut, um vorne dabei sein zu können. Aber schon bei den Tests zeigte sich, dass der Wagen nicht besonders gut lief. So sehr ich die Probleme zu Saisonbeginn verstanden habe, so sehr war ich verwundert, dass Mercedes überhaupt nicht vom Fleck kam. Im Grunde holte man nur leicht auf um dann den Abstand zu halten. Mag sein, dass das Chassis schon im Mai, als man den Radstand verlängerte, schon am Ende war, doch ich habe mehr erwartet. Der vierte Platz ist angesichts der Schwierigkeiten fast eine Überraschung, alarmierend ist aber der Abstand nach vorne.

5. Renault
Alle Welt setzt auf ein langes, schmales Chassis, nur Renault baut einen Panzer. Umso erstaunlicher, dass der Wagen dann auch noch so schnell war. Bemerkenswert ist auch, dass sich das Team trotz aller finanziellen Beschränkungen im Laufe der Saison so gut halten konnte. Die geleistete Entwicklungsarbeit war bemerkenswert und wäre Petrov nicht so schlecht gewesen, hätte man mit Mercedes um Platz 4 gekämpft. Das entspricht zwar auch nicht dem Anspruch des Teams, aber nach den schweren Jahren und den Skandalen war das immerhin schon mal etwas. Der erzwungene Abgang von Flavio Briatore scheint dem Team gut getan zu haben, Teamchef Eric Boullier hat richtig gute Arbeit abgeliefert. Er musste das Team neuaufbauen, mit den neuen Besitzern klar kommen und sehen, dass der Laden einigermaßen erfolgreich läuft. Das ist ihm gelungen und vor allem konnte sich Renault bis zum letzten Rennen immer wieder in Szene setzen. Zwar ging ihnen, vermutlich wegen fehlender Entwicklung, am Ende der Saison in der Quali etwas die Luft aus, aber Kubica war immer für eine Überraschung gut. Das neue Geld aus Russland und Malaysia (Group Lotus) sollte helfen, wenn die Malayen Eric Boullier denn in Ruhe arbeiten lassen.

6. Williams
Ganz klar: Mein Team des Jahres. Williams ist, auch nach dem Verkauf etlicher Anteile an den österreichischen Geschäftsmann Toto Wolff, immer noch ein Familienunternehmen. Frank Williams leitet die Sache zusammen mit Patrick Head. Sam Michaels hat als technischer Direktor viel an Profil gewonnen und man hat ein solides Team im Bereich der Aerodynamik. Der FW32 war kein Glanzstück, im Gegensatz zu den Modellen der Jahre davor war er aber von Anfang an vernünftig. Erstaunlich auch, dass man trotz enger Finanzen im Jahr immer besser wurde. Das lag mit Sicherheit auch am Input von Rubens Barrichello, dem man nicht ohne Grund ein weiteres Jahr in der F1 geschenkt hat. Eigentlich sollte man auf diesem guten Jahr aufbauen können, aber man verliert mit RBS, Philips und Air Asia drei wichtige Sponsoren. Das man Hülkenberg hat gehen lassen müssen, weil Maldonado geschätzte 15 Millionen Dollar mitbringt, hilft der Sache auch nicht. Erstaunlich ist auch, dass Williams Cosworth treu bleibt und nicht zu Renault gewechselt ist. Aber man erhofft sich von Cosworth, weil man deren Zugpferd ist, wohl eine bessere Unterstützung. 2011 wird für Williams aber schwer, das kann man jetzt schon sagen.

7. Force India

Nur knapp von Williams um einen Punkt in der WM geschlagen, was eigentlich heißt, dass es nicht schlecht gelaufen ist. Aber für Force India ging es nach der erfolgreichen zweiten Saisonhälfte 2009, dann doch eher einen Schritt zurück. Schuld daran war auch das Chaos in der Designabteilung. James Key verließ den Laden Richtung Sauber, sein Nachfolger Mark Smith und etliche weitere Mitarbeiter wurden keinen Monat später von Lotus abgeworben. Die gesamte Abteilung stand praktisch führungslos da und musste komplett neu aufgebaut werden, was bis heute nicht abgeschlossen ist. Kein Wunder, dass der Force India im Laufe des Jahres immer weiter zurückfiel. Die Updates kamen nur spärlich und vor allem sehr spät. Man kann nur hoffen, dass man sich im Hintergrund schon früh für 2011 vorbereitet hat. Auch bei den Fahrern muss sich was tun. Luizzi ist keiner, der wirklich überzeugt, Sutils Formkurve ist zu wechselhaft. Der Deutsche bräuchte vielleicht auch mal einen Kollegen, der ihn richtig unter Druck setzt. Heidfeld oder Hülkenberg wären gute Lösungen. Ich bin mir aber sicher, dass Vijay Mallya was tun muss, damit sein Team weiter nach vorne kommt.

8. Sauber
Nach dem höchstpeinlichen Ausstieg von BMW blieb Peter Sauber nichts anderes mehr übrig, als aus den Scherbenhaufen wieder ein Team zu formen. Den C29, der von BMW und seinem langjährigen Partner Willy Rampf entwickelt wurde, bezeichnete er in aller Öffentlichkeit als “Krücke”. Rampf wurde dann auch bald durch James Key ersetzt, der dem Chassis dann noch ein paar Zehntel entlocken konnte. Dazu kam, dass Ferrari offenbar die gesamte “Montagsproduktion” an Motoren geliefert hatte, jedenfalls starben die schneller, als die Sauber-Leute sie wechseln konnten. Wäre Kobayashi nicht gewesen, der für jede Menge gute PR sorgte, das Jahr wäre schlecht gelaufen. Peter Sauber hat 2010 schnell abgehakt, seit dem Frühsommer hat man C29 kaum noch etwas gemacht. Für ihn wird es entscheidend sein, wie 2011 läuft. Auch er hat, wohl aus Kostengründen, mit Sergio Perez einen Mann ran geholt, der zwar viel Geld mitbringt (Telefonica) aber keine Erfahrung hat. Immerhin hat er in der GP2 einen guten Eindruck gemacht. Peter Sauber ist für mich aber ganz klar der Teamchef des Jahres in der Formel Eins, denn er hat aus einem zerrissenen, verkleinerten und demotivierten Team wieder eine schlagkräftige Truppe geformt.

9. Toro Rosso
Nach den guten Jahren 2008 und 2009 war die letzte Saison eine ziemliche Enttäuschung für das Team. Man darf aber nicht vergessen, dass STR 2010 zum ersten Mal mit einem eigenen Chassis an den Start gehen musste. Es war zwar “nur” eine Variante des RB5, die Updates musste man aber selber entwickeln. Da man keinerlei Erfahrung in den Bereich hat, war es klar, dass man nicht mehr an die alten Erfolge würde anknüpfen können. Wie groß die Probleme mit der Konstruktion waren, zeigte sich dann in China, als Buemi im Training beide Vorderradaufhängungen gleichzeitig kollabierten. So richtig gut sah das Team nie aus, einen Schritt nach vorne konnte man auch nicht erkennen. Es mehren sich auch die Gerüchte, dass Red Bull das Team verkaufen könnte, da man nicht mehr so recht weiß, was man mit STR anfangen soll. Man kann nur hoffen, dass sie den teilweise eklatant großen Rückstand zu Force India und Sauber wieder aufholen.

10. Lotus
Von allen neuen Teams kam Lotus in diesem Jahr am sympathischsten rüber. Tony Fernandes ist jemand, der den Motorsport offenbar liebt, jedenfalls habe ich in diesem Jahr kaum jemanden erlebt, der so offen und begeistert an die Sache ran gegangen ist. Zumindest von außen sieht es so aus, als ob er alles für sein Team in die Wege leitet, was in seiner Macht steht. Ob Mike Gascoyne als technischer Direktor allerdings in der Lage ist, das Team im Mittelfeld zu verankern, ist dann wieder eine andere Frage. Ich bin kein großer Fan seiner Arbeit, seine beste Zeit hatte er bei Renault in der Alonso-Zeit, bei Toyota sah er nicht gut aus. Gascoyne hat auf Grund der kurzen Vorbereitungszeit nach eigenen Aussagen ein sehr konservatives Auto gezeichnet, an dem sich aber offenbar einiges verbessern ließ. Man holte vor allem auf Toro Rosso auf und es gelang auch, den Rückstand nach ganz vorne von 6.5 auf rund 4.5 Sekunden zu verkürzen. Trotzdem sind das immer noch Welten und Virgin war auch nicht viel schlechter. Man darf gespannt sein, was Gascoyne mit dem neuen, sehr kompakten Renault-Antrieb anstellt. Würde mich nicht wundern, wenn der Lotus T128 wie ein RB6b aussehen wird.

11. HRT
Seit dem tragischen Dahinscheiden von Forti in den 90er Jahren, kann ich mich an kein Team erinnern, dass chaotischer daher kam. Dem Besitzer ging das Geld aus, man zerstritt sich mit dem Chassis-Lieferanten Dallara, die man für das miese Design verantwortlich machte, wobei man nicht erwähnte, dass Dallara die Entwicklung des Chassis zwischen Dezember und März eingestellt hatte, weil das Team kein Geld zahlte. Colin Kolles übernahm den Laden drei Wochen vor Saisonstart als Teamchef und schaffte es tatsächlich, dass das Team in Bahrain war. Teamklamotten hatte man auch zu Saisonmitte noch nicht und Updates sind mir am HRT nicht aufgefallen. Nach dem der Deal mit Toyota geplatzt ist, muss man jetzt auch noch ein Chassis selber bauen, was angeblich teilweise in Deutschland (wohl über Kolles) und teilweise in England passieren soll. Nur: die britischen Kollegen haben so ziemlich alle Zulieferer durchtelefoniert und da weiß keiner etwas von einem Auftrag aus Spanien. Lob gibt es von meiner Seite nur für Colin Kolles und seine Mannen vor Ort, die trotz des Chaos es geschafft haben, dass das Team vernünftig funktionierte.

12. Virgin
Ich glaube, bei Richard Branson funktioniert das so: Erst hat er die Idee für ein neues Spielzeug, dann will er es unbedingt, dann hat er es und dann hat er keine Lust mehr drauf. So kommt es mir zumindest bei Virgin vor und die Abgabe der ersten Anteile an den merkwürdigen Autobauer “Marussia” (die bisher noch kein Auto gebaut haben) ist ein deutliches Zeichen. Man merkte in diesem Jahr aber auch, dass dem ehemaligen Manor F3-Team um John Booth einfach die Erfahrung fehlte. Dazu kam der mutige Versuch komplett auf CFD-Design zu setzen und den Windkanal einfach zu ignorieren. Dafür gebührt ihnen Respekt und so schlecht lief der Virgin ja nun nicht. Immerhin war mit Lotus teilweise auf Augenhöhe und die Sache mit dem zu kleinen Tank, weil sich Wirth offensichtlich verrechnet hatte, war auch schnell vergessen. Trotzdem hat man das Gefühl, dass mehr drin gewesen wäre, wenn Branson denn auch mehr Geld reingesteckt hätte. Aber da hat ihn wohl halt die Lust verlassen. Schwer zu sagen, was aus Virgin wird, würde mich nicht wundern, wenn die Russen den Laden bald komplett übernehmen.

December 12 2010

08:32

F1 Saisonrückblick: Die Fahrer

Wie in jedem Jahr gibt es auch 2010 einen zweiteiligen Saisonrückblick, den nach Fahrern und Teams aufgeteilt ist. Teil Eins: Die Fahrer.

Die Liste der Fahrer, denen zu Beginn der Saison Chancen auf den WM-Titel zugesprochen wurde, war eigentlich recht übersichtlich. Doch tatsächlich entwickelte sich die Saison auf einem viel höheren Niveau, als man das erwartet hatte. Weil viele WM-Aspiranten patzten, erweiterte sich der Kreis der Kandidaten zeitweise auf sechs Mann. Die Menge an Fahr- und Strategiefehlern war erstaunlich hoch. Manche sagen, dass das nicht gerade für das Niveau des im Grunde recht jungen Fahrerfeldes spricht. Ich bin eher der Meinung, dass der Druck dieses Jahr erstaunlich in den Top Teams sehr hoch war. Zum einen lag das an den Teamduellen (Red Bull, McLaren Mercedes) zum anderen lag das Feld sehr eng beieinander, was zu meist spannenden Rennen führte. Nicht schlecht für eine Saison, von der man nicht viel erwartet hatte. In diesem Jahr gab es einige Fahrer, die die Erwartungen erfüllten, aber auch etliche, die nicht überzeugen konnten. Die folgende Aufstellung richtet sich nach der WM-Wertung.

1. Sebastian Vettel
Wenn man am Ende einer Saison Weltmeister ist, dann hat man alles richtig gemacht. Aber ähnlich wie bei Lewis Hamilton 2008, ist beim Vettel noch deutlich Luft nach oben, was seine fahrerischen Qualitäten angeht. Und das allein sollte seinen Gegnern schlechte Laune machen. Ein bekanntes Problem bei Vettel ist seine oftmals zu stürmische Fahrweise. Seine Unfälle mit Webber in der Türkei und Button in Spa waren zwei deutliche Zeichen. Eigentlich hatte man erwartet, dass Vettel nach den Unfällen im Vorjahr (Kubica in Australien) etwas ruhiger sei, aber der Druck im Red Bull Team führte dann unter anderem auch wieder dazu, dass Vettel hier und da etwas hektisch wurde. Eine weitere Sache, die man Vettel vor allem in den britischen Medien ankreidet, ist der Umstand, dass er bisher auf der Strecke nicht wirklich gezeigt hat, dass er überholen kann. Tatsächlich ist das aber Quatsch, denn in Silverstone zeigte er sehr wohl, dass er keine Kompromisse macht. Seine Manöver gegen Adrian Sutil machte das mehr als deutlich. Seine Stärke liegt vor allem in der Quali, wo er meiner Meinung nach im Moment kaum zu schlagen ist. Bekannt ist, dass Webber ja nun auch nicht gerade einschläft, die Messlatte ist also gegeben.

2. Fernando Alonso
Dass der Spanier mit einem zeitweise völlig unterlegenen Ferrari bis zum letzten Rennen um die Meisterschaft fahren konnte, sagt eigentlich schon alles über ihn aus. Egal, in welchem Wagen er sitzt, man darf ihn nie abschreiben. Seine Stärken haben sich in den letzten Jahren, vielleicht auch durch die eher demotivierenden Jahre bei Renault, etwas abgeschliffen, aber sie sind immer noch da. Egal ob eine schnelle Runde, oder eine konsequente Hatz auf einen Sieg. Wenn Alonso eine Chance wittert, dann ist er da. Etwas überraschend waren dieses Jahr seine Aussetzer. Der Fehlstart in China mag technisch bedingt gewesen sein, seine Abflüge in Monaco und Spa waren es jedoch nicht. Diese Fehler haben mich überrascht, auf der anderen Seite zeigten sie auch, dass ein so scheinbar kontrollierter Alonso seine Nerven auch nicht immer im Griff hat. 2011 wird man ihn vermutlich noch stärker sehen. Massa hat er zum 1b abgekanzelt und Ferrari wird den Wagen und das Team weiter um Alonso herum bauen.

3. Mark Webber
So ein bisschen ist Webber 2010 ja “Meister der Herzen”. Nicht, weil er die bessere Performance hatte, aber dem seit 10 Jahren mehr oder weniger chronisch erfolglosen Australier hätte man den Titel ebenso gegönnt, wie man das im letzten Jahr bei Jenson Button getan hat. Im Gegensatz zu Vettel hat sich Webber durch die Hinterstube der Formel Eins arbeiten müssen, auch wenn er bei Williams dann einiges an Leistung vermissen ließ. Dass er in der ersten Saisonhälfte Vettel teilweise im Griff hatte, ist schon sehr bemerkenswert und ich hatte das so nicht erwartet. Webber fehlten am Ende aber zwei Dinge zum Titel. Zum waren seine Leistungen in der Quali vor allem am Saisonende zu schwankend, zum anderen machte er seinen Fehler zum schlechtesten Zeitpunkt. Jeder Fahrer hatte 2010 mal einen Aussetzer, doch im drittletzten Rennen sollte man ihn nicht haben. Ob er 2011 noch mal die Motivation aufbringen wird?

4. Lewis Hamilton
Seit dem der Brite in der Formel Eins ist, hat er in jeder Saison für Furore gesorgt. Seine meist ziemlich kompromisslose Fahrweise hat sich in den 4 Saisons, in denen er nun schon unterwegs ist, nicht geändert. Für ihn gilt, was ich auch über Alonso geschrieben habe. In diesem Jahr schien er mir aber nicht immer auf der Höhe seiner Leistungsfähigkeit zu sein. Er machte keinen großen Fehler, fiel aber in vielen Rennen nicht weiter auf. Eine seiner Schwächen scheint im Moment die Fähigkeit zu sein, im richtigen Moment die richtige strategische Entscheidung zu treffen. Jenson Button hat ihn da teilweise vorgeführt. Auch war sein Speed im Rennen nicht immer ganz so, wie man das erwarten würde. Mir fehlte da teilweise der richtige Biss, auch wenn er bis zum letzten Rennen um die WM fahren konnte.

5. Jenson Button
Für mich die Überraschung des Jahres. Jeder hatte damit gerechnet, dass Hamilton ihn demütigen würde, aber davon war wenig zu sehen. Zwar hat Button immer noch die schwächere Qualifikation, aber im Rennen sieht die Sache dann wieder völlig anders aus. Seine Konstanz über die Distanz ist bemerkenswert und so gut, dass er damit seinen Ingenieuren erlaubt, ein wenig mit der Strategie zu spielen. Während Hamilton meist einen Peak im Rennen hat, bleibt Button bis zum Schluss auf einem Niveau. Hamilton dürfte überrascht gewesen sein, ebenso wie der Rest der Welt, mich eingeschlossen. Neben seiner Quali-Schwäche ist im diesem Jahr aber auch wieder aufgefallen, dass es Rennen gibt, in denen er scheinbar lustlos unterwegs ist (Italien/Deutschland). Button wird sehen müssen, dass er die drei Zehntel, die Hamilton in der Quali vorne ist, 2011 aufholen kann. Mit den stabileren Vorderreifen von Pirelli stehen die Chancen dafür nicht schlecht.

6. Felippe Massa
Mal wieder die tragische Figur des Jahres, aber auch mal wieder eine typische Massa-Saison. So richtig in Schwung ist er nie gekommen, nachdem man ihm den Sieg in Hockenheim geklaut hat, hat seine Psyche vermutlich einen kleinen Knick bekommen. Viele meinen, dass er den Unfall aus dem letzten Jahr nicht gut verkraftet hat, aber vermutlich ist es so, dass er sein altes Niveau wieder erreicht hat, nur ist Alonso halt ein anderes Kaliber. Es gibt Strecken, da ist Massa dran, auf anderen hat er keine Chance. Das er in diesem Jahr nur auf Platz 6 gekommen ist, hat sicher etwas mit der Strategie von Ferrari zu tun, aber es ist ihm auch nicht gelungen sich in eine Position zu manövrieren, die Ferrari die Entscheidung schwerer gemacht hätte. Anders gesagt: Er ist zu langsam gewesen und das in allen Belangen. Das wird 2011 auch nicht anders sein.

7. Nico Rosberg
Neben Button vermutlich der Fahrer, den man am meisten unterschätzt. Die Häme (“Britney”) die er so kassieren muss, dazu seine, auf den ersten Blick, bescheidenden Ergebnisse, verführen dazu, dass man ihn nicht ernst nimmt. Ich bin da anderer Meinung. Er hat, trotz aller kleinen Psychospielchen, Schumacher in diesem Jahr locker im Griff gehabt, er hat kaum Fehler gemacht und ohne ihn wäre das Comeback von Mercedes in der Formel Eins desaströs gewesen. Intern gilt Rosberg als einer der besten Qualifier, manche setzten ihn auf das Podest von Vettel und Hamilton. Richtige Schwächen sind schwer zu finden, denn der Rennspeed des Mercedes war nun nicht gerade dafür geeignet, dass er sich auszeichnen konnte. Im direkten Duell mit Schumacher hat jedenfalls auch im Rennen nicht verloren. Bleibt hat die Frage: Ist Rosberg so gut, weil Schumacher so schlecht ist?

8. Robert Kubica
Auch in diesem Jahr bin ich aus dem Polen mal wieder nicht schlau geworden. Im Grunde ist er schnell, sein Quali-Speed ist mit dem eher lahmen Renault schon bemerkenswert gut. Auch seine Konstanz im Rennen ist auffallend hoch. Aber so richtig, so durch und durch, hat er mich bis heute nicht überzeugt. Irgendetwas fehlt mir bei ihm, ich kann es nicht genau benennen. Nun ist der Renault auch in diesem Jahr nicht der Wagen gewesen, mit dem man gut überholen konnte, aber auch in den Jahren zu vor fand ich seine Leistung im Rennen immer etwas blass. Vielleicht vertue ich mich, deswegen hätte ich es gern gesehen, wenn Kubica bei McLaren oder Ferrari angedockt hätte. 2011 bleibt er aber bei Renault, und vermutlich wird es dort so weiter gehen, wie in diesem Jahr.

9. Michael Schumacher
Dass Schumacher nicht ins Auto steigt und alles in Grund und Boden fährt, war schon vor der Saison klar. Zu lang war die Pause, zu schlecht war der Mercedes schon bei den Testfahrten. Erstaunlich war es aber, dass der Ex-Meister im Laufe der Saison seinen Rückstand auf Rosberg nicht verkürzen konnte. Mal waren es 5, mal waren es 3 Zehntel, aber in dem Bereich blieb bis fast zum Ende der Saison. Interessanterweise wurde er just ab dem Moment besser, an dem Mercedes den Wagen nicht mehr weiter entwickelte. Und da zeigte sich dann, was Schumacher braucht: Viel Zeit zum Testen, viel Zeit, um den Wagen auf sich einzustellen. Wenn ihm aber der Wagen eh schon nicht passt und wenn dann dazu jede Woche noch viele Updates kommen, schwimmt er offenbar ein wenig. Das ist einerseits etwas erstaunlich, denn seine Erfahrung sollte das ja ausgleichen, andererseits hat er bei Ferrari ja immer bis zum Umfallen testen können, was er jetzt nicht mehr darf. Ich bin extrem gespannt, wie das 2011 ausgehen wird.

10. Rubens Barrichello
Der alte Mann und die Formel Eins. Was soll man zu Barrichello noch sagen. Irgendwie würde etwas fehlen, wenn er nicht dabei wäre und seine Leistungen zeigen, dass er immer genug Speed für gute Ergebnisse hat. Hülkenberg hatte er während der gesamten Saison im Griff, sein technischer Input dürfte auch dazu beigetragen haben, dass das Team in diesem Jahr nicht wie üblich ab Saisonmitte im Nirwana verschwunden ist. Also noch mal 20 Rennen mehr für den Brasilianer.

11. Adrian Sutil
Sutil ist, wie viele F1 Piloten, sehr wechselhaft, was seine Leistungen angeht. Mal ist er sensationell unterwegs (Silverstone), mal nimmt er alles mit, was nicht rechtzeitig aus dem Weg fahren kann (Korea). Er wird immer mal wieder mit einem Top-Team in Zusammenhang gebracht, aber wirklich aufdrängen tut er sich nicht. Gleichzeitig ist sein Problem aber, dass er mittlerweile schon zu lange bei Force India und deren Vorgängern ist. Es wäre mal an der Zeit, dass er in einem anderen Team zeigt, was ihn auszeichnet, aber offenbar gibt es da für ihn keine lockenden Angebote. In diesem Jahr hat er sicher unter der fehlenden Entwicklung des Wagens gelitten, aber vor allem am Saisonende zeigte ihm Liuzzi hier und da sein Heck, was ja schon etwas überraschend ist. Die Rolle des Teamleaders steht Sutil zudem auch nicht so wirklich. Will er wirklich was erreichen, muss er sehen, dass er mehr zeigt, als das, was er 2010 abgeliefert hat.

12. Kamui Kobayashi
Der Mann, der von außen betrachtet, kaum über Lenkrad schauen kann, hat in diesem Jahr den meisten Spaß abgeliefert. Seine sensationellen und knochentrockenen Überholaktionen haben die Fans mehr als einmal vor Freude in die Hände klatschen lassen. Und das alles in einem Sauber, der nicht wirklich gerade auf der Höhe der Zeit war. Und seine beiden Teamkollegen, de la Rosa und Heidfeld, hat er relativ eindeutig übertrumpft. Kein Zweifel, Peter Sauber hat da den vermutlich besten japanischen F1 Piloten, den es jemals gegeben hat. Seine Schwächen sind bekannt: hier und da etwas optimistisch, mangelnde Erfahrung. Wenn es ihm gelingt, das abzustellen, ohne den Speed zu verlieren, dann werden wir noch viel Spaß mit ihm haben.

13. Vitaly Petrov
Wenn in dieser Saison irgendwann mal in einem Sektor “Gelb” gezeigt wurde, lag man mit dem Tipp “Senna oder Petrov” nie schlecht. Der Russe zeigte in etwa das, was man von ihm schon aus der GP2 gewohnt war. Ein paar brauchbare Rennen, ein, zwei Highlights, den Rest der Zeit stand er neben der Strecke oder fiel nicht weiter auf. Eine echte Steigerung konnte man bei Petrov nicht sehen, auch wenn die letzten Rennen von ihm schon etwas besser liefen. Während man aber zum Beispiel bei Hülkenberg eine steile Lernkurve sehen konnte, fiel die beim Russen deutlich flacher aus. So richtig empfohlen hat er sich für eine weitere Saison bei Renault, die ja nun jeden Punkt brauchen, nicht wirklich. Auf der anderen Seite: Wenn er im nächsten Jahr etwas konstanter unterwegs sein sollte, ist er zumindest ein Kandidat für Punkte.

14. Nico Hülkenberg
Zäher Start, sensationelles Ende. Die Entwicklung, die zwischen beiden Polen liegt, konnte man beim Deutschen in diesem Jahr sehr gut beobachten. Zu Beginn ging gar nichts, weder in der Quali, noch im Rennen, doch im Laufe der Saison steigerte er sich in beiden Punkten. Seine Pole in Brasilien entstand mit etwas Glück, aber fahren muss man so was ja auch erst einmal. “The Hulk” ist ein mir als kluger Pilot aufgefallen. Wenig Fehler, allerdings manchmal etwas Probleme im Rennen. Er fährt vorausschauend und die Dinge, die ihm Barrichello beigebracht hat, dürften nicht geschadet haben. Umso bedauerlicher, dass Williams ihn mit Maldonado ersetzt, denn Hülkenberg bleibt dann nur die Rolle als Testfahrer bei Mercedes oder ein Platz bei Virgin, bestenfalls Force India.

15. Vitantonio Liuzzi
Meine Meinung über ihn hat sich seit seiner Zeit bei Toro Rosso eigentlich nie geändert. Er ist nicht sonderlich schnell, es fehlt ihm vor allem in der Qualifikation an Speed. Im Rennen fällt er selten auf, meist schwimmt er im Rennen nur so mit. Überholmanöver? Auffallende Rennen? Ich kann mich an keins erinnern. Sein sechster Platz in Korea war immerhin mal ein Lichtblick, den er aber der Ausfallorgie zu verdanken hatte. Kein Fahrer, den ich 2011 vermissen würde.

16. Sebastian Buemi
Es ist nicht leicht die Leistung des Schweizers zu beurteilen, da sein Team in diesem Jahr keinen guten Eindruck gemacht hat. Nominell war er besser als der Kollege Alguersuari, aber richtig aufgedrängt hat er sich in diesem Jahr auch nicht. Anders gesagt: Dafür, dass er schon seine zweite Saison gefahren hat, blieb er erstaunlich blass. Da wird 2011 deutlich mehr kommen müssen.

17. Pedro de la Rosa
Der Spanier war sicher gehandicapt durch den schlechten Wagen, den er zur Verfügung hatte. Auf der anderen Seite fand ich es doch erstaunlich, dass er nach seiner sehr langen Pause als Einsatzfahrer von Anfang an so gut unterwegs war. Zwar konnte er Kobayashi nicht übertrumpfen, aber fiel auch nicht ab. Die Performance im Rennen ließ aber zu wünschen übrig und auch als der C29 besser lief, steigerte sich de la Rosa nicht. Seine Auswechslung war vertretbar, aber es gab deutlich schlechtere Piloten in diesem Jahr.

18. Nick Heidfeld
Nach fast einem Jahr Pause wieder in einen Wagen zu steigen war sicher nicht leicht, zumal er bei Mercedes kaum gefahren ist. Dass er gleich auf das Niveau von Kobayashi kommen konnte musste man erwarten, leider war die Zeit bei Sauber zu kurz, um zu sehen, ob er hätte mehr leisten können. Für Heidfeld neigt sich die Zeit in der F1 dem Ende zu. Er hat die Ansprüche, die man an ihn gestellt hat, nie erfüllt, dazu drängen eine ganze Menge neuer Leute in die Serie. Ich kann mir aber gut vorstellen, dass er in einem LMP eine gute Figur machen kann. Seine Stärken liegen im Rennen und in der Distanz, also eigentlich perfekt für Langstreckenrennen.

19. Jami Alguersuari
Für den Spanier gilt im Prinzip das, was auch für Buemi gilt: Schwer einzuschätzen. Vom Gefühl her halte ich Alguersuari für den schnelleren der beiden, aber wirklich unterstützt hat er mein Gefühl nicht. Auch hier gilt, dass man die Saison 2011 abwarten muss. Ich traue ihm aber mehr zu, als er bisher gezeigt hat. Das Toro Rosso mit Ricciardo einen schnellen Mann verpflichtet hat, der in allen Freitagssessions unterwegs sein wird, dürfte die Sache interessant machen.

20. Heikki Kovalainen
Nach dem Rauswurf bei McLaren, wo er Hamilton nur hinterher fahren konnte, war klar, dass er eben nicht zu den allerschnellsten im Feld gehört. Trulli, nun auch nicht mehr der Jüngste, schlug ihn 2010 regelmäßig in der Qualifikation, im Rennen lagen beide allerdings oft gleichauf. Das Kovalainen noch eine Saison bei Lotus dranhängen darf ist etwas überraschend, ich hatte damit gerechnet, dass Fernandes sich für jemanden der Kategorie Heidfeld entscheiden würde. Kovalainen bleibt ein guter Mittelklasse Pilot.

21. Jarno Trulli
Sein Problem ist weiterhin der Speed über eine gesamte Renndistanz. Im Training ist er weiter einer Besten, im Rennen fehlt ihm dann oft die Konstanz. Das fällt im Lotus nicht ganz so sehr auf wie noch bei Renault oder Toyota, aber auffallend ist es doch. Lotus hält an ihm fest, weil er in der Lage ist, den Wagen in der Quali wie eine Zitrone auszupressen, was ihn vielleicht mal in Q2 und mit viel Glück in Richtung Punkte bringen könnte.

22. Karun Chandok
Der vermutlich mit Abstand witzigste und charmanteste Pilot im Paddock. Leider auch einer langsamsten. Immerhin, dass sollte nicht untergehen, hatte er Bruno Senna so gut im Griff, dass er, obwohl seit dem GP von Deutschland nicht mehr im Einsatz, wegen der besseren Plätze noch vor Senna in der WM liegt. Er hätte schon eine weitere Saison verdient, vielleicht würde die wachsende Erfahrung auch dafür sorgen, dass sich seine Grundschnelligkeit verbessern würde.

23. Bruno Senna
Um es klar zu sagen: Senna ist nicht gleich Senna. Der Neffe hatte weder in der britischen F3 noch in der GP2 auch nur ansatzweise das Talent, das sein Onkel hatte. Und er wird in diesem Leben auch nicht mehr schneller werden.

24. Luca di Grassi
Der hat mich in diesem Jahr ehrlich gesagt enttäuscht. Ich habe ihn auf Grund seiner guten GP2 Ergebnisse für jemanden gehalten, der mehr drauf hat. Aber Timo Glock, dessen Speed man auch nur schwer einschätzen kann, hat ihm klar die Grenzen aufgezeigt. Weder im Rennen, noch in der Quali konnte di Grassi zeigen, dass er mehr drauf hat. Vermutlich wird er durch D’Ambrosio ersetzt.

25. Timo Glock
Sein rätselhafter Wechsel zu Virgin macht es schwer ihn einzuschätzen. Bekannt ist, dass er in der Quali Schwächen hat, seine Rennen aber immer sehr gut waren. In diesem Jahr hatte man den Eindruck, dass es genau umgekehrt war. In der Quali gut, im Rennen selten vor den Lotus. Er hat sich im Moment bei Virgin fest gefahren und wird dort zeigen müssen, was er kann.

26. Sakon Yamamoto
Immerhin war der Japaner, der aus dem Nichts bei HRT auftauchte, nicht so langsam, wie befürchtet. In der Quali machte er Senna sogar das Leben ein wenig schwer, im Rennen war die Sache dann klar. Positiv fiel mir nur auf, dass er, trotz mangelnder Erfahrung und einem bockigen HRT, selten von der Strecke flog.

27. Christian Klien
Wenn er im Auto saß, war er schneller als Senna, Chandok oder Yamamoto, was allerdings nicht wirklich ein Gradmesser ist. Dass er nicht langsam fährt, ist bekannt, nur wie gut er wirklich ist, kann man mangels Vergleich keiner sagen. Besser als Glock oder Kovalainen? Vielleicht. Besser als Kobayashi oder Hülkenberg? Wohl eher nicht.

November 15 2010

07:12

Formel Eins: Analyse Abu Dhabi GP 2010

Es war kein sonderlich spannendes Rennen, aber es lebte davon, dass Ferrari sich komplett verzockte und McLaren zwei der drei Titelanwärter in die Suppe spuckte.

Im Grunde war die Sache ja nach den Rennen in Korea und Brasilien klar. Red Bull hat den schnellsten Wagen, dahinter kommt der Ferrari mit Alonso. Wenn alles normal laufen würde, müsste die Frage also nur lauten, ob Vettel seinen Kollegen Webber vorbei lassen würde, wenn es um den Titel geht. Aber niemand hatte damit gerechnet, dass die McLaren plötzlich wieder vorne dabei sein würden. Die Briten hatten sich im Titelkampf schon im September verheddert, als damit anfingen, den F-Schacht und den Heckflügel zu verändern. Und ausgerechnet in Abu Dhabi hatte man die Probleme plötzlich im Griff. Dazu kam, dass Mark Webber das gesamte Wochenende nicht in Schwung kam. Und all das spielte Sebastian Vettel in Hände, der einfach mal wieder das machte, was er am Besten kann: Vorne liegen. Doch sein Speed hätte ihm auch nicht geholfen, wenn Ferrari nicht einen fürchterlichen Strategiefehler begangen hatte.

Das Problem von Ferrari fing schon am Start an, als Button auf der vermeintlich schmutzigen Seite einen phänomenalen Start hin legte, und einen zurecht vorsichtigen Alonso auf Platz 4 schob. Damit lag Alonso aber immer noch bequem auf Meisterschaftskurs, zu mal Webber hinter ihm lag. Wäre das Rennen so ausgegangen, hätte er den WM mit zwei Punkten Vorsprung gewonnen. Doch dann verlor Ferrari die Geduld und den Überblick. Rosberg und Petrov nutzten die Safety Car Phase, um die harten Reifen aufzuziehen. Bei Mercedes war das eine logische Entscheidung, da man mit dem weichen Reifen am gesamten Wochenende nicht klar kam. Selbiges galt für Renault, die Kubica beim Start auf “Hart” gesetzt hatten. Die Rundenzeiten von Rosberg und Kubica waren allerdings nicht sonderlich gut, sie stellten noch keine Gefahr dar.

Anders sah es Ferrari wohl bei der Entscheidung von Webber, sehr früh die harten Reifen zu nehmen. Man befürchtete, dass die weichen Reifen einbrechen würden und man Webber würde passieren lassen müssen. Das der nach seinen Stopp schnell Alguersuari schnappte und sich auf dem Weg Richtung Petrov und Rosberg machte, schien die Überlegung nur zu unterstützen. Doch dabei verpasste man wohl, sich die Abstände anzuschauen, denn man hatte nur 16 Sekunden Vorsprung auf Rosberg und 19 auf Petrov. Es war klar, dass Alonso hinter beiden landen würde. Die Befrüchtung war, dass die weichen Reifen noch weiter einbrechen würden und auch Webber vorbeiziehen könnte.

Dabei offenbarte ein Blick auf die Rundenzeiten, dass Alonso gar nicht so schlecht unterwegs war. Die Top 4 fuhren mehr oder weniger zeitgleich, teilweise brachen die Zeiten in die 1.46er Region ein. Doch weiter hinten kam man auch nicht wirklich voran. Statt in dem Fall mal zu warten, was die vor ihm fahrenden machen und wie sich die Zeiten in den nächsten zwei Runden entwickeln würden, reagierte man hektisch und holte Alonso rein, der danach wie erwartet stecken blieb. Das man an Petrov nicht vorbei kam, war sicher etwas überraschend, auch wenn man vorher sehen konnte, dass der Renault nicht der langsamste war. Und selbst wenn man Petrov geschnappt hätte, wäre da immer noch Rosberg gewesen, dessen Wagen nun mit Sicherheit auf der Geraden nicht leicht zu überholen war.

Was Ferrari auch nicht beachtet hatte, und in diesem Jahr immer wieder vorgekommen ist, war die Entwicklung der Reifen im Rennen. Wenn 24 Wagen mit Super Soft unterwegs sind und jede Menge frisches Gummi legen, hat es sich oft gezeigt, dass die Reifen bei weiten nicht so schnell einbrechen, wie in den Einzelruns im Training. Aber das ist für Ferrari sicher schwer einzuschätzen gewesen. Dennoch hätte man sich nicht auf das Spiel des frühen Stopps einlassen sollen, zu mal man Massa auch als “Testballon” hätte nehmen können. So lange die Abstände nach vorne nicht zu groß und nach hinten nicht zu knapp wurden, war ein Stopp komplett unnötig.

Das ausgerechnet dem erfahrensten Team in der Formel Eins so ein Fehler unterläuft, ist sicher ungewöhnlich, zumal man ja auch einen Vorsprung von 7 Punkten verwalten konnte. Das Webber, der am Wochenende klar langsamer als Vettel und Alonso war, eine andere Strategie versuchen würde, ist logisch, dass Ferrari nicht die beiden McLaren und Vettel im Blick hatte, ist nicht nachvollziehbar.

Natürlich kann sich Vettel auch bei überraschend starken McLaren für seinen ersten WM-Titel bedanken. Ohne deren plötzlichen Energieanfall im letzten Rennen des Jahres, hätte die Reihenfolge am Start Vettel-Alonso-Webber gelautet. Doch McLaren wirbelte die ganze Sache durcheinander und verursachte offenbar bei Ferrari eine nachhaltige Verwirrung.

Die zweite Frage vom Wochenende lautete: Was war mit Webber los? In keinem Moment konnte er die Zeiten von Vettel halten, seine Quali Performance war eine der schlechtesten des Jahres, nur in Singapur (5.) und Bahrain (6.) war er schlechter. Man kann lange spekulieren, warum Webber so mies drauf war. Ein Grund könnte der Motor gewesen sein, der das kurze Rennen in Korea und das in Brasilien auf dem Buckel hatte, doch Webber war zumindest auf der Geraden 2 km/h schneller, als sein Teamkollege. Dennoch kann es sein, dass dem Motor etwas “Dampf” fehlte, während des von Vettel vielleicht etwas besser ging. Aber sind reine Spekulationen. Tatsache ist auch, dass Webber seit dem Rennen in Singapur nicht mehr schneller als Vettel war. Die WM hat er nicht in Abu Dhabi verloren, sondern in all den Rennen, in denen er langsamer als Vettel war (Japan, Brasilien). Dazu sein überflüssiger Unfall aus Korea, wo er hinter Alonso zumindest Zweiter werden können. Allein die beiden Siege machen 14 Punkte aus, Webber wäre Weltmeister, weil er mehr Siege als Vettel gehabt hätte. Aber Webber war nicht dazu in der Lage, Vettel schlagen zu können.

Und natürlich ist Vettel ein würdiger Weltmeister, auch wenn er erst am letzten Tag der WM die Führung übernommen hat. Er hat die meisten Poles, er hat (zusammen mit Alonso) die meisten Siege, was will man mehr. Er war die dominierende Person in diesem Jahr, er hat viel Pech gehabt (Bahrain, Australien, Korea), viel Blödsinn gebaut (Türkei, Spa) und vermutlich damit so jedes Hoch und Tief durchlaufen, dass ein Fahrer in einer Saison haben kann. Er hat sich nicht, bzw. nur selten, aus der Ruhe bringen lassen, er hat Rückschläge weggesteckt und ist bei Siegen nicht abgehoben. Im Gegensatz zu Webber hat er nicht sein Team angegriffen, wenn es mal nicht so gut gelaufen ist. Letzters mag sicher auch daran liegen, dass es Red Bull schon nicht unangenehm ist, dass das eigene “Ziehkind” Weltmeister geworden ist. Es war seine Saison, er hat am Ende auch das Glück gehabt, dass ihm in vielen Rennen gefehlt hat. Und es ist gut, dass Alonso nicht mit weniger als sieben Punkten Weltmeister geworden ist. Die Sache aus Hockenheim hätte Ferrari sicher nicht gestört, aber die Fans dafür um so mehr.

Man muss kein Hellseher sein, um zu sagen, dass der Titel kein Einzelexemplar sein könnte. Ähnlich wie Hamilton und Alonso hat er jede Menge Talent und Willen, um weitere Titel zu erreichen. Das wird allerdings nicht leicht werden, denn wenn im nächsten Jahr Mercedes mal den Anschluss finden sollte, dass kommt mit Rosberg noch ein Fahrer, der das Zeug hat, ganz vorne mit dabei zu sein. Aber Vettel hat das Zeug zu einem ganz großen Fahrer zu reifen, er hat schon alle Anlagen dazu. Man darf sich auf jeden Fall schon auf die Saison 2011 und den Versuch seiner Titelverteidigung freuen. Leicht wird es mit Sicherheit nicht.

Was im Rennen sonst noch war:

- Sehr gutes Rennen von Petrov, der schon eine gute Quali hatte. Das Ergebnis dürfte es Renault-GenII-Lotus, oder wie man im nächsten Jahr heißen wird, schwer machen, den Russen zu ersetzen. Dennoch hat mich seine Leistung in diesem Jahr aber nicht überzeugt. Mehr dazu dann im großen F1 Rückblick, der im Dezember folgt.

- Versöhnliches Ende für Mercedes, die Rosberg auf Platz 4 hieven konnte. Schumacher hatte bei seinem, selbstverschuldeten, Chrash eine Menge Glück. Seine Saison hörte also so auf, wie sie begonnen hat: Miserabel.

- Ein Lob auch an Jamie Alguersuari, der fast das gesamte Rennen Felippe Massa in Schach halten konnte und Toro Rosso 2 Punkte holen konnte.

- Force India konnte Williams nicht mehr den sechsten Platz in der WM abspenstig machen, und das obwohl Williams in Abu Dhabi erwartungsgemäß schlecht war.

- Richard Branson hatte mit Tony Fernades zum Start der Saison gewettet, dass sein Virgin Team die Konkurrenz von Lotus schlagen würde. Wetteinsatz: Der Verlierer muss als “Stewardess” auf einem Flug des anderen arbeiten. Branson hat verloren, also muss er bei Air Asia antreten. Fernandes hat ihm schon mal eine Uniform überreicht. Der Flug soll ab London statt finden und die Plätze werden bei Ebay versteigert. Der Erlös soll einem guten Zweck zugeführt werden.

- Abschied nehmen heisst es von Bridgestone, die in den 14 Jahren, in denen sie in der F1 waren, fantastische Arbeit geleistet haben. Vor allem, seit dem sie Alleinausstatter waren. Die PR-Abteilung hat zum Abschluss aufgelistet, wo man in der “All-Time” F1-Wertung steht:

F1 Grand Prix win statistics by tyre company
1 Goodyear 368 wins
2 Bridgestone 175 wins
3 Michelin 102 wins
4 Dunlop 83 wins
5 Firestone 49 wins
6 Pirelli 42 wins
7 Continental 10 wins
7 Englebert 10 wins

- sky hat sich gestern auch recht emotional verabschiedet. Es ist noch nicht klar, ob man die Rechte nun wirklich nicht verlängert, allerdings sprachen die Gesichter von Tanja Bauer und vor allem Jacques Schulz schon Bände. Schulz sah richtig gehend erschüttert aus. Es gab keinen Hinweis, dass man sich 2011 wiedersehen würde, Lauterbach verabschiedete sich mit einem “Bis bald”. Es gibt keinerlei Neuigkeiten in Sachen sky und F1. Letzter Stand ist, dass sky die Verlängerung weiterhin prüft. Man will wohl abschätzen, wie viele Kunden man verlieren würde, wenn die F1 nicht mehr auftaucht. Das man vor dem Ende der Saison nicht dazu in der Lage war, diese Zahlen zu erheben, spricht nicht gerade für eine mögliche Verlängerung. Den besten Zeitpunkt für die Verkündigung hat man in Abu Dhabi jedenfalls verpasst.
F1 Grand Prix of Abu Dhabi - Race F1_Abu_Dhabi_2010_1 F1_Abu_Dhabi_2010_2 2010 Abu Dhabi Grand Prix 2010 Abu Dhabi Grand Prix F1_Abu_Dhabi_2010_5 F1_Abu_Dhabi_2010_6 F1_Abu_Dhabi_2010_7 F1_Abu_Dhabi_2010_8 F1_Abu_Dhabi_2010_9 F1 Grand Prix of Abu Dhabi - Qualifying F1 Grand Prix of Abu Dhabi - Qualifying F1 Grand Prix of Abu Dhabi - Qualifying F1_Abu_Dhabi_2010_13 F1_Abu_Dhabi_2010_14 F1_Abu_Dhabi_2010_15 F1_Abu_Dhabi_2010_16 Formula One World Championship Formula One World Championship F1_Abu_Dhabi_2010_19 F1_Abu_Dhabi_2010_20 F1_Abu_Dhabi_2010_21 F1_Abu_Dhabi_2010_22 F1_Abu_Dhabi_2010_23 F1 Grand Prix of Abu Dhabi - Race F1 Grand Prix of Abu Dhabi - Race F1 Grand Prix of Abu Dhabi - Race F1 Grand Prix of Abu Dhabi - Race F1 Grand Prix of Abu Dhabi - Race F1 Grand Prix of Abu Dhabi - Race F1 Grand Prix of Abu Dhabi - Race F1 Grand Prix of Abu Dhabi - Race F1 Grand Prix of Abu Dhabi - Race F1 Grand Prix of Abu Dhabi - Race
Bilder: Red Bull/Getty, Lotus, VirginF1, HispaniaF1, Ferrari, Mercedes, Toro Rosso/Getty, Renault, Williams

October 21 2010

15:42

Formel 1: Vorschau Korea GP 2010

Er findet also wahrscheinlich statt, der Grand Prix von Korea. Wenn denn der Asphalt hält. Und wenn es nicht all zu sehr regnet. Die ersten Bilder von der Strecke sehen zumindest gut aus.

Vor 4 Wochen sah es noch so aus, würde man in Korea niemals fertig werden. Es fehlte einfach alles, vor allem aber eine fertige Rennstrecke. Irgendwie ist es den Koreanern gelungen, dann doch noch fertig zu werden, also zumindest mit der Strecke. Alles drum herum sieht noch ziemlich unberührt aus, vor allem wenn man bedenkt, dass der Kurs ein “Stadtkurs” sein soll. Da fehlt also noch die oder andere Kleinigkeit. Aber das die Strecke fertig ist, bedeutet noch lange nicht, dass das Rennen auch stattfindet. Das Problem hier ist der Asphalt. Normalerweise setzt man 21 bis 30 Tage an, damit der Asphalt unbelastet ausschwitzen und trocknen kann. In Korea hat man aber nur 17 Tage.

Damit stellen sich drei Probleme.

1. Wenn es zu heiß wird, kann es passieren, dass die Reifen der F1 den Asphalt aufreißen, bzw. zur Seite drücken. Es können sich auch kleine “Murmeln” aus Asphalt bilden, die neben der Ideallinie liegen und für Abflüge sorgen können.

2. Wenn es regnet, könnte das Öl aus dem Asphalt gewaschen werden. Bernd Mayländer berichtete nach seinem Training mit dem Safety Car, dass die Strecke enorm rutschig sei. Und da war es trocken. Ein wenig Regen könnte also schon dafür sorgen, dass der Kurs unfahrbar wird.

3. Selbst wenn der Asphalt nicht ölt, die Strecke hat offenbar noch keine Kanalisation. Auch die Kanten zu den Rasenflächen sind nicht absichert, eine Drainage scheint nicht vorhanden. Sobald es regnet, läuft also der ganze Matsch ungehindert auf die Strecke.

Wenn der Asphalt nicht aufreißt, verölt ist oder knietief unter Wasser steht, könnte es allerdings einen interessanten Grand Prix geben. Alle Fahrer haben den Kurs nach der gestrigen Begehung gelobt und aufgrund der sehr unterschiedlichen Segmente ist niemand in der Lage vorherzusehen, welches Team in Korea die Nase vorn haben wird. Auf der anderen Seite – wenn es doof läuft steht man Sonntag auf und sieht vielleicht nur einen halben Grand Prix. Oder gar keinen. Die Strecke an sich ist aber wirklich gelungen, auch wenn sie etwas eng scheint. Geradezu hanebüchen sind die Betonmauern auf der langen Geraden, auf der anderen Seite sieht es in Valencia auch nicht anders aus und in Spa hat man außer 2 Meter Rasen auch keine Auslaufzone auf der Geraden.

Wie man ansatzweise sehen kann, gibt es viele enge Stellen, aber auch etliche schnelle Passagen. Wer da in Korea die Nase vorn haben wird, ist extrem schwer zu sagen, aber ich verlege mich mal auf Red Bull und Ferrari. Bei McLaren sehe ich nicht, dass die sich aus dem Tief, in dem sie seit Anfang September stecken, wieder rausholen können. In der WM liegt man 28 (Hamilton) bzw. 31 Punkte (Button) zurück. Man müsste schon die beiden ersten Plätze belegen und darauf hoffen, dass sich Kubica, Rosberg oder Schumacher vor die Red Bull drängeln könnten, doch damit ist nun wirklich nicht zu rechnen. Nach dem Rennen könnte es also endgültig so sein, dass nur noch Webber, Vettel und Alonso Meister werden können.

Wer von denen in Korea die besseren Chancen haben wird, lässt sich auf Grund der nicht kalkulierbaren Variablen nur schwer sagen. Red Bull sollte theoretisch in Korea einen leichten Vorteil haben. Die Traktion aus den langsamen Kurven stimmt, die schnellen Passagen müssten dem RB6 liegen. Aber schon in Suzuka ist mir aufgefallen, dass die Überlegenheit der Bullen nicht mehr so groß wie erwartet war. Zwar hatte Alonso keine Chance auf den Sieg, aber wegfahren konnten weder Webber noch Vettel. Von daher sollte man den Spanier auf gar keinen Fall unterschätzen. Die Strecke könnte auch dem Ferrari liegen. Die schnellen Passagen sind nicht so das Ding des F10, aber diese Mischung in Korea könnte den Italienern liegen. Allerdings wäre es dann auch mal gut, wenn Felipe Massa seine Lustlosigkeit ablegen könnte. Bei Ferrari ist man überhaupt nicht glücklich über die Performance des Brasilianers, und man hat ihn deswegen in den letzten Tagen mächtig unter Druck gesetzt. Der faktische Teamchef di Montezemolo sprach davon, dass man von Massa in den letzten drei Rennen viel erwarteten würde und Dominicalli äußerte auch in die Richtung. Mit anderen Worten: Massa muss was liefern.

In Sachen Mittelfeld möchte ich gar keine Vorhersage machen, da ist es so eng, da kann man nur falsch liegen. Klar ist aber, dass die erstarkten Williams vor allem für Force India und Mercedes eine Gefahr darstellen. Sogar bei Renault ist man sich nicht sicher, ob man noch die Nase vorn hat. Unter ferner liefen werden die Toro Rosso ankommen, da man immer noch kein vernünftiges F-Schacht System hat. Das hatte man eigentlich schon im Sommer fertig, aber irgendwie passt es hinten und vorne nicht aufs Auto, also hat man nach einem neuerlichen Test beschlossen, es wegzulassen.

Die Startzeiten in Korea sind natürlich wieder nur so mittelschön. 3 Uhr die Nacht startet das erste freie Training, das Zweite geht um 7 Uhr los. Quali ist am Samstag ab 7, das Rennen startet Sonntag um 8 Uhr. Kleiner Trost: Das war es dann in diesem Jahr mit dem frühen Aufstehen für die Formel Eins.
15ALZ09_CMYK_Japan_01_RBH Closing in on T13 apex Course car through T14 Forklift taking good good line into T11 From T12 to T13 From T13 to T14 From T14 to T15 From T17 to T18 and onto main straight From Turn 3 to turn 4 - support race pits on the right From turn 10 towards turn 11 and second stadium section From turn 4 looking down to turn 5 From turn 5 to turn 6 From turn 6 up the incline Further down the long straight HRT on T16 apex Into turn 3 Nearing turn 4 Nearing turn 7 apex Slight incline from T11 to T12 T12 and onto T13 - Sector 2 timing beam midway between them T12 apex

October 11 2010

06:39

Formel Eins: Analyse Japan GP 2010

Wie erwartet waren die Red Bull eine Klasse für sich. Ferrari betrieb Schadensbegrenzung und für McLaren lief es überhaupt nicht gut.

Nachdem das 3. Freie Training und die Quali am Samstag dem Regen zum Opfer gefallen war, drängelten sich alle Entscheidungen auf den Sonntag. Am Morgen war die Strecke noch richtig nass, aber viel Sonne und ein wenig Wind sorgten dafür, dass der Kurs rechtzeitig trocken wurde. Damit war dann auch klar, dass die Red Bull ihren Vorteil leicht umsetzen konnten, doch wie sah die Hackordnung dahinter aus? Erstaunlicherweise war es nicht McLaren, die die ersten Verfolger waren, sondern Alonso im Ferrari und, etwas überraschend, Robert Kubica im Renault. Doch die Franzosen sollten einen rabenschwarzen Nachmittag haben, während es für Red Bull richtig gut lief. Mann des Rennens war aber Kamui Kobayashi, der mal wieder zeigte, dass er schleunigst in ein Top-Team gehört. (Und Bilder vom Schiffbauwettbewerb am Samstag gibt es auch)


Der Start war mehr als turbulent. Rosberg kam nicht vom Fleck, weswegen sich hinter ihm alles staute und der Platz eng wurde. Petrov, der mal wieder gut los gekommen war, rasierte durchs Feld, war aber etwas optimistisch, als er sich vor Hülkenberg setzen wollte. Er rammte ihn, flog aber selber in die Leitplanke. Für beide war das Rennen damit aus, und Petrov, der in Korea 5 Startplätze nach hinter versetzt wird, dürfte sich damit auch keinen Gefallen getan haben, was die Saison 2011 angeht. Denn ausgerechnet Hülkenberg könnte der Mann sein, der ihm sein Cockpit abnimmt. Sollte Pastor Maldonado mit seinen Sponsoren beim finanziell klammen Williams-Team andocken, steht der Deutsche auf der Strasse, doch sein Talent und die guten Quali-Ergebnisse dürfte auch bei Renault aufgefallen sein. Die Franzosen würden in diesem Jahr in der Konstrukteursmeisterschaft, wo jeder Punkt bares Geld ist, besser stehen, hätte Petrov seine Quali-Schwäche in den Griff bekommen.

Doch mit dem Petrov-Crash war das Chaos am Start noch nicht vorbei. Denn Felippe Massa, der das ganze Wochenende schlecht drauf war und es nicht mal in Q3 geschafft hatte, unternahm auch so eine Kamikaze-Aktion in Turn 1, als er versuchte ganz innen noch ein paar Wagen zu überholen. Das konnte nicht gut gehen, also rodelte er über den Curb, danach über die Wiese und schoss quer durchs Feld, wo er den unglücklichen Liuzzi aufspießte.

An der Spitze hatte sich beim Start Robert Kubica zwischen beide Red Bull geschoben, was bei der Mannschaft von Webber sicher für Kopfschmerzen sorgte, denn es war klar, dass der Pole den Speed von Vettel nicht würde gehen können. Das Problem mit dem Renault erledigt sich aber schon während der SC-Phase, als Kubica plötzlich langsamer wurde und schliesslich stand. Unfassbar – er hatte den rechten Hinterreifen verloren. Offenbar hatte sich die Radmutter gelöst. Was für ein Glück, dass im das nicht in der 130R bei Vollgas passiert ist.

Nachdem Restart wurde es vorne eher langweilig. Vettel kontrollierte das Rennen, presste den Red Bull nicht voll aus und hielt Webber auf einem zwei Sekunden Abstand. Dahinter hatte sich es sich Alonso bequem gemacht, der mit den weichen Reifen nicht in der Lage war, den Red Bull zu folgen. Danach folgten beide McLaren. Hamilton hatte sich beim Start auf Platz 5 gehangelt, war aber mit weichen Reifen unterwegs. Button hatte hartes Gummi aufgezogen und die Idee war, dass man ihn möglichst lange draussen lassen wollte. Das Problem war nur, dass die Strecke wegen des Regens allen Gummi verloren hatte und man mit den weichen Reifen, und später mit frischen Harten, einfach schneller war, als der Weltmeister mit seinen abgelutschten Bridgestone. Folglich konnte er nicht, wie vermutlich geplant, Alonso abfangen, sondern fiel nach seinem Stopp sogar hinter Hamilton zurück. Der hatte aber ein paar Runden später mit einem Getriebeproblem zu kämpfen und verlor seinen dritten Gang. Ärgerlich, denn es handelte sich um ein brandneues Getriebe. Wenn das erneut gewechselt werden muss, verliert er in Korea gleich wieder 5 Startplätze. Immerhin schleppte er den waidwunden McLaren noch auf Platz 5.

“Best of the rest” war nach dem Ausfall von Kubica überraschenderweise Mercedes. Die hatte man eigentlich auf der sehr anspruchsvollen Strecke schlechter eingeschätzt und selbst Schumacher meinte noch am Donnerstag, dass man vermutlich kein gutes Wochenende haben würde. Doch sowohl in der Quali, als auch im Rennen sah die Sache anders aus. Rosberg hatte sich nach seinem schlechten Start früh frische Reifen geholt und sich nach vorne gearbeitet, so dass er es sogar schaffte Schumacher nach dessen Stopp hinter sich zu lassen. Es entwickelte sich dann ein sehr fairer und spannender Kampf zwischen beiden, die sich nichts schenkten. Schumacher versuchte immer wieder an Rosberg vorbei zu kommen, doch es reichte einfach nicht. Er war zwar offensichtlich schneller, denn er konnte sogar in den Esses dran bleiben, aber es half ihm nicht. Das Team griff in den Kampf auch nicht ein, außer dass man die Fahrer ermahnte, den Kampf sauber zu führen. Schlussendlich flog Rosberg in den Esses plötzlich ab, als auch ihm ein Hinterrad abhanden kam. Im nachhinein kann man die Frage stellen, ob man Schumacher nicht hätte früher an Rosberg vorbei manövrieren sollen, denn dann hätte man vielleicht auch noch Hamilton abfangen können. Aber ob nun Platz 5 oder 6 ist dann vermutlich auch egal und so haben die Fans einen schönen Zweikampf erlebt.

Überhaupt ging es weiter hinten richtig zur Sache und Protagonist der erstaunlichsten Überholmanöver war Kamui Kobayashi, der mal wieder eines seiner Kamikaze-Rennen hatte. Von weit hinten gestartet wühlte er sich durchs Feld und hatte in der Haarnadel seine Lieblings-Überholstelle gefunden. Besonders hatte er es auf die Konkurrenz von Toro Rosso abgesehen, die er mehrfach düpierte. Aussen, innen, auf dem Gras – es gab keine Stelle, an der er nicht beiden Piloten vorbeizog. Richtig drehte er auf, als er nach seinem späten Boxenstopp auf Platz 13 wieder auf die Bahn kam und zu einer selten gesehen Aufholjagd ansetze. Er schnappte sich beide Toro Rosso, Sutil wurde er los, weil der mit einem geplatzten Motor ausschied, Barrichello ließ er in der Haarnadel wie einen Anfänger aussehen, Heidfeld ließ ihn gleich freiwillig durch und wäre das Rennen weiter gegangen, hätte er sich zumindest noch in den Windschatten von Schumacher gesetzt. Am Ende wurde es ein 7. Platz und die japanischen Fans gingen vermutlich sehr glücklich nach Hause. Kobayashi ist in Sachen Überholen wirklich ein Riese. Wenn er noch seine Formschwankungen in den Griff bekommt, dürften die Top-Teams schnell an ihm interessiert sein. Wäre doch spannend zu sehen, was er statt Massa in einem Ferrari anstellen würde.

Das Rennen hatte also dank des Mittelfelds eine gewisse Würze, während sich vorne nur wenig tat. Vettel war, wie schon in Singapur, besser als Webber und so langsam muss sich der Australier etwas einfallen lassen. Nur Platz 2 bei noch drei Rennen ist einfach zu wenig, um Weltmeister zu werden, ein Sieg muss mindestens noch her. Das wird aber nicht leicht, denn abgesehen von Korea, wo niemand weiß, was passieren wird, sind Brasilien und Abu Dhabi durchaus Strecken, die dem Ferrari liegen sollten. In Sachen WM hätte Red Bull vielleicht überlegen können, Vettel zurück zu pfeifen, denn dann würde der Abstand zwischen Webber und Alonso nicht 14 sondern 24 Punkte betragen. Aber so ein fair herausgefahrener Titel ist natürlich auch etwas anderes.

Die WM ist damit noch enger geworden, nur für McLaren scheint der Zug endgültig abgefahren zu sein. Hamilton fehlen bei noch 3 Rennen 28 Punkte, Button 31. Das scheint bei dem engen Kampf und der nicht gerade bestechenden Form von McLaren keine einfache Sache zu sein. In der Konstrukteurs WM hat sich Red Bull ebenfalls abgesetzt, man führt nun mit 45 Punkten vor McLaren. Das ist wohl nur aufholbar, wenn beide Red Bull mal ausfallen und McLaren davon voll profitieren kann.

Damit sind es also im Moment Alonso, Vettel und Webber, die Weltmeister werden können. Alle drei haben für die letzten Rennen keinen neuen Motor mehr zur Verfügung, wobei Alonso das Handicap schon seit Singapur hat. Die Spannung ist jedenfalls kaum zu steigern.

Kurz vermeldet

- Barrichello fuhr ein unauffälliges und eher ruhiges Rennen. Er kam wohl nur einmal ins Schwitzen, als Kobayashi an ihm vorbei flog

- Nick Heidfeld fuhr ebenfalls nicht weiter auf, kam aber in die Punkte.

- di Grassi zerlegte seinen Virgin schon in der Aufwärmrunde (!)

- Kovalainen kam wegen der vielen Ausfälle auf den zwölften Platz und erreicht damit das beste Saisonergebnis des Jahres. Wenn Virgin nicht einen 11.Platz oder einen Punkt erreicht, wird Richard Branson wohl die Wette gegen Tony Fernandes verlieren und als Stewardess bei einem Air Asia Flug arbeiten dürfen.
F1_Japan_2010_3 F1_Japan_2010_1 F1_Japan_2010_2 2010 Japanese Grand Prix 2010 Japanese Grand Prix F1_Japan_2010_6 F1_Japan_2010_7 F1_Japan_2010_8 F1_Japan_2010_9 Motorsports / Formula 1: World Championship 2010, GP of Japan Motorsports / Formula 1: World Championship 2010, GP of Japan Motorsports / Formula 1: World Championship 2010, GP of Japan F1_Japan_2010_13 F1_Japan_2010_14 F1_Japan_2010_15 Formula One World Championship Formula One World Championship F1_Japan_2010_18 F1_Japan_2010_19 F1_Japan_2010_20 F1_Japan_2010_21 F1 Japanese Grand Prix - Race F1 Japanese Grand Prix - Qualifying F1 Japanese Grand Prix - Race F1 Japanese Grand Prix - Race F1 Japanese Grand Prix - Race F1 Japanese Grand Prix - Qualifying

October 07 2010

16:13

Formel Eins: Vorschau Japan GP 2010

Red Bull ist der eindeutige Favorit in Japan, doch schlechtes Wetter könnte die ganze Rangfolge auf den Kopf stellen.

Suzuka und Red Bull – diese Kombination scheint unschlagbar. Es gibt kaum eine Stelle des Kurses, die dem Red Bull nicht liegen sollte. Turn 1 und 2, die Esses, Degner Kurve, Spoon Kurve, die 130R – alles wie geschaffen für Webber und Vettel. Einzig die lange Bergauf Gerade zur 130R ist nicht so das Revier des RB6. Aber es könnte am Wochenende vielleicht doch nicht so einfach mit dem schon fast fest eingeplanten Sieg werden. Zum einen soll es regnen, eventuell auch am Rennsonntag, aber hier sind die Vorhersagen noch nicht sicher. Zum anderen legt McLaren mit einem großen Update nach und bei Ferrari weiß man nach den starken Auftritten in Monza und Singapur auch nicht, was die noch aus der Wundertüte zaubern können. Es gibt also doch mehr Favoriten, als man dachte. Die WM könnte nach dem Rennen noch enger sein, als sie das eh schon ist.


Aber natürlich bliebt Red Bull das Team, dass es zu schlagen gilt. Regen hin oder her – die guten Abtriebswerte des RB6 und die bekannten Fahrfähigkeiten von Vettel im Regen gilt es erst einmal zu schlagen. Wenn es trocken bleibt, werden die anderen die Österreicher wohl nur von hinten sehen. Ferrari und McLaren hängen deshalb die Erwartungen auch etwas niedriger, vermutlich hat man sich auf maximal Platz 2 eingestellt. Vettel sollte in Japan auch gegenüber Webber einen kleinen Vorteil haben. Zwar kennt der Australier die Strecke etwas besser, aber vom Gefühl her sollte dem Deutschen die Strecke etwas besser liegen. Das gilt besonders für den Fall, dass regnen sollte. Im Nassen ist mir Webber noch nicht als “Regengott” aufgefallen.

Dann schon eher Hamilton, dessen Fahrkünste bei Regen ja allgemein bekannt sind. Er legt zwar gerne auch mal einen Dreher hin, ist aber auch verflixt schnell, wenn die Strecke nass. McLaren bringt zu dem ein großes Update mit nach Japan, dass die Schwäche des Autos in den letzten Rennen abmildern soll. Man hat in Singapur schon mit verschiedenen Frontflügeln im freien Training rumhantiert, und die Rede ist davon, dass die Briten sogar einen teilweise neuen Unterboden mitbringen werden. Wie immer, seit die Tests verboten sind, weiß man aber natürlich nicht, wie sich die Komponenten dann auf der Strecke verhalten werden. Für Button wird es ein schweres Wochenende werden. Wäre es knackig heiß, würde ich ihm auf der auch für die Reifen anstrengenden Strecke eine gute Chance ausrechnen, aber so sieht es nicht so gut aus. Seine Möglichkeiten im Regen sollte man aber auf Grund der sanften Fahrweise nicht unterschätzen. Dass er im Nassen aber Hamilton oder Vettel schlage wird, halte ich für unwahrscheinlich.

Bei Ferrari gibt es mal wieder Diskussionen um den “Nummer 2″ Status von Massa. Das Team sah sich die Woche genötigt noch einmal klar zu stellen, dass Massa “die andere Nummer 1″. Mag sein, aber sicher nicht mehr in diesem Jahr. Alonso liegt Suzuka auch besser und im Regen ist er sowieso von Massa nicht zu schlagen. Auch Ferrari bringt ein paar neue Teile mit und ich bin gespannt, wie sich der F10 in Japan schlagen wird. So richtig schlau bin ich aus der Leistung des Wagens bisher nicht geworden, Suzuka dürfte aber Klarheit verschaffen, insbesondere auch, was der Wagen auf den noch ausstehenden Strecken dann leisten kann. Ist Alonso in Suzuka vorne mit dran, wird er auch auf den folgenden Kursen mit um den Sieg fahren.

Allerdings haben die Italiener das Handicap, keine neuen Motoren mehr zur Verfügung zu haben. Seit Singapur fahren beide Piloten schon mit der letzten neuen Maschine im Heck. Der Ferrari hat sich dieses Jahr nicht als der standhafteste Motor gezeigt, man darf also gespannt sein, wie man die Tortur in Japan und vor allem Brasilien wegstecken wird. In Abu Dhabi wird man wegen der zwei langen Geraden auch viel Leistung brauchen. Vielversprechend wird das also nicht gerade. Ebenfalls den letzten frischen Motor dürften Vettel, Webber, Hamilton und Button aufgeschnallt haben, allerdings hat der von Webber nur das Singapurrennen auf dem Buckel. Viel passieren darf aber natürlich nicht. Ein Motorwechsel dürfte die WM-Träume beenden.

Um den ersten “best of the rest” Platz dürften sich mal wieder Renault, Williams und Mercedes bewerben, wobei man beim deutschen Team schon ein sehr dickes Fragezeichen machen muss. Die Strecke liegt dem Wagen mit seinem Untersteuern überhaupt nicht, Rosberg und vor allem Schumacher werden beide arge Mühen haben überhaupt Q3 zu erreichen. Mercedes hat die Arbeit an der diesjährigen Gurke auch eingestellt. Besser scheint mir Williams drauf zu sein, die im Gegensatz zu früheren Jahren eine erstaunlich gute Schluss-Saison fahren. Barrichello ist mindestens für Platz 5 gut, Hülkenberg hat sich im Laufe des Jahres richtig gemacht und ist auch für Punkte gut. Vor deren Nase dürfte aber Robert Kubica fahren, aber so richtig sicher bin ich mir da nicht. Der ausladende Renault scheint mir nicht auf die schnelle Strecke zu passen, aber was an Aerodynamik nicht da ist, macht Kubica dann wieder wett.

Bei Force India merkt man, dass ihnen am Ende der Saison so langsam die Puste ausgeht. Auch die Weiterentwicklung des Wagens hat nach dem Verlust von James Key und Mark Smith nicht wirklich Fortschritte gemacht. Man hat die ganze Aerodynamik-Abteilung umkrempeln und mit neuen Nachwuchsdesignern bestücken müsse. Die fehlende Erfahrung macht sich bemerkbar, auch wenn das Rennen von Sutil in Singapur hätte besser laufen können. Viel erwarte ich aber nicht von den Indern.

Sauber hat die Woche, wie vermeldet, Sergio Perez als zweiten Mann neben Kamui Kobayashi verpflichtet, der damit dann 2011 “Teamleader” ist. Das klingt irgendwie nicht richtig. Auf der anderen Seite hat Peter Sauber 2001 schon mal so ein junges Team zusammengestellt. Damals waren es Nick Heidfeld, der gerade eine Saison auf den Buckel hatte, und Kimi Räikkönen. Hat ja am Ende gepasst, man darf also gespannt sein. Für Sauber ist Japan dank Kobayashi ein halbes Heimspiel, und es gilt ja da immer die Regel “Ein Japaner in Japan” (man denke an Takuma Sato). Aber die flotten Strecken mag der Sauber ja auch nicht gerade.

Toro Rosso wird man vernachlässigen können. Dann kommen schon die drei neuen. Bei HRT weiß man offenbar noch nicht, wen man ins Cockpit setzen soll, jedenfalls erschien die obligatorische Vorschau des Teams ohne die üblichen Fahrerzitate. Yamamoto scheint klar zu sein, aber dann? Senna? Den dann doch schnelleren Klien? Sicher ist wohl nur, dass Chandok für dieses Jahr raus ist. Lotus ist im Moment damit beschäftigt, sich auch weiter Lotus nennen zu dürfen und damit das Paket für nächstes Jahr zu schnüren. Man hat einen Deal mit Red Bull geschlossen, von denen man Getriebe und Hydraulik bekommt, die an den Renault Motor geschraubt werden. Die Sache mit Red Bull ist angeblich schon seit Sommer klar, was für Entwicklungs-Chef Mike Gasconye wichtig war, der den 2011er Wagen entwickelt. Je früher er die Abmessungen von Motor, Getriebe und Kühler kennt, desto eher kann er das neue Heck gestalten. Virgin hat angekündigt in Japan ein großes Update auf den Wagen zu schrauben. Das ist schon etwas überraschend, so spät in der Saison, wo alle anderen schon seit Wochen am neuen Chassis arbeiten. Aber Virgin sieht auch die Chance, bestes neues Team zu werden, wenn man denn mal mit Glück in die Top 12 kommt.

Wetter ist wie gesagt noch unsicher, klar ist dafür, dass man für die Formel Eins am Wochenende sehr früh aufstehen muss. Die freien Trainings sind zu unschönen Zeiten, Quali und Rennen immerhin kurz vor acht. Dank der BTCC und der NASCAR wird das ein langer Motorsportsonntag.

September 27 2010

06:39

Formel Eins: Analyse Singapur GP

Ein durchaus abwechslungsreiches Rennen in Singapur, auch wenn das Rennen lange scheinbar vor sich hin plätscherte. Aber es gab ja genügend Action weiter hinten.

Wenn es in die Endphase einer Meisterschaft geht, werden die Rennen nicht zwingend besser. Die WM-Kandidaten werden nervös und sind etwas vorsichtiger im Rennen, denn einen Komplettausfall kann man im Herbst nur schwer verkraften. Das führt oft dazu, dass die Rennen statischer werden, auch weil die Top Teams in Sachen Strategie nicht mehr viel riskieren. Doch das Rennen in Singapur sah mutige Entscheidungen und zwei Titelkandidaten, die sich ins Gehege kamen. Weiter hinten wurde das Feld richtig durch gewürfelt und es wurde hart gekämpft. Auf einer Strecke, auf der man eigentlich nicht so richtig gut überholen kann, gab es trotzdem etliche sehenswerte Manöver, die allerdings nicht immer gut gingen. Es war also abwechslungsreich und das Rennergebnis hat die Meisterschaft noch spannender gemacht. Vor allem, wenn man eine mögliche Absage des Korea GP mit einrechnet.


Dass der Start schon die ersten Vorentscheidungen bringen würde, war vorher klar. Zwar ist es in Singapur nicht so eng wie in Monaco, aber ein Überholmanöver ist mit großen Risiken verbunden, also muss man sehen, dass man gut aus der ersten Runde kommt. Alonso gelang ein guter Start, aber auch Vettel blieb dran. Bei Red Bull hat man wohl die gesamte Startprozedur überarbeitet, die in diesem Jahr dafür gesorgt hatte, dass sowohl Vettel als auch Webber oft Probleme hatten. Ich hatte Hamilton gut Chancen eingeräumt, dass er Vettel würde schlagen können, da der Brite auf der sauberen Seite der Strecke stand, aber der McLaren kam nicht gut weg und er musste sich auch noch gegen Button verteidigen. Und so sortierte sich im Grunde alle so ein, wie sie gestartet waren. Nach drei Runden stand dann Liuzzi neben der Strecke und es gab die erste Safety Car Phase.

Red Bull holte Mark Webber rein. Eine mutige Entscheidung. Zum einen bedeutete dies, dass er noch mindestens 58 Runden mit den harten Schlappen unterwegs sein musste, zum anderen brauchte er noch dringend ein weiteres Safety Car. Denn während er auf Platz 11 zurückfiel und später hinter Barrichello feststeckte, konnten die anderen vorne ihre Rundenzeiten fahren und den Vorsprung auf Webber ausbauen. Auch war nicht klar, ob die harten Reifen eine so lange Distanz überhaupt schadlos überstehen würden. Der WM-führende würde vielleicht nach vorne rutschen, hätte aber am Ende die schlechteren Reifen und müsste sich damit gegen beide McLaren und eventuell Rosberg verteidigen. Die Strategie von Red Bull hatte viele Unbekannte und noch mehr Risiken, aber einen Versuch war es durchaus wert, da Webber aus eigener Kraft auch nicht von Platz 5 weggekommen wäre.

Ein Boxenstopp in Singapur dauert rund 30 Sekunden und es war schnell klar, dass Alonso und Vettel vorne nicht zu schlagen waren. Hamilton auf Platz 3 sah erst nach einem machbaren Projekt aus, aber dann hing Webber hinter dem Williams fest und der Ex-Weltmeister war teilweise pro Runde 2 Sekunden schneller. Doch dann brachen die weichen Reifen am McLaren ein. Teilweise war Hamilton 2 Sekunden langsamer als Alonso und Webber holte von hinten auch dann auf, als er hinter Barrichello steckte. Marc Surer wunderte sich, dass McLaren seine Fahrer nicht früher zum Stopp beorderte. Tatsächlich hätte man ja mal Button holen können, der ohne Kontakt nach vorne oder hinten auf Platz 4 lag, aber gebracht hätte es trotzdem nicht. Hamilton lag maximal 22 Sekunden vor Webber, die Spitze war eh weg, also wartete man auf ein weiteres Safety Car. Das hätte McLaren geholfen, den dritten Platz zu halten. Nicht weil der Boxenstopp deswegen schneller geht, aber Webber hätte innerhalb der Karenzzeit unter Gelb bleiben müssen. Da er langsamer um den Kurs hätte fahren müssen, wäre er auch nicht so schnell wieder an Start/Ziel gewesen und Hamilton hätte seinen Platz behalten. Dummerweise kam das SC nicht und um nicht von Rosberg oder Kubica abgefangen zu werden, holte McLaren die Fahrer dann mal rein.

Nach dem Stopp war Webber vorne, sah sich aber unter Druck von Hamilton. Und der Brite zeigte mal wieder Nerven. Der Unfall in Turn 8 geht zwar nicht zu 100% auf seine Kappe, aber da er es war, der es Außen versuchte, musste er auch schauen, dass genug Platz war. Nach dem Rennen meinte Hamilton, dass er Webber nicht mehr gesehen habe, der habe sich wohl im toten Winkel befunden. Eine schwache Entschuldigung nach einem eigentlich gut gedachtem Manöver, aber schlecht ausgeführtem Manöver. 30 Zentimeter mehr und Hamilton hätte Webber gehabt und die WM-Führung übernommen. Nach dem Fehler in Monza also wieder so ein vermeidbares Ding, dass ihn die Meisterschaft kosten kann. Webber hatte allerdings auch mächtig Glück. Zum einen zerbröselte seine Vorderradaufhängung nicht, zum anderen hielten die Felge und der Reifen. Wie man auf dem Bild sehen kann, war es pures Glück.

Danach war das Rennen vorne gelaufen. Vettel ließ zwar nie locker, aber Alonso konnte ihn relativ problemlos hinter sich halten. Webber machte erst gar nicht den Versuch den beiden zu folgen, sondern schonte seine Reifen und die Bremsen und hielt Button auf einem 2 Sekundenabstand. Der konnte ebenso wenig angreifen, wie Rosberg hinter ihm, der ein Auge auf Kubica halten musste.

Dahinter ging es recht bunt zu. Weil Trubel der ersten SC-Phase Timo Glock seine Reifen nicht gewechselt hatte, fand sich der Virgin plötzlich auf Platz 11 wieder. Er sah auch zu Recht keinerlei Veranlassung die von hinten drängelnden Sutil, Hülkenberg und Massa vorbei zu lassen und fuhr etliche Runden weiter um einen Punkt. Schöne Leistung, die am Ende leider nicht belohnt wurde, weil er ausfiel.

Michael Schumacher hatte ein ereignisreiches Rennen, weil er mit beiden Sauber aneinandergeriet. Erst schnappte er sich Kobayashi, der sich ein paar Runden später allerdings mit einem Bremsmanöver aus der Hölle revanchierte und den Mercedes-Mann in einen Dreher zwang. Drei Kurven weiter versenkte der Japaner seinen Wagen allerdings in der Leitplanke. Den nächsten Sauber schob Schumacher dann höchstselbst von der Strecke, als er irgendwie innen an Heidfeld vorbei wollte, der allerdings die Tür zu schmiss. Mal wieder ein zähes Rennen von Schumacher. Wenn man bedenkt, dass Rosberg auf P5 einlief, hätte Schumacher mindestens auf P6 einlaufen müssen. Klar, die schlechte Startposition bedeutet auch immer, dass er in mehr Ärger steckt, als Rosberg, aber seine Rennperformance ist auch nicht das, was man erwartet. Eddie Jordan, nie um einen Spruch verlegen, meinte er hätte einen Fahrer wie Schumacher schon längst raus geschmissen. So langsam muss man ihm recht geben, vor allem wenn man seine Performance zum Beispiel mit Rubens Barrichello, Nico Hülkenberg oder Adrian Sutil vergleicht. Während die genannten drei sich im Rennen meist verbessern, geht es für Schumacher immer nur nach hinten.

Kurz zu den anderen:

- Adrian Sutil hatte eine miese Qualifikation, kämpfte sich nach vorne und kam auf den achten Platz ins Ziel. Den verlor er allerdings nach dem Rennen, weil den Rennkommissaren aufgefallen war, dass er in der ersten (!) Runden wohl eine Schikane abgekürzt hatte. Es gab eine 25 Sekundenstrafe, gegen die Force India allerdings Protest eingelegt hat. Am Ende wurde er neunter. Nico Hülkenberg bekam ebenfalls aus selbigen Grund eine Strafe, und wurde am Ende 10. Massa profitierte von dem ganzen Strafen und rückte auf den 8.Platz vor. Dafür, dass er als 24ster gestartet ist, hat er viel erreicht.

- Vitaly Petrov war in der Quali auch nicht gerade gut, hatte aber einen sensationellen Start, der ihn auf Platz 1o brachte. Danach ging allerdings nichts mehr nach vorne.

- Last Man standing der neuen Teams war Lucas di Grassi im Virgin auf Platz 15. Kovalainen fackelte seinen Lotus auf der Zielgeraden ab.

Das Rennergebnis schafft eine schöne Situation in der WM. Im Grunde hat sich Webber etwas absetzen können, zu mal Vettel nur 3 Punkte aufholen konnte. Aber er hat nur den Verfolger gewechselt, denn statt Hamilton hängt ihm jetzt Alonso im Genick. Aus dem WM-Rennen verabschiedet hat sich trotz seines vierten Platz wohl Jenson Button. Die 35 Punkte Rückstand auf Webber erscheinen doch etwas viel.

Vor allem, weil es überhaupt nicht sicher ist, dass der Korea-GP stattfindet. Während eines Interviews mit der BBC streute nun auch Bernie Ecclestone erhebliche Zweifel daran, dass das Rennen stattfinden würde. Sinngemäß meinte er, dass es eng wird, und er sich im Moment auf die Zusagen der Veranstalter verlassen muss. Zuversicht klingt anders, zumal er bis jetzt darauf bestanden hatte, dass das Rennen laufen wird. Die endgültige Entscheidung fällt diese Woche, wenn die FIA die Strecke abnehmen wird. Wenn diese Abnahme scheitert, der GP also abgesagt wird, hat das massive Auswirkungen auf die WM. Denn sind es nach dem GP in Japan nur noch zwei Rennen, was die Sache für Webber, vorausgesetzt, er holt Punkte in Suzuka etwas leichter machen wird.

Die WM wird auf jeden Fall immer spannender, denn Japan, das ist jetzt schon allen klar, wird ein Rennen, das Red Bull nur verlieren kann. Zwar hat Ferrari mit der letzten Ausbaustufe des F60 aufgeholt, aber ein Sieg von Alonso in Japan ist unwahrscheinlich. Vor allem, weil der Spanier keinen frischen Motor mehr in diesem Jahr hat. Die Chancen für Webber stehen also nicht schlecht, er muss sehen, dass er in Suzuka mindestens zweiter wird. Wenn Korea ausfällt hat Red Bull vermutlich keine andere Chance, als Webber für die letzten zwei Rennen Vorfahrt zu geben.

McLaren darf man natürlich nicht abschreiben, aber ich hatte sie in Singapur deutlich besser eingeschätzt. Vielleicht liegt ihnen Suzuka ja besser, aber da bin skeptisch. Helfen könnte ihnen schlechtes Wetter. Auch in Japan regnet es um diese Jahreszeit ja gerne mal.
GP SINGAPORE F1_2010 Reifen_Webber Formula One World Championship Formula One World Championship F1_Singapur_2010_3 F1_Singapur_2010_4 2010 Singapore Grand Prix 2010 Singapore Grand Prix F1_Singapur_2010_7 F1_Singapur_2010_8 F1_Singapur_2010_9 F1_Singapur_2010_10 F1_Singapur_2010_11 Motorsports / Formula 1: World Championship 2010, GP of Singapore Motorsports / Formula 1: World Championship 2010, GP of Singapore F1_Singapur_2010_14 F1_Singapur_2010_15 F1_Singapur_2010_16 GP SINGAPORE F1_2010 F1 Singapore Grand Prix - Race F1 Singapore Grand Prix - Practice F1 Singapore Grand Prix - Practice F1 Singapore Grand Prix - Practice F1 Singapore Grand Prix - Qualifying F1 Singapore Grand Prix - Qualifying

September 23 2010

08:24

Formel 1 Vorschau: Singapur 2010

Die Formel 1 beginnt wieder  mit ihren Überseerennen und läutet damit die Endphase der Saison ein. 5 Rennen sind noch zu fahren und der Formel 1 Tross wird dabei über 30.000 km zurücklegen. Die Meisterschaft ist weiterhin sehr spannend und nun geht es hinein in die Nacht von Singapur, eine Strecke, die schon im ersten Rennen (negative) Geschichte schrieb.

Wer erinnert sich nicht, 2008 an den nach einem Fahrfehler aussehenden Dreher und darauffolgenden Unfall von Nelson Piquet Junior, wo man sich dachte: Die Safetycarphase kommt jetzt aber günstig für Fernando Alonso. Der Rest der Geschichte sollte bekannt sein. Aber zurück in die Gegenwart: Die Strecke gibt es erst 2 Jahre und sie hat 2 Eigenschaften, die viele Stadtkurse besitzen: Sie ist schnell, aber es gibt leider wenig Überholmöglichkeiten. Dafür sind die Auslaufzonen für einen Stadtkurs sehr großzügig.

Die 2 bisherigen Rennen waren jetzt nicht grad das Beste was die Formel 1 zu bieten hat, aber dieses Jahr schaffte man es ja bis auf Monza und Bahrain eigentlich immer gute Rennen auch auf tendenziell langweiligen Strecken hin zu bekommen. Und selbst wenn das Rennen langweilig ist, die Bilder aus Singapur sind einfach nur toll, wie die Autos mit 300 durch die “Lichterstraßen” jagen. Was man dort temporär aufbaut ist schon sehr beeindruckend: 1485 Scheinwerfer werden aufgestellt plus 13 Generatoren ergibt den Stromverbrauch einer Kleinstadt. Die Strecke ist etwas über 5 km lang und besteht zu 70% aus öffentlichen Straßen. Und nun das Wichtigste: Ab diesem Jahr gibt es dekorierte Mauern und Auslaufzonen, darauf hat die Welt gewartet.

Die Kräfteverhältnisse hier sind verhältnismäßig schwer einzuschätzen, da die Strecke kaum mit anderen vergleichbar ist. Dennoch versuche ich es in den folgenden Absätzen:

RedBull und Singapur, das passt irgendwie nicht. Das Auto ist zwar in schnellen Kurven gut, aber Singapur hat einige 90° Kurven und man erreicht mehrmals fast die 300. Ich glaube nicht, dass es für die RedBull  hier einfach wird. Ein Podium ist auf alle Fälle drin , aber einen Sieg wird schwer, unmöglich wie in Monza ist es aber auf Grund der fehlenden ewig langen Geraden für den McLaren nicht. Sehr spannend bei RedBull wird natürlich, wie man es denn nun mit der teaminternen Reihenfolge hält. Vettels schauspielerische Leistung “MY ENIGINE IS DYING!” verdient eigentlich schon Anerkennung, so ins Zeug gelegt hat sich selten jemand, um seinen Teamkollegen vorbeizulassen, nur um dann später Dank Strategie doch wieder vor ihm zu liegen.

Mein Siegertipp für das Wochenende ist McLaren. Die Strecke hat zwar nicht die ewig langen Geraden, allerdings beschleunigt man 3 Mal an die 300 ran, da sollte der McLaren schon gut gehen. Den RedBull fehlen die schnellen Kurven. Desweiteren hat man mit Button einen sehr konstanten Fahrer und Hamilton hat seinen “Fehler der Saison” in Monza gemacht.

Ferrari sollte hier hingegen wohl wieder hinter McLaren und RedBull zurückfallen, da der Ferrari schon sehr viel Vollgasanteil braucht um wirklich schnell zu sein. Dennoch muss man den Italienern ein Lob aussprechen, dass sie sie nach einem massiven Durchhänger zu Mitte der Saison wieder heranarbeiten konnten. Allerdings beflügelt der Sieg aus Monza natürlich extrem und wirklich schlecht war man in Singapur auch nie, ein Podium kann möglich sein.

Die Mercedes werden auch hier nicht viel holen können. Man wird vermutlich wieder eine schlechte Quali hinlegen um sich dann im Rennen in die Top 10 zu arbeiten. Dieses Jahr will man einfach nur so schnell wie möglich abhaken und sich auf nächstes Jahr konzentrieren, was ja eigentlich nur besser werden kann.

Ganz im Gegenteil zu Williams, die zumindest mit Top 10 Ambitionen nach Singapur reisen. Man hat einen ziemlich guten Saisonmittelteil hingelegt und kämpft mit Force India, die ja im Moment ein bisschen schwächeln um Platz 6 in der Konstrukteurswertung .

Für Sauber steht wohl die größte Veränderung an: Sie gehen nämlich mit einem neuen Fahrer an den Start. Nick Heidfeld ersetzt Pedro de la Rosa. Wenn man sich die Punkte anguckt, ist das absolut verständlich: (Fast)Neuling Kobayashi holte für das Team insgesamt 21 Punkte, de la Rosa gerade Mal 6.  Mit Heidfeld holt man sich natürlich einen sehr erfahrenen Fahrer an Bord, der verdammt heiß aufs Rennen fahren sein wird. Ein oder zwei Punkte dürften drin sein. Das gleiche gilt für die Renault, außer Kuibica kriegt mal wieder einen Motivationsanfall, dann ist auch mehr drin.

Hinten wird Toro Rosso weiterhin das triste Dasein zwischen Mittel- und Hinterfeld fristen. Die Trennung vom RedBull hat dem Team gar nicht gut getan, dieses Jahr läuft sehr wenig zusammen. Ganz hinten werden wieder Lotus, VirginGP und HRT um die Plätze kämpfen.

Noch kurz zum WM-Stand: Mark Webber hat 187 Punkte, Lewis Hamilton 182, Fernando Alonso 166, Jenson Button 165 und Sebastian Vettel 163. Man kann gegen das neue Punktesystem sagen was man will, aber der Spannung ist es keinesfalls abträglich. 5 Fahrer bei noch 5 zu fahrenden Rennen mit realistischen WM-Chancen, das ist schon verdammt spannend.

In der Konstrukteurs -WM liegt RedBull mit 350 Punkten läppische 3 Punkte vor den McLaren mit 347. Dahinter schon abgeschlagen Ferrari mit 290. Aber der Kampf in der Konstrukteuers-Wm wird sich wohl auch bis zum letzten Rennen hinziehen.

Aufzupassen gilt es bei den Übertragungszeiten der Trainings: Das Erste findet am Freitag um 12.00 Uhr, das Zweite um 15.30 Uhr. Das Dritte folgt am Samstag um 12.55 Uhr, das Qualifying geht um 16:00 Uhr los. Das Rennen startet ganz normal um 14:00 Uhr.

So langsam wird es auch interessant, welcher Fahrer schon seine acht Motoren in einer Saison aufgebracht hat. Stand nach Monza ist folgender:

01 McLaren Mercedes Jenson Button 7
02 McLaren Mercedes Lewis Hamilton 7
03 Mercedes Benz Michael Schumacher 7
04 Mercedes Benz Nico Rosberg 7
05 RBR Renault Sebastian Vettel 7
06 RBR Renault Mark Webber 6
07 Ferrari Felipe Massa 8
08 Ferrari Fernando Alonso 8
09 Williams Cosworth Rubens Barrichello 6
10 Williams Cosworth Nico Hülkenberg 7
11 Renault Robert Kubica 6
12 Renault Vitaly Pertrov 6
14 Force India Mercedes Adrian Sutil 7
15 Force India Mercedes Vitantonio Liuzzi 7
16 STR Ferrari Sébastien Buemi 7
17 STR Ferrari Jaime Alguersuari 7
18 Lotus Cosworth Jarno Trulli 7
19 Lotus Cosworth Heikki Kovalainen 7
20 HRT Cosworth Sakon Yamamoto 7
21 HRT Cosworth Bruno Senna 7
22 BMW Sauber Ferrari Pedro De La Rosa 9
23 BMW Sauber Ferrari Kamui Kobayashi 7
24 Virgin Cosworth Timo Glock 7
25 Virgin Cosworth Lucas Di Grassi 7

September 13 2010

06:30

Formel Eins: Analyse GP Monza 2010

Ferrari hat sich zurück gemeldet, Hamilton eine sichere WM-Führung weggeworfen und bei Red Bull hat man offenbar magische, sich selbstheilende Bremsen.

Wirklich viel los war auf der Strecke in Monza ja nicht, aber es war trotzdem ein sehenswerter Grand Prix. Überholmanöver gab es zwar, aber die entscheidenden Momente konnte man an der Box beobachten. Ein “strategischer Leckerbissen” war das Rennen, und das aber auch nur für die wirklich Eingeweihten. Denn es war schwer zu verstehen, warum manche Entscheidungen getroffen wurden, oder warum es Vettel gelang mit einer Strategie nach vorne zu fahren, die so gar nicht hätte funktionieren sollen. Am Ende brachten die unterschiedlichen Herangehensweisen aber ein Ergebnis zusammen, dass die WM so richtig spannend macht. Die geht nun in den Überseerennen erst richtig los.


Dass Ferrari in Monza um den Rennsieg fahren würde, konnte man spätestens am Samstagmorgen erkennen. Luca di Montezemolo wollten einen Sieg und offenbar war Ferrari in der Lage dem nach zu kommen. Zwar war man nicht so viel schneller, wie man sich das gewünscht hatte, aber die paar Zehntel die man rausholen konnte, reichten am Ende für die Pole. Ärgerlich war nur der Umstand, dass Massa nicht den zweiten Platz erreichte. Das Button zunächst in Führung ging war dann fast vorprogrammiert, auch wenn der Start den Briten schon sensationell gut war. Die Innenseite des Grids war nicht schmutzig, gleichzeitig hatte er die bessere Linie zur ersten Schikane. Die entscheidende Frage war dann halt, wie man Alonso am McLaren vorbei bekommen würde. Die Antwort lautete natürlich: An der Box.

Und McLaren machte Ferrari das Geschenk, sich unter Druck setzen zu lassen. Statt zu warten bis Ferrari zum Reifenwechsel kommt, zog man die eigene Strategie durch. Ein seltener Fehler von McLaren. Zum einen war klar, dass Alonso ohne Button vor ihm etwas schneller unterwegs sein würde, zum anderen ist die Outlap zumindest in den ersten beiden Sektoren langsamer, weil die Reifen nicht auf Temperatur sind. So lange beide vorne ähnliche Zeiten fuhren, gab es keinen Grund, die Reifen so früh zu wechseln. Zur Verteidigung von McLaren muss man aber auch sagen, dass ihnen der zweite Wagen zum Vergleich gefehlt hat. Ein Hamilton auf Platz 4 mit einem früheren Stopp, hätte die Sache klarer gemacht. Ferrari musste also nur warten, bzw. in dem sie Mannschaft zum Wechsel bereit stellten, McLaren zum Handeln täuschen. Dazu kam auch noch, dass der Stopp von Ferrari 7 Zehntel schneller war, als der von Button. Und man sollte nicht vergessen, dass McLaren auch ein Auge auf Massa haben musste. Der Rest war dann zwar kein Kinderspiel, aber doch eindeutig.

Der zweite Aufreger des Wochenendes war der plötzliche Leistungsabfall des Motors von Sebastian Vettel, als Webber vorbei ging. Christian Horner meinte nach dem Rennen, dass Vettel entweder ein Abreissvisier in der Ansaughutze hatte, oder dass die Bremse nach dem Fahren über die Kerbs kurz fest gehangen habe. Beide Erklärungen sind relativ dünn. Ein Abreissvisier verschwindet nicht so einfach, das die Bremsen festgehen und sich wieder lösen kann passieren, bleibt dann aber meist ein Problem, dass immer wieder auftaucht, weil entweder etwas mit Scheibe, den Belägen oder der Entlüftung nicht stimmt. Das passierte aber nicht.

Magischerweise tauchte das Problem auch genau dann auf, als Webber im Diffusor von Vettel hing und klar schneller war. Ich vermute, dass eine verkappte Anweisung war, allerdings nicht im Sinne von Teamorder. Offenbar hatte man Vettel von Anfang an auf einen sehr langen Stint gesetzt, während Webber mit den Führenden an die Box kommen sollte. Es machte daher Sinn, Webber vorbei zu lassen, um beiden Strategien die größtmögliche Chance zu geben. Was sich am Ende, zumindest für Vettel, ja auch ausgezahlt hat. Bei Webber ging es in die Hose, weil er hinter Hülkenberg fest hing. Mit dem vierten Platz hat Red Bull auch das bestmögliche Ergebnis gezogen, ohne den Fehler von Hamilton wäre es nur ein fünfter Rang geworden. Webber verpasste ein besseres Ergebnis allerdings auch, weil er den Start versemmelte. Natürlich hätte Red Bull auch einfach sagen können, dass man Webber nach vorne geschickt hat, weil man zwei Strategien hatte, aber das hätte vielleicht 100.000 Dollar gekostet und zu dem wären die Gerüchte, von wegen das Red Bull sich auf Webber als WM-Kandidat festgelegt habe, dann erst recht explodiert.

Mercedes machte es genau umgekehrt. Man startete, wie immer, sehr gut. Rosberg war nach der ersten Runde schon “Best of the Rest” und blieb es auch bis zum Ende des Rennens. Der Deutsche hatte schon nach der Quali angedeutet, dass man im Renntrimm besser aussehen würde, was aber nur beim ihm passierte. Schumacher blieb das ganze Wochenende schwach und wirkte relativ lustlos. Zwar lieferte er sich einen schönen und fairen Zweikampf mit Webber und Kubica, aber dann verschwand er nach hinten. Selbst wenn er nach dem Start noch weiter vorne gewesen wäre, seine Zeiten waren im gesamten Verlauf des Rennens so schwach, dass er vermutlich eh zurück gefallen wäre. In Monza wurden mal wieder Gerüchte laut, dass Mercedes darüber nachdenkt, Schumacher zu ersetzen. Die Namen Sutil und Glock fielen relativ häufig, aber ich glaube weiter nicht daran, dass man Schumacher wieder los werden möchte, zumal es auch nicht sicher ist, ob die genannten Fahrer schneller wären. Sein Comeback ist zwar nicht sonderlich toll, aber ich bin weiterhin der Meinung, dass man das Jahr 2011 abwarten muss.

Ein tolles Rennen fuhr Nico Hülkenberg, bei dem mir seit einigen Rennen auffällt, dass er immer besser in Schwung kommt. Seine anfängliche Quali-Schwäche hat er offenbar in den Griff bekommen, auch wenn Barrichello hier und da noch ein Zehntel schneller ist. Im Rennen ist konstant unterwegs und macht kaum Fehler. Das er in Monza sich mehrfach verbremste – geschenkt, dass ist Alonso auch passiert und der hatte nicht Webber im Rücken. Ich bin ziemlich sicher, dass Hülkenberg, sollte Williams ein passables Auto 2011 auf die Strecke bringen, noch häufiger auffallen wird. Was man Williams auch zu Gute halte muss: Statt wie sonst in der Saison abzubauen, hat man in diesem Jahr zugelegt. In der Quali boxt man regelmäßig einen Renault oder Mercedes raus und wäre man nicht so schlecht in die Saison gestartet, würde man durchaus Chancen haben um Platz 5 der Team-WM kämpfen zu können. Wenn man weiter so gut unterwegs ist, wird man zumindest Force India noch Platz 6 streitig machen können.

Bei den Indern lief am Wochenende alles schief, Luizzi mit Defekt in der Quali, Sutil drehte sich im Rennen in der ersten Runde und blieb dann später hinter Alguersuari stecken. Das Motto “schnell vergessen” dürfte auch bei Sauber herrschen. Kobayashi hatte vor dem Start schon einen Getriebedefekt, de la Rosa verschwand im Hinterfeld. Allerdings hatten die Schweizer auch schon vorher mit einem schlechten Abschneiden gerechnet.

Am Ende des Tages ist das Ergebnis für die WM perfekt. Der Ausfall von Hamilton hat die Spitze eng zusammengeführt und war ein Segen für Alonso und Vettel. Die sind beide jetzt wieder nur einen Sieg von der WM-Spitze entfernt und Vettel hat die drohende Teamorder zugunsten von Webber auf das nächste Rennen verschoben. Die kommenden Rennen werden also allein vom Setting her genügend Dramatik bringen. Irgendwann wird die Spitze auf zwei oder drei WM-Aspiranten zusammenschmelzen, obwohl es ja auch lustig wäre, wenn in Abu Dhabi noch alle 5 Chancen hätten.

Red Bull hat mit Spa und Monza die “schwachen” Strecken nun hinter sich gelassen. Aber so klar sehe ich sie auf den verbleibenden Kursen nicht in der Favoritenrolle. Zum einen wird man sehen müssen, ob die veränderten Flex-Test der FIA Red Bull nicht doch zu der ein oder anderen Umbaumaßnahme gezwungen hat. Das wird aber frühestens in Suzuka zu sehen sein. Zum anderen schläft McLaren ja nun auch nicht. Was Ferrari angeht, bin ich skeptisch, ich glaube Monza war ein Ausreißer nach oben. Ein kurzer Überblick:

- Singapur: McLaren hat letztes Jahr hier die Pole und den Sieg geholt, es ist also nicht so, dass ihnen die Strecke nicht liegt. Die Strecke ist schwer mit anderen zu vergleichen. Valencia, wo Red Bull dominierte, ist schneller, Ungarn hat mehr schnelle Kurven. Wird sehr eng zwischen McLaren und Red Bull.

- Suzuka: Eindeutig Red Bull Land. Da wird es vermutlich für die anderen Teams nur darum gehen, Schadensbegrenzung zu betreiben.

- Korea: Vom Layout her ebenfalls eher für Red Bull, vor allem die vielen, mittelschnellen Kurven sollten dem Wagen liegen. Wegen der vielen Unwägbarkeiten, vor allem beim Asphalt, kann man hier nichts sagen.

- Brasilien: Nicht so gut für Red Bull, wie man im ersten Moment meinen würde. Es gibt keine richtige schnelle Kurve, die lange Bergaufgerade dürfte dem Mercedes Motor mehr liegen.

- Abu Dhabi: Die beiden langen Geraden sprechen für McLaren und Ferrari, vor allem der letzte Sektor dürfte aber Red Bull gehören.

Oder anders gesagt: Die WM könnte noch einige Wendungen nehmen.

Noch zwei kurze Meldungen aus Monza:

1. Während des Rennens stand ein Krankenwagen in der Box. Grund: Yamamoto war zu früh los gefahren und hatte einen Mechaniker übersehen. Offenbar hatte der Lollipop-Mann auch Mist gebaut. Der Mechaniker ist zwar verletzt, aber wohl soweit ok. Der Vorfall kostet HRT zu dem 20.000 Dollar wegen “unsafe release”.

2. Tony Fernandes hat auf der BBC faktisch bestätigt, dass man 2011 mit Motoren und Getrieben von Renault unterwegs sein wird. Im gleichen Interview kündigte er auch an, ein eigenes GP2 Team unter der Marke “Lotus” für 2011 aufbauen zu wollen. Und man wird ab 2011 den Namen “Team Lotus” verwenden, statt wie bisher den Zwitter “Lotus Racing”. Man hat offenbar die Rechte entweder von der Chapman Familie gekauft oder geleast.
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August 30 2010

06:07

Formel Eins: Analyse Spa 2010

Der Regen hielt sich in Belgien in Grenzen und würfelte das Feld nur in Maßen durcheinander. Red Bull muss sich Gedanken machen, was man jetzt mit Vettel anstellen möchte.

Das McLaren mit den gemischten und kühlen Bedingungen in Spa am besten zurecht kam, zeichnete sich schon am Freitag ab. Auch das Red Bull nicht das beste Wochenende habe würde, war schnell klar, und so kam die Pole von Webber etwas überraschend. Noch überraschender war allerdings die Tatsache, dass Vettel am gesamten Wochenende relativ schlecht unterwegs war. Aus irgendwelchen Gründen schien er ausgerechnet auf der Fahrerstrecke größere Probleme zu haben. Ob es an einer schlechten Abstimmung lag oder daran, dass Red Bull auf Grund der neuen Flügeltests der FIA doch etwas verändern müsste, ist schwer zu sagen und wird sich wohl auch erst auf den Strecken zeigen, die mehr Downforce verlangen, was Singapur sein wird. Aber auch ansonsten machte Vettel einen angeschlagenen Eindruck.


Der Unfall mit Button war vermeidbar und unnötig. Natürlich muss er es versuchen, sonst könnte er auch gleich zu Hause bleiben, aber die Art und Weise, wie er das Überholmanöver ansetzte, war, wie Eddie Jordan es bei der BBC ausdrückte, unüberlegt. Zum einen fuhr er zu dicht auf, zum anderen verriß er den Wagen in der Anbremszone zu stark. Dazu kam, so Vettel, eine leichte Bodenwelle, der den Wagen versetzte. Vettel hätte durchaus eine Chance gehabt an Button vorbei zu gehen, wenn er weiter außen etwas später angebremst hätte. Button musste die Schikane sehr spitz anfahren, Vettel hätte also mit mehr Schwung einlenken und sich neben ihn setzen können. Oder – was vermutlich noch besser gewesen wäre – er hätte einfach eine Runde warten sollen. Red Bull war im hinteren Streckenteil deutlich besser, dazu kam der leichte Regen. Das Vettel dafür dann auch noch eine Strafe bekommen hat, halte ich, nebenbei gesagt, für einen Witz. Es war ein normaler Rennunfall, kann passieren. Ebenso hätte man Liuzzi später bestrafen müssen, weil er Vettel den Reifen aufgeschlitzt hat.

Das Problem ist aber nicht das verunglückte Überholmanöver, sondern die Unüberlegtheit von Vettel. Wie in Istanbul hat er zu früh die Brechstange ausgepackt, anstatt weiter Druck auszuüben und auf einen Fehler von Button zu warten. Und der wäre bei den Bedingungen sicher gekommen. Wie man es besser macht, zeigte ausgerechnet Mark Webber hinter Kubica. Er war zwar etwas schneller als der Pole, hielt sich aber zurück und wollte seine Punkte nicht riskieren. Vettel lag zu diesem Zeitpunkt vor Webber, er hätte also Punkte gut machen können. Während Webber scheinbar auch in schwierigen Situationen, wie seinem verpatzten Start, einigermaßen ruhig bleibt, hat man bei Vettel oft das Gefühl, dass er zu viel erreichen will, auch wenn es unmöglich aussieht. Hinter Button zu warten wäre eine schlechte Option gewesen, aber immer noch besser, als bei einem wilden Bremsmanöver von der Strecke zu fliegen. Webber wirkt abgeklärter und überlegter, während Vettel immer mit dem Kopf durch die Wand will. Das kann in der sehr engen WM aber entscheidend sein und bei Red Bull dürften die Sorgenfalten groß sein. Nach dem Rennen liegt er 31 Punkte hinter Webber und wenn es in Monza wieder blöd läuft, kann er seine Titelchancen schon fast abschreiben. Red Bull, die den Deutschen lieber vorne sehen würden, werden mit wohl oder übel spätestens nach dem Ende der Europasaison schauen müssen, ob sie sich nicht auf Webber konzentrieren. Denn mit Singapur, Suzuka, evtl. Korea und mit Einschränkungen Brasilien und Abu Dhabi kommen Strecken, die dem Red Bull liegen sollten.

Ferrari war am Wochenende die Enttäuschung schlechthin. Alonso schien etwas neben der Spur, dazu haben die Italiener meiner Meinung viel zu hoch gepockert. Es war nicht sicher, ob es Sonntag wirklich komplett regnen würde. Alonso also auf eine Regen-Abstimmung zu setzen, war unnötig. Zum einen brachte ihm die Entscheidung den schlechten Startplatz ein, und damit in eine Region, wo es gerne mal kracht. Zum anderen hätte man lieber Massa auf Regen setzen sollen und bei Alonso mit den anderen Teams gehen müssen. So kam es dann, wie es kommen musste. Massa schwomm in dem von ihm nicht geliebten Regen auf Platz vier rum, Alonso wurde von Barrichello abgeräumt. Das erstaunlichste war noch, dass der Ferrari nach der heftigen Kollision überhaupt noch fuhr. Immerhin schlug sich der Williams das Vorderrad ab, als er Alonso auf den rechten Hinterreifen traf. Der Versuch von Ferrari, Alonso nach dem Crash mit Intermediates rauszuschicken, war dann nur noch pure Verzweiflung. Am Ende rundete der Abflug von Alonso das Wochenende des Spaniers dann ab, der seine Titelchancen damit auch fast begraben kann.

Besser machte es ausgerechnet Mercedes, die Regen hin oder her, beide Fahrer einfach stur draussen liessen. Dazu kam, dass Schumacher mal wieder einen seiner besseren Tage erwischt hatte und in dem Chaos der ersten Runde zusammen mit Petrov schon in Richtung Top Ten gespült wurde. Ab da konnte er allerdings nichts mehr tun, als abzuwarten. Bei dem drohenden Regen war das auch die beste Entscheidung. Man hatte nichts zu verlieren, weil es kühl war, hielten die harten Reifen problemlos durch, also hätte man theoretisch auch bis zu vorletzten Runden mit einem Reifenwechsel warten können. Der Poker ging dank des Regenschauers in den letzten 10 Runden dann auch auf, zu dem lieferten Schumacher und Rosberg sich zwei schöne Überholmanöver. Nico konnte seinen Teamkollegen am Ende allerdings nur überholen, weil der in der Eau Rouge hinter Yamamoto steckte. Rosberg hatte mehr Schwung, Schumacher machte allerdings auch nicht die Innenlinie auf der Kemmel Geraden dicht. Das Ergebnis war dann am Ende respektabel, aber man konnte auch sehen, dass die restlichen Rennen für Mercedes eher grauenhaft werden. In Monza dürfte man noch recht gut aussehen, danach wird es wohl düster, da Ross Brawn den Wagen nicht mehr weiterentwickelt.

Überraschend gut waren die Renault aufgestellt. Kubica verlor seinen zweiten Platz an der Box, Petrov nutzte das Chaos in den ersten Runden geschickt aus, und fuhr von Platz 24 auf Platz 10. Man wird sich nicht nur bei Renault fragen, wo man in der WM stehen würde, wenn man einen zweiten Fahrer hätte, der vernünftige Ergebnisse abliefern kann. Die zweite Frage ist auch: warum ist der Renault auf den Geraden so schnell, während der Red Bull quasi stehen bleibt? Die Antwort lautet vermutlich, dass der Red Bull deutlich mehr Abtrieb erzeugt und deswegen gerade in den schnellen Kurven so viel besser ist. Dafür liefert der Renault mehr mechanischen Grip, was bei nasser Strecke mehr bringt, als der reine aerodynamische Grip des Red Bull. Bei den Franzosen wird man sich die Frage stellen, ob man Petrov nicht doch mit einem schnellen und erfahrenen Mann ersetzt. Zur Wahl stehen Sutil, Glock und Heidfeld und es würde mich nicht wundern, wenn man sich für Sutil entscheidet. Der Deutsche wird langsamer als Kubica sein, aber er hat im Gegensatz zu Glock oder Heidfeld keine Quali-Schwäche, was bei dem gültigen Format der Serie extrem wichtig ist.

Aufgefallen ist mir noch eine mal wieder merkwürdige Strategieentscheidung von Williams. Barrichello war ja früh draussen, aber man hatte Hülkenberg auf Platz sieben. Plötzlich war der verschwunden, weil man recht früh die Reifen gewechselt hat. Normalerweise gehört Williams ja eher zu den Teams, die mit einem Reifenwechsel lange warten. Warum man ausgerechnet in Belgien auf einen frühen Stopp setzte, ist mir ein Rätsel. Hülkenberg hätte locker in die Punkte fahren können, denn der Speed war ja da, das konnte man in der Quali sehen.

Ansonsten:

- Sutil fuhr ein sauberes Rennen, konnte Massa aber nicht unter Druck setzen. Der fünfte Platz ist aber ein gutes Ergebnis

- Während Pedro de la Rosa bei Sauber nur auffiel, wenn er neben der Strecke war, lieferte Kobayahsi wieder ein gutes Rennen ab. Von Platz 17 gestartet, hangelte er sich auf den achten Platz. Bei Sauber wird man sich auch fragen, ob man de la Rosa noch eine zweite Saison geben wird. Der angeblich erfahrene Pilot hat gerade Mal 6 Punkte, während der Japaner 21 Zähler gesammelt hat. Und das trotz des schlechten Saisonstarts.

- Auch nicht gut sortiert war Sebastian Buemi, während Alguersuari nach der Zielflagge in den Punkten auftauchte. Allerdings wurde ihm der 10. Platz nach dem Rennen wieder aberkannt, weil er die Schikane abgekürzt hatte. Damit erbt Liuzzi den einen Punkt.

Im großen und ganzen war der erwartete, etwas chaotische Grand Prix, auch wenn das weniger am Regen lag. Das Rennen fand, bis auf die letzten Runden, ja mehr oder weniger im trockenen statt und so tat sich dann vorne auch dementsprechend wenig. Hamilton ausser bei den Restarts nie unter Druck und konnte sein Rennen relativ gelassen angehen.

In Sachen WM sieht es für den Moment so aus, als würde sich vorne ein Zweikampf zwischen Lewis Hamilton und Mark Webber entwickeln. Vettel fehlen 31 Punkte, Button 35 und Alonso 41. Da aber 25 Punkte für einen Sieg vergeben werden, kann es vorne schnell wieder eng werden. Zu dem steht Monza auf dem Programm, und da platzt ja schnell mal ein Motor.
Motorsports / Formula 1: World Championship 2010, GP of Belgium F1_Spa_2010_1 F1_Spa_2010_2 Motorsports / Formula 1: World Championship 2010, GP of Belgium F1_Spa_2010_5 F1_Spa_2010_6 F1_Spa_2010_7 F1_Spa_2010_8 F1_Spa_2010_9 F1_Spa_2010_10 2010 Belgian Grand Prix 2010 Belgian Grand Prix F1_Spa_2010_13 GP BELGIO F1_2010 GP BELGIO F1_2010 F1 Belgian Grand Prix - Practice F1 Belgian Grand Prix - Practice F1 Belgian Grand Prix - Practice

August 11 2010

06:42

Ferner liefen: Die Newshappen

// Sommerpause in der Formel Eins – das bedeutet auch relativ wenig Nachrichten. Die Teams sind gezwungen, die Fabriken zu schließen, alle Mitarbeiter haben Urlaub und sind nicht im Büro. Das bedeutet zwar nicht, dass man nicht weiter forscht, denn was so ein Mitarbeiter zu Hause macht, kann man nicht wissen (*hüstel*), aber tatsächlich arbeiten kann man kaum. Die einzig nennenswerten Gerüchte gibt es weiter um Renault und den zweiten Platz neben Kubica. Petrov hat, in meinen Augen, keine schlechte Saison abgeliefert. Immerhin war er auch in der GP2 nicht gerade ein Überflieger und dafür hat er sich wacker gehalten. Seit Wochen geht aber das Gerücht rum, dass Renault ihn los werden möchte. Angeblich hat man ihm ein Ultimatum gestellt, das beinhaltet, dass er bis Ende September ein paar nennenswerte Ergebnisse einfahren muss, sonst darf er gehen. Bereit stehen gleich drei Deutsche: Nick Heidfeld, Adrian Sutil und Timo Glock. Heidfeld würde gerne mal wieder Rennen fahren, Glock ist unglücklich bei Virgin, wo es nicht voran geht und Sutil würde ich endlich gerne mal gegen einen Top-Piloten versuchen. Ich denke aber, dass Petrov am Ende bleiben wird. Zum einen ist der russische Markt für Renault zu wichtig, zum anderen hilft es dem Team auch nicht, wenn man alle paar Monate den zweiten Fahrer wechselt. Ich vermute mal, dass man Petrov und sein Management einfach etwa unter Druck setzen möchte.

// Bei HRT verdichten sich mal wieder die Gerüchte, dass das Team große finanzielle Probleme hat. Bruno Senna soll sich skeptisch geäußert haben, was die Zukunft der Spanier angeht. Bernie Ecclestone hat ebenfalls angedeutet, dass es zwei Teams gibt, die die Saison eventuell nicht überleben könnten. Das eine wäre HRT, das andere Virgin, wenn Richard Branson die Lust verliert. Auch dort gibt es erste Auflösungserscheinungen: Andy Soucek und seine 1 Mio. € Sponsoren sollen angeblich das Team verlassen haben, weil Virgin den Spanier nicht wie vereinbart als Freitagstester eingesetzt hat. Gleichzeitig tut sich erstaunlich wenig in Sachen Entscheidung, wer das 13. Team in den F1 werden soll. Weiterhin im Rennen Euskadi, Durango und StefanGP. Offenbar will Bernie warten, ob nicht noch mehr als ein Slot frei wird.

// Die Liste der Probleme, die Red Bull hat, ist relativ lang. Probleme mit dem Material, mit dem Renault-Motor, mit einer manchmal nicht zu durchschauenden Teamstruktur und natürlich mit den Fahrern. Neu in der Liste ist Adrian Newey. Der vielleicht wichtigste Mann im Team neigt dazu, seiner Rennleidenschaft freien Lauf zu lassen, was nicht immer gut geht. In Le Mans zerlegte er beim Classic Rennen vor ein paar Jahren einen Ford GT40 und brach sich einen Finger. Am letzten Wochenende startete er aus Lust und Laune im Ginetta Cup, der im Rahmen der BTCC ausgetragen wird. Dabei wurde er von einem Konkurrenten umgedreht und dummerweise ge-t-boned (Video). Newey kam ins Krankenhaus und wurde erst gestern mit nicht näher definierten Verletzungen am Arm entlassen.

// Peter Windsor, Teilhaber des kläglich gescheiterten USF1 Unternehmen, hat dem E-Zine gpweek wohl ein längeres Interview gegeben, dass nächste Woche veröffentlicht werden soll. Man darf gespannt sein, denn er will über die Hintergründe plaudern.

// Kasey Kahne wird 2011 bei Red Bull an den Start gehen. Dabei habe ich allerdings noch nicht verstanden, ob er in einem dritten Wagen sitzen wird, oder ob Brian Vickers endgültig ersetzt wird. Interessant ist der Deal auf jeden Fall, denn ein Jahr später wird Kahne bei Hendrick die #5 von Mark Martin übernehmen. Der wiederum, so die Gerüchte, soll dann zu Red Bull gehen. Alles ein wenig merkwürdig. Eigentlich hieß es, dass man Kahne bei Stewart-Haas parken wollte, aber da bekam man wohl das Sponsoring nicht zusammen. Immerhin sind damit die Gerüchte aus der Welt, dass Red Bull den Rennstall zum Ende des Jahres schließt.

// Der nächstjährige Kalender des Sprint Cups nimmt Gestalt an. Offenbar hat die NASCAR in Watkins Glen den Nationwide Teams einen vorläufigen Plan für 2011 gegeben und da sich SC und NW Rennen meist überschneiden, kann man schon einiges ablesen. Klar ist: es ändert sich weniger als gedacht. Bisher weiß man, dass Phoenix den Slot von Fontana bekommt und damit das erste “richtige” Rennen nach dem Daytona 500 wird. Das erste Rennen in Phoenix ist ein Tagrennen (27.02), das zweite ist wie gewohnt in der Nacht (13.11.) Fontana rutscht wohl in den April. Atlanta verliert ein Rennen und hat nur noch eins im September, dafür bekommt Kansas einen zweiten Lauf. Bestätigt sind der 5.6 und der 9.10.2011 Ansonsten ändert sich wohl nicht viel, auch nicht im Chase. Homestead bleibt das Finale, obwohl einige getippt haben, dass Las Vegas diese Ehre zu Teil wird. Auch ein Strassenrennen wird es nicht im Chase geben. Watkins Glen bleibt im August, Sonoma ist allerdings noch nicht bestätigt. Die NASCAR veröffentlicht den Kalender am 18.August. Mittlerweile ist ein Kalender für die Nationwide Serie aufgetaucht, Das die bis auf ein paar Daten im Sommer fast immer parallel zum Sprint Cup fährt, kann man einiges ableiten. (Alle Infos aus Twitter raus gefischt)

// Einen mittleren Sturm im Wasserglas gibt es im Moment in der NASCAR was Twitter angeht. Der bei vielen Fahrern und Teammitgliedern ungemein populäre Dienst war in den letzten zwei Wochen verdächtig ruhig. Wie sich raus gestellt hat, hat die NASCAR zum einen zwei Fahrer eine Strafe verpasst, zum anderen wohl auch einen allgemeinen Maulkorb für alle erlassen. Der Ärger der Fans ist durchaus groß. Vermutlich wird das allerdings nicht lange andauern, Montoya twittert wie eh und je.

// In der IRL gibt es derweil einen weiteren Verletzten: Justin Wilson hat sich beim eher harmlos aussehenden Crash mit Ryan Briscoe im Qualifying ein Band im rechten Daumen gerissen. Der Brite muss in Sonoma mit einer Schiene antreten. Ebenfalls weiter verletzt: Mike Conway. Eigentlich wollte er nach seinem Indy-Unfall in Sonoma sein Comeback geben, die Rückkehr wird sich aber doch noch um ein paar Wochen verschieben.

// Gar nicht zufrieden ist man bei den Teams mit Dallaras Vorbereitungen für die Umstellung auf das neue Chassis 2012. Laut Aussagen verschiedener Teamverantwortlicher nach einer Besprechung in Mid Ohio gibt es bisher noch keinerlei schriftliche Verträge zwischen dem Chassishersteller und den Teams. Auch genaue Kosten oder Details zum Reglement sind wohl noch nicht bekannt. Dabei läuft schon langsam die Zeit davon – vor allem, wenn man bedenkt, dass innerhalb der kommenden eineinhalb Jahre nicht nur die Autos geplant und gebaut werden müssen, sondern vorher auch noch die Dallara-Fabrik im Schatten des Indianapolis Speedway.

// Alvaro Parente, einigen vielleicht aus GP2 oder SLF bekannt, setzt sich beim LMS Rennen in Ungarn ans Steuer eines Ferrari 430 von AF Corse.

July 31 2010

16:59

Formel Eins: Analyse Quali Ungarn 2010

Man hatte ja noch gedacht, dass die Ferrari erst in Q2 so richtig zeigen, was sie können. Doch dann legte Red Bull noch weiter zu.

Die Gesichter nach der Quali waren überall lang. Sehr, sehr lang und bei einigen sah man eine gewisse Fassungslosigkeit. Red Bull knallte Zeiten hin, die einfach überirdisch waren. Ferrari, in Hockenheim nur um 2 Tausendstel an der Pole gescheitert, wurde von Vettel um sage und schreibe 1.2 Sekunden abgehangen. McLaren verlor Button schon in Q2 und auch ein wild fahrender Hamilton bekam 1.8 Sekunden Rückstand aufgebrummt. Renault, in den freien Trainings noch gut unterwegs, lagen am Ende über 2 Sekunden zurück. Und das auf der winkeligen, kleinen Strecke in Ungarn. Red Bull kann sich morgen vermutlich nur selber schlagen.

Gut, das haben die Österreicher in diesem Jahr schon ein paar hin bekommen, aber alles andere als ein Sieg von Vettel oder Webber wäre morgen eine Sensation. Sollte der Start passen, kommt vermutlich niemand an die Bullen ran. Selbst wenn Alonso ein Raketenstart gelingt, selbst wenn er sich an Vettel und Webber vorbeiboxt und selbst wenn er sich vorne halten kann – die Red Bull brauchen nur eine Runde freier Fahrt und dann sind sie vorbei. Sicher – wie immer werden Vettel und Webber im Rennen nicht die Pace haben, die sie in der Quali gezeigt haben, aber selbst wenn sie 6 oder 7 Zehntel langsamer sein sollten, haben sie immer noch Vorsprung. In Monaco, einem ähnlichen Kurs, betrug der Vorsprung in der Quali auf Kubica 3 Zehntel. McLaren war 6 Zehntel zurück. Jetzt hat man den Abstand auf McLaren und Ferrari verdreifacht. Dabei holt man die meiste Zeit im zweiten Sektor, wo Alonso heute satte acht Zehntel verlor.

Die Frage, die sich alle stellen, lautet: Wo haben die Red Bull den Speed her? Der flexible Flügel alleine kann es wohl nicht sein, da muss mehr dahinter stecken. Vielleicht ist es die spezielle Mischung aus Strecke, Asphalt, Asphalttemperatur, Reifen, flexibler Flügel. Vielleicht hat Adrian Newey in den letzten Wochen aber noch etwas gefunden. Irgendeinen Vorteil innerhalb der Konstruktion muss es geben, in den drei Wochen Pause, die jetzt folgen, wird man sehr genau überlegen, woher der kommt. Es ist aber auch nicht ungewöhnlich, dass einem Team die Strecke in Ungarn besonders gut passt. 1997 schrubbte Damon Hill seinen Arrows mal auf den zweiten Platz, nachdem er einen großen Teil des Rennens angeführt hatte. Unvergessen auch der Sieg von Jenson Button 2006, als er durch Regen begünstigt gewinnen konnte. In Spa könnte es wieder völlig anders aussehen.

Es gibt also wohl nur die Frage, welcher Red Bull morgen gewinnen wird. Angesichts der Startschwäche von Vettel sollte man Webber, selbst wenn er auf der schmutzigen Seite startet, nicht abschreiben. Die 4 Zehntel, die ihm Vettel mehrfach am Wochenende eingeschenkt hat, sprechen aber nicht gerade für den Australier.

Dahinter sollten sich die Ferrari einordnen. Massa war in den entscheidenden Momenten wieder etwas langsamer als Alonso, was die Entscheidung in der Ferrari-Teamleitung, wen man gerne vorne sehen möchte, etwas einfacher macht. Hinter den beiden Top Teams ist es allerdings richtig eng. Rosberg, Petrov, Kubica und de la Rosa lagen innerhalb von 3 Zehnteln, Button und Barrichello, die in Q2 rausflogen, waren ähnlich schnell. Force India hat weiter zu kämpfen, man beklagte mangelnden Grip und so wird man vermutlich ein ruhiges Rennen haben.

Sehr enttäuschend war die Vorstellung von Michael Schumacher. Gestern waren er und Rosberg meist zeitgleich unterwegs, heute ging beim Ex-Weltmeister gar nichts. Nach der Quali sagte er, dass er auf eine andere Abstimmung gesetzt habe, die ihm mehr im Rennen bringen soll. Aber ehrlich gesagt – so richtig kann ich das nicht verstehen. Schumacher überlebte Q1 schon nur, weil auf die Super Soft umstieg, in Q2 fehlten ihm sechs Zehntel auf Platz 10. Ich frage mich zu dem, auf was für eine Abstimmung Schumacher gesetzt hat. Mehr Hitze? Regen? Irgendwie wirkt das Gefummel mit den Abstimmungen bei Mercedes schon etwas hilflos.

Das Rennen morgen droht also ein echter Langweiler zu werden. Vorne zwei Red Bull im Respektabstand von etwas mehr als einer Sekunden, weit dahinter die Ferrari, noch weiter dahinter vielleicht ein Kamppfknäul bestehend aus McLaren, Mercedes, Renault und einem Sauber oder Williams. Die Erfahrung mit Ungarn zeigt jedoch, dass sich das Feld vermutlich selbst in den Kampfgruppen nach einer Weile auseinanderzieht. Zur Not gibt es ja nebenbei die Schlussphase der 24H von Spa.

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Schweinderl