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June 20 2011

15:12

Formel Eins: Der James Allen Strategiereport Kanada

Ohne jede Zweifel war das GP von Kanada ein absoluter Klassiker. Alles war dabei: klasse Racing, Safety Cars, Regen, Kollisionen und einige sehr enge strategische Entscheidungen, die man oft mit wenig Daten im Rücken treffen musste.

Die Strategen hatten im letzten Rennen alle Hände voll zu tun und daraus wurde dann ein faszinierendes Rennen. Jenson Button gewann das Rennen, obwohl er eine Durchfahrtsstrafe bekam, 5 Boxenstopps plus zwei Kollisionen hatte und fast eine komplette Runde mit einem platten Reifen absolvierte. Die Leistung wird noch erstaunlicher, wenn man sich das Rennen so ansieht: Von den geplanten 70 Runden wurden nur 38 wirklich ein Rennen gefahren. Die anderen 32 Runden fanden hinter dem Safety Car statt. Und in Runde 40 war Button auf dem letzten Platz. Wie hat er das geschafft?

Die Antwort liegt in einer Mixtur aus Strategie, guten Rundenzeiten und Überholmanöver. Button und seine Strategen haben es einfach hinbekommen.

Das Rennen von Button unter dem Mikroskop

Um das Rennen von Button zu verstehen, muss man sich die Entscheidung von McLaren vor Augen führen, die seinen Wagen mit deutlich mehr Abtrieb ausgestattet hatten, als das bei der Konkurrenz der Fall war. Das gilt besonders für den Abtrieb im Heckbereich. Auch wenn er im Nassen nicht schneller war als die Konkurrenz, kam der Abtrieb und die Balance des Wagen voll zur Geltung, als er auf Intermediates unterwegs war. In dieser Phase holte er den größten Teil seines Rückstands auf. Als Beispiel: Er war in der 40. Runde letzter, aber in Runde 51 war er auf P9.

Man könnte sich das Rennen vor der Unterbrechung durch die rote Flagge ansehen, aber das wäre rein akademisch. Buttons Probleme durch die Kollisionen mit Hamilton und Alonso, seine vielen Stopps, der defekte Reifen und die Durchfahrtsstrafe waren Vergangenheit, als das SC in Runde 40 raus kam.

In diesem Moment wurde das Rennen auf Anfang gestellt. Ab hier, mit einem gut abgestimmten Wagen auf Intermediates, mit einem weiteren Stopp auf die Slicks und DRS holte er sich das Rennen, in dem er einen nach dem anderen überholte.

Er war in Runde 51 einer der ersten, die auf die Slick gewechselt hatten und dies war einer der entscheidenden Punkte. Webber war eine Runde zuvor an der Box gewesen und seine Sektorenzeiten zeigten, dass es Zeit für die Slicks war. Als Button auf P10 lag holte er sich seine Supersoft und kam sofort auf ein erstaunliches Tempo. Zu dieser Zeit lag er 27 Sekunden hinter Vettel.

Red Bull war in Kanada sehr vorsichtig mit den Entscheidungen für Vettel und wartete ein paar Extra-Runden mit der Entscheidung für die Slicks um ganz sicher zu gehen. Webber entschied sich früher für die weichen Reifen, teilweise um sich selber eine bessere Chance zu geben, teilweise, damit Red Bull sich die Daten anschauen konnte, um den richtigen Moment für Vettel zu finden. Sie blieben auch vorsichtig, als Button reinkam und liessen Vettel weitere 2 Runden draussen. Als Vettel endlich seine weichen Reifen hatte, war Button nur noch 15 Sekunden hinter ihm und vor allem 2 Sekunden pro Runde schneller.

Viele Fans fragen sich, ob Button auch ohne die letzte SC-Phase in den Runden 59/60 hätte gewinnen können. Vettel hat durch die SC-Phasen viel Zeit verloren, insgesamt waren das 20 Sekunden Vorsprung.

Aber selbst ohne die letzte SC-Phase wäre es eng geworden. Button war auf P4 und holte schnell auf Vettel auf. Bei 12 Runden Renndistanz betrug sein Rückstand noch 17 Sekunden, und er hätte Vettel vielleicht auch ohne SC geschnappt. Man sollte auch nicht vergessen, dass er Vettel mit Reifen eingeholt hat, die 2 Runden älter waren.

Ein paar Gedanken zu den konservativen FIA Renndirektoren

Eine interessanter Trend, den man in den letzten Rennen immer wieder sehen kann, ist dass Charlie Whiting dazu tendiert, dass SC schnell und sehr lange auf die Strecke zu lassen. Dazu kommen Anweisungen wie in Kanada, dass alle auf Full-Wets hinter der SC starten müssen. Es hat den Anschein, dass er immer mehr Risiko vermeiden möchte, was wiederum die Rennstrategie entscheidend beeinflusst.

In Kanada konnte man sehen, dass Team wie Sauber und Renault mit der vorsichtigen Einstellung von Whiting gerechnet hatten und davon ausgingen, dass Whiting das Rennen stoppen würde, nach dem das SC in Runde 20 raus kam.

Die meisten Teams nutzen das Safety Car um neue Reifen zu holen, aber Renault ließ Heidfeld und Petrov ebenso draussen, wie Sauber Kobayashi und De La Rosa. Force India ließ sogar Sutil draussen, der auf Intermediates unterwegs war. Alle hofften, dass die rote Flagge kommen würde, und die bekamen sie auch.

Auch wenn der Stopp hinter dem SC nur 14 Sekunden kostete, er führte dazu, dass die Mutigen/Geduldigen nach vorne gespüöt wurden. Und als das Rennen abgebrochen wurde, und Whiting entschied, dass alle auf Full-Wets starten müssen, bekamen sie auch noch ihren Reifenwechsel ohne Zeit zu verlieren.

Heidfeld kam von P6 auf P4, di Resta von P9 auf P6 und Sutil von P17 auf P13. Kobayashi konnte sich diebisch freuen, dass Alonso, Rosberg und Schumacher vor ihm auf Intermediates gewechselt hatten um dann festzustellen, dass sie beim neulich einsetzenden Regen einen Fehler gemacht hatten, was den Japaner auf P2 brachte. Und dann konnte er in der Unterbrechung bequem seine Reifen wechseln.

Man muss feststellen, dass die Kombination von Kobayashi und den Strategen von Sauber, die in der Vergangenheit schon mutige Entscheidungen getroffen haben, gut funktioniert. Er ist nicht nur ein exzellenter Fahrer, er spielt auch mit der Strategie.

(Zwei Anmerkungen von mir: 1. Sorry, dass der so spät kommt, ich hatte einfach keine Zeit für die Übersetzung. 2. Ich bin nicht ganz der Meinung von James, was die Annahme angeht, dass Button Vettel auch dann eingeholt hätte, wenn die letzte SC-Phase nicht gekommen wäre. 17 Sekunden in 12 Runden sind einfach etwas viel, zumal Button in den letzten Runden, als Red Bull und Vettel auf die nahende Bedrohung reagierten, auch nicht mehr so schnell ran kam. Der Fehler von Red Bull war, nach dem Restart Button nicht auf dem Schirm zu haben, weil man dachte, dass man mit Webber ein Polster haben würde. )

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June 14 2011

08:31

Formel Eins: Analyse GP Kanada 2011

Das Rennen in Montreal ist immer für viel Abwechslung gut, doch was man Sonntag sehen konnte, war Drama und Rennaction pur.

Im Grunde konnte man das enttäuschte Gesicht von Vettel auf dem Podium verstehen, doch eigentlich hätte er lachen müssen. Mal wieder ein zweiter Platz, dazu hatten sich alle Konkurrenten im Rennen selbst eliminiert, sieht man mal vom Mann ab, der auf dem Podium links neben ihm stand und übers gesamte Gesicht strahlte. Jenson Button war ein unfassbares Rennen gelungen, eines, das in die Geschichte eingehen wird, eines, dass die Karriere von Jenson Button auch in vielen Jahren überstrahlen wird und zu dem er wieder und wieder befragt werden wird: “Jenson, wie war das damals in Kanada?” Ich hab zu Hause meine Bibliothek in Sachen F1-Rennen gewälzt und im Netz geforscht. Aber ich habe niemanden gefunden, der nach zwei Unfällen, einer Durchfahrtsstrafe und sechs Boxenstopps vom letzten Platz im Feld ein Rennen gewinnen konnte. Dass, was Button da geleistet hat, war einfach brillant.

Dabei hatte sein Tag nicht gerade gut angefangen. Die merkwürdige Kollision mit seinem Teamkollegen war da nur die eine Sache. Man gibt Hamilton die Schuld, der, das sieht man auf den Bildern, auch weit davon entfernt war, auf gleicher Höhe zu sein. Button hatte das Recht, eine Linie zu fahren, die auch von allen anderen Fahrer genutzt wurde. Vermutlich rechnete er damit, dass Hamilton die innere Linie wählen würde, und wollte so für die dann folgende Linkskurve wiederum seine Linie abdecken. Hamilton entschied sich aber anders. Ein Rennunfall. Einerseits. Andererseits muss sich Hamilton den Vorwurf gefallen lassen, warum mal wieder davon ausging, dass man ihm freiwillig Platz macht. Das war schon in Monaco zu sehen, wo er sehr aggressiv zu Werke ging, in Kanada war das nicht anders.

Hamilton steht im Moment schwer in der Kritik. Aus dem Paddock sind im Moment viele Gerüchte zu hören, darunter solche, die sagen, dass er bei McLaren nicht mehr sonderlich glücklich ist. Button ist es gelungen, das ehemals reinrassige Hamilton-Team, in dem er eigentlich eine Art “1b” war, mehr und mehr auf seine Seite zu ziehen. Weitere Gerüchte bringen Hamilton mit Red Bull in Verbindung. Er soll am Wochenende in einem langen Gespräch mit Christian Horner gesichtet worden sein und die Idee, dass die Österreicher, mangels eigenen guten Nachwuchs, sich eine Verpflichtung von Hamilton vorstellen könnten, ist sicher nicht völlig aus der Luft gegriffen. Dazu kommt, dass er und Adrian Newey eine Freundschaft pflegen. Zumindest heizen die Gerüchte die “Silly Season” kräftig an.

Doch zurück zu Button. Der nutzte den Chrash mit Hamilton und die darauf folgende SC-Phase zu einem Boxenbesuch und holte sich Intermediates. Er blieb bis zur Rennunterbrechung um Mittelfeld, erlaubte sich danach aber den Luxus der Durchfahrtsstrafe und viel auf den letzten Platz zurück. Sein Glück war, dass es erneut eine SC-Phase gab. Sein Abstand zu Vettel betrug 30 Runden vor Schluss rund 12 Sekunden, wuchs aber bis Runde 50, als er schon wieder auf Platz 8 lag, auf 27.893 Sekunden an. In Runde 51 kam er zu seinem letzten Stopp, nahm die SuperSoft, fiel aber nicht zurück sondern reduzierte den Abstand zu Vettel, der später kam, auf 19.691 Sekunden in Runde 54. Rund 10 Sekunden vor ihm kämpften derweil Schumacher und Webber um P2. Die 20 Sekunden hätte er vermutlich nicht mehr aufholen können, hätte es nicht in Runde 58 eine weitere SC-Phase gegeben.

Wichtig war auch, dass er nach dem Restart in Runde 60 sehr schnell an Webber und Schumacher vorbei kam. Wäre er hier hängen geblieben, hätte er Vettel nicht mehr einholen können. Die vielen SC-Phasen haben seine Aufholjagd sicher stark unterstützt, aber es bleibt dabei, dass er vom Ende des Feldes bis zur letzten Runde, fast jeden vor ihm fahrenden Piloten überholen konnte. Sein Sieg war begünstigt durch den Fehler von Vettel, als der in der Schikane leicht auf nassen Teil des Asphalts kam und nicht sauber einlenken konnte, aber er war so knapp dran, dass er auf der Geraden vermutlich eh in DRS-Reichweite gewesen wäre.

Aber trotz allem: Ein sensationelles Rennen von Jenson Button.

Ebenfalls richtig gut unterwegs war Michael Schumacher. Ihm und seinen Mercedes kam das schlechte Wetter zu Gute, man hatte eine Mischabstimmung gewählt und auf etwas höhere Abtriebswerte gesetzt. Schumacher schnitt teilweise wie in seinen besten Zeiten durch das Feld, versuchte sich auf P2 liegend beim Restart sogar kurz an Vettel, der ihn aber auskonterte. Aber mit zwei schnellen Wagen hinter sich war er auf P2 einfach eine “sitting duck”. Ohne DRS, nur mit KERS, konnte er sich gegen Webber einigermaßen wehren, aber auf Dauer war klar, dass beide würde passieren lassen müsse. Für einen Moment dachte ich noch, dass der Taktikfuchs Schumacher Webber extra vorbeilassen würde, um ihn in der letzten oder vorletzten Runde mit DRS dann seinerseits auf der Geraden zu holen, aber Webber schaffte sich auf Slicks genug Polster, um genau das zu vermeiden.

Vettel hat das Rennen aber nicht nur wegen seines Fehlers verloren. Der kam überhaupt erst zustande, weil er sich gegen Button wehren musste. Der Weltmeister gab nach dem Rennen offen zu, dass er zwischen durch nicht aggressiv genug unterwegs war, weil kein Risiko eingehen wollte. Offenbar hatte aber auch der Red Bull Kommandostand die heran rollende Gefahr in Form von Button unterschätzt, sonste hätte man ihm früher ein “Push” gefunkt.

Ferrari, die auf der Strecke ohne Hochgeschwindigkeitskurven, erstaunlich gut aussahen, hatte dann ein desaströses Wochenende. Alonso, dessen Rennen eh etwas zäh lief, schmiss Button die Tür zu, als der in einer Schikane schon neben ihm war. Der F150 blieb auf einem Curb hängen und sah etwas traurig aus. Massa, der etwas besser darauf zu sein schien und das Rennen in Runde 20 sogar mal anführte, hatte etwas Pech. Bis Runde 51 lag er bequem auf P3, dann holte er sich neue Reifen und auf seiner Outlap kam ihm Karthikeyan in die Quere. Der Inder blieb beim Überrunden brav auf seiner Spur, nur ging Massa zum Überholen mit Slicks ins Nasse und drehte sich. Der Ferrari-Mann brauchte eine neue Nase und fiel auf P15 zurück, tobte dann aber durchs Feld und holte, auch begünstigt durch die letzte SC-Phase auf dem Zielstrich noch P6 vor Kobayashi. Der Abstand betrug gerade Mal 0,045 Sekunden.

Während Button, Vettel, Webber, Schumacher und Massa zu glänzen wussten, lief es für andere schlecht. Neben Hamilton war das Wochenende auch für Rosberg, Heidfeld und Sutil eher miserabel. Warum Rosberg nicht Schwung kam ist noch nicht bekannt, er blieb blass im Mittelfeld hängen. Für Heidfeld lief es besser, er hielt Petrov endlich mal hinter sich, blieb aber dann an Kobayashi mit dem Frontflügel hängen, als der aus Turn 2 nicht direkt rausbeschleunigte. Ein unter Fahrern üblicher Trick im Apex nicht Gas zu geben, sondern einen winzigen Moment zu warten, damit der andere vom Gas geht und damit Boden verliert. Heidfeld flog dann mit defekten Flügelwerk ab.

Sutil hatte mal wieder ein schlechtes Wochenende. Paul di Resta hatte ihm in der Quali 5 Zehntel aufgebrummt, im Rennen lief es auch nicht besser. Während Sutil im Mittelfeld rumkämpfte konnte di Resta, auch dank besserer Strategie, teilweise bis auf P5 vorfahren, bevor er sich in Runde 42 seinen Flügel an Wagen von Heidfeld zerstörte. Sutil zerdepperte seinen Flügel ebenfalls und stellte den Wagen dann später nach einem Zweikampf verbogen in der Box ab. Für Sutil wird die Luft langsam dünn, denn zum einen sind seine Rennen in diesem eher schlecht, zum anderen düpiert ihn di Resta an fast jedem Wochenende. Wie lange wird es dauern, bis Vijay Mallya dann Nico Hülkenberg mal ausprobiert?

Kurz zu den anderen:

- Mal wieder Lob für Petrov. Der behielt alle Teile am Auto und blieb auch auf der Strecke. P5 ist ein sehr gutes Ergebnis.

- Beide Toro Rosso in den Punkten. Alguesuari auf P8, Buemi auf P10.

- Endlich mal wieder Punkte für Williams, denn Barrichello kam auf P9. Dennoch enttäuscht der FW33 weiter auf der ganzen Linie.

- Etwas mehr hätte ich mir auch von de la Rosa erwartet, der ja für Perez eingesprungen war. Das war sicher knapp, das Auto nicht auf ihn vorbereitet, aber bei dem Chaos nur P12 ist dann doch etwas wenig. Nebenbei: Esteban Guiterrez, der eigentliche Test/Ersatzfahrer von Sauber, tobte auf Twitter in Mexikanisch, dass er nicht nach Kanada eingeladen worden sei. Das löschte er dann wieder und schrieb, immer noch angesäuert “It’s a shame to hear about Montreal, hope “Checo” gets better, but I never received indication to prevent this situation. I was ready..”

- Luizzi schipperte den HRT auf P13. Vor beiden Virgin und Lotus, die wegen technischer Probleme nicht voran kamen.

In der WM sieht es so aus:

Vettel – 161
Button – 101
Webber – 94
Hamilton – 85
Alonso – 69
Massa – 32
Petrov – 31
Heidfeld – 29
Schumacher – 26
Rosberg – 26

Motorsports: FIA Formula One World Championship 2011, Grand Prix of Canada F1_Kanada_2011_1 Canadian F1 Grand Prix - Race Canadian F1 Grand Prix - Race F1_Kanada_2011_4 Canadian F1 Grand Prix - Race Canadian F1 Grand Prix - Qualifying F1_Kanada_2011_7 F1_Kanada_2011_8 F1_Kanada_2011_9 F1_Kanada_2011_10 F1_Kanada_2011_11 Formula One World Championship, Rd 7, Canadian Grand Prix, Race, Montreal, Canada, Sunday 12 June 2011. Formula One World Championship, Rd 7, Canadian Grand Prix, Race, Montreal, Canada, Sunday 12 June 2011. Formula One World Championship, Rd 7, Canadian Grand Prix, Race, Montreal, Canada, Sunday 12 June 2011. F1_Kanada_2011_15 F1_Kanada_2011_16 Motorsports: FIA Formula One World Championship 2011, Grand Prix of Canada Motorsports: FIA Formula One World Championship 2011, Grand Prix of Canada Canadian F1 Grand Prix - Qualifying Canadian F1 Grand Prix - Race Canadian F1 Grand Prix - Race F1_Kanada_2011_23 F1_Kanada_2011_24 F1_Kanada_2011_25 F1_Kanada_2011_26 F1_Kanada_2011_27 2011 Canadian Grand Prix 2011 Canadian Grand Prix F1_Kanada_2011_30

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June 09 2011

14:24

Formel Eins: Vorschau GP Kanada 2011

Die Rennen in Kanada gehörten in den letzten Jahren schon immer zu den Besten im Kalender. Mit zwei DRS-Zonen und den Pirelli Reifen wird das in diesem Jahr nicht anders sein.

Neben dem kleinen Rennen in Le Mans, gibt es auch noch ein Formel Eins Rennen in Kanada. Die Strecke in Montreal ist bekannt. Sie besteht mehr oder weniger aus langen Geraden und einigen Schikanen, die allerdings sehr eng sind. Dazu kommt, dass bei der Planung der Strecke das Wort “Auslaufzone” irgendwie vergessen hat. Die Wagen erreichen zwar mehrfach die 300 km/h Grenze, müssen dabei aber zwischen zwei Mauern durchpfeilen. Dass das schon mal schlecht ausgehen kann, hat man 2007 gesehen, als Robert Kubica seinen BMW an einer, mittlerweile entfernten, Mauer in seine Kohlefaserbestandteile zerlegt. Mit einer überholfreudigeren Formel Eins in diesem Jahr, wird die Sache nicht leichter. Dazu kommt, dass es an der Spitze in diesem Jahr wieder eng werden könnte.

Natürlich gelten die Red Bull und Sebastian Vettel als Favoriten in Kanada und wer soll sie schlagen? Mark Webber ist es vermutlich nicht. Zwar geht es etwas aufwärts mit seinen Leistungen, aber er kommt noch immer nicht so wirklich mit den Pirelli Reifen klar. Die Konkurrenz wird wohl eher aus dem Lager McLaren kommen, wo man sich in Kanada sehr viel ausrechnet. Der Wagen ist schnell und so lange keine schnellen Kurven im Weg sind, kann man den Vorteil der Mercedes-Motoren besser ausspielen.

Denn der Red Bull RB7 generiert so viel Abtrieb, dass er eine schlechte Höchstgeschwindigkeit, was sich in Kanada selten wirklich gut ist. Aber gleichzeitig bietet der Abtrieb selbst in den engen Schikanen durchaus einen Vorteil. Zum einen kann man einen Tick später bremsen, zum anderen kommt man aus der Kurve einfach besser raus und hat so beim rausbeschleunigen genau den kleinen Vorteil, der reicht, um selbst mit einem Geschwindigkeitsnachteil auf der Geraden vorne zu bleiben.

McLaren sieht hier einen Vorteil, vor allem im Rennen. Ihr Wagen ist etwas schneller auf der Geraden, dazu kommen die beiden DRS Zonen, mit denen die FIA in Kanada experimentiert. [Wo die sein werden trage ich nach]. Man vermutet, dass man damit in der Lage sein sollte, Red Bull besser unter Druck zu setzen. Ich bin da noch etwas skeptisch. Red Bull war in Australien schnell, sie werden es auch in Kanada sein.

Ferrari hat Kanada schon abgeschrieben. Der Wagen passt hinten und vorne nicht, man bemüht sich gerade dem F150 etwas mehr Abtrieb beizubringen. Das bedeutet zwar, dass man in Sachen Topspeed vorne mit dabei sein wird, aber die reicht halt nicht aus, um Rennen zu gewinnen. Bei den Italienern ist die Stimmung etwas gedrückt und nach der Ablösung von Aldo Costa steht man zu dem vor größeren Umstrukturierungen. Offiziell hat man den WM-Titel nicht abgeschrieben, dafür ist die Saison auch noch zu lang, aber die Chancen sind doch sehr schmal geworden und man kann nur hoffen, dass man den Wagen so gut hinbekommt, dass man wieder um Siege fahren kann. Immerhin schleppt man etliche Updates mit über den Atlantik, mal sehen, was sie wieder bringen.

Davon weit entfernt scheint Mercedes, deren Form in diesem Jahr sehr wechselhaft war. In Spanien lief es eigentlich nicht schlecht, da hatte man auch wenig Pech, dass es für ein besseres Resultat nicht reichte. Aber der Abstand in der Qualifikation liegt weiterhin bei rund einer Sekunde und wird sich in den letzten zwei Wochen auch nicht reduziert haben. Der Anspruch von Mercedes muss der sein, dass man zumindest mit den Ferrari auf Augenhöhe liegt, was in Kanada durchaus der Fall sein könnte. Interessant wird auch sein, ob Schumacher seine in den letzten zwei Rennen ansteigende Form in Kanada wird bestätigen können.

Die Wundertüte des Jahres kommt aus dem Hause Renault. Mal geht der Wagen wie die Hölle, mal versinkt er im tiefen Mittelfeld. Eric Boullier ließ in einen Interview nach dem Rennen in Monaco durchblicken, dass er vor allem mit den Quali-Leistungen von Nick Heidfeld alles andere als zufrieden ist. Wenn ein Teamchef in der Presse sagt, dass sich ein Fahrer steigern muss, kann man sich vorstellen, wie Stimmung im Team ist. Die Rennpace von Heidfeld stimmt immer noch, aber seine Quali-Schwäche ist weiter vorhanden. Petrov fährt ihm zwar nicht um die Ohren, aber allein, dass man zeitgleich ist, passt Renault nicht, die durch Kubica gewohnt sind, dass der Nummer Eins Fahrer immer ein paar Zehntel schneller ist (und sein sollte). Derweil gibt es auch mal wieder Gerüchte, dass Renault in finanziellen Schwierigkeiten steckt.

Da Group Lotus den Gerichtsstreit mit Team Lotus verloren hat und den Namen “Lotus” nur als Sponsor, nicht aber für das Chassis verwenden darf, ist die gesamte Idee eines “Lotus Team”, dass Proton und Lotus-Autos verkaufen soll, hinfällig. Gleichzeitig gibt es unbestätigte Gerüchte, dass das Team Renault F1 (den Motorenhersteller) jede Menge Geld schuldet. Die Situation scheint also nicht gerade schön.

Zumal von hinten weitere Team drängen. Vor allem Sauber, deren Wagen bisher auf den schnellen Geraden immer ganz vorne war, sieht nach einem Team aus, dass nun regelmäßig in die Top 10 fahren kann. Sergio Perez ist nach seinem heftigen Abflug in Monaco wieder auf den Beinen, Kobayashi sollte die Strecke in Kanada auch besser liegen. Von den Schweizern kann also einiges erwarten und ich wäre nicht überrascht, sie am Ende sehr weit vorne zu finden.

Einen Aufwärtstrend gibt es auch von Toro Rosso zu vermelden, die besser wieder etwas aussehen. Beim Nachwuchsteam von Red Bull hat man neben dem eher schwachen Saisonstart vor allem mit dem Problem zu kämpfen, dass man gerne Daniel Riccardo ins Team heben würde. Dafür müsste man entweder Alguersuari oder Buemi aussetzen lassen, was nicht leicht ist, denn beide liefern keine schlechte Rennen ab. Dem Spanier fehlen allerdings bisher WM-Punkte, was sich als Argument für Red Bull herausstellen könnte. Ein Zeichen, dass Ricciardo demnächst in einem Rennen zu sehen könnte, ist die Ankündigung von Toro Rosso, dass man den Australier für Buemi im ersten freien Training einsetzen wird.

Den Rest des Feldes lasse ich mal weg, da wird man eh nicht viel Überraschungen erleben.

Deutlich interessanter als das Hinterfeld ist die Situation um den Bahrain GP. Vor einer Woche beschloss die FIA, dass das Rennen stattfinden soll, sogar ein Termin wurde genannt. Sofort brach ein Sturm der Entrüstung los, Fahrer wie Mark Webber machten deutlich, dass sie von der Entscheidung nichts halten würden. Dann feuerte Max Mosley aus dem Hinterhalt, als er meinte, dass die FIA ohne die Team gar nichts beschliessen könne. Dienstag räusperte sich die FOTA und meinte, man wolle zwar grundsätzlich fahren, aber nicht am 30.10., also bekleckerte man sich auch nicht gerade mit Ruhm. Mittwoch meinte Bernie Ecclestone zu jedem, der ihn darauf ansprach, dass der GP in Bahrain sowieso nicht stattfinden würde. Die Kehrtwendung geht wohl darauf zurück, dass etliche Sponsoren wohl meinten, dass sie auf gar keinen Fall in Bahrain an der Strecke oder auf einem Wagen zu sein wollen. Darunter gehörte wohl auch CNN, die auf dem Lotus werben und vermutlich nicht glücklich sind, wenn ihr Logo in Bahrain in einem F1 Rennen zu sehen ist, während draussen Anderson Cooper mal wieder Verletzte versorgt.

Die FIA hat sich gerade bis auf die Knochen blamiert. Der geleakte Report von einem Besuch in Bahrain, ist ein Witz. Wenn man ihn liest merkt man schon, dass man sich von den Behörden hat einwickeln lassen. Statt eine unabhängige Menschenrechts-Gruppe wie “Reporter ohne Grenzen” mit auf die Reise zu nehmen, schickt man den Vizepräsidenten der FIA, dem ich nichts Böses unterstellen möchte, aber der vermutlich nicht wirklich die geeignete Person für so einen Auftrag ist. Die FIA sollte schleunigst versuchen, sich aus dem PR-Desaster zu winden. Ein klares Wort von Jean Todt wär da die richtige Reaktion. Der ist in Le Mans, verweigert aber wohl sämtliche Fragen zu dem Thema zu beantworten.

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May 11 2011

11:05

Ferner liefen: Die Newshappen

// Michael Schumacher hat mal wieder einen zähen Start in die Saison. Sein Rennen in der Türkei war geprägt von schlechten Entscheidungen, ruppiger Fahrweise und einer Klatsche in der Qualifikation, als er 1 Sekunde gegenüber Rosberg verlor. Nach der Quali war Schumacher ratlos, später stellte sich heraus, dass er in Turn 1 etwas von der Linie gerutscht war. So ein Fehler passiert jedem mal, aber es fällt doch auf, dass Schumachers Fehlerquote sehr hoch ist. Vorbei die Zeit, in der er fehlerlos seine Runden zog und schon ein leichter Slide Ausgangs einer Kurve für hoch gezogene Augenbrauen sorgte. In den britischen Medien, die traditionell schlecht auf Schumacher zu sprechen ist, sieht man die “Götterdämmerung” eingeleitet. Joe Saward schriebt “In the end one gets no choice as an F1 driver. You have to face up to the realities that you cannot beat age. Some go on deluding themselves that they could still do it and blame others for pushing them out. Others are smarter and get on with their lives. ” Und auch James Allen meint: “He probably accepts that due to his age and time out of racing he’s a few tenths slower than Rosberg, but the Mercedes could turn out to be a contender this year and you can always tell when a driver gets a sniff that there may be a chance to do something special. Schumacher needs a podium at the least to make the comeback worthwhile, to give it some real justification.”
Nach dem Rennen in der Türkei wirkte Schumacher niedergeschlagen und fast deprimiert. Er sprach davon, dass ihm momentan der Spaß am Fahren fehlen würde, was angesichts seiner momentane Chancenlosigkeit auch nicht weiter verwundert. Gleichzeitig werden Gerüchte laut, dass man bei Mercedes schon für die Zukunft plant. Paul di Resta oder Nico Hülkenberg stehen als Nachwuchstalente bereit, nachdem Rosberg in den letzten 18 Monaten gezeigt hat, dass er der Teamleader sein kann. Man darf gespannt sein, wie es weiter geht. Don

// Pitpass hat sich die Unternehmensverhältnisse der Formel Eins noch mal genau angeschaut und ist auf ein Unternehmen namens “Delta Prefco” gestossen. Der Autor stochert etwas im Nebel herum, vermutet aber, dass es sich um eine Schlüsselgesellschaft handelt, die außerhalb der normalen Beteiligungen der CVC steht. Die Vermutung, dass die CVC im Prinzip nur eine leere Hülle in den Händen hält und Bernie die Rechte an der F1 über diverse weitere Firmen verteilt hat, wird auch von Pitpass geteilt. Don

// Pirelli hat die Reifenmischungen für die nächsten Rennen bekannt gegeben und die sind teilweise etwas schon interessant:
GP Spanien -Hard/Soft
GP Monaco -Soft/Super soft
GP Kanada -Soft/Super soft
GP Europa -Medium/Super soft
GB England- Hard/Soft

Vor allem die Mischungen für Kanada und Valencia sind etwas überraschend. In Kanada geht der Asphalt zwar relativ schonend mit den Reifen um, allerdings kann es auch sehr heiß werden, dazu kommen die hohen Geschwindigkeiten und die Beschleunigung aus den langsamen Ecken. Auch die “Super Soft” in Valencia sind eine mutige Wahl und dürfte bei großer Hitze zu einem interessanten Rennverlauf führen. Don

// Das Circuit of the Americas in Austin hat auf Facebook aktuelle Luftfotos von der Anlage veröffentlicht. Sehr viel ist darauf zwar, ehrlich gesagt, nicht zu sehen. Zumindest bestätigen die Bilder aber, dass die Arbeit wohl weiterhin voranschreitet – was ja schon mehr ist, als manche im Vorfeld vermutet hatten. Immerhin ist bis zum ersten Formel 1 Rennen in Texas ja auch noch mehr als ein Jahr Zeit. (Vorsicht)

// Die IndyCar Series hat erste Modelle der Autos für 2012 vorgestellt. Gezeigt wurde eine Dallara-Variante für die Road Courses und eine für die Ovale. Auffällig ist bei beiden Wagen der Auffahrschutz hinter den Hinterrädern, bei der Ovalversion sogar durch eine völlige Verkleidung gelöst. Sicherheitstechnisch ist das auf alle Fälle sehr sinnvoll, optisch muss man sich daran aber erstmal gewöhnen. Oder auch nicht. Denn bis zum kommenden Jahr könnte sich ohnehin noch einiges ändern: Die vorgestellten Wagen sind nicht fertige Modelle für 2012, sondern sollen nur verdeutlichen, wie die Wagen in etwa aussehen könnten – einen Windkanal haben diese Autos bisher zum Beispiel nicht gesehen. Außerdem bleibt Dallara ja nicht der einzige Aero-Kit Hersteller. Die Modelle von Lotus, Chevrolet, Honda und – möglicherweise – Oreca könnten also auch wesentlich anders aussehen. Wehrmutstropfen: Wegen der hohen Kosten für die zusätzlichen Teile sieht es derzeit so aus, als würden die alternativen Aero-Kits erst 2013 oder frühestens Mitte 2012 einsteigen können. (Vorsicht)

// Die Superleague Formula hat knapp einen Monat vor dem geplanten Saisonstart noch einmal kräftig umgebaut. Statt der bisher geplanten umfangreichen Europa-Saison wird es im Sommer nur zwei Rennen geben: Anfang Juni in Assen und Mitte Juli in Zolder. Danach bewegt man sich an die Grenzen des Kontinents und fährt Anfang September im russischen Smolensk (wo übrigens nur wenige Wochen zuvor auch die GT3 Europe Station macht). Ende September steht dann wieder ein Rennen in Beijing auf dem Programm, vermutlich wird es sich wie in der vergangenen Saison um einen Stadtkurs handeln. Danach folgen zwei Brasilien-Rennen in Curitiba und auf dem weitgehend unbekannten Kurs von Goiania. Dort ist Mitte der 80er-Jahre die Motorrad-WM gefahren – seither war nicht mehr viel los, jetzt wird die Piste allerdings gerade modernisiert. Im November gibt es ein Rennen im mittleren Osten. Der Ort dafür ist bislang unbestätigt, Gerüchte sprechen aber davon, dass es sich um Katar handeln soll. Als achtes und letztes Rennen steht Taupo in Neuseeland auf dem Plan.
Die Gründe für die massiven Änderungen im Kalender liegen wohl darin, dass man sich nach drei eher erfolglosen Saisons nun neu ausrichten muss. Zum einen ist der Superleague Hauptsponsor Sonangol abhanden gekommen. Der angolanische Ölkonzern plant wohl nun größer, und möchte sich in der F1 engagieren. Außerdem könnte es auch sein, dass man auf ein völlig anderes Konzept setzen wird: Von Fußballclubs ist in der aktuellen Pressemeldung nämlich nicht mehr die Rede, stattdessen wird die Saison 2011 als “World Cup” angekündigt, die Rennen heißen nun “Grand Prix”. Man könnte also spekulieren, dass sich die Serie in Richtung des A1GP-Konzeptes mit Nationalteams entwickeln möchte. Konkrete Informationen dazu stehen allerdings noch aus, genauso wie zu möglichen Fahrern. (Vorsicht)

// Kyle Busch und Kevin Harvick haben für ihre Slapstick-Einlage nach dem Rennen in Darlington von der NASCAR eine “Strafe” kassiert. Beide müssen 25.000 Dollar zahlen und stehen für vier Rennen unter Beobachtung. Wenn man bedenkt, dass die NASCAR selbst bei minimalen und kleinsten technischen Unregelmäßigkeiten sofort Strafen in einer Höhe von 100.000 Dollar und mehr verlangt und zusätzlich Teammitglieder für Monate gesperrt werden, kann man in dem Fall nur sagen, dass man solche Aktionen offenbar gerne sieht. Zu Mal man Montoya und Newman überhaupt nicht bestrafen hat. Offenbar möchte man vor dem TV-Publikum ein paar Fehden aufbauen und die Quoten nach oben zu treiben. Don

June 14 2010

18:22

Formel Eins: Analyse Kanada 2010

Über Langeweile konnte man sich in Kanada nun wirklich nicht beklagen. Schuld am teilweise verwirrenden Rennen waren der neue Asphalt und die Reifen.

Bridgestone hatte den Teams die Auswahl “Medium” und “Supersoft” mit gebracht. Gleichzeitig hatten die Veranstalter im Pausenjahr ein wenig investiert und teilweise neuen Asphalt aufgebracht. Und der schien sich mit den Reifen so überhaupt nicht zu vertragen. Schon im Training berichteten ebenso überraschte wie frustierte Fahrer, das sich nicht nur die weichen, sondern auch die harten Reifen nach wenigen Runden auflösten. “Graining” hieß das böse Wort, dass im Rennen für reichlich Betrieb an den Boxen sorgte. Am Ende war McLaren der große Gewinner des Rennens.

Schon vor dem Start lief es nicht wirklich gut für Red Bull. Mark Webber verlor seinen 2. Platz aus der Quali, weil er sein Getriebe wechseln lassen musste. P7 hieß dann sein Startplatz, während Sebastian Vettel auf P2 vorrückte. Dahinter lauerten Alonso, Button und Luizzi. Doch bei letzterm lief der Start nicht wirklich gut. Massa, der einen guten Start hatte, schubste Luizzi wie einen Teenager in der ersten Kurve rum. Was beiden in Sachen Frontflügel nicht so wirklich gut bekam. Dritter Leidtragender war Rosberg, der sich Gerangel mehr verägert als interessiert angeschaut haben wird, den es kostete ihn etliche Plätze.

Danach ging es drunter und drüber. Egal ob harte oder weiche Reifen – man wechselte schneller, als man das erwartet hatte. Die Weichen gingen nach sechs Runden ein, die harten hielten nur wenige Runden länger. Schnell war klar, dass man mehr als einen Stopp einlegen würde, damit man das Rennen übersteht. Das führte dann zu einem extrem gemischten Feld. Zeitweise sah man in den ersten Runden sogar Kovalainen im Lotus auf einem siebten Platz. Zu dem schien Bernie Ecclestone einigen Fahrer irgendwas ins Essen getan zu haben. Kubica, Sutil, Luizzi, Schumacher, Hülkenberg und andere fuhren teilweise, als wäre es die letzte Runde im Rennen und nicht das erste Drittel. Die Folge: demolierte Frontflügel gab es im Sonderangebot und die wenigen Rasenflächen in den Schikanen erfreuten sich großer Beliebtheit.

Zunächst zogen die McLaren vorne weg, immer gefolgt von Alonso. Dann gingen alle Führenden an die Box und so wurde Webber auf Platz gespült. Der blieb ellenlang draussen, hatte zweitweise 12 Sekunden Vorsprung, doch man verpasste den richtigen Zeitpunkt für den Boxenstopp. Also fiel er wieder auf Platz vier. Schließlich erbte Hamilton die Führung, gefolgt von Alonso, der allerdings bei einem Überrundungsmanöver hinter Chandok hängen blieb, was Button reaktionsschnell nutzte. Danach waren die Plätze vorne bezogen.

Michael Schumacher hatte mal wieder eins seiner “Ach, nö” Wochenenden. In der Quali nur auf der 13 gelandet, fand er sich nach dem Start und den ersten Reifenwechseln sogar auf P3 wieder. Nach seinem Wechsel kamen er und Kubica sich näher, was zu einem Ausflug in die Flora Montreals führte, was wiederum einen schleichenden Plattfuss nach sich zog. Dann versuchte er fast die Hälfte des Rennen auf den weichen Reifen zu beenden, was nicht gut endete. Als in den letzten Runden seine Hinterreifen quasi in Fetzen hingen, legte er sich mit Sutil an, der ihn allerdings schlussendlich stehen ließ. Am Ende fand er sich mit einer Runde Rückstand auf Platz 11 wieder. Außer Spesen, nix gewesen. Aber immerhin zeigte er erneut, dass er ganz schön aggressiv unterwegs ist. An Motivation fehlt es ihm nicht.

Teamkollege Rosberg hatte jetzt auch nicht gerade einen ruhigen Mittag, wurde aber weniger bedrängt. Nur am Ende musste er den ranstürmenden Kubica im Auge behalten. Insgesamt war die Leistung von Mercedes aber mal wieder eher schwach. Bei den schnellsten Rennrunden sieht es mit Platz drei nicht schlecht aus, aber wenn man das Livetiming beobachtete, konnte man sehen, dass die Zeiten schon sehr schwankten. Angeblich hat Mercedes die Saison schon abgehakt und man konzentriert sich jetzt auf 2011.

Überrascht hat mich Ferrari. Die habe ich schwächer erwartet, aber Alonso schnupperte zeitweise sogar am oberesten Podestplatz. Zwar waren die McLaren am Ende schneller, aber so groß war der Abstand nicht. Massa hatte ein wegen seiner Privatfehde am Start ein zähes Rennen, dass er am Ende noch 20 Sekunden aufgebrummt bekam, weil zu schnell in der Boxengasse war, krönte sein bescheidenes Wochenende dann auch noch.

Verwirrend war die Strategie der Red Bull, aber am Ende war eigentlich Vettel der Verlierer. Er verlor einen Platz, während Mark Webber drei Plätze gewinnen konnte, und vierter wurde. Dazu muss man aber sagen, dass Vettel am Ende mal wieder durch ein erlahmendes Getriebe gehemmt wurde und nicht mehr in den Spitzenkampf eingreifen konnte.

Weiter hinten ärgerte sich Sauber mal wieder über einen doppelten Ausfall. Pedro de la Rosa ging erneut der Ferrari-Motor ein, Kobayashi versenkte seinen Wagen in der “Wall of Champions”. Bei Williams wäre mehr drin gewesen, denn Hülkenberg schwomm im Karbonregen des Starts in die Top Ten, unterzog seinen Heckflügel dann aber einer Materialprüfung, die schlecht ausging. Besser lief es für Force India und vor allem Sebastian Buemi, der achter wurde.

McLaren zeigte, dass man an Red Bull dran ist. Man ist sich aber nicht sicher, ob der momentane Vorteil lange anhält, hofft aber, dass man in Valencia in 14 Tagen, wo man eine ähnliche Strecke fährt, wieder so gut da steht. Allerdings hat Red Bull ein grösseres Update für das Rennen angekündigt.

Die WM bleibt auf jeden Fall spannend. Der Stand im Moment sagt schon alles:

Hamilton – 109
Button – 106
Webber – 103
Alonso – 94
Vettel – 90

Dahinter liegt Rosberg, der 74 Punkte hat, aber man kann jetzt schon sagen, dass sich die WM zwischen McLaren, Ferrari und Red Bull entscheiden wird. Alonso liegt auf der Lauer, aber da wird man abwarten müssen, ob Ferrari wie gewohnt im Spätsommer die zweite Luft bekommt. Abschreiben sollte man den Spanier auf keinen Fall.

In 14 Tagen steht also der Retortenkurs im Hafen von Valencia an. Bisher hat die Saison bis auf Bahrain wirklich sehr gute Rennen geliefert, es besteht also eine gewisse Hoffnung, dass auch der sonst nicht gerade für unterhaltsame Rennen bekannte Kurs für Abwechslung sorgen wird.

Ein paar kleine Meldungen am Schluss, weil die im Le Mans Trubel untergegangen sind:

- Die technische Arbeitsgruppe der F1 hat die Idee, dass man ab dem nächsten Jahr einen verstellbaren Heckflügel einführen möchte. Das klingt nett, geht aber mit einem schon jetzt Kopfschmerzen verursachenden Reglement einher. So soll den Heckflügel nur der verstellen dürfen, der hinter einem Konkurrenten liegt. Was man macht, wenn drei Fahrer hintereinander liegen, ist nicht klar. Auch nicht, ab welchem Abstand nach vorne man nicht mehr flach stellen darf. Und in den ersten zwei Runden darf ihn benutzen. Und wer das überprüfen soll, weiß auch noch keiner.

- Pirelli scheint neuer Reifenlieferant der F1 ab 2010 zu werden. Jedenfalls wurden gleichlautende Gerüchte entweder gar nicht oder halbherzig dementiert und Michelin meldete sich überhaupt nicht mehr aus Le Mans. Grund für die Entscheidung gegen die Franzosen: die wollten nur noch die Hälfte der Reifen liefern, die Bridgestone im Jahr anschleppt. Reifensparorgien am Wochenende wollte man sich und den Fans nicht antun. Klar ist wohl auch, dass es im Sommer einen Reifentest geben soll. Wenn denn Pirelli schon so viele neue Reifen hergestellt hat.

- Am Wochenende hat Bernie eine neue 3D HD Onboardcam ausprobieren lassen. Das Ergebnis soll, glaubt man den paar Journalisten, die das Ergebnis sehen durften, phänomenal gewesen sein. Nur Bernie ist sich nicht sicher. Nicht mal wegen HD in 2011.

- Merkwürdig ruhig ist es auch an der TV-Rechte Front in Deutschland. Sowohl RTL als auch sky müssen neue Verträge mit Ecclestone abschließen und angesichts von Vettel, Mercedes und Schumacher wird es wohl nicht günstiger werden. Seit Monaten gibt es Gerüchte, dass Red Bull TV/Servus TV an den deutschen Rechten interessiert sein könnte. Angesichts der leeren Kassen bei sky, die weiterhin mehr als 1 Millionen Euro Miese pro Tag einfahren, muss man mal abwarten, wer sich die Rechte schnappt. Ecclestone hat zwar die Angewohnheit den meisten Sendern treu zu sein, aber wie man bei ITV gesehen hat, hört die Treue beim Geld auf.

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