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October 22 2013

19:23

NASCAR: Analyse Talladega Oktober 2013

Herzlich willkommen zur neuen Ausgabe von „Sie sind gefahren“! In den Hauptrollen: Jimmie Johnson, Dale Earnhardt Jr, Matt Kenseth und der Sieger Jamie McMurray. Als Showstealer die beiden Foreigner: Marcos Ambrose und Juan Pablo Montoya! Es konnte leider nicht erscheinen: das Finish. Kleiner Gastauftritt von: die Caution.

NSCS_Talladega_PostRace2_102013Das Rennen am Sonntag, welches nicht nur ich als großen Punktemixer angekündigt habe, verhielt sich letztendlich völlig überraschend entgegen aller bekannten Restrictor-Plate-Erwartungen. Das war natürlich zum einen sehr enttäuschend, weil ein wirklich spannendes Finish fehlte. Zum anderen muss man aber froh sein, dass es so gesittet zugegangen ist und niemand verletzt wurde. Die meist latente Risiko bei dieser Art von Racing scheint aber einige Ordner im Trioval nicht wirklich beindruckt zu haben. Auch wenn es leider immer mal wieder vorkommt, dass Autos in den Fangzäunen landen, nutzte das Personal diese Sicherheitseinrichtung vereinzelt als Rückenlehne – unfassbar! Wie schnell die Gefahr dann eben doch real werden kann, zeigte sich in der letzten Caution, die eigentlich niemand wollte.

Insgesamt gab es auf dem Talladega Superspeedway nur magere drei Cautions, wobei man gehofft hatte, dass die NASCAR-Offiziellen dann doch bitte etwas Debris irgendwo auf der Strecke entdecken würden, um die Schlagzahl des Rennens zu erhöhen. Gelbphase #1 kam sehr früh, als dem Start-&-Parker Tony Raines schon in Runde 4 der Motor hochging. Kurz vor Halbzeit schoss dann Marcos Ambrose bei einem Spurwechsel den völlig unschuldigen Juan Pablo Montoya ab und löste damit Unterbrechung #2 aus. Das war es im Prinzip, ansonsten zeigten die Cup-Stars, warum sie in der ersten Liga mitfahren und brachten zahlreiche Three-Wide- sowie einige haarige Four-Wide-Situationen sehr gekonnt ohne Zwischenfälle hinter sich. Das Racing an sich war also trotzdem schön anzusehen.

Die meiste Zeit zeigten sich Jimmie Johnson und Dale Earnhardt Jr an der Spitze des Feldes, zu Anfang immer mal wieder begleitet durch Matt Kenseth, der aber später zu sehr mit dem Handling seines Wagens haderte und schließlich die Top20 verließ. Doch auch der direkte Titelkonkurrent Johnson war gegen Ende nicht zur Stelle, weil er sich bei den letzten Green-Flag-Pitstops fast im Alleingang aus dem Draft löste und seine Boxenmannschaft ansteuerte. Damit fiel er bis zum Cycle-Through natürlich ohne Hilfe weiter ins Hinterfeld zurück. Lediglich Earnhardt konnte wirklich große Ansprüche auf eine Fahrt in die Victory-Lane geltend machen, wurde aber in seinem Vorwärtsdrang – ebenso wie die Erwartungen aller Fans – durch die letzte Caution jäh eingebremst.

Hinter Jamie McMurray und Dale Earnhardt Jr nahmen Austin Dillon und Ricky Stenhouse Jr die letzte Runde in Angriff, wobei sich das Feld an dieser Stelle schon seit einigen Runden im Single-File-Modus befand, um ein letztes Mal durchzuatmen. Stenhouse wollte auf der Gegengerade eine zweite Linie öffnen, wurde aber von Dillon geblockt, welcher sich danach in einen wilden Dreher verabschiedete. Nachdem er den Wagen bei 200 mph wieder in Fahrtrichtung gedreht hatte, krachte ihm Casey Mears so stark von hinten auf das Auto, dass die #14 förmlich in die Luft katapultiert wurde. Zum Glück flog Dillon weder in den Fangzaun, noch überschlug er sich komplett oder wurde von weiteren Fahrzeugen kassiert – ein glimpflicher Ausgang also.

Die NASCAR war leider so nervös auf dem Caution-Knopf, dass sie mit der recht bald ausgelösten Gelbphase ein wirklich spannendes Finish zerstörte. Warum die gelbe Flagge geschwenkt werden musste, war auch im Nachgang nicht ersichtlich: Austin Dillon konnte mit dem eigentlich komplett zerstörten Auto sogar noch mehr als die halbe Runde zu Ende bringen und musste anschließend nicht einmal ins Care-Center, weil er die #14 aus eigener Kraft bis in die Garage pilotierte. Ansonsten standen auch keine Wagen auf der Gegengerade rum, bis zu welcher die Spitze nach einem Finish unter grüner Flagge ohnehin verlangsamt hätte. Als die Caution kam, befand sich niemand in unmittelbarer Gefahr, eine klare Fehlentscheidung also. Andererseits muss man natürlich sagen, dass wenn etwas passiert wäre und niemand eingegriffen hätte, wieder alle laut aufgeschrien hätten.

Von daher freuen wir uns über den nicht unverdienten Sieg von Jamie McMurray, der vor einem starken – aber sicherlich sehr unglücklichen – Dale Earnhardt Jr unter gelb über die Ziellinie rollte. Nach Sichtung der Videoaufzeichnungen bestimmten die NASCAR-Offiziellen Ricky Stenhouse Jr, Paul Menard und Kyle Busch in die Top5 sowie David Ragan, David Gilliland, Martin Truex Jr, Ryan Newman und Clint Bowyer als Top10. Damit zeigte auch Front Row Motorsports wieder einmal, dass sie keinesfalls eine Eintagsfliege auf den Superspeedways sind.

Auch Danica Patrick war lange Zeit stark in den Top10 unterwegs, zerschoss sich aber mit einem komplett vergeigten letzten Green-Flag-Pitstop alle Chancen auf ein angemessenes Ergebnis. Nicht nur, dass sie mit einem extremen Geschwindigkeitsüberschuss durch die Boxengasse pflügte, sie verpasste anschließend auch noch ihren Pitstall und musste natürlich eine Durchfahrtsstrafe für das Speeding absitzen. Dass Patrick sich nicht gleich zwei Runden Rückstand einfing, war da schon ein kleines Wunder. Trotzdem war auf Rang 33 Endstation.

Noch erwähnenswert sind Brad Keselowski und Kasey Kahne, die ebenfalls früh eine Runde verloren, anschließend aber in einem Rennen innerhalb des Rennens an der Spitze um den Lucky-Dog kämpften. Leider vergeblich, da die ersehnte Gelbphase endlos auf sich warten ließ.

In der Meisterschaft drehte das Talladega-Rennen zwar die Tabellenführung, allerdings nur um wenige Zähler, da Jimmie Johnson (13.) nur sieben Plätze vor Matt Kenseth (20.) ins Ziel kam. Der Vorsprung von Johnson beträgt daher nur vier winzige Pünktchen. Aufgeholt haben mir ihren guten Resultaten auch Kyle Busch (-26) sowie Dale Earnhardt Jr (allerdings noch -52), die zwei bzw. drei Ränge aufrücken konnten.

Die gesamten offiziellen Ergebnisse können hier inklusive weiterer Statistiken noch einmal bei Jayski.com nachgeschaut werden. Es folgt wie gewohnt die Übersicht zu den Punkteständen bei den Fahrern und in der Owner-Wertung (Achtung: Alles PDF-Dateien!).

Talladega Superspeedway on October 20, 2013 in Talladega, Alabama. 291422 NSCS_Talladega_Greenflag_102013 NSCS_Talladega_Race1_102013 NSCS_Talladega_Race2_102013 NSCS_Talladega_Race3_102013 NSCS_Talladega_Race4_102013 NSCS_Talladega_Race5_102013 NSCS_Talladega_PreRace_DanicaPatrick_102013 NSCS_Talladega_Race6_102013 291432 NSCS_Talladega_PostRace1_102013 NSCS_Talladega_PostRace2_102013 NSCS_Talladega_Race10_102013 NSCS_Talladega_Race9_102013

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July 12 2011

06:17

NASCAR: Analyse Kentucky 2011

Die erste Hälfte der NASCAR-Saison ist Geschichte, ebenso wie das erste Cup-Rennen auf dem Kentucky Speedway. Gewonnen hat Kyle Busch, welcher die Hälfte des Abends in Führung verbrachte und nur durch seinen Bruder Kurt sowie dessen Teamkollegen Brad Keselowski ernsthaft in Bedrängnis gebracht wurde.

Der Sieg von Kyle Busch in Kentucky war für NASCAR-Verhältnisse schon ziemlich dominant, auch wenn Busch nur knapp die Hälfte aller Runden in Führung lag. Dieser Umstand war zu einem Großteil Brad Keselowski geschuldet, der auf einer anderen Strategie unterwegs war und 79 Runden in Front des Feldes verbringen konnte. Früh im Rennen und gegen Ende auch noch einmal für zehn Umläufe trat Bruder Kurt Busch kurzzeitig auf den Plan. Trotzdem waren für die beiden Penske-Fahrer zum Schluss nur Platz 7 und 9 übrig, während sich zum Beispiel die sehr unauffälligen Jimmie Johnson (3.), Carl Edwards (5.) und Matt Kenseth (6.) bessere Platzierungen sicherten.

Im Grunde genommen könnte ich den Artikel mit dieser Zeile beenden, denn viel passiert ist ansonsten nicht. Das Nachtrennen dümpelte fast die gesamte Renndistanz über so vor sich hin und wurde erst gegen Ende noch ein paar Mal durch Cautions unterbrochen und dadurch halbwegs spannend. Das Blut zum Kochen brachte es allerdings nicht, denn ich habe zwar nach dem Daytona-Debakel mal wieder ein komplettes Rennen unter Flutlicht angeschaut, musste aber trotzdem gewaltig mit den seeehr müden Augen kämpfen. Die letzten Cautions brachten Kyle Busch jedoch überhaupt nicht in Bedrängnis, weil sie für ihn richtig günstig fielen und die Konkurrenz sich Fehler erlaubte.

Die Schlussphase wurde durch einen kapitalen Motorschaden von Jamie McMurray in Runde 200 eingeläutet, welcher die Strecke komplett einnebelte. McMurray lag zu diesem Zeitpunkt aber schon längst nicht mehr in der Führungsrunde und kämpft in dieser Saison ohnehin nur mehr um den Anschluss. Derzeit liegt er lediglich auf Platz 28 in der Meisterschaft, was nach seinem Wunderjahr 2010 eigentlich schon eine riesige (negative) Überraschung ist.

Brad Keselowski entschied sich bei den folgenden Boxenstopps, nicht zu einem Tankstopp zu kommen, weil er bereits früher im Rennen auf eine andere Spritstrategie gewechselt war und noch Benzin für ein paar mehr Runden übrig hatte. Das spülte ihn wieder an die Spitze des Feldes, welche Keselowski auch tapfer bis zur letzten Caution gegen Kyle Busch verteidigte, der direkt hinter ihm unterwegs war. In Runde 240 von 267 machten sich die beiden Führenden dann auf, das Benzinfenster bei den letzten Green-Flag-Pitstops endgültig zu schließen.

Während des Cycle-through musste NASCAR allerdings eine weitere Caution auslösen, da Dale Earnhardt Jr wegen eines Reifenplatzers direkt nach seinem Boxenstopp ordentlich Debris auf der Strecke verteilte. Junior nahm zuvor nur zwei neue Reifen mit auf den Weg und fing sich den Plattfuß dummerweise beim alten linken Vorderreifen ein. Diese Gelbphase kam David Reutimann sehr gelegen, da er zwischenzeitlich im Wechselreigen die Führung übernommen hatte. Zwar gab er die Führung in der Caution wieder ab, weil er ja noch Benzin für die letzten Runden fassen musste, doch unter Gelb verlor er weit weniger Plätze als bei Renntempo und legte damit einen weiteren entscheidenden Stein für sein klasse Endergebnis.

Brad Keselowski machte nun den Move des Rennens und holte sich gemeinsam mit dem Teamkollegen Kurt Busch noch einmal vier neue Reifen, um Kyle Busch mit frischen Gummis die erhoffte Konkurrenz bieten zu können. Diese Entscheidung war es, welche die beiden Penske-Piloten letztendlich das Rennen kostete. Die Top5 holten sie trotz neuer Reifen einfach nicht mehr ein.

Kyle Busch konnte fortan die letzten zehn Runden bestimmen, welche zudem noch ein allerletztes Mal durch eine Gelbphase unterbrochen wurde, weil Clint Bowyer ebenfalls einen Reifenplatzer erlitt und in der Mauer landete. Etwas kurios sicherte sich David Reutimann den zweiten Platz hinter Kyle Busch im Zweikampf mit Jimmie Johnson, der wohl die weiße Flagge übersehen hatte. Johnson dachte, das Rennen sei noch gar nicht in der letzten Runde und ließ Reutimann daraufhin ziehen.

Kyle Buschs dritter Saisonsieg ist sein erster Erfolg des Jahres außerhalb der Shorttracks von Bristol und Richmond, was Joe Gibbs Racing auf den Intermediate Ovalen wieder zurück an die Spitze brachte. Denny Hamlin (11.) deutete diese Entwicklung ja schon mit seinem Sieg in Michigan an, allerdings bin ich mir nicht so sicher, ob man diesen Trend bei Gibbs auch wird halten können. In New Hampshire am kommenden Wochenende kann zumindest alles passieren, da die Top-Teams in den vergangenen Jahren die Siege dort recht gleichmäßig untereinander aufteilten.

Weitere interessante Ergebnisse andere Fahrer:

- David Ragan, seines Zeichens Sieger der Vorwoche in Daytona erreichte erneut ein gutes Ergebnis, wenngleich Platz 8 natürlich nicht mit einer Fahrt in die Victory-Lane des traditionsreichen Superspeedways zu vergleichen ist.

- Juan Pablo Montoya lag lange Zeit in den Top5 und freute sich schon auf ein gutes Ergebnis im Kampf um die Chase-Qualifikation, bevor er bei der Earnhardt-Caution zu schnell in der Boxengasse unterwegs war. Dabei hatte er keine Eile, weil er sich zu diesem Zeitpunkt ohnehin beim Cycle-Through in der Lucky-Dog-Position befand. Montoya stand hier unter keinerlei Zeitdruck, was ein Speeding schon sehr sehr verwunderlich erscheinen lässt. Damit landete er am Ende dann nur auf Platz 15, was schon ziemlich enttäuschend ist. Von den Playoffs trennen ihn immer noch 32 Punkte.

- Greg Biffle (21.) und Mark Martin (22.) kamen über das gesamte Rennen gesehen überhaupt nicht in Schwung, was sich letztendlich lediglich in Positionen knapp außerhalb der Top20 niederschlug.

- Ebenfalls gar nichts gesehen hat man von Brian Vickers (27.) und AJ Allmendinger (28.), wobei die schlechte Platzierung des ersteren Piloten ansatzweise durch ein Speeding in der Boxengasse erklärt werden kann.

- Schlechter erwischte es nur Dale Earnhardt (30.) und Jamie McMurray (36.), die mit Reifen- bzw. Motorschaden außerhalb der Top30 landeten.

Zur Meisterschaftstabelle:

Busch brachte sich am Wochenende doch tatsächlich auf dem Spitzenplatz in der Meisterschaft unter, was für mich etwas überraschend kam. Allerdings sprechen zehn Top5-Resultate und elf Top10-Ergebnisse in 18 Rennen schon eine deutliche Sprache. Nur Carl Edwards fuhr zwei Mal öfter in die Top10 als Kyle Busch. Interessant ist dabei die folgende Rechnung: 11 Top10 minus 10 Top5 ergibt für Busch demnach nur eine Platzierung zwischen Platz 5 und 10, was im Grunde genommen seine Konstanz ziemlich in Frage stellt. Bei über der Hälfte aller gefahrenen Rennen kam Busch in die Top5, nur um bei sieben Rennen also suboptimale Ergebnisse zu holen.

In Punkto Saisonsiegen (3) liegt Busch nun mit Kevin Harvick gleich auf, jeweils zwei Siege haben außerdem Jeff Gordon und Matt Kenseth eingefahren. Die Top6 in der Meisterschaft liegen derzeit nur 22 Punkte auseinander, was die hohe Leistungsdichte in diesem Jahr deutlich wiederspiegelt. Es fällt wie oben beschrieben aber auch auf, dass sich 2011 bisher niemand mit konstanten Top10-Resultaten vorne absetzen konnte, so wie z.B. im letzten Jahr Kevin Harvick. Carl Edwards war zwar zu Beginn der Saison auf einem guten Weg, rutschte dann aber wieder ab.

Die beiden Wildcard-Plätze teilen sich derzeit Tony Stewart auf Platz 11 und David Ragan etwas weiter dahinter, weil Brad Keselowski wieder knapp den Einzug in die Top20 der Meisterschaft verpasste. Da die anderen Rennsieger innerhalb der Top10 außer Denny Hamlin schon über einen recht komfortablen Vorsprung auf den Cut verfügen, bleibt die Wildcard-Besetzung vorerst spannend. Hier kann sich nun jede Woche das Bild komplett drehen, sollte beispielsweise einer der folgen Piloten ein Rennen gewinnen:

- Tony Stewart
- Clint Bowyer
- Juan Pablo Montoya
- Greg Biffle
- Kasey Kahne
- Mark Martin
- Joey Logano

Gleiches gilt zwar auch für AJ Allmendinger und Paul Menard, die sich ebenfalls in den Top20 der Meisterschaft befinden, doch ein Rennsieg wird bei beiden Kandidaten zunehmend unwahrscheinlicher.

Die gesamten offiziellen Ergebnisse können hier inklusive weiterer Statistiken noch einmal bei Jayski.com nachgeschaut werden</a>. Zum Abschluss folgt wie gewohnt die Übersicht zu den <a http: href=" http:="" plugins="" target="\" wordpress="" wordpress-feed-statistics="" wp-content="">Punkteständen bei den Fahrern und

June 21 2011

06:16

NASCAR: Analyse Michigan 2011

Ein echter “Burner” war das Rennen in Michigan ja nicht gerade, was Denny Hamlin aber am Ende vermutlich am allerwenigsten störte.

Es ist immer so eine Sache mit den ultrabreiten 1.5 Meilen Ovalen. In Las Vegas sind die Rennen durchaus brauchbar, in Michigan eher nicht. Und dabei sind beide Ovale fast baugleich, lediglich 2 Grad Banking gibt es in Las Vegas, was ja nun nicht den großen Unterschied machen sollte. Michigan steht meist für Verbrauchsrennen mit wenig Gelbphasen, was dann, ähnlich wie in Pocono dann immerhin den Vorteil hat, dass die Rennen auch schneller vorbei sind. In der Riesenschüssel von Michigan gab es leider auch wenig Abwechslung an der Spitze. Das Rennen teilten sich mehr oder weniger die Gibbs- und die Roushtruppe unter sich auf. Vor allem Roush ist rechtzeitig zum Sommer in guter Form und bringt seine Fahrer wieder in aussichtsreiche Position. Edwards führt die Meisterschaft an, Kenseth lauert auf P6, nur Biffle ist noch nicht im Chase. Größere Sorgenfalten gibt es derweil im Hendrick Lager.

Doch zunächst zum Rennen, dass wie erwähnt eher im Bereich “Muss man nicht sehen” angesiedelt ist. Pole-Sitter Kurt Busch führte das Feld zwar nach der ersten Runde an, aber nach 12 Runden war dann schon der erste Roush-Fahrer in Form von Greg Biffle an der Reihe. Bis zur Halbzeit tat sich vorne kaum etwas, sei denn Biffle und Carl Edwards lösten sich an der Spitze an. Auch Matt Kenseth war vorne zu finden hielt sich aber zurück und ließ Edwards und Biffle gewähren. Die Duelle um die Spitze waren nett, aber eben auch etwas fad. Etwas mehr Pfeffer kam in die Sache, als Kyle Busch seinen Toyota nach vorne schieben konnte. Die Gibbs Motoren waren offenbar die einzigen, die mithalten konnten, denn auch Denny Hamlin hielt sich relativ weit vorne. Nur Joey Logano kam mal wieder nicht vom Fleck.

Bis Runde 158 tat sich wenig, dann löste ein unglücklicher Crash zwischen Montoya und Andy Lally eine entscheidende Safety Car Phase ein. Montoya war mitten im letzten Turn der Sprit ausgegangen und er versuchte noch in die Boxeneinfahrt zu kommen, als Lally von hinten angerauscht kam und das Heck der #43 traf. Für den Kolumbianer war es ein Wochenende zum Vergessen. In der Quali lief es schon nicht und im Rennen ging nach vorne gar nichts. Montoya konnte zwar weiterfahren, endete aber auf P29, was seinen Chase-Ambitionen auch nicht gerade gut tut. Auch bei seinem Teamkollegen Jamie McMurray lief es nicht wirklich gut. Der blieb im gesamten Rennen auffällig und blieb im Mittelfeld stecken. Im Ziel landete er auf P19.

Die Gelbphase lag zu einem interessanten Zeitpunkt, mit noch ca. 40 Runden zu fahren. Das lag ganz knapp im Benzinfenster der meisten Teams, allerdings durfte dann auch kein GWC mehr kommen. Also verordneten die meisten Crew Chiefs ihren Fahrern eine Benzin-Diät. Vor allem Kenseth wurde darauf aufmerksam gemacht, dass er rund zwei Runden “short” sei, was dieser mit leichten Ungefallen per Boxenfunk quittierte, weil er die Führung an Edwards abegeben musste. Der segelte dann auch davon und schien das Rennen als Sieger beenden zu könnne.

Doch dann hämmerte Junior seinen Wagen in die Mauer und in Runde 192 gab es wieder Gelb. Earnhardt war in Michigan eigentlich sehr gut unterwegs. Er hatte mal wieder einen Top 10 Wagen und lag teilweise auf P5. Doch eine verlorene Radmutter zwang ihn zu einem Extra-Stopp und er landete auf P19. Dort traf er dann unglücklicherweise auf Mark Martin, der Ausgangs Turn 2 massives Untersteuern hatte und Junior leicht in die Mauer zwang. Ein paar Runden später verabschiedete sich dann der rechte Vorderreifen von Junior, was den Abflug erzwang. Dennoch mal wieder ein gutes Rennen für Junior.

Die Pause nutzten alle Fahrer um an die Box zu gehen und nachdem die Stopps absolviert waren, lag plötzlich Denny Hamlin an der Spitze, dessen Team am schnellsten gearbeitet hatte. Seine “Pole” setzte er dann in eine Führung um, die er leicht ausbauen konnte, da sich Matt Kenseth und Carl Edwards zunächst nicht so richtig einig waren, wer denn nun hinter Hamlin her sollte. Kenseth entschied das Duelle für sich, hatte aber die entscheidenden Sekunden verloren und konnte Hamlin nicht mehr einholen.

Auf den Plätzen hinter Hamlin und Kenseth landeten Kyle Busch, der erstaunliche Paul Menard, Carl Edwards, Ryan Newman, Tony Stewart, Clint Bowyer, Mark Martin und Brian Vickers. Vor allem für das gebeutelte Red Bull Team mal wieder ein gutes Ergebnis.

Auch das Ergebnis von Mark Martin ist erfreulich, den man so weit vorne lange nicht mehr gesehen hat. Ansonsten lief das Wochenende für Hendrick zäh. Pocono-Sieger Jeff Gordon warf ein besseres Ergebnis beim letzten Stopp weg, als man statt zwei Reifen dann doch auch vier frische Goodyears setzte. Noch schlechter lief es für Jimmie Johnson, der sich schon nach neun Runden drehte und wegen eines Swaybar-Wechsels dann 2 Runden verlor. Die Sommerschwäche von Hendrick ist ebenso ungewöhnlich, wie die Tatsache, dass Dale Earnhardt im Moment noch am Besten in der Meisterschaft liegt. Der benötigt für einen guten Chase aber dringend einen (überfälligen) Sieg.

Nächste Woche geht es aber erst einmal auf die Rundstrecke und nach Infinion. Da dürften andere Namen vorne an der Spitze aufpoppen.

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March 21 2011

16:47

NASCAR: Analyse Bristol März 2011

Es war mal wieder das Wochenende von Kyle Busch, der beide Rennen der NASCAR am Wochenende gewinnen konnte. Aber auch für andere Fahrer lief das Wochenende nicht schlecht.

Bristol entwickelt sich zum “Wohnzimmer” von Kyle Busch. Gleich fünf der letzten acht Rennen konnte der jüngere Busch gewinnen, was nicht nur seine, sondern auch die Stärke von Joe Gibbs Racing auf den Short Tracks zeigt. Dabei sah es zunächst aber nicht nach einem Sieg von ihm aus, denn zu Beginn bestimmte der erstaunlich gut aufgelegte Paul Menard das Tempo, bevor er von dem normalerweise in Bristol ebenfalls starken Martin Truex abgelöst wurde. Aber das Rennen selber war dieses Mal eher eins von der schlechteren Sorte. Seit dem Bristol vor ein paar Jahren eine neue Asphaltdecke bekommen hat und man ein progressives Banking Einzug hielt, habe die Rennen sehr an Biss verloren. Das alte “beatin’ and bangin’” gibt es kaum noch, lange Phasen unter Grün sind mittlerweile völlig normal. Die Langeweile der letzten Jahre schlägt sich auch auf die Anzahl der Besucher nieder.

Noch vor ein drei Jahren war Bristol immer ausverkauft. Der Witz machte die Runde, dass man nur durch ein Erbe in den Besitz von Karten kommen konnte. Vor zwei Jahren gab es dann plötzlich Restkarten, in diesem Jahr waren die Tribünen erschreckend leer. Das kann nicht nur an den immer noch recht hohen Preisen oder der weiterhin schlechten Wirtschaftslage in den USA liegen. Auch die Rennen der NASCAR waren einigermaßen gut, aber Bristol hat eben durch den Umbau viel von seinem Charme verloren. Da helfen auch keine “Debris-Caution”. 120.000 Besucher vermeldet die NASCAR für Sonntag, 160.000 passen auf die Tribünen. Das sagt schon eine Menge aus und wenn man die Bilder so sieht, dann finde ich die 120.000 schon eine sportliche Aussage.

Auch gestern war es ein eher zähes Rennen. Wer unten auf der inneren Linie klebte, musste nicht fürchten, dass die Konkurrenz vorbei kam, da oben rum kaum etwas ging. Nur 18 Leadchanges verzeichnet die Statistik, wenn man diejenigen abzieht, die nur eine Runde vorne waren, dann waren es sogar nur 13.

Während in der ersten Rennhälfte Truex und Ryan Newman den Ton angaben, tauchte ab Mitte des Rennens Jimmie Johnson an der Spitze auf, dessen Chevrolet im Gegensatz zu seinen anderen Hendrick-Kollegen vernünftig ging. Zusammen mit Kyle Busch dominierte er ab Runde 192 und die beiden wechselten sich regelmäßig in der Führung ab, ohne jedoch in bissige Zweikämpfe verwickelt zu sein. Das passierte eher weiter hinten, wo es ein wenig Action gab, die allerdings von den Fox-Kameras nur selten eingefangen wurde. Überhaupt gab Fox in Bristol ein eher lustloses Bild ab. Das zähe Rennen zerrte wohl auch an der Laune der Kommentatoren, die sich vor allem im zweiten Rennteil schwer taten, noch irgendetwas neues zu Busch oder Johnson erzählen zu können.

Aber zurück zum Hendrick Team. Während sich Johnson in guter Form zeigte, waren die drei anderen Piloten kaum zu sehen. Jeff Gordon, der eh einen schlechten Start in die Saison hat, blieb wieder unauffällig. Sein Wagen hatte massive Handlingsprobleme, dazu kam, dass er mit Brad Kesolowski aneinander rasselte, als er diesen überrunden wollte. “Bad Brad” lag drei Runden zurück, kämpfte aber derartig verbissen gegen Gordon, dass er ihn fast abgeräumt hätte. Am Ende kam nur ein Platz 14 raus. Nicht besser lief es bei Mark Martin, der ebenfalls mit seinem Wagen zu kämpfen hatte, und nicht vorne eingreifen konnte. Auf Platz 11 und damit einen vor Martin, kam Earnhardt jr. ins Ziel, dessen Aufwärtstrend sich zumindest im Moment weiter fortsetzt. Nach einer schlechten Qualifikation arbeitete sich der Publikumsliebling in Richtung Top 10 vor, bevor ihm eine Geschwindigkeitsüberschreitung in der Box wieder zurück warf. Doch während Junior im letzten Jahr nach derartigen Vorfällen meist im Nirvana der Wertung verschwand, kämpfte er sich in Bristol wieder an die Top Ten. Das ist zwar alles noch nicht wirklich richtig gut, aber die konstanten Platzierungen unter den ersten 10 zeigt, dass er zusammen mit Steve Letarte auf einem gutem Weg ist.

Richtig miserabel läuft es dagegen bei RCR. Wenn der bestplatzierte Chevrolet von Childress der von Bezahlfahrer Paul Menard ist, dann heißt das schon was. Jeff Burton und Clint Bowyer hatten früh im Rennen Unfälle, bzw. Probleme, Kevin Harvick drehte sich im letzten Renndrittel und verursachte dabei weitere Kollisionen, die unter anderem den bedauernswerten Trevor Bayne das Rennen kostete. Aber es läuft nicht und bei RCR und die ersten Sorgenfalten dürften im Team auftauchen. Paul Menard liegt in der Meisterschaft zwar auf Platz 5, aber Kevin Harvick nur auf 15, während Bowyer und Burton nicht mal unter den Top 20 sind.

Auch bei ECR ist man mit angezogener Handbremse in die Saison gestartet. Montoya konnte in Las Vegas kurz zeigen, das man noch dabei ist, doch bei Jamie McMurray läuft es überhaupt nicht. Montoya liegt nach Bristol in der Wertung auf Platz 8, sein Teamkollege wird in den Top 20 noch vermisst.

Es war, wie erwähnt, kein sonderlich gutes Rennen in Bristol. Nächste Woche steht Fontana auf dem Program. Eigentlich ein programmierter Langweiler, weil es aber ein Highspeed Oval ist, und Bump Drafting gehen sollte, könnte es doch interessanter werden, als man es gewöhnt.

Das ganze Ergebnis bei Racing Reference.
225040 2011BristolMar_NSCS_Race_Edwards_Busch_SideBySide 2011BristolMar_NSCS_Race_Harvick_Spin 2011BristolMar_NSCS_Race_Hamlin_Vickers_Reutimann_Spin 2011BristolMar_NSCS_Race_Menard_Johnson_Leading 2011BristolMar_NSCS_Race_Bristol_HighAngle_TrackShot

January 29 2011

13:41

Grand Am: 24H von Daytona

Der traditionelle Saisonstart findet in Daytona statt. Das 24H Rennen ist ein Klassiker, bei dem jede Menge Prominenz dabei ist.

Die 24H von Daytona gibt es seit 1966 mit einer kurzen Unterbrechung im 72 (6 Stunden Rennen) und einem Totalausfall 1974 (Ölkrise). Und schon immer war es Tradition, dass das Rennen die Motorsportsaison eines Jahres einläutet. Dem guten und warmen Wetter in Daytona sei Dank, muss man nicht frieren. Über die Jahre haben die Klassen, die dort antreten dürfen, immer wieder gewechselt. Früher waren die Prototypen unterwegs, die man auch aus Le Mans kennt, dann wurden sie verbannt und es fuhr nur die GT Klasse. Seit 2005 gibt es die bekannten, eher nicht so schönen Einheits-Prototypen von Riley, die um den Gesamtsieg kämpfen. Dazu gibt es eine GT-Klasse nach IMSA-Regeln, die aber den europäischen GT2/GT3 Regeln nicht unähnlich sind.

Aber zunächst zur Prototypenklasse, die auch fahrerisch am stärksten besetzt ist. Als Dauersieger (06, 07, 08) und letztjähriges Meisterteam ist wohl Ganassi als erster Siegesanwärter zu nennen. Beide Wagen sind sehr gut besetzt. In der #01 sitzen Joey Hand, Scott Pruett, Graham Rahal und Memo Rojas. Bis auf Rahal alles erfahrerne Langstreckenexperten, Pruett und Rojas haben das Rennen 2008 auch gewinnen können. In der #02 werden sich Scott Dixon, Dario Franchitti, Jamie McMurray und Juan Pablo Montoya abwechseln. Nominell gesehen sollte die #02 stärker besetzt sein, allerdings hat mit McMurray auch einen kleinen Unsicherheitsfaktor im Wagen sitzen.

Die Liste der möglichen Sieger ist allerdings in diesem besonders lang, also wird es nicht für Ganassi. In der #5 sitzen mit David Donohue, Burt Frissel Darren Law und Buddy Rice ebenfalls vier sehr erfahrene Piloten in einem Riley/Porsche. Auf der Pole steht aber das bekannte Flying Lizard Team, die Riley/Porsche einsetzen und auf die Fahrer Jörg Bergmeister, Patrick Long, Seth Nieman und Johannes van Overbeek setzen. Alles sehr erfahrene Leute, die zudem sehr schnell sind und sich die Pole sichern konnten. Die alten Bekannten vom “Suntrust Team” sollte man auch nicht vergessen. Max Angelelli, Ryan Briscoe, Ricky Taylor und Wayne Taylor wurden nur knapp auf Platz zwei verwiesen. Die #99, das Gainsco Team ist mit Jon Fogarty, Alex Gurney und NASCAR Champion Jimmie Johnson besetzt. Dessen Einsätze in Daytona waren bisher allerdings nicht gerade mit rasend viel Erfolg gekrönt. Zu nennen sind auch noch unbedingt Level 5 Motorsport (Riley/BMW) die auf Ryan Hunter-Reay, Raphael Matos, Scott Tucker und Richard Westbrook setzen, die allerdings in der Qualifikation massive Probleme hatten.

Die weiteren Teams sind meist ebenfalls richtig gut besetzt, von daher ist es schwer einen Favoriten auszumachen. Die Pace werden das Ganassi und Suntrust Team vorgeben, vor allem über die Distanz. Aber wie im letzten Jahr kann durchaus ein totaler Außenseiter gewinnen.

In der GT-Klasse geht es ebenfalls sehr international zu. Die Pole holte das TRG Team, unter anderem mit Wolf Henzler am Steuer. Überhaupt waren die Porsche GT3 richtig gut drauf. Auf Platz zwei kam der zweite TRG mit Dominik Farnbacher und Lucas Luhr, erst dahinter der erste, allerdings hoch gehandelte Camaro in dem unter anderem der blitzschnelle Johnny O’Connell seine Runden drehen wird. Die weiteren Plätze werden zunächst von weiteren Porsche und Camaros belegt. Die sonst so dominanten Madzda RX8 haben, zumindest in der Quali, ein wenig den Anschluss verloren. Erst auf Platz 14 findet sich der erste RX8 mit der Familie Nonnamaker am Steuer.

Als Exoten gelten die Ferrari 430 und die beiden BMW M3. Beide werden mit dem Ausgang des Rennens vermutlich nichts zu haben. Wer dieses Jahr gewinnen möchte, muss offenbar in einem Porsche sitzen. Wie üblich wird es in der GT-Klasse lange eng zu gehen, ein Blick auf das Live-Timing lohnt also.

Die Strecke in Daytona ist ja bekannt. Man fährt das gesamte Speedway, allerdings mit einem Infield und einer Schikane vor Turn 3. Das Infield wurde, im Gegensatz zum Speedway, nicht neu asphaltiert. Ich hatte schon befürchtete, dass die unterschiedlichen Beläge zu Problemen führen können, aber bisher hat man in der Richtung nichts gehört. Dennoch wird man abwarten müssen, wie sich das über die Distanz entwickelt.

Startaufstellung und Fahrerbesetzung gibt es hier.
Livetiming gibt es hier
Übersicht über die Übertragungszeiten findet man wie immer in unserer TV-Vorschau

Start des Rennens ist um 21.30 Uhr. SpeedTV startet um 21.00 Uhr mit der Übertragung starten, aber ingesamt “nur” 14 Stunden des Rennens live übertragen. Eurosport 2 überträgt stundenweise.

January 27 2011

16:34

NASCAR: Neue Regeln 2011

Seit Wochen wurde spekuliert, dass die NASCAR ihre Regeln in Sachen Chase und Punktesystem verändern möchte. Und genau das ist tatsächlich eingetreten.

Das es in diesem Jahr Änderungen am Chase-Format geben würde, hatte sich schon im letzten Sommer abgezeichnet. Die Fans waren und sind noch nie so richtig mit dem Chase warm geworden, vor allem, weil im Grunde immer die gleichen Fahrer drin sind und gleichzeitig Lieblinge wie Earnhardt oder Montoya meist nur zuschauen dürfen. Denen gibt man jetzt eine bessere Chance mittels eines Wild-Card Systems. Denn es werden ab sofort die besten 10 Piloten für den Chase ausgewählt, plus zwei, die die meisten Siege haben und die innerhalb der Top 20 platziert sind. Im letzten Jahr hätte so Jamie McMurray den Sprung in den Chase geschafft, David Reutiman und Ryan Newman, die ebenfalls einen Sieg hatten, wären nicht qualifiziert gewesen, weil Kurt Busch auf Platz 11 ebenfalls 2 Siege hatte. Hat keiner der Fahrer zwischen Platz 11 und 20 einen Sieg auf dem Konto, rutschen die Fahrer in den Chase, die punktemäßig auf Platz 11 und 12 liegen. Auch das Punktsystem wurde überarbeitet, und eine sehr interessante Neuerung gibt es jetzt für die Qualifikation.

Ab sofort bekommt der Sieger 43 Punkte, die nachfolgenden Piloten erhalten jeweils einen Punkt weniger, bis der letzte nur noch einen Punkt bekommt. Das soll die Sache übersichtlicher machen. Auch das Bonussystem ist neu. Es gibt weiterhin Bonuspunkte (3) für einen Sieg, einen für eine Führungsrunde und einen für die meisten geführten Runden. So wie ich das verstanden habe, bekommt man die aber nur dann, wenn man das Rennen auch gewinnt. (Winners also can earn an extra point for leading a lap and leading the most laps [Quelle]) Gelingt das nicht, gibt es auch keine Punkte. Die Bonuspunkte für den Sieg gibt es wie immer zu Beginn des Chase.

Änderungen gibt es auch bei der Qualifikation und beim Training. Letzteres wird aufgewertet und ist nun viel wichtiger. Denn die Reihenfolge in der Quali richtet sich nach den Zeiten, die man in den freien Trainings erzielt hat. Der langsamste muss zu erst raus, der schnellste kommt als letzter dran. Das kann, muss aber nicht auf allen Strecken ein Vorteil sein. Fällt die Quali wegen Regen aus, ergibt sich die Startaufstellung ebenfalls aus der Reihung aus dem Training. Bedeutet, dass man schon im letzten Training darauf achten muss, dass man möglichst weit vorne ist. Das ändert vor allem auf den Shorttracks die Herangehensweise der Teams massiv.

Sonstige Änderungen:
- Die Reifensätze im Training werden von sechs auf fünf limitiert
- Es gibt ein neues Tanksystem. Die Kanne hat jetzt ein eigenes Entlüftungssystem, der “Catch-Can-Man” entfällt
- Es gibt eine neue Front am Wagen. Die Streben am Splitter entfallen, die neue Front ist runder. Das soll den Herstellern erlauben, neue Frontpartien einzusetzen. Ford wird vermutlich den Mustang wählen, Chevy evtl. den Camaro, Dodge hat eh den Charger. Nur was Toyota macht ist unklar.
- Die Motoren werden nicht auf Einspritzung umgestellt. Das soll 2012 passieren.

Fazit:
Ein paar gute Ideen von der NASCAR, auch das neue Wild-Card Modell gefällt. Ich hab mal geschaut, wie dass in den letzten Jahren den Chase verändert hätte:

2010: Jamie McMurray statt Jeff Burton
2009: Kyle Busch statt Carl Edwards
2008: Kasey Kahne statt Matt Kenseth
2007: Keine Änderung

Davor waren nur die besten 10 qualifiziert.

Im Grunde werden Siege mehr belohnt. Das Punktsystem und die Wild-Card Option verlangen nun, dass man mehr Siege einfährt, um am Ende eine Chance auf den Chase zu haben. Auf der anderen Seite sieht man, dass die Änderungen meist nur kosmetisch sind. McMurray oder Burton, Kahne oder Kenseth sind, bei allem Respekt, nur marginale Veränderungen, die am Format selber nichts ändern.

Das neue Punktsystem ist gut, wird aber vor allem bei den Statistikfans nicht auch sehr viel Gegenliebe stossen. Auf anderen Seite – es gilt ja erst seit 1975, davor gab es auch ein anderes System. Es ist zumindest besser zu verstehen, als das alte.

Die wichtigste Änderungen dürfte das Training betreffen. Das die Quali-Aufstellung nach dem Ergebnissen im Training ausgerichtet ist und im Notfall so auch die Startaufstellung gefunden wird, verändert für die Teams viel, gerade, wenn man mit Regen rechnen muss. Man hat weniger Zeit für die Rennabstimmung und muss zur Not die Arbeit komplett auf den Samstag verschieben. Sollte es da auch regnen, wird die Arbeit im Rennen groß sein. SpeedTV wird sich auch freuen, denn der Freitag wird damit sehr aufgewertet. Das neue Quali-Format ist auch fairer, nach dem alten System wurde die Startreihenfolge ja nach der Meisterschaftswertung ermittelt.

November 02 2010

07:25

NASCAR: Analyse Talladega Oktober 2010

Das restrictor plate-Rennen in Talladega bot bis auf eine vernünftige letzte Runde eigentlich alles, was ein Superspeedway so herzugeben hat: viele Führungswechsel, ein großes Fragezeichen am Ende und ordentlich Spannung! Die Chase-Tabelle schafft nach diesem Wochenende beste Voraussetzungen für einen engen Titelkampf in den verbleibenden drei Rennen.

In den knapp drei Stunden am Sonntagabend sorgte restrictor place racing für gehörige Action, auch wenn es leider nicht mehr zu einem Zieleinlauf unter grüner Flagge kam. Weil der Kampf um die Führung eingangs von Turn 1 im Moment des Auslösens der Gelbphase noch in vollem Gange war, mussten die NASCAR-Offiziellen zunächst die Videobänder befragen, um einen Sieger zu ermitteln. Zu diesem Zeitpunkt waren zwei two car trains auf dem Weg zur Ziellinie: Clint Bowyer wurde von Juan Pablo Montoya angeschoben und Kevin Harvick bekam einen Push von David Reutimann. Ich werde etwas anders als sonst üblich versuchen, den Weg hin zu diesem Szenario zu beschreiben.

Ein Superspeedway-Rennen kann man schließlich nicht Runde für Runde einzeln zusammenfassen. Wie lautete noch das Zitat aus dem Film Fear & Loathing in Las Vegas? Richtig: „Über dieses Rennen im konventionellen Stil zu berichten, war absurd.“ Denkt man alleine an die 87 Führungswechsel zwischen 26 Fahrern, dann wird einem ganz schwindelig und der Rekord von 88 lead changes aus dem Frühjahr konnte nur ganz knapp nicht geknackt werden. Statt einzelne Phasen genauer zu analysieren, beschränke ich mich deshalb auf die Protagonisten dieses Spektakels und ihre Leides- bzw. Erfolgsgeschichten:

Gleich zu Beginn wurde deutlich, dass die two car trains mal wieder ausgezeichnet funktionierten. Jeff Burton outete sich früh als bester Pusher des Tages und zog mit Matt Kenseth vor der Kühlerhaube dem Feld davon. Burton schob außerdem noch seinen Teamkollegen Clint Bowyer, sowie Dale Earnhardt Jr in Führung, bevor ihn das restrictor plate-Schicksal erwischte. Als Folge einer Uneinigkeit bei der Linienwahl verabschiedete sich Burton in die Mauer und kollidierte dabei ausgerechnet mit Earnhardt, der zuvor seine Superspeedway-Fähigkeiten unter Beweis stellte und insgesamt 24 Runden führte. Für beide Fahrer war daraufhin das Rennen gelaufen, Junior kassierte immerhin noch die Bonuspunkte für die meisten Führungsrunden, da im verbleibenden Renndrittel niemand mehr seine Leistung überbieten konnte. Schade, denn nach Martinsville war Talladega erneut ein Rennen mit Siegchancen für Earnhardt.

Diese Caution war bereits die zweite am Nachmittag, nachdem zuvor AJ Allmendinger zur Rennhalbzeit einen Schubs von Brad Keselowski bekam. Einen Einschlag im Infield konnte der Kalifornier dieses Mal noch verhindern, am Ende des Rennens sah es dann leider ganz anders aus. Dort überschlug er sich im Gewimmel einer größeren Rauferei und krachte kopfüber frontal in die innere SAFER-Barrier, passiert ist Allmendinger dabei glücklicherweise nichts. Damit war er aber Urheber der letzten Gelbphase des Rennens und das ausgerechnet kurz nach dem Schwenken der weißen Flagge. Weil nun keine Verlängerung mehr möglich war, musste der Schlusssprint abgebrochen werden.

Ansonsten blieben die restlichen drei Gelbphasen mit einer Ausnahme unspektakulär: Bevor Caution #4 und #5 wegen Debris ausgerufen wurden, flog Marcos Ambrose nach einem Bump von Clint Bowyer ab und landete dabei unglücklich vor der Stoßstange von Kevin Harvick, der einige kosmetische Schäden an seiner Front erlitt. Um die Aerodynamik wieder zu kitten, kam NASCAR-üblich Blechstreifen und Klebefolie zum Einsatz. Dass sein Auto noch gut lief, konnte er mit der späteren Siegchance anschließend untermauern.

Da die Namen Burton, Harvick und Bowyer nun schon des Öfteren fielen, kann man erahnen, dass die Richard-Childress-Truppe sich in Talladega leistungsmäßig besonders gut geschlagen hat. Das lag nicht zuletzt an den Motoren aus der Schmiede von Earnhardt-Childress Technologies, welche auch das Team von Earnhardt-Ganassi Racing beliefert. Juan Pablo Montoya und Jamie McMurray zeigten sich als weitere Siegkandidaten und harmonierten besonders im teaminternen two car train exzellent. Montoya ließ sich nach einer Führungsrunde zu Beginn schnell ans Ende des Feldes zurückfallen, um einem möglichen big one zu entgehen. In Kooperation mit McMurray konnte er gegen Halbzeit wieder vorstoßen und weitere 17 Runden führen. Während sein Teamkollege sich die #1 später durch einige unvorteilhafte Kontakte beschädigte und die anfängliche Leistung nicht mehr abrufen konnte, war Montoya im unterbrochenen Finale mit Siegchancen hinter Clint Bowyer zu finden. McMurray verlor in der Folge fünf Runden wegen notwendiger Reparaturarbeiten.

An diesem Wochenende waren die Augen aber natürlich besonders auf die Top3 der Chase-Tabelle gerichtet: Während Kevin Harvick wie erwartet gut abschnitt und sogar um den Sieg kämpfte, musste Denny Hamlin einen temporären Rückschlag hinnehmen. Zur Halbzeit verlor er den Draft und fing sich eine Runde Rückstand ein. Während Rusty Wallace rätselte, warum denn kein Toyota-Mann zu Hamlins Unterstützung zurückbeordert wurde, wusste Dale Jarrett die logische Antwort: Zum einen wartete man zu lange, um etwaige Teamkollegen zurückfallen zu lassen. Hamlin verlor pro Runde drei Sekunden auf das Hauptfeld, womit er schnell außer Reichweite gelangt war. Zum anderen kann bei einem solchen Abstand nicht dauerhaft durch einen two car train Boden gutgemacht werden. Die Motoren überhitzen dabei mit wenig Frischluftzufuhr recht schnell, so dass nach 1-2 Runden die Positionen getauscht werden müssen und das kostet wiederum zusätzliche Zeit.

So blieb es Hamlin selbst überlassen, sich mit dem lucky dog seine Runde zurückzuholen, was ihm in Gelbphase #3 dann auch gelang. Am Ende reichte ihm ein neunter Platz, um den Rückstand hinter Jimmie Johnson nur weitere acht Pünktchen anwachsen zu lassen. Tabellenführer Johnson verfolgte eine ähnliche Taktik wie Montoya und ließ sich ebenfalls hinter das Hauptfeld zurückfallen. Knappe 20 Runden vor Schluss bekamen Johnson und sein Teamkollege Jeff Gordon dann das Zeichen von Crew Chief Chad Knaus, nach vorne durchzubrechen. Innerhalb weniger Umläufe kamen sie tatsächlich mit einer echten Meisterleistung in Top5-Nähe, doch der Öldruck der #24 drohte durch den two car train in astronomische Höhen zu entschwinden. Gordon ließ sich daraufhin zurückfallen und erreichte noch den achten Platz. Für Johnson war ebenfalls Schluss, er musste sich mit Rang 7 zufrieden geben, weil ihn unverwunderlicherweise niemand mehr anschieben wollte.

Um das große Fragezeichen vom Anfang dann doch noch aufzulösen: Clint Bowyer gewann schließlich das Talladega-Rennen, weil Montoya ihn eingangs von Turn 1 beim Auslösen der Gelbphase schon an Kevin Harvick vorbeigeschoben hatte. Minutenlang war der Ausgang des Rennens unklar und kuriose Szenen spielten sich auf dem Apron vor der Boxengasse ab: Zunächst fuhren die RCR-Teamkollegen Bowyer und Harvick Fahrerfenster-an-Fahrerfenster nebeneinander und gaben sich freundschaftlich die Hand. Als es Bowyer dann mit dem Warten zu blöd wurde, drehte er gleich mal provisorisch seine Siegerdonuts, nach denen NASCAR ihn dann endlich als Sieger bestätigte. So gab es zwar keinen nervenzerreißenden Schlusskampf in der letzten Runde, jedoch ein spannendes Warten auf die Verkündigung des Ergebnisses. Alles in allem hätte aber auch nur diese letzte Runde zu einem wirklich perfekten Rennen gefehlt. Das Talladega-Chase-Rennen war das bisher beste Rennen in den Playoffs, nachdem zuvor Martinsville schon die Latte recht hoch gelegt hatte.

Weitere Ergebnisse:
- David Reutimann und Joey Logano konnten in die Top5 fahren, Martin Truex Jr auf den sechsten Platz und Brad Keselowski komplettierte die Top10.
- Kyle Busch führte wenige Runden vor Schluss noch, fiel dann aber bis auf Platz 25 zurück. Damit sind seine Meisterschaftschancen nun wohl auch gleich Null.
- Schlechter erwischte es im Chase außer Jeff Burton (41.) nur Kurt Busch (30.) und Tony Stewart (31.). Kurt tauchte zwischenzeitlich mal in den Top5 auf, konnte sich zum Schluss aber nicht mehr nach vorne durchdrücken. Stewart lag zwischenzeitlich zwei Runden zurück, holte sich die Umläufe aber mittels wave around und lucky dog wieder zurück. Er beendete das Rennen am Ende der lead lap.
Die komplette Ergebnisliste habe ich hier bei Jayski.com verlinkt, denn die ist immer ganz übersichtlich.

Damit verbleiben noch drei Rennen im Chase 2010: Zunächst geht es nach Texas auf das 1,5-Meilen-Oval in Fort Worth, wo auch die IndyCars regelmäßig unterwegs sind. Die letzten beiden Meisterschaftsläufe finden in Phoenix und Homestead statt. Die ersten beiden Strecken gehören dabei definitiv zu den starken Ovalen von Jimmie Johnson, vor allem in Phoenix hat er im Chase nie schlechter als auf Platz 2 abgeschnitten, wenn er später Meister wurde. Die letzten drei Playoff-Rennen dort gingen an Johnson. In Texas kam er 2006 und 2007 auf Rang 1 und 2 an, danach schwächelte er etwas und erreichte 2008 nur Platz 15. Im letzten Jahr wurde er Opfer eines Unfalls und musste Platz 38 einstecken, was beinahe seine vierte Meisterschaft in Gefahr brachte. In Homestead fehlt Johnson noch ein Sieg und in seinen Meisterjahren wurde er dort bestenfalls Fünfter. Das mag aber damit zusammenhängen, dass ihm im letzten Rennen des Jahres jeweils ein solides Ergebnis reichte und er nicht auf Sieg fahren musste.

Die einzigen verbliebenen ernsthaften Verfolger von Johnson sind nun Denny Hamlin (-14) und Kevin Harvick (-38), noch dazu mit einem verschwindend geringen Rückstand. Alle anderen Piloten ab Jeff Gordon (-207) haben wohl nur noch rechnerische Titelchancen. Auch Hamlin und Harvick müssen sich auf den verbleibenden Strecken nicht verstecken, denn sie können ebenfalls so Fabeljahre inkl. einer guten Serie in Texas, Phoenix und Homestead vorweisen. Hamlin gelang dies im letzten Jahr (2/3/1) und auch 2006 (10/3/3) war er recht ordentlich unterwegs. Harvick legte 2006 (3/1/5) und 2008 (7/7/2) jeweils nur Top10s hin. Das wird in den nächsten drei Wochen also noch ziemlich interessant werden, zumal es auch zu diesem Zeitpunkt im Chase nie so eine enge Situation gab.

Ein Wort noch zu den Top35: Weil Travis Kvapil die Qualifikation verpasst hat, verlor die #38 von Front Row Motorsports wichtige Punkte in der Owner-Wertung. Gleichzeitig legte Robby Gordon einen guten Platz 18 in Talladega vor und überholte damit sogar die #71 von TRG Motorsports, welche Chad McCumbee am Wochenende auf Rang 22 ins Ziel brachte. Damit liegt die #38 jetzt 116 Punkte hinter der #71, was vermutlich in dieser Saison nicht mehr aufzuholen sein wird. Robby Gordon Motorsports und die anderen beiden Teams von FRM liegen innerhalb von 151 Punkten vor dem Cut. Das ist zwar eng, aber wahrscheinlich bereits genug.

217154 2010_Talladega_Oct_NSCS_prerace_Johnson_family_on_pit_road 2010_Talladega_Oct_NSCS_field_coming_to_green 2010_Talladega_Oct_NSCS_green_flag 2010_Talladega_Oct_NSCS_Jeff_Burton_kicks_car 217153 2010_Talladega_Oct_NSCS_racing_action 2010_Talladega_Oct_NSCS_on_track_Clint_Bowyer_Kevin_Harvick 2010_Talladega_Oct_NSCS_Clint_Bowyer_burnout 2010_Talladega_Oct_NSCS_Clint_Bowyer_Kevin_Harvick_handshake AMP Energy Juice 500 Web OnTheBubbleNSCS2010_33Talladega

October 29 2010

06:17

NASCAR: Vorschau Talladega Oktober 2010

An diesem Wochenende steht Chase-Rennen Nummer 7 in Talladega auf dem Plan. Der Superspeedway wird vermutlich die Vorentscheidung für den Endspurt über die drei Rennen in Texas, Phoenix und Homestead liefern. ACHTUNG: Start schon um ca. 18:15 Uhr.

Die sehr beliebten „restrictor plate“-Rennen auf den Superspeedways von Daytona und Talladega zählen jährlich zu den absoluten Highlights des NASCAR-Kalenders. Der Talladega Superspeedway ist mit 2,66 Meilen Länge und einem extremen Banking von 33° ein wahres Monster in der Landschaft. Diese Daten machen enorme Geschwindigkeiten möglich, die mit den erwähnten „restrictor plates“ eingebremst werden müssen. Im verlinkten Artikel zur Strecke selbst ist neben einer kleinen Beschreibung des Ovals auch zu finden, warum NASCAR seinerzeit diese Begrenzung einführte. Diese Art von Rennfahren zeichnet sich durch eine Besonderheit aus, das sogenannte „bump drafting“. Der folgende Abschnitt, in welchem diese Fahrtechnik erklärt wird, entstammt der Talladega-Vorschau vom Frühjahr – schließlich muss ich die Welt ja nicht neu erfinden:

Möglich wird das Windschattenfahren in großen Pulks durch die „restrictor plates“, die Luftmengenbegrenzer, welche die Motorleistung halbieren und die Geschwindigkeit aus Sicherheitsgründen unter der 200mph-Marke halten sollen. 430 statt 750 PS sorgen außerdem dafür, dass kein Fahrzeug sich vom Rest des Feldes absetzen kann und dass „bump drafting“ möglich wird. Wegen der geringen Motorleistung ist es effektiver, kollektiv den Luftwiderstand zu bezwingen und dadurch wieder an Geschwindigkeit zu gewinnen. Der vorausfahrende Wagen einer Kolonne reißt ein Loch in die Luft und ermöglicht es somit seinem Verfolger, ohne Widerstand noch schneller zu werden. Er „bumpt“ dann das vor ihm liegende Fahrzeug von hinten an und erhöht dessen Geschwindigkeit durch exzessives Anschieben. Ein volles Feld mit 43 Startern ist dann gut und gerne fast 10mph schneller als ein Einzelkämpfer, weshalb sogar mehrere Teams unter grün gemeinsam an die Box kommen, um den „Draft“ – also den Anschluss an das Hauptfeld – nicht gänzlich zu verlieren.

Dieses extrem enge Racing jenseits der 300km/h ist nicht ganz ungefährlich: Ein kleiner Fehler eines einzelnen Piloten im Pulk kann eine Kettenreaktion auslösen, welche das halbe Feld aus dem Rennen nimmt. Diese Massenkarambolagen sind auch als „big ones“ bekannt und für gewöhnlich kommt es pro Superspeedway-Rennen zu mindestens einem größeren Ereignis. Als viertletztes Saisonrennen ist Talladega natürlich eng in die Meisterschaftsentscheidung eingeflochten, was bei den unsicheren Bedingungen des „restrictor plate“-Racings die Punktetabelle schon einmal mächtig durcheinanderwirbeln kann. Aus diesem Grund werden die Chase-Rennen in Talladega meist etwas verhaltener ausgetragen. So kann es vorkommen, dass im Mittelteil des Events ca. 100 Runden „single file“ – also in einer Kolonne wie auf der Perlenschur aufgereiht – gefahren wird, um einen „big one“ zumindest vorzeitig zu vermeiden.

Trotzdem sind die Superspeedway-Rennen immer spektakulär und sei es auch mal nur wegen der rundenlangen Rad-an-Rad-Duelle auf gerne mal drei parallelen Linien nebeneinander. Auch die Schlussphasen zeichnen sich fast ausnahmslos durch große Turbulenz aus, alleine das Frühjahrsrennen in Talladega nutze zum ersten Mal seit deren Einführung alle drei „green-white-checkered“-Verlängerungen aus. Dazu gilt seit diesem Jahr auch das „bump“-Verbot in den Turns nicht mehr, was 2010 wieder mehr Action in die Rennen gebracht hat. Zudem veränderte auch die Wiedereinführung des Heckspoilers die Fahrgewohnheiten, was bedeutet, dass wir uns am Wochenende höchstwahrscheinlich wieder auf die „two-car tangos“ freuen dürfen. Die Beschreibung dazu aus einer diesjährigen Analyse:

[Der „two-car tango“ beschreibt] das Phänomen, dass zwei Wagen die exakt Stoßstange an Stoßstange fahren, einfach mal bis zu 10mph schneller unterwegs sein können als der Pulk mit weit mehr als 20 Autos. [...] Machbar ist so ein „two-car train“ allerdings nur ca. eine Runde lang, weil der Hintermann so gut wie keine Luft auf den Kühler bekommt und die Motortemperatur doch schlagartig in gefährliche Bereiche abdriftet. [...] Da der Pulk allerdings nicht so präzise hintereinander fahren kann wie eben zwei Wagen gemeinsam, tritt der Vorteil deutlich hervor.

Im letzten Jahr ließ sich diese Technik vor allem in den Schlussrunden immer wieder beobachten, aber seit dem Wechsel zum Spoiler wird auch während der Überlebensphase exzessiv davon Gebrauch gemacht. Oft kämpfen dann zwei konkurrierende „trains“ in den letzten beiden Runden um den Vorteil, nur damit sich der siegreiche Verbund auf den letzten Metern auflöst und selbst bekriegt. Wie man unschwer erahnen kann, bin ich total für das Rennen am Sonntag gehypt. Hoffentlich hält Talladega, was Superspeedway-Racing verspricht und wir erleben einen spannenden Abend – möglichst nicht auf Kosten der Sicherheit! Es ist doch immer noch so gefährlich, dass man das Beste hoffen muss. Ich erinnere mich da nur an den Abflug von Carl Edwards in den Fangzaun im letzten Jahr und sowas braucht keiner.

Weil wieder die „restrictor plates“ auf den Vergaser geschraubt werden, ist eine genauere Vorhersage der Siegkandidaten noch schwieriger als ohnehin schon. So spektakulär und spannend es doch ist, meistens ist es pures Glück, am Ende alle „big ones“ überstanden zu haben und mit einem guten Drafting-Partner im Vorderfeld unterwegs zu sein. Schauen wir uns also an, wer diese besondere Art von Racing besser beherrscht, als der Rest. Dazu krame ich mal die – in letzter Zeit eher seltener eingebrachte – Liste der bisherigen noch aktiven Sieger hervor:

1. Jeff Gordon (6)
2. Dale Earnhardt Jr (5)
3. Mark Martin (2)
4. Tony Stewart, Brian Vickers, Michael Waltrip, Brad Keselowski, Kyle Busch, Bobby Labonte, Jimmie Johnson, Jamie McMurray und Kevin Harvick (je 1)

Die letzten beiden Superspeedway-Rennen des Jahres gewann bekanntlich Kevin Harvick, der mit einem Sieg am Wochenende weiteren Schwung in die Meisterschaft bringen könnte. Das Daytona 500 2010 und das Talladega-Rennen vom letzten Herbst beendete Jamie McMurray siegreich, der in diesem Jahr eine Wahnsinns-Saison hingelegt hat; auch mit ihm muss man also rechnen. Dazu kommen die echten Spezialisten, wie Dale Earnhardt Jr und Tony Stewart, mit denen man bei jedem „restrictor plate“-Event rechnen muss.

Fahrer mit auffallend guter Talladega-Statistik sind Mark Martin, Clint Bowyer, Jeff Burton, Kurt Busch, Ryan Newman, Joey Logano, David Ragan und Brad Keselowski. Für alle diese Piloten gilt: Wenn sie in den letzten Jahren nicht durch einen Unfall aus dem Rennen genommen wurden, kamen sie mit großer Häufigkeit auch in den Top10 an. Vor allem bei David Ragan fällt mir ins Auge, wie gut er auf den Superspeedways unterwegs ist. In den 19 Starts in Talladega und Daytona fuhr er ein Drittel seiner Top10s und die Hälfte der Top5s heraus, obwohl diese beiden Strecken nur 13% seiner insgesamt gefahrenen 142 Rennen ausmachen. Auf diesem Roush-Fahrer sollte man am Wochenende also ein Auge behalten, schließlich kam er in Talladega nie schlechter als auf Platz 17 ins Ziel, wenn ihn kein „big one“ erwischte.

Bei den anderen drei Roush-Piloten sieht es dagegen nicht so rosig aus, sieht man mal von einigen Lichtblicken, wie dem Daytona-500-Gewinn von Matt Kenseth oder Carl Edwards‘ Fast-Sieg vom vergangenen Frühjahrsrennen in Talladega, ab. Edwards konnte aus zwölf Dega-Rennen nur insgesamt drei Top10-Ergebnisse mitbringen, Kenseth aus 21 Rennen nur deren sechs. Greg Biffle kommt erst seit dem letzten Jahr in Talladega in Schwung, wo ihm zwei Top10s gelangen. Das sind im Übrigen auch seine einzigen beiden derartigen Resultate auf dieser Strecke.

Wirklich interessant wird es jetzt bei den Top5 der Meisterschaftstabelle:

- Jeff Gordon (-203) hat knapp über 200 Punkte Rückstand auf den Spitzenreiter Jimmie Johnson und müsste sich am Wochenende schon mit einem Sieg wieder zurück ins Geschehen bringen. Seine letzten beiden Erfolge stammen aus dem Jahr 2007, wo er beide Talladega-Rennen der Saison gewann. Danach reichte es für ihn nur noch zu zwei knappen Top20-Resultaten. Gewinnt Gordon am Sonntag nicht, ist der Titel für ihn gegessen.

- Kyle Busch (-172) beendete fünf seiner ersten sechs Talladega-Rennen überhaupt nicht, brachte danach aber nur Top15-Resultate (u.a. ein Sieg) nach Hause, wenn er in der Führungsrunde ins Ziel kam. Auch für ihn gilt: Ein Sieg am Wochenende ist Pflicht! Busch weiß wie es geht und wenn er nicht in einen „big one“ verwickelt wird, ist das auch möglich.

- Kevin Harvick (-62) gewann wie oben erwähnt die letzten beiden Superspeedway-Rennen im Kalender, ist in Talladega aber in den vergangenen Jahren recht unregelmäßig unterwegs gewesen. Selbst wenn er dem „big one“ fernblieb, war das keine automatische Top10-Garantie. Ihm könnte zwar auch ein Top5-Resultat reichen, um in der Meisterschaft dran zu bleiben, doch dieses Rennen stellt natürlich seinen letzten Trumpf dar.

- Denny Hamlin (-6) machte mit dem Sieg in Martinsville am vergangenen Wochenende eine Menge Punkte auf Jimmie Johnson gut. Hamlin fuhr in den letzten sechs Talladega-Rennen mit einer Ausnahme immer in die Top4, wenn er einen planmäßigen Nachmittag ohne Überraschungen erlebte. In den drei Rennen davor (seine ersten drei Dega-Auftritte) gelangen ihm jedoch keine Top20-Ergebnisse. Hamlin braucht am Sonntag einen guten Punktetag, wie man ihn von Jimmie Johnson kennt. Um auf Augenhöhe zu verbleiben, muss er also die Top5 anvisieren. Ein Sieg erscheint mir nicht so realistisch, dafür ist Hamlin einfach kein wirklicher „restrictor plate“-Fahrer. Die Superspeedways sind mit Abstand seine schwächsten Strecken, die Shorttracks seine besten.

- Jimmie Johnsons Führung vor Denny Hamlin ist denkbar knapp, so dass er sich in Talladega keinen Ausfall leisten kann. Für Johnson gilt: Wenn er nicht in einen „big one“ verwickelt wird, kommt er in den Top10 an. Seit 2006 schaffte er dies in fünf von sechs unfallfreien Rennen, drei Mal war sein Auftritt vorzeitig beendet. Von diesen fünf Top10s waren vier auch gleichzeitig Top6-Resultate. Johnson braucht „lediglich“ eines seiner guten Punktewochenenden, denn mit Phoenix und Texas folgen noch zwei seiner starken Strecken im Chase. Dass er dazu in der Lage ist, hat er in den letzten fünf Playoff-Rennen bewiesen, denn das waren allesamt Top5-Zielankünfte.

Alles in allem gilt also: Die drei Verfolger Jeff Gordon, Kyle Busch und mit Abstrichen Kevin Harvick brauchen am Wochenende einen Sieg, um weiter eine Chance auf den Titel zu behalten. Ihr Rückstand nach Talladega muss kleiner als 100 Punkte werden, um in den letzten drei Rennen noch etwas erreichen zu können. Für die beiden Fahrer an der Spitze, Jimmie Johnson und Denny Hamlin, genügt in Talladega ein guter Punktetag, um den Vorsprung nicht zu sehr einschmelzen zu lassen. Hier zählt nicht volles Risiko, sondern eher das Heraushalten aus allen Scharmützeln.

Zum Abschluss habe ich noch drei „dark horses“ für das Wochenende: Juan Pablo Montoya, Marcos Ambrose und Scott Speed. Allen drei NASCAR-Newcomern liegen die Superspeedways laut Statistik besser als die Intermediate-Ovale. Bei Speed sind die SSWs sogar die mit Abstand besten Strecken für ihn. Ambrose und Speed haben in ihren bisher drei Talladega-Rennen schon jeweils ein Top5-Ergebnis einfahren können. Montoya holte im Frühjahrsrennen einen dritten Platz und konnte sich 2008 sogar einmal auf Rang zwei schieben. Die anderen Ergebnisse waren leider weniger gut, aber wenn einer dieser drei Piloten einen guten Tag erwischt, dann sind auch Top-Platzierungen drin.

Nach der Talladega-Chase-Statistik und den derzeitigen Punkteständen in Playoff-Tabelle und Owner-Wertung kommen wie immer noch die Ausstrahlungsdaten fürs Wochenende. Vor allem der Freitagabend bietet ordentlich „restrictor plate“-Action in den Freien Trainings. Zur Unterstützung ist die Truck-Serie ebenfalls in Talladega unterwegs, die Nationwide Series macht hingegen eine Woche Pause. ACHTUNG, nicht vergessen: Aufgrund der Winterzeitumstellung sind wir ab Sonntag nur noch fünf Stunden vor den USA, deswegen beginnt das Rennen schon um ca. 18:15 Uhr. Dasselbe gilt für den Freitag und Samstag am nächsten Wochenende in Texas, während das Rennen wieder mit der normalen Differenz stattfindet.

Noch kurz zur aktuellen Situation von Richard Petty Motorsports: Mehrheitsbesitzer George Gillett hat seine Anteile an einigen Unternehmen veräußert, die ein Ski Resort in den USA betreiben. Dabei kamen 63 Millionen US-Dollar zusammen, weit weniger als Gillett erwartet hatte. Der Unternehmer schuldet der Wachovia Bank noch 70 Millionen US-Dollar, die er sich für die Übernahme von Evernham Motorsports vor einigen Jahren geliehen hatte. Dabei ist der Verkauf noch nicht einmal komplett abgewickelt, denn Ray Evernham bekommt nach wie vor Geld von Gillett. Die Zahlung der Raten soll laut dem ehemaligen Besitzer allerdings bisher regelmäßig erfolgt sein.

Gillett gehörte auch ein Teil des FC Liverpool, doch diese Beteiligung musste er auf Druck der Royal Bank of Scotland verkaufen, von der er sich ebenfalls Geld für das Investment in den Fußballverein geborgt hatte. Gerüchten zu Folge sind die Verbindlichkeiten seines NASCAR-Teams bereits so groß gewesen, dass ohne diese beiden Verkäufe schon vor dem Rennen in Talladega bei RPM die Lichter ausgegangen wären. Es ist noch nicht 100%ig sicher, ob das Team die Saison planmäßig beenden kann, momentan werden jedenfalls händeringend Investoren gesucht. Richard Petty selbst plant angeblich eine Übernahme des nach ihm benannten Teams. Paul Menard ist durch das garantierte und direkte Sponsorengeld seines Vaters jedoch von diesen Gefahren ausgenommen.

Ausstrahlungsdaten

Freitag, 29.10.
16:00 Uhr, Truck Series Final Practice, SPEED
20:00 Uhr, Sprint Cup Series Practice, SPEED
21:30 Uhr, Sprint Cup Series Final Practice, SPEED
22:40 Uhr, Truck Series Qualifying, SPEED

Samstag, 30.10.
18:00 Uhr, Sprint Cup Series Qualifying, SPEED
21:00 Uhr, Truck Series Rennen (Mountain Dew 250), SPEED

Sonntag, 31.10.
18:00 Uhr, Sprint Cup Series Rennen (Amp Energy Juice 500), ESPN

October 18 2010

23:05

NASCAR: Analyse Charlotte Oktober 2010

Jamie McMurray sorgte für eine Überraschung und gewann in Charlotte sein drittes Saisonrennen nach Daytona und Indianapolis. Obwohl Kyle Busch den Sieg verpasste, machte er einen Satz in der Punktetabelle. Allerdings verfolgen nun nach der Hälfte der Chase-Rennen nur noch zwei Fahrer Jimmie Johnson innerhalb von 100 Punkten.

Drei Fahrer stritten sich am Wochenende auf dem Charlotte Motor Speedway um den Sieg im „Bank of America 500“: Kyle Busch, Jamie McMurray und Jimmie Johnson. Weil das Auto von McMurray zum Ende des Rennens immer besser wurde und ein paar späte Gelbphasen das Feld wieder zusammenrückten, musste der jüngere Busch-Bruder den Sieg auslassen, obwohl er zuvor die meisten Rennrunden geführt hatte. Johnson wurde zum Verhängnis, dass die letzte Gelbphase seinen starken „long run“ abbrach, nachdem er schnell auf seine beiden Vordermänner an der Spitze des Feldes aufschloss. Aber eins nach dem anderen – das Rennen beginnt schließlich mit dem Start:

Das erste Renndrittel wurde durch drei Gelbphasen bestimmt, denen die ersten Boxenstopps unter grüner Flagge folgten, nachdem sich das Geschehen etwas beruhigte. Die erste Caution wurde schon in Runde 2 durch Ryan Newman ausgelöst, der seinen Chevrolet mit Übersteuern in der Mauer versenkte. Sein Rennen war damit vorzeitig gelaufen, jedoch konnte er nach einer Reparaturpause wenigstens durchfahren – wenn auch mit Rundenrückstand. Während der ersten „pit stops“ konnten Tony Stewart und Carl Edwards beim Anfahren bzw. Verlassen ihrer jeweiligen „pit stalls“ nur knapp eine Kollision vermeiden.

Gelbphase Nummer 2 folgte in Umlauf 24, weil Kurt Busch ebenfalls mit Übersteuern zu kämpfen hatte. Jedoch hatte er mehr Glück als sein ehemaliger Teamkollege und hielt sich von allen Hindernissen fern, sodass ein Reifenwechsel als anschließende Therapie genügte. Trotzdem sollte der ältere Busch-Bruder am Ende des Tages der schlechteste Chaser in Charlotte bleiben.

Kurze Zeit später, in Runde 33, erwischte es dann ausgerechnet Jimmie Johnson schon früh im Rennen. Er beschädigte die #48 bei seinem Dreher aber nicht und konnte nach dem Auffassen neuer Reifen wieder ins Renngeschehen eingreifen. Sein unwiderstehlicher „rebound“ sicherte ihm später das vierte Top3-Ergebnis in bisher fünf Chase-Rennen.

Während der drei Gelbphasen zu Rennbeginn zeigte sich, dass die Strecke in Charlotte den Teams die Möglichkeit anbot, nur zwei Reifen zu wechseln, ohne zu viel Abtrieb zu verlieren. Dieser taktische Kniff wurde später im Rennen des Öfteren genutzt, um wertvolle „track position“ gut zu machen. Nachdem nun alle Fahrer genug Zeit hatten, sich und ihre übersteuernden Autos auf die nächtlichen Bedingungen einzustellen, kam das Rennen in einen guten Fluss. 70 Runden unter Grün folgten, was bei einem Benzinfenster von 50 bis 55 Umläufen dann natürlich auch „green flag stops“ bedeutete.

Zu diesem Zeitpunkt führte Kyle Busch das Rennen an, nachdem er sich recht früh an Jeff Gordon vorbeisetzen konnte und meldete damit erste Ansprüche auf die Fahrt in die „victory lane“ an. Nach den Boxenstopps unter grüner Flagge zwischen Runde 75 und 84 meldete Kyle plötzlich über Funk, dass er Probleme mit seinem Gaspedal habe, welches zeitweilig auf halber Stellung stecken blieb. Mit Hilfe des „kill switches“, welcher seinerzeit nach den tödlichen Unfällen von Kenny Irwin Jr und Adam Petty in New Hampshire als Sicherheitsvorkehrung für solche Zwischenfälle eingeführt wurde, konnte er jedoch das Problem umgehen und gleichbleibend schnelle Rundenzeiten fahren.

Ob solch ein Verhalten nun besonders sicher ist, möchte ich anzweifeln. Vielmehr sollte das direkt eine schwarze Flagge seitens NASCAR nach sich ziehen, um den Schaden im Sinne der Sicherheit sofort beheben zu lassen. Zwanzig Runden hatte Busch mit dem Gaspedal zu kämpfen, verteidigte aber weiterhin seine Führung, bevor sich das Problem urplötzlich wieder in Luft auflöste und genauso schnell wieder verschwunden war, wie es kam.

Zum Abschluss des ersten Renndrittels rief NASCAR eine Debris-Caution aus, die wieder Boxenstopps ermöglichte. Dabei kamen sich diesmal Jimmie Johnson und Clint Bowyer bedrohlich nahe. Kyle Busch führt das Feld anschließend zum Restart und bekräftigte weitere zehn Runden seine Siegesambitionen.

In Runde 123 eröffnete Kasey Kahne das zweite Renndrittel mit einem Dreher in die Mauer, wobei er ebenfalls Sam Hornish Jr mit abräumte, der sich danach verständlicherweise enttäuscht zeigte. Kasey Kahne war bereits vor dem Rennen gesundheitlich angeschlagen und hatte sich laut eigener Aussage nach seinem Unfall auch übergeben müssen (vermutlich nicht im Rennen). Deshalb suchte sich Richard Petty Motorsports einen Ersatzfahrer für die wieder zusammengeflickte #9 und die Wahl fiel auf JJ Yeley, welcher den Tommy-Baldwin-Chevy mit der #36 im Rahmen eines „start & park“-Einsatzes bereits abgestellt hatte.

Aufgrund unterschiedlicher Strategien gewannen einige Fahrer bei den – teils nicht genutzten – Boxenstopps eine Menge „track position“ und verbannten Kyle Busch aus den Top5. Den Restart führte Mark Martin vor Martin Truex Jr, Jamie McMurray, Juan Pablo Montoya und Jimmie Johnson an und damit war der spätere Sieger McMurray erstmals in den Top5 angekommen. Montoya brachte sich nach einem „two tire stop“ in der vorangegangenen Gelbphase in die Top10 und Johnson verzichtete gleich ganz auf einen Boxenstopp, um nach seinem frühen Dreher wieder in die Spitzengruppe vorzustoßen.

Fünf Runden nach dem Restart konnte sich McMurray auch schon das erste Mal in die Führungsposition schieben, als er Mark Martin überholte. Weitere „green flag stops“ folgten zu Beginn der zweiten Rennhälfte zwischen Runde 168 und 179, wobei sich neben anderen Fahrern auch Kyle Busch kurz während der üblichen Rotation wieder in Führung befand. Jamie McMurray ließ bei seinem Boxenstopp eine Veränderung am Reifendruck der #1 vornehmen, was seinem Handling aber eher schadete als nützte. Die Folge davon war, dass Jimmie Johnson sich in Runde 189 als dritter ernsthafter Siegkandidat ins Spiel brachte und das Feld bis zur nächsten Gelbphase anführen konnte.

Diese löste Marcos Ambrose mit einem Dreher ausgangs Turn 4 aus, was dem Feld erneut einen Boxenstopp ermöglichte. Dieses Mal arbeite die Mannschaft von Kyle Busch am schnellsten und beförderte ihn wieder in Führung. Der Restart läutete das letzte Renndrittel ein, welches noch drei weitere Gelbphasen enthalten sollte.

Buschs schnell herausgefahrene Führung löste sich kurz vor Caution #7 – verursacht durch die #7 mit Robby Gordon am Steuer – in Luft auf, als Jamie McMurray wieder am Heck des Toyotas mit der #18 klebte. Nach dem Restart dauerte es nur drei Umläufe, bevor in Runde 246 erneut eine Gelbphase ausgelöst wurde. Jeff Burton musste einen Dreher durchstehen, der ihn sämtlicher visueller Wahrnehmung beraubte, weil der Qualm der blockierenden Reifen das komplette Cockpit vernebelte. Mit Hilfe seines Spotters gelang er letztlich aber noch an die Box, ohne eine Kollision auszulösen, während sich der Rauch langsam auflöste.

Der Restart erfolgte in Runde 250 und sah Kyle Busch, Jimmie Johnson und Jamie McMurray in Front des Restfeldes. Weil noch 84 Umläufe zu absolvieren waren, mussten die Teams zu einem letzten Boxenstopp antreten, welcher zwischen Runde 291 und 299 stattfand. Kurz zuvor unterstrich McMurray noch ein letztes Mal seinen Siegeswillen, als er Johnson kassierte und für den Rest des „runs“ langsam aber sicher den Vorsprung von Busch wegknabberte.

Die letzte Gelbphase löste NASCAR in Runde 308 aus, übrigens erneut wegen Trümmerteilen auf der Rennstrecke. Darüber waren weder Kyle Busch noch Jimmie Johnsons Crew Chief Chad Knaus erfreut, wobei ich zumindest bei Buschs Ärger so meine Bedenken habe: McMurray war zu diesem Zeitpunkt klar schneller und hätte in den verbleibenden 26 Runden sicher auch so einen Weg vorbei an der #18 gefunden. Nach dem letzten Restart dauerte es dann keine komplette Runde, bis McMurray die #1 in Führung bugsiert hatte und letztendlich sein drittes Saisonrennen gewinnen konnte. Dabei vergrößerte er den Abstand auf Kyle Busch noch bis zur Zieldurchfahrt kontinuierlich.

Für McMurray war der Erfolg ein großer Segen, vor allem von himmlischer Seite, wie er im Siegerinterview erklärte. Da mag man nun denken wie man will, aber zu gönnen ist ihm der Erfolg in jedem Fall. Nach den Siegen im Daytona 500 und dem Brickyard 400 hatte McMurray eigentlich in diesem Jahr schon alles erreicht, was sich so erträumen ließe, doch ein weiterer Saisonerfolg setzt dem sicherlich noch die Krone auf. Alles in allem hat man in diesem Jahr gesehen, wo Earnhardt-Ganassi Racing stehen kann, wenn die kleinen Fauxpas und das Pech nicht dazukommen. Juan Pablo Montoya und Jamie McMurray hätten durchaus eine Teilnahme am Chase erreichen können und Montoyas erster Ovalsieg liegt weiterhin in greifbarer Nähe, auch wenn in Charlotte nicht alles so super für ihn lief; immerhin ist es eine seiner schwächeren Strecken.

EGR hat meiner Meinung nach insgesamt dasselbe Leistungspotential wie Richard Childress Racing, Ganassi hat durch die gemeinsame Motorenproduktion mit RCR und das übernommene Chassis-Know-how von Dale Earnhardt Inc. in den letzten beiden Jahren viel dazugelernt. Im nächsten Jahr muss man das Team durchaus wieder auf der Rechnung haben, wobei EGR ziemlich sicher mit zwei Teams antreten wird. An der Vertragsverlängerung McMurrays wird nach wie vor gearbeitet, doch der Sieg in Charlotte macht seine Verhandlungsposition nur besser und auch die Sponsoren Bass Pro Shops und McDonald’s würden gerne in 2011 wiederkehren. Der Outdoor-Kette sagte man ja lange Abwanderungsgelüste nach, doch die Siege in den wichtigsten Rennen des Jahres haben die Vorsitzenden wohl zum Umdenken gebracht.

Montoya hat einen längerfristigen Vertrag mit Chip Ganassi unterschrieben, deren genaue Laufzeit aber nicht bekannt ist. Der Kolumbianer gehört nach seinen ChampCar-Erfolgen und dem NASCAR-Wechsel sprichwörtlich zur Familie des Teamchefs und sollte vermutlich immer den Vorzug erhalten, falls Sponsorengelder knapp werden. Target hat für 2011 im Gegensatz zu Montoya noch nicht unterschrieben und das könnte auch der Grund sein, warum man McMurrays Vertrag bisher nicht verlängert hat. Da die Kaufhaus-Kette allerdings einen langjährigen Geldgeber für Chip Ganassis Rennsport-Unternehmungen darstellt, denke ich doch aber stark an eine Rückkehr im nächsten Jahr.

Nun jedoch zurück zur Meisterschaftsentscheidung, denn mit Kyle Busch (2.), Jimmie Johnson (3.), Denny Hamlin (4.), Greg Biffle (5.), Matt Kenseth (6.) und Kevin Harvick (8.) schafften es nur sechs der zwölf Chaser in Charlotte unter die Top10. Busch führte fast zwei Drittel des Rennens an und ärgerte sich sehr über den verpassten Sieg. Etwas schlechtere Resultate erwischten Carl Edwards (12.) und Clint Bowyer (17.), die sich beide in der ersten Rennhälfte innerhalb der Top10 aufhielten, später jedoch nicht mehr großartig in Erscheinung traten. Jeff Burton (20.) konnte nach seinem Dreher in der Schlussphase nicht mehr viele Platzierungen aufholen, nachdem er zuvor ebenfalls Chancen auf die Top10 besaß.

Für die letzten drei Chaser verlief das Rennen in Charlotte eher suboptimal: Tony Stewart (21.) wurde bereits in der ersten Gelbphase Opfer eines Auffahrunfalls und musste sein onduliertes Heck einer kosmetischen Überarbeitung unterziehen lassen. Mit Panzertape konnte die Crew aber nicht mehr viel notwendige Aerodynamik aus der #14 herausholen. Bei Jeff Gordon (23.) gab in der zweiten Rennhälfte die Lichtmaschine ihren Geist auf, weshalb man beide Batterien wechseln musste, um ihm genügend Saft bis zum Ende des Rennens zu verschaffen. In der Folge verlor Gordon eine Runde. Kurt Busch (30.) erholte sich nie von seinem Dreher in der Anfangsphase und lag zum Schluss sogar drei Runden in Rückstand.

Bei den Nicht-Chasern erzielten Joey Logano (7.), David Reutimann (9.), David Ragan (10.) und Juan Pablo Montoya (11.) gute Ergebnisse. Die Top15 komplettierten noch Regan Smith (13.), Mark Martin (14.) und Martin Truex Jr (15.) mit einer soliden Leistung und Bobby Labonte (22.) konnte dem neuen Team seines Bruders und Billy Stavola zu einem tollen Rennen verhelfen.

Enttäuscht haben an diesem Wochenende Paul Menard (24.) und AJ Allmendinger (25.) nach zuletzt guten Leistungen. Dabei stellte Menards Platzierung noch das beste Resultat aller Autos von Richard Petty Motorsports in Charlotte dar. Elliott Sadler (26.) sortierte sich hinter seinen Teamkollegen ein, Kasey Kahne schied ja bereits früh aus und übergab an JJ Yeley (no pun intended!). Ebenfalls ganz desolat war Dale Earnhardt Jr (29.) unterwegs, dessen Name im Lap-By-Lap-Ticker von NASCAR.com nicht einmal auftauchte. Drei Runden Rückstand waren das Resultat, wobei man aber bedenken muss, dass Earnhardt derzeit auch experimentelle Setups für die Chaser Johnson und Gordon ausprobiert. Ryan Newmans (36.) und Sam Hornish Jrs (40.) Rennen wurden bekanntlich durch Unfälle beeinträchtigt.

In der Meisterschaft ist der Abstand von Jimmie Johnson nach der Hälfte des Chase noch einmal angewachsen, da der Dauermeister nun immerhin Top3-Ergebnisse in vier von fünf Playoff-Auftritten hingelegt hat. Nächste Woche in Martinsville ist ein ähnliches Kunststück zu erwarten, denn dort gehört er mit Denny Hamlin (-41) zu den Favoriten. Letzterer könnte nach dem Shorttrack-Rennen als einziger Fahrer innerhalb von 100 Punkten hinter Johnson liegen, bevor sich Kevin Harvick (-77) in Talladega eine Chance zum Zurückschlagen bietet.

Jeff Gordon (-156), Kyle Busch (-177) und Tony Stewart (ebenfalls -177) benötigen dringend einen Sieg, um ihre Meisterschaftschancen zu wahren. Gerade Busch hat mit seinem Super-Resultat in Charlotte wieder einige Pünktchen gewonnen und gleich vier Positionen in der Tabelle gutgemacht. Da Hendrick Motorsports und Joe Gibbs Racing in Martinsville zurechtkommen, ist zumindest nicht zu erwarten, dass die Top6 im nächsten Rennen total den Anschluss verlieren. Alle folgenden Fahrer sollten sich so langsam aber sicher von ihren Titelträumen verabschieden, denn einen Rückstand von über 200 Punkten holt man in fünf Rennen bei einem derart entfesselnd fahrenden Jimmie Johnson nicht auf. Bis nach Talladega bin ich aber noch vorsichtig mit den Worten „endgültig“ und „definitiv“.

Die Owner-Wertung spitzt sich weiterhin zu: Der Fahrerwechsel bei Robby Gordon Motorsports hat sich nicht ausgezahlt, denn nach seinem Dreher landete der Teamchef höchstpersönlich fünf Positionen hinter der #38 mit David Gilliland am Steuer. Damit trennen jetzt nur noch fünf winzige Punkte die #7 von den Schrecken der Qualifikationsmühle. Gordon hat sich für das nächste Wochenende in Martinsville vorsichtshalber gleich mal selbst gemeldet, der Einsatz wird aber wohl von ExtenZe bezahlt werden. Nur 15 Punkte vor Gordon liegt die #71 von TRG Motorsports, auch da wird es eng, denn vielleicht sind am Ende RGM und Front Row Motorsports gleichzeitig die strahlenden Sieger, weil das Team von Kevin Buckler nach den vielen „start & park“-Einsätzen plötzlich außen vor steht.

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September 21 2010

06:23

NASCAR: Analyse New Hampshire September 2010

Clint Bowyer gewann wie 2007 das erste Chase-Rennen, während einige Favoriten durchaus ins Schwitzen kamen und wertvolle Punkte liegen ließen. Da neun weitere Rennen folgen, kann aber natürlich noch viel passieren. Das zweite Saisonrennen in New Hampshire tat sich anfangs nicht als spannungsgeladen hervor, wurde dann aber zu einem handfesten Spritpoker.

Wie so viele Saisonrennen in diesem Jahr drohte auch der erste Chase-Termin in New Hampshire zunächst zu einem Langweiler zu verkommen. Satte 200 der 300 Runden hatten so gut wie nichts mit der Rennentscheidung zu tun, einzig und allein Clint Bowyer unterstrich, dass der Sieg wohl nur über ihn gehen würde. Nun muss ich sagen, dass es natürlich nicht immer und in jeder Runde Action am laufenden Band geben kann, doch in letzter Zeit verkümmert der Sprint Cup diesbezüglich etwas. Der Langstreckencharakter der Rennen der ersten NASCAR-Liga sticht deutlicher hervor denn je: Mehr als die Hälfte eines Rennens ist das Feld damit beschäftigt, sich extrem zurückzuhalten und sich bestenfalls gut für die Schlussphase zu positionieren.

Nach einem Langweiler in der ersten Rennhälfte, lieferte das Ende einen spannenden Spritpoker und machte das Leben vieler Chase-Teilnehmer erheblich schwerer. Die ersten 200 von 300 Runden sind – mal wieder – schnell erzählt: Brad Keselowski ist seine Führung nach zwei Runden an Tony Stewart losgeworden und konnte am Ende nur Platz 18 einfahren. Zwei kurze Gelbphasen im ersten Drittel sorgten dafür, dass Scott Speeds Rennen nach einem Einschlag in der Mauer beendet war und Marcos Ambrose und Paul Menard wertvolle Plätze nach einem Dreher aufgeben mussten. Für alle Involvierten endete der Tag jenseits von Position 28.

Clint Bowyer setzte sich unterdessen während Gelbphase 1 in Führung, als er nur zwei neue Reifen aufzog. Dort sollte er dann auch eine längere Zeit verweilen. Boxenstopps unter grüner Flagge brachten um Runde 100 herum keine signifikante Veränderung der Machtverhältnisse, die übliche Rotation der Führenden brachte Clint Bowyer am Ende erneut als „leader“ hervor. Es folgte eine dritte Gelbphase wegen Debris in Runde 147 und auch diesmal führte Bowyer das Feld zurück zur grünen Flagge, welche bis in Umlauf 206 anhielt. Dann platzte Mark Martin ein Reifen und die rennentscheidende Phase begann endlich nach zwei Dritteln des Rennens.

Alle Fahrer der Spitzengruppe kamen in Runde 208 zum Boxenstopp und es war klar, dass bei noch 92 zu fahrenden Runden das Spritfenster (75-80 Umläufe) nicht geschlossen werden konnte. Da es in der Folge jedoch noch zu vier weiteren Gelbphasen kam, wurde es für Pokerspieler nun reell, das Rennen auch ohne zusätzlichen Sprit beenden zu können. In den Top10 befanden sich beim Restart Clint Bowyer, Tony Stewart, Carl Edwards, Denny Hamlin, Jeff Gordon, Jeff Burton, Kurt Busch, Jimmie Johnson, Ryan Newman und Kyle Busch und damit fast ausnahmslos Chaser. Allgemein hatte man das Gefühl, es liefe für die Meisterschaftsfavoriten ein wenig zu sorglos und das sollte sich dann auch zwei Runden nach dem Schwenken der grünen Flagge ändern:

In Runde 213 drehte Carl Edwards den Meisterschaftsführenden Denny Hamlin um, weil er „loose“ wurde und die Strecke herauf rutschte. Über Funk ließ Edwards seinen Konkurrenten wissen, dass es ihm Leid täte und es keine Absicht gewesen wäre. Hamlin quittierte die Entschuldigung mit der Aussage, Edwards würde es selbst noch Leid tun. Sein gutes Abschneiden am Ende des Tages dürfte den kurzzeitigen Frust aber vergessen gemacht haben, denn von Platz 22 arbeitete Hamlin sich noch auf den zweiten Rang vor und hatte sogar eine Chance auf den Rennsieg. Kurz vor der ausgelösten Gelbphase schob sich Tony Stewart an Clint Bowyer vorbei in Führung und machte in der Folge auch nur noch zweimal kurz für Jamie McMurray Platz an der Spitze.

Die nächste Gelbphase wurde wieder nur wenige Runden nach dem Restart in Umlauf 221 ausgerufen, weil Jeff Burton Kurt Busch abräumte. Da Kyle Busch dahinter vom Gas ging, drehte ihn Jimmie Johnson um, was als Resultat allen drei Fahrern gute Platzierungen in den Top10 verwehrte. Lediglich Kyle Busch wurde am Ende Neunter und betrieb ebenso Schadensbegrenzung wie sein Bruder Kurt als 13. Johnson verpokerte sich beim anschließenden Boxenstopp, der alle Fahrer sicher ins Ziel bringen würde, welche sich denn auch für ein Nachfassen von Benzin entschieden. Johnson wollte zu viel und ließ zusätzlich vier neue Reifen aufziehen, was ihn ans Ende der Führungsrunde zurückwarf. Damit war die #48 aus der Entscheidung draußen und beendete das Rennen lediglich als schlechtester Chaser auf Platz 25.

Vorne entschieden sich Tony Stewart, Clint Bowyer und Jeff Burton dafür, auf einen Tankstopp zu verzichten, weil die hohe Frequenz der Cautions ein Durchfahren möglich machte. Einige Fahrer, wie z.B. Jamie McMurray und David Reutimann verließen die Box mit nur zwei neuen Reifen und befanden sich plötzlich in den Top5. Für beide Piloten sollte sich diese Entscheidung im Nachhinein auszahlen, McMurray nahm den dritten Platz mit und Reutimann wurde noch starker Siebter. In Runde 228 waren damit alle Zutaten für ein spannendes Finale im Topf gelandet und es stellte sich die Frage, ob Stewart, Bowyer und Burton würden durchfahren können.

Zwei weitere Gelbphasen brachten noch einmal die Möglichkeit, weiteren Sprit zu sparen. Zuerst räumte Brad Keselowski Matt Kenseth ab und bescherte dem Chase-Teilnehmer damit am Ende des Nachmittags Platz 23. Später erwischte es dann noch Joey Logano, der einem übersteuernden Kurt Busch zum Opfer fiel. 50 Runden vor Schluss stand der letzte Restart an, der die Führenden eine lange Zeit zittern ließ. Denn von hinten nahte mit riesigen Schritten Denny Hamlin heran und übte Druck auf Stewart und Bowyer aus, nachdem er zehn Runden vor Schluss den dritten Platz erobert hatte. Nacheinander ging nun erst Jeff Burton und dann dem Führenden Tony Stewart das Benzin in den letzten beiden Runden aus. Clint Bowyer blieb wie durch ein Wunder genug Sprit übrig, um das Rennen vor Hamlin zu gewinnen.

Wie knapp es war, zeigten aber seine „burnouts“ im Anschluss, bei denen ihm endgültig der Saft ausging. Alles in allem ist Clint Bowyer aber ein verdienter Sieger geworden, denn er konnte zuvor mehr als die Hälfte der Renndistanz anführen und sicherte sich somit auch fünf Bonuszähler in der Meisterschaft. Es war erst Bowyers insgesamt dritter Cup-Sieg, nachdem er 2007 schon einmal das Chase-Auftaktrennen gewinnen konnte und im folgenden Jahr in Richmond die „victory lane“ besuchte. Wenn sein erneuter Sieg ein gutes Omen sein sollte, dann beendet er 2010 vielleicht wieder auf einem tollen dritten Rang in der Meisterschaft.

Wo kamen die anderen Chase-Fahrer an?
- Denny Hamlin wurde Zweiter und hatte eine gute Chance, das Rennen zu gewinnen, wäre Bowyer ebenfalls der Sprit ausgegangen.
- Kevin Harvick (5.) hielt sich schadlos, fuhr wieder einmal in die Top5 und untermauerte damit seine unheimliche Konstanz in diesem Jahr.
- Jeff Gordon fuhr ebenfalls unauffällig auf Rang 6.
- Kyle Busch wurde nach dem Kontakt mit Jimmie Johnson Neunter.
- Carl Edwards kam auf Rang elf ins Ziel, Kurt Busch wurde Dreizehnter.
- Jeff Burton rollte ohne Benzin aus und wurde noch als 15. gewertet.
- Greg Biffle holte sich zwei Führungsrunden und beendete das Rennen als 17.
- Matt Kenseth, Tony Stewart und Jimmie Johnson belegten nach einem Unfall, dem verlorenen Spritpoker bzw. einer taktischen Fehlentscheidung an der Box geschlossen die Ränge 23-25.

Hier noch der Rest vom Schützenfest:
- Dale Earnhardt Jr. legte endlich mal wieder ein Super-Rennen hin und konnte nach einer unauffälligen Fahrt den vierten Platz belegen.
- Juan Pablo Montoya blieb ein gutes Ergebnis verwehrt, nachdem das Auto im Verlauf des Rennens zunehmend schwächer wurde. Mehr als Rang 16 war für den Kolumbianer nicht drin, zuvor hielt er sich mehrmals in den Top10 auf.
- Besser lief es dagegen für den Teamkollegen Jamie McMurray der einen dritten Platz einfuhr, nachdem er beim letzten Boxenstopp mit nur zwei neuen Reifen ordentlich „track position“ gewann.
- David Reutimann (7.), Ryan Newman (8.) und Sam Hornish Jr. (10.) waren die verbliebenen Nicht-Chase-Piloten in den Top10.
- Mark Martin erlebte einen „bescheidenen“ Tag und fand nach seinem Reifenplatzer nicht mehr ins Rennen zurück, sein Endergebnis ist ein enttäuschender 29. Platz.

In der Meisterschaft führt jetzt Denny Hamlin vor dem Rennsieger Clint Bowyer und Kevin Harvick. Am Ende der Top12 haben Greg Biffle, Jeff Burton, Tony Stewart und Matt Kenseth nun schon nach einem Rennen mehr als 100 Punkte Rückstand. Besonders für Stewart ist das bitter, immerhin hätte er fast gewonnen und stünde in dem Fall ganz woanders in der Tabelle. Da noch neun Rennen folgen, ist natürlich nicht alles verloren; es bleibt spannend.

Zu den Top35 der Owner-Wertung gab es auf der Mediaseite der NASCAR noch keine aktuelle grafische Übersicht, deswegen vorerst bei Jayski.com nachschauen. Interessant ist jetzt vor allem die Entwicklung bei Robby Gordon Motorsports zu verfolgen. Nachdem Front Row Motorsports und ich mich in der letzten Woche schon ganz sicher wiegten, tauschte Gordon einfach den Platz mit Kevin Conway. Angeblich weil Gordon für dieses Wochenende einen eigenen Sponsor für das Rennen gefunden hatte, nun war aber Speedfactory.tv auf seinem Toyota zu sehen gewesen und das ist im Prinzip Robby Gordons eigene Internet-TV-Show – ergo sein eigenes Geld. Ich vermute, dass Gordon bei der Performance von Conway kalte Füße bekommen hat und seinen Einsatz im nächsten Daytona 500 gefährdet sah.

Zuvor verlautbarten Conway und sein Sponsor ExtenZe ja noch vollmundig, dass der Rookie die Saison bei RGM beenden würde, aber man behauptete ja auch kurz vor der Trennung von Front Row Motorsports, dass an den „Trennungsgerüchten“ nichts dran sei. Mittlerweile kam dann auch ans Tageslicht, dass Conways Sponsor bei FRM wohl nicht mehr den vollen Betrag pro Rennen bezahlte, aber über die Hintergründe müssen sich jetzt die Gerichte streiten. Da Gordon auch in Dover mit Speedfactory.tv in seinem eigenen Auto sitzen wird, vermute ich, dass das Abenteuer Kevin Conway bei RGM beendet sein dürfte. Dass dies eine gute Entscheidung gewesen sein könnte, zeigte Robby Gordon indem er gleich mal ein paar Punkte auf die #38 von Front Row Motorsports gut machte. Der Abstand beträgt jetzt immerhin schon wieder 110 Punkte. Bill Jenkins’ #26 musste einen Schnitt hinnehmen, nachdem Fahrer Jeff Green die Qualifikation verpasste.

Kevin Conway und ExtenZe erscheinen mir derweil von Woche zu Woche suspekter. Ständig wird da irgendwas angekündigt, wo nichts dahinter steckt. Dann stimmen die Zahlungen angeblich nicht und die Leistungen des Fahrers erst recht nicht. Die Spannung bleibt also auch hier erhalten, bei den kleineren Storys im Starterfeld. Nächstes Wochenende geht es dann in Dover weiter…

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August 23 2010

18:01

NASCAR: Analyse Bristol August 2010

Bristol hatte an diesem Wochenende vieles zu bieten: Ein Jubiläum, packende Rennaction auf der sehr kurzen, aber stark überhöhten Betonbahn inklusive einiger Kaltverformungen und am Ende sogar einen Rekord. Vermisst habe ich aber so ein wenig die Spannung, denn Kyle Busch dominierte das Cup-Rennen, indem er über die Hälfte der Renndistanz in Führung lag.

Es war das hundertste Cup-Rennen auf dem Bristol Motor Speedway, welches Kyle Busch einen bisher einzigartigen Rekord ermöglichte: Als erster NASCAR-Pilot gelang ihm das Triple, denn er konnte in Bristol sowohl das Truck-Rennen, als auch den Nationwide-Series-Lauf sowie das „Irwin Tools Night Race“ der Sprint Sup Series innerhalb einer Woche für sich entscheiden. Damit setzte er eine Marke, die vermutlich außer von ihm selbst nicht so schnell egalisiert werden wird. Neben Kyle Busch startet nämlich nur Kevin Harvick ähnlich regelmäßig bei allen drei nationalen Rennserien am selben Wochenende auf derselben Strecke. Im Cup lag er dabei sagenhafte 282 von 500 Runden in Führung.

Zunächst führte Polesitter Jimmie Johnson das Feld zur grünen Flagge und konnte sich auch bis zum Ende des ersten „fuel runs“ gegen die Konkurrenz durchsetzen. Dann war jedoch Kyle Busch in der Spitze angekommen, nachdem er im Qualifying nur den 19ten Startplatz ergattern konnte. In Runde 172 übernahm Busch die Führung vom Kalifornier und die #48 konnte diese auch nur noch einmal kurz während einer Gelbphase aufgrund eines besseren „pit stalls“ in der Boxengasse zurückerobern. Nach der fünften Caution gegen Mitte des Rennens war es dann um Jimmie Johnson geschehen, als Juan Pablo Montoya ihn beim Restart in die Mauer drehte. Bis dahin hielt Johnson allerdings mit und machte Kyle Busch als direkter Verfolger Druck. Die anschließende Reparaturpause brachte dem viermaligen Meister am Ende 85 Runden Rückstand ein, was Platz 35 bedeutete.

Im Großen und Ganzen hat sich die Performance von Hendrick Motorsports aber wieder leicht zum Positiven gedreht, denn Johnson hielt sich bis zur Rennhälfte auf Platz 2 und die Veränderungen am Auto während der hereinbrechenden Dunkelheit haben sich daher ausgezahlt. Vielleicht hätte Jimmie den überragenden Kyle Busch nicht mehr am Sieg hindern können, doch ein Top5-Ergebnis wäre allemal drin gewesen. In zwei Wochen wird Atlanta zeigen, ob die Abstimmungsprobleme bei der #48 ein Ende haben. Johnsons Teamkollegen Jeff Gordon und Dale Earnhardt fuhren unauffällig auf Platz 11 bzw. 13. Beide hielten sich den ganzen Abend über solide in den Top10, mussten gegen Ende aber Handling-Probleme hinnehmen. Schlimmer erwischte es Mark Martin, der musste im Kampf um die Chase-Qualifikation einen Rückschlag hinnehmen: Die Handling-Probleme verfolgen das Team mit der #5 weiterhin und mehr als Rang 23 war am Ende nicht drin.

Circa 100 Runden vor Schluss kam dann noch einmal Bewegung ins Rennen: Jamie McMurray brachte sich als möglicher Siegkandidat ins Rennen, als er Kyle Busch auf der Strecke überholen konnte. Vor der finalen Caution standen die letzten Boxenstopps unter grüner Flagge an, zu denen die beiden Führenden gemeinsam abbogen. Dabei beharkten sie sich ein wenig, was letztendlich den lachenden drittplatzierten David Reutimann freute, der nach Abschluss der Rotation an der Spitze lag. Doch auch die #00 konnte nichts gegen Busch ausrichten und so setzte sich Kyle 15 Runden nach dem Restart in Umlauf 429 wieder in Führung. Damit war das Rennen gelaufen, denn in den letzten 71 Runden passierte nichts Rennentscheidendes mehr. Busch holte sich ungefährdet seinen dritten Saisonsieg und zog damit auf der Chase-Setzliste mit Kevin Harvick gleich. Davor befinden sich nur noch Denny Hamlin und Jimmie Johnson mit jeweils fünf Erfolgen 2010.

David Reutimann und Jamie McMurray komplettierten die Top3, was für beide ein Wahnsinnsergebnis darstellt und ihre Chase-Qualifikations-Chancen beträchtlich erhöht. Bei noch zwei zu fahrenden Rennen bis zu den Playoffs stellen 100 bzw. 155 Punkte Rückstand auf Platz 12 allerdings eine schwere Aufgabe dar. Diesen Platz hält derzeit Clint Bowyer und der konnte mit einem vierten Platz im Rennen seinen Vorsprung auf Platz 13 weiter ausbauen. Kasey Kahne fuhr unauffällig auf Rang 5 und platzierte sich damit noch vor Reutimann mit 136 Zählern Rückstand zum Chase.

Die Top10 komplettierten Ryan Newman, Juan Pablo Montoya, Greg Biffle, Kurt Busch und Matt Kenseth. Carl Edwards kam zwischen Jeff Gordon und Dale Earnhardt Jr auf Rang 12. Der Meisterschaftsführende Kevin Harvick wurde 14ter. Für ihn geht es bei bereits fester Chase-Qualifikation jetzt eigentlich nur noch darum, soviele Rennen wie möglich zu gewinnen, koste es was es wolle. Diese Strategie gilt ab sofort auch für Jeff Gordon, der in Bristol sein Playoff-Ticket gelöst hat und dringend einen Sieg für die Setzliste im Chase benötigt. Das könnte in Atlanta und Richmond bei mindestens zwei Fahrern, die volles Risiko gehen, nochmal spannend werden.

Die Ergebnisse der anderen Chase-Fahrer:
- Tony Stewart landete nur auf Rang 27 mit sechs Runden Rückstand, weil er nach einem Mauerkuss sein Handling vergessen konnte.
- Denny Hamlin erwischte es ähnlich hart wie Jimmie Johnson, denn etwa gegen Rennmitte musste die Antriebswelle repariert werden, was Hamlin insgesamt 27 Runden kostete. Am Ende fuhr er einen Rang vor Johnson auf Platz 34.

Das aLinks zur Fahrer-</a> und a<a href=" http:="" plugins="" target="\" wordpress="" wordpress-feed-statistics="" wp-content="">Owner-Wertung inklusive weiterer Statistiken bei Jayski.com habe ich hier auch noch eingefügt.

Am nächsten Wochenende macht der Sprint Cup die letzte Pause in diesem Jahr, bevor das letzte Saisondrittel an einem Stück absolviert wird. Die Nationwide Series fährt am Sonntagabend zur besten Sendezeit ab 20 Uhr auf ESPN2 ihr letztes Rundkursrennen in Montreal, Kanada. Dort sind natürlich wieder einige bekannte Namen dabei: Unter anderem fahren Jacques Villeneuve (für Braun Racing in der #32), Patrick Carpentier (für Michael Waltrip Racing in der #00), Robby Gordon (im eigenen Team), Ron Fellows (für JR Motorsports in der #88), Nelson Piquet Jr. (vermutlich für Baker-Curb Racing), Max Papis (für Kevin Harvick in der #33) und natürlich Marcos Ambrose (für JTG-Daugherty Racing in der #47). Dazu kommen wie immer die Nationwide-Regulars aus dem Cup: Carl Edwards, Brad Keselowski und Paul Menard.

Schon in der Nacht von Freitag auf Samstag sind die Trucks auf dem Chicagoland Speedway unterwegs, SPEED überträgt für Nachteulen ab 2:30 Uhr. Die endgültigen Entry-Lists offenbaren dann bei Erscheinen auch, wo Kyle Busch am Wochenende unterwegs sein wird.

Wichtig noch: Brian Vickers musste sich a

July 27 2010

08:15

NASCAR: Analyse Indianapolis Juli 2010 / News

Juan Pablo Montoya hatte nach dem Boxengassen-Desaster 2009 in diesem Jahr wieder Pech und konnte einmal mehr nicht seinen ersten Oval-Sieg einfahren. Allerdings brachte 2010 eine taktische Fehlentscheidung den Kolumbianer um den Erfolg, den sein Teamkollege dann einfuhr.

Es ist echt ein Wahnsinn, wie wenig Juan Pablo Montoya in diesem Jahr vom Glück verfolgt wird. Wieder führte er auf dem Indianapolis Motor Speedway in überlegener Manier die meisten Runden, nur um bei den letzten Boxenstopps den Sieg wegzuschmeißen. Crew Chief Brian Pattie entschied sich dazu, die 21-Runden-alten Reifen komplett zu wechseln, während viele andere Teams überraschenderweise nur zwei Reifen austauschten. Der große weitere Siegkandidat zu diesem Zeitpunkt, Greg Biffle, nahm ebenfalls vier neue Pneus und konnte danach nur den dritten Platz ins Ziel bringen. Goldrichtig lagen außer dem späteren Sieger Jamie McMurray unter anderem noch Kevin Harvick (2.), sowie Tony Stewart (5.); Clint Bowyer (4.) wechselte ebenfalls alle Reifen. Der Crew Chief von McMurrays #1, Kevin „Bono“ Manion, sicherte Chip Ganassi damit nach dem Daytona 500 und dem Indy 500 einen Sieg im drittwichtigsten US-Rennen des Jahres.

Das Brickyard 400 ging auch ebenso turbulent los, wie es beendet wurde: Das Feld schaffte es auf der ersten Runde nur bis in Turn 2, als sich unabhängig voneinander Kyle Busch und Sam Hornish Jr im Hinterfeld auf vermutlich kalten Reifen drehten. Dabei nahmen sie auch Elliott Sadler aus dem Rennen, der erst nach einer langen Reparaturphase zur Schadensbegrenzung noch einmal auf die Strecke kam. In Runde 8 stand nach einer wirklich sehr langen Gelbphase, die ESPN für ausgiebige Werbeunterbrechungen nutzte, der Restart an. Die Meute hielt dann allerdings nur acht Umläufe durch, bis zeitgleich Robby Gordons rechter Vorderreifen, sowie der Motor von Max Papis ihren Geist aufgaben.

Zwischenzeitlich waren einige Fahrer wegen Überhitzung ihrer Motoren mit der üblichen Geysir-Erscheinung an die Box gekommen. Das lag wohl daran, dass die vier Turns so eng und tief durchfahren wurden, dass ein Teil der Grasnarbe auf die Strecke geriet und die Kühler verstopfte. Betroffen davon waren unter anderem Carl Edwards, Denny Hamlin und AJ Allmendinger. Währenddessen platzten auch Ryan Newman durch einen „fender rub“ zwei Reifen in Folge, was ihm dann sehr früh sein Rennen zunichte machte. Bei vielen Beobachtern wurde derweil die Befürchtung laut, dass wir ein ähnliches Reifen-Debakel wie 2008 erleben könnten, doch alle wurden später eines besseren belehrt. Denn Montoya verlor vermutlich das Rennen, weil die Goodyears zu gut funktionierten.

In dieser zweiten Caution sollte auch die Führung zum ersten Mal wechseln, nachdem Montoya die #48 von Jimmie Johnson beim Rennstart hinter sich halten konnte. Unter Gelb konnten Landon Cassill und Kevin Conway sich einige Führungskilometer abholen, während Johnson die #42 beim Rennen aus der Boxengasse schlagen konnte. Nach dem Restart eroberte Montoya die Führung allerdings bereits in Turn 3 zurück. Jimmie Johnson fiel daraufhin auch noch weiter zurück und ward nicht mehr gesehen. Rang 22 blieb am Ende für den vierfachen Meister übrig, einen Platz vor seinem Teamkollegen Jeff Gordon. Die Hendrick-Zwillinge hatten in Indy mit massiven Abstimmungsproblemen zu kämpfen.

Bis Runde 66 wurde nun erstmal unter Grün gefahren und Montoya musste während dieses „green flag runs“ auch gleich den ersten Rückschlag des Abends hinnehmen: Am Funk berichtete er über Vibrationen im Auto und gab kurz danach die Führung an Mark Martin ab, um sicherheitshalber die Reifen zu wechseln. Dabei stellte sich heraus, dass tatsächlich größere Stücke aus der Lauffläche seines rechten Vorderreifens herausgelöst waren. Aufgrund der Länge der Strecke reihte Montoya sich noch am Ende der Führungsrunde ohne Rundenrückstand wieder ein und konnte mit den neuen Reifen die Zeiten der Spitze bügeln. Allerdings war er nun außerhalb der Sequenz unterwegs.

In Runde 49 musste Martin die Führung wieder abgeben, weil die ersten „green flag stops“ des Nachmittags anstanden. So kamen nacheinander Greg Biffle und Tony Stewart für kurze Zeit an die Spitze, bis Montoya „out of sequence“ wieder vorne das Tempo angab. Mark Martin (11.) war später sehr unauffällig unterwegs, konnte für Hendrick Motorsports aber das beste Ergebnis des Tages einfahren, weil auch Dale Earnhardt Jr in Probleme geriet. Er war später ohne eigenes Verschulden an einer der rennentscheidenden Szenen beteiligt.

In Runde 62 hatten Montoyas ältere Reifen dann so weit abgebaut, dass Greg Biffle die Führung übernehmen konnte. Der Fahrer der #16 zeigte sich bis zum Rennende als ernst zu nehmender Konkurrent um den Rennsieg und brachte Ford wieder ein Stückchen näher an den so dringend benötigten ersten Saisonsieg. Was Montoya jetzt brauchte war eine Caution und ausgerechnet NASCAR fand eine für ihn, bzw. fand ein Staubkorn außerhalb der Rennlinie, welches zu einer Debris-Caution führte. ESPN blendete das winzige Teil ein, das die findigen Streckenbeobachter wohl nur durch die Zoomobjektive einiger Fotografen entdecken konnten.

Da alle Fahrer den Stopp für einen Reifenwechsel nutzten, konnte sich Montoya nun wieder in die Sequenz einreihen, musste sich beim Rennen aus der Boxengasse aber Greg Biffle geschlagen geben. Vor dem Restart in Runde 70 schaute ich durch das Livetiming und konnte im Nachhinein feststellen, dass schon zu diesem Zeitpunkt die drei Wagen von Richard Childress Racing konstant unauffällig in den Top10 unterwegs waren. Auch der spätere Sieger Jamie McMurray verpasste nie den Anschluss an die Spitze.

Die „clean air“ an der Spitze des Feldes tat dem Wagen von Greg Biffle sichtlich gut, denn er stürmte zur Halbzeit des Rennens mit Montoya im Schlepptau auf und davon. Ereignislose Runden (außer für die weiterhin von Handlingsproblemen geplagten Johnson und Gordon) zogen vorbei, bis in Runde 96 die nächste Serie von „green flag stops“ auf dem Plan stand, bei denen Montoya wieder die Führung übernehmen konnte. Seine Crew arbeitete von der Geschwindigkeit her auf dem Niveau der Großen, auch wenn ihm aufgrund seiner Pole Position ein guter Boxenplatz sicher geholfen hat.

In Runde 117 von 160 begann die entscheidende Phase des Rennens: Ryan Newman traf ein Teil, welches vermutlich David Reutimann verlor und zuvor nur knapp von Juan Montoya verfehlt wurde – allerdings ohne Konsequenzen. Bei einem Spritfenster von 30-35 Runden war zu diesem Zeitpunkt klar, dass noch ein letzter Boxenstopp folgen musste, um die 43 verbleibenden Umläufe unter die Räder bringen zu können. Die #42 führte dann das Feld zum Restart, gefolgt von den, für die Schlussphase wichtigen, Beteiligten Greg Biffle, Jamie McMurray, Clint Bowyer und Kevin Harvick in den Top5. Mit einem super Draft-Manöver konnte McMurray seinem Teamkollegen dabei helfen, die Führung gegen den Ford mit der #16 zu verteidigen. Biffle biss sich daraufhin die Zähne an der #1 aus, während Montoya an der Spitze den Abstand zum Rest des Feldes enorm vergrößern konnte.

Dann wurde es interessant, NASCAR fand noch einmal Debris und zwar einen Krümel ganz oben an der Mauer zwischen einer Menge „marbles“, wo normalerweise eh keiner fährt. In meinen Aufzeichungen steht Zitat:

debris so weit oben an der mauer? muss man da unterbrechen? ich rieche eine verschwörung, wenn montoya wieder nicht gewinnt!

Herzlichen Glückwunsch, so kam es dann auch, wenn gleich es keine Verschwörung gewesen sein kann, da eine Fehlentscheidung von Crew Chief Brian Pattie für den Verlust der Führung verantwortlich war. Wie bereits erwähnt vertraute ein Großteil des Feldes auf die 21-Runden-alten Goodyear-Reifen und sollte damit recht behalten. Komischerweise hatten komplett neue Gummis keine erkennbaren Vorteile in den letzten 20(!!!) Runden. An dieser Stelle möchte ich dann einmal ausdrücklich die Arbeit von Goodyear loben, die in diesem Jahr einen ausgezeichneten Reifen zum Brickyard mitgebracht haben.

Von Position 7 und 8 gingen Montoya und Biffle in den Kampf an die Spitze des Feldes, den alle Beobachter jetzt erwarteten. Auch die ESPN-Kommentatoren waren sich unsicher, ob das „gambling“ von McMurray und Co sich denn auszahlen könnte. Beim Restart konnte Kevin Harvick Tony Stewart auf den dritten Rang verweisen und setzte sich in den nächsten drei Runden gemeinsam mit der #1 von McMurray vom Verfolgerfeld ab. Weiter hinten gerieten Biffle und Montoya in große Probleme, die für die #42 dann in einem Unfall endeten. Ich bin mir nicht sicher, ob es die nun fehlende „clean air“ war, welche dem Auto ein mieses Handling verpasste oder ob das durchgehende Temperament des Kolumbianers für das übersteuernde Heck verantwortlich war.

Wie während der Zusammenfassung erwähnt musste nun auch Junior die Segel streichen, weil er von Montoya bei diesem Dreher in die Boxengasse eingefangen wurde. Dummerweise schob ihn Paul Menard(?) direkt davor im Positionskampf ein Stückchen nach unten, wodurch er der #42 genau in die Schlusslinie geriet. Alles in allem kann man da aber niemandem einen Vorwurf machen, es sei denn Montoya war tatsächlich so aufgebracht, dass er sein eigenes Auto „überfuhr“.

Direkt vor dieser letzten Caution setzte sich Kevin Harvick vor Jamie McMurray und durfte damit die Führung während der Gelbphase übernehmen. Das letzte Duell des Nachmittags war also McMurray gegen Harvick, gefolgt von Stewart, Jeff Burton und Biffle. Nach dem ersten Umlauf des 10-Runden-Sprints war die #1 dann schon wieder an der #29 vorbei, während sich dahinter erst jetzt die vier neuen Reifen von Biffle bezahlt machten. Die #16 kam zwar noch auf Rang drei nach vorne, für Harvick reichte die Zeit allerdings nicht mehr. An der Spitze fuhr Jamie McMurray ungefährdet seinen zweiten Saisonsieg nach Hause und gewann damit für Earnhardt-Ganassi Racing doch noch das Rennen. Mit einem Sieg von Ganassi rechneten viele Beobachter, doch dass es McMurray vorbehalten sein sollte, nach dem Daytona 500 auch noch das zweitwichtigste NASCAR-Rennen zu gewinnen, ahnten die wenigsten.

Für Juan Pablo Montoya war die Reifen-Fehlentscheidung natürlich ganz bitter und so wollte sich auch niemand aus dem Team vor der Kamera äußern. Jamie Little gab zu Protokoll, dass Brian Pattie die Verantwortung für das Geschehene sofort nach dem Ausfall von Montoya übernahm und auch Chip Ganassi bedachte seinen langjährigen Fahrer kurz, während er in der „victory lane“ eintraf.

Was machten die anderen?

- RCR komplettierte mit drei Wagen in den Top6 ein tolles Mannschaftsergebnis: Kevin Harvick auf Platz 2 vor Bowyer (4.) und Burton (6.).
- Greg Biffle mit einer Siegchance für Ford auf Rang 3, sowie Carl Edwards der seinen Ford Fusion auf den 7. Rang stellte.
- Joe Gibbs Racing mit Kyle Busch (8.) und Joey Logano (9.) sehr unauffällig in den Top10, Hamlin nach einigen Schwierigkeiten auf der 15.
- Die Top10 komplettierte Kurt Busch im besten Dodge.

Noch kurz zu Jacques Villeneuve: Er landete in seinem ersten Cup-Rennen seit zwei Jahren am Ende mit einem neuen Team ohne größere Streckenkenntnisse (bezieht sich auf das Team #32 Braun Racing) mit drei Runden Rückstand auf Platz 29. Später gab der Kanadier zu Protokoll, dass er ebenfalls Probleme mit dem Handling gehabt hätte. Schlecht ist er sicher nicht gefahren, außerdem hat Villeneuve sich aus allen Scharmützeln rausgehalten. Sein Resultat bestätigt aber lediglich die Erwartungen.

In der Meisterschaft hat sich kaum etwas getan: Denny Hamlin ist nach dem Pech von Jimmie Johnson an ihm vorbeigezogen von Platz 4 auf 3. Außerhalb des Chase haben nur noch Mark Martin (-62) und Dale Earnhardt Jr (-93) weniger als 100 Punkte Rückstand auf die Top12. Rennsieger Jamie McMurray ist mit zwei Saisonerfolgen nur 16ter und hinkt bereits 151 Zähler hinterher. Es wäre sicherlich eine Überlegung der Offiziellen wert, ob man die jährlichen Rennsieger nicht ebenfalls zum Chase zulässt. Erst im letzten Jahr verpasste Kyle Busch mit 4(!!!) Siegen die Playoffs, ebenso ging Matt Kenseth mit zwei Erfolgen (darunter das Daytona 500!) leer aus.

Die Owner Points sahen ebenfalls wenig Änderungen: Da sich die beiden engsten Verfolger der Top35 nicht qualifizieren konnten, stieg ihr Rückstand weiter an. TRG Motorsports rutschte nach einigen „start & park“-Rennen mit Landon Cassill am Steuer bis an den Cut zurück. Wenn sich Bill Jenkins kein Bein ausreißt, wird vermutlich nicht mehr viel passieren in nächster Zeit, zumal Boris Said ja in Watkins Glen für Red Bull unterwegs ist.

Nach dieser sehr ausführlichen Zusammenfassung gibt es noch ganz ganz viel interessante Sachen aus dem Newssektor zu berichten, mit denen ich nicht bis zu den Newshappen am Mittwoch warten möchte:

- Bei RCR soll angeblich ein neuer Sponsor für die #29 von Kevin Harvick gefunden worden sein. Vermutlich gibt man in der Woche des Watkins-Glen-Rennens bekannt, dass Budweiser die Nachfolge von Shell antreten wird.

- Mobil1 verlässt bekanntlich die #77 von Sam Hornish und auch dessen Cockpit ist derzeit bei weitem nicht sicher. Der Motorenöl-Hersteller stand mit Jeff Gordons Team in Verhandlungen, doch bei Hendrick Motorsports setzt man in Zukunft weiterhin auf die Konkurrenz von Quakerstate. Es könnte aber sein, dass Mobil1 bei Stewart-Haas Racing andockt.

- Richard Petty Motorsports steht derweil vor einem großen Problem: Kasey Kahne verlässt das Unternehmen, ebenso vermutlich auch Budweiser. Daneben trennte man sich bereits von Elliott Sadler, es verbleibt lediglich Sponsor Stanley Tools an der #19. Der Vertrag mit AJ Allmendinger wurde noch nicht verlängert und der Kalifornier sieht sich sogar anderweitig um. Wenn Allmendinger und Sponsor Best Buy nicht bei RPM bleiben, dann würde Paul Menard gehen wollen, möglicherweise als viertes, komplett finanziertes Auto zu RCR. Düstere Aussichten für Richard Petty, der sich dann womöglich gänzlich aus der NASCAR zurückziehen würde.

anicht mehr ausschließen</a>, dass <strong>Mark Martin 2011 vielleicht nicht mehr in der #5</strong> sitzt, während dieser noch a<a href=" http:="" plugins="" target="\" wordpress="" wordpress-feed-statistics="" wp-content="">felsenfest an sein Cockpit glaubt. Das könnte demnächst interessant werden, hoffentlich mobbt man Martin nicht aus dem Team, das wäre äußerst unfair gegenüber dem verdienten Fahrer. Wenn Hendrick da Mist baut mit den Vertragslaufzeiten, dann muss er auch persönlich dazu stehen.

- Eine weitere Möglichkeit für Kahne oder Martin könnte ein Cockpit bei Red Bull sein, wo man im August die aEliminationsverfahren</a>, an dem nach 26 Rennen bald 15 Fahrer teilnehmen könnten. Bis zum Saisonfinale soll die <strong>Teilnehmerzahl dann schrittweise reduziert</strong> werden, bis beim letzten Rennen nur noch einige wenige (drei oder vier) Fahrer um den Titel kämpfen und dabei a<a href=" http:="" plugins="" target="\" wordpress="" wordpress-feed-statistics="" wp-content="">bei Null anfangen. Ob die Idee eines finalen Shootouts so gut ist? Andererseits ist es in diversen anderen Sportarten nun mal auch so, dass die Finalmannschaften in den Playoffs beim alles entscheidenden Match bei Null beginnen (oder vgl. WM-Finale im Fußball). Trotzdem ist es ein Bruch mit den Traditionen des Motorsports.

- Passend dazu steht auch der Cup-Kalender 2011 vor großen Veränderungen. Gerüchte besagen, dass Homestead auf den Fontana-Termin im Februar wandert und Las Vegas ein zweites Saisonrennen bekommt, welches gleichzeitig den letzten Meisterschaftslauf</a> des Jahres darstellen würde. Somit wäre man für die Saisonabschlussfeier gleich am richtigen Ort, denn besagtes Fest findet seit 2009 nicht mehr in New York sondern in Las Vegas statt. Dazu könnte ein <strong>zweites Kansas-Rennen</strong> kommen und endlich ein a<a href=" http:="" plugins="" target="\" wordpress="" wordpress-feed-statistics="" wp-content="">Lauf auf dem Kentucky Speedway. New Hampshire steht ebenso wie Fontana auf der Kippe.

- Ganz neu noch das hier: Mindestens zwei Fahrer wurden in dieser Saison schon wegen Kritik an der NASCAR zu Geldstrafen verurteilt, eine davon angeblich in Höhe von 50.000 US-Dollar. Das ist in anderen Sportarten ebenfalls üblich, jedoch werden hüben wie drüben keine Namen der Bestraften veröffentlicht. Kommentatoren unter dem a

June 02 2010

17:11

NASCAR: Analyse Charlotte Mai 2010

Beim Coca-Cola 600 sicherte sich Kurt Busch in dominanter Manier seinen zweiten Saisonsieg und festigte damit seine Chase-Platzierung. In 4h:08min:20sek war diese Ausgabe des längsten NASCAR-Saisonrennens mit nur acht Cautions während der 400 Runden schnell absolviert.

Kurt Busch hatte in diesem Rennen, welches sich durch viele „green flag runs“ auszeichnete, eigentlich zu jeder Zeit das perfekte Auto. Die Gelbphasen lagen für den Fahrer der blauen #2 so günstig, dass er während 252 der 400 Runden in Führung lang. Zwar führten noch 16 andere Fahrer bei insgesamt 33 Führungswechseln das Feld an, doch das sind bis auf wenige Ausnahmen die normalen Verschiebungen bei den Boxenstopps unter grüner Flagge gewesen. Eigentlich hatten außer Kurt Busch nur vier andere Piloten eine ernsthafte Chance auf den Rennsieg: Jamie McMurray, Jimmie Johnson, Kyle Busch und David Reutimann.

Der Polesitter Ryan Newman wurde bereits nach elf Runden von Kurt Busch gefressen und landete am Schluss auf dem neunten Platz. Auch Dale Earnhardt Jr konnte 50 Runden vor dem Ende noch zehn Umläufe anführen, was jedoch an einer veränderten Boxenstrategie lag. Alle Fahrer absolvierten den letzten „green flag stop“ schnellstmöglich, nachdem sie rechnerisch im Benzinfenster für den finalen Run angekommen waren, um mit neuen Reifen schneller unterwegs zu sein. Da aber zu diesem Zeitpunkt noch Sprit für zehn Runden im Tank war, konnte Earnhardt wenigstens einige Führungskilometer schnuppern, bevor er dann am Ende der Führungsrunde auf Platz 22 abgewinkt wurde.

Das Rennen startete wie erwähnt mit dem Führungsverlust von Ryan Newman an Kurt Busch in Runde 12. Der erste „fuel run“ war nach 50 Umläufen beendet und unter grüner Flagge standen die ersten Boxenstopps an, welche für einige Teams die herbeigesehnte Möglichkeit zur Veränderung des Autos bot. Es zeigte sich nämlich, dass viele Wagen ziemlich „loose“ unterwegs waren und wohl erst in der hereinbrechenden Dunkelheit besser funktioniert hätten. Auch Jimmie Johnson konnte das Übersteuern nie so ganz loswerden, was später auch das Ende seines Rennens bedeuten sollte. In Runde 61 erwischte es dann wie so oft einmal wieder Juan Pablo Montoya, der übersteuernd abflog. Er konnte die #42 zwar noch wieder fangen, schlug aber mit der linken Front an die innere SAFER-Barrier, was ihn dann zu einer längeren Zwangspause in der Garage zwecks Splitter-Wechsel zwang.

Da der letzte Reifenwechsel zu diesem Zeitpunkt noch nicht so weit zurücklag, zogen einige Teams nur zwei neue Reifen auf, während Denny Hamlin gleich gar nicht erst an die Boxen fuhr. Eine Runde später setzte Kurt Busch dann seine Dominanz fort und schnappt sich erneut die Führung, welche anhielt bis Marcos Ambrose in Runde 91 sein Auto in der Mauer versenkte. Nun kam zum ersten Mal Jimmie Johnson ins Spiel, der nach den folgenden Boxenstopps als Erster wieder auf die Strecke zurückkehrte. Kurt Busch musste jetzt zum einzigen Mal zurückstecken, denn es gelang ihm nicht, Johnson sofort nach der grünen Flagge zu überholen. Das Duell dauerte zwar einige Runden, aber letztendlich musste Busch sich dem Dauermeister geschlagen geben. 15 Umläufe später berichtete Jimmie Johnson seinem Crew Chief Chad Knaus wieder von einem übersteuernden Auto, was dieser allerdings in Anbetracht der bald untergehenden Sonne nicht negativ bewertete.

Damit sollte er aber nicht Recht behalten, denn Johnsons Spiel war im Grunde genommen jetzt schon vorbei. Seinen mehrsekündigen Vorsprung war er in Runde 130 dann endgültig los, als sich beide Busch-Brüder an der strauchelnden #48 vorbeischoben. Zwanzig Umläufe später standen erneut „green flag stops“ auf dem Plan und Kyle Busch bekam 15 Runden lang den Platz an der Sonne, den eigentlich sein Bruder gebucht hatte – bei den Boxenstopps war die Crew der #18 aber schneller am Werk. Dann kam es nämlich zum ersten Zwischenfall, der einen übersteuernden Jimmie Johnson involviert sah. Während er sich im Ausgang von Turn 4 fast von der Strecke drehte, schickte er Denny Hamlin zum Rasenmähen ins Infield, wobei sich dieser den Splitter beschädigte. Bei den folgenden Boxenstopps warf dann Kyle Busch fast sein Rennen weg, als er nach dem Stopp mit Brad Keselowski kollidierte.

Dann begann nach dem Restart in Runde 172 die gähnende Langeweile im Mittelteil des Rennens: Nach einer Debris-Caution (Runde 213) war zwar Clint Bowyer kurz vorne, aber eben nur für eine Runde bevor Kurt Busch die blaue #2 wieder an die Spitze verfrachtete. Bei den „green flag stops“ nach weiteren 50 Umläufen war dann plötzlich Matt Kenseth vorne, weil er zuerst auf neue, schnellere Reifen wechselte. Dieser kluge Schachzug zahlte sich allerdings nur drei Runden lang aus, denn nun war Jimmie Johnson wieder an der Reihe; dieses Mal aber damit, seinen übersteuernden Chevrolet gänzlich zu zerlegen. Nach der grünen Flagge in Runde 277 hatte Kurt Busch erneut nach einem Umlauf die Führung zurückerobert. Spätestens hier zeigte sich, dass Buschs Auto auf den „short runs“ unschlagbar war.

Gegen Ende hätte dann nur noch Jamie McMurray den Busch-Dodge stoppen können

Jedoch ging es nun bereits auf das Finale zu und aus dem Verfolgerfeld schickte sich der letzte Gegner von Kurt Busch an diesem Abend an, dem Dodge von Roger Penske Konkurrenz zu machen. Wie beim Indy 500 hieß es nun: Ganassi gegen Penske! Da aber Montoya bekanntlich schon aus dem Rennen war, bleibt es an Jamie McMurray hängen, dem siegreichen IndyCar-Teamchef auch noch einen Erfolg beim Coca-Cola 600 zu schenken. In Runde 299 zeigte McMurray, dass die #1 auf den „long runs“ gegen Ende hin unschlagbar war. Lediglich 20 bis 30 Runden kostete es McMurray in der Folge, Kurt Busch immer wieder die Führung abzuluchsen. Jetzt stellte sich nur noch die Frage, wie lange wohl der letzte Run des Rennens gehen würde, denn das war für den Ausgang zwischen Busch und McMurray entscheidend.

In kurzer Folge verabschiedeten sich daraufhin zunächst Robby Gordon und dann Greg Biffle in die Mauer, bevor sich das Spiel zwischen Busch und McMurray von Runde 313 über den Führungswechsel in Runde 339 bis zu den letzten Boxenstopps unter grüner Flagge 50 Umläufe vor Schluss wiederholte. Wie bereits erwähnt führt hier Dale Earnhardt Jr noch kurzzeitig zehn Runden, bevor Jamie McMurray wieder übernahm. Sollten die letzten 50 Runden nun tatsächlich unter Grün beendet werden, so wäre der #1 von Chip Ganassi wohl der Sieg nicht mehr zu nehmen gewesen, da Kurt Buschs Wagen im späteren Verlauf der Runs immer an Speed verlor, während McMurray noch zulegen konnte.

Doch dann kam es tatsächlich noch zu einer Caution, weil Marcos Ambrose seinen Toyota wie so viele Fahrer an diesem Abend in die Mauer schickte. Kurt Busch nahm für das Finale noch einmal zwei neue Reifen mit und Jamie McMurray verlor an der Box ein paar Positionen. Jeff Gordon und Mark Martin blieben draußen und sicherten sich wertvolle „track position“, die ihnen schließlich noch Top6-Ergebnisse sicherte. Nach der ersten Runde des nun folgenden, 19 Runden lagen Shootouts hatten sich Kurt Busch (von Platz 4) und Jamie McMurray (von Rang 6) schon wieder an die Spitze gesetzt. Nun stellte sich nur noch die Frage, ob der Chevy von McMurray innerhalb dieser kurzen Distanz schon wieder auf volle Touren kommen würde.

Am Ende kam Jamie McMurray jedoch nur bis auf 0,737 Sekunden an den Rennsieger Kurt Busch ran, der damit seinen ersten Erfolg beim Coca-Cola 600 feiern durfte. Roger Penske bekam somit noch seine Revanche an Chip Ganassi für das verlorene Indy 500. Die Top5 komplettierten Kyle Busch, Mark Martin und ein starker David Reutimann. Auf den Plätzen 6-10 landeten Jeff Gordon, Clint Bowyer, der beste Ford mit Paul Menard, Ryan Newman und Matt Kenseth; der Tabellenführer Kevin Harvick fuhr in einem unauffälligen Rennen Platz 11 ein. Viele Top-Fahrer wie Kasey Kahne, Tony Stewart, Carl Edwards und Denny Hamlin waren kaum im Bild und mussten sich mit einem Top20-Ergebnis zufrieden geben.

Auch Martin Truex Jr, der über weite Strecken in den Top5 unterwegs war, kam am Ende nicht über Rang 23 hinaus. Jeff Burton hatte ebenfalls kein Glück und beendete das Rennen letztlich mit einer Runde Rückstand auf Position 25. Ganz schlecht schnitten die RedBulls ab: Im gesamten Rennen nicht zu sehen und mit mehreren Runden Rückstand nur am Ende der Top30 klassifiziert. Außer den fünf am Anfang genannten Fahrern, hatte keiner etwas mit dem Ausgang des Rennens zu tun. Es hat mich dann doch überrascht, dass ausgerechnet die so schwach vertretene Dodge-Truppe und das eher vom Pech verfolgte Earnhardt-Ganassi Racing sich im Finale um den Rennsieg stritten.

Harvick führt weiterhin die Meisterschaft an / Cockpittausch bei Front Row bewährt sich

In der Fahrerwertung musste sich Martin Truex Jr wieder aus den Top12 verabschieden, dafür ist nun Ryan Newman nach einem Top10-Ergebnis vorläufig für den Chase qualifiziert. Clint Bowyer und Jamie McMurray konnten Plätze auf den Chase gutmachen, während Tony Stewart zwei Ränge abgeben musste. In den Top12 ging es für Rennsieger Kurt Busch und Jeff Gordon gleich einige Plätze nach vorne. Dagegen rutschte Jimmie Johnson nach seinem erneuten De-facto-DNF drei Plätze ab. Die Pechsträhne des amtierenden Meisters scheint sich mit dem vierten Ergebnis schlechter als Platz 30 fortzusetzen. An der Spitze steht nach wie vor Kevin Harvick, der durch extreme Konstanz die Tabellenführung hält. Nach 13 Rennen hat er zwar erst einen Sieg, aber schon neun Top10-Ergebnisse auf dem Konto. Dahinter lauert Kyle Busch nun als ernsthafter Herausforderer.

Chancen auf den Chase haben unter dem in der Grafik aufgelisteten Jamie McMurray noch Tony Stewart (-27), Dale Earnhardt Jr (-54), Joey Logano (-86) und mit Abstrichen vielleicht David Reutimann (-125). Auf Platz 20 und 21 folgen dann Juan Pablo Montoya und Kasey Kahne, für die es mit 176 bzw. 183 Punkten Rückstand vermutlich bereits zu spät ist. Das wiederholte Pech Montoyas sowie die andauernde Unterperformance bei Richard Petty Motorsports werden 2010 wohl größere Erfolge verhindern. Doch bei Jimmie Johnson hat man zuletzt gesehen, wie schnell sich das Blatt wenden kann. Die beiden letztjährigen Chaser können vielleicht noch mit Einzelsiegen auf sich aufmerksam machen, das Potenzial dazu haben zumindest beide Fahrer.

Bei den Owner Points hat sich wieder etwas gedreht, denn nach Charlotte findet sich plötzlich Robby Gordon außerhalb der Top35 wieder. Nach dem genialen Fahrertausch bei Front Row Motorsports brachte David Gilliland die #38 wieder zurück „on the bubble“ und auch Travis Kvapil konnte in der #37 vor Gordon ins Ziel kommen. Rookie Kevin Conway holte in Charlotte weniger Punkte als Gordon und macht sich auf, den Vorsprung der #34 auf Platz 36 wieder zu dezimieren. Die Punktetabellen sehen dann letztendlich so aus:

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