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June 01 2010

06:30

Indy 500: Knapp an der Katastrophe vorbei

Ein dominanter Dario Franchitti hätte dem Rennen fast die Spannung genommen – die starken Andretti-Autos und der Benzinpoker sorgten dann doch nochmal für Unterhaltung. Und Mike Conways Crash zeigte deutlich, wie gefährlich Open-Wheel Ovalrennen immer noch sind.

Am Ende wurde es doch nochmal knapp: Nachdem Dario Franchitti den Großteil des Rennens nach Belieben dominierte, hätte ihm der Spritpoker am Ende fast noch den Sieg gekostet. Das sorgte immerhin für ein wenig Spannung in einem sonst eher taktisch geprägten Ovalrennen. Immerhin:  Auf den Plätzen hinter dem Schotten tummelten sich Fahrer, mit denen man nicht wirklich rechnen durfte. Vor allem Andretti Autosport überraschte mit einer starken Performance. Wenig Grund zur Zufriedenheit hat dagegen Roger Penske: Fehler von Team und Fahrern kosteten allen drei Wagen eine Spitzenplatzierung. Dass man sich bei aller Spannung vielleicht etwas überlegen sollte, um den Spritpoker auf Ovalen einzudämmen zeigte dann der Crash von Mike Conway. Der Brite hatte noch viel Glück im Unglück. Ein etwas anderer Einschlagswinkel hätte für die große Katastrophe gesorgt.

In gewisser Weise erfüllte das Rennen schließlich doch die Erwartungen: Viele waren davon ausgegangen, dass die Penske und Ganassi-Autos den Klassiker dominieren würden. Dass dann aber nur einer der Wagen so deutlich vorausfahren würde, ist schon eine Überraschung. Vor allem Franchittis Vorsprung auf Scott Dixon war verblüffend. Der Kiwi verlor zwar auch zahlreiche Plätze wegen eines lose montierten Vorderrads – auch ohne diesen Fehler seiner Boxencrew war er aber nie eine Bedrohung für den amtierenden IRL Meister.

Klarer war da die Sache schon bei Penske: Dort wären die Fahrer – allen voran Helio Castroneves – vielleicht näher an Franchitti drangewesen. Schließlich verhinderten aber zahlreiche Fehler ein gutes Ergebnis. Mit Will Power auf Rang acht als besten der drei Piloten wird die erfolgsverwöhnte Truppe sicher nicht zufrieden sein können. Zumal man ja auch immer noch auf der Suche nach einem Hauptsponsor ist.

Damit zu den positiven Überraschungen: Da wäre allen voran Andretti Autosport. Damit, dass das Team so gut mithalten kann, hätte nach den riesigen Problemen beim Qualifying vor einer Woche wohl kaum jemand gerettet. Vor allem Tony Kanaan, der sich von Startplatz 33 zeitweise bis Rang zwei vorkämpfte zeigte eine äußerst beeindruckende Leistung. Gut dabei war aber auch Marco Andretti, der sein bestens Ovalrennen seit langen ablieferte, und am Ende mit Rang drei belohnte wurde.

Eher diskret unterwegs war Ryan Hunter-Reay: Der im bisherigen Saisonverlauf konstant beste Andretti-Pilot war brav im Mittelfeld unterwegs. Sein Rennen endete zwar mit einem Paukenschlag, bis zur letzten Runde blieb er aber ziemlich unauffällig. Danica Patrick war zwar wieder mit dem Auto nicht zufrieden, schaffte aber am Ende trotzdem mit Rang sechs ihre beste Saisonplatzierung. In guter Erinnerung wird sie den Mai 2010 dennoch nicht behalten: Auch vor dem Rennen waren wieder vereinzelte Buhrufe von den Tribünen zu vernehmen. Für jemanden, der so an Schulterklopfer und positiven Medienhype gewöhnt ist, sicher eine charakterbildende Erfahrung.

Ein tolles Rennen erwischte Dan Wheldon: Fast die ganze Zeit war der Brite im vorderen Feld unterwegs, sparte dabei aber ausreichend Sprit, um am Ende fast noch Franchitti angreifen zu können. Nach eher unauffälligen Rennen auf den Rundkursen schient die Truppe von Panther Racing auf den Ovalen wieder zu Form aufzulaufen.

Beeindrucken konnte auch das Rahal-Letterman-Team: Niedmand hätte gemerkt, dass seit dem Indy 500 im vergangenen Jahr kein IRL-Wagen der Truppe mehr auf der Strecke war. Trotzdem konnte man zahlreiche etablierte Teams schlagen, und sich über weite Strecken im Vorderfeld halten. Schließlich wurde Graham Rahal mit einer eher fragwürdigen schwarzen Flagge aus den Top 10 entfernt: Der US-Pilot hatte im Zweikampf mit Dan Whelon wohl zu oft die Linie gewechselt. Für europäische Verhältnisse sah das Manöver nicht strafwürdig aus – andererseits zeigt der Unfall von Conway, dass man bei der IRL schon richtig handelt, wenn man unter allen Umständen Duelle zu vermeiden versucht, die so gefahren werden, dass sich die Räder der Autos berühren könnten.

Bester Rookie war am Ende Mario Romancini (Platz 13), der der Duell mit Simona de Silvestro (14) knapp für sich entscheiden konnte. Verdient hätten den Sieg in der Rookie-Kategorie aber beide: Romancini konnte nach bisher eher mittelmäßigen Fahrten am Bump Day und im Rennen endlich zeigen, dass er doch über mehr Talent verfügen dürfte, als bisher zu sehen war. Aber auch Simona de Silvestro lieferte auf dem kräfteraubenden Indianapolis Speedway bei ihrem erst zweiten Lauf auf einem Oval eine tadellose Leistung ab.

Auch Justin Wilson und Mike Conway waren in den Dreyer&Reinbold Wagen gut unterwegs, und konnten über 199 Runden das beste aus ihrem Material machen.

Conways Unfall in der letzten Runde führte dann plastisch vor Augen, wie gefährlich Open-Wheel Ovalrennen immer noch sind: Dem vor ihm fahrenden Ryan Hunter-Reay ging in der letzten Runde plötzlich der Sprit aus, Conway konnte nicht mehr ausweichen, und fuhr auf. Der Wagen stieg in Richtung Fanzaun auf und brach beim folgenden Einschlag in mehrere Teile. Glücklicherweise blieb immerhin das Monocoque intakt. Conway brach sich bei dem Unfall das linke Beim und einen Brustwirbel. Als Folge muss er nun drei Monate lang einen Stützgips für den Rücken tragen – die Saison ist wohl gelaufen. Ryan Hunter-Reay verletzte sich ein paar Bädner im Daumen, und musste sich ebenfalls einer Operation unterziehen. Er soll aber schon am kommenden Wochenende in Texas wieder dabei sein.

Das alles ist übel – Trotz der teils schweren Verletzungen hatten beide Fahrer aber noch immenses Glück im Unglück. Denn hätte sich Conways Wagen nach dem Abheben etwas anders bewegt, wäre er mit dem Helm im Fangzaun gelandet – und ob er in dem Fall noch unter und weilen würde, muss bezweifelt werden. Auch Hunter-Reay hatte riesiges Glück: Conways fliegendes Auto traf seinen Boldien in Helmhöhe. Die Fahrgastzelle hat Kratzer vor und hinter dem Helm. Nur Hunter-Reays Kopf bleib durch schieries Glück verschon. Auch hier gilt: Hätte ihn der Wagen am Kopf getroffen, wäre die Katastrophe wohl unvermeidlich gewesen.

So ist die IRL noch einmal entkommen. Trotzdem sollte man sich bei allem Spektakel, das ein Tankdrama bringt vielleicht überlegen, ob man das weiterhin riskieren will. Denn kein Fahrer kann schnell genug reagieren, um auf einem Oval einem unmittelbar davor langsamer werdenen Auto noch angemessen auszuweichen. Unfälle wie der vom Sonntag können wohl nur vermieden werden, wenn man etwas am Tankregelemnt ändert. Eine Prüfmenge, die nach der Zieldurchfahrt noch vorhanden sein muss, würde nichts von der Spannung eines Spritpokers nehmen – denn ob es dabei darum geht, das gerade noch mit Sprit oder “gerade noch mit 5 Litern” ins Ziel zu kommmen ist für die Spannung unerheblich. Sie könnte das Risiko solcher Unfälle aber massiv verringern.

In der Meisterschaft hat sich auch nach dem Indy 500 wenig getan: Will Power führt weiterhin relativ deutlich – auch, wenn der Vorsprung wegen des magern Platz Acht in Indy etwas gesunken ist. Dahiner lauert nunmehr Dario Franchitti, der seinerseits vom Teamkollegen Dixon verfolgt wird.

Das nächste Rennen findet schon Samstagnacht in Fort Worth, Texas statt. Eine ausführliche Vorschau darauf folgt gegen Ende der Woche.

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May 30 2010

15:03

Indy 500 Liveblog

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May 28 2010

09:00

Vorschau: Indy 500

Allen Problemen zum Trotz: Einmal im Jahr blickt die Motorsportwelt noch gebannt auf die IRL. Am kommenden Wochenende ist dieser Zeitpunkt wieder erreicht – das 94. Indy 500 steht vor der Tür.

Auch, wenn die Quoten in den vergangenen Jahren gesunken sind: Das Indy 500 ist noch immer einer der ganz großen Ereignisse im Motorsportkalender. Wenn Jack Nicholson am Sonntagabend die grüne Flagge schwenkt, dann wendet der motorsportbegeisterte Teil der USA für ein paar Stunden seinen Blick von North Carolina ab, und blickt in Richtung Indiana. (Am Abend dreht sich der Kopf dann wieder zurück in Richtung Coca Cola 600). Nach dem eher schleppenden Rennen im vergangenen Jahr hat die IRL alle Hebel in Bewegung gesetzt, um in dieser Saison wieder einen spannenderen Lauf zu bieten. Und wenn das Qualifying einen Vorgeschmack auf das Rennen geboten hat, dann darf man sich am Sonntagabend auch wirklich auf ein packendes Rennen freuen.

Etwas Historisches hat die Ausgabe von 2010 jedenfalls schon jetzt an sich: Es ist das zweite Indy 500 innerhalb des dreijährigen “Centennials”, also das 100-jährigen Jubiläums. Dass man gleich drei Jahre lang Jumbiläum feiert hat gleich mehrere Gründe. In erster Linie natürlich den geschäftlichen: Zu einer solchen Feierlichkeit lässt sich womöglich der eine oder andere Fan locken, der sonst eher zu Hause geblieben wäre. Andererseits gibt es aber auch eine historische Begründung: Der Speedway wurde schon im Jahr 1909 eröffnet, das erste 500-Meilen Rennen fand aber erst zwei Jahre später statt (damalige Siegerzeit: 6 Stunden, 42 Minuten – ein Schnitt von 120 km/h). Die Jubiläen 2009 und 2011 sind also “echt” – der heurige Lauf reitet eher auf der Welle von Feierlichkeiten mit. Dass am Wochenende trotzdem erst die 94. Ausgabe des Indy 500 stattfindet hat übrigens ganz einfache Gründe: 1917/18 und 1942-45 gab es wegen des ersten und zweiten Weltkrieges keine Rennen.

Historisches könnte auch Helio Castroneves leisten: Schafft es der Brasilianer am Sonntag, das Rennen als Sieger zu beenden, wäre er der erste Fahrer, der zweimal zwei hintereinander stattfindende Ausgaben das Klassikers für sich entscheiden konnte (2001/2002 und 2009/2010). Außerdem würde er in den elitären Kreis von AJ Foyt, Al Unser und Rick Mears aufsteigen – nur diese drei Piloten konnten bisher viermal aus der legendären Milchflasche trinken, die dem Sieger überreicht wird. Die Ausgangsposition ist schonmal vielversprechend: Der Brasilianer wird das Rennen am Sonntag von der Pole in Angriff nehmen. Und auch die Statistik gibt ihm recht: Insgesamt elf Mal hat ein Auto mit der (seiner) Startnummer 3 das Rennen gewonnen – öfter als alle anderen Startnummern. Andererseits: Demnach hätten auch die Nummern 1, 2 und 5 gute Chancen. Eine Startnummer 1 gibt es in diesem Jahr wegen Dario Franchittis Sponsorverpflichtungen nichtmal, 2 und 5 haben Raphael Matos und Takuma Sato – also recht deutliche Außenseitertipps.

Rein sportlich hätten da schon die Nummern 12 und 10 bessere Chancen – das sind nämliche jene von Will Power und Dario Franchitti, die mit Castroneves gemeinsam in der ersten Reihe stehen. Auch sonst ist wohl zunächst wieder mit den “üblichen Verdächtigen” zu rechnen: Der zweite Ganassi mit Scott Dixon und der dritte Penske von Ryan Briscoe stehen direkt hinter ihren Markenkollegen in der zweiten Reihe. Dort lauert mit Alex Tagliani aber auch schon die erste große Unbekannte: Im Training machte der Wagen des neu gegründeten FAZZT-Teams dem Namen alle Ehre. Wie “zznell” der Bolide aber über die Long Runs läuft, ist wohl noch ein wenig unklar. In Reihe drei lauern Graham Rahal, Ed Carpenter und Hideki Mutoh – ein Sieg von einem dieser drei Fahrer wäre aber in die Rubrik “Cindarella Stories” einzuordnen.

Für eine positive Überraschung könnten womöglich die Fahrer von Andretti Autosport sorgen: Die Startpositionen für Marco und John Andretti, Danica Patrick, Ryan Hunter-Reay und vor allem Tony Kanaan sind zwar nicht so toll – aber vielleicht gehen die Wagen im Renntrim ja besser. Zumindest Kanaan sollte den Trainingsergebnissen nach zu urteilen das Potential haben, einen deutlichen Sprung nach vorne zu machen. Und dann ist da noch Dan Wheldon: Der Wagen des Indy 500 Siegers von 2005 lief zwar im Qualifying nicht so gut wie erhofft, machte aber über die Long Runs einen deutlich schnelleren Eindruck.

Wie immer wird das Indy 500 von einem ausführlichen Rahmenprogramm begleitet. Darauf, wer die Hymne singt (Jewel), wer das Pace Car fährt (“Good Morning America” Moderatorin Robin Roberts), welche Band am Freitag auftritt (ZZ Top) oder welcher Promi sich vor dem Rennen im Zweisitzer von Michael Andretti um den Kurs chauffieren lässt (Mark Wahlberg), möchte ich hier nicht näher eingehen. Denn auch das sportliche Rahmenprogramm verspricht einiges: Schon am Freitag (18:30h) findet das traditionelle “Freedom 100″ der Indy Lights statt. Die “Night before the Indy 500″ am Samstag steht dann ganz im Zeichen des “Road to Indy” Nachwuchsprogramms. Sinnigerweise finden die Rennen der Star Mazda und US F2000 aber nicht am Indianapolis Speedway statt, sondern “nebenan” im O’Reilly Raceway Park (um 0:00h und 2:10h).

Übertragen wird das Spektakel wie schon in den vergangenen Jahren auch 2010 wieder von ABC, deren Schwesterfirma ESPN die Sendung produziert. Im deutschen Sprachraum hat sich traurigerweise kein Sender gefunden, der den Klassiker in dieser Saison ausstrahlen will. Deshalb müssen Fans wohl – wie schon bei den anderen Rennen – auf einen Internet-Stream zurückgreifen. Ob die Indycar-Racecontrol auf indycar.com (nach Anmeldung gratis) auch das Kronjuwel der Serie überträgt, ist leider unbekannt. Sofern nicht, wird man sich wohl bei den bekannten Quellen um eine Alternative umsehen müssen – zumindest sollte sich für das Highlight des IRL-Jahres auch da vermutlich etwas finden lassen. Die Rahmenrennen – auch jene vom O’Reilly Motorsports Park – sind dem Vernehmen nach fix als Streams bei der Racecontrol eingeplant.

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May 25 2010

06:00

Indy 500 Qualifikation: Die Analyse

Das Qualifying für das Saisonhighlight der IRL ist gelaufen, das Zusehen hat sich gelohnt. Denn während der Pole Day noch einigermaßen unspektakulär verlief, gab es zum Ende des Bump Day dann doch noch jede Menge Spannung.

Tony Kanaan muss am Bump Day um seinen Startplatz bangen. Paul Tracy scheitert an der Qualifikation. Sebastian Saavedra zerstört erst sein Auto – und ist am Ende doch beim Rennen dabei. Und Danica Patrick wird von der Tribüne ausgebuht. Die IRL wollte das Qualifying entstauben und wieder spannender machen – die Bemühungen wurden belohnt, vor allem die letzte Stunde des Bump Day wird man wohl so schnell nicht wieder vergessen. Der Pole Day war im Vergleich etwas weniger spektakulär. Aber auch vorne sind ein paar Autos aufgetaucht, die man nicht unbedingt dort erwartet hätte.

Sieger

Die erste Reihe ist noch überraschungsfrei: Die zwei Indy 500 Sieger Helio Castroneves und Dario Franchitti und der Meisterschaftsleader Will Power. In der zweiten Reihe stehen Ryan Briscoe und Scott Dixon – auch die hätte man dort erwartet. Doch zwischen den beiden wartet schon die erste große Überraschung: Alex Tagliani hat das Auto des in dieser Saison neu eingestiegenen FAZZT-Teams auf Platz fünf gestellt. Auch, wenn das Mannschaft nicht gänzlich neu ist, sondern den Shop von Marty Roth übernommen hat: So weit vorne hätte die Truppe auf einem Oval sicherlich kaum jemand erwartet.

Die zweite Cindarella-Story ist Graham Rahal: Bis vor wenigen Wochen war völlig unklar, mit welchem Auto der Sohn von Rennlegende Bobby das Indy 500 bestreiten würden. Für die ganze Saison konnte er nicht genug Sponsorengelder zusammekratzen, auf den Straßenkursen hielt er sich mit Gelegenheitsdrives für Sarah Fischer Racing im Gespräch. Für Indy hatten die Experten bei Newman-Haas erwartet. Doch der Deal kam nicht zustande, und Graham musste sich anderswo umsehen. Schließlich landete er beim familieneigenen Rahal-Letterman Team, das seit dem Indy 500 im vergangenen Jahr kein IRL-Rennen mehr bestritten hat. Umso erstaunlicher also, dass Rahal das Indy 500 von der siebten Position aus in Angriff nehmen wird.
Die dritten Reihe komplettieren Ed Carpenter und Hideki Mutoh – vor dem Training auch eher noch Geheimtipps.

“Zweite Sieger”

Gar nicht nach Wunsch lief es dafür für Andretti Autosport. Als schnellster Fahrer aus dem Siegerteam vergangener Jahre platzierte sich Marco Andretti auf Rang 16, einen Rang vor Ryan Hunter-Reay. Veteran John Andretti konnte sich immerhin sicher qualifizieren und startet von Rang 28. Danica Patrick und Tony Kanaan hatten dafür überhaupt ein Wochenende zum Vergessen.

Patrick konnte sich am immerhin am Sonntag locker für Platz 24 qualifizieren – das Qualifying lief für sie also aus sportlicher Sicht nicht gerade glänzend, aber durchaus noch solide. Dass sie das Wochenende dennoch in schlechter Erinnerung beahlten wird, hat allerdings einen anderen Grund. Als sie am Samstag an der Strecke etwas kritisch interviewt wurde, meinte sie “[...] it’s not my fault. The car is not good.” Anders ausgedrückt: Schuld sei das Team. Das kam beim Publikum an der Strecke gar nicht gut an. Folge: Buhrufe für für die merklich verdutzte Rennfahrerin. Danica wirkte noch immer völlig perplex, als sie etwas später dazu interviewt wurde. Auch, wenn der Hype um ihre Person ihr Können übersteigen mag – ihre Reaktion am Samstag halte ich für nachvollziehbar: Patrick wurde jahrelang als großer Star IRL aufgebaut, jeder kleine Erfolg wurde bejubelt. Jetzt lassen auch diese kleinen Erfolge auf sich warten – und die Schulterklopfer haben sich plötzlich aus dem Staub gemacht.

Aber auch, wenn es stimmen mag, dass Andretti Autosport schon mal konkurrenzfähiger war – clever ist ihre Kritik am Team ganz sicher nicht. Das Klima scheint schon zu leiden. Zumindest hat sich Tony Kanaan bereits berufen gefühlt, ihr über die Medien auszurichten, sie müsse ihre Einstellung ändern. Was natürlich auch von Kanaan kein wirklich cleverer Zug ist. Wie bei Patrick ist aber auch seine Frustration nachvollziehbar. In allen Trainings war der Brasilianer vorn dabei, das Team setzte ihn sogar in die Autos seiner Kollegen, um Tipps für die Abstimmung zu bekommen. Und dann die Enttäschung: Ein Dreher samt Mauerkontakt am Pole Day, das selbe noch einmal am Sonntagmorgen – und schon musste Kanaan um die Qualifikation bangen. Am Ende ging es dank eines passablen Versuchs etwa 30 Minuten vor Ende doch noch einmal gut, wenn auch denkbar knapp: Der Brasilianer wird das Rennen von Rang 32 aus in Angriff nehmen müssen.

Nur unwesentlich besser lief es für Takuma Sato. Der ehemalige Formel 1 Pilot zerstörte ebenfalls am Samstagmorgen seinen KV-Racing-”Lotus” und musste am Bump Day um die Qualifikation fahren. Schließlich reichte ein dramatischer Run in den letzten Minuten für Platz 31.

Besonders unglaublich war aber der Kampf um den letzten Startplatz am Ende des Bump Day. Erst zerstörte der auf dem Bubble-Platz 33 qualifizierte Sebastian Saavedra beim Trinaing sein Auto – sollte ihn also jemand überholen, würde er keine Zeit mehr haben, seine Zeit zu verbessern. Dann kamen die Versuche von Kanaan und Sato – Saavedra war draußen, vor ihm “on the bubble”: Mario Romancini.

Und dann fuhr Romancini einen Versuch, seine Zeit zu verbessern. Da der Nachwuchspilot zu diesem Zeitpunkt noch qualifiziert war, konnte kaum jemand verstehen, wieso er das Risiko einging, seine Zeit streichen zu lassen. Doch der Poker lohnte sich, Romancini schaffte die sichere Qualifikation auf Rang 27, alle anderen rutschten nach unten. Als nächster Pilot versuchte der auf den Bubble-Platz abgerutschte Paul Tracy den gleichen “Präventivschlag” – und scheiterte.

Und dann stand eine Minute vor Trainingsende Jay Howard auf Platz 33 – und vor einer riskanten Wahl: Würde er einen neuen Trainingsversuch wagen, wäre die schon gefahrene Zeit weg. Ohne einen neuen Trainingsversuch wäre allerdings Paul Tracy an der Reihe, und könnte veruschen, ihn aus der Startaufstellung zu bumpen. Howard entschied sich dafür, das Schicksal selbst in die Hand zu nehmen, und zu fahren – und schaffte es nicht. Der letzte Startplatz ging damit an den schon sicher draußen geglaubten Sebastian Saavedra, der im Infield Care Center von seinem Glück erfuhr.

Eine bittere Pille für Howard und Sarah Fischer Racing. Das kleine Team hatte wohl fix mit der Qualifikation beider Autos für das Indy 500 kalkuliert – im Interview direkt nach Trainingsende erklärte die völlig aufgelöste Sarah Fischer jedenfalls unter Tränen, dass sich das Ergebnis sehr nachteilhaft auf den Rest der Saison auswirken würde.

Äußerst schade ist die Sache auch für Paul Tracy: Anders als im vergangenen Jahr hatte der Kanadier diesmal nur einen Deal für das Indy 500, nicht auch für die Läufe in Edmonton und Toronto. Die Nichtqualifikation lässt befürchten, dass es wohl der letzte Auftritt von Tracy in dieser Saison war. Und ob er es mit diesem Ergebnis in kommenden Jahren noch einmal schafft, die nötigen Gelder für das Indy 500 aufzutreiben, steht in den Sternen.

Trotz dieser Wermutstropfen:  Die Qualifikation lässt diesmal wieder ein spannenderes Indy 500 hoffen, als es das Rennen vom vergangenen Jahr war. Eine ausführliche Vorschau folgt gegen Ende der Woche.

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May 20 2010

06:30

Indy 500: Die Qualifikation

Am Wochenende startet wieder der Qualifikationsreigen für das Saisonhighlight der IRL. Kürzer, knapper und spektakulärer soll in diesem Jahr alles ablaufen – ganz unkompliziert sind die Regeln trotzdem nicht. Eine kurze Erklärung.

Nach ein paar schönen Rennen zum Saisonauftakt, einem erfolgreichen Wochenende in Alabama, und dem gut besuchten Klassiker in Long Beach war das erste Ovalrennen der Saison ein wenig antiklimatisch. So mau das Rennen in Kansas gewesen sein mag – beim Indy 500 hat die IRL noch immer Spektakel geliefert. An diesem Wochenende steht die Qualifikation auf dem Programm. Und da haben sich die Verantwortlichen in diesem Jahr einen neuen Modus überlegt. Ziel: Mehr Spannung vorm TV-Gerät, weniger Ausgaben für die Teams. Die grobe Struktur mit “Pole Day” und “Bump Day” wurde beibehalten – aber sonst ist vieles neu. Denn erstmals findet die Qualifikation an nur noch zwei Tagen statt – und den besten winken schon am Sonntag erste Punkte und Preisgelder.

Pole Day (Samstag)

Am Samstag Vormittag (17:00 – 22:00Uhr MESZ) steht erstmal eine “konventionelle” Oval-Qualifikation auf dem Programm: Alle gemeldeten Fahrer (siehe unten) haben drei Versuche, im Einzelzeitfahren eine Marke zu setzten. Jeder Versuch besteht aus vier Runden (= zehn Meilen), es zählt die Gesamtzeit.

Wer in dieser Qualifikation auf der ersten neun Plätzen landet, ist bereits fix für das Indy 500 qualifiziert. Unter diesem neun Fahrern geht es im Anschluss (2:30 – 0:00 Uhr) dann um die Pole: Dafür werden die Zeiten aus dem ersten Quali-Segment gestrichen, jeder Fahrer hat mindestens einen Versuch, eine Marke zu setzen. Solle noch Zeit bleiben, ist aber auch ein zweiter Quali-Run möglich.

Bump Day (Sonntag)

Am Folgetag (12:00 – 0:00 MESZ) geht es dann im klassischen “Bump Day”-Modus um die restlichen 24 Startplätze für das Rennen. Jene Piloten, die am Samstag einen Platz zwischen zehn und 24 belegt haben, dürfen ihre Zeit behalten. Alle anderen beginnen bei Null – ihre Zeit wird nämlich gestrichen. Primär geht es also darum, dass sich jene, die am Samstag noch keine Marke gesetzt haben für einen der verbleibenden neun Startplätze (25-33) qualifizieren. Sicher ist aber niemand: Wer immer eine schnelle Zeit setzt, bumpt alle, die langsamer sind um einen Platz nach unten. Theoretisch können also alle Fahrer ab Position 10 noch ihren Startpatz verlieren.

Und was ist bei Regen?

Darüber scheint sich keiner so wirklich Gedanken gemacht zu haben. Momentan sieht es zum Glück auch so aus, als wäre das auch nicht nötig, denn am Wochenende soll es in Indianapolis schön und trocken sein. Sollte es aber tatsächlich so sein, dass man nicht, oder nur wenig fahren kann, wird die Qualifikation verschoben. Im Notfall, so hört man, wäre man auch bereit, auf das neue System zu verzichten, und eine “normale” Oval-Quali zu machen.

Neu: Punkte und höhere Geldpreise

Um die Wichtigkeit der Qualifikation zu heben, hat die IRL die Geldpreise für die drei Front-Row-Starter noch einmal deutlich erhöht. Dem ersten winken 175.000$, für Rang zwei gibt es 75.000$, und für den Dritten immerhin noch 50.000$. Außerdem bekommen alle 33 Starter Meisterschaftspunkte: Während es bei normalen IRL-Rennen lediglich einen Punkt für die Pole gibt, gewinnt der Pole-Mann hier gleich 15 Zähler. Der zweite bekommt 13, der dritte zwölf. Für die anderen Top-Neun Positionen gibt es elf bis sechs Zähler, für die Plätze zehn bis 24 vier, für die restlichen Starter drei.

Wer ist dabei?

Auf der offiziellen Entry List (Achtung, .pdf. Nicht verwirren lassen, die Startnummer mit einem “T” dahinter zeigen nur an, dass auch ein Ersatzfahrzeug bereit steht) werden noch 38 Fahrzeuge geführt, das 3G-Team ist allerdings noch zu keinem der bisherigen Trainings aufgetaucht – nachdem auch der Fahrer als “TBA” geführt ist, muss man wohl davon ausgehen, dass nur 37 Piloten und in die Qualifikation gehen. Unter jenen, die in dieser Saison bisher nicht dabei waren, finden sich gleich einige bekannte Namen: Paul Tracy (KV Racing) wird erstmals dabei sein, AJ Foyt IV (Foyt Racing) und Bruno Junqueira (FAZZT), Townsend Bell (Schmidt/Ganassi), Ed Carpenter (Panther Racing), Davey Hamilton (de Ferran) und Tomas Scheckter (Dreyer&Reinbold) feiern ebenfalls ihre Serien-Comebacks. Ana Beatriz (ebenfalls Dreyer&Reinbold) geht nach Sao Paulo zum zweiten Mal in der IRL an den Start, Graham Rahal kehrt von Sarah Fischer Racing zum heimatlichen Rahal/Letterman-Team zurück. Überhaupt zum ersten Mal könnte Sebastian Saavedra in der IRL an den Start gehen – bisher sieht es aber so aus, als hätte der Kolumbianer Probleme, eine anständige Zeit zu setzen. Mal sehen, ob er sich qualifizieren kann.

Insgesamt könnten in diesem Jahr zum ersten Mal fünf Frauen (Danica Patrick, Sarah Fischer, Simona de Silvestro, Ana Beatriz und Milka Duno) beim Indy 500 starten. Ob es tatsächlich zu dieser Premiere kommt, wird wohl vor allem davon abhängen, ob sich Beatriz und Duno wirklich qualifizeiren können. Vor allem letztere machte in den bisherigen Trainings einen etwas wackligen Eindruck.

Was bisher geschah

Besonders viel kamen die Piloten bis jetzt noch nicht zum Fahren – die ersten Rookie-Tests am Wochenende wurden von häufigem Regen unterbrochen, das Montags-Training musste überhaupt abgesagt werden. Bei ersten wirklich seriösen Training am Dienstagnachmittag war Scott Dixon am schnellsten. Dahinter etwas überrschend Mario Moraes, gefolgt von Marco Andretti und dem erstaulichen Alex Tagliani. Weitere Überraschungen: Simona de Silvestro auf Rang zehn, Ryan Briscoe nur auf 18. Graham Rahal schaffte es auf Position 20, Takuma Sato auf 26. Danica Patrick setzt ihre Misserfolgsserie mit Platz 30 fort. Den ersten härteren Abflug hatte EJ Viso, der im Anschluss über Rückenschmerzen klagte. Ersthaft verletzt hat sich der Venezoelaner nach bisherigem Informationsstand aber zum Glück nicht.

Die Aussagekraft dieser ersten Zeiten darf freilich bezweifelt werden. Vor allem die guten Teams werden ihre Karten wohl erst am Samstag wirklich auf den Tisch legen.

Die 20 Millionen-Idee

Für Aufsehen hat in der vergangenen Woche eine Idee vom neuen Indycar-CEO Randy Bernard gesorgt. In einem Interview erzählte der CEO von Speedway Motorsports (einer Oval-Betreiberfirma, der unter anderem auch die Strecke in Charlotte gehört) von Verhandlungen mit der IRL, schon ab 2011 einen Preis von 20 Millionen Dollar für jenen Piloten auszuschrieben, der es schafft, an einem Tag die Indy 500 und das Coca Cola 600 zu gewinnen. Eigentlich war geplant, die Idee noch geheim zu halten – denn zu viele Details sind noch ungeklärt. So fehlt etwa noch die Zustimmung von Mari Hulman George, der Besitzerin des Indianapolis Motor Speedway. Außerdem stünden dem Plan derzeit noch die zu nahe beieinander liegenden Beginnzeiten der beiden Rennen im Wege – angeblich wäre die IRL aber bereit, den Indy 500 Start von 13:00 auf 11:00 Uhr vorzuverlegen. Interesse an einem solchen Doppelstart haben in der Vergangenheit etwa die NASCAR-Stars Kyle und Kurt Busch, Kasey Kahne, Dale Earnhardt, Jr. und Kevin Harvick geäußert. Tony Stewart, Robby Gordon und John Andretti, die in der Vergangenheit schon in beiden Rennen gestartet sind, wären womöglich auch wieder für den Double Header zu gewinnen.

Übertragungszeiten

Ein kompletter Plan für alle Veranstaltungen rund um das Indy 500 ist auf der Indycar-Homepage verfügbar. Der Pole- sowie der Bump Day werden jeweils ausführlich auf Versus übertragen – hierzulande wird man wieder auf den offiziellen Stream von der “Indycar Race Control” setzten müssen, wo ebenfalls beide Qualifikationstage ausgestrahlt werden.

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May 19 2010

08:00

Ferner liefen: Die Newshappen

// Keine Entscheidung gibt es weiter in der Reifenfrage 2011. Zwar wollte man eigentlich schon “spätestens in Spanien”, und dann aber “jedenfalls in Monaco” eine Einigung erzielen, jetzt soll es aber doch erst “in der Türkei” so weit sein. James Allen hat am Wochenende getwittert, dass die Wahl wohl zwischen Michelin und Pirelli fallen würde. Glaubt man dem oben verlinkten autosport.com-Artikel, ist unter den beiden Marken wohl Pirelli derzeit eher der Favorit auf den Zuschlag – die Italiener bieten wohl günstigere Konditionen.

// Die Amerikaner geben nicht auf. Die Cypher Group, die angeblich aus sehr erfahrenen Formel-1 Ingenieuren, Designern und Geschäftsleuten besteht, möchte für 2011 ein erfolgreiches US-Formel-1 Team stellen. Die Website ist, vorsichtig formuliert, nicht informativ. Man schreibt, dass man einen Brief an die FIA am 13. April geschrieben hat, in dem man seine Absicht bekundet, 2011 an der Formel 1 teilzunehmen. So weit, so gut. Das wars dann aber auch großartigem Informationsgehalt… Keine Namen, keine Sponsoren, nix, null Komma nix, bis auf http://www.f1-photo.com/, die aber wohl nur die Fotos für die Website stellen, unter anderem das eines alten BAR-Honda. Bei Contact steht nicht mal mehr eine Anschrift, sondern nur eine Em@iladresse. Der Versuch, über eine Whois Suche mehr heraus zu finden, verlief leider bei einem Domainregistrar im Sande. Desweiteren schaffen sie es irgendwie keinen einzigen Namen auf die Website zu schreiben. Wenn ich schon mit erfahrenen Leuten werbe, dann muss ich doch auch Namen nennen. Sieht also nicht besonders ernstzunehmend aus das Ganze, aber abwarten.

// Glaubhafter ist das schon die Bewerbung des in diversen Nachwuchsklassen erfahrenen ART Grand Prix Teams, die ebenfalls am vergangenen Wochenende bekannt wurde. Für schiefe Blicke bei der Konkurrenz könnte sorgen, dass das Teams im Teilbesitz von Nicolas Todt ist, dessen Vater, FIA-Präsident Jean Todt, nun die Behörde führt, die über Wohl und Wider der Bewerbung zu entscheiden hat. Ganz unabhängig davon hätte sich das Team aber mit den Leistungen in F3 Euro und GP2 durchaus eine Chance in der Königsklasse verdient. Über mögliche Geldgeber des Projektes ist zur Stunde noch nichts bekannt.

// Ganz anders beim derzeit noch einzigen französischen Team in der Formel 1. Renault setzt die Serie an neuen Sponsorverpflichtungen fort, und scheint diesmal einen besonders dicken Fisch an Land gezogen zu haben. In Monaco wurde nämlich Tarek Essam Ahmad Obaid, seines Zeichens Mitbesitzer der saudi-arabischen Ölfirma PetroSaudi als neuer Teilhaber bekannt gegeben. Mitbesitzer dieser Ölfirma ist der saudische Prinz Turki, ein Sohn des Königs Abdullah – das Geld dürfte dort also nicht so schnell zur Neige gehen. Ob Obaid auch außerhalb seiner finanziellen Beteiligung eine Rolle beim Teams spielen soll, ist noch nicht bekannt.

//Nicht ganz so dolle scheint es um das HRT Team zu stehen. Zumindest hat Bernie Ecclestone in einem Interview mit dem britischen Telegraph die Befürchtung geäußert, das Team werde womöglich die Saison nicht überstehen. Die Lage scheint aber auch nicht hoffnungslos, denn Bernie hat angekündigt, dem Team notfalls helfen zu wollen – ob das reicht, bleibt natürlich abzuwarten. Teamchef Colin Kolles den Gerüchten zur finanziellen Lage im Interview mit autosport.com mittlerweile widerspochen, und sogar für die kommenden Wochen die Verkündigung eines Planes zur technischen Entwicklung des Autos für 2011 angekündigt.

// Im gleichen Interview äußert sich Eccelstone außerdem erstmals konkret über Pläne, in Sotchi, dem Austragungsort der Olympischen Winterspiele 2014 einen Grand Prix von Russland auszurichten. Nach dem GP von Monaco will er sich jedenfalls bei einem Lokalaugenschein in Russland selbst ein Bild von den Plänen machen. Läuft alles nach Plan, könnte es 2013 erstmals so weit sein. Im selben Jahr könnte dem Interview zu Folge auch der schon länger durch die Medien geisternde GP von Rom Realität werden.

// Ferraris Stefano Domenicali fordert nach dem Alonso-Missgeschick vom Monaco-Samstag – wenig verwunderlich – die Rückkehr des Ersatzautos, das bis zum Verbot aus Kostengründen vor einigen Jahren Standard in der Formel 1 war. Dem Publikum Fernando Alonso im Qualifying vorzuenthalten sei schlimmer als die höheren Kosten für ein T-Car. Für eine solche Regeländerung müssten aber wohl auch die anderen Teams zustimmen und gerade die neuen Teams, aber auch an chronischem Geldmangel leidende Privatteams wie Williams und Force India dürften mit dem aktuellen Zustand recht glücklich sein und Ferrari diesen Wunsch nicht erfüllen.

// Bei der Indycar Series rüht der neue CEO Brain Barnhard weiter heftig um: So wurde diese Woche Überlegungen bekannt, ab 2011 ein Preis in der Höhe von 20 Millionen Dollar (!) für jenen Fahrer auszuschrieben, der am selben Tag sowohl das Indy 500 als auch das Coca Cola 600 gewinnt. Ziel der Aktion ist es, die Attraktivität des Indy 500 durch den Einsatz von NASCAR-Stars zu steigern. In der Vergangenheit haben etwa Tony Stewart, Robbie Gordon und John Andretti das Double bestritten, in Interviews haben zudem auch Kyle und Kurt Busch, Kasey Kahne, Dale Earnhardt Jr. und Kevin Harvick signalisiert, dass sie sich mit der richtigen Vorbereitung und einem konkurrenzfähigen Indycar vorstellen könnten, beide Rennen zu fahren. Im Weg stehen dem Deal derzeit noch die mittlerweile zu knapp beieinander liegenden Startzeiten der beiden Rennen – und Bedenken von General Motors, die “firmeneigenen” NASCAR-Stars in Honda-betriebenen Indycars fahren zu lassen.

// Erste Probleme bei der Superleague Formula? Einer Meldung von Autosport (Print) zufolge soll jedenfalls SLF-Präsident Alex Andreu vergangene Woche den Hut genommen haben – seinen Anteil an der Rennserie hat er aber wohl behalten. Sonst ist um die Causa wenig bekannt. Der Abgang könnte also durchaus auch geplant gewesen sein, oder persönliche Gründe haben. Vielleicht werden aber auch die Geldgeber langsam nervös.

// In der Starterliste für die 24 Stunden von Le Mans am 12./13. Juni werden nach und nach “TBA”s durch Fahrernamen ersetzt: bereits letzte Woche wurde die Teilnahme des amtierenden DTM-Champions Timo Scheider (im Scuderia Italia-Porsche mit Richard Westbrook und Marco Holzer) verkündet, OAK Racing vervollständigte sein Sextett kürzlich mit dem Meister der 2006er IFM und 2009er LMS sowie letztjährigen Aston Martin LMP1-Piloten Jan Charouz in der #35 und Jean-Francois Yvon in der #24. Letzterer kann bereits auf zehn Teilnahmen einen Klassensieg zurückblicken: im Jahr 1984 (lange vor dem Einbau der Hunaudieres-Schikanen!) gewann er die Klasse B auf einem BMW M1. Als dritter Mann im gelben JMW Racing Aston Martin Vantage GT2 wurde der 27jährige Hawaiianer Bryce Miller auserkoren, der aktuell auch in der GT Challenge-Kategorie der ALMS antritt.

// Nachdem bereits Anfang April die japanischen Teams von Dome und der Tokai University ihre Teilnahmen an den 24 Stunden von Le Mans absagen (bzw. im letzteren Fall den ersten Platz auf der Reserveliste aufgeben) mussten, kamen im Mai noch der Team Modena-Ferrari, die PK Racing-Corvette und die Pescarolo-Teams hinzu. Nachrücker sind Pegasus Racing (geplant ist die Teilnahme mit einem Norma-Chassis, das aber noch nicht rechtzeitig für die 1000km von Spa fertig war) und die deutsche Kruse Schiller Motorsport-Mannschaft bei den Prototypen und jeweils ein zweites Auto für Felbermayr-Proton (Porsche), AF Corse (Ferrari) und Matech (Ford) in den Gran Tourismo-Klassen.

// Aston Martin hat sich für das Motorsport-Jahr 2010 vorgenommen, sein Modell Vantage groß herauszubringen. Unter anderem siegte bei den 24h am Nürburgring am vergangenen Wochenende eines dieser V8-Fahrzeuge in der SP10/GT4-Klasse (Gesamtrang 27) und auch am ersten Rennwochenende des GT4 European Cup gab es zwei Doppelsiege zu verzeichnen. Die neu ins Leben gerufene “Aston Marton British GT4 Challenge” versucht der Edelhersteller mit prominenten Teilnehmern zu promoten: beim zweiten Lauf am kommenden Wochenende wird Sportchef David Richards sich einen Vantage GT4 mit “Mr. Bean”-Darsteller Rowan Atkinson teilen. Der Autonarr, der in den späten 80ern am britischen Renault 5-Markenpokal teilnahm, wird am Freitag zum ersten Mal überhaupt den Wagen testen.

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May 12 2010

06:30

Ferner liefen: Die Newshappen

// Wieder keine Reifenentscheidung in der Formel 1: Ursprünglich hatte man geplant, sich bis Barcelona hinsichtliches des Ausrüsters für 2010 einig zu werden, jetzt waren Stimmen zu vernehmen, die zumindest eine Einigung bis zum kommenden Wochenende in Monaco fordern. Offiziell beworben haben sich Michelin, Pirelli und Avon/Cooper. Gestern wurde allerdigs bekannt, dass die Teams auch weiterhin versuchen, Bridgestone zum Bleiben zu überreden. Zeit wäre es allemal für eine Entscheidung, denn immerhin ist bei den Teams die Entwicklung der Wagen für kommendes Jahr schon lange angelaufen – da wäre es schon mal praktisch zu wissen, mit welchen Reifen das Design dann arbeiten muss. Der Vorschlag, bereits 2011 mit 18 Zoll-Reifen zu fahren schient derweil vom Tisch – Michelin und Pirelli wären zwar weiterhin an einer Umstellung interessiert, würden aber wegen der hohen Entwicklungskosten einer Verschiebung auf 2012 oder 2013 zustimmen.

//2011 wird es in der Formel 1 keinen F-Schacht mehr geben: Die Team-Organisation FOTA beschloss am Rennsonntag in Spanien das System für 2011 zu verbieten. Die wohl kontroverseste Entwicklung dieses Jahres wird damit schon fürs nächste Jahr ausgeschlossen. McLaren bat die FOTA zwar kein Verbot auszusprechen, diese Bitte wurde jedoch abgelehnt. Sicherheitstechnische Aspekte sollen hierbei ebenfalls eine Rolle gesehen haben, da die Lösung von Ferrari, mit der Hand das Loch zuzuhalten, als kritisch angesehen wird, da ein Fahrer beide Hände wenn möglich am Lenkrad haben sollte.

// Dietrich Mateschitz hat überraschenderweise durchblicken lassen, wie viel Leistung dem Motor von Renault fehlt. Laut seiner Aussage sind es 30 bis 40 PS. Das erscheint mir etwas viel, vor allem wenn man den aerodynamisch leicht benachteiligten Renault sich so anschaut und wie der in der Lage ist, je nach Quali-Ergebnis sich unter den Top5 zu tummeln. Wenn dem Renault wirklich so viel Power fehlt, dann müsste Red Bull deutlich benachteiligt sein.

// Doch keine Rennen der GP2 und GP3 in Portimão – weil die Strecke “vertraglichen Verpflichtungen” nicht nachgekommen ist, wurden die für Juni geplanten Läufe abgesagt. Nach der Auto GP, die ihren für Portimão geplanten Saisonauftakt schon vor zwei Monaten wegen eines angeblichen Mangels an Streckenposten nach Brünn verschoben hat, ist es bereits das zweite Event auf der portugiesischen Bahn, das in diesem Jahr nicht stattfinden kann. Bleibt zu hoffen, dass sich die Berg- und Talbahn nicht so kurz nach der Eröffnung schon wieder in finanziellen Problemen befindet.

// Massig Zukunftsspekulationen gibt es auch in dieser Woche wieder in der WTCC: Promoter Marcello Lotti hat in einem Gespräch mit Autosport bestätigt, dass Ford, Honda, Toyota und Alfa Romeo am Einstieg in die Serie interessiert sind. Angeblich denkt zusätzlich auch noch Subaru über einen Einsatz nach. Alfa Romeo-Mutter FIAT macht ein mögliches Engagement allerdings davon abhängig, ob die WTCC in Hinkunft den den Einsatz von Biogas-Motoren erlaubt. Ist dies der Fall, könnte sich dem Vernehmen nach auch SEAT wieder einen verstärkten Einsatz in der Serie vorstellen. Ein möglicher Einsatz von Honda wiederum könnte über den Umweg über die Zweigstelle Honda Argentinien stattfinden – in diesem Sinne scheint die WTCC derzeit auch darüber nachzudenken, die kommende Saison in dem südamerikanischen Land zu beginnen. Bevor sich jetzt einige zu früh freuen: Ein Rennen in Potrero de los Funes (San Luis) ist wohl leider nicht angedacht, zur Wahl stehen offenbar die ehemalige Formel 1 Strecke in Buenos Aires oder eine Strecke bei der Stadt Termas del Rio Hondo im Nordwesten des Landes.

// Ein wenig zeitweisen Zuwachs wird es aber auch in diesem Jahr bereits geben: Kristian Poulsen und Fabio Fabiani werden in Monza zwei zusätzliche private BMW 320si pilotieren, Pierre-Yves Corthals in Zolder einen SEAT Léon Benziner.

// Eine Bestätigung des IRL-Straßenrennens in Baltimore rückt näher. Vergangene Woche haben die zuständigen Stellen der Stadtregierung Ausgaben in der Höhe von acht Millionen Dollar über die nächsten fünf Jahre für das Event bereitsgestellt. Nach Klärung der letzten Details könnte ein über diesen Zeitraum laufender Vertrag mit der IRL noch in diesem Monat bekannt gegeben werden. Das geplante Layout der Strecke folgt dem Stadtkurs-üblichem Schema – langen Geraden, zahlreiche 90-Grad Kurven und zwei enge Kehren – und soll unter anderem am pittoresken Inner Harbor und am M&T Bank Stadium vorbeiführen.

// Überhaupt scheinen die Überlegungen zum Indycar Kalender 2011 derzeit in einer kritischen Phase zu stecken. Die IRL ist nämlich ziemlich unzufriden mit der Vermarktung, die die Betreiberfirmer mehrerer Rennen am Indycar-Kalender, die ISC (International Speedway Corporation) für die Rennen betreibt. Der personell und strukturell eng mit der NASCAR verbundenen Firma gehören unter anderem die Ovale von Chicagoland, Homestead und Kansas sowie die Traditionsstrecke in Watkins Glen. Die Unstimmigkeiten scheinen so weit zu gehen, dass die Indycar angeblich sogar überlegen soll, alle der genannten Rennen 2011 aus ihrem Kalender zu streichen. Über möglichen Ersatz (New Hampshire? Atlanta? Charlotte? Road America?) wird bereits eifrig diskutiert.

// Beim Indy 500 in diesem Jahr könnten derweil erstmals fünf Frauen an den Start gehen. Neben Danica Patrick, Simona de Silvestro, Sarah Fischer und Milka Duno wird auch Ana Beatriz versuchen, sich für das Rennen am Brickyard zu qualifizieren.

// Gute Nachrichten aus Donington: Auf dem Traditionskurs in der Grafschaft Leicestershire sollen nach den glücklosen Umbauversuchen vom vergangenen Jahr bereits heuer wieder Rennen stattfinden. Schon im August sollen historische Motorräder unterwegs sein, das BTCC-Rennen Mitte September wird wohl auch wie geplant über die Bühne gehen können. Zunächst wird allerdings nur der “National Course” wieder in Stand gesetzt, der “Melbourne Loop” hinter den Boxen könnte später folgen. Die von Hermann Tilke geplante Verlängerung im Infield der Strecke wird dagegen wohl nicht gebaut.

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May 05 2010

06:30

Ferner liefen: Die Newshappen

// Über den Umweg einer Beschwerde der “Friends of Liberty State Park” ist es nun also bestätigt worden: Die Stadt New Jersey verhandelt mit Bernie Ecclestone über die Austragung des US Grand Prix 2012. Stattfinden soll das Rennen im besagten Liberty State Park – einer Grünanlage, der das geschichtsträchtige Ellis Island vorgelagert ist, wo bis Mitte der 1950er-Jahre mehr als 12 Millionen Einwanderer in die USA ihre Papiere erhielten. Direkt auf der anderen Seite des Hudson River erhebt sich die Skyline von New York. Wie ernst man die Bewerbung nehmen muss, ist indes unklar. Umfang, Professionalität und Streckenplan deuten – vorsichtig gesagt – auf ein eher frühes Planungsstadium hin.

// Der Eyjafjallajökull hat doch noch ein Opfer in der Formel 1 gefunden. Wenig überraschend handelt es sich dabei um die Truppe von Virgin Racing, die wegen des Zeitmangels nun doch nur einen der beiden Wagen schon in Barcelona mit dem neuen, vergrößerten Tank ausstatten kann. Timo Glock wird das Vergnügen haben, das neue Auto zu fahren – Lucas di Grassi muss wieder im alten Boliden Platz nehmen. Aerodynamische Verbesserungen sind aber weiterhin für beide Wagen geplant.

// Force India wird in Spanien ein komplett renoviertes Motorhome mitbringen. Mal sehen, wie lange es steht, im letzten Jahr gab es ja angeblich ein paar Gläubiger, die die Hospitality pfänden wollten. Ein ganz neues Motorhome wird McLaren mit schleppen. Das gar nicht mal so alte, sehr imposante Ding aus den letzten Jahren entsprach wohl nicht mehr den Ansprüchen.

// Auch über das KERS-Comeback wird weiterhin diskutiert. Renault und Ferrari möchten das Energierückgewinnungssystem gern so bald als möglich wieder eingeführt sehen, andere Teams sind da eher skeptisch, was aber überwunden werden könnte, da das britische Unternehmen Flybrid angeboten hat, interessierte Teams mit einem Schwungrad-KERS zu wirtschaftlichen Konditionen zu versorgen.

// Aus dem Ferrari-Lager gab es erst kürzlich die Forderung, dass das für 2013 anstehende neue Motorenreglement mehr in Richtung moderner Technologien gehen müsse, Geschäftsführer Armedeo Felisa plädierte für eine Einführung der Direkteinspritzung zusammen mit dem kleinvolumigen Turbomotor, um die Effizienz zu steigern und Technologien zu fördern, die für Straßenfahrzeuge relevant sind. Der italienische Sportwagenbauer hat 2009 begonnen, sein Modell California mit einer Direkteinspritzung anzubieten, der 2010 in Produktion gehende 458 Italia, Nachfolger der 430, wird Ferraris erster Mittelmotor-Sportwagen mit diesem System.

// Die am Wochenende startende GP3 hat ein weiteres Rennen zu ihrem Saisonkalender hinzugefügt, und wird nun auch in der Türkei an den Start gehen. Damit werden an allen GP2 Wochenenden mit Ausnahme von Monaco auch Läufe der kleineren Schwestererie stattfinden.

// In der WTCC gibt es neue Spekulationen um ein Ersatzrennen für den abgesagten Lauf in Mexiko: Wie motorsport-total.de berichtet, hat Serienpromoter Marcello Lotti die Strecken von Katar und Bahrain, und einen nicht näher genannten Kurs in China in die engere Auswahl genommen. Angeblich sollten die Details dazu am Wochenende in Marrkesch besprochen werden, bisher sind aber keine weiteren Neuigkeiten nach Außen gedrungen. Was dagegen schon bekannt ist: Sollte es wirklich einen Ersatzlauf geben, würde der Termin zwischen dem europäischen Saisonabschluss Mitte September in Valencia und dem Japan-Rennen Ende Oktober liegen.

// Wie heute Nacht gemeldet wurde, wird Graham Rahal nach langem Tauziehen nun doch beim Indy 500 an den Start gehen. Anders als vermutet, wird er allerdings nicht für Newman-Haas (seit kurzem ja wieder ohne “Lanigan”) fahren, sondern für die familieneigene Rahal-Letterman Truppe.

// Vergangenen Freitag ist die Auktion für die Konkursmasse der A1GP-Serie zu Ende gegangen. Gerüchten zufolge soll es mindestens zwei mehr oder minder seriöse Bieter gegeben haben – ob einer davon den Zuschlag erhalten hat, ist zur Stunde aber noch nicht bekannt. Sollte die Serie nicht in ihrer Gesamtheit (sprich: alle Wagen, die Namensrecht inkl. “powered by Ferrari”-Slogan, etc.) verkauft worden sein, wird man allerdings in Bälde davon hören. In diesem Fall sollen die Bestandteile nämlich einzeln unter den Hammer kommen, um zumindest Teile der Schulden begleichen zu können.

// Rätselraten in der NASCAR. Man fragt sich, was Kevin Harvick und Kasey Kahne 2011 und Mark Martin 2012 so machen werden. Harvick, bzw. RCR hat Hauptsponsor Shell an Hendrick verloren. Harvick selber, der seit 2001 für RCR fährt, als er den tödlich verunglückten Dale Earnhardt ersetzte, ist wohl etwas unzufrieden bei RCR. Das erscheint, angesichts seiner erneuten Tabellenführung in der Serie, etwas merkwürdig, aber die Probleme sind wohl nicht sportlicher Natur. Offenbar hat man sich etwas auseinander gelebt und Harvick schaut, was woanders so geht. Weit oben auf seiner Liste stehen wohl Stewart und ECR. Kahne wiederum hat zwar für 2012 einen Wagen (die #5 bei Hendrick) aber für 2011 sieht es noch duster aus. Auch hier wird über eine Lösung bei Stewart-Haas nachgedacht. Dort könnte dann auch Mark Martin 2012 landen, wenn er denn nicht entweder bei JR Motorsports andockt. Man sagt Junior seit langem nach, dass er gerne mit seinem Team in die Oberliga aufsteigen möchte. Die Silly Season ist also schon richtig in Schwung.

// Nelson Piquet jr. soll angeblich in diesem Jahr noch ein paar Truckrennen fahren. Seine bisherigen Einsätze waren ja so schlecht nicht.

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April 29 2010

20:30

IRL: Vorschau Kansas

Nach vier Rund- und Straßenkursen in Folge beginnt bei der IRL langsam die Vorbereitung für das Indy 500. Am Wochenende steigt in Kansas das erste Ovalrennen der Saison.

Mitten im Herzen der USA besucht die Indycar Series bereits ihre fünfte Station in diesem Jahr. Spannend wird es Samstagnachmittag (!) in Kansas beim ersten Ovalrennen der Saison allemal – denn schon hier werden die ersten Karten für das Indy 500 auf den Tisch gelegt: Schon am Samstag wird man abschätzen können, ob sich auf den Ovalen die Dominanz von Penske und Ganassi aus dem vergangenen Jahr fortsetzt, oder ob andere Teams es geschafft haben, über den Winter zur Spitze aufzuschließen. Für zusätzliche Würze sorgt eine ab sofort gültige Regeländerung der IRL: Bereits in diesem Jahr werden nämlich zwei zusätzliche Meistertitel verliehen.

Im vergangenen Jahr war das Rennen auf dem nur mäßig überhöhten 1,5 Meilen Speedway nahe Kansas City nicht ganz so spannend. Es war vielmehr eher eines der Ovalrennen, bei denen man einen kräftigen Energydrink ganz gut gebrauchen konnte, um über die gesamte Distanz wach zu bleiben. Das muss aber für dieses Jahr kein schlechtes Omen sein. Denn erstens findet das Rennen diesmal nicht erst am späten Abend, sondern bereits um 20:00 statt (Übertragungsbeginn: 19:30). Und zweitens hat sich seit dem letzten Jahr auch sportlich einiges getan: Schon Mitte 2009 wurde der Push to Pass-Button eingeführt, und die Aerodynamik der Autos leicht angepasst, so dass auf den Ovalen nun ein engeres Auffahren möglich ist. Und außerdem haben heuer – zumindest auf den Rundstrecken – gleich mehrere Teams einen großen Teil ihres Rückstandes auf die “big two” von Penske und Ganassi aufgeholt.

Da wäre zum Beispiel Andretti Autosport. Das Team war in vergangenen Saisons auf den Ovalen immer wieder vorne dabei, hatte 2009 dann aber einen üblen Durchhänger. Auf den Straßenkursen war man heuer meist mit einem der Wagen in der Spitzengruppe – Ryan Hunter-Reay und Tony Kanaan muss man also auch in Kansas auf der Rechnung haben. Auch Marco Andretti könnte, wenn er mal wieder so einen Tag wie in Alabama erwischt ein Wörtchen mitreden. Und dann ist da ja noch Danica Patrick: Die hing zwar in den vergangenen Wochen in einem üblen Formtief – es war aber zu vernehmen, dass sie sich schon sehr auf den Beginn der Ovalsaison gefreut hat. Vielleicht findet ja auch sie zu ihrer alten Stärke zurück. Der Indycar würde es gut tun.

Sonst zu beachten: Mario Moraes, der in den letzten Ovalrennen der Saison 2009 ein paar sehr beachtliche Leistungen geboten hat. Wenn ihm KV Racing wieder ein entsprechendes Auto hinstellt, dann sollte man auch den Namen des Brasilianers beim Blick auf die Zeitenliste eher im oberen Drittel suchen. Spannend wird es auch zu sehen, was sein Teamkollege Takuma Sato bei seinem allerersten Auftritt in einem “Nudeltopf” erreichen kann. Erwarten sollte man nicht zu viel – selbst ein Montoya brauchte bei seinem Debut in der CART-Serie ein paar Rennen Eingewöhnung, um auf den Ovalen richtig konkurrenzfähig zu sein. Andererseits: Wenn der KV-Wagen wirklich so gut gehen sollte, wie im vergangenen Jahr, dann könnte auch der Japaner für eine Überraschung gut sein. Newman/Haas/Lanigan war Ende der vergangenen Saison auch nahe an der Spitze dran – ob das zunehmend marode Team aber noch einmal zu alter Stärke zurückfinden kann, scheint zweifelhaft.

Aber selbst wenn das alles nichts wird, und keines der anderen Teams konkurrenzfähig sein sollte: Penske und Ganassi stellen alleine ja auch fünf Fahrer. Wenn alle die ersten Runden überstehen, dann darf man zumindest ein schönes Duell dieser Piloten erwarten. Immerhin haben die Oval-Spezialisten Helio Castroneves und vor allem Scott Dixon schon einige Punkte Rückstand auf Tabellenführer Will Power. Der Australier fühlt sich zwar auf Straßenkursen normalerweise wohler – aber vielleicht gelingt ihm ja mit dem Wind der Tabellenführung im Rücken diesmal sein erster Ovalsieg.

In den USA läuft das Rennen wieder auf ABC, wo man die Zuseher offenbar schon mal auf das Indy 500 vorbereiten will. Für die Indycar ist das wegen der größeren technischen Reichweite eine feine Sache – und für deutsche Zuseher ist es auch nicht schlecht, weil so die Chancen steigen, irgendwo einen annehmbaren Stream des Rennens zu finden. Sofern das doch nicht möglich sein sollte, kann man die Geschehnisse auf der Strecke auch diesmal wieder in der Racecontrol auf indycar.com verfolgen. Der Übertragungstermin sollte nach derzeitigem Stand wohl halten – für Samstag ist zwar Bewölkung vorhergesagt, die Regenwahrscheinlichkeit ist aus heutiger Sicher aber gering.

Zwei neue “Meiterschaften”

Indycar-Boss Randy Bernard hat diese Woche mit einer ziemlich kurzfristigen Neuerung aufhorchen lassen: Schon in dieser Saison sollen neben dem gewohnten Indycar-Meistertitel zusätzlich zwei getrennte Trophies für die jeweils besten Fahrer auf Ovalen bzw. Rundkursen vergeben werden. Der Sieger der Rundurs-Wertung wird am 22. August in Sonoma feststehen, der Oval-Champion PR-technisch etwas ungünstig am 19.September im fernen Motegi. Das Finale in Homestead zählt nicht mehr zur Ovalwertung, so dass sich die Fans ganz auf das erhoffte Duell um die Gesamt-Meisterschaft konzentrieren können.

Für beide “Meister” werden neben den Titeln auch eigene Geldpreise verliehen – deren genaue Höhe steht allerdings zur Zeit noch nicht fest. Ebenfalls noch unklar ist der Name der neuen Trophies. Fest steht, dass Legenden des Sports als Namesgeber fungieren sollen – welche das genau sein werden, dürfen die Fans im Mai und Juni via Internet bestimmen.

Ein Ziel der neuen Meisterschaften sei es, die Vielseitigkeit der Serie zu unterstreichen, meint Bernard im Interview auf indycar.com. Ob es dafür allerdings gerade sinnführend ist, zwei getrennte Meisterschaften einzuführen, bleibt fraglich. Eingänglicher ist da schon ein Argument, das beim gewöhnlich gut informierten Indianapolis Star genannt wird: Mit den zwei Wertungen soll den kleineren Teams ermöglicht werden, zumindest genügend Sponsorengelder für eine der beiden Meisterschaften aufzutreiben. Das würde allerdings zu einem anderen Problem führen: Denn welcher Sponsor zahlt schon für die neun Rennen der Rundkurs-Meisterschaft, wenn er für weniger Geld auch die sechs Events der Oval-Trophy haben kann, die immerhin das Indy 500 beinhaltet?

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April 21 2010

10:00

Ferner liefen: Die Newshappen

// Zur Bewerbung um den 13. Formel 1 Startplatz für 2011 hat sich jetzt auch Prodrive zu Wort gemeldet – und einen Einstieg in die Königsklasse ausgeschlossen. Teamchef David Richards bezweifelt in der Presseaussendung, dass man derzeit genug Sponsorengelder auftreiben könne, um in der Königsklasse auch erfolgreich zu sein. Langweilig wird es für die die Briten trotzdem nicht: Zusätzlich zu den bestehenden Verpflichtungen in der V8 Supercar Series und bei den Sportwagen bereitet man für das kommende Jahr den Einstieg in die WRC vor. Lola hat ebenfalls schon abgesagt.

// Bestätigt hat Bernie Ecclestone nach einem Besuch vor Ort den Grand Prix von Südkorea 2010. 2011 wird es dann aller Voraussicht nach erstmals 20 Rennen geben, da für den neuen Grand Prix von Indien keine der existierenden Veranstaltungen gestrichen werden soll. Für die fernere Zukunft ist wohl auch eine weitere Ausdehnung des Kalenders auf bis zu 25 Rennen angedacht – mal sehen, was die Teams dazu sagen.

// Für Staunen sorgt in diesem Zusammenhang der Besuch des ehemaligen Indycar Chefs Tony George beim Rennen in Shanghai. Mögliche Erklärung: George hat sich als Besitzer des Indianapolis Speedway beim Vertragsabschluss mit Bernie wohl auch die Rechte an der Ausrichtung aller Veranstaltungen mit dem klingenden Titel “The United States Grand Prix at …” gesichert. Er könnte jetzt also als Veranstalter des von den Herstellern so heftig geforderten Rennens in den USA auftreten – oder müsste zumindest die Rechte an einen neuen Ausrichter verkaufen. Wo dieses Rennen stattfinden könnte, ist aber weiter unklar. Bernie Ecclestone scheint sich einen Austragungsort in der Nähe von New York zu wünschen.

// Eine Entscheidung drängt schön langsam auch in der Reifenfrage für das kommende Jahr. Autosport will erfahren haben, dass sich die Teams auf einen Deal mit Michelin geeinigt haben. Bernie Ecclestone scheint aber eine andere Variante zu bevorzugen – und zwar mit Überraschungskandidat Cooper/Avon. Eine Entscheidung soll bis zum GP von Barcelona in drei Wochen fallen – es wäre aber auch nicht das erste Mal, dass eine Deadline in der Reifenfrage versteicht.

// Die Vulkanansche macht auch dem Rennsport zu schaffen: Die MotoGP musste ihr Rennen in Japan, das für dieses Wochenende geplant war bereits verschieben. Auch die GT1 hängt derzeit in Abu Dhabi fest, die Zeit bis zum Rennen in Silverstone in eineinhalb Wochen könnte knapp werden. Gerede gab es auch die Formel 1, die in den nächsten drei Wochen Personal und Equipment nach Spanien transportieren muss. Bernie Eccelstone macht sich allerdings keine Sorgen, und hat erklärt, dass das Material notfalls auch rechtzeitig via Schiff nach Barcelona transportiert werden könnte. Knapp werden könnte die Zeit allerdings trotzdem: Und zwar für jene Teams, die für Barcelona größere Updates am Auto geplant hatten.

// Kasey Kahne wird ab 2012 für Hendrick Motorsports an den Start gehen und dort Mark Martin ersetzen. Sein Vertrag läuft bis 2015. Wo er derweil die 2011er Saison bestreiten wird, ist noch nicht ganz entschieden, allerdings ist es wahrscheinlich, dass Stewart Haas Racing, die Hendrick Chassis und Motoren verwenden  für Kahne ein drittes Auto zur Verfügung stellen.

// Die NASCAR erhöht den Druck auf FOX in Sachen Internetstreaming. Sehr deutlich hat man in einer Pressemitteilung klar gemacht, dass man den Fans schon gerne mehr im Netz anbieten würde, aber FOX alle Anfragen blockiert. Das ist in zweierlei Hinsicht interessant. Zum einen ist es ungewöhnlich, dass die NASCAR einen Vertragspartner derartig offen angeht, zum anderen bezieht man die Kritik ausschließlich auf FOX. Das nährt die Hoffnung, dass man nach dem Ablauf der FOX-Übertragungen evtl. einen eigenen Stream auf anbieten will, bzw. dass ESPN, die ab dem Sommer übertragen, mit der Übertragung um Netz keine Probleme hat.

// Paul Tracy wird beim Indy 500 in diesem Jahr für KV Racing starten. Von den vermuteten weiteren Rennen (Toronto und Edmonton) war bei der Bekanntgabe dieses Engegements nicht die Rede.

// Eurosport hat bestätigt, dass man die gesamten 24 Stunden von Le Mans live und in HD übertragen wird.

// Live-Motorsport wird es in dieser Saison auch bei Motorvision TV geben: Wie gestern bekannt wurde, hat sich der Sender, der über das “sky Welt”-Paket zu empfangen ist, die Rechte an allen Rennen der Seat Leon Supercopa und des Porsche Carrera Cups gesichert. Damit ist das DTM-Wochenende auf insgesamt vier verschiedene Sender verteilt: Die DTM selbst läuft im Ersten, die F3 Euro bei n-tv, der Scirocco R-Cup (zeitversetzt) bei Sport 1 und der Rest bei Motorvision.

// Der Focus wird schön langsam zur Motorsport-Postille. Nachdem vergangene Woche von den angeblichen Problemen bei der F1-Strecke in Korea berichtet wurde, meldet das Magazin diese Woche, dass BMW offenbar vor einem Einstieg in die DTM steht – und zwar schon 2011.

// Das DTM-Finale in Shanghai wurde derweil von Ende Oktober in den November verschoben – offenbar wäre sonst die Zeit für den Transport zu knapp geworden. Eine völlige Absage des Rennens hat ITR-Chef Hans-Werne aufrecht aber gegenüber motorsport-total.de ausgeschlossen.

// In Australien nimmt derweil auch das heurige Rennen in Surfers Paradise langsam Gestalt an. Nach dem Wegfall der Indycars und dem Ende der A1GP wird das Event in diesem Jahr unter dem Titel “Super Carnivale” als Endurance-Rennen der heimischen V8 Supercars ausgetragen. Der Clou dabei: Jeder der australischen V8-Fahrer muss sich das Auto mit einem “internationalen” Piloten teilen. Und da sind einege bekannte Namen dabei – fix zugesagt haben bisher schon Heinz-Harald Frentzen, Sebastian Bourdais, Tiago Monteiro, Gianni Morbidelli und Scott Pruett. Angeblich auch dabei: Jacques Villeneuve, Jan Magnussen und Chrisitan Fittipaldi.

// Das Feld in der AutoGP, der Nachfolgeserie der Euro 3000 füllt sich weiter: Duncan Tappy wird bei der Premiere am kommenden Wochenende in Brno für DAMS starten, Giorgio Pantano für Super Nova und Luca Filippi für Euronova.

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April 20 2010

06:30

IRL: Analyse Long Beach

Spannend war das, was die IRL am Wochenende in Long Beach geboten hat ja nicht gerade. Am Ende durfte sich die Serie aber trotzdem über einen Erfolg freuen.

Ein Viertel der Saison ist bei den Indycars jetzt schon wieder vorbei, und bisher fällt die Bilanz für die strauchelnde Rennserie eher gemischt aus: Schwere Organisationsprobleme aber ein tolles Rennen in Brasilien; Regenverschiebung in St. Petersburg – aber dann wiederum ein Rennen mit schönen Duellen und vielen Überholmanövern. Am Barber Motorsports Park in Alabama gab’s dann das andere Extrem: Tolle Organisation und viele Fans vor Ort – aber das Rennen war ziemlich dröge. Und so ähnlich war es am vergangenen Wochenende dann auch beim Klassiker von Long Beach. Dass die Indycar am Ende mit dem Rennen trotzdem zufrieden sein konnte, lag vor allem daran, dass mit Ryan Hunter-Reay endlich mal “der richtige” gewonnen hat.

Der sympathische Texaner profitierte dabei aber auch von Pech des Meisterschaftsleaders Will Power. Der Australier hatte das Rennen einmal mehr gut im Griff, als er beim Herausbeschleunigen aus der engen Haarnadel vor Start und Ziel kurzfristig nicht beschleunigen konnte und von Hunter-Reay und Justin Wilson überholt wurde. Anfangs dachten die Kommentatoren daran, dass Power womöglich den Speed-Limiter gedrückt, oder dass das Auto einen mysteriösen Defekt erlitten haben könnte. Wie Power nach dem Rennen zugab, ist die Wahrheit aber viel simpler: Er hatte sich ganz einfach verschalten. Gut für Hunter-Reay, der das Rennen ab diesem Zeitpunkt weitgehend dominierte.

Insgesamt scheint es bei Andretti Autosport wieder ein wenig nach oben zu gehen. Marco Andretti hatte in Alabama bis zum Tankdrama kurz vor Schluss einen starken Auftritt, und auch Tony Kanaan konnte in Long Beach immerhin den recht achtbaren fünften Platz nach Hause fahren. Sonst hat man vom Brasilianer aber schon animiertere Auftritte gesehen, als in diesem Jahr. Es wäre hoch an der Zeit, dass ihn der Erfolg seines eigentlich geringer eingeschätzen Teamkollegen Hunter-Reay wieder wachrüttelt. Abermals kein gutes Rennen hatte dagegen der vierte Andretti Autosport Wagen: Danica Patrick scheint sich gedanklich schon ein wenig von der Indycar-Szene verabschiedet zu haben, und hinterließ zum wiederholten Mal in dieser Saison einen reichlich blassen Eindruck. Dass ihr immerhin die im schwächeren HVM Wagen fahrende Simona de Silvestro diesmal nicht die Show stehlen konnte, und hinter ihr ins Ziel kam, mag nur ein schwacher Trost sein – sofern Danica das überhaupt noch interessiert.

Ein gutes Rennen zeigte dagegen schon wieder Justin Wilson. Der Brite brachte den sicher nicht gerade überlegenen Dreyer & Reinbold Dallara auf Platz zwei ins Ziel. Ebenfalls beeindrucken konnte endlich mal wieder Mario Moraes: Der Brasilianer, der gegen Ende der vergangenen Saison eine Reihe beeindruckender Resultate hingelget hat, und schon als ein neuer Star der Serie gehandelt wurde, konnte sich in Long Beach nach einer eher unauffälligen aber effektiven Fahrt den sechsten Rang sichern. Weniger toll läuft es nach wie vor für Takuma Sato: Nach einem kleinen Aufwärtstrend in der Qualifikation im Barber Motorsports Park konnte sich der Ex-Formel 1 Pilot diesmal nicht ins Quali-Segment der besten zwölf fahren. Im Rennen blieb er dann unauffällig, und kam nach Mauerkontakt mit einer Runde Rückstand auf Platz 18 ins Ziel. Schade, denn das Talent um vorne mitzufahren hätte Sato ganz sicher. In schlechter Erinnerung wird den Lauf in Long Beach auch Graham Rahal behalten. Nach verhaltener Qualifikation und einem Rennen in hinteren Teil des Feldes wurde der Jungstar in Runde 58 auch noch Opfer von Mario Romancini, der sich bei einem Überholversuch in Kurve eins massiv verschätzte und Rahal und sich selbst in die Reifenstapel schickte.

Das alles ist aber noch nichts gegen die Probleme, die Milka Duno in Long Beach hatte. Nachdem ihr im Freien Training rund zehn Sekunden auf die Spitze fehlten, wurde sie aus Sicherheitsgründen für die Qualifikiation geparkt. Als Ausfallgrund für das Rennen, das die Venezoelanerin vom letzten Startplatz aus in Angriff nehmen durfte, wird von der offiziellen Statistik etwas schmeichelhaft “Handling” angegeben. Tatsächlich hatte die Rennleitung schon vor dem Start angekündigt, sie zu wieder parken, sofern sie das Tempo der Spitze nicht mitgehen könnte. Das dürfte wohl letztlich auch geschehen sein. Duno aus dem Rennen zu nehmen war sicher nicht ganz ungerechtfertigt. Wieso man aber bei IRL erst jetzt bemerkt, dass sie das Niveau der Spitze nicht so ganz mitgehen kann, das darf man sich natürlich schon fragen. Insgesamt stecken die Offiziellen dabei in einem gewissen Dilemma: Duno verfügt über Sponsoring aus den wohlwollenden Quellen des staatlichen venezoelanischen Ölkonzerns Citgo, und füllt damit als sichere Starterin das Feld auf. Andererseits ist es – abgesehen von Sicherheitsbedenken – für das Ansehen der Serie nicht gerade förderlich, wenn da jemand dabei ist, der alle paar Runden wieder vor der Spitzengruppe auftaucht.

Währenddessen muss Long Beach Sieger Hunter-Reay noch immer darum kämpfen, die ganze Saison fahren zu dürfen: Bisher ist sein Antreten bei Andretti Autosport nur bis zum Rennen in Texas gesichert. Für die IRL wäre er eigentlich geradezu ein Traum: Amerikaner, noch dazu aus Texas, also einem der demographisch für die Indycars so interessanten Südstaaten; Ein schneller Fahrer auf Rundstrecken und Ovalen; Jemand der genau weiß, wie man mit den Medien umgehen muss – und noch dazu von Seriensponsor IZOD gefördert. Wenn er so weitermacht, dann darf man also hoffen, dass sich vielleicht doch noch jemand erweichen lässt, dem ersten amerikanischen Indycar Sieger seit Watkins Glen 2008 (damals ebenfalls Hunter-Reay) vielleicht doch den Rest seiner Saison zu finanzieren.

Dass das aber keineswegs sicher ist, zeigen sie Probleme, die Graham Rahal in dieser Saison duchstehen muss. Der Drei-Renn Stint bei Sarah Fischer ist jetzt vorbei. In Kasas wird man Rahal also wohl nicht sehen. Beim Indy 500 wird er dann vermutlich für Newman/Haas Racing ins Lenkrad greifen, die restliche Saison ist dann wieder ungewiss. Trotz mittelmäßigen Auftritten hat sich aber zumindest das Engagement für Sarah Fischer Racing für beide Seiten gelohnt: Niemand hatte vor dem Rennen in St. Petersburg ernsthaft erwartet, dass Rahal aus dem Wagen plötzlich einer Siegerauto macht. Der US-Jungstar konnte mit seinem engagierten Auftreten aber beweisen, dass er den Charakter hat, notfalls auch in ein weniger tolles Auto zu steigen, um bei den Rennen dabei sein zu sürfen. Und Sarah Fischer Racing und ihr treuer Sponsor Dollar General bekamen durch den Deal etwas zusätzliche Aufmerksamkeit.

Nach wie vor auf der Suche nach einem guten Cockpit ist auch Paul Tracy: Der Kanadier gab beim Rennen in Long Beach eine Pressekonferenz, bei der er über seine Zukunft sprach. Statt dem erwarteten Engagement bei KV Racing für das Indy 500 und die beiden Kanada-Rennen in Edmonton und Toronto konnte Tracy diemal aber nur einen Deal für das Indy 500 verlautbaren. Man mag zu Tracy und seinem oft etwas polternden Auftreten stehen, wie man will. Aber dass er den Sport bereichtert, steht außer Frage. Dass er obendrein auch nach wie vor schnell Auto fahren kann, hat er vergangenes Jahr in Toronto bewiesen. Es wäre also zu hoffen, dass sich doch noch jemand findet, der ihm ein paar weitere Rennen gönnt. Zuletzt klang sein Twitter-Feed (@paultracy3) aber eher verbittert: “I think I’m going to change my name to John , I feel like a John. / Cuz everytime I talk to a irl team owner , they ask me for $$ like a hooker”. Seiner eigenen Publicity mögen solche Sprüche eher schaden. Aber die Indycar hätten einen Charakter wie Tracy dringend nötig.

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April 14 2010

16:30

IRL: Analyse Alabama, Vorschau Long Beach

Die IRL-Trucks rollen munter durch die USA: Innerhalb nur einer Woche übersiedelt die Rennserie vom Barber Motorsports Park im Süden an die Westküste. Dort steht am Sonntag der Klassiker von Long Beach auf dem Programm. Auch sonst bleibt die IRL in den Schlagzeilen: Heute wurde der neue Qualifikationsmodus für das Indy 500 vorgestellt.

Die IRL hatte in Alabama ein erfolgreiches Wochenende: Am Barber Motorsports Park waren fast 55.000 Fans vor Ort – sogar nochmal mehr als in Brasilien. Die Ränge waren also endlich mal wieder auch bei einem Rennen in den USA gut gefüllt. Das gelingt der strauchelnden Rennserie sonst nur noch in Long Beach und beim Indy 500. Zuletzt sind auch die Quoten für IRL ein wenig angestiegen. Für Alabama sind derzeit noch keine Zahlen bekannt, es könnte aber sein, dass es wegen des zeitgleich übertragenen Comebacks von Tiger Woods diesmal etwas weniger waren. Dennoch: Gegenüber den Zahlen aus dem Vorjahr liegt man fürs erste etwas besser. Noch. Denn jetzt gilt es, die neuen Zuseher auch bei der Serie zu halten – ob das eher maue Renne in Alabama dazu beigetragen hat, muss man leider ein wenig bezweifeln. Am kommenden Wochenende winkt aber schon die nächste Chance für die Indycars: Dann steht nämlich der Klassiker in Long Beach auf dem Programm.

Sportlich gesehen hat das Rennen am Barber Motorsports Park ungefähr das geliefert, was viele erwartet hatten: Die Strecke war schön anzusehen, aber Überholmanöver eher Mangelware. Immerhin kam gegen Ende wegen der unterschiedlichen Benzinstrategien noch ein bisschen Spannung auf – und ein paar Überholmanöver waren dann ja doch auch zu sehen. Ganassi und vor allem Penske waren wieder dominant, dass Marco Andretti vorne so gut mitmischen konnte war für Andretti Autosports ein Lichblick und hat auch der Serie sicher gut getan. Schade, dass der zweite Rennfahrersohn, Graham Rahal, im Sarah Fischer Auto nicht an seine Leistungen von St. Petersbrug anknüpfen konnte, und dem Feld diesmal hinterher fuhr. Eine schöne Leistung zeige dagegen einmal mehr Simona de Silvestro, die gute Teile des Rennens in den Top 5 verbrachte. Auch, wenn das die Folge einer Boxenstrategie war, die sie am Ende ins Mittelfeld zurückwarf: “Man muss die Runden erstmal fahren”, wie ein Schweizer Landsmann von de Silvestro sagen würde.

Drei Rennen sind also bereits vorbei: Zeit, einen ersten verstohlenen Blick auf die Meisterschaftstabelle zu werfen. Dort führt Will Power (136 Punkte) nach seinen Siegen in Sao Paulo und St. Petersburg vor seinem Teamkollegen Helio Castroneves (104) und Dario Franchitti (94). “Best of the rest” ist an vierter Stelle Justin Wilson (85). Dahinter folgen Scott Dixon (80) und Ryan Briscoe (79). Die Abstände von Dixon und Briscoe machen immerhin schon fast einen ganzen Rennsieg aus, trotzdem würde ich die beiden noch nicht abschrieben. Denn wie schnell so ein Rennen, grade auf den Ovalen, auch mal für einen der Spitzenreiter vorbei sein kann, ist ja allgemein bekannt. Außerdem würde ich Briscoe und vor allem Dixon auf den Ovalen etwas höher einschätzen als Will Power.

Bevor die Serie aber die Rundstrecken in Richtung Kansas, Indy 500, Texas und Iowa erstmal verlässt, steht am kommenden Wochenende noch der große Klassiker in Long Beach auf dem Programm. Der etwa 30km von Downtown Los Angeles entfernte Stadtkurs ist ein “Erbstück” aus dem traurigen Resten der CART Serie – die ihn ihrerseits von der Formel 1 übernommen hatte, die hier (auf einem etwas anderen Streckenlayout) zwischen 1976 und 1983 den “Grand Prix USA West” augetragen hat. Wie gewohnt hier auch diesmal eine Onboard-Runde um den Kurs, diesmal mit Erklärungen von Graham Rahal:

Vor zwei Jahren fand hier nach der IRL/Champ Car-Wiedervereinigung das letzte Champ Car Rennen aller Zeiten statt. Ein gewisser Will Power hat damals gewonnen  – ein wenig überschattet wurde dieses Ereignis gefahrenen IRL-Rennen in Motegi, in dem Danica Patrick ihren bisher einzigen Sieg feiern konnte. Früher waren Long Beach bis zu  200.000 Besucher pro Wochenende vor Ort, im vergangenen Jahr immerhin noch 175.000. Für die IRL eine ganz beträchtliche Zahl.

Daher ist es auch ein wenig schwer verständlich, wieso der Lauf – anders als der in St. Petersburg und das folgenden Rennen auf dem Oval in Kansas – nicht auf ABC, sondern wieder auf Versus übertragen wird. An und für sich ist das für den Fan ja ganz erfreulich, weil dann immerhin für eine ordentliche Übertragung gesorgt ist. Leider findet aber am kommenden Wochenende zeitgleich mit der IRL das NASCAR-Rennen in Texas statt, so dass es diesmal mit den Streams bei justin.tv und Co. vielleicht ein bisschen enger werden könnte. Bleibt zu hoffen, dass zumindest der offizielle Stream auf indycar.com seinen Dienst wieder so tadellos verrichtet, wie in Alabama.

Und sonst?

Wurde heute der neue Qualifying Modus für das Indy 500 vorgestellt: Das Zeittraining wird demnach nicht mehr an vier, sondern nur noch an zwei Tagen stattfinden, und zwar Samstag und Sonntag vor dem Rennen (also am 22. und 23. Mai). Das ganze soll dann so funktionieren: Zunächst gibt es am Samstag das gewohnte 4-Runden (= 10 Meilen) Einzelzeitfahren. Dabei werden vorläufig die ersten 24 Startplätze vergeben. Neu: Die besten neun Fahrer erhalten garantierte Startplätze zwischen Platz 1 und 9 und steigen dann in ein zweites Qualifying-Segement auf. Dort werden die bisherigen Zeiten gelöscht, und jeder Fahrer hat einen neuen 4-Runden Versuch, um auf die Pole zu fahren. Sofern in diesem 90 Minuten-Segment dann noch Zeit bleibt, können Fahrer auch versuchen, ihre Zeit noch einmal zu verbessern. Der Haken: Sobald ein Fahrer einen neuen Versuch startet, wird die alte Bestmarke gelöscht. Am Ende des Samstags stehen dann also die Positionen ein bis neun schon einmal fest.

Am Sonntag folgt dann der traditionelle Bump Day: Jene Fahrer, die am Samstag nicht unter den besten 24 waren, können einen neuen Versuch unternehmen, sich für einen der begehrten 33 Startplätze zu qualifizieren. Dabei können auch die Fahrer wieder verdrängt werden, die sich am Samstag bereits unter die besten 24 gefahren hatten. Wer auch immer die 33.-schnelleste Zeit gefahren hat, befindet sich “on the bubble”, kann also durch die bessere Zeit eines Konkurrenten von der Startaufstellung “gebumpt” werden. Wer solcherart seine Startposition verloren hat, kann dann einen neuen Versuch unternehmen, sich wieder ins Feld zu fahren. Ausnahme: Die Positionen eins bis neun sind fix, der beste erreichbare Startplatz am Bump Day ist also jetzt Rang zehn.

Um das ganze noch spannender zu gestalten, schüttet die IRL für das Qualifying eine ganze Menge Punkte aus. Der Pole-Setter erhält 15 Zähler, für Platz zwei gibt es 13, für Rang drei 12.  Zum Vergleich: Für einen Sieg winken in der IRL 50 Punkte. Für Plätze in den Reihen zwei und drei (Achtung: beim Indy 500 wird in Dreiherreihen gestartet!) gibt es dann elf bis sechs Zähler. Fahrer auf den Positionen zehn bis 24 erhalten ja vier, alle anderen Starter drei Punkte. Das Resultat ist also eine deutliche Aufwertung des Qualifyings: Immerhin gibt es für die Pole und Platz drei im Rennen so viele Punkte, wie sonst für einen Sieg.

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