Tumblelog by Soup.io
Newer posts are loading.
You are at the newest post.
Click here to check if anything new just came in.

June 06 2011

17:43

Vorschau: 24 Stunden von Le Mans – LMP2 und GTE-Am

Es ist wieder einmal soweit: die 24 Stunden von Le Mans, eines der größten und historisch bedeutendsten Rennen des Jahres steht kurz bevor. Der erste Teil der dreiteiligen Vorschau behandelt die neu formierten Privatiers-Klassen.

Die ersten zwei Rennen der Triple Crown of Motorsport (oder auch „Grand Slam“ genannt) sind absolviert – der Grand Prix von Monaco und das Indy 500. Beide waren in diesem Jahr höchst spektakulär und bis zum Ende spannend und das könnte auch für die 24 Stunden, den Höhepunkt der Sportwagen-Saison, gelten. Peugeot und Audi werden um den Gesamtsieg kämpfen, BMW, Corvette, Ferrari und Porsche um den Titel unter den GT-Fahrzeugen, auf diesen liegt selbstverständlich das Hauptaugenmerk. Doch mit LMP2 und GTE-Am sind noch zwei weitere Klassen am Start, die man nicht unbeachtet lassen sollte.

Dazu gleich mehr, zunächst einige allgemeine Infos: das 24h-Rennen findet am Wochenende auf dem traditionsreichen Circuit de la Sarthe statt: 13,629km lang ist die Bahn und führt überwiegend über öffentliche Straßen. Seit der Eröffnung 1923 hat es eine ganze Reihe Veränderungen gegeben, vor allem zugunsten der Sicherheit, wie etwa die zwei Schikanen auf der langen Hunaudières-Geraden (im Englischen üblicherweise Mulsanne Straight genannt). Dennoch bleibt die Bahn einzigartig im Motorsportkalender. Eine Runde mit Audi-Pilot Allan McNish sieht so aus:

Über 200.000 Zuschauer werden am Rennwochenende vor Ort sein, neben Franzosen stets viele Briten, in den letzten Jahren auch dänischen Kristensen-Fans und natürlich Deutsche, die v.a. Audi, Porsche und BMW unterstützen. Viele Millionen mehr werden an den Fernsehern dabei sein, denn Eurosport überträgt das gesamte Rennen sowie alle Trainings- und Qualifying-Sessions in voller Länge live, wenn auch große Teile auf dem Bezahlsender Eurosport 2.

Weitere Services und Hilfsmittel, um jede Minute des Events aufzusaugen, sind Radio Le Mans</a>, die wie immer live berichten (englischsprachig), die <a http: href=" http:="" plugins="" target="\" wordpress="" wordpress-feed-statistics="" wp-content="">offizielle Seite des ACO mit News und Live-Timing oder den Tracker von Thomas Baekdal</a> mit Timing, Twitter und anderen Diensten, auch für unterwegs. Den a<a href=" http:="" plugins="" target="\" wordpress="" wordpress-feed-statistics="" wp-content="">Spotter Guide von Alan Blackmore sollte man auch immer in Griff- oder Klickweite haben. Und wie im letzten Jahr werden wir hier im Racingblog wieder in aller Ausführlichkeit berichten, mit Liveblog für die kompletten 24 Stunden sowie voraussichtlich auch einige der Quali-Einheiten.

LMP2

Die LMP2 tritt in diesem Jahr in ihrem neuen Gewand als reine Privatiers-Klasse an: die aktuellen Fahrzeuge von Oreca und Lola sind unter der neuen Kostenbegrenzungs-Regel entstanden, die Motoren von Nissan, Honda und Judd sind serienbasiert und ebenfalls mit Maximal-Kaufpreis reglementiert. Im Vergleich zu den vergangenen Jahren, als in der kleinen Kategorie auch quasi-Werkseinsätze von Porsche und Honda/Acura gefahren wurden, ist das ein deutlicher Schritt „zurück“ – allerdings ein vom ACO gewollter.

Das Problem: mit der neuen alten Philosophie kehren auch die Zuverlässigkeits-Mängel zurück in die Klasse. In Spa kamen die meisten Fahrzeuge zwar recht gut über die 6h-Distanz, doch in Le Castellet und vor allem in Sebring wurde das doch deutlich. Anders als in den vergangenen Jahren wird also der Klassensieg voraussichtlich an das Team gehen, das die wenigste Zeit in der Garage verbringt. Wer das sein könnte, ist schwer zu sagen, haben doch bisher alle mal ihre Problemchen gehabt – und ein 24h-Rennen hat noch keiner der neuen Motoren durchstehen müssen.

Unter den drei zum Einsatz kommenden Antriebsaggregaten – zur Auswahl hatten die Teams noch einige mehr – hat sich bisher der Nissan-V8-Saugmotor als die schnellste Wahl präsentiert. Eingesetzt wird dieser von drei Teams; an der Spitze dieser Liste steht Signatech-Nissan, die auch die ILMC bestreiten und in dieser Wertung bisher beide Läufe gewannen, auch wenn sie noch in keinem Rennen tatsächlich den Klassensieg einfuhren. Der interessanteste der drei Piloten ist sicherlich Lucas Ordonez, der über die Nissan GT Academy in den letzten Jahren vom Playstation-Gran Turismo-Piloten zum echten Rennfahrer ausgebildet wurde und nun an der Seite von Soheil Ayari und Franck Mailleux seinen ersten Einsatz beim größten Sportwagen-Rennen der Welt feiern kann.

Zwei LMS-Teams, die wie Signatech auf die Kombination aus Oreca 03-Chassis und Nissan-Motor setzen, fehlen leider in Le Mans: TDS Racing und Boutsen Energy – letztere standen einige Zeit auf der Reserveliste, haben aber schlussendlich zurückgezogen. Denn das Chassis des Teams sowie der junge Österreicher Dominik Kraihammer kommen trotzdem zum Einsatz, und zwar im Oreca-Werksteam. Eigentlich sollte es ja keine Werkseinsätze geben, doch – wie Radio Le Mans spekuliert – kam hier wohl die enge Verbindung zwischen ACO und Oreca zum Tragen. Kraihammer wird sich den Wagen mit Ex-Audi-Mann Alex Premat und Sänger und GT-Pilot David Halliday teilen, der die 24h zum vierten Mal in Angriff nimmt.

Den dritten Nissan bringt Greaves Motorsport (ehemals Bruichladdich) aufs Grid, verpackt in einem Zytek-Chassis. Der Wagen gehört wohl der Familie von Karim Ojjeh, der auch am Steuer des Wagens sitzen wird. Tom Kimber-Smith ist der Profi im Lineup dieses Teams, er hat bereits einen Klassensieg in Le Mans auf dem Konto, 2006 mit dem Team LNT in der GT2. Der dritte Mann ist frisch hinzugekommen: Olivier Lombard, bisher für Hope Polevision Racing in der Formula Le Mans unterwegs, ersetzt Gary Chalandon, der in Spa Probleme mit dem Auto hatte und kurzfristig aussortiert wurde.

Beide Konkurrenz-Motoren, der 2,0l-V6-Turbo von Honda Performance Development, dessen Leistung der ACO vor Saisonbeginn zu stark beschränkt hatte, sowie der Judd-V8-Sauger auf Basis eines BMW-Serienmotors, sind inzwischen über die neue Balance of Performance-Regelung neu eingestuft worden. Sie dürfen einen Air Restrictor mit etwas vergrößerter Öffnung einbauen. Aber auch hier gibt es ein Problem: die Kosten müssen die Teams selbst tragen, und die Setup-Arbeit etwa vom Testtag ist damit überarbeitungswürdig, um es vorsichtig zu formulieren. Wie viel das also im Endeffekt bringt, ist fraglich.

Die Honda scheinen nun einigermaßen konkurrenzfähig zu sein, allen voran die beiden Teams mit HPD-Komplettpaket, also dem ARX01d-Chassis und dem HPD-Motor. Von diesem hat jedoch Strakka Racing, die schon im Vorjahr die 24h gewannen, bisher die deutlich bessere Saison: sowohl in Le Castellet als auch in Spa konnten die beiden äußerst schnellen Profis Danny Watts und Johnny Kane sowie ihr Kollege Nick Leventis, der sich aber inzwischen zu einem recht konstanten und weniger fehleranfälligen Amateuer-Fahrer entwickelt hat, jeweils den dritten Platz erreichen.

Ray Mallock Ltd., immerhin LMS-Champions des Vorjahres, hatten bisher noch kein Glück mit ihrem neuen HPD-Paket. Nach dem schwachen Auftakt in Le Castellet kam es im freien Training in Spa zu einem schweren Unfall mit einem der Werks-Peugeots, der Wagen war ein Totalschaden. Ein Ersatzchassis musste beschafft und der Wagen komplett neu aufgebaut werden – das ist der Mannschaft aus Wellingborough, Northamptonshire aber anscheinend gelungen und so können Mike Newton und Tommy Erdos, beide zusammen seit 2004 für das Team unterwegs, sowie Ex-Stig Ben Collins in Le Mans versuchen, endlich den Durchbruch mit dem neuen Auto zu schaffen. Ob das mit dem neuen Chassis schaffbar ist, wird sich wohl erst im Rennen zeigen. Jedenfalls sollte das Team aber genug Erfahrung haben, mit eventuell auftretenden Defekten gut fertig zu werden und allein das könnte schon viel wert sein.

Der dritte Honda-Motor steckt im einzigen neuen Lola-Coupé, eingesetzt vom US-Team Level 5 Motorsports. Besitzer und Fahrer ist Scott Tucker, seine Co-Piloten sind der in Europa wohlbekannte Christophe Bouchut sowie der Portugiese Joao Barbosa, der sich jenseits des Atlantiks in der Grand Am einigen Ruhm erfahren hat, u.a. als Sieger der 24 Stunden von Daytona 2010 als Teamkollege von Mike Rockenfeller. In der ALMS fährt das Team ohne Gegner, bei den bisherigen ILMC-Auftritten hatten sie wenige Glück, in Spa verunfallte Bouchut nach Aufhängungsbruch in der Eau Rouge.

Bleiben noch die Judd-BMW-motorisierten Team, fünf Fahrzeuge an der Zahl. Zwei davon (wie gewohnt mit Pescarolo-Chassis) bringt OAK Racing an den Start, wobei besonders der zweite Wagen, die #49, mit einem interessanten Piloten-Mix besetzt ist: Ex-F1-Pilot Shinji Nakano, der schon viermal die 24h gestartet, aber nicht beendet hat, der zwanzigjährige Boutsen Energy-Stammpilot Nicolas de Crem und der Renault-F1-Tester Jan Charouz, 2009 bereits einmal Vierter in Le Mans mit Aston Martin, teilen sich dieses Cockpit. Die #35 kommt dagegen mit Andrea Barlesi und den beiden Franzose Frédéric da Rocha und Patrice Lafargue (einer der wenigen Bronze-Piloten im Prototypen-Feld) etwas blass daher und sorgte auch beiden den bisher bestrittenen Rennen nicht gerade für Aufsehen.

Eine Chance auf den Klassensieg dürfte sich auch Pecom Racing, Ableger des AF Corse-Rennstalls, die auch Unterstützung in der Boxengasse bieten, ausrechnen: mit Pierre Kaffer und den beiden argentinischen Ex-Rallye-Piloten Luis Perez-Companc und Matias Russo ist der Lola B11/40 nicht schlecht besetzt. In Le Castellet reichte es gleich beim Debüt zum zweiten Rang, doch in Spa erlebte das Team ein eher düsteres Wochenende. Dem offenen Lola scheint es an Höchstgeschwindigkeit zu mangeln, bei beiden Läufen gehörte der Wagen zu den Langsamsten in der Radarfalle. Sollte das nicht nur Setup-bedingt, sondern ein grundsätzliches Problem gewesen sein, wird dieser Wagen es an der Sarthe jedoch sehr schwer haben.

Das Schweizer Race Performance-Team, bereits 2010 als 56. Team für Le Mans nachträglich eingeladen, tritt mit einem Oreca-Judd sowie den Fahrern Michel Frey, Ralph Meichtry und Marc Rostan an. Wie der zweite OAK-Wagen blieb auch diese Mannschaft bisher eher unter dem Radar und wird auch bei den 24h eher nicht um den Sieg mitfahren.

Bleibt noch der Extrême Limite-Norma, ebenfalls mit Judd-Motor. Das Chassis wurde bereits 2010 von Pegasus Racing in Le Mans eingesetzt, verunfallte damals aber früh ohne eigenes Verschulden. Zu den schnellsten Autos gehört der Wagen sicher nicht, doch Fabian Rosier konnte wenigstens in den Qualifyings in Spa und Le Castellet annehmbare Zeiten aus ihm herauskitzeln. Für einen Podiumsplatz in Le Mans müssten aber wohl schon Ostern und Weihnachten auf einen Tag fallen.

Bleibt als Fazit: klare Favoriten gibt es nicht, vor allem weil die Zuverlässigkeit eine so große Rolle spielen wird. Es lassen sich bestenfalls einige Wagen ausschließen, die eher nicht um die vorderen Plätze kämpfen werden (Extreme Limite, Race Performance, OAK #35); dazu würde ich leider auch hinter RML und Level 5 ein mehr oder weniger dickes Fragezeichen setzen. Zwischen den übrigen Teams ist so ziemlich jedes Ergebnis denkbar.

GTE-Am

Die GTE-Am ist eine neu eingeführte Klasse, in der sich überwiegend Amateurfahrer in mindestens ein Jahr alten Autos messen dürfen – im Grunde keine schlechte Idee: Gentlemen Driver gehören nach Le Mans, sie sind es, die den Geist dieses Rennens ausmachen, wenn sie mit Leib und Seele ums bloße Ankommen kämpfen. Mit der neuen (Unter-)Kategorie schafft ihnen der ACO ein eigenes, bezahlbares Spielfeld aus der in den letzten Jahren immer stärker und professioneller gewordenen GT2-Klasse heraus.

Das ist aber gleichzeitig auch ihr Nachteil: ausgemusterte Autos mit überwiegend wenig bekannten Fahrern (um es leicht überspitzt zu sagen) sind keine besonders attraktive Kombination für Außenstehende; entsprechend steht die Kategorie klar im Schatten der GTE-Pro. Auch im Gegensatz zur GT1, die sie quasi ersetzt, mangelt es ihr an Eigenständigkeit. Dennoch: die Privatiers können nun unter sich um einen Klassensieg kämpfen und das werden sie auch mit viel Herz tun.

Zehn Fahrzeuge sind für Le Mans eingeladen worden, zwei davon werden vom GT1-Sieger des Vorjahres, Larbre Competition eingesetzt: zum einen die bereits angesprochene Corvette, die 2010 noch vom Werksteam eingesetzt wurde, mit den Fahrern Patrick Bornhauser, Julien Canal und Gabriele Gardel; die beiden letzteren gehörten zur siegreichen Saleen-Besatzung. Die Corvette bestreitet die ganze LMS, einmalig setzt Larbre in Le Mans noch einen Porsche mit Christophe Bourret, Pascal Gibon und Jean-Philippe Belloc ein. Die beiden Fahrzeuge waren am Testtag die schnellsten der GTE-Am (die Corvette allerdings mit den Werksfahrern).

Weitere Porsche kommen von Felbermayr Proton (Horst Felbermayr Jr./Horst Felbermayr Sr./Christian Ried) und Flying Lizard, die diesmal zwei Einladungen bekamen. Deren Auto (mit speziellem Design, dazu mehr in der GTE-Pro-Vorschau) könnte auch zu den stärkeren in der Klasse gehören, immerhin sind mit Darren Law und Spencer Pumpelly zwei Profis an Teambesitzer Seth Neimans Seite.

Porsche hat also in dieser Klasse eine echte Siegchance, dafür müssen sie sich allerdings gegen die vier Ferrari durchsetzen, die ihnen wie in der GTE-Pro zahlmäßig überlegen sind. Auch was die Qualität angeht, sind viele wohlbekannte Amateurs- bzw. Semiprofi-Namen dabei.

AF Corse setzt einen F430 für Pierguiseppe Perazzini, Marco Cioci und Sean Paul Breslin ein, CRS Racing einen für Pierre Ehret, Roger Wills und Shaun Lynn. Aus den USA kommt ILMC-Teilnehmer Tracy Krohn mit seinem giftgrünen F430 und den Co-Piloten Nicolas Jönsson und Michele Rugolo. Und JMB Racing, die vor einigen Jahren schon einmal GT2 fuhren, dieses Jahr allerdings die Formula Le Mans bestreiten, treten mit Manuel Rodrigues, Jean-Marc Menahem sowie Nicolas Marroc, der eigentlich für den Hope-Hybrid-Prototypen gemeldet war, dort aber ersetzt wurde, an.

Die Außenseiter in der Klasse sind klar der Robertson-Ford GT (das bisher wenig erfolgreiche Modell von US-Tuner Doran) mit David und Andrea Robertson (der einzigen Frau im Feld) sowie David Murry und der Gulf Middle East-Aston Martin Vantage mit Giroix/Wainwright/Goethe – für die Fahrer mag ein Traum in Erfüllung gehen, vor allem den Robertsons wäre ein erflogreiches Rennen nach vielen Jahren in der ALMS sehr zu gönnen, aber für den Rennausgang werden sie wohl eher keine Rolle spielen.

Apropos: Sechs Fahrzeuge aus drei Teams werden dieses Jahr insgesamt den Gulf-Farben an den Start gehen, keines davon wird voraussichtlich eine Chance auf einen Klassensieg haben – eine traurige Entwicklung dieser legendären Lackierung, die der grandiosen Historie nicht gerecht wird. Masse ist eben nicht gleich Klasse. Zustande gekommen ist dies wohl, weil die unterschiedlichen Sektionen des restrukturierten Gulf-Konzerns ihre Sponsoren-Aktivitäten selbst auswählen können.

GTE-Am und LMP2 werden nicht die Klassen sein, auf denen das Hauptaugenmerk liegen wird, dennoch werden die vielen Teams hart um Siege, Podien, oder eben nur ums bloße Überqueren der Ziellinie nach 24 Stunden kämpfen. Das gehört zu Le Mans, daher sollte man diese Klassen bei all den spannenden Kämpfen unter den Vollprofi-Mannschaften nicht aus den Augen verlieren.

Die weiteren Vorschauen zur LMP1 und GTE-Pro folgen am Mittwoch bzw. Donnerstag.

(Bild-Quelle: ACO)

 

Don't be the product, buy the product!

Schweinderl