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July 06 2010

16:28

Analyse: GT1 und GT3 in Le Castellet

Wer sich am Sonntag um 14 Uhr über die Langeweile und Ereignislosigkeit auf dem Norisring beschwert hat, dem gebe ich einen Tipp: nächstes Mal lieber GT-Rennen gucken ;-)

Ich spare mir jetzt mal die allzu detaillierte Aufarbeitung der vier einzelnen Rennen zugunsten einer etwas allgemeiner gefassten Analyse, die Lobhudelei mit Kritik kombiniert, weil ich das zur Mitte der Motorsportsaison ganz angebracht finde.

Zunächst mal: mit meiner Einschätzung des Kräfteverhältnisses in der Vorschau lag ich vor allem kräftig daneben, was die GT1 angeht. Neben den starken Maserati waren es nämlich die Sumo Power-Nissan und die Corvettes von Phoenix und Mad-Croc (bzw. eine davon), die am meisten brillierten. Die Aston Martin dagegen versanken mit ihren Zusatzgewichten im Mittelfeld, wobei das französische Hexis-Team deutlich besser abschnitt als die noch schwerer beladene deutsch-skandinavische Young Driver-Mannschaft, bei der auch noch Pech hinzukam. Trotzdem war ausgerechnet Stefan Mücke in der Lage, im Hauptrennen noch die schnellste Rennrunde in den heißen südfranzösischen Asphalt zu brennen!

Es ist also so eine Sache mit der Balance of Performance und dem Erfolgsbalast – ein System, mit dem ich persönlich auf Kriegsfuß stehe: gewinnst du, wirst du bestraft, verbringst ein Rennen im Mittelfeld und darfst dann das Gewicht wieder ausladen, um beim nächsten Mal wieder um den Sieg mitzufahren. Gewinnst du trotz Erfolgsgewicht, werden einfach noch ein paar zusätzliche Kilos unter dem Label „BoP“ draufgepackt.

Der Vorteil der ganzen Angelegenheit: die einzelnen Rennen sind spannend und spektakulär, weil die verschiedenen Fahrzeugmodelle durchgehend auf einem Niveau gehalten werden. Betrachtet man aber eine ganze Saison, verringern die relativ willkürlichen Eingriffe zwischen den Rennen in meinen Augen die Bedeutung der Meisterschaftswertung. Beispielsweise hatte der an diesem Wochenende so starken #1-Maserati ja vor allem deswegen kein Zusatzgewicht, weil er in Brünn nach einer Durchfahrtsstrafe nur Fünfter wurde, obwohl er eigentlich schon dort das deutlich stärkste Fahrzeug war.

Zudem werden unterschiedliche Fahrzeuge mit ihren eigentlich unterschiedlichen Stärken und Schwächen zur reinen Fassade gemacht, wenn bei jeder Gelegenheit Motorleistung und/oder Gewicht geändert werden. Andere Serien schaffen es, spannende Rennen und Meisterschaften auch ohne so exzessive Eingriffe auf die Reihe zu bekommen; damit meine ich vor allem die ACO-Serien ALMS und LMS.

Zwar ist auch in aGT1</a> und a<a href=" http:="" plugins="" target="\" wordpress="" wordpress-feed-statistics="" wp-content="">GT3:

Auch in der GT3 wurde munter gekämpft und überholt, gerne auch mal außen herum in die erste Kurve La Verrerie hinein. So übernahm Daniel Keilwitz auch die Führung im zweiten Rennen gegen die Meisterschaftskonkurrenz Parisy/Lamotte aus dem Hause Graff Racing, die damit in beiden Rennen als Zweite hinter der Callaway-Corvette ins Ziel kamen. Und so – die technisch starke, aber fahrerisch teils fehlerbehaftete Performance der Corvette-Teams in der GT1 mit einbezogen – wurde der Circuit Paul Ricard wieder seinem Ruf als Corvette-freundliche gerecht. Einzig Holzer/van Splunteren im Prospeed-Porsche konnten in Rennen 2 mithalten und lagen lange auf Platz 2, der Rest der Konkurrenz kabbelte sich jeweils rund 20 Sekunden dahinter.

Äußerst schwach ist weiterhin die Performance der Audi R8. Die dominierten in der vergangenen Saison, wurden aber über den Winter durch mehr Gewicht und vor allem ein Drehzahllimit so sehr geschwächt, dass sie trotz Erfolgsballast für die Konkurrenz keine Chance auf vordere Platzierungen haben, sieht man einmal von dem – ohne die fahrerische Leistung schälern zu wollen – etwas glücklichen Abstauber-Sieg von Heyer/Herndlhofer im Rosberg-Audi in Jarama ab. Und so finden sich die vier Audi-Mannschaften Rosberg, Sainteloc-Phoenix, Black Falcon und United Autosports allesamt unter den letzten fünf der Team-Meisterschaft wieder. Leider ein Beispiel für eine misslungene Balance of Performance: 2009 zu stark, 2010 zu schwach.

Und noch ein interessanter Aspekt zum Abschluss: Sowohl im zweiten Rennen der GT3 als auch im Hauptrennen der GT1 wurde jeweils eine Strafe für das Missachten der Fahrbahnbegrenzung am Start ausgesprochen. Auch wenn es dabei in der kleinen Kategorie leider den durch dieses Manöver von 14 auf 2 nach vorn gestürmten Ferrari F430 von Diego Alessi traf, der für mehr Abwechslung in der Spitzengruppe hätte sorgen können, finde ich es gut, dass man in den GT-Serien so klare Grenzen zieht.

Bereits beim Rennwochenende der GT Masters in Hockenheim fiel auf, dass bei halbwegs konsequenter Durchsetzung dieser „Das Rennen findet zwischen den beiden weißen Linien statt“-Regel die Strecke auch dementsprechend befahren wird, nämlich so, wie sie vom Architekten einmal gedacht war. Wenn man sch dagegen anschaut, wie die DTM in Hockenheim in der Nordkurve die Auslaufzone zur Rennstrecke macht…

In den Meisterschaften führen – wie könnte es anders sein – selbstverständlich die Doppelrennsieger. Der Stand in der GT1:

  1. Bartels/Bertonlini (Vitaphone-Maserati #1) – 77
  2. Mutsch/Grosjean (Matech-Ford GT #5) – 62
  3. Hennerici (Phoenix-Corvette #13) – 40
  4. Dumbrech/Krumm (Sumo Power-Nissan #23) – 37
  5. Hughes/Campbell-Walter (Sumo Power-Nissan #22) – 33

Meisterschaftstabelle der GT3-EM:

  1. Keilwitz/Hohenadel (Callaway-Corvette #101) – 138
  2. Parisy/Lambotte (Graff-Corvette #16) – 87
  3. Walter/Hürtgen (Schubert BMW Z4 #77) – 66

Der große Unterschied: in der GT3 sind bereits vier von nur sechs Rennwochenenden vorüber, in der GT1 erst vier von zehn, da die Saison sich bis in den Dezember zieht. Nächster gemeinsamer Auftritt ist Mitte September in der Algarve, zwischendurch tritt die GT1 aber noch in Spa (01.08.) und auf dem Nürburgring (29.08.) an.

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July 02 2010

18:45

Vorschau: GT1 & GT3 in Le Castellet / Grand-Am in Daytona

Der Circuit Paul Ricard wird 40, GT1-WM und GT3-EM kommen zum Feiern vorbei. Auch in den USA ist Party angesagt, die Grand-Am fährt kurz vorm Unabhängigkeitstag in Daytona und auch hier steht ein rundes Jubiläum an.

Die nahe Marseille gelegene Bahn kann auf eine bewegte Geschichte zurückblicken: nach dem Ende der F1-Ära lange verwaist und dann zur Teststrecke modifiziert, mausert sie sich langsam aber sicher wieder zu einer beliebten Rennstrecke, vor allem für Sportwagenserien. Zuerst waren es Markenpokale, die hierher zurückkehrten, dann kam die FIA-GT, die nun durch die GT1-Weltmeisterschaft abgelöst wird. Die tritt an diesem Wochenende gemeinsam mit der GT3-Europameisterschaft an und bildet so das zweite große Event des Jubiläumsjahres, nachdem im April bereits auch die Le Mans Series zu einem 8h-Rennen in Le Castellet zu Gast war.

Als eine der frühen Retortenbahnen mit für damalige Verhältnisse recht großen Auslaufzonen war der Circuit Paul Ricard nicht von Anfang an besonders beliebt (Marc Surer etwa kritisierte das sehr künstlich wirkende kurvige Infield), heute aber gilt die endlose Mistral-Gerade mit der anschließenden Signes-Kurve beinahe als Kult.

Trotz der Auslaufzonen verunglückte Elio de Angelis 1986 bei einem Formel 1-Test tödlich, was zu einer Verkürzung über eine grausam enge Querspange führte. Heute gibt es neben diesen beiden Varianten noch unzählige weitere, denn unter Bernie Ecclestone wurde der Kurs ab 1999 zu einem High Teck Test Track aufgerüstet. An diesem Wochenende wird die Variante mit der langsamsten der drei La Verrerie-S-Kurven sowie einer Schikane in der Mitte der langen Mistral-Geraden gefahren. Letztere raubt der Strecke zwar ihr prägendes Element, aber dürfte eine gute Überholmöglichkeit darstellen.

Charakteristisch sind heute die blauen und roten Streifen der asphaltierten Auslaufzonen. Diese stellen als Sicherheitskonzept eingerichtete unterschiedliche Grip-Zonen dar, sind aber bei den Zuschauern eher unbeliebt, auch wenn die GT1-Promoter a  

May 26 2010

00:18

Rückblick: ALMS, GT1 & GT3 // Vorschau: GT Masters in Hockenheim & Grand-Am in Lime Rock

Am vergangenen Wochenende haben die Sportwagen tollen Motorsport geliefert. Wenn man ALMS und GT1 als Vorgeschmack für Le Mans begreift – einige Teams nehmen schließlich dort teil – kann einem schon jetzt das Wasser im Munde zusammen laufen.

Vorweg: wer Sportwagenrennen mag und sich schonmal für Le Mans aufwärmen möchte, der sollte sich die 6h von Laguna Seca, die die American Le Mans Series am Wochenende fuhr, auf jeden Fall selbst angucken. Was die GT-Klasse dort an Spannung geboten hat, ist in einem Langstreckenrennen kaum zu übertreffen und auch bei den LMPs wurde der Kampf um den Gesamtsieg trotz des kleinen Starterfeldes erst kurz vor dem Ende entschieden.

Der erstmalig angebotene Livestream war bis auf das leicht verzerrte Bildformat klasse, unter dieser Adresse kann man sich das Rennen auch jetzt noch (nach kostenloser Anmeldung) on demand in voller Länge ansehen. Bleibt zu hoffen, dass dieser Service auch wieder Anfang August geboten wird, denn dann fährt die Serie in Mid-Ohio und es wird wieder keine Live-Übertragung auf Speed geben. Noch schöner wäre es natürlich für uns Europäer, wenn jedes Rennen dort gezeigt würde, aber ich fürchte, dem werden vertragliche Vereinbarungen mit Speed entgegenstehen.

Zum Rennen: bei den LMPs war es eines des „Zurück-Kämpfens“: erst musste sich Simon Pagenaud durch das gesamte Feld boxen, nachdem dem Highcroft-Team sein zweiter Startplatz aberkannt worden war, da im Training nicht alle Fahrer ausreichend Zeit im Auto verbrachten; Paul Drayson und Johnny Cocker hatten gut zu tun, nachdem ersterer den grünen Lola in der zweiten Runde in den Kies gesetzt hatte und man durch die Bergung zwei Umläufe auf den Führenden verlor, bis der Wagen dann liegenblieb, weil sich das Getriebe in Wohlgefallen und „Schokolade“ (O-Ton Cocker) aufgelöst hatte; Klaus Graf und Sascha Maassen mussten versuchen, Memo Gidleys Dreher bei einem der Restarts sowie die verlorene Zeit durch daraus entstandene Getriebeprobleme wettzumachen; und an einer ähnlichen Augabe versuchten sich die Piloten des Dyson Racing-Lola Mazda, nachdem Andy Meyrick sich beim Anwärmen der Reifen hinter dem Safety Car gedreht und den LMP-Challenge-Oreca von Johnny Mowlem eingesammelt hatte.

Letztere waren dabei erfolgreich: zur Rennmitte lag man noch mit einer Runde Rückstand hinter dem Highcroft-HPD, der in Runde 55 schließlich die Führung von den sich vorher um selbige balgenden Konkurrenten Cytosport und Intersport übernommen hatte, doch durch geschicktes Timing eines Boxenstopps und eine glücklich gefallene Gelbphase konnte die Mannschaft aus Poughkeepsie wieder in die Führungsrunde aufschließen. Und dann schlug die Stunde des Guy Smith, der den Wagen bereits am Vortag überraschend auf die Pole gestellt hatte – die erste Pole eines nicht mit Michelins bereiften Fahrzeugs in der ALMS seit 2004. Smith legte eine schnelle Runde nach der anderen hin, darunter mit 1:14:262 die schnellste des Rennens und überholte schließlich den führenden Franchitti außen herum am Ende der Start/Ziel-Geraden. Gebracht hat all das am Ende nichts, denn etwa eine halbe Stunde vor dem Ende rollte der Lola-Mazda mit technischem Defekt aus, Highcroft siegte mit sieben Runden Vorsprung vor dem Cytosport-Porsche RS Spyder. Der Patt in der Meisterschaft ist damit aufgehoben, das Honda-Team führt nun mit vier Punkten Vorsprung.

Noch viel spannender war das Rennen in der GT-Klasse: zur Rennhälfte waren noch acht Fahrzeuge in der (Klassen-)Führungsrunde, alle Marken waren vertreten. Nicht nur die etablierten Teams, sondern auch einer der Extreme Speed-Ferrari mischte mit, Johannes van Overbeek konnte die schnellste Rennrunde verbuchen. Immer wieder mussten auch enge Lücken durch den GT Challenge-Verkehr gesucht werden, was Platzwechsel forcierte.

Bis zum Rennende hatten sich die Reihen ein wenig gelichtet und die Abstände vergrößert, aber drei Fahrzeuge kämpften weiterhin im Zehntelsekundenabstand um den Klassensieg: vorn der #90 BMW mit Müller/Hand, dahinter Bergmeister/Long im #45 Flying Lizard-Porsche und die #4 Corvette von Gavin/Beretta. Bis schließlich der zweite BMW die letzte Gelbphase auslöste: beim Restart nach deser überrumpelte der eine Kalifornier Patrick Long den anderen, Joey Hand, indem er sich in der letzten Kurve im Verkehr mutig neben den Porsche setzte, der keinen Platz und keine Zeit mehr für einen Konter hatte. Zu abgebrüht, um sich diesen Sieg noch nehmen zu lassen, überquerte Long acht Runden später als erster die Ziellinie.

Die zwei Pratt&Miller-Corvettes, die Risi-Ferrari und der meisterschaftsführende Flying Lizard werden in zweieinhalb Wochen nach Le Mans reisen (außerdem der noch an Zuverlässigkeitsproblemen leidende Jaguar). Dort werden sie auf die europäischen BMWs, die Ferrari vom AF Corse-Team und vor allem auf die starken Felbermyr-Proton-Porsche treffen. Auf diese Schlacht mit dem vielfältigsten und hochwertigsten GT2-Starterfeld, das seit Jahren in Le Mans an den Start gegangen ist, kann man sich nur freuen!

GT1-WM

In Brünn schien sich zu bestätigen, dass die Maserati in den mittelschnellen, flüssigen Kurven am stärksten waren. Nach Doppelpole für das Vitaphone-Team, dessen Wagen im dritten Qualifying-Segment als einzige Runden unter 1:56 Minuten gewannen Bartels und Bertolini auch das Qualifikationsrennen am Samstagabend von der Pole aus, viereinhalb Sekunden dahinter kamen Turner/Enge im Aston Martin ins Ziel. Die britischen Edel-Sportwagen hatten allerdings einen höheren Topspeed als die Italiener, nur noch knapp geschlagen von den Nissan, doch das Kurvenverhalten sprach eindeutig für Maserati.

So sah es auch im Hauptrennen am Sonntag nach einer souveränen Vorstellung aus, aber leider spielten in diesem entscheidenden Lauf eine misslungene Startprozedur und zwei Safety Car-Phasen die Hauptrolle. Am Start gab die #1 etwas zu früh Gas, der daneben startende Tomas Enge im Young Driver Aston Martin reagierte anscheinend auf ein kurz von der Boxenmauer herausgehaltenes Schild und die sehr lange auf Rot bleibende Ampel: er war infolgedessen wohl der Meinung, weil der Maserati zu früh die Startformation verlassen habe, sei kurzfristig eine weitere Einführungsrunde angeordnet worden. Damit lag er aber offensichtlich falsch und fiel weit ins Mittelfeld zurück.

Nach der frühen ersten Gelbphase (Rahel Frey war in den Kies geschubst worden) lag der Maserati weiter vorn, bekam dann jedoch tatsächlich eine Stop&Go-Strafe für den zu frühen Start. Da das Feld nach dem Restart noch eng zusammen war, verlor Bertolini beim Absitzen der Strafe viele Plätze.

Nach einem Zwischenfall zwischen Hegersport-Pilot Margaritis und einem stocksauren Bas Leinders kam kurz vor Rennmitte das Safety Car noch einmal heraus – pünktlich zum Boxenstopp-Fenster: fast alle Fahrzeuge gingen auf einmal an die Box, dadurch war es zu eng, und wer rangieren musste, verlor. Gewinner dieses Boxengassen-Trubels waren die Sieger vom Saisonauftakt, Thomas Mutsch und Romain Grosjean, die als erste auf die Strecke zurückkamen und diese Führung auch nicht mehr abgaben, auch wenn sie die gesamte zweite Rennhälfte über verfolgt wurden; und zwar überraschenderweise von Darren Turner im so schlecht gestarteten Aston Martin!

Am Ende des Rennens sollten die Top5 innerhalb von 1,8 Sekunden die Ziellinie überqueren, eine sehenswerte Aufholjagd hatte bis dahin Michael Bartels abgeliefert, der sich auf eben diesen fünften Platz vorgearbeitet hatte und für den noch mehr drin hätte sein können, wenn das Meisterschaftsrennen nicht so unverhältnismäßig kurz wäre. So führen nun Mutsch/Grosjean (56 Punkte) nach zwei Siegen deutlich vor Bertolini/Bartels (44 Punkte), die aber bisher als einzige bei jedem Rennen (auch jedem Qualifikationsrennen!) Zähler einfuhren.

Ein kurzes Zwischenfazit nach drei Rennwochenenden: die neue Weltmeisterschaft macht sich im Grunde sehr gut, was Spannung und Spektakel angeht. Einen leichten Schatten auf die guten Rennen werfen aber Ärgernisse und Zwischenfälle wie der Gachnang-Unfall in Abu Dhabi, das Nissan-Gezeter bezüglich der angeblich misslungenen Balance of Performance, der aberkannte Aston Martin-Sieg in Silverstone und das rennentscheidende Startchaos in Brünn. Doch – wie gesagt – der eigentliche Sport überzeugt. Und vor allem dessen Präsentation: einen besseren offiziellen Live-Stream mit On-Demand-Mediathek hat wohl noch keine Serie geboten, Website und Live Timing sind gut und übersichtlich und die Rennen werden mittlerweile auch über Twitter begleitet.

GT3-EM

Auch die „kleinere“ GT-Serie bot in Brünn interessante und spannende Rennen. Die Trainings zu Beginn des Wochenendes waren überwiegend verregnet, aber das einzige Rennen auf feuchter Strecke – halb-feucht, um genau zu sein, denn nur über der im Tal gelegenen Streckenhälfte hatte es geregtnet – war das erste der GT3. Hier beanspruchten am Ende drei Corvettes das Podium für sich, die unter den Streckenbedingungen früh nach vorn stürmten. Lambotte/Parisy siegten am Ende mit über 18 Sekunden Vorsprung vor Keilwitz/Hohenadel, Seiler/Lunardi und den Pole-Settern Geipel/von Thurn und Taxis im Reiter Lamborghini.

Im zweiten Rennen am Sonntag siegten wieder die beiden Franzosen Joakim Lambotte und Mike Parisy, die damit trotz eines punktelosen ersten Rennwochenendes auf Platz 3 der Meisterschaft nach oben schossen, nur acht Punkte hinter den Führenden Keilwitz/Hohenadel und sieben hinter Philip Geipel. Letzterer erreichte mit seinem adeligen Teamkollegen den zweiten Platz, nur gut viereinhalb Sekunden hinter dem Siegerauto.

Vorschau: ADAC GT Masters – Hockenheim

Die GT Masters trägt ihre Läufe 5 und 6 an diesem Wochenende auf dem Hockenheimring aus. Albert von Thurn und Taxis ist aktuell nicht nur in der GT3-EM erfolgreich, sondern auch in derem deutschen Pendant, hier führt er gemeinsam mit seinem Lamborghini-Co-Piloten Peter Kox die Meisterschaftswertung an. 21 Punkte haben beide, Luca Ludwig und Christopher Mies (Abi-Audi) liegen aber zwei Zähler dahinter. In der Deutschen GT3-Meisterschaft, zu der auch das 24h-Rennen auf der Nordschleife zählt, führt derweil Luca Ludwig mit deutlichem Vorsprung: er saß auf der Nordschleife als einziger regelmäßiger GT Masters-Teilnehmer im Klassensieger-Auto von Phoenix Racing und sackte somit die 30 Punkte ein.

In der Amateurwertung führt nach dem beeindruckenden zweiten Platz am Sachsenring Ex-Skisprung-Ass Sven Hannawald mit 26 Punkten vor Ronald van der Laar, dem Co-Piloten von Michael Bleekemolen (21 Punkte). Vorjahressieger Toni Seiler liegt nach zwei Siegen in Oschersleben, aber punkteloser Heimreise aus  Sachsen einen weiteren Punkt dahinter.

Das Starterfeld ist in Baden wieder um drei Fahrzeuge im Vergleich zum vergangenen Rennwochenende gewachsen: s-Berg Racing setzt einen zweiten BMW-Alpina B6 ein, und auch Attempo Racing ist nach einer Pause in Hohenstein-Ernstthal wieder mit zwei Porsche 911 GT3 Cup dabei.

Vorschau: Grand-Am – Lime Rock

Wer nach Formel 1, Indy 500, NASCAR und GT Masters noch nicht genug hat, für den geht das Rennwochenende am Montag weiter: in den USA wird am Memorial Day der verstorbenen Soldaten gedacht und die Grand-Am Rolex Sports Cars Series nutzt diesen Feiertag, um auf dem Traditionskurs in Connecticut ihr „Memorial Day Classic“ auszufahren.

Im letzten Jahr fand dieses Rennen nicht statt, bis 2008 war es ein „GT only“-Event. In diesem Jahr werden zum ersten Mal auch die Daytona-Prototypen ins „Road Racing Center of the East“ reisen. Man wird dementsprechend nicht die klassische Streckenvariante fahren, sondern die neue „The Uphill“-Schikane einbeziehen, um Überholmanöver am Ende der „No-Name Straight“ zu ermöglichen und Auslauffläche zu schaffen. Den zusätzlichen „West Bend“-Komplex, den die ALMS außerdem nutzt, wird die Grand-Am laut eigener Angaben wohl außen vor lassen, sodass die Strecke flüssiger bleibt.

Großer Favorit in der DP-Klasse wird wieder Chip Ganassi Racing mit Pruett/Rojas im BMW-Riley sein, die die vergangenen drei Rennen gewonnen haben.

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May 21 2010

16:00

Vorschau: ALMS in Laguna Seca / GT1 und GT3 in Brünn

Die ALMS fährt am späten Samstagabend ihren neuen Langstrecken-Event auf der Kultbahn von Laguna Seca aus, für einige Teams ein wichtiger letzter Test vor Le Mans. Derweil verbringt die GT1-Weltmeisterschaft zusammen mit der GT3-EM das Wochenende im tschechischen Brünn.

Mit den 6h von Laguna Seca baut die American Le Mans Series nun neben Sebring und dem Petit Le Mans auf eine dritte Langstrecken-Säule in ihrem ansonsten über die Jahre leicht geschrumpften Kalender Kalender. Es war ein absolut richtiger und wichtiger Schritt, das Rennen auf der allseits beliebten Strecke nahe Monterey, Kalifornien in den Mai vorzuziehen und die Renndauer um 50% zu erhöhen.

So wird das Event für die Teams, die in drei Wochen den Atlantik überqueren werden, um beim 24 Stunden-Rennen an der Sarthe zu starten, eine willkommene letzte Testmöglichkeit vor dem großen Rennen sein, auch wenn Laguna Seca in keinster Weise mit dem Circuit de la Sarthe zu vergleichen ist.

Bei den Prototypen handelt es sich hier um die Autocon-Mannschaft, die in Le Mans mit Michael Lewis zusammenspannt, Highcroft mit dem starken HPD-formerly-known-as-Acura sowie Drayson Racing. Paul Drayson kann sich ja nun seit einigen Wochen zu 100% aufs Rennfahren konzentrieren, seinen „Zweit-Job“ hat der ehemalige Labour-Wissenschaftsminister mit dem Regierungswechsel in Großbritannien verloren. Mit den Kollegen Cocker und Pirro bildet er ein solides Trio, wenn nur die Technik hält – über die 12h von Sebring hat es nicht gereicht, Laguna Seca wird eine wichtige Erprobungsfahrt für das grüne Lola-Coupé.

Aus der GT(2)-Klasse sind diese Teams die beiden Corvettes, die Risi-Ferraris sowie ein Flying Lizard-Porsche und Rocketsports mit dem neuen, noch nicht konkurrenzfähigen Jaguar XKR. Anders als BMW treten diese schließlich nur in der amerikanischen Le Mans Series an, für die Münchner war Spa aufgrund der unterschiedlichen Fahrzeugkonfigurationen wohl der bedeutendere Test.

Laguna Seca ist natürlich vor allem für die Corkscrew bekannt. Ein schönes Feature mit Fahrerstimmen dazu hat die ALMS dieser Tage veröffentlicht:

Ansonsten besteht die Strecke aus überwiegend mittelschnellen Kurven, die beste – und eigentlich einzige – Überholmöglichkeit ist die Andretti Hairpin nach Start/Ziel. Aufgrund dieser Charakteristik dürften die als LMP2 konstruierten Fahrzeuge gute Chancen auf den Gesamtsieg haben, zumal die beiden Prototypen ja auf ein Niveau gebracht sind. Die eigentlichen LMP1-Fahrzeuge können aber ihre wichtigste Stärke, den höheren Topspeed, hier nicht ausnutzen. Der Highcroft-Honda mit den Top-Piloten David Brabham, Simon Pagenaud und Marino Franchitti dürfte als Favorit einzuschätzen sein, bei den übrigen Prototypen wird die Haltbarkeit der Knackpunkt sein; nur der Cytosport-Porsche ist zwar zuverlässig, aber mangels Weiterentwicklung nicht schnell genug, um den HPD ARX-01c zu schlagen.

Das Rennen wird in voller Länge und mit Radio Le Mans-Kommentar als offizieller und kostenloser Stream angeboten, für den es allerdings nur 10.000 Plätze gibt. Anmelden kann man sich hier. Zu beachten ist allerdings, dass das Rennen erst um 23:30 Uhr am Samstag deutscher Zeit startet (14:30 Uhr Ortszeit in Kalifornien). Alles was man sonst so brauchen könnte gibt es wie immer bei der ALMS gesammelt im Race Hub.

GT1-WM

Die GT1-Weltmeisterschaft geht bereits in Runde 3. Diesmal reist man ins südöstliche Tschechien, genauer gesagt nach Brünn, wo auf dem Automotodrom Brno (oder Masaryk-Ring) gefahren wird. Im letzten Jahr sparte man die im Waldgebiet des Naturparks Podkomorské lesy gelegene Strecke aus, die Rückkehr dürfte Fahrer und Fans erfreuen, da die Bahn aufgrund der Höhenunterschiede und der flüssigen Kurven ziemlich beliebt ist. Auf dem maximal 8% steilen Bergaufstück, das die Kehre am tiefsten Punkt der Strecke mit dem am Hochpunkt gelegenen Start/Ziel-Bereich verbindet, ist ein starker Motor gefragt und ein geringes Gewicht hilfreich.

Ansonsten liegt die Strecke mit den überwiegend mittelschnellen und langgezogenen Kurven vom Charakter her zwischen dem eckigen Yas Marina Circuit und der schnellen Bahn von Silverstone. Auf ersterem gingen Ford und Corvette besonders gut, in England lagen Nissan und Aston Martin vorn. Da diese nun entsprechend mit Gewicht beladen sind, könnte nun endlich die Stunde der Maserati schlagen, die bisher immer knapp hinter der Spitze lauerten, aber nicht ernsthaft um den Sieg mitkämpfen konnten.

Andererseits siegte beim letzten GT1-Rennen in Brünn 2008 ein Aston Martin und gerade der Tscheche Tomas Enge wird bei seinem Heimrennen besonders motiviert sein. Nach dem schweren Nygaard-Unfall in Spa und dem nachträglich entrissenen Sieg wegen minimal zu dünner Bodenplatte (die Berufung war erfolglos) dürfte es die Fahrer des Young Driver AMR-Teams nach einem großen Erfolg dürsten. Es ist aber schlicht und einfach schwierig, bei den verschiedenen Streckentypen und der bei Bedarf von der FIA angepassten Balance of Performance sowie den Platzierungsgewichten klare Favoriten auszumachen.

Unter eben diesem – wie angesprochen hier besonders hinderlichen – Success Balast leiden nach den vergangenen zwei Events der Enge/Turner-Aston Martin (40kg), der Hughes/Campbell-Walter-Nissan (30kg) der Sarrazin/Makowiecki-Aston Martin (20kg) und der Kechele/Danis-Lamborghini (10kg). Peugeot-LMP-Pilot Stéphane Sarrazin ist der bekannteste der in Brünn antretenden Gaststarter, der Kombination aus ihm und Frédéric Makowiecki ist trotz der 20kg auch durchaus ein gutes Ergebnis zuzutrauen.

Außerdem wird das Feld zum ersten Mal in dieser Saison in voller Stärke, also mit 24 Fahrzeugen an den Start gehen, da Rahel Frey die nach dem Unfall in Abu Dhabi noch verletzte Natacha Gachnang im Matech-Ford GT ersetzt. Beim LMS-Event der 1000km von Spa reichte es für die beiden Schweizerinnen mit Unterstützung von Landsmann Yann Zimmer immerhin für den dritten Klassenrang auf einem rein von Ford GT besetzten Podium.

Sport1 wird enttäuschenderweise wieder nur Highlights senden, dieses Mal sogar nur eine halbe Stunde (abzüglich Werbung…) und zwar am Sonntag um 17:15 Uhr. Ausführlichere Aufzeichnungen hätte es bei Bloomberg Samstag wie auch Sonntag geben sollen, aber die sind leider seit ein paar Stunden nicht mehr im Programm enthalten. Live gibt es die beiden Rennen (Qualification Race am Samstag um 17:30 Uhr und das Championship race am Sonntag um 14:15 Uhr) also nur im offiziellen Stream zu sehen, der sich aber auf jeden Fall anzuschauen lohnt.

Übrigens fanden bisher beide Trainings (einmal Vitaphone-Maserati vorn, einmal ein MarcVDS-Ford GT) auf feuchter bis nasser Strecke statt und auch für die kommenden Tage ist Regen vorhergesagt: Schauer am Samstagnachmittag, 60% Niederschlagswahrscheinlichkeit am Sonntag.

Und noch eine kurze Info trauriger Art: Loris Kessel, Teamchef des von ihm gegründeten Kessel Racing, das in der FIA-GT und anderen Sportwagenserien in den letzten Jahren Ferraris einsetzte, verstarb am Samstag an Leukämie.

GT3-EM

Als Support zur GT1 rücken wie bereits in Silverstone die Teams der Europameisterschaft in der GT3-Kategorie zum zweiten ihrer sechs Rennwochenenden an. 2008 war die Serie zuletzt in Brünn unterwegs, damals siegten Alessi/Zano im Aston Martin DBRS9 und Mutsch/Khan im Ford GT.

Nach den recht gut durchmischten Rennergebnissen in England lässt sich ein eindeutiger Favorit in dem 34 Fahrzeuge starken Starterfeld nicht ausmachen. Die Kombination Jose Luis Cunill/Tim Bergmeister im Trackspeed-Porsche dürfte nach den Rängen 1 und 3 beim Saisonauftakt recht stark einzuschätzen sein, auch der Argo-Lamborghini mit Philip Geipel und Ellen Lohr war – insbesondere dank ersterem – stark, erreichte die Ränge 3 und 4. Sieger in Rennen 2 waren Christian Hohenadel und Daniel Keilwitz in einer der Callaway-Corvette.

Da neben dem Erfolgsbalast, der jeweils die ersten drei eines Rennens betrifft, auch noch die Balance of Performance nach Silverstone zu Ungunsten von Corvette (+60kg), Lamborghini (+20kg) und Porsche (+50kg sowie kleinerer Air Restrictor) sowie auch Audi (neues Drehzahllimit) geändert wurde, dürften diese es aber in Brünn deutlich schwerer haben.

Die Rennen gibt es am Samstag um 14 Uhr und am Sonntag um 12 Uhr live auf MotorsTV zu sehen. Auch die GT3 scheint kurzfristig aus dem Programm von Bloomberg TV geflogen zu sein, das verstehe, wer wolle. Ansonsten gibt es den wie bei der GT1 qualitativ hochwertigen Live-Stream auf der Serien-Homepage.

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April 21 2010

17:09

Analyse: GT1-WM & ALMS // Vorschau: Grand-Am in Virginia

Die neue GT1-Weltmeisterschaft legte in Abu Dhabi einen gelungenen Auftakt hin, der aber getrübt wurde von einem schweren Unfall. Die ALMS bot in Long Beach ein deutlich aufregenderes Rennen als die IndyCars. Einziger „großer“ Sportwagen-Event des anstehendes Wochenendes ist die Grand-Am.

Dominierte nun beim Saisonauftakt in Abu Dhabi der Ford GT, wie die Fahrer der Konkurrenz behaupten, oder waren es seine Fahrer Thomas Mutsch und vor allem Romain Grosjean, die diesen souveränen Sieg eingefahren haben? Betrachtet man die Resultate der übrigen Ford GT, scheint das Fahrzeug an sich nicht wirklich überlegen zu sein, denn mehr als mittelmäßien Resultate sprangen für keinen der anderen heraus. Meinem Eindruck nach muss man es der FIA zugute halten, dass sie die angestrebte Balance of Performance recht gut hinbekommen haben: die meisten Fahrzeuge waren etwa auf dem gleichen Level und konnten sich spannende Zweikämpfe liefern; Corvette und der eine Ford GT stritten sch zwar um die Spitze, aber keine Marke dominierte wirklich; lediglich die vier Nissan GT-R kamen scheinen etwas benachteiligt und stritten darum allesamt im Mittelfeld. Von allen anderen Herstellern war zumindest ein Fahrzeug in einem oder beiden Rennen in den Top 5 zu finden. Die Platzierungsgewichte werden das Niveau noch weiter angleichen, auch grundlegende Einstufungsänderungen sind noch nicht ausgeschlossen worden.

Um das Wochenende chronologisch aufzuarbeiten: zunächst stand die Qualifikation an, die im F1-Format ausgefahren wird. Im zweiten Segment hatte dann die Schweizerin Natacha Gachnang einen heftigen Unfall: am Ende der langen Geraden schoss ihr Ford GT eine Qualmwolke hinter sich her ziehend mit hoher Geschwindigkeit geradeaus, und schlug ohne nenneswerte Geschwindigkeitsverminderung in die Barriere am Ende der Auslaufzone ein. Die Bergung dauerte einige Zeit und wie sich herausstellen sollte, hatte sie sich einen doppelten Bruch des rechten Beines zugezogen, der auch operiert werden musste – Lebensgefahr hat jedoch nie bestanden. Als Unfallursache identifizierte ihr Team ein Leck im hinteren Bremskreislauf: beim Versuch, den Wagen trotz dieses Problems zu verlangsamen trat Gachnang nicht nur besonders fest aufs Bremspedal, sondern erwischte dabei auch das Gaspedal. Für einen Unfall dieser Art sind die asphaltierten Auslaufzonen auch eher von Nachteil, da ihnen die abbremsende Wirkung für einen solchen seltenen Fall fehlt. Und selbst die hochmodernen Tecpro-Barrieren (keine Leitplanken, keine Reifenstapel, sondern energieabsorbierende, weil schaumgefüllte Plastikkisten) konnten die Verletzung bei einem Einschlag mit diesem Tempo nicht verhindern – Nachbesserungsbedarf oder unvorhersehbarer Zufall?

Neben der jungen Pilotin wurde auch der Kameramann verletzt, der „tapfer“ draufhielt, als der Sportwagen auf ihn zuraste: der Einschlag erfolgte direkt vor ihm und war so hart, dass durch die Erschütterung seine Kamera umfiel und ihm die Nase brach. Jedenfalls wurde die Quali abgebrochen, weil die Wiedeherstellung der Barrieren zu lange gedauert hätte. So lautete die Reihenfolge fürs Quali-Rennen: Zuber/Hennerici (Corvette) vor Makowiecki/Dumas (Aston Martin) und Bernoldi/Ramos (Maserati). Die Helden des Folgetages, Grosjean und Mutsch, schafften es vorerst nur auf Rang 11.

Grosjeans große Stunde schlug dann im Qualifikationslauf: er fuhr die erste Rennhälfte, legte ein enormes Tempo an den Tag und überholte einen Konkurrenten nach dem anderen. Dass die vorn startenden Konkurrenten Aston Martin und Bernoldi sich bereits in Kurve 1 nach dem Start drehten kam ihm dabei selbstverständlich auch zupass. Matech zögerte den Pflichtstop so lang wie möglich heraus, in der Hoffnung, dass Grosjean auch die vorn liegende Corvette durch einige schnelle Runden schnappen könnte, doch dafür reichte es nicht und auch Thomas Mutsch konnte nichts gegen Marc Hennerici ausrichten, die somit den ersten Lauf gewannen.

Technische Unregelmäßigkeiten an sämtlichen Corvettes bedeuteten eine Strafe von zehn Startplätzen für das wichtige Hauptrennen – so konnte Mutsch die Pole erben und die Führung nach dem Start über die erste Rennhälfte des zweiten Laufs verwalten. Den Fahrerwechsel legte die Matech-Mannschaft dieses Mal um so früher ein, man war sich wohl bewusst, was für ein starkes Wochenende Romain Grosjean hatte. Und er zeigte es wiederum: Bis zu zwei Sekunden pro Runde war er schneller als die Konkurrenz, in 28 insgesamt gefahrenen Runden holten die beiden 23 Sekunden Vorsprung heraus, das meiste davon der Franzose. Dahinter ging es wie in Lauf 1 eng und spannend zu, aufs Podium schafften es die beiden Corvettes von Zuber/Hennerici und Hezemans/Piccini. Auf Rang 4 folgte der Vitaphone-Maserati mit Bartels/Bertolini, die nach fünfjähriger Dominanz nicht sonderlich glücklich darüber waren, sodass Bertolini sich über zuviel Power der Ford GT beschwerte.

Insgesamt lässt sich aber sagen, dass die runderneuerte FIA GT1-Weltmeisterschaft einen überzeugenden Auftakt hingelegt hat: zu den spannenden, abechslungsreichen Rennen mit vielen Zweikämpfen kommt der großartige Live-Stream hinzu, der mit erstklassigem Bild und Top-Kommentatoren (Ben Edwards & Danny Watts) zu überzeugen wusste. Ein wenig schade ist, dass das Hauptrennen nur genauso lang ist wie das Qualifikationsrennen, eine Aufteilung 40/80 Minuten gefiele mir da besser als 60/60.  Aber der Start ist geglückt, es steht eine hoffentlich aufregende Saison bevor, nun, da die Teams endlich aus Abu Dhabi abreisen können, wo sie dank der isländischen Aschewolke noch festsaßen. Da das nun geglückt ist, bleibt nur noch zu hoffen, dass Natacha Gachnang sich schnell wieder erholt!

ALMS – Long Beach

Zunächst mal: jedem MotorsTV-Abonnenten empfehle ich dringend, sich das Rennen in der Aufzeichnung am Samstag anzuschauen. Es war ein kurioses, aufregendes und bis zur letzten Kurve spannendes Rennen. Wer es in Gänze genießen will, sollte diesen Abschnitt bis zur Grand-Am-Preview überspringen und, wie gesagt, MotorsTV gucken. Für alle anderen (z.B. die Satelliten-Kunden) gibt’s dieses Highlight-Video:

Wow. Hut ab vor der IMSA, die haben es tatsächlich hinbekommen, die beiden Prototypen-Klassen so nivellieren, dass die Top-Autos der alten LMP1 und LMP2 gleichauf um den Sieg kämpfen können, ohne aber die individuellen Vorteile beider zu zerstören: der Aston Martin zog auf dem Shoreline Drive jeweils deutlich davon, aber in dem engen, kurvigen Teil der Strecke konnte Simon Pagenaud im Acura immer wieder so deutlich aufholen, dass er in der Hairpin in Fernandez’ Getriebe saß. Klar – der winklige Kurs von Long Beach trägt seinen Teil dazu bei, dass das so gut funktioniert hat, auf der Road America wird das anders aussehen; aber auch Laguna Seca, wo das nächste Rennen stattfindet, gilt dank vieler mittelschneller Kurven und mangels langer Geraden als LMP2-freundlicher Kurs.

Nachdem Fernandez sechseinhalb Minuten vor Schluss die Führung übernommen hatte, war Pagenaud dann in der letzten Runde war Pagenaud nicht erst in der Hairpin, sondern bereits nach dem Toyota/Fountain-Komplex dran und als Fernandez in der Rechtskurve Turn 5, die wieder auf den Shoreline Drive zurückführt, mit starkem Übersteuern seitwärts gen Mauer rutschte, nutzte der Acura-Pilot die Chance und drückte sich innen vorbei. Dass der Aston Martin ins Rutschen kam, mag unter anderem an der zerfledderten Heckpartie gelegen haben, denn genau diese beiden Fahrzeuge waren bereits in der 38. Rennminute aneinandergeraten, als David Brabham in Turn 8 eingangs der Gegengeraden einen optimistischen Überholversuch wagte, Harold Primat in de Reifenstapel schob und dafür zu Recht mit einer Stop&Go-Strafe belegt wurde. Um so bemerkenswerter, dass es diese beiden Teams waren, die am Ende um den Gesamtsieg kämpften.

Das lag aber auch an den Problemen der Konkurrenz: Jon Field hatte das Intersport-Team früh in Führung gebracht und fuhr souverän vornweg, bis man bei den Massen-Boxenstopps in der viel zu engen Boxengasse weit zurückfiel; schließlich streikte auch noch die Technik des Lola-Judd. Der Porsche RS Spyder kann den Speed des Acura – wie bereits in Sebring prognostiziert – trotz eines Klaus Graf am Steuer, einfach nicht gehen, das Team gewann allerdings zum Trost die Green Challenge vor dem Drayson-Lola, der ebenfalls unter Problemen beim Pit Stop und technischen Mängeln litt.

Auch bei den Gran Tourismos ging es spannend und spektakulär zu: Lange – trotz seiner nach wie vor in der Entwicklungsphase befindlichen und somit noch nicht ausgereiften Falken-Reifen – Wolf Henzler vorn, bis in der Gelbphase kurz nach Rennmitte im chaotischen Gewühl der Boxengasse die BMWs die schnelleren Stops hinlegten und  eine Doppelführung übernahmen; die hielt einige Zeit, bis dann Patrick Long im Flying Lizard-Porsche zur Attacke blies und nach einem Restart zunächst mitten im LMP-Verkehr an der #90 vorbeiging (dabei fast den Aston Martin abräumte) und sich schließlich zehn Minuten vor Schluss auch den zweiten BMW, Tommy Milner in der #92, schnappte, als der am Ende der Gegengeraden auf Kampflinie innen anbremsend die Kurve nicht bekam. Die Reihenfolge lautete am Ende: Lizard-Porsche, Corvette, BMW, Risi-Ferrari, BMW. Freude gab es auch beim Jaguar-Team über die erste Zielankunft, wenn auch nach hartnäckigen Problemen mit dem Gaspedal nur mit 22 Runden Rückstand auf dem vorletzten Klassenplatz.

Auch an der „Green Racing“-Front gab es in Long Beach Neues: zum ersten Mal gewann ein Fahrzeug in seiner Klasse, das das „official motor oil of the ALMS“ einsetzt – und zwar als einziger Teilnehmer: das Green Earth Team mt Gunnar Jeannette und Elton Julian. Die Mannschaft wird auch von Green Earth Technologies gesponsert, die das aus Tierfett  hergestellte und somit biologisch abbaubare Motoröl herstellen. Außerdem wurde das „Green Dream Team“, bestehend aus fünf Fahrern, die als Botschafter den Gedanken des „grüne(re)n Motorsports repräsentieren sollen, ins Leben gerufen: Paul Drayson, David Brabham (der 2004 der ALMS-Führung vorschlug, diesen innovativen Weg zu verfolgen), Johnny O’Connell (für Corvette Racing, die 2008 als erste den E85-Kraftstoff einsetzten), Chris Dyson (für Dyson Racing, erstes Team, das Isobutanol, einen Biokraftstoff der zweiten Generation, benutzt) sowie Gunnar Jeannette (wie bereits erwähnt mit G-Oil unterwegs) bilden dieses Team, das eben diese Denkweise an der Rennstrecke, im Fernsehen, über die Medien und das Internet verbreiten soll.

Grand-Am: Virginia International Raceway

Die Rolex Sports Car Series ist im NASCAR-Land unterwegs, und das leider auch noch zur NASCAR-Zeit: obwohl die Grand-Am und die NASCAR ja im Grunde Verbündete sind. Vermutlich ließ es sich von der Zeitplanung her nicht anders machen, aber so fahren die Sportwagen nun in Virginia, während in Talladega die Nationwide Series an den Start geht. Sowohl das TV-Duell (ABC vs. Speed) als auch bei der der Zahl der Zuschauer an der Rennstrecke wird die Superspeedway-Meute gewinnen, etwas schade ob der seit 2008 bestehenden Marketing-Kooperation.

Dennoch: die Grand-Am ist immer einen Blick wert, denn sie liefert aufgrund der wie in der NASCAR simpel gehaltenen Technik oft spannende Rennen. Der Virginia International Raceway, kurz VIR, ist außerdem eine sehr interessante, weil flüssige und schnelle, Rennstrecke, die man nicht allzu oft zu sehen bekommt. Da es sich im Grunde um ein Aspahltband auf einer Kuhwiese handelt, sind die Auslaufzonen entsprechend grün, ergo rutschig, an vielen Stellen aber auch recht weitläufig; an den entscheidenden Stellen, den gefährlichsten Kurven, leider jedoch nicht wirklich. Die Fahrzeuge durch die schnellen Bergauf-Esses oder die spektakuläre Rollercoaster/Hog Pen-Passage nach der endlosen Gegengeraden fahren zu sehen, macht aber viel Spaß.

Die spannenden Fragen des Rennens werden sein: Kann jemand das Ganassi-Duo schlagen? Wird die Pechsträhne des Gainsco-Teams von Bob Stallings enden? Kann bei den GTs jemand den Mazda den Sieg abtrotzen? Für Spannung und Abwechslung in dieser Serie wäre es nicht schlecht, wenn sich eine dieser Fragen mit „Ja“ beantworten ließe…

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10:00

Ferner liefen: Die Newshappen

// Zur Bewerbung um den 13. Formel 1 Startplatz für 2011 hat sich jetzt auch Prodrive zu Wort gemeldet – und einen Einstieg in die Königsklasse ausgeschlossen. Teamchef David Richards bezweifelt in der Presseaussendung, dass man derzeit genug Sponsorengelder auftreiben könne, um in der Königsklasse auch erfolgreich zu sein. Langweilig wird es für die die Briten trotzdem nicht: Zusätzlich zu den bestehenden Verpflichtungen in der V8 Supercar Series und bei den Sportwagen bereitet man für das kommende Jahr den Einstieg in die WRC vor. Lola hat ebenfalls schon abgesagt.

// Bestätigt hat Bernie Ecclestone nach einem Besuch vor Ort den Grand Prix von Südkorea 2010. 2011 wird es dann aller Voraussicht nach erstmals 20 Rennen geben, da für den neuen Grand Prix von Indien keine der existierenden Veranstaltungen gestrichen werden soll. Für die fernere Zukunft ist wohl auch eine weitere Ausdehnung des Kalenders auf bis zu 25 Rennen angedacht – mal sehen, was die Teams dazu sagen.

// Für Staunen sorgt in diesem Zusammenhang der Besuch des ehemaligen Indycar Chefs Tony George beim Rennen in Shanghai. Mögliche Erklärung: George hat sich als Besitzer des Indianapolis Speedway beim Vertragsabschluss mit Bernie wohl auch die Rechte an der Ausrichtung aller Veranstaltungen mit dem klingenden Titel “The United States Grand Prix at …” gesichert. Er könnte jetzt also als Veranstalter des von den Herstellern so heftig geforderten Rennens in den USA auftreten – oder müsste zumindest die Rechte an einen neuen Ausrichter verkaufen. Wo dieses Rennen stattfinden könnte, ist aber weiter unklar. Bernie Ecclestone scheint sich einen Austragungsort in der Nähe von New York zu wünschen.

// Eine Entscheidung drängt schön langsam auch in der Reifenfrage für das kommende Jahr. Autosport will erfahren haben, dass sich die Teams auf einen Deal mit Michelin geeinigt haben. Bernie Ecclestone scheint aber eine andere Variante zu bevorzugen – und zwar mit Überraschungskandidat Cooper/Avon. Eine Entscheidung soll bis zum GP von Barcelona in drei Wochen fallen – es wäre aber auch nicht das erste Mal, dass eine Deadline in der Reifenfrage versteicht.

// Die Vulkanansche macht auch dem Rennsport zu schaffen: Die MotoGP musste ihr Rennen in Japan, das für dieses Wochenende geplant war bereits verschieben. Auch die GT1 hängt derzeit in Abu Dhabi fest, die Zeit bis zum Rennen in Silverstone in eineinhalb Wochen könnte knapp werden. Gerede gab es auch die Formel 1, die in den nächsten drei Wochen Personal und Equipment nach Spanien transportieren muss. Bernie Eccelstone macht sich allerdings keine Sorgen, und hat erklärt, dass das Material notfalls auch rechtzeitig via Schiff nach Barcelona transportiert werden könnte. Knapp werden könnte die Zeit allerdings trotzdem: Und zwar für jene Teams, die für Barcelona größere Updates am Auto geplant hatten.

// Kasey Kahne wird ab 2012 für Hendrick Motorsports an den Start gehen und dort Mark Martin ersetzen. Sein Vertrag läuft bis 2015. Wo er derweil die 2011er Saison bestreiten wird, ist noch nicht ganz entschieden, allerdings ist es wahrscheinlich, dass Stewart Haas Racing, die Hendrick Chassis und Motoren verwenden  für Kahne ein drittes Auto zur Verfügung stellen.

// Die NASCAR erhöht den Druck auf FOX in Sachen Internetstreaming. Sehr deutlich hat man in einer Pressemitteilung klar gemacht, dass man den Fans schon gerne mehr im Netz anbieten würde, aber FOX alle Anfragen blockiert. Das ist in zweierlei Hinsicht interessant. Zum einen ist es ungewöhnlich, dass die NASCAR einen Vertragspartner derartig offen angeht, zum anderen bezieht man die Kritik ausschließlich auf FOX. Das nährt die Hoffnung, dass man nach dem Ablauf der FOX-Übertragungen evtl. einen eigenen Stream auf anbieten will, bzw. dass ESPN, die ab dem Sommer übertragen, mit der Übertragung um Netz keine Probleme hat.

// Paul Tracy wird beim Indy 500 in diesem Jahr für KV Racing starten. Von den vermuteten weiteren Rennen (Toronto und Edmonton) war bei der Bekanntgabe dieses Engegements nicht die Rede.

// Eurosport hat bestätigt, dass man die gesamten 24 Stunden von Le Mans live und in HD übertragen wird.

// Live-Motorsport wird es in dieser Saison auch bei Motorvision TV geben: Wie gestern bekannt wurde, hat sich der Sender, der über das “sky Welt”-Paket zu empfangen ist, die Rechte an allen Rennen der Seat Leon Supercopa und des Porsche Carrera Cups gesichert. Damit ist das DTM-Wochenende auf insgesamt vier verschiedene Sender verteilt: Die DTM selbst läuft im Ersten, die F3 Euro bei n-tv, der Scirocco R-Cup (zeitversetzt) bei Sport 1 und der Rest bei Motorvision.

// Der Focus wird schön langsam zur Motorsport-Postille. Nachdem vergangene Woche von den angeblichen Problemen bei der F1-Strecke in Korea berichtet wurde, meldet das Magazin diese Woche, dass BMW offenbar vor einem Einstieg in die DTM steht – und zwar schon 2011.

// Das DTM-Finale in Shanghai wurde derweil von Ende Oktober in den November verschoben – offenbar wäre sonst die Zeit für den Transport zu knapp geworden. Eine völlige Absage des Rennens hat ITR-Chef Hans-Werne aufrecht aber gegenüber motorsport-total.de ausgeschlossen.

// In Australien nimmt derweil auch das heurige Rennen in Surfers Paradise langsam Gestalt an. Nach dem Wegfall der Indycars und dem Ende der A1GP wird das Event in diesem Jahr unter dem Titel “Super Carnivale” als Endurance-Rennen der heimischen V8 Supercars ausgetragen. Der Clou dabei: Jeder der australischen V8-Fahrer muss sich das Auto mit einem “internationalen” Piloten teilen. Und da sind einege bekannte Namen dabei – fix zugesagt haben bisher schon Heinz-Harald Frentzen, Sebastian Bourdais, Tiago Monteiro, Gianni Morbidelli und Scott Pruett. Angeblich auch dabei: Jacques Villeneuve, Jan Magnussen und Chrisitan Fittipaldi.

// Das Feld in der AutoGP, der Nachfolgeserie der Euro 3000 füllt sich weiter: Duncan Tappy wird bei der Premiere am kommenden Wochenende in Brno für DAMS starten, Giorgio Pantano für Super Nova und Luca Filippi für Euronova.

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April 15 2010

15:06

Vorschau: GT1-WM in Abu Dhabi & ALMS in Long Beach

Nach 13 Jahren FIA-GT Championship gibt es den großen Relaunch: die von der SRO und der FIA organisierte Sportwagenserie wird offiziell zur GT1-Weltmeisterschaft erhoben. Dazu wird sie aber auch so ziemlich komplett umgekrempelt.

Eigentlich eine schöne und spannende Meisterschaft, hat die FIA-GT doch nie die Aufmerksamkeit bekommen, die sie eigentlich verdient hätte. Die Serie lief immer so ein wenig unter dem Radar. Mit der Runderneuerung und der Vergabe eines offiziellen Weltmeistertitels versucht Organisator Stéphane Ratel nun, sie an die Spitze des Motorsports zu holen. Um enge und spannende Rennen zu gewährleisten, ist seit 2005 Balance of Performance das Schlüsselwort, wie auch beispielsweise in der GT Masters, deren Saisonauftakt es letztes Wochenende zu bestaunen gab. Gewichtszuladungen und Motorenbeschneidungen sollen alle teilnehmenden Fahrzeuge zu Jahresbeginn auf Augenhöhe bringen und auch unter der Saison stets durch Zusatzgewichte für die Top 4 jedes Rennens wieder nivelliert. Zudem ließ die FIA ließ für die neue WM aber auch nur sechs Hersteller zu, von denen jeder zwei Privatteams mit Fahrzeugen beliefern muss, ergo vier Autos stellt.

Diese sechs erwählten Fahrzeuge sind der Maserati MC12 (der trotz aller Balance of Performance die letzten fünf Meisterschaften gewann, da er speziell nach dem GT1-Reglement konstruiert und nicht – wie eigentlich vorgesehen – aus einem (Klein-)Serienfahrzeug entwickelt wurde), die Chevrolet Corvette Z06, der Aston Martin DB9, der Lamborghini Murciélago R-SV, der Nissan GT-R und der Ford GT. Eine schöne Auswahl spektakulärer Fahrzeuge aus Asien, den USA und Europa, mit 8 oder 12 Zylindern und 600-650 PS, nur der Ford fällt mit 560 PS etwas aus der Reihe. Ferrari mag der Traditionalist in dieser Liste vermissen, aber die haben aktuell kein GT1-Fahrzeug auf Lager, der 550 Maranello ist schon zu alt, um noch konkurrenzfähig zu sein.

Nordamerika und Asien hat man also herstellerseitig abgedeckt, Rennen werden dort in Jahr 1 der neuen WM zunächst mal nicht stattfinden. Dafür wird man aber ein Rennen in Südafrika fahren, auf dem einige Male von der A1GP genutzten engen Stadtkurs in Durban, sowie zwei Rennen in Südamerika auf den grandiosen Bahnen von Interlagos und San Luis. Letztere, genannt Potrero de los Funes, war bereits Schauplatz des Saisonfinales 2008, eine malerisch gelegene Strecke in einem erloschenen Vulkankrater um einen großen See herum. Dieses Event, das Anfang Dezember (!) das Saisonfinale sein wird, sei jetzt schon jedem Motorsportfan ans Herz gelegt.

Auch sonst ist der Kalender sehr reizvoll. Zwischen dem Auftakt auf der unter den Fans umstrittenen High Tech-Bahn von Abu Dhabi und den bereits genannten drei Rennen am Saisonende wird man die erste Serie sein, die in Silverstone auf dem neuen Arena Circuit fährt, dann folgen Brünn, Le Castellet, Spa, der Nürburgring und der beliebte Neubau nahe Portimao. Der Lauf in Spa wird leider nicht das 24h-Rennen sein, das geht dieses Jahr als GT2-Standalone-Event über die Bühne, da man nicht genug Interessenten für eine komplette EM zusammenbekommen hat.

Zu den Favoriten auf den Titel in dieser zehn Rennwochenenden umfassenden Saison dürfte auch dieses Jahr wieder der Vitaphone-Maserati mit Michael Bartels und Andrea Bertolini gehören – erster GT1-Weltmeister werden zu können, sollte Anreiz genug sein; aber eben nicht nur für diese beiden, sondern auch für die Herausforderer, zu denen z.B. Wendlinger/Moser im Swiss Racing-Nissan und Müller/Maassen in der Mad Croc-Corvette gehören. Aston Martin setzt mit Darren Turner, Stefan Mücke, Tomas Enge neben Christoffer Nygaard einige seiner sonst in der LMS beschäftigten Werksfahrer ein, mit diesen dürfte auch zu rechnen sein. Das Schweizer Matech-Team überlässt den beiden Landsfrauen Natacha Gachnang und Cyndie Allemann einen Ford GT – auch hier dürfte es interessant zu sehen sein, wie die beiden sich als einzige Damen im Feld schlagen. Am Steuer des zweiten Autos dieses Teams hat der von Renault F1 verstoßene Romain Grosjean seinen neuen Arbeitsplatz gefunden, Mika Salo und Ricardo Zonta sind ebenfalls aus der Formel 1 bekannt, Peter Kox und Peter Dumbreck aus der Welt der Tourenwagen. Eine ganze Reihe Fahrer sind oder waren auch in der GT Masters aktiv. Die vollständige Entry List sowie die Übersicht, welche Teams welche Fahrzeuge in welcher Lackierung einsetzen, gibt es hier.

Ganz neu ist das Format der Rennwochenenden: wurde bisher ein Zweistunden-Rennen pro Wochenende gefahren, gibt es nun zwei einstündige Rennen: ein Qualifikationsrennen am Samstag, in dem es zwar kaum Punkte zu holen gibt (8-6-4), das aber die Startaufstellung für das Hauptrennen bestimmt, in dem Zähler nach dem neuen Formel 1-Format verteilt werden: 25 für den Sieger, 18-15-12-10-8-6-4-2-1 für den Rest der Top Ten. Wie in den GT3-Meisterschaften ist auch hier ein Pflichtboxenstopp zwischen der 25. und 35. Rennminute einzulegen, bei dem ein Fahrerwechsel erfolgen muss. Mir ist dieses Format für eine „große“ GT1-WM etwas zu minimalistisch, ich würde mir schon ein längeres Hauptrennen wünschen, aber Ratel und Kollegen möchten wohl einen aggressiveren Fahrstil provozieren anstatt der eher auf Ausdauer und Konstanz ausgelegten Fahrweise in den bisherigen 2h-Rennen. Gleichzeitig sollte man im Hinterkopf behalten, dann ein Format wie das neu gewählte auch beispielsweise ein Flavio Briatore für die Formel 1 gern gesehen hätte. Sollte die GT1-WM damit zum großen Erfolg werden und die Formel 1 weiterhin von großen Teilen der Medien und manchen Fans als Langweiler-Serie abgestempelt werden, könnte die Übernahme eines derartigen Wochenend-Formats für die FIA eventuell einen oder zwei Gedanken wert sein.

Achtung: direkt am ersten Rennwochenende gibt es eine Abweichung vom vorhin beschriebenen üblichen Ablauf: in Abu Dhabi werden beide Rennen am Samstag gefahren, das Hauptrennen wird in der Dämmerung – damit die Sonne nicht dem Rennstreckenhotel die Show stiehlt – um 19:45 Uhr Ortszeit gestartet. Sport 1, ehemals DSF, überträgt live um 13:55 Uhr MESZ den Sprint und steigt um 19:55 in das laufende Hauprennen ein. Es soll aber auch möglich sein, die Rennen live auf der Homepage www.gt1world.com zu verfolgen. Außerdem – Achtung, festhalten – ist die Serie eine Partnerschaft mit dem Börsen- und Wirtschaftssender Bloomberg TV eingegangen. Live-Übertragungen und Highlights soll es dort zu sehen geben, noch jedoch habe ich im TV-Programm nichts finden können. Diese zunächst merkwürdig erscheinende Kooperation hat jedoch auch Vorteile: man erreicht weltweit Zuschauer und präsentiert sich dabei auch noch vor dem Tel der Zielgruppe, der sich die Fahrzeuge, die in der GT1 zur Schau spazieren gefahren werden, auch tatsächlich für den Privatgebrauch leisten kann.

ALMS: Long Beach

Klar, nicht nur für den Headliner, die IndyCar Series, auch für die American Le Mans Series ist das Rennen an der Westküste vor großer Kulisse ein wichtiges. Ein Traditionsrennen oder gar ein typisches Sportwagenevent ist es aber sicher nicht, daher hat es auch nicht die Bedeutung wie Sebring, Road America, Road Atlanta oder Laguna Seca. Den Lauf auf dem engen Stadtkurs, mit 1:40h auch deutlich kürzer als alle anderen der Serie, möchte natürlich trotzdem jedes der 36 antreteden Teams gewinnen. Es handelt sich um das größte Feld, das die ALMS in Long Beach jemals aufbot. Und: Starterfelder in dieser Größenordnung dürfen wir wohl für die gesamte erwarten, dank der neuen Einheitsklassen LMPC und GTC, die viele kleinere Privatteams für die ganze Saison anlocken. Noch vor einem Jahr konnte man gerade 21 Wagen zusammenbringen, es war das letzte Rennen vor der Einführung der GT Challenge-Kategorie.

Favorit auf den Gesamtsieg in dem am Samstag stattfindenden Lauf dürfte wohl der Werks-Aston Martin mit Fernandez/Primat sein, der in Sebring hinter den beiden Peugeot auf einen ungefährdeten und fast unbemerkten dritten Platz fuhr. Drayson Racing, dieses Mal ohne Pirro, sowie Dyson, Highcroft und Cytosport dürften sich dahinter einen engen Kampf liefern, je nachdem wie gut die IMSA die Angleichung der beiden Klassen hinbekommen hat. Dass sie über die Renndauer den Aston Martin gefährden können, kann ich mir nicht wirklich vorstellen. In der GT(2)-Klasse herrscht die übliche Vielfalt und Chancengleichheit auf den Sieg wie bereits in Sebring. Die GTC dürfte wieder von dem für diese Privatier-Klasse eigentlich zu professionellen Alex Job Racing-Team mit seinen drei Porsche dominiert werden.

Die Übertragung gibt es dieses Mal nur aus der Konserve, und zwar am Samstag den 24.4. um 13:45 Uhr auf MotorsTV. Wer das Rennen live verfolgen möchte, findet alle wichtigen Hilfsmittel dazu im Race Hub. Und schon mal als Vorwarnung: auf eine Live-Übertragung des neuen 6h-Rennens in Laguna Seca am 22. Mai darf man sich wohl nicht freuen – selbst wenn MotorsTV wollen würde, das Rennen wird von CBS Sports in den USA erst mit einer Woche Verspätung ausgestrahlt.

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