Tumblelog by Soup.io
Newer posts are loading.
You are at the newest post.
Click here to check if anything new just came in.

June 14 2011

08:31

Formel Eins: Analyse GP Kanada 2011

Das Rennen in Montreal ist immer für viel Abwechslung gut, doch was man Sonntag sehen konnte, war Drama und Rennaction pur.

Im Grunde konnte man das enttäuschte Gesicht von Vettel auf dem Podium verstehen, doch eigentlich hätte er lachen müssen. Mal wieder ein zweiter Platz, dazu hatten sich alle Konkurrenten im Rennen selbst eliminiert, sieht man mal vom Mann ab, der auf dem Podium links neben ihm stand und übers gesamte Gesicht strahlte. Jenson Button war ein unfassbares Rennen gelungen, eines, das in die Geschichte eingehen wird, eines, dass die Karriere von Jenson Button auch in vielen Jahren überstrahlen wird und zu dem er wieder und wieder befragt werden wird: “Jenson, wie war das damals in Kanada?” Ich hab zu Hause meine Bibliothek in Sachen F1-Rennen gewälzt und im Netz geforscht. Aber ich habe niemanden gefunden, der nach zwei Unfällen, einer Durchfahrtsstrafe und sechs Boxenstopps vom letzten Platz im Feld ein Rennen gewinnen konnte. Dass, was Button da geleistet hat, war einfach brillant.

Dabei hatte sein Tag nicht gerade gut angefangen. Die merkwürdige Kollision mit seinem Teamkollegen war da nur die eine Sache. Man gibt Hamilton die Schuld, der, das sieht man auf den Bildern, auch weit davon entfernt war, auf gleicher Höhe zu sein. Button hatte das Recht, eine Linie zu fahren, die auch von allen anderen Fahrer genutzt wurde. Vermutlich rechnete er damit, dass Hamilton die innere Linie wählen würde, und wollte so für die dann folgende Linkskurve wiederum seine Linie abdecken. Hamilton entschied sich aber anders. Ein Rennunfall. Einerseits. Andererseits muss sich Hamilton den Vorwurf gefallen lassen, warum mal wieder davon ausging, dass man ihm freiwillig Platz macht. Das war schon in Monaco zu sehen, wo er sehr aggressiv zu Werke ging, in Kanada war das nicht anders.

Hamilton steht im Moment schwer in der Kritik. Aus dem Paddock sind im Moment viele Gerüchte zu hören, darunter solche, die sagen, dass er bei McLaren nicht mehr sonderlich glücklich ist. Button ist es gelungen, das ehemals reinrassige Hamilton-Team, in dem er eigentlich eine Art “1b” war, mehr und mehr auf seine Seite zu ziehen. Weitere Gerüchte bringen Hamilton mit Red Bull in Verbindung. Er soll am Wochenende in einem langen Gespräch mit Christian Horner gesichtet worden sein und die Idee, dass die Österreicher, mangels eigenen guten Nachwuchs, sich eine Verpflichtung von Hamilton vorstellen könnten, ist sicher nicht völlig aus der Luft gegriffen. Dazu kommt, dass er und Adrian Newey eine Freundschaft pflegen. Zumindest heizen die Gerüchte die “Silly Season” kräftig an.

Doch zurück zu Button. Der nutzte den Chrash mit Hamilton und die darauf folgende SC-Phase zu einem Boxenbesuch und holte sich Intermediates. Er blieb bis zur Rennunterbrechung um Mittelfeld, erlaubte sich danach aber den Luxus der Durchfahrtsstrafe und viel auf den letzten Platz zurück. Sein Glück war, dass es erneut eine SC-Phase gab. Sein Abstand zu Vettel betrug 30 Runden vor Schluss rund 12 Sekunden, wuchs aber bis Runde 50, als er schon wieder auf Platz 8 lag, auf 27.893 Sekunden an. In Runde 51 kam er zu seinem letzten Stopp, nahm die SuperSoft, fiel aber nicht zurück sondern reduzierte den Abstand zu Vettel, der später kam, auf 19.691 Sekunden in Runde 54. Rund 10 Sekunden vor ihm kämpften derweil Schumacher und Webber um P2. Die 20 Sekunden hätte er vermutlich nicht mehr aufholen können, hätte es nicht in Runde 58 eine weitere SC-Phase gegeben.

Wichtig war auch, dass er nach dem Restart in Runde 60 sehr schnell an Webber und Schumacher vorbei kam. Wäre er hier hängen geblieben, hätte er Vettel nicht mehr einholen können. Die vielen SC-Phasen haben seine Aufholjagd sicher stark unterstützt, aber es bleibt dabei, dass er vom Ende des Feldes bis zur letzten Runde, fast jeden vor ihm fahrenden Piloten überholen konnte. Sein Sieg war begünstigt durch den Fehler von Vettel, als der in der Schikane leicht auf nassen Teil des Asphalts kam und nicht sauber einlenken konnte, aber er war so knapp dran, dass er auf der Geraden vermutlich eh in DRS-Reichweite gewesen wäre.

Aber trotz allem: Ein sensationelles Rennen von Jenson Button.

Ebenfalls richtig gut unterwegs war Michael Schumacher. Ihm und seinen Mercedes kam das schlechte Wetter zu Gute, man hatte eine Mischabstimmung gewählt und auf etwas höhere Abtriebswerte gesetzt. Schumacher schnitt teilweise wie in seinen besten Zeiten durch das Feld, versuchte sich auf P2 liegend beim Restart sogar kurz an Vettel, der ihn aber auskonterte. Aber mit zwei schnellen Wagen hinter sich war er auf P2 einfach eine “sitting duck”. Ohne DRS, nur mit KERS, konnte er sich gegen Webber einigermaßen wehren, aber auf Dauer war klar, dass beide würde passieren lassen müsse. Für einen Moment dachte ich noch, dass der Taktikfuchs Schumacher Webber extra vorbeilassen würde, um ihn in der letzten oder vorletzten Runde mit DRS dann seinerseits auf der Geraden zu holen, aber Webber schaffte sich auf Slicks genug Polster, um genau das zu vermeiden.

Vettel hat das Rennen aber nicht nur wegen seines Fehlers verloren. Der kam überhaupt erst zustande, weil er sich gegen Button wehren musste. Der Weltmeister gab nach dem Rennen offen zu, dass er zwischen durch nicht aggressiv genug unterwegs war, weil kein Risiko eingehen wollte. Offenbar hatte aber auch der Red Bull Kommandostand die heran rollende Gefahr in Form von Button unterschätzt, sonste hätte man ihm früher ein “Push” gefunkt.

Ferrari, die auf der Strecke ohne Hochgeschwindigkeitskurven, erstaunlich gut aussahen, hatte dann ein desaströses Wochenende. Alonso, dessen Rennen eh etwas zäh lief, schmiss Button die Tür zu, als der in einer Schikane schon neben ihm war. Der F150 blieb auf einem Curb hängen und sah etwas traurig aus. Massa, der etwas besser darauf zu sein schien und das Rennen in Runde 20 sogar mal anführte, hatte etwas Pech. Bis Runde 51 lag er bequem auf P3, dann holte er sich neue Reifen und auf seiner Outlap kam ihm Karthikeyan in die Quere. Der Inder blieb beim Überrunden brav auf seiner Spur, nur ging Massa zum Überholen mit Slicks ins Nasse und drehte sich. Der Ferrari-Mann brauchte eine neue Nase und fiel auf P15 zurück, tobte dann aber durchs Feld und holte, auch begünstigt durch die letzte SC-Phase auf dem Zielstrich noch P6 vor Kobayashi. Der Abstand betrug gerade Mal 0,045 Sekunden.

Während Button, Vettel, Webber, Schumacher und Massa zu glänzen wussten, lief es für andere schlecht. Neben Hamilton war das Wochenende auch für Rosberg, Heidfeld und Sutil eher miserabel. Warum Rosberg nicht Schwung kam ist noch nicht bekannt, er blieb blass im Mittelfeld hängen. Für Heidfeld lief es besser, er hielt Petrov endlich mal hinter sich, blieb aber dann an Kobayashi mit dem Frontflügel hängen, als der aus Turn 2 nicht direkt rausbeschleunigte. Ein unter Fahrern üblicher Trick im Apex nicht Gas zu geben, sondern einen winzigen Moment zu warten, damit der andere vom Gas geht und damit Boden verliert. Heidfeld flog dann mit defekten Flügelwerk ab.

Sutil hatte mal wieder ein schlechtes Wochenende. Paul di Resta hatte ihm in der Quali 5 Zehntel aufgebrummt, im Rennen lief es auch nicht besser. Während Sutil im Mittelfeld rumkämpfte konnte di Resta, auch dank besserer Strategie, teilweise bis auf P5 vorfahren, bevor er sich in Runde 42 seinen Flügel an Wagen von Heidfeld zerstörte. Sutil zerdepperte seinen Flügel ebenfalls und stellte den Wagen dann später nach einem Zweikampf verbogen in der Box ab. Für Sutil wird die Luft langsam dünn, denn zum einen sind seine Rennen in diesem eher schlecht, zum anderen düpiert ihn di Resta an fast jedem Wochenende. Wie lange wird es dauern, bis Vijay Mallya dann Nico Hülkenberg mal ausprobiert?

Kurz zu den anderen:

- Mal wieder Lob für Petrov. Der behielt alle Teile am Auto und blieb auch auf der Strecke. P5 ist ein sehr gutes Ergebnis.

- Beide Toro Rosso in den Punkten. Alguesuari auf P8, Buemi auf P10.

- Endlich mal wieder Punkte für Williams, denn Barrichello kam auf P9. Dennoch enttäuscht der FW33 weiter auf der ganzen Linie.

- Etwas mehr hätte ich mir auch von de la Rosa erwartet, der ja für Perez eingesprungen war. Das war sicher knapp, das Auto nicht auf ihn vorbereitet, aber bei dem Chaos nur P12 ist dann doch etwas wenig. Nebenbei: Esteban Guiterrez, der eigentliche Test/Ersatzfahrer von Sauber, tobte auf Twitter in Mexikanisch, dass er nicht nach Kanada eingeladen worden sei. Das löschte er dann wieder und schrieb, immer noch angesäuert “It’s a shame to hear about Montreal, hope “Checo” gets better, but I never received indication to prevent this situation. I was ready..”

- Luizzi schipperte den HRT auf P13. Vor beiden Virgin und Lotus, die wegen technischer Probleme nicht voran kamen.

In der WM sieht es so aus:

Vettel – 161
Button – 101
Webber – 94
Hamilton – 85
Alonso – 69
Massa – 32
Petrov – 31
Heidfeld – 29
Schumacher – 26
Rosberg – 26

Motorsports: FIA Formula One World Championship 2011, Grand Prix of Canada F1_Kanada_2011_1 Canadian F1 Grand Prix - Race Canadian F1 Grand Prix - Race F1_Kanada_2011_4 Canadian F1 Grand Prix - Race Canadian F1 Grand Prix - Qualifying F1_Kanada_2011_7 F1_Kanada_2011_8 F1_Kanada_2011_9 F1_Kanada_2011_10 F1_Kanada_2011_11 Formula One World Championship, Rd 7, Canadian Grand Prix, Race, Montreal, Canada, Sunday 12 June 2011. Formula One World Championship, Rd 7, Canadian Grand Prix, Race, Montreal, Canada, Sunday 12 June 2011. Formula One World Championship, Rd 7, Canadian Grand Prix, Race, Montreal, Canada, Sunday 12 June 2011. F1_Kanada_2011_15 F1_Kanada_2011_16 Motorsports: FIA Formula One World Championship 2011, Grand Prix of Canada Motorsports: FIA Formula One World Championship 2011, Grand Prix of Canada Canadian F1 Grand Prix - Qualifying Canadian F1 Grand Prix - Race Canadian F1 Grand Prix - Race F1_Kanada_2011_23 F1_Kanada_2011_24 F1_Kanada_2011_25 F1_Kanada_2011_26 F1_Kanada_2011_27 2011 Canadian Grand Prix 2011 Canadian Grand Prix F1_Kanada_2011_30

flattr this!

May 11 2011

17:44

F1: Der James Allen Strategiereport – Türkei

Beim GP der Türkei gab es 82 Boxenstopps, ein neuer Rekord in der Formel Eins, und jede Menge spektakulärer Überholmanöver.

Es war teilweise ein verwirrendes Rennen, das man erst einmal entschlüsseln muss, und dabei tauchen ein paar Trends auf, die einen großen Effekt darauf haben werden, wie die Rennen in Zukunft ablaufen werden. Es handelte sich auch um ein Rennen in dem es mal wieder um die Strategie ging. Nicht nur in Sachen der Boxenstopps am Renntag, sondern viel früher. Es ging darum eine Strategie für das gesamte Wochenende, vor allem für die Qualifikation.
Nach vier Rennen mit den neuen Regeln und Reifen kann man ein langsam gut ein Muster erkennen, auf denen die Strategien aufbauen. Da ist zum Beispiel der neue DRS-Heckflügel, der das Überholen leichter macht, was bedeutet, dass man seine Strategie stärker an denen am Computer ausgerechneten Modellen richten kann. Weil man besser überholen kann, wird das Rennen nicht komplett ruiniert, so wie es Alonso in Abu Dhabi passiert ist, als er hinter Petrov stecken blieb.

Dennoch kann man erkennen, dass es einen immer noch viel Zeit kostet, wenn man im Verkehr stecken bleibt. Das passierte Jenson Button am Sonntag, und dies passiert allen, die versuchen mit einem Stopp weniger als die Konkurrenz unterwegs zu sein. Im Rennen wurde auch deutlich, dass es allein ein neuer Satz weicher Reifen im Rennen einen großen Unterschied machen kann, etwas 5 bis 6 Sekunden pro Stint.

Eine andere Erkenntnis ist, dass man sich besser mehr auf das Rennen und nicht so sehr auf die Qualifikation konzentriert. Es geht nicht nur darum, einen Reifensatz zu sparen, es geht auch darum das Setup für das Rennen zu finden und über alles andere zu stellen.

Der Unterschied zwischen der Qualifikation und dem Rennen ist bei den Pirelli-Reifen sehr groß. Früher stellte man den Frontflügel in der Quali etwas steiler und änderte dies dann beim ersten Stopp. Auf der Position, in der man in der Qualifikation gelandet ist, beendete man meist auch das Rennen.

Jetzt muss man das den Wagen so abstimmen, dass er die Reifen schont, was nicht bei einer Abstimmung für die Qualifikation der Fall ist. Also muss man die Reifen schonen, aber auch mit den daraus entstehenden Limitierungen zu arbeiten. In China litten die Vorderreifen, in der Türkei waren es die Hinterreifen.

Obwohl Ferrari sich auf die Rennabstimmung konzentriert hatte, gelang es ihnen nicht in der Quali einen Reifensatz zu sparen, was etwas merkwürdig war, weil Hamilton mit dieser Taktik das Rennen in China gewinnen konnte. Also war die Strategie von Alonso richtig, aber nicht perfekt. Massa verwendete sogar einen Satz weicher Reifen in Q1, als man keine Angst haben musste Q2 zu verpassen, weil Kobayashi ja schon ausgefallen war. Niemand konnte diese Entscheidung verstehen.

Die Teams wurden zu dem am Renntag überrascht, obwohl sie am Freitag jede Menge Daten über die Reifen gesammelt hatten. In China wurde man überrascht, weil die harten Reifen im letzten Stint eine schlechte Performance lieferten, da der Kurs kein Gummi aufnahm. In der Türkei nahm die Strecke das Gummi an, aber die Überraschung war, dass der Abstand bei den Rundenzeiten zwischen der harten und der weichen Mischung nur 3 Zehntel betrug, weniger als in allen anderen Rennen, und deutlich weniger als die Sekunde, nach der es noch im Training ausgesehen hatte.

Ein weiterer Punkt ist, dass die Fahrer auch mit einem Vorsprung im Rücken einen letzten Stopp einlegten, um sich abzusichern, falls das Safety Car in den letzten Runden gekommen wäre. Vettel machte dies mit seinem vierten Stopp, der nicht wirklich nötig war. Aber wenn das Safety Car gekommen wäre, hatte Vettel bei einem Restart keine Chance gehabt.

Warum gab es beim so viele Boxenstopps in der Türkei?

Dafür gibt es eine Reihe von Gründen. Ein wichtiger ist, dass die Abnutzung der Reifen in der Türkei sehr groß war. Die Asphalttemperatur war am Sonntag höher als an allen anderen Tagen und die Reifen hielten nicht so lang, wie erwartet. Dazu kommt, dass die Boxengasse in der Türkei relativ kurz ist und man nur rund 16 Sekunden für einen Stopp benötigt. Dazu kommt, dass die Belastung in Turn 8 bei rund 1000 kg lag, was seinen Preis forderte.

Warum 4-Stopps die Sieg-Strategie war

Viele Teams hatten eine 3-Stopp-Strategie geplant, doch schon in den ersten Runden sagten sie ihren Fahrern, dass man zu “Plan B” übergehen würde, was eben 4 Stopps meinte. Die Reifen bauten schnell ab und das war schon nach 5 Runden klar. In diesem Moment wechselten viele auf 4 Stopps, und die, die es nicht taten (Williams und Button) verloren im Rennen.

Die Simulationen vor dem Rennen zeigten, dass ein Drei-Stopper mit rund 8 Sekunden vor einem Vier-Stopper nach den letzten Reifenwechseln fahren würde, dann aber von hinten wieder eingeholt werden, weil die neuen Reifen eine Sekunde pro Runde bringen sollten.

Die Teams, die am Freitag schon auf eine 4-Stopp-Strategie setzten, hatten einen guten Sonntag. Bei Ferrari war das der Fall mit Alonso, der seinen Wagen für eine solche Strategie abgestimmt hatte. Er profitierte auch von einem guten Start, der ihn aus dem Kämpfen im vorderen Mittelfeld raushielt. Man hat gesehen, dass intensive Duelle die Reifenabnutzung verschlimmern.

Warum klappte die 3-Stopp-Strategie von Jenson Button nicht?

Die Probleme bei einer 3-Stopp-Strategie lagen klar beim rechten Vorderreifen, der in Turn 8 am meisten belastet wird. Button musste feststellen, dass sein Wagen bei den längeren Stints ein größeres Untersteuern in Linkskurven entwickelt, was ihn beim Verteidigen seiner Position behinderte.

Button fuhr gegen Rosberg und Hamilton, die beide viermal stoppen. Sein Ziel war es einen Stopp weniger zu machen und genug Vorsprung zu haben, wenn die anderen nach ihrem letzten Stopp (um Runde 46) wieder auf die Strecke kommen würden. Trotz der neuen Reifen der Konkurrenz wären sie nicht in der Lage, ihn in den letzten 12 Runden einzuholen. Man konnte seine Strategie im dritten Stint sehen, als er auf neuen weichen Reifen unterwegs war. Rosberg fuhr zu dieser Zeit auf harten Reifen. Aber in Runde 30 wurde Button von Massa aufgehalten. Buttons Rundenzeiten hätten zwischen den Runden 30 bis 39 zwischen 1.31min und 1.32min betragen müssen, lagen aber bei 1.33min.

Das bedeutete, dass der Rückstand von Hamilton und Button 2 bzw. 8 Sekunden betrug, sie nach ihren letzten Stopps hinter Button lagen. Weil dessen Reifen älter und somit eine Sekunde langsamer waren, hatte er keine Chance.

Buemi schlug sich mit seiner 3-Stopp-Strategie ebenfalls sehr gut und er war auf dem siebten Platz, als noch vier Runden zu fahren waren. Aber beide Renaults kamen mit frischeren Reifen noch an ihm vorbei. Am Ende wurde er Neunter, was immer noch ein gutes Ergebnis ist, da er von Startplatz 16 ins Rennen ging. Mal wieder haben Mittelfeld-Teams wie Sauber und Toro Rosso gezeigt, dass sie sanft mit den Reifen umgehen, einen Stopp weniger einlegen und daher in die Punkte kommen.

Kobayashi kopiert Webbers Strategie aus China

Kamui Kobayashi war mal wieder in seiner üblichen Form. Er zeigte etliche spektakuläre Überholmanöver und arbeitete sich von ganz hinten auf Platz 10 nach vorne, was ihm einen Punkt brachte. Er schaffte das, weil er das gesamte Rennen auch neuen Reifen unterwegs war und die harten Reifen direkt am Start einsetzte, als man wegen des Verkehrs eh nicht so gut vorankam. Dass die harte Mischung besser lief, als man es erwartet hatte, half ihm natürlich auch.

Das Rennen von Kobayashi zeigte, wie weit man nach vorne fahren kann, wenn man im Rennen nur neue Reifen einsetzen kann. Es dürfte vor allem die Teams aus dem Mittelfeld dazu animieren, die Qualifikation hinten an zu stellen um für das Rennen ausschließlich neue Reifen nutzen zu können.

May 05 2011

16:31

Formel Eins: Vorschau GP Türkei 2011

Zum vermutlich vorerst letzten Mal absolviert die Formel Eins in der Türkei einen Grand Pirx. Das ist ein wenig schade, denn die Strecke gehört zu den Besten, die es im Kalender gibt.

Es war relativ ruhig in den drei Wochen Pause, was vermutlich auch daran lag, dass man zu Hause in den Werkstätten fieberhaft gearbeitet hat. Es wird erwartet, dass fast alle Teams, mit Ausnahme von Toro Rosso, mit sehr vielen neuen Teilen im Gepäck starten werden. Richtig viel gearbeitet wurde bei Ferrari, wo der Haussegen nach dem verpatzten Start mal wieder schief hängt. Offenbar liegen die Probleme bei den Italienern gleich auf zwei Ebenen. Zum einen hat im Winter Probleme mit dem Windkanal gehabt, nach dem man von einem 50% auf ein 60% Modell umgestiegen ist. Zum anderen hat man erkannt, dass man einfach nicht aggressiv genug gewesen ist, verglichen mit der Konkurrenz von McLaren und Red Bull. Das dann doch sehr konservative Design bietet wenig Fehlermöglichkeiten, führt aber auch dazu, dass man es nur schlecht verbessern kann. Jetzt muss man sehen, wie das hin bekommt, ohne einen neuen FIA-Chrash Test haben zu müssen, was einige Zeit in Anspruch nimmt. In der Türkei versucht man erst einmal mit neuen Front- und Heckflügeln. Aber die anderen Teams haben ja auch nicht geschlafen.

Red Bull hat laut Helmut Marko die Überhitzungsprobleme des KERS in den Griff bekommen. Der RB7 litt unter unter den aerodynamisch zwar guten, aber eben auch zu kleinen Seitenkästen. Offenbar hat man die Batterie nun Richtung Getriebe verlegt, wie sich das System dann im Rennen schlagen wird, ist dann wieder eine andere Frage. Auch in Aerodynamik soll es kleinere Updates geben.

Bei McLaren fummelt man weiter am Auspuff und der Bodenplatte herum. Nachdem man alle “exotischen” Lösungen kurz vor dem Saisonstart verworfen hatte, der Wagen aber auch mit der konservativen Auspufführung extrem schnell ist, hat man sich wieder an den Auspuff gewagt. Offenbar hat man die blown diffusor Variante verbessert, ebenso den Unterboden. Der McLaren ging in der Vergangenheit in der Türkei immer recht gut, er sollte auch in diesem Jahr die Red Bull unter Druck setzen können.

Wie es dann dahinter aussieht ist schwer zu sagen. Renault hatte ein desaströses Wochenende in China, während man in der Woche zuvor die Konkurrenz unter Druck setzen konnte. So richtig klar ist es nicht, warum der Renault in China nicht funktioniert hat, aber die schnellen Kurvenpassagen in der Türkei sollten eigentlich wieder passen.

Genau anders herum war es bei Mercedes, wobei die ihre verbesserte Form auf die Updates zurückführen, die man in China dabei hatte. Die Deutschen haben die letzten Wochen vor allem daran gearbeitet, die technischen Probleme bei KERS und dem DRS-System in den Griff zu bekommen. Auch war man ja lange mit einem recht einfachen Frontflügel unterwegs, aber auch hier will man nachlegen. Jedenfalls dürfte das Rennen zwischen Renault, Mercedes und Ferrari in der Türkei sehr eng werden.

Bei den Teams im Mittelfeld hatte Sauber bisher den besten Speed, knapp gefolgt von Force India. Beide bringen ebenfalls Updates mit und hoffen einen Schritt nach vorne gemacht zu haben. Bei den Indern mangelt es ja nicht an Rennspeed, nur in der Quali ist man schwach, was dann wieder zu den Problemen im Rennen führt. Von den Rundenzeiten her liegt man gut, man muss nur versuchen, die Reifen etwas schneller auf Temperatur zu bekommen.

Bei Toro Rosso ging es auch viel hoch und runter, das enge Budget erlaubt es ihnen aber nicht bei jedem Rennen eine Vielzahl von neuen Teilen anzuschleppen. Offenbar bleibt der Wagen bis Monaco unverändert, was sich auf die Performance niederschlagen könnte. Denn von hinten naht durchaus Lotus, deren Wagen komischerweise bei niedrigen Temperaturen aber nicht so gut funktioniert.

Williams ist das große Fragezeichen. Noch-Team-Director Sam Michael spricht davon, dass man vermutlich nur ein paar kleine Änderungen am Wagen benötigt, damit der FW33 gut läuft, aber mittlerweile glaube ich das nicht mehr. Der Abstand nach vorne beträgt satte 2.5 Sekunden, die bekommt man nicht mit ein paar neuen Aero-Teilen wieder in den Griff. Barrichello schimpfte schon bei den ersten Tests über die Unfahrbarkeit des Wagens, da scheint ein grundsätzliches Problem mit der Aufhängungsgeometrie vorzulegen. Immerhin bringt man einen neuen Heckflügel mit.

Virgin kündigt seit einigen Tagen per Twitter an, dass man den Wagen einem “großen Update” unterzogen hat, und dass man überhaupt die ganze Technik-Abteilung umkrempelt. Im Grunde ist der “neue” Virgin auf dem Stand vom letzen Jahre, nur soll er noch schlechter zu fahren sein, wenn man dem mittlerweile ziemlich frustrierten Timo Glock glauben darf. Mal sehen, was die Engländer da noch aus dem Hut zaubern, immerhin lief der Wagen in den Rennen nicht schlecht, wenn auch weit weg vom Mittelfeld. Was auch für HRT gilt, aber da wird sich wohl auch so schnell nichts ändern.

Strecke und Strategie
Der Kurs ist grandios, vor allem die legendäre Kurve 8, eine dreifach-Links, die voll gefahren werden kann. Das besondere in diesem Jahr wird sein, wie die Pirelli die Kurve vertragen. Der Reifenhersteller hatte ihr extra getestet, damit beim Rennen alles gut geht, aber unterschiedliche Chassis mit verschiedenen Sturz- und Luftdruckwerten sind immer noch schwer einzuschätzen. Pirelli hat ausgerechnet, dass die Kurve für 40%(!) des gesamten Reifenverschleiß in einer Runde zuständig ist. Das bedeutet auch, dass in der Kurve mit nachlassenden Reifen extrem viel Zeit verlieren kann. Die Pirelli lösen sich zwar nicht auf, bauen aber so ab, dass der Wagen ordentlich ins Rutschen kommt, was in der Kurve nun überhaupt nicht haben kann.

Das wird sich auf die Strategie niederschlagen. Alles andere als eine Drei-Stopp-Strategie wäre eine Überraschung, selbst für Sauber, die ja sehr schonen mit den Reifen umgehen. Die Frage ist aber auch, wann man seine Stopps setzt. In der Anfangsphase, wenn die Tanks voll sind, ist die Belastung auf die Reifen höher, man neigt also dazu, einen kurzen ersten Stint zu fahren. Doch danach wird es interessant, denn wer am Ende die frischeren Reifen hat, könnte selbst mit viel Abstand noch ganz nach vorne fahren.

DRS gibt es auch wieder, gemessen wird am Anbremspunkt nach der Kurve 8, was etwas unglücklich ist, weil man meist Abstand halten muss um die Passage gut nehmen zu können. Aktiviert wird das DRS vor dem Knick auf der langen Gegengerade (siehe Grafik), was aber auch die beste Überholstelle ist.

Die Übertragungszeiten sind endlich mal wieder wie man es gewohnt ist, das Wetter allerdings nicht. Die Chancen, dass es am Freitag regnet, stehen nicht schlecht, auch am Samstag könnte es noch nass sein. Für Sonntag sind (im Moment) die Prognosen so, dass es trocken bleibt. Die Temperaturen sollen zwischen 15 und 22 Grad liegen, also eher kühl.

April 21 2011

17:03

IndyCar: Analyse Long Beach

Ein bekanntes Sprichwort lautet: 1. kommt es anders und 2. als man denkt. Unter diesen Motto stand am Wochenende der jährliche Aufgalopp der Indy Car Series beim Toyota Grand Prix of Long Beach. Bereits im Vorfeld des Rennen wurden hohe Erwartungen geschürrt, woran die beiden Rückkehrer Paul Tracy und dessen Lieblingsgegner Sebastian Bourdais sicher nicht ganz unschuldig waren.

Nach den freien Trainings sah alles noch so aus, als würde das Wochenende seinen üblichen Verlauf nehmen. Vorne weg fuhren die beiden Teams des Todessternes in Person von Will Power und Ryan Briscoe welcher 2 Trainings gewinnen konnte, dicht gefolgt von Ryan Hunter Reay und den anderen Wagen der beiden Big Teams. Dieser Trend setzte sich auch im Zeittraining fort, aber bei Leibe nicht mehr so stark wie man erwartet hatte bzw. dauerte nur bis zum vorletzten Segment. So schafften es Dario Franchitti und Scott Dixon als 7. und 8. nicht sich fürs Firestone Fast 6 zu qualifizieren, da sie in aller letzter Sekunde noch von Justin Wilson verdrängt wurden. Etwas überaschend verpasste auch Ryan Briscoe das Fast 6 als 12. und letzter der 2. Runde, während sich Will Power vor RHR, dem überaschend starken Mike Conway, Oriol Servia im überaschend starken NH-Dallara und Justin Wilson die Pole sichern konnte während Helio die 6 Fahrer komplettierte.

Dass mit Newman Haas in dieser Saison auf den Rundkursen zu rechnen scheint, bestätigte auch James Hinchcliffe auf P11, hinter Tony Kanann im besten KV. Beste Dame wurde Simona de Silvestro im HVM auf Startplatz 18, noch vor Matos und Patrick, während sich Sebastian Bourdais und Pault Tracy nur mit den Startpositionen 21 bzw. 25 begnügen mussten. Ein herber Rückschlag für beiden schon vor dem Rennen, da man in Long Beach schon traditionell nur sehr schwer überholen kann und sich die beiden Rückkehrer sicher mehr ausgrechnet haben.

Somit war alles perfekt für das Rennen angerichtet und auch die anfänglich befürchteten Regenschauer blieben – so viel sei schon mal gesagt, aus.

Leider vermasselte sich Ana Beatriz das Rennen schon vor dem Start, als sie sich in der Einführungsrunde ausgangs der Fountain Kurve drehte und den Motor dabei 2 mal abwürgte, was bedeutete, dass sie von ganz hinten beginnen musste.
Den Start konnte Will Power gewinnen, nachdem er sehr früh ausgangs der Hairpin aufs Gas trat und sich nur die ersten 2 Reihen in Formation bringen konnten, vor Ryan Hunter Reay und Mike Conway, während sich Oriol Servia auf Platz 4 halten konnte und auch die anderen Piloten mehr oder unverändert zu ihrer Startposition durch die ersten Kurven kamen, denn der befürchtete Massencrash in Turn 1 blieb nämlich aus.

So blieb dann auch alles bis zur 7. Runde mehr oder weniger unverändert, bis Ryan Briscoe – immer noch auf Platz 12 liegend sich entschlossen hat an die Box zu kommen, harte Reifen zu nehmen und somit out of Seqenze zu gehen, denn die ersten Stopss wurden nach normalen Rennverlauf erst gegen Runde 27 erwartet. Da Brisoce aber einen ordentlichen Vorsprung auf Platz 13 derweil herausfahren konnte blieb er nach dem Stopp unverändert auf Platz 12.
Währenddessen konnten sich Power, RHR und Conway etwas vom Rest des Feldes absetzen und gute 5 Sekunden Vorsprung auf das Duo Orial Servia und Justin Wilson herausfahren.

Leider blieben die folgenden 10 Runden ohne Ereignisse und er einzige Fahrer, welcher etwas Boden gut machen konnte, war Bourdais, der sich in Runde 17 Simona de Silvestro und damit Rang 18 holen konnte.

Mehr Action gab es dann allerdings erst ab der 24. Runde, als auf einmal Justin Wilson in der in der Hairpin quer stand, nachdem er von Helio Castroneves (welcher nochmals von sich reden machen wird) leicht angestoßen wurde. Dies nutzten sofort Ryan Briscoe, Tony Kanann, Alex Tagliani und Helio um in die Box zu kommen, da sie fest mit einer bald ausgerufenen Full-Course Yellow rechneten. Da aber Justin Wilson den Rückwärtsgang einlegen konnte und somit die Stelle schnell räumen konnte, schien es so als haben sich diese Herren getäuscht.

Aber da man im Leben manchmal Glück hat, wurde 1 Runde später Simona de Silvestro von PT an der selben Stelle angestupst, was ebenfalls einen Dreher zur Folge hatte und diesmal aber eine Full-Course Yellow ausgelöst hat. Für Simona war das Rennen somit schon sehr frühzeitig gegessen, da sie bald vom PaceCar überrundet wurde und somit das Rennen nur mit Rundenrückstand wieder aufnehmen konnte.
Auch PT kam nicht ohne Folgen davon, denn er erhielt im Gegensatz zu Helio eine drive Through was ihn ans Ende der Lead Lap befördert hatte, was aber nicht viele Postionen waren, denn er hielt sich eh nur ab Position 20 aufwärts auf.

In dieser Gelbphase kamen nun natürlich all jene zum tanken welche nicht vorher auch schon beim tanken waren und somit war in der Boxengase ordentlich Betrieb vorprogrammiert, was nicht ohne Folgen blieb. Zum einen verpasste Mike Conway beim 1. Versuch die Box um einen guten Meter weil er sich verbremste, was dazu führte dass er nicht betankt und somit ein 2. Mal zum Service kommen musste. Blieb dieser Vorfall noch ohne Folgen außer dass er auf Platz 21 zurückfiel und man meinte das Rennen sei auch für ihn gelaufen, blieb ein 2. Vorfall definitiv nicht ohne Folgen.

Nachdem Bourdais und Marco Andretti dicht beinander zum Service kamen, hatte Marco beim ausfahren aus seiner Box als das Go-Signal kam einen Moment lang nicht aufgepasst und den nebenihm fahrenden Bourdais komplett übersehen was eine Kollision in der Pit Road zur folge hatte. Das Rennen war für Seabass sofort gelaufen, da er einen mittelschweren Aufhängungsschaden hatte, da halfen ihm auch die Entschludigungen von Andretti nix und auch Marco musste kurze Zeit später das Segel streichen, nachdem man noch versucht hatte das Rennen wieder aufzunehmen. Jedoch war der Schaden auch an seinem Auto nach seinem Aussetzer zu groß.

Die Führung hatte nun aufgrund der Ereignisse Alex Tagliani vor Ryan Briscoe und Will Power übernommen, während Ryan Hunter Reay auf P4 vor Helio Castroneves und Dario Franchitti lag. Oriol Servia hat leider ein paar Positionen verloren und lag zu diesem Zeitpunkt auf Platz 7, noch vor Scott Dixon und James Hinchcliffe während Vitor Meira die Top 10 komplettierte. Danica Patrick lag als beste Dame auf P.15, 8 Plätze besser als Paul Tracy welcher dieses Wochende sicher gerne ganz schnell vergessen möchte, denn auch im weiteren Verlauf verlief es für ihn katastrophal und es sprang am Ende für ihn nicht mehr als ein 16. Platz heraus.

Beim folgenden Restart musste Alex Tagliani die sitting duck spielen, denn er wurde sofort von Ryan Briscoe und Ryan Hunter Reay kassiert, nachdem dieser erst Will Power eingangs Turn 1 überholen konnte. Jener Will Power konnte dann aber auch Tags schnell überholen. Unterdessen konnte sich Ryan Briscoe als einziger auf den schnelleren Reds sich etwas absetzen, denn seine Strategie ging bis jetzt perfekt auf.

Auch jetzt zog sich das Feld wieder sehr schnell auseinander, was dazu führte dass es auch hier kaum Überholmanöver gab und man wie auf einer Perlenschnurr druch die Straßen fuhr und auch an der Spitze gab es kaum Duelle, so fuhren die ersten 3 jeweils mit gut 1 Sekunde Abstand vor sich her. Die einzige Ausnahme bildetete aber Mike Conway für Andretti Autosport welcher an jenem Tag über ein Bomben-Auto verfügte und sich Stück für Stück wieder nach vorne arbeiten konnte.

Erst ab Runde 42 entwickelte sich wieder etwas Spannung, denn Justin Wilson kam in die Box auf P13 liegend zum Service, da er keine Möglichkeit besaß sich weiter nach vorne zu arbeiten. Ob diese Entscheidung sinnvoll oder nicht war, darüber kann man streiten denn das Fuel Window war hier 25-30 Runden und kurz Halbzeit hätte er es somit nicht ins Ziel geschafft. Aber hätte wäre wenn, in Runde 62 hat Justin Wilson beim anbremsen einen Achsschaden als ihm beim anbremsen von Turn 8 auf die Gegengerade das Heck wegging. Er schlug zwar nur leicht ein, jedoch war die Hinterachse dermaßen kaputt dass das Aus besiegelt war.

In Runde 54 läuteten dann Tony Kanann und Oriol Servia die Phase der 2. und letzten Stopps ein und nacheinander kamen dann auch alle Piloten zum Service rein, welche im Gegensatz zu den 1. Stops diesmal ohne Probleme verliefen. Jedoch konnte Will Power eine Runde länger als Ryan Hunter Reay draussen bleiben, was dazu führte dass er beim anbremsen von Turn1 die 2. Position erobern konnte, was zu diesem Zeitpunkt eine Penske Doppelführung bedeutete da Ryan Briscoe seinen Platz an der Sonne verteidigen konnte. Jedoch sah man dann in den folgenden Kurven den Unterschied zwischen kalten und warmen Reifen mehr als deutlich, sodass RHR sich wieder Platz 2 zurückerobern konnte.

Quizfrage: “Was gehört zu jedem normalen IndyCar Rennen dazu was wir bisher im Verlaufe des Rennen nicht haten ?” – Richtig ein Crash. und die 2. Frage lautet: “Von wem ?” auch wieder richtig, von E.J Viso in Diensten von KV Racing welcher seinen Dallara im 60. Umlauf in die Reifen setzte und somit mit KV-Kleinholz Nummero 8, wovon alleine 7 auf seine Kappe gehen (!!!) eine local yellow auslöste, als er beim anbremsen der links vor der Haarnadel sehr optimitisch nach innen zu Danica Patrick zog, worauf sich die Wagen berührten und er nach rechts in die Reifen abbog.

In Runde 62 kam es dann zum schon vorher angesprochenen Unfall von Justin Wilson welcher aber nun eine Full-Courese Catuon auslöste. Diese Caution sollte aber dann beim restart von rennentscheidender Bedeutung sein. Aber der Reihe nach. Vor dem Restart lag Briscoe, vor RHR, Power und Castroneves während sich Servia auf Platz 5 vor Dario und Scott Dixon platzieren konnte. Mike Conway war derweil der “biggest mover” und fand sich auf Platz 11 vor dem Restart wieder.
Beim Resart in Runde 66 konnte sich Ryan Briscoe durchsetzen, während Will Power versuchte sich aussen an RHR in Turn 1 zu bremsen. Dies gelang jedoch nicht und so wollte Will Power hinter RHR in Turn 1 biegen. Wollte deshalb weil Helio dachte “hey da ist ja eine Lücke, die ist zwar 40m vor mir und Will Power zieht da gleich rein, aber was Matt Jackson, Jason Plato und Co in der BTCC können, das kann ich doch auch!” So verlegte Castroneves seinen Bremspunkt einfach mal um gute 30m nach vorne. Will Power zog natürlich nach innen in Turn1, da da natürlich (noch) niemand war. Als er innen in Turn war, rauschte ihm jedoch Helio natürlich ins Heck und drehte somit sich und den auf Platz 3 liegenden Will Power weg.
Da aber beide keine Schäden davon trugen, konnten sie das Rennen sofort wieder aufnehmen und es wurde keine Caution ausgelöst.

Eine vorsichtig ausgedrückt “sehr optimistische” Aktion von Helio, da sich nach diesem Unfall beide auf Platz 12 und 13 wiederfanden. Dass Helio dieses Jahr anscheinend gerne sehr auf Verdacht in die Kurven beim restart bremst, konnte man ja schon in St. Pete sehen, aber hier räumte er seinen eigenenden Teamkollegen ab, welcher sicher höchstwahrscheinlich auf das Podest gekommen wäre. Für Will Power sprang am Ende ein 10. Platz raus, deutlich weniger als man sich in seinem Lager erhofft hatte.
Ein weiterer Verlierer dieser Aktion war Scott Dixon, welcher sich dabei die vordere linke Spurstange verbogen hatte. Jedoch konnten seine Mechaniker dieses Teil an der Box sehr zügig wechseln, so dass er auf Platz 18 mit 1 Runde Rückstand ins Ziel rollte.

Eine Runde später zeigte sich, dass die Entscheidung, noch schnell ein paar Dallara-Aktien zu kaufen absolut die richtige Entscheidung war, denn Takuma Sato kollidierte mit Charlie Kimball leicht, was dazu führte dass beide nicht sofort die Stelle räumen konnten und somit eine weitere Gelbphase zur Folge hatte. Während für Chalie Kimball, Teamkollege von Rahal bei Ganassi das Rennen sofort zu Ende war, kam Sato mit 4 Runden Rückstand ins Ziel.

Profiteure der Unfälle war zum einen Daio Franchitti welcher sich nun auf einmal auf Position 4 fand, vor Alex Tagliani und James Hinchcliffe, während Mike Conway bereits auf Position 6 lag, vor seiner Kollegin Danica Patrick und Orial Servia im 2. Newman/Haas Auto.

Beim Restart in Runde 70 schlug dann endgültig die Stunde von Mike Conway. Als Alex Tagliani aussen denn 3. Dario Franchitti angreifen will, schafft es Mike sich auf P4 reinzudrücken nur um dann kurze Zeit sogar Dario von Platz 3 zu verdrängen. Ziemlich zeitgleich, bekamm der bis dato beste Fahrer von Andretti Autosport, Ryan Hunter Reay Probleme mit der Bordelektronik sodass er auf einmal keine Vortrieb mehr hatte und aufgeben musste.
Da aber Ryan Briscoe nur 1,5 Sekunden Vorsprung auf Mike Conway hatte, war die Jagd auf Platz 1 eröffnet.

Etwas mehr als 1 Runde später hatte Conway den Rückstand bereits aufgeholt und holte sich eingangs Turn 7 beim anbremsen den Australier, welcher sich kaum zur Wehr setzen konnte, denn Mike hatte zu diesem Zeitpunkt ein unglaublich gutes Auto und konnte seinen Vorsprung daher innerhalb kurzer Zeit auf mehrere Sekunden ausbauen.

So gewann Mike Conway vöölig überaschend das Rennen vor Ryan Briscoe welcher dank kluger Strategie am Anfang von 12 auf 1 fahren konnte. 3. wurde Dario Franchitti als bester Ganassi Pilot, denn die anderen 3 bleiben mit Rahal auf 3, Dixon auf 18 und Kimball mit seinem Ausfall absolt unter den Erwartungen. Platz 4 ging an Indy-Rookie James Hinchcliffe welcher in seinem 2. Rennen völlig überaschend noch fast aufs Podest gekommen wäre, vor dem erfahrenen Alex Tagliani.
Dieser Erfolg wird Tags sicher auch gut tun, denn sein Teams stand kurz vor Beginn vor dem Aus, bevor es noch von Sam Schmidt aufgekauft wurde. Platz 6 ging an Oriol Servia im 2. Newman Haas welcher Danica Patrick als beste Dame auf Platz 7 verweißen konnte. Achter wurde Tony Kanann im KV, der wieder der einzige KV-Pilot war der ohne Unfall auskamm. Die Top 10 wurde noch von Vitir Meria und Will Power komplettiert, während R. Matos einen grundsoliden 11. Rang nach Hause fahren konnte.

Auf 12 und 13 fanden sich somit die schon angesprochenen Rahal, (welcher bis jetzt ziemlich unter seinen Möglichkeiten liegt) und Helio Castroneves. Platz 14 holte sich der Kollege von Bourdais, James Jakes welcher damit immerhin Paul Tracy in Schacht halten konnte. Mann kann für PT und Jay Penskes Dragon Team nur hoffen, dass sei bei ihrem nächsten Einsatz in Texas die Probleme gefunden haben und auf Speed kommen können, denn in Sao Paulo und Indy wird PT nicht im Dienste von Rogers Sohn stehen.
platz 17 ging an den enttäuschenden Jr Hildebrand, welchen man vor der Saison auch eher weiter vorne erwartet hätte.

Ein ebenfalls sehr schelchtes Wochenende hatte wie schon angesprochen Simona de Silvestro, was sehr schade war, denn bei diesem Rennverlauf hätte es durchaus weiter nach vorne gehen können, aber man war die ganze Zeit auf der Suche nach dem Speed. Hoffentlich hat man ihn bis Sao Paulo am 1. Mai wieder gefunden.

In der Meisterschaft führt nun Dario Franchitti mit 122 Zählern 5 vor Will Power, bevor Tony Kanaan mit 87 Zählern auf Platz 3 folgt. 4. ist nun Oriol Servia vor dem vorgerückten Mike Conway und Alex Tagliani für Sam Schmidt auf Platz 6, während sich Dixon, de Silvestro und Ryan Briscoe Platz 7 teilen.

In der Andretti Road Course Wertung sieht es gleich aus, denn bisher standen noch keine Ovale auf dem Programm und das wird auch so bleiben, denn am nächsten Wochenende pausiert die Indy Car Series, bevor es am 1. Mai in Sao Paulo zum letzten Lauf vor dem Indy 500 kommt.

2011 IndyCar Long Beach Priority _MG_3075 [1600x1200] 02DH6076 [1600x1200] 02DH6136 [1600x1200] 02DH6143 [1600x1200] 2011 IndyCar Long Beach Priority 04CJ7296 [1600x1200] 04CJ7057 [1600x1200] 04CJ2353 [1600x1200]

March 31 2011

10:07

VLN: Vorschau und Saisonauftakt 58. ADAC Westfalenfahrt

Nachdem in den letzten Wochen und Monaten der Nürburgring ja bekanntlich nicht gerade durch die Leistungen der Teams und Piloten, welche hier ihre Runden drehen in die Schlagzeilen gekommen ist, wird es nun Zeit dies zu ändern, denn es beginnt endlich wieder die Motorsportsaison am Ring. Nachdem am letzten Samstag und auch inoffiziell am Freitag die offiziellen Test und Einstellfahrten stattgefunden haben nimmt die VLN nun endlich wieder die Nürburgring Nordschleife im Renntempo unter die Räder.

Wenn am Samstag um 12.00 Uhr deutscher Zeit die 1. Startgruppe zur 58. ADAC Westfalenfahrt auf die Reise geschickt wird, beginnt eine vielversprechende Saison mit einigen Neuerungen und sehr interessanten Wagen, Teams und Piloten. Nachdem das diesjährige 24H Rennen vom Nürburgring ja bekanntlich recht spät im Juni über die Bühne geht (23.06 – 26.06), bleibt das natürlich nicht ohne Auswirkungen auf die VLN. Dies bedeutet im Klartext dass nun bereits 5 Rennen und somit die Hälfte der Saison bereits vor dem Saisonhöhepunkt Ende Juni über die Bühne geht, während die letzten 5 Rennen dann ab Ende Juli bis Ende Oktober gefahren werden. Außerdem gesellt sich neben dem Saisonhighlight der VLN, dem 6H ADAC Ruhr-Pokal Rennen nun ein 2. 6H Rennen in den Kalender, nachdem es ja in der Winterzeit ja sogar danach ausgesehen hat, als würde am 10. September ein 12H Rennen ausgetragen vom MSC Ruhrblitz stattfinden.

Leider ist es aufgrund von diversen Problemen wie angeblichen Ärgernissen mit den Anwohnern nicht dazu gekommen und man hat sich dazu entschieden am 27.08 das ADAC Ruhr Pokal Rennen auszutragen welches über 6 H geht und das 12H Rennen findet somit nicht statt. Der genaue Zeitplan sieht dann wie folgt aus:

02.04.2011 58. ADAC Westfalenfahrt
30.04.2011 36. DMV 4-Stunden-Rennen
14.05.2011 42. Adenauer ADAC Rundstrecken-Trophy
28.05.2011 53. ADAC ACAS H&R-Cup
11.06.2011 51. ADAC Reinoldus-Langstreckenrennen
30.07.2011 34. RCM DMV Grenzlandrennen
27.08.2011 6h ADAC Ruhr-Pokal-Rennen
24.09.2011 43. ADAC Barbarossapreis
15.10.2011 35. DMV 250-Meilen-Rennen
29.10.2011 36. DMV Münsterlandpokal

Beendet wird die Saison wie immer mit der Jahresabschlussfeier sowie Siegerehrung der Klassen am 10.12 im Dorinth Hotel.

Aber nicht nur im Kalender hat sich was getan, auch im technischen Reglement gab es Veränderungen. Nachdem ja das Thema downsizing immer mehr in Mode kommt wie etwa in der F1, hat man sich auch in der VLN entschieden diesem Thema Rechnung zu tragen indem man 2 neue Klassen eingeführt hat, nämlich die V1T und die V2T in der Divison der VLN Serienwagen für Straßennahe Wagen bis 1.600 ccm bzw. 2.000 ccm Tubomotoren.

Überhaupt erleben die kleinen Klassen wie die SP3T (Turbomotoren bis 2000ccm) in der sich viele Opel Astra, Seat Leon, Audi TT tummeln oder die SP3 (Sauger bis 2000ccm) einen starken Zuwachs und so gehen alleine in diesen Klassen am Samstag knappe 40 Wagen an den Start (Rechenfehler mal außen vor gelassen ;-)). Auch ist in die SP3 die Renault Clio Cup Klasse eingebettet welche sich regelmäßig über sehr viele Nennungen erfreut und somit wesentlich dazu beiträgt und auch ein Grund war, warum sich Bonk den Titel sichern konnten. Wenn sich die Klassenstärke einigermaßen auf diesen Niveau halten kann dann stehen die Chancen sehr gut dass der diesjährige Meister aus einer dieser Klassen kommen wird.
Dies wird natürlich die Titelverteidiger von Bonk Motorsport sicher sehr freuen, aber gleichzeitig bedeutet dies auch dass man selber kaum Fehler machen darf, denn sonst kann ein direkter Konkurrent wie etwa Raeder Motorsport oder Black Falcon oder ein Team welches in einer der sehr beliebten VLN Serienwagenklassen oft die Nase vorne hat ein gutes Wörtchen um die Meisterschaft mitreden.

Dies ist auch sicher ein Grund warum z.b Derscheid Motorsport, das beständigste Team in der V2 in der Vergangenheit sich nun dazu entschlossen hat mit den Fahrern Rolf Derscheid/Michael Flehmer/Ralph-Peter Moog einen BMW 325i in der deutlich stärker besetzten V4 an den Start zu bringen.
Es ist daher sehr schwierig Favoriten vorherzusagen, da zwar ein jedes 2 Streichresultate besitzt da die besten 8 Ergebnisse in die Jahresgesamtwertung einfließen, aber ein Unfall auf der Nordschleife sehr schnell passieren kann oder dass die Nennungen in der ein oder anderen Klasse nach dem 24H Rennen unter Umständen stark zurückgehen, was eben dazu führt dass man in seiner Klasse nicht mehr so viele Punkte holen kann.
Eine Erklärung über die Klassen sowie das Punktesystem kann man hier nachlesen: http://www.racingblog.de/2010/10/15/vln-vorschau-34-dmv-250-meilen-rennen/
Es fällt aufgrund dessen zwar schwer wirklich treffsichere Voraussagen zu möglichen Jahressiegern zu treffen, aber man darf die Favoriten aus den zahlenmäßig stärksten Klassen schon weiter vorne erwarten. Dies wären somit natürlich wieder Mario Merten/Wolf Sylvester mit der #1 von Bonk Motorsport aus der SP3 (mit Clio Cup). Aus der SP3T wird man daher auch sicher wieder das bekannte Trio von letztem Jahr mit der Startnummer #333 auf ihrem Audi TTS vorne sehen können. Dies wären Elmar Degeener/Christoph Breuer/Jürgen Wohlfarth, von dem Team welches im 1. Lauf leider keinen Audi TT RS aus der SP4T an den Start bringt was meiner Meinung nach sehr schade ist, denn ich wäre sehr gespannt gewesen in wie weit dieses Auto bei sehr wechselhaften regnerischen Bedingungen vorne mitmischen hätte können.
Aber auch das Team Black Falcon welches dieses Jahr mit einem Großaufgebot an den Start geht (dazu mehr dann weiter unten) wird man mit der Startnummer #376 aus der V6 mit dem Trio Volin Oleg/Leisen Phillip/ sowie Sean-Paul Breslin auf einem BMW M3 auf jeden Fall auf der Rechnung haben müssen, nachdem ja letztes Jahr das Trio Leisen/Phillip/Knechtges den Kampf um den Titel gegen Bonk verlor.
Um die Chancen auf einen Sieg aber möglichst hoch zu halten hat man bei Black Falcon neben dem Wagen in der V6 auch einen Wagen in der Serienklasse darunter, der V5 genannt. Auf der Startnummer #396, einem BMW Z4 werden sich Carsten Knechtges/Tim Scheerbarth und Manuel Metzger am Steuer abwechseln.
Mein persönliches Dark Horse wären aber Oliver Jannik und Elmar Jurek auf einem Renault Clio Cup mit der #678, denn haben die beiden doch letztes Jahr schon stark in der Renault Clio Cup Klasse aufgezeigt, dass man hier gewinnen kann und aufgrund der großen Starterzahlen würde das halt immer ordentlich Punkte bedeuten.

Überhaupt spielen die Klassen eigne ganz wichtige Rolle in der Meisterschaft und so gibt es auch zum neuen Jahr hin Teams, welche entweder die Klasse gewechselt haben oder neu in die Meisterschaft und somit in die dazu gehörige Klasse gekommen sind. Ein paar möchte ich davon nun vorstellen:

Das bisher bekannteste und sicher mit am meisten Aufsehen erregendste Projekt welches die VLN bereichert dürfte ohne Zweifel der Ferrari P4/5 von der Scuderia Cameron Glickenhaus sein welcher in der E1-XP genannt wurde. James Glickenhaus hat sich hierbei einen Traum erfüllt und sich einen Nachbau des originalen Ferrari P4/5 bauen lassen welcher hier noch ohne Lackierung im reinen Carbon-Stil antritt. Die Basis für dieses Auto bildet noch der alte Ferrari F430 GT2, wovon unter anderem der Motor übernommen wurde jedoch wird schon beim 1. Blick klar dass hier mächtig eigenentwickelt werden musste, denn dieses Auto ist ein weltweites Unikat ! Dass man damit aber nicht nur optisch auffallen will, zeigt alleine schon die Fahrerpaarung, denn hier werden sich Nicola Larini, Luca Cappellari, Mika Salo und den einigen aus der BTCC bekannten Frabrizio Giovanardi am Steuer abwechseln.

Ein weiteres Team welches nun endlich wieder in gewohnter Manier ist Scheid Motorsport mit seinem Eifelblitz. Nachdem man ja im letzten Jahr aus bekannten Gründen erst wieder am Saisonende mit einem Wagen dank Hilfe von BMW antreten konnte, steht man nun schon beim 1. Rennen in der Nennliste. Als Auto wird wie beim letzten Lauf der BMW M3 GT4 in der Klasse SP10 eingesetzt jedoch nun in seiner standesgemäßen Farbe: Blau. Als Fahrer wird unter anderem Duncan Huisman am Steuer sitzen. Man wird damit zwar sicher nicht um Gesamtsiege mitfahren können, jedoch stellt es doch die beste Wahl für das Team dar, denn der finanzielle Einsatz welche Topteams wie Manthey, Phoenix oder Schnitzer im Kampf um die Gesamtsiege bringen ist für das sympathische Team rund um Johannes Scheid einfach kaum machbar. Aber es erfreut sicher jeden dass dieses Traditionsteam wieder am Start ist und vll. ist man ja für die ein oder andere Überraschung gut wenn das Wetter wechselhaftig ist und Konkurrenten welche auf dem Papier zwar schneller sind, aber Fehler machen.

Ein weiteres sehr prominentes Team was man man in der Nennliste findet ist Kremer Motorsport. Eines der erfolgreichsten Deutschen Motorsport-Teams in den vergangen Jahre/Jahrzehnten tritt nun wieder in der VLN mit 2 Wagen an. Nachdem man jedoch die letzten 15 Jahre nicht ins Geschehen eingreifen konnte, hat man nun endlich wieder die Mittel um wieder anzugreifen. Dass man trotz 15 Jahren Pause aber immer noch das erfolgreichste Amateuer Team in der deutschen Motorsportgeschichte ist zeigt welch außergewöhnliche Leistungen dieses Team in der Vergangenheit abliefern konnte. Der am stärksten eingeschätzt Wagen dürfte der Porsche 911 Cup in der SP7 sein welcher von den sehr erfahrenen Michael Küke und dem Teaminhaber Eberhard A. Baunach um den Ring pilotiert wird. Ein 2. 911 Cup wird in der Cup-Klasse antreten welche auch dieses Jahr wieder hart umkämpft sein wird und auch sicher den ein oder anderen Wagen aus der SP9/7 ärgern wird. Gerade wenn es regnet kann so ein Cup-Porsche in guten Händen und mit guter Strategie für richtig Furore sorgen.

Dazu wird sich ein weiterer Porsche 911 gesellen und zwar einen welchen man auf den 1. Blick dort vll. nicht erwartet hätte, in Anbetracht der starken Werksteams samt Profifahrern aber doch verständnisvollen Schritt getan haben. Die Rede ist vom WTM-Porsche welcher letztes Jahr noch in der SP9 am Start war und nun in der SP7 genannt wird um die Chance auf Klassensiege zu haben. Nachdem Peter Paul-Pietsch nicht mehr ins Volant greifen wird, wird dieser Wagen nun von Oliver Kainz/Georg Weiß/ sowie Michael Jacobs gesteuert.
Dort bekommen sie aber auch von Frikadelli Gesellschaft welche heuer einen 2. Wagen, einen 911 Cup in der SP7 an den Start bringen werden welcher am Samstag von Klaus Abbelen und Florian Fricke über den Ring gesteuert wird, während sich Sabine Schmitz und Niclas Kentennich in der #30 einem Porsche 911 GT3 R in der SP9 abwechseln werden.

Somit sind wir nun in der Top besetzten Klasse, der SP9 angelangt. Hier tummeln sich al die Wagen welche nach FIA GT3 Reglement aufgebaut sind und aktuell am schnellsten sind. Gerade hier wird sich ein richtig schöner Zweikampf um die Gesamtsiege entwickeln, wobei man aber gerade im Vorfeld zu den 24H aber davon ausgehen muss dass hier zum teils massives Sandbagging betrieben wird um nicht vor den 24H noch zusätzliches Gewicht oder einen kleineren Air Restriktor verpasst zu bekommen. Man sollte daher diese Zeiten sowie der anderen Gesamtsiegfähigen wie dem BMW M3 GT2 (E1-XP) oder dem Farnbacher Ferrari F458 nicht für bare Münze nehmen, da man im letzten Jahr hier im Vergleich zu den Rennen nach dem Saisonhöhepunkt um gute 10-15 Sekunden langsamer war. Ähnliches erscheint auch hier möglich, auch wenn alle Wagen per Datalogger und vorgesehener Mindest-PS Zahlen reglementiert sind. In wie weit das aber funktionieren wird wird sich dann zeigen müssen. Beginnen möchte ich bei den Top-Wagen mit der Marke welche 2010 gesamte 9 von 10 Rennen gewinnen konnte:

Porsche 911 GT3 R

Auch heuer werden die Gesamtsiege sicher wieder über die Marke aus Zuffenhausen führen. Alleine Manthey wird wieder mehrere Wagen einsetzen, darunter die Top besetzen Wagen in der SP9 mit dem bekannten “Dicken” #11, wo sich am Samstag Lucas Luhr, Timo Bernhard und der Überaschungsmann des letzten Jahres, Arno Klasen abwechseln werden. Die #8 der Haribo Porsche wird indes hingegen von dem bekannten Christian Menzel sowie Neuzugang Mike Stusberg gesteuert, nachdem Lance David Arnold ja nun bei Heico einen Mercedes SLS AMG GT3 im GT Masters pilotieren wird. Auch auf dem Nadelstreifen(/Wodka)-Porsche bleibt nicht alles beim alten, nachdem Armin Hahne ebenfalls das Lager in Richtung Mercedes verlassen hat, wird die #10 nun vom schnellen Jochen Krumbach sowie Marc Gindorf und Philipp Wlazik gesteuert.
Dies sind aber nicht die einzigen Porsche 911 GT3 R mit Siegchancen, denn auch den Illbruck (welcher offiziel als Pinta Porsche) GT3 R mit der Startnummer #14 mit Michael Illbruck und Manuel Lauck wird man auf jeden Fall zum erweiterten Favoritenkreis zählen müssen, ebenso wie den Falken Porsche mit der #34 welcher von niemand geringerem als Peter Dumbreck und Jörg Bergmeister über den Ring pilotiert wird.
Leider fehlt auf der Liste Mühlner Motorsport nachdem Jörg Bergmeister im Mühlner-Porsche im letzten Rennen das Feld über die ersten Runden anführen konnte, dann aber aufgrund von technischen Problemen erst zurückgeworfen wurde, eher dann später der endgültige Ausfall feststand. Bis jetzt ist der Porsche 911 GT3 R mit 1250kg, 67,7mm Air Restriktor und 100 Liter Tank eingestuft und somit in etwa auf den Niveau des Vorjahres wobei natürlich der kleiner Air Restriktor schon Auswirkungen haben wird, aber wie stark wird abzuwarten sein.

Mercedes SLS AMG GT3

Ein wahres Großaufgebot an siegfähigen Wagen schickt Mercedes in das Rennen. Nicht weniger als 7 (!!!) Wagen wurden von ROWE, Mamerow, Horn und Black Falcon für das Rennen am Samstag genannt und man unterstreicht die Absicht alles zu tun damit beim 24. H Rennen 2011 ein Stern ganz oben auf dem Podest steht. Angeführt wird das Aufgebot des “Kundeneinsatzes” von Black Falcon welche in der Startnummer #2 die 4 Toppiloten Kenneth Heyer, Thomas Jäger, Jan Seyffarth sowie Jeroen Bleekemolen fahren lassen. Unterstützung im Kampf um den Gesamtsieg erhalten sie dabei von der #7 Mamerow Racing wo der Fahrer des Jahres 2009, Chris Mamerow und der vorher angesprochene Armin Hahne hinter dem Volant Platz nehmen werden.
ROWE Racing wird dabei auch unter anderem die #15 mit dem aus der GT1-WM bekannten Dominik Schware/Hubert Paupt sowie Klaus Rader einsetzen.
Als 4. Team komplettiert Horn Racing das Quartett und tritt dabei mit keinem geringeren als Sascha Bert sowie Teameigner David Horn an, man wird abwarten müssen wie sie die oben geannten Paarungen schlagen werden, denn bei den 24H von Dubai war teilweise zwischen den Zeilen zu hören dass man in Sachen Speed noch nicht ganz so zufrieden ist, aber sollte es Probleme geben/gegeben haben wird dem dort sicher mit Hochdruck nachgegangen. Es kann aber auch gut sein dass mögliche Performance Probleme über die Saison hinweg auf einmal um Punkt 15.00 Uhr am 25. Juni verflogen sind wenn die 24H starten ;-). Von daher sollte man die Performance der Wagen wie oben schon einmal angesprochen generell mit Vorsicht genießen. Als Einstufungsergebnisse liegen bis jetzt 1350 kg, 120 Liter und ein noch zu definierender Air Restriktor vor.

Audi R8 LMS

Relativ bescheiden wirkt dagegen das Aufgebot von Audi. Nur 2 R8 LMS sind in der Nennliste für Samstag zu finden, nachdem ja letztes Jahr am Anfang bis zu 4 Wagen direkt von Abt und Phoenix eingesetzt wurden. Auch sind die 2 R8 von Black Falcon nicht mehr am Start da man ja bekanntlich auf Mercedes umgestiegen ist. Dafür haben es die 2 Besatzungen aber def. in sich und man wird Fahrerseitig sicher Chancen auf einen Podestplatz haben. So steuern die #27 Andreas Simonson (bekannt vom Farnbacher Ferrari), Christopher Haase (Mercedes SLS AMG GT3 in der VLN letztes Jahr) sowie Marc Bronzel welche sicher eine starke aber eben komplett neue Paarung bilden. Das Schwesterauto, die #21 wird von Marc Brunstedt und Marc Hennerici pilotiert, vor allem Marc sollte so ziemlich jedem bekannt sein. Auch hier bleibt es abzuwarten wie sich die Audi schlagen werden da Audi dem R8 im Winter sicher wieder ein Upgrade spendiert hat, was sich auch in der Einstufung im Rahmen der BoP zeigt. So muss der R8 nur noch 1300 kg auf die Wage bringen was nochmals 25 kg weniger sind als beim letzten Rennen 2010, darf dafür aber auch nur mehr 110 Liter Tankvolumen besitzen.

Dies war nun eine Übersicht über die Topklasse SP9, jedoch existiert ja auch noch die E1-XP in welcher ja z.b der Ferrari P4/5 genannt wurde. In jeder besagten Klasse sind aber noch 2 andere Wagen gemeldet und da aller guten Dinge zwar 3 sind, aber 4 große Hersteller natürlich noch mehr Spannung versprechen hat auch BMW wieder 2 M3 GT2 für das Rennen am Samstag genannt.

BMW

Auch in diesem Jahr wird man mit dem Team aus München rechnen müssen, hat man sich doch schon frühzeitig in der vergangenen Saison entschieden auch heuer wieder in der VLN starten zu wollen. So hat man 2 überarbeitete BMW M3 nach GT2 Reglement genannt um ein Wörtchen um die Gesamtsiege mitreden zu können. Erkennbar sind die M3 an der leicht überarbeitenden Front wie z.b den geänderten Flaps über den Splitter. Pilotiert werden diese Wagen mit den gleichen Besatzungen wie im Vorjahr. So wird die #42 von Jörg Müller, Augustu Farfus und Nordschleifenverteran Uwe Alzen pilotiert, während das Schwesterauto von Dirk Werner, Dirk Müller und Andy Priaulx gesteuert wird. Es fehlen leider Dirk Adorf sowie Pedro Lamy.

Zum Abschluss möchte ich noch einen kleinen Überblick über die etwas älteren aber keinesfalls langsamen Gruppe H Wagen geben, denn hier tauchen echte Sehenswürdigkeiten auf.
Zum einen wäre hier der Porsche dp 935 vom MSC Osnabrück e.V mit den Piloten Michael und Wolfgang Schreyl und der Startnummer #568. Wer nicht weiß welcher Porsche das ist, der kann sich mal hier durch die Trefferliste von Google arbeiten um zu sehen welch historisches Fahrzeug hier an den Start gebracht worden ist.

Ein weiteres historisches und sehr schnelles Auto ist der Mercedes Benz E190 Evo der Gebrüder Schall. Nachdem sie im letzten Lauf zur VLN bereits auf diesem Auto angetreten sind haben sie sich dazu entschlossen mit Hilfe von Black Falcon und Michael Bäder dieses Auto auch heuer wieder einzusetzen. Wer mehr über die Geschichte dieses Autos wissen, will, soll bitte hier (Absatz 5) klicken, denn sonst wird meine Vorschau noch länger ;-)

Leider ist der BMW M1 nicht in der Liste zu finden, ebenso wenig wie Hans Joachim Stuck welcher sein Comeback auf der Nordschleife daher nicht am Samstag feiern wird, ebenso wenig wie seine Söhne Johannes und Ferdinand welche ja im GT Masters auf einem Lamborghini LP600 von Reiter starten.

Das Zeittraining zum Rennen startet am Samstag bereits um 8.30 Uhr und geht wie gewohnt über 90 Minuten bis 10.00 Uhr, ehe dann um 12.00 Uhr die grüne Flagge für die 1. von 3 Startgruppen fallen wird.
Leider gibt es keinen Internetstream, wer jedoch in der Nähe der Nordschleife wohnt kann das Rennen über DVB-T sehen, andere wie ich sind auf das Liveradio mit Lars Gutsch und dem Liveticker samt Livetiming von www.vln.de angewießen.

February 01 2011

16:45

Formel Eins: Test Valencia Tag 1

Die Saison 2011 ist mit dem ersten Test in Valencia eröffnet. Doch große Erkenntnisse gab es nicht, sieht man mal vom Renault ab.

Gestern und heute gab es eine kleine Orgie in Sachen Vorstellung der neuen Wagen. Ferrari hatte ja am Freitag den F150 gezeigt, der Rest kam dann nach Valencia und zeigte schnell die neuen Chassis. Lotus machte den Anfang, am Schluss kam dann Mercedes. Und offenbar haben die Ingenieure im letzten halben Jahr einige schlaflose Nächte. Die Kreativität, mit der die neuen Herausforderungen angegangen wurden, ist ziemlich groß, auch wenn einige Fahrzeuge zumindest von außen etwas langweilig erscheinen. Richtig auffällig waren aber drei Wagen: der neue Red Bull RB7, der Williams FW33 und der neue Renault R31.

Der Reihe nach:

Sauber C30:
Sehr konservatives Design. Die hohe Nase des Vorjahres hat man beibehalten, die Seitenkästen allerdings ebenso verändert, wie das gesamte Heck. Man hat offenbar lang und breit mit Ferrari gesprochen, denn die sehr weit auseinander gezogenen Arme der Hinterradaufhängung sind schon sehr auffällig. Ansonsten ist mir auf den Bildern, mal abgesehen vom der vermutlich häßlichsten Lackierung des Jahres, nichts aufgefallen. Nun ist James Key kein Anfänger, da wird sich also viel unter dem Wagen verstecken.

Lotus TL128:
Vom neuen Lotus gibt es noch keine richtigen Fotos. Die Malayen sind erst heute in Valencia angereist und zeigen sich morgen. Auf den wenigen Bildern von Lotus konnte man aber sehen, dass sich Mike Gascoyne dieses Jahr etwas weiter aus dem Fenster lehnt. Die Seitenkästen sind klein und sehr fließend, ähnlich wie beim RB6. Die Motorabdeckung hat er bei Mercedes geklaut.

Toro Rosso STR6:
Der Launch von Toro Rosso ist heute zwischen Red Bull und Mercedes etwas untergegangen, aber der neue Wagen hat durchaus einige interessante Lösungen. Die Nase trägt er, wie alle in diesem Jahr, sehr hoch. Man setzt auch auf den bekannten V-Kiel. Ab des Cockpits hat man sich aber für eine andere Lösung entschieden. Die Seitenkästen sind sehr lang gezogen, aber sehr scharf eingezogen. Von der Seite betrachtet, haben sie eine angedeutete Flügelform. Das Heck hat man leider nicht gesehen. Der SRT6 dürfte ein Schritt nach vorne sein.

Ferrari F150:
Wirklich revolutionär ist nichts. Die Nase ist etwas höher, die Seitenkästen sind sehr hoch angesetzt und laufen geschwunden aus. Die vordere Aufhängung sitzt wegen der neuen Nase etwas höher. Das Heck ist flach, hat aber nur eine kurze Heckflosse, ungefähr wie der letztjährige Mercedes. Ferrari spricht davon, dass es zwar ein neues Chassis ist, aber man nicht die letzte Version sieht. Die würde man erst in Bahrain zeigen. Das betrifft vermutlich vor allem den Frontflügel, der eh aus dem letzten Jahr ist, und die Heckpartie. Man werde, so Ferrari, um Laufe des Februars weitere neue Aerodynamikteile am Wagen ausprobieren und zeigen. Auffallend ist allerdings, dass das Heck nicht so oft gezeigt wurde. Offenbar hat Ferrari die Push-Rod-Aufhängung aus dem letzten Jahr, aber so genau konnte ich das nicht sehen. Auf jeden Fall hat man die Aufhängungspunke der Hinterradaufhängung deutlich weiter nach hinter gesetzt, während die vorderen gleich geblieben sind.

Williams FW33
Das Team hat auf eine Präsentation verzichtet und den Wagen direkt auf die Strecke geschickt. Auffallend vor allem das Heck. Williams hat hier auf eine sehr radikale Lösung gesetzt, in dem alle Zusatzaggregate irgendwie um den Motor packt hat. So hört die Motorabdeckung weit vor dem Heckfügel aus. Dahinter ist nichts mehr, nur die Streben der Aufhängung und ein wirklich sehr tief liegendes Differential. So was hat man lange nicht mehr gesehen und ich bin gespannt, ob sich das auszahlt.

Mercedes GP 02:
Man erwartet viel vom neuen Wagen, aber so auf den ersten Blick war ich doch etwas enttäuscht. Ross Brawn hat eine interessante Nase gestaltet, die die Entenform von Williams aus dem letzten Jahr aufgreift. Die Seitenkästen sind wie beim Ferrari F150 und dem Sauber C30 sehr hoch, wenn man das mit der Konkurrenz vergleicht. Nach hinten wirkt der Wagen auch eher konservativ, was aber keine Wertung sein soll. Man hat zumindest auf Experimente a la Williams verzichtet. Auf mich wirkt der Wagen etwas schwerfälig, allerdings zeigte sich Rosberg nach seinen ersten Runden, im Gegensatz zum letzten Jahr, sehr begeistert. Wird man abwarten müssen.

Lotus-Renault R31:
Der neue Renault ist entweder ein epochaler Flop oder eine Geniestreich. Mal abgesehen von der konventionellen Front geht man in fast allen Belangen neue Wege. Am auffälligsten ist das bei den Seitenkästen, die sanft geschwungen und tief eingekerbt bis zum Heckflügel laufen. Auch die Airbox ist mit ihren drei zusätzlichen Einlässen ungewöhnlich, weil man gerade da oben möglichst wenig Widerstand haben möchte. Die richtige Revolution steckt aber im Auto, denn Renault hat den Auspuff des Motors nach vorne gelegt. Sie kommen jetzt genau vor dem Beginn der Seitenkästen raus und blasen diese und den Unterboden direkt an. Die Idee: Die heiße, sehr schnelle Luft, soll zusätzlich für Abtrieb sorgen. Das Problem dürfte aber die Hitze des Auspuffs sein, der an den Kühlern und am Tank entlang läuft. Die beiden zusätzlichen Öffnungen an der Airbox dürften vermutlich für die Kühler sein. Ob und wie das funktioniert und ob der Wagen bei Hitzerennen nicht kollabiert wird man abwarten müssen. Immerhin: Man hat sich was getraut und wenn die Rechnung aufgeht, muss man Renault auf der Rechnung haben.

Red Bull RB7:
Adrian Newey hatte im Winter gesagt, dass man eher eine Evolution beim neuen Wagen sehen wird, Sebastian Vettel verriet mir, dass der neue Wagen “die ein oder andere Überraschung” haben wird. Auf den ersten Blick hat Newey vor allem die Front überarbeitet, doch auf den zweiten Block fallen die extrem kompakten und kurzen Seitenkästen auf. Ähnlich wie bei Williams lässt man diese sehr früh aufhören, lässt die Motorabdeckung aber bis zum Heck laufen. So kurze Sideposts habe ich lange nicht mehr gesehen, erstaunlich, dass Red Bull da noch das KERS untergebracht hat. Gerüchteweise hat Red Bull auch beim Auspuff noch ein As im Ärmel. Offenbar ändert sich da noch was bei der Heckabdeckung. Ansonsten ist der RB7 tatsächlich die Evolution, die versprochen wurde.

Testtag 1
Man darf die Zeiten nicht werten. Zum einen waren Force India, Mclaren und Virgin mit dem alten Auto unterwegs, zum anderen war es der erste Tag, da werden unterschiedliche Programme gefahren. Das Vettel die erste Bestzeit des Jahres gefahren hat, muss also nichts bedeuten. Auffallend war nur, dass sowohl der neue Red Bull als auch der Ferrari problemlos und schnell auf Speed gekommen ist. Mercedes hatten dagegen einen problematischen Tag, da sie mit einem Hydraulikproblem zu kämpfen hatten. Rosberg und Schumacher kamen so kaum zum fahren, beide zeigten sich aber angetan vom neuen Wagen und meinten, dass er viel besser zu fahren sei. Schumacher kam in seinen wenigen Runden auch auf eine okaye Zeit.

Wie gesagt, viel kann man noch nicht herauslesen. Man wird die Woche und den Test nächste Woche in Jerez abwarten müssen um etwas genaueres sagen zu können. Das gilt auch für die Pirelli Reifen, die aber scheinbar gut funktioniert haben. Offenbar mögen sie die Kälte aber nicht so, als es am Nachmittag wärmer wurde, ging es direkt besser voran.

Lohneswert ist im übrigen die Investition von 2.50 Euro in den Livedienst von autosport.com. Es gibt einen sehr guten Livekommentar und die Zeiten werden auch quasi live weiter gegeben.

Ein kleines Bonbon habe ich aber noch. Sauber hat gestern gefilmt, wie der klappbare Heckflügel funktioniert.

1 Vettel Red Bull 1m13.769s
2 Hülkenberg Force India 1m13.938s +0.169
3 Paffett McLaren 1m14.292s +0.523
4 Di Resta Force India 1m14.461s +0.692
5 Alonso Ferrari 1m14.553s +0.784
6 Kobayashi Sauber 1m15.621s +1.852
7 D’Ambrosio Virgin 1m16.003s +2.234
8 Schumacher Mercedes 1m16.450s +2.681
9 Barrichello Williams 1m17.335s +3.566
10 Petrov Renault 1m17.424s +3.655
11 AlguersuariToro Rosso 1m17.774s +4.005
12 Karthikeyan HRT 1m18.020s +4.251
13 Rosberg Mercedes 1m19.930s +6.161

yvkuf _G7C5794 _G7C5798 _G7C5802 _G7C5950 _G7C5956 108112624KR002_F1_Testing_i 108112624KR003_F1_Testing_i 108112624KR017_F1_Testing_i 108112624KR020_F1_Testing_i 108112624KR021_F1_Testing_i 234239291 1054219962-253910122011 1054219962-553910122011 5406863729_6d116e558f_b 5406865819_c17ffb5c8a_b 5406866849_b5948d140f_b 5406867571_d63a8088ef_b 5407410722_3a1ffbdfde_b 5407466576_67a00cd01b_b 5407470782_fd12f4251f_b DX5J2007

Bilder: Red Bull, MercedesGP, WilliamsF1, Ferrari. Heck Williams Scarbs, photof1.org

August 26 2010

08:10

Formel Eins: Vorschau Spa 2010

Die dreiwöchige Zwangspause der Formel Eins ist vorbei und auf dem Programm steht ein echter Klassiker.

Um Spa ranken sich Mythen und viele Traditionen. Die Strecke in Belgien gilt als einer der wenigen Klassiker, die im Kalender der Formel Eins geblieben sind. Welche Strecke sonst ist in den letzten 20 Jahren kaum verändert worden? Natürlich hat man auch in Spa viel gebaut. Die Eau Rouge wurde entschärft, an vielen Stellen hat man zurecht größere Auslaufzonen installiert. Zuletzt verschwand die Bus-Stop-Schikane und machte einer nicht eleganten, aber praktischen Lösung Platz. Dieses Jahr hat man dann auch noch die Les Combes Schikane nach der Kemel-Geraden asphaltiert und Schweller eingebaut, damit man nicht allzu sehr abkürzt. Schön ist das nicht, aber die holperige Wiese in Les Combes war schon arg gefährlich. Doch alles in allem ist Spa halt noch Spa. Man sieht der Strecke an, dass sie um die Natur herum, und nicht in sie rein gebaut wurde. Es geht hoch und runter, es ist teilweise eng und natürlich regnet es gerne in den Ardennen. Spa macht selbst dann Spaß, wenn das Rennen einigermaßen mau ist.


Damit ist in diesem Jahr eigentlich nicht zu rechnen. Bis auf den Saisonauftakt in Bahrain hat jeden Rennen etwas besonderes gehabt, in jedem gab es kleinere, oder größere Aufreger. Spa sollte da eigentlich keine Ausnahme machen, zu mal die meisten Fahrer die Strecke auch lieben.

In der Sommerpause hat es wenig Bewegung in der Formel Eins gegeben. Teams und Journalisten waren im Urlaub, gearbeitet wurde so gut wie nicht. Natürlich wurde geplant und weiter gedacht, aber die meisten Dinge haben doch zwangsweise auf Eis gelegen. Ein paar Neuigkeiten hatten wir aber gestern schon in den News berichtet.

Spa läutet auch die Schlussphase der Saison ein. Es sind noch (mit Spa) sieben Rennen zu fahren, wenn Korea ausfällt sind es gar nur sechs. Zu dem geht es ab jetzt im 14-Tage Rhythmus weiter und die Teams gleichzeitig schon das 2011er Chassis entwickeln, muss man sich überlegen, wo man die Prioritäten setzt. Für die drei Top Teams, McLaren, Red Bull und Ferrari ist die Sache klar – man wird so lange an der Entwicklungsschraube drehen, bis man den Titel sicher hat, oder halt raus ist.

Nicht nur aus diesen Gesichtspunkten ist das Rennen vor allem für Ferrari extrem wichtig. In der WM hat Alonso 20 Punkte Rückstand, ist also noch nah genug dran um aufzuschließen. Eine Null-Nummer kann man sich aber nicht erlauben, denn dann wäre für den Spanier vermutlich schon wieder alles vorbei, da zu viele Fahrer um die WM-Krone kämpfen, und die Chance, dass alle vier vorne ausfallen relativ gering ist. Bei Ferrari ist der Druck hoch, aber das hat man auch nicht anders gewollt. Man hat mit Alonso einen teuren Doppelweltmeister, die letztjährige WM hat man schon im Sommer aufgegeben, um sich auf 2010 vorbereiten zu können und mit der B-Variante des F60 hat man auch noch als einziges Team ein fast komplett neues Auto mitten in der Saison vorgestellt. Dessen Erfolgsbilanz ist nicht schlecht, aber auch nicht überragend. In Ungarn sah man, wie alle anderen Teams, gegenüber Red Bull sehr schlecht aus, wie der Wagen in Belgien gehen wird, ist schwer zu sagen.

Sowohl McLaren, als auch Red Bull und Ferrari stehen dazu unter dem Verdacht, dass sie irgendetwas mit der Front tricksen, damit der Frontflügel während der Fahrt den eigentlichen Mindestabstand zum Boden unterschreiten kann. Fotos scheinen das zumindest zu beweisen, TV-Bilder zeigten zumindest beim Red Bull, dass sich der Flügel während der Fahrt sichtbar nach unten bewegte. Alle Teams, deren Frontflügel starr vor sich hin durch die Luft pflügt, rätseln nun, wie die drei Teams das machen. Am Material, wie viele vermutet hatten, soll es nicht liegen. Das Gerücht, wonach Verbundmaterialen sich erst unter großem Druck verformen würden, ließen sich nicht bestätigen. Stattdessen vermutet man jetzt, dass sich der gesamte Vorderbau bewegt und das zumindest beim Red Bull der Unterboden ebenfalls abgesenkt werden kann. Das wäre zwar technisch illegal, aber mit den bisherigen Tests kann die FIA das nicht nachweisen, Fernsehbilder gibt es logischerweise auch nicht. Die FIA testet die Flügel zwar ab Spa mit einer höheren Belastung (100 Newton, statt 50), aber niemand geht davon aus, dass der Red Bull deswegen auch nur ein Teil am Wagen umbauen muss.

Zumindest scheint man das Problem eingrenzen zu können und man versteht, warum Ferrari, McLaren und Red Bull allen anderen Teams derartig um die Ohren fahren. Ändern wird man daran aber dieses Jahr nichts mehr. Spannend ist höchstens die Frage, in wie weit der ab 2011 verbotene Doppeldiffusor eine Rolle bei der Trickserei spielt.

Davon ausgehend kann man wohl jetzt schon sagen, dass der Sieger von Spa aus einem der drei genannten Teams kommen wird. Gerade in Spa mit den vielen, sehr schnellen Kurven ist Abtrieb alles. Ich vermute, dass man in der Qualifikation sehr große Zeitabstände sehen wird. Wer dann am Ende die Nase vorn haben wird, ist schwer zu sagen, aber zumindest hat McLaren in den letzten Wochen vor der Pause ein schlechtes Bild abgegeben. Grenzt man die Liste der möglichen Sieger auf Vettel, Webber und Alonso ein, kommt man der Sache vermutlich schon sehr nahe.

Eine Überraschung wie im letzten Jahr, als Fisichella um ein Haar im Force India gewonnen hätte, ist nicht zu erwarten. Mercedes fehlt der Abtrieb, Renault der Speed, den Indern alles zusammen und der Rest ist nicht ernsthaft siegfähig. Aber auf den Plätzen dürfte es eng zu gehen, wobei ich leichte Vorteile für Mercedes sehe, die einfach schnell genug sind. Nico Rosberg hat auch schon angedeutet, dass sowohl Spa als aber auch vor allem Monza die Strecken sein könnten, auf denen der MGP gut gehen wird.

Ganz weit hinten wird es langsam spannend, welches der drei neuen Teams sich am Ende als “bester Verlierer” durchsetzen wird. Ich bin ein wenig überrascht, wie lange Virgin und Lotus brauchen, um auch nur ansatzweise in die Nähe von Q2 zu kommen. Sicher, man hat den Abstand verkürzt, und das obwohl natürlich auch die Konkurrenz weiter entwickelt hat. Anders gesagt: man schneller aufgeholt, als andere Teams entwickeln konnten. Allerdings hatten alle drei Teams ja auch viel Luft nach oben. Dennoch – das so lange dauert, bis sie halbwegs konkurrenzfähig sind, hätte ich nicht erwartet. Da sieht man auch, wie schwer es ist, in der F1 auch nur einen Schritt nach vorne zu machen. Loben muss man an der Stelle dann auch mal die HRT, die immerhin im Rennen mithalten können. Dafür, dass man ein Schrott-Chassis und kein Geld hat, leistet Colin Kolles wirklich gute Arbeit.

Spannend ist natürlich am Wochenende auch die Wetterfrage. Normalerweise gilt an der Strecke der alte Spruch “Wenn Du die Kühe nicht mehr auf der Weide siehst, hol besser die Regenreifen raus” und wie man weiß regnet es auf der weitläufigen Bahn auch gerne mal nur an einer Ecke wie aus Eimern, während der Rest knochentrocken ist. Für Freitag ist schon mal jede Menge Regen angesagt, aber Samstag soll es trocken bleiben. Am Sonntag muss man, zumindest Stand heute, wieder alte Kuh-Regel rausholen.

Zugleich ist es auch nicht sonderlich war. 16 Grad heißt es im Moment, vielleicht auch weniger. Bridgestone hat allerdings nur die medium und die harten Reifen im Gepäck, was für einige Teams eine ziemlich schwere Entscheidung werden dürfte.

Wie man sieht – die Vorzeichen für ein richtig spannendes Wochenende sind also alle da.

July 30 2010

14:32

Formel Eins: Analyse Freitagstraining Ungarn 2010

Red Bull hat heute das Training derartig dominiert, dass der Konkurrenz schlecht werden muss. Allerdings gibt es Kritik an deren Frontflügel.

Beide freien Training wurden von Red Bull mit Zeitabständen dominiert, die man länger nicht mehr gesehen hat. Morgens betrug der Abstand zu drittplatzierten Robert Kubica über eine Sekunde, am Nachmittag lag Alonso noch 6 Zehntel hinter Vettel. Der Rest spielte bisher in Ungarn keine Rolle. Überraschend war auch, dass es bei den Longruns auch nicht anders aussah. Red Bull lag mit hohen 1:24er Zeiten deutlich vorne, danach kam Ferrari, die tiefe 1.25er Zeiten hinlegen konnten. Es folgten die erstaunlich starken Renault die mittlere 1:25er bis 1.26er Zeiten schafften. Wenn Ferrari nicht ordentlich gemauert hat, dann ist Red Bull am Wochenende nicht zu schlagen.

Natürlich besteht noch die Chance, dass Ferrari heute konservativ unterwegs war und mit vollen Tanks getestet hat. So richtig wird der Sprit ja erst in der Quali abgelassen, aber die Tendenzen sind ja schon zu sehen. Red Bull scheint zumindest bis zur Quali die Nase vorn zu haben, wie es dann im Rennen, vor allem mit den Super Soft aussehen wird, ist dann wieder eine andere Sache. Beruhigt zurücklehnen darf man sich bei Red Bull sicher nicht.

Hinter Ferrari und Renault tut sich lange nichts, dann kommen die Williams und die Mercedes. Williams hat in Hockenheim einen neuen “blown difussor” vorgestellt, der das Bauteil nun direkt mit den heißen Auspuffgasen anströmt. Das soll noch mehr Grip auf der Hinterachse bringen, was in Ungarn ja auch durchaus von Vorteil ist. Mercedes sah heute nicht gut aus, der Wagen lag nicht gut, dass konnte man schon mit blossem Auge sehen.

Nicht viel besser lief es bei McLaren, die den zickigen und runderneuerten MP4-25 nicht in den Griff bekamen. Auch McLaren hat seit Silverstone, bzw. Hockenheim einen “blown diffusor”, der mit einem komplett neuen Unterboden kombiniert wurde. Und genau da liegen wohl die Probleme, denn so richtig scheint das Konzept noch nicht zu funktionieren. Der Wagen liegt unruhiger als früher, beide Piloten beklagen sich darüber, dass es vor allem in der Quali problematisch sei, den Wagen auf eine schnelle Runde zu zwingen.

Am Rande des Trainings gab es erneut Diskussionen um den Frontflügel von Red Bull. Selbst in den Live-Onboardaufnahmen konnte man sehen, dass sich der Flügel schon in mittelschnellen Passagen nach unten biegte. Und das durchaus um ein paar Zentimeter. Die FIA hat den Flügel mehrfach getestet, zuletzt in Hockenheim, als man auf mittels Fotos sehen konnte, dass der Flügel zu flexibel sei. Der Test der FIA geht so: Man setzt die Endplatten der Flügels einer Zugkraft von 500 Newton aus, dabei darf sich der Flügel nicht mehr als 10mm nach unten bewegen.

Es gibt im Moment zwei Theorien im Paddock, wie Red Bull trickst: einige glauben, dass die kleinen Spoiler auf dem Flügel mit flexiblen Aufhängungen versehen sind. Die geben dem Gesamtflügel im FIA-Test die nötige Stabilität, auf der Strecke, wenn sie direkt angeströmt werden, reagieren sie anders. Andere meinen, dass der Test der FIA Nonsens ist. Schon auf in mittelschnellen Kurven würden die riesigen Flügel weitaus mehr als 500N Belastung erreichen. Der Flügel von Red Bull würde sich einfach ab 500N nach unten biegen, wie Kaugummi in der Sonne. Ferrari soll im übrigen ein ähnliches Konzept haben.

In beiden Fällen ist es jedoch so, dass Red Bull das Reglement nicht verletzt, zumindest nicht direkt. Allerdings verstösst man auf nicht bestrafungswürdige Art und Weise gegen den Gedanken des Gesetzes. Die FIA müsste entweder den Flügel verbieten (was sie nicht so leicht kann) oder das Reglement verändern (was sie ebenfalls nicht so leicht in der Saison kann).

Das neueste Gerücht: Angeblich ist nicht nur der Flügel bei Red Bull so flexibel, sondern das gesamte Auto. Man rätselt schon seit Beginn der Saison darüber, warum der Red Bull in der Quali so gut ist und es gab immer wieder nicht zu beweisende Aussagen, dass der Wagen tiefer auf der Strasse liegt, als er sollte. Wenn Adrian Newey da eine Art “flexibles Chassis” erfunden hat, wäre das der grösste Geniestreich seit Jahrzehnten.

March 28 2010

20:16

Formel Eins: Analyse Rennen Australien 2010

Was ein wenig Regen doch aus einem Rennen machen kann. 10 Minuten reichten, um für viel Spaß zu sorgen.

In der gestrigen Vorschau schrieb ich “Es ist Regen angesagt, allerdings weiß noch keiner ob und wenn ja, wie viel es regnen wird. Das könnte dem Rennen die nötige Würze verleihen, die die Fans sich erhoffen.” Dem hat die Formel Eins auch Folge geleistet, denn das Rennen gehörte durchaus zu den besseren in diesem Jahr. Das lag aber auch daran, dass Mark Webber, Lewis Hamilton und Fernando Alonso einen sehr hektischen Nachmittag in Australien hatten und für viel Spektakel sorgten. Interessanterweise gab es auf der vermeintlich leichten Strecke auch jede Menge technische Ausfälle.

Der Start war wie erwartet turbulent, denn es war nass, so dass alle Intermediates aufgezogen hatten. Vettel zog vorne weg, aber hinter ihm hatte Alonso einen Katastrophenstart und kam nicht recht vom Fleck. Dafür kamen Massa und Kubica sensationell weg und der Ferrari-Pilot schnappte sich sogar noch Mark Webber. Dahinter wurde es dann zu eng. Button schubste Alonso an, der sich drehte und dabei Schumacher den Weg versperrte. Der wich zwar über die Wiese aus, aber da zerstörte er sich seinen Frontflügel. Ein paar Kurven weiter entledigte sich Kobayashi zum dritten Mal an diesem Wochenende seines Flügel und raste ungebremst durchs Feld. Er traf ausgerechnet Hülkenberg ziemlich mittschiffs, aber Unfall ging glmipflich aus. Dennoch musste das Safety Car raus, was leider mehr Action auf den ersten Runden verhinderte.

Nachdem Restart war es dann das Wetter, das eine Rolle spielte. Der Regenschauer hatte sich verzogen und es war sehr schnell klar, dass es bald eine trockene Spur geben würde. Die Frage war halt, ob das Wetter halten würde und wann es trocken genug war. Normalerweise traut sich einer der Hinterbänkler und der Rest schaut, wie es so geht, aber dieses Mal war es Jenson Button, der schon in der sechsten Runde Slicks aufziehen ließ. Ehrlich gesagt dachte ich, nachdem er auch noch in Turn 3 erstmal den Bremspunkt verpasste, dass das Rennen für ihn gelaufen sei. Aber der Brite war klüger als alle anderen Fahrer, Strategen und Ingenieure des gesamten Rennzirkus. Seine Entscheidung war goldrichtig, kam zu bestmöglichen Zeitpunkt und er setzte sie auch perfekt um. Natürlich hatte er Glück, dass es nicht mehr weiter regnete. Er wäre nicht der erste gewesen, der einen Tick zu früh reinkam, aber in diesem Fall passte es perfekt. Und im Gegensatz zu allen anderen Fahrern hatte er den Mut (und die Freiheit) die Entscheidung eigenständig zu treffen. Das er am Ende dann auch siegen konnte, war allerdings nicht sein Verdienst.

Vettel hatte das Rennen bequem im Griff. Er hatte genügend Abstand nach hinten und weil er Führender war, holte ihn Reb Bull logischerweisde auch als erster an zwei Runden nach Button an die Box. Mark Webber, der zweiter war, musste eine Runde warten, was sein Rennen komplett zerstörte. Da der Rest der Welt ebenfalls in Runde 8 gewechselte hatte, nahm ihm die Konkurrenz 3 Sekunden ab und Webber fand sich auf Platz vier wieder. Und irgendwo dazwischen schlich Robert Kubica rum, dessen Renault erstaunlich gut ging.

Weiter hinten ging es dafür ab. Fernando Alonso rasierte durchs Feld. Die Kollegen in den langsameren Wagen schienen fast freiwillig Platz zu machen und so tauchte Alonso sehr schnell in den Top 10 auf. Michael Schumacher tat sich dagegen sehr schwer und blieb im Rennen lange hinter Alguersuari im Toro Rosso hängen. Und da konnte man dann auch schon den Speed Unterschied zwischen dem Mercedes und dem Ferrari sehen. Wo Alonso zügig zu Werke ging, fehlten Schumacher exakt die halbe Sekunde, die er hätte schneller sein müssen. Kein Wunder, dass Ross Brawn am Ende nur nüchtern feststellen konnte, dass der Wagen einfach zu langsam sei. Am Ende presste sich Schumacher in einer Gewaltaktion am Toro Rosso vorbei und ergatterte so noch einen Punkt.

Nico Rosberg erging es besser, er hielt sich die gesamte Zeit immer zwischen Platz vier und sieben. Wobei man sagen muss, dass man nicht den Eindruck gewinnen konnte, dass für Rosberg viel nach vorne ging. Im Gegenteil: auf Kubica konnte er nicht aufholen, die Ferrari waren ebenfalls außer Reichweite. Dann düpierte ihn Lewis Hamilton, der ihn im schnellen Turn 11 außen überholte. Später rauschte auch noch Mark Webber an ihm vorbei. [In der BBC kommentierte Eddie Jordon die Szene hämisch, dass Webber seinem Kollegen Rosberg den Spitznamen "Britney" [Spears] verpasste habe].
Eigentlich lag Rosberg damit hinter Button, Kubica, Massa, Alonso, Hamilton, Webber auf Platz 7 und vermutlich gehört Mercedes auch genau da hin. Norbert Haug wedelte nach dem Rennen zwar mit dem Zeitenblatt und der zweitschnellsten Rennrunde, aber es geht halt nicht mehr nur um den reinen Speed, sondern um die Konstantz in den Rundenzeiten und da sind andere Teams besser.

Die Ferrari enttäuschten etwas. Massas Abstimmung stimmte hinten und vorne nicht und er rutschte ziemlich durch die Gegend. Alonso war klar schneller, immerhin war er nach der Hälfte des Rennen wieder hinter dem Brasilianer, aber vorbei kam der Spanier auch nicht. Er beeilte sich aber nach dem Rennen zu sagen, dass er nie vorbei gekommen wäre, denn seine Reifen seien hinüber gewesen. Das sah im Rennen aber teilweise anders aus.

Mehr Ärger gab es bei McLaren – Hamilton hatte nicht gerade sein bestes Wochenende erwischt, wie man in der Quali sehen konnte. Während Button das Risiko einging sehr früh zu kommen, richtete sich Hamilton nach dem Boxenfunk. Gegen Ende des Rennens lag er auf Platz drei hinter Kubica und Button. Doch dann holte man ihn rein und er fiel hinter beide Ferrari und Rosberg. Warum McLaren so entschieden hat, ist mir ein Rätsel. Hamilton schimpfte schon während des Rennens per Boxenfunk und sagte nach dem Rennen deutlich, was er von der Entscheidung halten würde. Immerhin – Button für 51 Runden mit einem Reifensatz durch und legte am Ende auch gute Zeiten hin. Offensichtlich hatte man bei McLaren aber das Gefühl, dass die Hinterreifen von Hamilton wegen der Aufholjagd fertig waren, oder gegen Ende des Rennens einzubrechen drohten. Dennoch – eine Fehlentscheidung. Lieber draussen bleiben und warten, denn selbst mit angenagten Reifen ist ein McLaren in der Lage vorne zu bleiben. Der Unfall mit Webber war dann nur die Konsequenz der schlechten Entscheidung.

Pechvogel des Rennens war natürlich Sebastian Vettel – alles richtig gemacht und doch alles verloren. Aber es sind nicht zwingend technische Unzulänglichkeiten, die bei Red Bull liegen. Für eine schadhafte Zündkerze kann man nichts, in Australien hatte sich wohl die Radmutter beim Aufziehen verkantet. So saß sie zwar fest, aber nicht richtig auf der Achse. Wieso dann allerdings eine Bremsscheibe explodiert, möchte ich auch noch mal erklärt bekommen. Die Kritik an Red Bull wird zumindest in Deutschland massiv werden. Noch halten sich die Boulevardmedien mit Worten wie “Gurkenauto” zurück, aber lange wird das nicht so bleiben. Vettel könnte die WM locker anführen, stattdessen liegt er weit zurück.

- Beide Virgin fielen aus. Am Wochenende wurde bekannt, dass der Tank der Virgin zu klein ist um ein Rennen durch zu halten. Designer Nick Wirth machte die FIA dafür verantwortlich, von wegen Materialstärken und dass man hochverdichtetes Benzin fahren wollte, dann hätte das gepaßt. Was natürlich Quatsch ist. Jetzt muss Virgin den gesamten Wagen umbauen – oder anders gesagt: Saison versaut. Kommt ein größerer Tank rein, versaut er die Balance, ist die schlecht, bekommt man nur miese Daten fürs nächste Jahr.

- Trulli konnte wegen eines Hydraulikschadens nicht starten, aber Kovalainen kam durch. Senna fiel aus, aber – Überraschung – im zweiten Rennen ohne Testfahrten schleppte Chandhok den HRT mit 5 Runden Rückstand ins Ziel.

- Barrichello sammelte die wichtigen Punkte als “best of the rest” für Williams ein

- Sutil fiel mit einer Störung im Motormanagement aus, Luizzi fuhr abermals einen unaufgeregtes Rennen und holte Punkte.

- de la Rosa lag lange in den Punkten, am Ende waren die Reifen derartig hin, dass er Schumacher ziehen lassen musste.

Das Rennen war durchaus ansehnlich, eigentlich so, wie man sich ein Rennen in der Formel Eins wünscht. Ein “Thriller” war es nicht, auch kein “Krimi”, denn dafür tat sich vorne zu wenig, aber es war abwechslungsreich, spannend und schön anzusehen. Man sieht aber auch, dass ein zweiter Boxenstopp die Rennen durchaus interessant machen könnte. Vielleicht sollte man doch darüber nachdenken, diesen Pflichtstopp einzuführen. Es verbessert die strategischen Möglichkeiten enorm.

Aus Sicht des Reifenverschleiss war es interessant zu sehen, welche Fahrer und welche Teams das Rennen quasi durchfahren konnten. Ferrari, Renault und McLaren mit Button schaffen das ohne Probleme, Hamilton hat wie erwartet Probleme und bei Mercedes geht es offenbar nicht so gut. Gerade im Hinblick auf McLaren ist das schon interessant, denn so wird Button offenbar eindeutig bevorteilt. Hamilton hat Probleme mit der schonenden Abstimmung und im Rennen hat Button mit seiner weichen Fahrweise deutliche Vorteile auf Strecken, die die Reifen fordern. Sollte eine zweiter Pflichtstopp kommen, wird das dann wieder Hamilton in die Hände spielen.

- Fahrer des Rennens -> Robert Kubica, der den Renault auf 2 hievte
- Verlierer des Rennens -> Michael Schumacher, der nicht an Alguersuari vorbei kam
- Gewinner des Rennens -> Jenson Button für seine mutige Entscheidung

Nächste Woche geht es in Malaysia weiter. Man startet eine Stunde früher als letztes Jahr, dennoch liegt man immer noch im Fenster des nachmittägliche Regens. Ich hoffe, dass es in der Quali trocken bleibt, denn mich interessiert auf der aerodynamisch höchst anspruchsvollen Strecke, welches Chassis hier die größten Vorteile hat.

Am Schluss noch die Gegenüberstellung von neuer und alter Punktregel

Neu Classic Alonso 37 15 Massa 33 14 Button 31 12 Hamilton 23 9 Rosberg 20 8 Kubica 18 8 Vettel 12 5 Schumacher 9 3 Luizzi 8 2 Webber 6 1 Barrichello 5 1
Digg This  Reddit This  Stumble Now!  Buzz This  Vote on DZone  Share on Facebook  Bookmark this on Delicious  Kick It on DotNetKicks.com  Shout it  Share on LinkedIn  Bookmark this on Technorati  Post on Twitter  Google Buzz (aka. Google Reader)  
Older posts are this way If this message doesn't go away, click anywhere on the page to continue loading posts.
Could not load more posts
Maybe Soup is currently being updated? I'll try again automatically in a few seconds...
Just a second, loading more posts...
You've reached the end.

Don't be the product, buy the product!

Schweinderl