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March 02 2012

18:08

Formel Eins: Testfahrten Barcelona 02.03.2012

Ähnlich wie gestern, fuhren die Teams nur wenig Aussagekräftige Londruns. Stattdessen probierte man weiter neue Teile, sowohl mechanische, wie aerodynamische.

Auch nach dem zweiten Tag in Barcelona, kann man noch wenig über die Form der Teams sagen. Die meisten Teams waren zwar sehr fleissig heute, teilweise fuhr man über 100 Runden, aber genaue Aussagen lassen sich kaum treffen. Das gilt vor allem für die Rangordnung in der Formel Eins. Wirft man einen nur oberflächlichen Blick auf die Zeiten, könnte man den Eindruck bekommen, dass Red Bull noch etwas sehr viel bastelt, ebenso McLaren, während Ferrari fleissig Renndistanzen übt. Das stimmt so nicht, wie die Rundenzeiten belegen, wenn man sie mal nebeneinander legt. Dann stellt man fest, dass Red Bull gegenüber Ferrari und Mercedes immer noch einen ziemlich großen Vorteil hat.

Und der dürfte beim Reifenverschleiss liegen. Es ist schwer, die Zeiten zu vergleichen, weil ich nicht immer die genaue Reifenmischung zur Hand habe, die genutzt wurde. Aber man findet über die Tage verteilt zumindest ähnliche Stints und kann einen Querschnitt des Drop-Off feststellen. Ein typischer kurzer Stint von Red Bull sieht so aus:

Vettel heute mit seinem längstem Stint:
28.8, 29.0, 28.6, 28.7, 28.9, 28.8, 28.9, 29.8, 29.3

Dagegen Alonso:
29.1, 29.2, 29.3, 29.7, 29.9, 30.3, 30.7

Der Drop-Off scheint bei Red Bull so bei 1.5 Sekunden auf 10 Runden zu liegen, bei Ferrari ist er doch etwas höher. Auch wenn es nur um Zehntel geht, auf eine Renndistanz gesehen, potenziert sich dieser Nachteil schon. Zwar hat Ferrari das Problem verglichen zu den ersten Testwochen besser in den Griff bekommen, doch man ist noch nicht da, wo man gerne sein würde. Bei Rennen, in denen der Asphalt besonders heiss ist, dürfte das Problem noch etwas größer werden.

Mercedes scheint da mit dem Verschleiss ebenso Probleme zu habe. Einen richtigen Longrun fuhr man heute nicht, dafür simulierte man wohl einen schnellen ersten oder zweiten Stint. Die Zeiten sind nicht schlecht, aber sie fallen auch recht flott in den Keller:

Schumacher:
24.8, 24.7, 25.0, 26.0, 26.1, 26.3, 26.6, 26.6

Ein anderer Stint:
24.4, (29.6), 25.2, 25.5, 26.0, 26.6, 26.2, 26.5

Dieser Drop-Off zieht sich durch alle bisherigen Tests. Der W03 scheint von der reinen Geschwindigkeit auf dem Niveau von Ferrari zu sein, denen ihrerseit Zeit nach vorne fehlt. Bei den Longruns ergibt sich im Moment eventuell ein kleiner Vorteil für die Italiener. Der ist aber so gering, dass er auf Strecke wenig ausmachen dürfte. Zumindest kann man sagen, dass Mercedes in diesem Jahr besser aufgestellt und nicht mehr im Niemandsland zwischen den Top3 und dem Mittelfeld unterwegs ist. Und zufrieden ist man bei Mercedes auch. Schumacher verkündete, dass man in allen Belangen die Testziele erreicht habe, die man sich vorgenommen hatte. Man begibt sich also schon in die Weiterentwicklung, was ein gutes Zeichen ist.

Zu McLaren kann ich heute gar nicht sagen. Hamilton fuhr zwar 65 Runden, aber da war nich ein längerer Stint bei. Vermutlich hat man den Freitag dazu genutzt, Vergleichswerte mit neuen Teilen einzufahren.

Verdächtig gut war Lotus unterwegs. Man sicher etwas nachzuholen, aber der Eindruck aus Jerez, dass der Lotus gar nicht so schlecht ist, verstärkt sich doch deutlich. Grosjean war fast den gesamten Nachmittag auf der Strecke und fuhr einige interessante Longruns. Auch hier geht es mehr um den Drop-Off, weniger um die reinen Zeiten. Grosjean fuhr einen bemerkenswert gleichmäßigen Stint mit wenig Zeitverlust:

Grosjean:
29.3, 29.3, 29.5, 29.5, 29.6, 29.3, 29.4, 29.6, 29.7, 30.9, 30.6, 30.3, 30.6

Diese und ähnliche, sehr gleichmäßigen Zeiten bei offenbar recht voll getanktem Wagen erzielte Grosjean mehrfach und scheinbar problemlos. Sicher geht es Lotus, nach dem Umbau an der Vorderachse, sicher auch noch darum zu sehen, wie die Reifen sich bei langen Stint verhalten. Aber schnell ist Lotus auch noch. In seinem letzten Stint zeigte Grosjean folgendes:

22.6, 23.8, 24.6, 24.4

Ich bin mir aufgrund der fehlenden Zeiten aus der letzten Woche noch nicht sicher, wo Louts steht, aber das sieht alles besser aus, als nach den Problemen befürchtet. Im vorderen Mittelfeld sind sie auf jeden Fall zu finden.

Force India kam heute kaum zum fahren, weil man Probleme mit dem Antrieb hatte und am Nachmittag gar nicht mehr auf die Strecke kam. Sauber beließ es heute bei sehr konstanten, teilweise langen Stint, während bei Toro Rosso auch der Fehlerteufel zuschlug und man nur wenig zum Fahren kam. Die italienische Red Bull Filiale wirkt zwar schnell, aber auch etwas anfällig. Auch zu Williams kann man wenig sagen. Von denen hat man noch keine richtigen Longruns gesehen, dort scheint man, nach den Fortschritten in der letzten Woche, doch wieder unzufrieden zu sein.

Bei Caterham scheint sich die Lage etwas stabilisiert zu haben. Mike Gasconye twittere letzte Woche, dass man da sein, wo man es erwartet hatte. Aber ob Tony Fernandes damit zufrieden ist? Ein langer Stint des Caterham fängt bei 30.0 an und hört dann 15 Runden später bei 32.3 auf. Das sind Seiten, die man weder von Sauber, noch von Force India gesehen hat, die derartige Volltank-Stints meist bei 28.x oder 29.x beginnen. Immerhin stimmt der Reifenverschleiss, trotz KERS und allem anderen. Caterham dürfte noch ein gutes Stück von den Punkten entfernt sein, aber man hat sich zumindest etwas nach vorne bewegt. Allerdings: Richtig schnelle Zeiten hat man vom Auto auch nicht gesehen, was keine guten Aussichen für die Qualifikation sind. Ein Zeichen dafür, dass man bei Caterham noch nicht so ganz zufrieden ist, belegt auch die Aussage von Riad Asmat, Caterham Group Chief Executive Officer: “Another very good day, and signs that we are starting to find out what this car can do.”

Am Wochenende testen die Teams weiter, vielleicht sieht man dann dort mal ein paar aussagekräftigeren Zahlen.

TEST F2012 BARCELLONA 1 TEST F2012 BARCELLONA 1 Motor Racing - Formula One World Championship - Barcelona F1 Test - Day 2 - Barcelona, Spain Motor Racing - Formula One World Championship - Barcelona F1 Test - Day 2 - Barcelona, Spain F1_BarTest02_03_2012_5 Lewis Hamilton Testing Lewis Hamilton Testing F1 Testing in Barcelona - Day Two Lewis Hamilton Testing F1 Testing in Barcelona - Day One F1 Testing in Barcelona - Day Two F1_BarTest02_03_2012_12 F1_BarTest02_03_2012_13 F1_BarTest02_03_2012_14 2012 F1 Testing Barcelona 2012 F1 Testing Barcelona F1_BarTest02_03_2012_17

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November 29 2011

09:27

Formel Eins: Analyse GP Brasilien 2011

Ein Klassiker war das nicht gerade, den man in Brasilien sehen konnte. Dafür gab es erstaunlich viel Überholmanöver und einen Überraschungssieger.

Mark Webber hatte man jetzt nicht ganz oben auf dem Podium erwartet, denn auch in Sao Paulo hatte ihn sein Teamkollege mal wieder locker im Griff. Wo Webber scheinbar auf der letzten Rille unterwegs war, nahm ihm Vettel immer noch ein paar Zehntel ab. Und auch im Rennen sah alles nach einem bequemen Sieg für den Weltmeister aus. Schnell hatte er sich paar Sekunden abgesetzt, Webber wiederum konnte Button, Alonso und Hamilton auf Distanz halten. Doch aus dem perfekten Saisonende für den Deutschen wurde nichts. Schon nach ein paar Runden meldete die Box, dass Vettel mit Getriebeproblemen zu kämpfen hatte. Vettel verlor Runde um Runde Zeit, ließ Webber passieren und verlor auch den Kontakt nach vorne. Seine Rundenzeiten waren aber immer noch so gut, dass er den Rest des Feldes locker distanzieren konnte. Hat Red Bull da etwas am Ende geschummelt und Webber den Sieg geschenkt?

Laut Christian Horner wusste man schon seit der fünften Runde, dass es ein Problem mit dem Getriebe von Vettel geben würde. Laut der Telemetriedaten verlor er Öl, das Getriebe erhitzte sich zu dem sehr stark. Man wies Vettel aber erst später an, mit dem Tempo etwas runter zu gehen, weil man abwarten wollte, wie das Getriebe sich machen würde. Gleichzeitig war man sich ziemlich sicher, dass das Getriebe nicht die volle Distanz durchhalten könnte. Webber informierte man zunächst nicht. Erst als der Ölstand neue Tiefstwerte erreichte, das Getriebe aber in Runde 30 immer noch hielt, besann man sich wohl darauf, es bis zum Ende zu versuchen. Also schob man Webber nach vorne, während Vettel versuchen sollte, den zweiten Platz zu halten, was bis zur letzten Runde wohl nicht sicher war. Soweit Red Bull.

Tatsache ist, dass Vettel nicht der einzige mit Getriebeproblemen war. Hamilton fiel mit einem zerbröselten Getriebe komplett aus, bei Paul di Resta verabschiedeten sich zwei Gänge. Am Ende einer langen Saison ist das Material ziemlich verbraucht, neue Teile können und werden nicht mehr eingebaut, weil man sonst eine Strafe riskiert. Ein neues Getriebe im letzten Rennen einzusetzen macht aus Kostengründen auch keinen Sinn. Es ist also sehr gut möglich, dass die Version von Red Bull der Wahrheit entspricht.

Es gibt natürlich viele, die der Meinung sind, dass man Webber den Sieg geschenkt habe. Doch da stellt sich die Frage: Wozu? Um Webber für seine Dienste im Jahr zu danken? Webber hatte in diesem Jahr keinen Sieg einfahren können, da Vettel ihm keine Chance ließ. Auch war und ist er sich bewusst, dass Vettel im RB7 nicht zu schlagen ist. Einem sehr kompetativen Fahrer wie Mark Webber einen Sieg zu schenken, ist eine größere Beleidigung. Und so fies ist dann Helmut Marko auch nicht.

Während Red Bull vorne ungefährdet unterwegs sein konnte, war es um Platz 3 doch etwas enger. Nachdem Ausfall von Hamilton, der ein zähes Wochenende hatte, kämpften Alonso und Button um den Trostpreis. Button machte auch am Renntag mal wieder eine gute Figur, an Alonso kam er aber nicht wirklich vorbei. Also entschloss man sich bei McLaren zu einer etwas ungewöhnliches Taktik, in dem man die “Medium” Reifen im vorletzten Stint einsetzte. Weil Ferrari mit dem “Medium” aber nicht klar kommt, diesen Satz Reifen für den letzten Stint zurück gehalten, war die Sache eher klar. Button musste zwar alles aus dem McLaren rausquetschen, aber als er an Alonso dran war, konnte der Spanier sich nicht wehren. Durch das Überholmanöver verlor er auch Platz 3 in der WM. Für den kann man sich aber eh nichts kaufen und außerdem spart er sich die weite Reise nach Indien zum FIA Bankett und der Preisverleihung in ein paar Wochen.

Von Massa sah man bei seinem Heim GP auch nichts. Er wirkte ziemlich müde, fuhr ein uninspiriertes Rennen und als sein Lieblingsgegner Hamilton weg war, passierte um ihn herum auch nichts mehr. Die Saison war mal wieder eine einzige Enttäuschung. Und wie schlecht sie war wird daran deutlich, dass Massa der erste Ferrari-Pilot seit 1981 (Didier Pironi) ist, der es in einer Saison nicht aufs Podium geschafft hat.

Weiter hinten gab es zumindest die Überraschung, dass Adrian Sutil Platz 6 holen konnte und damit Nico Rosberg schlagen konnte. Die beiden hatten etwas unterschiedliche Strategien, wobei Mercedes seit einigen Rennen mit Rosberg erstaunlich oft falsch liegt. Schumacher hatte den Rennunfall mit Senna, was beiden das Rennen zerstörte. Aber Force India zeigte mal wieder, dass man ganz klar zum fünfbesten Team geworden ist, was für einen so kleinen Rennstall eine sehr feine Leistung ist.

Sauber setzte sich, trotz einer miserablen Quali, gegen Toro Rosso in der Meisterschaft durch. Man kann sich allerdings bei Kobayahsi bedanken, der die nötigen Punkte holte, in dem er ein unauffälliges Rennen fuhr. Beide Toro Rosso liefen im Renntrimm nicht schlecht, aber auch nicht gut. Dass Petrov mit dem lahmen Renault noch vor beides Toro Rosso landete, mag dafür ein deutliches Zeichen sein.

Das vermutlich letzte Rennen von Barrichello verlief auch eher mau, mehr als Platz 14 war nicht drin. Immerhin hatte er mal seinen Teamkollegen im Griff. Das wird ihm bei Williams aber wohl auch nicht mehr helfen, denn so wie es aussieht, wird man wohl doch Adrian Sutil holen.

Ein gutes Rennen hatte mal wieder Kovalainen im Lotus. Er konnte immerhin Bruno Senna hinter sich halten, der nach der Kollison mit Schumacher eine Durchfahrtsstrafe kassierte. Aber dennoch – eine sehr gute Leistung. Tony Fernandes bekannte nach dem Rennen, dass ihm ein Stein vom Herzen gefallen sei. Der 10. Platz in diesem Jahr bedeuten, dass er endlich an der Gewinnausschüttung der Formel Eins teilhaben kann, da man im ersten Jahr ja nichts bekommt. Und die Ausschüttung ist deftig. Fernandes bestätigte 30 Millionen Dollar.

Damit ist die F1-Saison 2011 Geschichte. Es war eine lange Saison, man konnte allen Beteiligten am Ende die Müdigkeit ansehen. Und es wird ein sehr kurzer Winter. In knapp 10 Wochen geht die Testsaison schon wieder los.

(Bilder schiebe ich nach, wenn ich es schaffe)

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August 14 2011

06:58

Formel Eins: Die große Halbzeit Analyse

Die Hälfte aller Rennen in diesem Jahr sind vorüber und es lohnt sich mal einen Blick auf die Teams zu werfen und wie ihre Saison bisher war.

11 Rennen sind vorüber, 8 weitere folgen noch, wobei es nur noch zwei in Europa geben wird (Spa, Monza). Die restlichen Rennen finden vor allem in Asien statt (Singapur, Japan, Korea, Indien) was für die Teams eine besondere Herausforderung sein wird. Denn wegen der längeren An- und Abreise ist es schwerer Updates an den Wagen zu bringen. Die Zeit, die die Rennchassis in der Fabrik verbringen, ist kürzer, dazu kommt, dass man wegen der sehr unterschiedlichen Strecken verschiedene neue Aero-Teile bereit halten wird. Ein weiterer Grund, der Updates erschweren wird, ist schlicht und ergreifend das Geld. Will man das 2011er Modell weiter updaten oder doch lieber mehr das 12er Modell? Man sieht – wer Fehler in der Vorbereitung und in der ersten Hälfte der Saison macht, der wird bitter bestraft. Und Fehler haben viele Teams gemacht.

1. Red Bull
Auf den ersten Blick hat Red Bull alles richtig gemacht. Man hat das Chassis mit dem besten Abtrieb, das mit allen Reifen zurecht kommt, man hat einen fehlerlosen Sebastian Vettel und die Technik macht auch nicht schlapp. Doch der Erfolg des RB7 basiert auch auf der Schwäche der anderen Teams. So hat Red Bull weiter Probleme mit dem KERS, zeitweise konnte man es gar nicht einsetzen. Glück hat man auch mit den Mapping-Regeln gehabt. Die Idee der FIA, den Overrun auf 10% zu reduzieren, hätte dem Renault-Motor nicht gut getan. Es in diesem Jahr viel für Red Bull gelaufen, die hart gearbeitet haben den letztjährigen Vorsprung zu halten und zu verbessern. Auch Vettel ist in diesem Jahr entspannter unterwegs, ist aber weiter in der Lage aggressiv unterwegs zu sein, wenn es sein muss. Mark Webber ist dagegen eine Enttäuschung in diesem Jahr. Über die Gründe, warum er so weit hinter Vettel zurück gefallen ist, gibt es zwei Gerüchte. Die eine Seite nennt die Pirelli Reifen, die andere die Charakteristik des RB7, der dem Australier nicht liegen sollte. Aber – trotz allem werden Red Bull und Vettel den Titel in diesem Jahr ein zweites Mal einfahren können.

2. McLaren
Als man den McLaren MP4-26 vorstellte, dachte ich mir schon, dass es bei so einem ausgefallenem Konzept nur zwei Varianten gibt: Floppt mit Anlauf oder entwickelt sich nach den ersten Kinderkrankheiten zu einem echten Sieger. McLaren hat viel einstecken müssen in diesem Jahr. Bei den Wintertests war der Wagen praktisch unfahrbar, wie Button und Hamilton klar bestätigten. Erst der Umbau des Unterbodens, der Auspuffanlage, der Kühlung und des Diffusors führte dann zu den gewünschten Ergebnissen. Dennoch bleibt der McLaren, ebenso wie der Ferrari, eine Wundertüte. Dazu kommt, dass der Wagen zu hart mit den Hinterreifen umgeht, was die Strategie für das Team nicht immer leicht macht. Der WM-Titel dürfte weg sein, interessant ist dabei aber noch die Frage, ob McLaren über den Winter an den L-förmigen Seitenkästen festhalten wird.
Hamilton hat in diesem Jahr eine gemischte Saison. Sein Frust über den schlechten Saisonstart merkte man ihm deutlich an und er benahm sich auf der Strecke deutlich daneben. Seit dem es aufwärts geht, ist auch Hamilton wieder zufriedener. Jenson Button ging es nicht besser, er lieferte aber durchaus brillante Rennen ab. Leider hatte er zwei “Nuller”, die seine schmalen Chancen auf den WM-Titel zunichte gemacht haben.

3. Ferrari
Das dritte Mal hintereinander ist Ferrari miserabel in die Saison gestartet. Letztes Jahr konnte man wenigstens noch das erste Rennen gewinnen, in diesem Jahr musste man bis zum Rennen in England warten. Die Probleme bei Ferrari sind vielfältig. Da war das merkwürdige Problem mit dem Windkanal, den man auf 60% Modelle verbessert hatte, aber die gelieferten Werte passten wohl nicht mit den CFD-Modellen zusammen. Zum anderen ist das grundsätzliche Problem, dass man die Sache zu konservativ angegangen ist. Man hat reagiert und die Entwicklungsabteilung umgebaut. Der erfolglose Aldo Costa musste gehen, Pat Fry hat die komplette Kontrolle in Sachen Chassis und Aerodynamik übernommen. Das Ferrari trotz der Umbesetzungen erfolgreich sein konnte, ist dann schon eine Überraschung und spricht für das Team. Aber die Saison kann man natürlich abhaken.
Alonso hat in diesem Jahr mehrfach gezeigt, was er kann. Selbst mit einem schlechten F150 war oft eine Gefahr und seit dem Europa GP hat er immer auf dem Podium gestanden. Massa hingegen ist nicht gut drauf, er hat in diesem Jahr bisher nur 70 Punkte eingefahren, während Alonso 145 Punkte hat. Das Ferrari ihn 2012 nicht austauscht, hat vermutlich nur etwas damit zu tun, dass man keinen brauchbaren Ersatz findet.

4. Mercedes
Da hat man mehr erwartet. So einfach kann man die Saison von Mercedes zusammenfassen. Ross Brawn ist mit dem MGP02 schon wieder ein eher nur mittelprächtiger Entwurf gelungen, dazu kommt, dass das offensichtlich schmale Budget kaum Verbesserungen zulässt. Zumindest von außen macht der Mercedes den Eindruck, als würde er sich kaum verändern. Man kann eine lange Liste von Gründen aufführen, warum der Wagen nicht läuft (langer Radstand, schlechte Kühlung, schlechter Diffusor, zu wenig Grip vorne), aber am Ende stimmt halt das gesamte Paket nicht. Als Hoffnungsschimmer muss man aber auch sagen, dass es dem Team gelungen ist den Abstand nach vorne während der Saison deutlich zu verringern. Es waren mal 2 Sekunden, in den letzten Rennen waren dann noch rund 1.3 Sekunden. Wenn man bedenkt, dass die anderen auch schneller geworden sind, ist das ein gutes Ergebnis.
Die Fahrer blieben beide blass. Schumacher hatte Lichtblicke aber noch mehr Tiefpunkte, Nico Rosberg konnte mich bisher auch nicht wirklich überzeugen, aber das mag am Chassis liegen. Insgesamt macht das Team leider nicht den Eindruck, als könne man 2011 den entscheidenden Schritt nach vorne machen.

5. Renault
Auch Renault hat sich mit dem nach vorne gelegten Auspuff was hübsches ausgedacht, aber die Saison war eigentlich mit den Unfall von Kubica schon vorbei. Man hatte dem Polen den R27 auf den Leib geschneidert und als er weg war, hatte man den Salat. Dazu kam, dass die Idee, den gesamten Unterboden anzublasen, in der Realität nicht wirklich ausreichend funktioniert. Man hat mit einem “normalen” Auspuff experimentiert, aber die Konzeption des Wagens passt nicht dazu. Intern gab es auch jede Menge Ärger, denn sehr viele Mitarbeiter aus der Entwicklung sind in den letzten 12 Monaten gegangen. Eric Boullier hat einen eigenwilligen Führungsstil, wie man so hört. Die Verpflichtung von Nick Heidfeld war die richtige Entscheidung, aber der Deutsche konnte nicht wirklich überzeugen. Seine Quali-Schwäche ist in der heutigen F1 ein gravierender Nachteil und die Niederlagen gegen Petrov nicht schön. Der Russe wiederum fährt eine erstaunlich stabile Saison, aber ich bin mir sicher – würde Kubica im Wagen sitzen, sähe die Sache anders aus. Renault wird die zweite Hälfte der Saison damit verbringen, viele Neuteile für 2012 und Fahrer auszuprobieren. Grosjean gilt als einer, der Heidfeld noch in diesem Jahr ersetzen könnte.

6. Sauber
Der sechste Platz in der Konstrukteurs-WM ist vermutlich das Beste, was die Schweizer erreichen können. Die Top 3 sind nicht zu bekommen, Mercedes einen Schritt besser und Renault durchaus erreichbar in einigen Rennen. Und doch bin ich etwas enttäuscht. Immerhin fährt Sauber mit dem kompletten Ferrari-Antriebsstrang (Motor, Getriebe, KERS) und mit James Key hat man einen jener Designer bekommen, der zu den Besten seiner Generation zählt. Dazu hat man mit Kamui Kobayashi und dem erstaunlich schnellen Perez ein gutes Fahrerteam. Aber der diesjährige Sauber läuft nicht so gut, ihm fehlt vor allem der heiß angeblasene Diffusor, den man nicht baute, nachdem die FIA ihn zunächst verbieten wollte. Also wird man versuchen die Saison mit Stil zu Ende zu bringen und der sechste Platz ist drin, wäre da nicht das aufstrebende Force India Team.
Kamui Kobayashi hat in diesem Jahr mal wieder viel Spaß gemacht und ich hätte ihn 2012 schon gerne in einem Top Team gesehen, aber da ist ja kein Platz. 2013 könnte das anders aussehen, wenn er seine Fehleranfälligkeit noch etwas reduziert. Sergio Perez ist eine der Überraschungen in diesem Jahr. Auch wenn er nicht immer mit Kobayashi mithalten kann, da könnte ein interessantes Talent heranreifen.

7. Force India
Die Inder liefern eine durchwachsene Saison ab, aber man darf nicht vergessen, dass sie auch nicht gerade mit einem üppigen Budget ausgestattet sind. Auch hat Vijay Mallya in den letzten 18 Monate das komplette Entwicklungsteam umbauen müssen, von daher sind die guten und vor allem besser werdende schon eine kleine Überraschung. Das hat aber auch mit den Fahrern zu tun, die nach einigen Schwächen zu Beginn des Jahres, eine starke Leistung zeigen. Sutil ist nach einem unschönen Start endlich wieder auf seinem normalen Niveau angekommen, Paul di Resta liefert für seine erste Saison sehr gute Ergebnisse ab und steht vermutlich auf der Long List einiger Teamchefs. Das Problem bei Force India ist halt, dass ihnen gegen Ende des Jahre die Ressourcen ausgehen, weil man am neuen Wagen arbeitet. Aber noch haben sie durchaus eine Chance auch Sauber abzufangen, aber die ist wirklich nur sehr schmal.

8. Toro Rosso
Das B-Team von Red Bull steht zwar in Sachen Design auf eigenen Beinen, hängt aber weiter am Tropf von Red Bull. Und so richtig gut läuft es in diesem Jahr wirklich nicht. Der erste eigene Entwurf eines F1-Chassis hat vielversprechende Ansätze, aber mehr eben auch nicht. Normalerweise sollte man auf dem Niveau von Force India unterwegs sein, was im Rennen auch gelingt. Aber in der Quali liegt man doch ein gutes Stück zurück. Die Punkte hat man bisher über die Strategie und die saubere Fahrweise der Piloten holen können.
Wobei mich bisher weder Sebastian Buemi noch Jamie Alguersuari wirklich überzeugen konnten. Buemi ist der bessere Mann in der Qualifikation und sieht auch im Rennen oft besser aus. Aber die Unterschiede im Rennen sind eher marginal. Klar dürfte sein, dass einer im Winter wird gehen müssen. Vielleicht auch beide, wenn man neben Daniel Ricciardo noch einen weiteren Mann findet.

9. Williams
Sicherlich die Enttäuschung des Jahres. Der FW33, dessen Konzept auf dem Papier interessant ausschaut, ist ein totaler Flop. Und zwar ein Flop von derartigen Ausmaßen, dass man sich fragt, warum das niemanden vorher aufgefallen. Patrick Head, Adam Parr und Frank Williams haben dann das einzig richtige gemacht und schnell Konsequenzen gezogen. Sam Michael und große Teile der Entwicklung mussten gehen, man hat sich mit Mike Coughlin einen durchaus interessanten Mann geholt, der in der Lage ist, einen sehr schnellen und zuverlässigen Wagen zu bauen. Auch der Deal mit Renault bringt Williams in die richtige Richtung, auch wenn der Cosworth offenbar nicht so schlecht ist, wie sein Ruf. Zu den Fahrern kann man wenig sagen. Barrichello macht seinen Job, wirkt aber lustlos, Maldonado überrascht immer mal wieder mit einer guten, versackt aber dann im Rennen. Die 4 Punkte, die Williams hat (letztes Jahr um die Zeit waren es 40), sagen eigentlich schon alles.

10. Lotus
Für mich die zweite Enttäuschung des Jahres. Es war klar, dass man im zweiten Jahr keine Bäume würde ausreißen können, aber im Grunde ist der Abstand noch vorne zwar kleiner geworden, aber nicht so weit, dass man zumindest mit Williams mithalten könnte. Dabei hat Lotus sehr viel Geld in die Hand genommen, darunter auch für die Renault-Motoren. Auffallend ist, dass beide Wagen sehr mit technischen Problemen ausfallen, bei Kovalainen waren das immerhin 5 Ausfälle und damit ist er in diesem Jahr der Spitzenreiter auf dieser Liste. Da gibt es offenbar Qualitätsprobleme in der eigenen Fabrik, denn der Renault-Motor ist ja in anderen Teams stabil. Allerdings – Lotus fehlt der “hot blown diffusor” und KERS, wenn das kommt, ist man vielleicht in der Lage Q2 zu erreichen.
Zu Trulli und Kovalainen kann man wenig sagen. Der Finne macht den besseren Eindruck in diesem Jahr, die besseren Rennergebnisse hat aber Trulli. Tony Fernandes hat angedeutet, dass man Trulli evtl. behalten könnte. Wenn ich ihm einen Rat geben müsste, würde ich schauen, dass ich jemanden wie Hülkenberg ins Team hole.

11. HRT
Ja, in der Wertung liegt HRT wieder vor Virgin, weil Liuzzi mal ein gutes Ergebnis eingefahren hatte. Was soll man sagen – das Wunder ist eigentlich, dass das Team noch fährt, was man Colin Kolles zu verdanken hat, der die Wagen in seiner Firma nahe Ingolstadt vorbereitet. Spanisch war an dem Team nur der Besitzer, der aber gewechselt hat. Mit der Investmentfirma kommt Geld, aber bei der momentan schwierigen Wirtschaftslage muss man da vorsichtig sein. Dass HRT nicht voran kommt liegt auch am alten, kaum veränderten Dallara Chassis, das nächstes Jahr dann wohl endgültig ausgetauscht wird. In Sachen Fahrer – Luizzi macht seinen Job, Karthikeyan fiel nicht weiter auf und sein Nachfolger, Daniel Ricciardo konnte bisher nicht überzeugen, aber dem muss man sicher noch etwas Zeit geben.

12. Virgin
Die Briten stehen am Ende der Wertung, was ihrer tatsächlichen Leistung vermutlich nicht ganz entspricht. Auch Virgin hat die technische Abteilung umgekrempelt. Nick Wirth ist raus (auch wenn man die F1-Abteilung von Wirth gekauft hat) und ab 2012 arbeitet man eng mit McLaren zusammen, was dem Team sicher etwas bringen wird. Aber dieses Jahr kann man abhaken. Interessant ist, dass man Timo Glock für weitere drei Jahre verlängert hat, aber offen darüber spricht, dass D’Ambrosio wohl 2012 nicht weiterfahren wird. Man sucht offenbar einen Fahrer aus dem Mittelfeld. Das könnte ein Ex-Toro Rosso Mann werden, aber auch die diversen Ersatzfahrer wird man sich anschauen.

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July 06 2011

05:54

Newshappen-Sammlung für 06.07.

// Williams arbeitet weiter an einem Comeback. Nachdem man das gesamte technische und aerodynamische Führungspersonal ausgewechselt hat, ist nun der Motor dran. Ab 2012 fährt man wieder mit Renault-Power, baut aber das Getriebe weiter selber. Die Entscheidung, Cosworth zu verlassen, stand schon im letzten Winter zur Debatte, da kam man aber nicht aus dem laufenden Vertrag raus. Dem britischen Motor sagt man nach, dass es ihm etwas an Leistung fehlt, vor allem das Drehmoment soll schlechter sein. Da bei den eingefrorenen Motorenregeln jede minimale Verbesserung Gold wert ist, macht der Wechsel durchaus Sinn. Allerdings hat der neue Deal auch einen anderen Hintergrund. Offenbar will sich Williams schon für 2014 aufstellen, wenn die neuen Motoren kommen. Cosworth beliefert damit nur noch HRT und Virgin und die Gerüchte besagen, dass man keinen V6-Turbo bauen wird. (Don)

// Virgin-Marussia hat die Woche einen Deal mit McLaren bekannt gegeben. Man wird deren Windtunnel und die Simulatoren nutzen können. Auch eine weitere technische Beratung durch McLaren, so sehr es die Regeln zulassen, ist geplant, die wird aber nicht so weit gehen, wie McLaren mit Force India zusammenarbeiten. Dort liefern McLaren und Mercedes quasi die gesamte Technik. Des Weiteren hat Virgin die F1-Abteilung des ehemaligen Chef-Designers Nick Wirth gekauft, dessen reine CFD-Konstruktionen zwar nicht gezündet haben, aber auch nicht so schlecht war. Offenbar will man mit dem Kauf die Zukunft absichern. Interessant sind die Investionen nicht nur wegen der Zusammenarbeit mit McLaren, sondern auch, weil das Geld nicht von Richard Branson, sondern von Marussia kommt. Die Russen wollen offenbar ihre Investition in die F1 erweitern. (Don)

// Neuigkeiten gibt es auch von HRT. Dort hat ein Investor namens Thesan Capital die Mehrheit von José Carrabante übernommen, dem der Laden bisher gehörte. Hinter Thesan steckt die japanische Nomura Holding, die die Investmentgesellschaft kontrolliert. Thesan hat sich eigentlich auf das “Leverage” Business eingestellt. Man kauft marode Firmen zu kleinen Preisen auf und schaut dann, ob sie sanierungsfähig sind, oder doch Heuschrecken-artig ausgeschlachtet werden. Etwas undurchsichtig ist, was Thesan jetzt eigentlich mit dem Rennstall will. Eine Sponsorfläche für die aufgekauften Firmen, darunter eine Pizza-Kette? Man darf nicht vergessen, dass das Team nur auf dem Papier spanisch ist. Vorbereitet werden die Wagen in den Räumen von Colin Kolles, dem Teammanager, dem man nachsagt, dass er die Chassis auch besitzt, nachdem er sie von Dallara abgekauft hat, weil Carrabante kein Geld mehr hatte. (Don)

// Noch mal HRT, wo nun ab diesem Wochenende Daniel Ricciardo fahren soll. Wen er ersetzt, ist nicht klar, aber die Möglichkeit ist besteht, dass Liuzzi mal wieder dran glauben muss. Karthikeyan wäre eigentlich der logische Kandidat, aber der bringt die Sponsorgelder von Tata mit. Red Bull wird dafür bezahlen, dass man Ricciardo unterbringt, was Karthikeyan wieder in Bedrängnis bringen könnte. Das Red Bull Ricciardo bei HRT “parkt” dürfte einerseits Buemi und Alguersuari bei Toro Rosso entlasten, zeitgleich wird aber auch klar, dass man Ricciardo testet um zu sehen, was er drauf hat. Nur zur Info: Ein gewisser Alonso wurde von Briatore auch mal bei Minardi eingesetzt um zu lernen. Bei Red Bull hält man sich damit alle Türen offen. Man kann 2012 wieder Mark Webber einsetzen, man kann, wie damals bei Vettel, das Risiko einer Verpflichtung eingehen. Webber, der seit Wochen in den Medien sagt, wie gerne er weiter für Red Bull fahren würde, hätte außer Ferrari kaum Optionen bei einem Top Team. Angeblich war er schon in Maranello, angeblich hat Ferrari kein Interesse. Man darf aber nicht vergessen, dass Webber seit Jahren bei Red Bull ist und die Technologie der Wagen bestens kennt. Er würde Informationen mit bringen, die Ferrari durchaus interessieren könnten. (Don)

// Team Lotus hat einen neuen “Sponsor”. Das Logo des Herstellers Caterham wird ab dem GP in Silverstone auf den Autos kleben. Der Deal ist in sofern kein richtiger Sponsordeal, weil Caterham seit ein paar Monaten Tony Fernandes gehört. (Don)

// Die FIA hat den Einsatz der V6-Turbos ab 2014 abgesegnet. Die Höchstdrehzahl wird 15.000 U/min betragen, was den Autos hoffentlich auch mal wieder einen etwas besseren Klang gibt. Obwohl ich mir nicht vorstellen kann, dass 1.6 Liter Motörchen gut klingen, V6 hin oder her. (Don)

// Porsche wird ab 2014 wieder bei den 24H von Le Mans antreten. Der Schritt war seit einigen Wochen erwartet worden, da man wohl schon angefangen hat, Personal zu rekrutieren. Porsche hat nicht gesagt, mit was für einem Motor man in Le Mans antreten wird, aber die Vermutung liegt nahe, dass es ein Benziner/Hybrid sein wird. Das Audi-Engagement steht deswegen nicht zwangsläufig auf der Kippe, da der VW-Konzern offenbar schauen wird, welches Reglement (Diesel/Hybrid) von der FIA und dem ACO in Zukunft bevorzugt wird. Hinter dem dann doch recht kostenintensiven Einsatz (angeblich hat Audi die Entwicklung des R18 nebst Einsatz über 80 Millionen Euro gekostet) steckt wohl Ferdinand Piech, der beide Marken in der Serie sehen möchte. (Don)

// Ebenso interessante, wie traurige Zahlen gibt es von IRL zu berichten. “The Daily Planet” gibt an, dass das Rennen in Iowa, das ja nun wirklich zu den besseren der Saison gehörte, gerade mal 500.000 Zuschauer auf Versus verfolgten. Das sind Zahlen, die Eurosport in Deutschland mit der Le Mans Serie erreicht. Versus hat eine technische Reichweite von 80.000.000 Millionen Zuschauern, was das Debakel noch deutlicher macht. (Don)

// Die 24H von Spa werfen immer mehr ihre Schatten voraus. Marc VDS hat nun angekündigt bei dem Rennen nicht wie zu erst gemeldet 2 Ford GT3 an den Start zu bringen, sondern ersetzt einen Ford GT3 durch einen BMW Z4 GT3. Pilotiert wird das Auto von Bas Leinders, Marc Hennerici und Maxim Martin. Als offizielen Grund gibt man die Leistungsfähigkeit des Wagens an, inoffiziell soll es aber wohl auch bei Marc VDS wohl zu Problemen mit den Ersatzteilen kommen, da Matech seit seiner Pleite wohl auch kaum mehr Ersatzteile liefern kann/will/darf. (Flo aus N)

// Nach 2005 kehr die IndyCar Series 2012 wieder auf den Auto Club Speedway in Fontana zurück. Zur Erinnerung: dies ist genau jende Strecke auf der Gil de Ferran mit seinem Penske damals noch unter CART-Banner den bis heute gültigen “closed-course record” von sage und schreibe 388,454 km/h hält. Allerdings heist es für uns wohl sehr lange wach bleiben oder früh austehen, denn das Rennen, welches im Herbst über die Bühne gehen soll, soll ein Nachtrennen werden. Dies bedeutet auch die Rückkehr der ISC, welche die meisten Tracks der Nascar inne hält, denn in diesem Jahr fährt man auf keiner der Strecken. (Flo aus N)

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March 23 2011

16:16

Formel Eins: Vorschau 2011 – Die Fahrer

Die Anzahl der Fahrer, die in diesem Jahr Weltmeister werden können, scheint auf den ersten Blick kaum überschaubar. Doch es gibt einige Variablen, die den Kreis der Anwärter doch etwas einschränken.

Für die Fahrer gibt es in diesem Jahr viel Arbeit im Cockpit. Der zu erwartende hohe Reifenverschleiß wird den Fahrer mehr Eingriffe in die Strategie geben, denn der merkt zu erst, wenn die Reifen abbauen. Eine Runde mehr oder weniger draußen wird über den Sieg entscheiden. Dazu kommt, dass der massive Drop off der Reifen jenen Fahrern einen Vorteil verschafft, die sehr reifenschonend unterwegs sind. Ebenfalls neu ist, dass man mit dem Heckflügel spielen kann, dafür aber noch mehr Knöpfe im Cockpit bedienen muss. Das mag nicht jeder Fahrer. All diese Komponenten könnten für Überraschungen in der Saison 2011 sorgen.

Die Reihenfolge habe ich nach meiner Team Rangliste vorgenommen.

1. Sebastian Vettel
Der Weltmeister ist der Gejagte in diesem Jahr und ich bin gespannt, wie Vettel mit den neuen Voraussetzungen umgehen wird. Als Jäger hat man es ja immer etwas leichter, auf der anderen Seiten hat Vettel nicht mehr den Druck den man hat, wenn man seinen Titel noch nicht hat. Fahrerisch dürfte es Vettel nach dem letzten Jahr nicht mehr an Erfahrung fehlen, der etwas reduzierte Druck sollte dafür sorgen, dass ihm keine Fehler mehr unterlaufen wie in Spa oder in der Türkei. Seine Ungeduld wird er aber dennoch nicht abgelegt haben. Vettel könnte der erste Fahrer seit Alonso sein, der seinen Titel verteidigen kann.

2. Mark Webber
Die spannende Frage wird sein: Hat Webber den Verlust der WM im letzten Jahr verkraftet? Immerhin stand er bis zum GP in Korea vorne und hatte alle Chancen auf den Titel, den er dann mit seinem Fahrfehler verlor. Auch in der internen Hackordnung bei Red Bull dürfte Webber eingebüßt haben. Ob sein Selbstbewusstsein das wirklich alles unbeschadet überstanden hat? Ich kann es mir kaum vorstellen. Er könnte in diesem Jahr jedoch den Vorteil haben, dass er unter Umständen etwas reifenschonender unterwegs ist, als der aggressivere Vettel. Ich denke, dass Webber wie im letzten lange um den Titel fahren wird, aber irgendwie habe ich den Glauben verloren, dass seinen Titel noch holen kann.

3. Fernando Alonso
Keine Saison, ohne das man Alonso nicht zu den WM-Favoriten zählen darf. Wie man im letzten Jahr gesehen hat, kann der Spanier selbst dann im Rennen bleiben, wenn sein Wagen nicht gerade gut geht. Die desaströse Fehlentscheidung von Abu Dhabi wird er verdaut habe, seine Lust, dieses Jahr Weltmeister zu werden, dürfte durch die knappe Niederlage nur gestiegen sein. Alonso ist von allen WM-Anwärtern wohl der kompletteste Fahrer. Er ist schnell, intelligent, hat Erfahrung und kann blitzschnell Entscheidungen treffen. Er dürfte mittlerweile das Ferrari-Team hinter sich haben, die ihm den Wagen so bauen, wie er das haben will. Für mich ist der Spanier, neben Vettel, der heißeste Anwärter auf den Titel.

4. Felippe Massa
Es ist ja oft geschrieben worden, dass Massa nach seinem Unfall einfach nicht mehr derselbe ist. In der Tat war seine letzte Saison ja teilweise von einigen Tiefpunkten geprägt, und ich sehe auch nicht, dass er 2011 besser da stehen wird. In Sachen Fahrintelligenz habe ich einfach den Eindruck, dass er Alonso nicht das Wasser reichen kann. Ihm fehlt manchmal die Übersicht und die in diesem Jahr wird der Druck auf die Fahrer noch größer. Massa dürfte sich schnell wieder in der Rolle der Nummer “1b” wieder finden, der dafür sorgen soll, dass er den Gegner von Alonso die Punkte weg nimmt. Überraschungen sind bei Massa nicht ausgeschlossen, aber um WM-Titel sehe ich ihn nicht fahren. Könnte auch sein letztes Jahr bei Ferrari sein.

5. Nick Heidfeld
Die Umstände sind traurig, aber eine größere Chance hat ein Formel Eins Fahrer in den letzten Jahren wohl kaum bekommen. Der neue Renault ist wohl ein Wagen, der auf jeden Fall für eine Top 5 Platzierung gut ist, vielleicht sogar ein Podium. Siege werden schwer, da wird der Zufall mithelfen müssen. Oder Heidfeld, dessen größter Pluspunkt in diesem Jahr seine sehr konstante und reifenschonende Fahrweise ist. Was ihm bei Sauber den Platz gekostet hat, nämlich die harten Bridgestone Reifen nicht auf Temperatur zu bekommen, könnte dieses Jahr sein Vorteil sein. Seine Achillesferse ist und bleibt aber die schnelle Runde in der Qualifikation. Auch bei seinem Kurzeinsatz im Sauber letztes Jahr, wurde er von Kobayashi regelmäßig in der Quali gebügelt. Doch ein gutes Quali-Ergebnis ist halt extrem wichtig, denn wenn man im Mittelfeld steckt, belastet man seine Reifen mehr. Aber es wäre doch schön, wenn dem Deutschen endlich mal sein erster Sieg gelingt.

6. Vitaly Petrov
Es ist gut, dass Renault dem Russen eine weitere Saison gönnt. Er hat im letzten Jahr hin und wieder durchaus gezeigt, dass er an guten Tagen ein souveräner Punktelieferant ist, aber seine Formschwankungen waren halt leider auch immens. Großen Druck hat er 2011 aber nicht, auch wenn Bruno Senna im Team ist. Doch wer glaubt schon, dass Senna schneller als Petrov ist? Renault wird vom Russen verlangen, dass er regelmäßig in die Punkte kommt, damit man den dritten Platz in der Team-WM sichern kann. Mehr wird aber nicht drin sein.

7. Michael Schumacher
Es gibt in diesem Jahr kaum einen anderen Fahrer, auf dessen Leistung ich mehr gespannt bin. Hat Schumacher noch das Zeug, gegen Vettel & Co antreten zu können. Natürlich hängt viel von seinem Einsatzwagen ab, aber immerhin hat er ein Jahr lang mit Ross Brawn arbeiten können und es dürfte kein Zweifel daran bestehen, dass er den W02 auch nach seinen Wünschen hat bauen lassen. Die Tests zeigten schon, dass er mit dem neuen Wagen besser klar kommt, seine Zeiten waren auf Anhieb schneller, als die von Rosberg, der sich zunächst schwer tat. Der WM-Titel wird nicht drin sein, aber Schumacher wird von sich mindestens ein Podium erwarten. Siege werden schwer, aber ausgeschlossen sind die nicht, wenn alles gut läuft. Je besser die Saison läuft, desto mehr Motivation dürfte der Ex-Meister bekommen. Wenn es gar nicht gut läuft, könnte das seine letzte Saison sein.

8. Nico Rosberg
Egal, mit welchem Beobachter man auch spricht, die meisten halten Rosberg für einen der schnellsten Fahrer im Feld. Angesichts dessen, was Rosberg im letzten Jahr mit dem W01 angestellt hat, kann man dem durchaus folgen, auch wenn Rosberg meist eher unauffällig unterwegs war. Die Messlatte dürfte in diesem Jahr wieder Schumacher sein, aber vom Gefühl wird das 2011 nicht ganz so einfach werden. Aber unterschätzten sollte man Rosberg nicht, auch wenn er in der Beliebtheitsskala nicht wirklich weit vorne zu finden ist. Es fällt mir auch ein wenig schwer ihn für 2011 einzuschätzen, aber wenn es richtig gut läuft, dann traue ich ihm Platz 3 in der WM durchaus zu.

9. Lewis Hamilton
Das wird eine zähe Saison für den Weltmeister von 2008. Man braucht kein Prophet zu sein um zu wissen, dass er sich schwer tun wird. Schuld werden die Pirellis sein, die mal so gar nicht zu seinem extrem aggressiven Fahrstil passen. Dazu kommt, dass der McLaren zumindest im Moment noch eine mittelgroße Baustelle ist. Das alles spricht nicht für Hamilton, der zwar ultraschnell ist, aber eben auch sehr ungeduldig fährt. Man darf ihn zwar nie unterschätzen, aber der WM-Titel ist in diesem Jahr weit weg.

10. Jenson Button
Wäre der neue McLaren nicht so unberechenbar, Button wäre mich der Geheimtipp in diesem Jahr. Button ist ein genialer Stratege, seine Übersicht im Rennen ist immer da und er kann alleine strategische Entscheidungen treffen, weil ihm das Team vertraut. Dazu kommt, dass er bekanntermaßen die Reifen schont und er so langsam ja nun auch nicht ist. All diese Eigenschaften machen ihn eigentlich zu einem Top-Favoriten. Wenn es McLaren gelingt, den Wagen schnell an die Spitze zu bringen, dann muss man mit Button in jedem Fall rechnen. Selbst, wenn McLaren erst spät in Form kommt, wird Button jemand sein, der einige Siege einfahren kann.

11. Rubens Barrichello
Den absoluten Topspeed hat Rubens nicht mehr, was man ja schon gegen Ende der letzten Saison sehen konnte, als Hülkenberg deutlich besser wurde. Aber mit seinen fast 300 Grand Prix macht ihm auch keiner mehr was vor. Vielleicht sehen wir die letzte Saison von Barrichello in der Formel Eins, vielleicht gelingt ihm aber auch das Kunststück, dass er den durchaus schnellen FW33 regelmäßig weit nach vorne tragen kann. Ein Sieg wäre ihm und dem Team ja mal zu gönnen, aber das dürfte ein Traum bleiben. Viel wichtiger dürfte sein, dass Barrichello die nötigen Punkte für die Team-WM sammelt, damit Williams Platz 5 oder 6 erobern kann.

12. Pastor Maldonado
Das Maldonado überhaupt in der Formel Eins untergekommen ist, hat er seinen Sponsoren zu verdanken. Und einer sehr schlecht besetzten GP2 Meisterschaft im letzten Jahr. So richtig hat er mir in der GP2 nie gefallen, es fehlte in all den Jahren immer wieder der Speed. Bei den Tests in diesem Winter sah die Sache durchaus nicht schlecht aus, aber ich bin weiterhin skeptisch. Das Niveau in der F1 ist hoch, ob Maldonado da mithalten kann, finde ich zumindest schwer zu beantworten. Ihm fehlen Erfahrung und meiner Meinung nach auch der Speed. Aber ich lasse mich gerne überraschen.

13. Kamui Kobayashi
Das der Japaner ein echtes Highlight in der F1 ist, hat er mehrfach unter Beweis gestellt. Aber dieses Jahr wird nicht leicht für ihn, denn bisher hat auch immer davon profitiert, dass er erfahrene Teamkollegen hat. Jetzt ist er quasi der Teamleader, was vielleicht etwas früh in seiner Karriere ist. Den Speed hat er, das ist klar, aber hat er schon die Erfahrung, die es braucht? Es wird ein interessantes Jahr für Kobayashi, denn er wer es in der Konstellation schafft, regelmäßig in die Punkte zu kommen, dann dürfte das Interesse an ihm seitens der anderen Teams groß werden.

14. Sergio Perez
So richtig überzeugt war ich bisher von Perez in all den kleinen Klassen nicht, auch wenn er in der GP2 schon etliche Rennen gezeigt hat, die richtig gut waren. Aber ist er schon für die Formel Eins bereit? In den Tests machte er einen guten Eindruck. Er war nicht nur schnell, sondern auch konstant und hielt den Reifenverschleiß in Grenzen. Von den neuen Fahrern könnte Perez die größte Überraschung sein. Es wird ihm helfen, dass Peter Sauber jede Menge Erfahrung mit jungen und schnellen Talenten hat.

15. Sebastian Buemi
Für den Schweizer dürfte die Saison 2011 zu einer “Go-or-go-home” Saison werden. Das Toro Rosso in Sachen Nachwuchs ein “Durchlauferhitzer” ist, sollte bekannt sein. Dazu kommt aber auch, dass Red Bull vermutlich ab 2012 einen Nachfolger für Mark Webber sucht und Buemi war ja lange ein Kandidat. Er zeigte auch durchaus gute Rennen, leider waren seine Ergebnisse nicht sonderlich konstant. Ich kann Buemi schwer einschätzen, aber er macht mir nicht den Eindruck, als könne er sich wirklich bei Red Bull durchsetzen. Immerhin scheint er in diesem Jahr einen besseren Wagen zur Verfügung zu haben, als das noch im letzten Jahr der Fall war. Das wird den Druck aber nur noch weiter erhöhen.

16. Jaime Alguersuari
Der Spanier hat mich im letzten Jahr erst enttäuscht, doch gegen Ende der Saison besserte sich mein Bild von ihm. Man darf nicht vergessen, dass er praktisch direkt aus der britischen F3 in die F1 gewechselt ist und man da ziemlich viel von ihm verlangt hat. Zumindest gegen Ende der letzten Saison machte er auf mich einen starken Eindruck, da auch seine Quali-Schwäche etwas abnahm. Ich gehe eigentlich davon aus, dass Alguersuari die Saison bei Toro Rosso überleben wird.

17. Adrian Sutil
Ein weiteres Jahr für Sutil bei Force India und gut ist das nicht. So schnell Sutil an guten Tagen sein kann, so langsam ist er an schlechten. Er hat sich in den letzten Jahren, trotz eines durchaus guten Wagens, bei den großen Team nicht gerade aufgezwungen und das sagt dann eigentlich eigentlich schon alles. In diesem Jahr wird er wohl noch weniger die Chance haben sich auszuzeichnen, weil der neue Force India bei den Tests keinen allzu guten Eindruck gemacht. Dieses Jahr sollte dann auch wirklich langsam sein letztes Jahr bei den Indern sein. Wenn es ihm nicht gelingt für 2012 ein gutes Team zu finden, wird er es wohl schwer haben. Und das bekommt er auch nur, wenn er mal eine konstante Saison hinlegt.

18. Paul di Resta
Ein unbeschriebenes Blatt in der Formel Eins. In der F3 Euro machte einen guten Eindruck, in der DTM war er ja auch nicht langsam. Aber die F1 ist dann doch eine andere Hausnummer und schon bei den Tests machte er auf mich keinen guten Eindruck. Der Einsatz von di Resta ist von Mercedes gewünscht, die vermutlich dafür die Motoren umsonst hergeben, aber ob das Force India hilft? Man kann von Liuzzi halten, was man will, aber zuverlässig war er. Und Force India benötigt in diesem Jahr jeden Punkt. Das wird also schwer für di Resta, zu mal Nico Hülkenberg als Freitagsfahrer eine echte Gefahr ist.

19. Jarno Trulli
Das Trulli immer noch fährt, ist ja die eigentliche Sensation. Seine Schwächen (wenig Rennspeed) sind ebenso bekannt wie seine Stärken (sensationell auf eine Runde), daher hat es mich schon ein wenig gewundert, dass Tony Fernandes den Italiener noch einmal verpflichtet hat. Vermutlich möchte man einfach Stabilität im Team und in der Entwicklung des Wagens haben. Mir ist im letzten Jahr aber schon aufgefallen, dass Trulli im Rennen meist nicht gut unterwegs war. Vielleicht ändert sich das, wenn er mit dem neuen Lotus weiter vorne mitmischen kann und seine Motivation steigt. Ich bin mir aber sicher, dass es seine letzte Saison in der F1 ist.

20. Heikki Kovalainen
Seine Weiterverpflichtung ist wohl ebenfalls darauf zurückzuführen, dass man bei Lotus in Ruhe weiterentwickeln möchte. So viel schlechter als Trulli ist der Finne nicht, aber Highlights kann er auch nur selten setzen. Kovalainen ist ein guter Durchschnittsmann, der wenig Fehler macht und auch dann nicht nervös wird, wenn er unter Druck ist. Sollte Trulli Ende der Saison gehen, kann ich mir gut vorstellen, dass man den Finnen eine weitere Saison behält.

21. Timo Glock
Das wird eine weitere Saison zum Vergessen für den Deutschen. Der neue Virgin macht keinen guten Eindruck, dazu kommt, dass Lotus als Messlatte auch weg fällt, weil die einen großen Schritt nach vorne gemacht haben. Glock sollte sehen, dass er sich in diesem Jahr gut aus der Affäre zieht, vielleicht kann er ja dann 2012 Trulli bei Lotus ersetzen.

22. Jerome d’ Ambrosio
Ein Pay-Fahrer, daraus macht man bei Virgin auch kein Geheimnis. Dabei ist d’ Ambrosio aber nicht zu unterschätzen, denn seine Einsätze in der Renault Serie und in der GP2 waren durchaus so, dass man auf ihn aufmerksam wurde. Aber ebenso wie Glock wird er sich schwer tun im Virgin sein Talent zu zeigen. Immerhin kann er relativ druckfrei Erfahrungen sammeln und sich vielleicht mit ein paar guten Rennen für bessere Teams empfehlen.

23. Vitantonio Liuzzi
Nach seinem, wie ich finde, nicht gerechtfertigten Abgang bei Force India, blieb Luizzi nicht viel übrig, als bei HRT anzudocken. Dort wird ihm nichts anderes übrig bleiben, als seinen Teamkollegen möglichst weit und lässig auf Distanz zu halten. Dass ihm das gelingen wird, dürfte niemanden überraschen. Liuzzi ist in den letzten Jahren nach unten durch gereicht worden. Der Einsatz im HRT mag nicht seinem Talent entsprechen, auf der anderen Seite hat er sich in allen anderen Teams nicht durchsetzen können.

24. Narain Karthikeyan
Noch ein Pay-Fahrer, der dem notorisch klammen HRT-Team den indischen Industriegiganten Tata als Sponsor mitgebracht hat. Karthikeyan hat einiges an Erfahrung auf dem Buckel, immerhin hat er von der F3, der F1, Le Mans und NASCAR so ziemlich alles gefahren, was schnell ist. Er ist also nicht so schlecht, wie ihn manche beschreiben, aber es besteht kaum ein Zweifel, dass er das Schlusslicht der diesjährigen Saison sein wird.

December 25 2010

09:40

F1 Saisonrückblick II: Die Teams

Nicht viele Teams habe sich dieses Jahr mit Ruhm bekleckert. Im Grunde hatten alle dieses Jahr den einen oder anderen Aussetzer. Mein Team des Jahres ist daher vielleicht für einige eine Überraschung.

Die Saison 2010 bot mangels großer Regeländerungen die Chance die bewährte Technik zu verbessern, oder aufbauend auf den Erfahrungen des Vorjahres ein Chassis zu bauen, dass den eigenen Erwartungen besser entsprechen würde. Das führte zu meist ähnlichen Ansätzen beim Design, wobei Red Bull klar vorgab, wohin die Reise geht. Erstaunlicherweise kopierte niemand das Design des Vorjahres Siegerwagens, dem Brawn. Selbst Ross Brawn verwarf das alte Chassis und ging mit neuen Ideen an den Start. Schwer hatten es die neuen Teams, die keinerlei Erfahrungen und kaum Geld zur Verfügung hatten. Das ihr Rückstand groß sein würde, war klar, aber es war dann doch etwas schockierend wie hoch er am Ende war.

Die Reihenfolge der Teams nach der WM-Wertung 2010

1. Red Bull
Klar, man hatte das beste Auto auf der Strecke, das man im Laufe der Saison auch noch weiter verbessern konnte. Eigentlich hatte der RB6 nur eine einzige Schwäche: Den Topspeed. Der lag weit unter allem, was die Konkurrenz schaffte, aber gegen Ende der Saison konnte Red Bull dieses Manko teilweise ausmerzen. Man wurde zwar nicht viel schneller, aber der Wagen beschleunigte vor allem aus engen Kurven heraus deutlich besser als der Rest der Welt. Wären nicht die technischen Probleme gewesen, die Saison wäre deutlicher für die Bullen ausgegangen. Der Renault-Motor war eine Schwäche, allerdings gab es auch immer wieder Probleme mit Bremsen (Vettel/Australien, Montreal usw.). Etwas chaotisch zeigte sich teilweise die Teamführung. Christian Horner schien die Kontrolle ab und an aus den Händen zu gleiten, vor allem, wenn sich Vettel und Webber ins Gehege kamen (England, Türkei) oder Helmut Marko als de-facto Teamchef im Hintergrund allzu deutlich wurde. Die, zumindest von außen, merkwürdig organisierte Teamführung ist sicher auch ein Grund, warum Red Bull noch nicht perfekt funktioniert. Man darf aber nicht vergessen, dass bisher niemand Erfahrung darin hatte, wie man einen WM-Titel gewinnt. Herzstück von Red Bull ist aber nicht alleine das Team, sondern Red Bull Technology, also Adrian Newey, der ebenfalls zu erweiterten Teamführung gehört. Ob diese Dreierspitze immer so reibungslos funktionieren wird?

2. McLaren
Nach der etwas schmerzhaften Trennung von Mercedes hat mich McLaren überrascht. In den letzten Jahren hieß es immer, dass Mercedes einiges an Entwicklungsarbeit mitleistet, von daher bin ich davon ausgegangen, dass McLaren einen schlechten Start erwischt, weil es Zeit braucht, bis neue Strukturen greifen. Tatsächlich lief es besser, aber gegen Ende der Saison merkte man doch, dass der große Partner fehlte. Man hatte sich wohl mit dem F-Schacht/Unterbodensystem verzockt, jedenfalls war der Speed plötzlich weg und er kam auch nicht wieder. Vielleicht wäre mit der Unterstützung von Mercedes da eher etwas gefunden worden. Ansonsten hat mir McLaren im Jahr 1 nach der Trennung gut gefallen. Saubere Arbeit, geniale Idee mit dem F-Schacht, ruhige und souveräne Teamführung, entspannt auch in engen Situationen. Das einzige Fragezeichen was ich habe, steht hinter der Entwicklungsfähigkeit. Hat McLaren die Power in den nächsten Jahren auch ohne Partner gegen Ferrari, Red Bull oder Mercedes anzukommen?

3. Ferrari
Miserabler Start, gutes Finish. Allerdings muss sich Ferrari zum wiederholten Mal die Frage gefallen lassen, warum man im Winter so tief schläft. 08/09 verpennte man den Doppeldiffusor, 09/10 den Blown Diffusor. Man baute gute Autos, aber ohne besonders einfallsreich zu sein. Mir fiel bei der Präsentation in diesem Winter schon auf, dass das Chassis auffällig unauffällig wirkte. Die Schwäche bei Ferrari liegt wohl in der Designabteilung, auch wenn die in einem Verzweiflungsakt mit der B-Variante einiges nachholen konnte. Wenn man bedenkt, dass Ferrari nach dem Massa-Unfall seit September 2009 neue Teile im Renntrimm ausprobiert hatte, war das Ergebnis kläglich. Problematisch soll bei Ferrari die Teamführung sein. Stefano Domenicali und Luca Baldisseri werden klar vom heimlichen Ferrari-Chef Luca di Montezemolo gedeckelt, dem technischen Direktor Aldo Costa und dem Chefaerodynamiker Marco de Luca werden Schwächen zugesprochen. Das alte “Ferrari-System” das vor der Ankunft von Jean Todt herrschte, soll wieder Einzug gehalten haben. Jeder sichert sich nach hinten ab, keiner traut sich was. Angesicht des mauen Designs und den oft schwach wirkenden Entscheidungen von Domenicali könnte da was dran sein. Es wurde darüber spekuliert, dass Montezemolo das Team umkrempelt, aber das hat er bisher dementiert.

4. Mercedes-Benz
Sicher etwas enttäuschend für die Stuttgarter, aber ehrlich gesagt nicht so verwunderlich. Mercedes hat sich im letzten Jahr extrem spät dazu entschieden, BrawnGP zu kaufen. Ross Brawn steckte bis zum vorletzten Rennen im WM-Kampf, hatte keine Sponsoren und keine andere, finanzielle Rückendeckung. Das Budget für die Entwicklung des 2010er Chassis war knapp, die Ressourcen dünn. Laut einer unbestätigten Aussage von Brawn hatte er schon geplant die Saison 2010 mit einer B-Variante des Vorjahres zu starten. Mercedes hat dann auch nicht so viel Geld reingestopft, wie es vielleicht nötig gewesen wäre. Man hat wohl auf eine gute Idee von Brawn und die Erfahrung von Schumacher gebaut, um vorne dabei sein zu können. Aber schon bei den Tests zeigte sich, dass der Wagen nicht besonders gut lief. So sehr ich die Probleme zu Saisonbeginn verstanden habe, so sehr war ich verwundert, dass Mercedes überhaupt nicht vom Fleck kam. Im Grunde holte man nur leicht auf um dann den Abstand zu halten. Mag sein, dass das Chassis schon im Mai, als man den Radstand verlängerte, schon am Ende war, doch ich habe mehr erwartet. Der vierte Platz ist angesichts der Schwierigkeiten fast eine Überraschung, alarmierend ist aber der Abstand nach vorne.

5. Renault
Alle Welt setzt auf ein langes, schmales Chassis, nur Renault baut einen Panzer. Umso erstaunlicher, dass der Wagen dann auch noch so schnell war. Bemerkenswert ist auch, dass sich das Team trotz aller finanziellen Beschränkungen im Laufe der Saison so gut halten konnte. Die geleistete Entwicklungsarbeit war bemerkenswert und wäre Petrov nicht so schlecht gewesen, hätte man mit Mercedes um Platz 4 gekämpft. Das entspricht zwar auch nicht dem Anspruch des Teams, aber nach den schweren Jahren und den Skandalen war das immerhin schon mal etwas. Der erzwungene Abgang von Flavio Briatore scheint dem Team gut getan zu haben, Teamchef Eric Boullier hat richtig gute Arbeit abgeliefert. Er musste das Team neuaufbauen, mit den neuen Besitzern klar kommen und sehen, dass der Laden einigermaßen erfolgreich läuft. Das ist ihm gelungen und vor allem konnte sich Renault bis zum letzten Rennen immer wieder in Szene setzen. Zwar ging ihnen, vermutlich wegen fehlender Entwicklung, am Ende der Saison in der Quali etwas die Luft aus, aber Kubica war immer für eine Überraschung gut. Das neue Geld aus Russland und Malaysia (Group Lotus) sollte helfen, wenn die Malayen Eric Boullier denn in Ruhe arbeiten lassen.

6. Williams
Ganz klar: Mein Team des Jahres. Williams ist, auch nach dem Verkauf etlicher Anteile an den österreichischen Geschäftsmann Toto Wolff, immer noch ein Familienunternehmen. Frank Williams leitet die Sache zusammen mit Patrick Head. Sam Michaels hat als technischer Direktor viel an Profil gewonnen und man hat ein solides Team im Bereich der Aerodynamik. Der FW32 war kein Glanzstück, im Gegensatz zu den Modellen der Jahre davor war er aber von Anfang an vernünftig. Erstaunlich auch, dass man trotz enger Finanzen im Jahr immer besser wurde. Das lag mit Sicherheit auch am Input von Rubens Barrichello, dem man nicht ohne Grund ein weiteres Jahr in der F1 geschenkt hat. Eigentlich sollte man auf diesem guten Jahr aufbauen können, aber man verliert mit RBS, Philips und Air Asia drei wichtige Sponsoren. Das man Hülkenberg hat gehen lassen müssen, weil Maldonado geschätzte 15 Millionen Dollar mitbringt, hilft der Sache auch nicht. Erstaunlich ist auch, dass Williams Cosworth treu bleibt und nicht zu Renault gewechselt ist. Aber man erhofft sich von Cosworth, weil man deren Zugpferd ist, wohl eine bessere Unterstützung. 2011 wird für Williams aber schwer, das kann man jetzt schon sagen.

7. Force India

Nur knapp von Williams um einen Punkt in der WM geschlagen, was eigentlich heißt, dass es nicht schlecht gelaufen ist. Aber für Force India ging es nach der erfolgreichen zweiten Saisonhälfte 2009, dann doch eher einen Schritt zurück. Schuld daran war auch das Chaos in der Designabteilung. James Key verließ den Laden Richtung Sauber, sein Nachfolger Mark Smith und etliche weitere Mitarbeiter wurden keinen Monat später von Lotus abgeworben. Die gesamte Abteilung stand praktisch führungslos da und musste komplett neu aufgebaut werden, was bis heute nicht abgeschlossen ist. Kein Wunder, dass der Force India im Laufe des Jahres immer weiter zurückfiel. Die Updates kamen nur spärlich und vor allem sehr spät. Man kann nur hoffen, dass man sich im Hintergrund schon früh für 2011 vorbereitet hat. Auch bei den Fahrern muss sich was tun. Luizzi ist keiner, der wirklich überzeugt, Sutils Formkurve ist zu wechselhaft. Der Deutsche bräuchte vielleicht auch mal einen Kollegen, der ihn richtig unter Druck setzt. Heidfeld oder Hülkenberg wären gute Lösungen. Ich bin mir aber sicher, dass Vijay Mallya was tun muss, damit sein Team weiter nach vorne kommt.

8. Sauber
Nach dem höchstpeinlichen Ausstieg von BMW blieb Peter Sauber nichts anderes mehr übrig, als aus den Scherbenhaufen wieder ein Team zu formen. Den C29, der von BMW und seinem langjährigen Partner Willy Rampf entwickelt wurde, bezeichnete er in aller Öffentlichkeit als “Krücke”. Rampf wurde dann auch bald durch James Key ersetzt, der dem Chassis dann noch ein paar Zehntel entlocken konnte. Dazu kam, dass Ferrari offenbar die gesamte “Montagsproduktion” an Motoren geliefert hatte, jedenfalls starben die schneller, als die Sauber-Leute sie wechseln konnten. Wäre Kobayashi nicht gewesen, der für jede Menge gute PR sorgte, das Jahr wäre schlecht gelaufen. Peter Sauber hat 2010 schnell abgehakt, seit dem Frühsommer hat man C29 kaum noch etwas gemacht. Für ihn wird es entscheidend sein, wie 2011 läuft. Auch er hat, wohl aus Kostengründen, mit Sergio Perez einen Mann ran geholt, der zwar viel Geld mitbringt (Telefonica) aber keine Erfahrung hat. Immerhin hat er in der GP2 einen guten Eindruck gemacht. Peter Sauber ist für mich aber ganz klar der Teamchef des Jahres in der Formel Eins, denn er hat aus einem zerrissenen, verkleinerten und demotivierten Team wieder eine schlagkräftige Truppe geformt.

9. Toro Rosso
Nach den guten Jahren 2008 und 2009 war die letzte Saison eine ziemliche Enttäuschung für das Team. Man darf aber nicht vergessen, dass STR 2010 zum ersten Mal mit einem eigenen Chassis an den Start gehen musste. Es war zwar “nur” eine Variante des RB5, die Updates musste man aber selber entwickeln. Da man keinerlei Erfahrung in den Bereich hat, war es klar, dass man nicht mehr an die alten Erfolge würde anknüpfen können. Wie groß die Probleme mit der Konstruktion waren, zeigte sich dann in China, als Buemi im Training beide Vorderradaufhängungen gleichzeitig kollabierten. So richtig gut sah das Team nie aus, einen Schritt nach vorne konnte man auch nicht erkennen. Es mehren sich auch die Gerüchte, dass Red Bull das Team verkaufen könnte, da man nicht mehr so recht weiß, was man mit STR anfangen soll. Man kann nur hoffen, dass sie den teilweise eklatant großen Rückstand zu Force India und Sauber wieder aufholen.

10. Lotus
Von allen neuen Teams kam Lotus in diesem Jahr am sympathischsten rüber. Tony Fernandes ist jemand, der den Motorsport offenbar liebt, jedenfalls habe ich in diesem Jahr kaum jemanden erlebt, der so offen und begeistert an die Sache ran gegangen ist. Zumindest von außen sieht es so aus, als ob er alles für sein Team in die Wege leitet, was in seiner Macht steht. Ob Mike Gascoyne als technischer Direktor allerdings in der Lage ist, das Team im Mittelfeld zu verankern, ist dann wieder eine andere Frage. Ich bin kein großer Fan seiner Arbeit, seine beste Zeit hatte er bei Renault in der Alonso-Zeit, bei Toyota sah er nicht gut aus. Gascoyne hat auf Grund der kurzen Vorbereitungszeit nach eigenen Aussagen ein sehr konservatives Auto gezeichnet, an dem sich aber offenbar einiges verbessern ließ. Man holte vor allem auf Toro Rosso auf und es gelang auch, den Rückstand nach ganz vorne von 6.5 auf rund 4.5 Sekunden zu verkürzen. Trotzdem sind das immer noch Welten und Virgin war auch nicht viel schlechter. Man darf gespannt sein, was Gascoyne mit dem neuen, sehr kompakten Renault-Antrieb anstellt. Würde mich nicht wundern, wenn der Lotus T128 wie ein RB6b aussehen wird.

11. HRT
Seit dem tragischen Dahinscheiden von Forti in den 90er Jahren, kann ich mich an kein Team erinnern, dass chaotischer daher kam. Dem Besitzer ging das Geld aus, man zerstritt sich mit dem Chassis-Lieferanten Dallara, die man für das miese Design verantwortlich machte, wobei man nicht erwähnte, dass Dallara die Entwicklung des Chassis zwischen Dezember und März eingestellt hatte, weil das Team kein Geld zahlte. Colin Kolles übernahm den Laden drei Wochen vor Saisonstart als Teamchef und schaffte es tatsächlich, dass das Team in Bahrain war. Teamklamotten hatte man auch zu Saisonmitte noch nicht und Updates sind mir am HRT nicht aufgefallen. Nach dem der Deal mit Toyota geplatzt ist, muss man jetzt auch noch ein Chassis selber bauen, was angeblich teilweise in Deutschland (wohl über Kolles) und teilweise in England passieren soll. Nur: die britischen Kollegen haben so ziemlich alle Zulieferer durchtelefoniert und da weiß keiner etwas von einem Auftrag aus Spanien. Lob gibt es von meiner Seite nur für Colin Kolles und seine Mannen vor Ort, die trotz des Chaos es geschafft haben, dass das Team vernünftig funktionierte.

12. Virgin
Ich glaube, bei Richard Branson funktioniert das so: Erst hat er die Idee für ein neues Spielzeug, dann will er es unbedingt, dann hat er es und dann hat er keine Lust mehr drauf. So kommt es mir zumindest bei Virgin vor und die Abgabe der ersten Anteile an den merkwürdigen Autobauer “Marussia” (die bisher noch kein Auto gebaut haben) ist ein deutliches Zeichen. Man merkte in diesem Jahr aber auch, dass dem ehemaligen Manor F3-Team um John Booth einfach die Erfahrung fehlte. Dazu kam der mutige Versuch komplett auf CFD-Design zu setzen und den Windkanal einfach zu ignorieren. Dafür gebührt ihnen Respekt und so schlecht lief der Virgin ja nun nicht. Immerhin war mit Lotus teilweise auf Augenhöhe und die Sache mit dem zu kleinen Tank, weil sich Wirth offensichtlich verrechnet hatte, war auch schnell vergessen. Trotzdem hat man das Gefühl, dass mehr drin gewesen wäre, wenn Branson denn auch mehr Geld reingesteckt hätte. Aber da hat ihn wohl halt die Lust verlassen. Schwer zu sagen, was aus Virgin wird, würde mich nicht wundern, wenn die Russen den Laden bald komplett übernehmen.

November 10 2010

14:06

Formel Eins: Team Lotus und Group Lotus

Ein geradezu bizarr verschränkter Rechtsstreit zwischen zwei Firmen, die beide den Namen Lotus tragen, findet gerade hinter den Kulissen der Formel Eins statt. Was steckt dahinter?

Markenrechtsstreitigkeiten gehören zu den komplizierteren Dingen in der Welt. Je bekannter der Name, desto wertvoller ist dessen Vermarktung. Im Falle von Lotus ist die Sache auch nicht gerade leicht und in den letzten Tagen verkomplizierte sich die Sache noch weiter. Es wird viel hinter den Kulissen verhandelt, doch mittlerweile haben die PR-Spindoktoren ebenfalls eingegriffen, und es gibt ein paar Interviews mit den Beteiligten. Um das ganze Chaos zu verstehen, muss man erst einmal einen Blick weit in die Vergangenheit werfen. Colin Chapman hatte die Firma Lotus 1952 gegründet. Schon früh gab es eine “Lotus Group” und eine “Lotus Cars” Firma, wobei “Lotus Cars” klar für die Straßenfahrzeuge stand. Später gesellte sich “Team Lotus” hinzu, dass denn später so berühmt werden sollte und um dessen Namen man sich jetzt streitet.

Chapman trennte seine Firmen auf und schon in den 70er Jahren gab es im Grunde nur “Group Lotus”, die die Straßenwagen herstellte und “Team Lotus”, das Formel Eins Team. Nach dem viel zu frühen Tod von Chapman 1982 lief das auch zunächst so weiter, die Geschäfte wurden von Hazel Chapman und der Familie weiter geführt. 1986 verkaufte man die “Group Lotus” an GM, 1996 landeten die Rechte der Group und damit der Serienfertigung von Lotus Wagen bei der malayischen Proton Gruppe. Diese wird nun vom ehemaligen Ferrari Manager Dany Bahar geleitet.

Team Lotus existierte allerdings weiter und wurde (u.a.) von Peter Collins und Peter Wright geführt. 1994 war Team Lotus dann pleite und die Rechte an diesem existierenden Team wurden an David Hunt, dem jüngeren Bruder des Ex-Weltmeisters James Hunt, verkauft, der sich als Promotor und Sponsor-Vermarkter einen Namen gemacht hatte. Hunt gab die Rechte an Team Lotus für die Saison 1995 an das sensationell erfolglose Pacific Team weiter, dass auch unter dem Namen “Pacific PR 02 – Lotus” einen Wagen einsetzte, um dann am Ende der Saison die Formel Eins zu verlassen. So verschwand der Name Lotus endgültig aus der Formel Eins.

Es gibt also zwei “Lotus”. Einmal die “Group Lotus”, die für die Straßenwagen zuständig ist, und Proton gehört, und “Team Lotus”, dass David Hunt gehört. Als ein malayisches Konsortium 2009 beschloss sich bei der FIA um einen Platz in der Formel Eins zu bewerben, lag die Idee nahe, dies unter dem Namen “Lotus” zu machen. Das Problem war nur, dass man die Rechte an allem, was mit F1, dem Logo, Branding und der Historie des F1-Teams zu tun hatte, nicht besaß. Auf der anderen Seite saß David Hunt, der sich angeblich um drei Ecken ebenfalls um einen Platz in der F1 beworben hatte, aber von der FIA abgelehnt worden war, auf dem Namensrechten von “Team Lotus” mit denen er allerdings nichts anfangen konnte, sieht man mal vom immer noch erfolgreich laufenden Merchandising der historischen Lotus Sachen ab.

Als Tony Fernandes 2009 beschloss, in die F1 einzusteigen, dachte er wohl, er könne sich den Namen Lotus von der malayischen “Group Lotus” besorgen. Die gaben die Rechte auch weiter, nur musste Fernandes feststellen, dass er zwar den Namen “Lotus” benutzen konnte, nicht aber die alten Logos und das Branding. Also ging er zu David Hunt, der nach viel Hin und Her den Namen “Lotus Racing” (nicht “Team Lotus” !) für ein Jahr an Fernandes freigab. Immerhin durfte Fernandes das Logo und die Teamfarben übernehmen. Hilfreich war dabei wohl auch ein Besuch, den Fernandes der Familie Lotus abstattete, die wiederum auf David Hunt einwirkten, der Sache zuzustimmen. Im September 2010 verkündete Fernandes dann auch, dass man sich mit “Team Lotus” und Hunt einig geworden sei und man 2011 unter dem begehrten Namen “Team Lotus” fahren würde. Und ab da wird es kompliziert.

Offensichtlich wurde David Hunt von der öffentlichen Äußerung überrascht, jedenfalls dementierte er schnell die Aussage von Fernandes. Gleichzeitig wurde öffentlich, dass sich Proton und Hunt in diversen Rechtsstreitigkeiten verzahnt hatten. Proton, bzw. die “Group Lotus” versucht wohl durchzusetzen, dass “Lotus Racing” durch den Einsatz in diesem Jahr die rechtmäßigen Besitzer des Namen “Lotus” ist und David Hunt und “Team Lotus” damit den Zugriff auf den Namen verloren hat. Es gibt das Gerücht, dass es zwischen Fernandes und Hunt eine Art “Absichtserklärung” gibt, in der steht, dass Hunt die Rechte an Fernandes verkaufen wird, Hunt aber nun (aus welchen Gründen auch immer) kalte Füße bekommen hat und Fernandes nebst seinen Geldgebern (Proton) im Regen stehen lässt. Bzw. dass Fernandes Hunt versprochen hat, die Rechte nicht an Proton, die das Team mitfinanzieren, weiterzureichen, dieses Versprechen aber nicht halten kann, weswegen Hunt seine Zustimmung zurückgezogen hat. Das ist wohl die eine Seite.

Die andere Seite ist, dass es eine Art Dauerkonflikt zwischen dem Manager der “Group Lotus”, Dany Bahar, und Tony Fernandes gibt. Bahar hätte gerne die “Team Lotus” Rechte von Hunt, Fernandes will diese aber nicht weiter geben. Bahar würde gerne beide Rechte zusammenführen, um ähnlich wie Ferrari, mit den Rennsporterfolgen die Serienwagen zu vermarkten. Fernandes will die Rechte nicht aus der Hand geben, weil er dann quasi nur noch Angestellter in seinem eigenen Team wäre und abhängig von der “Group Lotus” wäre, die ihm die Rechte jederzeit entziehen könnten. Weswegen der Deal zwischen Hunt und Fernandes auf Eis liegt und die “Group Lotus” mit Schaum vor dem Mund zu diversen Gerichten läuft. Da man Fernandes nicht vor Gericht zerren kann (oder will) macht man es halt mit Hunt. Aber man hält sich eine weitere Hintertür auf und verkompliziert die Sache weiter.

Offensichtlich gibt es Verhandlungen zwischen der “Group Lotus” und Renault, die ja nur noch 25% des F1 Teams (nicht der Motorenschmiede!) halten. “Group Lotus” würde wohl gerne diese 25% erwerben, um dann den Namen “Lotus-Renault F1″ (oder was auch immer) einzusetzen. Dahinter stecken noch weitere Überlegungen seitens Dany Bahar, wie man bei Joe Saward nachlesen kann, die aber hier jetzt zu weit führen würden.

Theoretisch würde das dazu führen, dass es zwei “Lotus” Teams geben könnte. Einmal “Lotus-Renault” und dann “Team Lotus-Renault” denn Fernades hat ja gerade einen Motoren-Deal mit Renault für 2011 abgeschlossen. Dass würde aber nicht mit Proton gehen, die die Marke ja über das Straßenwagengeschäft vermarkten wollen. Die Idee von “Group Lotus” ist es also, die Marke “Team Lotus” wertlos zu machen, in dem man selbst ein “Lotus” Team gründet, auch wenn man dann weder das Logo, noch das Branding von Lotus einsetzen kann. Angeschmiert wären dann Fernandes, der sich einen neuen Namen für sein Team suchen müsste und David Hunt, der nicht verhindern kann, das Proton den Namen “Lotus” in der F1 einsetzt. Es sei denn, er hat genug Geld gegen den malayischen Staatsbetrieb Proton vorzugehen.

Wer mag, kann jetzt hier aussteigen, aber es wird leider noch komplizierter. Denn sowohl die “Group Lotus” als auch “Team Lotus” von Fernandes, haben den Namen “Lotus” mittlerweile in andere Serien sublizeniert. “Team Lotus” hat den Namen in die IRL lizenziert, “Group Lotus” hat wiederum in der GP2 einen Deal mit ART geschlossen, die 2011 unter dem Namen “ART-Lotus” auftreten möchten. Gleichzeitig will Tony Fernandes 2011 ein eigenes GP2 Team als “Team Lotus GP2″ aufmachen. Und dann ist da noch das defacto Nachwuchsteam von Renault “DAMS”. Genii, dem Hautanteilseigner von Renault, gehört aber auch die Managementfirma “Gravity”, die wiederum die DAMS und Renault-Piloten D’Ambrosio usw. unterstützt. Alles klar? Im Grunde gehören diese Sublizenzierungen und Minderheitsbeteilungen zu den Schachzügen, mit denen die jeweiligen Parteien versuchen, vor Gericht klar zu machen, dass man der einzig wahre “Lotus” Vertreter sei.

Das Ganze hat sich mittlerweile zu einer größeren Staatsaffäre in Malaysia entwickelt. Fernandes, dem ja Air Asia gehört, Dany Bahar von “Group Lotus” und der Proton Konzern, der Bahar unterstützt, sind derartig zerstritten, dass sich der ehemalige malayische Staatspräsident, Dr. Mahathir, als Vermittler eingeschaltet hat. Ausgang – ungewiss. In der schwersten Zwickmühle befindet sich dabei Tony Fernandes, der es sich nicht erlauben kann gegen einen Staatsbetrieb in Malaysia vorzugehen, weil seine anderen Geschäfte vermutlich oft vom Wohlwollen der Regierung abhängen.

Momentan sieht es aber so aus, als würde Fernandes verlieren. Renault würde dann zu Lotus-Renault, das “Lotus Racing” zu “1malaysia” oder “Malaysia F1″. Aber vielleicht kommt ja doch alles anders.

Quellen:
Interview mit David Hunt
GP2 Insider
Holzausgabe der aktuellen MSa
Eigene Recherchen

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