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August 27 2012

14:08

WEC: Analyse Silverstone 2012

Audi gewinnt zwar in Silverstone, aber das Ergebnis sah knapper aus, als man erwartet hatte. Aber hat Audi alle Karten auf den Tisch gelegt?

© FIA WEC

Audi gewinnt, Toyota kann sich mit einem Wagen zwischen die beiden R18 schieben und das Rennen war bis in die letzte Stunde richtig spannend. Eigentlich können alle zufrieden sein. Die Hersteller, die Piloten und die Zuschauer, die ein gutes und abwechslungsreiches Rennen gesehen haben. Doch ein paar offene Fragen bleiben am Ende doch. Warum hat Toyota einen derartig hohen Verbrauch? Und haben die Audi eine sehr konservative Strategie eingeschlagen, ohne den R18 wirklich auszuquetschen? Auch in der LMP2 ging es spannend zu, wenn auch nicht so, wie man erwartet hatte.

Audi vs Toyota

Vom Start weg übernahm der Audi mit Tréluyer, Fässler und Lotterer das Kommando an der Spitze. Alex Wurz schob sich nach der ersten Kurve von auf den zweiten Platz und sprengte die Audi-Phalanx. Doch in den ersten Runden konnten sich die Le Mans Sieger leicht von Wurz absetzen. Der Vorsprung betrug teilweise mehr als sechs Sekunden, doch gegen der Verkehr sorgte dafür, dass Wurz schnell wieder im Heck des R18 klebte. Es gelang ihm sogar die Führung zu übernehmen und sich leicht vom e-tron abzusetzen. Der R18 Ultra konnte den Speed der beiden Führenden derweil nicht mitgehen. Die Vermutung lag schon in diesem Moment nahe, dass der Ultra, der mit Kristensen und McNish besetzt war, eine andere Stratege einschlagen würde.

Ab Runde 25 hatte man die ersten Boxenstopps erwartet und hier sollte sich dann das weitere Rennen entscheiden. Doch zur Überraschung aller kam Alex Wurz schon Ende Runde 22 an die Box und musste sich neuen Sprit holen. Die Audi blieben im ersten Stint 5, bzw 6 Runden (Ultra) länger draussen. Dazu kam, dass die Standzeit des Toyota ca. 5 bis 7 Sekunden länger war, als bei beiden R18. Vielleicht wollte Toyota ja auch Nummer Sicher gehen, erster Check in einem bislang extrem schnellen Rennen. Doch als die zweiten Stopps anstanden wiederholte sich das Spiel. Der Toyota kam pünktlich wie die japanische Eisenbahn nach 44 Runden an die Box, die erst um Runde 53 und später. Und so zog sich das dann auch über das gesamte Rennen. 23 Runden für den Toyota, 26 Runden für den e-tron, 27 Runden für den Ultra. Man konnte sich ausrechnen, dass am Ende ein Stopp mehr für die Toyota auf dem Papier stehen würden. Tatsächlich waren es sogar zwei. Bei den sieben Stopps der #1 ist eine Stopp & Go dabei.

Spätestens nach dem zweiten Stopp wusste Audi also, wie Sache laufen würde, man konnte sich auf eine schnelle Pace einlassen, musste aber nicht all zu sehr drücken. Auffällig ist dabei, dass die #1 ihre schnellste Runde (1.44.5min) schon in Runde 2 drehte, also mit vollen Tanks. Im späteren Verlauf des Rennens drehte nur der Ultra auf (1.44.6 min), als dieser wegen eines platten Reifen einen unplanmäßigen Boxenstopp einlegen musste. Der Toyota fuhr seine schnellste Runde (1.44.0 min) in Runde 139, eine Runde vor Ende des Stints.

Man kann ziemlich sicher davon ausgehen, dass Audi nicht volles Risiko gegangen ist, sonst wären die Zeiten deutlich unter 1.44 gelandet. Allerdings stellt sich die Frage, was dann mit dem Verbrauch und dem Reifenverschleiss gewesen wäre. Wie schon in Le Mans konnte man beobachten, dass der e-tron zwar zu Beginn eines Stints den Vorsprung halten, bzw. ausbauen konnte, ihn gegen Ende des Stints aber verlor. Je leichter der Toyota wurde, desto schneller wurde er auch, gleichzeitig schien beim Audi der Speed wegzugehen. Doch der Eindruck täuscht ein wenig.

Die Stintzeiten des e-tron sahen meist so aus (Runde 28 bis Runde 54)

46.6, 47.5, 46.3, 48.5, 46.4, 50.4, 47.7, 47.2, 47.8, 46.7, 46.3, 46.3, 47.0, 47.9, 46.8, 50.2, 47.9, 47.1, 48.2, 47.2, 48.6, 48.7, 46.7, 47.9, 48.2

Toyota (Runde 24 bis 22)

47.9, 47.4, 45.3, 44.8, 47.1, 47.2, 46.8, 46.4, 47.6, 48.6, 45.4, 46.1, 46.4, 46.0, 47.4, 45.2, 46.7, 46.5, 47.1, 47.0, 46.4

Einige Schwankungen sind dem Überrundungsverkehr geschuldet, aber es wird deutlich, wie das Rennen lief. Toyota holte konstant Zeit auf, aber viel zu wenig, um sich den Vorsprung heraus fahren zu können, den man gebraucht hätte. Zu dem verteilten sich Glück und Pech gleichermaßen. Der e-tron bekam eine Durchfahrtsstrafe, weil einen Ferrari abgeschossen hatte, Toyota hatte während der zweiten SC-Phase Pech, dass man hinter dem zweiten Safety-Car hing und nicht hinter dem Führenden. So verlor man ein paar Sekunden, wäre es anders gelaufen, hätte man fast 40 Sekunden gut gemacht. Aber selbst das hätte das Ergebnis des Rennens nicht verändert. Toytoa war schnell, aber Standzeiten und Effizienz vernichteten alle Siegchancen. Dass man am Ende auf P2 landen konnte, war auch noch Glück. Der Ultra hatte sich nach seinem zweiten Stopp einen platten Reifen hinten rechts eingefangen und musste noch mal rein. Beim Stopp verlor man ca. 30 Sekunden man lag am Ende aber nur 18 Sekunden hinter dem Toyota, dem wiederum 55 Sekunden auf den e-tron fehlten.

Dennoch: Man darf nicht vergessen, dass das erst das zweite Rennen des Toyota TS030 war und Toyota sowieso dieses Jahr eigentlich gar nicht voll mitfahren wollte. Dazu fehlte der zweite Wagen, mit dem man eventuell die Strategie hätte aufteilen können. Bei den beiden Asien Rennen in Fuji und Shanghai werden wohl zwei Toyota an den Start gehen. Gerade in Fuji könnte das Rennen dann deutlich anders aussehen. Toyota muss dringend am Verbrauch des Wagens arbeiten, aber es ist leichter, einen schnellen Wagen effizient zu machen. Tatsache ist, dass man an Audi dran ist.

Sonstige LMP1

Auch das Rennen hinter den beiden Top Teams gestaltete sich extrem spannend. Die beiden Rebellion Lola übernahmen zunächst die Spitze. Der Strakka HPD blieb aber auf Tuchfühlung, nur der JRM HPD hatte mal wieder Pech. In der ersten Runde kam man sich mit dem Greaves LMP2 der Brundle Familie ins Gehege und fiel gleich 40 Sekunden zurück. Aber alle Fahrzeuge blieben während des Rennens innerhalb von einer Runde. Der nominell stärkste Rebellion mit der #12 und der Besetzung Jani/Prost konnte sich auf Platz 4 behaupten, bekam aber später eine Stopp and Go, weil man mit einem Krohn Ferrari kollidiert war. Den Unfall kann man auch genau anders herum sehen, aber seis drum. Damit ging das Schwesterauto in Führung, das mit Belicchi/Primat besetzt war. Im letzten Stint holte Danny Watts im Strakka dann plötzlich mächtig auf und radierte einen Rückstand von 16 Sekunden aus. In der letzten Runde lag Watts hinter dem Rebellion, konnte aber keinen Überholvorgang mehr setzen. Am Ende trennten Watts ganze 0,6 Sekunden vom Rebellion. Dahinter lag der zweite Rebellion vor dem JRM.

LMP2

In der Quali lagen 10 LMP2 innerhalb von einer Sekunde und es versprach ein spannendes Rennen zu werden. Tatsächlich wechselte die Führung sehr häufig. Das favorisierte OAK Morgan-Nissan Team mit der #35 und der Besetzung Kraihammer, Heinermeier-Hanson und Baguette fiel jedoch früh mit Problemem am Anlaser zurück. Auch der zweite OAK mit Nicolet, Lahaye und Pla hatte Pech. Man war gerade an der Box, als die zweite SC-Phase fiel und musste dann an der roten Ampel warten, bis das halbe Feld vorbei gezogen war.

Probleme hatte auch das Team von Murphy Motorsport. Erst platzte ein Reifen, dann gab es Probleme mit dem Motor, was das Team weit zurück warf. Bei Greaves sah es mit dem Glück nicht besser aus. Der Brundle Wagen fiel wegen einer Kollision schon in der ersten Runde weit zurück, später ereilte die Mannschaft eine Stopp and Go.

Wie erwartet, war das Starworks Team mit Dalziel, Sarratin und Potolicchio extrem stark unterwegs. Die Mannschaft lag eine gute zeitlang in Führung, wurde aber ebenfalls von der SC-Phase auf dem falschen Fuss erwischt. Man musste sich erneut durch das halbe Feld kämpfen. Im Verlauf des Rennens kristallisierte sich dann etwas überraschend das ADR-Delta Team auf einem Oreca-Nissan als stärktes Team heraus. Die Besetzung Martin, Charout und Graves hielt sich zu dem aus allen Scharmützeln heraus und konnte vor allem im letzten Stint, als der Starworks Wagen auf P2 lag und Druck machte, das Tempo mitgehen. Am Ende gewann man mit 5 Sekunden Vorsprung. Auf Platz 3 landete der zweite Signatech-Nissan mit Panciatici, Ragues und Rusinov, die während des Rennens einen starken Eindruck hinterliessen. Jota und Pecom waren nicht ganz so stark wie erwartet.

GTE-Pro

Die Pro-Kategorie sah in den ersten Runden einen sehr heftigen Zweikampf zwischen dem AF Corse (Fisichella/Bruni) und dem Felbermayr Porsche (Lieb/Lietz). Doch auch hier war schon nach dem ersten Stint die Musik raus. Der RSR konnte zwar das Tempo des Ferrari F458 mithalten und sich an die Spitze setzen, doch dann kamen die Boxenstopps. Der Porsche musste in Runde 29 an die Box, der Ferrari kam erst ganze 5 Runden später. Das ist, bei ähnlichen Konzepten in der Serie, schon ziemlich erstaunlich. Der Porsche ist zwar so schnell wie der F458, beim Verbrauch sieht die Sache aber deutlich anders aus. Was Porsche nicht gefallen wird. Die Spannung war dann vollends raus, als der RSR einen Schaden an der Hinterradaufhängung hatte und rundenlang in der Box stand. Damit war der Sieg des AF-Corse zemtiert. Etwas überraschend konnte sich der JMW-Ferrari auf P2 festsetzen.

Der Aston Martin war nicht ganz so stark, wie man das erwarten konnte, zu dem musste auch deutlich früher an die Box, als die Ferrari. Stefan Mücke prügelte den Wagen im letzten Stint aber um den Kurs und nahm dann den zweiten AF Corse mit Bertolini/Beretta auf P3 ins Visier. In der letzten Kurve der letzten Runde gingen beide nebeneinander in die Bremszone. Leider konnte man nicht genau sehen, was dann passierte, aber plötzlich steckte der Ferrari im Kies. Ob es eine Berührung gab, oder Bertolini den Wagen selber weg geworfen hat, wurde nicht klar. Einen Protest gab es jedenfalls nicht. Bitter für Bertolini: Auch beim 6 Stunden Rennen muss man über die Ziellinie fahren. Da man ca. 100 Meter vor der Linie im Kies steckte wurde man als “nicht gewertet” klassifiziert.

GTE-Am

Wegen der vielen Ereignisse in den anderen Klassen habe ich die Am-Kategorie nur so halb verfolgt. Bilder gab es auch kaum zu sehen. Um die Spitze stritten sich die meiste Zeit der Felbermayr Porsche und der AF-Corse-Waltrip Wagen. Wie in der Pro-Klasse konnte sich der Ferrari wegen der längeren Stints am Ende durchsetzen. Auf Platz 3 landere der Krohn Ferrari.

Es stehen noch vier Rennen der WEC auf dem Programm, als nächstes folgen die 6 Stunden von Sao Paulo am 15. September. Die vorläufige Entry-List nennt 30 Autos, was etwas weniger als in Silverstone ist. Da scheuen einige britische LMP2 Teams die weite Reise, was verständlich ist. Das Duell Audi vs. Toyota wird auf dem engen Kurs in Sao Paulo vermutlich nicht ganz so dramatisch ausfallen, wie in England. Die Piste ist Sachen Verbrauch keine gute Angelegenheit für die Japaner.

© FIA WEC © FIA WEC © FIA WEC © FIA WEC © FIA WEC © FIA WEC © FIA WEC © FIA WEC © FIA WEC © FIA WEC © FIA WEC © FIA WEC © FIA WEC

flattr this!

August 24 2010

15:49

Analyse: LMS und ALMS – A Day of Firsts

Beide Le Mans-Serien boten einiges an Spektakel und vor allem überraschende Ergebnisse und Vorentscheidungen in einigen Meisterschaftswertungen.

Schon in den Trainingssessions der Le Mans Series zeichnete sich ab, dass der Vorsprung des Oreca-Peugeots vor der Benziner-Konkurrenz aus beiden Prototypen-Klassen nicht allzu groß sein würde – dass es dann Danny Watts im Strakka-HPD tatsächlich auf die Pole Position schaffte, war dann aber doch überraschend. Der Peugeot schaffte es gar nur auf Rang 4, hinter den beiden Rebellion-Lola, deren viel Abtrieb produzierendes Chassis auf dem engen Hungaroring so gut passte wie nirgendwo sonst.

Watts war am Start gegen die großen LMP1-Maschinen chancenlos, war sich dessen auch bewusst und machte Platz. Er sortierte sich auf Rang 4 ein und hielt mit. Vor ihm jedoch duellierte sich für die erste Hälfte des Rennens der jeweilige Peugeot-Pilot zunächst mit Andrea Belicchi, dann mit Jean-Christophe Boullion. Der geringere Diesel-Verbrauch bescherte dem Oreca-Team im Laufe der Zeit eine größere Führung, auch einige Fehler der Rebellion-Piloten kamen dazu, wie es überhaupt viel Gerangel beim Überrunden und viele Ausrutscher auf dem wegen der Hitze rutschigen Asphalt gab.

Dann schlug nach etwa zwei Renndritteln das der Defektteufel zu: sowohl bei der Rebellion-#13 als auch beim Peugeot – der zu diesem Zeitpunkt schon Rundenvorsprung hatte – streikte beinahe zeitgleich das Getriebe, möglicherweise spielte auch hier die Hitze ein Rolle, wie beispielsweise bei den Orecas der Formula Le Mans-Klasse, die fast geschlossen ausfiel.

Da auch der zweite Rebellion-Lola sowie der Signature-Aston Martin mit Problemen zurückgefallen waren, erbten Leo und Greg Mansell, beobachtet von Vater Nigel in der Box, die LMP1-Führung – jedoch nicht die Gesamtführung, denn vor ihnen lagen stets fünf bis sechs LMP2-Fahrzeuge. Nachdem das Strakka-Team den Stint des vergleichsweise langsamen Gentleman Driver Nick Leventis (um den herum das Team überhaupt nur aufgebaut wurde) in Führung überstanden hatte, war ihnen der Sieg nicht mehr zu nehmen und so gab es den ersten Gesamtsieg in der Le Mans Series für ein LMP2-Team. Quifel-ASM, Oak, RML, Bruichladdich und Racing Box kamen jeweils mit Rundenabstand dahinter ins Ziel, erst dann mit dem Beechdean-Mansell-Ginetta der LMP1-Sieger.

Die Klassen GT1 und Formula Le Mans sind kaum der Rede wert: letztere löste sich im Laufe des Rennes auf, nur das die Meisterschaft anführende #43 DAMS-Auto (Barlesi/Cicognani/Chalandon) kam ohne technische Probleme über die Distanz. In der GT1 blieb nach einem äußerst heftigen Crash des eFX Atlas-Saleen, bei dem Carlo van Dam aber nicht zu Schaden kam, nur der Larbre-Saleen übrig. Das Atlas-Team wird das Fahrzeug wohl auch nicht bis Silverstone wieder aufbauen können, sodass Larbre Meister ist – nun steht nur noch ein einziges unverdient unrühmliches „Rennen“ für diese Klasse an.

In der GT2 schien es zunächst, als würde die Ferrari F430 der Teams AF Corse und CRS das Wochenende dominieren. In der Quali räumte man die ersten drei Plätze ab und auch im Rennen lagen lange drei Ferrari vorn. Doch je dunkler und kühler es wurde, desto stärker wurde das Felbermayr Proton-Team, bis Richard Lietz und Marc Lieb in Runde 154 die Führung übernahmen und sie nicht mehr hergaben. Andrew Kirkaldy versuchte alles, um den Sieg für CRS zu holen, bis kurz vor Schluss verfolgte er Lietz mit teilweise nur einigen Zehntelsekunden Abstand, doch vorbei kam er nicht und musste in den letzten Runden abreißen lassen.

Rang 3 erreichten dahinter Patrick Pilet und Raymond Narac mit einem eher unauffälligen Rennen, erst dann kamen zwei der drei AF Corse-Ferrari ins Ziel, Alesi/Fisichella/Vilander vor Alvaro Barba Lopez und Alvaro Parente, der sich bei seinem LMS-Debüt sehr wacker schlug. Für Rob Bell und Darren Turner reichte es nach dem vierten Rang in Portimao dieses Mal zu Platz 6, nachdem man das quälende Untersteuern der Startphase abstellen konnte.

Die Meisterschaft ist Richard Lietz und Marc Lieb nun kaum noch zu nehmen: 15 Punkte beträgt der Vorsprung auf Alesi/Fsichella/Vilander, genau so viele Zähler gibt es für den Rennsieg, einen weiteren kann man durch die Pole Position dazuverdienen.

Ähnlich ist der Stand der Dinge in der LMP2, wo RML sieglos, aber dank Konstanz um 13 Punkte vorn liegt. Strakka mag zwar das schnellste Team sein, aber zwei Ausfälle in nur vier Rennen haben die Meisterschaftschancen beinahe zunichte gemacht.

Wirklich spannend ist allerdings die Meisterschaft in der Königsklasse, der LMP1: hier haben beim Saisonfinale der Oreca-Peugeot (49 Punkte), der Signature Plus-Aston Martin (47), der #7 Audi R15 (44) und die beiden Rebellion-Lola (43 bzw. 41) noch Meisterschaftschancen. Zu beachten ist natürlich, dass in Silverstone die versammelte Werkskonkurrenz von Audi, Peugeot und Aston Martin am Start sein wird – das wird zumindest die Chancen von Signature und Rebellion minimieren, die Frage wird also sein, ob die Crew des Oreca-Peugeot es schafft, nicht mehr als sechs Punkte weniger zu holen als Audis Top-Besetzung Capello, McNish und Christensen in der #7.

American Le Mans Series

Der Sommer wird immer besser für Drayson Racing: zunächst die Zielankunft in Le Mans, dann der zweite Platz beim ALMS-Lauf in Utah, die erste Pole vor zwei Wochen in Mid-Ohio und nun die nächste Pole, wieder herausgefahren vom immer mehr aufblühenden Jonny Cocker. Seit dem Petit Le Mans 2009, also seit fast einem Jahr, fährt die britische Mannschaft in der LMP1-Klasse mit, bisher fehlte es aber stets an der Zuverlässigkeit oder am letzten Quentchen Glück. Bisher…

In dem unglaublich spannenden Sprit-Krimi von Elkhart Lake fiel die Entscheidung zwei Kurven vor der Zielflagge, als Klaus Graf im Cytosport-Porsche auf dem Weg zur Canada Corner nicht schnell genug am Robertson Ford GT vorbeikam und dann nach Kampflinie und mit magerem Benzingemisch nicht optimal aus der Kurve herausbeschleunigen konnte. Cocker nutzt die Chance und zog vorbei, nachdem er zwanzig Minuten vor Schluss seinen letzten Tankstopp eingelegt hatte. Und so räumte Drayson Racing alles ab, was es zu gewinnen gab: Gesamtsieg, Pole, Schnellste Rennrunde und den Sieg in der Green Challenge-Wertung der Prototypen. Außerdem dürfte es der erste Gesamtsieg für ein E85-befeuertes Fahrzeug in der ALMS gewesen sein.

Doch von Anfang an: Zunächst war es Johnny Mowlem im turbogeladenen Autocon-Lola, der in Führung ging und diese ganze 23 Runden lang halten konnte. Die zwar angeglichene, aber eigentlich ja für die LMP2 konstruierte Konkurrenz konnte mit den kleineren Motoren nicht mithalten, der Intersport-Lola erlag früh einem Motorschaden und seiner Lordschaft Paul Draysons ehrenvolle Aufgabe war es, konstant und fehlerfrei seinen Stint abzuspulen. Denn auf einer Strecke wie der Road America, wo die Spreu vom Weizen getrennt wird, kann der Privatier nicht mit Vollprofis a la Mowlem, Timo Bernhard und Simon Pagenaud mithalten. Drei bis vier Sekunden fehlten pro Runde, aber dieses Programm spulte er immerhin bis zum Fahrerwechsel gegen Rennmitte fehlerfrei und konstant ab. Ohne die Gelbphasen wäre es zwar wohl trotzdem schwierig gewesen, in der Führungsrunde zu bleiben, aber das Team hätte in dem Fall den Fahrerwechsel früher vornehmen können.

In Runde 23 streikte dann das Autocon-Getriebe, in der Folge kämpften Chris Dyson, Simon Pagenaud und Timo Bernhard um die Führung. Das Bild änderte sich mit der dritten Caution: Jonny Cocker übernahm den grünen Lola mit der #8. Draysons Rückstand war zum Glück des Teams von der Gelbphase wieder egalisiert worden, sodass Cocker sofort vorn mitmischen konnte: beim Restart nach einer weiteren Gelbphase  (aufgrund eines kuriosen Unfalls des GTC-Porsches von Bryce Miller) flog der junge Brite – der übrigens heute 24 Jahre alt wird! – am Porsche RS Spyder und dem HPD ARX-01c vorbei und ging in Führung.

Bis zu sechs Sekunden schneller fuhr er Cocker der Folge – die langen Geraden bevorteilen natürlich die LMP1-Fahrzeuge. Allerdings würde er noch einen weiteren Stopp einlegen müssen. Die SpeedTV-Kommentatoren wunderten sich, dass er das nicht während der letzten Caution getan hatte, aber der entscheidende Unterschied ist, dass Drayson im Gegensatz zu Highcroft, Dyson und Cytosport Konkurrenz den E85-Sprit nutzt, der aufgrund der geringeren Energiedichte einen höheren Verbrauch bedeutet. Dieser Nachteil kostete das Team in Salt Lake City den Sieg und auch hier sollte es wieder knapp werden

Zwanzig Minuten vor Schluss steuerte Cocker die Box an und stand entsprechend dem hohen Verbrauch auch vergleichsweise lange. Zwischen zwei und fünf Sekunden holte er danach jede Runde auf, kämpfte sich am Dyson-Lola und dem HPD vorbei und machte Jagd auf Graf im Porsche. Das Ergebnis ist bekannt, der Weg dahin sah so aus:

Der Tank war, wie Cytosport hinterher per Twitter mitteilte, wohl nicht leer, sonst hätte es Graf kaum noch den Berg hinauf geschafft, aber die Kombination aus knappem Sprit und der schwierigen Überrundung haben das Team wohl den Sieg gekostet. In der Meisterschaft hat Graf trotzdem drei Punkte auf Pagenaud und Brabham aufgeholt, der Rückstand beträgt noch 20 Punkte. Die sind theoretisch zwar aufholbar, aber bei der Konstanz des Highcroft-Teams, für die dieser dritte Platz das schlechteste Saisonergebnis war, wäre es zumindest überraschend.

In der GT-Klasse ging es ebenfalls hoch her, aber im Endeffekt war BMW nicht zu schlagen, auch wenn nur einer der beiden das Ziel erreichte. Für Bill Auberlen war bereits früh Feierabend, nachdem er in Runde 10 mit dem Flying Lizard-Porsche und Scott Tucker, dem LMPC-Meisterschaftsführenden, aneinandergeriet. Tucker und Auberlen schlugen auf dem Vollgasstück in Richtung Canada Corner hart ein, aber beide Fahrer waren in Ordnung. Es stellt sich die Frage, ob man die LMP Challenge-Boliden mit dem neuen Restriktor nicht vielleicht etwas zu sehr verlangsamt hat. Auf der langen Road America waren sie pro Runde nur sechs Sekunden schneller als die GT-Fahrzeuge.

Joey Hand und Dirk Müller im anderen BMW waren jedoch nicht zu stoppen und fuhren nach einem Jahr an gleicher Stelle den verdienten zweiten Sieg in der ALMS ein, vor Bergmeister/Long und den beiden Corvettes. Die Risi-Ferrari schwächelten: für Melo/Bruni und Salo/Kaffer reichte es nur für die Klassenränge 6 und 7.

Damit wächst die Führung des Flying Lizard-Duos um 10 auf 18 Punkte an, Müller/Hand haben gar gleichgezogen mit Melo/Kaffer. Bei noch zwei ausstehenden Rennen ist aber noch nichts entschieden, denn beim Saisonfinale, dem Petit Le Mans, werden 30 Punkte für den Sieg vergeben statt der bei den kürzeren Renndistanzen üblichen 20.

In der LMPC gewannen Gunnar Jeannette und Elton Julian, Jeannette rutscht somit bis auf vier Punkte an Scott Tucker heran, der dank seines Doppeleinsatzes in beiden Level5-Autos trotz des Unfalls noch 13 Zähler für den dritten Klassenrang retten konnte.

Die GTC-Klasse dominieren weiterhin Jeroen Bleekemolen und Timothy Pappas, nach dem vierten Sieg in fünf Rennen haben sie nun einen Vorteil von 21 Punkten gegenüber Andy Lally, der durch Verschulden seines für den verhinderten Henri Richard eingesprungenen Teamkollegen Duncan Ende nur acht Punkte einsammeln konnte, und Velox Motorsport-Pilot Shane Lewis.

Vor dem Rennen verkündete Serienchef Scott Atherton außerdem den Rennkalender für das Jahr 2011. Er wird mit zehn Rennen ein Event mehr umfassen als der diesjährige Kalender. Dies wird vermutlich ein gemeinsamer Auftritt mit der IndyCar-Serie auf dem Stadtkurs von Baltimore am ersten Septemberwochenende sein. Laut Atherton ist es ein „done deal“, der aber noch nicht offiziell verkündet werden könne – man wird das vermutlich gemeinsam mit der Ankündigung der IRL und den Baltimore-Organisatoren machen.

Die 12h von Sebring und das Petit Le Mans bilden traditionell den Rahmen der Serie, beide werden ja auch zur Intercontinental Le Mans Challenge gehören. Das in diesem Jahr auf sechs Stunden verlängerte Rennen auf dem Mazda Raceway Laguna Seca wird aus dem Mai in den September verschoben, was etwas schade ist, da es sich als letzter Test vor Le Mans für die US-Teams aufgrund der Rennlänge gut eignete. Möglicherweise hat mein bei der ALMS-Führung die Hoffnung, an diesem Termin Mitte September einige europäische Teams anzulocken, falls die LMS-Saison zu diesem Zeitpunkt bereits vorüber sein sollte.

Und dann ist da noch ein „To be decided“-Event am Vortag des Independence Day. Von den diesjährigen Rennen fehlt der Miller Motorsports Park im Kalender, ob an jedem datum dort gefahren wird, oder ob Atherton für dieses große Wochenende noch etwas anderes aus dem Ärmel zaubert, bleibt abzuwarten.

Außerdem verkündete der CEO der ALMS, dass man die Rennlängen wieder mehr variieren werde, auf Wunsch der Fans würde man über längere Distanzen für einige Rennen nachdenken, um den Endurance-Gedanken wieder mehr zu betonen. Der Road America-Lauf etwa war bis 2008 ein 4h-Rennen. Fraglich ist, wie gut sich das mit der TV-Berichterstattung vereinbaren lässt, die Probleme der Live-Übertragung langer Rennen kennt man ja in Europa.

Wer will, kann übrigens seit diesem Wochenende an der a

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