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December 03 2011

16:12

Formel Eins: Das Ende der FOTA?

Die Zeiten der Einigkeit bei den Teams ist vorbei. Ferrari und Red Bull haben die FOTA verlassen. Bernie Ecclestone wird es freuen.

Ein bisschen überraschend war die Meldung schon. Dass Ferrari mit der Arbeit der FOTA, der Teamvereinigung der Formel Eins, unzufrieden war, ist schon seit längerem bekannt. Aber Red Bull? Die hatten, zumindest offiziell, kaum Kritik an der FOTA. Gegründet wurde die FOTA Mitte 2008, ausgerechnet in Maranello. Ziel war es, gegenüber der FIA und der FOM (Ecclestone) in Zukunft mit einer gemeinsamen Stimme zu sprechen. Zuvor hatte es schon mehrfach derartige Organisationen gegeben, darunter auch die FOCA in den 80er Jahren, die Bernie Ecclestone gegründet hatte, um der damals allmächtigen FISA die Stirn zu bieten. Die FOCA existiert defacto noch, ist aber Teil des Ecclestone Imperiums. Vor der Gründung der FOTA verhandelten die Teams einzeln mit der FIA/FOM, was keine gute Position war. Die FOTA aber nicht nur gegründet, damit man in Zukunft eine höhere Beteiligung an den Einnahmen haben würde, sondern vor allem, um die von Max Mosley implementierte Kostengrenze von 40 Millionen Pfund umgehen zu können. Der Streit führte fast zum Bruch der Formel Eins im Jahr 2009. Und um die Kosten geht es auch jetzt.

2007, also noch vor der Gründung der FOTA, hatte man das “Resource Restriction Agreement” (RRA) unterzeichnet. Das sah vor, dass die Team nicht mehr als 40 Millionen Euro für externe Dienstleister (Windtunnel, CFD usw.) ausgeben dürfen. Die Zahl der Mitarbeiter wurde ebenso beschränkt, wie die Stundezahl der Windtunnel und andere Dinge. Der Vertrag sollte bis Ende 2012 laufen. Ende letzten Jahres einigte man sich auf ein neues Abkommen. Demnach sollen die externen Ausgaben auf 30 Millionen Euro ab 2012 gesenkt werden, die Zahl der Angestellten soll von 350 auf 315 sinken. Der Vertrag soll bis 2017 laufen.

Doch in diesem Jahr kam Ärger auf. Mercedes, McLaren und Ferrari beschuldigten, meist nur als Andeutung, dass Red Bull sich nicht an den Vertrag halten würde. Ross Brawn bezweifelte dies lautstark in Monza, als die Österreicher mit einem angeblich komplett neuen Unterboden und einem neuen Frontflügel anreisten.

Natürlich wird das RRA umgangen. Es wäre nicht die Formel Eins, wenn man keine Tricks finden würde. Und dabei wird auch noch offen geschummelt. Um an mehr Windkanaldaten zu kommen, haben viele Team schlicht und ergreifend Kooperationen geschlossen. McLaren lässt schon länger Force India in seinen Windkanal und nutzt teilweise deren Daten. Ähnliches macht man nun mit Marussia, es gibt sogar einen Mitarbeiter von McLaren, der das Team berät. Red Bull hat eine sehr tiefgehende Kooperartion mit der Renault/Nissan Tochter “Infinity” abgeschlossen, der Sinn sich erst dann erschließt, wenn man bedenkt, dass ein Autohersteller ganz hervorragende Windkanalanlagen hat und die Dinge tun kann, die man selbst nicht hinbekommt.

In die Röhre schauen dabei Ferrari, Mercedes, Renault (Lotus) und Williams, sowie Toro Rosso, Lotus (Caterham) und HRT. (Wobei HRT und Williams für 2012 eine technische Kooperation geschlossen haben und Toro Rosso ja immer noch zum Red Bull Konzern gehört). In den letzten zwei Jahren pilgerten auch etliche kleine Teams nach Köln zum alten Toyota-Werk, wo es viele Daten und einen hübschen Windkanal zu besichtigen gab.

Problematisch ist die Situation für Ferrari und Mercedes, die keine richtigen Partner haben. Ferrari dürfte mit Sauber Daten austauschen, den schicken und sehr modernen Windkanal in Hinwill nutzt man aber nicht. Dass der Mangel an Daten zu Problemen führen kann, hat man in diesem Jahr gesehen, wo Ferrari offenbar mit falschen Messdaten aus dem Windkanal kam. Man hatte keine Möglichkeit, die Ergebnisse in einem zweiten Kanal zu überprüfen. Bei Mercedes ist man noch isolierter, zu dem hat man sich wohl streng an das RRA gehalten. Zumindest bis dieses Jahr, aber nach dem man gefühlt fünf teuere Designer verpflichtet hat, wird man wohl etwas an der Entwicklungskostenschraube drehen. Aber warum verlassen nun Red Bull und Ferrari die FOTA?

Das RRA ist zwar nicht an die FOTA gekoppelt und stellt einen eigenen Vertrag dar, dennoch ist der Vertrag natürlich hinfällig, wenn sich keiner daran hält. Die Sanktionen, die die FOTA evtl. gegen Mitglieder aussprechen könnte fällt weg. Die faktische Kostenkontrolle wird schwieriger, zumal das RRA eh nur ein “Gentlemans Agreement” ist. Ferrari will offenbar mehr Geld ausgeben, was sie auch können, nachdem sie dieses Jahr allein 100 Millionen Euro aus dem gemeinsamen Geldpott der Formel Eins kassieren. Red Bull liegt mit 90 Millionen Euro nicht weit dahinter. Das Konto ist also gut gepolstert.

Es geht aber vermutlich nicht nur um die Geldausgaben, sondern auch um die Geldeinnahmen. Bekanntermaßen ist das Concorde Agreement fällig, 2012 wird man sich mit der FIA und der FOM, bzw. deren Nachfolger, auf eine neue Verteilung der Einnahmen einigen müssen. Und es ist keine Neuigkeit, dass die Teams mehr haben wollen, als die bisher gezahlten 50%. Ferrari hat seit Jahren einen Extra-Deal laufen, der ihnen (gerüchteweise) ca. 5% mehr Anteil garantiert, plus eine Garantiesumme der FIA.

Der Schlüssel für ein Concorde-Agreement ist seit je her Ferrari, denn Bernie ist der Meinung, dass es ohne Ferrari keine F1 geben kann. Hat Ecclestone die Italiener auf seiner Seite, ziehen die anderen meist nach. Kann also gut sein, dass sowohl Red Bull, als auch Ferrari aus der FOTA austreten wollen, weil sie einzeln mit Ecclestone über das Concorde Agreement reden wollen. Dazu kommt die Forderung von Ferrari nach mehr Testtagen und anderen Dingen, von der man nicht ablässt. Die FOTA will da einen anderen Weg einschlagen.

Überraschend ist der Entschluss von Ferrari allerdings noch aus einem ganz anderen Blickwinkel. Denn die Übernahme der F1 durch die Exmor/News Corp. Gruppe ist noch nicht vom Tisch. Zwar ist hat James Murdoch wegen des Überwachungsskandals in England gerade andere Probleme, aber das bedeutet nicht, dass man kein Interesse mehr an der F1 hätte. Der massive Ausbau von sky UK in Sachen F1 zeigt das auch deutlich. Wenn Ferrari allerdings aus der FOTA austritt, um mit Bernie einen Extra-Deal zu schliessen, scheint man sich zumindest bei Fiat nicht mehr sicher zu sein, was die Übernahme angeht. Mehr Sinn hätte es gemacht, wenn die FOTA sich auf der Seite von Exmor/News Corp. geschlagen hätten, um bei einer möglichen Übernahme in 2012 und einer Neuverhandlung des Concorde Agreements durch andere Personen als Ecclestone, mehr Anteile zu erhalten.

Gerüchteweise könnte das gesamte Übernahmeding aber sowieso platzen, denn Ecclestone denkt laut darüber nach, die Rechte an der F1 zurück zu kaufen um den ganzen Laden in Asien an die Börse zu bringen.

Es bleibt ein wenig nebulös, warum Red Bull und Ferrari sich zu diesem Schritt entschlossen haben. Angeblich soll es in dieser Woche ein (nun nicht mehr so) Geheimtreffen zwischen Ferrari, Red Bull, McLaren und Mercedes in Stuttgart geben. Ob dort versucht wird, die Scherben zu kitten, oder ob es um etwas anderes geht, ist nicht bekannt.

Wie merkwürdig die ganze Sache an sich, zeigt sich auch in der Pressemitteilung von Ferrari, die ich mal unkommentiert stehen lasse. Daran können sich ganze Armeen von Journalisten und Experten die nächsten Wochen tot analysieren.

“Ferrari has informed FOTA President Martin Whitmarsh that it is leaving the organisation made up of the teams competing in the Formula 1 World Championship.

“It was a difficult decision and a great deal of thought went into it. It was taken reluctantly after analysing the current situation and the stalemate when it came to debate on some issues that were at the core of why the association was formed, indeed with Ferrari and Luca di Montezemolo as the main instigator and promoter of ideas. It’s not by chance that the President of the Maranello company held that same position and job title within FOTA up to the end of 2009.

“Some of the major achievements of the association during these years, also worked out in conjunction with the FIA, centred around cost reduction, which was of significant benefit to everyone, the big teams and the small ones. Ferrari was on the front line in this area, even before the birth of FOTA and it intends to continue down this route to ensure the sustainability of the sport in the long term. Now however, it is necessary to find some new impetus to move it along because FOTA’s drive has run its course, despite the excellent work of current President, Martin Whitmarsh in trying to reach agreement between the various positions for the common good.

“Ferrari will continue to work with the other teams to make the current RRA, Resource Restriction Agreement, aimed at controlling costs, more effective and efficient, modifying it to make it more stringent in key areas such as aerodynamics, to rebalance some aspects such as testing and to expand it to areas currently not covered such as engines.

“Formula 1, like the rest of the world in fact, is currently going through a delicate period. Ferrari wants to work with all parties for the future of a sport that expresses the highest level of motor sport technology. We must return to a situation where Formula 1 is really a test bed for advanced technological research, the results of which can be transferred to Granturismo cars.

“In addition, we must not forget that this sport must become more user friendly and more accessible to the general public and furthermore, it cannot be the only professional sport where it is practically impossible to do any training: the number of days of testing must be increased so that the drivers, especially the young ones who lack experience and the teams, can be adequately prepared, as well as providing more opportunities for them to come into contact with spectators and sponsors.”

flattr this!

May 04 2011

17:06

Formel Eins: Verkauft die CVC an News Corp.?

Seit einigen Monaten gibt es Gerüchte, dass die CVC ihre Anteile an der Formel Eins abstoßen möchte. Nun gibt es ein konkretes Angebot eines Konsortiums, doch das wirft nur mehr Fragen auf.

Verliert Bernie Ecclestone die Kontrolle über die Formel Eins? Und warum ist die News Corp. so scharf darauf, die Rechte an der Formel Eins zu erwerben? Es gibt viele Fragen die seit gestern aufgetaucht sind, als bekannt wurde, dass die News Corp. zusammen mit einem Investmentunternehmen namens Exor an die CVC heran getreten ist. Man hat kein konkretes Angebot vorgelegt, aber offenbar der CVC zu verstehen gegeben, dass man eine “freundliche” Übernahme der Rechte im Sinn habe. Daher würde man die bisherigen Teilhaber ansprechen. Die CVC nahm das zur Kenntnis und dementierte halbherzig, dass man die Formel Eins verkaufen wollen würde. Doch was steckt eigentlich hinter der Sache? Wie üblich sind die Dinge kompliziert.

Da muss man zunächst mal die Spieler vorstellen, die da gerade unterwegs sind.

CVC – Rechteinhaber der Formel Eins
Bernie Ecclestone – Teilhaber der F1 und quasi deren Geschäftsführer
News Corp. – Medienkonzern, Besitzer von “sky”
Exor – Investmentfirma der Familie Agnelli (Fiat)
FIA - Sportbehörde, die die Rechte an der F1 an eine Firma von Ecclestone verpachtet hat
Luca di Montezemolo – Ferrari Chef, langjähriger Boss von Fiat
FOTA – Die F1 Team Vereinigung

Die CVC hat die Rechte an der Formel Eins im Jahr 2006 erworben. Sie lagen damals bei der Bayern LB, die die Rechte wiederum aus der Konkursmasse des Kirch Konzerns gezogen hatte. Da die Bank selber die Rechte nicht haben wollte hat Ecclestone einen Deal zwischen der Bank und der CVC vermittelt, denen seit dem 63.3% der Formel Eins gehören. Das Geschäft selber sollte noch ein Nachspiel haben.

Die spannende Frage war aber schon immer, was die CVC da eigentlich gekauft hat. Das von Ecclestone und teilweise Max Mosley entwickelte Firmenkonstrukt der F1 ist unüberschaubar, eine Albtraum für jeden, der investieren möchte. In meinem (mittlerweile nicht mehr ganz aktuellen) Artikel habe ich mal versucht das aufzuschlüsseln. Theoretisch ist mittlerweile alles unter dem Dach der Firma “Delta Topco” gelandet, von der Bernie Ecclestone der Geschäftsführer ist. (Bild von Joe Saward)

Das wäre aber die einfache Variante, von der viele nicht glauben, dass sie so existiert. Ecclestone hat verschiedene Rechte auf verschiedene Firmen verteilt. Im Grunde geht es aber um drei Dinge: Die TV-Vermarktungsrechte, Namensrechte und die Deals, die Ecclestone mit den Strecken und deren Sponsoren abschließt. Hier liegt das große Geld versteckt, daran verdienen alle. Wem hier aber welche Rechte gehören, ist Preisfrage. Ecclestone hat neulich erst einen Teil dieser Rechte von der FOM zur neu gegründeten “Formule One World Championship Ltd” geschoben. Es gibt nicht wenige, die behaupten, dass die CVC eigentlich Bernie nur das Geld gegeben hat, damit der die F1 weiter unter Kontrolle hat. Die CVC verdient Geld, Bernie hat die Macht, alle sind glücklich.

Das lief wohl eine Zeit auch gut, aber seit rund 18 Monaten tut sich etwas hinter den Kulissen. Da war zunächst der Krach zwischen der FIA und der FOTA um die Budget-Grenzen, die im Sommer 2009 fast zur Bildung einer Konkurrenzserie geführt hätte. Wäre das passiert, hätte die CVC plötzlich eine wertlose 3 Milliarden Dollar Investition in den Händen gehabt. Kann gut sein, dass man sich in der Zeit darüber klar geworden ist, dass die F1 als Sport kein sicheres Investment ist. Im letzten Jahr ist Ecclestone dann auffällig oft im Nahen Osten unterwegs gewesen und das Gerücht ging herum, dass er Investoren sucht, die der CVC ihre Anteile abkaufen sollen. Bestätigt ist das zwar nicht, aber wenn Ecclestone mitbekommen hat, dass die CVC aussteigen möchte, wäre es ein logischer Schritt. Vielleicht hat die CVC Ecclestone auch selber ausgeschickt, aber der Brite blieb erfolglos.

Seit Anfang des Jahres haben sie die Ereignisse beschleunigt. Zum einen gab es die Verhaftung von Gerhard Gribkowsky, früherer Risikovorstand von Bayerns Landesbank, der damals die F1 Rechte verkauft hatte. Die Bayern LB wollte wohl meistbietend verkaufen, entschied sich aber dann doch für die CVC, die Ecclestone angeschleppt hatte. Gribkowsky soll von Ecclestone 50 Millionen Dollar erhalten haben, wobei es unterschiedliche Aussagen über den Hintergrund der Zahlung gibt.

Die Ermittlungen der Münchner Staatsanwaltschaft überraschten die CVC, die wiederum im Februar Ernst & Young und die Anwaltsfirma “Freshfields Bruckhaus Deringer” damit beauftragte, die Hintergründe des Deals genau zu durchleuchten. Interessanterweise sickerte die Nachricht über die Nachforschungen damals über den Sender “sky” durch.

Im März hatte sky dann die nächste exklusive Meldung, als man vermeldete, dass die CVC eventuell einen Nachfolger für Bernie Ecclestone suchen würde. Ob das stimmt, oder ob sky sich das was aus den Fingern gezogen hat, ist dann eine weitere Frage. Vielleicht war das auch nur ein Schuss ins Blaue um die Investoren nervös zu machen. Die zeitliche Nähe zu den Ermittlungen sowohl der Staatsanwaltschaft, als auch der CVC und die Nähe zu den ersten Gerüchten, dass die News Corp. an der F1 interessiert ist, ist jedenfalls interessant.

Ende März tauchte dann die Meldung auf (wieder bei sky), dass die News Corp. zusammen mit Carlos Slim, angeblich reichster Mann der Welt und Sponsor von SauberF1, und einem Hersteller die F1-Rechte erwerben wolle. Offenbar war das eine Finte. Denn seit gestern ist klar, dass man sich mit Exor zusammen getan hat. Exor ist wiederum eine Investmentgesellschaft, die der Agnelli-Familie gehört und zu 30% an Fiat beteiligt sind, denen wiederum zu 90% Ferrari gehört.

Selbst wenn die Offerte ernst gemeint ist, stellt sich die Frage, ob eine solche Übernahme tatsächlich über die Bühne gehen könnte. Die F1 ist privater Hand, eine Einmischung durch einen Medienkonzern, der die TV-Rechte verkauft und einem Hersteller, der in er F1 vertreten ist, dürfte bei den EU Wächtern nicht auf sonderlich viel Gegenliebe stoßen. Die News Corp. hat in den letzten Jahren schon massiv Probleme mit der EU gehabt, weil man die Premier League Rechte komplett in der Hand hielt. Auf der anderen Seite sucht die News Corp. gerade nach neuen Geschäftsfeldern, da ihr klassischer Printmarkt bekanntermaßen nicht gerade die Zukunft darstellt. Mit der F1 lässt sich aber gut und langfristig Geld verdienen und man hat selber ein hohes Interesse daran, die TV-Rechte meistbietend weltweit zu verkaufen.

Klar ist bis zu diesem Punkt, dass ein Verkauf der F1 Bernie Ecclestone seinen Job kosten würde. Die CVC hat dem Ansinnen des News Corp./Exor Konsortiums bisher nur eine halbherzige Absage erteilt, in dem man einen Verkauf zum “jetzigen Zeitpunkt” ausschloss. Anders gesagt: “Mal sehen, was ihr auf den Tisch legt”. Und das offenbar, ohne ihren obersten Geschäftsführer zu fragen.

Doch vermutlich ist die Sache noch komplizierter, als es den Anschein hat. Denn in dem ganzen Spiel gibt es noch die FIA, die FOTA ein Concorde Agreement und Luca di Montezemolo.

Es gibt zwei Ebenen, die da zusammenspielen:

1. Das Concorde Agreement
Das regelt die Verteilung der eingenommen Geldern. Bisher bekommen die Teams 50%, was diese als zu wenig empfinden. Das Argument, dass man als Team schließlich die Investition hätte, damit die F1 läuft und man deswegen auch mehr Geld bekommen müsse, wischt Ecclestone regelmäßig mit der Antwort vom Tisch, dass die Teams schließlich Geld verdienen, man solle nicht so gierig sein. Das momentane Agreement läuft Ende des Jahres aus, bisher gibt es keine Mitteilung, wie die Verhandlungen laufen. Ein neuer Besitzer mit dem man ohne Ecclestone neue Bedingungen aushandeln kann, wäre also durchaus willkommen. Auch wenn es nur noch Mercedes und Ferrari als Hersteller in der Serie gibt, sind die meisten Teams an mehr Geld interessiert. Dazu kommt, dass etliche arabische Firmen hinter den Teams stecken (besonders Mercedes und McLaren), die wiederum nie ein gutes Geschäft auslassen und seit nicht ewig auf den Öl- und Immobilienboom in ihrer Region bauen wollen.

2. Die FOTA und vor allem Luca di Montezemolo
Beide sind unzufrieden mit der FIA und Ecclestone. Mit der FIA, weil diese auf der Einführung neuer “grüner” Motoren besteht, die 2013 kommen sollen, und ein Millioneninvestment darstellen und weil die FIA den Sport zu sehr regulieren würde. Montezemolo fordert seit zwei Jahren den Einsatz eines dritten Wagens, was die FIA immer wieder ablehnt. Gleichzeitig gibt es viel Unmut darüber, dass die F1 die neuen Medien mehr oder weniger ignoriert und nicht vermarktet. Mit einem HD-Stream ließe sich vermutlich viel Geld verdienen, gleichzeitig macht Ecclestone zu wenig, um den Pay-TV Sendern zusätzliche Inhalte anzubieten.

Der Erfolg der F1 steht und fällt mit Ferrari. Ecclestone hat mehrere Versuche, eine Piratenserie zu starten, immer erfolgreich abwehren können, weil er Ferrari an seiner Seite hatte. Die haben sich ihre Treue teilweise mit viel Geld bezahlen lassen, aber in diesem Fall ist nicht so ganz klar, wo sie stehen. Ich vermute aber nicht auf der Seite von Ecclestone, denn der Geschäftsführer von Exor, John Elkann (Enkel von Gianni Agnelli), ist von 2004 bis 2010 bei Luca di Montezemolo “zur Schule” gegangen, als er dessen Vizepräsident bei der Fiat-Gruppe wurde. Vor einem Jahr löste er seinen Mentor dann ab. Es ist unwahrscheinlich, dass Elkann einen derartigen Schritt unternimmt, ohne dass di Montezemolo etwas davon wusste, bzw. ohne dass man ihn um Rat gefragt hat. Meiner Meinung nach hat sich Montezemolo recht geschickt in eine Position gebracht, die ihn an die Spitze der F1 bringen könnte. Die News Corp. interessiert die F1 nicht, die nehmen das, was Geld bringt, die Einmischung von Exor macht nur Sinn, wenn man an Montezemolo denkt.

Doch dann ist da noch die FIA. Die haben zwar die Rechte an der F1 für 99 Jahre an eine Unterfirma von Ecclestone verpachtet, aber die FIA hat bei einem Besitzerwechsel ein Veto-Recht. Wenn Jean Todt möchte, könnte er also die Rechte wieder eintreiben, der neue Besitzer müsste dann mit der FIA neu verhandeln, oder man hätte eine wertlose Hülle in der Hand. Eine Piratenserie unter eigener Schirmherrschaft zu starten wäre auch schwierig, weil die FIA die Hand auf den meisten Strecken hat. Zwar kann die FIA den Streckenbesitzern nicht verbieten eine Piratenserie starten zu lassen, aber die müssten dann vermutlich sehen, wo sie FIA Serien herbekommen. Todt und Montezemolo verbindet zwar die gemeinsame Zeit bei Ferrari, allerdings heißt es, dass Jean Todt vor ein paar Jahren um Unfrieden von Ferrari gegangen ist, weil di Montezemolo ihn nicht mehr dort haben wollte. Das sind allerdings Spekulationen.

Ich bin mir noch nicht so ganz sicher, was das Theater im Moment soll. Die Kollegen von Pitpass tappen auch im Dunkeln, vermuten aber auch, dass die Ankündigung von News Corp./Exor ein Ablenkungsmanöver ist. Jedenfalls läuft da schon länger etwas hinter den Kulissen, denn man kündigt kaum eine freundliche Übernahme auf dem Weg an und schaut dann mal, was daraus wird. Der Aktienkurs von Exor ist dann heute auch gleich mal um 2% in den Keller gegangen. Offenbar misstrauen die Anleger der Sache, obwohl Exor vermutlich das Geld hat um die Rechte auch alleine kaufen zu können.

Klar ist aber, dass Ecclestone unter Druck steht, weil die CVC offenbar nicht mehr so ganz zufrieden mit ihm ist. Die andauernden Vertraulichkeiten aus dem Hause der CVC, die ausgerechnet und immer über sky rausposaunt werden, sind schon sehr auffällig. Am Ende bleibt aber halt die Frage, welche Rechte genau Ecclestone über sein Universum an Firmen noch in der Hand hält. Es müssen ein paar mehr sein, denn sonst könnte die CVC Ecclestone als Angestellten einfach ersetzen. Es besteht die Möglichkeit, dass die CVC die F1-Rechte schon länger verkaufen möchte und Ecclestone vertraglich die erste Option auf einen Kauf hatte. Ebenso, dass er sich eine unkündbare Anstellung auf “Lebenszeit” bei der CVC gesichert hatte, um die Kontrolle über sein Imperium zu wahren. Wenn er die Option nicht einlösen konnte, macht der Schritt der CVC in Richtung News Corp. Sinn. Es würde auch bedeuten, dass sein Deal mit der CVC hinfällig ist und er unter einem neuen Besitzer seinen Schreibtisch räumen müsste.

Wie gesagt, da steckt sehr viel Spekulation drin, die nächsten Monate werden zeigen, wie es weiter geht. Das Thema wird uns wohl noch längere Zeit begleiten.

November 03 2010

07:38

Ferner liefen: Die Newshappen

// Nach Informationen der FAZ hat sich der Volkswagen-Konzern gegen den Einstieg in die Formel 1 entschieden. Weder wird man mit einem eigenen Team antreten, noch andere Teams mit Motoren beliefern. In den letzten Wochen gab es Spekulationen etwa über eine Rückkehr von Porsche in die Königsklasse. Entsprechende Analysen und Konzepte wurden wohl auch ausgearbeitet, letztlich nun aber verworfen. Stattdessen könnte es ein Engagement in der WRC geben, ebenso lässt der Artikel die Vermutung anklingen, es könne einen Porsche-Prototypen in Le Mans geben. (Stefan)

// HRT wird, sofern man den Winter finanziell überlebt, im kommenden Jahr Getriebe von Williams nutzen. Derzeit setzt man ja, so wie auch die anderen Newcomer Lotus und Virgin Getriebe von Xtrac – mit diesen Produkten ist aber keines der Teams wirklich zufrieden. Lotus wird aller Wahrscheinlichkeit im kommenden Jahr auch beim Getriebe auf Renault setzen, einzig Virgin scheint noch keinen Ersatz gefunden zu haben. Die Kooperation mit Williams ist für HRT jedenfalls nahe liegend – benützt das Team doch als einzige der etablierten Mannschaften ebenfalls Cosworth-Motoren. (Vorsicht)

// Während HRT also noch mit grundsätzlicheren Planungen beschäftigt ist, beschäftigen sich die anderen beiden Newcomer-Teams schon intensiver mit den Fahrerpaarungen für 2011. So soll bei Lotus Jarno Trulli vor der Ablöse stehen – und zwar angeblich durch Bruno Senna. Der hat sich zwar in seinem ersten Jahr nicht durch großartige fahrerische Leistungen profilieren können und hatte in Japan und Korea sogar mit Sakon Yamamoto zu kämpfen. Aber Senna im Lotus-Renault – das hätte trotzdem was. Jarno Trulli wird unterdessen nachgesagt, er könnte sich im kommenden Jahr womöglich in Richtung NASCAR orientieren, sollte es mit der Formel 1 tatsächlich nichts mehr werden. Bei Virgin scheinen sich derweil die Anzeichen zu verdichten, dass Neo-Testfahrer Jerome D’Ambrosio 2011 vor einen Beförderung zum Einsatzpiloten stehen könnte. (Vorsicht)

// Ex-HRT Pilot Karun Chandhok wird in diesem Jahr wohl nicht mehr in einem Formel 1 Auto zu sehen sein – zumindest hat der Inder selbst kürzlich in einem Interview bestätigt, dass seine Aufmerksamkeit nun einem Cockpit für 2011 gelte. Und da will er angeblich derzeit mit drei Teams in Gesprächen über ein Renncockpit stehen – um welche Mannschaften es sich dabei konkret handeln könnte, ist allerdings unklar. (Vorsicht)

// Etwas überraschend: Vergangene Woche hat Mercedes GP bekannt gegeben, dass beim Junior-Test in Abu Dhabi der britische Youngster Sam Bird im Cockpit sitzen wird. Nicht bekannt ist, welche Gründe für die Wahl des aktuell Fünften in der GP2-Meisterschaft ausschlaggebend waren, und ob Mercedes konkrete Zukunftspläne mit dem ART-Piloten hat. (Vorsicht)

// Bernie Ecclestone setzt derweil seine beliebte Serie kontroversieller Interviews fort, und zwar in der Financial Times. Kernaussagen diesmal: Bernie ist von den neuen Teams enttäuscht, und meint wörtlich, er würde gerne “ein paar dieser Krüppel” wieder loswerden. Gemeint ist damit wohl im wesentlichen HRT – auch bei Virgin rät er allerdings Richard Branson dringend dazu, finanziell eine Schippe nachzulegen. Sonst habe einzig Lotus eine realistische Zukunftsperspektive. Joe Saward spekuliert, dass hinter Bernies wiederholten Attacken auf die kleinen Teams ein finanzielles Motiv stecken könnte. Das in der Konstrukteurs-WM elft- und zwölftplatzierte Team erhält nämlich gemäß dem bis 2012 gültigen Concorde-Agreement je 10 Millionen Dollar aus einem speziellen Topf. Dieses Geld könnte sich die FOM aber behalten, wenn es nur zehn Team gäbe. (Vorsicht)

// Fraglich ist demnach auch, ob es wirklich schon 2011 eine HD-Übertragung von der Königsklasse geben soll – zumindest Onboard-Aufnahmen sind laut Ecclestone keinesfalls in HD möglich, da die Kameras dafür zu groß seien. Dem entgegen steht die Nachricht, dass der brasilianische TV-Sender Globo kürzlich bestätigt haben soll, die Formel 1 im kommenden Jahr in nativem HD zu übertragen. (Vorsicht)

// Stecken die Planungen für den US-Grand Prix 2012 nun doch in Problemen? Ein internes Planungsdokument, das von Austin News KXAN veröffentlicht wurde, spricht von einer Bauzeit von 24 Monaten – bei einem Baubeginn im Dezember dieses Jahres also zu lange für einen Grand Prix im Juni 2012. Die Planungsgesellschaft spricht in einer ersten Reaktion von einem Missverständnis – in den 24 Monaten sei auch die längt angelaufene Planungsphase mit einbegriffen. Das Dokument listet übrigens auch eine ganze Reihe von Serien auf, die die Veranstalter neben der F1 auf die Strecke locken möchten – darunter die NASCAR, Indycar und die “Moro GP” (sic). (Vorsicht)

// In Bulgarien schreiten die Planungen für den möglichen Bau einer Formel 1-Strecke dagegen voran – angeblich möchte man im Dezember so weit sein, mit Bernie Ecclestone einen Vertrag abzuschließen. Schon 2012 könnte der Lauf dann auf dem Kalender stehen. Das wiederum könnte die Rennen in der Türkei und in Ungarn gefährden – meint jedenfalls Organisator Bogdan Nikolov. Um auch abseits der Formel 1 Betrieb auf die Strecke zu locken, plant man in Bulgarien ein ganz besonderes Feature – eine Art Bodenheizung, die den Asphalt stets auf einer konstanten Temperatur halten soll. (Vorsicht)

// Peugeot hat vergangene Woche in Monza eine Übergangsversion seines LMP1 getestet. Auffälligste Neuerungen an dem bislang 90X genannten Fahrzeug waren die nach dem 2011er Reglement vorgeschriebene Finne über der Heckverkleidung, die Airbox auf dem (weiterhin geschlossenen) Cockpit und die Heckpartie. Die Motorabdeckung ist nun flacher, der Heckflügel hängt an zwei “Schwanenhälsen” und die Auspuffrohre enden am Heck, nicht wie bisher seitlich vor den Hinterrädern, diese drei Eigenschaften teilt sich das neue Modell mit dem Audi R15. Die Konfiguration des hinteren Fahrzeugendes ist aber noch nicht abschließend, ebenso ist laut technischem Direktor Bruno Famin noch unklar, mit welchem Motor der 908-Nachfolger ausgerüstet wird; motorsport-aktuell.com jedoch schreibt, es sei ein neuer Hybrid-Dieselmotor an Bord gewesen. Einige Bilder gibt es hier. (Stefan)

// Knalleffekt bei der Formel 2: Der britische TV-Kommentator Ben Constanduros meldet, dass die Nachwuchsformel 2011 nicht mehr im Rahmenprogramm der WTCC startet – damit wird die F2 sehr wahrscheinlich auch nicht mehr auf Eurosport zu sehen sein. Erstaunlich ist, dass die Trennung angeblich von der F2-Betreiberin Motorsport Vision ausgegangen sein soll – die fühlte sich nämlich von der WTCC stiefmütterlich behandelt, weil in Monza 2011 die Formel Renault 3.5 in deren Rahmenprogramm an den Start gehen wird. Zudem war man wohl bei Eurosport auch mit der Rolle der “zweiten Geige” hinter der WTCC unzufrieden. Im Rahmen welcher Serie die F2 nun im kommenden Jahr an den Start geht, ist bisher unbekannt – und auch, wo und ob man die Rennen im TV sehen kann ist fraglich. Ebenfalls unklar ist zur Stunde, welche Serie nun die WTCC unterstützen soll – angeblich arbeitet man bei Eurosport aber schon an Ersatz. (Vorsicht)

// Turbulente Woche auch bei den Indycars: Tony Kanaan wurde endgültig von Andretti Autosport aus seinem laufenden Vertrag entlassen, und “darf” sich nun bei anderen Teams nach einem Cockpit umsehen. Nur wenige Stunden später gab das Team dann dafür die Verpflichtung von Ryan Hunter-Reay bis 2012 bekannt. Dem Vernehmen nach hat man sich bei Andretti finanziell etwas verrant: Im Vertrauen darauf, dass 7-Eleven als Kanaan-Sponsor erhalten bleibt, hat man angeblich schon direkt nach dem Indy 500 einen zweijährigen Vertrag mit “RHR” unterfertigt – und so die verbleibenden Sponsoren an den Texaner gebunden. Als 7-Eleven dann unerwartet doch absprang, stand das Team mit einem ausfinanzierten Auto und an Hunter-Reay gebundenen Geldgebern da – aber hatte plötzlich kein Geld mehr für Teamleader Kanaan. Verständlich, dass der Brasilianer im Moment nicht so gut auf die Mannschaft zu sprechen sein soll. (Vorsicht)

// Ein Top-Cockpit soll dagegen Graham Rahal ergattert haben – Gerüchte sprechen davon, dass der Jungstar im kommenden Jahr für Chip Ganassi starten wird. Ein Grund zur Besorgnis für Fans von Dario Franchitti und Scott Dixon ist das aber nicht. Denn Rahal bringt über eigene Sponsoren angeblich um die 10 Millionen Dollar mit – genug für ein drittes Ganassi-Auto neben den beiden Stammpiloten. (Vorsicht)

// Ebenfalls der IRL erhalten bleibt Rookie Bertrand Baguette – das hat er zumindest der belgischen Nachrichtenagentur Belga erzählt. Details zu einem konkreten Vertrag mit einem Team sind nicht bekannt. (Vorsicht)

// Das Team von Signature Plus hat derweil bekannt gegeben, dass man 2011 in der F3 Euroseries mit dem aktuellen F3-Cup Vizemeister Daniel Abt an den Start gehen will. Was ja auch dafür sprechen würde, dass das Team 1) davon ausgeht, dass es im kommenden eine F3 Euroeries geben wird, und, dass man 2) dort auch wirklich teilnehmen will. (Vorsicht)

// Zwei Neuigkeiten gibt es in dieser Woche auch von den australischen V8 Supercars:
- Einerseits sind Gerüchte aufgetaucht, wonach BMW daran interssiert sein könnte, ab 2012 in der Serie zu starten. Und zwar dann, wenn das neue Reglement jenem der “neuen” DTM ausreichend ähnlich ist, um mit einem geringfügig umgebauten Auto in beiden Serien antreten zu können.
- Und andererseits gibt es einen Kalender für die Saison 2011. Viele Änderungen sind diesmal nicht dabei – es wird allerdings mit Abu Dhabi nur noch ein Rennen im Nahen Osten geben, Bahrain wurde aus dem Kalender entfernt. Dafür kehrt Barbagallo Raceway nahe Perth zurück. Das ist ein wenig erstaunlich, weil man der Strecke in diesem Jahr aus Sicherheitsgründen den Rücken gekehrt hatte – die notwendigen Umbauten sollen aber erst 2012 abgeschlossen sein.

1. 12. Februar – Abu Dhabi
2. 20. März – Adelaide
Ohne Punkte: 27. März – Royal Albert Park (F1-Rahmenprogramm)
3. 17. April – Hamilton
4. 8. Mai – Barbagallo
5. 19. Juni – Hidden Valley
6. 10. Juli – Townsville
7. 21. August – Queensland Raceway
8. 18. September – Phillip Island
9. 9. Oktober – Bathurst
10. 23. Oktober –  Surfers Paradise
11. 13. November – Symmons Plains
12. 20. November – Sandown
13. 4. Dezember – Sydney
(Vorsicht)

// LMS: OAK Racing wird für 2011 das offzielle Entwicklunsteam für die Reifen von Dunlop in den LMP-Klassen. GT-Eins berichtet indes auch darüber, dass das Team ab 2011 mit 3,4 Liter Judd Motoren in der LMP1 am Start sein wird. (Flo aus N.)

// Dallara bastelt derweil schon eifirg am neuen Chassis für die Indy Car Series, welche ab 2012 mit einem neuem Chassis antreten will. Zur Zeit konzentriert man sich auf die sogenannte “Safety-Cell(Flo aus N.)

September 28 2010

15:30

TV-Rechte: Keine Formel 1 mehr auf sky?

Erst war es nur ein Gerücht, mittlerweile hat sky es offiziell bestätigt. Man überlegt, die Formel Eins aus dem Programm zu nehmen.

Seit Anfang des Jahres macht das Gerücht die Runde, dass sky seine langjährige Berichterstattung über die Formel Eins zum Jahresende einstellt, da der Vertrag mit Ecclestone Ende 2010 ausläuft. Die Gründe dafür sind vielfältig. Der Sender ist weiterhin hochdefizitär und muss an allen Ecken und Enden sparen. Bernie Ecclestone verkauft die Rechte über die FOM aber nicht zum Schleuderpreis, schon gar nicht, wenn mit Vettel, Schumacher, Mercedes und den anderen Deutschen jede Menge Siegesanwärter unterwegs unterwegs. 2007, bei der letzten Runden der TV-Rechte, hat die FOM angeblich zähneknirschend einer Einfrierung der Lizenzgelder zugestimmt, das wird 2010 aber anders sein. Nicht nur wegen Vettel, sondern auch, weil Ecclestone die Einnahmeausfälle bei den Veranstaltern (Kanada, Spa, England, Deutschland) kompensieren muss. Bisher war es quasi undenkbar, dass sky die F1-Rechte aufgibt. Immerhin galt die F1 als zweites Standbein des Senders, die, rechnet man DF1 hinzu, seit fast 20 15 Jahren von allen Rennstrecken live berichten. sky-Vorstandsmitglied Carsten Schmidt hat nun aber bestätigt, dass die F1 auf dem “Prüfstand” stehen würde.


Auslöser für die neuerlichen Spekulationen ist ein Artikel in den Stuttgarter Nachrichten, den der Kollege dogfood von “allesaussersport” per Twitter ausgegraben hat. In diesem Artikel steht dann der Absatz:

Stattdessen droht ein Verlust im Angebot von Sky. Zum Saisonende enden die TV-Rechte an der Formel 1. “Uns bewegt die Frage: Womit legen wir im Neukundengeschäft zu?”, sagt Carsten Schmidt. Die Königsklasse des Motorsports zählt nicht dazu – auch deshalb, weil RTL mit seiner Formel-1-Berichterstattung eine (zu) starke Konkurrenz darstellt. “Die Formel 1 ist als Abo-Grund ein geringer”, sagt Schmidt, “deshalb steht sie bei uns auf dem Prüfstand.” Womöglich ist das erst der Anfang.

Die Aussage ist nicht neu, dass sie allerdings zum jetzigen Zeitpunkt noch einmal wiederholt wird, ist schon bemerkenswert. Denn immerhin befindet man sich gerade mit der FOM in Verhandlungen über eine Vertragsverlängerung. Die erworbenen Pay-TV Rechte laufen Ende des Jahres aus und müssten erneuert werden. Schmidt betont, dass eine Weiterführung der Rechte aus betriebswirtschaftlichen Gründen uninteressant sei, weil man mit der F1 keine Neukunden mehr gewinnen könne. Langjährige Kunden des Senders kennen das Argument recht gut, es wurde auch benutzt, als man die NASCAR und die NFL-Rechte sang- und klanglos abgab. Wenn bei sky etwas auf dem Prüfstand steht, dann verschwindet es der Regel nach auch meist.

Im Moment gibt es laut meinen Informationen hinter den Kulissen viel Bewegung. sky ist angeblich nicht der einzige Bieter in Sachen Pay-TV-Rechte, sondern bietet gegen RTL, die die HD-Übertragung auf den HD+ Kanal teilweise auslagern könnten und einen weiteren alten Bekannten: Servus TV, bzw. Red Bull TV. Seit dem die Österreicher im Frühjahr die NASCAR ins Programm gehievt haben, wollen die Gerüchte nicht verstummen, dass Red Bull im Hintergrund an einem eigenen Sportsender arbeitet, der die vielfältigen und sehr breit gestreuten Sponsoringabenteuer in diversen Sportarten endlich auf eine gemeinsame Marketingplattform stellt. Im Printbereich hat das mit der “Speedweek” zwar nur semi-erfolgreich geklappt, ein Sender, der sich auf Konserven und ein paar Liveevents stützt, könnte aber besser laufen.

Ein mögliches, sehr spekulatives, Szenario könnte demnach so aussehen: Red Bull TV erwirbt die Rechte von der FOM, startet einen eigenen Sender, der dann aber ins Welt-Paket von sky eingespeist wird. Denn Servus kann die Rechte nicht ausstrahlen, weil sowohl der ORF, als auch RTL bis Ende 2011 auf den Free-TV Austrahlungsrechten sitzen. Es gibt ein paar Dinge, die für die Red Bull Variante sprechen:

1. In der Servus / Red Bull Redaktion sitzen jetzt schon große Teile der alten Premiere/sky Redaktion.
2. Die Übertragung der NASCAR auf dem Open Accsess Stream ist angeblich von Red Bull bezahlt.
3. Die eigenen Berichte von Servus aus den USA könnten ein Test sein, wie man eine F1 Übertragung auf die Reihe bekommt.
4. Jacques Schulz ist bei Servus öfter zu sehen und zu hören als bei sky.

Es gibt allerdings auch ein zwei Gründe, die gegen diese Variante sprechen:

1. Die Kosten. Auch Red Bull wird kaum Lust haben geschätzte 80 bis 100 Millionen Dollar für fünf Jahre F1 Pay-TV Rechte zu bezahlen, wenn es kein Finanzierungsmodell gibt. Dazu kommen die Produktionskosten, die Red Bull aber nicht weiter belasten, weil man eh einen Pressestab vor Ort hat.
2. Die Verbreitung. Macht nur Sinn, wenn man den Sender entweder über das sky-Weltpaket oder die Zusatzpakete der Kabelanbieter verkauft. Beide Varianten kosten aber a) Geld und b) ist die Frage, ob man für den Sender Platz in den engen Kabelnetzen findet. Ein Tausch Servus gegen Red Bull TV wäre aber möglich.

Natürlich kann das alles Quatsch sein und es gibt 2011 eben keine Pay-TV Übertragung mehr in Deutschland.

Das sky die Rechte fallen lassen könnte, ist nicht unwahrscheinlich. Verschiedene Quellen haben mir dafür folgende Gründe genannt:

1. Die FOM will keinen 3, sondern einen 5 Jahresvertrag abschliessen.
2. Man will sky dazu verpflichten zusätzlich die GP3 live zu senden, was die Produktionskosten für sky weiter erhöhen würde.
3. Der Preis der Rechte steigt deutlich.
4. HD soll extra kosten.

Angesichts der finanziell engen Lage bei sky und der Tatsache, dass dem Sender auch neue Verhandlungen bezüglich der Bundesliga in den nächsten zwei Jahren ins Haus stehen, kann man eine gewisse Vorsicht gegenüber einer langfristigen und teuren Bindung an die Formel 1 nachvollziehen. Auf der anderen Seite sendet sky ein veheerendes Signal an die Bestandskunden (“Ihr seid unwichtig”) und die Aktienmärkte, weil man zugibt, dass man nicht mal mehr das Geld hat, einen bisher wichtigen Bestandteil des Senders zu finanzieren. Die Argumentation von sky, die F1 würde keine Neukunden mehr bringen, mag in Teilen stimmen, aber der Sender müht sich auch nicht gerade damit ab, die F1 Übertragungen so zu gestalten, dass man unbedingt zu sky wechseln muss. Der “Silberpfeilkanal” ist kein Argument, die schwache Vor- und Nachberichterstattung ebenfalls nicht. Ein Argument für den Verbleib des F1 könnte HD sein, wenn Bernie, wie er angedeutet hat, denn 2011 endlich damit startet. Dafür müsste sky die HD-Rechte aber exklusiv haben, was wiederum Geld kostet.

Eine weitere Frage ist: Braucht die FOM sky und kann es sich Bernie leisten, auf die zusätzlichen Einnahmen zu verzichten? Das ist schwer zu beantworten, denn einerseits sind die Zuschauerzahlen bei sky nicht so groß, als dass sie für die Sponsoren eine brauchbare Reichweite darstellen. Die fehlenden, geschätzten 750.000 Zuschauer pro Rennen die sky hat, würden eh zum großen Teil dann bei RTL aufschlagen. Auf der anderen Seite spielen die Einnahmen durch den Verkauf der Pay-TV Rechte in Bernies Welt durchaus eine nicht zu unterschätzende Rolle. Das Fehlen einer mindestens zweistellige Millioneneinnahme lässt sich auch von Ecclestone nicht einfach so wegrechnen, zu mal die Teams aus dem TV-Einnahmetopf eine gehörige Portion abbekommen.

Man wird abwarten müssen, wie sich die Sache entwickelt, aber ich rechne angesicht der heutigen Aussagen nicht damit, dass da schnell eine Entscheidung fallen wird. Die für sky uninteressanten Bestandskunden können ja schon mal den Vertrag raussuchen.

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