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November 18 2010

10:21

WTCC und Formel 3: Vorschau Macau 2010

Wie jedes Jahr, endet die Saison der Tourenwagen in Macau. Der Weltmeister steht allerdings schon fest, nachdem es mal wieder Chaos bei Regeln gab. Im Rahmenprogramm kämpfen beim internationalen Formel 3 Rennen die jungen Talente um den prestigereichen Sieg.

Die noch ziemlich junge Geschichte der WTCC hat neben ein paar guten Rennen vor allem immer wieder dann für Aufsehen gesorgt, wenn sich die Hersteller gegenseitig vor ein Sportgericht gezerrt haben. Und das hat man sehr oft und sehr gerne gemacht. Vor allem die Rechtsabteilungen von Seat und BMW hatten gut zu tun und die Arien um den Ladedruck, den Unterboden und das Mindestgewicht der Seat füllen mehrere Aktenordner. Nicht ganz schuldlos daran ist die für die WTCC verantwortliche Abteilung der FIA, die immer wieder widersprüchliche und zaghafte Urteile gesprochen hat. Mal senkte man den Ladedruck der Seat, mal hob man das Gewicht der BMW an, nur um ein paar Rennen später wieder alles anders zu entscheiden. Doch den größten Witz erlaubte sich die FIA und die Kommissare des letzten Rennens in Okayama. Denn man warf alle BMW nachträglich aus der Wertung, so dass Yvan Muller nun Meister ist. Nur was ist passiert? Die Sache ist, wie sollte es anders sein, kompliziert.

BMW fährt seit Jahren mit einem normalen Fünfgang-Getriebe, während der Rest der Welt schon längst auf ein sequentielles Sechsgang-Getriebe setzt. Das Problem: BMW hat den 320si angeblich nie mit einem sequentiellen Getriebe bei der FIA homologiert. Allerdings gab es eine Ausnahme, die man für Alex Zanardi gemacht hatte. Aufgrund seiner Behinderung erlaubte die FIA in seinem Wagen, und nur dort, den Einsatz des neuen Getriebes. Allerdings setzte Franz Engstler beim Fahrzeug von Romanov in der Independent Klasse ebenfalls ein neues Getriebe ein, und das in diesem Jahr sechs Rennen lang. Die FIA beanstandete diese Sache nicht. In Okayama überraschte BMW die Rennkommissare aber damit, dass man die Werkswagen mit einem sequentiellen Sechsgang-Getriebe ausgestattet hatte. Man argumentierte, dass durch den Einsatz von Romanov und die früheren Fahrten von Zanardi, das Getriebe quasi-homologiert sei, also dürfe man es auch einsetzen. Die Japaner vor Ort sahen das auch so, die Konkurrenz, in dem Fall Chevrolet, allerdings nicht und man legte vor der FIA Berufung ein. Das Argument lautete: Da BMW das Getriebe nie offiziell bei der FIA angemeldete hatte (also mit Papieren und die übliche Bezahlung von Gebühren), ist es auch illegal. Nur weil der FIA die Sache bei Romanov bisher nicht aufgefallen sei, bedeute dies ja nicht, dass sie deswegen legal werden würde. Allerdings dürfte es auch Chevy nicht entgangen sein, dass das Engstler Team das nun nicht mehr legale Getriebe die halbe Saison eingesetzt hat. Warum man jetzt erst mit einem Protest anrückt, ist dann wieder eine ganz andere Frage.

Der Ärger von Chevy richtete sich nicht nur gegen das neue Getriebe, sondern auch gegen die neue Gewichtseinstufung, die BMW durch das neue Getriebe erhalten hatte. Die richtet sich ja nach den Erfolgen der Wagen, da Romanov ja eher selten die Strecke so trifft, dass er ganz weit vorne ist, hatte der “neue” BMW eine bessere Einstufung, als der BMW mit dem alten Getriebe. Verstehen muss man das vermutlich nicht, aber tatsächlich waren die BMW in Okayama mit der sequentiellen Schaltung satte 30 kg leichter, als die BMW mit der H-Schaltung. Allein diese Sache zeigt, wie absurd das gesamte Ballastsystem der FIA ist.

Die FIA schloss sich der Meinung von Chevrolet dann auch an. Man nahm beide BMW aus der Wertung des zweiten Laufs in Okayama, was immerhin dazu führte, dass Colin Turkington (der mit H-Schaltung unterwegs war) seinen ersten Sieg erlangt hat. Gleichzeitig bedeutete dies aber auch, dass Yvan Muller vor den Rennen in Macau endgültig Meister ist. Schön für Muller, der es sicher auch verdient hat, schlecht für den Sport, wo man eine andere Entscheidung erwarten würde.

Aber die WTCC wäre nicht die WTCC wenn diese, teilweise ja durchaus nachvollziehbare Entscheidung, nicht noch einen Haken hätte. Denn man untersagt BMW zwar den Einsatz eines sequentiellen Getriebe und streicht die Punkte, aber diese Entscheidung gilt ausdrücklich nicht für die Independent Trophy. Romanov darf seine Punkte dort also behalten, wobei mir jetzt nicht klar ist, ob das auch bedeutet, dass er weiter mit der neuen Schaltung unterwegs sein darf.

Was für ein Chaos, kann man da nur sagen, wobei man sich auch fragen kann, was BMW da eigentlich geritten hat.

Zum Rennen in Macau. Der Stadtkurs ist bekanntermaßen ebenso eng, wie schnell. Es geht mitten durch die Stadt, ein paar Serpentinen hoch, später muss man seinen Wagen um eine schon absurd enge Haarnadel wuchten, bevor es bergab wieder Richtung Hafen geht. Fahrerisch ist die Strecke schon lustig, in Sachen Sicherheit ist sie ein Albtraum. Was man letzten Jahr sehen konnte, als Gelegenheitspilot Cuoto nicht sämtliche gelbe Flaggen und Trümmerteile auf der Strecke ignorierte und in den BMW von Franz Engstler rauschte, der sich ein paar Rippen brach. Auch der erste Knick nach Start/Ziel gehört zu den Stellen, an denen es gerne mal kracht. Sehr anschaulich kann man das in diesem Video aus dem F3 Rennen im letzten Jahr sehen.

Die Rennen in Macau sind ohne Unfälle allerdings auch oft recht spannend. Wegen der fehlenden Überholmöglichkeiten, wird halt gerne mal angeklopft oder man schiebt den Kollegen gleich ganz zur Seite.

Die WTCC verabschiedet sich damit auch in die Winterpause. Im März geht es dann mit den neuen Motoren weiter, die dann hoffentlich auch dafür sorgen, dass die elendigen Streitigkeiten um das Gewicht, den Ladedruck usw. aufhören. Besser wäre es, sonst verkommt die WTCC noch völlig zu einer Lachnummer.

F3 Grand Prix in Macau
(von Vorsicht)

Auch, wenn man das Rennen fast nirgendwo verfolgen kann – unter Experten gilt der Formel 3 Grand Prix in Macau immer noch als besonderer Gradmesser für junge Talente. Und das nicht ganz zu Unrecht. Seit 1983 die Veranstaltung zum ersten Mal unter Formel 3-Regeln abgehalten wurde, haben sich eine ganze Reihe illustrer Namen in die Siegerlisten eingeschriben: Ayrton Senna zur Premiere, Michael (1990) und Ralf (1995) Schumacher, David Coulthard (1991) und Takuma Sato (2001). Ein Sieg ist zwar nicht immer die Eintrittskarte für die große Karriere – siehe etwa Soheil Ayari und André Couto – und über die Sicherheit an der Strecke müsste man ebenfalls mal diskutieren. Massiv Prestige bringt es aber immer noch, auf den Straßen der ehemaligen protugiesischen Kolonie den ersten Platz einzufahren.

Immerhin 31 Piloten sind (nach derzeitigem Stand) dem Ruf der Tradition gefolgt, und werden am Wochenende an den Start gehen. Auch Vorjahressieger Edoardo Mortara – der neue und möglicherweise letzte Meister der F3 Euroseries – ist wieder mit dabei. Sollte er den Sieg holen, wäre er der erste Fahrer seit Riccardo Patrese 1977 und 1978, dem der Doppelschlag in der Glücksspielstadt gelingt.

Auch zwei weitere Meister sind am Wochenende am Start: Jean-Eric Vergne vertritt die britische F3, Yuji Kunimoto (der Bruder des 2008er-Siegers Keisuke) die All-Japan-F3. Der deutsche Formel 3-Cup wird vom Gesamtzweiten Daniel Abt repräsentiert. Auch ein Pilot aus der (großteils spanischen) Open F3 ist dabei: Local Hero Michael Ho hat dort heuer ein paar Rennen bestritten. “Hauptberuflich” ist der Macanese (ja, ich musste auch nachschlagen, wie das korrekt heißt) in der Chinesischen Tourenwagenmeisterschaft unterwegs, wo er heuer Vierter wurde. Und dann ist da noch Ryo Harianto. Die F3-Kenntnisse des indonesischen GP3-Fünften aus diesem Jahr beschränken sich zwar auf zwei Rennwochenenden in der Australischen F3 – es wird aber trotzdem spannend zu sehen sein, wie er sich beim Sprung zurück aus dem Virgin F1-Cockpit so schlägt.

Die erste von zwei Qualifying-Sitzungen ist bereits vorbei, und bisher sieht es so aus, als dürfe die F3 Euroseries nocheinmal stolz auf sich sein: Auf der provisorischen Pole steht Edoardo Mortara, gefolgt von Valtteri Bottas, Marco Wittmann und Laurens Vanthoor. Carlos Huertas (Rang fünf) hat als erste Fahrer aus der britischen F3 schon fast eine Sekunde Rückstand. Daniel Abt landete auf Rang zehn, noch vor dem hoch eingeschätzten britischen F3 Meister Jean-Eric Vergne, dem auf Platz zwölf immerhin schon fast 1,7 Sekunden auf Mortara fehlen. Mag aber sein, dass da auch noch der Jetlag mitspielt – immerhin war Vergne bis vorgestern, Dienstag, beim Young Driver Test in Abu Dhabi für Toro Rosso unterwegs. Für die Fahrer aus der japanischen F3 scheint es bisher noch nicht ganz so gut zu laufen – bester Fahrer ist Alexandre Imperatori auf Rang neun, Meister Yuji Kunimoto folgt mit 2,7 Sekunden Rückstand auf Rang 17.

Bleibt noch die bange Frage, wo bzw. ob man das ganze überhaupt sehen kann. Und das ist leider ziemlich ungewiss. Die offiziellen Möglichkeiten halten sich nach dem Ende der Partnerschaft mit Eurosport vor einigen Jahren jedenfalls in engen Grenzen. Allenfalls ist irgendwann im Dezember mit einer Zusammenfassung auf Motors TV zu rechnen – zumindest in Großbritannien ist diese für den 11.12. angekündigt. Eine Liveübertragung gibt es wohl nirgendwo zu sehen. Bleibt also noch der Weg ins Netz. Und auch dort sieht es ein wenig blass aus. Denn live übertragen laut offiziellem Broadcast-Plan nur zwei Sender: der macanesische TDM (alle Trainings und Rennen sowohl in Porutgiesisch als auch in Mandarin) und “TVB Jade” aus Hong-Kong. Dem Vernehmen nach sind diese beiden Kanäle über einschlägige P2P-Streaming-Dienste zu sehen. Immerhin: Einen offiziellen Live-Audiostream gibt es auf der Event-Homepage. Ansonsten bleibt mir leider nur zu sagen: Happy Hunting!

Nach Macau wollte der Formel 3-Zirkus übrigens nach Korea weiterziehen, wo es ebenfalls ein internationales Rennen hätte geben sollen. Wird es aber nicht: Wegen “jursitischen Problemen” mit der Strecke (angeblich hat man mit der hastigen Fertigstellung massive Schulden angehäuft) musste die Veranstaltung vor kurzem abgesagt werden.

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Schweinderl