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September 24 2013

14:22

WEC: Analyse Austin 2013 – Toyota ist dran

Wenn bei einem Sechs-Stunden-Rennen auch in der letzten Stunde nicht klar ist, wer gewinnen wird, dann war es ein spannendes Rennen. Das Rennen in Austin lieferte zumindest eine Überraschung.

WECTrockenes Wetter, beste Bedingungen, erstaunlich viele Besucher und ein spannendes Rennen. Das Rennen der WEC in Austin war deutlich besser, als man das erwarten konnte. Das gilt vor allem für die LMP1, die man ja nach den dominanten Seriensiegen der Audi schon fast abgehakt hatte für dieses Jahr. Zwar wird sich Audi die beiden WM-Titel nicht mehr nehmen lassen, wer aber gedacht hatte, Toyota würde nur noch zum Spaß mitfahren, der sah sah sich in Texas getäuscht. Offenbar hatte Toyota in den letzten Wochen doch noch am TS030 weiter gearbeitet, denn in zum ersten Mal in diesem Jahr waren die Japaner fast auf Augenhöhe mit den Ingolstädtern und lieferten diesen einen spannenden Kampf bis zum Schluss.

Schon vor dem Rennen in Interlagos hatte Toyota offen bekannt, dass man in Sachen Leistung etwas nachgelegt hatte. Die Strategie von Le Mans, wo man mit weniger Verbrauch die Audi auf der Langstrecke in die Enge treiben wollte, hatte nicht funktioniert, weil die R18 über den Winter um ca. 25% an Leistung zugelegt hatten. So fuhren die Toyota in Le Mans hinterher und man korrigierte die Einschätzung dann für die späteren Rennen. In Interlagos konnte man schon erkennen, dass die Strategie der Japaner nun vielleicht besser aufgehen würde, aber durch den frühen Ausfall war es unsicher, wie gut die Toyota wirklich waren.

In Austin kam der einzige Toyota dann endlich durch das Rennen und konnte eine erstaunliche Pace zeigen. Gleich nach dem Start schnappte man sich den ersten Audi, mit dem man sich dann fast über den gesamten ersten Stint hart bekämpfte. Der Zweikampf war hart, aber auch es war auch ein Genuss zu sehen, wie gut beide Fahrzeuge miteinander rangen. Der Toyota hatte wie vermutet klare Vorteile im zweiten, engen Teil der Strecke, wo man den Hybridantrieb besser nutzen konnte. Der R18 war wiederum im ersten Teil deutlich besser, was sich in den Rundenzeiten auch niederschlug. Im Schnitt war man zwischen 0,7 und 1 Sekunde schneller als die Toyota.

Doch die überraschten die Audi an der Box. Beim R18 war der Reifenverschleiß überraschend hoch, vor allem an den Hinterreifen, was wohl auch mit dem angeblasenen Diffusor zu tun hat. Toyota konnte mit den Michelin Doppelstints fahren, was an der Box einen erheblichen Zeitgewinn bedeutet. Immerhin dauert ein Reifenwechsel etwas mehr als 20 Sekunden, die die Audi dann wieder auf Strecke herausfahren konnten.

Etwas Pech kam bei den Audi dann auch noch dazu. Die #1 wurde bei einem Überholvorgang eines GTE abgedrängt und beschädigte sich den Unterboden. Die nötige Reparatur kostete rund zwei Runden, aber ein paar Runden später gab es erneut Ärger, als der R18 plötzlich Elektronikprobleme hatte. Schuld war eine lockere Sicherung, die sich wohl beim Unfall gelöst hatte. Zu guter Letzt gab es auch noch eine Durchfahrtsstrafe, weil man einen GTE in der Auslaufzone überholt hatte. Damit war die #1 aus dem Rennen und die #2 sah sich bis zum Schluss trotz fehlerfreier Fahrt vom Toyota unter Druck gesetzt.

Es wäre für Toyota allerdings schwer gewesen, den Sieg aus eigener Kraft zu erlangen, da dann doch etwas der Speed fehlte. Aber die Audi-Mannschaft musste sich ganz schön strecken, um am Ende mit knapp 26 Sekunden Vorsprung das Rennen gewinnen zu können. Die Auseinandersetzung macht schon Lust auf das nächste Rennen in Fuji, wo Toyota dann mit zwei Wagen antreten wird.

Für Kristensen, McNish und Duval bedeutet der Sieg auch, dass sie auf den WM-Titel zusteuern. Sie haben nun 33 Punkte Vorsprung auf Lotterer, Treluyer und Fässler. Selbst wenn die drei amtierenden Champions alle drei verbliebenen Rennen gewinnen sollten, reichen den Altmeistern zweite Plätze, um den Titel zu holen. Für Audi war es auch der 100. LMP-Sieg.

Der Rebellion fuhr ein ruhiges Rennen. Echte Chancen auf das Podium hatte man nie, aber der Speed an sich war nicht schlecht. Am Ende fehlten nur drei Runden auf den siegreichen Audi.

LMP2

Es war nicht schlecht, was die LMP2 in der ersten Hälfte des Rennens ablieferte. Das G-Drive Racing Team (Delta-ADR) hatte sich erneut die Pole gesichert und stürmte vorne weg, dahinter lagen aber beide OAK Morgan-Nissan, die nur wenig langsamer waren. Und vermutlich hätte man auch die G-Drive Piloten Rusinov/Martin/Conway unter Druck setzen können, wenn man denn eine Strategie besessen hätte. Die sah aber in Austin nur so aus, dass man alles versuchte, den Teamkollegen hinter sich zu lassen. Das Duell der beiden OAK war schon sensationell anzuschauen, Pla/Heinemeier Hansson/Brundle und Baguette/Gonzalez/Plowman schenkten sich keinen Millimeter.

Sensationell dämlich war dann allerdings die Kollision der beiden Teamkollegen. Man könnte jetzt mit dem Finger auf ein Team bzw. einen Fahrer zeigen, würde aber damit der Sache nicht gerecht werden. Denn es ist auch Sache des Teams, Bezahlfahrer hin oder her, dafür zu sorgen, dass man sich a) nicht gegenseitig aufhält und b) nicht ins Auto fährt. Das Rennen dauert sechs Stunden. Nicht zwei, nicht drei, sondern sechs. Man weiß, dass der G-Drive Wagen schnell und gut besetzt ist. Warum also nicht die Devise ausgeben: Dran bleiben und in den letzten 60 Minuten könnt ihr machen, was ihr wollt? Im Endeffekt landeten beide OAK dann in der Garage und sie wurden letzte bzw. vorletzte ihrer Klasse. Was auch in der Meisterschaft sehr weh tut.

Nachdem sich die OAK-Mannschaft verabschiedet hatte, rückte der Pecom-Wagen mit Perez Companc/Minassian/Kaffer auf P2 vor. An den G-Drive kam man aber in Sachen Rundenzeiten nicht ran. Dahinter tauchte der Zytek mit Zugel/Dyson/Kimber-Smith auf, verlor aber mit ein paar kleineren technischen Problemen dann eine Runde auf die Führenden. Auch der zweite Delta-ADR mit Graves/Walker/Junco hatte ein paar Probleme und plötzlich fand sich der Lotus, mit Holzer/Kraihamer/Charouz ja nicht schlecht besetzt, auf P3 wieder. Ein schöner Erfolg für die Truppe von Colin Kolles, zumal der andere Wagen gleich in der ersten Kurve stehen blieb.

In der Team-WM führt die Pecom-Mannschaft mit gerade mal drei Punkten vor dem OAK, der von Baguette/Gonzalez/Plowman gefahren wird. In der Fahrer-WM führen Letztgenannte ebenfalls mit drei Punkten vor den Pecom-Piloten.

GTE Pro

In der GTE Pro war es mal wieder ein Kampf zwischen den Aston Martin und dem AF-Corse Ferrari. Die Manthey-Porsche konnten nur zu Beginn das Tempo mitgehen und sich in der Spitzengruppe halten. Die #91 mit Bergmeister/Pilet hatte dann im ersten Drittel des Rennens einen haarigen Moment in der Box, als der Benzineinfüllstutzen beim Abziehen nicht abschaltete und sich der Wagen teilweise oberflächlich entzündete. Es waren aber genug Mechaniker mit Feuerlöschern da, sodass nicht passierte, außer dass der Porsche raus aus der Entscheidung war. Der zweite Porsche mit Lieb/Lietz verlor im Laufe des Rennens dann zwei Runden auf die Aston und Ferrari.

Die lieferten sich vorne mal wieder eine regelrechte Schlacht. Wirklich absetzen konnte sich keiner, überraschend war allerdings, dass der AMR mit Senna/Makowiecki in Führung lag, während Turner/Mücke und Dalla Lana/Lamy/Stanaway schnell mit Problemen ausfielen. Bei AF Corse waren sich Bruni/Fisichella und Kobayashi/Vilander lange nicht so recht einig, wer sich denn auf die Hatz nach dem Aston Martin machen sollte, aber immerhin einigte man sich besser, als die OAK-Mannschaft. Bruno Senna, der in der GT-Klasse immer besser wird, fuhr ein gutes Rennen und konnte zusammen mit seinem Fahrerkollegen den Aston gegen Ende des Rennens deutlich in Führung setzen. Allerdings brauchte man den Abstand nach hinten auch, denn kurz vor Schluss musste man zu einem “Splash ‘n Dash” reinkommen, was den F458 wieder gefährlich nahe brachte. Im Ziel waren es dann gerade mal 15 Sekunden Vorsprung.

GTE Am

Hier gibt es wenig zu berichten. Die Aston mit Hall/Campbell-Walter und der “Dänen-Bomber” mit Nygaard/Poulsen/Thiim lieferten sich noch den spannendsten Kampf, den das erfahrene Duo für sich entscheiden konnte. Immerhin lag bis zum Schluss der IMSA-Porsche mit Narac/Vernay in Lauerstellung und die Franzosen blieben bis zum Schluss in der gleichen Runde wie die Sieger. Auch der siegverwöhnte 8Star Ferrari hatte lange gute Chancen, ein kleines Problem warf den Wagen dann aber eine Runde zurück.

Die WEC macht erst einmal eine kleine Pause, das nächste Rennen ist am 20.10 in Fuji.
Alle aktuellen
Punktestände gibt es hier.

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April 22 2010

07:00

Formelserien: AutoGP startet / F2 & WSbR Analyse

Gemischtes Programm in der Nachwuchs-Szene: Spannende Läufe bei der WSbR, aber Fadesse bei der Formel 2. Am Wochenende hat schon wieder eine Rennklasse Premiere – und die F3 Euroseries geht in die zweite Runde.

Und noch eine: Als ob das Feld der europäischen Nachwuchsformeln nicht schon groß genug wäre, feiert am kommenden Wochenende im tschechischen Brno die AutoGP ihr Debut. Ganz neu ist die Serie nicht – im Grunde handelt es sich dabei um die Nachfolgerin der Euro F3000. Bereits im vergangenen Jahr trat man dort mit den ausrangierten Lola Chassis aus der A1GP Serie an, in diesem Jahr kommt noch ein neues Konzept und der geänderte Name dazu. Die AutoGP ist -anders als die Euro 3000 – keine reine Nachwuchsklasse mehr. Sie erinnert eher ein wenig an die selige A1GP und die Superleague Formula, in denen erfahrene Haudegen und ewige Talente mit Junioren um die Plätze kämpfen. Anders als bei den genannten Serien gibt es aber bei der AutoGP keine Verwirrung durch “Landesmeisterschaften” oder gar Partnerschaften von Fußballklubs. Stattdessen hat man sich ein Scheibchen von amerikanischen Rennserien abgeschnitten: Den bestplatzierten Fahreren winken gut dotierte Geldpreise.

Insgesamt wechseln über den Lauf der aus sechs Rennen bestehenden Saison 1,2 Millionen Euro die Hand – 200.000 pro Event. Dem Sieger allein winken dabei pro Wochenende 80.000 Euro, Geld bekommen auch die zweit- bis sechstplatzierten. Pro Rennsonntag gibt es zwei Läufe – der erste Durchgang hat eine Länge von 90km oder 40-45 Minuten und beinhaltet einen Pflichtboxenstopp. Rennen zwei geht über 70km oder 30-35 Minuten. Die Preise werden nach den pro Wochenende erreichten Punkten vergeben. Das Geld dafür dürfte mutmaßlich von Seriensponsor partypoker.it kommen. Abgesehen vom Rennen in Brno stehen noch Ausgaben in Imola, Spa, Magny-Cours, Monza und am brandneuen Circuito de Navarra im Südwesten Spaniens auf dem Programm.

Fürs erste scheint das Konzept ganz passabel aufzugehen – die Serie hat über die Winterpause einige namhafte Teams angezogen, und auch bei den Fahrern sind ein paar alte Bekannte am Start. Die beste Fahrerpaarung hat wohl Super Nova: Dort greifen Giorgio Pantano und der ehemalige A1GP-Neuseeland Fahrer Jonny Reid ins Lenkrad, der praktischerweise schon über reichlich Erfahrung mit dem Auto verfügt. Für Euronova Racing geht Luca Filippi ins Rennen, Trident startet mit Adrian Zaugg, der den A1GP-Lola ebenfalls gut kennt und WSbR-Heißsporn Omar Leal aus Kolumbien. Gleich vier Fahrer treten für Charouz-Gravity an: Jan Charouz, Walter Grubmüller und Adrien Tambay sind fix. Dann wäre da noch Natacha Gachnang gewesen, die nach ihrem Unfall bei der GT1 aber nun natürlich nicht dabei sein kann. Praktischerweise hatte man beim Team schon vorher einen Ersatzfahrer parat – Ho-Pin Tung wird auf der Serienhomepage in dieser Funktion geführt. Es ist davon auszugehen, dass er Gachnangs Auto übernimmt.

Übertragen werden alle Rennen der Meisterschaft auf Motors TV – mindestens ein Lauf pro Wochenede soll sogar live gesendet werden, wie die Mitteilung des TV-Kanals verspricht. Wer zu den zahlreichen Unglücklichen gehört, die den Motorsportsender mangels Kabel-TV nicht empfangen können, muss wohl auf einen offiziellen Stream hoffen. Ob es den gibt, ist aber leider noch unklar – im vergangenen Jahr hat die Euro 3000 mit einem solchen Angebot geworben. Funktioniert hat die Übertragung aber nur in Ausnahmefällen. Am Wochenende nach der AutoGP Ausschau zu halten, mag sich aber durchaus lohnen. Denn Konzept, Fahrer, Streckenauswahl und nicht zuletzt die Autos sprechen dafür, dass die Serie interessantes Racing für Formelfans bieten könnte.

Analyse – WSbR

Überraschend lebhafte Rennen gab es am vergangenen Wochenende beim Saisonstart der WSbR. Am Samstag sorgte Dauerregen für zahlreiche Ausfälle. Das Rennen am Sonnag war dann weniger spektakulär und stärker von der Strategie bestimmt – das Duell an der Spitze bot trotzdem einiges an Spannung. Am Ende führte dann doch der Favorit und zweifache Polemann Daniel Ricciardo die Meisterschaft an, gewinnen konnte er aber keines der Rennen. Stattdessen gab es zwei Sieger, mit denen wohl nicht viele gerechnet hatten. Am Samstag gelang es Mikhail Aleshin nach einem guten Start am besten, den Bedinungen von der Spitze des Feldes aus Herr zu werden. Noch überraschender war der Sieger des Sonntagsrennens: Der 28-jährige Este Sten Pentus konnte völlig ohne Wetterglück und auf trockender Piste sein erstes WSbR-Rennen gewinnen. Zweiter wurde Jan Charouz, der sich ein schönes Fernduell mit Pentus geliefert hatte. Der Tscheche durfte sich allerdings nicht lang über diese Platzierung freuen – er wurde nach dem Rennen disqualifiziert, weil des Auto nicht mehr genügend Benzin für die Überprüfung des Treibstoffes im Tank hatte. Das nächste Renault-Weekend findet schon in eineinhalb Wochen in Spa statt.

Analyse – Formel 2

Erstaunlich dröge waren dagegen war dagengen der Saisonauftakt der Formel 2 in Silverstone. Jolyon Palmer konnte sich im ereignisarmen ersten Rennen den Sieg vor Dean Stoneman und Sergei Afanasiev sichern, Philipp Eng gewann von der Pole aus Rennen 2 vor Palmer und Johan Jokinen. Immerhin war Palmer im zweiten Rennen sichtbar schneller unterwegs als Eng, weshalb kurzfristig so etwas ähnliches wie Spannung entstand. Die ebbte aber schnell wieder ab, nachdem klar wurde, dass Palmer ab einem Abstand von ungefähr einer Sekunde nicht mehr näher an Eng heranfahren konnte. Es bleibt zu hoffen, dass die aerodynamischen Verbesserungen, die Williams über den Winter an den Autos durchgeführt hat, nicht dazu führen, dass wie in anderen Rennserien das Heranfahren an den Vordermann schwieriger wird. Es wäre wirklich schade um die Rennserie, die sich in ihrer ersten Saison zwar nicht als große Talentschmiede erwiesen, aber zumindest meist gute Rennen geliefert hat. Weiter geht’s mit der Formel 2 ebenfalls in einenhalb Wochen in Marrakesch.

Vorschau – F3 Euroseries

Und dann ist da noch die F3 Euroseries, die nach den mäßig interessanten Rennen in Le Castellet im Rahmenprogramm des DTM-Auftaktes bereits ihr zweites Rennwochenende begeht. Erfreulich: In Hockenheim werden Esteban Guiterrez, Jimmy Eriksson, Luis Sá Silva aus Angola und der Schweizer Sandro Zeller das Feld von 13 auf 17 Starter erweitern. Weniger dürften sich die Organisatoren über die Nachricht gefreut haben, dass Serienleader Alexander Sims, Jim Pla und Esteban Guiterrez für ART auch beim Silverstone-Rennen der britischen F3 an den Start gehen werden. Nun sind solche Gastauftritte in der F3 keine Seltenheit – im konkreten Fall könnte man aber trotzdem fast auf die Idee kommen, dass sich da jemand für den Fall des Falles ein weiteres Betätigungsfeld offen halten will.

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