Tumblelog by Soup.io
Newer posts are loading.
You are at the newest post.
Click here to check if anything new just came in.

January 04 2011

07:33

Best of 2010: Teil Sechs

Am vierten Tag des neuen Jahres schließt der sechste Teil des „Best of 2010“ die vergangenen zwölf Monate ab. Dieses Mal mit V8-Sound, denn es gibt einen exklusiven Rückblick auf den NASCAR Sprint Cup. Zunächst aber wünsche ich allen Lesern und Kollegen ein frohes neues Jahr 2011 im RacingBlog.

Bestes Rennen
Weil im Sprint Cup der NASCAR pro Jahr immer 36 Saisonrennen auf die hartgesottenen Fans warten, fällt die Wahl hier nicht so leicht. Deswegen, und weil auch eine Top5-Platzierung meist wie ein Sieg gefeiert werden kann, habe ich mich für eine Liste der besten fünf Rennen entschieden (ohne Reihenfolge):
- Martinsville 1 mit Denny Hamlins Sieg direkt vor seiner Kreuzband-OP, als er in den letzten fünf Runden noch an neun Konkurrenten zum Sieg vorbeizog,
- beide Talladega-Rennen mit vielen Führungswechseln, Action und knappen Zieleinläufen,
- Texas 2 mit der Fehde Jeff Gordon vs. Jeff Burton sowie dem Stinkefinger bei Kyle Busch vs. NASCAR,
- Sonoma, wo es fast zum ersten Cup-Sieg von Marcos Ambrose kam und letztlich Jimmie Johnson sein erstes Rundkursrennen gewann.

Bestes Finish
Der Pokal für das beste Finish geht für mich ganz klar an das Chase-Rennen von Talladega, als für mehrere Minuten nicht feststand, ob denn nun Kevin Harvick oder Clint Bowyer gewonnen hatte. Die beiden Teamkollegen fuhren nach ihrem Paareinlauf zunächst mit den Fahrerfenstern aneinander, gaben sich die Hand und hielten einen Plausch, bis schließlich Bowyer die amtlichen Sieger-Donuts drehen durfte. Echter Wahnsinn, da kam nur das von meinen Kollegen vielzitierte Finish des Truck-Rennens am Vortag heran.

Bester Fahrer
Diese Kategorie geht an den nun fünfmaligen Meister in Folge: Jimmie Johnson. Auch wenn er es dieses Jahr wirklich schwerer hatte als zuvor, trotzte er einem starken Denny Hamlin und dem Meister der regular season und nach altem Punktesystem: Kevin Harvick. Johnson hat sich diesen Titel verdient, weil er wieder einmal den besten Chase aller Teilnehmer hinlegen konnte. Im nächsten Jahr wird er es vermutlich nicht noch einmal schaffen, aber das sagen wir ja alle schon seit vier Jahren.

Bestes Team
Während der Preis im letzten Jahr (2009) klar bei Hendrick Motorsports landete, schwächelte das Team von Rick Hendrick 2010. Man verpennte den Wechsel vom Heckflügel zum Spoiler und musste lange Zeit Joe Gibbs Racing den Vortritt lassen. Die Trophäe für das beste Team gebe ich daher gemeinsam an Richard Childress Racing und Earnhardt-Ganassi Racing, weil sie in diesem Jahr einfach das beste Motorenpaket auf die Beine stellten. Zudem überzeugte Jamie McMurray mit drei Saisonsiegen unter anderem in den beiden wichtigsten Rennen des Jahres: Daytona und Indianapolis! Zählt man noch Chip Ganassis Indy-500-Erfolg bei den IndyCars und die Meisterschaft von Dario Franchitti mit hinzu, dann ist das schon eine außergewöhnliche Leistung.

Überholmanöver des Jahres
Da die NASCAR mit Überholmanövern zum Glück nicht so knapp kalkuliert wie andere bekannte Rennserien, soll deshalb das Frühjahrsrennen in Talladega mit dem neuen Rekord an Führungswechseln stellvertretend die Auszeichnung bekommen. Auf dem Superspeedway jagten sich 29 Piloten sage und schreibe 88 Mal die Spitzenposition untereinander ab.

Freunde des Jahres
Da sich 2010 auch die sonst so verbrüderten Teamkollegen Jimmie Johnson und Jeff Gordon einmal ins Gehege kamen und mir NASCAR-technisch eher die großen Rivalitäten in Erinnerung geblieben sind, werde ich die Kategorie mal ein wenig zweckentfremden und Kyle Petty sowie Rusty Wallace als größte Freunde beim Erzählen von Unsinn ehren. Was die beiden Ex-Piloten und selbsternannten Experten in dieser Saison wieder herausgelassen haben, war einmal mehr kein Genuss für beide Ohren.

Szene des Jahres
Der Sieg von Jamie McMurray beim Daytona 500 war für mich die Szene des Jahres. Der Mann wusste einen Monat vorher noch nicht einmal, wo er 2010 fahren würde und drückte dem Jahr durch seinen unerwarteten Erfolg den ersten Stempel auf. Die Freudentränen und der Kniefall auf dem Rasen des Tri-Ovals waren an Emotionalität kaum zu überbieten.

Schlagloch des Jahres
Damit komme ich nun zur ersten eigenen Kategorie, dessen Trophäe natürlich an das pothole des Daytona International Speedways beim großen 500-Meilen-Rennen geht. Dieses Schlagloch verlängerte den Saisonauftakt auf gute sechs Stunden und löste eine kostspielige Erneuerung des kompletten Asphaltbandes zwei Jahre eher als geplant aus.

Kostenpunkt des Jahres
Was mich dann auch gleich zum Kostenpunkt des Jahres bringt, denn die Neuasphaltierung von Daytona kostete ungefähr 20 Millionen US-Dollar. Das entspricht ungefähr dem Betrag, welchen man pro Jahr benötigt, um ein konkurrenzfähiges Cup-Auto auf die Straße zu bringen.

Schönster Moment des Jahres
Als schönsten Moment des Jahres empfand ich David Reutimanns ersten Sieg aus eigener Kraft auf dem Chicagoland Speedway. Reutimann gewann 2009 zwar schon das Coca-Cola 600 in Charlotte, jedoch kam dieser Erfolg nur dank einer Regenfront zu Stande. Mit diesem wichtigen Sieg belohnte er nicht nur sich selbst, sondern auch die mittlerweile recht starke Truppe von Michael Waltrip Racing, die an einem guten Tag auch mal den Siegkandidaten stellen können.

Überraschung des Jahres
Gegen Saisonende war häufiger ein offizieller Stream auf nascar.com zu finden und diese Tatsache ist schon eine sehr große Überraschung gewesen, konnte man sich doch zuvor nicht wirklich mit den TV-Sendern auf eine Internet-Übertragung einigen. FOX wird vermutlich weiterhin querschießen, wenn es sich nicht gerade um Events auf dem Tochtersender SPEED handelt. ESPN-Übertragungen könnten 2011 wieder auf der offiziellen Homepage erscheinen und mit Glück kostenlos sein. Bei TNT ist man den RaceBuddy im Sommer ja schon gewohnt, weil Turner ohnehin die NASCAR-Seite betreut. Sollten die Sender sich nicht auf eine Internet-Vermarktung einigen können, sieht es in Zukunft düster aus, denn neue TV-Verträge werden erst für 2015 abgeschlossen

Eine weitere Überraschung war sicherlich, dass Denny Hamlin direkt nach seiner Knie-Operation bereits wieder konkurrenzfähig sein konnte und sofort einige Siege einfuhr.

Enttäuschung des Jahres
Die Enttäuschung des Jahres musste Brian Vickers hinnehmen, der seit dem Rennen in Darlington wegen eines Blutgerinnsels in der Lunge in ärztlicher Behandlung war. Vickers musste den Rest der Saison aussetzen, weil blutverdünnende Medikamente eine sichere Teilnahme an Rennen nicht ermöglichte. Im Großen und Ganzen kann man Brian Vickers aber auch als Gewinner des Jahres sehen, weil eine lebensbedrohliche Krankheit rechtzeitig entdeckt und möglicherweise geheilt wurde. Im Juli musste er sich nämlich noch einer Herzoperation unterziehen, um die Ursache für die Blutgerinnsel zu beseitigen. Gemeinsam mit Kasey Kahne soll Vickers 2011 wieder in das Lenkrad eines Red-Bull-Toyotas greifen, dazu sei ihm an dieser Stelle noch weiterhin eine gute Besserung gewünscht.

Langweiligstes Rennen
Ebenso wie bei den besten Rennen „ehre“ ich hier fünf Saisonläufe mit der Goldenen Himbeere im Bereich Spannung. Weil es um Langeweile geht, liste ich diese fünf Rennen auch nur auf:
- Auto Club 1
- Dover 1
- Pocono 1
- Michigan 1
- New Hampshire 1
Wer grenzenlose Langeweile hat, kann sich ja in den Weiten des Internets oder mittels der Analysen bei uns informieren, warum ich gerade diese Rennen ausgewählt habe.

Racecontrol-Moment des Jahres
Wenn die NASCAR-Offiziellen einmal eingreifen, dann auch verdammt konsequent und mit harter Hand. Die beste Story dafür lieferte 2010 Kyle Busch mit seinem Stinkefinger gegen einen NASCAR-Verantwortlichen, der ihn wegen einer Geschwindigkeitsüberschreitung in der Boxengasse festhielt, wodurch Busch seine dadurch gewonnene Runde wieder verlieren sollte. Für diese Aktion gab es dann gleich noch zwei Runden Rückstand aufgebrummt.

Nicht vergessen sollte man aber auch die zahllosen debris cautions ohne debris, welche NASCAR gerne einmal nutzte, um wieder Spannung ins Rennen zu bringen oder das Feld für eine spannende Schlussphase noch einmal zusammenzuführen. Einen Seitenhieb auf Dale Earnhardt Jr. erspare ich mir und allen Fans an dieser Stelle, denn der Mann hat 2010 sicherlich genug gelitten.

Glückspilz des Jahres
Den Titel des größten Glückspilzes teile ich ebenfalls auf, denn außer Brian Vickers haben 2010 gerade Elliott Sadler in Pocono und außerdem Jack Roush bei seinem Flugzeugabsturz eine Menge Dusel gehabt. Eingefügt habe ich an dieser Stelle mal ein Video von Sadlers Unfall, der laut NASCAR-Aufzeichnungen der härteste aufgezeichnete Einschlag in der 60-jährigen Geschichte war. Ein wirklich übles Ding…

Wünsche für 2011
Für das neue Jahr wünsche ich mir in Anbetracht der genannten Glückspilze eine sichere Saison 2011 für alle Motorsportserien auf der ganzen Welt. Dazu kommt natürlich der Wunsch, dass Jimmie Johnson vielleicht freiwillig auf einen weiteren Titel verzichtet! :o)

Feinde/Duell des Jahres
Feinde des Jahres sind 2010 mit Sicherheit Brad Keselowski und Carl Edwards gewesen. Nach dem Talladega-Zwischenfall ein Jahr davor krachte es in Atlanta erneut. Wieder nahm Keselowski Edwards auf die Hörner, welcher sich prompt mit einem brutalen Abschuss rächte und daraufhin drei Wochen Bewährung aufgebrummt bekam. Auch in dieser Situation hätte einiges schief gehen können. Die beiden Piloten kamen sich später in der Nationwide Series in Gateway noch ein letztes Mal ins Gehege, woraufhin NASCAR die Notbremse zog und beide Fahrer bis zum Ende der Saison auf Bewährung fahren ließ.

Das Duell des Jahres lieferten sich Jeff Burton und Jeff Gordon in Texas, passend zur klischeehaften Geschichte des US-Bundesstaates. Für die Fans ein netter Anblick und ein Zeichen dafür, dass das medienkonforme Auftreten der NASCAR-Stars auch mal durch Menschlichkeit unterbrochen werden kann, wenn denn die Gemüter überhitzen.

Kuriosum des Jahres
Eine weitere Kategorie möchte ich an der letzten Stelle noch selbst einführen und zwar das Kuriosum des Jahres. Diesen Titel darf sich die Signalanlage auf dem Las Vegas Motor Speedway einstecken, welche zu Beginn der Saison einfach mal die NASCAR-Offiziellen überging und von selbst nach Gutdünken Gelbphasen auslöste.

Abschließend bedanke ich mich für eure Treue im abgelaufenen Jahr und würde mich freuen, 2011 alle wieder in alter Frische zum Start der neuen NASCAR-Saison begrüßen zu dürfen.

January 02 2011

07:58

Best of 2010: Teil Vier

Spannende Rennen, Glückspilze und spektakuläre Szenen – die Vierte. Und diesmal ohne Dach. Mein “Best of” eines außergewöhnlich interessanten Jahres 2010.

Bestes Rennen

Gar nicht so einfach! Im Rückblick eigentlich sogar ziemlich erstaunlich, wie viele tolle Rennen wir im vergangenen Jahr hatten – und das in fast allen Serien, die ich so verfolge. Am Ende gibt es für mich einen Sieger, der sicher viele überraschen wird. Aber der Reihe nach:

Bei der Formel 1 sehe ich den Lauf in Kanada wieder vorn. Auch, wenn einiges an der Spannung wegen der Reifenprobleme “küstlich” erzeugt wurde – die legendäre Kombination aus schneller Strecke, nahen Leitplanken, Risiko und den vielen Überholstellen haben das Rennen auch in diesem Jahr wieder aus der Masse herausgehoben. Auf den Ehrenplätzen: Melbourne, China – und die allen Unkenrufen zum Trotz ganz fantastische neue Strecke in Korea.

Auch auf die Gefahr hin, den Fanboy raushängen zu lassen: Die besten Rennen waren 2010 meiner Ansicht nach gut versteckt. Denn eigenwilliges Konzept und mangelnde Akzeptanz hin oder her: Das, was die Superleague Formula in Ordos (zweiter Platz) und Navarra (Sieger: “Bestes Rennen”) gezeigt hat, muss ihr erstmal jemand nachmachen. Das Superfinale aus Ordos (wo ja auch die GT1 im kommenden Jahr Station machen wird) gibt es hier in seiner Gesamtheit:

Wer sich aber wirklich in einer stillen Stunde einen Gefallen tun will, der sollte an einschlägigen Download-Orten nach dem zweiten Lauf aus Navarra suchen. Die Ausgangsposition: Meisterschaftsverfolger Craig Dolby (Tottenham Hotspur) muss sich vom Ende des Feldes bis ins Spitzenfeld vorkämpfen, um noch eine Chance auf den Einzug in Superfinale und den Gewinn der Meisterschaft zu haben. (Achtung – es folgen Spoiler): Die folgende entfesselte, aber stets faire Fahrt sollte ihn am Ende tatsächlich weiter in der Meisterschaft halten – die er schließlich um nur zwei Punkte (697 zu 699) an Davide Rigon und den RSC Anderlecht verlor.

Bestes Finish

Am engsten war es bei den Serien die ich näher verfolgt habe wohl beim IRL-Rennen in Chicagoland.

Westentlich spannender habe ich aber die letzten Runden der Formel Renault 3.5 in Silverstone und – vor allem – beim letzten Saisonrennen in Barcelona gefunden. Und zwar deshalb, weil es um wesentlich mehr ging: In Silverstone musste Esteban Guerrieri, der am Vortag zwar gewonnen hatte, aber wegen einer Lappalie disqualifiziert worden war unbedingt an Daniel Ricciardo vorbeigehen, um sich in der Meisterschaft zu halten – was ihm eine Runde vor Schluss in einem sehenswerten Manöver um den Sieg dann auch gelang. Und in Barcelona ging es überhaupt um die Meisterschaft: Mikhail Aleshin lag bis drei Runden vor Schluss bei unglaublich schwierigen, regnerischen Bedinungen hinter Daniel Ricciardo. Dann ging er am Australier vorbei. Und musste ihn drei Runden lang um jeden Preis hinter sich halten. Das Finish des Jahres (leider nur auf Französisch – ich denke aber, die Emotion kommt trotzdem rüber…):

Bester Fahrer

Jimmie Johnson hin, Dario Franchitti her – der beste Fahrer kann sich nach wie vor nur gegen die Haifisch-Konkurrenz der Königsklasse beweisen. Und das ist nunmal die Formel 1. Das Problem: Von den Spitzenpiloten hat sich in diesem Jahr keiner so recht würdig gezeigt. Vettel: Zu viele Fehler. Webber: Viel zu wenig Konstanz. Alonso: Zu viel Funk-Geheul, zu wenig überholt. Hamilton: Zu unkonzentriert; Button: Überraschend gut, aber im Vergleich mit Hamilton dann doch wieder zu langsam. Massa: Wohl kaum. Bleibt also nur der Griff ins Mittelfeld. Wenn es also auch nicht übermäßig originell sein mag: Für mich ist Robert Kubica der Fahrer des Jahres 2010.

Bestes Team

Wieder schwierig. Im Grunde gilt für mich das gleich wie oben – die Königsklasse ist der Maßstab. Und auch bei den Teams haben alle Fehler gemacht: Red Bull hat es nicht geschafft, für eine produktive Arbeitsatmosphäre zwischen Vettel und Webber zu sorgen. McLaren war – vor allem im zweiten Teil der Saison – zu langsam. Ferrari? Den Positionwechsel in Hockenheim mag man ihnen nachsehen – es geht ja in dieser Wertung nicht nur um Sympathie, sondern auch um Effizienz. Der unwürdige Theaterstadel und das mangelnde Medienmanagement danach disqualifizieren sie aber als Team.

Bleiben wieder die Hinterbänkler: Und da fand ich das, was das Team von Peter Sauber in diesem Jahr geschafft hat unglaublich beeindruckend. Fast keine Sponsoren, und trotzdem: Aus einer Gurke ein Mittelfeld-Auto gemacht; Den mittelmäßig eingeschätzten Kamui Kobayashi zum Teamleader entwickelt – und gleich auch noch durch den Teamkollegentausch auf Herz und Speed getestet; Und mit Sergio Pérez den vielleicht einzig verfügbaren Juniorpiloten verpflichtet, der Speed und einen vollen Geldkoffer vereint. Chapeau! – das Team des Jahres 2010.

Überholmanöver des Jahres

Realistisch betrachtet war wohl der Zweikampf zwischen Jenson Button und Lewis Hamilton in Istanbul das Highlight des Jahres. Das will ich aber hier nicht verwenden, weil 1) das Don schon gewählt hat, und 2) die beiden ohnehin noch die gebührende Ehre erhalten (siehe gleich unten).

Muss es also ein anderes Manöver sein. Fällt mir aber keines ein. Muss ich wohl die Kategorie abändern – “die Überholmanöver des Jahres”. Und die gab es meiner Meinung nach bei Auftaktrennen der IRL in Sao Paulo: Die lange Gegengerade dort ist im Grunde höchst kriminell und gefährlich – aber wenn die Wagen dort mit massiv arbeitenden Aufhängungen aus den Windschatten ausscheren, dann muss man eben auch zugeben: Das ist verdammt gutes Racing.

Freunde des Jahres

Die allerbesten “Freunde” sind sie vielleicht nicht. Aber Lewis Hamilton und Jenson Button haben der Rennsportwelt heuer vorgeführt, dass man einen teaminternen Wettkampf zwischen zwei Weltmeistern auch respektvoll führen kann. Hoffentlich bleibt das auch so, wenn die beiden mal wirklich um den Titel kämpfen.

Feinde/Duell des Jahres

Milka Duno vs. the World ist zwar lustig – aber irgendwie auch ein etwas zu dankbares Ziel. Genauso wie Danica Patricks Streitereien mit ihrem Team vor dem Indy 500.

Daher geht dieser glorreiche Titel an die Twitter-Konversationen der Indycar-Stars: Alex Tagliani verunglimpft dort Tomas Scheckter als “Wreckter”, dieser lädt in Folge den Kanadier zu einem “persönlichen Gespräch” beim nächsten Rennen ein; Ryan Briscoe legt Graham Rahal nahe, sich für den “Mist” den er gebaut haben soll doch endlich zu entschuldigen; Und Paul Tracy schimpft permanent über Paydriver, die ihm angeblich den Platz wegnehmen. Oder bietet überhaupt einem gewissen belgischen Rookie an, “big meatballs and sausage” zum “Baguette” mitzubringen.

Wenn die Piloten diese offene und vor allem herrlich kindische Form in die kommenden Saison retten können, dann kann die gerüchteweise geplante Reality-TV-Show um die Indycar-Serie (schon jetzt ein heißer Anwärter auf die “Un-Idee 2011″) wohl nur ein voller Erfolg werden!

Szene des Jahres

“I’m in a sandwich!” (bei ~6:40 Min)

…oder doch der hier?

Kostenpunkt des Jahres

Die Sache ist zwar etwas undurchsichtig, aber sehr wahrscheinlich setzt sich die überhastete Fertigstellung der Grand Prix Strecke in Südkorea mühelos in dieser Kategorie durch. Überhaupt legt das Bauchaos dort nahe, dass womöglich nicht das gesamte Budget in völlig legale Kanäle geflossen sein könnte – eine koreanische Zeitungsmeldung spricht gar davon, dass im Fertigstellungschaos insgesamt die Kleinigkeit von 53,7 Millionen US-$ “ohne Dokumentation” ausgegeben worden sein soll.

Schönster Moment des Jahres

Everyone loves an Underdog! Folglich: Karun Chandhoks erster Auftritt in der Formel 1 im Qualifying für den Bahrain GP – nachdem die Mechaniker es doch noch geschafft hatten, das Auto zusammenzubauen. Und sein folgender Ausfall in den ersten Runden des Rennens, als er auf einer Bodenwelle ausrutschte, die ihm verständlicherweise “vorher noch nie aufgefallen war”. Heroisches Scheitern von Fahrer und Team – und die fast perfekte Zusammenfassung der ganzen HRT-Saison in nur wenigen Runden!

Überraschung des Jahres

Das stechen für mich zwei Ereignisse im vergangenen Jahr heraus:

Einerseits die Leistung von Esteban Guerrieri in der WSbR: Ohne Budget für das ganze Jahr unterwegs, ein paar Rennen wegen Geldmangels ausgelassen und zweimal wegen Kleinigkeiten disqualifiziert. Und trotzdem bis zum letzten Rennwochenende im Titelrennen – und auf der Strecke stets fair unterwegs. Große Klasse vom Argentinier, dem dennoch der große Durchbruch versagt bleibt. 2011 startet er bei den Indy Lights und angeblich auch bei den TC2000-Tourenwagen. Silberstreif am Horizont: Gerüchte aus Chile sprechen davon, dass in Sonoma auch ein Einsatz in der IRL auf dem Programm stehen soll.

Und die Formel 1-Vertragsverlängerung von sky: Nach Schulz & Surers emotionalem Abschied aus Abu Dhabi, dem Gereade über Kundenbefragungen und mangelnde Exklusivität schwante mir schon Übles – zum Glück zu Unrecht.

Enttäuschung des Jahres

Meine Enttäuschung des Jahres kommt auch aus der IRL – und heißt Takuma Sato. Vor Saisonbeginn hatte ich der Kombo aus dem Japaner und KV Racing den einen oder anderen Sieg zugetraut. Oder zumindest fix mit Podestplätzen gerechnet. Aber trotz gelgentlicher Ausreißer im Qualifying oder einiger guter Runden auf den Ovalen bleibt am Ende nur die Hoffnung auf Besserung 2011. Und zwar nicht nur, was die häufigen Ausfälle betrifft – auch wenn die Konstanz mal funktioniert hat, war Sato für einen Mann seines unbetrittenen Talents auf den Rundkursen einfach schlicht zu langsam.

Unehrenhafte Erwähnung: Das Starterfeld der F3 Euroseries.

Langweiligstes Rennen

In der Negativwertung kann es wohl nur einen klaren Gewinner geben: Der Formel 1 Grand Prix in Bahrain – diesmal in der XXL(angweil)-Version. In dieser Saison wohl auch deshalb so besonders auffällig, weil die sonst so sicheren Langweiler in Barcelona, Valencia und Budapest diesmal aus verschiedenen Gründen ihre Highlights hatten. Die waren zwar nicht immer positiv (Hamiltons Crash in Barcelona, Webbers Freiflug in Valencia, und das fliegenden Rad in der Hungaroring-Box), aber immerhin: Man schläft nicht ein.

Racecontrol-Moment des Jahres

Da gibt es so einige Entscheidungen, die man im kommenden Jahr besser machen könnte. Vor allem die Formel 2 hat sich ein paarmal recht negativ hervorgetan. Ganz besonders zu Beispiel in Portimao, wo man trotz eines in der (uneinsichtigen) letzten Kurve gestrandeten Autos nur gelb schwenkte, und kein SC auf die Strecke brachte. Mit dem Ergebnis, dass Plamen Kralev sich dort dann auch drehte, und fast die Streckenposten abgeräumt hätte, die grade den anderen Wagen ausbuddeln wollten.

Die unumfochtene Krone geht aber an die SLF-Racecontrol in Beijing. Für die weise Entscheidung, trotz einsetzender Dunkelheit, dichtem Smogs, Regens und eines mitten auf der Strecke stehenden Autos (!) samt Fahrer (!!) auf der engsten Stelle des Kurses (!!!) kein SC auf die Strecke zu holen, sondern nur lokale Gelbflaggen zu werfen – die bei diesem Bedingungen natürlich niemand mehr sehen konnte. Zwei kleine Ausschnitte:



aa

December 31 2010

08:21

Best of 2010: Teil Zwei

Hier der zweite Teil unserer “Best of 2010″-Reihe zum Jahreswechsel. Ich habe dieses Jahr 3 Serien ausführlich verfolgt: Formel 1, NASCAR und die Indycars. Deswegen setzt sich mein Best of 2010 auch hauptsächlich aus Diesen zusammen:

Bestes Rennen:
Bei Der Formel 1 fällt es mir hier schwer mich zwischen Kanada und Türkei zu entscheiden. Türkei war einfach was Szenen anging (Unfall Vettel/Webber; Zweikampf Button/Hamilton) das Rennen, was mir im Gedächtnis geblieben ist und Kanada war einfach nen sehr gutes Rennen mit allem was dazu gehörte.
In der NASCAR war das erste Talladega-Rennen soweit ich mich erinnere sehr gut, allerdings waren alle Superspeedwayrennen dieses Jahr ziemliche Knaller. Auch wenn einige Fahrer diese Rennen nicht mögen und sie gefährlich sind, es sind nunmal für die Zuschauer die besten Rennen. Und unabhängig davon hat die neue Green-White-Checkeredregelung zwar zu viel Schrott geführt, aber insgesamt finde ich sie richtig gut, da nicht mehr so viele Rennen unter gelb beendet werden.
Bei den Indycars fallen mir spontan Texas und Chicagoland ein, was natürlich auch die “schnellen und gefährlíchen” Rennen sind. Bei den Rundkursen muss ich ganz an den Anfang der Saison zurückgehen nach Sao Paulo, ja das war trotz allen Problemen ein schön anzusehendes Rennen.

Bestes Finish:
Ganz klar die Trucks in Talladega, da gibt es keine Diskussion:

Bester Fahrer:
Ganz schwere Sache, wie ich finde. Von den Formel 1 Fahrern her hat sich dieses Jahr keiner so heraus getan, als dass er das verdient hätte. Da waren (viel) zu viele individuelle Fehler dabei, selbst bei einem Alonso. Deshalb teilen sich den Titel Dario Franchitti und Jimmie Johnson. 5-Mal in einer Serie mit 36 Rennen, davon 10 “Play-Off-Rennen”, am Ende den Titel zu holen ist einfach eine unglaubliche Leistung und Franchitti ist cool geblieben und hat auf seine Stärke, die Ovale, vertraut.

Bestes Team:
Sehr schwer ich kann mich irgendwie zwischen Chip Ganassi Racing und RedBull nicht entscheiden, deshalb sind sie für mich beide die besten Teams des Jahres. Chip Ganassi hat in den USA so ziemlich alles gewonnen, was man gewinnen kann, zumindest an einzelnen Rennen.

Überholmanöver des Jahres:
Zuerstmal geht ein Spezialpreis an Kamui Kobayashi für die vielen schönen Überholmanöver dieses Jahr.

Ein Manöver, was mir in Erinnerung geblieben ist, hat Tony Kanaan in der ersten halbe Runde des Indy 500 gezeigt: 8 Autos in 2 Kurven überholt

Es gab dieses Jahr unzählige schöne Überholmanöver, weswegen ich es unmöglich finde, eins herauszupicken. Aber das “Überholmanöver des Jahres muss ja nicht unbedingt das Schönste sein. Deshalb vergebe ich den Preis an Michael Schumacher und Rubens Barichello. Das Überholmanöver von Schumacher an Barichello gehört sicherlich zu den spektakulärsten und ja auch zu den gefährlichsten der Motorsportsaison 2010. Aber in gewissem Maße sollte man auch die Kirche im Dorf lassen , wie es so schön heißt. Es hat beispielsweise nicht Kobayashi Petrov so überholt. Dies war ein Zweikampf zwischen 2 Piloten die den Rennsport schon beide knapp 3 Jahrzehnte betreiben und im Formel 1-Feld über die meiste Erfahrung verfügen und sich zu dem noch sehr gut kennen, wenn auvh nicht unbedingt mögen. Wie gesagt ja es war gefährlich und darf von mir aus auch bestraft werden, auch wenn ich die Bestrafung der FIA ( + 10 Plätze in Spa ) zu hart fand, aber die Stigmatisierung Schumachers danach “als rücksichtloser Fahrer aller Zeiten” und das Wort “Mordversuch” was im Raum stand war einfach zu viel.

Freunde des Jahres:

Ob sie jetzt wirklich Freunde sind weiß ich nicht, aber ich fand es einfach eine extrem faire Geste, dass sich Bowyer und Harvick nachdem extrem knappen Finish in Talladega im Chase noch in den Autos die Hände geschüttelt haben:

Szene des Jahres:
Ganz klar für mich die Kollision zwischen Mark Webber und Sebastian Vettel in der Türkei. RedBull hatte sehr schnelle Autos und gute Chancen auf beide WMs, so viel war schon damals absehbar. Allerdings wusste man auch, dass man den unzuverlässigsten Wagen hatte, dass heißt man musste vorsichtig sein und versuchen, so viele Punkte wie möglich mit zu nehmen. Und dann schießt man sich gegenseitig im 7. , in Worten s-i-e-b-t-e-n Rennen der Saison im Kampf um die Führungsposition ab?! Sowas sollte eigentlich nichtmal Fahrern aus unterschiedlichen Rennställen passieren, wenn sie um die Führung kämpfen, aber Teamkollegen DARF das nicht passieren. Auf alle Fälle zeigt genau diese eine Szene wie ich finde die Intensität und Dramatik des WM-Kampfes in der Formel 1 dieses Jahr.

Kostenpunkt des Jahres:
Kameras, jetzt Mal im Ernst. Hat sich schon Mal jemand überlegt wie viele Kameras auf Rennstrecken jedes Jahr durch Kollisionen einen grausamen und qualvollen Tod sterben. Nein? Seht ihr, und jetzt überlegt euch Mal wie teuer das ist.

Schönster Moment des Jahres:
Beide WM-Siege von RedBull. Wie sagte ein Journalist auf Twitter so schön: “Ok, nun hat eine Getränkemarke also die großen Autohersteller Ferrari, McLaren und Mercedes geschlagen.”
Überraschung des Jahres:
Hier muss ich im Prinzip Abbitte leisten, denn für mich ist das Stattfinden und der ziemlich reibungslose Ablauf des Korea-Grandprixs die Überraschung des Jahres. Ich hätte speziell nach den Fotos die immer wieder kurz vorher auftauchten nicht gedacht, dass dies noch möglich wäre.

Enttäuschung des Jahres:
Einige würden hier sicherlich Michael Schumacher schreiben, aber darüber möchte ich erst nächstes Jahr urteilen. Die WTCC ist meine Enttäuschung des Jahres, da sie schön zeigt, wie man eine Rennserie mit unsinnigen Strafen- und Reglementsdiskussionen mit Anlauf gegen die Wand fahren kann. Auch wenn Chevrolet den Titel meiner Meinung nach verdient hat, ist es einfach falsch einen Titel am grünen Tisch zu gewinnen. Nächstes Jahr fährt dann Chevrolet allein um die WM, meinen Glückwunsch.

Langweiligstes Rennen:
Formel 1: Ähm Bahrain, Bahrain und öhm ach ja richtig Bahrain.
NASCAR: Öhm den Preis kriegen die Rennen in Phoenix, Homestead SCHNARCH!… und Pocono. Nicht unbedingt weil die Rennen da dieses Jahr so langweilig waren, außer in Pocono da waren sie wirklich grausam, sondern weil die Strecken allein schon wegen der Charakteristik wenig Möglichkeiten für spannende Rennen bieten und umgebaut gehören. Und warum Phoenix und Homestead unbedingt im Chase sein müssen… Dann lieber 8 Rennen und nicht ein Rumgefahre auf Strecken nur weil die Zahl 10 toll aussieht und es dort warm ist.

Racecontrol-Moment des Jahres:

Viele erwarten jetzt hier sicher irgendeine der diversen DTM-Racecontrolentscheidungen. Jedoch wiegen diese einzeln gesehen für mich nicht so schwer, wie das was sich die Indycarracecontrol in Edmonton geleistet hat. Deshalb geht dieser Preis vielleicht für einige etwas überraschenderweise an die Indycarraacecontrol für die Aberkennung des Sieges von Helio Castroneves in Edmonton. Was war passiert? Helio Castroneves lag wenige Runden vor Schluss in Führung. Dann kam es zu einer Caution. Beim darrauffolgenden Restart verteidigt Castroneves durch Fahren am Innenrand der Kurve seine Führungsposition gegenüber Will Power. Alles fair und gut. Allerdings gab es vor dem Rennen die übliche Fahrerbesprechung, in der gesagt wurde, dass man wie auf Ovalen Überholversuche nicht blockieren dürfte, wenn man dabei eine imaginäre Linie in der Kurvenmitte überfahren würde.

Auf Ovalen macht diese Regel ja sicherheitsmäßig Sinn. Aber auf dem quadratkilometergroßen Flugplatz von Edmonton mit seinen gefühllten 50 Meter breiten Landebahnen ist diese Regel einfach nur völlig Fehl am Platze. Am Ende fuhr Castroneves zwar als erster durchs Ziel , den Sieg bekam aber Dixon, der mittlerweile Power überholt hatte. Ich war selten so , man verzeihe mir die Wortwahl “angepisst” nach einem Rennen wie nach diesem. Dagegen war das was Ferrari am gleichen Wochenende in Hockenheim praktizierte ein Kindergeburtstag.

Ja die Regelauslegung war dem Regelwerk nach konform und ja das wurde auch vorher in der Fahrerbesprechung erläutert, aber in den letzten 3 Runden eines Rennens erwarte ich ein bisschen Feingefühl von der Indycarracecontrol, die ja öfters Sachen so und so auslegt ohne jetzt näher darauf eingehen zu wollen. Castroneves war nachdem Rennen natürlich richtig sauer, fühlte sich um seinen Sieg betrogen und ging dem Indycar Sicherheitschef buchstäblich an den Kragen der aber zum Glück cool blieb. Was bleibt ist die Erinnerung an die schlechteste Racecontrol Entscheidung des Jahres, ich gerate heute noch in Rage wenn ich nur daran denke.

Glückspilz des Jahres:
Herr Conway, Herr van der Drift und Herr Sadler sind die Glückspilze des Jahres. Bei diesen drei wirklich schweren Unfällen in Indianapolis, Brands Hatch und Pocono noch am Leben zu sein, dass ist zwar Einerseits der Verdienst der hochmodernen Sicherheitssysteme , aber Andererseits war da sicherlich bei allen Dreien auch eine gehörige Portion Glück dabei und eine Menge Schutzengel anwesend. Leider hatten andere Motorsportler in diesem Jahr weniger Glück.

Wünsche für 2011:

Wenig schwere Unfälle , viele schöne Rennen, spannende Meisterschaftsentscheidungen, mehr vernünftige legale Streamangebote und weniger strittige Racecontrole-Entscheidungen.

Feinde/Duell des Jahres:

Für mich der Kampf zwischen Audi und Peugeot in Le Mans. 2011 sind die Karten auf Grund der neuen Autos neu verteilt, aber die Materialschlacht auch dieses Jahr war mal wieder fantastisch anzusehen und man bewahrt sich trotz allem noch ein gesundes Maß an menschlicher und sportlicher Fairness.

Zum Schluss noch eine Danksagung an Don, für die Möglichkeit dieses Jahr hier mitzuwirken, an die anderen Autoren für die vielen Mailwechsel und selbstverständlich an die Leser des Blogs, egal ob eher still oder aktiv im Chat und in den Kommentaren! Auf ein gutes Jahr 2011!

Older posts are this way If this message doesn't go away, click anywhere on the page to continue loading posts.
Could not load more posts
Maybe Soup is currently being updated? I'll try again automatically in a few seconds...
Just a second, loading more posts...
You've reached the end.

Don't be the product, buy the product!

Schweinderl