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March 23 2013

09:00

IndyCar: Saisonvorschau 2013 und 1. Rennen in St. Petersburg

Nach einer langen Winterpause sind auch die IndyCars zurück zum Saisonauftakt in St. Petersburg. Mit Ryan Hunter-Reay muss nach sechs Jahren wieder ein US-Amerikaner seine Meisterschaft verteidigen.

stpete 08 IndyCar: Saisonvorschau 2013 und 1. Rennen in St. Petersburg

Champion Ryan Hunter-Reay in St. Petersburg
(C) Firestone Racing / Dennis Ashlock

Nachdem vor einem Jahr fast alles neu war, halten sich die Änderungen für diese Saison in Grenzen. Wenig überraschend hat sich Lotus als Motorenlieferant zurückgezogen, da kein Team die schwachen Motoren einsetzen wollte. Damit verbleiben nur noch Honda und Chevrolet als Motorenpartner in der IndyCar-Serie. Auf den Einsatz der geplanten Aero-Kits anderer Hersteller wird aus Kostengründen verzichtet. Die Teams beziehen also weiterhin alle Teile von Dallara.

Mit Rubens Barrichello und Ryan Briscoe haben zwei prominente Fahrer die Serie nicht ganz freiwillig verlassen. Mit AJ Allmendinger gibt es aber auch einen namhaften Zugang, mindestens für das Rennen im Barber Motorpark und das Indy 500. Aber der Reihe nach.


Teams, Fahrer

Andretti Autosport (Chevrolet)
Hier setzt man auf bewährte Kräfte. Neben Meister Ryan Hunter-Reay sind auch Marco Andretti und James Hinchcliff weiter dabei. In Zusammenarbeit mit HVM wird das Team um ein Auto, das von EJ Viso pilotiert wird, erweitert. Im Gegenzug mussten die Teilzeitfahrer Ana Beatriz und Sebastian Saavedra das Team verlassen.

Nach der hervorragenden letzten Saison von Ryan Hunter-Reay sind die Erwartungen natürlich sehr hoch. Es ist fraglich, ob man sich wieder gegen die beiden Überteams Penske Racing und Chip Ganassi Racing durchsetzten kann. Auch sollte Marco Andretti langsam mal konstant gute Ergebnisse abliefern, denn nur der Name wird ihm auf Dauer kein Cockpit sichern.

Team Penske (Chevrolet)
Aufgrund von Sponsorenmangel musste das dritte Vollzeit-Auto von Ryan Briscoe aufgegeben werden. Rückkehrer AJ Allmendinger wird aber mindestens bei zwei Rennen, Barber Motosports Park (07.04.) und Indy 500 (26.05.), in einem von IZOD gesponserten Wagen sitzen. Allmendinger fuhr 2004 und 2005 in der Champ Car World Series, bevor er in die NASCAR wechselte. Im letzten Sommer verlor er aufgrund eines Verstoßes gegen die Drogenrichtlinien sein Vollzeitcockpit bei Penske Racing.

Die beiden anderen Wagen werden weiterhin von Will Power und Helio Castroneves pilotiert.

Nach der Serie von Vizemeisterschaften ist auch in diesem Jahr Will Power einer der ganz großen Meisterschaftsanwärter. Helio Castroneves hatte in den letzten Jahren nicht die Konstanz für eine Meisterschaft, ist aber immer für Rennsiege gut.

Chip Ganassi Racing (Honda)
Bei Ganassi wurde das Junioren-Team auf ein Auto für Charlie Kimball reduziert. Graham Rahal ist in das Team seines Vaters gewechselt. Die beiden Top-Autos werden weiter von Dario Franchitti und Scott Dixon gefahren.
Nach einem etwas zäheren letzten Jahr wird man bei Chip Ganassi alles daran setzen, wieder die Nummer 1 zu werden. Die fahrerischen Qualitäten dafür haben Dario Franchitti und Scott Dixon natürlich.

KV Racing Technologie (Chevrolet)
Rubens Barichello ist zurück in seine brasilianische Heimat gewechselt und wird durch Simona de Silvestro ersetzt, die auch ihren Sponsor von HVM mitbringt. Ihr erfahrener Teamkollege wird Toni Kanaan sein.

Mit dem Veteran Toni Kanaan ist auf allen Strecken zu rechnen. Interessant wird es zu sehen, wie sich Simona de Silvestro nach dem verlorenen Lotus-Jahr schlagen wird. Auf Straßenkursen und permanenten Rennstrecken war sie 2011 schon häufig sehr schnell unterwegs.

Rahal Lettermann Lanigan Racing (Honda)
Das Team wird um einen Vollzeit-Wagen für James Jakes erweitert. Beim Indy 500 und evtl. weitere Ovalrennen wird ein weiteres Auto für Mike Conway eingesetzt. Takuma Sato wird durch Graham Rahal ersetzt.

In der Vergangenheit lief die Zusammenarbeit von Graham und seinem Vater Bobby Rahal nicht besonders erfolgreich ab. In den letzten Jahren hat Graham Rahal, unter anderem bei Chip Ganassi, aber viel gelernt und über genug Talent verfügt er auch. Zwischen Top-Resultaten und hinterem Mittelfeld ist bei dieser Kombination alles möglich.

Dale Coyne Racing (Honda)
Den abgewanderten James Jakes hat man durch Ana Beatriz ersetzt, die nun eine ganze Saison bestreiten darf. Im zweiten Auto ist Justin Wilson gesetzt.

Dragon Racing (Chevrolet)
Im Winter hat man sich, trotz eines laufenden Vertrags und Sponsorendeals, von Katherine Legge getrennt. Wahrscheinlich treffen sich die Parteien noch vor Gericht. Das freie Cockpit hat sich Sebastian Saavedra gesichert. Sein Teamkollege wird Sebastian Bourdais sein, der in seine zweite Vollzeit-Saison geht.

Ed Carpenter Racing (Chevrolet)
Der Stiefsohn von Tony George setzt weiterhin einen Dallara Chevrolet ein und fährt ihn auch selbst. Auf schnellen Ovalen ist er immer für eine Überraschung gut. Dies zeigte zuletzt sein Sieg beim Saisonabschluss in Fontana.

Panther Racing/ Panther Dreyer & Reinbold Racing (Chevrolet)
Für Panther Racing greift wieder JR Hildebrand ins Lenkrad. Die Kooperation von Dreyer & Reinbold Racing mit Panther Racing, die sich durch den Motorenwechsel von DRR zu Chevrolet vor dem Indy 500 ergeben hatte, wird auch in dieser Saison fortgesetzt. Der gemeinsame Wagen wird auch diese Saison von Oriol Servia pilotiert.

Barracuda Racing (Honda)
Bryan Herta Racing hat mit Barracuda, einem IT-Unternehmen, einen Namenssponsor gefunden. Der Fahrer ist weiterhin Alex Tagliani, mit dem man zumindest auf den schnellen Ovalen rechnen muss.

Sarah Fisher Hartmann Racing (Honda)
Beim kleinen Team von Sarah Fisher hat sich über den Winter wenig geändert. Weiterhin ist Josef Newgarden der Stammfahrer.

Schmidt Hamilton HP Motorsport/ Schmidt Peterson Motorsport (Honda)
Für Sam Schmidt gehen in dieser Saison zwei Franzosen an den Start. Simon Pagenaud, der weiterhin für Schmidt Hamilton HP Motorsport antreten wird, hat mit Tristan Vaultier einen neuen Teamkollegen bekommen. Dieser hat sich mit der Meisterschaft bei den Indy Lights im letzten Jahr für einen Platz bei den IndyCars empfohlen. Für das zweite Auto hat Sam Schmidt mit Ric Peterson einen neuen Partner gefunden.

AJ Foyt Enterprises
In seinem dritten IndyCar-Jahr tritt Takuma Sato für sein drittes Team an. Einzig den Honda-Triebwerken ist er treu geblieben. Für das Indy 500 ist geplant, für Chase Austin ein zweiten Auto eingesetzt.

Strecken, Rennen
Am Rennkalender hat sich nur wenig verändert. Das Rennen in Edmonton wird durch ein Ovalrennen auf dem Pocono Raceway ersetzt. Kurz vor dem Ende der Saison wird vor Fontana noch ein Straßenkurs in Houston eingeschoben. Die Rennen auf den drei großen Ovalen in Indy, Pocono und Fontana werden zur Triple Crown zusammengefasst. Sollte ein Fahrer zwei dieser Rennen gewinnen bekäme er 250.000 Dollar Extra-Preisgeld, bei drei Siegen sogar 1.000.000 Dollar.

Die Rennen auf den Stadtkursen in Detroit, Toronto und Houston werden als Double-Header ausgetragen. Dort wird dann, abweichend von der Tradition und den anderen Rennen, auch stehend gestartet. Insgesamt kommt man so auf 19 Saisonrennen:

  1. 24. März    Honda Grand Prix of St. Petersburg (Saint Petersburg)
  2. 7. April      Honda Indy Grand Prix of Alabama (Birmingham)
  3. 21. April    Toyota Grand Prix of Long Beach (Long Beach)
  4. 5. Mai         São Paulo Indy 300 (São Paulo)
  5. 26. Mai      Indianapolis 500 (Indianapolis)
  6. 1. Juni        Chevrolet Indy Dual in Detroit (Detroit)
  7. 2. Juni
  8. 8. Juni        Firestone 550 (Fort Worth)
  9. 15. Juni      Milwaukee IndyFest (West Allis)
  10. 23. Juni     Iowa Corn Indy 250 (Newton)
  11. 7. Juli         Pocono INDYCAR 400 (Pocono)
  12. 13. Juli       Honda Indy Toronto (Toronto)
  13. 14. Juli
  14. 4. August           Honda Indy 200 at Mid-Ohio (Lexington)
  15. 25. August        GoPro Indy Grand Prix of Sonoma (Sonoma)
  16. 1. September    Grand Prix of Baltimore (Baltimore)
  17. 5. Oktober         The Shell and Pennzoil Grand Prix of Houston (Houston)
  18. 6. Oktober
  19. 19. Oktober       MAVTV 500 (Fontana)

St. Petersburg
Die Strecke kombiniert eine Start- und Landebahn mit einem US-typischen Stadtkurs. Die lange Start-Ziel-Gerade mündet in eine recht enge Rechtskurve, wo in den letzten Jahren viele Überholmanöver stattfanden. Nach zwei flüssigen Kurven führt eine kurze Gerade in eine 90 Grad Rechtskurve, die zu einem, meist nicht funktionierenden, Überholversuch einlädt. Nach einem engen verwinkelten Bereich kommen die Fahrer auf eine lange Gerade, direkt am Meeresufer entlang, mit zwei schnellen Linkskurven und einer flüssigen Schikane. Eine doppelte Rechtskurve führt wieder auf die Start- und Zielgerade.

Von den acht IndyCar-Läufen in St. Peterburg haben Penske-Fahrer fünf gewonnen. Allein Helio Castroneves hat dort drei Siege, zuletzt auch im Vorjahr, zu Buche stehen. Entsprechend sind er und sein Teamkollege Will Power, auch nach den sehr guten Ergebnissen beim letzten Test auf dem Barber Motorsport Park, die ersten Sieganwärter. Neben Penske Racing muss man auch immer die Fahrer von Chip Ganassi und den amtierenden Meister Ryan Hunter-Reay auf der Rechnung haben. Besonders sollte man auch auf Simona de Silvestro achten, die in St. Petersburg 2011 einen hervorragenden vierten Platz belegte. Nach einem schwachen Jahr mit Lotus-Power dürfte sie im Chevrolet befeuerten KV Dallara wieder bessere Ergebnisse abliefern.

 IndyCar: Saisonvorschau 2013 und 1. Rennen in St. Petersburg

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May 27 2011

06:49

Vorschau: Indy 500 Centennial

Nach einer spannenden Qualifikation mit einigen Überrschungen ist alles für ein spektakuläres Jubiläumsrennen bereit. Leider gibt es aber auch wieder etwas Ärger.

Das mit Abstand wichtigeste Rennen der IndyCar-Saison steht vor der Tür: Am Sonntag gegen 18 Uhr (CEST) wird IMS-Eignerin Mari Hulman George wieder den Command zum Starten der Motoren erteilen. Diesmal schwingt ganz besonders viel Tradition mit: Denn vor fast genau 100 Jahren, am 30. Mai 1911 fand das erste Indy 500 statt. (Das hundertste Rennen ist es trotzdem nicht – während der beiden Weltkriege mussten einige Läufe abgesagt werden.) Die Ergebnisse der Qualifikation versprechen zu diesem Anlass ein spannendes Rennen: Vorne sind einige Außenseiter dabei, und manch vermeintliche Favoriten starten von weit hinten im Feld. Für Gesprächsstoff sorgte allerdings eine etwas fragwürdige Entscheidung nach der Qualifikation.

Die Qualifikation

Es war vor allem der Pole Day, der diesmal voller Überraschungen steckte: Da war zunächst die verblüffende Stärke einiger Fahrer, die in der bisherigen Saison entweder nur im hinteren Teil des Feldes zu finden waren, oder heuer noch gar nicht in Erscheinung getreten sind.

Insbesondere gilt das für Polemann Alex Tagliani. Der Kanadier war zwar auch auf den Road Courses schon recht gut dabei, und hat sich auch im vergangenen Jahr im Indy 500-Qualifying recht achtbar geschlagen – dass er aber im Sam Schmidt-Wagen die Qualifikation gewinnen würde, das hätten wohl nur die wenigsten erwartet. In Punkto Rennpace muss man wohl abwarten – 2010 war er im Rennen nicht ganz so gut wie im Training.

Nicht ganz unerwartet, aber dennoch erstaunlich: Oriol Servia auf Rang 3. Die gute Oval-Performance von Newman-Haas überrascht nach dem Katastrophenjahr 2010. Man darf aber nicht vergessen, dass die Truppe schon einmal, Ende 2009, fast den Speed der großen zwei mitgehen konnte. James Hinchchliffes 13. Position beim ersten IndyCar Oval-Auftritt bestätigt die gute Pace des Autos. Ähnliches gilt für den viertplatzierten Townsend Bell (etwas kontroverserweise mit Greg Moores Startnummer 99 unterwegs), dessen vierte Position die Performance von Sam Schmidt Racing unterstreicht.

Dan Whelson (für Bryan Herta Autosport auf Rang sechs) zeigt, dass er eine volle Saison in der IndyCar verdient hätte; Gleichfalls die dahinter liegenden Oval-Spezialisten Buddy Rice und Ed Carpenter.

Ganz gut im Mittelfeld unterwegs: Die drei KV Racing-Wagen von Takuma Sato (10), EJ Viso (18) und Tony Kanaan (23). Ebenso Dreyer & Reinbold mit Davey Hamilton (15) und Justin Wilson (20). Beeindruckend die Leistung von Simona de Silvestro, die sich trotz schwerem Unfall und Verbrennungen an den Händen im Erstazauto auf Platz 24 qualifiziert hat.

Erstaunlich: Die Schwäche der beiden Top Teams. Mag schon sein, dass man bei Penske und Ganassi vielleicht etwas mehr in Richtung Rennsetup gearbeitet hat. Dass allerdings die beiden “echten” Ganassi Piloten fast beide Opfer eines Sprit-Rechenfehlers werden – das ist schon erstaunlich. Immerhin haben sich beide innerhalb der ersten neun platzieren können (Dixon: 2, Franchitti: 9). Ganz im Vergleich zum “Juniorteam” mit Kimball und Rahal, die sich beide ihren Platz am Grid erst am Bump Day gesichert haben.

Auch bei Penske lief es nicht viel besser: Lediglich Will Power hat es unter die ersten neun geschafft – sein fürnfter Platz ist vermutlich unter dem Ansprüchen des erfolgsverwöhnten Teams. Für Dreifach-Champion Helio Castroneves reichte es nur für Rang 16; Ryan Briscoe schaffte es nach einem Crash am Pole Day zunächst gar nicht, sich in die Ränge der Qualifizierten zu fahren – am Sonntag holte er dann Startplatz 26.

Das alles ist aber nichts nichts gegen das Desaster, dass das einstige Spitzenteam von Andretti Autosport erleben musste. Innerhalb der ersten 24 konnte sich am Pole Day allein John Andretti platzieren – auf Rang 17. Damit waren vor Beginn des Bump Day noch alle vier Stars (Danica Patrick, Marco Andretti, Ryan Hunter-Reay und Mike Conway) ohne Platz im wichtigsten Rennen des Jahres. Patrick und Andretti fuhren dann immerhin noch ins Feld (auf die Startpositionen 26 und 28), Conway und Hunter-Reay mussten draußen bleiben.

Die Kontroverse

Sollte man zumindest meinen. Denn im Laufe des Montag wurde klar, dass Ryan Hunter-Reay doch am Rennen teilnehmen würde. Möglich ist das, weil AJ Foyt den Startplatz von Bruno Junqueira an Andretti Autosport verkauft hat. Damit ist der Brasilianer trotz Qualifikation auf Rang 19 nicht im Rennen dabei. Und Hunter-Reay muss den Lauf von Startplatz 33 in Angriff nehmen.

Anlass für diesen Schritt war offenbar weniger der sportliche Ehrgeitz, als vielmehr das liebe Geld: AJ Foyt hatte Junqueira den Startplatz im Rennen quasi geschenkt – der Brasilianer selbst bringt keine Sponsoren mit ins Team. Das finanzielle Angebot von Andretti war für Foyt also umso attraktiver, als er nun unabhängig vom Resultat mit seinem Auto Geld verdient.

Für Andretti wiederum ging es darum, die Sponsoren von Hunter-Reay (SunDrop und die bewährten DTM-Förderer von DHL) im Rennen unterzubringen – möglicherweise war ein Auftritt beim Indy 500 Teil des Sponsorvertrages mit diesen Firmen.

Das Wagen wird jetzt mit einer Mischung aus den genannten Hunter-Reay-Sponsoren und jenen von AJ Foyt ins Rennen gehen, und Junqueiras (ehemalige) Startnummer 41 tragen. Noch nicht ganz klar ist, wer den Wagen technisch betreuen wird. Aktuelle Meldungen deuten aber darauf hin, dass auch das von AJ Foyt Enterprises erledigt wird.

Junqueira hat in ersten interviews recht besonnen auf die Aktion reagiert – für den Brasilianer kann das Ergebnis aber ganz sicher nicht erfreulich sein, zumal er ja um das Wiederaufleben seiner Karriere kämpft. Schon 2009 hatte er seinen Startplatz an Conquest Teamkollege Alex Tagliani abgeben müssen. Dass er den Speed für die Teilnahme am Rennen (oder auch an einer vollen Saison) nach wie vor hat, hat er bewiesen. Die Chance, das auch einer größeren Öffentlichkeit zu demonstrieren, bleibt ihm aber wieder verwehrt.

Das Rennen – Vorschau

Mit Vorhersagen muss man beim Indy 500 immer ganz besonders vorsichtig sein. Nicht nur, weil in einem 500 Meilen-Rennen ohnehin ziemlich viel passieren kann. Sondern auch deswegen, weil nach dem Qualifying noch unklar ist, wer vor allem am Speed auf vier Quali-Runden gearbeitet – und wer stattdessen an der Rennpace gefeilt hat.

Von der schwachen Performance bei Penske und Ganassi sollte man sich nicht beeindrucken lassen. Die beiden Spitzenteams haben für das Rennen ganz sicher noch den einen oder anderen Trumph in der Hand – das betrifft auch die zweite Garde rund um Rahal oder möglicherweise sogar Kimball.

Ein weiterer heißer Tipp ist, wie oben schon angedeutet, Newman-Haas. Vor allem dem Ovalfreund Oriol Servia ist durchaus zuzutrauen, dass er auch an der Spitze des Feldes mithalten kann.

Wo sehen?

Wie schon in den vergangenen Jahren hat sich auch heuer kein Sender im deutschen Sprachraum gefunden, der den Lauf überträgt – anders als etwa im benachbarten Ausland, wo etwa sky UK, sky Italia und Motors TV Frankreich das Rennen zeigen. Wie auch immer: Man wird sich wohl auch diesmal wieder in den Weiten des Internets auf die Suche nach einem Stream begeben müssen, wenn man den Lauf live verfolgen will. Los geht die Übertragung in den USA um 12Uhr ET (also 18Uhr CEST) auf ABC. Außerdem angeblich in Internet auf ESPN3.com – die Homepage des Senders bietet allerdings keine Bestätigung für diese in manchen Foren kursierende Information. Zum Einstimmen zeigt Versus schon am heutigen Freitag um 17 Uhr CEST live das “Firestone Freedom 100″ – das Rennen der Indy Lights.

April 21 2011

17:03

IndyCar: Analyse Long Beach

Ein bekanntes Sprichwort lautet: 1. kommt es anders und 2. als man denkt. Unter diesen Motto stand am Wochenende der jährliche Aufgalopp der Indy Car Series beim Toyota Grand Prix of Long Beach. Bereits im Vorfeld des Rennen wurden hohe Erwartungen geschürrt, woran die beiden Rückkehrer Paul Tracy und dessen Lieblingsgegner Sebastian Bourdais sicher nicht ganz unschuldig waren.

Nach den freien Trainings sah alles noch so aus, als würde das Wochenende seinen üblichen Verlauf nehmen. Vorne weg fuhren die beiden Teams des Todessternes in Person von Will Power und Ryan Briscoe welcher 2 Trainings gewinnen konnte, dicht gefolgt von Ryan Hunter Reay und den anderen Wagen der beiden Big Teams. Dieser Trend setzte sich auch im Zeittraining fort, aber bei Leibe nicht mehr so stark wie man erwartet hatte bzw. dauerte nur bis zum vorletzten Segment. So schafften es Dario Franchitti und Scott Dixon als 7. und 8. nicht sich fürs Firestone Fast 6 zu qualifizieren, da sie in aller letzter Sekunde noch von Justin Wilson verdrängt wurden. Etwas überaschend verpasste auch Ryan Briscoe das Fast 6 als 12. und letzter der 2. Runde, während sich Will Power vor RHR, dem überaschend starken Mike Conway, Oriol Servia im überaschend starken NH-Dallara und Justin Wilson die Pole sichern konnte während Helio die 6 Fahrer komplettierte.

Dass mit Newman Haas in dieser Saison auf den Rundkursen zu rechnen scheint, bestätigte auch James Hinchcliffe auf P11, hinter Tony Kanann im besten KV. Beste Dame wurde Simona de Silvestro im HVM auf Startplatz 18, noch vor Matos und Patrick, während sich Sebastian Bourdais und Pault Tracy nur mit den Startpositionen 21 bzw. 25 begnügen mussten. Ein herber Rückschlag für beiden schon vor dem Rennen, da man in Long Beach schon traditionell nur sehr schwer überholen kann und sich die beiden Rückkehrer sicher mehr ausgrechnet haben.

Somit war alles perfekt für das Rennen angerichtet und auch die anfänglich befürchteten Regenschauer blieben – so viel sei schon mal gesagt, aus.

Leider vermasselte sich Ana Beatriz das Rennen schon vor dem Start, als sie sich in der Einführungsrunde ausgangs der Fountain Kurve drehte und den Motor dabei 2 mal abwürgte, was bedeutete, dass sie von ganz hinten beginnen musste.
Den Start konnte Will Power gewinnen, nachdem er sehr früh ausgangs der Hairpin aufs Gas trat und sich nur die ersten 2 Reihen in Formation bringen konnten, vor Ryan Hunter Reay und Mike Conway, während sich Oriol Servia auf Platz 4 halten konnte und auch die anderen Piloten mehr oder unverändert zu ihrer Startposition durch die ersten Kurven kamen, denn der befürchtete Massencrash in Turn 1 blieb nämlich aus.

So blieb dann auch alles bis zur 7. Runde mehr oder weniger unverändert, bis Ryan Briscoe – immer noch auf Platz 12 liegend sich entschlossen hat an die Box zu kommen, harte Reifen zu nehmen und somit out of Seqenze zu gehen, denn die ersten Stopss wurden nach normalen Rennverlauf erst gegen Runde 27 erwartet. Da Brisoce aber einen ordentlichen Vorsprung auf Platz 13 derweil herausfahren konnte blieb er nach dem Stopp unverändert auf Platz 12.
Währenddessen konnten sich Power, RHR und Conway etwas vom Rest des Feldes absetzen und gute 5 Sekunden Vorsprung auf das Duo Orial Servia und Justin Wilson herausfahren.

Leider blieben die folgenden 10 Runden ohne Ereignisse und er einzige Fahrer, welcher etwas Boden gut machen konnte, war Bourdais, der sich in Runde 17 Simona de Silvestro und damit Rang 18 holen konnte.

Mehr Action gab es dann allerdings erst ab der 24. Runde, als auf einmal Justin Wilson in der in der Hairpin quer stand, nachdem er von Helio Castroneves (welcher nochmals von sich reden machen wird) leicht angestoßen wurde. Dies nutzten sofort Ryan Briscoe, Tony Kanann, Alex Tagliani und Helio um in die Box zu kommen, da sie fest mit einer bald ausgerufenen Full-Course Yellow rechneten. Da aber Justin Wilson den Rückwärtsgang einlegen konnte und somit die Stelle schnell räumen konnte, schien es so als haben sich diese Herren getäuscht.

Aber da man im Leben manchmal Glück hat, wurde 1 Runde später Simona de Silvestro von PT an der selben Stelle angestupst, was ebenfalls einen Dreher zur Folge hatte und diesmal aber eine Full-Course Yellow ausgelöst hat. Für Simona war das Rennen somit schon sehr frühzeitig gegessen, da sie bald vom PaceCar überrundet wurde und somit das Rennen nur mit Rundenrückstand wieder aufnehmen konnte.
Auch PT kam nicht ohne Folgen davon, denn er erhielt im Gegensatz zu Helio eine drive Through was ihn ans Ende der Lead Lap befördert hatte, was aber nicht viele Postionen waren, denn er hielt sich eh nur ab Position 20 aufwärts auf.

In dieser Gelbphase kamen nun natürlich all jene zum tanken welche nicht vorher auch schon beim tanken waren und somit war in der Boxengase ordentlich Betrieb vorprogrammiert, was nicht ohne Folgen blieb. Zum einen verpasste Mike Conway beim 1. Versuch die Box um einen guten Meter weil er sich verbremste, was dazu führte dass er nicht betankt und somit ein 2. Mal zum Service kommen musste. Blieb dieser Vorfall noch ohne Folgen außer dass er auf Platz 21 zurückfiel und man meinte das Rennen sei auch für ihn gelaufen, blieb ein 2. Vorfall definitiv nicht ohne Folgen.

Nachdem Bourdais und Marco Andretti dicht beinander zum Service kamen, hatte Marco beim ausfahren aus seiner Box als das Go-Signal kam einen Moment lang nicht aufgepasst und den nebenihm fahrenden Bourdais komplett übersehen was eine Kollision in der Pit Road zur folge hatte. Das Rennen war für Seabass sofort gelaufen, da er einen mittelschweren Aufhängungsschaden hatte, da halfen ihm auch die Entschludigungen von Andretti nix und auch Marco musste kurze Zeit später das Segel streichen, nachdem man noch versucht hatte das Rennen wieder aufzunehmen. Jedoch war der Schaden auch an seinem Auto nach seinem Aussetzer zu groß.

Die Führung hatte nun aufgrund der Ereignisse Alex Tagliani vor Ryan Briscoe und Will Power übernommen, während Ryan Hunter Reay auf P4 vor Helio Castroneves und Dario Franchitti lag. Oriol Servia hat leider ein paar Positionen verloren und lag zu diesem Zeitpunkt auf Platz 7, noch vor Scott Dixon und James Hinchcliffe während Vitor Meira die Top 10 komplettierte. Danica Patrick lag als beste Dame auf P.15, 8 Plätze besser als Paul Tracy welcher dieses Wochende sicher gerne ganz schnell vergessen möchte, denn auch im weiteren Verlauf verlief es für ihn katastrophal und es sprang am Ende für ihn nicht mehr als ein 16. Platz heraus.

Beim folgenden Restart musste Alex Tagliani die sitting duck spielen, denn er wurde sofort von Ryan Briscoe und Ryan Hunter Reay kassiert, nachdem dieser erst Will Power eingangs Turn 1 überholen konnte. Jener Will Power konnte dann aber auch Tags schnell überholen. Unterdessen konnte sich Ryan Briscoe als einziger auf den schnelleren Reds sich etwas absetzen, denn seine Strategie ging bis jetzt perfekt auf.

Auch jetzt zog sich das Feld wieder sehr schnell auseinander, was dazu führte dass es auch hier kaum Überholmanöver gab und man wie auf einer Perlenschnurr druch die Straßen fuhr und auch an der Spitze gab es kaum Duelle, so fuhren die ersten 3 jeweils mit gut 1 Sekunde Abstand vor sich her. Die einzige Ausnahme bildetete aber Mike Conway für Andretti Autosport welcher an jenem Tag über ein Bomben-Auto verfügte und sich Stück für Stück wieder nach vorne arbeiten konnte.

Erst ab Runde 42 entwickelte sich wieder etwas Spannung, denn Justin Wilson kam in die Box auf P13 liegend zum Service, da er keine Möglichkeit besaß sich weiter nach vorne zu arbeiten. Ob diese Entscheidung sinnvoll oder nicht war, darüber kann man streiten denn das Fuel Window war hier 25-30 Runden und kurz Halbzeit hätte er es somit nicht ins Ziel geschafft. Aber hätte wäre wenn, in Runde 62 hat Justin Wilson beim anbremsen einen Achsschaden als ihm beim anbremsen von Turn 8 auf die Gegengerade das Heck wegging. Er schlug zwar nur leicht ein, jedoch war die Hinterachse dermaßen kaputt dass das Aus besiegelt war.

In Runde 54 läuteten dann Tony Kanann und Oriol Servia die Phase der 2. und letzten Stopps ein und nacheinander kamen dann auch alle Piloten zum Service rein, welche im Gegensatz zu den 1. Stops diesmal ohne Probleme verliefen. Jedoch konnte Will Power eine Runde länger als Ryan Hunter Reay draussen bleiben, was dazu führte dass er beim anbremsen von Turn1 die 2. Position erobern konnte, was zu diesem Zeitpunkt eine Penske Doppelführung bedeutete da Ryan Briscoe seinen Platz an der Sonne verteidigen konnte. Jedoch sah man dann in den folgenden Kurven den Unterschied zwischen kalten und warmen Reifen mehr als deutlich, sodass RHR sich wieder Platz 2 zurückerobern konnte.

Quizfrage: “Was gehört zu jedem normalen IndyCar Rennen dazu was wir bisher im Verlaufe des Rennen nicht haten ?” – Richtig ein Crash. und die 2. Frage lautet: “Von wem ?” auch wieder richtig, von E.J Viso in Diensten von KV Racing welcher seinen Dallara im 60. Umlauf in die Reifen setzte und somit mit KV-Kleinholz Nummero 8, wovon alleine 7 auf seine Kappe gehen (!!!) eine local yellow auslöste, als er beim anbremsen der links vor der Haarnadel sehr optimitisch nach innen zu Danica Patrick zog, worauf sich die Wagen berührten und er nach rechts in die Reifen abbog.

In Runde 62 kam es dann zum schon vorher angesprochenen Unfall von Justin Wilson welcher aber nun eine Full-Courese Catuon auslöste. Diese Caution sollte aber dann beim restart von rennentscheidender Bedeutung sein. Aber der Reihe nach. Vor dem Restart lag Briscoe, vor RHR, Power und Castroneves während sich Servia auf Platz 5 vor Dario und Scott Dixon platzieren konnte. Mike Conway war derweil der “biggest mover” und fand sich auf Platz 11 vor dem Restart wieder.
Beim Resart in Runde 66 konnte sich Ryan Briscoe durchsetzen, während Will Power versuchte sich aussen an RHR in Turn 1 zu bremsen. Dies gelang jedoch nicht und so wollte Will Power hinter RHR in Turn 1 biegen. Wollte deshalb weil Helio dachte “hey da ist ja eine Lücke, die ist zwar 40m vor mir und Will Power zieht da gleich rein, aber was Matt Jackson, Jason Plato und Co in der BTCC können, das kann ich doch auch!” So verlegte Castroneves seinen Bremspunkt einfach mal um gute 30m nach vorne. Will Power zog natürlich nach innen in Turn1, da da natürlich (noch) niemand war. Als er innen in Turn war, rauschte ihm jedoch Helio natürlich ins Heck und drehte somit sich und den auf Platz 3 liegenden Will Power weg.
Da aber beide keine Schäden davon trugen, konnten sie das Rennen sofort wieder aufnehmen und es wurde keine Caution ausgelöst.

Eine vorsichtig ausgedrückt “sehr optimistische” Aktion von Helio, da sich nach diesem Unfall beide auf Platz 12 und 13 wiederfanden. Dass Helio dieses Jahr anscheinend gerne sehr auf Verdacht in die Kurven beim restart bremst, konnte man ja schon in St. Pete sehen, aber hier räumte er seinen eigenenden Teamkollegen ab, welcher sicher höchstwahrscheinlich auf das Podest gekommen wäre. Für Will Power sprang am Ende ein 10. Platz raus, deutlich weniger als man sich in seinem Lager erhofft hatte.
Ein weiterer Verlierer dieser Aktion war Scott Dixon, welcher sich dabei die vordere linke Spurstange verbogen hatte. Jedoch konnten seine Mechaniker dieses Teil an der Box sehr zügig wechseln, so dass er auf Platz 18 mit 1 Runde Rückstand ins Ziel rollte.

Eine Runde später zeigte sich, dass die Entscheidung, noch schnell ein paar Dallara-Aktien zu kaufen absolut die richtige Entscheidung war, denn Takuma Sato kollidierte mit Charlie Kimball leicht, was dazu führte dass beide nicht sofort die Stelle räumen konnten und somit eine weitere Gelbphase zur Folge hatte. Während für Chalie Kimball, Teamkollege von Rahal bei Ganassi das Rennen sofort zu Ende war, kam Sato mit 4 Runden Rückstand ins Ziel.

Profiteure der Unfälle war zum einen Daio Franchitti welcher sich nun auf einmal auf Position 4 fand, vor Alex Tagliani und James Hinchcliffe, während Mike Conway bereits auf Position 6 lag, vor seiner Kollegin Danica Patrick und Orial Servia im 2. Newman/Haas Auto.

Beim Restart in Runde 70 schlug dann endgültig die Stunde von Mike Conway. Als Alex Tagliani aussen denn 3. Dario Franchitti angreifen will, schafft es Mike sich auf P4 reinzudrücken nur um dann kurze Zeit sogar Dario von Platz 3 zu verdrängen. Ziemlich zeitgleich, bekamm der bis dato beste Fahrer von Andretti Autosport, Ryan Hunter Reay Probleme mit der Bordelektronik sodass er auf einmal keine Vortrieb mehr hatte und aufgeben musste.
Da aber Ryan Briscoe nur 1,5 Sekunden Vorsprung auf Mike Conway hatte, war die Jagd auf Platz 1 eröffnet.

Etwas mehr als 1 Runde später hatte Conway den Rückstand bereits aufgeholt und holte sich eingangs Turn 7 beim anbremsen den Australier, welcher sich kaum zur Wehr setzen konnte, denn Mike hatte zu diesem Zeitpunkt ein unglaublich gutes Auto und konnte seinen Vorsprung daher innerhalb kurzer Zeit auf mehrere Sekunden ausbauen.

So gewann Mike Conway vöölig überaschend das Rennen vor Ryan Briscoe welcher dank kluger Strategie am Anfang von 12 auf 1 fahren konnte. 3. wurde Dario Franchitti als bester Ganassi Pilot, denn die anderen 3 bleiben mit Rahal auf 3, Dixon auf 18 und Kimball mit seinem Ausfall absolt unter den Erwartungen. Platz 4 ging an Indy-Rookie James Hinchcliffe welcher in seinem 2. Rennen völlig überaschend noch fast aufs Podest gekommen wäre, vor dem erfahrenen Alex Tagliani.
Dieser Erfolg wird Tags sicher auch gut tun, denn sein Teams stand kurz vor Beginn vor dem Aus, bevor es noch von Sam Schmidt aufgekauft wurde. Platz 6 ging an Oriol Servia im 2. Newman Haas welcher Danica Patrick als beste Dame auf Platz 7 verweißen konnte. Achter wurde Tony Kanann im KV, der wieder der einzige KV-Pilot war der ohne Unfall auskamm. Die Top 10 wurde noch von Vitir Meria und Will Power komplettiert, während R. Matos einen grundsoliden 11. Rang nach Hause fahren konnte.

Auf 12 und 13 fanden sich somit die schon angesprochenen Rahal, (welcher bis jetzt ziemlich unter seinen Möglichkeiten liegt) und Helio Castroneves. Platz 14 holte sich der Kollege von Bourdais, James Jakes welcher damit immerhin Paul Tracy in Schacht halten konnte. Mann kann für PT und Jay Penskes Dragon Team nur hoffen, dass sei bei ihrem nächsten Einsatz in Texas die Probleme gefunden haben und auf Speed kommen können, denn in Sao Paulo und Indy wird PT nicht im Dienste von Rogers Sohn stehen.
platz 17 ging an den enttäuschenden Jr Hildebrand, welchen man vor der Saison auch eher weiter vorne erwartet hätte.

Ein ebenfalls sehr schelchtes Wochenende hatte wie schon angesprochen Simona de Silvestro, was sehr schade war, denn bei diesem Rennverlauf hätte es durchaus weiter nach vorne gehen können, aber man war die ganze Zeit auf der Suche nach dem Speed. Hoffentlich hat man ihn bis Sao Paulo am 1. Mai wieder gefunden.

In der Meisterschaft führt nun Dario Franchitti mit 122 Zählern 5 vor Will Power, bevor Tony Kanaan mit 87 Zählern auf Platz 3 folgt. 4. ist nun Oriol Servia vor dem vorgerückten Mike Conway und Alex Tagliani für Sam Schmidt auf Platz 6, während sich Dixon, de Silvestro und Ryan Briscoe Platz 7 teilen.

In der Andretti Road Course Wertung sieht es gleich aus, denn bisher standen noch keine Ovale auf dem Programm und das wird auch so bleiben, denn am nächsten Wochenende pausiert die Indy Car Series, bevor es am 1. Mai in Sao Paulo zum letzten Lauf vor dem Indy 500 kommt.

2011 IndyCar Long Beach Priority _MG_3075 [1600x1200] 02DH6076 [1600x1200] 02DH6136 [1600x1200] 02DH6143 [1600x1200] 2011 IndyCar Long Beach Priority 04CJ7296 [1600x1200] 04CJ7057 [1600x1200] 04CJ2353 [1600x1200]

March 24 2011

06:24

IndyCar Series: Saisonstart in St. Petersburg

Eine teils chaotische, teils erfreuliche Off-Season geht endlich zu Ende – am Sonntagabend kehrt die IndyCar Series zurück auf die Strecke. Das dürfte spannend werden, denn seit dem Finale 2010 hat sich einiges getan.

Eine stille Winterpause sieht anders aus: Die IndyCar Series bedachte seit der Meisterschaftsentscheidung in Homestead Fans und Medien mit einem steten Fluss an Neuigkeiten, wie das sonst sogar während der laufenden Saison ungewöhnlich ist. CEO Randy Bernard hat bewiesen, dass er weiß, wie man mit der zuletzt eher unscheinbaren Monoposto-Serie Aufsehen erregt. Ob seine Ideen auch auf der Rennstrecke funktionieren, das muss sich allerdings noch beweisen. Immerhin: Zum Saisonstart stehen 25 Fahrer bereit, die meisten davon werden wohl das ganze Jahr lang dabei sein. Ein paar alte Stars haben es in die Serie zurückgeschafft, wenn auch zum Teil in letzter Minute. Zusammen mit einigen interessanten Rookies bescheren sie der IndyCar Series das wahrscheinlich stärkste Starterfeld seit CART-Zeiten.

Spannende Zeiten also auch für Fans, daher eine kurze Zusammenfassung der Meldungen aus dem Winter – für alle, die in der Off-Season nicht ganz so aktiv waren wie Randy Bernard. Eine Vorschau auf das Rennen in St. Petersburg folgt dann weiter unten.

Neue Hersteller

Auch, wenn sich die Nachricht eher auf die kommende Saison bezieht, als auf die aktuelle: Die wichtigste Meldung des Winters war wohl die Rückkehr von Chevrolet in die IndyCar Series. Der US-Hersteller wird dabei 2012 nicht nur Motoren liefern, sondern auch selbst eines jener Aero-Kits anbieten, mit denen die Teams das Standard-Chassis von Dallara erweitern können. Gleiches hat auch Lotus angekündigt, die ab kommendem Jahr als dritter Hersteller in der Serie aktiv sein werden. Richtig gelesen: Der in malaysischer Hand befindliche Sportwagenhersteller hat angekündigt, nicht nur ein Aero-Kit zu liefern, sondern auch einen Motor. Woher der kommen soll, wurde bisher allerdings nicht enthüllt. Als vierter Hersteller könnte auch noch das französische ORECA-Team dazukommen. Dort will man sich allerdings mit der Fertigung von Aero-Kits bescheiden.

Teams und Fahrer 2011

Gleich vorneweg eine kurze Entschuldigung: Die IndyCar Serie bietet leider zur Stunde noch keine Fotos aus St. Petersburg an. Bei den Bildern unten handelt es sich daher um Aufnahmen vom Test am Barber Motorsports Park in der vergangenen Woche. Dort waren leider nicht alle Teams und Piloten anwesend, von manchen gibt es also leider keine Bilder. Auch bei den Lackierungen könnte es also noch Änderungen geben. Die IndyCar Serie veröffentlicht normalerweise vor Rennstart einen Spotter’s Guide auf indycar.com. Den werde ich nachreichen, sobald bzw. sofern er verfügbar wird.

Penske

Die Mannschaft unter der Leitung von “Captain” Roger Penske wird wohl auch 2011 zu den Favoriten im Starterfeld zählen. Das haben auch die Ergebnisse der Testfahrten in Alabama noch einmal unterstrichen. Bei den Piloten hat sich nichts verändert, auch in diesem Jahr greifen Helio Castroneves, Will Power und Ryan Briscoe ins Lenkrad. Abseits der Ovale ist wohl Power der schnellste aus diesem Dreiergespann, als besserer Allrounder könnte sich aber einmal mehr Castroneves erweisen. Ryan Briscoe hat in der vergangenen Saison nicht so wirklich überzeugt, und wird in diesem Jahr etwas kräftiger aus Gaspedal treten müssen, wenn er sich die Gunst des Captains erhalten will.

Ganassi

Das zweite Top-Team der IndyCar Series hat sich über den Winter verdoppelt. Neben dem bisherigen Fahrergespann Dario Franchitti und Scott Dixon (die wieder in den klassischen, links abgebildeten Target-Farben starten), treten 2011 auch Graham Rahal und Charlie Kimball für Ganassi an, die jeweils von anderen Sponsoren unterstützt werden. Weil Target aber keine Konkurrenz im gleichen Team wollte, musste man bei Ganassi zu einem etwas ungewöhnlichen Trick greifen – und einfach ein zweites Team eröffnen. Offiziell wird man zwar nicht müde, die Unabhängigkeit der beiden Teams voneinander zu betonen. Inoffiziell darf man aber wohl schon davon ausgehen, dass sich die Verantwortlichen der beiden Teams gelegentlich mal über den Wag laufen werden. Und dabei wohl nicht nur über Baseball reden. Bei den Test hatte man noch ein paar Probleme, bei den Rennen darf man aber auch in diesem Jahr die Mannschaft vorne erwarten. Fahrerisch sind von Franchitti und Dixon wohl auch in dieser Saison wieder konstant gute bis sehr gute Ergebnisse zu erwarten. Auch Rahal hat in der Vergangenheit (vor allem 2009 bei Newman/Haas) schon Talent bewiesen. Inwieweit auch Charlie Kimball mithalten kann, muss sich noch weisen.

Andretti Autosport

Einige Überraschungen bot über den Winter die traditionell dritte Kraft der IndyCar Series. Erst wurde Tony Kanaan freigestellt (und ihm “erlaubt, mit anderen Teams zu verhandeln”) – vermutlich deshalb, weil man sich sein hohes Gehalt nicht mehr leisten konnte. Und dann tritt man 2011 doch wieder mit vier Fahrern an: Marco Andretti und Danica Patrick waren ohnehin schon gesetzt, Ryan Hunter-Reay konnte auch genügend Sponsoren auftreiben, um sich im Team zu halten. Keiner der drei hat bisher das Talent gezeigt, konstant um Siege oder gar Meisterschaften mitzufahren. Aber: Alle sind solide Piloten, und auf ihre Art wichtig für die Serie. Erstaunlich ist dagegen die Verpflichtung des beim Indy 500 schwer verunglückten (aber mittlerweile wohl wieder genesenen) Mike Conway. Der Brite hat zwar in diversen Juniorserien gute Leistungen gezeigt, in der IndyCar Series konnte er allerdings bislang (außer beim schicksalsvollen Indy 500) nicht wirklich überzeugen. Und seit seinem Unfall fehlt ihm überhaupt jegliche Erfahrung im Auto. Ein erfolgreiches Comeback wäre ihm zu vergönnen – bis es soweit ist, muss man aber vermutlich noch ein paar Rennen Geduld haben. Abzuwarten bleibt außerdem, ob es das Team nach einer sehr mäßigen Saison 2010 wieder schafft, an alte Stärken anzuknüpfen.

KV Racing

Mit drei Piloten geht das Team von Kevin Kalkhoven und Jimmy Vasser an den Start. Zur bisherigen Stammmanschaft mit EJ Viso und Takuma Sato ist in letzter Sekunde noch ein weiterer großer Name gestoßen. Der bei Andretti entlassene Tony Kanaan hat es am Wochenende vor dem Saisonstart geschafft, ausreichend Sponsoren für eine volle Saison im Teams zu sammeln. Das könnte sich für beide als gutes Geschäft erweisen: KV wird von der Erfahrung des Tony Kanaan (vor allem in Fragen der Abstimmung) gewiss profitieren, der Brasilianer bekommt von KV Racing ein in seinem Speed womöglich unterschätztes Autos zu Verfügung gestellt. Das mag zwar in dieser Saison noch nicht für Siege reichen – wenn Sato und Viso aber ihr Temperament diesmal etwas öfter in Zaum halten können, als im vergangenen Jahr, dann könnte das Team durchaus einen Sprung nach vorne machen.

Dreyer & Reinbold

Ein weiteres Team aus dem Bereich “solides Mittelfeld”, das sich 2011 nach oben entwicklen könnte. Justin Wilson ist ein Pilot, der gewiss immer wieder einmal für eine Überraschung gut ist – ganz besonders auf den Rundkursen. Außerdem hat man sich mit Ana Beatriz verstärkt. Die Brasilianerin bringt einige Sponsoren an Bord, und konnte auch bei ihren Einsätzen in der vergangenen Saison durchaus Potenzial beweisen. Sie könnte sich also als gute Mischung aus Pay-Driver und solider Pilotin herausstellen. Beim Indy 500 wird außerdem Haudegen Paul Tracy für Dreyer & Reinbold an den Start gehen. Weitere Einsätze sind in Planung, aber bisher nicht fix. Beim Saisonstart ist der Kanadier jedenfalls nicht dabei.

Dale Coyne Racing

Eine faustdicke Überraschung gibt es beim ewig unterfinanzierten Traditionsteam: Champ-Car Dominator (und Toro-Rosso Mittelfeldpilot) Sebastian Bourdais kehrt in den US-Rennsport zurück. Allerdings nicht für die ganze Saison: Der Franzose wird aus Sponsormangel und wegen Terminkollisionen mit seinen Sportwagen-Projekten bei den Oval-Rennen nicht antreten. Dass Bourdais mit den amerikanischen Open Wheelern und hemdsärmeligen Stadt- und Rundkursen gut zurecht kommt, hat er bewiesen. Unklar ist dagegen, ob die Autos von Dale Coyne gut genug sind, um ein ernsthafter Kandidat auf die Mario Andretti Rundstrecken-Trophy zu sein. Ebenfalls unerwartet ist der zweiten Pilot: James Jakes, bisher bekannt aus GP2 und GP3 hat wohl einen zahlungskräftigen Sponsor gefunden, und wird die gesamte Saison mit dabei sein.

Newman/Haas Racing

In 50%-Stärke startet die Mannschaft von Newman/Haas in St. Petersburg in die Saison. Ursprünglich hatte man gehofft, Oriol Servia und James Hinchcliffe zu verpflichten – schließlich hat es aber nur Servia geschafft, die nötigen Sponsorgelder aufzutreiben. Das ist schade, denn beim Test in Alabama waren beide sehr gut unterwegs. Hinchcliffe hofft nun, bis zu einem der kommenden Rennen ausreichend Gelder zu finden, um doch noch in die Serie einsteigen zu können. Immerhin hat Newman/Haas mit Oriol Servia aber einen erfahrenen und meist schnellen Piloten verpflichtet, mit dem man hoffen kann, das Abschneiden vom vergangenen Jahr (als der Pilot Hideki Mutoh hieß) vergessen zu machen.

Der Rest

Fans von Simona de Silvestro dürfen sich auch in dieser Saison auf ein dauerhaftes Antreten der Schweizerin freuen. Einziger Wehrmutstropfen: Ihr Sponsor, “Nuclear Clean Air Energy”, ein Projekt, das für “sauberen” Atomstrom werben soll, dürfte sich momentan nicht an der Spitze seiner Popularität befinden. Alex Tagliani und das FAZZT-Team sind auch wieder mit dabei – allerdings nach Kauf durch Sam Schmidt unter dem Namen von dessen Team “Sam Schmidt Motorsports”. Sebastian Saavedra wird die gesamte Saison bei Conquest Racing bestreiten, Raphael Matos hat in letzter Minute einen Deal mit dem neuen AFS Racing zustande gebracht. Vitor Meira bleibt bei Foyt. Und JR Hildebrand bei Panther Racing vervollständigt ein starkes und wieder etwas US-lastigeres IndyCar Feld. Sarah Fisher Racing wollte eigentlich die gesamte Saison mit Ed Carpenter bestreiten, musste sich nach einen Crash beim Testen aber für dieses Wochenende zurückziehen. Bleibt zu hoffen, dass die Mannschaft bald wieder dabei sein kann.

Nicht dabei sind beim Saisonstart der schon erwähnte Paul Tracy – und Dan Wheldon, der sich im Streit von Panther Racing getrennt hat. Der Brite scheint bei der Suche nach einem neuen Cockpit keine große Eile an den Tag zu legen, und wird nach eigener Aussage nur dann wieder in die Serie einsteigen, wenn er ein Angebot von einem konkurrenzfähigen Team bekommt.

Der Kalender

Nach dem Saisonstart am kommenden Wochenende geht es im Zwei-Wochen Takt mit Rennen am Barber Motorsports Park, in Long Beach und dem Brasilien-Lauf in Sao Paulo weiter.

Ohne vorheriger Übung auf einem Oval beginnt dann der Monat Mai, und damit die Vorbereitung auf das Indy 500 am 29.5.

Zwei Wochen später gibt es die erste Kalender-Neuerung – und die ist durchaus als Experiment zu bezeichnen. In Texas wird es nämlich zwei Rennen geben, die am selben Tag stattfinden werden. Die Punkte dafür werden ganz einfach geteilt, die Startaufstellung für das zweite Rennen wird ausgelost. Das kann spektakuläres Rennen geben – aber auch ebenso spektakulär in die Hose gehen. Es ist sicher nicht schlecht, frischen Wind in die Serie zu bringen. Ob man das aber unbedingt auf die High-Speed Oval in Texas machen muss, ist eine andere Frage.

Nur eine Woche danach feiert Milwaukee die Rückkehr in den IndyCar Kalender – ein Ort der Tradition aber auch der kleineren Geschwindigkeiten und nicht immer wahnsinnig spannenden Rennen. Danach folgt Iowa, bevor es im Rahmen der Kanada-Tournee wieder auf die Rundkurse geht. Zuerst startet die Serie in Toronto, zwei Wochen später auf dem völlig umgebauten Flugplatzkurs in Edmonton.

Wieder zurück in den USA folgt der Klassiker von Mid-Ohio. Dann steht wieder eine “Premiere” auf dem Programm: Das erste größere Open-Wheel-Rennen auf dem New Hampshire Motor Speedway in Loudon seit mehreren Jahren. Besonderheit: Damit die Teams nicht umbauen müssen, wird auch dort in Road-Konfiguration fahren.

Es folgt eine weitere Premiere: Das erste Rennen auf dem neuen Stadtkurs in Baltimore. Dort hatte man wohl über den Winter finanzielle Anlaufschwierigkeiten. Nach aktuellem Stand wird die Strecke aber rechtzeitig fertig.

Für die letzten drei Rennen der Saison folgen dann wieder Ovale. Zunächst plant man, in Motegi zum vorerst letzten Japan-Auftritt der Serie anzutreten. Dass man dort ab 2012 nicht mehr antreten wird, haben INDYCAR und Motegi-Betreiber schon vor einiger Zeit bekannt gegeben. Ob man sich nach Erbeben und Tsunami heuer wirklich noch einmal auf die Reise macht, darüber gibt es im Moment noch keinen Beschluss.

Als vorletztes Rennen der Saison steht Kentucky auf dem Programm, wo es in letzter Zeit immer spannende Rad-an-Rad Duelle gegeben hat.

Schließlich folgt das Finale am baulich recht ähnlichen Oval in Las Vegas, für das sich Randy Bernard allerdings einen besondere Dreh einfallen hat lassen: Bei der Veranstaltung mit dem bescheidenen Titel “IndyCar World Championship” werden neben den regulären IndyCar Piloten noch fünf weitere Fahrer aus anderen Serien antreten. Sollte einer dieser fünf das Rennen gewinnen, winkt ein Preisgeld in der Höhe von 5 Millionen Dollar. Im Sommer soll ein Komitee entscheiden, welche Fahrer antreten dürfen. Bis dahin gibt es nur Spekulationen – etwa um den ehemaligen F1 und CART Piloten Mark Blundell, den Motocross Star James Stewart oder möglicherweise sogar Alex Zanardi.

Neue Regeln

Mit dem Ziel, eine bessere Show zu liefern, wurden in der Winterpause außerdem einige neue Regeln beschlossen: Commitment Cone, Double-File Restart, Einführung einer “Lucky Dog”-ähnlichen Regel, eine Höchst-Teilnehmerzahl von 26 Autos.

Oder auch nicht: Denn nach heftigen Beschwerden zahlreicher Fans wurden “Lucky Dog” und das 26-Starter Limit wieder gestrichen. Ausnahme: Auf Kursen, in denen die Pitlane nicht lang genug ist, etwa in Mid Ohio, wird es weiterhin eine Beschränkung des Startfeldes geben.

Geblieben ist die neue Regelung für Restarts: Die werden ab sofort in Double File absolviert. Außerdem wird die grüne Flagge deutlich später fallen als bisher. Die Autos werden also beim Überqueren der Zielflagge wieder näher beieinander liegen. Das sieht spektakulärer aus, ist bei den Teambesitzern aber nicht besonders beliebt, weil es auch zu einer Häufung an teurem Schrott führen könnte.

Vorschau: St. Petersburg

Wie das ganze in der Praxis funktioniert, werden wir am Wochenende in St. Petersburg sehen. Die IndyCar Series gastiert dort schon zum siebten, zählt man ein Champ Car Rennen 2003 dazu sogar schon zum achten Mal. Der Kurs liegt einigermaßen pittoresk in der 250.000 Einwohner-Stadt am Golf von Mexiko. Die Kursführung ist aber leider auch ziemlich eng. Die Rennen sind daher nicht immer wahnsinnig spannend. Mit etwas Glück und ein bisschen Regen wird das ganze allerdings schon wieder interessanter – so etwa 2008, als Graham Rahal das zweite Rennen nach der Wiedervereinigung von IRL und Champ Car Series gewann. Im vergangenen Jahr war es dann doch etwas zu viel des Guten, so dass der Lauf wegen Überflutungen auf den Montag verschoben werden musste. Gewonnen hat dann Will Power – der vierte Penske-Sieg in sechs Jahren. Heuer soll es aktuellen Wetterberichten zufolge trocken bleiben.

Zum Kurs selbst: Nach der Start/Zielgerade, die über eine für das Rennen stillgelegte Landebahn führt, geht es in eine recht enge Rechtskurve, wo in der Vergangenheit die meisten Überholmanöver stattgefunden haben. Es folgt eine kürzere Gerade, an deren Ende eine 90 Grad-Kurve auf die Fahrer wartet. Überholversuche gibt es dort immer wieder, gelungene Überholmanöver eher selten. Gelbphasen dafür wieder ziemlich häufig. Nach einem kurzen, ziemlich eckigen Intermezzo geht es entlang der Promenade in zwei schnelle Linkskurven und eine schnelle Schikane. Diese Passage ist landschaftlich besonders schön am Meeresufer gelegen – merkwürdig, dass dort nie Kameras postiert sind, die das entsprechend einfangen. Überholmanöver sind dort nicht zu empfehlen, und Fehler auch nicht – denn die Wand ist ziemlich nah. Über eine langgezogene, mittelschnelle Kehre geht es dann wieder zurück auf Start und Ziel. Wer sich hier einen Fehler erlaubt, läuft Gefahr, überholt zu werden. Die Versuchung für hinterherfahrende Piloten, beim Vordermann in NASCAR-Manier “anzuklopfen” scheint ziemlich groß zu sein. Helio Castroneves hat das am Ende einer SC-Phase vor ein paar Jahren mit Scott Dixon erfolgreich praktiziert. Ein aktuelles Onboard-Video hat die IndyCar Series zwar noch nicht veröffentlicht. Die Kursführung hat sich aber seit 2009 meines Wissens nach nicht verändert, so dass ich hier einfach die Onboard-Vorschau vom letzten Jahr, begleitet von Ryan Briscoe, poste.

Leider auch neu: Kein Stream

Alles in allem also gute Voraussetzungen für eine spannende Saison. Für Fans im deutschen Sprachraum hat die Sache aber leider einen Haken: Die Serie wird auch heuer (nach derzeitigem Stand) auf keinem Sender übertragen. Und auch den offiziellen Internet-Stream, der zwar nicht besonders gut, 2010 aber trotzdem oft die einzige Rettung war, gibt es auf Geheiß des amerikanischen Rechteinhabers Comcast/NBC (den neuen Versus-Besitzern) heuer nicht mehr.

Für die USA ist das verständlich, denn die INDYCAR hatte offenbar nie die Rechte, ihre Rennen im Internet zu streamen. Versus hat das wohl bisher trotz schlechter Quoten geduldet. Weil aber die Fans offenbar immer in der Werbeunterbrechung den Stream angeschalten haben, hat man diese Praxis nun beendet.

Weniger verständlich ist dagegen, wieso man auch die Trainings und die nicht im TV übertragenen Qualifying-Sessions mehr zeigen will. Und völlig unverständlich ist, wieso man nicht gegen Gebühr einen Stream des von ESPN produzierten internationalen Feeds der Serie in jenen Ländern anbietet, wo die Rechte für die IndyCar Serie nicht verkauft wurden. Leider ist man im Moment derartig auf den Aufbau einer amerikanischen Fanbase konzentriert, dass man es noch nicht mal geschafft hat, eine Liste der internationalen Broadcaster auf die Homepage zu stellen. Stattdessen gibt es dort noch immer jene vom vergangenen Jahr. Wird man sich also wieder in den Untiefen des Internets umsehen müssen, wenn man das Rennen trotzdem sehen will.

27.03.2011 LIVE 18:30 Uhr IndyCar Series St. Petersburg ABC LIVEx 23:00 Uhrx Asian F BMWxxx Bud Shootout Practicex sky sport2x

December 31 2010

08:21

Best of 2010: Teil Zwei

Hier der zweite Teil unserer “Best of 2010″-Reihe zum Jahreswechsel. Ich habe dieses Jahr 3 Serien ausführlich verfolgt: Formel 1, NASCAR und die Indycars. Deswegen setzt sich mein Best of 2010 auch hauptsächlich aus Diesen zusammen:

Bestes Rennen:
Bei Der Formel 1 fällt es mir hier schwer mich zwischen Kanada und Türkei zu entscheiden. Türkei war einfach was Szenen anging (Unfall Vettel/Webber; Zweikampf Button/Hamilton) das Rennen, was mir im Gedächtnis geblieben ist und Kanada war einfach nen sehr gutes Rennen mit allem was dazu gehörte.
In der NASCAR war das erste Talladega-Rennen soweit ich mich erinnere sehr gut, allerdings waren alle Superspeedwayrennen dieses Jahr ziemliche Knaller. Auch wenn einige Fahrer diese Rennen nicht mögen und sie gefährlich sind, es sind nunmal für die Zuschauer die besten Rennen. Und unabhängig davon hat die neue Green-White-Checkeredregelung zwar zu viel Schrott geführt, aber insgesamt finde ich sie richtig gut, da nicht mehr so viele Rennen unter gelb beendet werden.
Bei den Indycars fallen mir spontan Texas und Chicagoland ein, was natürlich auch die “schnellen und gefährlíchen” Rennen sind. Bei den Rundkursen muss ich ganz an den Anfang der Saison zurückgehen nach Sao Paulo, ja das war trotz allen Problemen ein schön anzusehendes Rennen.

Bestes Finish:
Ganz klar die Trucks in Talladega, da gibt es keine Diskussion:

Bester Fahrer:
Ganz schwere Sache, wie ich finde. Von den Formel 1 Fahrern her hat sich dieses Jahr keiner so heraus getan, als dass er das verdient hätte. Da waren (viel) zu viele individuelle Fehler dabei, selbst bei einem Alonso. Deshalb teilen sich den Titel Dario Franchitti und Jimmie Johnson. 5-Mal in einer Serie mit 36 Rennen, davon 10 “Play-Off-Rennen”, am Ende den Titel zu holen ist einfach eine unglaubliche Leistung und Franchitti ist cool geblieben und hat auf seine Stärke, die Ovale, vertraut.

Bestes Team:
Sehr schwer ich kann mich irgendwie zwischen Chip Ganassi Racing und RedBull nicht entscheiden, deshalb sind sie für mich beide die besten Teams des Jahres. Chip Ganassi hat in den USA so ziemlich alles gewonnen, was man gewinnen kann, zumindest an einzelnen Rennen.

Überholmanöver des Jahres:
Zuerstmal geht ein Spezialpreis an Kamui Kobayashi für die vielen schönen Überholmanöver dieses Jahr.

Ein Manöver, was mir in Erinnerung geblieben ist, hat Tony Kanaan in der ersten halbe Runde des Indy 500 gezeigt: 8 Autos in 2 Kurven überholt

Es gab dieses Jahr unzählige schöne Überholmanöver, weswegen ich es unmöglich finde, eins herauszupicken. Aber das “Überholmanöver des Jahres muss ja nicht unbedingt das Schönste sein. Deshalb vergebe ich den Preis an Michael Schumacher und Rubens Barichello. Das Überholmanöver von Schumacher an Barichello gehört sicherlich zu den spektakulärsten und ja auch zu den gefährlichsten der Motorsportsaison 2010. Aber in gewissem Maße sollte man auch die Kirche im Dorf lassen , wie es so schön heißt. Es hat beispielsweise nicht Kobayashi Petrov so überholt. Dies war ein Zweikampf zwischen 2 Piloten die den Rennsport schon beide knapp 3 Jahrzehnte betreiben und im Formel 1-Feld über die meiste Erfahrung verfügen und sich zu dem noch sehr gut kennen, wenn auvh nicht unbedingt mögen. Wie gesagt ja es war gefährlich und darf von mir aus auch bestraft werden, auch wenn ich die Bestrafung der FIA ( + 10 Plätze in Spa ) zu hart fand, aber die Stigmatisierung Schumachers danach “als rücksichtloser Fahrer aller Zeiten” und das Wort “Mordversuch” was im Raum stand war einfach zu viel.

Freunde des Jahres:

Ob sie jetzt wirklich Freunde sind weiß ich nicht, aber ich fand es einfach eine extrem faire Geste, dass sich Bowyer und Harvick nachdem extrem knappen Finish in Talladega im Chase noch in den Autos die Hände geschüttelt haben:

Szene des Jahres:
Ganz klar für mich die Kollision zwischen Mark Webber und Sebastian Vettel in der Türkei. RedBull hatte sehr schnelle Autos und gute Chancen auf beide WMs, so viel war schon damals absehbar. Allerdings wusste man auch, dass man den unzuverlässigsten Wagen hatte, dass heißt man musste vorsichtig sein und versuchen, so viele Punkte wie möglich mit zu nehmen. Und dann schießt man sich gegenseitig im 7. , in Worten s-i-e-b-t-e-n Rennen der Saison im Kampf um die Führungsposition ab?! Sowas sollte eigentlich nichtmal Fahrern aus unterschiedlichen Rennställen passieren, wenn sie um die Führung kämpfen, aber Teamkollegen DARF das nicht passieren. Auf alle Fälle zeigt genau diese eine Szene wie ich finde die Intensität und Dramatik des WM-Kampfes in der Formel 1 dieses Jahr.

Kostenpunkt des Jahres:
Kameras, jetzt Mal im Ernst. Hat sich schon Mal jemand überlegt wie viele Kameras auf Rennstrecken jedes Jahr durch Kollisionen einen grausamen und qualvollen Tod sterben. Nein? Seht ihr, und jetzt überlegt euch Mal wie teuer das ist.

Schönster Moment des Jahres:
Beide WM-Siege von RedBull. Wie sagte ein Journalist auf Twitter so schön: “Ok, nun hat eine Getränkemarke also die großen Autohersteller Ferrari, McLaren und Mercedes geschlagen.”
Überraschung des Jahres:
Hier muss ich im Prinzip Abbitte leisten, denn für mich ist das Stattfinden und der ziemlich reibungslose Ablauf des Korea-Grandprixs die Überraschung des Jahres. Ich hätte speziell nach den Fotos die immer wieder kurz vorher auftauchten nicht gedacht, dass dies noch möglich wäre.

Enttäuschung des Jahres:
Einige würden hier sicherlich Michael Schumacher schreiben, aber darüber möchte ich erst nächstes Jahr urteilen. Die WTCC ist meine Enttäuschung des Jahres, da sie schön zeigt, wie man eine Rennserie mit unsinnigen Strafen- und Reglementsdiskussionen mit Anlauf gegen die Wand fahren kann. Auch wenn Chevrolet den Titel meiner Meinung nach verdient hat, ist es einfach falsch einen Titel am grünen Tisch zu gewinnen. Nächstes Jahr fährt dann Chevrolet allein um die WM, meinen Glückwunsch.

Langweiligstes Rennen:
Formel 1: Ähm Bahrain, Bahrain und öhm ach ja richtig Bahrain.
NASCAR: Öhm den Preis kriegen die Rennen in Phoenix, Homestead SCHNARCH!… und Pocono. Nicht unbedingt weil die Rennen da dieses Jahr so langweilig waren, außer in Pocono da waren sie wirklich grausam, sondern weil die Strecken allein schon wegen der Charakteristik wenig Möglichkeiten für spannende Rennen bieten und umgebaut gehören. Und warum Phoenix und Homestead unbedingt im Chase sein müssen… Dann lieber 8 Rennen und nicht ein Rumgefahre auf Strecken nur weil die Zahl 10 toll aussieht und es dort warm ist.

Racecontrol-Moment des Jahres:

Viele erwarten jetzt hier sicher irgendeine der diversen DTM-Racecontrolentscheidungen. Jedoch wiegen diese einzeln gesehen für mich nicht so schwer, wie das was sich die Indycarracecontrol in Edmonton geleistet hat. Deshalb geht dieser Preis vielleicht für einige etwas überraschenderweise an die Indycarraacecontrol für die Aberkennung des Sieges von Helio Castroneves in Edmonton. Was war passiert? Helio Castroneves lag wenige Runden vor Schluss in Führung. Dann kam es zu einer Caution. Beim darrauffolgenden Restart verteidigt Castroneves durch Fahren am Innenrand der Kurve seine Führungsposition gegenüber Will Power. Alles fair und gut. Allerdings gab es vor dem Rennen die übliche Fahrerbesprechung, in der gesagt wurde, dass man wie auf Ovalen Überholversuche nicht blockieren dürfte, wenn man dabei eine imaginäre Linie in der Kurvenmitte überfahren würde.

Auf Ovalen macht diese Regel ja sicherheitsmäßig Sinn. Aber auf dem quadratkilometergroßen Flugplatz von Edmonton mit seinen gefühllten 50 Meter breiten Landebahnen ist diese Regel einfach nur völlig Fehl am Platze. Am Ende fuhr Castroneves zwar als erster durchs Ziel , den Sieg bekam aber Dixon, der mittlerweile Power überholt hatte. Ich war selten so , man verzeihe mir die Wortwahl “angepisst” nach einem Rennen wie nach diesem. Dagegen war das was Ferrari am gleichen Wochenende in Hockenheim praktizierte ein Kindergeburtstag.

Ja die Regelauslegung war dem Regelwerk nach konform und ja das wurde auch vorher in der Fahrerbesprechung erläutert, aber in den letzten 3 Runden eines Rennens erwarte ich ein bisschen Feingefühl von der Indycarracecontrol, die ja öfters Sachen so und so auslegt ohne jetzt näher darauf eingehen zu wollen. Castroneves war nachdem Rennen natürlich richtig sauer, fühlte sich um seinen Sieg betrogen und ging dem Indycar Sicherheitschef buchstäblich an den Kragen der aber zum Glück cool blieb. Was bleibt ist die Erinnerung an die schlechteste Racecontrol Entscheidung des Jahres, ich gerate heute noch in Rage wenn ich nur daran denke.

Glückspilz des Jahres:
Herr Conway, Herr van der Drift und Herr Sadler sind die Glückspilze des Jahres. Bei diesen drei wirklich schweren Unfällen in Indianapolis, Brands Hatch und Pocono noch am Leben zu sein, dass ist zwar Einerseits der Verdienst der hochmodernen Sicherheitssysteme , aber Andererseits war da sicherlich bei allen Dreien auch eine gehörige Portion Glück dabei und eine Menge Schutzengel anwesend. Leider hatten andere Motorsportler in diesem Jahr weniger Glück.

Wünsche für 2011:

Wenig schwere Unfälle , viele schöne Rennen, spannende Meisterschaftsentscheidungen, mehr vernünftige legale Streamangebote und weniger strittige Racecontrole-Entscheidungen.

Feinde/Duell des Jahres:

Für mich der Kampf zwischen Audi und Peugeot in Le Mans. 2011 sind die Karten auf Grund der neuen Autos neu verteilt, aber die Materialschlacht auch dieses Jahr war mal wieder fantastisch anzusehen und man bewahrt sich trotz allem noch ein gesundes Maß an menschlicher und sportlicher Fairness.

Zum Schluss noch eine Danksagung an Don, für die Möglichkeit dieses Jahr hier mitzuwirken, an die anderen Autoren für die vielen Mailwechsel und selbstverständlich an die Leser des Blogs, egal ob eher still oder aktiv im Chat und in den Kommentaren! Auf ein gutes Jahr 2011!

November 03 2010

07:38

Ferner liefen: Die Newshappen

// Nach Informationen der FAZ hat sich der Volkswagen-Konzern gegen den Einstieg in die Formel 1 entschieden. Weder wird man mit einem eigenen Team antreten, noch andere Teams mit Motoren beliefern. In den letzten Wochen gab es Spekulationen etwa über eine Rückkehr von Porsche in die Königsklasse. Entsprechende Analysen und Konzepte wurden wohl auch ausgearbeitet, letztlich nun aber verworfen. Stattdessen könnte es ein Engagement in der WRC geben, ebenso lässt der Artikel die Vermutung anklingen, es könne einen Porsche-Prototypen in Le Mans geben. (Stefan)

// HRT wird, sofern man den Winter finanziell überlebt, im kommenden Jahr Getriebe von Williams nutzen. Derzeit setzt man ja, so wie auch die anderen Newcomer Lotus und Virgin Getriebe von Xtrac – mit diesen Produkten ist aber keines der Teams wirklich zufrieden. Lotus wird aller Wahrscheinlichkeit im kommenden Jahr auch beim Getriebe auf Renault setzen, einzig Virgin scheint noch keinen Ersatz gefunden zu haben. Die Kooperation mit Williams ist für HRT jedenfalls nahe liegend – benützt das Team doch als einzige der etablierten Mannschaften ebenfalls Cosworth-Motoren. (Vorsicht)

// Während HRT also noch mit grundsätzlicheren Planungen beschäftigt ist, beschäftigen sich die anderen beiden Newcomer-Teams schon intensiver mit den Fahrerpaarungen für 2011. So soll bei Lotus Jarno Trulli vor der Ablöse stehen – und zwar angeblich durch Bruno Senna. Der hat sich zwar in seinem ersten Jahr nicht durch großartige fahrerische Leistungen profilieren können und hatte in Japan und Korea sogar mit Sakon Yamamoto zu kämpfen. Aber Senna im Lotus-Renault – das hätte trotzdem was. Jarno Trulli wird unterdessen nachgesagt, er könnte sich im kommenden Jahr womöglich in Richtung NASCAR orientieren, sollte es mit der Formel 1 tatsächlich nichts mehr werden. Bei Virgin scheinen sich derweil die Anzeichen zu verdichten, dass Neo-Testfahrer Jerome D’Ambrosio 2011 vor einen Beförderung zum Einsatzpiloten stehen könnte. (Vorsicht)

// Ex-HRT Pilot Karun Chandhok wird in diesem Jahr wohl nicht mehr in einem Formel 1 Auto zu sehen sein – zumindest hat der Inder selbst kürzlich in einem Interview bestätigt, dass seine Aufmerksamkeit nun einem Cockpit für 2011 gelte. Und da will er angeblich derzeit mit drei Teams in Gesprächen über ein Renncockpit stehen – um welche Mannschaften es sich dabei konkret handeln könnte, ist allerdings unklar. (Vorsicht)

// Etwas überraschend: Vergangene Woche hat Mercedes GP bekannt gegeben, dass beim Junior-Test in Abu Dhabi der britische Youngster Sam Bird im Cockpit sitzen wird. Nicht bekannt ist, welche Gründe für die Wahl des aktuell Fünften in der GP2-Meisterschaft ausschlaggebend waren, und ob Mercedes konkrete Zukunftspläne mit dem ART-Piloten hat. (Vorsicht)

// Bernie Ecclestone setzt derweil seine beliebte Serie kontroversieller Interviews fort, und zwar in der Financial Times. Kernaussagen diesmal: Bernie ist von den neuen Teams enttäuscht, und meint wörtlich, er würde gerne “ein paar dieser Krüppel” wieder loswerden. Gemeint ist damit wohl im wesentlichen HRT – auch bei Virgin rät er allerdings Richard Branson dringend dazu, finanziell eine Schippe nachzulegen. Sonst habe einzig Lotus eine realistische Zukunftsperspektive. Joe Saward spekuliert, dass hinter Bernies wiederholten Attacken auf die kleinen Teams ein finanzielles Motiv stecken könnte. Das in der Konstrukteurs-WM elft- und zwölftplatzierte Team erhält nämlich gemäß dem bis 2012 gültigen Concorde-Agreement je 10 Millionen Dollar aus einem speziellen Topf. Dieses Geld könnte sich die FOM aber behalten, wenn es nur zehn Team gäbe. (Vorsicht)

// Fraglich ist demnach auch, ob es wirklich schon 2011 eine HD-Übertragung von der Königsklasse geben soll – zumindest Onboard-Aufnahmen sind laut Ecclestone keinesfalls in HD möglich, da die Kameras dafür zu groß seien. Dem entgegen steht die Nachricht, dass der brasilianische TV-Sender Globo kürzlich bestätigt haben soll, die Formel 1 im kommenden Jahr in nativem HD zu übertragen. (Vorsicht)

// Stecken die Planungen für den US-Grand Prix 2012 nun doch in Problemen? Ein internes Planungsdokument, das von Austin News KXAN veröffentlicht wurde, spricht von einer Bauzeit von 24 Monaten – bei einem Baubeginn im Dezember dieses Jahres also zu lange für einen Grand Prix im Juni 2012. Die Planungsgesellschaft spricht in einer ersten Reaktion von einem Missverständnis – in den 24 Monaten sei auch die längt angelaufene Planungsphase mit einbegriffen. Das Dokument listet übrigens auch eine ganze Reihe von Serien auf, die die Veranstalter neben der F1 auf die Strecke locken möchten – darunter die NASCAR, Indycar und die “Moro GP” (sic). (Vorsicht)

// In Bulgarien schreiten die Planungen für den möglichen Bau einer Formel 1-Strecke dagegen voran – angeblich möchte man im Dezember so weit sein, mit Bernie Ecclestone einen Vertrag abzuschließen. Schon 2012 könnte der Lauf dann auf dem Kalender stehen. Das wiederum könnte die Rennen in der Türkei und in Ungarn gefährden – meint jedenfalls Organisator Bogdan Nikolov. Um auch abseits der Formel 1 Betrieb auf die Strecke zu locken, plant man in Bulgarien ein ganz besonderes Feature – eine Art Bodenheizung, die den Asphalt stets auf einer konstanten Temperatur halten soll. (Vorsicht)

// Peugeot hat vergangene Woche in Monza eine Übergangsversion seines LMP1 getestet. Auffälligste Neuerungen an dem bislang 90X genannten Fahrzeug waren die nach dem 2011er Reglement vorgeschriebene Finne über der Heckverkleidung, die Airbox auf dem (weiterhin geschlossenen) Cockpit und die Heckpartie. Die Motorabdeckung ist nun flacher, der Heckflügel hängt an zwei “Schwanenhälsen” und die Auspuffrohre enden am Heck, nicht wie bisher seitlich vor den Hinterrädern, diese drei Eigenschaften teilt sich das neue Modell mit dem Audi R15. Die Konfiguration des hinteren Fahrzeugendes ist aber noch nicht abschließend, ebenso ist laut technischem Direktor Bruno Famin noch unklar, mit welchem Motor der 908-Nachfolger ausgerüstet wird; motorsport-aktuell.com jedoch schreibt, es sei ein neuer Hybrid-Dieselmotor an Bord gewesen. Einige Bilder gibt es hier. (Stefan)

// Knalleffekt bei der Formel 2: Der britische TV-Kommentator Ben Constanduros meldet, dass die Nachwuchsformel 2011 nicht mehr im Rahmenprogramm der WTCC startet – damit wird die F2 sehr wahrscheinlich auch nicht mehr auf Eurosport zu sehen sein. Erstaunlich ist, dass die Trennung angeblich von der F2-Betreiberin Motorsport Vision ausgegangen sein soll – die fühlte sich nämlich von der WTCC stiefmütterlich behandelt, weil in Monza 2011 die Formel Renault 3.5 in deren Rahmenprogramm an den Start gehen wird. Zudem war man wohl bei Eurosport auch mit der Rolle der “zweiten Geige” hinter der WTCC unzufrieden. Im Rahmen welcher Serie die F2 nun im kommenden Jahr an den Start geht, ist bisher unbekannt – und auch, wo und ob man die Rennen im TV sehen kann ist fraglich. Ebenfalls unklar ist zur Stunde, welche Serie nun die WTCC unterstützen soll – angeblich arbeitet man bei Eurosport aber schon an Ersatz. (Vorsicht)

// Turbulente Woche auch bei den Indycars: Tony Kanaan wurde endgültig von Andretti Autosport aus seinem laufenden Vertrag entlassen, und “darf” sich nun bei anderen Teams nach einem Cockpit umsehen. Nur wenige Stunden später gab das Team dann dafür die Verpflichtung von Ryan Hunter-Reay bis 2012 bekannt. Dem Vernehmen nach hat man sich bei Andretti finanziell etwas verrant: Im Vertrauen darauf, dass 7-Eleven als Kanaan-Sponsor erhalten bleibt, hat man angeblich schon direkt nach dem Indy 500 einen zweijährigen Vertrag mit “RHR” unterfertigt – und so die verbleibenden Sponsoren an den Texaner gebunden. Als 7-Eleven dann unerwartet doch absprang, stand das Team mit einem ausfinanzierten Auto und an Hunter-Reay gebundenen Geldgebern da – aber hatte plötzlich kein Geld mehr für Teamleader Kanaan. Verständlich, dass der Brasilianer im Moment nicht so gut auf die Mannschaft zu sprechen sein soll. (Vorsicht)

// Ein Top-Cockpit soll dagegen Graham Rahal ergattert haben – Gerüchte sprechen davon, dass der Jungstar im kommenden Jahr für Chip Ganassi starten wird. Ein Grund zur Besorgnis für Fans von Dario Franchitti und Scott Dixon ist das aber nicht. Denn Rahal bringt über eigene Sponsoren angeblich um die 10 Millionen Dollar mit – genug für ein drittes Ganassi-Auto neben den beiden Stammpiloten. (Vorsicht)

// Ebenfalls der IRL erhalten bleibt Rookie Bertrand Baguette – das hat er zumindest der belgischen Nachrichtenagentur Belga erzählt. Details zu einem konkreten Vertrag mit einem Team sind nicht bekannt. (Vorsicht)

// Das Team von Signature Plus hat derweil bekannt gegeben, dass man 2011 in der F3 Euroseries mit dem aktuellen F3-Cup Vizemeister Daniel Abt an den Start gehen will. Was ja auch dafür sprechen würde, dass das Team 1) davon ausgeht, dass es im kommenden eine F3 Euroeries geben wird, und, dass man 2) dort auch wirklich teilnehmen will. (Vorsicht)

// Zwei Neuigkeiten gibt es in dieser Woche auch von den australischen V8 Supercars:
- Einerseits sind Gerüchte aufgetaucht, wonach BMW daran interssiert sein könnte, ab 2012 in der Serie zu starten. Und zwar dann, wenn das neue Reglement jenem der “neuen” DTM ausreichend ähnlich ist, um mit einem geringfügig umgebauten Auto in beiden Serien antreten zu können.
- Und andererseits gibt es einen Kalender für die Saison 2011. Viele Änderungen sind diesmal nicht dabei – es wird allerdings mit Abu Dhabi nur noch ein Rennen im Nahen Osten geben, Bahrain wurde aus dem Kalender entfernt. Dafür kehrt Barbagallo Raceway nahe Perth zurück. Das ist ein wenig erstaunlich, weil man der Strecke in diesem Jahr aus Sicherheitsgründen den Rücken gekehrt hatte – die notwendigen Umbauten sollen aber erst 2012 abgeschlossen sein.

1. 12. Februar – Abu Dhabi
2. 20. März – Adelaide
Ohne Punkte: 27. März – Royal Albert Park (F1-Rahmenprogramm)
3. 17. April – Hamilton
4. 8. Mai – Barbagallo
5. 19. Juni – Hidden Valley
6. 10. Juli – Townsville
7. 21. August – Queensland Raceway
8. 18. September – Phillip Island
9. 9. Oktober – Bathurst
10. 23. Oktober –  Surfers Paradise
11. 13. November – Symmons Plains
12. 20. November – Sandown
13. 4. Dezember – Sydney
(Vorsicht)

// LMS: OAK Racing wird für 2011 das offzielle Entwicklunsteam für die Reifen von Dunlop in den LMP-Klassen. GT-Eins berichtet indes auch darüber, dass das Team ab 2011 mit 3,4 Liter Judd Motoren in der LMP1 am Start sein wird. (Flo aus N.)

// Dallara bastelt derweil schon eifirg am neuen Chassis für die Indy Car Series, welche ab 2012 mit einem neuem Chassis antreten will. Zur Zeit konzentriert man sich auf die sogenannte “Safety-Cell(Flo aus N.)

September 16 2010

16:32

Indycar: Vorschau Motegi 2010

Die Indycars biegen auf die Zielgerade der 2010er Saison ein. Es sind noch 2 Rennen zu fahren und man begibt sich über den  großen Teich nach Japan, wo die Meisterschaft im Land der aufgehenden Sonne  entschieden werden könnte.

Zunächst zu den Punktezahlen:

1. Will Power: 552 Punkte

2. Dario Franchitti: 535 Punkte

3. (Scott Dixon: 469 Punkte)

Bei folgenden Szenarien ist Will Power Gesamtsieger der IZOD Indycar Series 2010 (angenommen er nimmt am nächsten Rennen teil und qualifiziert sich)

(Anmerkung: Ich habe das selber ausgerechnet. Dies Liste erhebt keinen Anspruch auf Vollständig- oder gar Fehlerlosigkeit!):


  • Wenn er die Pole holt, die meisten Führungsrunden hat, gewinnt und Dario Franchitti nicht 6. oder besser wird.
  • Wenn er die meisten Führungsrunden hat, gewinnt und Dario Franchitti nicht 7. oder besser wird.
  • Wenn er die Pole holt, gewinnt und Dario Franchitti nicht 7. oder besser wird.
  • Wenn er die Pole holt, gewinnt und Dario Franchitti trotz der meisten Führungsrunden nicht 8. oder besser wird.
  • Wenn er gewinnt und Dario Franchitti nicht 7. oder besser wird.
  • Wenn er gewinnt und Dario Franchitti nicht 8. oder besser trotz der meisten Führungsrunden und/oder Pole wird.
  • Wenn er 2. wird und Dario Franchitti nicht 14. oder besser wird.
  • Wenn er 2. wird ,die meisten Führungsrunden hat und Dario Franchitti nicht 12. oder besser wird.
  • Wenn er 2. wird, die Pole holt und  Dario Franchitti nicht 13. oder besser wird.
  • Wenn er 2. wird ,die meisten Führungsrunden hat, die Pole holt und Dario Franchitti nicht 12. oder besser wird.
  • Wenn er 2. wird und Dario Franchitti trotz Pole nicht 16. oder besser wird.
  • Wenn er 2. wird und Dario Franchitti trotz Pole und meiste Führungsrunden nicht 25. oder besser wird.
  • Wenn er 2. wird, die meisten Führungsrunden hat und Dario Franchitti trotz der Pole nicht 14. oder besser wird.
  • Wenn er 2 wird, die Pole hat und Dario Franchitti trotz der meisten Führungsrunden nicht 12. oder besser wird
  • Wenn er 3. wird, die Pole holt und Dario Franchitti nicht 24. oder besser wird.
  • Wenn er 3. wird, die meisten Führungsrunden ,die Pole holt und Dario Franchitti nicht besser als 17. wird.

Dario Franchitti kann in Japan auch schon A. J. Foyt Trophy für die meisten Punkte auf Ovalen gewinnen. Das genau durchzurechnen erspare ich mir, er führt mit 27 Punkten vor Scott Dixon, der 2 weitere Punkte vor Helio Castroneves liegt, welcher wiederrum 2 Punkte Vorspung auf Tony Kanaan hat.

Die Strecke auf der gefahren wird ist der “Twin Ring Motegi”, genauer gesagt auf einem der “Ringe”. Die moderne Anlage die in etwa 80 Kilometer von Tokyo entfernt liegt, berherbergt neben dem 1,5 Meilen langem Oval mit zwei 180° Kurven, dass die Indycars benutzen nämlich auch noch einen knapp 5 km langen Rundkurs, daher der Name “Twin Ring”. Die Indycars sind hier seit 2003 unterwegs. Die Rennen hier waren bisher eher so durchschnittlich und haben aber natürlich wie viele Ovalrennen der Indycars einen erhöhten Spannungsfaktor durch einen eventuellen Spritpoker.

Beim Blick in die Siegerliste fällt auf, dass weder Will Power noch Dario Franchitti hier schon einmal gewinnen konnten. Aber natürlich standen auch hier Fahrer von den “Todesternteams” schon in der Victory Lane. Zweimal konnte bereits Dan Wheldon hier siegen, während Scott Dixon letztes Jahr gewann. Aber auch Andretti-Green-Racing war hier immer stark, 2007 gewann Tony Kanaan und 2008 Danica Patrick in einem Spritpoker, damals ging der “Hype” um sie erst richtig los. Nicht vergessen möchte ich allerdings auch Scott Sharps Sieg aus dem Jahr 2003.

Die Todessternteams werden am Wochenende ganz sicher wieder vorne mit dabei sein, aber auch AGR sollte man auf dieser Strecke keinesfalls unterschätzen.  Ich traue es speziell jetzt im Meisterschaftskampf keinem der kleineren Teams zu, hier eine Sensation zu landen, außer es wird ein völlig verrücktes Rennen. Besonders ins Zeug legen werden sich aber natürlich Hideki Mutoh und Takuma Sato, in Japan sind sie so etwas wie Volkshelden.

“Nur” 25 Autos werden am Sonntagmorgen unserer Zeit an den Start gehen. Roger Yakusawa ein Us-Amerikaner japanischer Abstammung wird für Scheckter im Team Conquest Racing ins Lenkrad greifen. Er fuhr dieses Jahr noch kein Rennen, seine letzte vollständige Saison hatte er 2005. Sein letzter Start war 2009 in Motegi, wo er 20. wurde. Ebenfalls nicht dabei ist Ed Carpenter von Panther Racing. Das Team von Sarah Fischer ist auch nicht mit nach Japan geflogen, Rahal wird jedoch trotzdem am Rennen in einem Newman-Haas-Racing Auto teilnehmen. Das Wetter sieht etwas wackelig aus, am Freitag soll es regnen und Samstag und Sonntag trocken bleiben, hoffentlich bleibt das so.

Übertragen wird das Rennen wieder von Versus, allerdings für uns durch die Zeitverschiebung zu unmenschliche Zeiten: Sonntagnacht ab 5.00 Uhr, wenn ich mich mit den Zeitzonen nicht vertan habe. Wie immer gibt es natürlich auch den offiziellen Stream unter www.indycar.com. Ob eine Meisterschaftsentscheidung gefallen ist, erfährt man also Sonntagmorgen beim Frühstück.

September 06 2010

16:44

Kentucky Indy 300: Helio-Man Returns

Nicht dauerndes Rad-an-Rad, aber viele schöne Zweikämpfe: Zum 200. Rennjumbiläum haben sich die Indycars in Kentucky auf klassische Oval-Kost besonnen. Gut so!

Am Ende war es mal wieder gut, dass US-Ovale mittlerweile in stabile Zäune investieren – wie in seinen besten Jugendzeiten ließ sich Helio Castroneves von den Fans für seinen zweiten Saisonsieg feiern. Das ganze Penske-Team dürfte allerdings nicht in Jubelstimmung verfallen sein: Denn erstens wird manchnen aufgefallen sein, dass Castroneves seinen Sieg im Grunde einem Fehler seiner Mannschaft verdankt. Zweitens konnte Will Power trotz guter Vorstellung wieder nur den enttäuschenden achten Rang einfahren. Immerhin schaffte es Dario Franchitti auch nur auf Platz fünf – damit ist die Meisterschaft auch zwei Rennen vor Schluss immer noch völlig offen.


Der Dank dafür gebührt vor allem der starken Vorstellung von Panther Racing: Schon am Freitag hatte Ed Carpenter mit der Pole Position überrascht, am Samstag fuhr er dann zum zweiten Mal in Folge in Kentucky auf Rang zwei. Direkt dahinter vervollständigte Dan Wheldon das großartige Mannschaftsergebnis. Und hätte Penske nicht den angesprochenen Fehler gemacht, hätten die beiden durchaus auch gewinnen können.

So waren sie allerdings chancenlos. Weil Helio Castroneves nämlich nach einem verpatzten Boxenstopp den Eindruck hatte, dass ein Rad locker sei, fuhr er unter Gelb noch einmal in die Box – und war somit out of sequence. Und genau das sollte sich am Ende als versteckter Segen erweisen. Denn als alle andern ein paar Runden vor Schluss noch zum “Splash & Dash”-Stop gen Box abtauchten, konnte Helio draußen bleiben. Und gewann schließlich mit 13 Sekunden Vorsprung.

Ein Abstand, der den falschen Eindruck vom Rennen vermittelt: Denn über 195 der 200 Runden gab es im gesamten Feld immer wieder spannende Positionskämpfe. Anders, als noch in Chicago bleib der Pulk allerings nicht im halsbrecherischen Zentimeter-Abstand. Stattdessen zog sich das Feld immer wieder etwas auseinander, die Duelle fanden oft in Zweier- und Dreiergruppen statt. Das mag für etwas weniger Nervenkitzel sorgen – vernünftigerweise muss man aber anerkennen, dass es sich die Indycar unter einem Sicherheits-Gesichtspunkt eigentlich nicht leisten kann, oft so zu fahren, wie in Chicago. Denn so spannend das auch sein mag: Es ist nicht auszudenken, was passieren würde, sollte bei so einem Lauf mal wirklich ein Auto in Richtung Tribüne abheben.

Aber auch in Kentucky gab es ein paar haarige Momente. Vor allem Simona de Silvestros frontaler Einschlag in die Infield-Leitplanke nach der Kollision mit Meira und Briscoe war nicht schön anzusehen – gut, dass die Schweizerin dabei unverletzt bleibt.

Ein unschönes Wochenende erwischte auch einmal mehr Takuma Sato, der sich direkt nach dem Start recht unsanft in Richtung Außenwand verabschiedete. Ich bleibe nach wie vor überzeugt, dass der Japaner das besser kann. Aber wenn der Knoten nicht sehr bald platzt – idealerweise beim Honda-Heimrennen in zwei Wochen – wird er wohl im kommenden Jahr vor ziemlich schwierigen Vertragsverhandlungen mit KV-Racing und Lotus stehen.

Ein gutes Rennen erwischte dagegen einmal mehr die Mannschaft von Andretti Autosport: Tony Kanaan auf Platz vier, Marco Andretti auch sechs und Danica Patrick auf neun lieferten ordentliche Leitungen ab. Etwas auf der Reihe fällt leider Ryan Hunter-Reay, der seinen Wagen in Runde 174 abstellen musste. Verblüffend: Just seitdem klar ist, dass er die ganze Saison fahren darf, bringt der Texaner keine Resultate mehr auf die Reihe.

Nicht so schön sind auch ein paar Gerüchte, durch den Paddock schwirren: Demnach soll Andretti Autosport in Chicagoland  mit regelwirdigem Flügelwerk erwischt worden sein. Strafen wurden nicht ausgesprochen, und die IRL schweigt dazu. Dass sich die Teamverantwortlichen nicht durchringen konnten, zu dementieren, sondern stattdessen keinen Kommentar zur Causa abgaben, legt nahe, dass vielleicht ein Körnchen Wahrheit hinter der Geschichte steht. Oder, dass man die Anglegeheit für so lächerlich hält, dass man sie lieber keines Kommentares würdigt.

Andere Gerüchte sind erfreulicher: Die Serie soll nämlich nach langen Gesprächen doch vor einem Vertragsabschluss mit dem Las Vegas Motor Speedway über die Austragung des Saisonfinales stehen. Bis Freitag wird es wohl Klarheit geben, dann soll nämlich der lange erwartete Kalender für die kommende Saison veröffentlicht werden. Schon bekannt: Auch 2011 wird es wieder 17 Rennen geben – das hat der derzeit zu Gesprächen in Europa weilende Serien-CEO Randy Bernard bereits bestätigt.

Zum Schluss noch ein Blick auf die Meisterschaft: Will Power (552 Punkte) hat trotz anhaltendem Pech immer noch 17 Zähler Vorsprung auf Dario Franchitti (535). Ein Rechenbeispiel: Sollte er bei den kommenden Rennen mit der gleichen Rate Punkte verlieren, gewinnt er die Meisterschaft mit fünf Punkten Vorsprung. Für einen Sieg von Scott Dixon (469) würde es schon ein mittleres Wunder brauchen, Helio Castroneves (418) ist, wenn ich mich nicht verrechnet habe, bereits chancenlos.

In der “AJ Foyt Trophy” führt ein Rennen vor Schluss Dario Franchitti (228) 27 Zähler vor Scott Dixon und 29 vor Helio Castroneves. Bereits ein 16.Rang in Motegi würde Franchitti zum sicheren Gewinn reichen.

Ob er das auch wirklich schafft, werden Schlafrhythmus-Samurai, Nespresso-Werbeträger und die berühmten “echten Fans” in knapp zwei Wochen, am Sonntag, 19.9., ab 5 Uhr Früh erfahren.

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August 30 2010

16:09

Indycar Chicagoland: Verdienter Sieger?

Über fast zwei Stunden haben die Indycars Samstagnacht all das geboten, was sich Fans vom Rennen in Chichago erwartet hatten. Aber: Hat am Ende vielleicht “der Falsche” gewonnen?

In der Indycar-Meisterschaft wird es nochmal spannend. Soviel ist nach dem ersten von vier Ovalrennen zum Ende der Saison jetzt endgültig klar. Und das, obwohl Miesterschaftsleader Will Power über weite Strecken des Laufes deutlich besser unterwegs war, als sich manche vom australischen Rundkursprofi erwartet hatten. Doch dann machte sein Team einen entscheidenen Fehler – und schon hatte Rennsieger Dario Franchitti Powers Meisterschaftsvorsprung halbiert. Aber auch sonst ging es am Eineinhalb-Meilen Oval von Joliet, Illinois wieder mal sehr ordentlich zur Sache.


Sollten die Meldungen, wonach die Indycars kommende Saison nicht mehr nach Chicago zurückkehren, wirklich stimmen, dann hat sich die Strecke mehr als stilvoll verabschiedet: Über weite Strecken gab es – vor allem im Spitzenfeld – unglaublich spannende Duelle, zum Teil fuhren die Wagen in zwei Dreierreiehen hintereinander her. Auch die TV-Kommentatoren schienen es manchmal kaum fassen zu können, wie knapp es in der Gruppe von zehn bis 15 Autos zuging. Es waren zwar wiedermal die Autos vom “Todesstern” dominant – allerdings waren einige Verfolger diesmal deutlich näher dran, als das in dieser Saison bisher oft der Fall war.

Wirklich Ton angebend war eigentlich nur eines der beiden Teams: Penske. Vor allem Ryan Brsicoe und Will Power sahen lange Zeit wie die fast schon sicheren Sieger aus. Die beiden Ganassi-Wagen suchten ihr Glück wieder mal eher in der Strategie – und zumindest Dario Franchitti sollte am Ende damit Recht behalten.

Als sich nämlich 30 Runden vor Schluss alle anderen Fahrer beim letzten Boxenstop Sprit und Reifen holten, pokerte Franchitti mit einem reinen “Splash and Dash”-Service. Die Entscheidung spülte den Schotten aus dem vorderen Mittelfeld an die Spitze – und die sollte er schließlich trotz heftiger Angriffe der Verfolger nicht mehr abgeben.

Der Sieg ist also weniger dem reinen Speed, als cleverem Agieren auf der Strecke geschuldet. Aber ist Franchitti deswegen wirklich ein unverdienter Sieger? Ich finde nicht – Strategie war schon immer ein bedeutender Teil des Erfolges bei Ovalrennen. Und niemand hat in den vergangenen Jahren derartig viele clevere Entscheidungen getroffen wie das Team von Chip Ganassi. Auch das verdient, meine ich, Anerkennung.

Und das allein hätte an der Meisterschaft auch noch nicht viel verändert: Will Power lieferte dahinter nämlich eines der besten Ovalrennen seiner Karriere und war das ganze Rennen lang in der Spitze dabei. 17 Führungsrunden sprechen eine deutliche Sprache für jemanden, dessen beste Ovalresultate davor zwei fünfte Plätze in Indianapolis 2009 und Iowa 2010 waren.

Gewonnen hätte er am Ende wohl ohnehin nicht. Dass es aber gar nur für Platz 16 reichte, ist höchst unverdient. Grund war ein Problem beim letzten Boxenstopp, als nicht ausreichend Ethanol in den Tank floss. Daher musste Power wenige Runden vor Schluss den Kampf um den Sieg in Richtung Box verlassen. Resultat: Dario Franchitti holte ganze 30 Punkte auf, und liegt drei (Oval-)rennen vor Saisonschluss nur noch 23 Zähler zurück.

Dominator des Rennens war aber eigentlich ein anderer Penske-Fahrer: Ryan Briscoe, der 2005 hier bei einem Horrorunfall fast ums Leben gekommen wäre, führte das Rennen für 113 Runden an. Er hätte auch am Ende noch das Zeug gehabt, um zu gewinnen. Doch dann wurde er zweimal am Kurveneingang nach oben gedrückt, musste vom Gas gehen – und fand sich schließlich auf einem enttäuschenden elften Rang wieder.

Positive Überraschung des Rennens waren die Andretti Autosport Wagen: Marco Andretti auf Rang drei, Ryan Hunter-Reay auf vier und Tony Kanaan auf fünf konnten wieder einmal beweisen, dass das Team im Oval in Punkto Rennspeed fast zu alter Stärke zurückgefunden hat. Wenn die Mannschaft es fertig bringt, jetzt auch noch die Performance im Qualifying zu verbessern, muss man ihnen bei den kommenden Rennen ernsthafte Siegchancen zugestehen.

Einzig Danica Patrick, die sich nach ihren schwachen Vorstellungen auf den Rundstrecken doch so auf die Oval-Rückkehr gefreut hatte, lieferte abermals eine ziemlich enttäschende Vorstellung und landete am Ende nur auf Rang 14.

In bestechender Oval-Form ist weiterhin das Team von Panther Racing: Dan Wheldon hätte um ein Haar gewonnen, und landete schließlich um Haaresbreite hinter Franchitti auf Platz zwei. Auch das zweite Autos des Teams, der in Kooperation mit Vision Racing eingesetzte Bolide von Ed Carpenter, konnte sich beim Comeback lange in der Spitzengruppe halten. Leider fiel er am Ende aber mit technischen Problemen aus.

Viel Freude dürften mit dem Rennen auch die Sponsoren von Sarah Fisher gehabt haben: Im Zuge der ersten Boxenstopps ging Fisher out of sequence – und lag kurzzeitig sogar in Führung. Die war sie zwar nach dem Restart schnell wieder los – in der Spitzengruppe konnte sie sich allerdings noch eine ganze Weile halten. Dass sie sich so tapfer gegen die heranstürmenden Spitzenfahrer wehrte, dürfte diese zwar wenig gefreut haben – aber wenigstens war der “Dollar General”-Wagen so mal ein paar Runden lang im Bild.

Ihr eigener größter Feind waren wiedermal die Piloten von KV-Racing. Die Autos waren – wie eigentlich immer – für anständige Punkteplätze gut, aber einmal mehr scheiterten Moraes, Viso und Sato an ihrem Übermut. Sato und Viso kollidierten in der Box, Moraes verlor eine mögliche gute Platzierung nach einer Durchfahrtsstrafe. Vielleicht sollte doch mal jemand aus der KV-Führungriege den drei Sponsorlieferanten nahelegen, dass man die Rennen auch beenden sollte. Mit derart wenig Platzierungen und derart viel Kleinholz kann es jedenfalls nicht länger weitergehen. Der Status quo ist eine fast schon unglaubliche Verschwendung eines gutes Teams und dreier im Grunde sehr talentierter Piloten.

Ein positives Wort muss man, finde ich, mal nach der vielen Kritik über die Versus-Übertragung verlieren. Klar – es gab mal wieder viel Werbung, und nicht immer zum idealen Zeitpunkt. Von den grottigen Übertragungen, wie sie in dieser Saison etwa schon mehrfach auf ABC zu sehen waren, war man aber weit entfernt. Was die beiden Sender vor allem unterscheidet: Versus hat nicht besonders viel Geld, man merkt aber, dass sie sich bemühen. ABC/ESPN hätten das Geld, stehen der Serie außerhalb des Indy 500 aber mit demonstrativer Gleichgültigkeit gegenüber.

Weiter geht es am kommenden Samstagabend mit dem Rennen in Kentucky – eine Vorschau folgt noch in den nächsten Tagen.

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August 10 2010

16:14

Indycar: Wenig Spannung in Mid Ohio

Besonders aufregend war das Rennen am Sonntag ja nicht gerade. Einzig in der Startphase wurde ein paar Mal überholt – und in den letzten Runden weckte das Duell um den Sieg noch einmal kurz aus dem Schlaf.

Wenn sich auch eingefleischte IRL-Fans lieber das NASCAR-Finish in Watkins Glen ansehen, als die Indycars, dann handelt es sich beim Rennen wohl nicht grade um einen Thriller. Über weite Strecke hatte der Lauf in Mid Ohio vielmehr den Spannungsgrad des BR-alpha Nachtprogramms. Immerhin: Am Ende wurde es dank Will Powers couragierter Angriffe auf Leader Dario Franchitti  noch einmal spannend. Aber auch da gab es am winkeligen “Sports Car Course” am Ende kein vorbeikommen – auch, wenn der Australier schneller wirkte. Power darf sich aber trösten: Denn zumnidest mit einem Titel wird er in Zukunft höchstprominent in der Indycar Historie aufgeführt sein.

Die “Mario Andretti Trophy”, also die Rundkurs-Meisterschaft, ist ihm eine Runde vor dem Saisonabschluss nämlich nicht mehr zu nehmen. Doch auch da war die Luft im eigentlichen Rennen schon draußen – denn schon Powers Pole vom Samstag reichte für den Gewinn dieses Titels.

Doch zurück zum Rennen: Zumindest in der Anfangsphase gab es nämlich doch etwas Spannung. Hauptverantwortlich dafür: Takuma Sato, der sich nach einer tollen Qualifikationsleistung (P3) beim Start hinter Power auf den zweiten Rang schob. Diesen Platz verlor er zwar schnell wieder an Dario Franchitti, das Tempo der Spitzengruppe konnte er in Folge aber recht gut halten. Schade für den Japaner, dass er beim ersten Boxenstopp massiv Positionen verlor, und sich dann beim Restart selbt aus dem Rennen kegelte.

Weitere Überraschung: Alex Tagliani hat mal wieder Führungsluft geschnuppert. Dank einer cleveren Boxenstratiegie hatte sich der Kanadier nach dem ersten Stint an die Spitze gearbeitet, wo er bis zur letzten Runde der Boxenstopps auch bleib. Weil er dabei aber zwei Runden vor Power, Franchitti und Castroneves rein musste, verlor er mit den kalten Reifen ein paar Positionen. Trotzdem: Rang vier ist für Tagliani und das neu gegründete FAZZT-Team ein super Ergebnis – ganz besonders auf einem Rundkurs.

Auch eine lobende Erwähnung verdient hat sich Simona de Silvestro. Rang acht, nur geschlagen vom Todesstern, Tagliani und Matos ist für die Schweizerin aus dem nicht eben finanzstarken HVM Team ein tolles Ergebnis. Ein, zwei zusätzliche Ränge wären aber bei einem besseren letzten Boxenstopp schon noch drinnen gewesen – im Mittelteil des Rennens konnte sie sich sogar (mit gleichem Stoprhythmus!) vor Scott Dixon halten. Schon in Edmonton hatte sie für ihr gutes Qualifying eine Menge Komplimente eingeheimst – die Rennvorstellung in Lexington war aber sicher nochmal eine Klasse besser. Man darf gespannt sein, was de Silvestro in Sonoma zeigen kann.

Trotz fünf verschiedenen Wegen zum Sieg weiter enttäuschend: Andretti Autosport. Marco Andretti landete als bester Pilot auf Rang neun, Ryan Hunter-Reay auf Platz 10. Tony Kanaan, dem auch der Sieg in Iowa nicht aus seinem fundamentalen Formtief geholfen hat, beendete das Rennen gar nur auf Position 17. Der vierte im Bunde, Adam Carrol, konnte seine tolle Leistung vom Serien-Einstand in Watkins Glen nicht bestätigen, und lief nach farbloser Fahrt auf Platz 19 ein. Damit war er immer noch zwei Ränge vor Danica Patrick, die als letzte in der Führungsrunde ins Ziel kam.

Bei KV Racing holte Mario Moraes nach Satos Ausfall zumindest noch ein paar Kohlen aus dem Feuer – Rang 12 entspricht aber gewiss nicht den Erwartungen des Teams. Unter den gegebenen Umständen ist Moraes’ Renn-Leistung trotzdem nicht so übel: Nach einem Unfall am Samstag in der neu verkleinerten Boxengasse (mehr dazu in der Vorschau) musste seine Boxencrew mit zwei Mann weniger auskommen. Fast schon erwartungsgemäß: Teamkollege EJ Viso nahm sich mit einer reichlich unklugen Kollision mit Justin Wilson in Runde 22 einmal mehr selbst aus dem Rennen.

Das Duell der beiden Neulinge entschied ganz klar JR Hildebrand für sich, der mit Rang 16 ein recht achtbares Ergebnis einfahren konnte. Francesco Dracones Einstand lief erwartungsgemäß mau: Nachdem er sich in der ersten Hälfte des Rennens immerhin in der Führungsrunde halten konnte, lieferte er dann in Folge gleich zwei Dreher hintereinander, die jeweils in Gelbphasen mündeten.

Milka Duno stand einmal mehr beim Überholen im Weg, zeigte sich sonst aber gegenüber ihren bisherigen Saisonvorstellungen etwas verbessert. Folglich musste die Renneleitung diesmal auch keine “Handlingprobleme” verordnen – Duno konnte das Rennen mit vier Runden Rückstand immerhin beenden.

Ein paar Neuigkeiten für die kommende Saison und darüber hinaus wurden in Mid Ohio ebenfalls bekannt: So hat Hondy nun auch offiziell verlautbart, dass man für 2012 einen Turbomotor nach neuen Reglement für die Serie bereitstellen wird. Auf zusätzliche Motorenhersteller wartet man bei der Indycar weiterhin vergebens – mittlerweile ist davon die Rede, dass es womöglich erst 2013 Konkurrenz für Honda geben könnte.

Außerdem haben sich im Rahmen des Rennens die Teamowner zu Gesprächen mit Dallara getroffen – und dieses sehr enttäuscht (weiter unten) wieder verlassen. Die italienische Chassis-Schmiede scheint in Punkto Details noch nicht sehr viel Auskünft geben zu wollen bzw. (wahrscheinlicher) können.

Und CEO Randy Bernard hat sich im Interview mit planet-irl.com wiedermal zum Kalender 2011 geäußert. Viel Neues hat er allerdings nicht verraten: Das Premierenrennen in Baltimore wird wohl ein anderes Austragungsdatum erhalten, als bisher verlautbart. Motegi bleibt im Kalender, und wird antiklimatischerweise wieder gegen Ende der Saison stattfinden. Gegenüber USA Today hat Bernard außerdem verraten, dass insgesamt 24 Streckenbetreiber Interesse an der Indycar Series gezeigt hätten – im kommenden Jahr wird es aber aus Kostengründen trotzdem eher bei 17 oder 18 Veranstaltungen bleiben. Mehr Gewissheit in Form eines provisorischen Kalenders soll es bis Ende August geben – bis alle Rennen bestätigt sind, könnte es aber bis Mitte September dauern.

Noch schnell ein Blick auf die Gesamt-Meisterschaft: Dort konnte Franchitti (420 Punkte) seinen Rückstand auf Will Power (461) etwas verringern. Mit nur noch einem Rundkurs aber vier Ovalen auf dem verbleibenden Kalender sieht es für den Schotten in Sachen Titelverteidigung also gar nicht so schlecht aus. Aber auch Scott Dixon (379) und Ryan Brscoe (352) haben mit etwas Glück – etwa einer Kollision zwischen Power und Franchitti – noch Außenseiterchancen. Dahinter hat sich Helio Castroneves (340) wieder an Ryan Hunter-Reay (336) vorbeigeschoben.

Das nächste Rennen ist der Rundkurs-Saisonabschluss in einenhalb Wochen im schönen (aber nicht zwingend überholfreudlichen) Sonoma Valley.

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August 06 2010

16:17

IRL: Vorschau Honda Indy 200 Mid-Ohio

Nach dem Eklat von Edmonton geht die IRL in Mid Ohio in die nächste Runde. Der Kurs hat in den vergangenen Jahren nicht wirklich für Spannung gesorgt, diesmal gibt es zumnidest ein paar positive Vorzeichen.

Nicht ganz umsonst heißt die Strecke, auf der die Indycars am Wochenende Station machen “Mid Ohio Sports Car Course“. Die Bahn ist zwar technisch herausfordernd, interessant zu fahren, und macht auch Spaß beim Zusehen. Aber für Rennaction mit Single-Seatern ist sie einfach nicht geschaffen. Die Überholmöglichkeiten sind rar – und das konnte man den meisten Rennen dort auch anmerken. Das ist auch in diesem Jahr zu befürchten. Allerdings gibt es auch einige Faktoren, die diesmal etwas mehr Spannung versprechen könnten. Denn zumindest die Anzahl derer, die für Action sorgen könnten, ist so groß, wie außerhalb des Indy 500 schon lange nicht mehr. 27 Fahrer werden am Wochenende an den Start gehen, darunter auch zwei neue Gesichter. Nur einer der beiden Piloten dürfte allerdings auch das Zeug zum Erfolg haben.

Damit alle Fahrer am Rennen teilnehmen können, musste die Indycar sogar kurzfristig ihre Regeln ändern. Denn während an Indycar-Rennen außerhalb des Indy 500 sonst 28 Autos zugelassen sind, waren bisher in Mid Ohio (so wie auch in Toronto) nur 26 Starter erlaubt. Grund ist die beengte Boxensituation auf der schon etwas in die Jahre gekommenen Rennstrecke. Um doch 27 Wagen zulassen zu können, musste man die Länge der einzelnen Boxen von 40 Fuß (ca. 12m) auf 35 (ca. 10,5m) verkürzen. Zum Vergleich: Die Autos selbst haben eine Länge von 16 Fuß (ca. 4,9m). Es könnte also sein, dass die Pitstops beim Rennen diesmal wegen des Platzmangels noch etwas kollisionträchtiger sind, als sonst.

Die Situation in den Boxen wird sich damit sehr gut mit der sonstigen Erfahrung auf dem “Mid Ohio Sports Car Course” decken: Es ist, für die Indycars, fast überall etwas zu eng. Und dafür dann eigentlich auch wieder ziemlich schnell. Wegen der Höhenunterschiede gibt es außerdem einige uneinsichtige Kurven, gleich mehrere der Ecken sind so gebaut, dass sie an der Spitze eines kleinen Hügels liegen. Das macht die Strecke anspruchsvoll – aber auch nicht ganz ungefährlich. Vor allem auch deswegen, weil, USA-typisch, nicht überall ausreichend Auslauf zur Verfügung steht. Und weil das alles so flüssig gestaltet ist, fehlen leider auch die Überholmöglichkeiten. Probieren kann mans vor den Esses nach der langen Gegengeraden, auf der traditionell auch der Start abgehalten wird. Und womöglich in der vorletzten Kurve vor Start und Ziel, die so wie die legendäre Passage in Road America Carousel heißt, aber deutlich langsamer zu durchfahren ist. Über die Jahre kann ich mich an beiden Stellen aber an mehr fehlgeschlagene als gelungene Manöver erinnern. Zum besseren Überblick hier noch eine Onboard-Runde mit Marco Andretti.

In den vergangenen Jahren war die Strecke fest in Ozeanischer Hand: Beim Debut 2007 und im vergangenen Jahr konnte sich Scott Dixon durchsetzen, 2008 hatte Ryan Briscoe die Nase vorn. Anders, als auf manch anderen Rundkursen hat in Mid Ohio also bisher immer ein Auto der beiden Top Teams gewonnen. Und wenn im Qualifying und beim Start alles gut geht, dann sind diese beiden Teams wohl auch heuer die großen Favoriten. Konkret wird wohl, wie auf allen Rundkursen, wieder zuallererst mit Will Power zu rechnen sein, der beim vorletzten Rundkursrennen der Saison nur mehr ein paar Pünktchen braucht, um sich die “Mario Andretti Trophy” zu holen. Aber auch Helio Castroneves hat hier in seligen CART Zeiten schon zweimal triumphieren können.

Den letzten Sieg eines noch aktiven Teams abseits von Penske und Ganassi holte im Jahr 1991 Michael Andretti für Newman/Haas Racing. Und das Team könnte auch diesmal zu den Geheimtipps zählen. Denn zum zweiten Mal nach Toronto greift Graham Rahal für die Mannschaft ins Lenkrad – Auftritte bei allen folgenden Rennen (außer Kentuky) werden folgen. Weitere Geheimfavoriten: Wie immer Justin Wilson, der hier allerdings nie wirklich auf Touren gekommen ist; Die KV-Mannschaft (vor allem, sofern sie ein gutes Wochenende erwischen, Sato und Viso); Und natürlich Andretti Autosport, die gleich mit fünf Autos an den Start gehen werden – Adam Carrol wird nämlich zum zweiten Mal nach seinem sehr beachtlichen Debut in Watkins Glen ins IRL-Cockpit steigen.

Ganz neu dabei: J.R. Hildebrand. Der Indy Lights-Meister 2009 kommt im Auto des noch immer rekonvaleszenten Mike Conway endlich zu seinem ersten IRL-Einsatz. Ein wenig Eingewöhnungszeit muss man ihm wohl zugestehen – sofern er in nächster Zeit aber noch ein paarmal starten darf (Sonoma ist schonmal fix), dann würde ich ihm durchaus ein paar solide Leistungen zutrauen. Zu hoffen wäre es, denn etwas mehr US-Vollzeitpiloten würden der Indycar Series ja nicht unbedingt schaden.

Das zweite neue Gesicht ist der Italiener Francesco Dracone, der bei Conquest Racing das Auto von Sponsoren-Pleitier Mario Romancini übernimmt. Zu viel sollte man sich von Dracone aber vielleicht nicht erwarten. Denn, ganz abgesehen davon, dass sich seine bisherige IRL-Erfahrung in einem kürzlich absolvierten Test erschöpft: Er konnte auch in keiner anderen Serie so richtig überzeugen. Zuletzt war er einige Jahre in der Euroseries 3000 unterwegs, wo seine besten Platzierungen drei fünfte Plätze und der Gesamtrang sieben (2009) waren.

Gelegenheits-Starter Jay Howard, der in Mid-Ohio das Auto von Sarah Fischer fährt, komplettiert das Feld.

Einen Abschluss hat mittlerweile die Affäre rund um das angebliche Blocking-Manöver von Helio Castroneves gefunden. Die IRL bleibt vorerst bei der Regel, die in Zweikämpfen den verteidigenden Fahrer verpflichtet, die normale Rennlinie zu verwenden, und eine imaginäre Linie in der Mitte der Strecke nicht zu überfahren. Brian Barnhart ist auch weiterhin in Amt und Würden – hoffentlich schafft er es endlich, die Regel (wenn sie schon existieren muss) wenigstens konsistent umzusetzen. Castroneves hat sich für sein Verhalten nach dem Rennen entschuldigt. Trotzdem wurde er mit einer Strafe in der Höhe von 60.000 US$ und verschärfter Beobachtung bis zum Ende der Saison bestraft.

Lotus, in dieser Saison ja schon als Partner des KV-Autos von Takuma Sato in der Serie vertreten, haben gegenüber Autosport ihr Interesse daran bestätigt, ab 2012 Aero-Kits für das neue Dallara-Chassis zu entwerfen. Motorsport-Direktor Claudio Berro spricht bereits von konkreten Plänen, und davon, dass man dies als “natürliche Evolution” des Indycar-Engagements sehe. Hoffen wir mal, dass sich noch weitere Hersteller finden, die sich dieser Meinung anschließen können.

Der Lauf in Mid Ohio wird in den USA von Versus übertragen, man darf also 1) auf fachkundige Moderatoren, 2) auf einen anständigen Stream in der Racecontrol, und 3) auf zahlreiche Wiederholungen der Worte “Linda”, “awesome” und “selfish” in den Werbepausen hoffen. Für Rundstreckenfreunde etwas bitter: Das Rennen findet parallel zum NASCAR-Lauf in Watkins Glen statt, was auch die Verfügbarkeit brauchbarer Streams ein wenig einschränken könnte. Start des Qualifyings am Samstagabend ist um 18:30, das Rennen selbst beginnt am Sonntag um 20:30 (Green mutmaßlich um 21:00). Fans der Indy Lights können das Rennen der Nachwuchsserie um 18:30 (alles MESZ) in der Racecontrol verfolgen.

July 27 2010

16:27

Indycar: Edmonton und der regelkonforme Skandal

Die IRL hatte richtig Glück, dass am Wochenende schon die Ferrari-Teamorder aus Hockenheim die Skandalspalten einnahm. Denn sonst wäre man selbst dort gelandet. Und das, obwohl man eigentlich alles richtig gemacht hat.

Dabei hätte alles so gut ausgehen können: Nach einer eher drögen ersten Rennhälfte schaukelte sich das Rennen in Folge einiger Gelbphasen am Ende zu einer richtig spannenden Angelegenheit auf: Schöne Zweikämpfe, ein paar sogar an der Spitze und “local hero” Paul Tracy direkt hinter den Ganassi und Penske-Autos als “best of the rest” auf Rang 6. Als die letzte Caution ein paar Runden vor Schluss zu Ende geht, greift Power Castroneves an. Der fährt innen und verteidigt in einem sehenswerten aber fairen Manöver seine Position – und Power wird von Dixon überholt. Und dann die verblüffende Meldung: Durchfahrtsstrafe wegen Blockierens für Castroneves. Die tritt er zwar nicht an, und fährt als erster durchs Ziel – zum Sieger wird aber Dixon erklärt. Es folgen wütende Proteste von Castroneves und Buhrufe der Zuseher. Mittlerweile hat die IRL ein Video veröffentlicht (nach dem Jump), das die Entscheidung erklärt. Sie war wohl regelkonform. Was nicht heißt, dass man die Sache darauf beruhen lassen sollte.

Wie aus dem Video ersichtlich besagen also die Regeln tatsächlich, dass sich Fahrer nicht gegen Überholmanöver verteidigen dürfen, indem sie vor der Kurven nach Innen fahren. Geahndet wird ein solches Verhalten dann, wenn sich die verteidigenden Piloten über eine fiktive Linie in der Mitte der Strecke hinweg bewegen. In der Fahrerbesprechung vor dem Rennen wurde das, wie auch im Video zu sehen, noch einmal ganz klar erklärt. Castroneves hat es aber trotzdem getan. Die Mindeststrafe dafür ist eine Drive-Through unter Grün – und die hat er dann ja auch bekommen. Die Strafe war also den Regeln nach gerechtfertigt, die Rennleitung konnte gar nicht anders, als so zu reagieren.

Aber: Ist die Regeln an sich sinnvoll? Wohl kaum. In den Ovalen – wo Blockieren ja tatsächlich gefährliche Folgen haben kann – mag sie ihre Berechtigung haben. Auch dort hat sie aber schon für Diskussionen gesorgt, vor allem deshalb, weil sie nicht konsequent eingesetzt wure: Graham Rahal wurde beim Indy 500 bestraft, Danica Patrick eine Woche später in Texas nicht – obwohl ihr Manöver gefährlicher war. Da entsteht schnell mal der Eindruck von Willkür – und das kann der Serie wohl kaum gut tun.

Und davon abgesehen: Auf den Rundstrecken haben die Indycars das doch überhaupt nicht nötig. Schon am engen Stadtkurs von Toronto gab es genug Überhol-Action. Und auf der 25 Meter breiten Landebahn von Edmonton wird die Regel dann endgültig lächerlich. Denn dort liegt ja der Reiz gerade darin, dass mehrere verschiedene Linien funktionieren. Renndirektor Brian Barnhart stand jedenfalls schon vor der Entscheidung schwer in der Kritik, und selbige ist nun nicht gerade leiser geworden. Nicht alles, was im verlinkten Artikel gesagt wird ist fair, manches ist wohl noch auf alte Feindschaften rund um den IRL-CART-Split zurückzuführen. Insgesamt muss man sich aber wohl trotzdem fragen, ob es die Indycar Series nicht mal mit einem neuen Mann an dieser verantwortungsvollen Stelle probieren sollte.

Etwas unter der Oberfläche war dann noch ein zweites Reglement-Thema im Gespräch: In einigen Internet-Foren geistern Gerüchte herum, dass Penske, Ganassi und Andretti Autosport Aufhängungsteile benützen sollen, die nicht vom eigentlichen Alleinausstatter Dallara hergestellt wurden. Während sich dies bei Ganassi und Andretti aber noch im Rahmen des Legalen bewege, seien die Penske-Teile so konstruiert, dass sie dem Team insbesondere auf den Rundkursen unfaire Vorteile bringe. Schwerwiegend: Angeblich weiß die IRL davon, hat sich aber entschlossen, das nicht zu verfolgen, weil man den Verlust von Penske und Konsorten nicht verschmerzen könnte. Die Vorwürfe klingen, insbesondere in der Art ihrer Formulierung, ein wenig dubios. Sie stammen aber angeblich wirklich von einem Insider. Ich gebe das jetzt hier einfach mal so weiter. Man muss aber wohl schon nochmal betonen, dass es an sich nicht ungewöhnlich ist, dass Teams – gerade in einer Serie mit Alleinausstattern – jeden letzten Millimeter des Reglements ausnützen.

Zum Rennen an sich: Der Leistung nach ist der Sieg von Scott Dixon nicht so ganz gerechtfertigt. Ganassi war den ganzen Tag lang den Penskes – vor allem Castroneves und Power – ein wenig unterlegen. Das Resultat fällt eher unter “Abstauber”. Will Power hat wieder ein großartiges Rennen gefahren, und hat lediglich am Ende zur falschen Reifenmischung gegriffen. Castroneves hätte sich den Sieg verdient. Aber gar so aufregen hätte er sich nach dem Rennen auch nicht müssen – denn so unsinng die Blocking-Regel ist, musste ihm doch bewusst sein, dass er ganz klar dagegen verstoßen hatte. Auch hier hat er übrigens mal wieder seine Klasse bewiesen, und sich mittlerweile für sein Verhalten entschuldigt. Weniger toll war das Rennen von Penskes Nr. 3 – Ryan Brsicoe war in Edmonton eher unauffällig unterwegs.

Ein Leistung lieferte war es für Paul Tracy. Nach eher mittelmäßiger Qualifikationsleistung fuhr sich der kanadische Altstar im Laufe des Rennens bis an die “best of the rest”-Position 6 vor, zum Teil mit sehenswerten Manövern. Am Ende wurde er noch vom erneut starken Ryan-Hunter Reay geschnappt. Es wäre sehr schade, hätten wir ihn das letzte Mal in dieser Saison (oder, man muss es in diesem Alter ja sagen: überhaupt) in einem Indycar gesehen.
Auch für die anderen drei KV-Autos war es ein gutes Rennen. Hinter Tracy landeten Moraes, Viso und Sato auf den Rängen sieben bis neun.

Dem Vernehmen nach verhandelt Tracy nun mit Dreyer & Reinbold über ein paar weitere Rennen in dieser Saison. Der Einsatz wäre in dem Fall aber wohl davon abhängig, dass Mike Conway nicht rechtzeitig wieder fit wird. Denn vor kurzem hat ja schon J.R. Hildebrand einen Vertrag mit dem Team abgeschlossen, demnach er drei Rennen bestreiten soll. Und zwar gegebenenfalls auch neben Mike Conway, sofern der ab Sonoma wieder zurückkehrt. Kaum vorstellbar, dass das kleine D&RR-Team noch ein weiteres Auto einsetzen könnte. Angeblich könnte aber auch ein Platz bei Conquest Racing frei werden – Mario Romancini soll nämlich gerüchteweise das Geld ausgegangen sein. Mal sehen, ob sich da was entwickelt.

Im Abwärtstrend befand sich in Edmonton Andretti Autosport. Der einzige Lichtblick blieb Ryan Hunter-Reay auf Rang fünf. Marco Andretti landete nach einem problembehafteten Rennen als erster Überrundeter auf Platz elf, Tony Kanaan direkt dahinter auf P12. Danica Patrick wurde nach einem Dreher nur 15. Viel besser wäre das Ergebnis aber wohl auch ohne den Ausrutscher nicht geworden, denn auch davor war sie nicht im vorderen Teil des Feldes zu finden.

Auf positive Weise von sich Reden machte dagegen wieder mal Simona de Silvestro. Die Schweizerin zeigte eine tolle Quali-Leitung und ging mit Rang sieben von ihrer bisher besten IRL-Startposition ins Rennen. Am Sonntag konnte sie dann auch noch EJ Viso überholen, und fuhr in der ersten Rennhälte auf Platz sechs, direkt hinter den fünf Wagen vom “Todesstern”. Die gute Leistung blieb aber unbelohnt – denn gegen Rennende wurde sie von Viso recht unsanft in den Reifenstapel geschickt.

In der Meisterschaft hat Will Power (420 Punkte) seine Führung wieder ausgebaut, und liegt nun wieder 50 Zähler (also einen ganzen Sieg) vor Dario Franchitti (370). Mit etwas Abstand folgen dann Scott Dixon (349) und Ryan Briscoe (324). In der Mario Andretti Trophy liegt Power (318) zwei Rennen vor Schluss schon fast uneinholbar in Führung, ebenfalls vor Franchitti (222) und Ryan Hunter-Reay (220).

Weiter gehts in zwei Wochen auf dem pittoresken aber nur mäßig Open Wheel geeigneten Mid-Ohio Sports Car Course, eine Vorschau darauf folgt wie immer in der kommenden Woche.

July 06 2010

08:07

Indycar: Der “GP at the Glen” und die Saisonhalbzeit

Ein großer Knaller war es nicht gerade, was die IRL am Sonntagabend in Watkins Glen präsentiert hat. Insgesamt kann die Serie zur Saisonhalbzeit aber ganz zufrieden sein – wenn es auch ein paar Schönheitsfehler gibt.

Der Kurs von Watkins Glen bevorzuge Underdogs, habe ich vergangene Woche hier geschrieben. Daher solle man am Renntag ganz besonders auf Paul Tracy, Justin Wilson und Takuma Sato achten. Nunja. Am Ende stand doch wieder Meisterschaftsleader Will Power in der Victory Lane, gefolgt von einem weiteren Penske und einem Ganassi. Bester aus dem Geheimtipp-Trio: Justin Wilson auf Rang 10. Auch in einer anderen Sache könnte ich daneben gelegen sein: Das Rennen am vergangenen Sonntag war vielleicht doch nicht der letzte IRL-Lauf auf dem Kurs in Upstate New York. Zumindest haben sich Veranstalter Michael Printup und Indycar-CEO Randy Bernard am Wochenende recht positiv zur Veranstaltung geäußert. Und das ist auch gut so. Denn auch, wenn “The Glen” nicht die spannendsten Rennen produziert – es gibt dort etwas, was die IRL abseits des Indy 500 dringend braucht: einen Hauch von Tradition.

Immerhin versucht man, die Verbindungen zu alter Größe anderswo fast schon etwas bemüht herzustellen. Das zeigt sich etwa bei der Namensgebung der neuen Oval- und Rundkursmeisterschaften nach alten Idolen des Sports. Oder auch beim großen Trara, das die Indycar-Offiziellen kürzlich um die “Rückkehr” des Rennens in Loudon auf den IRL-Kalender veranstaltet haben. Oder aber auch daran, dass man mehrfach kundgetan hat, auch dann bereit zu sein, ein Rennen auf der (historischen) Milkwaukee Mile zu fahren, wenn man dadurch keinen finanziellen Gewinn erzielen könnte. Dass daraus trotzdem nichts zu werden scheint, zeigt, wie bescheiden es nach wie vor um das Open Wheel Racing in den USA steht. Aber bitte: Zumindest das Problem scheint den Verantwortlichen jetzt klar zu sein.

Das Indy 500 mag sich als Tradition gehalten haben – aber die IRL als Rennserie ist für viele Fans immer noch eine neue, etwas unnatürliche Erfindung. Ein nicht zu unterschätzender Nachteil gegenüber der NASCAR mit ihren vielen altherbebrachten Bräuchen und ihrer umfangreichen Historie, die bei allen Gelegenheiten auch im TV erwähnt wird. Dabei gäbe es auch genug Open Wheel Tradition in den USA – der IRL muss es nur gelingen, in den Augen der Fans als legitimer Träger dieser Tradition dazustehen. Und nicht als die Piratenserie, deren Abspaltung die CART zerstört hat. Viele Wunden aus dem Split sind noch immer nicht verheilt. Der neue Serien-CEO Randy Bernard scheint das erkannt zu haben. Seine Bitten an die Medien, die Serie nicht länger als “IRL”, sondern als “Indycar Series” zu bezeichnen, zielen jedenfalls auf dieses Problem.

Überhaupt scheint derzeit manches in die richtige Richtung zu gehen. Der neue Kurs in Brasilien hat sich trotz gewisser Anfangsschwierigkeiten als spannend und spektakulär erwiesen – wenn man im nächsten Jahr die Probleme mit Organisation und Sicherheit in den Griff bekommt, wird der Lauf ein echtes Plus sein. Die zwei bisher bekannten Neuheiten im Kalender 2011 klingen sinnvoll: Baltimore ist im amerikanischen Sportkalender unterrepräsentiert. Demensprechend viel wird die Stadt in die Promotion des Indycar-Rennens investieren. Außerdem ist der Standort gut gewählt: Der Großraum wird von der NASCAR ein wenig vernachlässigt, beherbergt aber eine Menge Menschen – ein womöglich ungesättigter Motorsportmarkt. Auch die zweite neue Rennen in Loudon ist bei den amerikanischen Fans auf Zustimmung gestoßen. Ein weiteres kleineres Oval wird der Vielfalt im Kalender jedenfalls gut tun. Und dass man angeblich nicht mehr in Homestead fahren will, halte ich auch für keine schlechte Idee. An ein richtig tolles Saisonfinale dort kann ich mich nämlich nicht erinnern.

Auch die sonstigen Entscheidungen über die Zukunft der Serie scheinen mit Bedacht gefallen zu sein. Die neue Motor-Formel für 2012 klingt sinnvoll – es bleibt zu hoffen, dass sich jetzt auch wirklich mehrere Hersteller zu einem Engagement in der Serie hinreißen lassen. Ähnliches gilt beim Chassis: Nach der großen Fan-Aufregung über den Delta Wing war es wohl clever, die Sache erstmal etwas abzukühlen, und dann die Auswahl aus mehreren Bietern von einem Kommittee aus erfahrenen Experten treffen zu lassen. Mittlerweile ist die Entscheidung gefallen – bekanntgegeben wird sie aber erst am 14. Juli. Bleibt zu hoffen, dass das ICONIC-Committee den Erwartungen gerecht wird, und eine Entscheidung trifft, mit der Teams und Fans leben können.

Man darf die Sache aber auch nicht zu rosig sehen. Die Serie kämpft nach wie vor mit massiven Problemen. Das größte davon ist, dass es trotz verstärkter Anstrengungen und guter Promotion durch Seriensponsor IZOD noch nicht wirklich gelungen ist, die Indycars über die allgemeine Wahrnehmungsschwelle zu heben. Die TV-Quoten bleiben schwach, die Besucherzahlen an den Strecken reichen auch gerade dafür aus, dass die Veranstalter am Rande der Profitabilität balancieren können.

Das liegt zum einen sicher daran, dass die Serie einen Großteil ihrer Saison gut versteckt im Programm des Sport-Nischensenders Versus verbringt. Der macht zwar eine gute Übertragung, ist aber vielen Durchschnitts-Konsumenten einfach kein Begriff. Auch diese Problem hat die Indycar-Führung aber erkannt. Randy Bernard hat als großes Ziel ausgegeben, die Ratings der Serie zu erhöhen – auch einer Trennung von Versus scheint er nicht ganz abgeneigt zu sein. Aber: Die damalige IRL hat erst 2008 einen Zehnjahresvertrag(!) mit dem Sender unterzeichnet, aus dem es womöglich kein Entrinnen geben wird. Das einzige Problem kann das aber ohnehin nicht sein – denn auch die Quoten auf ABC sind nicht gerade berauschend, die des “Kronjuwels” Indy 500 sogar nach wie vor rückläufig.

Der Indycar Series fehlt es wohl auch an interessanten Storylines und (US-)Persönlichkeiten. Damit meine ich nicht, dass man à la Wrestling einfach irgendwelche Handlungsstränge erfinden sollte. Derzeit wirken viele der Fahrer aber einfach gar zu nett – zum Teil sogar anonym bis austauschbar. Etwas mehr Rivalität würde der Identifikation der Fans mit bestimmten Piloten sicher gut tun. In der NASCAR geht es ja immerhin auch. Zugegeben: Die Art und Weise, wie manche Fahrer dort miteinander umgehen, würde bei den Indycars schnell zu üblen Crashes und Verletzungen führen. Also vielleicht zu einem passenderen Beipiel: Der Formel 1. Aktionen wie bei den Stockcars kommen dort in der Regel nicht vor. Wenn etwa ein Hamilton aber auf der Strecke auf Herrn Alonso trifft, wissen trotzem alle Fans, dass es um mehr geht, als eine Platzierung – und halten erstmal den Atem an.

Ein gute Anfang wäre es aber allemal, endlich etwas mehr Fahrer aus den USA in die Serie zu bringen. Bester Amerikaner in Watkins Glen war etwa Ryan Hunter-Reay auf Platz 7. Ferner liefen noch Marco Andretti (Platz 13) und Danica Patrick (20) – und wenn ich nicht einen groben Fehler gemacht habe, dann wars das auch schon wieder. Dass etwa Grahan Rahal nur häppchenweise in der Serie auftreten kann, während eine Milka Duno das ganze Jahr unterwegs sein darf, ist im Grunde ein Armutszeugnis. Und dass auch Ryan Hunter-Reay bis vergangene Woche um seinen Stammplatz bangen musste, setzt der Angelegenheit die Krone auf.

Fahrer und Teams

Will Power macht es einem nicht schwer, ihn bisher als den Fahrer der Saison zu betiteln. Seine Leistungen auf den Rundkursen waren durchwegs ordentlich. Die gelegentlichen Patzer, die ihm in früheren Jahren öfter mal gute Ergebnisse geraubt haben, scheint er abgestellt zu haben. Auch auf den Ovalen hat der Australier teils starke Leistungen abgeliefert. Umso beeindruckender, wenn man bedenkt, dass Power im vergangenen Jahr noch nicht mal alle Rennen fahren konnte – zuerst deshalb, weil Helio Castroneves doch noch in seinem Steuer-Prozess freigesprochen wurde. Und danach wegen der Verletzung nach dem heftigen Crash in Sonoma. Auch, wenn Power im wohl besten Auto der Saison sitzt – die Führungen in der Gesamtmeisterschaft und der “Mario Andretti Trophy” gehen völlig in Ordnung.

Auch die sonstigen Penske- und Ganassi-Fahrer haben sich bisher nicht viel Blöße gegeben: Dario Franchitti fährt auch im zweiten Comeback-Jahr sehr konstant vorne mit und führt immerhin in der “A.J. Foyt Trophy”. Ähnliches gilt für seinen Teamkollegen Scott Dixon. Schon etwas unauffälliger, aber immer noch gut: Ryan Briscoe. Helio Castroneves ist derzeit wohl der schwächste des Top-Quintettes. Aber auch der Brasilianer braucht nur ein gutes Wochenende, um wieder voll vorne dabei zu sein.

Beeindruckt hat mich sonst noch Ryan Hunter-Reay. Vor allem auf den Rundkursen hat der Texaner unter Druck ein paar schöne Rennen gezeigt, insbesondere in Brasilien, wo er fast gewonnen hätte, und beim großen Klassiker in Long Beach, wo es dann tatsächlich für den Sieg gereicht hat. In Watkins Glen war die Form nicht ganz so toll, mit Platz sieben war er aber immer noch mit Abstand der beste Andretti Autosport-Pilot.

Außerdem toll: Die Leistungen des neuen FAZZT Racing Teams und von Alex Tagliani. Vor allem auf den Ovalen lieferte die Truppe die eine oder andere Überraschung, aber auch auf der Rundkursen gab es so manchen Ausreißer nach oben.

Simona de Silvestro hat sich vor allem zu Beginn der Saison gleich eine beachtliche Fanbasis erarbeitet. Die Schweizerin zählt sicher zu den besseren Rookies in dieser Saison, hat aber an manchen Wochenenden noch Potential nach oben. Das gilt vor allem für die Ovale, die für de Silvestro völliges Neuland sind. Sofern sie es schafft, ihre Leistung zu stabilisieren, traue ich ihr aber durchaus zu, auch dann und wann mal an der Spitze mitzukämpfen.

Das gleiche gilt für den zweiten bekannten Rookie Takuma Sato. Es fehlt dem Japaner noch an Konstanz, ein paarmal hat er auch unnötig Kleinholz produziert. Experten bescheinigen ihm aber, dass er sich überraschend schnell an das Fahren im Oval gewöhnt hat. In Iowa hätte er wohl den Speed für einen Podestplatz gehabt – bis er den Wagen im letzten Renndrittel in die Wand schmiss.

Eher mittelprächtig war die bisherige Saison für Andretti Autosport. Siege in Long Beach und Iowa können nicht darüber hinwegtäuschen, dass man insgesamt den Anschluss an die Spitze noch nicht gefunden hat. Manchmal ist die Truppe fast vorne dabei, an anderen Tagen versinken die Piloten im Mittelfeld. Das gilt ganz besonders für Starfahrerin Danica Patrick. Einem tollen Rennen in Texas stehen enttäuschende Leistungen zu Beginn der Saison und nun auch wieder in Watkins Glen gegenüber.

Insgesamt ist die Leistungsdichte in der IRL aber im Vergleich zu früheren Jahren gestiegen, was Tony Kanaans Sieg in Iowa – der erste Oval-Sieg eines nicht Penske- oder Ganassi-Autos seit Nashville 2008 – nochmal nachdrücklich gezeigt hat. Man darf also schon gespannt sein, wie sich die Serie im zweiten Saisonteil präsentiert.

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July 01 2010

16:43

IRL Vorschau: Grand Prix at The Glen

Nach den ersten vier Ovalrennen kehrt die Indycar Series über den Sommer wieder auf die Road Courses zurück. Los geht es am kommenden Sonntag mit dem Lauf am historischen Boden von Watkins Glen.

Fans der alterhwürdigen Strecke in Upstate New York sollten am Sonntag unbedingt zusehen – es könnte nämlich gut sein, dass es sich um das vorläufig letzte Rennen der Indycar Series in Watkings Glen handelt. Ob die Serie ab kommender Saison wieder dort Halt macht ist derzeit zwar noch unklar – man hört aber immer wieder davon, dass der Lauf wohl ziemlich gefährdet sei. Das wird vor allem die Underdogs in der IRL nicht freuen. Denn kleinere Teams waren in der vergangenen paar Jahren dort oft erfolgreich. 2008 konnte hier Ryan Hunter-Reay im Rahal-Letterman Wagen gewinnen, im vergangenen Jahr schenkte Justin Wilson dem Team von Dale Coyne den allerersten Sieg im Rahmen einer größeren Meisterschaft. Man darf gespannt sein, ob sich die Serie auch in diesem Jahr fortsetzt.

Ein möglicher Kandidat für eine solche Cindarella-Story ist in diesem Jahr etwa Paul Tracy. Der kanadische Altstar hatte zwar das Pech, beim Indy 500 in der Quali-Hürde zu scheitern – ich bezweifle aber, dass das an Talent oder Einsatz lag. Was er an einem guten Tag noch immer kann, hat Tracy ja erst vor weniger als einem Jahr in Toronto bewiesen. Diesmal sitzt er allerdings nicht im gewohnten KV-Racing Boliden, sondern im Dreyer & Reinbold-Wagen des verletzten Mike Conway. Das Team mag nicht unbedingt zuu den Spitzenmannschaften der IRL gehören – aber was Dale Coyne im vergangenen Jahr konnte, das müssten sie eigenlich heuer auch können.

Für das gleiche Team geht in diesem Jahr ja auch Vorjahressieger Justin Wilson an den Start. Auf den Ovalen lief es zwar eher mittelmäßig – auf einem Rundkurs ist dem Briten aber durchaus zuzutrauen, dass er die Überraschung vom vergangenen Jahr wiederholt. Ein weiterer Außenseitertipp ist für mich Takuma Sato. Der ehemalige Grand Prix Pilot hat sich zwar beim ersten Teil des Rundkurs-Reigens in diesem Jahr nicht grade mit besonderem Ruhm bekleckert, auf den Ovalen lief es aber dann in letzter Zeit doch schon richtig gut – wenn er denn einmal ins Ziel gekommen wäre. Sofern er sich mittlerweile auch an das Rundkurs-Verhalten des Autos gewöhnt hat, ist mit dem Japaner aber sicher zu rechnen.

Neu dabei an diesem Wochenende: Adam Carrol. Der letzte Champion der seligen A1GP-Serie (mit Team Irland 2008-09) wird bis auf weiteres eines der Autos von Andretti Autosport pilotieren. Ob der Nordire allerdings gleich vorne mitfahren kann, bleibt fraglich. Die bisherigen Erfahrungen von zweifelsohne talentierten Fahrern wie Sato oder Baguette lassen eher vermuten, dass auch bei Carroll eine gewisse Eingewöhungszeit von Nöten sein wird.

Carroll wird dabei das fünfte Auto des Teams zur Verfügung haben – denn auch Ryan Hunter-Reay hat für dieses Rennen wieder ausreichende Sponsoren auftreiben können. Laut Spotter-Guide (Achtung, .pdf) dürfte es sich bei diesen “neuen Sponsoren” um  die altbekannten Geldgeber von IZOD handeln, die noch einmal ein paar Dollar locker gemacht haben. Ob die aber auch den Rest der Saison weiter finanzieren können oder wollen ist unklar.

Die traditionsreiche Strecke von Watkins Glen war auch für die IRL einer der ersten Kurse, auf denen man Rundstreckenrennen fuhr. Seit dem Übergang von einer reinen Ovalserie im Jahr 2005 waren die Indycars hier in jedem Jahr am Start. Und auch sonst magelt es in Watkins Glen nicht an Geschichte. In den 60er- und 70er-Jahren war die Formel 1 hier unterwegs, seit 1986 fährt die NASCAR eines ihrer derzeit zwei jährlichen Rundstrecken-Rennen auf dem Kurs. Allerdings benützt die IRL ein etwas anderes Layout, wie Danica Patrick auf dem aktuellen Onboard-Video erklärt:

Was dabei sofort auffällt: Wie nahe in vielen Kurven (und besonders auf den Geraden) die Leitplanken an der Strecke stehen. Obwohl man in den vergangenen Jahren einige Umbauten durchgeführt hat, damit die Indycars ohne Probleme fahren können: Besonders sicher ist der Kurs noch immer nicht.

Das ist allerdings nicht der Grund, wieso gemunkelt wird, dass die IRL dort vorerst zum letzten Mal Station macht. Vielmehr geht es dabei wieder einmal um das liebe Geld. 1,5 Millionen US-Dollar verlangt die IRL von Streckenbetreibern im Moment dafür, dass man auf einem Kurs an der Start geht. Das lohnt sich, wie Kevin Lee im aktuellen Trackside-Podcast vorechnet, erst dann, wenn man mindestens 50.000 Tageskarten zum üblichen Preis von 30$ verkauft. Das schafft Warkins Glen im Moment aber nicht.

Und zu Konzessionen gegenüber der Strecke wird sich die IRL wohl kaum hinreissen lassen. Denn der Kurs befindet sich im Besitz der NASCAR-nahen International Speedway Corporation (ISC), einer Betreiberfirma mehrerer amerikanischer Motorsport-Stätten, mit der sich die IRL derzeit in harten Verhandlungen über ihren zukünftigen Kalender befindet. Zudem hat man ja für 2011 mit Baltimore bereits einen weiteren Rundkurs bestätigt. Und nachdem Indycar CEO Randy Bernard unbedingt bei 17 Rennen und bei einer Balance zwischen Ovalen und Rundkursen bleiben will (derzeit hält man bei 8 Rundstrecken und 7 Ovalen) muss wohl mindestens ein Road Course über die Klinge springen.

Eigentlich sollten gestern die Ergebnisse des ICONIC-Committees bekannt gegeben werden, das seit ein paar Monaten darüber berät, welches Chassis ab 2012 eingesetzt werden soll. Stattdessen gab es nur eine Pressemeldung. Und die sagt, dass die Entscheidung auf den 14. Juli vertragt wurde. Man darf also noch ein wenig länger gespannt sein, welche Richtung die Serie dann nehmen wird. Mehr dazu gibt es vermutlich  in der Vorschau auf das Rennen in Toronto, das kurz nach diesem ominösen Termin in etwas mehr als zwei Wochen über die Bühne wird.

Das Rennen aus Watkins Glen wird übrigens wieder von ABC übertragen. Das verspricht zwar nicht gerade eine besonders tolle TV-Show (das macht, finde ich, Versus um Längen besser) – dafür könnte sich die in letzter Zeit etwas prekäre Stream-Situation ein wenig entschärfen. Immerhin findet diesmal auch nicht zeitgleich ein NASCAR-Rennen oder Fußball WM-Spiel statt, was ebenfalls helfen dürfte. Sofern sich doch nichts finden lässt, kann man ja immer noch auf den kostenlosen Race Control-Stream auf indycar.com zurückgreifen.

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June 22 2010

06:38

Iowa Corn Indy 250: Der “Todesstern” ist geschlagen

Endlich mal wieder jemand anderer: Zum ersten Mal seit Nachville 2008 hat beim einem Ovalrennen ein Auto gewonnen, das nicht aus den Teams von Penske oder Ganassi kommt. Und auch sonst war der Lauf mehr als sehenswert.

Was will man eigentlich mehr? Spannende Duelle das ganze Rennen hindurch, vorne ein paar Fahrer, die dort nicht immer anzutreffen sind und endlich mal kein Rennfinish im Spritspar-Modus. Der Lauf in Iowa bot endlich wieder mal das, was viele Indycar-Puristen ganz besonders schätzen: Eineinhlb Stunden enges Duell zwischen den besten Fahrern. Und – bei aller Begeisterung für Texas – endlich mal so, dass auch das fahrerische Talent wieder etwas mehr zählt. In Iowa hat die IRL bewiesen, dass sie auch dann auf Ovalen für Thrill sorgen kann, wenn man nicht in jeder Runde befürchten muss, dass jemand im Fangzaun landet. Und mit Tony Kanaan hat endlich mal wieder ein richtiger Sympathieträger gewonnen.

Das Rennen in Iowa hat vor allem aber auch gezeigt, wie gut die Aero-Änderungen samt “Overtake Assist”, die man Mitte der vergangenen Saison eingeführt hat auf kleineren Ovalen funktionieren. Die Piloten konnten fast den ganzen Lauf hindurch sowohl auf den unteren Linien, also auch etwas versetzt weiter oben durch die Kurven fahren. Dass das nach einiger Zeit aber auch mit Risken verbunden ist, mussten Sarah Fisher und Takuma Sato erfahren: Beide kamen nur geringfügig von der Linie ab, und runtschten prompt auf den Reifen-Marbles in die Wand. Nicht umsonst schickte die IRL in den Gelbphasen immer wieder Reinigungsfahrzeuge auf die Strecke, um die Gummifetzen wieder wegzuräumen.

Sehr erfreulich für die Rennserie: Die Dominanz von Penske und Ganassi, die unter IRL-Fans schon zu wenig vorteilhaften Vergleichen mit dem Imperium aus Star Wars geführt hatte ist gebrochen. Im vergangenen Jahr teilten sich die beiden Teams 16 von 17 Rennsiegen, auch in dieser Saison konnte bisher nur Ryan Hunter-Reay in Long Beach die Dominanz brechen. Auf einem Oval hatte überhaupt seit Mitte 2008 kein anderes Auto mehr gewonnen.

Auch, wenn ohne seinen Ausfall wegen Getriebeschadens wohl wieder Dario Franchitti gesiegt hätte – es ist sehr erfreulich, dass Andretti Autosport wie schon in Texas auch in Iowa voll dabei war. Neben Rennsieger Tony Kanaan konnte auch Ryan Hunter-Reay das Tempo der Spitze mitgehen, bis er (meiner Meinung nach völlig zu Recht) mit einer Durchfahrtsstrafe dafür zur Verantwortung gezogen wurde, dass er beim Boxenstopp im Zentimeterabstand an Kanaans Mechaniker vorbeirasiert war. Trotzdem schade, denn wenn er keine Sponsoren findet, könnte es das letzte Rennen für Hunter-Reay in dieser Saison gewesen sein.

Auch Marco Andretti zeigt einen recht anständigen Autritt, konnte die Spitze gefährden, und sogar ein paar Führungsrunden sammeln. Allerdings nur bis Runde 50 – dann schlichen sich Handling-Gremlins ein, und Andretti ward für den Rest des Rennens nur noch beim Überrunden gesehen. Schlechteste Andretti-Green Pilotin: Danica Patrick. Die zweite von Fort Worth konnte zu keiner Zeit glänzen, und landete am Ende auf einem enttäuschenden zehnten Platz.

Die positive Überraschung des Rennens war dafür KV Racing. Das ehemalige Champcar Team von Kevin Kalkhoven und Jimmy Vasser ist drauf und dran sich als vierte Kraft in der IRL zu etablieren. Takuma Sato und EJ Viso konnten sich fast das ganze Rennen lang in den Top 10 behaupten, und fuhren gegen Ende teils die schnellsten Runden im ganzen Feld. Vor allem für Sato hätte es sein Rennen des Jahres werden können – leider rutschte der Japaner beim Versuch nach der Spitze zu greifen in Runde 177 auf den Marbles ins Aus. Was er bis dahin gezeigt hatte, war für einen Oval-Rookie allerdings ziemlich bemerkenswert.

Sato wäre fast nicht rechtzeitig an der Strecke angekommen, weil die Leihwagen-Firma in Iowa Probleme mit seinem japanischen Führerschein machte. Dass er sich trotzdem bis zum Oval durchgekämpft hat, hat sich aber gelohnt: Seine Leistungskurve geht definitiv nach oben. Und im Vergleich zu anderen Crashes, die Sato im Laufe des Jahres schon passiert sind, war der in Iowa verzeihlich. Diesmal war immerhin nicht irgendeine kopflose Aktion der Auslöser. Der Ausfall ist ganz einfach auf seine Unerfahrenheit in der IRL zurückzuführen – fast jeder Neuling muss irgendwann mal auf diese Art Oval-Lehrgeld zahlen. Dass das Team trotz trotz Ausfall mit seiner Vorstellung zufrieden war, sagt eigentlich alles. Mal sehen, wie es bei den jetzt kommenden Road Course Rennen für den Japaner so läuft.

EJ Viso dagegen war den Großteil des Rennens hinter seinem Formel 1-erfahrenen Kollegen gehangen – am Ende konnte aber der Venezoelaner nach einer fehlerfreien Vorstellung mit Platz 3 die verdienten KV-Loorbeeren abholen.

Pech hatte Graham Rahal. Nach einer respektablen Fahrt im ersten Teil des Rennens konnte er beim ersten Boxenstop-Reigen wegen einer Funkstörung das Kommando zum Reinfahren nicht hören. Rahal bleibt draußen, ging out of sequence, und weil es nicht rechtzeitig zu einer weiteren Gelbphase kam, war der Kampf um einen Spitzenplatz für ihn vorbei. Immerhin zeigte Rahal Moral, und zog sich am Ende mit einem neunten Platz noch ziemlich achtbar aus der Affäre.

Nicht so toll war wieder mal der Auftritt von Milka Duno. Zum zweiten Mal in ihrer Indycar-Karriere wurde die Venezoelanerin von der Rennleitung geparkt, weil sie nicht den Speed der übrigen Teilnehmer halten konnte. Vorausgegangen war der längst überfälligen Entscheidung eine etwas unüberlegte Aktion von Duno beim Überrunden, als sie Will Power an der Spitze Platz machte, und sich damit direkt vor Marco Andretti schob, der gerade versucht hatte, sie außen zu überholen. Dass es nicht gekracht hat, wundert mich noch immer.

Wieso die Indycar nicht endlich so etwas wie eine Superlizenz einführt, die es Piloten vom Kaliber einer Milka Duno etwas erschwert, alle anderen Teilnehmer zu gefährden, ist mir einfach nicht klar. Es mag sicher ein guter erste Schritt sein, sie zu parken, wenn sie das Tempo nicht mitgehen kann. Es reicht aber nicht. Denn bis zu dem Zeitpunkt, an dem sie geparkt wird, fungiert sie trotzdem als rollende Schikane. Und die IRL ist ja nicht so ganz ungefährlich – dass es mit Duno bisher nicht zu schwereren Unfällen gekommen ist, ist reines Glück. Und das sollte man bekanntlich nicht überstrapazieren.

In der Meisterschaft hat sich in Iowa einiges getan: Will Power hat mit Platz fünf die Tabellenführung zurückerobert (274 Punkte), hauchdünn dahinter liegen Scott Dixon (263) und Dario Franchitti (260). Weniger als einen Rennsieg von der Tabellenspitze entfernt sind auch noch Helio Castroneves (251), Ryan Briscoe (240), Tony Kanaan (229) und Wackelkandidat Ryan Hunter-Reay (225).

In der “A.J. Foy Oval-Trophy” führt Scott Dixon (151), nur drei Punkte vor Teamkollegen Dario Franchitti (148). Dahinter liegen Ryan Briscoe (137), Tony Kanaan (135) und Helio Castroneves (121). Das wird jetzt auch erstmal so bleiben, denn das nächste Oval steht erst Ende August in Chicagoland auf dem Programm.

Weiter geht es mit der Indycar Series in zwei Wochen am Independence Day mit dem Rennen in Watkins Glen. Mann darf gespannt sein, ob auch zu diesem symbolträchtigen Datum der Todesstern wieder unter Beschuss gerät. Immerhin konnte dort im vergangenen Jahr Justin Wilson die Dominanz von Penske und Ganassi brechen. Eine ausführliche Vorschau folgt kommende Woche.

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June 01 2010

06:30

Indy 500: Knapp an der Katastrophe vorbei

Ein dominanter Dario Franchitti hätte dem Rennen fast die Spannung genommen – die starken Andretti-Autos und der Benzinpoker sorgten dann doch nochmal für Unterhaltung. Und Mike Conways Crash zeigte deutlich, wie gefährlich Open-Wheel Ovalrennen immer noch sind.

Am Ende wurde es doch nochmal knapp: Nachdem Dario Franchitti den Großteil des Rennens nach Belieben dominierte, hätte ihm der Spritpoker am Ende fast noch den Sieg gekostet. Das sorgte immerhin für ein wenig Spannung in einem sonst eher taktisch geprägten Ovalrennen. Immerhin:  Auf den Plätzen hinter dem Schotten tummelten sich Fahrer, mit denen man nicht wirklich rechnen durfte. Vor allem Andretti Autosport überraschte mit einer starken Performance. Wenig Grund zur Zufriedenheit hat dagegen Roger Penske: Fehler von Team und Fahrern kosteten allen drei Wagen eine Spitzenplatzierung. Dass man sich bei aller Spannung vielleicht etwas überlegen sollte, um den Spritpoker auf Ovalen einzudämmen zeigte dann der Crash von Mike Conway. Der Brite hatte noch viel Glück im Unglück. Ein etwas anderer Einschlagswinkel hätte für die große Katastrophe gesorgt.

In gewisser Weise erfüllte das Rennen schließlich doch die Erwartungen: Viele waren davon ausgegangen, dass die Penske und Ganassi-Autos den Klassiker dominieren würden. Dass dann aber nur einer der Wagen so deutlich vorausfahren würde, ist schon eine Überraschung. Vor allem Franchittis Vorsprung auf Scott Dixon war verblüffend. Der Kiwi verlor zwar auch zahlreiche Plätze wegen eines lose montierten Vorderrads – auch ohne diesen Fehler seiner Boxencrew war er aber nie eine Bedrohung für den amtierenden IRL Meister.

Klarer war da die Sache schon bei Penske: Dort wären die Fahrer – allen voran Helio Castroneves – vielleicht näher an Franchitti drangewesen. Schließlich verhinderten aber zahlreiche Fehler ein gutes Ergebnis. Mit Will Power auf Rang acht als besten der drei Piloten wird die erfolgsverwöhnte Truppe sicher nicht zufrieden sein können. Zumal man ja auch immer noch auf der Suche nach einem Hauptsponsor ist.

Damit zu den positiven Überraschungen: Da wäre allen voran Andretti Autosport. Damit, dass das Team so gut mithalten kann, hätte nach den riesigen Problemen beim Qualifying vor einer Woche wohl kaum jemand gerettet. Vor allem Tony Kanaan, der sich von Startplatz 33 zeitweise bis Rang zwei vorkämpfte zeigte eine äußerst beeindruckende Leistung. Gut dabei war aber auch Marco Andretti, der sein bestens Ovalrennen seit langen ablieferte, und am Ende mit Rang drei belohnte wurde.

Eher diskret unterwegs war Ryan Hunter-Reay: Der im bisherigen Saisonverlauf konstant beste Andretti-Pilot war brav im Mittelfeld unterwegs. Sein Rennen endete zwar mit einem Paukenschlag, bis zur letzten Runde blieb er aber ziemlich unauffällig. Danica Patrick war zwar wieder mit dem Auto nicht zufrieden, schaffte aber am Ende trotzdem mit Rang sechs ihre beste Saisonplatzierung. In guter Erinnerung wird sie den Mai 2010 dennoch nicht behalten: Auch vor dem Rennen waren wieder vereinzelte Buhrufe von den Tribünen zu vernehmen. Für jemanden, der so an Schulterklopfer und positiven Medienhype gewöhnt ist, sicher eine charakterbildende Erfahrung.

Ein tolles Rennen erwischte Dan Wheldon: Fast die ganze Zeit war der Brite im vorderen Feld unterwegs, sparte dabei aber ausreichend Sprit, um am Ende fast noch Franchitti angreifen zu können. Nach eher unauffälligen Rennen auf den Rundkursen schient die Truppe von Panther Racing auf den Ovalen wieder zu Form aufzulaufen.

Beeindrucken konnte auch das Rahal-Letterman-Team: Niedmand hätte gemerkt, dass seit dem Indy 500 im vergangenen Jahr kein IRL-Wagen der Truppe mehr auf der Strecke war. Trotzdem konnte man zahlreiche etablierte Teams schlagen, und sich über weite Strecken im Vorderfeld halten. Schließlich wurde Graham Rahal mit einer eher fragwürdigen schwarzen Flagge aus den Top 10 entfernt: Der US-Pilot hatte im Zweikampf mit Dan Whelon wohl zu oft die Linie gewechselt. Für europäische Verhältnisse sah das Manöver nicht strafwürdig aus – andererseits zeigt der Unfall von Conway, dass man bei der IRL schon richtig handelt, wenn man unter allen Umständen Duelle zu vermeiden versucht, die so gefahren werden, dass sich die Räder der Autos berühren könnten.

Bester Rookie war am Ende Mario Romancini (Platz 13), der der Duell mit Simona de Silvestro (14) knapp für sich entscheiden konnte. Verdient hätten den Sieg in der Rookie-Kategorie aber beide: Romancini konnte nach bisher eher mittelmäßigen Fahrten am Bump Day und im Rennen endlich zeigen, dass er doch über mehr Talent verfügen dürfte, als bisher zu sehen war. Aber auch Simona de Silvestro lieferte auf dem kräfteraubenden Indianapolis Speedway bei ihrem erst zweiten Lauf auf einem Oval eine tadellose Leistung ab.

Auch Justin Wilson und Mike Conway waren in den Dreyer&Reinbold Wagen gut unterwegs, und konnten über 199 Runden das beste aus ihrem Material machen.

Conways Unfall in der letzten Runde führte dann plastisch vor Augen, wie gefährlich Open-Wheel Ovalrennen immer noch sind: Dem vor ihm fahrenden Ryan Hunter-Reay ging in der letzten Runde plötzlich der Sprit aus, Conway konnte nicht mehr ausweichen, und fuhr auf. Der Wagen stieg in Richtung Fanzaun auf und brach beim folgenden Einschlag in mehrere Teile. Glücklicherweise blieb immerhin das Monocoque intakt. Conway brach sich bei dem Unfall das linke Beim und einen Brustwirbel. Als Folge muss er nun drei Monate lang einen Stützgips für den Rücken tragen – die Saison ist wohl gelaufen. Ryan Hunter-Reay verletzte sich ein paar Bädner im Daumen, und musste sich ebenfalls einer Operation unterziehen. Er soll aber schon am kommenden Wochenende in Texas wieder dabei sein.

Das alles ist übel – Trotz der teils schweren Verletzungen hatten beide Fahrer aber noch immenses Glück im Unglück. Denn hätte sich Conways Wagen nach dem Abheben etwas anders bewegt, wäre er mit dem Helm im Fangzaun gelandet – und ob er in dem Fall noch unter und weilen würde, muss bezweifelt werden. Auch Hunter-Reay hatte riesiges Glück: Conways fliegendes Auto traf seinen Boldien in Helmhöhe. Die Fahrgastzelle hat Kratzer vor und hinter dem Helm. Nur Hunter-Reays Kopf bleib durch schieries Glück verschon. Auch hier gilt: Hätte ihn der Wagen am Kopf getroffen, wäre die Katastrophe wohl unvermeidlich gewesen.

So ist die IRL noch einmal entkommen. Trotzdem sollte man sich bei allem Spektakel, das ein Tankdrama bringt vielleicht überlegen, ob man das weiterhin riskieren will. Denn kein Fahrer kann schnell genug reagieren, um auf einem Oval einem unmittelbar davor langsamer werdenen Auto noch angemessen auszuweichen. Unfälle wie der vom Sonntag können wohl nur vermieden werden, wenn man etwas am Tankregelemnt ändert. Eine Prüfmenge, die nach der Zieldurchfahrt noch vorhanden sein muss, würde nichts von der Spannung eines Spritpokers nehmen – denn ob es dabei darum geht, das gerade noch mit Sprit oder “gerade noch mit 5 Litern” ins Ziel zu kommmen ist für die Spannung unerheblich. Sie könnte das Risiko solcher Unfälle aber massiv verringern.

In der Meisterschaft hat sich auch nach dem Indy 500 wenig getan: Will Power führt weiterhin relativ deutlich – auch, wenn der Vorsprung wegen des magern Platz Acht in Indy etwas gesunken ist. Dahiner lauert nunmehr Dario Franchitti, der seinerseits vom Teamkollegen Dixon verfolgt wird.

Das nächste Rennen findet schon Samstagnacht in Fort Worth, Texas statt. Eine ausführliche Vorschau darauf folgt gegen Ende der Woche.

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May 25 2010

06:00

Indy 500 Qualifikation: Die Analyse

Das Qualifying für das Saisonhighlight der IRL ist gelaufen, das Zusehen hat sich gelohnt. Denn während der Pole Day noch einigermaßen unspektakulär verlief, gab es zum Ende des Bump Day dann doch noch jede Menge Spannung.

Tony Kanaan muss am Bump Day um seinen Startplatz bangen. Paul Tracy scheitert an der Qualifikation. Sebastian Saavedra zerstört erst sein Auto – und ist am Ende doch beim Rennen dabei. Und Danica Patrick wird von der Tribüne ausgebuht. Die IRL wollte das Qualifying entstauben und wieder spannender machen – die Bemühungen wurden belohnt, vor allem die letzte Stunde des Bump Day wird man wohl so schnell nicht wieder vergessen. Der Pole Day war im Vergleich etwas weniger spektakulär. Aber auch vorne sind ein paar Autos aufgetaucht, die man nicht unbedingt dort erwartet hätte.

Sieger

Die erste Reihe ist noch überraschungsfrei: Die zwei Indy 500 Sieger Helio Castroneves und Dario Franchitti und der Meisterschaftsleader Will Power. In der zweiten Reihe stehen Ryan Briscoe und Scott Dixon – auch die hätte man dort erwartet. Doch zwischen den beiden wartet schon die erste große Überraschung: Alex Tagliani hat das Auto des in dieser Saison neu eingestiegenen FAZZT-Teams auf Platz fünf gestellt. Auch, wenn das Mannschaft nicht gänzlich neu ist, sondern den Shop von Marty Roth übernommen hat: So weit vorne hätte die Truppe auf einem Oval sicherlich kaum jemand erwartet.

Die zweite Cindarella-Story ist Graham Rahal: Bis vor wenigen Wochen war völlig unklar, mit welchem Auto der Sohn von Rennlegende Bobby das Indy 500 bestreiten würden. Für die ganze Saison konnte er nicht genug Sponsorengelder zusammekratzen, auf den Straßenkursen hielt er sich mit Gelegenheitsdrives für Sarah Fischer Racing im Gespräch. Für Indy hatten die Experten bei Newman-Haas erwartet. Doch der Deal kam nicht zustande, und Graham musste sich anderswo umsehen. Schließlich landete er beim familieneigenen Rahal-Letterman Team, das seit dem Indy 500 im vergangenen Jahr kein IRL-Rennen mehr bestritten hat. Umso erstaunlicher also, dass Rahal das Indy 500 von der siebten Position aus in Angriff nehmen wird.
Die dritten Reihe komplettieren Ed Carpenter und Hideki Mutoh – vor dem Training auch eher noch Geheimtipps.

“Zweite Sieger”

Gar nicht nach Wunsch lief es dafür für Andretti Autosport. Als schnellster Fahrer aus dem Siegerteam vergangener Jahre platzierte sich Marco Andretti auf Rang 16, einen Rang vor Ryan Hunter-Reay. Veteran John Andretti konnte sich immerhin sicher qualifizieren und startet von Rang 28. Danica Patrick und Tony Kanaan hatten dafür überhaupt ein Wochenende zum Vergessen.

Patrick konnte sich am immerhin am Sonntag locker für Platz 24 qualifizieren – das Qualifying lief für sie also aus sportlicher Sicht nicht gerade glänzend, aber durchaus noch solide. Dass sie das Wochenende dennoch in schlechter Erinnerung beahlten wird, hat allerdings einen anderen Grund. Als sie am Samstag an der Strecke etwas kritisch interviewt wurde, meinte sie “[...] it’s not my fault. The car is not good.” Anders ausgedrückt: Schuld sei das Team. Das kam beim Publikum an der Strecke gar nicht gut an. Folge: Buhrufe für für die merklich verdutzte Rennfahrerin. Danica wirkte noch immer völlig perplex, als sie etwas später dazu interviewt wurde. Auch, wenn der Hype um ihre Person ihr Können übersteigen mag – ihre Reaktion am Samstag halte ich für nachvollziehbar: Patrick wurde jahrelang als großer Star IRL aufgebaut, jeder kleine Erfolg wurde bejubelt. Jetzt lassen auch diese kleinen Erfolge auf sich warten – und die Schulterklopfer haben sich plötzlich aus dem Staub gemacht.

Aber auch, wenn es stimmen mag, dass Andretti Autosport schon mal konkurrenzfähiger war – clever ist ihre Kritik am Team ganz sicher nicht. Das Klima scheint schon zu leiden. Zumindest hat sich Tony Kanaan bereits berufen gefühlt, ihr über die Medien auszurichten, sie müsse ihre Einstellung ändern. Was natürlich auch von Kanaan kein wirklich cleverer Zug ist. Wie bei Patrick ist aber auch seine Frustration nachvollziehbar. In allen Trainings war der Brasilianer vorn dabei, das Team setzte ihn sogar in die Autos seiner Kollegen, um Tipps für die Abstimmung zu bekommen. Und dann die Enttäschung: Ein Dreher samt Mauerkontakt am Pole Day, das selbe noch einmal am Sonntagmorgen – und schon musste Kanaan um die Qualifikation bangen. Am Ende ging es dank eines passablen Versuchs etwa 30 Minuten vor Ende doch noch einmal gut, wenn auch denkbar knapp: Der Brasilianer wird das Rennen von Rang 32 aus in Angriff nehmen müssen.

Nur unwesentlich besser lief es für Takuma Sato. Der ehemalige Formel 1 Pilot zerstörte ebenfalls am Samstagmorgen seinen KV-Racing-”Lotus” und musste am Bump Day um die Qualifikation fahren. Schließlich reichte ein dramatischer Run in den letzten Minuten für Platz 31.

Besonders unglaublich war aber der Kampf um den letzten Startplatz am Ende des Bump Day. Erst zerstörte der auf dem Bubble-Platz 33 qualifizierte Sebastian Saavedra beim Trinaing sein Auto – sollte ihn also jemand überholen, würde er keine Zeit mehr haben, seine Zeit zu verbessern. Dann kamen die Versuche von Kanaan und Sato – Saavedra war draußen, vor ihm “on the bubble”: Mario Romancini.

Und dann fuhr Romancini einen Versuch, seine Zeit zu verbessern. Da der Nachwuchspilot zu diesem Zeitpunkt noch qualifiziert war, konnte kaum jemand verstehen, wieso er das Risiko einging, seine Zeit streichen zu lassen. Doch der Poker lohnte sich, Romancini schaffte die sichere Qualifikation auf Rang 27, alle anderen rutschten nach unten. Als nächster Pilot versuchte der auf den Bubble-Platz abgerutschte Paul Tracy den gleichen “Präventivschlag” – und scheiterte.

Und dann stand eine Minute vor Trainingsende Jay Howard auf Platz 33 – und vor einer riskanten Wahl: Würde er einen neuen Trainingsversuch wagen, wäre die schon gefahrene Zeit weg. Ohne einen neuen Trainingsversuch wäre allerdings Paul Tracy an der Reihe, und könnte veruschen, ihn aus der Startaufstellung zu bumpen. Howard entschied sich dafür, das Schicksal selbst in die Hand zu nehmen, und zu fahren – und schaffte es nicht. Der letzte Startplatz ging damit an den schon sicher draußen geglaubten Sebastian Saavedra, der im Infield Care Center von seinem Glück erfuhr.

Eine bittere Pille für Howard und Sarah Fischer Racing. Das kleine Team hatte wohl fix mit der Qualifikation beider Autos für das Indy 500 kalkuliert – im Interview direkt nach Trainingsende erklärte die völlig aufgelöste Sarah Fischer jedenfalls unter Tränen, dass sich das Ergebnis sehr nachteilhaft auf den Rest der Saison auswirken würde.

Äußerst schade ist die Sache auch für Paul Tracy: Anders als im vergangenen Jahr hatte der Kanadier diesmal nur einen Deal für das Indy 500, nicht auch für die Läufe in Edmonton und Toronto. Die Nichtqualifikation lässt befürchten, dass es wohl der letzte Auftritt von Tracy in dieser Saison war. Und ob er es mit diesem Ergebnis in kommenden Jahren noch einmal schafft, die nötigen Gelder für das Indy 500 aufzutreiben, steht in den Sternen.

Trotz dieser Wermutstropfen:  Die Qualifikation lässt diesmal wieder ein spannenderes Indy 500 hoffen, als es das Rennen vom vergangenen Jahr war. Eine ausführliche Vorschau folgt gegen Ende der Woche.

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April 29 2010

20:30

IRL: Vorschau Kansas

Nach vier Rund- und Straßenkursen in Folge beginnt bei der IRL langsam die Vorbereitung für das Indy 500. Am Wochenende steigt in Kansas das erste Ovalrennen der Saison.

Mitten im Herzen der USA besucht die Indycar Series bereits ihre fünfte Station in diesem Jahr. Spannend wird es Samstagnachmittag (!) in Kansas beim ersten Ovalrennen der Saison allemal – denn schon hier werden die ersten Karten für das Indy 500 auf den Tisch gelegt: Schon am Samstag wird man abschätzen können, ob sich auf den Ovalen die Dominanz von Penske und Ganassi aus dem vergangenen Jahr fortsetzt, oder ob andere Teams es geschafft haben, über den Winter zur Spitze aufzuschließen. Für zusätzliche Würze sorgt eine ab sofort gültige Regeländerung der IRL: Bereits in diesem Jahr werden nämlich zwei zusätzliche Meistertitel verliehen.

Im vergangenen Jahr war das Rennen auf dem nur mäßig überhöhten 1,5 Meilen Speedway nahe Kansas City nicht ganz so spannend. Es war vielmehr eher eines der Ovalrennen, bei denen man einen kräftigen Energydrink ganz gut gebrauchen konnte, um über die gesamte Distanz wach zu bleiben. Das muss aber für dieses Jahr kein schlechtes Omen sein. Denn erstens findet das Rennen diesmal nicht erst am späten Abend, sondern bereits um 20:00 statt (Übertragungsbeginn: 19:30). Und zweitens hat sich seit dem letzten Jahr auch sportlich einiges getan: Schon Mitte 2009 wurde der Push to Pass-Button eingeführt, und die Aerodynamik der Autos leicht angepasst, so dass auf den Ovalen nun ein engeres Auffahren möglich ist. Und außerdem haben heuer – zumindest auf den Rundstrecken – gleich mehrere Teams einen großen Teil ihres Rückstandes auf die “big two” von Penske und Ganassi aufgeholt.

Da wäre zum Beispiel Andretti Autosport. Das Team war in vergangenen Saisons auf den Ovalen immer wieder vorne dabei, hatte 2009 dann aber einen üblen Durchhänger. Auf den Straßenkursen war man heuer meist mit einem der Wagen in der Spitzengruppe – Ryan Hunter-Reay und Tony Kanaan muss man also auch in Kansas auf der Rechnung haben. Auch Marco Andretti könnte, wenn er mal wieder so einen Tag wie in Alabama erwischt ein Wörtchen mitreden. Und dann ist da ja noch Danica Patrick: Die hing zwar in den vergangenen Wochen in einem üblen Formtief – es war aber zu vernehmen, dass sie sich schon sehr auf den Beginn der Ovalsaison gefreut hat. Vielleicht findet ja auch sie zu ihrer alten Stärke zurück. Der Indycar würde es gut tun.

Sonst zu beachten: Mario Moraes, der in den letzten Ovalrennen der Saison 2009 ein paar sehr beachtliche Leistungen geboten hat. Wenn ihm KV Racing wieder ein entsprechendes Auto hinstellt, dann sollte man auch den Namen des Brasilianers beim Blick auf die Zeitenliste eher im oberen Drittel suchen. Spannend wird es auch zu sehen, was sein Teamkollege Takuma Sato bei seinem allerersten Auftritt in einem “Nudeltopf” erreichen kann. Erwarten sollte man nicht zu viel – selbst ein Montoya brauchte bei seinem Debut in der CART-Serie ein paar Rennen Eingewöhnung, um auf den Ovalen richtig konkurrenzfähig zu sein. Andererseits: Wenn der KV-Wagen wirklich so gut gehen sollte, wie im vergangenen Jahr, dann könnte auch der Japaner für eine Überraschung gut sein. Newman/Haas/Lanigan war Ende der vergangenen Saison auch nahe an der Spitze dran – ob das zunehmend marode Team aber noch einmal zu alter Stärke zurückfinden kann, scheint zweifelhaft.

Aber selbst wenn das alles nichts wird, und keines der anderen Teams konkurrenzfähig sein sollte: Penske und Ganassi stellen alleine ja auch fünf Fahrer. Wenn alle die ersten Runden überstehen, dann darf man zumindest ein schönes Duell dieser Piloten erwarten. Immerhin haben die Oval-Spezialisten Helio Castroneves und vor allem Scott Dixon schon einige Punkte Rückstand auf Tabellenführer Will Power. Der Australier fühlt sich zwar auf Straßenkursen normalerweise wohler – aber vielleicht gelingt ihm ja mit dem Wind der Tabellenführung im Rücken diesmal sein erster Ovalsieg.

In den USA läuft das Rennen wieder auf ABC, wo man die Zuseher offenbar schon mal auf das Indy 500 vorbereiten will. Für die Indycar ist das wegen der größeren technischen Reichweite eine feine Sache – und für deutsche Zuseher ist es auch nicht schlecht, weil so die Chancen steigen, irgendwo einen annehmbaren Stream des Rennens zu finden. Sofern das doch nicht möglich sein sollte, kann man die Geschehnisse auf der Strecke auch diesmal wieder in der Racecontrol auf indycar.com verfolgen. Der Übertragungstermin sollte nach derzeitigem Stand wohl halten – für Samstag ist zwar Bewölkung vorhergesagt, die Regenwahrscheinlichkeit ist aus heutiger Sicher aber gering.

Zwei neue “Meiterschaften”

Indycar-Boss Randy Bernard hat diese Woche mit einer ziemlich kurzfristigen Neuerung aufhorchen lassen: Schon in dieser Saison sollen neben dem gewohnten Indycar-Meistertitel zusätzlich zwei getrennte Trophies für die jeweils besten Fahrer auf Ovalen bzw. Rundkursen vergeben werden. Der Sieger der Rundurs-Wertung wird am 22. August in Sonoma feststehen, der Oval-Champion PR-technisch etwas ungünstig am 19.September im fernen Motegi. Das Finale in Homestead zählt nicht mehr zur Ovalwertung, so dass sich die Fans ganz auf das erhoffte Duell um die Gesamt-Meisterschaft konzentrieren können.

Für beide “Meister” werden neben den Titeln auch eigene Geldpreise verliehen – deren genaue Höhe steht allerdings zur Zeit noch nicht fest. Ebenfalls noch unklar ist der Name der neuen Trophies. Fest steht, dass Legenden des Sports als Namesgeber fungieren sollen – welche das genau sein werden, dürfen die Fans im Mai und Juni via Internet bestimmen.

Ein Ziel der neuen Meisterschaften sei es, die Vielseitigkeit der Serie zu unterstreichen, meint Bernard im Interview auf indycar.com. Ob es dafür allerdings gerade sinnführend ist, zwei getrennte Meisterschaften einzuführen, bleibt fraglich. Eingänglicher ist da schon ein Argument, das beim gewöhnlich gut informierten Indianapolis Star genannt wird: Mit den zwei Wertungen soll den kleineren Teams ermöglicht werden, zumindest genügend Sponsorengelder für eine der beiden Meisterschaften aufzutreiben. Das würde allerdings zu einem anderen Problem führen: Denn welcher Sponsor zahlt schon für die neun Rennen der Rundkurs-Meisterschaft, wenn er für weniger Geld auch die sechs Events der Oval-Trophy haben kann, die immerhin das Indy 500 beinhaltet?

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April 20 2010

06:30

IRL: Analyse Long Beach

Spannend war das, was die IRL am Wochenende in Long Beach geboten hat ja nicht gerade. Am Ende durfte sich die Serie aber trotzdem über einen Erfolg freuen.

Ein Viertel der Saison ist bei den Indycars jetzt schon wieder vorbei, und bisher fällt die Bilanz für die strauchelnde Rennserie eher gemischt aus: Schwere Organisationsprobleme aber ein tolles Rennen in Brasilien; Regenverschiebung in St. Petersburg – aber dann wiederum ein Rennen mit schönen Duellen und vielen Überholmanövern. Am Barber Motorsports Park in Alabama gab’s dann das andere Extrem: Tolle Organisation und viele Fans vor Ort – aber das Rennen war ziemlich dröge. Und so ähnlich war es am vergangenen Wochenende dann auch beim Klassiker von Long Beach. Dass die Indycar am Ende mit dem Rennen trotzdem zufrieden sein konnte, lag vor allem daran, dass mit Ryan Hunter-Reay endlich mal “der richtige” gewonnen hat.

Der sympathische Texaner profitierte dabei aber auch von Pech des Meisterschaftsleaders Will Power. Der Australier hatte das Rennen einmal mehr gut im Griff, als er beim Herausbeschleunigen aus der engen Haarnadel vor Start und Ziel kurzfristig nicht beschleunigen konnte und von Hunter-Reay und Justin Wilson überholt wurde. Anfangs dachten die Kommentatoren daran, dass Power womöglich den Speed-Limiter gedrückt, oder dass das Auto einen mysteriösen Defekt erlitten haben könnte. Wie Power nach dem Rennen zugab, ist die Wahrheit aber viel simpler: Er hatte sich ganz einfach verschalten. Gut für Hunter-Reay, der das Rennen ab diesem Zeitpunkt weitgehend dominierte.

Insgesamt scheint es bei Andretti Autosport wieder ein wenig nach oben zu gehen. Marco Andretti hatte in Alabama bis zum Tankdrama kurz vor Schluss einen starken Auftritt, und auch Tony Kanaan konnte in Long Beach immerhin den recht achtbaren fünften Platz nach Hause fahren. Sonst hat man vom Brasilianer aber schon animiertere Auftritte gesehen, als in diesem Jahr. Es wäre hoch an der Zeit, dass ihn der Erfolg seines eigentlich geringer eingeschätzen Teamkollegen Hunter-Reay wieder wachrüttelt. Abermals kein gutes Rennen hatte dagegen der vierte Andretti Autosport Wagen: Danica Patrick scheint sich gedanklich schon ein wenig von der Indycar-Szene verabschiedet zu haben, und hinterließ zum wiederholten Mal in dieser Saison einen reichlich blassen Eindruck. Dass ihr immerhin die im schwächeren HVM Wagen fahrende Simona de Silvestro diesmal nicht die Show stehlen konnte, und hinter ihr ins Ziel kam, mag nur ein schwacher Trost sein – sofern Danica das überhaupt noch interessiert.

Ein gutes Rennen zeigte dagegen schon wieder Justin Wilson. Der Brite brachte den sicher nicht gerade überlegenen Dreyer & Reinbold Dallara auf Platz zwei ins Ziel. Ebenfalls beeindrucken konnte endlich mal wieder Mario Moraes: Der Brasilianer, der gegen Ende der vergangenen Saison eine Reihe beeindruckender Resultate hingelget hat, und schon als ein neuer Star der Serie gehandelt wurde, konnte sich in Long Beach nach einer eher unauffälligen aber effektiven Fahrt den sechsten Rang sichern. Weniger toll läuft es nach wie vor für Takuma Sato: Nach einem kleinen Aufwärtstrend in der Qualifikation im Barber Motorsports Park konnte sich der Ex-Formel 1 Pilot diesmal nicht ins Quali-Segment der besten zwölf fahren. Im Rennen blieb er dann unauffällig, und kam nach Mauerkontakt mit einer Runde Rückstand auf Platz 18 ins Ziel. Schade, denn das Talent um vorne mitzufahren hätte Sato ganz sicher. In schlechter Erinnerung wird den Lauf in Long Beach auch Graham Rahal behalten. Nach verhaltener Qualifikation und einem Rennen in hinteren Teil des Feldes wurde der Jungstar in Runde 58 auch noch Opfer von Mario Romancini, der sich bei einem Überholversuch in Kurve eins massiv verschätzte und Rahal und sich selbst in die Reifenstapel schickte.

Das alles ist aber noch nichts gegen die Probleme, die Milka Duno in Long Beach hatte. Nachdem ihr im Freien Training rund zehn Sekunden auf die Spitze fehlten, wurde sie aus Sicherheitsgründen für die Qualifikiation geparkt. Als Ausfallgrund für das Rennen, das die Venezoelanerin vom letzten Startplatz aus in Angriff nehmen durfte, wird von der offiziellen Statistik etwas schmeichelhaft “Handling” angegeben. Tatsächlich hatte die Rennleitung schon vor dem Start angekündigt, sie zu wieder parken, sofern sie das Tempo der Spitze nicht mitgehen könnte. Das dürfte wohl letztlich auch geschehen sein. Duno aus dem Rennen zu nehmen war sicher nicht ganz ungerechtfertigt. Wieso man aber bei IRL erst jetzt bemerkt, dass sie das Niveau der Spitze nicht so ganz mitgehen kann, das darf man sich natürlich schon fragen. Insgesamt stecken die Offiziellen dabei in einem gewissen Dilemma: Duno verfügt über Sponsoring aus den wohlwollenden Quellen des staatlichen venezoelanischen Ölkonzerns Citgo, und füllt damit als sichere Starterin das Feld auf. Andererseits ist es – abgesehen von Sicherheitsbedenken – für das Ansehen der Serie nicht gerade förderlich, wenn da jemand dabei ist, der alle paar Runden wieder vor der Spitzengruppe auftaucht.

Währenddessen muss Long Beach Sieger Hunter-Reay noch immer darum kämpfen, die ganze Saison fahren zu dürfen: Bisher ist sein Antreten bei Andretti Autosport nur bis zum Rennen in Texas gesichert. Für die IRL wäre er eigentlich geradezu ein Traum: Amerikaner, noch dazu aus Texas, also einem der demographisch für die Indycars so interessanten Südstaaten; Ein schneller Fahrer auf Rundstrecken und Ovalen; Jemand der genau weiß, wie man mit den Medien umgehen muss – und noch dazu von Seriensponsor IZOD gefördert. Wenn er so weitermacht, dann darf man also hoffen, dass sich vielleicht doch noch jemand erweichen lässt, dem ersten amerikanischen Indycar Sieger seit Watkins Glen 2008 (damals ebenfalls Hunter-Reay) vielleicht doch den Rest seiner Saison zu finanzieren.

Dass das aber keineswegs sicher ist, zeigen sie Probleme, die Graham Rahal in dieser Saison duchstehen muss. Der Drei-Renn Stint bei Sarah Fischer ist jetzt vorbei. In Kasas wird man Rahal also wohl nicht sehen. Beim Indy 500 wird er dann vermutlich für Newman/Haas Racing ins Lenkrad greifen, die restliche Saison ist dann wieder ungewiss. Trotz mittelmäßigen Auftritten hat sich aber zumindest das Engagement für Sarah Fischer Racing für beide Seiten gelohnt: Niemand hatte vor dem Rennen in St. Petersburg ernsthaft erwartet, dass Rahal aus dem Wagen plötzlich einer Siegerauto macht. Der US-Jungstar konnte mit seinem engagierten Auftreten aber beweisen, dass er den Charakter hat, notfalls auch in ein weniger tolles Auto zu steigen, um bei den Rennen dabei sein zu sürfen. Und Sarah Fischer Racing und ihr treuer Sponsor Dollar General bekamen durch den Deal etwas zusätzliche Aufmerksamkeit.

Nach wie vor auf der Suche nach einem guten Cockpit ist auch Paul Tracy: Der Kanadier gab beim Rennen in Long Beach eine Pressekonferenz, bei der er über seine Zukunft sprach. Statt dem erwarteten Engagement bei KV Racing für das Indy 500 und die beiden Kanada-Rennen in Edmonton und Toronto konnte Tracy diemal aber nur einen Deal für das Indy 500 verlautbaren. Man mag zu Tracy und seinem oft etwas polternden Auftreten stehen, wie man will. Aber dass er den Sport bereichtert, steht außer Frage. Dass er obendrein auch nach wie vor schnell Auto fahren kann, hat er vergangenes Jahr in Toronto bewiesen. Es wäre also zu hoffen, dass sich doch noch jemand findet, der ihm ein paar weitere Rennen gönnt. Zuletzt klang sein Twitter-Feed (@paultracy3) aber eher verbittert: “I think I’m going to change my name to John , I feel like a John. / Cuz everytime I talk to a irl team owner , they ask me for $$ like a hooker”. Seiner eigenen Publicity mögen solche Sprüche eher schaden. Aber die Indycar hätten einen Charakter wie Tracy dringend nötig.

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Schweinderl