Tumblelog by Soup.io
Newer posts are loading.
You are at the newest post.
Click here to check if anything new just came in.

March 26 2013

07:15

NASCAR: Analyse Fontana 2013

Was für ein Wochenende! In vielen Rennserien ging es gehörig durcheinander, die NASCAR machte da am Sonntag keine Ausnahme und das wohl spannendste Finale der Fontana-Geschichte war die Folge. Leider ging das nicht ohne blaue Flecken aus, da Tony Stewart nach der Auslaufrunde auf Joey Logano wartete. Zudem hatte Denny Hamlin einen heftigen Unfall.

auto club 400 kyle busch sunoco flag nascar 2013 300x183 NASCAR: Analyse Fontana 2013Eigentlich hatte ich ja gedacht, dass ich an dieser Stelle wieder ausführlich über die Reifen von Goodyear schreiben würde, doch die haben sich am Sonntag erstaunlich gut gehalten. Dafür soll das Thema des Tages die letzte Runde des Rennens sein, welche man getrost in die Hall-of-Fame der besten NASCAR-Finishes aufnehmen kann. Ich erinnere mich auf die Schnelle nur an eine Handvoll gleichwertiger Zieleinläufe seit 2007: Watkins Glen 2012, Martinsville 2010 und ein paar Talladega-Rennen. Dass sich nun ausgerechnet Fontana in dieser Wertung einreiht, überrascht allerdings etwas. Das große Drama fing – wie vor Ort gewohnt – mehr oder weniger beim letzten Restart zehn Runden vor Schluss an. Kyle Busch lag in Führung und auf direktem Kurs zum Sieg, nachdem er den Nachmittag fast im Alleingang dominieren konnte. Hinter ihm startete Teamkollege Denny Hamlin und neben den beiden bildeten Joey Logano sowie Tony Stewart die zweite Linie.

Damit waren alle Zutaten für dieses NASCAR-Meisterwerk in den Topf geworfen, denn schon beim Schwenken der grünen Flagge zum letzten Run ging es los: Joey Logano hatte Schwierigkeiten, Leader Busch – wie vom Reglement verlangt – den Vortritt beim Überqueren der Ziellinie zu lassen und wurde stattdessen leicht langsamer. Dadurch schloss Tony Stewart recht schnell auf und wollte innen an Logano vorbei, welcher aber seinerseits einen Block zur Verteidigung setzte. Das gefiel Stewart ganz und gar nicht und deshalb passte er Logano nach der Auslaufrunde ab, indem er seinen Chevy direkt vor die #22 parkte. Ein kleines Handgemenge konnte recht schnell von den Mechanikern aufgelöst werden, aber der Rauch hatte sich sozusagen noch lange nicht verzogen. Smoke war völlig außer sich und erging sich in Schimpftiraden, welche nachträglich von FOX zensiert werden mussten.

Laut Stewart hätte Logano in keinster Weise das Recht gehabt, ihn zu blocken, da der Penske-Pilot sich selbst wegen solcher Situationen in der Vergangenheit des Öfteren aufregt habe. Logano habe ohnehin im Gegensatz zum Rest seiner Fahrerkollegen an keinem Tag in seinem Leben hart arbeiten müssen, um in den Sprint Cup zu gelangen und solle sich bei Konfrontationen außerdem nicht immer hinter seiner Crew verstecken. Der Rest waren ein paar harsche Ausdrücke und das Versprechen, Logano demnächst gehörig in den Allerwertesten zu treten.

Diese Meinung kann man verstehen und vielleicht sogar unterstützen, aber meines Erachtens hat Stewart eventuell ein wenig überreagiert, zumal er selbst kein Kind von Traurigkeit ist, was solche Fahrmanöver angeht. Als äußerst interessant empfand ich es, dass Kasey Kahne dem Hendrick-Partner zumindest verbal direkt zur Seite sprang und dessen Ansicht bezüglich Loganos Fahrweise verteidigte. Möglicherweise ist das aber auch nur Teamwork, denn natürlich machte sich im Gegenzug auch der „Captain“ Roger Penske aus dem fernen St. Petersburg wiederum für seinen Fahrer stark.

Die Quintessenz der ganzen Geschichte ist für mich persönlich: Das Logano-Manöver kann man machen, wenn es wie hier um den Sieg geht. Kommt sowas aber zu häufig vor oder beschwert man sich auch noch, wenn diese Taktik gegen einen selbst eingesetzt wird, dann ist das tatsächlich bescheuert. Natürlich kam die Situation mit Hamlin aus der Vorwoche bei Stewarts Beurteilung erschwerend dazu und ich vermute mal, dass Smoke sich beim Thema „jammern“ exakt auf die Logano-Reaktion aus Bristol berufen haben wird. Dann allerdings so einen Aufstand zu machen, dass man schon Angst haben muss, ist aber sicher auch nicht die feine englische Art. Na gut, wir sind halt in der NASCAR, da muss Logano wahrscheinlich mit sowas leben.

Aber nun zurück zum Finale, denn an der Spitze war zwischen Kyle Busch, Joey Logano und Denny Hamlin ja noch nicht ausgemacht, wer denn in die Victory-Lane fahren würde. Busch konnte sich auf diesem Shortrun nicht mehr so leicht in Führung halten wie noch zuvor und musste nach vier Runden die Spitzenposition an Logano abgeben und kurz darauf auch Hamlin ziehen lassen. Während sich ganz vorne die beiden Bristol-Streithähne gegenseitig keinen Millimeter schenkten, wurde Busch dahinter kurzzeitig sogar von Carl Edwards bedroht. Die letzten beiden Runden waren dann wirklich filmreif und hätten gut und gerne direkt aus einem NASCAR-Rennen der 70er-Jahre stammen können.

Während Logano und Hamlin einander das Leben schwer machten, zog der Gibbs-Toyota von Kyle Busch plötzlich wieder an. In der letzten Runde war er dann tatsächlich der lachende Dritte und holte sich nach dem Sieg vom Vortag in der Nationwide Series eine weitere Trophäe für den heimischen Wohnzimmerschrank ab. Nachdem Busch an den Streithähnen vorbei war und diese ihre Niederlage realisiert hatten, ging es quasi nur noch um die Ehre in Form einer ausstehenden Revanche. Es kam also wie es kommen musste und die beiden Fahrzeuge berührten sich, weil Joey Logano in der letzten Runde ausgangs von Turn 4 die obere Linie nicht aufgeben wollte und erneut eine Blockade versuchte. Denny Hamlin war allerdings schon neben der #22 und es krachte.

Joey Logano schlug in die Außenmauer ein und rollte als Dritter hinter einem dankend abstaubenden Dale Earnhardt Jr über die Ziellinie. Denny Hamlin schoss dagegen in Richtung Infield und schlug frontal hart in die innere Streckenbegrenzung ein. Zu seinem Unglück befand sich an dieser Stelle allerdings keine SAFER-Barrier, was in einen unglaublichen Aufprall mündete; so einen schweren Unfall haben wir wohl seit Elliott Sadler in Pocono nicht mehr gesehen. Hamlin war zwar bei Bewusstsein und nahm das Window-Net herunter, allerdings musste er sich nach dem Ausstieg sofort auf den Boden legen, was zeigte, wie sehr ihn der Einschlag tatsächlich mitgenommen hatte.

Da Hamlin über Rückenschmerzen klagte, transportierten die Hilfskräfte ihn zur Sicherheit zunächst auf einer Trage ab. Anschließend brachte ihn ein Helikopter zur nächtlichen Beobachtung in das nächstgelegene Krankenhaus. Diesen Weg wählte man allerdings nur, um dem Rückreiseverkehr von der Strecke zu entgehen. Am Montag wurde dann bekanntgegeben, dass sich Hamlin einen Lendenwirbel gebrochen habe (L1 compression fracture). Das kann jetzt erstmal von einem Monat Pause bis Saisonende alles bedeuten, jedoch sollte man zu allererst an eine vollständige Genesung denken. An dieser Stelle möchte ich Denny Hamlin daher die besten Wünsche auf diesem (hoffentlich nicht zu langen) Weg ausrichten. Alles Gute!

Zur Verdeutlichung sollen hier dann zusätzlich noch die Videos des Fontana-Finales helfen:

Den Rest vom Schützenfest möchte ich nur noch kurz anreißen:

- Hinter Kyle Busch komplettierten wie erwähnt Dale Earnhardt, Jr. und Joey Logano die Top3, gefolgt von Carl Edwards und einem erneut sensationell aufgelegten Kurt Busch.

- Ein Top10-Resultat erreichten Greg Biffle, Matt Kenseth, Paul Menard, Kasey Kahne und Ryan Newman. Biffle musste das Rennen nach einem Motorenwechsel von ganz hinten aufnehmen. Kenseth hätte ich nach dem Verlauf des Nachmittags eigentlich weiter oben erwartet, er war zumindest lange Zeit schnell genug dafür.

- Jeff Gordon (11.) und Jimmie Johnson (12.) konnten noch ein paar wichtige Punkte für die Meisterschaft retten, nachdem sie zwischenzeitlich mit schlechtem Handling ziemlich weit zurückfielen.

- Danica Patrick verlor nur eine Runde auf die Führenden und beendete das Rennen auf Platz 26, was eine durchaus solide Leistung darstellt.

- Die drei Piloten von Michael Waltrip Racing waren in Fontana lange Zeit in der Top10-Region unterwegs, konnte am Ende allerdings keinen Blumentopf gewinnen: Clint Bowyer (35.) erlitt einen Motorschaden und Mark Martin (37.) drehte sich spät im Rennen in Turn 2 von der Piste. Warum Martin Truex Jr nur Platz 18 holte, konnte ich nicht nachvollziehen.

- Wer jetzt Tony Stewart (22.) vermisst, dem sei gesagt, dass er gemeinsam mit Brad Keselowski (23.) nur am Ende der Führungsrunde im Ziel eintreffen konnte. Das erklärt seine Wut auf Logano sicher noch ein wenig besser. Keselowski musste übrigens ebenfalls einen Motorenwechsel vornehmen lassen und war eigentlich auf Top10-Kurs. Beim letzten Restart verlor er allerdings massiv an Boden.

Nach dieser ganzen Aufregung können wir und alle direkt Beteiligten nur von Glück reden, dass sich am nächsten Wochenende erstmal eine kleine Verschnaufpause bietet. Nicht auszudenken, was passieren würde, wenn man Stewart an Ostern auf Logano loslassen würde. Weiter geht es dann eine Woche später mit dem Shorttrack-Klassiker in Martinsville und dort werden mit Sicherheit wieder einige „Freundschaften geschlossen“.

Die gesamten offiziellen Ergebnisse können hier inklusive weiterer Statistiken noch einmal bei Jayski.com nachgeschaut werden. Zum Abschluss folgt wie gewohnt die Übersicht zu den Punkteständen bei den Fahrern und in der Owner-Wertung (Achtung: Alles PDF-Dateien!).

auto club 400 dale earnhardt jr nascar 2013 150x150 NASCAR: Analyse Fontana 2013 auto club 400 danica patrick nascar 2013 150x150 NASCAR: Analyse Fontana 2013 auto club 400 green flag kyle busch nascar 2013 150x150 NASCAR: Analyse Fontana 2013 auto club 400 jimmie johnson nascar 2013 150x150 NASCAR: Analyse Fontana 2013 auto club 400 kyle busch joey logano nascar 2013 150x150 NASCAR: Analyse Fontana 2013 auto club 400 side by side racing 150x150 NASCAR: Analyse Fontana 2013 auto club 400 start nascar 2013 150x150 NASCAR: Analyse Fontana 2013 auto club 400 kyle busch 18 sunoco flag nascar 2013 150x150 NASCAR: Analyse Fontana 2013 auto club 400 kyle busch sunoco flag nascar 2013 150x150 NASCAR: Analyse Fontana 2013 auto club 400 kyle busch wins auto club 2013 150x150 NASCAR: Analyse Fontana 2013 auto club 400 denny hamlin crash auto club 2013 150x150 NASCAR: Analyse Fontana 2013 auto club 400 fight joey logano tony stewart nascar 2013 150x150 NASCAR: Analyse Fontana 2013 auto club 400 joey logano crash auto club 2013 150x150 NASCAR: Analyse Fontana 2013 auto club 400 joey logano hauler auto club 2013 150x150 NASCAR: Analyse Fontana 2013 kyle busch samantha busch kiss 150x150 NASCAR: Analyse Fontana 2013  NASCAR: Analyse Fontana 2013

The post NASCAR: Analyse Fontana 2013 appeared first on Racingblog.

flattr this!

August 31 2012

19:24

NASCAR: Vorschau Atlanta 2012

Trotz des Labor-Day-Wochenendes müssen einige Teams und Fahrer jetzt ganz besonders in die Hände spucken, um die Qualifikationshürde auf dem Weg zum Chase noch zu überwinden. Der Kampf um die beiden Wildcards verspricht in Atlanta viel Spannung, wenn ausnahmsweise in der Nacht von Sonntag auf Montag gefahren wird. Langsam wird es richtig eng…

Hm, Sonntag auf Montag? Richtig unschön! Warum denn sowas? Der Grund ist einfach und schnell erklärt: Die USA begehen ihren Tag der Arbeit (Labor Day) – wie immer entgegen dem Rest der Welt – am ersten Montag im September, anstatt zum andernorts üblichen 1. Mai. Dieser „Kampftag der Arbeiterbewegung“ erinnert kurioserweise an Generalstreiks in Australien (1856) sowie NORDAMERIKA (1886), welche in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts natürlich auch am 1. Mai stattfanden. Erst erfinden und dann selbst nicht daran halten – kennt man von den Amis ja! Aber Spaß beiseite, weil die Familien am verlängerten Wochenende natürlich traditionell viel gemeinsam unternehmen, hat man sich gedacht: Warum nicht auch ein NASCAR-Rennen inmitten der freien Tage? Gesagt, getan und nun fahren halt alle drei nationalen Rennserien jeweils in der Nacht auf dem Atlanta Motor Speedway.

Das 1,5-Meilen-Oval mit 24° Banking verfügt seit 2011 nur noch über ein Cup-Datum, da man der Strecke in Kentucky endlich einen Platz im Kalender der obersten Liga geben wollte. Atlanta schien als „Opfer“ die richtige Wahl zu sein, da es dem Intermediate-Speedway im Herzen der ohnehin schon NASCAR-gesättigten Südstaaten bereits länger Schwierigkeiten bereitete, beide Termine der Saison auszuverkaufen. Meiner Meinung nach macht das die Strecke wieder frischer und das ist definitiv gut so. Man ist irgendwie fast ein wenig überrascht, wenn der Name „Atlanta“ jetzt fällt, denn immerhin hat man ja seit genau einem Jahr nichts mehr von diesem Oval gehört.

Eigentlich hat das Intermediate-Oval viel Potenzial, da man dort so ziemlich jede denkbare Linie bis hoch an die Mauer fahren kann – u. a. Junior wird sich bedanken. Weil es in Atlanta aber keine Neuasphaltierung oder Streckenveränderung gegeben hat, gehe ich davon aus, dass Goodyear genau Bescheid weiß, wie man am wenigsten blamabel auftritt. Ich befürchte eher wenig Überraschungen und Action während des Rennens in den Steilkurven, allerdings lasse ich mich auch gerne eines Besseren belehren. Das Event wird seine Dynamik am Wochenende vermutlich eher aus der extrem engen Wildcard-Situation beziehen, die wir uns weiterhin genau anschauen wollen:

Pro NASCAR-Rennen kann ein Fahrer maximal 48 Punkte einfahren, 43 Zähler für den ersten Platz plus 3 Bonuspunkte für den Sieg und jeweils einen Zähler für mindestens eine sowie die meisten Führungsrunden. Der Pilot auf dem letzten Rang erhält noch ein Pünktchen. Erfahrungswerte mit dem neue Punktesystem zeigen, dass man an einem schlechten/guten Tag durchschnittlich 15 Zähler verlieren/aufholen kann, falls der direkte Konkurrent nicht parallel gewinnt/ausfällt. In unglücklichen Situationen kommen so auch schon mal Sprünge von gut 30 Punkten vor. Warum erwähne ich das? Weil ich der Meinung bin, dass wir uns um alle Fahrer in den Top7 keine Gedanken mehr zu machen brauchen, was eine sichere Chase-Qualifikation angeht. Brad Keselowski hat auf Rang 7 bei noch zwei Regular-Season-Rennen 60 Zähler Vorsprung auf Platz 11 und ist zumindest über die Wildcards ohnehin ziemlich sicher dabei.

Denny Hamlin direkt dahinter hat ebenso drei Siege auf dem Konto, aber nur 44 Punkte Abstand zum Cut. Eng könnte es noch für Kevin Harvick werden, der in diesem Jahr viel weniger seiner sonst so häufigen Top10-Resultate einfahren konnte und zudem ohne Saisonerfolg nur ein Polster von 37 Zählern aufweist. Sowas raucht man unter Umständen mit zwei DNFs mal schnell auf und dann kann sich Harvick bisher nicht auf sein Victory-Lane-Konto verlassen. Tony Stewart belegt nach zwei bis drei schlechten Rennen in Folge nur noch Platz 10 bei 16 Zählern Vorsprung, verfügt allerdings über drei Siege. Smoke sollte somit sicher drin sein, egal was passiert. Eine Qualifikation in den Top10 wäre dabei aber bevorzugt, weil es im Falle einer Wildcard-Teilnahme am Chase keine Bonuspunkte mehr für die eingefahrenen Saisonerfolge gibt.

Außerhalb lauert schon seit Wochen zuerst Kasey Kahne, welcher den Rückstand auf Rang 10 immer weiter zufahren konnte. Wenn Stewart oder Harvick sich auch in Atlanta oder Richmond schlecht verkaufen, dann gelingt Kahne vielleicht sogar noch über die Punkte der Einzug in die Playoffs.

Die undankbarste Position hält derzeit sicherlich Carl Edwards, der da bereits ähnlich lange wie Kahne in der Verfolgerrolle ausharrt und bei 34 Zählern Abstand noch knapp im „guter Tag/schlechter Tag“-Fenster liegt. Sicher ist das allerdings überhaupt gar nicht, denn ohne Saisonsiege müsste Edwards da schon sehr viel Glück haben. Er braucht also Erfolge und selbst das ist nicht einfach: Dass er in Atlanta gewinnen kann, würde ich sofort unterschreiben, bei Richmond wird er jedoch eher nicht in der Victory-Lane landen. In seinem Szenario dürfte bei einem eigenen Atlanta-Sieg quasi kein anderer Wildcard-Kandidat mehr gewinnen und Stewart nicht aus den Top10 fallen, dann wäre Edwards dabei – aber nur, falls auch Richmond einen guten Punktetag bereithält.

Die folgende Riege aus Kyle Busch (-39), Jeff Gordon (-55), Ryan Newman (-58) und Marcos Ambrose (-67) liegt dicht dahinter und kann immerhin über jeweils einen Saisonerfolg verfügen, was diese Gruppe momentan zum Hauptkampffeld um die Wildcards macht. Busch hat einen leichten Vorteil, da er zum einen seinen kleinen Vorsprung besitzt und ich ihn zum anderen als sehr stark in Richmond einschätze. Wenn Gordon und Newman, welche wiederum in Atlanta besser sein sollten, am Wochenende nicht den zweiten Saisonsieg einfahren, geht der Vorteil eindeutig an Busch über. Ambrose legte in den letzten vier Wochen eine gute aber leider späte Top10-Serie auf den Asphalt/Beton. Ein weiterer Sieg ist zwar nicht gänzlich auszuschließen, aber dennoch eher unwahrscheinlich.

Da Paul Menard wohl kaum die nächsten beiden Rennen gewinnen wird (Ja, ich bin mir sicher! :D), können wir direkt zu Joey Logano weitergehen, der mit 108 Punkten Rückstand der letzte Fahrer in dieser Gleichung ist. Sein Sieg aus Pocono hat ihn in die gute Lage gebracht, tatsächlich den Chase erreichen zu können. Bristol wäre mit weniger Runden ebenfalls sein Ding gewesen und so kommt es darauf an, ob Logano das Glück einmal Hold ist; ausschließen kann ich seine Playoff-Teilnahme nicht.

Leider ist meine Zeit momentan aus privaten Gründen etwas begrenzt, sodass ich nicht auf alle bisherigen Atlanta-Ergebnisse der einzelnen Wildcard-Fahrer im Detail eingehen kann. Ich kann aber sagen, dass ich am Wochenende eher die Hendrick-Motorsports- bzw. generell die Chevrolet-Piloten vorne sehe. Bei Roush-Fenway Racing und Konsorten fällt es nach den Ergebnissen der vergangenen Rennen sehr schwierig eine Lieblingsstrecke der Ford-Teams zu benennen. Die könnten jede Woche für einen Sieg gut sein. Toyota bzw. Joe Gibbs Racing sowie Michael Waltrip Racing sehe ich dagegen eher in Richmond im Vorteil.

Trotzdem muss jetzt niemand auf eine genaue Betrachtung verzichten, denn Jan und ich haben uns im Podcast am Donnerstag über eine Stunde lang mit der NASCAR beschäftigt. Dabei sind wir in der zweiten Hälfte auch tatsächlich mal die Ergebnislisten und -statistiken durchgegangen. Ein großer Dank gebührt an dieser Stelle daher auch meinem geschätzten Podcast-Partner. Ich bitte daher alle interessierten Leser, sich aus den obengenannten Gründen dieses Mal in der Audio-Sektion schlau zu machen. Außerdem ist es doch auch schön, wenn unser Podcast so viel Racingblog-Content exklusiv und abseits der Artikel anbieten kann. ;o)

Zum Abschluss folgen an dieser Stelle wie gewohnt noch die Links (PDF) zu den aktuellen Ständen in der Fahrer- und Owner-Wertung sowie die Entry-List und ein Zeitplan für das TV-Programm vom Wochenende:

Freitag, 31.08.
20:30 Uhr, Sprint Cup Series Practice, SPEED
22:30 Uhr, Truck Series Qualifying, SPEED
00:00 Uhr, Sprint Cup Series Qualifying, SPEED
01:30 Uhr, Truck Series Rennen (Jeff Foxworthy’s Grit Chips 200), SPEED / RaceBuddy

Samstag, 01.09.
15:00 Uhr, Nationwide Series Final Practice, SPEED (TV um 17:30 Uhr)
20:30 Uhr, Sprint Cup Series Practice, SPEED
21:30 Uhr, Nationwide Series Qualifying, SPEED
23:30 Uhr, Sprint Cup Series Final Practice, SPEED
00:30 Uhr, Nationwide Series Rennen (NRA American Warrior 300), ESPN2 / RaceBuddy

Sonntag, 02.09.
00:30 Uhr, Sprint Cup Series Rennen (AdvoCare 500), ESPN / RaceBuddy

flattr this!

August 29 2012

09:11

ALMS: Vorschau Baltimore 2012

Auf dem Stadtkurs von Baltimore startet die nächste Runde der ALMS. Wegen des besonderen Charakters der Strecke, wird es vor allem in der GT-Klasse wieder richtig spannend.

Baltimore als “rund zu fahren” zu bezeichnen, wäre eine massive Übertreibung. Der Kurs ist eng, hat unzählige 90 Grad-Kurven und die lange Gerade hat man aus Sicherheitsgründen 2011 mit einer eckigen Schikane versehen. Fahrerisch ist der Kurs ein Albtraum, man kommt kaum in einen Rhythmus, was vor allem die Prototypen beim Überrunden erfreuen wird. Oder anders gesagt: Es gibt bessere Stadtkurse als den in Baltimore. Aber die Sache hat auch ihre guten Seiten. Die Strecke ist kurz und vor allem in der GT-Klasse wird das Feld sehr eng zusammen bleiben. Grund genug, sich das Rennen anzuschauen.

Für die LMP-Klassen wird das Rennen eher schwierig. Die Strecke ist vor allem in den Anbremszonen wellig, auf den kurzen Geraden geht es aber. Schwieriger wird es allerdings, die Prototypen durch die engen Gassen zu zirkeln. Daher wundert es auch nicht, dass sowohl die P1 als auch die P2 nur mit den üblichen Verdächtigen besetzt sind. Das Muscle Milk Team und beide Dyson in der P1, der Conquest Wagen und ein Level 5 Auto in der P2. Dempsey Racing verzichtet wohl auf einen Einsatz, was nachvollziehbar ist. So ein Chassis ist in Baltimore schnell zerstört. Die Rollenverteilung ist zu dem auch klar. In der P1 wird der Muscle Milk seine Vorherrschaft weiter zementieren und die Dyson in Schach halten. In der P2 wird es eng zwischen dem Conquest und dem Level 5, hier wage ich mal keine Prognose. Da hängt vieles an der Strategie und wie man durch den Verkehr kommt.

Dafür ist die GT-Klasse richtig gut besetzt. Vier Porsche, zwei BMW, zwei Corvette, zwei Ferrari, zwei Viper und ein Lotus werden die Strassen unsicher machen. Im Gegensatz zu den Prototypen kann man sich in der GT-Klasse beim Überholen auch mal anlehnen, was einen Versuch schon mal eher möglich macht. Aber schwer ist es dennoch. Die Porsche sollten wegen ihrer Gewichtsverteilung in Baltimore einen Vorteil haben, zu mal Flying Lizard schon gezeigt hat, dass man den neuen RSR in den Griff bekommen konnte. Die BMW, im letzten Rennen überraschend mal wieder auf dem Siegertreppchen schätze ich auch stark ein. Die Corvette werden sich auf dem Stadtkurs etwas schwer tun, ebenso die Ferrari, wobei vor allem das Team mit Van Overbeek/Sharp Chancen auf die Top 3 haben könnte. Das wird aber schwer für das Extrem Motorsport-Team. Mein Tipp wäre Bergmeister/Long vor einem BMW und einer Corvette.

In der GTC gehen nur sechs Wagen an den Start, klare Favoriten sind hier MacNeil/Bleekemolen und LeSaffre/Faulkner. Dazu starten noch sieben Wagen der LMPC, die beim Überrunden das Salz in der Supper werden sollten. Der Speed zwischen den GT und den LMPC ist auf einem Stadtkurs nicht so unterschiedlich, das dürfte den ein oder anderen Stau geben.

Da Baltimore ein Double-Header mit der IndyCar ist, findet das Rennen der ALMS schon am Samstag statt. Wie eng es in Baltimore ist, kann man schön auf diesem Video sehen.

flattr this!

August 28 2012

06:15

NASCAR: Analyse Bristol August 2012

WOW, was für ein Wahnsinns-Rennen war das denn am Wochenende? Der Umbau in Bristol hat sich absolut gelohnt und produzierte eine sehenswerte Shorttrack-Schlacht inklusive wahnsinnig vieler Siegkandidaten und einer Menge „Bumpin‘ & Bangin‘“. Dabei kam sogar eine lange vermisste, fast olympische Disziplin wieder zum Vorschein: der Helm-Weitwurf!

Zu Beginn aber erstmal hoch mit den Händen: Wer hat bei 13 Cautions (die meisten seit 2007) und 22 Führungswechseln (All-Time-Platz 5) unter 13 Fahrern eigentlich den Überblick behalten? Niemand? Finde ich ja total sympathisch! Falls ich also etwas vergessen sollte, bitte direkt per Kommentarfunktion ergänzen, danke. Jetzt aber zum wichtigsten Thema des Wochenendes, denn nachdem die Streckenbetreiber im Anschluss an das Frühjahrsrennen den Betonhobel auf das kleine Oval geschickt hatten, zeigten sich wie erhofft einige Veränderungen an den Fahrspuren. Gab es vorher zwei komplette und gleichberechtigte Linien, verfügt Bristol nach der teilweisen Entfernung des oberen progressiven Bankings nur noch über deren 1,5. Dies wirkte sich jedoch etwas anders aus, als ich zunächst gedacht hatte:

Im Prinzip blieb es nämlich trotzdem bei zwei unterschiedlichen Linien, jedoch war die obere so weit nach unten gerückt, dass sie sich zur Hälfte mit der unteren Spur überschnitt. Interessanterweise entpuppte sich nun die obere Linie als die schnellere, was wohl daran liegt, dass immer noch eine gewisse ansteigende Kurvenüberhöhung auf der Betonbahn existiert. Wie groß diese allerdings ist, weiß man bei der bescheidenen Informationspolitik des Speedways zu diesem Thema natürlich nie so genau. Wer also in der Mitte der Strecke unterwegs war, konnte sich in den meisten Fällen gegen die Konkurrenz auf der unteren Seite durchsetzen.

Gegen Ende bewegte sich die Ideallinie sogar sehr hoch in Richtung Außenmauer, da später gebremst wurde und möglichst viel Schwung mit durch die Kurven genommen werden wollte. Das alles führte automatisch dazu, dass man innen deutlich aggressiver fahren musste, um eine Position zu gewinnen. Bei einem Fahrfehler samt Unter- oder Übersteuern kam dann natürlich der Wagen auf der Außenbahn als Prellbock zum Einsatz, was öfter im Rennen zu erbitterten Kämpfen und teilweise auch zu wilden Abflügen führte. Das beste Beispiel dafür boten Matt Kenseth (25.) und Tony Stewart (27.) in Runde 333, als beide Piloten nach einem Restart fünf Runden zuvor beinhart um die Führung stritten.

Kenseth war auf der unteren Bahn unterwegs und lehnte sich großzügig bei Stewart an, welcher seinerseits natürlich keinen Meter nachgab. Es kam, wie es kommen musste, beide drehten sich in die innere SAFER-Barrier und konnten ihr Rennen danach abschreiben. Meiner Meinung nach ein klarer Rennunfall, welcher entsteht, wenn beide Piloten einfach zu hart fahren, doch Smoke sah die Sache anders und holte zum großen Wurf aus. Nachdem Kenseth seine mühsam getapte #17 wieder aus der Boxengasse schleppte, wartete Stewart noch immer am Unfallort und donnerte seinen Helm auf die Motorhaube des Fords. Lange nicht gesehen, großer Unterhaltungswert, deshalb hier nochmal:

Seinen Helm wollte Stewart übrigens nicht wieder haben, Zitat: „I don’t give a crap! To hell with the helmet!“ Mal schauen, wie es in den nächsten Wochen zwischen den beiden Fahrern weitergeht, denn Smoke hat schon angekündigt, Kenseth bei jeder ihm sich bietenden Gelegenheit abzuräumen. Auf Dauer dürfte das aber ganz schön ins Budget seines eigenen Teams gehen und Stewart wird sich vermutlich eines Besseren besinnen, sobald er denn ein paar Mal kalt geduscht hat. Diese Fehde war jedoch nicht die einzige in einer hitzigen Bristol-Nacht:

Ebenso gerieten Danica Patrick (29.) und Regan Smith (16.) in Runde 434 aneinander, um die letzte Gelbphase des Abends auszulösen. Auch hier ein ähnliches Missverständnis: Patrick dachte wohl, sie sei schon clear und zog im Ausgang von Turn 4 nach unten, wo allerdings Smith wartete. Ich hatte den Eindruck, dass er noch versuchte, den Crash zu verhindern, aber es war schon zu spät. Danica schlug hart in die innere SAFER-Barrier ein und musste somit ein recht solides Rennen beenden, in welchem sie sich bis dahin ansonsten aus allem Ärger heraushielt und durchgehend in der Führungsrunde verbleiben konnte. Smith machte mit einem Top20-Resulatet noch das Beste aus einem verkorksten Tag, denn dieses Scharmützel war nicht das einzige, an dem er beteiligt war.

Weitere Unfälle:
- Caution #1: Ken Schrader und Jason Leffler (Runde 9)
- Caution #3: Sam Hornish Jr und Kurt Busch in separaten Vorfällen (Runde 122)
- Caution #4: Motorschaden bei David Ragan – er und Kasey Kahne rutschen auf dem Öl aus (Runde 148)
- Caution #5: Ryan Newman und Jeff Burton – ausgelöst durch Juan Pablo Montoya, der Newman umdrehte (Runde 191)
- Caution #6: Aric Almirola und David Gilliland (Runde 224)
- Caution #7: Brad Keselowski (Runde 271)
- Caution #8: Regan Smith und Kurt Busch (Runde 322)
- Caution #10: Casey Mears (Runde 413)

Wie man sieht, gab es also genügend Kaltverformungen, um das Geschehen mehrmals komplett durchzumischen und den Fahrern ausreichend Möglichkeiten für unterschiedliche Strategien zu bieten. Aufgrund der vielen Gelbphasen fielen diese jedoch wie in Michigan zum Ende wieder zusammen, sodass nur Carl Edwards (22.) vier (kurze) Runden vor Schluss mit trockenem Tank ausrollte. Der einzige große Wildcard-Anwärter ohne Saisonsieg ging viel Risiko ein und blieb in Runde 415 draußen, als die meisten Piloten noch einmal zum Nachfassen kamen. Edwards muss nun eigentlich die nächsten beiden Rennen in Atlanta und Richmond gewinnen, um sicher im Chase zu stehen, ein Einzelerfolg könnte schon zu wenig sein. Allerdings gibt es auch hier noch ein paar Szenarien, in denen selbst das nicht reichen würde.

Gewonnen hat das Rennen am Ende Denny Hamlin, welcher sich in Runde 461 während des letzten Green-Flag-Runs seinerseits am spritsparenden Carl Edwards vorbeisetzen konnte – Edwards hatte zudem nicht mehr die neuesten Reifen. Hamlin hielt sich schadlos, war die meiste Zeit in den Top5 unterwegs und stieg somit in die nun vier Mann starke Riege der Dreifachsieger auf. Im Grunde genommen hätte aber auch jeder andere Fahrer in die Victory-Lane fahren können, so chaotisch verlief der Abend. Eigentlich kam es wie in den alten Zeiten darauf an, im entscheidenden Moment an der Spitze zu sein. Eine Gelbphase mehr und das Ergebnis hätte wieder ganz anders aussehen können.

Auf Platz 2 lauerte nämlich schon Jimmie Johnson, welcher bei freier Fahrt nicht mehr zu Hamlin aufschließen konnte. Johnson war zuvor nur von Rang 37 ins Rennen gegangen, weil das Qualifying wegen Regens abgesagt werden musste und sich die Startreihenfolge aus dem ersten freien Training ergab, in welchem die #48 nicht wirklich eines der schnellsten Autos war. Bis zur Hälfte der 500 Runden hatte Johnson sich aber schon in die Top5 nach vorne gearbeitet. Die Belohnung ist ein zweiter Platz in der Fahrerwertung und eine nun mittlerweile rechnerisch sichere Teilnahme am Chase.

Ein (fast) ruhiger Tag war am Ende schon fast die Garantie für ein Top5-Ergebnis, welches hinter Johnson auch sein Teamkollege Jeff Gordon (3.) sowie Brian Vickers (4.) und Marcos Ambrose (5.) einfahren konnten. Vickers zeigte sich wie bei seinem ersten Bristol-Auftritt des Jahres für Michael Waltrip Racing erneut stark, während ich von Ambrose eher ein wenig überrascht war. Der Australier legte aber in den letzten vier Saisonrennen eine sehr gute Serie hin (10/1/5/5) und fuhr jedes Mal in die Top10. Für eine Chase-Qualifikation könnte das aber leider zu spät kommen, es sei denn, er gewinnt in Atlanta oder Richmond noch ein weiteres Event. Auch Gordon bringen diese soliden Punkte-Tage bei 55 Punkten Rückstand auf Platz 10 nicht viel mehr als Momentum – er MUSS jetzt gewinnen, wenn er in die Playoffs will.

Die Top10 komplettierten Kyle Busch, Clint Bowyer, Joey Logano, Kasey Kahne und Paul Menard: Von Busch habe ich ehrlich gesagt gar nichts gesehen, doch sein sechster Platz brachte ihn dank des gleichzeitigen Ausfalls von Ryan Newman (36.) auf Wildcard-Position #2 nach vorne. Bowyer unterstrich ebenso wie sein Teamkollege Vickers die momentane Stärke von Michael Waltrip Racing, welche zusätzlich noch durch Martin Truex Jr auf Rang 11 untermauert wurde. Die beiden Vollzeitfahrer von MWR befinden sich auf Platz 5 und 6 in der Meisterschaft verdienterweise auf einem soliden Chase-Kurs. Logano hätte das Rennen auch anstelle von Hamlin gewinnen können, bedenkt man, dass er mit 139 Umläufen die meisten Führungsrunden einfuhr. Irgendwie hat er dann aber leider den Anschluss verloren und damit vielleicht seine letzte Chance auf eine Playoff-Teilnahme vergeben.

Für Dale Earnhardt Jr (12.) hatte das Rennen in Bristol eine gute und eine schlechte Seite: Zum einen war er wieder in der Boxengasse auffällig, wo er in der Anfangsphase eine Rückversetzung wegen Speedings kassierte und später eine weitere Strafe absitzen musste, weil die Pitlane bei seinem Stopp wegen einer Caution noch geschlossen war. Zum anderen ist er neben seinem Teamkollegen Jimmie Johnson ab sofort einer von insgesamt drei Piloten, die rechnerisch sicher im Chase stehen – der Dritte im Bunde ist derweil Greg Biffle (19.). Für die NASCAR ist es natürlich unbezahlbar einen konkurrenzfähigen Junior in den Playoffs zu haben, was sich hoffentlich auch bald in den Einschaltquoten und Kartenverkäufen niederschlägt.

Die gesamten offiziellen Ergebnisse können hier inklusive weiterer Statistiken noch einmal bei Jayski.com nachgeschaut werden. Zum Abschluss folgt wie gewohnt die Übersicht zu den Punkteständen bei den Fahrern und in der Owner-Wertung (Achtung: Alles PDF-Dateien!), über die Wildcard-Situation werde ich wie gewohnt in der nächsten Vorschau ausführlicher sprechen.

IRWIN Tools Night Race 2012_Bristol2_Casey_Mears_Leads_Field_To_Green_Flag 2012_Bristol2_Cup_Michael_Buffer_Before_The_Race 2012_Bristol2_Denny_Hamlin_Dances_During_Driver_Introductions 2012_Bristol2_Ryan_Newman_Spins_In_Front_Of_Juan_Pablo_Montoya IRWIN Tools Night Race 2012_Bristol2_Danica_Patrick_Wags_Finger_At_Regan_Smith_After_Incident 2012_Bristol2_Dale_Earnhardt_Jr._Pit_Stop 2012_Bristol2_Tony_Stewart_Matt_Kenseth_Race_Alongside_Each_Other 2012_Bristol2_Denny_Hamlin_Takes_Checkered_Flag 2012_Bristol2_Denny_Hamlin_Celebrates_With_Burnout 2012_Bristol2_Denny_Hamlin_Celebrates_With_Checkered_Flag 2012_Bristol2_Denny_Hamlin_Celebrates_In_Victory_Lane

flattr this!

August 25 2012

06:15

NASCAR: Vorschau Bristol August 2012

„Bumpin‘ and Bangin‘ auf dem Weg in den Chase“ ist das Motto des Wochenendes, wenn die Sprint-Cup-Piloten zum ersten von gleich drei Nachtrennen in Folge antreten. Das nicht mehr vorhandene variable Banking wird dabei mit Sicherheit für einige Action auf der Strecke in Bristol sorgen, vorausgesetzt Goodyear hat die Holzreifen zu Hause vergessen.

Aber Spaß beiseite: Da die Kurvenüberhöhung nun wieder überall in den Turns der Betonbahn dieselbe ist, gibt es nur noch eine konkurrenzfähige Fahrspur und die liegt natürlich auf der Innenseite. Wer nach vorne vorstoßen will, muss die Kontrahenten wie in den alten Zeiten bis Ende 2006 mit einem beherzten Schubser davon überzeugen, doch besser beiseite zu fahren. Dann kommt noch dazu, dass der Bristol Motor Speedway als Shorttrack nur über eine Länge von etwas mehr als 800 Metern verfügt. Den 43 Wagen knapp 40 Nicht-Start-&-Parkern bleibt somit nicht wirklich viel Platz, um wie an der Perlenschnur aufgereiht ihre Runden zu drehen. Einzig Goodyear könnte mit einem zu harten Reifen dafür sorgen, dass doch irgendwie alle gleichschnell sind. Michigan betrachte ich aufgrund der Gegebenheiten durch die komplette Neuasphaltierung eher als positiven Ausrutscher.

Die schön etwas länger zurückliegende Frühjahrsausgabe gewann Brad Keselowski vor Matt Kenseth und den drei Toyotas von Michael Waltrip Racing mit Martin Truex Jr, Clint Bowyer sowie Brian Vickers am Steuer, wobei Letzterer auch an diesem Wochenende wieder in der #55 Platz nehmen wird. Die Chevrolets haben dabei den Anschluss ein wenig verpasst, auch wenn sie gleich die folgenden sieben Ränge belegten. In den Top10 waren dann auch sehr kuriose Namen wie z. B. Jeff Burton, Jamie McMurray und Juan Pablo Montoya zu finden.

Keine Spur dagegen von Joe Gibbs Racing, die in Person von Kyle Busch in den vergangenen elf Rennen immerhin fünf Mal den Sieger stellten. Busch wurde blöderweise zu einem frühen Zeitpunkt in eine Massenkarambolage verwickelt, die ja auch auf den Shorttracks ähnlich verheerend ausfallen kann wie bei einem Superspeedwayrennen. Von Denny Hamlin und Joey Logano konnte man dagegen überhaupt nichts sehen, die beiden Teamkollegen retteten sich irgendwie in die Top20.

Da fällt es dann doch schon ein wenig schwer, sich auf einen echten Siegkandidaten festzulegen. Ganz entscheidend ist in der NASCAR ja immer das Momentum und hier zeigten sich in den vergangen Rennen einige interessante Kandidaten als Punktehamster. Nachfolgend also eine Rangfolge der Fahrer, welche in den letzten fünf Saisonläufen die meisten Zähler geholt haben:

1. #2-Brad Keselowski, 203
2. #5-Kasey Kahne, 194
3. #16-Greg Biffle, 191
4. #15-Clint Bowyer, 185
5. #56-Martin Truex Jr, 179

Dabei konnte mit Ausnahme von Kasey Kahne anscheinend keiner der Wildcard-Anwärter richtig abräumen und sich somit im direkten Vergleich von der Konkurrenz abheben. Ausgerechnet Kahne ist aber mit seinen zwei Saisonsiegen schon der momentan aussichtsreichste Kandidat für einen nachträglichen Sprung in die Playoffs. Da wirkt es fast ein wenig so, als ob ziemlich sicher derjenige Fahrer als Zweiter in den Chase nachrücken würde, dem es gelingt, überhaupt noch ein weiteres Rennen zu gewinnen.

In den letzten beiden Wochen wurde unterdessen auch der Abstand zwischen den Plätzen 10 und 11 wieder schmaler. Denny Hamlin hat momentan nur noch 33 Zähler Vorsprung auf Kahne, verfügt aber notfalls über eben so viele Saisonsiege. Tony Stewart befindet sich zwar nur ein Pünktchen hinter Hamlin, kann allerdings auf gleich drei Fahrten in die Victory Lane zurückgreifen.

Enger wird es innerhalb der Top10 dann eventuell noch für Kevin Harvick, welcher bei 44 Zählern Abstand zum Cut unglücklicherweise bisher keinen Erfolg in diesem Jahr vorweisen kann. Weil die #29 in den letzten sechs Rennen kein einziges Mal unter den besten Zehn angekommen ist, hat man bei Richard Childress Racing jetzt auch die Notbremse gezogen und Crew-Chief Shane Wilson durch den – an Harvick-Chevrolets – altbewährten Gil Martin ersetzt.

Außerhalb der Top10 lauert hinter Kahne zunächst Carl Edwards, der in dieser Saison wirklich total allen Erwartungen und zudem auch seinen beiden Teamkollegen hinterher hängt. Dass es für den Vizemeister von 2012 noch nicht zu wenigstens einer Fahrt in die Victory-Lane gereicht hat, überrascht schon etwas. Bei 38 Punkten Rückstand auf Platz 10 kann er sich eigentlich nicht mehr nur auf gute Punktetage verlassen. Direkt auf Edwards Fersen befinden sich Ryan Newman und Kyle Busch, wobei die beiden Piloten auch nur 11 Zähler trennen und Newman derzeit Mr. Wildcard #2 ist.

Paul Menard auf Platz 15 musste sich in dieser Woche mit einem satten Punktabzug in Höhe von gleich 25 Fahrer- sowie Owner-Zählern abfinden, weil an seinem Wagen in Michigan Teile angebracht waren, die das Team nach der obligatorischen NASCAR-Abnahme noch einmal verändert hatte. Crew- und Car-Chief suspendierte man zudem für die bekannten sechs Wochen. Weil Richard Childress allerdings seinen Einspruch eingelegt hat, darf Slugger Labbe bis zur endgültigen Klärung des Falls weiter an der #27 arbeiten. Trotzdem denke ich nicht, dass Menard die zwei notwendigen Siege in drei Rennen holen kann, um noch in die Playoffs zu gelangen.

Das Trio bestehend aus Jeff Gordon, Marcos Ambrose sowie Joey Logano hat mindestens 77 Punkte Rückstand auf die Top10 und wird daher wenigstens einen weiteren Saisonerfolg einfahren müssen, da führt unter normalen Umständen auch kein Weg dran vorbei!

Mein Tipp für die beiden Wildcards – so langsam kann man es ja mal wagen – sind Kasey Kahne sowie Kyle Busch, da ich nicht denke, dass Carl Edwards noch zwei Siege zusammenfahren kann. Busch dagegen kommt in den nächsten drei Wochen zwei Mal (Bristol und Richmond) auf für ihn persönlich extrem starke Strecken. Ryan Newman müsste schon in Atlanta ein Kunststück schaffen und Jeff Gordon überhaupt mal das Pech der letzten Wochen abschütteln. Sollten Paul Menard oder Joey Logano in den Chase einziehen, muss ich wohl wie Mac Moneysac meinen Hut fressen… notfalls mit etwas Salz oder Senf, wenn ich darf.

Ein interessantes Gerücht vielleicht noch: Mike Mulhern hat die Vöglein zwitschern hören, dass Ford Carl Edwards im nächsten Jahr in einem von Shell gesponsorten Wagen sitzen sehen möchte. Der Motorenhersteller hatte wohl schon in der vergangenen Saison einen nicht geringen Anteil am Verbleib von Edwards bei Roush-Fenway Racing, der ansonsten vermutlich zu JGR gegangen wäre. Interessant wären hier erneut die Auswirkungen:

Da Matt Kenseth (ziemlich sicher) zu Joe Gibbs Racing geht und dort wohl Joey Logano ablösen wird, hatte Letzterer schon mal vorsichtshalber eine Bewerbung bei Roger Penske abgegeben. Wechselt Shell von Penske Racing zu Roush oder setzt sich Carl Edwards tatsächlich in die #22? Damit kommt Edwards nun bereits im zweiten Jahr in Folge in die Verlegenheit, Logano möglicherweise einen Job zu klauen! Sam Hornish Jr wäre hier neben Logano der zweite Odd-Man-Out, da wohl weder Penske noch Gibbs Sponsoren für ein weiteres Auto finden werden.

Zum Abschluss folgen an dieser Stelle wie gewohnt noch die Links (PDF) zu den aktuellen Ständen in der Fahrer- und Owner-Wertung sowie die Entry-List. Der Zeitplan für das TV-Programm vom Rest-Wochenende fällt ja eher knapp aus:

Samstag, 25.08.
01:00 Uhr, Sprint Cup Series Rennen (IRWIN Tools Night Race), ABC

flattr this!

August 24 2012

06:00

BTCC: Vorschau Knockhill 2012

Normalerweise erscheint an dieser Stelle die NASCAR Vorschau. Die mussten wir aus Zeitgründen auf Samstag verschieben!

Im schottischen Knockhill startet die BTCC ihre nächste Runde. Der Kampf zwischen Honda und MG wird de drei Rennen bestimmen.

Der winzige Kurs in Knockhill ist zwar nur knapp 2 Kilometer lang, liefert aber immer mit die besten Rennen in der BTCC-Saison ab. Schuld daran sind sowohl das Wetter (Regen, was sonst), als auch das sehr eigenartige Layout. Eigentlich hat der Kurs alles, was man braucht. Ein enge erste Kurve, eine schnelle Schikane, zwei nach aussen abfallende Kurven, eine Haarnadel und zwei mittellange Geraden. Der Schrottanteil auf der auch nicht gerade besonders breiten Strecke ist jedes Jahr erstaunlich hoch. Im Vorteil sollten am Wochenende die Honda sein, denen die Kurzstrecke liegt. In Sachen Topspeed sah man in Snetterton nicht ganz so gut aus, aber damit hat man in Knockhill nicht zu kämpfen. Für Jason Plato geht es schon um alles.

Einen weiteren Ausfall kann sich der britische Seriensieger (71 Siege in der BTCC) nicht mehr erlauben. Beide Honda-Piloten liegen in der Meisterschaft vor ihm, er hat aber nur 10 Punkte Rückstand auf Matt Neal. Da die Saison in ihrem letzten Drittel ist, schmerzt jeder Ausfall dann um so mehr. Der etwas klobige MG wird in Schottland aber zu kämpfen haben. In Snetterton konnte man sehen, dass der MG vor allem in der Kurvenmitte Probleme hat. Wo der Civic mit viel Schwung durchrollt, musste Plato kurz auf die Bremse. Erschwerend kommt hinzu, dass Andy Neate für MG keine Hilfe ist, während die Pirtek-Honda, vor allem Andrew Jordan, mit um ein Podium fährt. Wenn es ganz blöd für MG läuft, muss man sich hinter drei Honda anstellen.

Doch auch von hinten droht Gefahr. Redstone Racing hatte in Snetterton zur großen Überraschung aller Teams plötzlich einen NGTC Ford Focus im Gepäck, der auch auf Anhieb richtig schnell war. Mat Jackson tauchte vorne zwar nur kurz auf, war aber sofort konkurrenzfähig. Bei Ford war man offenbar überrascht, wie gut der NGTC geht, also hatte man letzte Woche flugs einen Vergleichstest zwischen dem NGTC und dem WTCC Focus anberaumt. Der Vergleich hinkt ein wenig, weil der NGTC-Motor 2 Liter Hubraum (WTCC 1.8 Liter) hat und auf 17 Zoll Reifen steht. Aber offenbar war Ford von der Arbeit von Redstone ziemlich angetan. Ergebnisse wurden nicht bekannt gegeben, man hörte aber, dass man sich vor allem in Sachen Abstimmung ausgetauscht hat. Der Redstone Focus könnte in Schottland also zum ersten Mal richtig weit vorne auftauchen.

Die Toyota (Dynojet und Speedworks) gehen weiterhin gut, aber nicht gut genug. Ich sehe da auch wenig Chancen in Knockhill, auch wenn die Leistung des NGTC Motors für eine vordere Platzierung gut sein sollte. Es hapert aber beiden Teams etwas an Erfahrung, was auch die Fahrer betrifft. Frank Wrathall ist zwar schnell, lässt sich aber noch von den alten Hasen in Fehler treiben.

BMW wird in Knockhill kaum eine Rolle spielen können, das war in den letzten Jahren schon so. Bei Westsurrey Racing überlegt man, was man für die Saison 2013 planen soll. Noch ein Jahr mit dem S2000/NGTC Gemisch wird nicht gehen, also müsste man aus dem 320si irgendwie einen NGTC basteln. Das alte Chassis des BMW eignet sich dafür aber wohl nur bedingt. Doch Lösungen sind für WSR nicht in Sicht, es sei denn, man wechselt die Marke.

Neuigkeiten gibt es am Rande: Beim Team Dynamics ist man immer noch mittelprächtig angefressen über die Tatsache, dass sich Honda für ihren WTCC-Einsatz ein anderes Team ausgesucht hat. Offenbar überlegt man aber dennoch einen Wechsel in die WTCC. Genauere Informationen gibt es da nicht, nur die Ankündigung, dass man sich darüber Gedanken machen würde. Wenn Dynamics die BTCC verlassen würde, wäre das ein schwerer Schlag, auch wenn Pirtek-Racing weiter bleiben würde und die Civic nicht verschwinden werden. Aber es gäbe dann praktisch nur noch MG als Werksteam.

Wie üblich gehen die Rennen gegen 12.30 los, ich schau mal, ob ich das mit Liveblog wieder hinbekomme. Parallel fährt auch die WEC, was das alles etwas schwierig macht. Bitte auf kurzfristige Ankündigungen im Chat und bei Twitter achten.

flattr this!

August 23 2012

13:29

WEC: Vorschau Silverstone 2012

Nach zwei Monaten Pause meldet sich die WEC zurück. Das Rennen in Silverstone dürfte sehr interessante Kämpfe in den beiden Prototypenklassen bieten.

Das Hauptinteresse dürfte beim 6-Stunden-Rennen in Silverstone auf dem Kampf zwischen Toyota und Audi liegen. In Le Mans zeigten die Japaner, dass sie, je nach Reifenwahl, durchaus in der Lage sind, die Audi unter Druck zu setzen. In den vergangenen zwei Monaten hat man den Hybrid-Benziner weiter entwickelt und die versucht, die in Le Mans gefundenen Schwachpunkte zu eliminieren. Wenn man dem Twitteraccout von Alex Wurz folgt, konnte man schon lesen, dass Toyota vor allem in Sachen Hybrid-Antriebsstrang und Aerodynamik gearbeitet hat. Natürlich wird Toyota nicht mit einer neuen Aerodynamik in Silverstone aufwarten, aber Änderungen soll es schon geben. Die dürften auch nötig sein, denn Audi hatte bisher die Nase vorn.

LMP1

Der R18 war zwar auf der Geraden in Le Mans einen Tick langsamer als die Toyota, holte die Zeit aber vor allem in den Porsche-Kurven. Jenes lange Geschlängel, dass der berühmt-berüchtigen Passage Maggotts, Becketts, Chapel ja sehr ähnlich ist. Dazu kommt noch Stowe und die Kombination Brooklands/Luffield, die dem R18 liegen sollte. Natürlich war Audi in der Zwischenzeit auch nicht untätig und hat vor allem am e-tron R18 geschraubt. Wie üblich bekommt man aber nur tiefstes Schweigen zu hören, wenn man nach Änderungen fragt.

Bei Audi werden die Le Mans Sieger André Lotterer, Benoit Tréluyer, Marcel Fässler den e-tron steuern, während Kristensen und McNish sich das Cockpit im Ultra teilen. Dindo Capello hat sich ja aus dem Prototypen-Sport zurückgezogen, einen dritten Fahrer hat Audi für den Wagen nicht benannt. Toyota rückt mit nur einem Wagen an, der von Alexander Wurz, Nicolas Lapierre und Kazuki Nakajima pilotiert wird. Der Einsatz nur eines Wagens schmälert die Chancen natürlich, zumal dem Auto immer noch Testkilometer fehlen und kleinere Schäden schnell mal auftreten können. Aber immerhin hat man in Le Mans die nun in Silverstone anstehende 6-Stunden Distanz fehlerfrei durch gehalten. Spannend wird es also in jedem Fall, auch die Vorteile klar bei Audi liegen.

Hinter den drei Favoriten wird vor allem das Rebellion-Team auf Fehler hoffen. Das Lola B12 mit dem Toyotamotor machte in Le Mans einen bärenstarken Eindruck, auch (oder vielleicht gerade weil) das Team die Entwicklung mittlerweile selber voran treibt und eigene Kohlefaserteile für das Lola-Chassis fertigt. Auch die Besetzung kann sich sehen lassen. In Wagen mit der #12 sitzen Nicolas Prost und Neel Jani, in der #13 Andrea Belicchi und Harold Primat. Nick Heidfeld ist nicht im Einsatz, der Vertrag sah nur einen Einsatz in Le Mans vor. Er meinte mir gegenüber neulich bei einem Treffen am Rande der GT-Academy, dass er durchaus Interesse habe, 2013 Vollzeit in der WEC anzutreten. Wenn denn das Team stimmt.

Leicht wird es Rebellion aber nicht haben, denn gleich zwei der schnellen HPD starten an diesem Wochenende. Strakka setzt auf die Kombination Nick Leventis, Danny Watts und Jonny Kane, JRM, die in Le Mans vom Pech gebeutelt waren, schickt David Brabham, Peter Dumbreck und Karun Chandhok ins Rennen. Dem HPD liegt Silverstone, die Rebellion Mannschaft wird sich strecken müssen. Es wird sich also lohnen, auch mal einen Blick hinter die Audi und Toyota zu werfen, immerhin geht es um einen möglichen dritten Platz, wenn einer der Favoriten schwächelt.

LMP2

Spaß dürfte auch die LMP2 bereiten, die sich in diesem Jahr als “die” Klasse des Prototypen-Sports entwickelt hat. Gute Teams, hervorragende Fahrer und Abstände, wie man sie sonst nur aus den GT-Klassen kennt. Hier einen Sieger vorher zusagen ist eher schwer und da die Klasse mit 15 Startern recht voll ist, konzentriere ich mich mal auf diejenigen, die ich als Favoriten im Blick habe.

Als erstes wären da die beiden OAK Morgan-Nissan zu vermelden, die in allen bisherigen Rennen der europäischen Serie sehr, sehr schnell waren. In der #24 sitzen Jacques Nicolet, Matthieu Lahaye und Olivier Pla, der schnellere Wagen scheint mir aber die #35 zu sein, wo Bertrand Baguette, David Heinemeier Hansson und Dominik Kraihamer auf einen Sieg aus sind. Im Status GP Auto werden Alexander Sims, Julien Jousse und Maxime Jousse ins Lenkrad greifen, allerdings zeigte sich der Status wegen seines Judd-Motors eher anfällig. Leistung hat der Judd ja, aber es hapert an Standfestigkeit, weswegen man in Silverstone auch nur diesen einen Motor in einem LMP2 findet. Die Jungs von Pecom Racing dürften auch ein Wort um den Sieg mitreden dürfen (Luis Perez Companc, Pierre Kaffer, Soheil Ayari), aber ebenso die ebenfalls auf einem Oreca-Nissan antretenden Iren von Murphy Motorsport mit Brendon Hartley, Warren Hughes und Jody Firth. Die sind in diesem Jahr schon mehrfach an einem Sieg vorbei geschrammt.

Die Le Mans Sieger von Starworks Motorsport treten ebenfalls an, dabei sind Enzo Potolicchio, Ryan Dalziel und Stéphane Sarrazin. Nach dem großartigen Erfolg gilt Starworks mit dem HPD ARX-03b-Honda natürlich auch in Silverstone zu den ganz großen Favoriten. Nicht vergessen darf man aber auch Greaves Motorsport, die weiter auf den Zytek-Nissan setzten. Im Wagen mit der #42 sitzen Alex Brundle, Martin Brundle und Lucas Ordonez, die nominell stärker sein sollten als die #41 mit Christian Zugel, Ricardo Gonzalez und Elton Julian. Nicht vergessen sollte man Jota, ebenfalls im Zytek, mit Simon Dolan, Sam Hancock und dem sehr schnellen Nicolas Minassian. Zu guter Letzt will ich noch Lotus nennen, die wie Status auf das Lola B12/80 Chassis setzen. In der #31 sitzen Thomas Holzer, Mirco Schultis und Luca Moro, interessanter ist die Besetzung in der #32 wo Kevin Weeda, James Rossiter und zum ersten Mal Vitantonio Liuzzi sitzen werden. Für den Sieg kommen aber beide Lotus wohl eher nicht Frage.

Wie man sieht, ist das Staraufgebot in der LMP2 auch nicht schlechter, als in der LMP1. Da die Regie aber meist dazu neigt, die Führenden zu zeigen, muss man die LMP2 per Twitter und Livetiming im Blick behalten.

GTE-Pro

Die GTE-Klasse ist mit insgesamt 13 Autos gar nicht so schlecht besetzt, aber nur 5 davon finden sich der Pro-Kategorie. Und davon sind dann allein drei Ferrari F458, von denen wiederum zwei von AF Corse kommen. In der #51 sitzen Giancarlo Fisichella und Gianmaria Bruni, der #71 wie gewohnt Andrea Bertolini und Olivier Beretta. Der dritte Ferrari kommt wie immer von JMW mit James Walker und Jonny Cocker. Porsche ist nur durch Felbermayr-Proton vertreten, die den neuen RSR mit Richard Lietz und Marc Lieb besetzen. Der neue Wagen kommt so langsam in Schwung, zumindest kann man dein Eindruck bekommen, wenn man sich die ALMS anschaut, aber herrschen ja andere “BoP” Gesetze. Ich bin skeptisch, was die Chancen des 911er auf der sehr schnellen Strecke in Silverstone angeht.

Für eine Überraschung könnte da eher der Aston Martin sorgen, der zu dem mit Stefan Mücke, Adrian Fernandez und
Darren Turner extrem gut besetzt ist. Weil der ACO dem Aston Martin einige Waiver zugebilligt hat (Heckflügel, Luftmengenbegrenzer) ist der Vantage ziemlich schnell unterwegs und könnte in England die Phalanx der Ferrari durchaus unter Druck setzen. Die 458 haben sich zudem in diesem Jahr hier und da anfällig gezeigt, was in der Klasse ebenfalls die Spannung erhöhen sollte. Aber alles andere als ein Sieg eines Ferrari wäre eine Überraschung.

GTE-AM
Die AM-Klasse lässt sich wegen der vielen Gentleman-Driver nur schwer vorhersagen. Die Klasse zeigte in Le Mans aber ein fantastisches Rennen, dass sich erst in der letzten Runde entschied. Auf dem Schirm für den Sieg habe ich in Silverstone den JMW-Avila Porsche mit Joël Camathias, Markus Palttala und Paul Daniels neben dem Krohn Ferrari mit Tracy Krohn, Niclas Jönsson und Michele Rugolo. Die Labre-Corvette mit Patrick Bornhauser, Julien Canal und Fernando Rees sollte man auch nicht unterschätzen.

Auch hier empfiehlt sich ein Blick ins Livetiming zu Twitter, wenn man die Klasse verfolgen möchte.

Übertragung:
MotorsTV überträgt, ebenso mit ein paar Einblendungen Eurosport 2. Einen Livestream sollte es auf der offiziellen Seite des ACO geben, war zumindest angekündigt. Wir reichen den im Chat usw. noch nach. Radio Le Mans liefert den Kommentar und ich plane den Tag ebenfalls per Liveblog zu begleiten. Da die BTCC aber parallel unterwegs ist, muss ich sehen, wie ich das aufteile. Bitte auf kurzfristige Ankündigungen im Chat und bei Twitter achten!

Den Spotterguide gibt es schon, auch hier vor dem Rennen die aktuelle Version besorgen!

flattr this!

August 21 2012

06:15

NASCAR: Analyse Michigan August 2012

In Michigan lieferte der Sprint Cup endlich mal wieder ein solides Rennen ab – das musste man seit Anfang der Saison ja des Öfteren vermissen. Es steckte viel Dynamik in Form von alternativen Strategien, vielen Gelbphasen und Führungswechseln im Nachmittag. Am Ende blieb etwas überraschend Greg Biffle siegreich, doch das lag vor allem am Favoritensterben.

Die Eckdaten vom Sonntag lauten: 8 Cautions (6 davon wegen Drehern), 26 Führungswechsel unter 13 Fahrern, 3 Motorschäden und einige geplatzte Reifen! So ein Rennen hatte man in der obersten NASCAR-Liga schon länger nicht mehr zu sehen bekommen. Bis zum Anfang des Jahres war sowas eigentlich die Norm und in Michigan fand die Serie endlich mal wieder zu ihrer gewohnten Dynamik zurück. Das Schöne daran ist, dass ich mir aufgrund der vielen Vorkommnisse sogar den Luxus leisten kann, komplett auf eine Analyse der unterschiedlichen Spritstrategien zu verzichten. Durch die häufigen (und auch späten) Cautions hatte eigentlich jeder Fahrer irgendwann eine günstige Gelegenheit zum Tanken, weshalb im Finale alle Autos wieder in derselben Sequenz fuhren. Dies war auch der Grund, warum man so viele unterschiedliche Piloten an der Spitze sah, doch einer hatte das Rennen bis ins zweite Viertel hinein eigentlich recht deutlich im Griff:

Mark Martin – der alte Mann und das Meer sein Auto kämpfen gegen das Unrecht! (oder so ähnlich) – führte bis in Runde 64 geschlagene 54 Umläufe von der Pole-Position aus an und schwang sich damit früh zum großen Favoriten auf den Sieg empor. Ein schwerer Unfall, bei dem glücklicherweise niemand verletzt wurde, beendete diese Serie leider jäh: Martin wurde gerade von Kasey Kahne (3.) verfolgt, als direkt davor die beiden Wagen von Bobby Labonte (22.) und Juan Pablo Montoya (mehr zu ihm später) zur Überrundung anstanden. Plötzlich wurde Labonte völlig ohne Berührung durch Montoya aero-loose, was einen typischen Auffahrunfall auslöste, in dessen Folge Martin zunächst auf die #42 krachte und anschließend vom ebenfalls mit voller Kraft bremsenden Kahne in die Boxengasse abgeschossen wurde.

Dort passierte dann einer dieser fürchterlichen „Freak-Accidents“, die eigentlich keiner voraussehen kann: Die #55 schlug seitlich und nur knapp hinter dem Fahrersitz in die spitze, offene Stelle einer Garagenzufahrt der Boxenmauer ein. Zum Glück wurde der Fahrersitz nicht direkt getroffen und außerdem hatte Mark Martin die Geschwindigkeit durch einige Dreher schon recht weit verringern können. Allerdings reichte die Aufprallenergie dafür aus, einen Öltank in Fetzen zu reißen, der ein kleineres Feuer auslöste und den Pitstall von Kasey Kahne komplett einschmierte. Zur genauen Ansicht gibt es an dieser Stelle noch ein Video von diesem außergewöhnlichen Unfall, für den ESPN sogar frühzeitig aus der Werbung zurückkehrte:

Danach wurde es bis zum Finale etwas unübersichtlich, da aufgrund der unterschiedlichen Strategien insgesamt sechs weitere Fahrer mehr als zehn Führungsrunden absolvieren konnten. Während die anderen beiden Piloten von Michael Waltrip Racing – Clint Bowyer (7.) und Martin Truex Jr (10.) – nur kurz an die Form ihres verunfallten Teamkollegen anknüpfen konnten, qualifizierten sich vorne Jimmie Johnson, Greg Biffle, Brad Keselowski sowie Dale Earnhardt Jr für den Rennsieg. Johnson verfügt dabei über das schnellste Auto im Feld, brachte die #48 aufgrund des nicht entscheidenden Strategiewirrwarrs jedoch nur 23 Mal als ersten Wagen über die Linie.

Die Führung holte sich Jimmie Johnson zum letzten Mal in Runde 190 – also zehn Runden vor Schluss – von Brad Keselowski, nachdem der Dauermeister beim vorletzten Restart in Umlauf 187 als Zweiter ins Finale gegangen war. Eine abschließende Caution stand dem Feld aber noch ins Haus und jene sollte ausgerechnet Johnson auslösen, als sich an der #48 der Chevrolet-Motor in die Ahnengalerie verabschiedete. Das war eine ganz unglückliche Situation, da das Aggregat nur noch sechs Runden vor sich hatte und zudem extra noch nach dem Qualifying ausgetauscht wurde. Johnson startete deshalb übrigens vom Ende des Feldes ins Rennen.

Dieses Missgeschick wäre natürlich isoliert schon ziemlich schlimm gewesen, doch eigentlich war es nur das Sahnehäubchen auf dem Michigan-Schrottplatz der Hendrick-Chevrolet-Motorenschmiede: Vor Jimmie Johnson (27.) kamen nämlich schon Tony Stewart (32.) und Jeff Gordon (28.) einzelne Zylinder abhanden, was natürlich DER Einsatz schlechthin für die Ventilfeder-Animation in Tim Brewers Tech-Garage gewesen wäre. Ansonsten bleibt hier nur zu bemerken, dass die hohen Geschwindigkeiten auf dem neuasphaltierten 2-Meilen-Oval wohl einen zu extremen Anspruch an die Aggregate von Rick Hendrick gestellt haben. Dass dann 50% der im Rennen befindlichen Motoren ausfallen, darf aber echt nicht passieren!

Doch neben den Motoren gab es noch weitere Themen, wie z. B. die Reifen:

Recht früh während der ESPN-Übertragung bekam man ein Paradebeispiel von optimal verschlissenem Gummi präsentiert, welches zwei komplette Fuelruns auf der Innenseite durchgestanden hatte. Nach den zusätzlichen Reifentests von Goodyear war aber auch klar, dass der Hersteller absolute Holzreifen mit an die Strecke bringen würde, um bei den sehr hohen Geschwindigkeiten jenseits der 200 mph eine Blasenbildung wie im Juni zu verhindern. Dennoch kam es später im Rennen zu einigen Reifenplatzern, welche den durchaus prominenten Fahrern Matt Kenseth (17.), Trevor Bayne (24.) sowie Juan Pablo Montoya (26.) den Nachmittag ruinierten. Sowas kann aber auch in einer zu aggressiven Fahrwerksabstimmung begründet liegen, welche einerseits höhere Temperaturen und/oder andererseits ungleichmäßige Abnutzung bewirkt haben könnte.

Juan Pablo Montoya hatte ohnehin wieder einen bescheidenen Tag und geriet mit Joey Logano (31.) aneinander, welchen er umdrehte. Dabei sah es so aus, als wenn beide Seiten mit etwas defensiverer Fahrweise diesen Unfall hätten verhindern können. Meiner Meinung nach trägt keiner die Alleinschuld daran, da sich beide Autos gleichzeitig auf ein gemeinsames Zentrum zwischen der oberen und der unteren Linie zubewegten. Trevor Bayne löste übrigens die vorletzte Caution in Runde 180 aus, welche die unterschiedlichen Spritstrategien wieder zusammenführte.

Zurück zum finalen Sprint: Der Restart nach der Johnson-Gelbphase war wegen der Ölspur und längeren Säuberungsarbeiten schon zum ersten Versuch eines Green-White-Checkered-Finishes befördert worden, zu dem jetzt Brad Keselowski und Greg Biffle in Reihe 1 gefolgt von Dale Earnhardt Jr (4.), Carl Edwards sowie Kasey Kahne antraten. Letzterer brannte einen grandiosen Run in den Asphalt, da er sofort Three-Wide die zweite Startreihe hinter sich ließ und Keselowski um Platz 2 herausforderte. Derweil konnte Biffle vorne enteilen und sich bis zur karierten Flagge in der Spitzenposition halten. Teamkollege Carl Edwards (6.) verlor unterdessen noch einen Platz an einen stark auffahrenden Marcos Ambrose (5.).

Die gesamten offiziellen Ergebnisse können hier inklusive weiterer Statistiken noch einmal bei Jayski.com nachgeschaut werden. Zum Abschluss folgt wie gewohnt die Übersicht zu den Punkteständen bei den Fahrern und in der Owner-Wertung (Achtung: Alles PDF-Dateien!).

Dort hat sich nicht zu viel verändert: Jimmie Johnson musste seine Führung an Greg Biffle abgeben und außerdem zogen auch gleich Matt Kenseth sowie Dale Earnhardt Jr wieder an der #48 vorbei. Für Biffle bringt der zweite Saisonsieg natürlich drei weitere Bonuspunkte im fast sicheren Chase. Die Wildcard-Situation hat sich nicht grundlegend verändert, hier befindet sich immer noch Ryan Newman mit einem Erfolg hinter Kasey Kahne, welcher über deren zwei verfügt. Kahne konnte aber seinen Rückstand auf den zehntplatzierten Denny Hamlin weiter verringern, dieser beträgt jetzt nur noch 33 Punkte.

2012_Michigan_Aug_NSCS_Mark_Martin_prerace 2012_Michigan_Aug_NSCS_Kid_Rock_start_engines 2012_Michigan_Aug_NSCS_race_start 2012_Michigan_Aug_NSCS_fans_cheer_start 2012_Michigan_Aug_NSCS_Mark_Martin_on_track 2012_Michigan_Aug_NSCS_Mark_Martin_accident 2012_Michigan_Aug_NSCS_Dale_Earnhardt_Jr_leads_Jimmie_Johnson 2012_Michigan_Aug_NSCS_Greg_Biffle_three_wide 2012_Michigan_Aug_NSCS_Greg_Biffle_leads 2012_Michigan_Aug_NSCS_Greg_Biffle_crosses_finish_line 2012_Michigan_Aug_NSCS_Greg_Bifle_burnout 2012_Michigan_Aug_NSCS_Greg_Biffle_Victory_Lane 2012_Michigan_Aug_NSCS_Greg_Biffle_champagne

flattr this!

August 20 2012

05:21

Formel Eins: Halbzeit-Zeugnis 2012

Abwechslungsreich, spannend, unvorhersehbar. Die 2012er Ausgabe der F1-Weltmeisterschaft hat bisher aller Erwartungen übertroffen. Das gilt allerdings nicht für alle Teams.

Während die Formel Eins Teammitglieder eine wohlverdiente Pause einlegen, kann man nach etwas mehr als der Hälfte der Rennen der diesjährigen Saison ja mal eine Zwischenbilanz ziehen. Wer hat enttäuscht, wer hat überrascht? Die Bilanz fällt unterschiedlich aus, vor in der Spitzengruppe. In den bisherigen Rennen wurde deutlich, dass die unterschiedlichen Chassis-Konzepte so nah wie nie zusammenliegen. Gerade im letzten Teil der Quali wird deutlich, wie eng es oft zu geht. Zwischen P3 und P13 liegen manchmal nur drei oder vier Zehntel. Das macht die Formel Eins spannend, verzerrt aber auch ein wenig den Blick darauf, wie gut ein Team wirklich ist. Manche haben eine Performance, die einem Jo-Jo gleicht: heute toll, morgen miserabel. Aber grundsätzlich lässt sich schon feststellen, wer 2012 gut und wer schlecht gearbeitet hat.


Das die WM überhaupt so ausgesprochen spannend ist, hat man teilweise Pirelli zu verdanken. Die neuen Mischungen waren für viele Teams ein Rätsel, vor allem das Arbeitsfenster, in dem das Gummi möglichst lange durchhält. Das hat sich mittlerweile etwas relativiert. Die Medium Mischung ist folgsamer geworden, die Teams haben zu dem genügend Daten gesammelt, um mit den meistverwendeten Mischungen, Medium/Soft, zurecht zu kommen. Manche Teams rätseln noch immer (Mercedes, Force India), andere haben die Sache im Griff (Red Bull, Ferrari, Lotus). Ein weiterer Grund ist der Wegfall des doppelten Diffusor. Das Verbot sorgt dafür, dass die Kurvengeschwindigkeiten sich angeglichen haben, was einer der wichtigsten Gründe dafür ist, dass die Teams in diesem Jahr so eng zusammen liegen. Grosse Veränderungen brachte noch die Auspuff-Führung, an der weiter gebastelt wird. Vor allem im Anströmungsbereich der Heckpartie wird es sicher noch etliche Veränderungen geben. Raum für Entwicklungen ist in diesem Jahr also noch reichlich vorhanden.

Als Grundlage dient der momentane Stand der Team-WM.

1. Red Bull

Als der RB8 zum ersten Mal im Februar gesichtet wurde, dachte alle: “Was hat sich Newey denn jetzt schon wieder ausgedacht.” Die Öffnung in der Front kurz vor dem Cockpit diente aber nur zur Belüftung und war kein geheimnisvoller F-, W- oder sonst wie Duct. Und irgendwie spiegelt, dass auch die Saison der “Bullen” wider. Hohe Erwartungen, problematische Saison. Wenn man denn von “Problemen” sprechen kann, wo man doch P1 in der Team-WM einnimmt und mit zwei Fahrern noch gute Chancen auf die WM hat. Aber zumindest die Dominanz aus den letzten zwei Jahren ist weg. Es wurden strategische Fehler gemacht, der Wagen schrammte oft über die feine Linie der Legalität und mit den Reifen klappte es auch nicht immer. Dazu kam ein wenig Pech für Vettel, der mind. einen Sieg hätte mehr haben können. Dagegen sieht sein Teamkollege Mark Webber in diesem Jahr wieder deutlich besser aus, auch wenn die Quali-Ergebnise oft eher mau sind. Aber Webber fährt konstant in die Punkte, in diesem Jahr eine sehr wichtige Sache. Klar ist aber auch, dass der RB8 keine Wunderwaffe ist. Mit mittelschnellen Kursen hat der Wagen Probleme und davon kommen mit Korea, Indien, Abu Dhabi und Austin noch so einige. Der Titel in der Team-WM sollte sicher sein, die Fahrer-WM sehe ich im Moment nicht.

2. McLaren
Irgendwann muss McLaren in Sachen Entwicklung nach den ersten drei Rennen falsch abgebogen sein. War man zu Beginn der Saison absolut auf der Höhe, änderte sich das Bild nach den Tests in Mugello deutlich. Wo genau die Probleme des MP4-27 liegen, wird nicht so recht klar, aber nach der Änderung der Seitenkästen in Hockenheim, geht es wieder bergauf. Erstaunlich, dass McLaren so lange gebraucht hat, um wieder in die Erfolgsspur zu kommen, denn normalerweise gelten sie als Meister der Weiterentwicklung. Zu Red Bull fehlen in der Team-WM 53 Punkte. Das ist aufholbar, wenn auch schwer, zu mal Jenson Button immer mal wieder schlechte Rennen hat und das Glück auch nicht immer auf der Seite von Lewis Hamilton zu sein scheint. Beiden Fahrern kann man wenig vorwerfen, vor allem Button nicht, der in den ersten zwei Monaten schon als Weltmeister gehandelt wurde. Das kann er sich nun abschminken, Hamilton hat mit seinem Rückstand von 47 Punkten auch nur noch Außenseiterchancen.

3. Lotus
Sicher das Überraschungs-Team des Jahres. Wer hätte nach der völlig verkorksten Saison 2011, den Gerüchten um finanzielle Probleme und der kompletten Fahrer-Neubesetzung gedacht, dass ausgerechnet Lotus mit dem eher konservativ entwickelten E20 so weit vorne sein würde? Also großes Lob an die Ingenieure, die allerdings ein wenig Glück hatten, dass die Pirelli scheinbar für sie gemacht werden. Als weiterer Glücksgriff erwies sich die Verpflichtung von Kimi Räikkönen. Ich war, wie viele andere auch, sehr skeptisch, was den Finnen angeht, seine lustlose Saison 2009 und seine eher schmalen Erfolge in der WRC stimmten da nicht sonderlich euphorisch. Und doch, Kimi ist seit dem ersten Rennen vorne mit dabei. Wäre die Strategie von Renault in Spanien und Ungarn besser gewesen, wäre der Sieg schon längst da. So ist er langsam überfällig. Und seine Chancen in der WM sind mit 48 Rückstand auch nicht schlechter als die von Hamilton. Im Gegensatz zum Briten hat Räikkönen aber einen Wagen, der auf allen Strecken gut geht. Eine weitere Überraschung ist Romain Grosjean, der sich so langsam in den Griff bekommt. Er hat einige gute Ergebnisse weggeworfen (Australien, China als Beispiel), sich aber im Laufe der Saison verbessert. Grosjean ist im Moment eines der größten Talente in der F1, wenn seine Ungeduld weiter kontrollieren kann und mehr Erfahrung hat, dürfte der erste Sieg nicht weit weg sein. Lotus hat eine fantastische erste Saisonhälfte hingelegt – und damit auch die Basis für 2013 gelegt.

4. Ferrari
Eigentlich müsste man Ferrari in “Ferrari Alonso” umbenennen. Ohne den Spanier wäre Ferrari im Nirgendwo und in Maranello würde wöchentlich ein weiterer Fernseher aus dem Wohnzimmerfenster von Luca di Montezemolo fliegen. Alonso scheint in der Form seines Lebens zu sein, auch wenn in diesem Jahr immer mal wieder ein wenig Glück dazu kam (China, Valencia). Der F2012 ist ebenso hässlich wie unausgegoren. Die neue, ungewöhnlich flache Vorderradaufhängung ist kein Glücksgriff, das Heck war es auch nicht. Aber Ferrari hat Alonso und viel Geld, damit hat man den Wagen den Wagen flott bekommen. Da muss man dem Team schon Respekt zollen, wie man sich durch die schwierige Anfangsphase gearbeitet hat. Zwei weitere Geheimnisse sind die nicht vorhandene Ausfallquote von Alonso und dass Ferrari-Motoren auch im gebrauchten Zustand kaum an Leistung verlieren. In Maranello ist man sich sicher, dass man zwischen 3 und 5 % weniger Leistung verliert, als die Konkurrenz. Dennoch ist die klare WM-Führung insgesamt eine Überraschung und spiegelt auch nicht so richtig die Saison wider. Denn auch bei Ferrari gibt es Probleme und die heißen Felippe Massa. Der Brasilianer hat Probleme mit den Reifen und dem Wagen, was eine unschöne Kombination ist. Der fahrerische Komplettausfall von Massa kostet Ferrari auch richtig Geld, denn eigentlich müsste man an Red Bull dran sein. Das Massa noch eine Saison dranhängen darf, ist aber so unwahrscheinlich nicht, denn Ferrari fehlen die Alternativen in Sachen Top-Piloten und Sergio Perez macht noch nicht zwingend den Eindruck, dass er reif für die Italiener ist.

5. Mercedes
“Wir hatten den Speed”. Den Spruch wird Norbert Haug wohl nicht mehr los, in diesem Jahr passte es dann wenigstes auch zwei Mal. Der erste Sieg in China und die Pole von Schumacher von Monaco dürften einigen ranghohen Teammitgliedern den Job gerettet haben. Das F1-Engagement von Mercedes ist in der Daimler AG nicht unumstritten, auch wenn es, laut Haug, kein Geld kostet, sondern einbringt. Damit mein der Motorsport-Chef vermutlich aber auch die mediale Reichweite. Aber Mercedes sieht dabei insgesamt nicht gut aus. Das Chassis ist deutlich besser als das letztjährige, die schon angesprochenen engen Abstände lassen Mercedes etwas schlechter aussehen, als es tatsächlich ist. Über einen Abstand von 3 Zehnteln auf die ersten Drei hätte man sich letztes Jahr gefreut. Aber der W03 scheint die Entwickler vor Rätsel zu stellen. Eine Weiterentwicklung ist zu sehen, der große Sprung fehlt aber. Vermutlich hat man deswegen die Aero-Abteilung zur Saisonmitte noch mal umgekrempelt. Die Leistung von Schumacher ist schwer einzuschätzen. Er hatte viele Defekte, seine Rennen sind insgesamt nicht schlecht. Rosberg scheint in diesem Jahr manchmal frustriert zu sein, gerade wenn er im Mittelfeld unterwegs ist, kann er sich nicht recht befreien. Ein Grund dafür kann das offenbar sehr enge Fenster sein, in dem man die Reifen mit dem Mercedes bewegen muss. Bleibt zu hoffen, dass Mercedes auf Strecken wie Spa und Monza noch mal glänzen kann.

6. Sauber
In dieser Saison läuft es für die Schweizer deutlich besser. Der Wagen ist allerdings weiter ein kleines Rätsel. Mal schiebt man sich in die Top 5, mal reicht es gerade, um die Toro Rosso hinter sich zu halten. Auch die Fahrer machen keinen konstanten Eindruck, was aber mit dem Wagen zusammenhängen dürfte. Im Grunde scheinen die Zutaten bei Sauber zu stimmen: hoher Topspeed, kaum Reifenverschleiß, zuverlässiger Ferrari im Heck. Aber dennoch stimmt das Gesamtpaket selten, von außen ist das schwer zu beurteilen. Mit 80 Punkten steht Sauber aber relativ sicher auf P6 der Team-WM, ein Auge muss man nur auf die Williams habe. Aber dort steht man sich auch oft selbst im Weg. Sergio Perez macht in diesem Jahr einen guten Eindruck, in der WM liegt er 13 Punkte vor Kamui Kobayashi. Der Japaner steckt seit letztem Jahr in einer kleinen Krise. Irgendwie scheint es bei ihm nicht richtig weiter zu gehen, auch wenn er immer mal wieder bravouröse Rennen einstreut, wie zum Beispiel in Barcelona. Aber es fehlt der letzte, entscheidende Schritt nach vorne. Kein Wunder, dass es mittlerweile ein offenes Geheimnis im Paddock ist, dass das Team an Heikki Kovalainen dran ist, der bei Lotus einen guten Job macht. Der Finne dürfte Kobayashi aber vermutlich nur dann ersetzen, wenn Perez zu Ferrari geht. Interessant ist noch, dass man ja Anfang des Jahres James Key entlassen hatte, der den Wagen entwickelt hatte. Ersetzt hat man ihn nicht, das bestehende Team arbeitet am 2013er Chassis. Da wird sich dann zeigen, wie viel Input von Key kam.

7. Williams
Einerseits ein gutes Jahr für das Traditions-Team, nach dieser katastrophalen Saison 2011. Andererseits: Der FW 34 ist ein sehr, sehr gutes Auto. Und man fragt sich immer wieder, was ein Fahrer vom Schlage Alonso, Räikkönen oder Vettel damit anfangen könnten. Pastor Maldondo fuhr in Spanien zwar ein brillantes Rennen, danach war es aber mit der Herrlichkeit vorbei. Dazu kamen etliche dumme Manöver auf der Strecke, die ihm zurecht viel Ärger einbrachten. Ich bin mir in Sachen Maldonado immer noch nicht sicher, aber das Pendel schlägt im Moment wieder mehr in die Richtung “eher blasses Mittelfeld”. Bruno Senna hat sich dagegen recht positiv entwickelt. Ein “Hot Shot” wird er nicht mehr, aber es gelingt ihm den Williams regelmäßig in die Punkte zu bringen. Was Williams fehlt, ist nur Geld, sondern auch ein guter Fahrer. Vielleicht sollte man es 2013 mit Jamie Alguersuari oder Adrian Sutil probieren, aber beide haben das Problem, dass sie die neuen Pirelli Reifen nicht kennen. Eine weitere Alternative wäre sicherlich Heikki Kovalainen, der aber wieder kein Geld mitbringt oder Valeri Bottas, der in dem freien Trainings gute Leistungen zeigte. Immerhin – Toto Wolff scheint mehr und mehr das Ruder bei Williams zu übernehmen und bisher macht seinen Job richtig gut. Für Williams wird es aber in der zweiten Saisonhälfte schwer werden, denn ihnen fehlt das Geld für die rasante Weiterentwicklung.

8. Force India
Durch die Pleite der Kingfisher Airline ist Vijay Mallya etwas unter Druck, das Geld scheint im Moment mehr vom Anteilseigner Sahara zu kommen. Aber offenbar reicht das aus, um wirklich beeindruckende Rennen abzuliefern. Grund dafür ist das gute Händchen, das Mallya bei der Auswahl seiner Konstrukteure hat. Er setzt auf ein junges Team, was aber auch bedeutet, dass diese schnell woanders hingehen, wo sie offenbar besser bezahlt werden. James Key und Mark Smith (CaterhamF1) sind zwei Beispiele. Erstaunlich, was die relativ junge Truppe mit geringem Budget auf die Beine stellt. Der achte Platz spiegelt die Leistung des Teams nicht so ganz wieder, schuld daran ist der zähe Saisonstart und die Probleme mit dem Reifenverschleiß. Eine gute Leistung bieten Nico Hülkenberg und Paul di Resta, wobei letzter ein wenig unter Druck gerät. Der Deutsche hat di Resta im Rennen meist im Griff, und dies, nachdem er ein Jahr gar nicht gefahren ist. Das Talent von Hülkenberg ist klar sichtbar, die Frage ist, bei di Resta fehlt es etwas an der Weiterentwicklung. Force India wird gute Chancen haben, Williams von Platz 7 zu verdrängen.

9. Toro Rosso
Es ist kein gutes Jahr bei Toro Rosso. Der Wagen funktioniert nicht, die neuen Fahrer tun sich schwer. Dazu kommt Unruhe im Team. Wie man hört, hat Teamchef Franz Tost den bisherigen technischen Leiter Giorgio Ascanelli entlassen und will ihn angeblich durch James Key ersetzen. Ascanelli wird wiederum mit Ferrari in Verbindung gebracht. Klar ist nur, dass Toro Rosso weit hinter den Erwartungen geblieben ist. Ob es auch so klug war im Winter beide Fahrer zu ersetzen, ist dann wieder eine andere Sache. Zumindest Alguersuari zeigte eine klare Aufwärtstendenz. Vergne und Ricciardo geben sich im Toro Rosso nicht viel, wobei Vergne vor allem in der Quali einen schwachen Eindruck macht. Im Rennen läuft es zwar besser, aber gefallen wird das Toro Rosso nicht. Schwer zu sagen, woran Vergne und Ricciardo, die beide viel Talent haben, bei Toro Rosso scheitern. Und ob sie 2013 noch im Wagen sitzen werden. Aber die Nachwuchsdecke bei Red Bull ist jetzt auch nicht mehr so dick. Ich erwarte nicht, dass sich Toro Rosso im Herbst noch wird verbessern können, eher müssen sie auf Caterham aufpassen.

10. Caterham
Und damit wäre ich dann bei der vielleicht größten Enttäuschung des Jahres. Caterham hat das Budget, einen Renault-Motor und das KERS von Red Bull. Was will man mehr? Hat sich sicherlich auch Tony Fernandes gefragt, der vor der Saison gefordert hatte, dass man in Reichweite der Punkte kommt. Davon ist man meilenweit entfernt. Der Wagen ging erst einmal überhaupt nicht, wurde im Mai komplett umgebaut und hängt den Toro Rosso immer noch nach. Jeder zufällige Einzug in Q2 wird schon wie ein Sieg gefeiert. Das kann es nicht sein, kein Wunder, dass Tony Fernandes seinen Chef-Konstrukteur Mike Gascoyne zum “Caterham Chef-Konstrukteur” weg befördert. Dabei durften gleich einige Angestellte als Gascoyne/Toyota Seilschaft mitgehen. Seit dem geht es etwas besser für Caterham. Heikki Kovalainen macht einen richtig guten Job, vor allem im Rennen. Von Vitaly Petrov hatte ich mir etwas mehr erwartet, der Russe schimpft viel über den unfahrbaren Caterham, ansonsten sieht man ihn selten. Wäre zu wünschen, wenn Caterham im Herbst noch etwas näher ans hintere Mittelfeld ranrücken kann.

11. Marussia
Hier war nicht viel zu erwarten, und so wird es auch weiterhin sein. Die Russen haben, trotz der technischen Kooperation mit McLaren, nicht viel Zustande gebracht. Der Abstand zu Caterham ist enttäuschend hoch, in der Quali, wie im Rennen. Auch der große Umbau des Wagens zur Saisonmitte brachte nicht die gewünschten Ergebnisse. Dazu kam dann auch noch der Unfall von Maria de Villota. Zu den Fahrern kann man naturgemäß wenig sagen. Timo Glock macht den Eindruck, dass ihm manchmal schwerfällt, die 110%ige Motivation zu finden, Charles Pic ist immerhin besser unterwegs, als ich das zunächst erwartet habe. Als Pay-Driver macht er seine Sache gut, mal sehen ob er anderes als D’Ambrosio und Luca di Grassi noch eine weitere Saison fahren darf.

12. HRT
Man sieht die HRT eigentlich nur zweimal: einmal von hinten beim Start, einmal, wenn sie überrundet werden. Der Zeitabstand nach vorne ist so groß und breit wie der Grand Canyon. HRT ist ein Geister-Team. Neulich mit einem Motorsport Printkollegen über HRT gesprochen, dem fiel dann nicht mal der Name des zweiten Fahrers neben de la Rosa ein. Narain Karthikeyan heißt der, und er macht seine Sache gut, wenn “gut” bedeutet, dass er nicht im Weg rumsteht und nichts kaputt macht. Teamchef Sala meinte neulich, dass man das Potenzial des Autos erst zu 50% ausgeschöpft hat, was schwer danach klingt, dass man mit dem Wagen auch im nächsten Jahr starten will. Aber nun gut – Teams wie HRT gehören zur Formel Eins. Es wäre nur schön, wenn sie sich weiterentwickeln würden.

flattr this!

August 17 2012

06:15

NASCAR: Vorschau Michigan August 2012

An diesem Wochenende steht Michigan – Teil 2 auf dem Programm und damit verbleiben den Wildcard-Anwärtern nur noch vier Rennen, um sich für den Chase zu qualifizieren. In Watkins Glen hat unterdessen Jimmie Johnson die Tabellenführung von Dale Earnhardt Jr übernommen und auch deren Teamkollege Jeff Gordon musste dort einige Federn lassen.

Nach Daytona und Pocono ist der Michigan International Speedway erst die dritte Strecke, auf welcher in dieser Saison nun schon zum zweiten Mal gefahren wird. Das Rennen im Juni entschied Dale Earnhardt Jr für sich, womit er seine exakt vierjährige sieglose Serie schließlich beendete und sich zum Kreis der Meisterschaftsanwärter aufschwang. Genau an derselben Stelle ist nun für Junior natürlich ein weiterer Saisonerfolg nicht unwahrscheinlich und diesen benötigt er unbedingt, um das Momentum des Teams bis zum Chase aufrecht zu erhalten. Zusätzlich gibt es bekanntlich für jeden Sieg während der Regular-Season drei Bonuspunkte auf das 2000-Zähler-Konto der Playoffs addiert und falls Earnhardt ernsthaft mit dem Titel kokettiert, sollte er versuchen, in den verbleibenden vier Rennen bis zum Chase möglichst viele dieser Extrazähler zu ergattern.

Die Strecke nahe der Grenze zwischen den USA und Kanada ist zudem ein Oval, welches Junior liegt: Es gibt auf einer Länge von 2 Meilen bei  18° Banking quasi genauso viele mögliche unterschiedliche Linien wie Seen in der Umgebung und gerade Earnhardt liebt ja die oberste Fahrspur direkt an der Mauer entlang und die geht in Michigan natürlich wie eine Eins. Daraus ergibt sich aber direkt ein Problem, denn wenn jeder sich für das Handling seines Autos einfach nur den passenden Groove aussuchen muss, damit der Speed passt, zieht sich das Feld immer sehr schnell auseinander, weil alle am persönlichen Limit unterwegs sind. Dazu kommt der problematische Aero-Push für die Verfolger des Führenden, welcher in Form der Clean-Air über einen unschätzbaren Vorteil verfügt.

Beide Probleme werden aber derzeit angegangen: Letzterem versuchte man zunächst während der laufenden Saison mit höheren Bodenabständen der Seitenverkleidungen beizukommen, allerdings gelang es bisher nicht so recht, den Luftwiderstand ausreichend zu erhöhen. Im nächsten Jahr wird die NASCAR mit den neuen Silhouetten vermutlich/hoffentlich mehr Erfolg haben. Das CoT 2.0 speckt 2013 gegenüber seinem „Vorgänger“ deutlich ab und ist dann ca. 100 Pfund leichter. Dies soll es Goodyear ermöglichen – endlich endlich endlich – weichere Reifen an die Strecke zu bringen, die schneller verschleißen und damit durch Gripunterschiede wieder mehr Rennaction zu produzieren.

Das Thema Reifen bringt mich direkt zurück zum ersten erwähnten Problem: Vor der Juni-Ausgabe des Michigan-Rennens wurde die Strecke neu asphaltiert, was zu extrem hohen Geschwindigkeiten jenseits der 200-mph-Grenze führte. Die auserwählten Pneus von Goodyear antworteten auf die resultierenden Kräfte mit Blasenbildung, weshalb der Einheitshersteller zum Qualifying nachträglich die Variante „extra-holzig“ ankarren musste. Das Resultat im Rennen war dann wieder typisch Michigan und Junior führte auf dem Weg zum Sieg fast die Hälfte der 200 Runden. In weiteren Reifentests wurde kürzlich eine neue Gummimischung für den August festgelegt, mal abwarten, was die dann bringt.

Dem letzten Ergebnis nach zu urteilen, sollten die Wagen von Hendrick Motorsports und ihre artverwandten Kollegen bei Stewart-Haas Racing sowie die Ford-Truppe von Roush-Fenway Racing am Wochenende im Vorteil sein, denn diese drei Teams konnten im Juni die Top6 für sich beanspruchen. Im Toyota-Lager lagen alle drei Fahrzeuge von Michael Waltrip Racing vor der Konkurrenz in Form von Joe Gibbs Racing, wobei Denny Hamlin und Joey Logano in Unfälle verwickelt waren, während Clint Bowyer  und Martin Truex Jr die Top12 enterten. Für Penske Racing war dagegen kein Top10-Resultat erreichbar.

Überrascht haben in der ersten Ausgabe Marcos Ambrose und Juan Pablo Montoya: Ambrose holte sich die Pole-Position und lag immerhin insgesamt 15 Runden in Führung, wobei am Ende leider nur Platz 9 heraussprang. Wenn der Australier nach seinem Sieg in Watkins Glen also ein Wörtchen um die Wildcards mitreden will, dann sollte Michigan das optimale Pflaster sein, um einen weiteren Saisonerfolg zu holen. Montoya hielt sich im Juni auf dem 2-Meilen-Oval einmal schadlos und landete auf einem soliden achten Rang.

Thema Wildcards: Watkins Glen hat die ganze Reiberei um die letzten Chase-Plätze nicht gerade übersichtlicher gemacht und da sich mit Marcos Ambrose nun ein weiterer Kandidat eingebracht hat, profitiert lediglich Kasey Kahne als einziger Pilot mit zwei Saisonsiegen von den immer schmaler werdenden Möglichkeiten der direkten Konkurrenz. Kyle Busch musste seine eigentlich sichergeglaubte Fahrt in die Victory-Lane während der turbulenten letzten Runde auf dem Road-Course abschreiben, was ihm natürlich eher geschadet als geholfen hat.

Auch Jeff Gordon verlor durch seinen Dreher im finalen Umlauf wichtige Punkte in der Meisterschaft und musste dort neben Busch auch Ryan Newman den Vortritt lassen, wobei letzterer Pilot momentan die zweite Wildcard besetzt. Unterdessen wird die Zeit für Carl Edwards richtig knapp, denn um noch eine realistische Chance zu erhalten, muss er zwei der nächsten vier Rennen – und damit satte 50% – gewinnen. Paul Menard, Marcos Ambrose sowie Joey Logano rechnen die meisten Beobachter wohl eher noch Außenseiterchancen ein. Die genauen Platzierungen und Abstände jenseits der Top10 können der weiter unten verlinkten Punktetabelle entnommen werden.

Ganz vorne in der Meisterschaft ist es unglaublich eng geworden, da Jimmie Johnson die Führung von Dale Earnhardt Jr (-17) übernommen hat, welcher sich jetzt nur noch auf Platz 4 befindet. Direkt hinter Johnson – und zwar mit jeweils einem Punkt Abstand aufeinander DIREKT dahinter – rangiert das Roush-Fenway-Duo bestehend aus Greg Biffle (-1) und Matt Kenseth (-2). Ab Brad Keselowski (-44) auf Rang 5 dürfte wohl kein Fahrer auf wöchentlicher Basis bis an die Spitze vorstoßen, um Johnson dort abzulösen.

Weiter hinten auf Platz 10 steht jetzt Denny Hamlin, der nach seinem Motorschaden in Watkins Glen etwas in Verlegenheit geraten könnte, da er die Differenz zu Rang 11 auf 40 Zähler einschmelzen ließ. Das ist zwar kein Weltuntergang, weil er sich nun schon 2-3 weitere DNFs in vier Rennen einfangen müsste, um noch aus den Top10 zu fallen. Sollte Hamlin aber wirklich eine Wildcard benötigen, dann hat er derzeit immerhin zwei Saisonsiege auf seinem Konto, womit es sich eventuell überleben lässt. Es bleibt spannend…

Zum Abschluss folgen an dieser Stelle wie gewohnt noch die Links (PDF) zu den aktuellen Ständen in der Fahrer- und Owner-Wertung sowie die Entry-List und ein Zeitplan für das TV-Programm vom Wochenende.

Nicht vergessen: Die Nationwide Series fährt am Samstagabend um 20 Uhr in Montreal, wo man bisher eigentlich immer spannende Rennen generieren konnte! Die Entry-List ist dabei wie immer auf Rundkursen sehr prominent besetzt, so werden neben den Regulars Elliott Sadler (#2 Richard Childress Racing), Austin Dillon (#3 Richard Childress Racing), Ricky Stenhouse Jr (#6 Roush-Fenway Racing), Danica Patrick (#7 JR Motorsports), Sam Hornish Jr (#12 Penske Racing) und Justin Allgaier (#31 Turner Motorsports) auch Gaststarter wie Ron Fellows (#5 JR Motorsports), Jacques Villeneuve (#22 Penske Racing), Alex Tagliani (#30 Turner Motorsports), Brendan Gaughan (#33 Richard Childress Racing), Kyle Busch (#54 Kyle Busch Motorsports) sowie Patrick Carpentier (#99 RAB Racing) vertreten sein.

Ausstrahlungsdaten

Freitag, 17.08.
18:30 Uhr, Sprint Cup Series Practice, SPEED
20:00 Uhr, Trucks Series Final Practice, SPEED
22:00 Uhr, Sprint Cup Series Qualifying, SPEED

Samstag, 18.08.
14:30 Uhr, Sprint Cup Series Practice, SPEED
15:30 Uhr, Truck Series Qualifying, SPEED
17:00 Uhr, Sprint Cup Series Final Practice, SPEED
18:00 Uhr, Truck Series Rennen (VFW 200), SPEED
20:00 Uhr, Nationwide Series Rennen (NAPA Auto Parts 200), ESPN / RaceBuddy

Sonntag, 19.08.
19:00 Uhr, Sprint Cup Series Rennen (Pure Michigan 400), ESPN / RaceBuddy

flattr this!

August 15 2012

00:28

NASCAR: Analyse Watkins Glen 2012

Das Rundkursrennen in Watkins Glen lieferte am Sonntag eines der besten und spannendsten Finishes seit einigen Jahren ab. Ein beinhartes, aber jederzeit faires Duell zwischen Marcos Ambrose und Brad Keselowski sorgte für großen Unterhaltungswert, doch zuvor musste ein sehr dominanter Kyle Busch erst noch das Feld räumen (oder geräumt werden).

Zu Beginn plätscherte das Rennen allerdings eher so vor sich hin: Polesitter Juan Pablo Montoya musste seine Führung bereits nach einer Runde an Kyle Busch abgeben, konnte sich aber auf Platz 2 festsetzen. Etwas später leiteten dann frühe Stops von Ryan Newman (Runde 17), Jimmie Johnson (Runde 19), Marcos Ambrose (Runde 21), Jeff Gordon (Runde 23), Kevin Harvick (Runde 23), Brad Keselowski (Runde 24) und Kasey Kahne (Runde 24) die Strategiespiele ein. Es war eigentlich nur die Frage, ob man die passenden Verbrauchswerte für lediglich zwei Boxenstopps vorweisen konnte. Die vorgenannten Fahrer mussten an dieser Stelle wohl zunächst passen, anders sah es aber beim folgenden Kandidaten aus:

Kyle Busch führte nämlich auf einer mutmaßlichen Zwei-Stop-Strategie immer noch vor Juan Pablo Montoya als Jamie McMurray in den Esses ein Reifen platzte, was in Runde 26 die erste von insgesamt vier Cautions auslöste. Ich möchte nicht ausschließen, dass an der #1 von McMurray bereits zu diesem frühen Zeitpunkt die Aufhängung gebrochen ist, da sich später auch bei anderen Fahrzeugen ähnliche Probleme in dieser Hinsicht zeigen sollten. Die nachfolgend beschriebene Situation zeigt ein solches Beispiel:

Während der Gelbphase fiel nämlich plötzlich der linke Hinterreifen der #51 von Kurt Busch ab, was sich nach einem Interview mit dem Fahrer schnell als mechanischer Fehler herausstellte. Hätte die Pitcrew bei einem Reifenwechsel unter den wachsamen Augen eines NASCAR-Offiziellen eine Radmutter vergessen, wäre vermutlich schnell eingegriffen worden. Ich bin mir auch nicht sicher, ob Busch zu diesem Zeitpunkt überhaupt schon ein erstes Mal an der Box gewesen ist.

Den Restart gingen Brad Keselowski und Marcos Ambrose in Reihe 1 sowie direkt dahinter das Hendrick-Duo bestehend aus Jimmie Johnson und Jeff Gordon ganz vorne an, da sie während der Caution natürlich nicht noch einmal an die Boxengasse kamen. Der einzige Fahrer, welcher erneut seine Pitcrew ansteuerte, war Kasey Kahne, wobei ich vermute, dass man sich dabei um seine defekte Helmkühlung kümmerte und quasi als Bonus noch einmal nebenbei auftanken konnte.

Kurz nach dem Neustart bekam auch Juan Pablo Montoya Probleme mit seiner Radaufhängung, als der vordere linke Querlenker an seinem Chevrolet brach und den Tag der #42 effektiv beendete. Eine spätere Rückkehr auf die Strecke sollte lediglich noch Platz 33 einbringen, was nach der zweiten Pole-Position in Folge gleich die nächste Enttäuschung im jeweils anschließenden Rennen bedeutete. Die vermehrten mechanischen Probleme in diesem Rennen können möglicherweise auf das zu harte Überfahren der Randsteine und kurze Ausritte darüber hinaus zurückgeführt werden. Einige Aufhängungsteile einzelner Hersteller waren wohl nicht auf eine zu hemdsärmelige Fahrweise ausgelegt.

In Runde 39 wechselte dann die Führung von Brad Keselowski an Marcos Ambrose, welcher sich in Turn 1 am blauen Dodge mit der #2 vorbeischieben konnte. Ambrose vergrößerte den Abstand dann innerhalb einer Runde recht schnell auf fast eine Sekunde und sah zu diesem Zeitpunkt erstmals wie der sichere Sieger aus. Man durfte aber nicht vergessen, dass er im Gegensatz zu Kyle Busch auf einen Boxenstopp mehr setzte und für Busch fielen die Gelbphasen am Sonntag wirklich extrem günstig. Pünktlich zur Halbzeit gab Ambrose dann auch den Platz an der Sonne auf, um seinen zweiten von drei Pitstops zu absolvieren.

Unterdessen entschied man sich bei Brad Keselowski für einen Wechsel zur Zwei-Stopp-Strategie, nachdem zunächst Roger Penske dem Crew-Chief der #2 (Paul Wolfe) einen Besuch abstattete und man während der ersten Gelbphase auch schon so viel Sprit wie möglich zu sparen versuchte. Dieses Vorgehen zahlte sich aus, da Keselowskis Dodge immerhin bis Runde 58 durchhielt und somit knapp zwei Renndrittel mit nur einem Boxenstopp hinter sich gebracht hatte. Gemeinsam mit Keselowski kamen auch noch weitere Piloten zu Besuch, unter anderem Tony Stewart, Clint Bowyer, Greg Biffle sowie Dale Earnhardt Jr, für die es bei noch 32 zu fahrenden Runden eine knappe Angelegenheit zu werden schien. Das bewies Martin Truex Jr, welcher sich bereits einen Umlauf später mit trockenem Tank zur Pitcrew schleppen musste.

Fehlte nur noch Kyle Busch, welcher nach Bad Brads Abstecher erneut die Führung übernahm und somit neben Marcos Ambrose die besten Karten auf den Rennsieg besaß. Busch erwischte natürlich prompt und quasi mit Ankündigung Gelbphase #2 für seinen zweiten und letzten Boxenstopp. Opfer war dieses Mal sein Teamkollege Denny Hamlin, welcher im Outer Loop von seinem Motor verlassen wurde. Dass die abgestellte #11 dabei die komplette einnebelte, störte die Streckenposten erstmal nicht groß, was auch eher kurios wirkte.

Neben Kyle Busch nutzten dann im Vorderfeld auch alle (inkl. Marcos Ambrose) bis auf die gerade erst abgefertigten Piloten die Gelegenheit zum letzten Boxenstopp, da man zu diesem Zeitpunkt recht komfortabel im Benzinfenster für den Rest des Rennens lag – mögliche Verlängerungen natürlich ausgenommen. Nachdem man das Sprit-Problem also quasi abhaken konnte, kam direkt das nächste auf, denn die Kameralinsen rund um die Strecke fingen plötzlich einige Regentropfen ein und auch Pacecar-Fahrer Brett Bodine berichtete von vereinzeltem Niesel.

Dem Restart tat dies aber erstmal keinen Abbruch, jedoch drehten sich in den beiden Runden unmittelbar danach zunächst Kasey Kahne in Turn 1 und kurz darauf Jason Leffler, wobei Letzterer durch seinen Einschlag die dritte Caution des Tages auslöste. Diese Gelbphase zog sich dann über vier Runden etwas hin, weil der Regen an Intensität zunahm. Das gab zumindest auch den letzten Fahrern zu diesem Zeitpunkt die Gelegenheit, sich das eventuell noch fehlende Benzin bis zum Ende des Rennens vom Einspritzer abzusparen.

Brett Bodine entschied sich schließlich, die Strecke für den Restart freizugeben und auch die Wettbewerbspiloten hatten offensichtlich keinerlei Problem damit, dem leichten Nieselregen zu trotzen. Brad Keselowski nahm somit das Finale vor Tony Stewart, Clint Bowyer, Kyle Busch und Greg Biffle unter die Räder. Marcos Ambrose war wegen seines dritten Boxenstopps gemeinsam mit u. a. Jimmie Johnson und Jeff Gordon erst dahinter zu finden, hatte sich nach einer Runde aber schon an Busch vorbei auf Platz 3 gearbeitet.

Tony Stewart nahm sich zwei Umläufe später selbst aus der Entscheidung, als er in der letzten Kurve vor Start-und-Ziel seinen Chevrolet völlig unbedrängt aus der Kontrolle verlor und sich in die Boxengasseneinfahrt drehte. Zum Glück vermied er dabei ein ähnliches Desaster wie vor ein paar Jahren, als auch diese mit Sand gefüllten Tonnen von Sam Hornish Jr gesprengt wurden und sich Bobby Labonte ordentlich wehtat. Dieser Crash war übrigens der Grund, warum es in Turn 11 jetzt eine SAFER-Barrier gibt.

Die aus dem Smoke-Incident resultierende vierte und letzte Gelbphase sollte jetzt das meiner Meinung nach spannendste NASCAR-Finish seit einigen Jahren einläuten, welches über 15 Runden angesetzt war. Die Hauptprotagonisten – auch über das Rennen gesehen – in Form von Brad Keselowski, Marcos Ambrose und Kyle Busch waren dazu praktischerweise direkt hinter- bzw. nebeneinander aufgereiht. Busch nutzte den Restart, um innen auf einer dritten Spur an beiden Konkurrenten vorbeizuziehen, was schon ein wahnsinniges Manöver war. Fünf Runden später hatte Ambrose nach einem harten Kampf endlich Keselowski kassiert, was aber Busch seinerseits die Möglichkeit gab, vorne einen Abstand von zwei Sekunden herauszufahren.

Dadurch kam zunächst etwas Ruhe in die Schlussphase, welche nur durch einen Dreher von Dale Earnhardt Jr in Turn 10 sowie dem Überholmanöver von Jimmie Johnson an Greg Biffle (gut für Platz 4) unterbrochen wurde. Diese Ruhe vor dem Sturm war zwei Runden vor Schluss endgültig vorbei, als die Strecke nach und nach unfahrbarer wurde, weil jemand immer mehr feines Öl-Spray auf der Fahrbahn verteilte. Als möglicher Übeltäter wurde nach dem Rennen Bobby Labonte vermutet, gesicherte Informationen gibt es diesbezüglich aber nicht.

Der Vorsprung des – aufgrund der Ölspur sichtlich mit Handling-Problemen kämpfenden – Leaders Kyle Busch war innerhalb einer Runde eingedampft und dass obwohl Marcos Ambrose und Brad Keselowski hinter ihm weiter verbissen um den zweiten Platz kämpften, welchen Keselowski nach einem Fehler von Ambrose im Verlauf der Kombination Inner Loop/Outer Loop zurückerobern konnte.

Im direkten Dreikampf ging es dann in die entscheidende letzte Runde, welche in Turn 1 fast alle Konkurrenten neben der Strecke sah. Kyle Busch wurde am weitesten herausgetragen und verlor in der Anfahrt auf die Esses daher sehr viel Schwung, was Brad Keselowski bergauf die innere Linie öffnete. Busch versuchte zwar noch, diese Lücke zu schließen, doch die #2 befand sich bereits neben ihm. Es kam wie es kommen musste, die #18 trudelte von der Strecke und ein vermutlich sehr angefressener, eigentlich sicherer Sieger musste sich mit Platz 7 begnügen. Das bringt Busch im Kampf um die Wildcards natürlich überhaupt nicht weiter und kostet ihn möglicherweise sogar die Chase-Teilnahme, wer weiß?!

Verblieben also nur noch zwei Streithähne, da Jimmie Johnson sich mittlerweile einen Rückstand von neun Sekunden auf die Spitze eingefangen hatte. Brad Keselowski und Marcos Ambrose lieferten sich auf der ölverschmierten Strecke einen wilden Kampf, der teilweise auch eher neben als auf der Fahrbahn ausgetragen wurde. Nach Turn 10 bumpte sich Ambrose an Keselowski vorbei, welcher sich in Turn 11 brav revanchierte. Dies brachte beide Piloten Kopf-an-Kopf in die allerletzte Kurve, auf der Ambrose schließlich die Innenbahn vorteilhaft für sich nutzen konnte. Worte können dieses Finish eigentlich nur schwer beschreiben, weshalb ich nachfolgend auch noch ein HD-Video davon anfügen möchte. Die letzten beiden Runden starten ab 1m52s:

Für Marcos Ambrose ist das natürlich ein toller Erfolg, immerhin konnte er damit das zweite Rennen in Watkins Glen in Folge für sich entscheiden. Zusätzlich bringt er sich ebenfalls für den Kampf um die beiden Wildcards in Stellung, auch wenn ein zweiter Saisonsieg natürlich unwahrscheinlicher als bei der direkten Konkurrenz erscheint. Aber: In Michigan, wo am nächsten Wochenende gefahren wird, holte er im Juni die Pole-Position, ausschließen sollte man also nichts.

Brad Keselowski gab sich als guter Verlierer und klang in seinem Post-Race-Interview sehr versöhnlich, auch wenn er sichtlich völlig mit Adrenalin zugepumpt war, aber das kann man ihm wohl nicht verübeln. Während die beiden Erst- und Zweitplatzierten übereinstimmend von „tollem Racing“ sprachen, welches man „jede Woche sehen sollte“, gab es von Kyle Busch keinerlei Reaktion mehr, vielleicht war das aber auch besser so. Lediglich sein Crew-Chief Dave Rogers fasste die Enttäuschung des Teams in Worte und überhaupt: wer will schon einen Busch-Bruder nach so einem Rennen interviewen?

Kurz noch zum Rest vom Schützenfest:

- Die Top5 komplettierten hinter Johnson noch Clint Bowyer sowie ein stark auffahrender Sam Hornish Jr, welcher sich mit diesem Ergebnis sicherlich für den Platz im Cockpit der #22 im nächsten Jahr beworben hat.

- Die Top10 vervollständigten sich durch Greg Biffle, Kyle Busch, Matt Kenseth, Regan Smith sowie Martin Truex Jr, somit konnte also auch Roush-Fenway Racing mit Ausnahme von – wieder einmal – Carl Edwards ein solides Rennen abliefern.

- Michael Waltrip Racing und Joe Gibbs Racing zeigten sich in etwa gleichauf, wenn man die Ergebnisse vergleicht: MWR brachte zwei Fahrer in die Top10, während JGR das beste Auto des Rennens stellte. Beide Teams hatten jeweils einen Motorschaden (Denny Hamlin, Brian Vickers) zu verzeichnen.

- Hendrick Motorsports hatte mit viel Pech zu kämpfen, denn nach den Drehern von Kasey Kahne (13.) und Dale Earnhardt Jr (28.) verlor auch Jeff Gordon (21.) sein Auto im Finale und musste ein sicheres Top10-Ergebnis aufgeben. Natürlich hilft ihm keines der beiden Szenarien in Bezug auf die Wildcards, da muss in Michigan noch mehr kommen. Immerhin kann Gordon von sich sagen, dass die Ölspur Schuld an seinem schlechten Finish war.

- Tony Stewart (19.) lieferte bis zu seinem Dreher in die Boxengasse eigentlich ein sehr gutes Rennen ab, wenn man bedenkt, dass er zwischenzeitlich bei einem Pitstop verbotenerweise die Tankkanne mitgehen ließ. Smoke verlor wegen der logischen Durchfahrtsstrafe viele Plätze und kämpfte sich später wieder bis auf Platz 2 nach vorne.

Die gesamten offiziellen Ergebnisse können hier inklusive weiterer Statistiken noch einmal bei Jayski.com nachgeschaut werden. Zum Abschluss folgt wie gewohnt die Übersicht zu den Punkteständen bei den Fahrern und in der Owner-Wertung (Achtung: Alles PDF-Dateien!), auf die Situation im Kampf um die Wildcards werde ich in der Vorschau für Michigan genauer eingehen, denn für heute habe ich meine Lenkzeit schon deutlich überschritten.

2012watkinsglenNSCSfingerlakesambrosevictorylane 2012watkinsglenNSCSfingerlakes355flyover 2012watkinsglenNSCSfingerlakesstartmontoya 2012watkinsglenNSCSfingerlakeskylebuschleads 2012watkinsglenNSCSfingerlakesclintbowyer 2012watkinsglenNSCSfingerlakesjamiemcmurray 2012watkinsglenNSCSfingerlakesdennyhamlin 2012watkinsglenNSCSfingerlakesjuanpablomontoya 2012watkinsglenNSCSfingerlakeskeselowskiambrose1 2012watkinsglenNSCSfingerlakeskylebuschspin 2012watkinsglenNSCSfingerlakeskeselowskiambrose 2012watkinsglenNSCSfingerlakeskeselowskiambrose2 2012watkinsglenNSCSfingerlakesmarcosambrosefinish Finger Lakes 355 at the Glen 2012watkinsglenNSCSfingerlakespettyambrose

flattr this!

August 10 2012

06:15

NASCAR: Vorschau Watkins Glen 2012

An diesem Wochenende geht es zum zweiten Mal in diesem Jahr auf einen Rundkurs, wenn die NASCAR Station in Watkins Glen macht. Den Fahrern verbleiben noch fünf Möglichkeiten, um sich einen Platz in der 2012er-Ausgabe des Chase zu sichern. Für Piloten außerhalb der Top10 sieht es zudem danach aus, dass eine Qualifikation nur noch über die Wildcards erfolgen kann.

Endlich ist wieder Road-Course-Zeit! Auf die beiden jährlichen Abstecher außerhalb der Ovale freue ich mich bekanntermaßen immer ganz besonders, wobei der Watkins Glen International mein Favorit unter den beiden Rundkursen ist – wenn auch nur knapp. Die Strecke ist wesentlich schneller als Sonoma und obwohl die Komplexität geringer sein mag, überzeugt mich Watkins Glen genau aus diesem Grund. Wenn man die Schlüsselstellen meistert, ergeben sich nämlich zwei ziemlich gute Möglichkeiten zum Überholen. Dazu ein Auszug aus der oben verlinkten Streckenbeschreibung:

„Eine der Schlüsselstellen ist die Kurvenkombination „The Esses“ (Turns 2-4), die man in steiler Bergauffahrt vor allem im Ausgang optimal erwischen sollte, um viel Speed mit auf die Gegengerade zu nehmen. [...] Watkins Glen bietet zwei gute Überholstellen: Turn 1 („The 90“) direkt nach Start-und-Ziel, wo man bergab auf der Bremse überholen kann und natürlich die Busstopp-Schikane nach der Gegengerade vor dem „Inner Loop“. Wer hier genügend Geschwindigkeit mitgenommen hat, bringt sich in eine gute Postition, doch oft werden die Möglichkeiten optimistisch überbewertet und es kracht.“

Auch der folgende „Outer Loop“ ist nicht zu unterschätzen, weil sein leichtes Banking in Kombination mit der Abkürzung der IndyCar-Variante („The Boot“) eine gewisse Würze ins Spiel bringt. Die Kurvenüberhöhung lässt am Kurvenausgang recht schnell nach und wer schon im Center mit Unter- oder Übersteuern zu kämpfen hatte, für den wird es meist ganz eng. Die Leitplanke nach Turn 9 (oder Turn 5, je nachdem wie man zählt) hat daher in den vergangenen Jahren schon einige heftige Unfälle gesehen.

Die IndyCars haben es hier etwas leichter, weil das Banking sie auf einem weiteren Radius über den „Chute“ quasi direkt in die erwähnte Streckenerweiterung hinauskatapultiert. Ob auch die NASCAR diese längere Variante fahren sollte, könnte man diskutieren. Watkins Glen würde vermutlich fahrerisch anspruchsvoller werden, doch weitere Schlüsselstellen fügt man dem Kurs dadurch nicht hinzu. Viel eher sehe ich in der Kurve direkt nach dem „Chute“ noch mehr Potenzial für Tumulte, das hat man ja schon regelmäßig bei den Open-Wheel-Rennen gesehen. Die Rundenzeit der kurzen Variante liegt zudem in einem NASCAR bei knapp 1:20 Minuten, was echt in Ordnung ist.

Ein Blick auf die Siegkandidaten offenbart zunächst Jeff Gordon (4) und Tony Stewart (5), die zwischen 1997 und 2009 eine beeindruckende Serie hinlegen konnten, immerhin gelang es ihnen 9 von 13 Ausgaben in dieser Zeitspanne zu gewinnen. Dazwischen mogelten sich – in Form von aktiven Fahrern – Kevin Harvick (2006) und Kyle Busch (2008). Die letzten beiden Rennen in Watkins Glen entschieden in Person von Juan Pablo Montoya (2009) sowie Marcos Ambrose (2010) zwei echte Spezialisten für sich, mit denen man jedes Mal aufs Neue rechnen muss.

Dabei sehe ich derzeit im Vergleich mit Montoya eher Marcos Ambrose im Vorteil, welcher bei seinen bisher vier Rennen in Watkins Glen nie schlechter als auf Platz 3 ins Ziel kam. In Sonoma holte er dieses Jahr zudem die Pole-Position, konnte dort dann aber nur einen achten Rang einfahren. Für mich ist er am Wochenende der größte Favorit. Von Juan Pablo Montoya war dagegen in Sonoma schon absolut nichts zu sehen und die Pole-Position aus Pocono sehe ich persönlich nicht als Wendepunkt der verkorksten Saison an.

Tony Stewart ist derzeit zwar recht gut unterwegs, doch irgendwie fehlt bei ihm oft immer das letzte Quäntchen nach ganz vorne. Drei Saisonsiegen stehen viele Ausreißer außerhalb der Top20 gegenüber und nach einigen guten Top3-Resultaten im für ihn eher ungewöhnlichen Frühling konnte Smoke zuletzt nur Platz 12, 10 und 5 einfahren. Vielleicht ist sein zweiter Platz aus Sonoma ja ein guter Indikator und er findet in Watkins Glen rechtzeitig vor dem Chase wieder zu alter Form zurück.

Jeff Gordon hat ganz klar das Momentum auf seiner Seite, auch wenn der Sieg in Pocono vom letzten Wochenende eher ein Geschenk des Wettergottes war. Die Rundkurse – und ganz speziell dieser – liegen ihm, von daher könnte Watkins Glen jetzt sein Sprungbrett in den Chase sein. Ein zweiter Saisonsieg erhöht die Wahrscheinlichkeit, gegen die derzeitige große Konkurrenz ab Platz 11 zu bestehen. Trotzdem muss Gordon vorsichtig sein, ein Totalausfall könnte hier auch alles zunichte machen, wenn er keinen weiteren Erfolg in den folgenden vier Rennen einfahren sollte.

Für eine Überraschung könnte erneut Clint Bowyer gut sein, nachdem er im Frühsommer zur Verwunderung vieler Beobachter in Sonoma gewinnen konnte und das auch noch in einer ziemlich dominanten Vorstellung. Allgemein sollten die Toyotas von Michael Waltrip Racing in Watkins Glen wieder klar besser gehen als die Konkurrenz bei Joe Gibbs Racing. Zudem sitzt auch Brian Vickers erneut in der #55 (Platz 4 in Sonoma), nachdem er in diesem Jahr anscheinend bei den Sportwagen in Europa das Fahren auf Rundkursen richtig gut gelernt hat.

Gespannt bin ich auch bei Kurt Busch sowie Jimmie Johnson. Busch zeigte in Sonoma, wie weit er den unterfinanzierten Hendrick-Kunden-Chevrolet von Phoenix Racing nach vorne prügeln konnte und machte Bowyer ordentlich Druck. Im Finale wehrte er sich in einer Wahnsinnsleistung noch mehrere Runden lang mit einer beschädigten Aufhängung gegen die Verfolger. Johnson konnte nach seinem Sieg auf dem Brickyard wiederum in Pocono nicht profitieren. Momentan ist das Team der #48 aber sensationell drauf und zählt jede Woche zu den Siegkandidaten, zudem bestärkt sein Top5-Ergebnis aus Sonoma die Wahrscheinlichkeit eines guten Ergebnisses am Sonntag nur noch mehr.

Als letztes Thema möchte ich wie in der Pocono-Analyse angekündigt noch die Wildcard-Situation aufgreifen: Meiner Meinung nach sind die Top10 jetzt wirklich ziemlich in Stein gemeißelt. Am letzten Wochenende konnte Clint Bowyer den Abstand zu Platz 11 noch einmal um zwei Punkte vergrößern; er beträgt jetzt 57 Zähler. Bei noch fünf ausstehenden Rennen muss da aber jemand wirklich vom Pech verfolgt werden, damit das nicht reicht. Immerhin müsste z. B. Kasey Kahne jede Woche mindestens elf Positionen vor Bowyer ins Ziel kommen, was recht unwahrscheinlich ist.

Richtig spannend wird es dagegen auf der anderen Seite des Cuts, wo wir uns den Stand kurz anschauen wollen:

11. Kasey Kahne (-57), 2 Siege
12. Carl Edwards (-60), 0
13. Jeff Gordon (-68), 1
14. Ryan Newman (-68), 1
15. Kyle Busch (-80), 1
16. Paul Menard (-82), 0
17. Joey Logano (-104), 1
18. Marcos Ambrose (-126), 0

Kasey Kahne scheint mir da vorne recht sicher zu sein, solange er immer vor den meisten seiner direkten Kontrahenten ins Ziel kommt. Carl Edwards ist derzeit am gefährdetsten, die Chase-Qualifikation zu verpassen, was als letztjähriger Vizemeister natürlich zwar zum einen tragisch wäre, zum anderen aber den Fluch des Zweitplatzierten wieder einmal bestätigen würde. Edwards muss jetzt volles Risiko gehen und das weiß er auch, zumindest hat er es in Pocono bei einem Interview angekündigt. Ob Watkins Glen der richtige Ort dafür ist, wage ich zu bezweifeln, aber ein so schlechter Rundkursfahrer ist Edwards nun auch wieder nicht.

Jeff Gordon und Ryan Newman sind nur durch einen fehlenden fünften Platz über alle Saisonergebnisse getrennt, was Gordon bei Punktgleichheit derzeit den Vorteil der zweiten Wildcard verschafft. Die beiden Fahrer sind in einer ganz großen Zwickmühle: Geht man zu viel Risiko ein, könnte der Konkurrent die Wildcard stehlen, geht man zu wenig Risiko ein, verpasst man eventuell einen rettenden zweiten Saisonsieg. Direkt dahinter lauert mit relativ wenig Abstand zudem Kyle Busch, der jederzeit für eine Fahrt in die Victory-Lane gut ist. Er muss in Watkins Glen ebenfalls volles Risiko gehen und hat schon bewiesen, dass er dort gewinnen kann.

Alle weiteren Piloten haben wohl eher noch Außenseiterchancen, denn dass Joey Logano und Paul Menard vor dem Chase noch ein Rennen gewinnen, kann man fast ausschließen – aber eben doch nur fast. Marcos Ambrose könnte sich mit einem Sieg am Wochenende in Stellung bringen, ein zweiter Erfolg in den verbleibenden vier Rennen ist aber ebenso realistisch wie bei den beiden Fahrern direkt vor ihm.

An diesem Wochenende lautet die Losung also: Vorteil Kahne und Busch! Gordon und Newman müssen dagegen schauen, was die Konkurrenz macht, während Edwards sich schon mal den Spitznamen „Kamikaze Carl“ zulegen sollte.

Zum Abschluss folgen an dieser Stelle wie gewohnt noch die Links (PDF) zu den aktuellen Ständen in der Fahrer- und Owner-Wertung sowie die Entry-List und ein Zeitplan für das TV-Programm vom Wochenende.

Ausstrahlungsdaten

Freitag, 10.08.
18:00 Uhr, Sprint Cup Series Practice, SPEED
20:00 Uhr, Nationwide Series Final Practice, SPEED
22:00 Uhr, Sprint Cup Series Final Practice, SPEED

Samstag, 11.08.
15:30 Uhr, Nationwide Series Qualifying, ESPN2
17:30 Uhr, Sprint Cup Series Qualifying, ESPN2
20:00 Uhr, Nationwide Series Rennen (Zippo 200), ABC

Sonntag, 12.08.
18:00 Uhr, Sprint Cup Series Rennen (Finger Lakes 355), Motorvision TV / ESPN / RaceBuddy

flattr this!

August 07 2012

13:15

NASCAR: Analyse Pocono August 2012

Getreu nach dem Motto „Wenn die ersten beiden Reihen sich streiten, freut sich die dritte!“ übernahm Jeff Gordon beim letzten Restart die Führung und wurde kurz danach aufgrund des erneut einsetzenden Regens zum Sieger gekrönt. Grund zum Feiern gab es jedoch eher weniger, denn das Unwetter forderte unglücklicherweise ein Todesopfer auf Seiten der Fans.

Aus diesem Grund schieben wir die Analyse ein wenig nach hinten und sprechen kurz über die unschönen Vorfälle nach dem Abbruch des Rennens. Dazu zunächst ein Zeitablauf der Geschehnisse: Spätestens zur Halbzeit der Veranstaltung war klar, dass sich eine weitere Unwetterzelle der Strecke näherte und das Rennen möglicherweise nicht bis zum geplanten Ende würde absolviert werden können. Aus Gründen der Sicherheit informierte der Streckenbetreiber daher die anwesenden Fans bereits um 16:12 Uhr über die Unwetterwarnung, während die Wagen natürlich noch munter auf dem Oval um Positionen kämpften. Eine knappe halbe Stunde später begann dann der Regen und sorgte innerhalb einer Runde recht schnell – um 16:44 Uhr – für eine Unterbrechung des Rennens.

Weitere zehn Minuten später stand dann Sieger Jeff Gordon in einer eher provisorischen Victory-Lane, da man die Strecke zur vorgerückten Stunde schließlich aufgeben musste. Zum Trocknen hätte man nach dem Gewitter nämlich weitere zwei Stunden benötigt, weshalb das Oval erst zur Dämmerung und damit ohne Flutlicht viel zu spät wieder einsatzbereit gewesen wäre. Um 17:01 Uhr ereignete sich dann die erwähnte Tragödie, als Brian F. Zimmerman aus Moosic, Pennsylvania auf dem Parkplatz an seinem Auto lehnend vom Blitz getroffen wurde. Außerdem wurden neun weitere Personen bei diesem und einem weiteren Einschlag verletzt. Zunächst möchte ich natürlich der Familie des Opfers unser aller Beileid aussprechen und ihnen alles Gute in dieser schwierigen Zeit wünschen.

Erst jetzt kommen wir nun zu der Frage, ob alle Beteiligten richtig gehandelt haben: Es gab also tatsächlich eine Warnung an der Strecke, was auch erklärt, warum die Tribünen zum Finish nur noch zur Hälfte gefüllt waren, während sie am Anfang des Rennens nahezu ausverkauft aussahen. Warum haben sich nicht alle Fans in Sicherheit begeben? Ed Klima, der Verantwortliche für den Rettungsdienst am Dover International Speedway brachte es wohl am besten auf den Punkt, indem er sagte: „it’s very difficult to get people to leave if there’s still cars going around the racetrack.“

Vielleicht sollte man an dieser Stelle überlegen, das Rennen bei einem so offensichtlich nahenden Unwetter schon vorher zu unterbrechen. Brian Neudorff, der selbsternannte inoffizielle Meteorologe der NASCAR, blies in ein ähnliches Horn: „If lightning is eight to 10 mile away, clear the stands. If lighting is present, NASCAR should red flag the race. If you can hear thunder, you can be struck by lightning. Obviously, fans would not be very appreciative of evacuating, especially if it’s not raining at the time. But safety first.“

Als etwas schwach empfand ich jedoch die offizielle Reaktion der NASCAR, welche lediglich in Form eines Statements per Marketing-Sprecher David Higdon erfolgte und besagte, dass die Sicherheit der Fans letztlich in der Verantwortung der Streckenbetreiber läge. Er fügte hinzu, dass in Pocono niemand der Verantwortlichen unaufmerksam gewesen wäre und es auf vielen Strecken für diesen Fall zudem überhaupt gar kein Sicherheitskonzept gäbe. In der Zukunft würde man aber sicherlich genau die Vorgehensweisen überprüfen und notwendige Änderungen umsetzen. Naja, klingt für mich ein wenig schwammig, vielleicht sollte man ein Rennen einfach wirklich früher unterbrechen oder die Evakuierung der Tribünen strenger forcieren.

Analyse Pocono

Das Rennen entschied etwas überraschend wie erwähnt Jeff Gordon für sich, nachdem es lange Zeit danach aussah, dass Jimmie Johnson das Geschehen fest im Griff hat. Die entscheidende Szene ereignete sich jedoch beim letzten Restart in Runde 91, nachdem zuvor Kurt Busch durch seinen Mauereinschlag aufgrund eines geplatzten Reifens die Caution auslöste. Der Führende Johnson sprintete gemeinsam mit Matt Kenseth zur grünen Flagge, gefolgt von Brad Keselowski und Greg Biffle in der zweiten Reihe sowie Kasey Kahne und Gordon in der dritten.

Am Hendrick-Chevrolet mit der #48 verabschiedete sich sofort in Turn 1 der rechte Hinterreifen, was sich wohl auch während der Aufwärmphase für den Restart angekündigt hatte. Johnson bekam direkt massives Übersteuern und nahm Kenseth mit ins Verderben, wobei auch Keselowski, Biffle und Kahne einigen Schwung verloren. Einzig Jeff Gordon hatte freie Fahrt und konnte sich an die Spitze setzen, wo er auch verblieb, da wenige Runden später unter der erneuten gelben Flagge der gefürchtete Regen einsetzte.

Kasey Kahne (2.) und Brad Keselowski (4.) konnten sich immerhin in den Top5 halten, wobei Kahne noch sehr viel Glück hatte, da er einige Trümmerteile der vorausfahrenden Wagen aufsammelte, die ihm einen Plattfuß bescherten. Wegen des nahenden Abbruchs ließ er aber keine Reifen mehr wechseln. Für Matt Kenseth (23.) war die Party nach dem Zwischenfall quasi vorbei, da er vom nachfolgenden Denny Hamlin (29.) torpediert wurde und somit nach Indianapolis die zweite Woche in Folge frühzeitig aufgrund eines nicht selbst verschuldeten Unfalls aufgeben musste. Kenseth konnte sein beschädigtes Auto aber immerhin bis zum Abbruch am Ende der Führungsrunde halten.

Jimmie Johnson fing seinen übersteuernden Chevrolet übrigens äußerst spektakulär ab und cruiste unter Gelb noch auf Platz 14 ins Ziel. Seine Platzierung dort stieß allerdings Greg Biffle etwas sauer auf, den NASCAR seinerseits während der Gelbphase nur auf Rang 15 gesetzt hatte. Natürlich gab es auf der anderen Seite auch einige Abstauber bzw. Profiteure von dieser rennentscheidenden Situation, so konnte z. B. Martin Truex Jr. einen dritten Platz nach Hause fahren.

Auch die beiden Piloten von Stewart-Haas Racing rutschten noch weiter nach vorne und belegten die Ränge 5 (Tony Stewart) und 6 (Ryan Newman). Die Top10 komplettierten unterdessen Carl Edwards (7.), Clint Bowyer (8.) und etwas überraschend Regan Smith (9.) sowie Marcos Ambrose (10.).

Nicht so gut lief es erneut für das Team von Earnhardt-Ganassi Racing, welches immerhin Juan Pablo Montoya (20.) auf die Pole-Position brachte. Der Chevy mit der #42 war im Renntrimm allerdings so unterlegen, dass die Führung schon nach sieben Runden wieder verloren war. Im weiteren Verlauf des Rennens fiel er sukzessive zurück und landete gerade noch so in den Top 20, die auch für seinen Teamkollegen Jamie McMurray (17.) das Höchste der Gefühle waren. Bei EGR besteht also weiterhin massiver Nachholbedarf und die Äußerungen von Montoya nach dem Qualifying fand ich da auch eher amüsant: „We know we’ve been working in the right direction. We know we’ve been working hard, and we feel that the cars are getting a little better, but to actually get out there and get a pole…“ Immerhin hat man nicht ernsthaft mit der Pole-Position gerechnet.

Ganz übel erwischte es an diesem Wochenende ausgerechnet Dale Earnhardt Jr. (32.), welcher in den Wochen zuvor mit einer Marke von 21 die bisher längste Serie der NASCAR-Geschichte von Zielankünften in der Führungsrunde aufbaute.  In Runde 50 machte ihm allerdings das Getriebe seines Hendrick-Chevrolets einen Strich durch die Rechnung und so verlor er die meistgenutzten Gänge 3 und 4. Dabei hatte man wie eigentlich alle Teams aufgrund der besonderen Umstände in Pocono (Schalten in den Turns) extra vor dem Qualifying noch das Getriebe gewechselt. Die Reparaturpause kostete Junior zwar 20 Runden, aber wegen des Pechs vieler seiner Verfolger in der Meisterschaft glücklicherweise nicht die Führung in der Fahrerwertung.

Die erste der insgesamt drei Cautions löste übrigens Kyle Busch (33.) aus, der in Runde 19 nach einem offensichtlichen Defekt in die Mauer von Turn 1 abbog und bei den anschließenden Arbeiten am Auto ganze 24 Umläufe auf die Konkurrenz einbüßte. Diese Gelbphase diente dann auch gleich als Competition-Caution, welche ohnehin für Runde 20 geplant war, damit die Teams den Reifenverschleiß auf der grünen Strecke überprüfen konnten. Das Rennen wurde nämlich wegen eines weiteren Regenschauers kurz vor dem Start mit knapp zwei Stunden Verspätung angegangen.

In puncto Chase-Qualifikation hat sich durch den Sieg von Jeff Gordon natürlich einiges geändert, weil der Artikel aber schon eine stattliche Länge erreicht hat, werde ich darauf in der Vorschau für Watkins Glen am Freitag genauer eingehen. An dieser Stelle vielleicht noch so viel: Gordon rückte gleich um zwei Plätze nach vorne und steht nun gemeinsam mit Kasey Kahne in den Playoffs. Allerdings ist die #24 punktgleich mit Ryan Newman (ebenfalls ein Saisonsieg), welcher jedoch im Gegensatz zu Gordon über einen fünften Platz weniger verfügt, der in diesem Falle ausschlaggebend ist. Weiter vorne ist es ebenso eng, da die Top4 nach Pocono innerhalb von nur acht winzigen Punkten liegen.

Die gesamten offiziellen Ergebnisse können hier inklusive weiterer Statistiken noch einmal bei Jayski.com nachgeschaut werden. Zum Abschluss folgt wie gewohnt die Übersicht zu den Punkteständen bei den Fahrern und in der Owner-Wertung (Achtung: Alles PDF-Dateien!).

nascar-pocono-rain-2012 dale-earnhardt-jr-pocono-august-2012 jeff-gordon-fan-nascar-pocono-august-2012 clint-bowyer-puddle-nascar-pocono-august-2012 nascar-american-ethanol-green-flag-pocono-august-2012 juan-pablo-montoya-leads-pocono-august-2012 dale-earnhardt-jr-garage-pocono-august-2012 jeff-gordon-pocono-august-2012 jeff-gordon-pocono-pit-stop-august-2012 kyle-busch-damage-pocono-august-2012 pocono-nascar-fans-august-2012 jeff-gordon-pocono-win-victory-lane-august-2012 jimmie-johnson-pocono-august-2012 tony-stewart-pocono-rain-august-2012

flattr this!

August 03 2012

06:15

NASCAR: Vorschau Pocono August 2012

Im recht kurzen Abstand zur letzten Ausgabe bestreitet die NASCAR am Wochenende bereits ihr zweites Saisonrennen auf der eigenwilligen Strecke in Pocono. Ab Sonntag bleiben den Piloten nur noch sechs Anläufe, um die Qualifikation für den Chase dingfest zu machen.

Moment mal, war nicht gerade erst ein Cup-Rennen in Pocono? Ganz genau, denn bereits vor acht Wochen war die NASCAR im Nordosten der USA zu Gast und lieferte dort nach einigen erfreulichen Veränderungen die wahrscheinlich beste Pocono-Ausgabe der jüngeren Zeit ab. Als Grund für die erstaunliche Verbesserung können zwei Faktoren ausgemacht werden: Zum einen bekam das „Tricky Triangle“ pünktlich zum ersten 2012er-Besuch eine neue Asphaltdecke spendiert, welche dafür sorgte, dass sich das Feld erstmals seit vielen Jahren nicht so schnell wie sonst kaugummiartig auseinanderzog. Zum anderen verkürzte man beide Saisonrennen nach langer Beratungsresistenz endlich auf 400 Meilen, was dem Fluss des Events zu Gute kam. Statt dreieinhalb bis vier Stunden dauert eine Pocono-Ausgabe jetzt nur noch deren entschlackte drei, was sich eindeutig besser in die sonst üblichen Rennlängen der NASCAR einfügt.

Der neue Asphalt brachte auch neue Geschwindigkeitsrekorde, so erreichten die Fahrzeuge am Ende der längsten Start-Ziel-Geraden des Kalenders satte 212 mph bei einem gesamten Rundenschnitt von um die 180 mph. Die Crew-Chiefs empfanden mit Sicherheit große Freude, als ihre Fahrer sich über das Handling im Kurveneingang der drei, für ein Oval eh schon ausreichend grenzwertig unterschiedlichen Turns beschwerten. Die verlinkte Streckenbeschreibung zum Pocono-Raceway soll an dieser Stelle dann ruhig noch einmal erklären, weshalb der ungewöhnliche und in seiner Form ziemlich einzigartige Speedway so eine Herausforderung in puncto Setup der Wagen darstellt.

Bevor ich hier aber zu sehr mit dem Schwelgen beginne, muss man in Pocono natürlich immer die Möglichkeit im Hinterkopf behalten, dass die erste Saisonausgabe im Juni nur ein positiver Ausrutscher gewesen sein könnte. Im schlimmsten Fall haben sich die Teams ähnlich schnell wie die Borg bei Star Trek an die neuen Gegebenheiten angepasst und sind mit ihren Setups bereits wieder so am Limit unterwegs, dass der berühmte und zähe Kaugummieffekt direkt zurückkehrt.

Ich bin aber trotzdem guter Dinge und hoffe auch, dass die NASCAR-Offiziellen die ungewöhnlich langen Caution-Perioden in den Griff bekommen haben. Vor acht Wochen dauerten die Aufräumarbeiten während der Gelbphasen doch wirklich extrem lange an, was ein sehr kurzweiliges und spannendes Rennen künstlich verlängerte und so überhaupt erst über die 3-Stunden-Marke brachte. Vielleicht war das gewollt, vielleicht auch nicht, alles weitere wäre jetzt Spekulation.

Wobei wir mit dem letzten Wort dann auch direkt beim Thema Rennsieger angekommen sind: Bereits im Juni empfand ich es als äußerst schwierig, einen Favoriten zu benennen, da die letzten acht Ausgaben jeweils zwei Mal von allen vier unterschiedlichen Hersteller gewonnen wurden. Dazu gesellte sich in diesem Jahr Joey Logano, der damit die Marke von Toyota verbessern konnte. Das Rennergebnis sah 5x Chevrolet, 4x Toyota und 2x Ford in den Top10, wobei die japanische Marke vier Wagen in die Top6 bringen konnte. Daraus kann man nun machen was man möchte, ich hätte jedenfalls nicht damit gerechnet, dass Logano tatsächlich in die Victory-Lane fahren würde. Die Chancen dürften bei den Top-Teams am Wochenende dann auch wieder ziemlich ausgeglichen sein.

Der unterrepräsentierte Hersteller Dodge brachte seinen besten Fahrer in Person von Brad Keselowski nur auf Platz 18, was aber einer alternativen und eher nachteiligen Benzinstrategie sowie einer Durchfahrtsstrafe geschuldet war. Mit Bestrafungen haben die NASCAR-Offiziellen im Juni ja nur so um sich geworfen, da einige Team es offensichtlich versäumten, sich nach der Neuasphaltierung über die geänderten Speeding-Lines in der Boxengasse zu informieren. Das sollte an diesem Wochenende natürlich nicht noch einmal vorkommen und wird meiner Auffassung nach auch ein isoliertes Kuriosum bleiben.

Werfen wir noch einen Blick auf den aktuellen Stand in der Meisterschaft und wagen einige Rechenspiele die Chase-Qualifikation betreffend. In den letzten fünf Saisonrennen hat sich der Abstand zwischen Platz 10 und 11 (also die Bubble) von 11 auf 55 Punkte aufgeblasen. Das bringt die derzeitigen Top10 mit großer Wahrscheinlichkeit in die Playoffs:

1. Dale Earnhardt Jr. (+143), 1 Sieg
2. Matt Kenseth (+129), 1
3. Greg Biffle (+121), 1
4. Jimmie Johnson (+116), 3
5. Denny Hamlin (+79), 2
6. Kevin Harvick (+65), kein Sieg
7. Martin Truex Jr. (+65), kein Sieg
8. Tony Stewart (+64), 3
9. Brad Keselowski (+61), 3
10. Clint Bowyer (+55), 1

An einem schlechten Tag kann man im schlimmsten Fall (wie Matt Kenseth in Indianapolis) gut und gerne 30 Punkte verlieren. Eine eventuell noch mögliche Schadensbegrenzung kann diese Marke aber auch auf die Hälfte reduzieren und sollte unbedingt angestrebt werden. Denn egal wie schrottreif das Auto ist, irgendwo finden sich in der NASCAR-Garage immer noch etwas Panzertape und ein Vorschlaghammer.

Bei noch sechs verbleibenden Rennen bedeutet das im Grunde genommen, dass die Top4 sowie alle dreimaligen Saisonsieger und eventuell auch Denny Hamlin sich jetzt verstärkt auf weitere Fahrten in die Victory-Lane konzentrieren sollten. Für jeden Erfolg bekommt man im Chase nämlich drei Bonuspunkte, welche sich im Ernstfall als entscheidend in der Meisterschaft herausstellen können. Den Champion von 2012 (Tony Stewart) und seinen unterlegenen Konkurrenten (Carl Edwards) trennten am Ende exakt null Punkte voneinander und auch da gaben die Saisonsiege dann den Ausschlag. Allerdings muss ich an dieser Stelle erwähnen, dass Smoke seine insgesamt fünf Erfolge erst im Chase eingefahren hat, während Edwards mit drei Bonuszählern in die Playoffs ging.

Kevin Harvick, Martin Truex Jr. und sein Teamkollege Clint Bowyer sollten dagegen noch die ein oder andere Woche auf Bedacht fahren und nicht alles riskieren, da man mit 0-1 Saisonsiegen ziemlich verloren ist, sollte man aus den Top10 herausfallen. Somit zeigt sich hier eine schnell ansteigende Kurve, betrachtet man die Anzahl der bisher eingefahrenen Erfolge gegenüber der Möglichkeit, sich häufiger auf ausgefallene taktische Spielchen einlassen zu können. So kann zum Beispiel Brad Keselowski gemäß dieser Theorie eigentlich nach Belieben pokern, denn eine Wildcard hat er im Notfall ziemlich sicher in der Tasche.

Für die Piloten außerhalb der Top10 geht es derzeit rechnerisch noch von Woche zu Woche, wobei man übergreifend sagen kann, dass 2-3 Saisonsiege momentan mit einer großen Wahrscheinlichkeit in die Playoffs führen. Die Situation ist nach Indianapolis folgende:

11. Kyle Busch (-55), 1 Sieg
12. Carl Edwards (-61), kein Sieg
13. Kasey Kahne (-64), 2
14. Ryan Newman (-70), 1
15. Jeff Gordon (-79), kein Sieg
16. Paul Menard (-79), kein Sieg
17. Joey Logano (-99), 1

Dahinter werden die Abstände auf Platz 10 beginnend mit Marcos Ambrose über 120 Punkte groß und den Erstgenannten sowie Jamie McMurray, Jeff Burton und Juan Pablo Montoya sehe ich auch maximal nur einen Saisonsieg holen, was aber nie und nimmer reichen wird.

Zwischen Rang 11 und 17 ist die Lage hingegen so eng, dass man eigentlich noch nicht alles auf eine Karte setzen darf. Ausnahmen sind Carl Edwards, Jeff Gordon, Paul Menard und Joey Logano die langsam aber sicher All-In gehen sollten, um ihre letzten Chancen zu wahren und jetzt auf Gedeih und Verderb Saisonsiege zu produzieren.

In einer umgekehrten Analogie zu den Top10 können sich Kyle Busch, Kasey Kahne und Ryan Newman zwar einerseits nicht auf ihren Erfolgen ausruhen, müssen aber andererseits vorsichtig sein, dass sie nicht bedingt durch eine zu riskante Taktik im Rennen punktemäßig von der Konkurrenz überholt werden. Was bringt zum Beispiel Busch sein einer Sieg, wenn er in einem hypothetischen Szenario in zwei Wochen hintereinander mit nur zwei neuen Reifen in der Schlussphase versucht in die Führungsposition zu gelangen, danach aber unter Grün mit abgefahrenen Pneus jeweils zehn Plätze verliert, während Newman immer Zweiter wird?

Da müssen viele Fahrer und Teams immer wieder neu abwägen, was letztendlich in jeder neuen Woche die richtige Entscheidung ist. Für einige Beteiligte wird dies schwierig werden, andere sind schon so gut wie durch und können sich getrost für den Chase in Stellung bringen. Die nächsten sechs Wochenenden werden aber wie immer eine Menge Spannung bereithalten.

Zum Abschluss folgen an dieser Stelle wie gewohnt noch die Links (PDF) zu den aktuellen Ständen in der Fahrer- und Owner-Wertung sowie die Entry-List und ein Zeitplan für das TV-Programm vom Wochenende.

Die Nationwide Series ist in Iowa am Start, während die Trucks den Sprint Cup in Pocono unterstützen. Leider wird aus dem Rahmenprogamm nur das Qualifying der zweiten Liga gesendet, ansonsten kommen nur die jeweiligen Rennen selbst sowie natürlich alle Cup-Sessions im US-Fernsehen.

Ausstrahlungsdaten

Freitag, 03.08.
18:00 Uhr, Sprint Cup Series Practice, SPEED
21:30 Uhr, Sprint Cup Series Final Practice, SPEED

Samstag, 04.08.
16:30 Uhr, Sprint Cup Series Qualifying, ESPN2
18:30 Uhr, Truck Series Rennen (Pocono Mountains 125), SPEED
22:30 Uhr, Nationwide Series Qualifying, ESPN2
01:30 Uhr, Nationwide Series Rennen (U.S. Cellular 250), ESPN2

Sonntag, 05.08.
19:00 Uhr, Sprint Cup Series Rennen (Pennsylvania 400), ESPN / RaceBuddy

flattr this!

July 31 2012

06:15

NASCAR: Analyse Indianapolis 2012

Jimmie Johnson machte am Sonntag keine Gefangenen und fuhr souverän zu seinem vierten Indianapolis-Sieg. Die Konkurrenz in Form von Roush-Fenway Racing sowie Joe Gibbs Racing kämpfte dagegen mit dem Pech und Fahrfehlern. Positiv für die NASCAR und Hendrick Motorsports: Seit diesem Wochenende führt Dale Earnhardt Jr die Fahrerwertung an!

Gegen Jimmie Johnson war auf dem Brickyard kein Kraut gewachsen und so dominierte der fünffache Meister das Geschehen teilweise nach Belieben. 99 Führungsrunden brannte Johnson in den Asphalt und befand sich somit weit über die Hälfte des Rennens an der Spitzenposition. Lediglich Denny Hamlin und Brad Keselowski konnten neben dem Hendrick-Piloten jeweils mit etwas mehr als 20 Führungsrunden signifikant in Erscheinung treten. Polesitter Hamlin konnte seinen Startplatz nur bis zu den ersten Green Flag Pitstops nach gut 25 Runden verteidigen, während Keselowski zur Halbzeit mit einer alternativen Spritstrategie zu punkten versuchte. Die frühen Boxenstopps waren dabei der Streckenlänge von Indianapolis geschuldet:

Weil man sich bei einem Besuch der Pitcrew unter grüner Flagge für gewöhnlich keinen Rundenrückstand auf dem 2,5-Meilen-Oval einfängt, rechneten die Teams ähnlich wie bei den Rundkursrennen vom frühestmöglichen Zeitpunkt an mit dem Verbrauch rückwärts. Brad Keselowski begann seine Fahrt außerhalb der Sequenz während der ersten Caution in Runde 41, als der Rest des Feldes nach einem halben Fuelrun bereits erneut zum Tanken kam. Weil die Gelbphasen in der Folge zum einen ungünstig fielen und zum anderen nicht sehr zahlreich waren, konnte seine Strategie nicht aufgehen. Beim Restart nach Caution #3 in Umlauf 101 verlor Keselowski auf seinen älteren Reifen gleich sechs Positionen, die er nie wieder aufholen konnte. Am Ende war für ihn nicht mehr als Platz 9 möglich.

Denny Hamlin verlor seine Führung wie erwähnt während der ersten Green-Flag-Pitstops, weil Johnsons Crew einfach schneller arbeitete als die Mannschaft der #11. Ohne Clean-Air war der Gibbs-Toyota dann nicht mehr konkurrenzfähig genug, um erneut nach der Spitzenposition zu greifen. Dazu gesellte sich ein Fahrfehler direkt beim ersten Restart in Runde 46: Hamlin kam in Turn 1 auf die – vom Gripniveau her – äußerst ungünstige obere Linie und war damit seine Position innerhalb der Top10 erstmal los. Insgesamt dauerte es dann ganze 60 Umläufe, bis Hamlin sich wieder in die Top5 zurückgekämpft hatte. Den vierten Platz konnte er zwar über weite Strecken halten, musste beim letzten Restart zwanzig Runden vor Schluss aber noch mal zwei Konkurrenten ziehen lassen und sich mit Rang 6 begnügen.

Als Zweiter hinter Johnson sammelte Kyle Busch gute Punkte auf dem Weg zur Chase-Qualifikation. Das gesamte Rennen über konnte er sich in den Top5 halten, hatte im Finale als einzig verbliebener Johnson-Kontrahent aber keine Pfeile mehr im Köcher. Zwischenzeitlich stand es um seinen Toyota-Motor auch nicht so richtig gut, denn der spuckte nach einem der ersten Boxenstopps plötzlich schwarzen Rauch aus dem Auspuff. Ein Neustarten des Aggregats erwies sich als korrekter Lösungsweg und weitere Probleme blieben danach glücklicherweise aus. Busch hätte sich vermutlich lieber den Sieg geholt, weil er mit Platz 11 in der Meisterschaft bei nur einem Saisonerfolg ja immer noch Gefahr läuft, von Ryan Newman oder Joey Logano weiter hinten in der Tabelle kurzfristig geschnappt zu werden.

Richtig katastrophal lief es dagegen bei Roush-Fenway Racing ab, wo einzig Greg Biffle einen starken dritten Rang nach Hause fahren konnte. Biffle nahm in der vorletzten Gelbphase bei den letzten Boxenstopps in Runde 124 nur zwei neue Reifen, konnte damit aber schlecht den kompletten Fuelrun über bis zum Ende konkurrenzfähig bleiben. Dass er dann nur zwei Positionen abgeben musste, lässt schon auf eine gute Leistung des Fahrers in Kombination mit Grundspeed des Autos schließen.

Weniger Glück hatten seine Teamkollegen Carl Edwards und Matt Kenseth, die beide unverschuldet aus der Entscheidung genommen wurden. Edwards bekam direkt nach dem Start des Rennens Probleme mit dem Motor, dabei vermutete man teamintern eine Fehlfunktion am Krümmer. Ein langer Tag im Büro und lediglich Platz 29 bei vier Runden Rückstand waren die unmittelbaren Folgen – für seine angestrebte Chase-Qualifikation natürlich ein herber Rückschlag.

Matt Kenseth wurde in Umlauf 132 unglückliches Opfer eines Drehers von Joey Logano: Letzterer lieferte sich mit Trevor Bayne einen Zweikampf, welcher so eng zuging, dass Logano auf der Innenbahn plötzlich loose wurde und sich weiter nach innen in Bobby Labonte drehte. Kenseth versuchte oben vorbeizugehen, doch Reflektor Labonte bugsierte den Gibbs-Toyota direkt vor die Stoßstange der #17. Für Logano und Kenseth war das Rennen daraufhin außerhalb der Top30 beendet.

Der Kenseth-Ausfall brachte direkte Auswirkungen in der Meisterschaft mit sich: Weil in Person von Dale Earnhardt Jr der direkte Konkurrent des Roush-Piloten in Indianapolis auf Platz 4 ins Ziel kam, übernahm dieser die Führung in der Fahrerwertung und das mit 14 Punkten sogar recht deutlich. Für die NASCAR ist diese Situation natürlich so ziemlich das Beste, was der Rennserie passieren kann und zudem ist es auch bei weitem nicht unverdient. Junior hat gemeinsam mit seinem Teamkollegen nun 15 Top10-Resultate (bei bisher 20 Rennen) in diesem Jahr eingefahren und hält mit dieser Bestmarke natürlich völlig zu Recht die Führung in der Meisterschaft inne.

Etwas Boden konnte auch Jeff Gordon gutmachen, der die Indy-Top5 komplettierte. Bei noch 79 Punkten Rückstand auf Platz 10 in der Fahrerwertung hätte er sich aber vermutlich genauso wie Busch gerne einen Sieg abgeholt. Die entscheidenden Positionen verlor Gordon zwar bei den letzten Boxenstopps, jedoch verfügte er nicht über DAS Siegerauto wie Johnson.

Noch ein paar Randnotizen:

- Michael Waltrip Racing brachte alle Fahrer in die Top15 und lieferte dabei mit Martin Truex Jr (8.), Mark Martin (11.) sowie Clint Bowyer (15.) einen soliden Punktetag für die Chase-Qualifikation ab.

- Ryan Newman (7.) und Tony Stewart (10.) fuhren zwar Top10-Ergebnisse ein, traten aber so gut wie nicht in Erscheinung. Lediglich Lokalmatador Stewart kam als In-Race-Reporter für ESPN auf ein paar TV-Minuten.

- Kasey Kahne kam auf Platz 12 ins Ziel und hat mit seinen zwei Saisonsiegen weiterhin eine gute Ausgangsposition für die Playoff-Qualifikation.

- Vorjahressieger Paul Menard konnte das Rennen nur auf Rang 14 beenden, einen Platz hinter seinem Teamkollegen Kevin Harvick, der weiterhin einigermaßen sicher auf Chase-Kurs ist. Der dritte Fahrer im RCR-Bunde, Jeff Burton (32.), erlebte durch einen Reifenplatzer einen herben Rückschlag.

Der Rest vom Schützenfest vor den eher unterfinanzierten Teams bildete wieder einmal die Truppe von Earnhardt-Ganassi Racing: Juan Pablo Montoya (21.) und Jamie McMurray (22.) kamen geschlossen hinter der ebenfalls enttäuschenden Mannschaft von Richard Petty Motorsports ins Ziel, für die Aric Almirola (19.) und Marcos Ambrose (20.) nach zuletzt einigen guten Rennen nur gerade so die Top20 entern konnten. Die Probleme bei EGR sind aber bei weitem größer, auch wenn man davon ausgeht, im nächsten Jahr mit unveränderten Fahrer-Sponsoren-Paarungen antreten zu können.

Was das Team – eigentlich nicht erst – seit der kompletten Umstrukturierung in der Winterpause aufbietet, ist bei den eigenen eher hohen Ansprüchen nur noch peinlich! Wenn Chip Ganassi nicht bald einen Weg findet, in der NASCAR eine ähnliche Leistung abzuliefern wie bei den IndyCars, dann kann er den Laden auch dicht machen. Gerade erst letzte Woche lamentierte man noch von sichtbaren Verbesserungen, doch dieses Gerede kann ich so langsam einfach nicht mehr ernst nehmen. Teresa Earnhardt erscheint ja schon länger nicht mehr als Owner der #1, vielleicht gibt es innerhalb des Teams auch größere Spannungen, die jeglicher guter Moral und Motivation völlig entgegenwirken.

Im Vergleich dazu eher kleinere Probleme gibt es auch weiterhin bei der NASCAR und den Zuschauerzahlen, denn die Tribünen am Indianapolis Motor Speedway waren am Wochenende ja nun wirklich beachtlich leer. Dazu muss man allerdings sagen, dass die Strecke weit über eine Viertelmillion Besucher fassen kann. Je nach Tribünenkonfiguration gibt es da Aussagen, die von bis zu 400.000 Zuschauerplätzen sprechen. Somit dürften am Sonntag zum Cup-Rennen vermutlich noch mindestens 100.000 Menschen vor Ort gewesen sein, was auf vielen anderen Ovalen ja schon ein volles Haus bedeutet. Trotzdem empfand ich gerade am Brickyard die wenig gefüllten Tribünen etwas befremdlich.

Die gesamten offiziellen Ergebnisse können hier inklusive weiterer Statistiken noch einmal bei Jayski.com nachgeschaut werden. Zum Abschluss folgt wie gewohnt die Übersicht zu den Punkteständen bei den Fahrern und in der Owner-Wertung (Achtung: Alles PDF-Dateien!).

american-ethanol-green-flag-brickyard-2012 carl-edwards-nascar-brickyard-2012 nascar-start-brickyard-2012 nascar-the-band-perry-brickyard-2012 chad-knaus-jimmie-johnson-daughter-brickyard-2012 dale-earnhardt-jr-pit-stop-brickyard-2012 jeff-burton-brickyard-2012 jimmie-johnson-verticle-victory-lane-brickyard-2012 jimmie-johnson-victory-lane-brickyard-2012 kyle-busch-brickyard-2012 jimmie-johnson-burnout-brickyard-2012 jimmie-johnson-kisses-bricks-brickyard-indy-2012 jimmie-family-kisses-bricks jimmie-johnson-team-kisses-bricks joey-logano-spin-brickyard-2012

flattr this!

July 27 2012

06:15

NASCAR: Vorschau Indianapolis 2012

Die kurze Verschnaufpause zu Beginn der zweiten Saisonhälfte ist vorbei, ESPN übernimmt die Berichterstattung und nur noch sieben Rennen verbleiben den Piloten im „Race to the Chase“ auf dem Weg zu den Playoffs. An diesem Wochenende wildert die NASCAR dabei in fremdem Revier, wenn der legendäre Indianapolis Motor Speedway auf dem Programm steht.

Irgendwie erscheint es mir immer noch gewöhnungsbedürftig, wenn die NASCAR-Motoren auf dem weiten Areal des Indianapolis Motor Speedway aufheulen, denn eigentlich ist der traditionsreiche Kurs im Norden der USA absolutes IndyCar-Land – alleine der Name verrät es ja dann schon. Seit 1994 ist allerdings auch die aktuell größte und populärste Motorsport-Serie der Vereinigten Staaten auf dem 2,5-Meilen-Oval unterwegs und dass trotz seiner Länge nicht mit Restrictor-Plates! Der Grund dafür ist das für Stockcar-Verhältnisse ungewöhnliche Indy-Layout, denn ähnlich wie Pocono bietet Indianapolis ultralange Geraden und dazu vergleichsweise enge, nur gering überhöhte Kurven. Damit bekommen die Ingenieure wieder eine interessante Herausforderung im Ringen mit der Abstimmung, da man einen funktionierenden Kompromiss zwischen Abtrieb und maximaler Geschwindigkeit finden muss. Weiteres zur Strecke kann im oben verlinkten Artikel nachgelesen werden.

Die letzten neun Jahre haben klar gezeigt, dass die Teams mit Chevrolet-Befeuerung am besten für das Rennen aufgestellt sind/waren. Seit 2003 stand kein anderer Hersteller in der Indy-Victory-Lane, was ja schon für die Leistung der Motoren spricht. Wenn man dazu die letzten Rennen von Daytona und Talladega betrachtet, dann fällt auf, dass die Motorenbauer von Hendrick Motorsports sowie Earnhardt-Childress Racing Technologies immer besonders stark in Erscheinung treten, wenn viel Topspeed gefragt ist.

Das Team von Rick Hendrick gewann außerdem nicht weniger als vier dieser neun Ausgaben (3x Jimmie Johnson, 1x Jeff Gordon), wodurch Johnson (3) und Gordon (4) auch die Siegerlisten am Brickyard anführen, während die Saisons 2010 und 2011 dann mit Jamie McMurray und Überraschungsmann Paul Menard wieder zwei ECRT-angetriebene Wagen ganz vorne sahen. Generell hatte man den Eindruck, dass Earnhardt-Ganassi Racing sich auf dieser Strecke eigentlich nur selbst schlagen konnte. Juan Pablo Montoya hat das 2009 und 2010 eindrucksvoll bewiesen, als er beide Rennen an der Boxengasse wegen Speeding bzw. einer bescheidenen Reifenstrategie verlor.

Ebenfalls gut unterwegs in Indianapolis ist auch der Ex-IndyCar-Pilot Tony Stewart, welcher den Brickyard schon aus seinen frühen Jahren im Top-Motorsport kennt. Zwei Siege für (das damals noch mit Chevy-Power ausgerüstete Team) Joe Gibbs Racing zeigen aber gleichzeitig auch, dass die Mannschaft vom „Coach“ ebenfalls gut mit der Strecke klarkommt. Wie anfangs erwähnt, kam es in dieser Saison auf dem Pocono Raceway ja zudem schon einmal auf eine ganz ähnliche Abstimmungsarbeit an und dort gewann sehr überraschend ausgerechnet Joey Logano das Rennen.

Toyota hat in Indianapolis bisher allerdings noch kein einziges Cup-Rennen gewonnen, doch aufgrund der aktuellen Performance der japanischen Marke in Form von JGR und auch Michael Waltrip Racing sollte man dennoch nicht zu sehr auf einen Chevy-Sieg wetten. In diesem Zuge möchte ich auch noch auf Ford hinweisen, die ihren letzten Sieg auf dem Brickyard tatsächlich 1999 holten, was schon ein wenig überraschend ist. Der momentane Tabellenführer Matt Kenseth wird sich aber vermutlich gemeinsam mit seinem Teamkollegen Greg Biffle nicht daran stören, zumal die Aggregate von Roush-Yates jetzt auch nicht gerade als schwach bekannt sind. Das Sommer-Rennen von Daytona vermittelt da einen guten Eindruck von der aktuellen PS-Stärke!

Ganz andere Sorgen hat man ja derweil bei Penske Racing, wo nach der unbefristeten Suspendierung von AJ Allmendinger erneut Sam Hornish Jr die #22 pilotieren wird. (Hier noch eine kleine Info für Interessierte: Den Fall Allmendinger möchte ich an dieser Stelle nicht weiter aufgreifen und verweise daher auf unseren gestrigen Podcast, in welchem wir uns dem Thema bereits ausführlich gewidmet haben.) Ich könnte mir momentan lediglich bei Brad Keselowski vorstellen, die Kohlen für Dodge aus dem Feuer zu holen. Der letzte Sieg des unterrepräsentierten Herstellers liegt immerhin vergleichsweise nicht ganz so weit zurück und datiert aus dem Jahr 2002.

Bei Dodge kommt momentan dann das Problem dazu, dass man für 2013 noch nicht eine einzige Mannschaft unter Vertrag hat. Penske Racing hat bekanntlich bei Ford unterschrieben und Teamchef Roger Penske ist auch noch nicht sicher, ob er seine eigene Motorenabteilung nicht doch lieber verkaufen soll. Zumindest die Ford-Aggregate wird man bei Penske aber auf jeden Fall aus dem Hause Roush-Yates beziehen.

Bei nur noch sieben verbleibenden Rennen auf dem Weg zum Chase haben die Piloten außerhalb der Top10 nur noch sehr wenige Gelegenheiten, sich mit einer Fahrt in die Victory-Lane für eine der beiden Wildcards in Stellung zu bringen. Da Brad Keselowski als Zehnter in der Meisterschaft schon 46 Zähler Vorsprung auf den nachfolgenden Carl Edwards (2012 bisher ohne Erfolg) außerhalb des Cut besitzt, scheint eine Qualifikation für die Playoffs ohnehin fast nur noch über diese Anzahl der meisten Saisonsiege zwischen Platz 11 und 20 möglich.

Kasey Kahne hat sich vor zwei Wochen in New Hampshire mit dem zweiten Erfolg des Jahres wieder gut positioniert und hat jetzt solange Ruhe, bis entweder Brad Keselowski mit drei Siegen aus den Top10 fällt oder einer der nachfolgenden Piloten mit nur einem Saisonsieg (Kyle Busch, Ryan Newman und Joey Logano) den nächsten Sack zu macht. Bei Paul Menard, welcher sich mitten in diesem ganzen Getümmel befindet, glaube ich dagegen trotz Vorjahreserfolg nicht an mehr als – wenn überhaupt nur – eine 2012er-Fahrt in die Victory Lane.

Für alle Fahrer ab Jeff Gordon auf Platz 17 geht es dann ohnehin nur noch per Wildcard in den Chase und da muss man schon mal eben zwei der nächsten sieben Rennen gewinnen und zusätzlich noch hoffen, dass sich die Piloten vor einem nicht ihrerseits ein weiteres Mal in die Victory-Lane katapultieren. Wenn Gordon oder Juan Pablo Montoya sich mit zwei Siegen in – sagen wir – Indy und Watkins Glen noch für die Playoffs qualifizieren könnten, dann wäre das aber schon ein ziemliches Wunder.

Ich persönlich rechne damit, dass sich der Kampf um die letzten Chase-Plätze ausschließlich zwischen den Fahrern bis einschließlich Rang 13 abspielen wird, vielleicht mit Außenseiterchancen für Ryan Newman. Vor allem bin ich dabei auf Carl Edwards gespannt und ob er nach dem Crew-Chief-Wechsel endlich etwas zulegen kann.

Wie gut das Rennen selbst wird, muss man sehen: Normalerweise würde ich eine Prozession und viel Single-File-Racing erwarten, so wie es auf diesem Typ Strecke üblich ist. Doch da selbst Pocono in diesem Jahr gute Rennaction bieten konnte, bin ich mir da noch nicht so sicher. Viel wird von den Pneus abhängen, die Goodyear für das Oval mitbringt und da ist natürlich die Mischung „Holz“ sehr wahrscheinlich. Ein Reifendebakel wie 2008 möchte man sicher nicht riskieren…

Zum Abschluss folgen an dieser Stelle wie gewohnt noch die Links (PDF) zu den aktuellen Ständen in der Fahrer- und Owner-Wertung sowie die Entry-List und ein Zeitplan für das TV-Programm vom Wochenende.

Weil in diesem Rahmen auch noch ein Rennen der GrandAm-Serie ausgetragen wird, bleibt der Freitag NASCAR-frei. Die Trainingssitzungen der Nationwide Series fanden bereits am Donnerstag statt und ansonsten komprimiert sich der Fahrbetrieb größtenteils am Samstag. Die zweite Liga feiert dabei übrigens ihre Premiere auf dem großen Oval von Indianapolis, nachdem man zuvor lange Jahre den knapp 10 km entfernten Shorttrack namens Lucas Oil Raceway (Ex O’Reilly Raceway Park, Ex-Ex Indianapolis Raceway Park) besuchte.

Interessant ist die Platzierung der RaceBuddy-Logos auf NASCAR.com, die eine Verfügbarkeit des Zusatzservice sogar für das Cup-Qualifying ankündigen. Meiner Meinung nach ist das aber eine Fehlinformation, denn die beiden Logos für ESPN sowie RaceBuddy sind in diesem Fall eine einzige verbundene Grafikdatei und vermutlich lediglich falsch eingebunden. Die Crew von Turner Sports Interactive scheint ihrem Muttersender TNT hier gerade um nichts nachzustehen, mal sehen wie sich die Homepage im nächsten Jahr unter Eigenregie der NASCAR entwickelt. Was beim RaceBuddy noch dazu kommt, ist die teils sehr eigenwillige Belegung mit Geo-Blockierungen, welche auch eher zufallsgesteuert wirkt.

Ausstrahlungsdaten

Samstag, 28.07.
14:30 Uhr, Sprint Cup Series Practice, SPEED (TV um 15:30 Uhr)
16:30 Uhr, Sprint Cup Series Final Practice, ESPN2
18:30 Uhr, Nationwide Series Qualifying, SPEED
20:00 Uhr, Sprint Cup Series Qualifying, ESPN / RaceBuddy
22:00 Uhr, Nationwide Series Rennen (Indiana 250), ESPN / RaceBuddy

Sonntag, 29.07.
18:00 Uhr, Sprint Cup Series Rennen (Curtiss Shaver 400), ESPN / RaceBuddy / Motorvision TV

flattr this!

March 09 2012

07:14

NASCAR: Vorschau Las Vegas 2012

Die Spielermetropole Las Vegas in der Wüste von Nevada freut sich an diesem Wochenende auf den NASCAR-Tross und das dritte Saisonrennen des noch frischen Jahres. Damit steht auch der erste Auftritt eines 1,5-Meilen-Intermediate-Ovals an und da dieser Streckentyp im Kalender übermäßig stark vertreten ist, kann man den Sonntag schon als Kompass für 2012 bezeichnen.

Der aLas Vegas Motor Speedway rückt wieder in das Licht der Öffentlichkeit, nachdem das letzte Motorsport-Jahr auf selbigem Intermediate Oval leider einen sehr traurigen Abschluss fand. Was das Fahrverhalten der IndyCars ziemlich verheerend beeinflusste, wird das NASCAR-Rennen am Sonntag allerdings vermutlich wieder recht ansehnlich gestalten: Das progressive Banking von ungefähr 20° sorgt dafür, dass auf dem ersten 1,5-Meiler in dieser Saison mehrere gleichwertige Fahrspuren nebeneinander existieren können. Wenn das Auto die bekannten Schläge der leicht welligen unteren Spur nicht so gut wegsteckt, dann geht es auch oben an der Mauer noch schnell entlang – oder eben einfach in der Mitte.

Nachdem das nicht so aussagekräftige Restrictor-Plate-Rennen in Daytona und die Fahrt auf der erst kürzlich umgebauten Bahn in Phoenix noch keine wirklich interessanten Prognosen für die diesjährige Performance der Teams ermöglichten, dürfte das an diesem Wochenende beim dritten Saisonrennen ein wenig anders sein: Las Vegas ist nämlich das erste 1,5-Meilen-Intermediate-Oval im 2012er-Kalender und traditionell folgen im Laufe des Jahres noch überproportional viele weitere Rennstrecken mit einem sehr ähnlichen Charakter. Das Rennen am Sonntag ist also ein erster Kompass für die Kräfteverteilung auf den so wichtigen Cookie-Cuttern, die immer noch ein Drittel aller Cup-Läufe pro Jahr ausrichten.

Michigan und Fontana habe ich allerdings aus dieser Rechnung herausgelöst, denn auf den 2-Meilen-Ovalen gelten noch wieder andere Gesetze, wie die jahrelange Ford-Dominanz auf den beiden Strecken beweist, während Jimmie Johnson die 1,5-Meiler als sein Wohnzimmer bezeichnen durfte. Eben dieser Johnson hält auch die Bestmarke in puncto Anzahl der Las-Vegas-Siege: Ganze vier Mal holte sich der Dauermeister als Erster die schwarz-weiß-karierte Flagge ab, jedoch waren die ersten drei davon zwischen 2005 und 2007 noch bei den letzten Auftritten des alten Cup-Wagens.

Die bisher vier CoT-Rennen seit 2008 entschieden Carl Edwards (2008 und 2011), Kyle Busch (2009) und Jimmie Johnson (2010) für sich, wobei Edwards‘ Erfolg im Vorjahr gleichzeitig auch sein einziger Saisonsieg war. Traditionell wechseln sich die Ford- (7x) und Chevrolet-Teams (5x) in der Wüsten-Victory-Lane ziemlich regelmäßig ab, während Toyota erst ein Mal zum Zuge kam, als eben Kyle Busch sein Heimrennen gewann. Interpoliert man diesen Trend in die Zukunft und mixt ein wenig Daytona sowie Phoenix dazu, dann vermute ich die Ford-Truppe von Roush-Fenway Racing am Sonntag als tonangebend:

Greg Biffle fuhr in den ersten beiden Saisonrennen in die Top5 und möchte diesen Trend auch gerne fortsetzen, während Matt Kenseth das Daytona 500 gewann. Carl Edwards hat zwar noch etwas Nachholbedarf, aber dafür die bessere Las-Vegas-Statistik.

Im Team von Richard Petty Motorsports empfand ich die Performance von Marcos Ambrose in den ersten beiden Rennen als wirklich sehr stark. Leider konnte er weder in Daytona noch in Phoenix aufgrund nicht selbstverschuldeter Umstände ein eigentlich verdientes Top5-Resultat abholen.

Auf Toyota-Seite werden Phoenix-Sieger und Tabellen-Spitzenreiter Denny Hamlin und sein Teamkollege Kyle Busch nachlegen wollen, wobei sich auch hier die Kräfteverteilung wie beim Team von Jack Roush etwas ungewohnt verteilt. Ausgerechnet der letztjährige Last-Minute-Chaser Hamlin liegt mit zwei Top10s in zwei Saisonrennen vorne.

Außerdem haben Mark Martin und Martin Truex Jr für Michael Waltrip ziemlich gute Ergebnisse eingefahren und können vielleicht in Las Vegas den Aufwärtstrend der Mannschaft bestätigen; einzig Ebenfalls-Neuankömmling Clint Bowyer schwächelt noch etwas.

Ein Wechsel der Blickrichtung hinein ins Chevy-Lager sieht Kevin Harvick (3.) derzeit am weitesten vorne in der Punktetabelle, wobei er seit Saisonbeginn seine beiden Teamkollegen klar im Griff hatte.

An letzter Stelle komme ich heute auf Hendrick Motorsports zu sprechen, die einen wahrhaft katastrophalen Start in die Saison erwischt haben. Um der Tatsache dann noch die Krone aufzusetzen, ist ausgerechnet Dale Earnhardt Jr  (4.) derzeit der beste Fahrer des Teams! Jedoch konnte er nur in Daytona überzeugen, während er in Phoenix nicht über das vordere Mittelfeld hinauskam. Im Vergleich zum Rest vom Hendrick-Schützenfest sind das aber wahre Glanzlichter, denn Jeff Gordon (22.), Kasey Kahne (32.) und vor allem Jimmie Johnson (37.) – nach dem Daytona-Unfall und seiner Strafe – rangieren derzeit abgeschlagen außerhalb der Top20.

Spätestens am Sonntag wird sich dann also zeigen, ob der festgestellte Trend anhält oder sich die Vorzeichen wieder umkehren. Genau wie bei den Top35 der Owner-Punkte muss man aber auch der Fahrertabelle ein paar Rennen lassen, bis sich die erste Aufregung gelegt hat. In der NASCAR kann in zwei Wochen schon wieder alles ganz anders aussehen. Spannend wird auch der erste Rennauftritt des Fuel-Injection-Pakets auf einem Intermediate-Oval anzuschauen sein, denn im kompetitiven Umfeld abseits der Testfahrten hat das EFI ja schon erste Schwächen offenbart, die es seitens der Hersteller nun zu lösen gilt.

Zum Abschluss folgen an dieser Stelle wie gewohnt noch die Links (PDF) zu den aktuellen Ständen in der Fahrer- und Owner-Wertung sowie die Entry-List und ein Zeitplan für das Wochenende:

Das Rennen beginnt am Sonntagabend bereits eine Stunde früher als bei den Westküsten-Rennen gewohnt, weil die Amerikaner ihre Uhren schon an diesem Wochenende eine Stunde vor stellen. Da wir erst am 24./25. März nachziehen, findet auch das nächste Rennen in Bristol schon um 18 Uhr statt.

Ausstrahlungsdaten

Freitag, 09.03.
19:30 Uhr, Nationwide Series Practice, SPEED
21:00 Uhr, Sprint Cup Series Practice, SPEED
23:00 Uhr, Nationwide Series Final Practice, SPEED
00:30 Uhr, Sprint Cup Series Qualifying, SPEED

Samstag, 10.03.
18:30 Uhr, Sprint Cup Series Practice, SPEED
19:30 Uhr, Nationwide Series Qualifying, SPEED
21:00 Uhr, Sprint Cup Series Final Practice, SPEED
23:00 Uhr, Nationwide Series Rennen (Sam’s Town 300), ESPN2

Sonntag, 11.03.
20:00 Uhr, Sprint Cup Series Rennen (Kobalt Tools 400), FOX

No related posts.

flattr this!

March 08 2012

16:52

WTCC: Saisonvorschau 2012

Die WTCC startet dieses Wochenende schon in ihre neue Saison. Nach den offenen Chevyopen letztes Jahr sieht es dieses Jahr leider nicht viel besser aus. Das Positive ist aber, dass wieder mehr Werke in die Serie drängen.

Kalender und Regeländerungen:

Doch zunächst zu ein paar allgemeinen Sachen. Allem vorran der Kalender der diesjährigen WTCC-Saison:

1.  10/11 März  Monza  Autodromo di Monza 2.  31 März/01 April  Valencia Circuit Ricardo Tormo 3.  14/15 April  Marrakesch  Circuit de Marrakech 4.  28/29 April  Slovakei  Slovakia Ring 5.  05/06 Mai  Budapest  Hungaroring 6.  19/20 Mai  Salzburg  Salzburgring 7.  02/03 Juni  Estoril  Circuito do Estoril 8.  21/22 Juli  Curitiba  Autódromo Internacional de Curitiba 9.  22/23 September  Sonoma  Infineon Raceway 10.  20/21 Oktober  Suzuka  Suzuka East Circuit 11.  03/04 November  Shanghai  Shanghai International Circuit 12.  16/18 November  Macao  Circuito da Guia

12 Rennen auf 5 Kontinenten wird man bestreiten, 6 davon in Europa. Eine gute und ansprechende Mischung für eine Weltmeisterschaft, auch wenn es gerne 2 Rennen mehr seien dürften. Das Problem ist, dass die WTCC dann in Logistikprobleme kommt, da einem natürlich nicht die Transportmöglichkeiten der Formel 1 zur Verfügung stehen. So sieht der Kalender rein von Daten her leider etwas komisch aus mit 8 Rennen in 5 Monaten und die restlichen 4 Rennen in 4 Monaten. Die großen logistisch bedingten Pausen am Ende des Kalenders lassen das Ganze immer ein bisschen zäh und zusammenhangslos wirken.

Starten wird man die Saison in Monza dieses Wochenende, danach bringt man den Spanienbesuch hinter sich, den jede Serie macht. Die gute Nachricht ist man fährt nicht in Barcelona sondern in Valencia, und dort auch nicht auf dem unsäglichen Stadtkurs, obwohl der vielleicht für Tourenwagenrennen gar nicht so schlimm wäre, sondern die Strecke, wo auch die MotoGP ihre Rennen absolviert. Das Motorland Aragón hätte mir zwar besser gefallen, aber Hauptsache man sieht mal nicht Barcelona. Danach geht man nach Marrakesch und da muss man fragen: Warum?. Der letzte Marrakesch Auftritt war sowohl mit der damaligen Begleitserie Formel 2, als auch mit den Tourenwagen ein mittelschweres Desaster, da die Streckenposten ewig brauchten, um verunfallte Fahrzeuge von der Strecke zu kriegen. Bei der kurzen Rennlänge der WTCC laufen dann ganz schnell Großteile des Rennens unter gelb ab. Zu der Verteidigung der Streckenposten muss man sagen, dass die WTCC-Piloten bei ihrem letzten Auftritt auf dem Stadtkurs auch echt Schrott am laufenden Band produziert haben. Aber dann war da auch unter anderem noch, die nicht funktionierende Ampelanlage…

Nach Marrakesch wollte man eigentlich nach Argentinien, blos dieses Rennen kam nicht zu Stande. weswegen man den Slovakia Ring als Ersatzstrecke gewählt hat. Danach geht man auf den immer noch als Micky-Maus-Kurs verschrienen Hugaroring, obwohl die Rennen dort eigentlich nie so schlecht sind. Der Salzburgring und Estoril bilden den Abschluss des Europateils des Kalenders. Sehr schade ist das Fehlens eines Rennens in Deutschland, ebenso wie es kein Rennen in Frankreich und England gibt. Nach Estoril setzt man über nach Brasilien und fährt in Curitiba und danach und das ist sehr erfreulich in Sonoma. Somit hat man es geschafft einen Nordamerikaauftritt auf einer nicht uninteressanten Strecke zu organisieren. Man verlässt Amerika dann Richtung Asien, fährt in Suzuka und in Shanghai. Dort zum Glück auf der Grand-Prix-Strecke und nicht auf der Kartbahn, auch wenn leider wieder kaum Zuschauer da sein werden. Den Abschluss der Saison bildet wie jedes Jahr das Destruction-Derby in Macao.

Zur neuen Saison gibt es auch einige Regeländerungen, hier die Wichtigsten: Die Rennen sind jetzt wenigstens 10 Kilometer länger (60 Kilometer). Dies ist nur zu begrüßen, auch wenn 75 oder gar 100 Kilometer vielleicht ein vernünftigerer Ansatz wären. Es gibt jetzt Punkte fürs Qualifing und zwar 5 für den Bestplatzierten, 4 für den Zweitplatzierten und so weiter, ist keine große Änderung, wertet das Qualifying aber nochmals auf. Außerdem kommen nun 12 statt 10 Fahrern in Q2. Die Startaufstellung für Rennen 2 bestimmt sich nun nich tmehr nach der umgekehrten Reihenfolge von Q1 sondern nach der von Q2. Es können nur noch Wagen Q2 erreichen, die in der Meisterschaft eingetragen sind, also Meisterschaftspunkte sammeln. Desweiteren verteilt die WTCC weiterhin Karten, nun gilt: Wer 2 statt 3 Mal wegen fahrerischen Vergehen auf der Strecke bestraft wird, muss beim nächsten Rennen 10 Plätze nach hinten. Ursprünglich hieß es, dass man nur noch einen Motor für die ganze Saison verwenden darf, dies wurde jedoch vermutlich auf Bestreben von Ford und Seat dahin geändert, dass man bis zum Hungaroring seinen Motor strafenfrei wechseln darf. Zuletzt wird es ab diesem Jahr auch in der WTCC wie in der Formel 1 einen “Fahrersteward” geben.

Die Hersteller:

Chervrolet: Nachdem nicht unüberraschend erfolgreichem Jahr 2011 kehrt Chevrolet auch 2011 wieder werksseitig zurück in die Serie. Zwischen den Zeilen hat man in Interviews immer wieder herausgehört, dass man den großen Erfolg, den man hat natürlich begrüße, aber aus Marketinggründen einige andere Werke doch wünschenswert wären, ansonsten könnte man darüber nachdenken, sein Engagement etwas zurückzufahren. Weitere Werke werden wohl kommen, weswegen Chevrolet sich wohl entschied, auch dieses Jahr mit 3 Autos anzutreten. Es gab sogar Gerüchte, dass man ein 4. Auto für Alex MacDowall einsetzen könnte, letzendlich blieb man jedoch bei 3 Wagen. Von Seiten der FIA hat man sich gedacht, dass man um die Chevrolets etwas einzubremsen ihr Mindestgewicht um 30kg erhöht, was eine ganze Menge ist. Später hat FIA da nochmal drüber geschaut. und lediglich 10kg raufgepackt. Ob das reicht, wird man sehen müssen. Im Gegensatz zum letzten Jahr hat sich technisch wenig getan, die Werkschevrolets werden mit neuen Aufhängungen und einem leicht überabeitetem Motor an den Start gehen. Desweiteren verschwindet die Landesflagge des jeweiligen Fahrers vom Dach und die Lackierung wurde etwas überabreitet, so dass die Autos jetzt etwas schnittiger wirken.

Seat: Weiterhin unterstützt Seat nur, allerdings mehr als im letzten Jahr. Man hat sich im Winter vor allem auf das eine große Problem konzentriert: Den Motor. Dieser wird jetzt nicht bei dem mit Seat eng verbundenem SunRed-Team gebaut, sondern bei Seat selbst. Damit will man einen Flop wie das verspätete Auftauchen des neuen Motors letztes Jahr, der dann nichtmal mehr besonders konkurrenzfähig war, vermeiden. Der neue Motor soll bei den Testfahrten wohl erstaunlich gut und zuverlässig gelaufen sein. Eventuell will sich Seat ab 2013 wieder komplett werksseitig engagieren, sicher ist man sich da aber noch nicht.

BMW: Kaum neues aus dem Hause BMW, sogar eher schlechte Nachrichten. War der BMW 320 zu seiner Blütezeit vor 3-5 Jahren in vielen Rennserien einsetzbar und DAS Kundenauto, ist dies heute nicht mehr so. Einige Serien verabschieden sich vom S2000 Reglement und verlangen Fahrzeuge auf GT-3 Basis, weswegen BMW viel Energie in den Z4 setzt. Dennoch möchte man die Kundenteams, die den 320 TC einsetzen, natürlich bestmöglich betreuen. Die Eindrücke des ebenfalls leicht überarbeitetem Motors bei den Tests waren wohl eher so mittelmäßig, es dürfte ein schweres Jahr für die BMW-Teams werden.

Honda: Sehr erfreuliches gibt es von Honda zu berichten. Überraschend gaben die Japaner bekannt, dass man werksseitig mit dem JAS Motorsportteam ab 2013 mit 2 Honda-Civic in die WTCC einsteigen wird. Geplant ist im Moment sogar schon als Gasstarter bei den Asienrennen zum Ende der Saison anzutreten. Für das WTCC-Programm wird man natürlich einen neuen 1,6l-Turbomotor nach dem neuen Reglement entwickeln. Ein ganz wichtiger Schritt für die WTCC, die in Asien ziemlich beliebt ist und somit endlich mit Sicherheit einen weiteren namhaften Hersteller bekommt.

Ford: Ford steigt dieses Jahr erfreulicherweise auf privater Ebene in die WTCC ein. Mit Hilfe von Mountune Racing hat man einen Motor nach aktuellem Reglement konstruiert und finanziert, der vom Einsatzteam Aon Motorsport ausgiebig getestet und für gut befunden wurde. Im Vergleich zur BTCC Version des Ford Focus hat man dem Auto ein neues Bodywork und eine neue Aufhängung verpasst, mit dem Verlauf der Tests war man sehr zufrieden. Vielleicht findert Ford ja soviel Spaß an der WTCC, dass man sich für einem Werkseinsatz entscheidet…

Lada: TMS wird als privates Team dieses Jahr mit starker Unterstützung von Lada 2 Rennwochenenden bestreiten, jenes am Hungaroring und das in Estoril. Eingesetzt wird der neue LADA Granta Sport, der ab April ausgiebig getestet werden soll. Allerdings hat man momentan ziemliche Probleme bei der Entwicklung, die FIA lehnte unter anderem einen Antrag zur Verbreiterung des Radstandes ab. Sollten die beiden Rennen gut laufen, denkt man wohl über ein werksseitiges 3-Jahres-Engagement nach. Entsprechende Vorverträge mit Fahrer James Thompson sind anscheinend geschlossen.

Volvo: Die schlechtesten Nachrichten diesen Winter kamen doch etwas überraschend von Volvo. Diese ziehen nämlich ihre Unterstützung für das Einsatzteam Polestar komplett zurück. Dies ist nach einer doch recht vielversprechenden Saison 2011, die man ja komplett bestritt ziemlich merkwürdig. Grund dafür ist laut Volvo schlicht und ergreifend der, dass man das falsche Auto für die WTCC gebaut hat. Der C30 ist nicht mehr das Auto, welches Volvo promotet sehen möchte, statt dessen setzt man auf den S60, den es aber nicht in einer S2000 Version gibt. Diesen möchte man in Rennserien im skandinavischen Raum einsetzen. Insgesamt mehr als schade das Ganze.

Die Teams und Fahrer:

Man wird bei jedem Rennen weit über 20 Fahrer am Start haben, was ein sehr ansehnliches Starterfeld ist. Hier ein Überblick über die Teams und Fahrer:

Chevrolet-Werksteam: Die Meistertruppe vom letzten Jahr tritt mit einem unverändertem Aufgebot an Fahrern an, Menu, Huff und Muller. Viel muss man zu dem Team nicht sagen, sehr starkes Line-up an Fahrern, wohl den besten Wagen, hier fahren die Titelaspiranten und es muss eigentlich erwartet werden, das am Ende des Jahres diese Autos am Ende des Jahres in der Meisterschaft auf den Plätzen 1, 2 und 3 landen. In welcher Reihenfolge muss sich noch herraus stellen.

Chevrolet Team Schweden: Sowas wie ein vierter veralteter Werkswagen, den Chevrolet hier einsetzt, allerdings keinesfalls die ganze Saison. Fahrer Rickard Rydell wird einen 2011-er Chevrolet-Werkswagen bekommen. Rydell und das Chevrolet Team Schweden kommen aus der STCC, dort sind sie Titelverteidiger. Das Team möchte mal schauen was in Monza so geht und dann eventuell die Rennen, die nicht mit der STCC kollidieren ebenfalls fahren (Rydell kann keine Punkte in der Privatfahrerwertung holen).

Bamboo-Engineering: Mit neuen Wagen und neuer Fahrerpaarung geht Bamboo-Engineering in die Saison. Man wird 2 neue Kunden-Chevrolet-Cruz mit den neuesten Updates fahren. Als Fahrer hat man Pasquale Di Sabatino und Alex MacDowall gewinnen können. Nie von den beiden gehört?  Pasquale Di Sabatino kommt aus dem Formelsport, ist letzte Saison AutoGP gefahren und wurde dort sehr unauffälliger Gesamtzwölfter. Wesentlich erfolgsversprechender klingt da schon Alex MacDowall, der aus der BTCC kommt und dort für Chevrolet fuhr. Er konnte dort einige Podien erreichen, auf ihn wird zu achten sein.

Sunred-Engineerig: Auch Sunred-Engineering ist natürlich wieder dabei. Als Fahrer hat man Andrea Barlesi und Fernando Monje verpflichtet. Andrea Barlesi gewann vorletztes Jahr immerhin die Formla Le Mans und fuhr letztes Jahr in der LMS. Fernando Monje kommt aus den Formel 3 Open, wo er letztes Jahr 15. in der Gesamtwertung wurde. Das ist jetzt nicht das beste Lineup. Einsatzfahrzeug ist ein neuer Seat-Léon mit dem neuem Motor.

Tuenti Racing Team: Das Tuenti Racing Team ist das Schwesterteam von Sunred. Fahrer sind Tiago Monteiro und Pepe Oriola. Oriola fuhr letztes Jahr eine mittelprächtige Debutsaison und wurde 18. in der Gesamtwertung, aber der Junge ist ja auch erst 17. Über Routinier Monteiro muss man keine Worte mehr verlieren, bei einem günstigem Rennen ist vielleicht ein Sieg für das Team mit ihren Seats drin (Monteiro kann keine Punkte in der Privatfahrerwertung holen).

Lukoil Racing Team: Das eng mti Seat zusammenarbeitende Lukoil Racing Team ist jenes Seat-Team, welches am siegfähigsten aussieht. Fahrer sind Gabriele Tarquini und Aleksei Dudukalo. Lukoil ist eine russische Ölfirma, die viel Geld investiert und deshalb auch viel Support von Seat bekommt. Dieses Jahr möchte man richtig angreifen, es gibt sogar Gerüchte, dass man nächstes Jahr das Werksteam von Seat werden könnte. Dudokalo lieferte eine schwache erste Saison ab und holte letztes Jahr nur 4. Punkte, während Routinier Tarquini natürlich immer für gute Rennen zu haben ist (Tarquini kann keine Punkte in der Privatfahrerwertung holen).

Zengo Motorsport: Die Truppe ist auch dieses Jahr wieder dabei. Man hat es sogar geschafft, ein zweites Auto zu finanzieren. Neben Norbert Michelisz wird Gábor Wéber einen der beiden BMW 320 TC pilotieren. Michelisz wurde starker 9. letztes Jahr, während Wéber mit ganz ansprechenden Ergebnissen aus dem Seat Leon Supercopa kommt.

Team Engstler: Das sympathische Team geht wieder mit 2 Wagen, natürlich BMW’s an den Start, gefahren von Franz Engstler und Charles Kaki Ng. Ng kommt aus dem Tourenwagensport in Asien und fährt nun seine erste volle WTCC-Saison, über Engstler sollte alles bekannt sein. Vielleicht schafft man es wieder, die großen Blauen zu ärgern und ein oder zwei Siege einzufahren, ansonsten geht es um die Privatfahrerwertung.

Roal Motorsport: Wieder wird man bei Roal Motorsport auf 2 BMW 320 TC setzen. Am Steuer werden Tom Coronel und Alberto Cerqui sitzen. Tom Coronel wird wohl neben der Engstler der BMW-Fahrer sein, der am ehesten mal für einen Sieg gut ist. Alberto Cerqui ist allerdings nicht zu unterschätzen, er steigt als Meister der italienischen Superstars Series auf. Dort fuhr er auch schon für das Roal-Team (Coronel kann keine Punkte in der Privatfahrerwertung holen).

Proteam-Racing: Das Team setzt leider nur noch 2 Autos statt 3 wie letzte Saison ein. Mehdi Bennani bekommt wieder eines der Cockpits, er wurde letzte Saison 16. den zweiten BMW bekommt Isaac Tutumlu. Jener hat ein paar Einsätze in der Superstars Series und dem Porsche Super Cup hinter sich, die Ergebnisse des Spaniers waren jedoch eher unspektakulär.

Wiechers-Sport: Auch Wiechers-Sport wird man in der WTCC sehen. Man tritt mit einem BMW an, diesmal wieder pilotiert von Stefano D’Aste. D’Aste ist sicherlich besser als das “Experiment” Urs Sonderegger, bei dem Weichers-Sport ja schon Mitte der letztes Saison die Reißleine zog.

Team-Aon: Die beiden Fords dieses Jahr werden von Team Aon eingesetzt. Das Team kommt aus der BTCC und bringt auch gleich 2 britische Fahrer mit, nämlich Tom Chilton und James Nash. Die beiden sind echte Topfahrer, waren beide Privatchampions in der BTCC. Auf das Team wird man achten müssen. James Nash ist ein heißer Anwärter für den Titel in der Privatfahrerwertung (Chilton kann keine Punkte in der Privatfahrerwertung holen).

Special Tuning Racing: Das Team wird 2 Seats einsetzen und kommt ebenfalls aus der BTCC. Fahrer werden  Tom Boardman und Darryl O’Young sein. Tom Boardman ist Miteigentümer des Teams, und konnte in der BTCC gute Ergebnisse abliefern. O’Young wurde 14. in der letzten Saison und hat die 12h von Bathurst in diesem Jahr gewonnen, man sollte ihn also nicht unterschätzen.

TV-Übertragung:

Nicht viel Neues an dieser Stelle. Eurosport beziehungsweise Eurosport 2 werden wieder das Qualifying (teilweise) und beide Rennen live übertragen. Die Übertragungszeiten werden wohl wieder so variieren, wie sie Eurosport am besten in ihren am Wochenende mit Livesport befülltem Programmplan passen. Dafür bitte jedes Wochenende unsere Tv-Termine beachten. Kommentiert werden die Rennen wieder von Dirk Adorf und Uwe Winter, neu stößt Christian Menzel hinzu, der sich mit Dirk Adorf abwechseln wird.

Dieses Wochendende: 

Etwas untypisch für die WTCC beginnt die Saison dieses Jahr nicht in Übersee, sondern in Europa auf dem Hochgeschwindigkeitskurs von Monza. Bei der Starterliste gibt es zwei kleine Besonderheiten: Fernando Monje wird für Sunred noch nicht am Start seien, da er für das Team in der ETCC antritt, dafür fährt Rickard Rydell für das Chevrolet Team Schweden einen Einsatz, der als Test für ein eventuell weiterführendes Engagement herhalten soll (s.o.).

Zu Monza an sich als Strecke muss man nicht viel sagen. Es ist ein reines Hochgeschwindigkeitsrennen, bei der WTCC mit ihren 60 Kilometern Renndistanz ist das ein eher kurzers Vergnügen. Es wird alles von den Motoren abhängen, vorallem davon wie gut der Seat und Ford-Motor ist. Letztes Jahr hat Rob Huff beide Rennen gewonnen, die Blauen sind aber auch dieses Wochenende auf alle Fälle Favourit. Es sollen angenehm-sonnige 15 Grad werden.

 

 

No related posts.

flattr this!

March 04 2012

17:29

Formel Eins: Testfahrten Barcelona 04.03.2012

Red Bull steckt vielleicht in größeren Problemen, als man bisher angenommen hat. Heute war wieder kein sehr guter Tag für das Weltmeisterteam.

Die neuen Updates, die gestern mit dem neuen Chassis das erste Mal ausprobiert wurden, sind schwer einzuschätzen. Einige Beobachter, wie im vorherigen Artikel schon beschrieben, sehen eine clevere Lösung, die man angebracht hat. Offenbar hat sich Newey auch von der Auspuffführung des Sauber und des McLaren inspirieren lassen. Aber merkwürdig ist dieser Totalumbau des Hecks schon, so zwei Tage vor Schluss der Tests. Dazu kam dann heute noch ein kleiner Ausflug von Vettel ins Kiesbett und ein Getriebeproblem. Beides kostete das Team fast den gesamten Tag, was ein ziemlicher Rückschlag sein dürfte. Weil nun auch Daten fehlen, darf man gespannt sein, welche Variante des RB8 in 14 Tagen in Melbourne an den Start gehen wird. Man dürfte bei Red Bull einiges an Arbeit vor sich haben.

Wobei man aber nicht vergessen sollte, dass der RB8 bisher sehr schnelle und vor allem konstante Zeiten gezeigt hat. Auf den Longruns sah der RB8 schon vor dem Umbau wie der Wagen aus, den es zu schlagen gilt. Immerhin bringt man aus dem letzten Jahr ein guten Vorsprung mit, den andere Teams nicht so leicht aufholen dürften. Aber die Änderungen im Heck und beim Mapping der Motoren sind offenbar gravierender, als gedacht. Dazu kommen die neuen Pirelli-Mischungen, die ebenfalls einen Effekt haben könnten.

Die Frage ist, warum Red Bull das Heck und die Abgasführung so spät noch komplett umgebaut hat. Das es ein geplantes Update war, kann ich mir nicht vorstellen, vieles deutet darauf hin, dass man mit sehr heißer Nadel gestrickt hat. Da es heute und gestern keine aussagekräftigen Zeiten des Teams gab, ist es schwer, etwas genaueres zu sagen. Das aber ein Vettel während eines Tests mal durchs Kiesbett fegt, ist dann schon bemerkenswert.

Auch McLaren hat am Wochenende neue Updates mitgebracht. Man spricht von der “Melbourne-Aerodynamik”, was darauf schliessen lässt, dass man in diesem Jahr ein gewaltiges Tempo bei der Entwicklung vorgeben wird. Im letzten Jahr war man durch die Probleme mit dem Unterboden lange gehandicapt, in diesem Jahr läuft der Wagen direkt richtig gut. Die Zeiten sehen gut, aber vor allem der Reifenverschleiss ist ziemlich gering. Jenson Button fuhr heute etliche, sehr imposante Longruns. Ein Beispiel:

Button:
29.2, 29.3, 29.3, 29.6, 30.0, 30.0, 30.4, 30.6, 31.3

Ein weiterer:
29.7, 29.4, 29.8, 29.8, 29.9, (31.5), 30.3, 30.5, 30.8, 31.1, 31.3

Auffallend ist der gleichmäßige Drop-Off der Zeiten, es geht beständig, aber in kleinen Schritten nach unten und oder der Zeitverlust hält sich einigermaßen in Grenzen, auch wenn der Red Bull in der Disziplin vor dem Umbau etwas besser aussah. Bei McLaren ist man jedenfalls sehr zufrieden und man sieht sich in einer guten Position für die ersten Rennen. Ob man sogar die Nase vor Red Bull hat, ist schwer zu beantworten. Zeitweise konnte man zumindest das Gefühl haben, dass zwischen beiden Teams nur wenige Zeitsppäne liegen. Wenn man den guten Speed des McLaren nimmt, den niedrigen Reifenverschleiss und einen Fahrer wie Button, der mit so einem Wagen sehr konstante, schnelle Runden hinlegen kann und später an die Box kommt, dann dürften die Siegchancen für McLaren richtig groß sein.

Ferrari einzuschätzen fällt auch am Ende der Testwochen sehr schwer. Einerseits hat man die anfänglichen Probleme wohl in den Griff bekommen, andererseits scheint man den F2012 immer noch nicht komplett verstanden zu haben. Das austüfteln der Abstimmung dauert lange, ebenso hat man mit der Position des Auspuff experimentiert, was auch kein so gutes Zeichen ist, wenn es denn nicht geplant war. Die Probleme des Ferrari sind zumindest sichtbar: Zu wenig Abtrieb, zu viel Reifenverschleiss. Ferrari fuhr in den letzten Tagen mit den neuen Updates keine richtigen Longruns mehr, deswegen ist ein Vergleich schwer zu ziehen. In der englischen Presse geht man davon aus, dass der F2012 langsamer ist, als man denkt. Dafür spricht auch der Maulkorb, den Ferrari seinen Fahrern verpasst hat. Durchgesickert ist wohl, dass der neue Wagen zunächst (mal wieder) nicht in Top 3 Form ist.

Bei Mercedes hatte man sehr produktive Testwochen. Auffallend waren zwei Dinge: Der Wagen ist deutlich schneller geworden, die Fahrer beklagten sich kaum und vor allem gab es mit dem neuen Wagen, obwohl man den Jerez-Test mit dem alten Modell bestritt, keinerlei technische Probleme. Sorgen macht man sich aber über den Reifenverschleiss, denn hier ist man deutlich im Hintertreffen. Mit den weichen Reifen verliert man in 10 Runden so um die 2.5 Sekunden.

Ein Beispiel von Schumacher:
22.9, 24.8, 25.1, 25.3, 25.5, 25.7, 25.7

Das ist einfach zu viel, wenn man bedenkt, dass man die Supersoft vor allem für kurze, schnelle Stints einsetzen möchte. Bei den anderen Mischungen sieht es besser aus, aber auch nicht gut. Nun wird man abwarten müssen, wie sich der Wagen auf welchen Belägen und bei unterschiedlichen Temperature wie verhält, aber die Vergangenheit hat gezeigt, dass Team die entweder auf der einen (zu viel) oder der anderen Seite (zu wenig) beim Reifenverschleiss standen, das Problem auch über die Saison selten in den Griff bekommen haben. Aber einen deutlichen Schritt nach vorne sollte man gemacht haben.

Schnell sieht auch der Lotus aus, denn Räikkönen legte heute eine Bestzeit hin. Und gleich die schnellste Zeit, der gesamten Testwoche. Schön für den Finnen, aber nicht sehr glaubhaft. Kimi dürfte, bei allem Respekt für sein Können, noch weit von einer Topform entfernt sein, und in diesem Zusammenhang sollte man die Zeit auch sehen. Auffallend ist aber, dass der Lotus gut mit den Reifen umgeht. Ich dachte erst, die andauernden 28er, 29er und 30er Zeiten seien der Versuch, mit möglichst konstanten Runden eine Reifenverschleissmessung zu fahren, aber die ganze Woche? Lotus scheint ein wenig das erste “dark horse” in der erweiterten Spitzengruppe zu sein. Oder sie haben halt “Sponsorzeiten” gefahren.

Unauffällig, aber sehr schnell, waren auch die Sauber. Keine Spitzenzeiten, das ist klar, aber schnell genug, um Richtung Top 5 zu schielen. Auffallend gut sind die langen Stint mit wenig Reifenverschleiss und das der Sauber im letzten Jahr schon mal gerne den ein oder anderen Stopp weniger eingelegt hat, könnte dies auf die Strategie schliessen lassen, die man bei der Konstrktion angewandt hat. Nicht superschnell auf eine Runde, aber konstant schnell für 15+ Runden.

Dahinter wird es dann düster in Sachen Einschätzung. Beobachter vor Ort waren der Meinung, dass Force India bei weitem nicht so gut sei, wie es dem Anschein habe. Vor allem auf eine schnelle Runde, in der Quali im so engen Mittelfeld ja auch nicht unwichtig, soll der Wagen nicht gut aussehen. Die Longruns dagegen scheinen ok zu sein.

Toro Rosso hat mir Sicherheit einen schnellen, bisher aber auch sehr anfälligen Wagen. Mit zwei neuen Fahrern, von denen einer (Vergne) noch nie in der F1 unterwegs war, dürfte die Weiterentwicklung auch eher beschwerlich werden. Im Moment sehe das Team jedenfalls hinter Sauber und Force India.

Bei Williams gibt es etwas Licht, aber auch viel Schatten. Der FW34 ist schneller als sein Vorgänger, hat aber laut Aussage der Fahrer Probleme in den langsamen Kurven. Ein Schritt nach vorne, und einer zurück also, dazu kommen auch beim britischen Team zwei Fahrer, die jetzt nicht gerade für ihre Entwicklungskompentenz berühmt sind.

CaterhamF1 sieht weiter nicht so aus, als habe man gute Karten in der Hand. Kovalainen meinte zwar, dass man so um die 0,3 Sekunden hinter dem Mittelfeld sei, aber das ist eine sehr optimistische Einschätzung. Bei Caterham reicht es, sich die langsamsten Zeiten anzuschauen und das steht gerne mal eine 34er Zeit. Sowas hat man werder bei Sauber noch bei den anderen Teams gesehen.

Wie genau sich das Feld sortieren wird, kann man sowieso erst nach der zweiten Quali-Session in Melbourne und in Malaysia sehen. Die große Vorschau zur F1-Saison 2012 folgt natürlich noch bis zum Start der Saison in Melbourne.

(Anmerkung zu den Bildern: Aus Testzwechen im neuen Layout sind die Bilder anders verlinkt.)

F1_BarTest04_03_2012_1 F1_BarTest04_03_2012_2 2012 F1 Testing Barcelona 2012 F1 Testing Barcelona F1_BarTest04_03_2012_5 F1_BarTest04_03_2012_6 F1 Testing in Barcelona - Day Four F1 Testing in Barcelona - Day Four F1 Testing in Barcelona - Day Three Lewis Hamilton Testing Lewis Hamilton Testing F1_BarTest04_03_2012_12 Motor Racing - Formula One World Championship - Barcelona F1 Test - Day 4 - Barcelona, Spain Motor Racing - Formula One World Championship - Barcelona F1 Test - Day 4 - Barcelona, Spain F1_BarTest04_03_2012_15 TEST F2012 BARCELLONA 1 TEST F2012 BARCELLONA 1

flattr this!

March 03 2012

18:03

Formel Eins: Testfahrten Barcelona 03.03.2012

Überrachung am dritten Testtag in Barcelona. Red Bull hat ein fast komplett neues Auto mit gebracht. Eine ungewöhnliche Strategie.

Schon gestern Abend kündigte Red Bull an, dass man den Samstag mit einem deutlich überarbeiteten RB8 angehen wollte. Und die Änderungen sind in der Tat recht groß. Neuer Frontflügel, neuer Heckflügel, ein paar kleinere Veränderungen an Seitenkästen. Doch der größte Unterschied zum bisher gefahrenen Modell ist die Lage des Auspuff. Red Bull hat ihn etwas weiter nach hinten gelegt und praktisch eine Art angeblasenes Heck entwickelt, wie man auf einem Foto bei F1technical sehen kann. (Ein HQ-Bild gibt es hier, ein weiteres, aber kleineres Bild hier). Gary Anderson von autosport.com ist der Meinung, dass die Lage des Auspuff das Heck etwas besser anströmt, bzw. die Auspuffgase in den Luftfluss integriert werden. Überraschend ist eine so tiefgreifende Änderung am Wagen aber schon. Mit nur noch zwei Testtagen muss man sich schon sehr sicher sein, dass die Updates funktionieren. Oder es hat vorher Probleme am Wagen gegeben, die man als Außenstehender nicht gesehen hat.

Denn offensichtlich sind die Änderungen unter großem Zeitdruck entstanden. Adrian Newey ist in Barcelona nicht aufgetaucht, stattdessen arbeitete er wohl weiter im Red Bull Technologycenter an der Weiterentwicklung des RB8. Dabei machten die Zeiten des RB8 einen guten Eindruck, auch ohne die Updates. Es gab zwar Stimmen, die meinten, dass Red Bull mit weniger Sprit im Tank als McLaren unterwegs gewesen sei, aber das nun wirklich pure Spekulation, da die Betankungsmenge nie kommuniziert wird.

Mark Webber war heute derjenige, der den RB8 in der 2.0 Version ausprobieren durfte, klare Zeiten kamen dank mangels Longruns aber nicht zustande. Ein 10-Runden-Stint bewegte sich in folgenden Dimensionen:

29.6, 29.6, 29.8, 29.8, 30.6, 30.2, 30.5, 30.8, 31.3, 32.2

Wenn das ein Test mit vollem Tank war, sind das keine schlechte Zeiten. Auch im Vergleich zu Ferrari, wo Massa heute auf einem ähnlichem Stint folgende Zeiten fuhr:

30.1, 30.2, 30.6, 30.3, 30.4, 30.7, 31.8, 31.4, 31.8

Ein anderer Stint sah so aus:

29.7, 30.1, 30.0, 30.1, 30.6, 31.5, 32.1

Sollten das “echte” Zeiten gewesen sein, bestätigt sich die Tendenz der letzten Tage. Ferrari hat deutlich zugelegt, aber in Sachen Reifenverschleiss hat man weiter ein Problem. Das gilt auch für den Vergleich mit McLaren, die heute wieder keine Zeiten hinlegten, aus denen man viel raus lesen könnte. Wie gut der neue Red Bull auch gegenüber dem McLaren ist, wird sich vielleicht morgen, beim letzten Testtag etwas deutlicher zeigen.

Bei Mercedes ist man einerseits zufrieden, dass man wohl einen Wagen hat, der zumindest das Podium in Reichweite bringt, allerdings bestätigte Schumacher nach dem gestrigen Test den Eindruck, die ich auch schon etwas länger habe. Der Wagen geht gut auf eine Runde, aber der Drop-Off ist höher, als bei Ferrari, McLaren oder Red Bull. Das macht dem Team aber offenbar deutlich weniger Sorgen, denn es gilt der alte Spruch von Colin Chapman: Es ist leichter, ein schnelles Auto standfest zu machen, als ein langsames, standfestes Auto schnell zu machen. Dennoch ist der erhöhte Verschleiss ein Problem, vor allem, wenn alle Top Team eng zusammen liegen. Da man dann auf der Strecke kaum überholen kann, wird der Verschleiss und vor allem die Kürze oder Länge des letzten Stint entscheidend für die Position am Ende des Rennens sein.

Es ist schon schwer, vorne eine Rangordnung zu finden, aber im Mittelfeld ist es quasi unmöglich. Ich habe den Eindruck, dass der Sauber C31 in diesem Jahr besonders gut geht, auch die Reifenverschleiss hält sich, wie ja schon fast traditionell bei Sauber, in engen Grenzen. Mit einer interessanten Besonderheit wartete der C31 heute noch auf. Über den Seitenkästen hat man noch einen Flügel angebracht, der anscheinend konform mit dem Regelement ist. Sieht etwas merkwürdig aus und dient weniger dem Abtrieb, denn mehr der Luftführung über dem Lufteinlass. Aber aus den Zeiten von Sauber, Toro Rosso, Lotus und Force India kann man beim besten Willen wenig rauslesen. Schon im letzten Jahr ging es in der Quali zwischen den Team teilweise um Hunderstel Sekunden, von daher liefern die Testtage da wenig Erkenntnisse.

Weiterhin eine Baustelle ist der Caterham, wenn man sich die Longruns so anschaut, liegt man so um die zwei Sekunden hinter dem Mittelfeld. Selbst Williams scheint einen Schritt nach vorne gemacht zu haben. Bisher gab es nicht eine schnelle Zeit des Teams, die andeuten könnte, dass der Caterham auch nur in die Nähe von Q2 kommen würde.

Morgen gehen die Testfahrten zu Ende, vielleicht sieht man dann noch ein paar interessante Vergleichszeiten.

F1_BarTest03_03_2012_1 F1_BarTest03_03_2012_2 2012 F1 Testing Barcelona 2012 F1 Testing Barcelona 2012 F1 Testing Barcelona F1_BarTest03_03_2012_6 F1_BarTest03_03_2012_7 F1 Testing in Barcelona - Day Three F1 Testing in Barcelona - Day Three F1 Testing in Barcelona - Day Three F1_BarTest03_03_2012_11 F1_BarTest03_03_2012_12 Motor Racing - Formula One World Championship - Barcelona F1 Test - Day 3 - Barcelona, Spain TEST F2012 BARCELLONA 1 TEST F2012 BARCELLONA 1 F1_BarTest03_03_2012_16 F1_BarTest03_03_2012_17 sauberfluegel

flattr this!

Older posts are this way If this message doesn't go away, click anywhere on the page to continue loading posts.
Could not load more posts
Maybe Soup is currently being updated? I'll try again automatically in a few seconds...
Just a second, loading more posts...
You've reached the end.

Don't be the product, buy the product!

Schweinderl