Tumblelog by Soup.io
Newer posts are loading.
You are at the newest post.
Click here to check if anything new just came in.
08:16

Formel Eins: Neue Regeln, mehr Chaos

Die FIA hat die Teamorder gekippt, gleichzeitig aber den Stewards vor Ort mehr Rechte gegeben. Das Resultat könnte sein, dass noch mehr Streit droht.

Ab 2011 gibt es keine Teamorder mehr. Das kommt nicht unerwartet, denn die bestehende Regel hatte sich als nutzlos erwiesen. Ferrari hatte dies in Hockenheim eindrucksvoll unter Beweis gestellt. Aber es war nicht nur diese offensichtliche Missachtung der Regel, andere Teams haben das halt nur etwas geschickter gelöst. Man kann geteilter Meinung über das Verbot sein, ich halte es aber für richtig. Verschlüsselte Meldungen wie “Shift to mode 4″ oder anderer Quatsch könnte auch eine Anweisung darstellen. Dann lieber ein ehrlicher Funkspruch, dann wissen alle, woran sie sind. Ich glaube auch nicht, dass, mal abgesehen von Ferrari, ein Team früh zu einer solchen Maßnahme greift. Ab Saisonmitte sieht die Sache natürlich anders aus. Man wird aber abwarten müssen, wie sich das entwickelt. Als positives Beispiel dient hier auch Red Bull und die Tatsache, dass Sponsoren es auch nicht gerade gerne sehen, wenn ihr Team in der Presse für unsportliches Verhalten abgestraft wird. Und genau das bleibt eine Teamorder ja durchaus. Problematischer als die Teamorder könnte der erweiterte Strafenkatalog sein, den die Stewarts an der Strecke nun haben.

Die neuen Regeln (pdf) besagen zum einen, dass es weiterhin nur 3 Stewarts pro Rennen geben wird, dazu ein Renndirektor. Von einem “Berater” (Ex-Fahrer), so wie in dieser Saison, ist nicht die Rede, aber da der eh keine Stimme in Sachen Strafen hat, muss der auch nicht aufgeführt werden. Ich nehme an, dass es diese Position wieder geben wird, zu mal sie sich als gute Entscheidung bewährt hat.

Interessant wird es ab Punkt 16, denn hier definiert die FIA bestrafungswürdige Vergehen (“Incidents”). Genau heißt es da:

- necessitated the suspension of a race under Article 41 ;
- constituted a breach of these Sporting Regulations or the Code ;
- caused a false start by one or more cars ;
- caused a collision ;
- forced a driver off the track ;
- illegitimately prevented a legitimate overtaking manoeuvre by a driver ;
- illegitimately impeded another driver during overtaking.

Unter dem Arikel 41 wird nur beschrieben, was passieren muss, damit ein Rennen unterbrochen wird. Eine bewusst herbeigeführte Unterbrechung wird bestraft, aber das war schon immer so.

Ab dem Artikel 20 (“Driving”) geht es um weitere Dinge, die bestraft werden können:

20.2 Manoeuvres liable to hinder other drivers, such as more than one change of direction to defend a position, deliberate crowding of a car beyond the edge of the track or any other abnormal change of direction, are not permitted.

20.3 Drivers must use the track at all times. For the avoidance of doubt the white lines defining the track edges are considered to be part of the track but the kerbs are not. A driver will be judged to have left the track if no part of the car remains in contact with the track. Should a car leave the track for any reason the driver may rejoin. However, this may only be done when it is safe to do so and without gaining any advantage.

20.4 As soon as a car is caught by another car which is about to lap it during the race the driver must allow the faster driver past at the first available opportunity. If the driver who has been caught does not allow the faster driver past, waved blue flags will be shown to indicate that he must allow the following driver to overtake. Any driver who is deemed to be ignoring the waved blue flags will be reported to the stewards of the meeting.

Die Passage in 20.2 “…deliberate crowding of a car beyond the edge of the track…” dürfte mal wieder eine “Lex Schumacher” sein, die sich auf den Vorfall in Ungarn bezieht. So klar dieser Punkt ist, viele andere könnten für Ärger sorgen. “Abnormal change of directions” ist ein so windelweich formuliert, dass Ärger vorprogrammiert ist. Das man seine Linie nur einmal wechseln darf ist bekannt, was ist in einem Zweikampf dann eine “abnormale Änderung”? Ein leichtes Zucken, rüberziehen, oder blockieren der Ideallinie? In einem harten, rundenlangen Kampf dürfte der Bereich, in dem man etwas auslegen kann, sehr groß sein.

Das ist aber alles nicht das Problem. Denn das geht erst mit der gewachsenen Macht der Stewarts los. denn die dürfen jetzt tief in die Strafkiste greifen.

The stewards may impose any one of the penalties below on any driver involved in an Incident :
a) A drive-through penalty. The driver must enter the pit lane and re-join the race without stopping.
b) A ten second time penalty. The driver must enter the pit lane, stop at his pit for at least ten seconds and then re-join the race.
c) A time penalty.
d) A drop of any number of grid positions at the driver’s next Event.
e) A reprimand.
f) Exclusion from the results.
g) Suspension from the driver’s next Event.

However, should either of the penalties under a) and b) above be imposed during the last five laps, or after the end of a race, Article 16.4b) below will not apply and 20 seconds will be added to the elapsed race time of the driver concerned in the case of a) above and 30 seconds in the case of b).

Neu ist die in Punkt C nicht weiter definierte Zeitstrafe, die Verwarnung, der Ausschluss aus dem Rennen und die Sperre für das folgende Rennen. Die Punkte F und G werden sicher eher selten aufgerufen, aber wenn dürfte der Streit und das Chaos groß werden. Denn gegen ein solches Urteil kann ein Team vor dem Berufungsgericht Beschwerde einlegen. Aber das braucht seine Zeit, und bei nur 14 oder 7 Tagen zwischen den meisten Rennen, geht der Ärger los. Die Stewarts haben in der Vergangenheit nicht immer über die nötige Sensibilität verfügt, das wird in Zukunft nicht anders sein. Bei hochemotionalen Entscheidungen könnte das schnell zu Problemen führen, die dann ein Gericht klären muss. Das hilft dem Sport nicht wirklich. Da kann man ja fast nur hoffen, dass FIA im Hintergrund ein Auge drauf hat, auch wenn das die Verschwörungstheorien wieder wachsen lassen wird.

Neu ist auch die Rückkehr der 107% Regel. Wer in Q1 107% über der schnellsten Zeit liegt, darf am Sonntag nicht starten. Aber keine Regel ohne Ausnahme. Die Stewarts können Ausnahmen genehmigen, wenn ein Fahrer in den freien Trainings eine “annehmbare” Zeit gefahre hat. Also gezeigt hat, dass er schneller sein könnte. Grund für die Ausnahme: Wenn ein Spitzenpilot in Q1 den Wagen in die Botanik wirft, könnte er nicht im Rennen teilnehmen, was auch keiner will. Ich vermute schwer, dass man die 107% Regel vor allem in der ersten Saisonhälfte kaum anwenden wird. Sonst dürfte es HRT auch schwer haben. Grundsätzlich halte ich die gesamte Regel für überflüssig. Sie wurde in den 90ern mal eingeführt, weil das Starterfeld riesig war und einige Teams im Rennen nur im Weg rumstanden. Da die FIA den Neuzugang von Teams stark regelementiert und die drei “neuen” Teams 2011 etwas näher dran sein sollten, braucht es die Regel nicht.

In Sachen Reifen gibt es auch Neuigkeiten. Unter 25.4 heißt es

Three sets of dry-weather tyres will be allocated by the FIA technical delegate to each nomina driver for use during P1 and P2, two of “prime” specification and one of “option” specification.

Eight further sets of dry-weather tyres will be allocated by the FIA technical delegate to each nominated driver, four of each specification, for use during the remainder of the Event.

Lustig ist Punkt e)

If the race is suspended and cannot be re-started, thirty seconds will be added to the elapsed time of any driver who was unable to use both specifications of dry-weather tyre during the race. However, any driver who completes the race without using both specifications of dry-weather tyre will be excluded from the race results.

Vermutlich wird ein trockenes Rennen nie so früh abgebrochen, aber die Regel lässt zur Not Hektik an der Box entstehen.

Das Getriebe muss nun 5 Rennen durchhalten, allerdings ist der erste Wechsel noch “umsonst”, also ohne Strafe.

Rumschleichen nach dem Ende der Quali ist auch nicht mehr. Was für eine Runde unter SC-Bedingungen gilt, wird nun auf die Auslaufrunde übertragen. Langsamer als 145% der schnellsten Zeit, die in P1/P2 gefahren wurde, darf man nicht sein.

Spaßig dürfte Regel sein, die sich unter 36.8 verbirgt:

When the green lights are illuminated, the cars will begin the formation lap with the pole position driver leading.

When leaving the grid all drivers must respect the pit lane speed limit until they pass pole position.

Man darf vor der Ziellinie/Pole-Linie also nicht vergessen, dass man den Knopf vom Limiter gedrückt hält. Auch das dürfte dem ein oder anderen schwer fallen.

Auf der technischen Seite gibt es auch einige Änderungen. Bekannt ist, dass der einstellbare Heckflügel kommt. Ist ein Fahrer weniger als eine Sekunde hinter einem Konkurrenten wird ihm per Signal im Cockpit bedeutet, dass er den Heckflügel per Knopfdruck flacher stellen kann. Der Flügel stellt sich automatisch wieder in seine Ausgangsposition, wenn der Fahrer die Bremse berührt. In den ersten zwei Runden darf der Heckflügel nicht verstellt werden. In der FTs und in der Quali kann der Fahrer aber den Heckflügel verstellen wie und wann er will. Dafür fallen der F-Schacht und der verstellbare Frontflügel weg.

Verboten werden auch die Doppel-Diffuser und die angeblasenen Doppel-Diffuser. Biegsame Splitter, wie sie Red Bull, Ferrari und McLaren eingesetzt haben sollen, werden ebenfalls verboten. Damit bei den neuen Reifen zumindest im Bereich der Gewichtsverteilung alle gleichstellt sind, wird diese von der FIA vorgeschrieben. Natürlich wird der Reifenabrieb aber nicht nur darüber, sondern auch über die Aufhängung verursacht, aber so haben alle Teams zumindest die gleichen Hausaufgaben und sparen sich teure Experimente mit Gewichten.

Alle weiteren Änderungen betreffen nur Lücken im Reglement. Der britische Kollege Scrabs hat eine genauere Übersicht.

Don't be the product, buy the product!

Schweinderl