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07:12

Formel Eins: Analyse Abu Dhabi GP 2010

Es war kein sonderlich spannendes Rennen, aber es lebte davon, dass Ferrari sich komplett verzockte und McLaren zwei der drei Titelanwärter in die Suppe spuckte.

Im Grunde war die Sache ja nach den Rennen in Korea und Brasilien klar. Red Bull hat den schnellsten Wagen, dahinter kommt der Ferrari mit Alonso. Wenn alles normal laufen würde, müsste die Frage also nur lauten, ob Vettel seinen Kollegen Webber vorbei lassen würde, wenn es um den Titel geht. Aber niemand hatte damit gerechnet, dass die McLaren plötzlich wieder vorne dabei sein würden. Die Briten hatten sich im Titelkampf schon im September verheddert, als damit anfingen, den F-Schacht und den Heckflügel zu verändern. Und ausgerechnet in Abu Dhabi hatte man die Probleme plötzlich im Griff. Dazu kam, dass Mark Webber das gesamte Wochenende nicht in Schwung kam. Und all das spielte Sebastian Vettel in Hände, der einfach mal wieder das machte, was er am Besten kann: Vorne liegen. Doch sein Speed hätte ihm auch nicht geholfen, wenn Ferrari nicht einen fürchterlichen Strategiefehler begangen hatte.

Das Problem von Ferrari fing schon am Start an, als Button auf der vermeintlich schmutzigen Seite einen phänomenalen Start hin legte, und einen zurecht vorsichtigen Alonso auf Platz 4 schob. Damit lag Alonso aber immer noch bequem auf Meisterschaftskurs, zu mal Webber hinter ihm lag. Wäre das Rennen so ausgegangen, hätte er den WM mit zwei Punkten Vorsprung gewonnen. Doch dann verlor Ferrari die Geduld und den Überblick. Rosberg und Petrov nutzten die Safety Car Phase, um die harten Reifen aufzuziehen. Bei Mercedes war das eine logische Entscheidung, da man mit dem weichen Reifen am gesamten Wochenende nicht klar kam. Selbiges galt für Renault, die Kubica beim Start auf “Hart” gesetzt hatten. Die Rundenzeiten von Rosberg und Kubica waren allerdings nicht sonderlich gut, sie stellten noch keine Gefahr dar.

Anders sah es Ferrari wohl bei der Entscheidung von Webber, sehr früh die harten Reifen zu nehmen. Man befürchtete, dass die weichen Reifen einbrechen würden und man Webber würde passieren lassen müssen. Das der nach seinen Stopp schnell Alguersuari schnappte und sich auf dem Weg Richtung Petrov und Rosberg machte, schien die Überlegung nur zu unterstützen. Doch dabei verpasste man wohl, sich die Abstände anzuschauen, denn man hatte nur 16 Sekunden Vorsprung auf Rosberg und 19 auf Petrov. Es war klar, dass Alonso hinter beiden landen würde. Die Befrüchtung war, dass die weichen Reifen noch weiter einbrechen würden und auch Webber vorbeiziehen könnte.

Dabei offenbarte ein Blick auf die Rundenzeiten, dass Alonso gar nicht so schlecht unterwegs war. Die Top 4 fuhren mehr oder weniger zeitgleich, teilweise brachen die Zeiten in die 1.46er Region ein. Doch weiter hinten kam man auch nicht wirklich voran. Statt in dem Fall mal zu warten, was die vor ihm fahrenden machen und wie sich die Zeiten in den nächsten zwei Runden entwickeln würden, reagierte man hektisch und holte Alonso rein, der danach wie erwartet stecken blieb. Das man an Petrov nicht vorbei kam, war sicher etwas überraschend, auch wenn man vorher sehen konnte, dass der Renault nicht der langsamste war. Und selbst wenn man Petrov geschnappt hätte, wäre da immer noch Rosberg gewesen, dessen Wagen nun mit Sicherheit auf der Geraden nicht leicht zu überholen war.

Was Ferrari auch nicht beachtet hatte, und in diesem Jahr immer wieder vorgekommen ist, war die Entwicklung der Reifen im Rennen. Wenn 24 Wagen mit Super Soft unterwegs sind und jede Menge frisches Gummi legen, hat es sich oft gezeigt, dass die Reifen bei weiten nicht so schnell einbrechen, wie in den Einzelruns im Training. Aber das ist für Ferrari sicher schwer einzuschätzen gewesen. Dennoch hätte man sich nicht auf das Spiel des frühen Stopps einlassen sollen, zu mal man Massa auch als “Testballon” hätte nehmen können. So lange die Abstände nach vorne nicht zu groß und nach hinten nicht zu knapp wurden, war ein Stopp komplett unnötig.

Das ausgerechnet dem erfahrensten Team in der Formel Eins so ein Fehler unterläuft, ist sicher ungewöhnlich, zumal man ja auch einen Vorsprung von 7 Punkten verwalten konnte. Das Webber, der am Wochenende klar langsamer als Vettel und Alonso war, eine andere Strategie versuchen würde, ist logisch, dass Ferrari nicht die beiden McLaren und Vettel im Blick hatte, ist nicht nachvollziehbar.

Natürlich kann sich Vettel auch bei überraschend starken McLaren für seinen ersten WM-Titel bedanken. Ohne deren plötzlichen Energieanfall im letzten Rennen des Jahres, hätte die Reihenfolge am Start Vettel-Alonso-Webber gelautet. Doch McLaren wirbelte die ganze Sache durcheinander und verursachte offenbar bei Ferrari eine nachhaltige Verwirrung.

Die zweite Frage vom Wochenende lautete: Was war mit Webber los? In keinem Moment konnte er die Zeiten von Vettel halten, seine Quali Performance war eine der schlechtesten des Jahres, nur in Singapur (5.) und Bahrain (6.) war er schlechter. Man kann lange spekulieren, warum Webber so mies drauf war. Ein Grund könnte der Motor gewesen sein, der das kurze Rennen in Korea und das in Brasilien auf dem Buckel hatte, doch Webber war zumindest auf der Geraden 2 km/h schneller, als sein Teamkollege. Dennoch kann es sein, dass dem Motor etwas “Dampf” fehlte, während des von Vettel vielleicht etwas besser ging. Aber sind reine Spekulationen. Tatsache ist auch, dass Webber seit dem Rennen in Singapur nicht mehr schneller als Vettel war. Die WM hat er nicht in Abu Dhabi verloren, sondern in all den Rennen, in denen er langsamer als Vettel war (Japan, Brasilien). Dazu sein überflüssiger Unfall aus Korea, wo er hinter Alonso zumindest Zweiter werden können. Allein die beiden Siege machen 14 Punkte aus, Webber wäre Weltmeister, weil er mehr Siege als Vettel gehabt hätte. Aber Webber war nicht dazu in der Lage, Vettel schlagen zu können.

Und natürlich ist Vettel ein würdiger Weltmeister, auch wenn er erst am letzten Tag der WM die Führung übernommen hat. Er hat die meisten Poles, er hat (zusammen mit Alonso) die meisten Siege, was will man mehr. Er war die dominierende Person in diesem Jahr, er hat viel Pech gehabt (Bahrain, Australien, Korea), viel Blödsinn gebaut (Türkei, Spa) und vermutlich damit so jedes Hoch und Tief durchlaufen, dass ein Fahrer in einer Saison haben kann. Er hat sich nicht, bzw. nur selten, aus der Ruhe bringen lassen, er hat Rückschläge weggesteckt und ist bei Siegen nicht abgehoben. Im Gegensatz zu Webber hat er nicht sein Team angegriffen, wenn es mal nicht so gut gelaufen ist. Letzters mag sicher auch daran liegen, dass es Red Bull schon nicht unangenehm ist, dass das eigene “Ziehkind” Weltmeister geworden ist. Es war seine Saison, er hat am Ende auch das Glück gehabt, dass ihm in vielen Rennen gefehlt hat. Und es ist gut, dass Alonso nicht mit weniger als sieben Punkten Weltmeister geworden ist. Die Sache aus Hockenheim hätte Ferrari sicher nicht gestört, aber die Fans dafür um so mehr.

Man muss kein Hellseher sein, um zu sagen, dass der Titel kein Einzelexemplar sein könnte. Ähnlich wie Hamilton und Alonso hat er jede Menge Talent und Willen, um weitere Titel zu erreichen. Das wird allerdings nicht leicht werden, denn wenn im nächsten Jahr Mercedes mal den Anschluss finden sollte, dass kommt mit Rosberg noch ein Fahrer, der das Zeug hat, ganz vorne mit dabei zu sein. Aber Vettel hat das Zeug zu einem ganz großen Fahrer zu reifen, er hat schon alle Anlagen dazu. Man darf sich auf jeden Fall schon auf die Saison 2011 und den Versuch seiner Titelverteidigung freuen. Leicht wird es mit Sicherheit nicht.

Was im Rennen sonst noch war:

- Sehr gutes Rennen von Petrov, der schon eine gute Quali hatte. Das Ergebnis dürfte es Renault-GenII-Lotus, oder wie man im nächsten Jahr heißen wird, schwer machen, den Russen zu ersetzen. Dennoch hat mich seine Leistung in diesem Jahr aber nicht überzeugt. Mehr dazu dann im großen F1 Rückblick, der im Dezember folgt.

- Versöhnliches Ende für Mercedes, die Rosberg auf Platz 4 hieven konnte. Schumacher hatte bei seinem, selbstverschuldeten, Chrash eine Menge Glück. Seine Saison hörte also so auf, wie sie begonnen hat: Miserabel.

- Ein Lob auch an Jamie Alguersuari, der fast das gesamte Rennen Felippe Massa in Schach halten konnte und Toro Rosso 2 Punkte holen konnte.

- Force India konnte Williams nicht mehr den sechsten Platz in der WM abspenstig machen, und das obwohl Williams in Abu Dhabi erwartungsgemäß schlecht war.

- Richard Branson hatte mit Tony Fernades zum Start der Saison gewettet, dass sein Virgin Team die Konkurrenz von Lotus schlagen würde. Wetteinsatz: Der Verlierer muss als “Stewardess” auf einem Flug des anderen arbeiten. Branson hat verloren, also muss er bei Air Asia antreten. Fernandes hat ihm schon mal eine Uniform überreicht. Der Flug soll ab London statt finden und die Plätze werden bei Ebay versteigert. Der Erlös soll einem guten Zweck zugeführt werden.

- Abschied nehmen heisst es von Bridgestone, die in den 14 Jahren, in denen sie in der F1 waren, fantastische Arbeit geleistet haben. Vor allem, seit dem sie Alleinausstatter waren. Die PR-Abteilung hat zum Abschluss aufgelistet, wo man in der “All-Time” F1-Wertung steht:

F1 Grand Prix win statistics by tyre company
1 Goodyear 368 wins
2 Bridgestone 175 wins
3 Michelin 102 wins
4 Dunlop 83 wins
5 Firestone 49 wins
6 Pirelli 42 wins
7 Continental 10 wins
7 Englebert 10 wins

- sky hat sich gestern auch recht emotional verabschiedet. Es ist noch nicht klar, ob man die Rechte nun wirklich nicht verlängert, allerdings sprachen die Gesichter von Tanja Bauer und vor allem Jacques Schulz schon Bände. Schulz sah richtig gehend erschüttert aus. Es gab keinen Hinweis, dass man sich 2011 wiedersehen würde, Lauterbach verabschiedete sich mit einem “Bis bald”. Es gibt keinerlei Neuigkeiten in Sachen sky und F1. Letzter Stand ist, dass sky die Verlängerung weiterhin prüft. Man will wohl abschätzen, wie viele Kunden man verlieren würde, wenn die F1 nicht mehr auftaucht. Das man vor dem Ende der Saison nicht dazu in der Lage war, diese Zahlen zu erheben, spricht nicht gerade für eine mögliche Verlängerung. Den besten Zeitpunkt für die Verkündigung hat man in Abu Dhabi jedenfalls verpasst.
F1 Grand Prix of Abu Dhabi - Race F1_Abu_Dhabi_2010_1 F1_Abu_Dhabi_2010_2 2010 Abu Dhabi Grand Prix 2010 Abu Dhabi Grand Prix F1_Abu_Dhabi_2010_5 F1_Abu_Dhabi_2010_6 F1_Abu_Dhabi_2010_7 F1_Abu_Dhabi_2010_8 F1_Abu_Dhabi_2010_9 F1 Grand Prix of Abu Dhabi - Qualifying F1 Grand Prix of Abu Dhabi - Qualifying F1 Grand Prix of Abu Dhabi - Qualifying F1_Abu_Dhabi_2010_13 F1_Abu_Dhabi_2010_14 F1_Abu_Dhabi_2010_15 F1_Abu_Dhabi_2010_16 Formula One World Championship Formula One World Championship F1_Abu_Dhabi_2010_19 F1_Abu_Dhabi_2010_20 F1_Abu_Dhabi_2010_21 F1_Abu_Dhabi_2010_22 F1_Abu_Dhabi_2010_23 F1 Grand Prix of Abu Dhabi - Race F1 Grand Prix of Abu Dhabi - Race F1 Grand Prix of Abu Dhabi - Race F1 Grand Prix of Abu Dhabi - Race F1 Grand Prix of Abu Dhabi - Race F1 Grand Prix of Abu Dhabi - Race F1 Grand Prix of Abu Dhabi - Race F1 Grand Prix of Abu Dhabi - Race F1 Grand Prix of Abu Dhabi - Race F1 Grand Prix of Abu Dhabi - Race
Bilder: Red Bull/Getty, Lotus, VirginF1, HispaniaF1, Ferrari, Mercedes, Toro Rosso/Getty, Renault, Williams

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