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11:56

Formel Eins: Vorschau Abu Dhabi GP 2010

…and the Winner is… Diese Frage wird man erst am Sonntagnachmittag wissen. Den Fan erwartet auf jeden Fall ein spannendes Finale auf der arabischen Halbinsel.

Die Konstellation für das Wochenende ist bekannt. Gleich vier Fahrer können noch Weltmeister werden, wenn man denn den schon leicht abgeschlagenen Lewis Hamilton noch mit zählt. Aber damit der McLaren gewinnen kann, müsste man dann doch etwas mehr passieren, denn die letzten Rennen haben gezeigt, dass die Briten nicht gerade ein Auto haben, dass im richtigen Moment konkurrenzfähig ist. Bleiben also Alonso, Vettel und Webber, die sich um den Titel streiten. Und von diesen hat wiederum Alonso die beste Ausgangsposition. Ihm reicht ein zweiter Platz zum Gewinn des Titels, was nicht nach einer unlösbaren Aufgabe klingt. Aber der F60 hat in diesem Jahr immer wieder gezeigt, dass er unberechenbar ist. Mal funktioniert er perfekt, mal ist er, wie letzte Woche in Brasilien, einfach nicht schnell genug. Die großen Favoriten heißen also Red Bull und die alles entscheidende Frage lautet, ob Vettel seinen Teamkollegen Webber im entscheidenden Moment vorbei lassen würde.

Es gibt viele Konstellationen, wer wann wie Weltmeister werden kann. Die einfachste ist der erwähnte zweite Platz von Alonso. Würde Webber gewinnen und Alonso zweiter werden, hätte Alonso den Titel mit einem Punkt Vorsprung gewonnen. Liegt Vettel vor Webber und Alonso auf Platz 3 wird er mit 5 Punkten vor Vettel Weltmeister. Lässt Vettel allerdings Webber vorbei, gewinnt Webber mit 2 Punkten Vorsprung vor Webber. Interessant wird es, wenn Alonso nur auf Platz 5 reinkommt, während Vettel vor Webber gewinnt. Dann wären alle drei Piloten punktgleich und Vettel hätte den Titel gewonnen, weil 2 vierte Plätze mehr als Alonso hat, in allen Plätzen liegen beide gleichauf. Webber wäre sogar nur auf Platz 3, weil er einen Sieg weniger als die beiden Kollegen aufweist. Eine solche Entscheidung hätte es in der F1 noch nie gegeben. Es gibt sogar die Variante, das Hamilton Meister wird. Dafür müsste Hamilton gewinnen, Vettel müsste dritter, Webber sechster werden und Alonso darf keine Punkte machen. Hamilton hätte die WM mit einem Punkt gewonnen, während die anderen mit 246 Punkten gleichauf liegen würden.

Die letzte Variante ist recht unwahrscheinlich, wenn man von den bisherigen Leistungen ausgeht, dürften sich Alonso, Vettel und Webber um die ersten drei Plätze streiten. Das die Red Bull in Abu Dhabi vor allem im letzten Streckenabschnitt große Vorteile haben werden, liegt auf der Hand. Sollte es am Ende so sein, dass Vettel vor Webber liegt, stellt sich die Frage, ob und vor allem wann der Deutsche seinen Teamkollegen vorbeiwinkt. Es könnte ja immerhin sein, dass Alonso in der letzten Runde Motor hoch geht, und dann wäre Vettel Weltmeister. Verzichtet er also freiwillig auf den Sieg und den Titel? Wie doof steht Vettel da, wenn Alonso in der letzten Runde ausfällt und er Webber gerade vorbei gelassen hat? Würde Webber dann wieder zurückstecken und seinerseits die Dominanz von Vettel anerkennen? Eigentlich bleibt Webber nichts anderes übrig, als zu siegen um dann zu sehen, was hinter ihm passiert, doch seine momentane Form spricht nicht gerade für ihn, vor allem nicht in der Qualifikation, wo ihm Vettel die nötigen Hunderstel abknöpft.

Red Bull hat zumindest im Vorfeld klar gestellt, dass es keine Teamorder (die sowieso verboten ist) geben wird. Beide Fahrer sollen ihr Rennen fahren, wenn man den Titel verlieren würde, wäre das halt so. Durch die Blume gesagt: “So, wie Ferrari, wollen wir den Titel nicht holen.” Das entspricht dem Markenverständnis von Red Bull, die zum einen darauf setzen, dass nur der Beste gewinnt, egal wen sie unterstützen, und zum anderen spiegelt es auch das gnadenlose Aussiebprogramm der Nachwuchsföderung wieder. Man bekommt nichts geschenkt, auch nicht, wenn es um einen Titel geht. Sollte Alonso Weltmeister werden, wird über diesem Titel immer die auch bestrafte Aktion von Hockenheim schweben. Allerdings: Wer erinnert sich daran schon in 10 oder mehr Jahren? Mike Hawthorne hat in den 50ern mal einen Titel an Fangio verschenkt. Fangio kennt heute noch jeder, Hawthorne nur noch echte Fans. Ferrari und die italienischen Medien werden jedenfalls keine Probleme haben und das Argument, dass es sich um einen “Teamsport” handelt, ist ja auch nicht ganz von der Hand zu weisen.

Weiter hinten geht es eigentlich nur darum, eine gute Figur zu machen. Williams und Force India streite sich noch um den sechsten Platz der WM-Wertung, der gerüchteweise bis zu 5 Millionen Dollar wert ist. Sollte es den Briten gelingen, diesen Platz zu sichern, spricht vieles dafür, dass Hülkenberg im Team bleiben kann. Force India wiederum ist in den letzten Rennen extrem schlecht aufgelegt, allerdings könnten sie in Abu Dhabi auf Grund der vielen und sehr langen Geraden besser drauf sein. Der Williams hat, wie man auch in Brasilien sehen konnte, keinen guten Topspeed, aber ich rechne nicht damit, dass den Indern noch ein Sprung nach vorne gelingt.

Mercedes sollte gut dabei sein, wenn alles passt, hat man sogar Chancen, sich mit den McLaren zu duellieren. Komischerweise geht der MGP besser, seit dem man die Entwicklung eingestellt hat und auch Michael Schumacher scheint seit dem weniger Probleme zu haben. Marc Surer vermutet, dass das Team eben auf Grund der fehlenden Neuerungen besser in der Lage ist, den Wagen zu verstehen. Das gilt auch für Schumacher, der die letzten Rennen als Testfahrten nutzen konnte. Statt sich weiter auf irgendwelche neue Bauteile einstellen zu müssen, konnte er das machen, was er am besten kann: Den Wagen suksessive so einstellen, dass er zu ihm passt. Der Abstand zu Rosberg ist in den letzten Rennen jedenfalls auf wenige Tausendstel geschrumpft.

Renault hat zwar in den letzte Rennen enttäuscht, ist aber immer ein Faktor für die Plätze 5 bis 10. Auch Sauber könnte in Abu Dhabi noch einmal Punkte sammeln. Der Rest wird wohl keine Rolle spielen.

Die Strecke selber hat durchaus ihre Reize. Man startet am Tag und fährt in die Nacht hinein, dazu kommen die beiden ellenlangen geraden, die den eh schon belasteten Motoren noch einmal alles abverlangen werden. Das könnte sich, vor allem bei der Hitze, zu einer Materialschlacht entwicklen, die auch die WM-Leader betrifft. Das letztjährige Rennen war allerdings ziemlich öde, allerdings war die WM da auch schon entschieden. Viel erwarte ich aber auch in diesem Jahr nicht.

Abschied nehmen heißt es von Bridgestone, die zum letzten Mal Reifen an die Strecke schleppen. Die Japaner werden 2011 bekanntermaßen von Pirelli ersetzt, deren Reifen nach dem letzten Rennen in Abu Dhabi auch zum ersten Mal getestet werden. Das die Japaner sich zurückziehen ist bedauerlich, haben sie doch in den letzten Jahren akribisch dafür gesorgt, dass die Reifen möglichst allen die gleichen Chancen geben. Reifenplatzer kamen so gut wie nie vor, die Performancce stimmte immer. Pirelli wird es schwer haben, diese Vorgaben zu erfüllen.

Zum Wetter muss man wohl kein Wort verlieren. Es wird mit über 30 Grad richtig heiß und Regen ist nicht angesagt. Die Übertragungzeiten sind wie in Europa.

Freitag:
9.55 Uhr 1. FT, 13.55 Uhr 2. FT
Samstag:
13:55 Uhr 3. FT, 13.55 Uhr Quali
Sonntag:
13:55 Uhr Rennen

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