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11:22

Formel Eins: Analyse Brasilien GP 2010

Ein erstaunlich ruhiges Rennen war das dieses Jahr in Brasilien. Zumindest an der Spitze. Die WM ist dadurch noch spannender geworden.

Das hatte sich Ferrari anders vorgestellt. Auch wenn man vor dem Rennen den Ball etwas flach gehalten hatte, war es doch offensichtlich, dass man sich in Interlagos eine Menge ausgerechnet hatte. Die Strecke sollte dem Wagen gut liegen, vor allem deutlich besser, als der Kurs in der nächsten Woche. Aber schon am Freitag wurde sichtbar, dass die Italiener gegen die Red Bull keine Chance haben würden. Die fast schon spielerische Dominanz mit der die Österreicher ab der ersten Minute des Rennwochenendes den Rest des Feldes dominierten, war schon beängstigend. Ich hatte das nicht in der Form erwartet, und offenbar auch nicht Ferrari, die allerdings mit dem schlechten Wetter am Samstag nicht klar gekommen sind. Dass Alonso nach dem Rennen meinte, dass die WM in Abu Dhabi komplett offen sei, deutet schon an, dass man sich für Abu Dhabi in keiner guten Position sieht. Die Ergebnis des Rennens macht die WM immerhin richtig spannend.

Klar ist, dass nur noch Alonso, Webber und Vettel Weltmeister werden können. Hamilton hat zwar noch rechnerisch Chancen auf den Titel, aber da müsste in der Yas Marina schon einiges Zusammenkommen, damit er das schafft. Aber seit 2007 sollte man ja vorsichtig sein, mit Vorhersagen. Aus eigener Kraft wird Hamilton es nicht schaffen, dafür hat McLaren auch zu sehr den Anschluss verloren. Zwar gelang dem Briten die schnellste Runde des Rennens, aber die McLaren haben seit Wochen Probleme mit ihrem Wagen. Offenbar funktioniert er mit vollen Tanks nicht sonderlich gut und neigt zu einem fiesen Untersteuern. Interessant ist, dass Button mit dem McLaren besser klar kommt, wenn das Rennen los geht, während Hamilton gegen Ende des Rennens zulegen kann, wenn das geringere Gewicht auch das Untersteuern beseitigt. Aber dieses Problem wird man innerhalb der nächsten 5 Tage wohl kaum lösen können.

Red Bull zeigte in Brasilien eine beeindruckende Leistung und sicherte sich zurecht den Konstrukteurstitel, der dem Team insgesamt wichtiger ist, als die Fahrer WM. Das ist nichts neues, McLaren und anderen Teams war und ist der Team-Titel schon immer wichtiger. Auch den Mechanikern geht es so, denn er reflektiert ihre Arbeit hinter den Kulissen. Verdient war der Titel in jedem Fall, denn Red Bull hatte das mit Abstand beste Auto innerhalb der fast abgelaufenen Saison. Es gab, abgesehen von Monza, kaum eine Strecke, auf der der RB6 nicht glänzen konnte, er hatte einfach kaum Schwächen. Das man die WM nicht schon längst gewonnen hat, lag eher am Renault Motor und den kleinen Aussetzer der Fahrer. Und natürlich auch daran, dass Red Bull seine Fahrer von der Leine gelassen hat. Das mag in der modernen Formel Eins selten geworden sein, aber im Grunde ist es genau das, was man sehen will. Aber wenn Alonso am Ende den Titel mit jenen Punkten gewinnen sollte, die er Massa in Hockenheim abnehmen durfte, muss man sich schon fragen, ob es nicht besser gewesen wäre, Webber in Brasilien gewinnen zu lassen. Den Team-Titel hätte man so oder so gewonnen, dazu hätte man Webber auf einen Punkt an Alonso heran gebracht und angesichts der zu vermutenden Dominanz von Red Bull in Abu Dhabi wäre der Titel ein wenig näher gekommen.

Auf der anderen Seite darf man nicht vergessen, dass der Defektteufel bei Webber in diesem Jahr noch nicht zugeschlagen hat. Rein statistisch gesehen ist die Chance groß, dass genau das im letzten Rennen passieren könnte. Und dann hat man in dieser Konstellation wenigstens noch Vettel mit einer minimalen Chance im Rennen. 15 Punkte sind zwar viel Holz, aber es ist nicht unmöglich, dass er es machen kann. Wenn er gewinnt, Webber zweiter wird und Alonso nur auf Platz 6 landet, gewinnt Vettel den Titel trotz Punktgleichheit mit Webber, weil er einen Sieg mehr hat. Wird Alonso in der Konstallation fünfter, haben alle drei (!) Piloten 256 Punkte und Alonso holt den Titel, weil er einen vierten Platz (!) mehr als Vettel hat. Das sind alles Varianten, die nicht unwahrscheinlich sind. Ebenso wenig wie jene, in der Alonso auf Platz 2 ankommt und damit so oder so Meister ist.

Das Rennen selber plätscherte lange vor sich hin. Das der erstaunliche Hülkenberg die erste Runde nicht als Führender beenden würde, war vorher schon klar, Webber dürfte allerdings ein Stein vom Herzen gefallen sein, dass er den Deutschen schnell hinter sich lassen konnte. Der hielt dann ein paar Runden Alonso auf, was schon klar machte, wie gut die Red Bull und wie “schlecht” der Ferrari war. Alonso verlor rund 12 Sekunden hinter Hülkenberg, aber selbst ohne diesen Verlust hätte er die beiden vor ihm nicht halten können. Vettel und Webber reduzierten ihr Tempo, nachdem Alonso weiter hinten lag, offenbar hatten beide Anweisung nicht schneller zu fahren. Der Zeitunterschied vor dem ersten Reifenstopp war schon interessant, denn man war mit vollen Tanks zu Beginn des Rennens rund 7 Zehntel schneller unterwegs, als später im Rennen. Und das, ohne dass die Reifen nachließen. Das Webber seinem Teamkollegen nicht näher auf die Pelle rückte, lag wohl dann auch daran, dass man sich auf ein “Stillhalteabkommen” verständigt hatte. So viel auch zum Thema “Jeder darf voll fahren”.

Weiter hinten brillierte Jenson Button zu Beginn des Rennens, als er früh an die Box ging, mit den für ihn deutlich besseren “Medium” Reifen durchs Feld schnitt und um ein Haar auch noch Lewis Hamilton geschnappt hätte, der erst spät an die Box kam. Überhaupt schienen die “Medium” die bessere Wahl für einige Teams zu sein. Nicht nur der McLaren, auch der Mercedes ging mit der härteren Mischung besser. Michael Schumacher zeigte ein beherztes Rennen. Obwohl er beim Start von Kubica unsanft im Senna-S ins Gras gedrückt wurde und auf Platz 11 zurückfiel. Er kämpfte sich schnell wieder in die Top Ten, doch sein schlecht getimter Stopp klemmte ihn hinter Sutil ein, der auf einem sehr langem Stint unterwegs war. Deswegen konnte Rosberg, obwohl er viel später an die Box kam und weit hinter Schumacher lag, am Ende direkt hinter dem Ex-Weltmeister landen, der ihn dann passieren ließ. Kurios war der Stopp von Rosberg während der Safety Car Phase. Obwohl er zweimal kommen musste, blieb er doch hinter Schumacher.

Nachdem Liuzzi seinen Force India nachdrücklich im Senna-S verschrottet hatte, kam die erwähnte SC-Phase, die das Feld aber nicht weiter durcheinander würfelte, weil die Rennleitung auch darauf verzichtete, das Feld zu sortieren. Warum man das nicht gemacht hat, habe ich auch nicht verstanden, vermutlich aber auch deswegen, weil das Feld wirklich extrem durch gemischt war. Es hätte Ewigkeiten gedauert, bis man das sortiert hätte. Leider war damit auch die Spannung vorne raus, nur im Mittelfeld herrschte das komplette Chaos, weil Teile des Feldes eine Runde zurück waren, andere Teile wieder nicht und man irgendwie aber trotzdem gegen- und miteinander kämpfte. In dem ganzen Chaos war es schwer, die blauen Flaggen richtig einzusetzen und am Ende fing sich nur Heidfeld eine nachvollziehbare Strafe ein. Ein wenig gewundert habe ich allerdings schon, dass es nicht mehr Strafen gab, vermutlich hat die Rennleitung da beide Augen zugedrückt.

Nico Hülkenberg kam am Ende als achter ins Ziel. Wäre man etwas früher reingekommen, hätte man vielleicht noch Schumacher abfangen können, aber mehr wäre vermutlich nicht drin gewesen. Der “Hulk” zeigte ein gutes Rennen, auch wenn es am Anfang nicht gut aussah, wie die anderen über ihn herfielen. Er hat sein Talent mal wieder gezeigt, die Frage wird sein, was Williams mit ihm jetzt macht. Im Interview bei sky verriet der, dass weder er noch Barrichello einen Vertrag für 2011 haben, was mich etwas überrascht hat, weil Barrichello schon als “bestätigt” galt. Wenn Williams Maldonado nehmen muss dürfte die Entscheidung für Frank Williams nicht leicht sein. Barrichello ist ein sicherer Punktelieferant, Hülkenberg scheint zumindest gegen Ende der Saison der schnellere zu sein. Mit den neuen Pirelli Reifen braucht man aber wieder die Erfahrung von Barrichello, weil man sich das Risiko von zwei Rookies nicht aufladen möchte. Vielleicht ist der Besuch von Ecclestone bei Hülkenberg vor dem Rennen ja gutes Zeichen. Dazu kommt, dass sich hinter den Kulissen in Sachen Renault/Lotus usw. eine Menge bewegt. Vielleicht dürfen auch beide bleiben, wenn es ihnen gelingt Force India in der WM hinter sich zu lassen. Denn der Platz vor den Indern ist 5 Millionen Dollar wert. Das sollte auch möglich sein, denn Force India sieht in den letzten Rennen sehr unsortiert aus und hat eigentlich keine Chance gegen die deutlich schnelleren Williams.

Die WM-Entscheidung in Abu Dhabi steht schon in einer Woche an und dürfte wohl zu den spannenderen Momenten des Jahres gehören. Da alle Red Bull vorne erwarten, wird die Frage der Woche lauten: “Wird Vetttel Webber vorbei lassen, wenn es um die WM geht?”.
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Bilder: Red Bull/Getty, Lotus, Virgin, Ferrari, MGP, Williams, Renault, Sauber, HRT

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