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06:16

BTCC, DTM, WTCC: Analyse Knockhill, Brands Hatch & Oschersleben

Erstaunliche ruhige Rennen der BTCC in einem trockenen Knockhill, erwartete Langeweile bei der DTM und viel Chaos bei der WTCC in Oschersleben.

Es war schon vorher klar, dass die 98 Runden der DTM in Brands Hatch nicht gerade zu den Leckerbissen gehören würde. Fahrer und Wagen sind einfach zu identisch gut, als dass man auf der kurzen Strecke wirklich überholen konnte. Allein Paul di Resta fuhr am gesamten Wochenende in einer völlig eigenen Liga und ließ den Rest der Welt um bis zu 5 Zehntel hinter sich. Wenn man bedenkt, dass der Abstand zwischen Platz 3 und 11 5 Zehntel beträgt, kann man erkenne, wie überlegen di Resta war. Dementsprechend tat sich in Sachen Spitzenkampf wirklich gar nichts, nach dem der Start erfolgt war. Der sorgte auch dafür, das Audi seinen letzten Titelkandidaten in diesem Jahr abschreiben musste. Womit dann klar ist, dass man den Titel nicht mehr verteidigen kann.

Wer keine Lust zu lesen hat: Kollege Basic-Groove war in Oschersleben beim WTCC Rennen und hat jede Menge Fotos mitgebracht!


Im Startgetümmel waren sich Ralf Schumacher und Mattias Ekström ins Gehege gekommen. Schumacher berührte unglücklich die linke Hinterachse des Schweden, dessen Aufhängung sich verabschiedete. Die Berührung war wirklich minimal, umso erstaunlicher, dass die Aufhängung sofort nachgab. Den Rest erledigte Susie Stottard, die Ekström abräumte als er hinter der Kuppe des Paddock Hill Bend auf der Ideallinie rumschlich. Ekström meinte nach dem Rennen auch, dass die DTM-Wagen wegen ihrer extremen Bausweise einfach zu empfindlich seinen. Für Schumacher war das Rennen nicht sehr viel später beendet, als er durchs Kiesbett rumpelte und seiner Aufhängung offenbar ebenfalls den Rest gab.

Nachdem das aussortiert war, tat sich eigentlich nicht mehr viel. Timo Scheider versuchte auf Platz 3 liegend, den vor ihn fahrenden Spengler mittels besserer Boxenstrategie unter Druck zu setzen, was beim zweiten Stopp auch fast gelang. Scheider fehlten vielleicht 1 oder 2 Zehntel und er wäre durch gewesen. Da konnte man erahnen, wie hart auf der Strecke gefahren wurde, wie sehr die Fahrer um jeden Meter kämpfen mussten.

Mal wieder ein gutes Rennen lieferte der Spanier Molina. Von Platz 8 ins Rennen gegangen, fiel er nach dem Start auf Platz 10 zurück. Doch sein Team setzte einfach darauf, dass zwei sehr lange Stints helfen könnten, so lange die Reifen mitmachen. Da der Audi mit den Reifen etwas schonender umgeht, gelang Molina das Kunststück am Ende sogar einen neuen Rundenrekord für die DTM aufzustellen. So rutschte er von Platz 10 auf Platz 4 (!), den er bis ins Ziel halten konnte. Was der Nachwuchsfahrer abliefert, ist wirklich beachtenswert. Meist ist er fehlerlos unterwegs und kämpft um Punkte. Er ist definitiv ein Mann für einen aktuellen Wagen, sollte Ekström sich Richtung NASCAR verabschieden.

Paul di Resta gewann am Ende völlig ungefährdet vor Spengler, der unauffällig unterwegs war und Scheider, der seinen Aufwärtstrend bestätigte. Weil Paffett hinter Molina ins Ziel kam, verlor er wichtige Punkte auf seine beiden Mercedes-Kollegen. Spengler führt zwar noch, aber sein Vorsprung ist vor den letzten vier Rennen auf schmale 9 Punkte zusammen geschmolzen. Stand im Moment:

Spengler 52
di Resta 43
Paffett 39
Scheider 29
Ekström 28

BTCC
Erstaunlich gesittet ging es zumindest in den ersten beiden Rennen der BTCC zu. Vielleicht war man auch einfach so erschrocken, dass es in Knockhill trocken war. Klar war, dass die beiden Hondas das Tempo vorgeben würden. Sie sind auf der eher engen Strecke in Knockhill wendiger und seit Silverstone hat man auch einen neuen, stärkeren Motor unter der Haube. Um so erstaunlicher war es, dass der junge Alex MacDowell sich die Pole im Chevy Cruze sichern konnte. Doch im Rennen konnten die Honda zurückschlagen.

Rennen 1
MacDowell konnte seine Pole nicht umsetzten. Ein bisschen zu viel Wheelspin am Start und schon war Shedden vorbei. In Turn 1 reihte sich der junge Cruze Pilot etwas zu optimistisch hinter Shedden ein und berührt ihn im Heck. Shedden stand fast komplett quer, rettete den Wagen aber irgendwie und blieb vorne. Dahinter reihten sich Neal und Plato ein, der im ersten Rennen den Speed seines Teamkollegen nicht mit gehen konnte. Um ihn herum ballten sich aber die Kollegen, die ihn massiv unter Druck setzten. Onslow-Cole versuchte sich als erster an Plato, der ihn aber abtropfen ließ. Nutzniesser der Aktion war Steven Kane mit seinem BMW, der an beiden vor ging und sich sofort von Plato absetzen konnte. Auch dahinter gab es viele gute Zweikämpfe, die meist fair blieben. Nur Rob Collard stand plötzlich in den Reifenstapeln, wie das passiert ist, haben die Kameras aber nicht aufgelöst. Vorne tat sich zunächst aber relativ wenig. Shedden hatte sich um 2 Sekunden abgesetzt, MacDowell war ein gutes Stück vor Matt Neal, der es ruhig angehen ließ. Dann hatte irgendjemand eine ein riesiges Werbebanner mitgenommen und in der Weir-Chicane abgelegt. Ein Safety Car war die Folge, was für Neal Folgen haben sollte. Denn beim Restart war Steven Kane plötzlich hinter ihm, der ihn dann eine Runde später auch in der Hairpin stellte und überholen konnte. Am Ende gewann Shedden vor MacDowell, Kane, Neal, Chilton, Plato, Cole, O’Neill, Jordon und Jackson. Für BTCC und Knockhill Verhältnisse war es ein eher ruhiges Rennen.

Rennen 2
Es ging schon mal damit los, dass MacDowell den Start versaut und weit zurückfällt. Im Hinterfeld dreht sich Pinkney, der gleich noch Rob Collard mitnimmt. Beide raus, die Marshalls legten eine kleine Slapstick-Nummer ein. Erst schieben sie Collards Wagen noch in die Reifenstapel, dann bekommen sie Pinkneys Wagen nicht weg. Nach dem Restart schnappt sich Matt Neal den Führenden Gordon Shedden, in dem er seinen Bremspunkt jenseits von Gut und Böse legt und sich in der Haipin vorbei drückt. Obwohl Shedden das Platzierungsgewicht aus Lauf 1 mit sich rumschleppt, kann sich Neal aber nicht absetzten. Vorne bildet sich dann schnell ein schöner Zug aus 5 Wagen mit Neal, Shedden, Kane, Chilton und Plato, der sich zurückhält und offenbar lange die Reifen schonen wollte. Zwar schenkte man sich nichts vorne, aber es passierte bis kurz vor Schluss nichts. Erst in den letzten 4 Runden kam wieder Schwung in die Bude, als Plato den Ford von Chilton in der Hairpin aus dem Weg schob und vorbei ging. Zwei Runden später machte er ein ähnliches Manöver mit Steven Kane, der sich gleich auch noch mit Chilton auseinandersetzen musste. Der schnelle Ford setzte sich in Turn 1 neben den BMW und natürlich wollte keiner nachgeben. Kane hatte das schlechtere Ende auf seiner Seite und drehte sich raus. Leider nahm er dabei auch noch Paul O’Neill mit, der weit zurück fiel. Neal gewann dann vor Shedden und Plato, der seinen Vorsprung in der Meisterschaft halten konnte. Zwar ein netter Kampf an der Spitze, aber ansonsten relativ wenig Bewegung im Feld.

Rennen 3
Nachdem die beiden ersten Rennen ja für BTCC Verhältnisse eher ruhig waren, sollte das dritte Rennen dann schon etwas ruppiger werden. Die Auslosung des Reverse Grids hatte Cole auf die Pole geschoben, hinter ihm lauerten aber mit Kane und Jackson gleich zwei BMWs, deren Hinterradantrieb am Start besser sein sollte. Pechvogel war aber Kane, der seinen BMW noch vor dem Start mit einer defekten Antriebswelle abstellen musste. Onslow-Cole konnte sich am Start knapp gegen Mat Jackson durchsetzen, der allerdings von hinten drängelte. Plato schnappte sich Shedden und war plözlich auf Platz drei. In der zweiten Runde versuchte Jackson in der Schikane an Cole vorbei zu gehen, was ihn allerdings ins Gras beförderte. Das halbe Feld zog an ihm vorbei und mit dem Hals von der Größe eines Baumstamms machte er sich auf die Verfolgung.
Vorne blieb es lange ruhig, auch ein Restart, nachdem Pinckney seinen Wagen mal wieder versenkt hatte, änderte nichts an der Reihenfolge. Plato blieb an Cole dran, machte aber erst mal nichts. Andrew Jordan war sicherer Dritter, und fuhr mit einem Respektabstand hinter den beiden Führenden her. Hinter ihm gab es eine Lücke, weil James Nash im Triple 8 Wagen Matt Neal und den Rest aufhielt. In den letzten Runden wurde es allerdings noch mal richtig hektisch.
Plato erhöhte massiv den Druck auf Cole. Dreimal versuchte er in der Hairpin eine weitere Linie um mehr Schwung auf der Geraden zu haben, jedesmal spielte Cole die überlegene Beschleunigung des Focus aus und ließ Plato stehen. Erst beim vierten Mal konnte sich Plato neben ihn setzten und setzte sich in Turn 1 auf der besseren Linie durch. Das Manöver erlaubte Jordan näher zu kommen, der seinen Wagen aber mit Übermut in die Wiese warf und weit zurückfiel. Matt Neal hatte mittlerweile James Nash aus dem Weg geräumt und klebte an Onslow-Cole, aber der rettete sich mit knappen Vorsprung ins Ziel.

Ein sehenswertes Rennen, mit einem nicht ganz erwarteten Sieger. Plato Sieg ist Gold wert, denn in der Meisterschaft bedeutet dies 20 Punkte Vorsprung. Das ist zwar noch zu wenig, da noch zwei Rennwochenenden kommen, aber ein besser als nichts ist es in jedem Fall.

WTCC
Kaum zu glauben, aber BMW ist mit dem schon fast altersschwachen 320si dank eines gut aufgelegten Andy Priaulx wieder mittendrin in der Meisterschaft. Das tut nicht nur der WTCC gut, sondern offenbar auch BMW. Zwar hat man sich noch nicht entschieden, ob man 2011 als Werksteam unterwegs sein will, dafür gab man aber bekannt, dass man für alle BMW-Teams ein Upgrade-Kit auf die neuen Regeln für 2011 bereithalten will. So können alle den neuen 1.6 Liter Turbomotor von BMW erwerben und die nötigen Umbau-Kits gibt es auch. BMW wird also in jedem Fall vertreten sein, selbst wenn man nicht als Werk unterwegs ist, wird man vermutlich eines der “Haus und Hof Teams” unterstützen.

Beide Rennen in Oschersleben waren sehr abwechslungsreich und sehenswert.

Rennen 1
Wie üblich brachte die Startphase in Oschersleben jede Menge Trubel. Farfus, der etwas überraschend die Pole geholt hatte, kam gut weg, deckte die Innenlinie ab und wollte als erster in Führung gehen. Doch von hinten drückten Rob Huff und Yvan Muller. Der Franzose schob Huff an, Huff denn den BMW von Farfus, der wieder weit raus geschoben wurde. Was zu Folge hatte, dass die beiden Chevys in Führung langen. Im Startgetümmel muss Tarquini dann auch eine Berührung gehabt haben, jedenfalls humpelte der Seat kurz um die Strecke. Etwas unfair stellte Tarquini den Wagen nicht am Streckenrand ab, sondern mitten auf die Ideallinie nach der Schikane. Man wollte offenbar eine SC-Phase erzwingen. Die Rennleitung ließ sich nicht ärgern, und man räumte das Auto unter einer lokalen Gelbphase weg. Das war ziemlich gefährlich, aber auch extrem unsportlich von Tarquini.
In der Zwischenzeit hatte sich die Rennleitung auch noch mal den Start angesehen und war zum Schluss gekommen, dass Rob Huff wohl absichtlich gehandelt hatte, als er Farfus bedrängte. Man verhängte eine Durchfahrtstrafe, die Huff allerdings nicht antrat. Was verständlich war, denn das, was am Start passierte, war halt das übliche Tourenwagengemetzel. Zu dem kann auch keiner sagen, ob Farfus nicht etwas zu früh gebremst hatte, weil er ganz innen, auf der dreckigen Spur war. Weil Chevy Huff draussen ließ und mit der Rennleitung diskutierte, kam es dann, wie es kommen musste: Huff wurde mit einer schwarzen Flagge rein geholt.
Nutzniesser von allem war Yvan Muller. Tarquini draussen, Priaulx, der ein zähes Rennen hatte, nur auf Platz 6, Huff disqualifiziert. Das gab satte Punkte. Am Ende gewann mal wieder Menu vor Farfus, Muller, Coronel, Monteiro, Priaulx, Nykjaer, Michelisz, der damit für Rennen 2 auf der Pole stand.

Rennen 2
Am Start schoss Priaulx aus der zweiten Reihe an beiden Seats vorbei. Fast konnte man meinen, dass der Brite einen Frühstart hingelegt hat, aber offenbar kamen beide Seat mit ihrem Frontantrieb einfach nicht weg. Nach der ersten Runde und nachdem alle Rangeleien durch waren, führte Prilaux vor Michelisz, Nykjaer, Monteiro, Farfus, Menu, Coronel, Poulsen. Von Yvan Muller war zu diesem Zeitpunkt nichts zu sehen. Tiago Monteiro dagegen war offenbar auf einer ganz besonderen Mission. Erst schubste er Markenkollegen Nykjaer aus dem Weg, ein paar Runden später rüpelte er sich am ebenfalls einen Seat fahrenden Michelisz vorbei. Die Rennleitung war ob der robusten Fahrweise des Portugiesen nicht erfreut und schickte ihn einmal durch die Boxengasse. Der bedauernswerte Michelisz fiel im Laufe des Rennens auch noch Rob Huff und Gabriele Tarquini zum Opfer und kam ohne Punkte ins Ziel. Das Seat-Chaos half vor allem Yvan Muller, der sich aus allem raushielt und am Ende Dritter werden konnte. Auch Farfus profitierte und eroberte den zweiten Platz Nykjear schaffte es immerhin nach der Attacke von Monteiro auf Platz vier. Vorne fuhr aber Priaulx einem ungefährdeten Sieg entgegen, der zweite Platz von Farfus erfreute BMW dann doppelt.

Allerdings – die Rennleitung hatte angekündigt, dass man sich das ein oder andere Manöver aus Rennen Eins und Zwei noch mal genau anschauen wollte. Bisher habe ich aber nichts in Sachen Strafen gehört. Wenn sich was ändert, trage ich es nach.
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