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16:07

ALMS: Analyse Mosport 2010

Das Wort “chaotisch” passte zwar nicht auf das Rennen, wohl aber auf die Übertragung von Speed und die Auswürfelung des Endergebnis.

Nach dem sensationellen Rennen der ALMS in Road America folgte mit Mosport ein Kurs, der in der Vergangenheit schon des öfteren für knappe Ergebnisse gut war. Die Strecke ist zwar, gelinde gesagt, in einem miserablen Zustand, aber weil es ein Höchstgeschwindigkeitskurs ist, spielt der Spritverbrach eine große Rolle. Je nach dem, wie die Cautions fallen, kann es am Ende richtig eng werden. Das wurde es gestern aber nicht, stattdessen brach nach einem heftigen Abflug eines Porsche aus der GTC-Klasse das Chaos aus. Richtig genervt war ich von Speed, die während des Rennens komplett den Überblick verloren und alle 10 Minuten eine Werbepause einlegten.


Dabei begann das Rennen unter guten Vorzeichen. Es hatte die letzten Tage nicht geregnet, so dass die Auslaufzonen, die ausschließlich aus Gras bestehen, immerhin auch etwas sicherer waren. Mosport ist in Sachen Sicherheit nicht wirklich ganz weit vorne finden. Obwohl man am Ende der langen Gegengeraden eine Höchstgeschwindigkeit von rund 190 mph (LMP) bzw. 155 mph (GT) erreicht, und auch Turn 2 nicht gerade langsam ist, sind die Auslaufzonen arg begrenzt. Wer abfliegt, zerstört sich unweigerlich den Wagen. Die teilweise etwas sehr alt aussehenden Leitplanken sollten dann später auch noch getestet werden.

Zunächst ging nach dem Start Romain Dumas im RS Spyder von Cytosport in Führung. Der Porsche auf niedrigen Abtrieb getrimmt, damit auf den langen Geraden gegen die deutlich stärkeren Prototypen von Autocon und Dyson eine Chance hatte. Weil man aber in der Quali gepatzt hatte, starteten John Field im Intersport Lola AER und Burgess im Autocon relativ weit hinten und mussten sich erstmal an David Brabham im Highcroft ARX vorbei mogeln. Der ehemalige Acura war mit dem Le Mans Aero-Kit unterwegs, das allerdings nicht wirklich auf die Strecke passte. Brabham beklagte später, dass man zu wenig Abtrieb habe, und in den wenigen, aber schnellen Kurven den Vorteil des höheren Topspeeds wieder verlieren wurde. Zumal die Höchstgeschwindigkeit auch nicht viel brachte, auf der Geraden gingen sowohl der Dyson-Lola als auch Field im Lola-AER spielend an dem ARX vorbei.

Dumas konnte sich lange vorne halten und einen Vorsprung von 12 Sekunden halten, aber es war klar, dass irgendwann einen Caution kommen musste. Danach würde es für den Spyder eng werden. Doch bevor es soweit war, ging das große Sterben in der LMP los. Fields stellte den Lola schon bald an der Box ab, weil die Kupplung ihren Geist aufgegeben hatte, der Lola-Mazda von Dyson hatte eine Begegnung mit einer Corvette, bei der ein leichter Schaden an der Hinterachse auftrat. Dazu kam, dass der Autocon Lola merkwürdig indisponiert war und während des Rennens keine Rolle spielte. Der Wagen seiner Lordschaft war ebenfalls von Defekten geplagt und hatte nie eine Chance. Ein guttimter Boxenstopp und eine passende Caution führten dann dazu, dass der Porsche fast eine Runde Vorsprung auf den ARX hatte auch nicht mehr abgab. Der Sieg war also schnell klar.

So langweilig es in der LMP Klasse war, so spannend war es mal wieder bei den GTs. Vorne weg fuhr zunächst das Duo Long/Bergmeister auf dem Flying Lizard Porsche GT3 RSR. Der lieferte sich aber ein sehenswertes Duell mit dem Corvette von Oliver Gavin und später stieß der übrig gebliebene Risi F430 mit Villander/Bruni am Steuer hinzu. Pierre Kaffer war nicht am Start, der hatte den zweiten Risi im Training nachhaltig in die Mauer gesetzt. Die BMWs hatten einen gemischten Tag. Joey Hand hielt sich in seinem Stint auf Platz 3, danach übergab er den Wagen an Jörg Müller. Der wurde allerdings vom Ford GT der Familie Robertson in den Esses geschnitten. Die Wagen berührten sich, der M3 steig sogar auf und schaufelte auf seinem Weg Richtung Kiesbett noch die halbe Botanik auf die Strecke. Eine längliche Caution war die Folge. Der zweite BMW mit Milner/Auberlen hielt sich wacker, war aber chancenlos.

Der Kampf in der GT-Klasse wurde gerade so richtig nett, als das Rennen unterbrochen wurde. Cocker im Drayson hatte im Verkehr auf der Gegengerade eine Lücke unterschätzt und den Porsche mit der Startnummer 48 gerammt. Luke Hines war komplett chancenlos, der GTC-Porsche bog mitten auf der Geraden scharf nach links und zerschellte fürchterlich in der Leitplanke. (Vorladen lassen, Bericht geht erst ab 0:30 los)

So einen massiven Einschlag habe ich lange nicht mehr gesehen. Die Leitplanken aber dabei ihren Zweck erfüllt. Weil sie teilweise aus der Verankerung gerissen wurden, haben sie weit genug nach gegeben, damit sich die Energie abbauen konnte. Die Gefahr bestand aber, dass der Porsche die Leitplanken durchbrochen hätte und in den Wald abgeflogen wäre. Aber auch so ist es ein Wunder, dass er nicht mehr getroffen wurde, obwohl mitten in den Verkehr zurück flog.

Das Rennen war nach Unfall vorbei. Die Verantwortlichen hielten zwar die Uhr an, aber der Schaden an der Begrenzung war so groß, dass man das Rennen nicht mehr starten konnte. Eine vernünftige Entscheidung, auch wenn es ein gutes Rennen zu früh beendet hatte.

Und dann begann das große Rätselraten, wer denn nun die GT-Klasse gewonnnen hatte. Der Speedticker zeigte Bergmeister vor Villander und Milner, das Livetiming der ALMS zeigte ein komplett anderes Ergebnis. Mittlerweile hat die ALMS das aber wieder korrigiert, offenbar war das Web-Livetiming nicht auf dem neusten Stand.

Die “as live” Übertragung von Speed war aber dennoch eine Katastrophe. Keine Ahnung, woran das lag, aber die Kommentatoren war völlig von der Rolle, der Regisseur ebenso. Man verpasste reihenweise die Boxenstopps, wusste nicht mehr, wo die einzelnen Wagen lagen. Das der Dyson mit der Corvette aneinander geraten war, hatte man nicht im Bild ebenso verpasste man sämtliche (!) Überholmanöver von Villander im Ferrari, der von Platz 11 gestartet war. Während zeitweise, wegen einer anderen Strategie, Milner vorne lag, war man bei Speed überzeugt, dass Bergmeister führen würde. Kann aber sein, dass die auch die Probleme mit den Livetiming vor Ort hatten. Die vielen, alle 10 Minuten kommenden, Werbepausen, machten die Übertragung auch nicht besser. Jedenfalls war es eine Katastrophe, man musste sich die Reihenfolge irgendwie selbst zusammenbasteln.

Die ALMS macht jetzt erst einmal eine Pause. Das nächste Rennen ist erst das Petit Le Mans, Anfang Oktober.
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