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06:37

DTM: Vorschau Nürburgring 2010

Die DTM beendet ihre Sommerpause, aber das, was sich hinter den Kulissen bewegt, ist spannender, als manches Rennen. Und dann gibt es eine erstaunliche Meldung aus der italienischen Superstar Serie.

Nürburgring und DTM – da stossen zwei Dinge zusammen, die sich gerade in einer Krise befinden. Am Ring stellt sich raus, dass die Neubauten, nebst des völlig überflüssigen “Eifeldorf”, von Finanzierungsskandalen gebeutelt sind. Der SWR hatte neulich eine deprimierende Dokumentation über die Machenschaften hinter den Kulissen, Wilhelm Hahne veröffentlicht demnächst ein Buch über die Hintergründe des pompösen Geschäfts. Hahne hatte eine Hausdurchsuchung über sich ergehen lassen müssen, weil er allzu kritisch über die Geschäfte am Ring berichtet hatte. Ich selber, der früher fast jedes Wochenende am Ring war, bin geteilter Meinung, was die neuen Bauten angeht.

Ich war letztes Jahr kurz nach der Eröffnung zum F1 Rennen vor Ort, später noch einmal beim Oldtimer GP. Die neue überdachte Flaniermeile gefällt mir eigentlich recht gut, auch weil man bei schlechtem Wetter (soll ja vorkommen in der Eifel) trocken zur Tribüne kommt. Den Rest, das neue Hotel, die …öhhmmm… Achterbahn und vor allem das Eifeldorf hätte man sich sparen können. Wer ist auf die Idee gekommen, mitten in der Eifel, wo es Eifeldörfer noch und nöcher gibt, ein künstliches Eifeldorf aufzubauen? Das ist ungefähr so, als würde man in Berlin eine verkleinerte Version des Brandenburger Tors nachbauen. Wie viel Ignoranz gegenüber dem Ring und seiner Geschichte, muss man haben, um auf so eine Idee zu kommen. Egal – jetzt steht es. Meist leer, wie ich höre, und die “richtigen” Ring-Fans ignorieren die GP-Strecke sowieso.

Der DTM geht es auch nicht besonders, wobei man vorsichtig sein sollte. Verglichen mit anderen Rennserien ist die DTM in Deutschland immer noch deutlich erfolgreicher, sowohl was Zuschauerzahlen, TV-Quoten als auch den Marketing-Effekt angeht. Die nackten Zahlen stimmen bei der Serie, sie ist ein gutes Geschäft, sowohl für die Hersteller, als auch für die Sponsoren. Das sportliche Konzept funktioniert allerdings, aus hier mehrfach beschrieben Gründen, nicht. Ein Mitarbeiter eines anderen Konzerns meinte neulich während eines kurzen Gesprächs über die Serie, dass die ITR vor zwei bis drei Jahren versäumt habe, die Weichen für die Zukunft zu stellen. Aber das sei halt das Problem, wenn eine Serie in den Händen der Hersteller sei und es keine Gegenpol in Form eines Organisator geben würde. 2008 habe man nicht mit einer Wirtschaftskrise gerechnet, danach hatte man dann andere Probleme, als den Motorsport gehabt. Zu dem habe man innerhalb der ITR nicht immer das rechte Augenmaß für die eigene Größe.

Das merkt die Serie jetzt, denn eigentlich hat man schon seit 2005, als Opel ausgestiegen ist, eine Erneuerung der DTM verschlafen. Jetzt bastelt man an einem Konzept, dass die GrandAm und die JapanGT mit einschließt und, wenn man BMW glaubt, irgendwie mit dem GT-Reglement verknüpft ist. Was genau man plant ist geheim, genaue Angaben lassen sich Insider nicht entlocken. Vielleicht auch, weil es noch keine gibt. Bei BMW, so hört man, wird man immer skeptischer, was die DTM angeht. Im Herbst muss man sich aber entscheiden, will man nächsten Sommer ein fertiges Auto haben, mit dem man testen kann. Sicher ist der Einsatz aber noch lange nicht.

Von den Untoten auferstanden ist auch Opel, die bestätigt haben, dass man mit Williams über einen Einsatz in der DTM redet. Geplant wäre der Einsatz eines Insignia, welche Rolle Williams dabei spielen soll, ist unbekannt. Eine Tochterfirma von Williams, Williams Hybridpower, hat das KERS System mit dem Schwungrad entwickelt, dass auch vom Porsche 911 Hybrid beim 24H am Ring eingesetzt wurde, allerdings hat Porsche das System nach eigenen Vorstellungen verändert und umgebaut. Logisch wäre, dass Williams sein System nun auch Opel anbietet, was bedeuten würde, dass das neue Reglement auch “grüne” Bestandteile haben würde. Williams und Opel betonen aber, dass man weit von einem Vertragsabschluss entfernt ist, auch wenn beide Seiten großes Interesse zeigen. Eine Entscheidung soll in zwei Monaten fallen. Angesichts der sehr angespannten Lage bei Opel, wäre ein Einsatz in der DTM schon eine kleine Sensation.

Doch selbst wenn er kommt – vor 2012 passiert nichts, weil die ITR Zeit braucht, den Reglementswechsel zu vollziehen. Weder Opel, noch BMW oder andere Hersteller werden 2011 in der DTM auftauchen, also bleibt es beim gewohnten Bild. Zu dem besteht durchaus die Gefahr, dass die DTM eines ihrer Zugpferde verlieren könnte. Die NASCAR Ambitionen von Mattias Ekström sind nach seinem Einsatz in Watkins Glen gestiegen, zu dem hat Red Bull noch nicht verlauten lassen, ob Vickers jemals wieder wird Rennen fahren können. Zwar macht der Einsatz von Ekström für Red Bull in den USA keinen Sinn, weil ihn da keiner kennt, aber um die Serie in Europa attraktiver zu machen, wäre selbst ein sporadischer Einsatz durchaus interessant. Unklar ist allerdings, wie lange der Vertrag von Ekström mit Audi läuft, die ihn sicher auch nicht gerne gehen lassen würden, und ihm zusätzlich mit einem Einsatz in Le Mans ködern können.

Am Ring wird man wieder, wie gewohnt, eine gute Show abliefern, zumindest, was das drumherum angeht. Man fährt die kleine Anbindung, biegt also nach dem “Haug-Haken” direkt wieder rechts ab. Der Grund für die Entscheidung lautet offiziell, dass man den Zuschauern mehr Runden und damit öfter die Ansicht der Wagen bieten möchte. Inoffiziell ist es wohl so, dass man nicht möchte, dass die Fans sich auf der dann doch weitläufigen Strecke verlaufen und die Tribünen an Start und Ziel etwas leerer aussehen.

Sportlich passiert natürlich auch etwas. Timo Scheider kann seinen dritten Titel in Folge wohl abschreiben, da es in diesem Jahr bei ihm recht zäh läuft. Überhaupt sieht es schlecht aus für Audi in Sachen Titelverteidigung. In der Meisterschaft liegt Bruno Spengler mit 32 Punkten vorne, Jamie Green hat schon 10 Punkte weniger. Ekström hat 21 Zähler, es folgen Paffet mit 19, di Resta mit 17 und Rockenfeller mit 12 Punkten. Es wäre schon ein kleines Wunder, wenn Audi Ekström als Meister durchbringen könnte. Auf der anderen Seite – Mercedes wäre auch mal wieder dran. Interessant wird auch zu beobachten sein, ob Ralf Schumacher sein gutes Quali-Ergebnis vom Norisring wiederholen kann, oder ob es eine einmalige Sache war.

Spaß könnte am Wochenende das Wetter machen. Regenrennen sind in der DTM ja leider selten, aber wie in jeder Serie sorgen sie für etwas Abwechslung. Der Trend spricht für Samstag und Sonntag jedenfalls von Schauern.

Kleine Meldung am Rande aus einer völlig anderen Serie. In der leider hier kaum bekannten “Superstar” Serie aus Italien, startet seit dem letzten Rennen ein Porsche Panamera. Nein, kein Tippfehler, ich meine tatsächlich einen Panamera. Die ehemalige Alfa-Schmiede N.Technology hat sich dem Schlachtschiff aus Weissach angenommen, und es tatsächlich siegfähig gemacht. Gleich beim ersten Einsatz in Mugello erreichte man die Pole und sackte den ersten Sieg ein. Am Steuer saß allerdings auch kein geringer als der zur Zeit arbeitslose Fabrizio Giovanardi.

Die italienische Serie besteht aus viersitzigen Sportwagen, die mit einem V8 ausgestattet sind und ein wenig an die leider zu früh verstorbene V8STAR Serie erinnern, bzw. die australische V8-Serie. Das Starterfeld besteht aus Audi RS4, M3s, AMG C63, Jaguar S-Type, aber auch Chrysler 300C oder Cadillac CTS. Allerdings tritt meist eine recht überschaubare Zahl an Autos an. In Deutschland ist die Serie mit mehrwöchiger Verspätung und in einer Kurzzusammenfassung auf MotorsTV zu sehen. Eigentlich ein sehr interessantes Konzept, aber den meisten Herstellern passen Rennen mit Oberklasse Limosinen nicht ins Marketingkonzept. Entweder nutzt man halt die typische Familienkutsche (WTCC) oder einen “richtigen” Sportwagen (GT-Serie).
Interessant ist der Einsatz des Panamera zwar schon, aber gleichzeitg weiß man, dass man es bei Porsche insgesamt ungern sieht, wenn andere Wagen als der 911er für Rennen eingesetzt werden. Die Gebrüder Alzen hatten eine zeitlang auf einen Cayman gesetzt, der dank seines Mittelmotors das eigentlich modernere Konzept bietet. Da war man bei Porsche aber nicht sonderlich erfreut und das Projekt verschwand dann auch schnell wieder von der Rennstrecke.

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