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08:52

WTCC/F2: Analyse Brands Hatch 2010

Während die WTCC zwei muntere Rennen lieferte, war es bei der Formel 2 doch eher ruhig. Angesichts der schwierigen Strecke war das wohl auch besser so.

Da schimpft man einmal über die Chevy Cruze, und schon legen sie zwei gute Rennen hin. Schon in der Qualifikation belegten die drei Werkspiloten Muller, Huff und Menu die ersten drei Plätze, während die Seat geschlossen die Plätze fünf bis sieben belegten. Sogar der Privatier Michelisz schaffte es auf den achten Platz. Dahinter wartete dann Farfus auf seine Chance. Andy Prilaux musste auf Grund eines Motorwechsels von Platz 16 starten. Und Platz vier? Da stand Colin Turkington und zeigte der FIA, dass das momentande Reglement ein völliger Witz ist. Es gab aber auch noch weitere Aufreger um BMW und Chevy.

Ich hatte in der Vorschau schon auf das Problem hingewiesen, dass einige Privatiers seit neustem mit einem 2008er BMW an Start gehen. Da dieser nicht unter die Gewichts”bestrafung” der FIA fällt, liegt deren Gewicht 75 Kilo niedriger, als bei den aktuellen Fahrzeugen. Dafür muss der Wagen zwar in Sachen Aerodynamik umgebaut werden, aber das scheint, zumindest in Brands Hatch ein kleineres Problem zu sein. Weil Turkington in einem alten BMW unterwegs war, tobte der amtierende BTCC Meister auf Platz vier in der Quali. Die BWM Werkswagen von RML hatten sich was ähnliches überlegt, allerdings fand die FIA das weniger lustig. Privatteams dürfen das, Werksteams nicht, hieß es mehr oder weniger klar in der Entscheidung der Rennleitung und BMW musste wieder zurückbauen.

Zu Beginn des ersten Rennens zogen die drei Cruze vorne weg, während “Turky” seinen Platz an Gabriele Tarquini verlor. Es sah für einen Moment so aus, als könnte der Seat-Pilot auch die Chevys unter Druck setzen, doch die waren einfach zu stark. Zudem sah Turkington überhaupt nicht ein, den Seat Pilot vorne wegziehen zu lassen. Immerhin war es sein Heimrennen und er sucht dringend nach einem Cockpit für 2011, entweder in der BTCC oder der WTCC. Demtsprechend setzte er den Italiener unter Druck, ging dann aber recht überraschend in Druids vorbei, als ihm Tarquini die Tür sperrangelweit aufmachte.

Weiter hinten wühlte sich Prilaux durchs Feld und schloss recht bald zu Farfus auf. Es wurde eng um Platz 8, der ja für das zweite Rennen die Pole Position bedeutet. Farfus, Prilaux und der Sieger aus Portimao, Tiago Monteiro, balgten sich rundenlang um den Platz, bis es Farfus zu blöd wurde, und er sich an Monteiro vorbeidrückte um den Portugiesen auf Platz neun zu schicken. Der war dann nach dem Rennen wenig beeindruckt und nicht eben glücklich über die Aktion.

Ansonsten tat sich vorne relativ wenig, nur Turkington nagte am Heck am Alan Menu, der plötzlich langsamer zu werden schien. Relativ mühelos holte sich der BTCC-Fahrer den dritten Platz, während Menü scheinbar mit Problemen zurück fiel. Doch das war eine reine taktische Maßnahme, denn Chevy wollte auch im zweiten Rennen einen Cruze in der ersten Reihe haben. Teamchef Neve sprach nach dem Rennen von “Reifenproblemen”, aber die unsportliche Aktion war mehr als deutlich. Und auch ein Problem der Regeln der FIA. In der BTCC gibt es zwar auch einen “reverse grid” im dritten Rennen, aber ab welchem Platz der stattfindet, wird er erst nach dem zweiten Rennen ausgelost. So weiß keiner, ob der sechste oder neunte Platz die Pole für das nächste Rennen bedeutet. Diese einfache Methode sollte die FIA vielleicht dann auch mal übernehmen.

Im zweiten Rennen stand Andy Prilaux auf der Pole, neben ihm Alan Menu, der trotz einer Untersuchung der Rennleitung seinen Platz behalten durfte, dahinter Farfus, dann Tom Coronel und Tarquini. Die erste Reihe startete kollektiv schlecht, so dass sich Farfus an die Spitze setzen konnte. Turkington düpierte beide Seat in dem er einfach zwischen beiden durchfuhr. So weit, so gut, nur führte der falsche BMW, den Farfus ist in der WM schon chancenlos. Prilaux schien auch schneller zu sein, also war ein Platztausch dringend nötig. Aber der Brasilianer suchte sich die denkbar blödeste Stelle aus, und ließ dem Markenkollegen die Tür in Druids auf. Aber nicht nur der Brite, auch Menu sah sich freundlich eingeladen und stach in die Lücke, die Farfus versuchte hektisch zu schliessen. Das Ende war klar: Berührung, Dreher, Tränen. Menü war raus, Farfus stand quer auf der Strecke. Freuen konnte sich erneut Colin Turkington, der es sich auf Platz zwei gemütlich machte und damit die Independent Trophy deutlich gewann.

Weil sich vorne nichts mehr tat, verlagerte sich die Action zu den Privatteams, wo sich Franz Engstler, Tom Boardmann und Mehdi Bennani einen hübschen Kampf lieferten, den der Marokkaner dann beendete, als er Engstler in die Wiese schickte. Kurz darauf steckte Bennani selber im Kies, was zu einer Safety Car Phase führte. Aber auch der Restart änderte vorne nichts mehr, jeder war mit seinen Positionen zufrieden.

Zwei okaye Rennen, zeitweilig unterhaltsam, aber die unschöne Sache mit Menu und die nicht vollziehbaren Gewichtsregelungen machen der WTCC gerade zu schaffen. Aber wie schon erwähnt – es ist das letzte Jahr mit diesen Regeln. Die (bildschönen) Volvo sah man leider nur selten im Bild. In Rennen Eins fuhr Dahlgren um Platz 10 rum, in Rennen 2 konnte er nicht starten. Die leidigen 40 Kilo Mehrgewicht machten dem Schweden zu schaffen, da wird man sich beim chinesischen Inhaber von Volvo einen Einsatz in der WTCC sicher überlegen.

F2
Zwei eher lahme Rennen zeigte die F2 in Brands Hatch. Im ersten Rennen dominierte Dean Stoneman den Lauf nach Belieben. Der Brite nutzte sogar nicht einmal seinen Boost-Button, so viel schneller war er an diesem Wochenende. Weiter hinten mühte sich der bisher führende in der Meisterschaft, Jolyon Palmer, hatte kein gutes Wochenende. Schon in der Quali lief es nicht besonders, er startete nur von Platz 7 und fiel beim Start auch noch einen Platz zurück. Irgendwie hatte er sich beim Setup verhauen, man konnte sehen, dass er untersteuernd in die Kurven einlenkte, und mit mächtigem Übersteuern wieder rauskam. Da war nichts zu holen und er blieb dementsprechend auf Platz 8 hängen. Vorne hatte Stoneman schnell 8 Sekunden Vorsprung heraus gefahren, die er dann nur noch verwaltete. Etwas enger war es um Platz 3, wo Samarin, Bratt und Gladdis sich ein Duell lieferten, aber eine richtige Überholmöglichkeit brachte das niemanden.

In Rennen 2 stand Kazim Vasiliauskas auf der Pole, der diese auch in eine Führung umsetzen konnte. Philipp Eng, der eine zähe Saison hat, konnte Platz zwei verteidigen, stand aber unter Druck von Tom Gladdis, der sich mehrfach neben dem Österreicher zeigte. Dean Stoneman zeigte erneut, dass er mittlerweile richtig gut in Schwung gekommen ist. Er schnupfte die Kollegen reihenweise auf, bis er hinter dem gut gestarteten Palmer lag. Doch der hatte wohl immer noch die Probleme, die ihn Lauf Eins behinderten und Stoneman hing knapp hinter dem Palmer. Eingangs des Paddock Hill Bend kam es dann, wie es kommen musste. Stoneman zog innen rein, Palmer machte zu und die Autos berührten sich. Mit dem schlechteren Ende für Palmer, der von Stoneman in den Kies geschickt wurde und das Rennen aufgeben musste. Obwohl der Wagen von Stoneman sogar kurz in der Luft war, konnte der Brite weiterfahren.
Vorne sah es nach einem ungefährdeten Sieg von Vasiliauskas aus, als dieser seinen F2 Boliden plötzlich in die britische Wiese schickte. Zur eigenen Überraschung nahm Eng die Spitze ein, während der Ex-Spitzenreiter weiter zurückfiel. Es waren wohl Getriebeprobleme, die ihn um den Sieg brachten, jedenfalls musste er das Rennen später aufgeben. Stoneman holte zwar noch auf den zweitplatzierten Gladdis auf, der seinerseits Philipp Eng nicht aus den Augen ließ, aber es passierte nichts mehr und Eng konnte seinen zweiten Saisonsieg einfahren.

Ein bitteres Rennen für Palmer, der seine Führung in der Meisterschaft an Stoneman abgeben musste. Die Saison dürfte noch einiges an Spannung zu bieten haben.

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