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06:16

Formel Eins: Analyse GP von Monaco 2018 – Endlich Ricciardo

Das war ein sehr merkwürdiges Rennen rund um den Hafen von Monaco. Schuld daran war eine Fehleinschätzung fast aller Teams.

Das man in Monaco immer weichsten Reifen des Jahres aufziehen lässt, ist bekannt. Die Belastung für die Reifen ist niedrig, der Abrieb gering. Und doch reicht es meist immer noch zu einer Ein-Stopp-Strategie. Schon vor dem Rennen war daher klar, dass man mit einem Undercut vermutlich wenig ausrichten würde können, während der Overcut gute Chancen bot. Zumindest, wenn man von weiter hinten startete. Das bewies im Rennen zum Beispiel Nico Hülkenberg. Vorne war die Lage nicht so klar, vor allem, weil die Teams sich bei den Reifen verschätzt hatten. Ausgehend von der Langlebigkeit der Ultrasoft in den Jahren zuvor, hatten sich alle für die neuen Hypersoft in Monaco entschieden. Die meisten nahmen dazu den einen Satz Ultra- und Supersoft, den man sowieso nehmen musste. Doch das war ein Fehler.

Vor Ort wurden die Teams mit zwei Problemen konfrontiert. Zum einen hatte man den Kurs in Monaco teilweise neu asphaltiert. Das machte verschiedene Passagen etwas rutschiger, was die Lebensdauer der Reifen reduzierte. Zum anderen machte der Hypersoft seinem Name alle Ehre – er war sehr weich, sehr schnell, verlor aber auch rapide an Grip. Mehr als 15 bis 20 Runden waren mit dem Hypersoft bei forcierter Fahrt eigentlich nicht drin. Das stellte die Teams dann wiederum vor das Problem, dass man mit den Ultrasoft die restlichen knapp 60 Runden würde zurücklegen müssen, wenn man nur ein Mal an die Box wollte. Die waren für diese lange Distanz aber eigentlich gar gedacht. Wohl aber die Supersoft, denen Pirelli eine Lebensdauer von 70 Runden prognostizierte. Dummerweise hatte aber keins der Top Teams genug Supersoft vorbestellt.

Bei dieser Aufgabenstellung, und im Bewusstsein, dass man eh über den Speed nicht würde gewinnen können, kam Mercedes auf die Idee, in Q2 die Ultrasoft zu nehmen. Doch in Monaco, wo die Aerodynamik unwichtiger ist, waren die Abstände zu den Verfolgern zu eng. Mercedes probierte es, aber am Ende lag Hamilton auf P9 und Bottas auf P12. Beide drohten in Q2 zu scheitern, weswegen man auf die ungeliebten Hypersoft umstieg. Ferrari und Red Bull probierten es gar nicht erst, was mich zumindest bei Red Bull etwas überraschte. Aber man wollte wohl auf Nummer Sicher gehen, nachdem man gesehen hatte, dass man in Sachen Graining weniger Probleme hatte, als die Konkurrenz.

Langsamer Start

Diese Ausgangslage führte dann aber zu einem kuriosen Rennen. Da man in Monaco sowieso so gut wie gar nicht überholen kann, reduzierte Ricciardo nach dem Start das Tempo massiv. Seine Rundenzeiten lagen im Bereich von 1.19min, also knappe neun Sekunden langsamer, als in der Quali. Das führte dann wiederum dazu, dass das Feld relativ eng zusammen blieb. Es bildeten sich nicht gewünschten, und für einen Undercut nötigen, Abstände. Wer früher reinkommen wollte, sah sich der Gefahr ausgesetzt weit ins Mittelfeld zu fallen, wo wiederum einige mit den Ultrasoft auf einem langen ersten Stint unterwegs waren.

Mercedes versuchte es in Runde 12 mit Hamilton um diesen an Vettel vorbei zu kommen, aber in dem Moment, in dem der Brite rein kam, zog Ricciardo vorne das Tempo an und mit ihm auch Vettel. Die Lücke für den Stopp von Vettel vergrößerte sich dadurch und er kam problemlos vor Hamilton wieder raus. Die anderen kamen dann fast zeitgleich an die Box, so dass keine Verschiebungen entstanden.

Das Rennen vorne war also eine langweilige Prozession und es wäre auch eine geblieben, wenn Ricciardo nicht plötzlich technische Probleme bekommen hätte. Erst verabschiedete sich sein MGU-K, dann auch noch der siebte und der achte Gang seines Getriebes. Aber Monaco ist die einzige Strecke, auf der man sich das erlauben kann. Aber wie konnte sich Ricciardo, dem auf der Geraden bis zu 30 km/h Topspeed, fehlten, vor Vettel halten? Hätte der nicht problemlos an dem Australier vorbeiziehen müssen?

Warum kam Vettel nicht vorbei?

Zwei Faktoren spielten hier Ricciardo in die Hände. Zum einen der in Monaco überlegene mechanische Grip des Red Bull. Der sorgte dafür, dass er am Kurvenausgang dem Ferrari überlegen war. Da er besser beschleunigen konnte, öffnete sich immer genau die Lücke, die er für die kurzen Geraden benötigte. Zum anderen hatte Vettel durch das Hinterherfahren Probleme mit den Vorderreifen, die immer wieder Graining zeigten. Zwar kam er an RB14 ran, steckte dann aber fest und verlor soviel Abtrieb, was die empfindlichen Reifen mit Graining beantworten. Da sich Ricciardo keinen Fehler erlaubte, hatte Vettel keine Chance. Man muss da auch ganz klar sagen: Das war eine sensationelle Fahrt des Australiers. Eine weltmeisterliche Leistung.

Während sich vorne gar nichts tat, bewegte sich immerhin im Mittelfeld ein bisschen. Einerseits dank Max Verstappen, der sich nach seinem Fehler in FP3 von ganz hinten durchs Feld fräste, zum anderen aber auch durch die sehr gute Fahrt von Nico Hülkenberg. Der hatte, zum eigenen Frust, Q3 verpasst, konnte aber so mit den Ultrasoft fahren. Die fuhr er dann erstaunliche 50 Runden, was ihn natürlich nach vorne spülte. Sein Handicap war aber, dass er vor allem im ersten Renndrittel mit den Reifen nicht angreifen konnte, weil sein Stint so lange ausgelegt war. Da es, bis auf die VSC-Unterbrechungen kein echtes Safety Car gab, blieben die Abstände gleich. Sein Overcut konnte so also funktionieren. Zum Leidwesen von Carlos Sainz, der wiederum Q3 schaffte und deswegen wie die Spitze, einen kurzen ersten Stint fuhr. Das Spanier musste Hülkenberg vorbeilassen, der dann aber wiederum nicht an Gasly vorbei kam, der mit dem Toro Rosso ein sehr gutes Rennen ablieferte.

Zwei Fahrer muss man ebenfalls noch loben. Zum einen Esteban Ocon, der sich am Start schon gut in Szene setzte und als „best of the rest“ unterwegs war. Sein sechster Platz war eigentlich nie in Gefahr, da er in der Leader Sequence blieb. Der zweite Fahrer war Marcus Ericsson. Der Schwede war in Q3 hängen geblieben, kämpfte sich aber dann durch das Rennen. Er profitierte durch die Ausfälle von Leclerc und Hartley am Ende, ließ aber immerhin auch die beiden Haas hinter sich und landete auf P11.

Wiliams am Abgrund

Nicht unerwähnt bleiben darf die Leistung von Williams. Das man nicht das beste Auto in Monaco haben würde, war schon vorher klar. Das Stroll mal wieder überfordert sein würde, ebenfalls. Immerhin überraschte Sirotkin mit dem Einzug in Q2 und guten Rundenzeiten. Was zumindest zeigte, dass der Russe durchaus über Talent verfügt. Was aber am Renntag passierte, war unglaublich. Kurz vor dem Start hatte sich eine Radmutter verklemmt, man bekam den Reifen nicht vor der 3 Minuten Grenze auf das Auto. Dies bedachten die Regelhüter mit einer Stopp and Go Strafe von 10 Sekunden. Danach ging bei Williams gar nichts mehr. Man setze bei Sirotkin auf eine Zwei-Stopp-Strategie, in der Hoffnung, dass es am Ende noch eine SC-Phase geben würde. Es war ein hilfloser Versucht, die Beschwerden von Stroll über Funk machten es nur schlimmer. Man hatte teilweise das Gefühl ein Team zu beobachten, dass kurz vor der Auflösung steht.

Bilder: Daimler AG, Ferrari, Force India, McLaren F1, Sauber F1, Renault Sport, HaasF1, Williams F1
Anmerkung: Warum gibt es keine Bilder von Red Bull oder Toro Rosso?
Die Teams stellen die PR-Bilder normalerweise zur Verwendung für Presseberichte mit einer speziellen Lizenz zur Verfügung. Diese ist zeitlich nicht limitiert und gilt weltweit. Red Bull hat sich entschlossen, Bilder nur noch für 6 Monate zu lizenzieren. Das bedeutet, dass wir die Bilder nach sechs Monaten löschen müssten, um nicht Gefahr zu laufen, eine Abmahnung, Rechnung etc. zu bekommen. Der Aufwand dafür ist nicht gerechtfertigt. Wir werden also in Zukunft leider keine Bilder mehr von Red Bull verwenden. Dies gilt auch für Bilder von Toro Rosso, da sie über die gleiche Plattform vermarktet werden.

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Schweinderl