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21:15

Vorschau: 1000 Kilometer von Paul Ricard – Eine doppelte Generalprobe

Für die Teams des Blancpain GT Series Endurance Cup bietet der Circuit Paul Ricard wie üblich die letzte Chance, sich unter Wettbewerbsbedingungen auf die 24 Stunden von Spa-Francorchamps vorzubereiten. Über 50 Teams werden dafür die Reise nach Südfrankreich antreten – darunter 25 Profi-Nennungen. Traditionell startet der Lauf am späten Samstagnachmittag (17:45 Uhr) und wird sechs Stunden später abgewinkt.

Was bisher geschah

Das Langstreckenjahr der Blancpain GT Series präsentierte sich bislang mit zwei recht unterschiedlichen Gesichtern. Während die drei Stunden von Monza von einem spannenden Schlussspurt gekrönt wurden, waren die drei Stunden von Silverstone insgesamt so unspektakulär, dass hinter den Kulissen sogar die Idee eines Ersatzstandortes umherschwirrt. Die Verantwortlichen zeigten sich vor allem wegen der stagnierend-schlechten Zuschauerzahlen vor Ort enttäuscht.

Erfolgreiche Teams

Im königlichen Park dominierten mit dem Belgian Audi Club Team WRT, Strakka Racing und Black Falcon (Plätze 1-3) bekannte werksunterstütze Truppen. In Northamptonshire überraschte hingegen das neu formierte Team R-Motorsport aus der Schweiz, welches zwei leicht in die Jahre gekommene Aston Martin V12 Vantage semi-werkseitig betreut. Der Sieg ihrer Nummer 76 (Matthieu Vaxivière-Jake Dennis-Nicki Thiim) ist im Übrigen immer noch nicht offiziell, da ihr Einspruch gegen die Quali-Disqualifikation (keine Daten im Data-Logger) noch nicht sportrechtlich bearbeitet wurde. Dahinter liefen mit dem Team Akka ASP und Emil Frey Lexus Racing zwei im Aufschwung befindliche Mannschaften ins Ziel ein, deren Projekte ebenfalls noch eher jung sind.

Dass die Hälfte der aufgeführten Truppen dem Mercedes-Lager zugeordnet werden kann, gibt bereits eine größere Tendenz an. Insgesamt gesehen startete aber das Belgian Audi Club Team WRT am besten in die neue Saison. So führt man nach vier absolvierten BGTS-Events alle Pro-Tabellen an.

Harter Start für neue Modelle

Für die beiden neuen Bentley Continental GT3 sowie Nissan GT-R Nismo GT3 lief es bei ihren ersten Europa-Ausfahrten nicht gerade rund. Jedoch sollte man hierbei nicht vergessen, dass die Blancpain GT Series zu den engsten und schwierigsten Championaten der Welt gehört und dementsprechend aller Anfang schwer ist. Zur Bestätigung dessen reicht nur ein Blick in die Interviews mit den Piloten des #114 Lexus RC F GT3, die das erste BGTS-Podiumsergebnis wie eine kleine Meisterschaft feierten. Die Kunst eines gelungenen Einsatzes in der Serie liege laut ihnen darin, in jedem noch so kleinen Bereich den bestmöglichen Kompromiss zu finden. Schon ein übersehenes Detail kann einen tief ins sportliche Niemandsland katapultieren.

Der Kurs

Der Circuit Paul Ricard ist bekanntermaßen für viele Fans ein Graus. Seit dem Umbau zu einer umfangreichen Teststrecke gilt er in der Szene als stark kastriert und seine großen, bunt gestreiften Auslaufzonen wären mit viel Wohlwollen gerade noch so ein nettes Kunstprojekt, aber keinesfalls eine herausfordernde Rennstrecke. Rein von den Kurvenverläufen her erinnern immerhin noch die meisten Passagen an den vormals rustikalen Parcours im Osten von Marseille, was anhaltend hohe Geschwindigkeiten verspricht.

Im Gegensatz zur Königsklasse des Motorsports ist die Blancpain GT Series sogar mutig genug, die volle Mistral-Gerade in Angriff zu nehmen. Besonders während des Sonnenuntergangs bietet diese Wahl enorm atmosphärische Highspeed-Schlachten. Abseits davon sind die Konfigurationen jedoch identisch und beide haben somit die enge Start-Schikane. Signes, der atemberaubend schnelle Rechtsknick nach der Mistral, gilt als Schlüsselstelle des modernen Circuit Paul Ricard – blöderweise aus den falschen Gründen. So sind Tracklimits-Diskussionen auch an diesem Wochenende wieder zweifelsohne vorprogrammiert.

Warum fahren derart große Serien auf einer Teststrecke?

Diese Frage stellen sich sicherlich viele, wenn es um die Motorsportnation Frankreich geht. Bezüglich der Blancpain GT Series lässt sich dies relativ schnell beantworten: Es ist die Heimstrecke der SRO Motorsports Group, die dort ein sogenanntes „Race Centre“ betreibt. Selbiges steht rechter Hand der Mistral Straight – am Ausgang der Schikane. Vermögende Menschen parken dort ihre Track-Day-Geschosse und erhalten im Rahmen dessen alle erdenklichen Extra-Leistungen. Zusätzlich zur Bespaßung der Bourgeoisie dient die Anlage als die große SRO-BoP-Referenzstrecke, was auf dem Papier spannende Rennen versprechen sollte. Seit dem Formatwechsel zu den 1000 Kilometern (bzw. sechs Stunden) gab es dementsprechend schon knappe Zieleinläufe (2016: 3.376 Sekunden zwischen P1 und P2) und in Folge dessen wird die Taktik wieder zum großen Königsmacher werden.

Bezüglich der Formel 1 scheint die Antwort im Übrigen noch banaler zu sein: sehr viel Geld. Doch zu den genauen Hintergründen des Comebacks wird es Mitte Juni wahrhaftig genug zu lesen geben.

Die Favoriten

Ein bunter Strauß an Streckensektionen verspricht der Theorie nach meist eine Vielzahl an Favoriten. In Le Castellet ist dies eindeutig der Fall. So zeigen die Ergebnislisten der letzten Jahre, dass es keine klar favorisierte Marke geben wird – trotz des größeren Vorteils für Topspeed-affine Boliden. 2017 formierte sich die Top 5 beispielsweise aus fünf unterschiedlichen Marken (Bentley-Ferrari-Audi-Mercedes-Nissan). Ein Jahr vorher konnte dies ebenfalls gesehen werden – damals mit McLaren, Ferrari, Audi, Bentley und Nissan. Spannenderweise funktionierte diese Betrachtung auch im Jahre 2015, als das 6-Stunden-Format eingeführt wurde und die alte GT3-Generation ihren Abschied feierte. Damals bestand sogar die Top 6 aus gänzlich unterschiedlichen Marken.

Da mit Bentley und Nissan zwei bestimmende Hersteller der Rennvergangenheit neue Modelle an den Start bringen, gestaltet sich die Vorhersage noch etwas schwerer als sonst. In Anbetracht des Saisonbeginns werden zunächst große Namen wie das Belgian Club Audi Team WRT die Favoritenrolle einnehmen. Sie haben mit den bestmöglichen Strategen und geschlossen guten Fahrertrios die wichtigsten Trümpfe auf ihrer Seite. Insgesamt erwartet uns also eine spannende und noch unvorhersehbare Rundfahrt im Schatten des Massif de la Sainte-Baume.

Fazit

Ja, das Rennen mag auf den ersten Blick abschreckend wirken. Doch die Rahmenbedingungen versprechen tatsächlich eine spannende GT3-Hetzjagd in die Nacht hinein, die hoffentlich mit einem intensiven Late-Night-Finish abgerundet wird. Außerdem können sich F1-Freunde schon mal auf das Comeback vorbereiten und dabei die GT3-Königsklasse verfolgen. Fans malerischer Sonnenuntergänge sei übrigens spätestens der Einstieg ab der Rennhalbzeit ans Herz gelegt (Sonnenuntergang in Le Castellet: ~21:09 Uhr). Für eine Übersicht der Sitzungen und Rahmenrennen empfiehlt sich abschließend der Blick in unsere TV/Stream Zeiten.

Bilderquelle / Copyright: Blancpain GT Series (SRO)

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