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16:30

DTM: Analyse Hungaroring 2018 – Wer trägt die Verantwortung?

Am Sonntag wurden sieben Personen in der Boxengasse verletzt und Verantwortung will keiner übernehmen. Wir blicken auf die Ereignisse und probieren uns an der Schuldfrage.

Bereits am Samstag gab es nach dem ersten Rennen viele Diskussionen, da Mercedes-Benz das Rennen durch Markenorder entschied. Besonders beachtlich ist dabei, dass es sich erst um das fünfte von 20 Rennen handelte und wir damit noch im ersten Viertel der Saison waren. Dadurch gab es am Samstag keine Führungskämpfe in der zweiten Rennhälfte und Mercedes-Benz konnte am Ende einen Doppelsieg einfahren. Überraschend war die Markenorder, weil man hierdurch sogar einen kleinen Nachteil in der Meisterschaft hatte. Vor der Markenorder lag Lucas Auer (37 Punkte vor dem Rennen) in Führung und der Begünstigte war Paul Di Resta (32 Punkte vor dem Rennen), der damit auch an Auer in der Gesamtwertung vorbeiging. Glücklicherweise waren auch Timo Scheider (Experte bei Sat.1) und Gerhard Berger sehr verärgert über die Aktion und hoffentlich werden wir in Zukunft keine Teamorder mehr sehen. Bei Mercedes-Benz behauptet man übrigens, dass es vor dem Rennen keinen Befehl an die Fahrer gab. Da es dieses Wochenende viele Geschichten gab, wird die Zusammenfassung der Rennen kürzer ausfallen.

Rennen 1
Die Pole Position für das erste Rennen konnte sich Paul Di Resta vor Nico Müller sichern. Aus der zweiten Startreihe gingen Lucas Auer und Rene Rast in das Rennen. Zunächst gab es sogar eine Positionsverschiebung am Start, da Auer an Müller vorbeikam, doch dann verbremste er sich und Müller bekam seinen zweiten Platz zurück. Bereits nach der ersten Runde gingen Jamie Green, Bruno Spengler und Philipp Eng an die Box. In der dritten Runde ging mit Timo Glock auch der Meisterschaftsführende an die Box und er kam hinter Spengler zurück auf die Strecke. Bei BMW hat man jedoch auf Markenorder verzichtet und dadurch blieb Spengler vor Glock. Beim Versuch an Spengler vorbeizufahren, hat Glock seine Reifen auch zu stark belastet und dadurch verlor er im späteren Rennverlauf noch einige Positionen.

Die Gruppe der frühen Stopper konnte schneller als die Spitzengruppe fahren, aber am Ende wurde nur Jamie Green mit einer Platzierung in den Punkten belohnt. In der siebten Runde ging Auer an die Box und in der zehnten Runde absolviert auch Di Resta seinen Pflichtboxenstopp. Nach dem Boxenstopp ließ Di Resta Auer vorbei, da er noch kalte Reifen hatte und damit etwas langsamer war. Eine weitere Runde später kam auch Müller an die Box und dieser verbremste sich direkt in der ersten Kurve und somit ging zunächst Auer und dann auch noch Di Resta an ihm vorbei. Die meisten anderen Fahrer kamen auch zwischen der 13. und 18. Rennrunde rein und dadurch blieben die taktischen Unterschiede gering. Vereinzelt gab es Duelle auf der Strecke wie z.B. zwischen Edoardo Mortara und Rene Rast, bei dem sich Rast durchsetzen konnte. In der 22. Runde durfte Paul Di Resta an Lucas Auer vorbei und damit war das Rennen entschieden. Der dritte Rang ging an Nico Müller und die Top 5 wurden durch Rene Rast sowie Edoardo Mortara vervollständigt. Die Meisterschaftsführung übernahm Gary Paffett mit dem sechsten Rang, da Glock das Rennen außerhalb der Top 10 beendete.

Ergebnis Rennen 1

Rennen 2
Ohne den Regenschauer wäre es wohl ein weiterer Erfolg für Mercedes-Benz geworden. Man konnte sich die ersten fünf Startplätze sichern und Daniel Juncadella war auf dem siebten Startrang der schlechteste Mercedes-Benz-Pilot. Die Pole Position ging an Lucas Auer vor Pascal Wehrlein. Für die zweite Startreihe qualifizierten sich Paul Di Resta sowie Edoardo Mortara und vom fünften Startplatz ging Gary Paffett ins Rennen. Die Startphase verlief ruhig und nur Timo Glock wurde von Nico Müller im hinteren Teil des Feldes gedreht.

Am Ende der ersten Runde gingen Mike Rockenfeller, Bruno Spengler und Timo Glock an die Box. In der zweiten Runde absolvierte auch Augusto Farfus seinen Pflichtboxenstopp. Bereits in der vierten Runde fuhr Farfus nochmal an die Box und wechselte auf Regenreifen, nachdem sich aus vereinzelten Tropfen ein stärkerer Regenschauer an der Strecke entwickelte. Die Katastrophe begann in der sechsten Runde, als Lucas Auer an die Box ging und seinen Wagen am Übergang zwischen Asphalt und Beton verlor. Auer konnte nicht mehr einlenken und auch die Bremse blockierte, sodass er drei Sportwarte anfuhr und einen Sportwart zwischen Fahrzeug und Box einklemmte. Alle drei Streckenposten wurde verletzt und einer musste sogar mit schweren Beinverletzungen ins Krankenhaus geflogen werden. Daraufhin wurde ein Krankenwagen in die Boxengasse geschickt und das Safety-Car ging auf die Strecke. Unglücklicherweise hat man aber nicht die Boxengasse gesperrt und Bruno Spengler und Edoardo Mortara erging es ähnlich wie Auer. Beide fuhren ihre Mechaniker an und hierbei wurden noch vier weitere Personen verletzt. Am Ende wurden alle drei Fahrer disqualifiziert, aber zur Schuldfrage kommen wir erst später.

Daraufhin kam es zu einer Rennunterbrechung, die 30 Minuten andauerte und das Rennen ging mit 28 Minuten hinter dem Safety-Car weiter. Durch glückliche Umstände konnten die BMW-Piloten schon vor der roten Flagge ihren Pflichtboxenstopp absolvieren. Die Mercedes-Benz-Piloten verloren ihre guten Positionen, da sie im Moment des Rennabbruchs an der Box waren und daher ans Ende des Feldes mussten. Zusätzlich waren Wehrlein, Juncadella und Paffett noch nicht an der Box und mussten in den letzten 25 Minuten noch ihren Boxenstopp absolvieren. Dadurch konnte sich Marco Wittmann souverän den Sieg sichern. Hinter ihm duellierten sich noch Timo Glock, Philipp Eng und Joel Eriksson. Hierbei setzen sich Glock und Eng durch, sodass drei BMW-Piloten auf dem Podium standen. Der vierte Rang ging an Mike Rockenfeller und Paul Di Resta wurde mit dem fünften Rang bester Mercedes-Pilot.

Ergebnis Rennen 2

Schuldfrage
Prinzipiell waren sich alle Beteiligten einig, dass die Fahrer nur eine geringe Schuld trifft. Der Haftungsunterschied zwischen Asphalt (Pitlane) und dem Beton (Boxenplatz) war enorm und Spengler sagte, dass er selbst mit 20 km/h nicht einlenken konnte. Besonders unglücklich war, dass Lucas Auer mit Streckenwarten kollidierte und damit “Unbeteiligte” verletzte. Aus meiner Sicht hätte die DTM nach diesem Unfall die Boxengasse sperren müssen, da man einen Krankenwagen benötigte und ähnliche Probleme bei den anderen Piloten hätte befürchten können. Die DTM schreibt auf ihrer Internetseite

Nach dem Vorfall in der Boxengasse war zunächst nicht klar, wie schwer die Verletzungen des Sportwartes waren. Deswegen wurde das Rennen nicht sofort mit der roten Flagge gestoppt, sondern das Safetycar in Marsch gesetzt. Die Regeln besagen, dass ab diesem Moment die Boxengasse nicht mehr für Pflichtboxenstopps genutzt werden darf, so dass Ärzte und Sanitäter eigentlich in Ruhe arbeiten können, ohne das Rennen abbrechen zu müssen.

DTM.com

Für mich ignoriert man mit dieser Aussage die realen Umstände des Zwischenfalls. Natürlich zählen die Boxenstopps hinter dem Safety-Car nicht als Pflichtboxenstopp, aber trotzdem müssen die Fahrer auf Regenreifen wechseln. Daher fahren die Piloten auch während der Safety-Car-Phase an die Box. Man hätte einfach die Boxengasse direkt nach dem Unfall sperren sollen und das Safety-Car hätte das Rennen neutralisiert bis die Boxengasse wieder befahrbar ist. Daher trägt für mich auch die Rennleitung eine Mitschuld und zieht sich mit ihrer Erklärung aus der Verantwortung. Natürlich tragen auch die Fahrer eine Mitschuld und man sollte zudem überlegen, ob man nicht die Betonfläche asphaltiert. Insgesamt war es ein wahnsinnig unglücklicher Zwischenfall, der jedoch von Fahrern und Rennleitung hätte verhindert werden können. Wir wünschen allen Verletzten eine schnelle Genesung.

Kräfteverhältnis
Ohne die Rennunterbrechung hätte Mercedes-Benz das Rennen am Sonntag dominiert und BMW wäre wahrscheinlich nicht in die Top 5 gekommen. Daher bleibt Mercedes-Benz der stärkste Hersteller im Moment vor BMW und Audi, die noch immer Probleme haben.

Kommen die Privatteams?
Bereits vor einigen Wochen hoffte Gerhard Berger, dass HWA nächstes Jahr die Mercedes-Benz einsetzt und dies soll von Sponsoren bezahlt werden. Dieses Wochenende verkündete Dieter Gass gegenüber der Autobild den möglichen Einstieg von Privatteams im nächsten Jahr. Laut Gass verhandle man schon mit Interessenten und man sei überrascht, wie günstig man die Autos abgeben könnte. Ein Fahrzeug soll 750.000 € kosten und die ganze Saison mit zwei Fahrzeugen 2.500.000 €. Mögliche Interessenten könnten Land Motorsport, WRT oder ein anderes größeres Audi-Team sein. Prinzipiell dürfte der Einsatz von zwei DTM-Fahrzeugen auf einem hohen Niveau zu anspruchsvoll für die meisten Teams sein. Zudem finden die aktuellen Hersteller schon keine Sponsoren und so sollte man sich fragen, warum jemand bei einem Privatteam als Sponsor auftreten möchte. Zudem dürfte das Budget zu niedrig angesetzt sein oder man subventioniert die Privatteams, damit die DTM weiterhin besteht. Zudem ist der Vergleich zwischen DTM und Formel 2 bei der Autobild Motorsport sehr unpassend, da in der Formel 2 die jungen Fahrer ihr Cockpit finanzieren, um in die F1/LMP1/IndyCar zu kommen. Aber wer sollte einen Millionenbetrag für eine DTM-Saison zahlen? Insgesamt halte ich es für unwahrscheinlich, dass wir wirkliche Privatteams in der DTM sehen. Möglicherweise werden wir jedoch von den Herstellern subventionierte Teams sehen, die das Starterfeld auffüllen sollen.

Neue Hersteller
Jedes Rennwochenende gibt es Gerüchte über den Einstieg von neuen Herstellern. Bisher wurde über Hyundai, Honda, Nissan, Toyota, Opel und Volvo diskutiert und wahrscheinlich wird keiner der genannten Marken in die DTM einsteigen. Wahrscheinlicher ist es, dass wir nächstes Jahr jeweils ein Einladungsrennen in Deutschland und Japan sehen mit den fünf Herstellern aus DTM und Super GT. Jedoch möchte die Super GT ihr eigenes Reglement behalten und gibt größere aerodynamische Freiheiten. Daher werden die Hersteller ein spezielles Bodykit für diese Rennen entwickeln und auch die Frage nach dem Reifenhersteller ist noch offen. Dieses Wochenende gab es erstmalig das Gerücht, dass Aston Martin und Maserati Interesse an einem DTM-Einstieg haben. Es gibt viele Gerüchte um die Motorsport-Ambitionen von Aston Martin. Bei Red Bull Racing tritt man als Hauptsponsor in der Formel 1 auf, in der WEC setzt man insgesamt vier Fahrzeuge in der GTE ein und zukünftig möchte man auch um Gesamtsiege in Le Mans mitfahren. Zusätzlich plant man auch noch den Einsatz des Aston Martin Vantage GTE in den USA und insgesamt muss man sich fragen, wie diese ganzen Projekte finanziert werden sollen. Zudem fällt Mercedes-Benz aus der DTM weg, die ansonsten ein möglicher Motorenpartner für Aston Martin wären. In 2016 wurden zudem nur 268 Fahrzeuge von Aston Martin in Deutschland neu zugelassen. International wird die DTM zwar auch auf einigen Sendern übertragen, jedoch handelt es sich hierbei um Spartensender und der YouTube-Stream wird pro Rennen von durchschnittlich 5.000 – 10.000 Zuschauern verfolgt, sodass auch dieser Aspekt zu schwach ist. Daher halte ich einen Einstieg von Aston Martin für höchst unwahrscheinlich. Maserati konnte in 2016 immerhin 1.654 Neuzulassungen zählen und trotzdem ist Maserati für mich kein Kandidat für die DTM. Historisch betrachtet müsste FCA eigentlich mit Alfa Romeo einsteigen und mit der Giulia hätte man sogar das passende Fahrzeug. Inzwischen ist man jedoch Sponsor bei Sauber und damit dürfte man auch kein Budget für Motorsport mehr übrig haben.

TV-Quoten
Am Samstag erreichte man 660.000 Zuschauer bei Sat.1 und Sonntag konnte man sich sogar auf 870.000 Zuschauer steigern. Die meisten dürften aufgrund des Chaos in der Boxengasse eingeschaltet haben.

Weiter geht es mit der DTM in drei Wochen am Norisring und dort wird es einige News bezüglich der Zukunft der Serie geben. Vertreter der GTA werden in Nürnberg sein und neue Informationen über die Zusammenarbeit mit der DTM geben. Zusätzlich könnte Audi den Ausstieg aus der DTM verkünden, falls man keinen neuen Hersteller oder Privatteams findet.

Gesamtwertung

DTM: Analyse Hungaroring 2018 – Wer trägt die Verantwortung? DTM: Analyse Hungaroring 2018 – Wer trägt die Verantwortung? DTM: Analyse Hungaroring 2018 – Wer trägt die Verantwortung? DTM: Analyse Hungaroring 2018 – Wer trägt die Verantwortung? DTM: Analyse Hungaroring 2018 – Wer trägt die Verantwortung? DTM: Analyse Hungaroring 2018 – Wer trägt die Verantwortung? DTM: Analyse Hungaroring 2018 – Wer trägt die Verantwortung? DTM: Analyse Hungaroring 2018 – Wer trägt die Verantwortung? DTM: Analyse Hungaroring 2018 – Wer trägt die Verantwortung? DTM: Analyse Hungaroring 2018 – Wer trägt die Verantwortung? DTM: Analyse Hungaroring 2018 – Wer trägt die Verantwortung? DTM: Analyse Hungaroring 2018 – Wer trägt die Verantwortung? DTM: Analyse Hungaroring 2018 – Wer trägt die Verantwortung?

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