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10:10

Formel Eins: Vorschau GP von Kanada 2018

Das Rennen in Kanada ist vor allem für Ferrari enorm wichtig. Nach den klaren Niederlagen im Mai muss ein Sieg her.

Die Monate Juni und Juli mit den Rennen in Kanada, Frankreich, Österreich, England, Deutschland und Ungarn dürften in der WM schon eine Vorentscheidung bringen. In den letzten Jahren waren es immer diese Monate, in denen Mercedes seine Verfolger abschütteln konnte, bzw. in denen man einen Rückstand aufholte. Die Ausgangslage für die Deutschen ist dieses Jahr nicht schlecht. In der Fahrer-WM führt man mit 14 Punkten, in der Konstrukteurs-WM mit 28 Punkten. Für Ferrari ist es daher wichtig, dass man ein paar der ausstehenden Rennen gewinnt.

Die Chancen dafür sind allerdings nur schwer einzuschätzen. Der Ferrari ist in diesem Jahr ausgeglichener unterwegs. Das heißt, er funktioniert auf allen Strecken und mit allen Reifen besser, als im letzten Jahr. Aber es fehlt der letzte „Punch“, diese drei Zehntel, die man vor Mercedes liegt, um Vettel einen Vorteil zu verschaffen. Das letzte Rennen in Monaco konnte naturgemäß keinen richtigen Aufschluss über Verbesserungen am Ferrari seit Ende April schaffen und die Strecke in Kanada ist wieder so besonders, dass man schwer etwas sagen kann.

Montreal ist vergleichbar mit dem Rennen in Australien. Da hatte Mercedes die Nase deutlich vorne, aber seitdem hat sich logischerweise viel getan. Anders ist auch die Wahl der Reifen (siehe Strategie unten), denn Pirelli bringt die Hypersoft mit. Der Mercedes des Jahres 2018 scheint mit den weicheren Mischungen bisher so seine Probleme zu haben, daher deutet sich in Montreal ein engeres Rennen an, als man in Australien gesehen hat.

Auch sollte man Red Bull nicht aus den Augen lassen. Zwar ist die Strecke in der Vergangenheit nicht gerade ein Paradebeispiel für die Leistungsfähigkeit des Chassis gewesen. Aber Renault hat in Sachen Leistung nachgelegt und wird in Kanada eine weitere Ausbaustufe des Motors bringen. Die Verbesserungen liegen wohl vor allem im Bereich des MGU-H und MGU-K, was mehr Leistung bringen soll. Einen Wermutstropfen gibt es aber schon vor dem Rennen: wegen Austausch einiger Teile wird Ricciardo nicht um eine Rückversetzung herum kommen.

Das eng gestaffelte Mittelfeld ist ebenfalls schwer einzuschätzen. Die Haas sollten in Kanada wieder besser dabei sein, wenn man sich die Rennen in Australien und Baku anschaut. Das Chassis mag wohl eher Highspeed-Kurse und da ist man in Montreal genau richtig. Das Renault-Team bringt das Motorenupdate natürlich auch im eigenen Fahrzeug, außerdem gibt es ein größeres Aero-Update, welches die Schwächen des Chassis auf schnellen Kursen abstellen soll.

McLaren profitiert ebenfalls vom neuen Update, aber man wird den Eindruck nicht los, dass McLaren auf der Chassis-Seite im Moment etwas hilflos erscheint. Das Update aus Spanien sah zwar eindrucksvoll aus und hat laut Alonso auch die Fahrbarkeit des Wagens verbessert, aber in den Zeiten spiegelte sich das nicht wieder. Zudem plagen McLaren weiter Probleme mit der Zuverlässigkeit.

Bei Force India ging es seit dem Rennen in Baku steig bergauf. Die Probleme, die man Anfangs mit dem Chassis noch hatte, scheinen ausgebügelt zu sein. Die Stärke des Force India liegt vor allem in seinem niedrigen Reifenverschleiss, was in Montreal im Zusammenhang mit den Hypersoft für einen Vorteil sorgen könnte.

Bei Toro Rosso bringt Honda ebenfalls ein Motor-Update, dass sich laut der Japaner voll auf den Motor selber konzentriert. Satte 27 PS mehr soll der neue Motor haben, ohne dabei die Zuverlässigkeit in Frage zu stellen. Das ist gerade auf der Strecke in Kanada natürlich ein großes Plus. Allerdings ist es dann wieder schwierig abzuschätzen, wie gut das Chassis funktionieren wird. Hier war die Leistungsbreite bisher äußert hoch. Gleichzeitig gibt es mal wieder Unruhe im Team wegen der Fahrersituation. McLaren ließ die Woche genüsslich durchsickern, dass Toro Rosso Lando Norris angefragt habe. Der Shooting-Star der GP2 ist ein McLaren Nachwuchsfahrer. Die Briten haben die Anfrage abgelehnt.
Ersetzt werden sollte Brandon Hartley, der sich sichtlich schwer tut und gegen Gasly meist kein Land sieht. Dem Le Mans Sieger und LMP1-Weltmeister fällt der Umstieg schwer, aber seiner Motivation wird es auch nicht gerade helfen, wenn er hört, dass das Team hinter seinem Rücken schon sofortigen Ersatz sucht.

Bleiben Sauber und Williams. Bei den Schweizern deutet sich immer mehr an, dass es zum B-Team von Ferrari wird. Nach dem Rennen in Monaco gab Ferrari bekannt, dass Chefdesigner Simone Resta sofort zu Sauber wechseln wird. Ein ungewöhnliches Manöver, normalerweise haben gerade die Designer mindestens ein halbes Jahr Arbeitssperre nach einem Wechsel. Ebenso wahrscheinlich ist es, dass der Name „Sauber“ spätestens ab 2019 weg ist und das Team dann komplett Alfa Romeo heißt.

Das Schlusslicht des Jahres war bisher Williams. Aber es gab zumindest in Monaco leichte Anzeichen für eine Besserung. Auch wenn es im Rennen nicht gut lief, so erreichte Sirotkin zumindest mal Q2. Nun ist Monaco aber auch in Sachen Aerodynamik anspruchslos und da liegen ja die Schwächen des Williams. Es bleibt zu hoffen, dass das Traditionsteam aber tatsächlich die Kurve gekriegt hat.

Strategie:
Supersoft, Ultrasoft und Hypersoft stehen auf dem Programm. Die Hypersoft zeigten sich in Monaco immerhin so, dass sie tatsächlich mal nicht ein halbes Rennen durchhalten. Die Reifen neigen offenbar schnell zum Graining und verlieren dann massiv an Haftung. Daher gibt es in Montreal auch zum ersten Mal in diesem Jahr sehr unterschiedliche Strategien bei der Bestellung der Reifen. Mercedes, die die weichen Reifen nicht so mögen, hat nur fünf Sätze von den Hypersoft bestellt. Wenn man bedenkt, dass drei Sätze mindestens in der Quali draufgehen und einer im dritten freien Training, kann man die Grundlage der Strategie erkennen – es wird nur einen Stopp geben.
Alle anderen Teams haben sieben oder acht Sätze der Hypersoft bestellt. Da die An- und Abfahrt zur Box in Kanada sehr kurz ist und man die Strecke sogar abkürzt, deutet einiges auf eine Zwei-Stopp-Strategie hin. Oder zumindest darauf, dass man sich die Möglichkeit je nach Rennverlauf offen hält. Denn neue weiche Reifen bringen in Kanda durchaus viel, weil man beim heraus beschleunigen aus den engen Kurven deutlich Zeit spart.
Die Strecke in Montreal ist auch sehr anfällig für eine Safety Car. Steht ein Auto irgendwo in der Mauer müssen die Streckenposten samt Bergungsfahrzeuge auf die Strecke, was zwangsweise ein SC nach sich ziehen wird. Was das Rennen und die Strategie natürlich erheblich beeinflussen wird.

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Schweinderl