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16:21

Formelserien: Zwei Analysen und zwei Vorschauen

Langsam wachsen der GP3 Hand und Fuß – die Rennen in Silverstone waren erstmals richtig spannend. Dafür ziemlich lapp: Die GP2. Am Wochenende stehen dann Superleague Formula und F2 auf dem Programm.

Ziemlich gemischte Kost gab es am Wochenende bei den beiden großen Nachwuchsserien iin Silverstone. Das GP2-Hauptrennen war eher von der langatmigen Sorte, der Sprint am Sonntag war zwar dann etwas interessanter, aber für GP2-Verhältnisse auch nicht gerade nervenaufreibend. Viel spannender waren allerdings die Läufe der GP3, die sich immer mehr zu einer Serie mausert, bei deren Rennen man gerne den TV anwirft. Am kommenden Wochenende stehen dann schon wieder zwei Formelserien auf dem Programm: Die Superleague Formula beendet in Zolder ihre erste Saisonhälfte – und die Formel 2 kehrt fast auf den Tag genau ein Jahr nach der Tragödie um Henry Surtees nach Brands Hatch zurück.

GP2

Wie schon gesagt: Eher dröge, diese GP2 in Silverstone. Vor allem das Hauptrennen glich in unangenehmer Weise anderen Samstags-Vorstellungen in dieser Saison. Will heißen: Nach dem Start war nicht mehr viel los, weil alle auf die Boxenstopps gewartet haben. Und nach dem Stops hatte sich das Feld dann endgültig sortiert.

Immerhin hat Meisterschaftsleader Pastor Maldonado bewiesen, dass er auch ohne Pech und Unvermögen der Konkurrenz gewinnen kann. Der Sieg am Silverstone-Samstag schien nach dem Start (bei dem er Jules Bianchi überholte) nie in Gefahr. Am Sonntag konnte er sich immerhin von Position acht auf vier vorfahren. Eine tolle Vorstellung vom Venezolaner, der nun schon 19 Punkte Vorsprung auf den Meisteschaftszweiten Dani Clos, und ganze 25 auf den drittplatzierten Bianchi hat. Nur einen Punkt dahinter liegt Sergio Pérez, der ebenfalls ein gutes Wochenende hatte, und den Sieg im Sprintrennen einfahren konnte.

Weniger toll war wieder mal die Leistung von Christian Vietoris. Den sechsten Platz am Samstag muss man angesichts der bisherigen Saison wohl schon fast als Erfolg werten. Platz 10 am Sonntag, als er von der dritten Startposition losfuhr, lässt sich nicht mehr so einfach schönreden. Fairerweise muss aber auch gesagt werden, dass Vietoris am Sonntag wohl auch ein technisches Problem am Auto hatte. Trotzdem: Teamkollege Dani Clos liegt in der Meisterschaft auf Platz 2 – Vietoris nun auf 16. Ein paar Highlights in der zweiten Saisonhälfte würde dem deutschen Nachwuchspiloten sicher gut tun – zumindest am Talent sollte es ja eigentlich nicht mangeln.

Ein kleiner Hinweis noch zu den Bildern: Die GP2 hat jetzt ein paar offizielle Pressebilder des Autos für 2011-2013 veröffentlicht. Besonders schön finde ich die Kiste ja immer noch nicht – aber wenn sich jemand selbst ein Bild machen will: Ich habe ein paar davon unten an diesen Artikel gehängt.

GP3

In der GP3 zeigt weiterhin Esteban Gutierrez, dass Pérez nicht Mexikos einzige Hoffnung auf den ersten Formel 1 Piloten seit Héctor Rebaque 1981 ist. Der 19-jährige Formel BMW Meister des vergangenen Jahres drückt der ersten Saison der neuen Nachwuchsserie so richtig seinen Stempel auf: Zur Saisonhalbzeit hat er mit 52 Meisterschaftspunkten exakt doppelt so viele Zähler wie der zweitplatzierte Alexander Rossi (für Rechenfaule: 26).

Langeweile kommt in der GP3 trotzdem nicht auf: Fast in jeder Runde gibt es irgendeinen Zweikampf zwischen den 30 Nachwuchspiloten. Was am Anfang noch etwas unübersichtlich schien, beginnt mit zunehmender Vertrautheit mit der Serie so richtig Spaß zu machen. Das hat auch Europsort erkannt, die am vergangenen Wochenende erstmals beide Läufe live übertragen haben. Schade, dass man in einenhalb Wochen wohl wieder dazu zurückkehrt, nur das Sonntagsrennen live zu zeigen. Ein weiterer Wehrmutstropfen rund um die TV-Übertragung: Die internationale FOM-Regie wirkt so, als würde man die GP3-Rennen eher uninteressiert nebenbei übertragen. Positionswechsel werden nicht immer aufgelöst, vor allem ist wesentlich seltener als bei F1 und GP2 ein Leaderboard im Bild – was es gerade bei einer neuen Serie wohl so manchem Fan erschwert, das Chaos auf der Strecke richtig einzuordnen.

Aus deutschsprachiger Perspektive erfreulich: Der Schweizer Nico Müller hat sich in der Serie nach seinem Sieg in Valencia und konstanten Leistungen in Silverstone nun auf den dritten Tabellenplatz geschoben. Weniger konnten bisher leider der Deutsche Tobias Hegewald, der Schweizer Simon Trummer, Austro-Italiener Mirko Bortolotti und Patrick Reiterer aus Südtirol überzeugen, die lediglich auf den Rängen 15, 17, 21 und 30 liegen.

Bortolotti gab im zweiten Silverstone-Rennen, in dem er lange auf Platz drei lag, immerhin ein Lebenszeichen von sich. Am Ende wurde aber aus der Punkteplatzierung doch nichts, weil er für ein unfaires und gefährliches Manöver an Esteban Gutierrez völlig zu Recht nach dem Rennen mit einer 20-Sekunden-Strafe belegt wurde.

Superleague Formula

Die SLF beendet am kommenden Wochenende ihre erste Saisonhälfte in Zolder – und damit auf dem einzigen Kurs, auf dem sie bisher in allen drei Jahren ihres Bestehens unterwegs war. 2008 haben hier Liverpool (Adrian Valles) und Beijing Guoan (Davide Rigon) gewonnen, im vergangenen Jahr Tottenham Hotspur (Craig Dolby) und Al-Ain (Esteban Guerrieri). Wieso man ausgerechnet in Zolder bisher immer unterwegs war? Womöglich liegt es daran, dass es sich um das Heimrennen des derzeitigen Tabellenvierten RSC Anderlecht handelt. Außerdem ist mit Azerti Motorsport (Anderlecht und Corinthians) auch ein belgisches Team in der Serie vertreten.

Das ist also die Plus-Seite. Auf der Minus-Seite: Die Strecke ist, wie die Formel 2 erst vor ein paar Wochen wieder einmal bewiesen hat, für Formel-Rennen nur begrenzt geeignet und nicht ganz ungefährlich. Aber immerhin: Die SLF hat noch fast überall spannende Läufe hinbekommen – vielleicht dürften wir ja auch in Belgien auf eine Fortsetzung dieser Serie hoffen.

In der Tabelle führt nach wie vor Tottenham Hotspur (Craig Dolby), deren Vorsprung auf den AC Milan (Yelmer Buurman) allerdings nach einer schwachen Vorstellung auf dem Nürburgring etwas geschmolzen ist. An dritter Stelle liegt der FC Basel, dessen Auto von Deutschen Max Wissel gefahren wird.

Insgesamt werden in Zolder diesmal nur 17 der sonst 18 SLF-Boliden an den Start gehen: Sebastian Bourdais wird nicht nach Zolder reisen, weil sein LRS Formula Team Setup-Probleme am Wagen entdeckt hat, die sich wohl nicht rechtzeitig bis zum kommenden Wochenende lösen lassen.

Neuigkeiten gibt es von der Superleague Formula an einer anderen Front: Vergangene Woche hat die Serie ohne weiteren Kommentar ihren Online-Kalender für die laufenden Saison aktualisiert. Dort tauchen jetzt zwischen dem Lauf Ende September in Portimão und dem Saisonfinale in Navarra zwei Rennen in China auf. Die erste der beiden Meisterschaftsrunden wird am 2. und 3. Oktober am nagelneuen Ordos International Circuit in der inneren Mongloei stattfinden, der Austragungsort der zweiten China-Veranstaltung ist zur Stunde noch offen. Mehr dazu in den aktuellen Newshappen.

Eine Liveübertragung im TV scheint es auch diesmal wieder nicht zu geben – nicht völlig auszuschließen ist allerdings, dass die Rennen noch kurzfristig im Programm von Bloomberg auftauchen. Ansonsten wird man sich wieder mit dem (ausgezeichneten) Gratis-Stream auf der Serienhomepage begnügen müssen.

Formel 2

Bleibt noch die Formel 2, die an diesem Wochenende nach Brands Hatch zurückkehrt, wo am 19. Juni 2009 Henry Surtees beim Sonntagsrennen der Serie tödlich verunglückt ist. Der tragische Unfall hat damals für heftige Diskussionen um die Sicherheit in der Budget-Nachwuchsserie gesorgt, die bis heute nicht alle befriedigend gelöst sind.

Ein Kritikpunkt war damals, dass die Reifen nur ungenügend an den Autos fixiert seien. Hier scheint es wohl Verbesserungen gegeben zu haben, wie der Marrakesch-Unfall von Ricardo Teixeira zeigt – dort sind trotz des heftigen Einschlages alle Reifen am Auto geblieben.

Ein weiterer Kritikpunkt war die Auswahl der Strecken. Und da hat sich, meiner Meinung nach, zu wenig getan. Marrakesch, Monza und Zolder sind für eine so schnelle Nachwuchsformel mit zum Teil sehr unerfahrenen Piloten sicher nicht ideal. Und in Brands Hatch geht man in diesem Jahr eben auch wieder an den Start. Angeblich sollen dort zwar ein paar Verbesserungen des Auslaufs vorgenommen worden sein – das Grundproblem, dass die Strecke einfach für Monoposti nicht mehr zeitgemäß ist, hat man damit aber wohl kaum gelöst. Bleibt zu hoffen, dass in die Evalutation der neuen Sicherheitsmaßnahmen nicht die Tatsache eingeflossen ist, dass die Strecke der Betreiberfirma MotorSport Vision gehört. Jener Firma im Besitz von Jonathan Palmer also, die im Auftrag der FIA auch die Formel 2 Meisterschaft betreibt.

Noch kurz zum Sportlichen: Beim Test in Brands Hatch am Dienstag hatte einmal mehr Meisterschaftsleader Jolyon Palmer die Nase vorn. Will Bratt und Dean Stoneman auf den Plätzen zwei und drei vervollständigten das britische Führungstrio. Auch die Meisterschaft dürfte auf ein britisches Duell hinauslaufen. Dort führt Jolyon Palmer mit 182 Punkten vor Dean Stoneman (156). Der Abstand zu Platz drei (Phillip Eng, 88) ist bereits schier unüberwindbar.

Übertragen werden die beiden Rennen wie immer live auf Eurosport: Lauf eins Samstag, 12:30 auf ESP Intl., Rennen zwei am Sonntag, 13:45 auf ESP2.

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