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10:00

Analyse: ALMS in Salt Lake City

Fast hätte es am Sonntag in Utah für den ersten Sieg des Drayson-Teams gereicht – aber am Ende waren es das Bekenntnis zum Green Racing und ein starker Simon Pagenaud, die das verhinderten.

Vielleicht ist es besser so: es wäre schon traurig gewesen, wenn die britisch-amerikanische Drayson-Mannschaft ausgerechnet in dem Rennen seinen ersten Sieg eingefahren hätte, in dem der Lord selbst wegen einer Fußverletzung nur von der Seitenlinie aus zuschauen konnte. Die 24 Stunden von Le Mans scheinen dem Team viel Erfahrung mit dem Lola B09/60 eingebracht zu haben: Jonny Cocker und Rückkehrer Emanuele Pirro hatten die Trainingssessions dominiert und schienen auch auf dem Weg zur ersten Pole für das Team seit dem Asian Le Mans-Series-Event in Okayama im letzten Herbst zu sein, als am Samstagnachmittag das erste Mal Simon Pagenaud dazwischenfunkte und Cockers Zeit aus dem Nichts um eine gute halbe Sekunde unterbot.

Am Sonntag war es dann, wie erwartet, der turbogeladene Jon Field, der am Start an die Spitze stürmte und diese so lange behauptete, wie seine Dunlop-Reifen es zuließen. Das waren, auch durch Gelbphasen bedingt, lange 14 Runden, dann übernahm der junge Jonny Cocker in der Doppelrechts „Right Hook“ – „Knock Out“ die Spitze.

Durch einen schnellen Boxenstopp in der dritten und letzten Safety Car-Phase übernahm in Runde 31 erstmals der Highcroft-HPD die Führung, die ihm Jon Field beim Restart wieder abjagte. Dieses Mal hielt er sich allerdings nur vier Runden lang vorn, dann begann das Duell der mittlerweile „eingewechselten“ Pirro und Pagenaud. Letzterer führte zunächst, bis sich dann der Italiener mit einem ähnlich geschickten Überraschungsmanöver wie in Sebring im Verkehr zwischen „Knock Out“ und „Witchcraft“ an Pagenaud vorbeischob. Bis zu den Boxenstopps konnte er gut acht Sekunden Vorsprung herausfahren, doch das sollte nicht reichen.

Bereits etwa 50 Minuten vor Rennende musste der Drayson-Lola Judd zum zweiten und letzten Stopp abbiegen: das Team nutzt – wie beispielsweise auch die Corvettes – den E85-Sprit aus ca. 85% zellulosischem Ethanol mit nur 15% Benzin. Da Ethanol eine geringere Energiedichte hat, ist entsprechend der Verbrauch höher, ergo muss man früher zur Box und dort auch länger stehen, um die nötige Menge E85 nachzuladen.

Das sollte Pirro zum Verhängnis werden. Während er nach langem Stopp ein schweres Fahrzeug um den Kurs schleppte, konnte sein französischer Konkurrent mit leichter werdendem Auto noch fast zwanzig Minuten lang schnelle Runden drehen – und kam so nach seinem Stopp mit gut 12 Sekunden wieder auf die Bahn.

Diesen Vorsprung konnte Pirro nicht mehr aufholen. Er fuhr zwar mit 1’36.291 die schnellste Rennrunde, doch Pagenaud konnte stets kontern und vergrößerte den Vorsprung bis zur schwarz-weiß-karierten Flagge auf 20 Sekunden. Ein überzeugender Sieg für Highcroft Racing, aber ein ebenso überzeugender zwieter Platz für das Drayson-Team. Dritte wurden Greg Pickett und Klaus Graf mit einer weiteren Minute Rückstand. Für die Fields reichte es nach einem Reifenschaden mit folgendem Crash noch zum vierten Rang, da Autocon und Dyson mit technischen Probleme zurück- bzw. ausfielen.

Für Drayson gab es dann noch als Trostpreis zum zweiten Mal nach dem besagten Asian Le Mans-Series-Event 2009 den Sieg in der Green Challenge für die beste Energieeffizienz. Der kleine Sieg dürfte für diese Mannschaft zwar mehr zählen als für die meisten anderen, einen Rennsieg wiegt er aber nicht auf. Aber  das Team hat gezeigt, dass es mit den „Großen“ der ALMS (also v.a. dem Highcroft-HPD) mithalten kann.

Mithalten und Schlagen sind allerdings zwei paar Schuhe und Highcroft ist wie in den letzten Jahren kaum zu schlagen: zu stark die Fahrer Brabham und Pagenaud – der mal wieder bewies, warum er zurecht auch von Peugeot ins 908-Lineup genommen wurde –, zu schnell und zuverlässig das Fahrzeug. Zu Recht führen sie die Meisterschaft mit 91 Punkten an, nun deutlicher als zuvor, nach wie vor vor dem MuscleMilk-Porsche (80); Dyson (60) ist nach dem Ausfall schon weiter abgeschlagen.

In der Gran Tourismo ging es etwas ruhiger zu als erwartet: Gianmaria Bruni und Jaime Melo behielten  die meiste Zeit die Oberhand, Auberlen und Milner im BMW hatten spätestens ab Rennmitte keine Chance mehr gegen den Risi-Ferrari. Einzig um Platz 3 war es wirklich spannend, Magnussen und O’Connell in der verbliebenen Corvette (die Teamkollegen waren früh mit Treibstoffdruck-Problemen einige Runden zurückgefallen) schlugen in diesem engen Duell Müller und Hand im zweiten BMW.

Erst dahinter kamen die bis dahin die Meisterschaft Anführenden Bergmeister und Long ins Ziel. Zwei Reifenschäden machten eine bessere Platzierung unmöglich, allein der fünfte Rang ist unter diesen unglücklichen Umständen schon ein Erfolg. Dennoch liegt man in der Gesamtwertung nun zwei Punkte hinter Bruni/Melo, aber 10 bzw. 11 vor den beiden BMW-Teams, die aber aufgrund der starken Performance mit beiden Autos die Teamwertung anführen.

Für Toni Vilander und Giancarlo Fisichella reichte es beim ersten – und hoffentlich nicht letzten – Rennen im engen GT-Feld der ALMS nur zu Rang 6. Ein Start vom Ende des Feldes und eine Durchfahrtsstrafe für vermeidbaren Kontakt verhinderten ein besseres Ergebnis. Für die siebtplatzierten Speed/van Overbeek im Extreme Speed-Ferrari F430 blieben nach der Pole nur die schnellste Rennrunde, die Teamkollegen holten den GT-Green Challenge-Sieg, wie Drayson Racing mit E85 im Tank.

Die ersten zwei Plätze der LMP-Challenge-Klasse räumten wieder einmal Bouchut/Tucker für Level 5 vor Jeanette/Zugel im Green Earth Team Gunnar-Oreca ab. Überraschend stark dahinter auf Rang 3: Alex Figge mit Teamkollege Hyatt bei seinem ersten Auftritt in dieser Klasse.

In der GT-Challenge gab es früh Tumult: im siebten Umlauf gerieten einige Fahrzeuge aneinander, dabei erwischte es vor allem die starken Alex Job Racing-Porsche von Sweedler/Kapudija und Diaz/Gonzalez. Gewinnen konnte ungefährdet erneut das Black Swan-Team mit Timothy Pappas und Jeroen Bleekemolen – ein schwacher Trost am Abend des verlorenen WM-Finales, der aber in den Niederlanden selbst dürfte das kaum jemanden interessiert haben. Dahinter kabbelten sich Gonzalez/Leizinger (Alex Job) und Richard/Lally (The Racers Group), eigentlich mit dem besseren Ende für den ehemaligen Dyson-Prototypen-Piloten Butch Leizinger – doch mit der nachträglichen Disqualifikation wegen unzulässiger Bodenfreiheit war das schwarze Wochenende für Alex Job Racing perfekt. Richard/Lally und Rosriguez/Bieker (Werks II) rücken entsprechend vor.

Der nächste Lauf der American Le Mans Series steht bereits in zwei Wochen an. Von der langen und modernen Bahn in der Wüste von Utah geht es dann in die bewaldeten Hügel der nördlichen Ostküste: im  traditionsreichen Lime Rock Park nahe Lakeville, Connecticut wird das Heimrennen von Dyson Racing (Poughkeepsie, NY) sowie Duncan Daytons Highcroft-Mannschaft (Danbury, CT) ausgetragen – ob es dort ein Duell dieser beiden geben wird…?

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