Tumblelog by Soup.io
Newer posts are loading.
You are at the newest post.
Click here to check if anything new just came in.
16:30

NASCAR: Analyse Sonoma 2010

Zwei actionreiche Rennen bot die NASCAR am Wochenende bei den ersten Ausflügen des Jahres auf Rundkursen. Dabei wiesen die Meisterschaftsläufe von Nationwide Series und Sprint Cup erstaunliche Parallelen auf und hatten auf ihre Art quasi jeweils einen „first time“-Sieger.

Zwei Rundkursspezialisten, die fast gewonnen hätten wäre das Pech nicht hinzu gekommen, Dreher teilweise fast im Minutentakt, eine Unterbrechung des Rennens wegen einer Massenkarambolage und am Ende einen Sieger, für den es auf eine bestimmte Art und Weise das erste Mal war. Damit könnten jetzt im Prinzip beide Rennen des Wochenendes gemeint sein, da sich große Teile der Action des Nationwide Rennens bei den Cup-Stars wiederholten. Am Samstag war es Carl Edwards, der das Rennen auf der Road America in Elkhart Lake, Wisconsin gewann und damit den ersten Sieg für Ford in diesem Jahr einstrich. Dabei hätte auch Jacques Villeneuve am Ende in der „victory lane“ landen können, wäre ihm nicht wenige Runden vor Schluss der Motor hochgegangen. Zuvor musste er sich auch mit einem eingedrückten Kotflügel inkl. „tire rub“ auseinandersetzen.

Die turbulente Schlussphase, welche fast keine Runde ohne einen Dreher auf der Strecke sah, wurde nach einer Massenkarambolage in Runde 30 von 50 eingeleitet. Da gleich neun Wagen in diesen Unfall verwickelt waren, dauerten die Aufräumarbeiten einige Zeit, was NASCAR zu einer halbstündigen Unterbrechung des Rennens zwang. Außer Edwards und Villeneuve konnten auch Paul Menard und Brendan Gaughan mit einer Menge Talent aufblitzen, deren „road course“-Talent war mir bisher unbekannt. Weil Brad Keselowski als Dritter abgewinkt wurde, konnte Edwards nicht sonderlich viele Punkte auf den Meisterschaftsführenden aufholen. Keselowskis Vorsprung beträgt nach dem Rennen in Wisconsin und vor dem in New Hampshire nun immer noch gewaltige 272 Punkte. Der Dritte Justin Allgaier konnte nach einem Schaden an der Antriebsachse nur einen 35. Platz ins Ziel bringen. Die Strecke selbst erhielt von den Beteiligten gute Noten.

Das Cup-Rennen kam nach einem vorsichtigen Start dann doch noch richtig in Schwung

Der Sonntag gehörte dann dem Sprint Cup in Sonoma, der auch nicht zu wenig Action bot. Auffällig war aber, dass sich im Gegensatz zum Nationwide Rennen weniger Fahrer mit Drehern von der Strecke verabschiedeten. Das Fahrermaterial in der ersten Liga wartete also mit deutlich mehr Können und Klasse auf. Allerdings gab es auch Ausnahmen, z.B. schob Jeff Gordon gleich drei Konkurrenten während des Rennens auf uncharmante Art und Weise von der Piste. Martin Truex Jr sinnt derweil auf Rache und kommentierte die Szene im Boxenfunk auch nicht gerade familienfreundlich. Auch Brad Keselowski machte sich hier im Chat wohl keine Freunde, als er Mattias Ekström abräumte und ihn womöglich ein Top10/Top15-Ergebnis kostete. Am besten fange ich mit der Analyse aber ganz am Anfang des Rennens an:

Polesitter Kasey Kahne überstand an der Spitze nach dem Start keine komplette Runde und wurde ziemlich schnell von Jimmie Johnson überholt. Johnson kristallisierte sich schnell als einer der beiden Fahrer heraus, die es zu schlagen galt. Der andere Pilot war Marcos Ambrose, der mit Bestzeiten in allen drei Trainingssitzungen auf sich aufmerksam machte. Nur im Qualifying beraubte er sich mit einem Fahrfehler eines besseren Startplatzes und musste vom sechsten Rang ins Rennen gehen. Die erste Caution lies nicht lange auf sich warten, denn nach elf Runden wurden einige Fahrer zu ungeduldig. Eine Kollision beendete das Rennen für Kyle Busch, zwar kam er nach aufwändigen Reparaturen noch einmal zurück auf die Strecke, doch mit Rundenrückstand war maximal Platz 39 drin. Einige Fahrer nutzten diese frühe Gelbphase für erste Abstimmungsarbeiten am Auto, unter anderem Juan Pablo Montoya und Jeff Burton. Die Führenden blieben geschlossen auf der Strecke.

Diese unterschiedlichen Entscheidungen sorgten dann schon für eine Aufteilung der Strategien, weil das Rennen in einen ordentlichen Fluss kam. Ab Runde 27 waren die ersten Stopps unter grüner Flagge angesagt, aber nicht weil das Benzin knapp wurde. Die Reifen verloren auf der Berg- und Talbahn von Sonoma einfach zu schnell an Grip, was einen frühen Wechsel vorteilhaft machte. Beim „cycle-through“ übernahm dann in Runde 35 Tony Stewart kurzzeitig die Führung, bevor er sie zwei Umläufe später an Mattias Ekström abgeben musste. Der Schwede hatte in der ersten Gelbphase nachgetankt und konnte nun einige Führungskilometer sammeln. Da seine Reifen recht schnell nachließen, war Ekström den Platz an der Sonne aber schon in Runde 43 wieder an Jimmie Johnson los.

Denny Hamlin hatte genau wie seine anderen Gibbs-Teamkollegen eine Menge Pech

Einen Umlauf später bekam Denny Hamlin ein mehr oder weniger schlimmes Problem: Weil die Halterungen der Motorhaube versagten, klappte diese gegen die Windschutzscheibe. Hamlin musste unter Anleitung seines Spotters die Runde beenden und im Blindflug die Boxengasse ansteuern, wo sein Team die Haube wieder befestigte. Damit war das Problem gelöst, aber sofort tat sich ein weiteres auf: Bei der Ausfahrt aus der Boxengasse war Hamlin zu schnell unterwegs und musste prompt noch eine Durchfahrtsstrafe absolvieren. Das alles brachte den Meisterschaftsanwärter so aus dem Konzept, dass am Ende nicht mehr als Platz 34 drin war. In der Punktetabelle kostete Busch und Hamlin das Sonoma-Rennen zwei Ränge, denn Konkurrent Jimmie Johnson konnte sich mit seinem späteren Sieg an beiden Fahrern vorbei auf Platz 2 hinter Kevin Harvick schieben.

Die lange Grünphase hielt derweil bis kurz nach Rennhalbzeit an und NASCAR kam der Dreher von Dave Blaney in Runde 58 vermutlich sehr gelegen, denn Johnson hatte sein Führungspolster mittlerweile auf 13 Sekunden ausbauen können. Der vierfache Meister war von seinem Crew Chief Chad Knaus aufgrund des großen Abstands angewiesen worden, die Reifen zu schonen und Benzin zu sparen, damit die #48 mit zwei Boxenstopps durchfahren könnte. Marcos Ambrose entschloss sich zwischenzeitlich anders und bog nur ein paar Runden zuvor mit einer Drei-Stopp-Strategie in die Boxengasse ab, wohl auch weil die neuen Reifen so gut funktionierten. Boris Said blieb während der Caution auf der Strecke und übernahm die Führung von Johnson, Ekström der weiterhin „out of sequence“ war, lag plötzlich auf Rang vier.

Said konnte die Führung exakt eine Runde lang verteidigen, bevor Marcos Ambrose zur Stelle war und von da an unwiderstehlich auf seinen ersten Cup-Sieg zufuhr. Nun begannen die lustigen fünf Minuten von Jeff Gordon: Zuerst legte er sich in Turn 7a mit Montoya an, was einen weiteren Konkurrenten auf der Außenbahn in einen Dreher zwang. Nur wenige Kurven weiter in Turn 11 räumte Gordon dann Martin Truex Jr ab, weil Ersterer in der Anfahrt der Haarnadelkurve einfach zu spät auf der Bremse war. Kurz danach in Runde 64 drehte sich Brad Keselowski von der Strecke und löste damit Gelbphase Nummer Vier aus. Beim folgenden Restart brach das totale Chaos aus, weil Boris Said einen Rückstau verursachte, der am Ende des Feldes einem Nebelunfall auf der A3 glich. Leider nahm diese Massenkarambolage auch den Rachsüchtigen Truex aus dem Rennen, der Jeff Gordon am liebsten noch vor New Hampshire ein weiteres Mal begegnet wäre.

Während der Aufräumarbeiten hatten die Gemüter ein wenig Zeit, um abzukühlen

Nach 20 Minuten Unterbrechung hatte das Streckenpersonal die Unfallstelle geräumt und gesäubert, sodass Marcos Ambrose in Runde 70 beim Restart das Feld anführen konnte. Schnell war Johnson auf Platz 2 zurück und das Favoritenduo fuhr gemeinsam an der Spitze Runde um Runde ab. Schon sieben Umläufe später begann eine neue Welle von „green flag stops“, die Montoya einleitete. Da noch ca. 30 Runden bis zum Ende des Rennens zu fahren waren, lag man somit nach einem Boxenstopps ab sofort im Benzinfenster, um bis zum Schluss durchzufahren. Auch Johnson und Ambrose nutzten diese Möglichkeit, was dann nacheinander Clint Bowyer und Elliott Sadler und Boris Said beim „cycle-through“ einige Führungsrunden bescherte. Robby Gordon, der spätere Zweitplatzierte, hatte sich bis zu diesem Zeitpunkt schon still und heimlich in die Top5 gefahren.

Die Sonoma-Pechsträhne von Joe Gibbs Racing setzte dann Joey Logano im dritten JGR-Toyota fort. Montoya nahm den Rookie des Vorjahres aus dem Rennen und wünschte dessen Vater Tom über Funk einen fröhlichen Vatertag – auch nicht unbedingt eine nette Aktion. Loganos Rennen war damit genauso wie das seiner Teamkollegen gelaufen, am Ende kam er auf Rang 33 an. Die dadurch ausgelöste fünfte Caution war in Runde 88 beendet und Boris Said verlor seine Führung recht schnell wieder an Marcos Ambrose und Jimmie Johnson, während er sich selbst mit Brad Keselowski um Platz 3 prügelte. Keselowski fiel nach einigen Kontakten im Feld zurück und war in Runde 92 knapp außerhalb der Top10 bei Mattias Ekström angekommen. In den „Esses“ war der Schwede dann dran, „Bad Brad“ ließ dem Gaststarter keinen Platz und schickte ihn in einen Dreher, der ein gutes Resultat nach einem soliden Rennen leider verhinderte.

Im Finale musste sich Marcos Ambrose nur aufgrund eines Fehlers geschlagen geben

Zum Restart in Runde 95 waren dann die Plätze für den finalen Kampf in den letzten 15 Umläufen bezogen. Marcos Ambrose und Jimmie Johnson gingen als größte Favoriten gemeinsam in Führung, dahinter lauerten Robby Gordon, Greg Biffle und Boris Said. Bis Runde 103 ging alles gut, doch dann verwickelte Keselowski sich erneut in ein Scharmützel. Nach einer Kollision mit David Gilliland gelangten Flüssigkeiten auf die Strecke, welche NASCAR unter Gelb beseitigen wollte. Da niemand sicher war, ob es zu einer, zwei oder gar drei „green-white-checkered“-Verlängerungen kommen würde, begannen einige Fahrer damit, Benzin zu sparen. Für den Führenden Marcos Ambrose sollte sich das als fatal und rennentscheidend entpuppen. Bei der Überfahrt der Ziellinie schaltete er den Motor ab, um im Leerlauf den Wagen rollen zu lassen. Allerdings bekam er selbigen nicht mehr rechtzeitig für die Bergauf-Passage angeschaltet, was die #47 komplett zum Stillstand brachte.

Da die NASCAR-Regeln besagen, dass ein Auto unter Gelb mit der Geschwindigkeit des Pace-Cars mithalten muss, um seine Platzierung zu behalten, war Ambrose durch seinen Stopp die Führung los. Er versuchte zwar, seinen alten Platz wieder einzunehmen, doch NASCAR pfiff den Australier zurück. Durch diesen blöden Zwischenfall konnte Ambrose also seinen ersten Sprint-Cup-Sieg knicken und Jimmie Johnson war an der Spitze Tür und Tor geöffnet, seinerseits seinen ersten Rundkurs-Erfolg einzufahren. Robby Gordon konnte nach dem Restart nicht mehr gegen Johnson auftrumpfen und gab sich zugunsten eines Sprunges in der Owner-Wertung mit dem zweiten Platz zufrieden. Ambrose kam nur auf einem für ihn enttäuschenden sechsten Platz an. Kevin Harvick (3.) und Kasey Kahne (4.) konnten sich in einem unauffälligem Rennen aus allen Reibereien heraushalten und ein Top5-Ergebnis nach Hause bringen. Jeff Gordon komplettierte die Top5.

Die Plätze 7 bis 10 gingen an Greg Biffle, Boris Said, Tony Stewart und Juan Pablo Montoya. Dale Earnhardt Jr erzielte ein für ihn gutes Rundkurs-Ergebnis und konnte mit Rang 11 einige Plätze in der Meisterschaftswertung gutmachen. Die beiden Gaststarter Jan Magnussen und Mattias Ekström kamen auf den Plätzen 12 und 21 ins Ziel und ohne die Verwicklung der #83 in einige Zwischenfälle wäre ein ähnliches Resultat wie das von Magnussen möglich gewesen. Auffällig ist auch, dass die Hersteller-Marken recht gleichmäßig verteilt in den Top10 zu finden sind. Eine Ausnahme bildet nur Dodge, deren bester Vertreter überraschenderweise nicht aus dem Penske-Lager kommt, das einen rabenschwarzen Tag erwischte. JJ Yeley im unterfinanzierten Whitney-Dodge kam auf Platz 26 ins Ziel, noch vor Kurt Busch und Co.

In der Meisterschaft haben sich Jimmie Johnson, Robby Gordon und die #26 verbessert

An der Verteilung der Chase-Plätze änderte sich eine Woche vor dem Start des „Race to the Chase“ nichts, nur die Reihenfolge wurde etwas durcheinander geworfen. Jimmie Johnson ist nach seinem Sieg wieder Zweiter und holte gleich vier Positionen auf. Da Kevin Harvick mit seinem dritten Platz einen sehr guten Punktetag hatte, konnte er seinen Vorsprung in der Meisterschaft ausbauen. Die Gibbs-Piloten fielen etwas zurück, sollten aber in New Hampshire wieder voll mit dabei sein. Mit Dale Earnhardt Jr, Clint Bowyer und Ryan Newman haben wohl nur noch drei Fahrer eine wirklich ernsthafte Chance, sich einen Platz im Chase zu sichern. Alle Fahrer ab Platz 16, wie z.B. Jamie McMurray, Joey Logano, Kasey Kahne, Martin Truex Jr und Juan Pablo Montoya liegen mehr als 100 Punkte hinter Rang 12 und besitzen nun höchstens noch Außenseiterchancen.

Viel bewegt hat sich dagegen in den Top35 der Owner-Wertung: Robby Gordon und Boris Said haben mit zwei hervorragenden Resultaten viel Boden gewonnen. Die #7 ist nun sogar an Bobby Labonte vorbeigezogen und hat mit 39 Punkten einen halbwegs soliden Stand. In New Hampshire wird Gordon allerdings nicht fahren und auch die Vertretung PJ Jones darf wegen Sponsorenmangel nur einen „start&park“-Einsatz durchführen, damit bleibt es also knapp für Robby Gordon. Die #26 wird nun wieder von David Stremme gefahren und steht kurz vor einem garantierten Startplatz. Boris Saids achter Platz in Sonoma brachte das Auto von Latitude 43 an Travis Kvapil vorbei. Außerdem mischen Bobby Labonte und Front Row Motorsports freudig mit: Die #71 liegt nur noch knapp in den Top35, während Kvapil schon 90 Punkte Rückstand aufzuholen hat.

Die Qualität des Rennens haben wir sicher nicht der Berichterstattung von TNT zu verdanken

Das Rennen war mal wieder eines der besseren in letzter Zeit und hatte es wirklich in sich. Zwar hatten viele der Dreher und Zwischenfälle nichts mit dem Ausgang des Rennens zu tun, aber um eine Aussage aus dem Chat sinngemäß zu zitieren: „Es ist doch auch mal schön, wenn sich die Siegesanwärter nicht reihenweise nacheinander verabschieden.“ Leider ist das nun aber doch ein Mal passiert und kostete dem „Sieger der Herzen“ Marcos Ambrose den großen Triumph, um es mit einer bekannten deutschen Floskel auszudrücken. Ambrose war im Nachhinein a  

Don't be the product, buy the product!

Schweinderl