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Rückblick: ALMS, GT1 & GT3 // Vorschau: GT Masters in Hockenheim & Grand-Am in Lime Rock

Am vergangenen Wochenende haben die Sportwagen tollen Motorsport geliefert. Wenn man ALMS und GT1 als Vorgeschmack für Le Mans begreift – einige Teams nehmen schließlich dort teil – kann einem schon jetzt das Wasser im Munde zusammen laufen.

Vorweg: wer Sportwagenrennen mag und sich schonmal für Le Mans aufwärmen möchte, der sollte sich die 6h von Laguna Seca, die die American Le Mans Series am Wochenende fuhr, auf jeden Fall selbst angucken. Was die GT-Klasse dort an Spannung geboten hat, ist in einem Langstreckenrennen kaum zu übertreffen und auch bei den LMPs wurde der Kampf um den Gesamtsieg trotz des kleinen Starterfeldes erst kurz vor dem Ende entschieden.

Der erstmalig angebotene Livestream war bis auf das leicht verzerrte Bildformat klasse, unter dieser Adresse kann man sich das Rennen auch jetzt noch (nach kostenloser Anmeldung) on demand in voller Länge ansehen. Bleibt zu hoffen, dass dieser Service auch wieder Anfang August geboten wird, denn dann fährt die Serie in Mid-Ohio und es wird wieder keine Live-Übertragung auf Speed geben. Noch schöner wäre es natürlich für uns Europäer, wenn jedes Rennen dort gezeigt würde, aber ich fürchte, dem werden vertragliche Vereinbarungen mit Speed entgegenstehen.

Zum Rennen: bei den LMPs war es eines des „Zurück-Kämpfens“: erst musste sich Simon Pagenaud durch das gesamte Feld boxen, nachdem dem Highcroft-Team sein zweiter Startplatz aberkannt worden war, da im Training nicht alle Fahrer ausreichend Zeit im Auto verbrachten; Paul Drayson und Johnny Cocker hatten gut zu tun, nachdem ersterer den grünen Lola in der zweiten Runde in den Kies gesetzt hatte und man durch die Bergung zwei Umläufe auf den Führenden verlor, bis der Wagen dann liegenblieb, weil sich das Getriebe in Wohlgefallen und „Schokolade“ (O-Ton Cocker) aufgelöst hatte; Klaus Graf und Sascha Maassen mussten versuchen, Memo Gidleys Dreher bei einem der Restarts sowie die verlorene Zeit durch daraus entstandene Getriebeprobleme wettzumachen; und an einer ähnlichen Augabe versuchten sich die Piloten des Dyson Racing-Lola Mazda, nachdem Andy Meyrick sich beim Anwärmen der Reifen hinter dem Safety Car gedreht und den LMP-Challenge-Oreca von Johnny Mowlem eingesammelt hatte.

Letztere waren dabei erfolgreich: zur Rennmitte lag man noch mit einer Runde Rückstand hinter dem Highcroft-HPD, der in Runde 55 schließlich die Führung von den sich vorher um selbige balgenden Konkurrenten Cytosport und Intersport übernommen hatte, doch durch geschicktes Timing eines Boxenstopps und eine glücklich gefallene Gelbphase konnte die Mannschaft aus Poughkeepsie wieder in die Führungsrunde aufschließen. Und dann schlug die Stunde des Guy Smith, der den Wagen bereits am Vortag überraschend auf die Pole gestellt hatte – die erste Pole eines nicht mit Michelins bereiften Fahrzeugs in der ALMS seit 2004. Smith legte eine schnelle Runde nach der anderen hin, darunter mit 1:14:262 die schnellste des Rennens und überholte schließlich den führenden Franchitti außen herum am Ende der Start/Ziel-Geraden. Gebracht hat all das am Ende nichts, denn etwa eine halbe Stunde vor dem Ende rollte der Lola-Mazda mit technischem Defekt aus, Highcroft siegte mit sieben Runden Vorsprung vor dem Cytosport-Porsche RS Spyder. Der Patt in der Meisterschaft ist damit aufgehoben, das Honda-Team führt nun mit vier Punkten Vorsprung.

Noch viel spannender war das Rennen in der GT-Klasse: zur Rennhälfte waren noch acht Fahrzeuge in der (Klassen-)Führungsrunde, alle Marken waren vertreten. Nicht nur die etablierten Teams, sondern auch einer der Extreme Speed-Ferrari mischte mit, Johannes van Overbeek konnte die schnellste Rennrunde verbuchen. Immer wieder mussten auch enge Lücken durch den GT Challenge-Verkehr gesucht werden, was Platzwechsel forcierte.

Bis zum Rennende hatten sich die Reihen ein wenig gelichtet und die Abstände vergrößert, aber drei Fahrzeuge kämpften weiterhin im Zehntelsekundenabstand um den Klassensieg: vorn der #90 BMW mit Müller/Hand, dahinter Bergmeister/Long im #45 Flying Lizard-Porsche und die #4 Corvette von Gavin/Beretta. Bis schließlich der zweite BMW die letzte Gelbphase auslöste: beim Restart nach deser überrumpelte der eine Kalifornier Patrick Long den anderen, Joey Hand, indem er sich in der letzten Kurve im Verkehr mutig neben den Porsche setzte, der keinen Platz und keine Zeit mehr für einen Konter hatte. Zu abgebrüht, um sich diesen Sieg noch nehmen zu lassen, überquerte Long acht Runden später als erster die Ziellinie.

Die zwei Pratt&Miller-Corvettes, die Risi-Ferrari und der meisterschaftsführende Flying Lizard werden in zweieinhalb Wochen nach Le Mans reisen (außerdem der noch an Zuverlässigkeitsproblemen leidende Jaguar). Dort werden sie auf die europäischen BMWs, die Ferrari vom AF Corse-Team und vor allem auf die starken Felbermyr-Proton-Porsche treffen. Auf diese Schlacht mit dem vielfältigsten und hochwertigsten GT2-Starterfeld, das seit Jahren in Le Mans an den Start gegangen ist, kann man sich nur freuen!

GT1-WM

In Brünn schien sich zu bestätigen, dass die Maserati in den mittelschnellen, flüssigen Kurven am stärksten waren. Nach Doppelpole für das Vitaphone-Team, dessen Wagen im dritten Qualifying-Segment als einzige Runden unter 1:56 Minuten gewannen Bartels und Bertolini auch das Qualifikationsrennen am Samstagabend von der Pole aus, viereinhalb Sekunden dahinter kamen Turner/Enge im Aston Martin ins Ziel. Die britischen Edel-Sportwagen hatten allerdings einen höheren Topspeed als die Italiener, nur noch knapp geschlagen von den Nissan, doch das Kurvenverhalten sprach eindeutig für Maserati.

So sah es auch im Hauptrennen am Sonntag nach einer souveränen Vorstellung aus, aber leider spielten in diesem entscheidenden Lauf eine misslungene Startprozedur und zwei Safety Car-Phasen die Hauptrolle. Am Start gab die #1 etwas zu früh Gas, der daneben startende Tomas Enge im Young Driver Aston Martin reagierte anscheinend auf ein kurz von der Boxenmauer herausgehaltenes Schild und die sehr lange auf Rot bleibende Ampel: er war infolgedessen wohl der Meinung, weil der Maserati zu früh die Startformation verlassen habe, sei kurzfristig eine weitere Einführungsrunde angeordnet worden. Damit lag er aber offensichtlich falsch und fiel weit ins Mittelfeld zurück.

Nach der frühen ersten Gelbphase (Rahel Frey war in den Kies geschubst worden) lag der Maserati weiter vorn, bekam dann jedoch tatsächlich eine Stop&Go-Strafe für den zu frühen Start. Da das Feld nach dem Restart noch eng zusammen war, verlor Bertolini beim Absitzen der Strafe viele Plätze.

Nach einem Zwischenfall zwischen Hegersport-Pilot Margaritis und einem stocksauren Bas Leinders kam kurz vor Rennmitte das Safety Car noch einmal heraus – pünktlich zum Boxenstopp-Fenster: fast alle Fahrzeuge gingen auf einmal an die Box, dadurch war es zu eng, und wer rangieren musste, verlor. Gewinner dieses Boxengassen-Trubels waren die Sieger vom Saisonauftakt, Thomas Mutsch und Romain Grosjean, die als erste auf die Strecke zurückkamen und diese Führung auch nicht mehr abgaben, auch wenn sie die gesamte zweite Rennhälfte über verfolgt wurden; und zwar überraschenderweise von Darren Turner im so schlecht gestarteten Aston Martin!

Am Ende des Rennens sollten die Top5 innerhalb von 1,8 Sekunden die Ziellinie überqueren, eine sehenswerte Aufholjagd hatte bis dahin Michael Bartels abgeliefert, der sich auf eben diesen fünften Platz vorgearbeitet hatte und für den noch mehr drin hätte sein können, wenn das Meisterschaftsrennen nicht so unverhältnismäßig kurz wäre. So führen nun Mutsch/Grosjean (56 Punkte) nach zwei Siegen deutlich vor Bertolini/Bartels (44 Punkte), die aber bisher als einzige bei jedem Rennen (auch jedem Qualifikationsrennen!) Zähler einfuhren.

Ein kurzes Zwischenfazit nach drei Rennwochenenden: die neue Weltmeisterschaft macht sich im Grunde sehr gut, was Spannung und Spektakel angeht. Einen leichten Schatten auf die guten Rennen werfen aber Ärgernisse und Zwischenfälle wie der Gachnang-Unfall in Abu Dhabi, das Nissan-Gezeter bezüglich der angeblich misslungenen Balance of Performance, der aberkannte Aston Martin-Sieg in Silverstone und das rennentscheidende Startchaos in Brünn. Doch – wie gesagt – der eigentliche Sport überzeugt. Und vor allem dessen Präsentation: einen besseren offiziellen Live-Stream mit On-Demand-Mediathek hat wohl noch keine Serie geboten, Website und Live Timing sind gut und übersichtlich und die Rennen werden mittlerweile auch über Twitter begleitet.

GT3-EM

Auch die „kleinere“ GT-Serie bot in Brünn interessante und spannende Rennen. Die Trainings zu Beginn des Wochenendes waren überwiegend verregnet, aber das einzige Rennen auf feuchter Strecke – halb-feucht, um genau zu sein, denn nur über der im Tal gelegenen Streckenhälfte hatte es geregtnet – war das erste der GT3. Hier beanspruchten am Ende drei Corvettes das Podium für sich, die unter den Streckenbedingungen früh nach vorn stürmten. Lambotte/Parisy siegten am Ende mit über 18 Sekunden Vorsprung vor Keilwitz/Hohenadel, Seiler/Lunardi und den Pole-Settern Geipel/von Thurn und Taxis im Reiter Lamborghini.

Im zweiten Rennen am Sonntag siegten wieder die beiden Franzosen Joakim Lambotte und Mike Parisy, die damit trotz eines punktelosen ersten Rennwochenendes auf Platz 3 der Meisterschaft nach oben schossen, nur acht Punkte hinter den Führenden Keilwitz/Hohenadel und sieben hinter Philip Geipel. Letzterer erreichte mit seinem adeligen Teamkollegen den zweiten Platz, nur gut viereinhalb Sekunden hinter dem Siegerauto.

Vorschau: ADAC GT Masters – Hockenheim

Die GT Masters trägt ihre Läufe 5 und 6 an diesem Wochenende auf dem Hockenheimring aus. Albert von Thurn und Taxis ist aktuell nicht nur in der GT3-EM erfolgreich, sondern auch in derem deutschen Pendant, hier führt er gemeinsam mit seinem Lamborghini-Co-Piloten Peter Kox die Meisterschaftswertung an. 21 Punkte haben beide, Luca Ludwig und Christopher Mies (Abi-Audi) liegen aber zwei Zähler dahinter. In der Deutschen GT3-Meisterschaft, zu der auch das 24h-Rennen auf der Nordschleife zählt, führt derweil Luca Ludwig mit deutlichem Vorsprung: er saß auf der Nordschleife als einziger regelmäßiger GT Masters-Teilnehmer im Klassensieger-Auto von Phoenix Racing und sackte somit die 30 Punkte ein.

In der Amateurwertung führt nach dem beeindruckenden zweiten Platz am Sachsenring Ex-Skisprung-Ass Sven Hannawald mit 26 Punkten vor Ronald van der Laar, dem Co-Piloten von Michael Bleekemolen (21 Punkte). Vorjahressieger Toni Seiler liegt nach zwei Siegen in Oschersleben, aber punkteloser Heimreise aus  Sachsen einen weiteren Punkt dahinter.

Das Starterfeld ist in Baden wieder um drei Fahrzeuge im Vergleich zum vergangenen Rennwochenende gewachsen: s-Berg Racing setzt einen zweiten BMW-Alpina B6 ein, und auch Attempo Racing ist nach einer Pause in Hohenstein-Ernstthal wieder mit zwei Porsche 911 GT3 Cup dabei.

Vorschau: Grand-Am – Lime Rock

Wer nach Formel 1, Indy 500, NASCAR und GT Masters noch nicht genug hat, für den geht das Rennwochenende am Montag weiter: in den USA wird am Memorial Day der verstorbenen Soldaten gedacht und die Grand-Am Rolex Sports Cars Series nutzt diesen Feiertag, um auf dem Traditionskurs in Connecticut ihr „Memorial Day Classic“ auszufahren.

Im letzten Jahr fand dieses Rennen nicht statt, bis 2008 war es ein „GT only“-Event. In diesem Jahr werden zum ersten Mal auch die Daytona-Prototypen ins „Road Racing Center of the East“ reisen. Man wird dementsprechend nicht die klassische Streckenvariante fahren, sondern die neue „The Uphill“-Schikane einbeziehen, um Überholmanöver am Ende der „No-Name Straight“ zu ermöglichen und Auslauffläche zu schaffen. Den zusätzlichen „West Bend“-Komplex, den die ALMS außerdem nutzt, wird die Grand-Am laut eigener Angaben wohl außen vor lassen, sodass die Strecke flüssiger bleibt.

Großer Favorit in der DP-Klasse wird wieder Chip Ganassi Racing mit Pruett/Rojas im BMW-Riley sein, die die vergangenen drei Rennen gewonnen haben.

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