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10:15

NASCAR: Vorschau Texas April 2010 / Kahne zu Hendrick

Noch eine Woche bis zum „game changer“ in Talladega, doch an diesem Wochenende geht es für Cup und Nationwide Series in Texas zur Sache. Diese Strecke ist dafür bekannt, das Seriensieger nicht die Regel sind, sondern eher die Ausnahme. Beste Garantie für Spannung also?

Bevor es mit der Analyse der bisherigen Stärkeverteilung 2010 losgeht, habe ich wie immer eine kleine Übersicht über die Geschichte der Strecke vorbereitet, die aus der November-Vorschau 2009 stammt. Dazu noch eine Ergänzung, die ganz kurz erklärt, wie und wann der Texas Motor Speedway zu seinem zweiten Saisonrennen gekommen ist. Am Ende des Artikels werde ich dann auf den bereits rasenden Zug aufspringen und auch mal ein wenig bezüglich des Wechsels von Kasey Kahne zu Hendrick Motorsports spekulieren. Nicht zu ausführlich, aber genug um aufzuzeigen, was denn nun schon konkret ist und was eben noch nicht. Hier nun aber zunächst die versprochene Übersicht:

Der Texas Motor Speedway ist ein 1,5-Meilen-Oval in derselben Form wie Atlanta oder Charlotte und wird deshalb auch als deren Schwesterstrecke bezeichnet. Alle drei Ovale haben ein Banking von 24° und die charakteristische, doppelt geknickte Start/Ziel-Gerade, jedoch ist Texas ca. 35 Jahre jünger als seine Schwestern. Weitere Besonderheiten des Speedways sind zum einen das besonders hohe Preisgeld, [...]. Da der Topf gut gefüllt ist, bekommen natürlich auch die „start & park“-Entries ein größeres Stück vom Kuchen als sonst, was einen Start sehr attraktiv macht. Die Rennen in Texas bieten dem Sieger eine halbe Million Dollar und das ist das drittgrößte Preisgeld nach dem Daytona 500 (1,5 Mio $) und dem All-Star-Rennen (1 Mio. $), noch vor Klassikern wie Indy oder dem Coca-Cola 600, die nur knapp weniger als die halbe Million Dollar zu bieten haben. Zum anderen ist die Zuschauerkapazität mit 191.122 Plätzen nach dem Indianapolis Motor Speedway (mind. 257.325) die zweitgrößte in der NASCAR, noch vor den beiden Superspeedways (Talladega: 175.000, Daytona: 167.785) und dem Lowe’s Motor Speedway (167.000).

Seit 1997 gastiert der Cup auf dem Texas Motor Speedway und seit 2005 gibt es auch ein zweites Saisonrennen. Damals bekamen Texas und Phoenix jeweils einen Termin von Rockingham und Darlington zugesprochen, eine der kontroversesten Kalenderanpassungen der NASCAR-Geschichte. Rockingham war dann gar nicht mehr im Renngeschehen vertreten und die „Lady in Black“ verlor ihr traditionelles Labor-Day-Rennen, das Southern 500. Zwar hat seit dem letzten Jahr das einzig verbliebene Darlington-Rennen wieder die legendäre Bezeichnung, findet nun aber am Muttertag statt. Der Texas Motor Speedway ist seit 2005 also auch im Chase vertreten, wo 2009 Kurt Busch das Rennen gewann. Da dieser Sieg sein erster Erfolg in Texas war, setzte er seinen Namen neu auf die Liste der bisherigen noch aktiven Sieger, welche immer noch von Carl Edwards angeführt wird:

1. Carl Edwards (3)
2. Jeff Burton (2)
3. Mark Martin, Dale Earnhardt Jr, Matt Kenseth, Ryan Newman, Elliott Sadler, Greg Biffle, Kasey Kahne, Jeff Gordon, Tony Stewart, Jimmie Johnson und Kurt Busch (je 1)

Alle Hersteller außer Toyota waren auf dem Texas Motor Speedway bereits erfolgreich und in der jüngeren Vergangenheit sogar äußerst ausgeglichen. Ford kann auf 9, Chevrolet auf 6 und Dodge auf 3 Siege zurückblicken. Der kleine Überhang zugunsten von Ford und Chevy stammt aus den Jahren vor 2001. Dodge startete erst in dem Jahr gemeinsam mit Ray Evernham, Chip Ganassi, Richard Petty und Bill Davis ein Comeback nach dem Ausstieg der Automarke aus dem Cup im Jahr 1985. Schon zwei Jahre später gelang Ryan Newman damals noch in einem Penske der erste Dodge-Erfolg in Texas seit dem Comeback. Generell fällt auf, dass die Rennen auf dem TMS in der Regel selten Wiederholungstäter in Bezug auf Fahrten in die Victory Lane sehen. Jeff Burton war der erste, der es nach 10(!) Jahren schaffte, seinen Sieg im Frühjahrsrennen zu wiederholen und Carl Edwards ist der einzige Pilot, der beide Texas-Rennen eines Jahres für sich entscheiden konnte.

Hendrick Motorsports rangiert 2010 bisher vor Roush-Fenway Racing und RCR

Da stellt sich natürlich die Frage, wer denn am Wochenende weit vorne zu erwarten ist. Ganz sicher wieder die üblichen Verdächtigen, die ich heute mal Team für Team bewerten möchte:

- Hendrick Motorsports: Jimmie Johnson es hat mit Ausnahme von Daytona, wo ihn seltenerweise mal der Defektteufel erwischt hat, nur in Atlanta nicht in die Top10 geschafft. Wenn ein Rennen beim Meisterschaftsführenden mal nicht optimal läuft, dann wird er eben Neunter wie in Martinsville. Im letzten Jahr kostete Johnson ein früher Unfall im Texas-Chase-Rennen fast die Meisterschaft und seit drei Jahren hat er hier auch immer ein schlechtes Rennen pro Saison gehabt. Trotzdem ist er einer der ganz großen Kandidaten für einen Sieg. Jeff Gordon hat auch eine ordentliche Texas-Statistik (ein Top5-Ergebnis pro Jahr) und die vergangenen beiden Rennen in Martinsville und Phoenix, die er fast gewonnen hätte, dürften ihm vielleicht den letzten fehlenden Biss zurückgegeben haben. Mark Martin gelang nach drei eher schlechten Rennen wieder der Anschluss an die Chase-Plätze, auf die er nun nach seinem vierten Rang in Phoenix als Meisterschaftsdreizehnter Jagd macht. Im letzten Jahr zeigte der GrandDaddy.com schon, was er bei HMS in Texas reißen kann: Platz 4 und 6 stehen aus 2009 für ihn zu Buche. Er hat eine gute Chance auf die Top5, die Top10 sind aber realistischer. Bleibt noch Dale Earnhardt Jr, der in Texas seit 2006 nicht mehr in die Top10 gefahren ist, in seinen stärkeren frühen Jahren aber immerhin 2000 gleich sein erstes Rennen auf der Strecke gewonnen hat. Ein Top10-Resultat sollte das Höchste der Gefühle sein, mehr hat er 2010 auch noch nicht gezeigt, trotzdem liegt er derzeit auf Platz 10 in der Meisterschaft.

Dazu noch schnell das Kundenteam von Stewart-Haas Racing: Tony Stewart steuert derzeit ein wenig schwammig durch die Saison, ein Top10-Resultat sollte aber möglich sein. Bei Ryan Newman wird man außerdem sehen, was wirklich hinter dem Sieg in Phoenix steckt. Die Tendenz über die Saison 2010 gesehen ist ja zumindest einmal da: 34/36/18/17/16/4/1, also auch hier mögliches Top10-Material.

- Roush-Fenway Racing: Die einstigen Könige der Intermediate-Ovale haben auf diesem Streckentyp doch arg nachgelassen, zumindest was die Siege angeht. Für Top-Resultate sind die drei Fords von Matt Kenseth, Greg Biffle und Carl Edwards nach wie vor zu haben und sie sind momentan auch ziemlich solide im Chase platziert. Nach David Ragan muss man dann schon etwa intensiver graben und suchen, denn mehr als Platz 28 in der Meisterschaft ist derzeit nicht drin. Jack Roush grollt vermutlich immer noch, dass er Ende 2009 an Ragans Stelle Jamie McMurray hat gehen lassen. Carl Edwards hat in Texas zwar schon drei Siege auf dem Konto, wenn er aber nicht gewinnt, dann fährt er auch nicht in die Top10; schon ein wenig eigenartig. Besser schätze ich da schon Matt Kenseth ein, der seit 2007 nur zweimal nicht in den Top5 zu finden war und das sind dann zwei neunte Plätze 2008 gewesen. Ein ähnliches Ergebnis fährt er wohl auch bei diesem Rennen ein, wenn man bedenkt, dass Kenseth 2010 nur in Martinsville nicht unter den besten Zehn ankam. Bleibt noch Greg Biffle, den ich einen kleinen Tick schlechter einschätze als Matt Kenseth: Nur in Phoenix nicht in die Top10 gefahren, aber eben mit ein wenig schlechteren Ergebnissen als sein Teamkollege in diesem Jahr.

- Richard Childress Racing: RCR sehe ich nach dem tollen Start in die Saison nun nur noch hinter Roush-Fenway Racing. Jeff Burton war bisher über die Jahre gesehen am konstantesten in Texas unterwegs und gewann auch das Debütrennen des Speedways 1997, sowie eine weitere Ausgabe 2007. Ein Top10-Resultat ist fast schon sicher, ob es für die Top5 reicht muss man nach den Practices entscheiden. Bei Bowyer und Harvick sehe ich das ganz ähnlich und obwohl RCR im Vergleich zu den ersten vier Saisonrennen ein wenig nachgelassen hat, bestehen gute Chancen die derzeitigen Chase-Platzierungen mit einem guten Resultat an diesem Wochenende zu festigen.

- Joe Gibbs Racing: Joey Logano und Kyle Busch haben es in Phoenix mit Top10-Resultaten geschafft, unter die zwölf besten Fahrer in der Meisterschaft aufzusteigen. Denny Hamlin verlor in der letzten Woche ja leider früh den Anschluss, zum einen wegen einer kleinen Rempelei zu Rennbeginn, zum anderen wegen seines frisch operierten Knies. Dadurch fiel er in der Meisterschaft von Platz 15 auf die 18. Ich schätze alle drei Fahrer momentan in etwa gleich stark ein: Top10-Ergebnisse sind absolut machbar, vor allem bei Joey Logano freut es mich sehr, wie gut er sich 2010 entwickelt hat. Bei Denny Hamlin wären mit einem 100%ig-fitten Knie sicher auch die Top5 machbar.

Auch einige weitere Fahrer stechen derzeit als Favoriten aus ihren Teams heraus

Zu diesen vier momentanen Top-Teams, die auch alle geschlossen die Chase-Positionen besetzen, kommen dann noch ein paar Einzelstreiter, die deutlicher aus ihren Teams hervorstechen: Kurt Busch gewann das bisher letzte Texas-Rennen im Herbst 2009 und im Frühjahr fuhr er auf Platz 8. Da er in der Saison 2010 bis jetzt nur ziemlich schwankende Resultate eingefahren hat, sehe ich die Top10 als höchste Position der Gefühle an. Paul Menard, der in diesem Jahr leistungstechnisch die Führung bei Richard Petty Motorsports übernommen hat, fiel nach Platz 29 in Phoenix aus den Top12 der Meisterschaft. Seine bisherigen Resultate in Texas ähneln seiner Saisonstatistik 2010, ergo kann man sagen, dass an diesem Wochenende wieder ein gutes Ergebnis für Menard drin sein sollte.

Bleibt noch Juan Pablo Montoya, der in Phoenix mit einem fünften Rang wieder an gewohnte Leistungen anknüpfen konnte. Es muss halt nur mal laufen für den Kolumbianer. Im letztjährigen Frühjahrrennen gelang ihm Platz 7, im Herbst musste er allerdings die Segel streichen und verlor mit nach einem Ausfall jegliche Restchancen in der Meisterschaft. Möglicherweise ist dieses Thema in diesem Jahr schon zu dieser frühen Zeit abgehakt: Ich habe bei Jayski eine Statistik gesehen, die sich mit historischen Rückständen auf die Chase-Platzierungen im Anfangsteil der Saison beschäftigt. Darin war nach einem Phoenix-Rennen die größte Differenz, die jemals bis zum Cut aufgeholt wurde, nur 104 Punkte. Montoya hat nach Phoenix noch 132 Punkte Rückstand auf Platz 12 und das garantiert Spannung, wenn das Auto denn hält. Den Link kann ich gerne nachreichen, wenn ich fündig werde, momentan versteckt er sich allerdings vor mir.

Die Meisterschaftsläufe auf dem Texas Motor Speedway zählen zu den Westküsten-Rennen und beginnen daher in diesem Jahr um 21 Uhr. Der Rennstart ist ja immer einen Tick später und sollte so gegen 21:15 Uhr anstehen. FOX überträgt allerdings schon ab 20 Uhr. Das Qualifying findet wie gewohnt am Freitagabend statt und SPEED geht um 22:30 Uhr dafür auf Sendung. Die Nationwide Series ist am Samstagabend ab 21 Uhr (Rennstart eine Stunde später) auf ESPN2 zu sehen. Die Trucks pausieren bis in den Mai.

Kasey Kahne wechselt ab 2012 zu Hendrick Motorsports

Was ist denn bisher fix? Mark Martin hört Ende 2011 auf, zumindest mit seiner Vollzeitkarriere. Einzelne Rennen oder auch eine Teilzeit-Saison hat er bisher nicht ausgeschlossen. Damit ist für Kasey Kahne der Wagen mit der #5 ab 2012 frei. Das hat Rick Hendrick ihm ebenso zugesichert, wie die Tatsache, dass Hendrick sich höchstpersönlich um ein Cockpit für Kahne für das nächste Jahr kümmern wird, wo man derzeit keine Kapazitäten frei hat. Eine Entscheidung diesbezüglich soll innerhalb der nächsten drei Monate fallen, klar ist nur, dass er 2011 in einem Chevrolet unterwegs sein wird. Nachlesen kann man das hier.

Alles andere ist derzeit rein spekulativ: Dass Kasey Kahne schon seit längerem über einen Wechsel nachdenkt, ist bekannt. Die dramatische Umstrukturierung der Besitzverhältnisse in seinem bisherigen Team von Ray Evernham zu einer Kombination aus George Gillett Jr, Richard Petty und Doug Yates, sowie der Wechsel von Dodge zu Ford, sind dem 30-jährigen wohl ziemlich sauer aufgestoßen. Das unstabile Arbeitsumfeld führte dann jetzt auch zu einer massiven Unterperformance fast aller RPM-Teams 2010, womit ein Weggang Kahnes beschlossene Sache war.

Welche Möglichkeiten hat er nun für 2011? Die offensichtlichste Lösung für dieses Übergangsjahr dürfte ein drittes Team bei Stewart-Haas Racing darstellen, Tony hat ja schon öfter damit kokettiert zu expandieren. Rick Hendrick dürfte sicherlich schon ein großzügiges Angebot an Smoke in der Hinterhand haben, um sein Kundenteam von diesem Plan zu überzeugen. Als Sponsor kommt wieder Budweiser in Frage, die Kasey Kahne nun schon seit drei Jahren begleiten und auch ziemlich zufrieden mit ihrem Werbeträger sind. Zudem hat Hendrick schon eine Vergangenheit mit dem Bierbrauer, der in den 90er-Jahren auf der #25 zu sehen war. Aber was passiert mit diesem dritten Stewart-Haas-Team dann 2012? Dazu gibt es schon die Theorie, dass Danica Patrick dann nach zwei Teilzeit-Jahren in der Nationwide Series in den Cup gehievt werden könnte. Und weil Mark Martin ja so ungern ganz aufhört, könnte er sich das Cockpit bei SHR mit Danica teilen, um den Wagen zumindest in den Top35 zu halten, sollte es Patrick nicht alleine schaffen. So hätten im Prinzip alle das, was sie wollen.

Eine Alternative dazu wäre, JR Motorsport ab dem nächsten Jahr im Cup starten zu lassen. Das ist zwar bisher generell nicht vorgesehen, aber Rick Hendrick hat Anteile am Nationwide-Team von Dale Earnhardt Jr und könnte da sicher eine Menge Einfluss ausüben. Das könnte sich auch so darstellen, dass Hendrick quasi die (einjährige) Cup-Operation von JR Motorsports komplett unter seine Fittiche nimmt. Die Ressourcen für ein inoffizielles fünftes Team unter einem anderen Banner wären jedenfalls vorhanden, denn schon in den letzten beiden Jahren stellte Hendrick Motorsports ein fünftes Auto für Brad Keselowski in jeweils sieben Saisonrennen zur Verfügung. Warten wir also erstmal maximal 90 Tage ab…

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