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18:44

Formel Eins: Analyse GP Silverstone 2013

Im Zentrum der Aufmerksamkeit in Silverstone standen einmal mehr nicht die Fahrer, sondern die Reifen. Immerhin sorgten die Unterbrechungen für ein spannendes Rennen.

Silverstone 2013Nico Rosberg war nach dem Rennen in Silverstone richtig glücklich, und das nicht nur, weil er das Rennen gewonnen hatte. Wie er seinem Fahrerkollegen Mark Webber im Erholungsraum vor der Siegerzeremonie sagte, hatte sich sein Reifen genau in der Runde aufgelöst, als Vettel seinen Wagen mit einem Getriebeschaden abstellen musste. Weil das Safety-Car raus kam, konnte er langsamer an die Box fahren und den Reifen wechseln. Wäre die Unterbrechung nicht gekommen, wäre auch auch Rosberg sein linker Hinterreifen um die Ohren geflogen. Und er hatte noch mehr Glück, dass die Caution auch einen Stopp ermöglichte, ohne dass er die Führung verlor. Das Glück hörte nach dem Rennen auch nicht auf, denn die Rennkommissare bestraften ein Geschwindigkeitsvergehen unter gelber Flagge nur mit einer Verwarnung. Kein Wunder, dass er nach dem Rennen mehr als zufrieden war. Ganz im Gegensatz zu Hamilton, Massa, Vergne, Perez, der FIA und allen Zuschauern, die sich fragten, was genau da eigentlich mit den Reifen passiert ist. Rennleiter Charlie Whiting war jedenfalls kurz davor, das Rennen mit einer roten Flagge zu beenden.

Bevor man das Debakel auf Pirelli schiebt, sollte man vielleicht noch etwas warten. Der Reifenhersteller gibt vor jedem Rennen Infos an die Team, mit welchem Reifendruck und Sturzwerten man fahren sollte. Diese Angaben sind aber nicht verpflichtend. Interessanterweise gibt es einen Screenshot, der zeigt, dass man bei Red Bull nach den Reifenschäden bei Hamilton, Massa und Vergne den Reifendruck um 2 psi angehoben hat. Also sah es auch ein wenig danach aus, als seien die Teams mit einem Reifendruck unterwegs gewesen, der zu niedrig war und dafür sorgte, dass die innere Lauffläche zu sehr unter Druck geriet. Durch die hohen Sturzwerte ist die innere Schulter in Silverstone besonders belastet. Sind also die Teams an dem Desaster schuld, die sich nicht an die Vorgaben von Pirelli gehalten haben?
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Gegenüber sky UK meinte Christian Horner, dass man überrascht gewesen sei, denn man sei mit einem ähnlichen Reifendruck unterwegs gewesen wie in den letzten Jahren. Massa schimpfte, das sei alles inakzeptabel, weil es die Fahrer Gefahren aussetzen würde, Alonso betonte, dass er seit zwölf Jahren in Silverstone fahren würde und noch nie solche Probleme hatte. Bei Pirelli sagte man gar nichts, außer, dass man sich die Reifen würde anschauen müssen. Die FIA bestellte Pirelli derweil für Mittwoch nach Paris ein, wo man in der “Sporting Working Group” ein paar Fragen stellen will. In dieser Gruppe sitzen auch die Teams.

Pirelli steht nach dem Rennen in Silverstone unter Druck, keine Frage. Dass es so schlimm werden musste, ist eine Mischung aus einem Fehler von Pirelli und den der Uneinigkeit der Teams. Pirelli hat sich mit der Konstruktion der Reifen in diesem Jahr vertan. Nachdem die FIA Pirelli in letzten Jahr gebeten hat, die Reifen weniger haltbar zu machen, hat man sich bekanntermaßen für eine neue Konstruktion entschieden. Das neue Stahlband unter der Lauffläche sollte dafür sorgen, dass die Reifen schneller abbauen, weil die Lauffläche heißer wird. Das funktioniert aber nur bedingt und sorgt eben auch für die erstaunlichen Delaminierungen, bei denen sich die gesamte Lauffläche löst. Dass die Reifen sich aber so spektakulär auflösen, ist neu und spricht dafür, dass Pirelli etwas beim Laminierungsprozess in den letzten Rennen verändert hat, was der Reifenhersteller nach dem Rennen aber verneinte.

Bekannt ist das Problem der Delamierung schon seit Bahrain, als sich bei Hamilton zum ersten Mal sichtbar die Lauffläche löste. In Spanien tauchte das Problem auch auf. Pirelli wollte eine neue Konstruktion einführen, in der man das Stahlband gegen ein Kevlarband austauschte, aber das scheiterte am Widerstand von Lotus und Force India. Die Frage ist nun, wie es weiter geht. Mit dem Nürburgring und Ungarn stehen zwei Rennen auf einem mittelschnellen und einem sehr langsamen Kurs an. Im Fahrerlager gibt es wohl Stimmen, die für eine Rückkehr zu den 2012er Reifen plädieren. Das wird aber für das Rennen am Ring nächste Woche nicht möglich sein.

Die Reifen bestimmten also das Rennen und kosteten Lewis Hamilton vermutlich den Sieg. Der hatte sich zu Beginn des Rennens von Vettel frei gefahren und schien den Abstand nach hinten zu kontrollieren. Schon nach wenigen Runden konnte man bei ihm eher konservative Sektorzeiten sehen, er richtete sich dabei nach den Red Bull. Nachdem Vettel die Führung übernommen hatte, handelte er ebenso. Er versuchte, den Abstand auf Rosberg immer bei mindestens drei Sekunden zu halten, was bis zu seinem Getriebeschaden ebenfalls klappte. Rosberg hatte nicht die Mittel, um den Weltmeister einzufangen oder gar unter Druck zu setzen.

Die beiden Safety-Car Phasen würfelten das Feld ordentlich durcheinander und waren ein Segen für Hamilton, Massa und Mark Webber, den Romain Grosjean am Start aus dem Weg gedrückt hatte, nachdem Webber nicht richtig vom Fleck kam. Das SC sorgte dafür, dass die Abstände nach vorne immer wieder eingedampft wurden und man teilweise mit neuen Reifen schnell unterwegs sein konnte. So gelangen den genannten Fahrern bemerkenswerte Aufholjagden, wobei vor allem Webber und Hamilton profitierten.

Hamilton kämpfte sich vom letzten Platz auf P4 vor, was schon allein bemerkenswert ist. Die Fahrt von Webber ist ähnlich sensationell. Er lag nach der ersten Runde auf P15, fuhr den ersten Stint mit einem kaputten Frontflügel, was ihn Zeit kostete. Der Wechsel des Flügelwerks an der Box kostete ebenfalls ein paar Sekunden. Wenn man sich anschaut, dass er in den letzten Runden rund 1,5 Sekunden hinter Rosberg lag, sieht man, wie knapp er an einem Sieg vorbei geschrammt ist. Vermutlich hätten ein oder zwei Runden mehr gereicht und Webber hätte sich Rosberg geschnappt, weil er auf den “Medium” unterwegs war.

Da das Rennen wegen der vielen und langen Unterbrechungen etwas unübersichtlich war, hier ein Blick auf die anderen Fahrer:

Fernando Alonso – Der Spanier hatte bis kurz vor Schluss ein unauffälliges Rennen, weil er hinter Räikkönen und Sutil steckte und sich abseits der Kameras nach vorne arbeitete. Die letzte SC-Phase erwischte ihn und seinen Stopp schlecht, da er auf P8 zurückfiel. Doch mit weichen Reifen gelang ihm ein gutes Comeback und er fuhr noch auf P3 vor. Das war besonders wichtig, weil er durch den Ausfall von Vettel wichtige Punkte aufholen konnte.

Kimi Räikkönen – Hatte ein gutes Rennen, lag auf P2, aber sein Team beging einen taktischen Fehler, als man ihn in der letzten SC-Phase draußen ließ. Der Finne wäre lieber reingekommen und bemerkte dies auch per Funk. Am Ende war er dann chancenlos und fiel auf P5 zurück. Wird Lotus nicht dabei geholfen haben, Räikkönen im Team zu halten.

Felippe Massa – Nach seinem Raketenstart (von P11 auf P5) platzte ihm dann auch ein Reifen und zerstörte sein Rennen. Im Gegensatz zu Webber und Hamilton gelang es ihm aber nicht, weit nach vorne zu fahren. P6 ist dennoch ein akzeptables Ergebnis.

Adrian Sutil – Der Deutsche lag lange auf P3 und hielt die Weltspitze relativ leicht hinter sich. Force India machte den gleichen Fehler wie Lotus und ließ Sutil draußen. Mit den alten harten Reifen hatte er am Ende keine Chance. P7 ist daher fast eine Enttäuschung für das Team.

Daniel Ricciardo – Der Australier stellte den Toro Rosso in der Quali auf P6 und rutschte nach der Disqualifikation von der di Resta auf P5 vor. Am Start hielt er sich zurück, fiel etwas zurück und lieferte sich schöne, saubere Zweikämpfe mit Alonso, Massa und Grosjean. Dürfte sich für das Cockpit bei Red Bull empfohlen haben.

Paul di Resta – Startete von P21 und kam doch auf P9 in die Punkte. Auch er profitierte massiv von den Unterbrechungen. Nebenbei lieferte er sich ein klasse Duell mit Lewis Hamilton.

Nico Hülkenberg – Holte für Sauber einen wichtigen Punkt. Beim Team sieht es gerade nicht gut aus. Monisha Kaltenborn bestätigte in der Schweizer Boulevardzeitung “Blick”, dass das Team finanzielle Probleme habe. Die Situation ist so schlimm, dass man den lahmen C32 nicht weiterentwickeln kann. Kaltenborn sagte zwar, dass man die Saison zu Ende fahren will, aber das muss man auch. Steigt man aus, muss man das TV-Geld der FOM zurückzahlen. Es gibt Berichte, dass Sauber im Moment mit einem russischen Sponsor im Gespräch ist. Die Rede ist von “Gazprom”. Man hatte wohl schon damit gerechnet, dass es zu einem Abschluss kommen würde, aber die Russen zieren sich wohl etwas. Mehr als “Aber wir sind auf gutem Weg” kann die Sauber-Chefin nicht verkünden.

McLaren – Das Team kann froh sein, dass sich die Aufmerksamkeit auf Pirelli konzentriert. Am Ende reichte es für Button nur für P13. Besser nicht lange drüber nachdenken.

Die Reifenprobleme überschatten ein wenig eine andere Erkenntnis des Rennens: Mercedes ist an Red Bull dran oder gar auf Augenhöhe. Viel Unterschied gibt es zwischen beiden Teams nicht mehr. In der Quali ist der Mercedes schneller, im Rennen hängt es davon ab, wer auf P1 liegen kann. Zwar hat Red Bull in Kanada das Rennen noch nach Belieben dominiert, aber eine solche “Stopp & Go” Strecke folgt nur noch mit Monza. Rosberg hat in Monaco gewonnen, also könnte dem Mercedes auch Ungarn liegen. Spa, Suzuka, Korea, Abu Dhabi, und Austin sollten dem Mercedes ebenfalls liegen. In Indien und Sao Paulo könnte es zu heiß sein.

In der Team-WM hat Mercedes P2 erobert und liegt 48 Punkte hinter Red Bull. In der Fahrer-WM sieht es so aus:

Vettel 132
Alonso 111
Räikkönen 98
Hamilton 89
Webber 87
Rosberg 82

In der Fahrer-WM scheint der Abstand von Rosberg und Hamilton schon etwas groß, aber unmöglich ist es nicht, dass beide noch in den Kampf um die Weltmeisterschaft eingreifen können.

Das nächste Rennen findet schon in einer Woche auf dem Nürburgring statt.

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