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02:06

WEC / Le Mans: Die Teilnehmerlisten 2012

Gestern hat der ACO die Teilnehmerlisten für die Debütsaison der World Endurance Championship und für die 24 Stunden von Le Mans verkündet – und es sind einige Überraschungen dabei!

Wurde direkt nach dem Peugeot-Ausstieg noch spekuliert, dass Audi sein Engagement ohne echten Gegner etwas zurückfahren könnte, kam es nun genau andersherum: sage und schreibe vier Werks-R18 setzen die Ingolstädter ein, je zwei herkömmliche TDI und zwei der neuen Hybrid-Diesel. Erster Le Mans-Sieger mit einem Hybrid-Fahrzeug zu werden, dürfte das oberste Ziel sein, für den Fall, dass Probleme auftreten, sind zwei konventionelle Wagen als Backup dabei. In der WEC sollen zwei Hybrid-R18 fahren, doch vermutlich erst nach Le Mans. In Sebring und Spa sollen stattdessen je drei konventionelle Diesel an den Start gehen.

Für jedes Fahrzeug musste zunächst nur ein Pilot benannt werden, sodass noch reichlich Raum für Spekulationen bezüglich der neuen Piloten ist. Fest steht zunächst nur, dass Oliver Jarvis in Le Mans auf der #4 sitzen wird. Jarvis hat schonmal für Kolles einen Audi-Prototypen bewegt, ist aber ansonsten vor allem aus der DTM bekannt. Ob Audi weitere DTM-Piloten für Le Mans heranzieht, oder Peugeot-Werksfahrer wie Anthony Davidson „von der Straße holt“, bleibt abzuwarten. Auch der italienische GT-Nachwuchsmann Marco Bonanomi wird immer wieder als Option genannt.

Überraschung Nummer zwei betrifft den neuen großen Konkurrenten von Audi: Toyota. Die Japaner werden nicht nur Le Mans, sondern auch die gesamte WEC mit zwei der nagelneuen LMP1-Boliden bestreiten. Nur Sebring müssen sie auslassen; bis Mitte März ist der Wagen wohl noch nicht rennfertig. Aber es scheint eine Bedingung der FIA für die Schaffung der WEC gewesen zu sein, dass zwei Werke am Start sind – und so hat der ACO nach dem Peugeot-Ausstieg wohl erfolgreich versucht, Toyota zu einem größeren Einsatz zu bewegen, als die ursprünglich geplant hatten. Die Hoffnungen vieler Fans liegen darauf, dass Toyota von Beginn an konkurrenzfähig sein wird, damit Audi nicht die WEC und Le Mans im Vorbeifahren gewinnen kann – ob das so klappt, wird sich zeigen müssen.

Die dritte – und vielleicht größte Überraschung – lieferte Pescarolo ab. Eigentlich sind es sogar zwei Überraschungen, die schon am Morgen vor der Pressekonferenz herauskamen. Überraschung 3a ist, dass das Le Mans-Urgestein für Le Mans einen Dome-Judd einsetzen wird. Der S102 war bereits 2008 am Start und wird nun nach dem 2012er Reglement aufgerüstet. Der ganze Einsatz wird von Dome-Chef Minoru Hayashi bezahlt, der das mit folgenden Worten a„begründet“: “Our cash flow is as if an extravagant and wasteful son keeps borrowing money to spend on Geisha, which is why we don’t have a choice not to enjoy the race.” Auch in Spa soll der Dome schon dabei sein.

Überraschung 3b ist der zweite Pescarolo-Wagen, mit dem das Team die ganze WEC bestreiten wird: es ist inzwischen bestätigt, dass der sogenannte „Pescarolo 03“ auf dem Aston Martin AMR-One basieren wird. Wieviel von dem offenen Prototypen verwendet wird, ist noch nicht bekannt, nur dass der katastrophale Reihensechszylinder von Aston Martin durch einen Judd V8 ersetzt wird, steht fest. Beide Deals sind spektakulär, ob sie sich für Henri Pescarolo auch auszahlen, bleibt abzuwarten.

Nicht ganz unerwartet war dagegen, dass Dyson Racing zum ersten Mal in der langen Teamgeschichte den Sprung über den Teich wagt und die Le Mans-Einladung annimmt. Das zeichnete sich schon mit dem Kauf zweier aktueller Lola-Prototypen ab. Damit ist auch ein vierter japanischer Hersteller bei den 24 Stunden vertreten, denn der kleine 2,0 l-Vierzylinder-Turbo ist ein Mazda-Aggregat, entwickelt von AER.

Rebellion (mit Nick Heidfeld als drittem Mann in einem der zwei Wagen für Sebring, Spa und Le Mans) sowie OAK (mit dem jungen Österreicher Dominik Kraihamer) waren ebenso schon bekannt wie die beiden HPD, die nicht zu unterschätzen sind. Damit sind trotz Peugeot-Ausstieg 15 LMP1 in Le Mans am Start, neun in der WEC – keine schlechte Zahl.

LMP1 (Le Mans: 15 / WEC: 9)

#1 Audi Sport Team Joest – Audi R18 (Hybrid) – André Lotterer (WEC)
#2 Audi Sport Team Joest – Audi R18 (Hybrid) – Allan McNish (WEC)
#3 Audi Sport Team Joest – Audi R18 – Timo Bernhard
#4 Audi Sport North America – Audi R18 – Oliver Jarvis
#7 Toyota Racing – Toyota TS030 (Hybrid) – Alexander Wurz (WEC)
#8 Toyota Racing – Toyota TS030 (Hybrid) – Hiroaki Ishiura
#12 Rebellion Racing – Lola B12/60-Toyota – Nicolas Prost (WEC)
#13 Rebellion Racing – Lola B12/60-Toyota – Andrea Belicchi (WEC)
#15 OAK Racing – OAK Pescarolo-Judd – Guillaume Moreau (WEC)
#16 Pescarolo Team – Pescarolo 03-Judd – Emmanuel Collard (WEC)
#17 Pescarolo Team – Dome-Judd – Nicolas Minassian
#18 Dyson Racing – Lola B12/60-Mazda – Guy Smith
#19 Dyson Racing – Lola B12/60-Mazda – Chris Dyson
#21 Strakka Racing – HPD ARX 03a – Nick Leventis (WEC)
#22 JRM – HPD ARX-03a – David Brabham (WEC)

Was die LMP2 angeht, hat der ACO anscheinend alles richtig gemacht: das seit letztem Jahr geltende Reglement, das mit Kundenautos und Kostendeckelung voll auf Privatiers ausgerichtet ist, zieht nach einem mäßigen ersten Jahr nun richtig und lockt Teams ohne Ende an. Darum werden ganze 18 LMP2 in Le Mans am Start sein, die Hälfte davon auch in der ganzen WEC. Es ist zu vermuten, dass wir einige der Nicht-WEC-Teams auch in der ELMS sehen werden, deren Spitzenklasse damit auch nicht allzu dünn besetzt sein dürfte.

Die meisten Namen waren auch längst bekannt. Nur eine Ankündigung kam völlig unerwartet: Starworks Motorsport, ein Grand-Am-Team, das am vergangenen Wochenende den zweiten Platz bei den 24h von Daytona einfuhr, wird in die WEC – und eventuell auch noch in die ALMS – expandieren. Das Fahrzeug ihrer Wahl ist wie bei den US-Kollegen von Level 5 die neueste Variante des HPD-Pakets.

Das deutsch-französische Pegasus-Team hat seine Einladung als Sieger der LMP Challenge in der LMS 2011 nicht wahrgenommen, einziges „deutsches“ Team ist damit der von Kolles eingesetzte Lotus (umgebrandeter Lola-Judd), für den der GT Masters-Pilot Thomas Holzer genannt ist. Der zweite Lotus hat es nur auf die Reserveliste geschafft.

11 der 18 Fahrzeuge werden mit dem von Zytek getunten Nissan-Motor antreten, der sich im Vorjahr als so bärenstark erwiesen hat; hinzu kommen fünf Judds (einer davon als Lotus gebrandet) und zwei Honda-Turbos. Bei den Chassis hat Oreca mit sieben Stück die Nase vorn. Die Oreca-Nissan-Kombination war 2011 die schnellste, aber meist nicht zuverlässig. Doch das ist allgemein ein Problem der „neuen“ Low-Cost“-LMP2. Haltbarkeit wird entscheidend sein, um zu gewinnen.

LMP2 (Le Mans: 18 / WEC: 9)

#23 Signatech Nissan – Oreca 03-Nissan – Jordan Tresson (WEC)
#24 OAK Racing – Morgan-Judd – Jacques Nicolet (WEC)
#25 ADR-Delta – Oreca 03-Nissan – John Martin (WEC)
#26 Signatech Nissan – Oreca 03-Nissan – Franck Mailleux
#28 Gulf Racing Middle East – Lola B12/80-Nissan – Fabien Giroix (WEC)
#29 Gulf Racing Middle East – Lola B12/80-Nissan – Frédéric Fatien (WEC)
#31 Lotus – Lola B12/80-Judd (Lotus) – Thomas Holzer (WEC)
#33 Level 5 Motorsports – HPD ARX-03b – Scott Tucker
#25 OAK Racing – Morgan-Judd – Olivier Pla
#38 Jota – Zytek Z11SN-Nissan – Sam Hancock
#40 Race Performance – Oreca 03-Judd – Michel Frey
#41 Greaves Motorsport – Zytek Z11SN-Nissan – Christian Zugel (WEC)
#42 Greaves Motorsport – Zytek Z11SN-Nissan – Alex Brundle
#43 Extreme Limite – Norma MP 2000-Judd – Fabien Rosier
#44 Starworks Motorsport – HPD ARX-03b – Vincente Potolicchio (WEC)
#45 Boutsen Ginion Racing – Oreca 03-Nissan – Bastien Briere
#46 Thiriet by TDS Racing – Oreca 03-Nissan – Pierre Thiriet
#49 Pecom Racing – Oreca 03-Nissan – Luis Perez-Companc (WEC)

Bei den Gran Turismos gab es über den Winter eine quantitative Verschiebung – die GTE-Am-Klasse ist nun stärker besetzt als die Pro-Kategorie. Das liegt natürlich auch am Fehlen von BMW. Doch dafür gab es zwei wichtige Zugänge: Porsche ist nun auch in der WEC vertreten, und zwar mit einem Felbermayr Proton-911 und der Stammbesatzung Lieb/Lietz.

Außerdem ist Aston Martin nach dem AMR-One-Fehlschlag nun wie erwartet werksseitig zurück in der GTE-Klasse. Nachdem der Vantage in Privatiers-Händen selten wirklich zum funktionieren gebracht werden konnte (das schafften eigentlich nur JMW gegen Ende 2010 und Young Driver AMR bei ihrem einzigen 2011er Rennen). Vielleicht wird das Projekt mit einem Werks-Einsatz nun endlich ein Erfolg. Einer der Profi-Wagen ist jedoch auf der Reserveliste hängen geblieben.

Neun GTE-Pro-Fahrzeuge sind für Le Mans zugelassen, noch vor dem Aston Martin auf der Reserveliste stehen ein IMSA Matmut-Porsche und ein Lotus Evora mit Werksfahrer Johnny Mowlem. Gerade, dass man den französischen Porsche mit Werksfahrer Patrick Pilet zugunsten der vielen Amateur-Wagen außen vor lässt, ist etwas überraschend.

Für die WEC sind allerdings gar nur fünf pro-Fahrzeuge gemeldet – die Blütezeit der GT2 scheint langsam vorbeizugehen, wenn nicht ganz, dann zumindest an der neuen WM. AF Corse mit seinen zwei Ferrari F458 dürfte hier die Favoritenrolle zukommen. JMW wird mit einem Ferrari in Le Mans dabei sein, und ansonsten vermutlich in der ELMS fahren – vermisst wird bisher das Farnbacher-Team, das in den letzten Jahren ebenfalls mit einem Ferrari in der LMS und in Le Mans fuhr, nun aber nichtmal auf der Reserveliste steht.

GTE-Pro (Le Mans: 9 / WEC: 5)

#51 AF Corse – Ferrari 458 Italia – Giancarlo Fisichella (WEC)
#59 Luxury Racing – Ferrari 458 Italia – Frédéric Makowiecki (WEC)
#66 JMW Motorsport – Ferrari 458 Italia
#71 AF Corse – Ferrari 458 Italia – Andrea Bertolini (WEC)
#73 Corvette Racing – Chevrolet Corvette C6 ZR1 – Antonio Garcia
#74 Corvette Racing – Chevrolet Corvette C6 ZR1 – Oliver Gavin
#77 Team Felbermayr-Proton – Porsche 911 RSR (997) – Richard Lietz (WEC)
#80 Flying Lizard Motorsports – Porsche 911 RSR (997) – Jörg Bergmeister
#97 Aston Martin Racing – Aston Martin Vantage – Stefan Mücke (WEC)

In der GTE-Am besteht das Feld überwiegend aus bekannten Gesichtern bzw. Namen. Krohn und Larbre (mit zwei Corvettes) fahren die WEC, hinzu kommen Zweit- bzw. Drittwagen der großen Teams AF Corse, Felbermayr Proton und Luxury Racing. Dass AF Corse insgesamt vier Ferrari an den Start bringen darf, ist etwas schade, wenn man bedenkt, dass dafür ein Top-Porsche keinen Startplatz bekommen hat. Aber hier spielen natürlich auch die automatisches Einladungen für Leistungen im Vorjahr eine Rolle, die dem ACO die Auswahl einschränken.

Aston Martin Racing wird auch einen Am-Wagen stellen, für den Christopher Nygaard als Fahrer gemeldet ist. Ein Rückkehrer ist das britische JWA-Team, das vor einigen Jahren schon in der LMS fuhr und nun als JWA Avila mit einem Vorjahres-Porsche die WEC bestreiten wird.

Bei der Verteilung der GTE-Starter stellt sich die Frage, ob die Trennung in Pro- und Am-Kategorie auf lange Sicht noch Sinn macht, oder ob man diese in den kommenden Jahren nicht einfach zu einer großen GT-Klasse zusammenfassen sollte.

GTE-Am (Le Mans: 13 / WEC: 7)

#50 Larbre Competition – Chevrolet Corvette C6 ZR1 – Patrick Bornhauser (WEC)
#55 JWA-Avila – Porsche 911 RSR (997) – Paul Daniels (WEC)
#57 Krohn Racing – Ferrari 458 Italia – Tracy Krohn (WEC)
#58 Luxury Racing – Ferrari 458 Italia – Pierre Ehret (WEC)
#61 AF Corse – Ferrari F458 Italia – Robert Kauffman (WEC)
#67 IMSA Performance Matmut – Porsche 911 RSR (997) – Anthony Pons
#70 Larbre Competition – Chevrolet Corvette C6 ZR1 – Christophe Bourret (WEC)
#75 Prospeed Competition – Porsche 911 RSR (997) – Paul van Splunteren
#79 Flying Lizard Motorsports – Porsche 911 RSR (997) – Seth Neiman
#81 AF Corse – Ferrari 458 Italia – Pierguiseppe Perazzini
#83 JMB Racing – Ferrari 458 Italia – Manuel Rodrigues
#88 Team Felbermayr-Proton – Porsche 911 RSR (997) – Christian Ried (WEC)
#89 Aston Martin Racing – Aston Martin Vantage – Christoffer Nygaard

Und dann ist da natürlich noch der Delta Wing für die 56. Garage. Für den wurden kürzlich die Michelin-Reifen präsentiert, die ob ihres Größenunterschiedes bei vielen Beobachtern für Verwunderung gesorgt haben. Doch es scheint so, als würde dieses Projekt tatsächlich langsam voranschreiten…

Die 30 Starter für die WEC mögen einigen wenig erscheinen, nachdem man aus den Vorjahren die aus LMS und ILMC zusammengesetzten riesigen Grids gewohnt ist. Doch der ACO soll sogar von mehr als 30 Full Season-Bewerbungen einige abgelehnt haben, vermutlich um sich nicht die ganze Le Mans-Entry List schon durch feste Einladungen zu verbauen, und außerdem wird man auch mit “nur” 30 WEC-Startern sowie dem ALMS-Feld inklusive Challenge-Klassen an die Kapazitätsgrenze der Boxengasse von Sebring stoßen.

Als letztes Rennen der Saison wurde außerdem Shanghai ausgewählt, Zhuhai, wo die ILMC zuletzt mehrfach fuhr, fällt damit aus dem Kalender. Lust auf die neue Saison sowie auf die 24h macht dieser beiden Promo-Clip:

(Foto: ACO)

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Schweinderl