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18:06

Formel Eins: Keine Rennen mehr am Nürburgring?

Der Vertrag zwischen Bernie Ecclestone und dem Nürburgring läuft in diesem Jahr aus. Und die Betreibergesellschaft des Rings hat schon klar gemacht, dass man an einer Verlängerungen nur unter bestimmten Bedingungen interessiert ist.

Die Formel Eins und der Nürburgring – das gehört seit Anbeginn des Motorsports zusammen. Doch schon seit einigen Jahren ist die Beziehung nicht mehr ganz so harmonisch, wie sie einmal war. Das Rennen findet nur noch alle zwei Jahre auf dem Ring statt, die Zuschauerzahlen waren auch schon mal besser und die Betreibergesellschaft stöhnt über die hohen Lizenzgebühren, die man an Eccelstone abtreten muss. Diese Woche veröffentlichte die Nürburgring GmbH eine Pressemitteilung, die klar machte, dass man die Formel Eins nicht um mehr um jeden Preis in der Region halten möchte. Die Chancen, dass die Serie auch in Zukunft in Eifel Halt macht, sind denkbar schlecht. Und das liegt nicht mal allein an der viel gescholtenen Betreibergesellschaft.

Analysiert man die Situation, muss man ein paar Dinge beachten, ohne die das Bild nicht komplett wird.

1. Die Lizenzgebühr für die Formel Eins sind bekanntermaßen hoch und kaum noch zu bezahlen
2. Die Eintrittpreise schrecken viele Zuschauer ab
3. Der Nürburgring muss eine hohe Schuldenlast abbauen

Zunächst einmal die PR-Meldung, die die Nürburgring GmbH diese Woche raus gegeben hat:

Mit dem Formel-1-Rennen 2011 auf dem Nürburgring endet der gegenwärtig geltende Vertrag. Die Nürburgring Automotive GmbH wird mit der Formula One Association/ Herrn Ecclestone über einen Nachfolgevertrag zur Ausrichtung der Formel 1 am Nürburgring verhandeln. Die zurzeit noch geltenden Konditionen erzeugen hohe und nicht mehr hinnehmbare Verluste. Deshalb kann es eine Fortsetzung der großen und legendären Tradition der Formel 1 auf dem Nürburgring nur geben, wenn ein künftiger Vertrag wirtschaftlich und politisch vertretbare Regelungen enthält. Dies zu erreichen sollte ein gemeinsames Interesse von Ecclestone und Nürburgring sein. Dem deutschen Motorsport und seinen Fans wie den Medien wäre damit ein unschätzbarer Dienst erwiesen, dem sich die an den Verhandlungen Beteiligten nicht entziehen dürfen.

Es muss die Frage erlaubt sein, ob nicht auch der Bund bei einem internationalen Ereignis wie der Formel 1 vergleichbare Unterstützung zu Teil werden lässt, wie bei der Fußballweltmeisterschaft oder diversen Olympiabewerbungen.

Zu Punkt 1:

Wie viel Geld es die Streckenbetreiber kostet die Formel Eins fahren zu lassen, ist unbekannt. Tatsache ist, dass Bernie Ecclestone eine Menge Geld dafür verlangt, dass man überhaupt erscheint. Es gibt keine genauen Summen, die genannt werden, aber im letzten Jahr vernahm ich inoffiziell, dass der Hockenheimring eine Summe zwischen 9 und 12 Millionen Dollar auf den Tisch legen musste. Und das war schon die Summe nach den Verhandlungen und einem Entgegenkommen von Ecclestone. Montreal soll vor dem neuen Vertrag um die 22 Millionen Dollar bezahlt haben. Aus Korea hört man, dass über 30 Millionen Dollar bezahlen muss, ähnliches gilt wohl für die arabischen Länder.

Die hohen Gebühren entstehen nicht nur, weil die Formel Eins mal vorbeikommt, sondern auch, weil Ecclestone (nicht ganz zu Unrecht) vorrechnet, was die F1 an Gewinnen dem Land wieder einbringt. Dazu gehören nicht nur Einnahmen aus dem Dienstleistungsbereich (Hotelübernachtungen, Gastronomie usw.) sondern auch der PR-Wert durch die Medienöffentlichkeit. Jeder Bericht, jede Sendeminute kann in einen bestimmten Wert umgerechnet werden. Den bekommt man nicht bar auf die Hand, sondern er dient dazu, den Werbeeffekt zu berechnen. Platt gesagt: Je mehr Menschen am Fernsehen sehen, wie nett es am Ring ist, desto mehr Menschen fahren da auch außerhalb eines F1 Rennens hin. Theoretisch.

Die Lizenzgebühren sind, neben den Einnahmen aus den TV-Rechten, die Haupteinnahmequelle der Formel Eins. Wenn 20 Rennstrecken im Schnitt pro Jahr 15 Millionen Dollar bezahlen, sind das alleine schon mal 300 Millionen Umsatz, ohne dass die Formel Eins etwas dafür muss.

Die Kosten hören für die Veranstalter aber nicht bei den Lizenzgebühren auf. Die komplette Organisation rund um ein Formel Eins Rennen, muss man ja auch noch erbringen. Das fängt beim Parkplatzordner an, umfasst so simple Dinge wie “Schilder anbringen”, Polizei, Feuerwehr usw. Diese Kosten müssen also dazu gerechnet werden und sie dürften mit Sicherheit im hohen einstelligen Millionenbereich liegen.

Das Problem für den Veranstalter ist auch, dass sie keine und nur kaum eigene Sponsorenschilder an der Strecke anbringen dürfen um die Kosten zu refinanzieren. Die gesamte, in den Medien sichtbare, Sponsorenfläche an einer Rennstrecke wird von Bernie Ecclestone vermarktet, nicht von den Veranstaltern.

Man sieht – viele Möglichkeiten bleiben dem Veranstalter nicht, Geld zu verdienen. Was zu Punkt 2 führt.

Hohe Eintrittspreise:

Weil die Veranstalter kaum Refinanzierungsmöglichkeiten haben, müssen sie die Einrittspreise dementsprechend anpassen. Die günstigsten Karten kosten rund 110 Euro, will man die Einfahrt in die erste Kurve sehen, zahlt man (je nach Anbieter) um die 400 Euro. Im Schnitt kommt da ca. 180 Euro raus, was bei ca. 80.000 Zuschauern am Ende 14,4 Millionen Euro macht. Das deckt die Kosten einfach nicht, mehr Geld kann man aber für die Tickets nicht verlangen. Die sonstigen Einnahmen (Parkgebühren, Lizenzgebühren für Gastronomie) werden einiges erbringen, hier gibt es aber keine Zahlen.

Klar ist aber: Mit den Eintrittspreisen alleine kann man die Formel Eins bei den bisherigen Gebühren, die man an Ecclestone abführen muss, kaum aus der Verlustzone kommen.

Zu Punkt 3: Die Schuldenlast des Nürburgring

So sehr ich auch das Projekt “Neuer Nürburgring” in Teilen blödsinnig finde, man darf nicht vergessen, dass der Ring etwas tun musste um für die Formel Eins überhaupt noch attraktiv sein. Das, in die Jahre gekommene, Dorint Hotel und die sicher gut geführten kleinen Hotels in der Nähe entsprechen einfach nicht mehr dem Standard, den die Sponsoren der Serie gewöhnt sind. Seine Gäste stundenlang in Bussen aus Bad Neuenahr durch die Eifel zur Strecke zu schaukeln auch nicht. Andere Rennstrecken haben eine viel bessere Infrastruktur und die ist nun mal wichtig. Ecclestone hat den traditionellen Grossen Preis von Frankreich aus dem Kalender genommen, weil Magny-Cours auf einer Kuhwiese liegt und keinerlei Hotels bietet. Silverstone wäre aus dem Kalender geflogen, hätte Donington nicht Pleite gemacht und wenn man in Silverstone nicht eine neue Boxenanlage gebaut hätte. Die Entscheidung, neue Hotels, Tribünen usw. am Ring zu bauen, war also nicht grundsätzlich falsch.

Doch bekanntermaßen war die Umsetzung suboptimal, jetzt hat der Nürburgring hohe Schulden. Die aber nicht abgetragen werden können, wenn man weiter nichts an einer Veranstaltung verdient.

Ich kann die Nürburgring GmbH in diesem Punkt verstehen. Aus betriebswirtschaftlicher Sicht macht die Formel Eins am Ring keinen Sinn, wenn man nichts verdient. Das die Region profitiert, ist dann aber wieder eine andere Sache und man muss schon die Frage stellen, ob die GmbH überhaupt eine Entscheidung treffen kann, ohne die Region in die Überlegungen mit einzubeziehen. Hier denkt man aber offenbar etwas egoistisch.

Ein Punkt der PR-Meldung ist zu dem ein kleiner Witz. Wenn man schreibt, dass der Bund oder das Land die Veranstaltung finanziell unterstützen sollte, dann hat man wohl vergessen, dass diese ja schon geschieht. Denn immerhin steht das Land für die Schulden des Baus gerade.

Es ist schwer zu sagen, was passieren wird. Kann sein, dass Ecclestone dem Ring entgegen kommt und die Gebühren senkt. Gleichzeitig gibt es aber sowieso ein Problem im Kalender, da immer mehr Länder ein Rennen haben wollen und diese gerne mehr bezahlen, als der Ring sich das leisten kann (Russland, Indien). Ecclestone braucht den Ring nicht, er hat schon einen Deal mit dem Hockenheimring.

Eine mögliche Variante wäre, dass es ab 2013 zu einigen Änderungen im Kalender kommen wird. Spanien wird ein Rennen verlieren, Spa steht (ebenfalls wegen der hohen Kosten) auf der Kippe. Wenn Spanien den GP von Europa verliert, könnte der im Wechsel zwischen Spa und dem Nürburgring ausgetragen werden. Vorausgesetzt man einigt sich.

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Schweinderl