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14:54

24H Nürburgring: Der Null Fehler Job

Manfred Jantke sagte einmal, dass ein Team einen „Null Fehler-Job“ hinlegen muss, um ein 24H Rennen gewinnen zu können. Keiner dürfe einen Fehler machen, weder die Ingenieure, die Mechaniker und Fahrer oder die Strategen hinter der Mauer.

Dies zu schaffen ist eine Kunst für sich und auch dieses Jahr wieder versuchten es viele namhafte Teams, woran aber fast alle gescheitert sind. Fast alle, denn ein Team gab es, welches diesen Job erledigen konnte, und das war der Sieger – Manthey Racing mit ihrem Porsche. Aber die Geschichte von diesem Sieg und, eng verknüpft damit, mit dem Wagen begann bereits im letzten Jahr.


Anfang 2010 entschied man sich bei Manthey Racing den zuverlässigen GT3 RSR am Ring nicht mehr einzusetzen, da man per Reglement die SP9 mit ihren GT3-Wagen zur Topklasse auserkoren hat und dabei die SP7 mit dem RSR eingebremst hat und nicht mehr so schnell wie benötigt war. Folglich setzte auch Manthey bis zum 3. Lauf zur VLN in diesem Jahr den GT3 R als ihr Topauto ein. Allerdings begann sich der Wind schon seit Beginn der VLN-Saison etwas zu drehen, denn der Technikausschuss hatte feststellen müssen, dass die Wagen mittlerweile für den Ring fast zu schnell geworden sind und wollte eingreifen, denn es wurden Rundenschnitte von teilweiße über 180 km/h gefahren.
So verordnete man allen GT3-Wagen der SP9 Air Restriktoren in der Absicht, die Leistung der Wagen von bis zu 600 PS zu reduzieren. Zusätzlich wurden max. Leistungswerte in Abhängigkeit von Hubraum und Gewicht verordnet um die Geschwindigkeiten zu reduzieren. Da die Ansaugsysteme der GT3-Wagen nicht ganz so ausgeklügelt waren/sein sollten wie jene der der GT2, erhoffte man sich hier trotz den recht großen Restriktoren im Vergleich zu GT2 doch einschneidende Ergebnisse. Dies wurde nach jedem Rennen analysiert und bei fast allen Wagen wurden die Restriktoren und die Leistung immer weiter nach unten geschraubt, da sie wohl nicht den gewünschten Effekt erreichten. Zusätzlich erhielten die SP7 wieder etwas größere Restriktoren (0,5 mm), da hier nun kein Werksteam mehr vertreten war und die Geschwindigkeitsunterschiede nicht zu groß werden sollten.
Dies führte dazu, dass der GT3 R, welcher heuer eh nicht so besonders konkurrenzfähig zu sein scheint, aus dem optimalen Betriebsfenster geflogen ist und es hat sich abgezeichnet, dass man damit beim 24H wohl nicht die Pace der Spitze mitgehen wird können und bei den letzten 24H auch nicht gerade durch Zuverlässigkeit glänzte. Also musste Ersatz her, und da hat der schlaue Olaf Manthey einmal gaaaaaaaanz tief in die Trickkiste, bzw. in seine Garage geguckt und siehe da, taaaaadaaaa den Gesamtsieger von 2007, 2008 und 2009, den 911 GT3 RSR aus der SP7 rausgeholt.
Mit diesem Wagen hat man dann im 3. und 4. Lauf jeweils den 2. Platz geholt, während man beim letzten Lauf sogar den GT3 R und den RSR einsetzte um einzuschätzen, welches Auto nun am besten sei. Allerdings konnte oder wollte das nicht komplett festgestellt werden und man nannte beide Wagen zu den 24H mit Lucas Luhr, Timo Bernhard, Romain Dumas und Marc Lieb um zum einen auf Nummer sicher zu gehen und auch von allen möglichen weiteren Einschränkungen in der BoP möglichst verschont zu bleiben. (Er sollte nicht Unrecht haben…).
Der Plan ging sogar so weit, dass man in der Anfangsphase mit beiden Wagen in das Rennen startete, jedoch den GT3 R dann nach gut 2,5 Stunden zurück zog um die Fahrer nicht zu überfordern.
Dies war absolute die richtige Entscheidung, denn auch der GT3 R Haribo konnte die Zeiten an der Spitze kaum mitgehen und hatte nie eine Chance auf den Sieg. Selbiges gilt auch für den Hybriden. Konnte man sich anfangs dank der Wahl auf Slicks zu starten und einer ungeschlagenen Reichweite von 10 Runden bis nach vorne arbeiten, schlug dann der Fehlerteufel zu, und zwar gewaltig. So musste einmal das komplette Getriebe gewechselt werden und im Laufe des Rennens war dann auch noch der Getriebeflansch für das Differential fällig, was ebenfalls zu langen Reparaturarbeiten führte und somit jede Chance nahm.
Erfreulich war aber schon angesprochen die Reichweite, denn obwohl man 10 Liter weniger im Tank haben durfte als letztes Jahr, konnte man eben 10 Runden gehen und es wurde sogar mal über 11 Runden im Laufe des Training spekuliert, was sich aber nicht als wahr herausstellen sollte.
Offenbar hat man bei Porsche den Motor wirklich dahingehend entwickelt etwas Sprit zu sparen, was zwar Leistung kostet aber Reichweite bringt und man will die fehlenden PS durch das Hybrid-System wieder reinholen. Ein Konzept was bei der VLN sehr gut funktionierte und auch in Zukunft wohl sehr gut funktionieren dürfte, womit man davon ausgehen darf, dass das sicher nicht der letzte Auftritt eines Hybrid-Porsches war. So konnte man bei gleichem Tankinhalt eine Runde länger als der RSR fahren.
So hatte der GT3 RSR zu Beginn zwar leichte Probleme, da man damit auf Slicks gestartet war, allerdings konnte man sich dank abtrocknender Strecke relativ schnell nach vorne arbeiten, da alle anderen nach 2 bis 4 Runden zum Reifenwechsel mussten um von Regen- auf Trockenreifen zu wechseln. Zu Beginn der Nacht tauchte man dann an der Spitze auf, welche Anfangs der famos auftrumpfende Farnbacher Ferrari sowie der BMW mit der #1, später dann der SLS von Mamerow bildete. In der Nacht blies man allerdings dann vollkommen zur Attacke und konnte sich die Spitze sichern sowie mehrere Minuten Vorsprung auf den 2. platzierten herausfahren, welche man bis ins Ziel nicht mehr hergeben wollte und dies auch schaffte.
Allerdings war das keine Spazierfahrt, denn die Piloten mussten bis 1 Stunde vor Ende volles Rohr fahren, denn auch die Verfolger wie der BMW M3 GT um Jürgen Alzen, Pedro Lamy, Jörg Müller und Augusto Farfus war ständig am angasen und konnte permanent die gleichen Rundenzeiten wie der Porsche fahren, ebenso wie die Audi R8 oder die Mercedes SLS, insbesondere der von Heico Motorsport. Auch konnte man trotz massiver Gelbphasen in der Nacht, als an vielen Stellen die Leitplanken und Fangzäune repariert werden mussten und die Zeiten damit lange über 9 Minuten blieben mit 156 Runden einen neuen Distanzrekord aufstellen, was einem Schnitt von fast 165 km/h entspricht.
Hauptverantworlich war neben der überragenden Leistung der Fahrer die enorme Zuverlässigkeit des Wagens. So hatte man nur eine leichte Berührung vorne rechts, welche aber keinen Schaden verursachte, sowie keinen einzigen kleinen technischen Defekt. Seit dem Beginn des 24H Rennen 2008, als dem RSR ein Kühlwasserschlauch platzte, gab es bei 24H Rennen keine Auffälligkeiten, Defekte oder technisch bedingte Zwischenfälle. Auch war von Vorteil, dass man in der Regel eine Runde länger fahren konnte als z.B. die Audi und sich somit über die Distanz ganze 3 Stopps auf den 3. platzierten Audi, den Bilstein Audi R8 LMS von Phoenix mit der #14 einsparen konnte.
Dass die Audis allerdings lange Zeit nur 8 und teils sogar nur 7 Runden gefahren sind ist allerdings schon verwunderlich, denn man war letztes Jahr mit dem gleichen Wagen in der Lage 9 Runden zu fahren und man durfte heuer sogar 5 Liter mehr Sprit an Board haben.
Ich vermute, dass man durch „fettere“ und aggressivere Motorkennfelder versucht hat, die Leistungsverluste durch die Air Restriktionen wieder aufzufangen, denn anscheinend reagiert der Motor recht sensibel auf jene Air Restriktionen.
Zusätzlich mussten die 3 Audi R8, welche auf den Plätzen 3 (#14), 4 (#15), 5(16) mit je einer bzw. 2 Runden Rückstand jeweils für ein paar Minuten länger an der Box stehen um kleinere Reparaturarbeiten durchzuführen. Dies erklärt dann den Rückstand der Audis, welche die gleichen Rundenzeiten wie die Spitze fahren konnten und nicht die Einstufung durch die Balance of Performance. Daher kann ich die Aussage („Es hatte sich schon im Qualifying angedeutet, dass unser R8 LMS mit der aktuellen Einstufung nicht das schnellste Auto ist“) von Dr. Wolfang Ullrich nicht ganz so verstehen, denn man vor z.B. auch die 2. und 4. schnellste Runde und wenn man einigermaßen freie Bahn hatte, konnte man sich diesen Zeit sehr gut und konstant annähern.
Dies möchte ich mal am Beispiel der #14, dem 3. und besten Audi zeigen: 3 Boxenstopps x 3:00 Minuten = 9 Minuten + ~ 3 Minuten extra, die man in der Nacht bei einem Stopp aufgrund eines kleinen Problems für die notwendigen Reparaturen benötigte. also gute 12 Minuten und die war man dann Schlussendlich auch im Ziel hinten im Vergleich zum Manthey Porsche, als man mit mehr als einer Runde Rückstand ins Ziel rollte.
Also lag es kaum an der Pace die der Audi gehen konnte, sondern es bewahrheitete sich der Spruch „Kleinvieh macht auch Mist“ und so summierten sich die 3 zusätzlichen Stopps und die kleine Reparatur zu den 12 Minuten Rückstand auf, denn der Sieger hatte dies einfach nicht nötig.
Außerdem durfte der Audi kurz vor Beginn des Rennen wie die anderen Wagen der SP9 noch 25 Kilogramm ausladen.
Diesem Hick-Hack vorausgegangen war am Donnerstag die Pole-Zeit des Farnbacher-Ferraris, als Dominik Farnbacher so ziemlich als erster auf die Nordschleife einbiegen konnte und eine komplett freie Runde erwischte. So konnte er mit extra weichen Qualfying Reifen, eine Zeit von 8:23 Min in den Asphalt brennen. Dies war eine Sekunde schneller als die Vorjahres Zeit, welche aber nicht bei einer freien Runde gedreht wurde und auch am Freitag konnten die anderen Piloten bis auf ein paar Sekunden an die Zeit ran kommen, obwohl sie keine komplett freie Runde erwischten.
Nichts desto trotz hat die Technik Komission am Freitagnachmittag entschieden, dass der Ferrari 25 Kilo zusätzlich einladen darf. Diese Entscheidung war aber noch nicht endgültig, denn am Samstag, kurz vor dem Rennen (!!!), wurde die Entscheidung geändert, der Ferrari musste keinen zusätzlichen Ballast aufnehmen, allerdings durften auf einmal alle Wagen der SP9, sprich der GT3 25 Kilo ausladen und der Hybride durfte seinen Air Restriktor um 1 mm. Vergrößern, was 4,5 % mehr Durchlass-Fläche und somit max. 4,5 % mehr Leistung entspricht, was bei 500 PS gute 23 PS mehr wären. Allerdings sollte der Hybride eh keine Rolle in der Entscheidung spielen.
Betroffen waren hiervon alle GT3 Wagen, also auch der Mercedes, der Reiter Lambo und auch der Hauptsponsor Audi. Ob die Entscheidung nun richtig oder falsch war, darüber kann man sicherlich geteilter Meinung sein, was nicht zuletzt auch daran liegt, ob man ein Befürworter der BoP ist oder nicht, auf jeden Fall sollte sie nicht erst kurz vor dem Start erfolgen, wenn keine Möglichkeit mehr besteht Abstimmungsarbeiten mit einem möglichen Zusatzgewicht durchzuführen, oder man sogar noch kurz vor dem Start ein neues Motormapping aufspielen muss. Benachteiligt war man aber auf Seiten von Audi nicht, und das deckt sich auch mit der Aussage von Merco Werner bei Radio Le Mans, als er monierte dass das Handlich in den Kurven des R8 nicht gerade optimal gewessen sei.
Man konnte erkennen, dass man bei Audi den R8 weiterentwickelt hat. So hatte man nun vorne Winglets um mehr Abtrieb zu haben und auch der Heckflügel schien mir etwas steiler angestellt zu sein als im letzten Jahr. Offenbar hat man es bei den Neuentwicklungen daher nicht geschafft den Wagen perfekt abzustimmen.
Selbiges gilt auch für Mercedes, welche wirklich sehr positiv überraschten. So war der Mamerow-SLS bis in die Nacht hinein Spizenreiter und wurde nur ausgebremst, als Armin Hahne in einen heftigen Unfall verwickelt wurde, was das Aus für das Trio Mamerow/Hahne/Kaffer war. So konnten die SLS am Anfang mit das Tempo bestimmen, als in der 1. Runde gleich 3 SLS in Front waren nachdem sich Allan Simonsen am Start etwas überrumpeln lies. Auch war die Zuverlässigkeit sehr gut, denn so konnten der Black Falcon SLS welcher auf Platz 6 Gesamt landete ohne technische Probleme durchfahren, und auch der sehr lange bis kurz vor Ende um Platz 3 kämpfenden Heico-SLS hatte keine technischen Probleme.
Allerdings hatte dieser Wagen leider extrem viel Pech, denn im Laufe des Rennen wurde man in eine leichte Kollision verwickelt, bei dem der hintere Stoßfänger und wohl auch die Hinterachse leicht beschädigt wurden. Dies machte allerdings bis kurz vor Ende keine Probleme und so konnte man beherzt mit dem Bilstein Audi im Platz 3 kämpfen, als man im frühen Nachmittag sogar die Nordschleife Rad an Rad umrundete und man sogar mit leicht besseren Karten da stand, da man auch hier 9 Runden pro Stint gehen konnte und nicht wie befürchtet nur 8. Leider schlug wie schon angesprochen, kurz vor Ende der Fehlerteufel zu, so dass alle Träume zerplatzten und man musste nur in das Gesicht von Christopher Brück gucken, um zu sehen dass es allen von Team Heico in diesem Moment das Herz zerriss. Wenigstens konnte man das Rennen wieder aufnehmen und auf Rang 7 ins Zeil einlaufen, was allerdings nur ein sehr schwacher Trost sein dürfte.
Auch überraschte die Fahrbarkeit des SLS. Gilt im Allgemeinen der R8 LMS etwas diffizil im Handling, was man letztes Jahr recht schön bei Black Falcon sehen konnte, da dort keine Profis wie bei Phoenix oder Abt den Audi bewegen, sondern Privatfahrer. Diese haben im R8 letztes Jahr relativ viel Zeit pro Runde verloren, während dies heuer im SLS nicht so stark ausgeprägt war.
Unterstrichen wird dies auch von mehreren Aussagen von Fahrern, dass man beim SLS wirklich ein sehr gutes und ausgeglichenes Kurvensetup fahren konnte, was bei einem 24H Rennen sehr wichtig ist, um schnell und konstant ohne große Anstrengungen fahren zu können. Hier wird sicher auch der große Motor geholfen haben, welcher dank 6,2L Hubraum und eher weniger Drehzahl sicher nicht ideal für die allerhöchste Topspeed ist, aber dank dem Hubraum viel Drehmoment unten raus und im mittleren Drehzahlbereich entwickelt. Dies ist bei den ganzen Überrundungen auf der Nordschleife auch sehr hilfreich, wenn man nicht lange auf die Power warten muss.
Für 2012 hat Mercedes schon mal ein Update angekündigt und sollte dies in die richtige Richtung gehen, dann wird man für 2012 mit den Sternen def. Rechnen müssen.
Ein weiteres Auto, welches richtig stark unterwegs war, war der Ferrari F458 Itatlia von Farnbacher. War das Privat-Team von Horst Farnbacher am Anfang in der Lage mit den BMW die Pace zu bestimmen, so konnte man sich sogar einen leichten Vorsprung von gut 40 Sekunden bis in die frühen Abenstunden herausfahren, bis nach etwas über 4 Stunden leider (oder zum Glück wird die Konkurrenz sagen) ein Defekt alle Träume zum Platzen brachte. Jaime Melo berichtete auf einmal von komischen Lenkbewegungen und das das Auto immer zur Seite ziehe und nicht mehr stabil lag. Als er in die Box abbog stellte sich sofort heraus, dass ein Ermüdungsbruch am hinteren Radträger vorlag und dieser gewechselt werden müsse. Zum einen ist ein solcher Defekt sehr überaschend, zum anderen verlor man 45 Minuten bzw. 5 komlette Runden an der Box bei der Reparatur, womit man keine Chance auf den Gesamtsieg mehr hatte, denn dieses Auto hätte Chancen gehabt und was für welche!
So konnte man im Laufe des Rennens eine komplette Runde auf den Manthey RSR wieder reinfahren und mit 4 Runden Rückstand Platz 8 erreichen. Zum anderen lief das Auto dann wie ein Uhrwerk und machte keine weiteren Probleme mehr. Außerdem war man schnell und zwar richtig schnell. So konnte man die Pole rausfahren, am Anfang am Anfang die Pace bestimmen, phasenweiße oft mehrere Sekunden pro Runde schneller fahren als alle anderen und nach 23 Stunden Rennen, dann mitten im Stint mit 8:31 die schnellste Rennrunde rausknallen. Wäre also dieser Defekt nicht gewesen, dann hätte dieses Auto den führenden Autos aber mal so richtig Feuer unter dem Hintern gemacht und wäre def. Gesamtsiegfähig gewesen.
Selbiges gilt vermutlich auch für den 2. Platzierten Wagen, den BMW mit der #1. So konnte man die gleichen Zeiten wie der Manthey Porsche gehen, ebenfalls 9 Runden fahren und hatte keine technischen Probleme. Allerdings hatte man im Ziel 4:30 Min Rückstand und die Frage war natürlich, wo diese hergekommen ist. Der Grund war folgender: am frühen Abend eilte der BMW die Steilstrecke zum Karussell hoch und vor ihm war ein langsamer BMW. Dieser fuhr zuerst von links nach rechts und machte die Ideallinie somit für den Titelverteidiger frei. Allerdings zog er später wieder nach links hinüber und zwang Pedro Lamy damit über das Gras im inneren des Karussells auszuweichen. Dort rutschte er hinüber und traf dann innen in der Kurve den eben schon erwähnten BMW leicht. Beide hatten zwar kaum Schaden davon getragen, allerdings stand der BMW mit der #1 nun in entgegen gesetzter Richtung und eine Kehrtwendung wäre nur über die Innenseite des Karussels möglich gewesen, wobei er unweigerlich die Kante innen mitnehmen hätte müssen, was massive Schäden am Wagen verursachen hätte können. Die richtige Entscheidung wäre nun gewesen auf die Streckenfahrzeuge zu warten, diese die Stelle absichern zu lassen und diese hätten ihn dann selber umgedreht.

Allerdings war dies Pedro Lamy zu zeitaufwändig und er fuhr gegen die Fahrtrichtung bis zum Eingang des Karussell um dann dort Kehrt zu machen. Dies ist allerdings laut Reglement unter allen Umständen verboten und es hätte zu einem Frontalzusammenstoß führen können, wenn just in diesem Moment 2 Wagen nebeneinander da hoch gekommen wären! So entschied die Rennleitung kurz vor Mitternacht auf eine 3 Minuten Stopp and Go Strafe, wodurch der BMW nun ebene jene 4:30 Rückstand auf den Manthey erhielt. Dies ist sehr schade, denn wäre die Aktion nicht gewesen, wäre es wohl ein Sprint bis zu Ziellinie um jede Sekunde geworden.
Weniger gut lief es für den anderen BMW, nämlich die Startnummer 7 mit den 3 Dirks und ebenfalls Lamy. Hier konnte man auch zu Beginn durch eine gute Taktik und sehr flotte Fahrweiße die Spitze mit dem Schwesterauto und den F458 markieren, allerdings gab es dann Unregelmäßigkeiten an der Bremsanlage was dazu führte, dass man für gut 70 Minuten an der Box warten musste, da man dort wohl fast die kompletten Hyrdaulikschläuche und die Bremsanlage wechseln musste um den Defekt zu beseitigen. Das Rennen war dadurch natürlich gelaufen, allerdings nahm man wieder das Rennen auf und wollte soweit es geht nach vorne fahren. Aber auch dies klappte dann nicht mehr, denn kurz vor Ende hatte man einen Motorschaden und schied somit leider aus.
Ebenfalls überhaupt nicht lief es leider mal wieder für das Schuberth Team mit ihren 3 Z4 GT3. Man konnte am Anfang mit allen Autos in die Top 10 fahren und auch das Tempo der Spitze mitgehen, viel mehr konnte man sich sogar mit dem Topauto der #76 mit Claudia Hürtgen, Tommy Milner und Frederik Larrson kurz nach Mitternacht auf die 2. Position fahren und die Verfolgung des Manthey RSR aufnehmen. Leider kam es kurz vor 2 Uhr zu einem massiven Unfall mit dem Race & Event SLS von Heinz Schmersal. Der Z4 wollte ausgangs Eiskurve Richtung Pflanzgarten 1, 2 Wagen außen überholen. Den 1. Wagen konnte er sich auch schnappen und wollte aber auch den SLS holen, was dort aber nicht funktionierte und somit beide Wagen bei hohem Tempo kollidierten. Das Rennen war somit für beide Wagen natürlich beendet, da alle 2 Autos Kernschrott waren was einem Schaden von 700.000 – 800.000€ entsprechen dürfte. Viel wichtiger war jedoch, dass beiden Fahrern und auch Fans oder Streckenposten bei diesem Crash nichts passiert ist und alle noch mal gutgegangen ist. Selbiges gilt für den 318i von den Gebrüdern Memminger, welcher am frühen Abend ebenfalls am Pflanzgarten 1 abhob und dort heftig verunfallte.
Der 2. Z4 GT3 verunfallte dann auch sehr heftig am Morgen auf der Anfahrt zum Schwalbenschwanz. Anders Burchardt wollte dort einen langsameren Civic überholen, dieser lenkte aber nach links ein und traf den Z4 GT3 an der Seite. Dieser bog in die Leitplanke ab und hob dort ab und wurde vom Sicherheitszaun noch eingefangen. Glücklicherweiße kamen wohl beiden Fahrer relativ unbeschadet davon, denn das hätte auch ganz böse ins Auge gehen können, denn hier fährt man die Kurve im 6. Gang mit 230 und mehr an, bevor man dann runter in den 3 oder 4. Gang schaltet. Überhaupt passierten heuer sehr viele Unfälle, wobei viele wirklich nicht ohne waren. Uwe Alzen meinte in der Nacht sogar sinngemäß, „wenn die so weiterfahren, dann kommt kein Auto am Sonntag ins Ziel“ So mussten in der Nacht unter dem Rennen teilweiße mehrere Stunden lang Leitplanken und Fangzäune repariert werden, da zuvor Wagen sehr hart dort eingeschlagen sind. Dies zeigt sich auch in den Rundenzeiten, da es dort so viel Gelb gab, dass selbst die Topautos deutlich über 9 Minuten für eine Umrundung benötigen.
Und auch der 3. Z4 GT3 hatte kein Glück, denn nach einem Schaden im Antriebsstrang entschied man sich den Wagen nicht mehr zu reparieren um nicht noch einen Abflug zu riskieren, denn immerhin will man an diesem Wochenende wieder mit dem Z4 GT3 in der GT3-EM starten.
Ebenso wenig erfreulich lief es für VW. Man konnte zwar die AT-Klasse gewinnen, allerdings gab es dort auch kaum Gegenwehr, denn die Rennleitung hatte richtig gelegen mit ihrer Entscheidung Tim Schrick’s Bio-Auto trotz mangelnden Nacht-Runden an den Start gehen zu lassen, wäre keine Gefahr – denn bis zur Nacht kam das Auto nicht einmal und als kurz nach dem Start eine riesengroße weiße Rauchsäule im Bereich Antoniusbuche/Hohenrain emporstieg, meinten viele ein Kühlturm eines Kraftwerks wäre in Betrieb gegangen. In Wahrheit war es aber der Motor des Schrick-Wagens, welcher sich in Luft auflöste und dafür sorgte, dass das Rennen zu Ende war.
Zurück zum VW Team und die erlebten ein wahres Déjà-vu mit ihrem Golf 24H. So konnte man sich zwar aufgrund der feuchten/abtrocknenden Bedingungen immer weiter nach vorne arbeiten und sich z.B. Thomas Mutsch einen schönen Zweikampf mit Striezel Stuck in dessen Lambo lieferte, als man Stoßstange an Stoßstange den Lambo vor sich her jagte. Aber man verlor schon relativ bald die 2 Topgesetzten Golf 24H. So fiel die #135 gegen 22 Uhr nach einem schweren Unfall aus, wobei Mortara vorsichtshalber zur genauen Untersuchung ins Krankenhaus eingeliefert wurde, jenes aber bald entlassen konnte. Nur ein paar Minuten später erwischte es die #35, als man mit Getriebeschaden ausschied und auch die #235, der „Promi-Golf“ mit Johnny Herbert und Mark Blundell hatte kein Glück als man im frühen Sonntagnachmittag ebenfalls mit einem Getriebeschaden ausfiel. Es wäre echt interessant gewessen, was man im Laufe von 24H mit dem Wagen leisten hätte können, aber leider sind die 2 am stärksten besetzten Golf schon so früh raus.
Richtig erfreuliches hingegen gab es vom Team um Sabine Schmitz und Klause Abbelen mit ihrem Frikadelli Porsche zu berichten. Man hatte sich von Anfang darauf ausgerichtet nichts zu überstürzen und erst mal auf ankommen zu fahren. Diese Taktik ging voll auf, denn so konnte man sich auf Platz 9 im Gesamtklassement fahren, indem man jedem Unfall oder technischen Defekt aus dem Weg ging. Auch die anfänglichen Wackelkandidaten Tim Bergmeister und der junge und sehr schnelle aber auch etwas unerfahrene Niclas Kenntenich machten keinen Fehler und sorgten für die 23. beste Platzierung eines Porsche, wenn man die letzten 2 Jahre zusammenrechnet. Besser waren heuer nur der RSR und 2010 der Alzen Cup S mit Platz 6 Gesamt.
Selbiges gilt fast auch für einen der absoluten Publikumslieblinge, dem P4/5 Competizione von James Glickenhaus. Das Auto welches mit viel Liebe und Engagement aufgebaut wurde und eine Hommage an die P-Serie von Ferrari darstellt, schaffte es innerhalb weniger Wochen zu einem der Lieblinge der Fans zu werden. Das symphytische Team, welches zwar nicht ganz ohne Probleme und 3 etwas längeren Reparaturen an die Box musste, konnte aber durchfahren und Platz 39 erringen. Nach diesem Rennen soll das Auto wohl in die Garage wandern und nicht mehr gefahren werden, obwohl es ja schon mal Stimmen gab die sagten dass da noch was kommen würde, und man z.b 2012 gerne Le Mans fahren würde. Verdient hätte es das Auto und das Team allemal und es zeigt was mit viel Mühe und auch (finanziellen) Einsatz möglich ist. Immerhin hat das ganze Projekt wohl zwischen 10 und 15 Millionen gekostet.
DER Publikumsliebling, schaffte es auch seine Klasse beim 24H Comeback zu gewinnen. Gemeint ist der Eifelblitz aus der SP10. Hier konnte das Team rund um Johannes Scheid auch durch konstante und schnelle Zeiten nach vorne arbeiten und so prominente Konkurrenz wie den hoch eingeschätzten Mathol Aston Martin oder den Dörr M 3 GT4 auf die Plätze verweisen und den 30. Gesamtrang erreichen.
Aber wie heißt es so schön, das beste kommt zum Schluss und somit möchte ich es auch diesmal wieder halten. Gemeint ist der Abgang eines ganz großen, nämlich Hans Joachim Stuck in seinem Team Stuck³. Hier konnte man das Rennen ohne größere Probleme (ein paar kleine Probleme mit der Elektronik mal außen vor) durchziehen, was nicht viele für möglich gehalten haben, denn immerhin ist es das erste 24H Rennen, was der neue LP600 von Reiter auch durchhält. Aber das Team aus Bayern hat bewiesen, dass es zu Recht als eines der besten GT3-Schmieden der Welt gilt, denn man konnte sich hier mit konstant guten Zeiten auf Platz 15 im Gesamtklassement fahren, da auch hier die Devise eben nicht 110% lautete, sondern man auf Schonung von Fahrer und Material bedacht war und das dürfte auch hier die richtige Entscheidung gewesen sein. Auch recht interessant: Die schnellste Zeit von 8:45 fuhr ausgerechnet der jüngste und erfahrenste im Bunde, nämlich Ferdinand Stuck. Strietzel ließ es sich dann auch nicht mehr nehmen die letzten Runden des Rennens und seiner Karriere dann selber zu fahren und übernahm beim letzten Stopp das Auto um es dann über die Ziellinie zu fahren. Nach diesem emotionalen Abschied erklärte er dann unter Tränen dass es Zeit sei den Kelch an seine Söhne abzugeben und zurückzutreten. Man darf gespannt sein, ob das wirklich sein letztes Rennen war ;-)

Zum Schluss möchte ich allen Klassensiegern und ankommenden Wagen meinen Glückwunsch aussprechen und auch einmal den vielen hart arbeitenden Streckenposten, Freiwilligen und Marshals danke, denn ohne sie wäre ein solches 24H Rennen definitiv nicht durchführbar.

Zum einen gibt es eine sehr große Galerie von janw und auch Flo und Stephan K. welche vor Ort waren haben einige Fotos zur Verfügung gestellt. Vielen Dank dafür.

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Schweinderl