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15:12

Formel Eins: Der James Allen Strategiereport Kanada

Ohne jede Zweifel war das GP von Kanada ein absoluter Klassiker. Alles war dabei: klasse Racing, Safety Cars, Regen, Kollisionen und einige sehr enge strategische Entscheidungen, die man oft mit wenig Daten im Rücken treffen musste.

Die Strategen hatten im letzten Rennen alle Hände voll zu tun und daraus wurde dann ein faszinierendes Rennen. Jenson Button gewann das Rennen, obwohl er eine Durchfahrtsstrafe bekam, 5 Boxenstopps plus zwei Kollisionen hatte und fast eine komplette Runde mit einem platten Reifen absolvierte. Die Leistung wird noch erstaunlicher, wenn man sich das Rennen so ansieht: Von den geplanten 70 Runden wurden nur 38 wirklich ein Rennen gefahren. Die anderen 32 Runden fanden hinter dem Safety Car statt. Und in Runde 40 war Button auf dem letzten Platz. Wie hat er das geschafft?

Die Antwort liegt in einer Mixtur aus Strategie, guten Rundenzeiten und Überholmanöver. Button und seine Strategen haben es einfach hinbekommen.

Das Rennen von Button unter dem Mikroskop

Um das Rennen von Button zu verstehen, muss man sich die Entscheidung von McLaren vor Augen führen, die seinen Wagen mit deutlich mehr Abtrieb ausgestattet hatten, als das bei der Konkurrenz der Fall war. Das gilt besonders für den Abtrieb im Heckbereich. Auch wenn er im Nassen nicht schneller war als die Konkurrenz, kam der Abtrieb und die Balance des Wagen voll zur Geltung, als er auf Intermediates unterwegs war. In dieser Phase holte er den größten Teil seines Rückstands auf. Als Beispiel: Er war in der 40. Runde letzter, aber in Runde 51 war er auf P9.

Man könnte sich das Rennen vor der Unterbrechung durch die rote Flagge ansehen, aber das wäre rein akademisch. Buttons Probleme durch die Kollisionen mit Hamilton und Alonso, seine vielen Stopps, der defekte Reifen und die Durchfahrtsstrafe waren Vergangenheit, als das SC in Runde 40 raus kam.

In diesem Moment wurde das Rennen auf Anfang gestellt. Ab hier, mit einem gut abgestimmten Wagen auf Intermediates, mit einem weiteren Stopp auf die Slicks und DRS holte er sich das Rennen, in dem er einen nach dem anderen überholte.

Er war in Runde 51 einer der ersten, die auf die Slick gewechselt hatten und dies war einer der entscheidenden Punkte. Webber war eine Runde zuvor an der Box gewesen und seine Sektorenzeiten zeigten, dass es Zeit für die Slicks war. Als Button auf P10 lag holte er sich seine Supersoft und kam sofort auf ein erstaunliches Tempo. Zu dieser Zeit lag er 27 Sekunden hinter Vettel.

Red Bull war in Kanada sehr vorsichtig mit den Entscheidungen für Vettel und wartete ein paar Extra-Runden mit der Entscheidung für die Slicks um ganz sicher zu gehen. Webber entschied sich früher für die weichen Reifen, teilweise um sich selber eine bessere Chance zu geben, teilweise, damit Red Bull sich die Daten anschauen konnte, um den richtigen Moment für Vettel zu finden. Sie blieben auch vorsichtig, als Button reinkam und liessen Vettel weitere 2 Runden draussen. Als Vettel endlich seine weichen Reifen hatte, war Button nur noch 15 Sekunden hinter ihm und vor allem 2 Sekunden pro Runde schneller.

Viele Fans fragen sich, ob Button auch ohne die letzte SC-Phase in den Runden 59/60 hätte gewinnen können. Vettel hat durch die SC-Phasen viel Zeit verloren, insgesamt waren das 20 Sekunden Vorsprung.

Aber selbst ohne die letzte SC-Phase wäre es eng geworden. Button war auf P4 und holte schnell auf Vettel auf. Bei 12 Runden Renndistanz betrug sein Rückstand noch 17 Sekunden, und er hätte Vettel vielleicht auch ohne SC geschnappt. Man sollte auch nicht vergessen, dass er Vettel mit Reifen eingeholt hat, die 2 Runden älter waren.

Ein paar Gedanken zu den konservativen FIA Renndirektoren

Eine interessanter Trend, den man in den letzten Rennen immer wieder sehen kann, ist dass Charlie Whiting dazu tendiert, dass SC schnell und sehr lange auf die Strecke zu lassen. Dazu kommen Anweisungen wie in Kanada, dass alle auf Full-Wets hinter der SC starten müssen. Es hat den Anschein, dass er immer mehr Risiko vermeiden möchte, was wiederum die Rennstrategie entscheidend beeinflusst.

In Kanada konnte man sehen, dass Team wie Sauber und Renault mit der vorsichtigen Einstellung von Whiting gerechnet hatten und davon ausgingen, dass Whiting das Rennen stoppen würde, nach dem das SC in Runde 20 raus kam.

Die meisten Teams nutzen das Safety Car um neue Reifen zu holen, aber Renault ließ Heidfeld und Petrov ebenso draussen, wie Sauber Kobayashi und De La Rosa. Force India ließ sogar Sutil draussen, der auf Intermediates unterwegs war. Alle hofften, dass die rote Flagge kommen würde, und die bekamen sie auch.

Auch wenn der Stopp hinter dem SC nur 14 Sekunden kostete, er führte dazu, dass die Mutigen/Geduldigen nach vorne gespüöt wurden. Und als das Rennen abgebrochen wurde, und Whiting entschied, dass alle auf Full-Wets starten müssen, bekamen sie auch noch ihren Reifenwechsel ohne Zeit zu verlieren.

Heidfeld kam von P6 auf P4, di Resta von P9 auf P6 und Sutil von P17 auf P13. Kobayashi konnte sich diebisch freuen, dass Alonso, Rosberg und Schumacher vor ihm auf Intermediates gewechselt hatten um dann festzustellen, dass sie beim neulich einsetzenden Regen einen Fehler gemacht hatten, was den Japaner auf P2 brachte. Und dann konnte er in der Unterbrechung bequem seine Reifen wechseln.

Man muss feststellen, dass die Kombination von Kobayashi und den Strategen von Sauber, die in der Vergangenheit schon mutige Entscheidungen getroffen haben, gut funktioniert. Er ist nicht nur ein exzellenter Fahrer, er spielt auch mit der Strategie.

(Zwei Anmerkungen von mir: 1. Sorry, dass der so spät kommt, ich hatte einfach keine Zeit für die Übersetzung. 2. Ich bin nicht ganz der Meinung von James, was die Annahme angeht, dass Button Vettel auch dann eingeholt hätte, wenn die letzte SC-Phase nicht gekommen wäre. 17 Sekunden in 12 Runden sind einfach etwas viel, zumal Button in den letzten Runden, als Red Bull und Vettel auf die nahende Bedrohung reagierten, auch nicht mehr so schnell ran kam. Der Fehler von Red Bull war, nach dem Restart Button nicht auf dem Schirm zu haben, weil man dachte, dass man mit Webber ein Polster haben würde. )

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Schweinderl