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15:51

Vorschau: Start in den Formel-Sommer

Auch die Nachwuchsklassen erwachen langsam aus dem Winterschlaf. Nachdem vor zwei Wochen schon die F3 Euroseries ihr erstes Rennen gezeigt hat, beginnen am Wochenende die Saisons der Formel Renault 3.5, Formel 2 und der britischen F3.

Ein spannendes Jahr dürfte uns vor allem in der Formel Renault 3.5 bevorstehen, wo 2011 gleich eine ganze Reihe talentierter Fahrer an den Start gehen wird. Neben Vorjahres-Vizemeister Daniel Ricciardo treten auch der überzeugende Meister der britischen F3 2010, Jean-Eric Vergne, der ehemals so hoch gehandelte Brendon Hartley, US-Hoffnung Alexander Rossi und Robert Wickens in der Serie an. In der Formel 2 wird sich die Spannung eher auf einen anderen Sachverhalt konzentrieren: Schafft es die von Jonathan Palmer geleitete Juniorklasse, sich mit  generalüberholtem Rennformat und neuem TV-Partner als ernsthafte Alternative für junge Talente zu positionieren – oder droht am Ende der Saison das Aus? Und schließlich startet auch noch in Monza die britische Formel 3 ihren Versuch, die F3 Euroseries an der Spitze der internationalen F3-Serien abzulösen.

Formel Renault 3.5

Nach einem eher mauen Nachwuchs-Jahrgang 2010 ist in diesem Jahr wieder ein deutlicher Aufwärtstrend zu erwarten. Denn nicht nur in der GP2 sind eine ganze Menge vielversprechender Jungtalente am Start – das Starterfeld der Formel Renault 3.5 hat alle Vorzeichen, über einen mindestens ebenso großen Talentepool zu verfügen.

An erster Stelle muss wohl Red Bull Junior Daniel Ricciardo genannt werden. Der Australier hätte sich bereits im vergangenen Jahr fast im Kampf um den Titel durchgesetzt. Außerdem konnte er bei den Formel 1 Juniortests Ende 2010 im Red Bull auf der ganzen Linie überzeugen. Weil aber weder bei Red Bull Racing noch bei Toro Rosso derzeit ein Platz frei ist, hat ihm Dr. Helmut Marko eine weitere Saison in der Formel Renault 3.5 verordnet. Da Ricciardo aber gleichzeitig offizieller Ersatzfahrer beider Red Bull-Teams ist, muss er bei allen F1-Wochenenden vor Ort sein – damit ist er zum Saisonauftakt im Motorland Aragon schon einmal nicht am Start. Seinen Wagen wird interimistisch der Schotte Lewis Williamson übernehmen. Sollten Jaime Alguersuari oder Sebastian Buemi heuer nicht auf der ganzen Linie überzeugen, könnte Ricciardo gerüchteweise die Formel Renault 3.5 Mitte des Jahres endgültig in Richtung Formel 1 verlassen.

Favorit auf den Sieg ist dann wohl der ebenfalls von Red Bull unterstützte Jean-Eric Vergne. Der aktuelle Meister der britischen F3 – übrigens der erste Franzose, der diesen Titel trägt – hat schon 2010 bei seinen Gastauftritten in der Serie geglänzt. Wenn er sich 2011 nicht wieder an der Spitze des Feldes findet, wäre das wahrscheinlich für ihn und Sponsor Red Bull bereits eine Enttäuschung.

Bei den Testfahrten vor der Saison konnte allerdings ein anderer alter Bekannter überzeugen: Der Kanadier Robert Wickens, 2009 in der Formel 2 und 2010 in der GP3 glücklos aber schnell unterwegs, war sowohl im Nassen als auch im Trockenen an der Spitze der Zeitenlisten zu finden. Für Wickens ist die Saison wohl eine Art letzte Chance, sich für die Formel 1 zu empfehlen. 2008 war er als 18-Jähriger schon einmal in der Formel Renault 3.5 unterwegs. Trotz eines Sieges in Silverstone beendete er das Jahr damals nur im Mittelfeld der Tabelle.

Ebenfalls auf der Favoritenliste steht der US-Amerikaner Alexander Rossi. Die Nachwuchshoffnung aus den Staaten war 2010 in der GP3 unterwegs, und dort nur recht mäßig erfolgreich. Überzeugen konnte er dagegen bei seinem bislang einzigen Auftritt in der Formel Renault 3.5. In Monaco ersetzte er im vergangenen Jahr den finanzschwachen Esteban Guerrieri, und fuhr prompt an der Spitze mit – bis er einige Runden vor Schluss das Rennen in der Leitplanken von Massenet beenden musste.

Anonsten zu beachten: Brendon Hartley, der sich nach seiner Entlassung aus dem Red Bull Juniorkader in die Serie zurückgekämpft hat, und bei den Testfahrten gut unterwegs war; Formel Renault 2.0 Meister Kevin Korjus aus Estland; Der ganz besonders von Norbert Ockenga hochgeschätzte Albert Costa – und womöglich Sten Pentus, der Überraschungsmann der vergangenen Saison.

Formel 1 Jung-Nostalgiker werden sich außerdem am neuen BVM Target Team erfreuen: Die italienische Mannschaft fungiert als eine Art inoffizielles Ferrari-Juniorteam, und wird mit Daniel Zampieri und Sergio Canamasas auch Fahrer aus dem Umfeld der italienischen Nobelmarke einsetzen. Der Clou: Das Team wird von Giovanni Minardi geleitet, dem Sohn von Gian Carlo Minardi, dem ehemaligen Besitzer des gleichnamigen Formel 1 Teams.

Los gehts am kommenden Wochenende mit zwei Rennen auf einer der besseren Tilke-Strecken, dem Motorland Aragon. Eurosport überträgt live, am Samstag um 14:00 Uhr und am Sonntag um 14:15 Uhr.

Außerdem finden im Rahmen des “World Series by Renault”-Wochenendes auch noch Rennen der Formel Renault 2.0, des Renault Megane Eurocups und des neuen Renault Clio Cups statt. Besonders die Rennen der Formel Renault 2.0 wären vermutlich einen Blick wert, geht dort doch die rekordverdächtige Zahl von 38 Autos (!) an den Start. Leider wird die Serie aber nirgendwo übertragen. Man kann wohl nur in der Wochenend-Zusammenfassung (Dienstag, 23:30, Eurosport) einen Blick auf die Läufe erhaschen. Anders verhält sich die Sache beim Megane Cup: Der wird 2011 live auf Motors TV übertragen (Samstag 15:50, Sonntag 12:15 Uhr). Außerdem stehen auch Übertragungen (allerdings mit falschen Startzeiten) im Wochenend-Programm des Eurosport Player.

Formel 2

Der 2009 mit großen Hoffnungen gestarteten Juniorklasse steht im dritten Jahr ihres Bestehens eine Schicksals-Saison bevor. Ende des Jahres läuft nämlich die Lizenz aus, die es der Serie erlaubt, sich als offizielle FIA-Nachwuchsklasse zu deklarieren. Und ob die Ereignisse der vergangenen zwei Jahre unbedingt dazu angetan sind, die Motorsportbehörde zu einer Verlängerung dieser Lizenz zu bewegen, darf bezweifelt werden.

Deshalb haben sich die Verantwortlichen rund um Serienchef Jonathan Palmer wohl auch dazu entscheiden, eine Art Re-Launch zu vollziehen: Man hat sich über den Winter aus dem Rahmenprogramm der WTCC gelöst, und tritt nun selbst als “Hauptattraktion” der Formel 2-Wochenenden an. Die Trennung bedeutet auch, dass die Formel 2 fortan nicht mehr im Programm des WTCC-Veranstalters Eurosport zu sehen ist, von dem sich die Formel 2 ganz besonders stiefmütterlich behandelt fühlte. Fraglich bleibt, ob der neue TV-Partner Motors TV da einen Mehrwert bilden kann. Immerhin: Nach sporadischen Web-TV Versuchen von Eurosport soll die Formel 2 in diesem Jahr endlich flächendeckend und ohne Geo-Block auch via Internetstream verfügbar sein.

Fahrerisch hat sich in der Serie über den Winter nur erstaunlich wenig getan. Kevin Snoeks, Mihai Marinescu, Will Bratt, Benjamin Lariche, Jack Clarke, Tobias Hegewald und und Natalia Kowalska stellen nur eine Auswahl jener Piloten dar, die 2011 eine weitere Saison in der Formel 2 absolvieren werden. Dazu kommt nach einem erfolglosen Jahr in der GP3 Meisterschaft Mirko Bortolotti, der schon 2009 den vierten Platz in der (damals noch etwas stärker besetzten) Formel 2 errungen hat.

An neuen Talenten wird man wohl am ehesten noch den Briten James Cole (den zweiten der “National Class” in der britischen F3), den Spanier Miki Monras (2010 Zehnter in der GP3) und den Schweizer Christopher Zanella (sechster der italinischen F3 des Vorjahres) beachten müssen.

Auch 2011 nicht im Spitzenfeld zu erwarten ist dagegen eine ganze Riege von Pay-Drivern. Da wäre etwa der 38-jährige bulgarische Millionär Plamen Kralev, der zwar ein sympathischer Motorsport-Botschafter seiner Heimat sein mag, aber wohl nur noch schwer als Nachwuchspilot zu verkaufen ist. Außerdem die beiden Inder Parthiva Sureshwaren und Armaan Ebrahim, beide schon seit einigen Jahren ohne große Erfolge in diversen Nachwuchsklassen unterwegs. Zumindest Ebrahim hat in der vegangenen Saison aber gelgentlich den Eindruck hinterlassen, dass er sich zu einer Art Pedro Diniz der Formel 2 mausern könnte – ein Pay-Driver, der sich im Laufe der Zeit zu einem durchaus soliden Piloten entwickelt. Komplettiert wird das Feld vom Koreaner Sung-Hak Mun, als dessen bisher größte Errungenschaft die Website der Formel 2 mitteilt, er sei Testfahrer des koreanischen A1GP-Teams gewesen.

Nur um es noch einmal klarzustellen: Als Freund von Underdogs würde es mich sehr freuen, wenn einer der zuletzt genannten Fahrer sich im Laufe der kommenden Saison wieder Erwarten doch als motorsportliche Erfolgsgeschichte erweisen könnte. Gleiches gilt für die Serie an sich. Leider stehen die Vorzeichen aber in beiden Fällen nicht besonders gut.

Zum Saisonauftakt am Wochenende stehen zwei Läufe in Slverstone auf dem Programm. Zu sehen sind, wie oben erwähnt, beide Rennen live bei Motos TV und im offiziellen Stream auf formulatwo.com. Rennen 1 startet am Samstag um 14:50 Uhr, Lauf zwei am Sonntag um 15:35 Uhr.

Britisch F3

International wie schon lange nicht mehr präsentiert sich zum Saisonstart die britische Formel 3 Meisterschaft. Vier der zehn Veranstaltungen 2011 werden außerhalb Großbritanniens ausgetragen, der Saisonstart findet symbolhafterweise in Monza statt. Überhaupt hofft man bei der traditionsreichen Nachwuchsklasse darauf, von den aktuellen Problemen der F3 Euroseries zu profitieren.

Ein neuer TV-Vertrag ist leider nicht Teil der Wachstumspläne. Die Läufe der Serie werden daher auch in der aktuellen Saison nicht live zu verfolgen sein, sondern lediglich eine Woche nach Austragung als Relays am britischen Channel 4; Danach – in einer etwas längeren Version – auf Motors TV. Fans mit einer britischen IP-Adresse können sich die Zusammenfassungen außerdem wohl auch 2011 wieder auf dem offiziellen Youtube-Kanal ansehen.

Und trotzdem werden wir von der britischen Formel 3 in diesem Jahr etwas mehr zu sehen bekommen. Denn wie auch bei der F3 Euro und dem deutschen F3 Cup qualifiziert die Teilnahme an der Serie zum Start in der neu gegründeten F3 International Trophy. Die meisten Starter werden daher auch mindestens einmal im deutschen Fernsehen auftreten – beim Lauf der F3 Euro in Hockenheim, der gleichzeitig den ersten Durchgang der International Trophy darstellt. Ob auch die anderen Stationen der internationalen Meisterschaft (Spa, Pau, Zandvoort, Macao und Korea) im Fernsehen übertragen werden, ist noch unklar. Zumindest Macao lief 2010 ziemlich überraschend bei n-tv.

Bei den Fahrern sticht ein prominenter Name aus der Masse heraus: Kevin Magnussen, Sohn des ehemaligen Formel 1 Fahrers Jan und Dritter des deutschen Formel 3 Cups 2010. Außerdem aus anderen Serien (vor allem aus der Formel BMW) bekannt sich etwa Felipe Nasr (dem Autosport in dieser Woche ein eigenes Special widmet), William Buller, Lucas Foresti, Rupert Svendsen-Cook, Jack Harvey oder Jazeman Jaafar. Den Großteil der Piloten kenne ich allerdings zu wenig, um mir ein Urteil über ihre Fähigkeiten zu erlauben – man wird also die ersten ein, zwei Rennen abwarten müssen, um zu sehen, wer ernsthaft um die Meisterschaft mitfahren kann. Aber das ist ja auch mal ganz nett…

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