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06:19

Formel Eins: Analyse GP Malaysia 2011

Es gab keinen Regen in Sepang und so konnten die Teams zum ersten Mal sehen, wo ihre Wagen wirklich stehen. Und das Ergebnis wird den meisten nicht gefallen. Red Bull ist dagegen selbst ohne KERS nicht zu schlagen.

Als Sebastian Vettel nach dem Rennen aus dem Wagen, war er nass geschwitzt, aber nicht er sah relativ frisch aus. Nach 56 Runden bei brütender Hitze schien er locker, gelöst und freudig entspannt. Kein Wunder, zum einen hatte er gerade das Rennen gewonnen, zum anderen gab im Rennen keinen Moment, in dem er nicht Herr der Lage war. Vettel cruiste zwar nicht zum Sieg, dafür musste er zu sehr auf Reifen und Konkurrenz aufpassen, aber wie viel Luft er noch nach oben hatte, zeigt ein Rundenzeitenvergleich mit Mark Webber, der seinen RB7 wegen des schlechten Starts deutlich mehr ausquetschen musste. Während Vettels beste Rundenzeit eine 1.41.539min war, zeigte Webber in Runde 46 mit neuen Reifen und leeren Tank eine 1.40.571min. Wohl gemerkt ohne KERS, das wäre also noch schneller gegangen. Vettel hätte also deutlich zulegen können. Die Konkurrenz hält sich mit Durchhalteparolen über Wasser.

Erstaunlicherweise lief es für Ferrari im Rennen besser, als in der Quali. Massa und Alonso waren auf einer eher konservativen Dreistopp-Strategie, die ziemlich identisch mit der von McLaren und Renault war. Auch was die Rundenzeiten anging, lag Ferrari plötzlich auf der Höhe von McLaren, wie die Rundenzeiten der FIA zeigen (pdf)

Als Beispiel habe ich mal ein paar Runden aus dem ersten Drittel des Rennens genommen, also als die Tanks noch gut gefüllt waren und die Reifen stärker gefordert waren. Sowohl Hamilton, als auch Alonso hatten weiche Reifen drauf:

HAM
14 1:45.676
15 1:44.079
16 1:45.445
17 1:44.102
18 1:43.388
19 1:43.304
20 1:43.299
21 1:42.919
22 1:42.966
23 1:43.009

ALO
16 1:44.128
17 1:44.478
18 1:43.511
19 1:42.602
20 1:42.739
21 1:43.121
22 1:43.012
23 1:43.042
24 1:43.360
25 1:43.496

Die Unterschiede sind recht klein, sieht man mal von der 1:45er Runde von Hamilton ab, die vermutlich mit einer Überrundung zusammen hängen. Interessant auch ein Vergleich mit Heidfeld:

HEI
15 1:45.316
16 1:45.109
17 1:44.767
18 1:44.399
19 1:43.832
20 1:43.531
21 1:43.204
22 1:47.084
23 1:43.586
24 1:44.136
25 1:44.677

Renault hat also noch etwas Arbeit vor sich, so ganz kann man nicht mithalten. Vor allem verliert man viel Zeit, bis die Reifen auf Temperatur sind, insgesamt hat man nicht ganz den Speed von McLaren oder Ferrari. Dennoch lieferte Heidfeld ein sehr gutes Rennen ab. Allein sein Start war sensationell, vielleicht wäre sogar der zweite Platz drin gewesen, wenn beim ersten Stop nicht etwas schief gegangen wäre. Heidfeld fuhr souverän und abgeklärt, seine Rundenzeiten blieben auch mit abbauenden Reifen konstant gut und er ließ sich am Ende auch nicht vom heranstürmenden Webber außer Ruhe bringen und nutzte sein KERS geschickt, so dass Webber keine echte Chance hatte. Zumindest hat er gezeigt, dass er es noch drauf hat und der dritte Platz ist die gerechte Belohnung für ein gutes Rennen.

Ferrari hat wiederum im Rennen die Möglichkeit, aus eigener Kraft aufs Podium zu kommen, aber wegen der schlechten Performance in der Quali muss man sich immer an McLaren und Renault vorbeischieben, was nicht geht, ohne die Reifen hoch zu belasten. Hätte Alonso weiter vorne gestanden, wäre auch Platz 2 drin gewesen. Man weiß also was geht, aber Ferrari wirkt nicht so, als würde man sich klaren darüber sein, wie man das Problem angehen soll. Massa meinte nach dem Rennen wenig diplomatisch

“We definitely have to improve the car, but it’s equally true that our race pace is very
different to our performance in qualifying. That’s a positive, but we know that grid position is
nevertheless very important, so we have to move forward on this front.”

McLaren hat derweil mit dem Reifenverschleiss zu kämpfen. Sowohl Button als auch Hamilton kamen von allen Topteams als erste zum Stopp und fuhren auch nur einen kurzen zweiten Stint. Danach schonte man die Reifen etwas mehr, aber sowohl Button als auch Hamilton hatten den längsten letzten Stint, der bei Hamilton dann wegen des Unfalls mit Alonso verkürzt wurde.

Die FIA belegt Hamilton nach dem Rennen mit einer 20 Sekunden Strafe, weil er zweimal die Linie gewechselt hatte, als Alonso vorbei wollte. Der Spanier bekam aber auch die gleiche Strafe, weil er Hamilton beim Überholmanöver berührt hatte. Die letzte Strafe empfinde ich als Quatsch, weil es ein reiner Rennunfall war und nicht absichtlich geschah. Zu dem bestrafte sich Alonso damit selber schwer. Immerhin – an seinem Ergebnis ändert sich deswegen nichts, nur Hamilton fiel einen Platz hinter Kobayashi zurück.

Das Ferrari und McLaren mit dem Ergebnis nicht zufrieden sind, ist klar. Aber viel schlimmer ist aber die Tatsache, dass man null Chancen auf einen Sieg hat, wenn die Red Bull keine technischen Probleme haben. Deutlich wird die Überlegenheit von Red Bull auch, wenn man sich das Rennen von Mark Webber ansieht. Am Start versagte sein KERS, was auch über das Rennen nicht mehr starten wollte. Die Konkurrenz flog an ihm vorbei und er war nur auf P10 nach der ersten Runde. Dann lieferte er sich ein herzerfrischendes Duell mit Kobayashi, der Webber auf jeder Gerade stehen ließ, bevor sich Red Bull entschloss den Australier früh reinzuholen. Er fiel bis auf Platz 17 zurück, erlaubte sich als einziger eine 4-Stopp-Strategie und hätte sich am Ende fast noch den dritten Platz geholt. Selbst Button wäre noch in Reichweite gewesen, wenn das Rennen nicht zu Ende gewesen wäre. Und durch den vierten Stopp hatte Webber noch einmal rund 21 Sekunden verloren.

Besonders ernüchternd war das Rennen für Mercedes, die mit sehr großen Sorgen abreisen. Der Rennspeed des Wagens ist schlicht unterirdisch und man liegt hinter Red Bull, McLaren, Ferrari und Renault. Und zwar deutlich. Schumachers Zeiten:

MSC
16 1:45.112
17 1:45.604
18 1:44.639
19 1:44.305
20 1:44.212
21 1:43.910
22 1:44.316
23 1:44.344
24 1:44.852
25 1:45.414
26 1:44.878
27 1:45.971

Der Abstand zu Ferrari und McLaren beträgt über den Daumen gepeilt eine bis 1.5 Sekunden im Rennen. Allerdings muss man dazu erwähnen, dass Mercedes auch Fehler bei der Strategie machte. Man spekulierte darauf, dass es regnen würde, und ließ Schumacher etwas länger draußen, als es gut war. Das bedeutete, dass seinen sechsten Platz verlor und sich im Mittelfeld wieder fand. Sein Weg zurück in die Punkte war hart und blieb fast unbemerkt. Wie schlecht der MGP02 zurzeit läuft konnte man an Rosberg sehen, der einen katastrophalen Start hatte und im hinteren Mittelfeld stecken blieb. Während sich Mark Webber aus der schlechten Position mit guten Rundenzeiten retten konnte, blieb Rosberg einfach stecken. Er hatte einfach nicht den Wagen um sich lösen zu können und blieb im Rennen blass. Da wartet viel, viel Arbeit auf Mercedes, die mit zu schnell abbauenden Reifen zu kämpfen haben. Das Mindestziel müsste lauten, dass man auf Augenhöhe mit Ferrari und McLaren ist, aber das wird schwer werden.

Zwei Teams sollte man noch erwähnen. Force India schnappte sich dank des spektakulären Aussetzers von Petrov (Flugeinlage galore) mit Paul di Resta einen Punkt. Der Schotte sicherte sich P10 mit einem unauffälligen Rennen und sehr konstanten Rundenzeiten. Adrian Sutil kam nur auf P11, was auch daran lag, dass er in der Quali hinter Di Resta gelandet war. Dennoch ein sehr gutes Ergebnis für die Inder, deren Wagen ja nicht der schnellste ist. Immerhin ließ man auch die weiter vor ihnen gestarteten Toro Rosso hinter sich, die im Rennen mit zu schnell abbauenden Reifen zu kämpfen hatten und chancenlos waren.

Desaströs und katastrophal ist die Lage bei Williams. Der Speed, den Barrichello zeitweise in Australien noch zeigte, war in Sepang zu keiner Zeit. Man scheiterte um ein Haar mit beiden Wagen in Q3, im Rennen ging überhaupt nichts. Barrichello hatte in der ersten Runde eine Berührung, die seinen Hinterreifen und wohl Teile der Hydraulik beschädigte. Maldonado stellte den FW33 schon nach 8 Runden ab, weil der Motor Fehlzündungen hatte. Schlechter kann ein Rennen kaum laufen, deprimierend war auch der mangelnde Speed des Williams.

Ganz hinten zeigte immerhin Lotus, dass man noch Potential hat. Kovalainen landete dank der vielen Ausfälle auf P15, war aber nur 0,5 Sekunden hinter Alguersuari im Toro Rosso, was ein wirklich gutes Ergebnis ist. Virgin fuhr ein eigenes Rennen und schaute, dass man nicht im Weg rumstand. HRT verlor beide Wagen mit technischen Problemen.

Insgesamt ein interessanter, aber nicht weltbewegender Grand Prix, der zeigte, wo die Teams stehen. Es wird, je nach Asphalttemperatur, sicher Verschiebungen geben, aber die Abstände im Rennen sind teilweise schon erstaunlich. Red Bull nutzte das KERS mehr oder weniger nur am Start, man braucht das System dort, aber ansonsten nicht wirklich. Der Abtrieb des RB7 ist so hoch, dass man die Zeit in den schnellen Kurven holt.

Die nächsten zwei Rennen sind mit China und vor allem der Türkei wieder Strecken, die über viele schnelle Passagen verfügen. Red Bull wird sich nur selbst schlagen können, und die Chance, dass Vettel weitere Siege einfahren wird, ist sehr groß. Im Rennen gibt es im Moment kein Team, das die Österreicher schlagen kann.

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