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07:43

Force India: Neuer Fahrer und viele Fragen

Seit Wochen wurde spekuliert, seit heute ist es offiziell: Paul di Resta ist neue zweite Mann neben Adrian Sutil, Nico Hülkenberg wird Testfahrer. Ob das eine schlaue Entscheidung war?

Force India hat eine zähe Saison hinter sich. Den Abgang zweier sehr wichtiger Mitglieder es Entwicklungsteam (James Key, Mark Smith) hat man nur schwer verdaut, das letztjährige Chassis war keine Offenbarung, auch wenn es das Team im hinteren Mittelfeld etabliert hat. Natürlich ist es immer noch eine ziemlich gute Leistung, die Vijay Mallya vollbracht, wenn man bedenkt, welche Irrwege (Midland, Spyker), das Team in den Jahren zuvor mitgemacht hat. Heute hat man die neue Fahrerpaarung vorgestellt, und mit Sutil, di Resta und Hülkenberg hat man eine interessante Mannschaft zusammen. Ich bin mir aber nicht sicher, ob Hülkenberg die richtige Entscheidung getroffen hat. Dazu kommt die nicht schöne Art und Weise, wie man Liuzzi vor die Tür gesetzt hat.

Zu Adrian Sutil ist eigentlich alles gesagt. An guten Tagen fährt er auf Top-Niveau, an schlechten eher Kreisklasse. Sein Problem ist die mangelnde Konstanz, die vermutlich auch andere Teams davon abhält ihn zu verpflichten. Paul di Resta muss sich erst einmal beweisen. Seine Testzeiten waren nicht schlecht, allerdings ist er seit seinem F3 Euro Titel kaum noch Monoposto gefahren. Es wird interessant zu sehen sein, wie er sich in die F1 einfügt. Große Sorgen muss sich Sutil zunächst sicher nicht machen, aber am Ende der Saison könnte das anders aussehen.

Nico Hülkenberg ist klar geparkt. Der Mann ist eigentlich viel zu gut für die Rolle eines Test- und Freitagsfahrers. Angeblich hatte Virgin bei ihm angeklopft und ihm ein Cockpit angeboten, was er und sein Management (Willi Weber) aber abgelehnt haben. Diese Entscheidung, wenn es das Angebot denn wirklich gab und es zudem nicht an viel Geld geknüpft war, kann ich nicht so ganz nachvollziehen. Ein Jahr bei Virgin mag erst einmal eher nicht so gut klingen, aber wenn es ihm gelungen wäre, den ja nun auch nicht langsamen Timo Glock in Schach zu halten, wäre das ein Argument für einen weiteren Wechsel gewesen. Zu dem hätte er über die gesamte Saison Erfahrung mit den neuen Pirelli Reifen sammeln können, und genau das wird ihm jetzt fehlen. Bleibt nur zu hoffen, dass sein Management gleichzeitig einen Deal mit Mercedes geschlossen hat, die wohl an ihm interessiert waren. Der könnte beinhalten, dass di Rest entweder bis zur Saisonmitte oder Saisonende eine bestimmte Punktzahl abliefern muss, sonst bekommt Hülkenberg seinen Platz. Eine weitere Variante ist, dass Schumacher Ende 2011 aufhört und Mercedes entweder di Resta oder Hülkenberg holt. So oder so, ein Platz wäre Hülkenberg sicher.

Wie man aber bei Vitantonio Liuzzi sehen kann, gelten Verträge in der Formel Eins wenig. Liuzzi hat einen gültigen Vertrag für 2011, was selbst Force India nicht bestreitet. Fahren darf er trotzdem nicht. Vermutlich wird es zu einem unschönen Geschacher vor dem FIA Contract Recognition Board kommen, vielleicht hat man Liuzzi aber auch mit Geld beruhigt. Ich kann mir jedenfalls gut vorstellen, dass Mercedes bei der Fahrerbesetzung ein deutliches Wort mit gesprochen hat.

Ein wenig leid tut mir der Italiener schon, aber so richtig überzeugt hat er mich in der Formel Eins nicht. Es hat mich schon gewundert, dass Mallya ihn letztes Jahr eingesetzt hatte, aber vermutlich war Liuzzi günstig zu haben. Er hat aber weder bei Toro Rosso, noch bei Force India gezeigt, dass er sensationell schnell unterwegs wäre. Nur sein Rennen in Korea ist mir in Erinnerung geblieben, allerdings mehr aus dem Grund, weil er als einer der wenigen keine Fehler gemacht hat.

Mallya wird sich den Austausch vom Liuzzi bezahlen lassen. Allerdings nicht mit Geld, sondern mit Know-How. Force India hat im ersten Jahr der Zusammenarbeit mit Mercedes vor allem deswegen profiziert, weil es einen Informationsfluss zwischen McLaren und dem Team gegeben hat. Nachdem Force India personell in diesem Jahr etwas ausgeblutet ist, liegt die Vermutung nahe, dass Mallya von Norbert Haug für den Einsatz von di Resta etwas ähnliches gefordert hat. Die neuen, meist komplizierten, Aerodynamikteile für die diesjährigen Regeln, werden einen gewissen Informationsfluss von Mercedes zu Force India sicher nötig machen. Bemerken dürfte man eine mögliche Zusammenarbeit vor allem gegen Ende der Saison, wenn die kleinen Team aus notorischem Geldmangel normalerweise zurückfallen. Der Deal, dem Liuzzi zum Opfer gefallen ist, könnte also deutlich mehr umfassen, als nur ein Cockpit.

Und was macht Liuzzi jetzt? Er und sein Management sind erstaunlich ruhig geblieben. Es gab keine Indiskretionen oder Gerüchte, die die Runde gemacht haben. Das wildeste Gerücht, dass seit heute die Runde macht, lautet dass er bei HRT andockt. Auf den ersten Blick würde es passen, denn vermutlich kann er Geld mitbringen und er hat vor allem durchaus viel Erfahrung. Auf den zweiten Blick muss man sich aber die Frage stellen, warum Liuzzi sein Schmerzensgeld für eine schmerzvolle Erfahrung bei HRT eintauschen möchte, die dieses Jahre mit Sicherheit wieder Schlusslicht sein werden.

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Schweinderl