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08:27

Talente: Auf wen man 2011 achten muss

2010 war nicht das Jahr der Junioren. In kaum einer Nachwuchsklasse konnte ein Fahrer so wirklich herausstechen. Wer etwas genauer hinsieht, findet trotzdem einige Talente.

Pastor Maldonado, Sergio Pérez und Jerome D’Ambrosio haben es geschafft: Sie sind aus den unteren Ligen des Motorsports zu einem Stammplatz in der Formel 1 emporgestiegen. Was dabei auffällt: Alle drei Neueinsteiger kommen auch in der Saison 2011 wieder aus der GP2. Ebenfalls aus den Ecclestone-nahen Nachwuchsklassen kommen die Testfahrer Jules Bianchi (Ferrari/GP2), und Esteban Gutierrez (Sauber/GP3). Einzig Valtteri Bottas (Williams/F3 Euro) und Daniel Ricciardo (RBR/Formel Renault 3.5) konnten sich aus anderen Klassen in die Nähe der F1 hinaufarbeiten. Und trotzdem: Im Vergleich zu früheren Jahren schien die GP2-Talentdichte 2010 etwas dünner. Dafür konnten sich in den anderen Klassen ein paar Fahrer für höhere Aufgaben empfehlen.

GP2

Womöglich ist die GP2 ein Opfer ihres eigenen Erfolges: In den ersten fünf Jahres ihres Bestenens haben es immer alle drei Erstplatzierten in die Formel 1 geschafft (mit Ausnahme von Alexandre Prémat, dem Dritten 2006) – auch, wenn manche (Speed, Piquet, Jr., Pantano) mittlerweile nicht mehr dabei sind. Für eine Nachwuchsklasse wie die GP2 heißt das: Man muss jedes Jahr wieder drei gute Piloten finden, die in der Formel 1 mithalten können. Und während man in den ersten paar Jahren des Bestehens auf ein Reservoir an guten Fahrern zurückgreifen konnte, muss man mittlerweile erkennen: So viele neue Topfahrer gibt es nicht jedes Jahr. Und so war die Konkurrenz in diesem Jahr vielleicht etwas geringer.

Womit ich die Leistungen der drei Erstplatzierten nicht schmälern will. Pastor Maldonado wird meiner Ansicht nach etwas unterschätzt – er hat in den vergangenen Jahren immer wieder gezeigt, dass er an guten Tagen durchaus mit der Spitze der GP2-Piloten mithalten konnte, seine Leistungen 2010 waren zum Teil ziemlich beeindruckend. Und auf Stadtkursen scheint er überhaupt über sich hinauswachsen zu können. Allerdings dürfte er (so wie etwa auch Vitaly Petrov) Probleme haben, seinen Speed unter allen Bedinungen zu zeigen. Man wird wohl abwarten müssen, was er aus seiner Williams-Chance macht. Es besteht das Potenzial für Überraschungen – aber auch zur großen Enttäscuhung.

Noch etwas höher als den Venezuelaner schätze ich allerdings Sergio Pérez ein. Der Mexikaner hat in der britischen F3 seinen Speed beiweisen. Und mit etwas weniger Rennpech wäre jetzt wohl er GP2-Meister 2010. Allerdings mangelt es ihm noch an Erfahrung. Und mit Kamui Kobayashi hat er in der ersten Saison einen denkbar schwierigen Partner: Der Japaner ist fahrerisch schnell und aggressiv – als Teamkollege also eine hohe Messlatte. Oft haben junge Fahrer mit einem solchen Teamkollegen trotzdem Glück. Nämlich dann, wenn sie, so wie Barrichello 2010 bei Williams, auch erfahren genug sind, bei Abstimmung und Weiterentwicklung des Autos zu helfen. Ob Kobayashi das in diesem Zeitpunkt seiner Karriere schon kann, bleibt abzuwarten.

Nicht ganz unerwähnt soll aber auch der Meisterschaftsdritte bleiben: Jules Bianchi, 2009 noch als das Talent der Saison gehandelt, hat ein Seuchenjahr hinter sich. Viele Fehler in Quali und Rennen, zusätzlich oft auch nicht schnell genug. Oft hatte man das Gefühl, er wäre mit den in ihn gesetzten Erwartungen ein wenig überfordert. Und dann kam auch noch der schwere Unfall in Budapest. Trotzdem: Der Fanzose hat unbestreitbar großes Talent. Wenn er uns seine Betreuer eine Möglichkeit finden, das wieder abzurufen, könnte er 2011 wieder ganz oben auf den Ergebnislisten zu finden sein.

Auf den Ehrenplätzen: Dani Clos zeigte sich im Vergleich zu vergangenen Jahren deutlich verbessert – in der Formel 1 sehe ich ihn trotzdem nicht. Sam Bird zeigte ein paar schöne Überholmanover, muss sich aber auch 2011 noch merklich steigern. Ach ja: Christian Vietoris war auch dabei. Und zeigte bei einigen Anlässen auch schönen Speed – für 2011 muss auch er aber noch ein wenig an seiner Konstanz arbeiten.

GP3

Das Premierenjahr für die GP3 ist nun schon seit einigen Monaten vorbei, und ich weiß immer noch nicht so richtig, was ich von der kleinen Schwester der GP3 halten soll. Die Mischung aus jungen Fahrern, Quereinsteigern aus anderen Serien (etwa der A1GP oder der SLF), Piloten aus niedrig eingeschätzten Klassen, die plötzlich Erfolg hatten (etwa Rio Haryanto) und lange bekannten Gesichtern, die sich teils unerwartet schwer taten (Alex Rossi, James Jakes, Stefano Coletti) machte es kompliziert, zu einer Einschätzung über die Leistungsfähigkeit der Klasse zu kommen. Die folgenden Beurteilungen sind also noch etwas subjektiver als sonst.

Eines scheint aber unbestreitbar: Es war das Jahr des Esteban Gutierrez. Es ist schon lange her, dass ein Pilot eine gehobene Serie derart nach beliben dominierte, wie der Mexikaner im vergangenen Jahr die GP3. Auf Basis dessen scheinen sein guter Ruf und der Testplatz bei Sauber völlig gerechtfertigt. Und trotzdem: Ein Blick auf seine Ergebnisse in der eigentlich doch heuer etwas geringer eingeschätzten F3 Euroserie lassen Zweifel aufkommen. Mag natürlich sein, dass ihm der GP3 Wagen einfach besser gelgen ist – als Gradmesser für die Qualität der GP3 darf man jedenfalls gespannt sein, wie es ihm im kommenden Jahr in der GP2 ergehen wird.

Fast noch schwerer ist die Einschätzung der anderen Piloten: Der von Red Bull geschasste Robert Wickens zeigte, wie schon in der Formel 2, sehr gemischte Leistungen. Mal richtig schnell, dann wieder völlig im Mittelfeld. Das kommende Jahr wird für den Kanadier wohl einie make or break Saison – zumindest was europäische Monoposti anbelangt. Bei Nico Müller ist genau das Gegenteil der Fall: Nach einem etwas mittelmäßigen Saisonstart war der Schweizer fast immer vorne mit dabei. Für den großen Spitzenplatz hat es meist noch nicht gereicht – 2011 ist ihm der aber wohl zuzutrauen. Alexander Rossi war auch etwas wechselhaft unterwegs – für ihn spricht eher seine tolle Vorstellung beim WSbR-Rennen in Monaco als die Saison in der GP3. Ich denke trotzdem, dass er seinen Weg machen wird. Schon alleine deswegen, weil er derzeit als einziger einigermaßen F1-tauglicher Amerikaner ziemlich allein auf weiter Flur steht. Und Bernie Ecclestone hätte 2012 sicher gerne einen local hero am Start.

Formel Renault 3.5

Im Grunde hätte ich die Formel Renault 3.5 (das ist übrigens nicht die “WSbR” – so heißt nämlich die ganze, aus diversen Renault-Serien bestehende Wochendveranstaltung) ja vor der GP3 einreichen sollen. Die Autos sind zweifellos näher an der Formel 1, und auch die Piloten scheinen etwas stärker.

Zumindest ein paar davon. Der bekannteste Eleve ist vermutlich Vizemeister Daniel Ricciardo, der nach Saisonende zum zweiten Mal in Folge von Red Bull zum Young Drivers’ Test in Abu Dhabi eingeladen war – und, wie auch schon 2009, überzeugen konnte. Im kommenden Jahr wird er daher bei Toro Rosso die Freitagstrainings fahren dürfen – zumindest meistens. Denn nebenher ist er auch wieder in der Formel Renault 3.5 unterwegs – und an zwei Terminen gibt es da Überschneidungen mit den Formel 1-Rennen in China und Japan. Mal sehen, was ihm bzw. seinem Arbeitgeber Red Bull da wichtiger ist.

Im meisten beeindruckt hat mich allerdings der drittplatzierte Esteban Guerrieri aus Argentinien. Gleich mehrere Rennen hat er wegen Unterfinanzierung, technischem Pech oder grenzwertig harten Disqualifikationen versäumt. Und trotzdem blieb er bis zum letzten Lauf in Barcelona im Rennen um die Meisterschaft. Für mich der wahre Meister 2010 – ein Jammer, dass er sein Talent wohl im kommenden Jahr bei den Indy Lights vergeuden muss. Silberstreif am Horizont: Dem Vernehmen nach ist auch ein IndyCar-Einsatz in Mid Ohio geplant.

Und dann ist da noch Meister Mikhail Aleshin. Der Russe hat sich zweifellos zu einem sehr soliden Piloten entwickelt, der ziemlich konstant vorne mitfahren konnte. Auch seine Nerven bekam er zunehmend in den Griff, das letzte Rennen in Barcelona war ein verdientes Meisterstück. Und trotzdem bin ich mir nicht so ganz sicher, ob er das Zeug zum großen Champion hat. Über die Portion Talent, die so mach anderer Pay-Driver in der Formel 1 in den vergangenen Jahren mitgebracht hat, verfügt er aber zweifellos.

Formel 2

Tja – die Formel 2. Hält leider auch nicht so ganz das, was ihr Konzept versprochen hat. Zu erhoffen war eine unterhalb der Formel 1 angesiedelte Plattform für schnelle Piloten, etwa von Schlage des oben erwähnten Esteban Guerrieri, die sich eine andere Nachwuchsklasse wegen mangelnder Sponsoren nicht leisten können.

Bekommen haben wir eine Serie, in der sich zunehmend Fahrer befinden, denen es keineswegs an Geld fehlt – dafür aber an Talent. Was etwa der 37-jährige bulgarische Millionär Plamen Kralev und der 39-jährige Bollywood-Star Ajith Kumar in einer Nachwuchsserie zu suchen haben, das muss mir erstmal jemand erklären.

Schade, denn hinter der etwas schäbigen Fasade finden sich ein paar Piloten, denen durchaus mehr zuzutrauen ist. Vor allem Meister Dean Stoneman scheint jenes Bild eines schnellen aber unterfinanzierten Piloten zu erfüllen, für die die Serie erfunden wurde. Im kommenden Jahr ist er in der Formel Renault 3.5 unterwegs – und wenn er sein Talent umsetzten kann, dann könnten wir ihn in ein paar Jahr durchaus auch in einer noch höheren Klasse sehen.

Etwas Pech hatte die Formel 2 allerdings, wen man so will, mit dessen Herausforderer Jolyon Palmer. Denn die entstandene Optik, dass nun der Sohn des Lehrers zum Klassenprimus aufsteigt, war schon etwas ungünstig. Um es nochmal klar zu sagen: Ich denke nicht, dass man bei den guten Vorstellungen des Filius von Serienorganisator Jonathan nachgeholfen hat. Die große Steigerung seiner Leisung gegenüber der vergangenen Saison hat dem Image der Formel 2 aber vielleicht dennoch nicht sehr gut getan.

Viel schlechter für den Ruf der Serie ist aber eine andere Tatsache: Dass die Formel 2 nämlich trotz der tragischen Auftaktsaison immer noch ein wenig mit der Gesundheit ihrer Piloten zu spielen scheint. Die Auftritte auf Kursen wie Marrakesch und Brands Hatch sollten längst der Vergangenheit angehören. Zumindest auf dem britischen Traditionskurs wird man dennoch auch 2011 wieder starten – ein Zusammenhang mit der Tatsache, dass die Strecke der gleichen Betreiberfirma gehört, wie die F2 liegt nahe.

Wer die Serie trotzdem verfolgen will, muss sich im kommenden Jahr neu orientieren: Statt wie bisher auf Eurosport läuft die Serie jetzt auf MotorsTV und im Internet. Und zwar entgegen mancher Annahmen nicht wegen Unzufriedenheit von Eurosport, sondern auf Wunsch von Jonathan Palmer. Der verspricht sich von der Änderung eine gestärkte Marke und höhere Flexibilität. Ein Poker, der durchaus funktionieren könnte. Die Wahrscheinlichtkeit, dass die Serie am Ende scheitert, scheint mir aus heutiger Sicher aber mindestens genauso hoch.

Auto GP

Die Serie konnte ich leider nicht im TV verfolgen, weshalb ich mir kein endgültiges Urteil zutraue.

Zwei Bemerkungen aber trotzdem. Erstens: Der Meisterschaftssieg von Romain Grosjean, der erst mitten in der Saison in die Serie eingestiegen war, hat zwei Dinge bewiesen: Das Talent des in der Formel 1 vielleicht etwas zu unrecht geringgeschätzen Franzosen – und den Mangel an Speed des restlichen Fahrerfeldes. Zweitens: Der TV-Vertrag mit Eurosport kann dem Profil der vormals etwas dubiosen AutoGP nur gut tun. Für Racingfans ist er allemal ein Grund zur Freude. Ein Garant für tolle Piloten und langfristiges Überleben der einer Serie ist er aber nicht, wie die International Formula Master vor einigen Jahren ja schon bewiesen hat.

Formel 3 Euroseries

Man kann es mit Fug und Recht sagen: Das war keine gute Saison für die F3 Euroseries. Die finanziellen Probleme und der Fahrerschwund wurden hier im Blog ja schon mehrfach erläutert, daher gleich zum sportlichen Teil. Der leider auch nicht ganz unproblematisch ist.

Denn Edoardo Mortara ist als Formel 3-Meister schon eine etwas komische Wahl: Immerhin war der Italiener zwischen seinem ersten Auftritt in der F3 und der aktuellen Saison schon mit mäßigem Erfolg in der GP2 unterwegs. Seine Leistung 2010 ist unbestritten – ich denke dennoch, dass es ihm eher wie Andy Soucek oder Giorgio Pantano ergehen wird, die 2009 in der Formel 2 und 2008 in der GP2 ein ähnliches Erfolgerlebnis nach einem Rückschritt hatten. Und trotzdem danach in der Versenkung verschwanden.

Dass die Qualität der Fahrer und Teams im internationalen Vergleich immer noch stimmt, das hat der Auftritt der F3 Euro-Teams in Macao bewiesen. Für 2011 sind trotzdem dringend Verbesserungen hinsichtlich Zahl und Qualität der Fahrer von Nöten.

British F3

Die britische Formel 3 hat in den vergangenen Jahren so eine Art Wiederauferstehung erlebt: Nachdem sie zuvor von der F3 Euroseries ein wenig an den Rand gedrängt wurde, interessiert sich die Fachwelt nun wieder massiv für die Fahrer aus der traditionreichen Nachwuchsstaffel von der Insel. Ich selbst bin mir alledings nicht ganz so sicher, ob die Qualität der Piloten – vor allem in der Breite – wirklich schon wieder mit dem Ruf der Serie mithalten kann.

Ganz klar: Meister Jean-Eric Vergne ist ein Talent, das man im Auge bahelten sollte. Das haben auch seine ersten Auftritte in der Formel Renault 3.5 gezeigt. Ob man das selbse aber auch über seine klar besiegten Meisterschaftskonkurrenten James Calado, Oliver Webb und Adriano Buzaid sagen kann, wage ich dagegen doch zu bezweifeln. Als Fan britischer Renntradition lasse ich mich aber gerne eines Besseren belehren.

Formel BMW

In ihrer letzten Saison ist die einst so stolze Formel BMW fast ein wenig in Vergessenheit geraten – auch ich muss zugeben, dass ich die TV-Übertragungen nur sehr sporadisch verfolgt habe. Wenn sich zwei Fahrer aber so deutlich die Meisterschaft unter sich ausmachen, wie Robin Frijns und Jack Harvey, dann sollte man die beiden trotzdem auch in den kommenden Jahren nicht ganz aus den Augen verlieren.

Und sonst? Die Superleague Formula.

Nicht so ganz in das Nachwuchsklassen-Schema passt die Superleague Formula – und auch die Piloten, die dort antreten, haben wenig realistische Chancen auf einen beruflichen Aufstieg im Monoposto-Bereich.

Das ist aus zwei Gründen schade: Erstens deshalb, weil Fahrer wie Davide Rigon, Craig Dolby oder Max Wissel eine faire Chance verdient hätten. Und zweitens auch deshalb, weil sich die SLF im Grunde völlig unerwartet zu der Serie entwickelt hat, die die Formel 2 gerne wäre: Starke Autos, spannende Rennen – und talentierte Piloten, die sich den Einstieg in die große Welt des Motorsport leider nicht ganz leisten können. Vielleicht schaut ja doch mal jemand zu.

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